Internetbasierte Gesamtausgabe der Originalwerke des Augustinus von Hippo Das CAG-online umfasst das digitale Corpus aller überlieferten lateinischen Schriften, Predigten und Briefe des Philosophen und wirkmächtigen Theologen Augustinus von Hippo (354-430). Herausgeber des CAG-online ist der renommierte Augustinus-Forscher und Begründer des Augustinus-Lexikons Cornelius Petrus Mayer.
Einzigartige Qualitätsmerkmale des CAG-online – Das CAG-online bezieht seinen Basistext aus den jeweils besten, wenn möglich kritischen gedruckten Editionen, deren Druckfehler korrigiert wurden. Die neu aufgefundenen Sermones Dolbeau und Sermones Erfurt sind ebenso integriert wie die innerhalb des augustinischen Briefcorpus edierten nicht-augustinischen Briefe. – Zum Bestand des CAG-online gehören ebenfalls die detaillierte und für die Augustinus-Forschung maßgebliche Liste aller Werke Augustins mit deren authentischen Titeln, Abkürzungen und aktuellen Editionen sowie Zusatzinformationen zu den augustinischen Epistulae und Enarrationes in Psalmos. – Die vorkommenden Wortformen sind lemmatisiert, d.h. ihren jeweiligen Grundformen zugeordnet und von diesen aus recherchierbar. – Die intuitive Benutzerführung mit umfangreicher Hilfefunktion umfasst derzeit eine deutsche und eine englische Version. – Das CAG-online bietet zusätzlich den komfortablen Zugriff auf eine Datenbank der augustinischen Primär- und Sekundärliteratur mit derzeit ca. 35 000 bibliographischen, inhaltlich erschlossenen Datensätzen. – Der Datenbestand des CAG-online wird vom Zentrum für Augustinus-Forschung an der Universität Würzburg (ZAF) betreut und stetig aktualisiert, ergänzt und verfeinert. Entsprechende Updates sind für die Benutzer des CAG-online ohne zusätzliche Gebühren verfügbar.
Version 3.0 – Online-Ressource ISBN 978-3-7965-2924-5
Pelagius, Pelagiani – Prouerbium, Prouerbia (Prv) Vol. 4 · Fasc. 5/6 (col. 641-960)
CAG-online Corpus Augustinianum Gissense a Cornelio Mayer editum
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Augustinus-Lexikon
Entwickelt vom Zentrum für Augustinus-Forschung an der Universität Würzburg (ZAF) in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier und dem Schwabe Verlag Basel.
Augustinus-Lexikon Herausgegeben von / Edited by / Edité par
Robert Dodaro, Cornelius Mayer, Christof Müller In Verbindung mit / In association with / En association avec
Isabelle Bochet, Michael Cameron, François Dolbeau, Volker Henning Drecoll, Therese Fuhrer, Alfons Fürst, Wolfgang Hübner, Martin Klöckener, James J. O’Donnell, Christian Tornau, Konrad Vössing Redaktion / Redaction / Rédaction
Andreas E . J. Grote
Vol. 4 Fasc. 5/6: Pelagius, Pelagiani – Prouerbium, Prouerbia (Prv)
Verlag / Publishers / Editions Schwabe Basel 2016
Vol. 4 · Fasc. 5/6 Pelagius, Pelagiani (V.H. Drecoll, Tübingen) Pentecoste (A. Zerfaß, Salzburg) Peregrinatio, peregrinus (N. Baumann, Würzburg) Perfectio (M.-A. Vannier, Metz) Perfectione iustitiae hominis (De –) (V.H. Drecoll, Tübingen) Persecutio (M. Atkins, Grange-over-Sands, England) Perseuerantia (K. Greschat, Bochum) Persona (E. Bermon, Bordeaux) Perturbatio !Affectus (passio, perturbatio) Petilianus (M.A. Tilley †, New York) Petrus apostolus (M. Dulaey, Paris) Phantasia, phantasma (E. Bermon, Bordeaux) Philo Alexandrinus (D.T. Runia, Melbourne, Australia) Philosophia (G. Catapano, Padova) Philosophia (De –) (J.J. O’Donnell, Tempe, Ariz., USA) Photiniani, Photinus (B. Pouderon, Tours) Pietas (M. Schrama, Utrecht) Pinianus (P. Laurence, Tours) Piscis (A. Eisgrub, Hof) Plato, Platonici (M. Erler, Würzburg) Platonicorum libri (M. Erler, Würzburg) Plebs !Populus (plebs) Plenitudo (D. Dideberg, Bruxelles) Ploratio (B. Müller, Hamburg) Plotinus (A. Smith, Dublin) Poena (A.-I. Bouton-Touboulic, Lille) Poeta (S. MacCormack †, Notre Dame, Ind., USA / Ch. Müller, Würzburg) Pomum (A. Eisgrub, Hof) Pondus (A.-I. Bouton-Touboulic, Lille) Ponticianus (J.J. O’Donnell, Tempe, Ariz., USA) Populus (plebs) (W. Hübner, Münster) Porphyrius (A. Smith, Dublin) Possidius (F. Dolbeau, Paris) Potentia (I. Bochet, Paris)
