Denkmalpflege im Thurgau 18
Herausgegeben vom Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau
Im vorliegenden Band werden vom Amt für Denkmalpflege Thurgau verschiedene Projekte und Lösungsansätze zur Verdichtung nach innen vorgestellt. Die Möglichkeiten der Umnutzung von leerstehenden Ökonomiegebäuden inner- und ausserhalb von Siedlungen sind zwischenzeitlich bereits vielfach erprobt worden. Die Bedeutung von Freiräumen ist angesichts einer Baulücke stets sorgfältig abzuwägen. Bestehende Freiräume wie Gärten, Parks oder schlicht eine Wiese sind ihrem traditionellen Stellenwert entsprechend bewusst zu pflegen. Vielgestaltige Verdichtungsmassnahmen gehen auch aus den mittlerweile rund 270 veröffentlichten Restaurierungsberichten hervor. Die Fallbeispiele im vorliegenden Band verdeutlichen, dass auf Bestehendes sorgfältig geachtet und mit den neuen Nutzungsansprüchen klug umgegangen werden muss. Einleitend in den zweiten Teil des Bandes stellt der Kunstdenkmälerautor ein publizistisches Novum für das Amt vor : den Kunstdenkmälerband als E-Book. In der neuen Rubrik «St. Katharinental» werden die Auffrischungsarbeiten im Kleinen Hausmuseum geschildert. In gewohnter Weise berichten die Denkmalpfleger und Denkmalpflegerinnen über abgeschlossene Restaurierungen und über Denkwürdiges aus ihrem oft wechselvollen Alltag.
Heini Baltensberger, Bauberatung, Schlatt Ruedi Elser, Kantonaler Denkmalpfleger des Kantons Thurgau Peter Erni, Kunstdenkmälerautor im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Jürg Ganz, Kantonaler Denkmalpfleger des Kantons Thurgau 1974 bis 1998 Bettina Hedinger, Denkmalpflegerin im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Stephan Kraus, Denkmalpfleger im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Felicitas Meile, Redaktorin im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Peter Rüegger, dipl. Architekt FH SWB, Kesslersbach Betty Sonnberger, Beraterin und Inventarisatorin für kirchliche Kunstgegenstände im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Ueli Wepfer, Denkmalpfleger im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau Monika Zutter, Denkmalpflegerin im Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau
Bisher erschienen in der Reihe Denkmalpflege im Thurgau: Band 1 : Kloster Fischingen. Die Restaurierung der barocken Prälatur, 2000 Band 2 : Scheunen ungenutzt – umgenutzt, 2001 Band 3 : Kartause Ittingen – von einst zu jetzt, 2002 Band 4 : Ein Blick ins Paradies. Bau- und Restaurierungsgeschichte der Klosterkirche St. Michael in Paradies, 2003 Band 5 : Albert Knoepfli – erster Denkmalpfleger des Kantons Thurgau, 2003 Band 6 : Sie bauten den Thurgau: Die Architekten Brenner, 2004 Band 7 : Bauerngärten im Thurgau, 2005 Band 8 : Glanzstücke. Gold- und Silberschmiedekunst aus Thurgauer Werkstätten, 2006 Band 9 : Die Alte Thurbrücke von Bischofszell und ihre Instandsetzung 1999–2006, 2007 Band 10 : Neues Licht auf Fischingen. Die Restaurierung der Klosterkirche 2000–2008, 2008 Band 11: wie bist du so schön. 50 Jahre Thurgauer Siedlung und Landschaft im Wandel, 2010 Band 12 : Max Burkhardt. Vom Dekorationsmaler zum Fotograf, 2010 Band 13 : Höher bauen im Thurgau. Ein Blick zurück für die Zukunft, 2011 Band 14 : Ein Fall für... Die Denkmal Stiftung Thurgau, 2012 Band 15 : Farbkultur im Thurgau pflegen und gestalten, 2013 Band 16 : Die neubarocke Stadtkirche St. Nikolaus in Frauenfeld (1904–1906), 2014 Band 17 : modern bauen – Thurgauer Nachkriegsmoderne 1940–1980, 2015
Restaurierungen: Aadorf, Schulstrasse 7 Amriswil, Bahnhofstrasse 20 Arbon, Hochkreuzstrasse 3 Berg, Schlosskapelle Berlingen, Garten gegenüber «Adolf-Dietrich-Haus» Bischofszell, Niederbürerstrasse 2 Bürglen, Bahnhofstrasse 31 Ermatingen, Hauptstrasse 52 in Triboltingen Felben-Wellhausen, ehemalige Trotte Schloss Wellenberg Fischingen, evanglische Kirche in Dussnang Frauenfeld, Speichergebäude Frauenfeld, Garten der «Rüpplinschen Kaplanei» Schlatt, Klostergut Paradies Sommeri, paritätische Kirche St. Mauritius Sulgen, «Zum Buchenberg» in Götighofen Tägerwilen, Hinterdorfstrasse 4 Tobel-Tägerschen, «Frohburg» in Tobel Weinfelden, Magdenaustrasse 14 Aus dem wechselvollen denkmalpflegerischen Alltag: Aadorf, Trotte Burg in Häuslenen ISBN 978-3-7965-3610-6
Schwabe Verlag Basel
Schwabe Verlag Basel
Denkmalpflege im Thurgau 18
Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes
Baudenkmäler im «Dichtestress»? − Grundlagen und kreative Lösungswege
Denkmalpflege im Thurgau 18