Fortsetzung 3. Umschlagseite
Unter der Verantwortung der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Gefördert mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Bonn, und des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, München, sowie der Deutschen Augustinerordensprovinz, Würzburg. Augustinus-Lexikon Zentrum für Augustinus-Forschung an der Julius-Maximilians-Universität Dominikanerplatz 4 · D-97070 Würzburg Herausgeber Redaktion Tel. +49 (0)931/3097-305 Tel. +49 (0)931/3097-303 Fax +49 (0)931/3097-304 Fax +49 (0)931/3097-304 E-Mail: cmueller@augustinus.de E-Mail: agrote@augustinus.de www.augustinus.de ISBN (Vol. 4 Fasc. 5/6) 978-3-7965-3504-8
Schwabe AG Steinentorstraße 13 CH-4010 Basel Verlag Tel. +41 (0)61/278 95 65 Fax +41 (0)61/278 95 66 E-Mail: verlag@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch
Potestas (I. Bochet, Paris) Potus !Cibus – potus Praeceptum (P. van Geest, Utrecht/Amsterdam) Praedestinatio (V.H. Drecoll, Tübingen) Praedestinatione sanctorum (De –) (V.H. Drecoll, Tübingen) Praedicamentum (categoria) (Ch. Pietsch, Münster) Praedicatio (F. Dolbeau, Paris) Praedicta – impleta (M. Dulaey, Paris) Praemium (H.A. Gärtner, Heidelberg) Praescientia (P.-M. Hombert, Paris) Praesentia dei (De –) (= ep. 187) (Ch. Müller, Würzburg) Praesumptio (N. Baumann, Würzburg) Praeuaricatio (A. Dupont, Leuven, België / B. van Egmond, Kampen, Nederland) Preces (M. Klöckener, Freiburg, Schweiz) Presbyter, presbyterium (A. Zerfaß, Salzburg) Principium (Ch. Tornau, Würzburg) Priscillianistae, Priscillianus (G. Wurst, Augsburg) Priscillianistas (Contra –) (G. Wurst, Augsburg) Proba (P. Laurence, Tours) Probationes et testimonia contra Donatistas (M.A. Tilley †, New York) Professio (P. van Geest, Utrecht/Amsterdam) Promissio(nes) (promissa, promissor) (M. Dulaey, Paris) Prophetae, prophetia (M. Dulaey, Paris) Propositum (P. van Geest, Utrecht/Amsterdam) Proprium !Commune – proprium Prosper (A.Y. Hwang, Cincinnati, Oh., USA) Prouerbium, Prouerbia (Prv) (W. Hübner, Münster)
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Einwände gegen die ‹castitas› [100], wehrt sich antimanichäisch dagegen, die Ehe insgesamt zu verwerfen, befürwortet aber antijovinianisch den Vorzug der ‹castitas›: «non damnamus nuptias ..., sed exemplo apostoli tam continentibus pudicitiae et castitatis bonum suademus» (ib. 16) [101]. Die Bildung des ‹Corpus Sixtinum› beruht auf Hypothesen. Der Zusammenhang mit den beiden von Caspari hinzugestellten Briefen ist unsicher [102], die Verbindung mit dem Namen Sixtus keine verläßliche Grundlage [103]. Als Terminus post quem ist die Erwähnung Jovinians zu werten; dies führt in die Zeit nach den neunziger Jahren des 4. Jh.s. In der Schrift De malis doctoribus wird bereits ib. 17,2 davon ausgegangen, daß die eigene Befürwortung des asketischen Lebens den Verdacht der ‹haeresis› auf sich zieht. Dies verweist wohl in die Zeit nach 415. Dazu paßt dann die in De possibilitate non peccandi geführte Diskussion, die ib. 3sq. in der Annahme der ‹impossibilitas non peccandi› einerseits eine seelsorgerlich fatale Entmutigung und zugleich Freistellung zum Sündigen sieht, andererseits darin ein falsches Naturverständnis wittert. Diese Passage blickt auf die Diskussion um die Sündlosigkeit im Gefolge von nat. des P. bereits zurück. Ein Grund, die Schriften vor 418 zu datieren, besteht nicht [104]. Die Annahme, daß De castitate und De diuitiis vor 415 anzusetzen sind (weil hier die Betrachtung der eigenen Theologie als Häresie noch keine Rolle spiele), läßt sich nicht erhärten. Dementsprechend schwach ist die Hypothese, die Schriften mit den pelagianischen Kreisen zu verbinden, über die Hilarius aus Syrakus A. in ep. 156 informiert [105].
Asketen nach 418 keineswegs aufhörten, in den Begründungsbezügen der eigenen Askese zu verharren. – [105] So Kessler 111sq., der hier erneut die biographischen Notizen aus G11 und G12 hereinbringt, ib. 112sq. n. 52 allerdings auch auf die Divergenzen zu den in ep. 156 referierten Thesen hinweist.
Anmerkungen. – [95] Die von Nuvolone/Solignac 2915-2918 erneut befürwortete Annahme, Verfasser des ‹Corpus Sixtinum› sei der spätere römische Bischof Sixtus III. gewesen (und identisch mit dem Empfänger von A. ep. 191 und 194), ist durch Kessler 136-144 widerlegt worden. – [96] Dies gilt auch, wenn man die Erweiterung der Schriftengruppe um die beiden Briefe G11 und G12 (cf. Kessler 119-127) für unbegründet hält; cf. auch die Hinweise von Kessler 116sq. auf De diuitiis 19,4 und De castitate 17. – [97] Dieser kann karitativ eingesetzt werden (ib. 12,4sq.), sorgt für Unabhängigkeit (ib. 13; 15,1), ist nicht durch eigene Verwicklung in die ungerechte Welt, sondern durch Erbschaft erworben worden (ib. 17,2) etc. – [98] Cf. Caspari 248. – [99] Gegen die Verfasserschaft des P. argumentierte schon Prete, Scritto pelagiano. – [100] Die Fortpflanzung gehört zur Schöpfungsordnung (ib. 11,1) und sichert den Fortbestand des Menschengeschlechts (ib. 13,1); Enthaltsamkeit berücksichtigt nicht die Vorbilder der biblischen Gerechten wie Abraham (ib. 15). – [101] Cf. zur Einordnung dieser Bewertung der Ehe Tibiletti 502sq. und Caruso 491-495. – [102] Ohne Begründung zugrundegelegt bei Kessler 120-125, der entsprechend die biographischen Angaben aus G11 und G12 auf den von ihm ‹Anonymus Romanus› genannten Verfasser bezieht; cf. oben [96]. – [103] Cf. das chronologische Gerüst, welches Nuvolone/Solignac 2917 entwerfen; dazu aber [95]. – [104] Hierin ist die Eingrenzung von Kessler 10 eine falsche Engführung. Man wird damit rechnen müssen, daß neben Julian von Aeclanum auch andere
c) Definitiones. – Eine kurze Schrift mit dem Titel Definitiones wurde A. durch die Bischöfe Eutropius (wohl nicht der Pelagianer) und Paulus «de Sicilia» (De !perfectione iustitiae hominis 1) zugeleitet. A. kennt Zweifel an der im Titel genannten Verfasserschaft des Caelestius (ib.). Das Werk stellt zunächst in kurzen logischen Schlußfolgerungen Aussagen zur Möglichkeit der Sündlosigkeit zusammen (ib. 2-4). Der Hauptteil der Schrift scheint aus ‹testimonia› bestanden zu haben, zunächst solchen, die die Möglichkeit, nicht zu sündigen, belegen, dann solchen, die dagegen zu sprechen scheinen [106]. Ein kurzer Schluß hält die Sündlosigkeit in Worten und Gedanken für möglich, «si uult deus» (ib. 43). Die Datierung der Schrift in die Zeit der Debatte um die Sündlosigkeit 414/415 ist durch die Erwähnung in Oros. comm. 1 gesichert. Die hier belegte, in Sizilien verbreitete Theologie ist mit dem durch Hilarius aus Syrakus in A. ep. 156 belegten Profil pelagianischer Theologie zu vergleichen. A.s Antwort, ep. 157, berührt sich denn auch inhaltlich wie sprachlich eng mit perf. iust. [107]. Anmerkungen. – [106] Zusammenstellung bei Zumkeller, Vollendung 20sq. – [107] Cf. Zumkeller, Vollendung 23-26.