Denkmalpflege im Thurgau 18
Denkmalpflege im Thurgau 18
Zur aktuellen Diskussion über Siedlungsdichte kann die Thurgauer Denkmalpflege mit ihrer Erfahrung im Bereich der Planung und Gebäuderestaurierung wesentliche Argumente beitragen. Auf Möglichkeiten der Umnutzung von leerstehenden Ökonomiegebäuden innerund ausserhalb von Siedlungen hat das Amt bereits vor rund fünfzehn Jahren in einem eigens gewidmeten Band seiner Publikationsreihe aufmerksam gemacht. Ebenso umfassend hat es auf den hohen Stellenwert des Bauerngartens – einer traditionellen und eng mit dem bäuerlichen Erbe verbundenen Form eines Grünraumes – hingewiesen. Dem Wandel von Siedlung und Landschaft im Thurgau wurde in einer Wanderausstellung und einem durch das Amt für Denkmalpflege herausgegebenen Begleitband nachgegangen. Auch die mittlerweile rund 270 veröffentlichten Restaurierungsberichte legen Zeugnis über verschiedene erprobte Verdichtungsmassnahmen ab. Im vorliegenden Band werden Fallbeispiele vorgestellt, welche nicht nur den gängigen Vorgaben der Restaurierung entsprechen, sondern bei denen auch die schwierige Aufgabe der Verdichtung nach innen aus denkmalpflegerischer Sicht zeitgemäss und oft originell bewältigt worden ist. Die angeführten Bauten dienten in der Vergangenheit vornehmlich der Wohnnutzung, dies meist jedoch in Kombination mit Ökonomie- und Gewerbeflächen. Einzelne Vorhaben werden im Projektierungsstadium porträtiert. Der geschickte Umgang mit definierten Anforderungsmerkmalen des Bestehenden und neuen Nutzungsansprüchen steht dabei stets im Vordergrund. Einmal mehr zeigt sich, dass Kulturobjekte über charakteristische Gestaltungen verfügen und traditionelle Siedlungen mit historischen Bauten hohe topografische Vorzüge aufweisen. Eine Weiterentwicklung muss dementsprechend vom Bestehenden ausgehen.
Baudenkmäler im «Dichtestress»? Grundlagen und kreative Lösungswege Schwabe Verlag Basel
Das Signet des 1488 gegründeten Druck- und Verlagshauses Schwabe reicht zurück in die Anfänge der Buchdruckerkunst und stammt aus dem Umkreis von Hans Holbein. Es ist die Druckermarke der Petri; sie illustriert die Bibelstelle Jeremia 23,29: «Ist nicht mein Wort wie Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?»
Denkmalpflege im Thurgau | 18
Baudenkmäler im «Dichtestress »? Grundlagen und kreative Lösungswege
Herausgegeben vom Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau
Schwabe Verlag Basel
Copyright © 2016 Schwabe AG, Verlag, Basel, Schweiz, und Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau. Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Schriftleitung : Bettina Hedinger Redaktion und Lektorat : Felicitas Meile Lektorat : Iris Becher, Schwabe Titelbild : Stephanie Maria Künzler, Amriswil Gestaltung und Satz : icona basel Schriften : Berthold Akzidenz Grotesk und Sabon Papier : PhoeniXmotion Xantur mattgestrichen naturweiss 135 gr., Papierfabrik Scheufelen, D-Lenningen Lithos : Schwabe AG, Muttenz Gesamtherstellung : Schwabe AG, Muttenz/Basel, Schweiz Printed in Switzerland ISBN 978-3-7965-3610-6 rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch
5 Inhaltsverzeichnis
Baudenkmäler im «Dichtestress »? Grundlagen und kreative Lösungswege Jürg Ganz Bettina Hedinger Peter Rüegger Ruedi Elser Stephan Kraus
Gemeinsam unterwegs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
10
Bauqualität im attraktiven Siedlungsraum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
12
Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
14
Siedlungslandschaft Thurgau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
15 Siedlungsbild Dorf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 Seeufer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Landschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Stadt
Methoden und Typologien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Fallbeispiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
30 Umnutzen – aktuelle Beispiele von Scheunenumnutzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Auffüllen – Planen in historischen Siedlungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 Ersatz – Neubau mit Geschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 Verdichten im Bestand / Schutzobjekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
Herausforderungen und Fragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
88
Strategien und qualitätssichernde Massnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