d) Liber de fide. – Der Verbindung des Liber de fide mit dem bei Marius Mercator genannten !Rufinus Syrus [108] ist von Dunphy widersprochen worden [109]. Damit entfällt zugleich die Möglichkeit, den Text nach Rom und in die Zeit vor 411 zu datieren [110]. Der Text ist eine antiorigenistisch gefärbte Darlegung des Glaubens, die starken Akzent auf die Trinitätslehre legt und im Rahmen der Seelenlehre den Präexistentianismus (Ps. Rufin. fid. 27 Miller) ebenso ablehnt wie den Traduzianismus (ib. 28 Miller). In diesem Zusammenhang entwickelt das Buch eine Lehre von der Sünde Adams und Evas. Zwar hätten Adam und Eva, wenn sie nicht gesündigt hätten, erreicht, daß sie unsterblich geworden wären (ib. 30 Miller), doch bedeutet das nicht, daß sie «naturaliter immortales» (ib.) geschaffen wurden (vielmehr wären sie analog zu z.B. Henoch entrückt worden). Die sterbliche Konstitution des menschlichen Körpers steht fest und ist sogar «iustis utilis»(ib. 33 Miller). Daß die Kinder für die Sünden der Eltern bestraft werden, wird explizit abgelehnt (ib. 38 Miller), ebenso, daß «propter peccatum Adam moriuntur infantes», mit Hinweis auf den Tod von getauften
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Kindern (ib. 40 Miller). Denn dann müßten die Kinder von getauften Eltern nicht getauft werden [111]. Die Kindertaufe dient der ‹spiritalis procreatio›, der Neuschaffung in Christus, wodurch die Täuflinge ‹regni caelestis participes› und ‹coheredes Christi› (cf. Rm 8,17) werden (Ps. Rufin. fid. 40 Miller). Zu dieser Aussage findet sich eine fast wört liche Parallele in den Thesen, die A. in pecc. mer. 1,23 bespricht. Da es sich jedoch um ein standardisiertes Argument handelt, ist eine Kenntnis des Liber de fide in Karthago 411 nicht z wingend vorauszusetzen [112]. Der Text kann d aher kaum als Ursprungstext des Pelagianismus betrachtet werden [113] (insbesondere die antiorigenistische Stoßrichtung ist bei P. erst nach 415 beobachtbar) [114], sondern dürfteeine nachträgliche Darstellung der Rechtgläubigkeit des Pelagianismus sein mit dem Ziel, die e igene Theologie trinitätstheologisch und als gegen den «impius Origenes» (ib. 27 Miller) gerichtet erscheinen zu lassen.
sich dementsprechend zurück (ib. 30). Dabei bleibt die freie Entscheidung des Willens erhalten, «secundum rationem qua creati sumus per arbitrii libertatem, efficit se unusquisque uas honoris aut contumeliae» (ib. 40). Die angegriffene Theologie läßt sich durchaus mit A.s Deutung von Rm 9 in Simpl. 1,2 vergleichen [116]. Die Schrift dürfte erst deutlich nach 400 entstanden sein, da hier bereits der Vulgatatext des Römerbriefes benutzt wird [117]. Ein Zusammenhang mit der Anfrage des Paulinus an Hieronymus (Hier. epist. 85,2sq.) [118] ist daher eher unwahrscheinlich. Die Schrift dürfte vielmehr zeigen, daß in der Debatte nach 411 auch der Widerspruch gegen A.s Gnadenlehre im Spektrum pelagianischer Theologie eine Rolle spielte.
Anmerkungen. – [108] Mar. Merc. Conc.S 1,5 p. 5,38. Caelestius selbst hatte in Karthago auf einen in Rom tätigen ‹presbyter Rufinus› verwiesen (Caelest. A. gr. et pecc. or. 2,3). – [109] Sie beruht lediglich auf einer Zuschreibung an Rufin in einer Corbie-Handschrift; cf. Dunphy, Marius Mercator 287; id., Lost Manuscript 89; cf. auch id., Lost year 416-420. – [110] So in der älteren Forschung Refoulé, Datation; G. Bonner, African Pelagianism 35sq. – [111] Dieses Argument entspricht dem von P. in Rom. 5,15 p. 47,4-9 genannten und von A. pecc. mer. 3,16sq. behandelten. – [112] Miller schlägt als Datum vor: «between the year 413 and 428». Die von Delaroche, Liber 505-507 aufgeführten Parallelen zeigen ebenfalls eine sachliche Nähe der in Karthago 411 gebrauchten Argumente, keine zwingende literarische Abhängigkeit. – [113] Dies suggeriert die Anordnung bei Nuvolone/Solignac 2890sq., die den Verfasser des Liber de fide nicht nur mit dem bei Marius Mercator genannten Rufinus identifizieren, sondern auch noch mit den bei Hier. epist. 51,2 und 81,2 erwähnten Personen dieses Namens. Zu vergleichen sind außerdem die mit Marius Mercators Commonitorium aduersus haeresim Pelagii überlieferten 12 Capitula (Conc.S 1,5 pp. 4,225,27); cf. TeSelle, Rufinus 62-66 (der ebenfalls alle Rufini miteinander identifiziert). Die Beteiligung dieses Rufin an der Erstellung der Vulgata (cf. Thiele 116sq.) bleibt sehr hypothetisch. – [114] So besonders im Libellus fidei; cf. van Egmond, Origenist Controversy.
e) Tractatus de induratione cordis Pharaonis. – Die Schrift Tractatus de induratione cordis Pharaonis (G10) [115] beschäftigt sich intensiv mit Rm 9 und der Verstockung. Dabei setzt sich die Schrift mit einer Theologie auseinander, die die Ver stockung als direktes Handeln Gottes versteht. Diese wird als ‹peruersa fides› explizit verworfen (Tract. de indur. cord. Phar. 19: «quod absit a catholico sensu»). Die eigene Lösung deutet die Verstockung als Sich-Entfernen Gottes von einem Herzen, das sich für das Schlechte entscheidet und so dem Teufel Raum gibt (ib. 28: «dei utique prolongatio et diaboli uicinitas induratio cordis est»). Gott weiß das böse Handeln des Pharaos voraus und zieht
Anmerkungen. – [115] Zur Edition durch de Plinval, Essai cf. Nuvolone, Problèmes (die hier angekündigte Neuedition ist bis heute nicht erschienen). – [116] Cf. Martinetto 106-115, der allerdings Tract. de indur. cord. Phar. für ein Werk des P. hält; cf. auch García-Sánchez 117. – [117] Cf. de Plinval, Essai 124. – [118] Hergestellt von de Plinval, Essai 134.