90
Erwähnte und weitere Objekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
94
6 Baudenkmäler im «Dichtestress»?
Aus der Denkmalkultur des Thurgaus Ergebnisse der Inventarisation
Peter Erni
Blick in die Kunstdenkmälerforschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
St. Katharinental
Betty Sonnberger
Kleines Hausmuseum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
Im Jahr 2015 abgeschlossene Restaurierungen
Heini Baltensberger Bettina Hedinger Stephan Kraus Felicitas Meile Ueli Wepfer Monika Zutter
Aadorf, Schulstrasse 7 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Amriswil, Bahnhofstrasse 20 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Arbon, Hochkreuzstrasse 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Berg, Schlosskapelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Berlingen, Garten gegenüber « Adolf-Dietrich-Haus » . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bischofszell, Niederbürerstrasse 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bürglen, Bahnhofstrasse 31 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ermatingen, Hauptstrasse 52 in Triboltingen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Felben-Wellhausen, ehemalige Trotte Schloss Wellenberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fischingen, evangelische Kirche in Dussnang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Frauenfeld, Speichergebäude . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Frauenfeld, Garten der « Rüpplinschen Kaplanei » . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Schlatt, Klostergut Paradies . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sommeri, paritätische Kirche St. Mauritius . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sulgen, «Zum Buchenberg » in Götighofen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tägerwilen, Hinterdorfstrasse 4 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tobel-Tägerschen, « Frohburg » in Tobel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Weinfelden, Magdenaustrasse 14 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
103 104 106 108 110 112 114 116 118 120 122 123 124 126 128 130 132 134
7 Inhaltsverzeichnis
Aus dem wechselvollen denkmalpflegerischen Alltag
Ueli Wepfer
Aadorf, Trotte Burg in Häuslenen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136
Bildnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139
Baudenkmäler im «Dichtestress »? Grundlagen und kreative Lösungswege
Jürg Ganz Bettina Hedinger Peter Rüegger Ruedi Elser Stephan Kraus
10 Baudenkmäler im «Dichtestress»?
Gemeinsam unterwegs Das Stichwort der « baulichen Verdichtung nach innen » bietet viel Gesprächsstoff und beschäftigt heute nicht nur viele am Bau tätige Fachpersonen, sondern auch breite Kreise unserer Gesellschaft, darunter Hauseigentümer, Politiker, Medien- und Bildungsverantwortliche. Wie sollen und können sich unsere Ortsbilder, Städte, Quartiere, Dörfer und Weiler entwickeln, einen schonenden Umgang mit der begrenzten Ressource « Boden » gewährleisten und zugleich das uns vertraute und geschätzte Antlitz bewahren? Den Denkmalpflegern ist diese Thematik nicht fremd. Sie übernehmen seit vielen Jahren durch ihre Tätigkeit Verantwortung im Kontext von Bauvorhaben bei erhaltenswerten Bauten und in historischen Ortsbildern, und sie können dadurch konstruktiv einen Beitrag zu einer qualitätvollen Verdichtung leisten. Der 2001 erschienene zweite Band der vorliegenden Reihe, der unter dem Thema « Scheunen ungenutzt – umgenutzt » einige in ländlichen Bauten realisierte Projekte veröffentlichte, war bald vergriffen, sodass das Amt für Denkmalpflege 2012 auf vielfachen Wunsch den Druck einer zweiten Auflage veranlasste. Und die Bestellungen der Publikation reissen nach wie vor nicht ab. Die Nachfrage nach konkreten technischen und gestalterischen Tipps für Detaillösungen und bewährten Ideen für eine umsichtige Instandstellung und einen massvollen Ausbau der heute oft unternutzten Ökonomiebauten besteht immer noch. Aber auch Stadthäuser, herrschaftliche Anwesen oder leerstehende Kleinbauten, Industrieareale oder ganze Quartiere besitzen Potenzial für eine massvolle, baulich interessante Verdichtung. Abbildung 1 Der Traum der Loftwohnung im Industriebau lässt sich nicht nur in Zürich, sondern auch in Bischofszell oder in Müllheim realisieren. Abbildung 2 Die vorliegende Publikation beleuchtet in einzelnen thematischen Gruppen verschiedene Beispiele, von denen einige bereits umgesetzt worden sind, andere sich noch 1 Das
Beispiel Kreuzlingen, Konstanzerstrasse, zeigt, wie eine starke Verdichtung im Umfeld von geschützten Bauten und Naturkörpern angelegt werden kann. In der Wohnund Gewerbezone 100 wurden in der Planungsphase der grossvolumigen Neubauten Sichtachsen berücksichtigt und Gebäudeabstände sorgfältig evaluiert. Die Villa von 1911 und der Mammutbaum haben im stark urbanisierten Kontext in ihrem engsten Umfeld einen Grünraum bewahren können.