f) Weitere Schriften. – In dem Corpus der anderen sogenannten pelagianischen Schriften wird insbesondere für E1-E3 P. als Verfasser diskutiert. Alle drei Schriften sind Briefe, die zur Askese ermahnen (an Celantia, eine verheiratete Mutter, die ohne Zustimmung ihres Mannes ein Keuschheitsgelübde abgelegt hat; an einen namentlich nicht genannten ‹parens›, der die Frage gestellt hat, inwiefern auch für den Christen das Gesetz gilt, besonders im Hinblick auf den Eid; an Claudia, die ein Leben als ‹uirgo› eingeschlagen hat). Der pelagianische Charakter dieser Schriften ist, wenn überhaupt, nur schwach ausgeprägt [119]. Sie gehören in ein asketisches Milieu, das die Erfüllung der Gesetze für grundsätzlich möglich hält und die ethischen Implikationen des Christseins besonders betont. Dies allein macht die Schriften ebensowenig pelagianisch wie die Orientierung an Christus als Vorbild oder die Aufforderung, auch die geringsten Sünden zu vermeiden. Man wird mit einer besonders in asketischen Kreisen verbreiteten Normaltheologie rechnen müssen, die – gemessen an Zuspitzungen der Gnadenlehre bei A. – als pelagianisch erscheinen mag, ohne dies eigentlich sein zu wollen. In unterschiedlicher Weise ist dies auch für etliche weitere Schriften der Fall, die zum Teil unter dem Namen des Hieronymus überliefert sind, zum Teil anonym (G15-G22). In ähnlicher Weise ist der pelagianische Charakter exegetischer Bemühungen (G23 [120] und G24) bezweifelbar [121]. Anmerkungen. – [119] Die von Duval, Date 276sq. angeführten Parallelen zu Pelag. nat. sind wenig überzeugend. – [120] Cf. de Plinval, Vue d’ensemble 292. – [121] Cf. zudem Cooper 251255 zum Opus imperfectum in Matthaeum.
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Übersicht über alle Werke, die P. zugeschrieben wurden. – In der Spalte ‹Repertorien› verweisen die Nummern auf die in den folgenden Übersichten vorgenommenen Zählungen: NS = Nuvolone/Solignac 2898-2901; PLS = PLS 1,1101-1109; de Plinval = de Plinval, Essai 8sq.; cf. dazu noch CPL 728-766 [122].
Werktitel A – Erhaltene authentische Werke A1: E xpositiones in epistulas Pauli A2: E pistula ad Demetriadem (epist. ad Demetr.) A3: Libellus fidei (lib. fid.)
B – F ragmente authentischer Werke B1: Eclogarum liber
B2: L ibri tres de trinitate (trin.) B3: De natura (nat.) B4: Chartula defensionis B5: P ro libero arbitrio (lib. arb.)
B6: E pistula ad Innocentium
Repertorien
Edition
NS 6; PLS 1; CPL 728; de Plinval 7 NS 8; PLS 3; CPL 737; de Plinval 21 NS 15; PLS 2; CPL 731; de Plinval 22
Souter 2,3-539 (unbrauchbar: PLS 1,1110-1374)
NS 2; PLS 23; CPL 750; de Plinval 1
NS 1; PLS 30; CPL 748; de Plinval 3 NS 9; PLS 24; CPL 753; de Plinval 2 NS 11; PLS 28 NS 13; PLS 29; CPL 749; de Plinval 4
NS 14; PLS 27; CPL 749a
PL 30,16-46; 33,1099-1120; cf. A. gr. et pecc. or. 1,23.40-42 van
Egmond, Haec fides est 377-382; cf. A. gr. et pecc. or. 1,36