11 Gemeinsam unterwegs
2 In den 1862 errichteten Bauten der Sittermühle in Bischofszell besteht heute eine interessante Mischung von Nutzungen, mit einer Wohnung, Ateliers und Kulturräumen.
im Projektstadium befinden und weitere ganz ohne Zutun der Denkmalpflege mutig, kreativ und mit Fingerspitzengefühl entstanden sind. Bei der Auswahl der Beispiele und der Suche nach Abbildungsmaterial fiel auf, dass fast jede denkmalpflegerische Restaurierung an einem nicht-sakralen Objekt mit einer verdichtenden Massnahme einhergeht. Selbst die Kirchen müssen heute verschiedenen Ansprüchen genügen und stehen unter einem Nutzungsdruck, sei es, dass die Konfirmanden im Kirchenraum übernachten sollen, sei es, dass der örtliche Chor gewachsen ist und hier mehr Platz benötigt. Um das langjährige Engagement der Denkmalpflege in Sachen « Verdichtung » zu verdeutlichen, beschränken wir uns in der vorliegenden Schrift nicht nur auf jüngst realisierte Beispiele, sondern blicken auch etwas weiter zurück. Bei unserer täglichen Arbeit zeigt sich, dass mancherorts ein gewisses Potenzial für eine massvolle Verdichtung nach innen besteht und leerstehende oder unternutzte Bauten einer neuen Zukunft zugeführt werden können. Es ist eine wichtige Aufgabe der Denkmalpfleger, am Bau individuell zu beraten und auf diesem Weg zusammen mit Bauherren, Architekten und Behörden auf eine massgeschneiderte, optimale Lösung zur Erfüllung neuer Bedürfnisse hinwirken zu können.
12 Baudenkmäler im «Dichtestress»?
Bauqualität im attraktiven Siedlungsraum Der Kanton Thurgau mit seinen vielfältigen Qualitäten, so etwa seiner schönen Landschaft und seiner reichen Baukultur, zeichnet sich als attraktiver Wohnkanton aus. Die Zunahme der Bevölkerung und veränderte Lebensgewohnheiten generieren ein Bedürfnis nach mehr Wohnraum, was nicht ohne Folgen für das Siedlungsbild bleiben kann. Damit das Verhältnis zwischen Bauzonen und Nichtbauzonen erhalten bleibt und wesentliche Vorzüge unseres Lebensraums nicht verloren gehen, ist die qualitätvolle und angemessene Verdichtung nach innen nicht nur ein Desiderat, sondern eine Notwendigkeit. Angesichts der sich verknappenden Ressource « Boden » wächst der Druck auf unternutzte, aber bereits bebaute Parzellen. In den traditionellen kleinteiligen und historisch über Jahrhunderte gewachsenen Dörfern des Thurgaus besteht vielfach eine ungleichmässige Bebauungsdichte. Abbildung 3 Während die Hauptbauten im Ortskern oft relativ eng zueinander an den Verkehrsachsen stehen, ist die Bebauung in den rückwärtigen Hofteilen eher locker. Ist die Stallscheune nicht oder nicht mehr integrierender Teil des Hauptbaus, so steht sie mittlerweile – im Volumen vergrössert – frei hinter oder neben dem Wohnhaus. Der Hof wird durch eine kleinere Remise oder einen weiteren Nebenbau ergänzt. Der Bauerngarten und der Übergang zu den Wiesen, Obstbäumen und Feldern sind für das ländliche Ensemble von grosser Bedeutung. Abbildung 4 Aber auch in den historischen Städten liegen hinter den gassenseitigen Fassadenfronten verschiedentlich noch grössere Frei flächen brach oder sind bewusst als Freiräume belassen. Abbildungen 5 bis 7 Welche Flächen sind bebaubar, und welche Kriterien und Anforderungen sollen hier gelten? Nicht nur die politischen Gemeinden stehen hier mit ihren Ortsplanungen und Entwicklungsabsichten vor grossen Aufgaben. Bauen im Bestand ist für Bauherren und Architekten oft anspruchsvoller als Neubauten in einer Bauzone auf der grünen Wiese zu entwickeln. Vielfach ist eine solche fordernde Aufgabe aber auch interessanter und
3 ( links ) Lustdorf.
Ein typisches Dorf im Thurgau mit hoher Dichte an Bauten in nächster Nähe zur Kirche und rück wärtigen Grün- und Freiräumen mit markanten Einzelbäumen. Aufnahme 2013. 4 ( rechts ) Der Bauerngarten prägt den Übergang vom Haus zur Landschaft. Aufnahme 2004.
5 Steckborn. Ausschnitt aus der Stadtscheibe von 1667. Blick von Norden auf die Stadt. Die Ansicht zeigt die im 17. Jahrhundert bestehende unterschiedliche Dichte der Bebauung innerhalb der Stadtmauern.
6 Steckborn.
Luftbild von Werner Friedli 1948. Blick von Süden auf den Ortskern, in welchem sich beträchtliche Grün- und Freiräume befinden. Eine dichte kleinstädtische Bebauung besteht im Wesentlichen entlang den wichtigsten Hauptachsen, der Seestrasse und den beiden zur Kirche führenden Gassen.
7 Steckborn. Luftbild von Bruno Pellandini 2007. Blick von Norden auf den Ortskern. Der Stadtkern hat sich in fünfzig Jahren betreffend Bebauungsdichte optisch wenig verändert. Einige Freiflächen werden für die Parkierung verwendet. Baulich wächst die Stadt vor allem an der Peripherie.
14 Baudenkmäler im «Dichtestress»?
das Resultat individueller und persönlicher. Es gilt, nach den Bedürfnissen und dem Raumprogramm der Bauherrschaft in einem bestehenden Umfeld die richtige Formensprache und den passenden Ausdruck für die neuen oder ergänzenden Kubaturen zu finden. Zugleich ist zu berücksichtigen, dass man im ländlich geprägten Thurgau selbst in den Städten an grössere Grundstücke und eine geringere Bebauungsdichte gewöhnt ist als in einem urbaneren Umfeld. Freiräume, Stauraum in Nebenbauten und Gebäude abstände bilden einen Teil der Lebensqualität. Das im kürzlich revidierten Bundesgesetz über die Raumplanung ( RPG 700, Art. 1 ) formulierte Ziel der inneren Verdichtung ist folglich zu erreichen, ohne den gefürchteten « Dichtestress » zu erzeugen. Ein wesentliches Instrument dazu ist die Planungs- und Bauqualität.
Grundlagen Die Bevölkerungszahlen steigen stetig, und eine deutliche Verflachung der Kurve ist kurzfristig nicht absehbar. Von den knapp 100 000 Bauten im Kanton Thurgau sind zwei Drittel als Wohnbauten genutzt. Ein Drittel des Bestands gilt als historisch, das heisst, es handelt sich um Bauten, die vor 1940 beziehungsweise 1960 entstanden sind und die im « Hinweisinventar » der Denkmalpflege zumindest mit einer kurzen Beschreibung erfasst und nach Bedeutung klassifiziert sind. Einige politische Gemeinden haben in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege einen Kraftakt geleistet und ihre Schutzpläne erstellt oder revidiert. Hier sind die Kulturobjekte gemäss dem kantonalen Natur- und Heimatschutzgesetz definiert, die Prioritäten erkannt und gesetzt. Dasselbe gilt für die Ortsbilder. Nach der Revision des Inventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz ( ISOS ) und dessen Inkraftsetzung durch den Bundesrat im Jahr 2008 sind die bedeutendsten Ortsbilder bezeichnet, in ihrer Struktur charakterisiert und nach Gebiet qualifiziert. Im kantonalen Richtplan sind sie verzeichnet. Drei Gemeinden, Arbon, Kesswil und Romanshorn, haben zudem das Angebot des Amtes für Denkmalpflege, den Bestand an baulichen Ensembles zu erheben, in Anspruch genommen. Damit können Perimeter von Ortsbildschutzzonen geschärft und wertvolle kleinräumige Strukturen gefasst und präzisiert werden. Die Instrumente für die Definition von sensiblen Zonen, die im Bauwesen erhöhte Aufmerksamkeit bedingen, sind folglich vorhanden.
15 Baudenkmäler im «Dichtestress»?
Siedlungslandschaft Thurgau Siedlungsbild Dorf
Das typische, historisch gewachsene Thurgauer Dorf besteht üblicherweise aus einer Anzahl Höfe, die sich mit der Kirche, einem Wirtshaus und dem Schulhaus um eine wichtige Kreuzung oder entlang der Hauptstrasse gruppieren. Abbildungen 8 und 9 Jeder Hof hat in seinem unmittelbaren Umfeld angebaute oder freistehende Ökonomiebauten, eine Scheune, Remisen und allenfalls Kleinviehställe. Die Freiräume um den Hof sind durch den Vorplatz mit einem freistehenden hohen Baum als Blitzableiter und allenfalls einem Brunnen sowie durch den Pflanzgarten geprägt. 8 ( oben ) Kesswil.