A. c. ep. Pel. 4,21 (CSEL 60, p. 543,10sq.) Hier. adu. Pelag. 1,26 (CCL 80, p. 33,13sq.) (= A. gest. Pel. 2 (CSEL 42, p. 52,20sq.)); Hier. adu. Pelag. 1,26 (CCL 80, p. 34,24sq.).27 (ib., p. 34,1sq.4-7.8sq.) A. gest. Pel. 6 (CSEL 42, p. 57,11sq.); cf. Hier. adu. Pelag. 1,28 (CCL 80, p. 35,1sq.); ib. (ib., p. 35,4-15) A. gest. Pel. 6 (CSEL 42, p. 57,15-20).7 (ib., p. 58,2-4.12-14) Hier. adu. Pelag. 1,29 (CSEL 80, p. 36,1-3) (= A. gest. Pel. 9 (CSEL 42, p. 60,3-5)); Hier. adu. Pelag. 1,29 (CCL 80, p. 36,5-9.14-16) Hier. adu. Pelag. 1,30 (ib., p. 38,1-3.14sq.23) Hier. adu. Pelag. 1,31 (ib., p. 39,1-3).32 (ib., p. 39,1sq.) Hier. adu. Pelag. 1,33 (ib., p. 40,1sq.) Hier. adu. Pelag. 1,33 (ib., p. 41,20-23); cf. A. gest. Pel. 12 (CSEL 42, p. 63,11-13.16) cf. PL 48,594-596 PLS 1,1544-1560 A. nat. et gr. passim; Fragmentezählung nach Löhr, Pelagius 249-271 A. gest. Pel. 57sq. (CSEL 42, pp. 112,7-9; 112,27-113,7) (a) liber 1: fr. 1: A. gr. et pecc. or. 1,19 (CSEL 42, p. 140,12-17) fr. 2: A. gr. et pecc. or. 1,29 (ib., p. 148,25-29) fr. 3: A. gr. et pecc. or. 1,30 (ib., p. 149,5-7) (cf. s. 156,13; ep. 186,35) fr. 4: A. gr. et pecc. or. 2,14 (ib., p. 175,22-27) (b) liber 3: fr. 5: A. gr. et pecc. or. 1,5 (ib., pp. 127,29-128,29) fr. 6: A. gr. et pecc. or. 1,47 (ib., pp. 159,25-160,1) fr. 7 = fr. 3 Souter (PLS 1,1542sq.); cf. A. gr. et pecc. or. 1,43 (CSEL 42, pp. 156,25-157,6) (zu Hier. epist. 133,2 (CSEL 56, p. 243,8-11)) fr. 8 = fr. 2 Souter (PLS 1,1541sq.) (zu Hier. epist. 133,6 (CSEL 56, pp. 250,24-251,1)) fr. 9 = fr. 1 Souter (PLS 1,1539-1541) (zu Hier. epist. 133,9 (CSEL 56, p. 254,21-26)) (c) incertum, quo de libro excerpsit A.: fr. 10: A. gr. et pecc. or. 1,8 (CSEL 42, pp. 130,31-131,8.13-20) fr. 11: A. gr. et pecc. or. 1,11 (ib., pp. 133,26-28; 133,30-134,6) fr. 12: A. gr. et pecc. or. 1,24 (ib., pp. 143,18-21; 143,27-144,5) fr. 1: A. gr. et pecc. or. 1,32 (CSEL 42, p. 150,11-16) fr. 2: A. gr. et pecc. or. 1,33 (ib., p. 150,23-27) fr. 3: A. gr. et pecc. or. 1,33 (ib., p. 151,6-9) fr. 4: A. gr. et pecc. or. 1,34 (ib., p. 151,15-18) fr. 5: A. gr. et pecc. or. 1,35 (ib., p. 151,21-25) fr. 6: A. gr. et pecc. or. 1,38 (ib., p. 154,8-12) fr. 7: A. gr. et pecc. or. 1,39 (ib., p. 154,23-25) fr. 8: A. gr. et pecc. or. 1,40 (ib., p. 155,1-4) fr. 9: A. gr. et pecc. or. 1,45 (ib., p. 158,7-11) fr. 10: A. gr. et pecc. or. 2,20 (ib., pp. 180,27-181,3) fr. 11: A. gr. et pecc. or. 2,21 (ib., p. 181,10-14) fr. 12: A. gr. et pecc. or. 2,22 (ib., p. 181,20-22) (unbrauchbar: PL 48,610sq.)
Pelagius, Pelagiani Werktitel C – Dicta C1: D icta contra Augustinum Romae C2: D icta in conuentu Hierosolymitano C3: D icta in concilio Diospolensi (gesta concilii) C4: Dicta ad Albinam, Pinianum et Melaniam D – Authentische, aber v erlorene Werke D1: E pistula ad Paulinum Nolanum D2: E pistula ad Constantium D3: Epistula ad Augustinum E – Dubia E1: Epistula ad Celantiam E2: E pistula ad Thesiphon tem de diuina lege E3: Epistula ad Claudiam de uirginitate = Laus uirginitatis ad Mauritii filiam F – Fragmenta dubia F1a: Liber ad Liuaniam F1b: Epistula ad uiduam F2: Epistula ad amicum F3: ‹Fragmenta Vindobonensia› (Epistula ad quandam matronam) F4: ‹Duo fragmenta breuia›
G – Anonyma Pelagiana (Spuria) G1: De uita christiana G2-G5: ‹Corpus Sixtinum› G2: De diuitiis G3: De malis doctoribus G4: D e possibilitate non peccandi G5: De castitate G6: Epistula ad Marcellam
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Edition A. perseu. 53 (PL 45,1026) Oros. apol. 4 (CSEL 5, pp. 607,18; 608,11sq.)