Der Ortskern im Jahr 1954, vor der Verbreiterung der Strasse, der Verschiebung von zwei Häusern, dem Abbruch von sieben Nebenbauten bzw. Scheunen und der Erstellung des Strassenkreisels. Luftaufnahme von Werner Friedli. 9 ( unten ) Kesswil. Blick von Westen auf den Ortskern im Jahr 2007. Die zwischenzeitlich umgesetzten Strassenbaumassnahmen haben die räumliche Wirkung des O rtskerns verändert. Der Bezug der Bauten im Strassenraum ist geschwächt. Luftbild von Bruno Pellandini.
16 Baudenkmäler im «Dichtestress»?
Es zeichnet die Baukultur im Thurgau aus, dass hier bis zum Kleinstbau handwerkliche und gestalterische Qualitäten vorliegen, die von den Eigentümern geschätzt und gepflegt werden. Der traditionelle Bauerngarten ist von besonderer Bedeutung und stellt mittlerweile ein zunehmend bedrohtes Kulturgut dar ( Denkmalpflege im Thurgau 7 [2005] ). Abbildung 10 Seine Pflege ist zeitintensiv und bindet fast das ganze Jahr hindurch beträchtliche Ressourcen. An den Bachläufen, mitten im Dorf oder an dessen Peripherie, stehen die Mühlen und die Sägereien. Im 19. Jahrhundert sind in Randzonen gewerb liche und industrielle Bauten wie die Käserei und die Mosterei und auch die Bahnstation mit Aufnahmegebäude und Güterschuppen hinzugekommen. Viele dieser nutzungs spezifischen Bauten haben mittlerweile ihre angestammte Funktion verloren, bestehen aber unter dem ursprünglichen Namen weiter. Da die gewerblichen Bauten unter demselben Dach neben den Betriebsräumen oft auch eine Wohnung beinhalten, betrifft eine Umnutzung vielfach nur einen Teil des bestehenden Volumens. In einem Mehrgenerationenhaushalt blieben die Grosseltern üblicherweise unter demselben Dach und bewohnten das Erdgeschoss, während die « Jungen » mit dem Nachwuchs das Obergeschoss in Beschlag nahmen. Das in einigen Regionen der Schweiz übliche freistehende « Stöckli », das Wohnhaus für die sich allmählich zurückziehenden Grosseltern, ist in der ländlichen Baukultur im Thurgau nicht verbreitet. In vielen Dörfern wurde im mittleren 20. Jahrhundert das Ortsbild insbesondere durch die Ansprüche des Verkehrs wesentlich verändert. In Etappen verbreiterte und begradigte man die Hauptstrassen. Dazu wurden in Ortskernen vereinzelt Hauptbauten verschoben und oft Scheunen abgebrochen. Die in den letzten zwei Jahrzehnten errichteten Kreisel verstärken die Sektorialisierung der Ortsmitte. Der Zusammenhalt des Siedlungsgefüges der Bauten über die ehemalige Strassenkreuzung hinweg ist geschwächt. Doch selbst wenn sich durch solche Massnahmen die Hierarchie der Bauten leicht verändert hat, bleibt Letztere ein wichtiges Element, um das Dorf in seinem gewachsenen Gefüge zu verstehen und baulich weiterzuentwickeln.
10 Hefenhofen, Chatzerüti, Bauerngarten zu einem traditionellen Doppelwohnhaus des 17. Jahrhunderts. Aufnahme 2004.
11 Kesswil, Paul-Häberlin- Strasse 2. Traditionelles Vielzweckgebäude des 17. /18. Jahrhunderts mit jüngst ausgebauter Stallscheune. Die neuen Wohn- und Schlafräume haben mit der in die Fassade integrierten Laube einen attraktiven geschützten Aussenraum.
17 Siedlungslandschaft Thurgau
Die Aussiedlung von Stall und Scheune, die für die grösseren Maschinen an Volumen zugelegt haben, der Rückgang und die Zusammenlegung der bäuerlichen Betriebe lassen leere Ökonomiebauten im Dorf zurück. Ist für die heranwachsende nächste Generation, für die Lehrlinge und Erntehelfer des Bauernbetriebs, für eine weitere Familie oder für moderate touristische Zwecke ( Bed & Breakfast ) die angebaute alte Stallscheune zu Wohnraum umgebaut worden, so stellt sich die Frage, ob sich auch für die Remise oder die jüngere Scheune eine neue Bestimmung finden lässt. Abbildung 11 Doch auf den Garten, das privateste « Naherholungsgebiet », verzichtet man zugunsten der Freigabe von Bauland nur ungern. Seeufer
Die einst zu Wohnzwecken wegen der Seespiegelschwankungen, des unsicheren Baugrunds und der Wasserverschmutzung durch das Gewerbe gemiedenen Zonen gelten heute als besonders attraktive Lagen. Bebaubare Grundstücke am See sind begehrt und gelangen selten auf den allgemeinen Immobilienmarkt. Die zurückhaltend definierten Bauzonen und baurechtliche Vorgaben begrenzen heute die Bautätigkeit am Seeufer. Ausserhalb der Ortschaften besteht kaum die Möglichkeit, mehr als eine Bautiefe zu nutzen. Das hohe öffentliche Interesse, das Seeufer freizuhalten und der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, wurde bereits früh formuliert, als ab circa 1920 die Errichtung kleinerer individueller Badehütten und Ferienhäuser neben den grösseren privaten Anwesen deutlich zunahm. Aus der Bevölkerung erhoben sich damals gar Stimmen, die ein generelles Bauverbot am Seeufer forderten ( Büchi 2002, S. 44 ). Die seit dem frühen 20. Jahrhundert, vor allem zwischen 1920 und 1960 errichteten Bade- und Wochenendhäuser am Ufer des Boden- und des Untersees stellen mit circa 140 Beispielen einen aussergewöhnlichen und oft besonders gepflegten Teil der Thurgauer Baukultur dar. Abbildung 12 Ob individueller Bau oder Teil einer Serie, ob einräumige Badehütte oder aufwändigere Konstruktion, ob auf Pfählen, auf einer Ufermauer oder 12 Kesswil.
Blick von Südosten auf eine dichte Reihe von Badehäuschen, die zwischen 1929 und 1932 am Seeufer errichtet wurden. Im Uferbereich ist die Setzung auf hohen Pfählen aufgrund der starken Seespiegelschwankungen des unregulierten Gewässers unerlässlich.
18 Baudenkmäler im «Dichtestress»?
auf dem Festland errichtet – bisher sind etwa dreissig dieser charakteristischen Bauten als Kulturobjekte definiert und durch entsprechende Beschlüsse geschützt. Ausser funktionalen Anpassungen haben viele dieser Bauten im Lauf der Zeit nur wenige Veränderungen erfahren und sich damit einen hohen Grad an Authentizität bewahren können. Das Natur- und Heimatschutzgesetz Thurgau ermöglicht die Sicherung der Objekte in ihrem historischen Bestand und in ihrer Funktion. Dem kantonalen Amt für Umwelt kommt in Hinblick auf die Schutzgebiete am Ufer unter Einbezug der übrigen sach bezogen zuständigen Fachstellen eine Hauptverantwortung für die Fragen um die Möglichkeiten der Bautätigkeit zu. Das Verdichtungspotenzial ist hier ausserhalb der Siedlungen bescheiden. Landschaft
Im Thurgau ist eine nicht unwesentliche Menge an historischen Weilern, Schlossanlagen und herrschaftlichen Anwesen ausserhalb der Bauzone zu finden. Mancherorts besteht bei diesen Kleinstsiedlungen die Besonderheit einer überlagernden Ortsbildschutzzone, die das Ziel hat, den Charakter der Baugruppe zu sichern. Wie im Fall der « Kulturlandschaft Balgen » wird dieser Schutz gelegentlich durch die Einstufung als Ortsbild von nationaler Bedeutung verstärkt. Abbildung 13 Die im Siedlungsbild des Dorfs
13 Egnach,
Balgen. Ein Beispiel eines Weilers, der die typischen und allseits geschätzten Qualitäten der Thurgauer Siedlungslandschaft verkörpert. Balgen ist Teil der gleichnamigen Kulturlandschaft, einem Ortsbild von nationaler Bedeutung gemäss Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz ( I SOS ). Blick von Süden auf den Weiler in der Landwirtschaftszone mit überlagernder Ortsbildschutzzone. Luftbild von Bruno Pellandini 2007.
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2'743'700
Amt für Denkmalpflege
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Siedlungslandschaft Thurgau
Egnach
Balgen Ausgabedatum 17.05.2016
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festgestellte Hierarchie der Bauten ist hier aufgrund der geringeren Gebäudezahl in einem weiten, freien Umfeld akzentuierter. Sie äussert sich meist in einer differenzierten Einstufung der einzelnen Bauten im « Hinweisinventar » des Amtes für Denkmalpflege. Abbildung 14 Während der Schutz der im « Hinweisinventar » als « wertvoll » eingebesonders wertvoll stuften Einzelbauten über die kommunalen Schutzpläne geregelt ist, gilt es mit dem wertvoll kantonalen Amt für Raumentwicklung sorgfältig abzuklären, inwiefern darüber hinaus Gesamtform erhaltenswert hier Ersatz- oder Ergänzungsbauten auf der Basis der Raumplanungsgesetze möglich aufgenommen jünger als 1959 sind. In nicht unter Schutz stehenden Bauten sind die Möglichkeiten von Umnutzungen In Balgen sind drei Einzelbauten zu zonenfremden Zwecken begrenzt. Die Frage, ob in diesen Weilern und herrschafteigentümerverbindlich geschützt lichen Landsitzen eine Verdichtung nötig, möglich oder sinnvoll ist, ist erkannt und ( * ). zu diskutieren.
Egnach, Balgen. Differenzierte Einstufung der Bauten im « Hinweisinventar » des Amtes für Denkmalpflege. 14
Stadt
Das Ortsbild und die Baustruktur einer Stadt sind geprägt von ihrer über Jahrhunderte nachvollziehbaren wirtschaftlichen Entwicklung. Fand diese schubweise statt, so bilden sich strukturell eigenständige Zonen mit besonderen baulichen Merkmalen. Die Entwicklung von Stadtkern und Vorstadt folgt eigenen Mustern und Gesetzmässigkeiten. Die grössten heutigen Städte des Thurgaus – Frauenfeld, Kreuzlingen, Arbon, Amriswil, Weinfelden und Romanshorn – durchliefen alle einen eigenen Prozess der Stadtbildung, was sich bis heute auf die bauliche Struktur auswirkt. In Frauenfeld zeigt
20 Baudenkmäler im «Dichtestress»?
15 Frauenfeld
von Westen. Luftaufnahme Swissair vom 24. 7.1962. Die Altstadt besteht im Wesentlichen aus vier parallelen Häuserreihen und drei Gassen. Im Süden die mittelalterliche Burg ( heute Schloss ). Im Osten und Norden sind entlang der Promenade die grossvolumigen, im mittleren 19. Jahrhundert errichteten Bauten des jungen Staates erkennbar. Dahinter schliesst im Osten ein Grüngürtel mit einer Anzahl von Villen in grösseren Park- oder Gartenanlagen an. Die weitere städtische Expansion folgt den ausfallenden Strassenachsen. Im Hintergrund am rechten Bildrand die jüngere Kantonsschule des Architekten Albert Brenner ( 1909 –1911 ).
sich die Entwicklung in ringförmig um die mittelalterliche Altstadt angelegten Zonen, die an der Peripherie in mehreren Etappen das unbebaute Landwirtschaftsland verschiedener Höfe integrierten. Abbildung 15 Die ehemals politisch teilweise von Frauenfeld un abhängigen umliegenden Weiler und Dörfer Herten, Huben, Kurzdorf und Langdorf bilden im Stadtgefüge heute noch erkennbare eigene Nuklei. So sind in den Zwischenbereichen zwischen dem Stadtkern und den alten Dorfkernen schwach bebaute oder unbebaute Flächen erhalten geblieben, die nun nach und nach einer neuen Nutzung zugeführt werden. Ein interessantes Beispiel ist die Überbauung der Nutzflächen des ehemaligen Hofs im Algisser, von dem das Wohnhaus und die umgenutzte Scheune erhalten sind. Das daran anschliessende Wiesland, unmittelbar östlich der Sportanlagen der Kantonsschule, ist etappenweise in den 1980er-Jahren und im Jahrzehnt zwischen 2000 und 2008 grossflächig überbaut worden und gehört zu den Musterbeispielen des verdichteten Bauens ( Amt für Raumentwicklung 2015 ). Abbildungen 16 und 17 In den meisten Städten sind im Umfeld der Industrie oder der grossen Gewerbe betriebe Arbeitersiedlungen mit ihren charakteristischen Merkmalen entstanden : Es handelt sich um planmässig angelegte Siedlungen mit einheitlichen Parzellengrössen und eher bescheidenen ein- bis zweigeschossigen Ein- oder Zweifamilienhäusern. Ihnen gemeinsam sind die Gärten, die vor allem der Selbstversorgung dienten. Diese Siedlungen sind dementsprechend für heutige Verhältnisse sehr locker bebaut und stellen attraktive
16 ( rechte Seite, oben ) Frauenfeld.
Blick von Norden durch die Sternwartestrasse auf die Quartiere Neuhausen und Huben. Links in rötlichem Backstein der ältere Teil der Überbauung des Algisser Hofs in den 1980er-Jahren. Rechts die Sportanlagen der Kantonsschulen. Aus der Luft sind verschiedene Baulandreserven in der Form von Wiesen erkennbar. Im Hintergrund das Hochhaus des Kantonsspitals. Drohnenluftbild von Donald Kaden 2014. 17 ( rechte Seite, unten ) Frauenfeld
von Osten. Auf dem Luftbild von 2007 ist im Vordergrund die Baustelle der letzten Etappe der Überbauung der Wiesen des Algisser Hofs oberhalb des Areals der Kantonsschule erkennbar.