NS 10
A. gest. Pel. passim (CSEL 42, pp. 51-122); Aufstellung bei Wermelinger, Rom 295-299 (‹Anhang II›) A. gr. et pecc. or. 1,2 (CSEL 42, p. 125,15-20)
NS 3; PLS 31
cf. A. ep. 186,1 (CSEL 57, p. 45); A. gr. et pecc. or. 1,38 (ib. 42, p. 154,8-12) cf. A. gr. et pecc. or. 1,39 (CSEL 42, p. 154,23-25) cf. A. ep. 146 (CSEL 44, pp. 273sq.) gest. Pel. 51sq. (ib. 42, pp. 104-106)
NS 4; PLS 32 NS 5; PLS 33
NS 21; PLS 4; CPL 745; de Plinval 20 NS 22; PLS 13; CPL 740; de Plinval 11 NS 23; PLS 14; CPL 741; de Plinval 12
Hier. epist. 148 (CSEL 56, pp. 329-356) (= Ps. Paul. Nol. epist. app. 2 (CSEL 29, pp. 436-459)) PL 302,108-120
NS 7; PLS 25; CPL 754; de Plinval 5 NS 20; PLS 25; CPL 754 NS 12; PLS 26; CPL 749b NS 17-18; PLS 36; CPL 755
Mar. Merc. Conc.S 1,5 pp. 69,14-19; 69,42-70,2
Ps. Sulp. Seu. epist. 2 (CSEL 1, pp. 225-250)
A. gest. Pel. 16 (CSEL 42, p. 68,10-16); cf. Hier. adu. Pelag. 3,16 (CCL 80, p. 120,11-15) A. gest. Pel. 54 (CSEL 42, p. 107,6-10) Duval, Lettre 215-243
NS 16; PLS 37; CPL 756
Sedulius Scottus (CCM 67, p. 50,51-55)
NS 19; PLS 5; CPL 730; de Plinval 8
PL 40,1031-1046
PLS 7; CPL 733; de Plinval 9 PLS 8; CPL 734; de Plinval 10 PLS 9; CPL 735; de Plinval 15 PLS 10; CPL 736; de Plinval 13
Caspari 25-67 (PLS 1,1380-1418); cf. Winterbottom 108-116 (cf. Gryson 2,697sq.); Kessler 242-330 Caspari 67-113 (PLS 1,1418-1457); cf. Winterbottom 116-121
PLS 11; CPL 738; Plinval 19
Ps. Paul. Nol. epist. app. 1 (CSEL 29, pp. 429-436)
PLS 12; CPL 739; de Plinval 16
PL 302,57-62
Caspari 114-122 (PLS 1,1457-1464); cf. Winterbottom 121sq. Caspari 122-167 (PLS 1,1464-1505); cf. Winterbottom 122-129; Cerretini 60-139
de
G7: E pistula ad uirginem in exilium missam
648
649 Werktitel G8: E pistula ad Claudiam de ultimo iudicio G9: E pistula ad Oceanum de opprobriis
650
Pelagius, Pelagiani
Repertorien PLS 18; CPL 746; de Plinval 17 PLS 17; CPL 744; de Plinval 18
Edition Ps. Sulp. Seu. epist. 1 (CSEL 1, pp. 219-223)
G10: T ractatus de induratione cordis Pharaonis (Tract. de indur. cord. Phar.)
PLS 20; CPL 729; de Plinval 6*
de
G11: E pistula ad adolescentem («Humanae») G12: E pistula «Honori ficentiae» G13: A dmonitio (e codice Augiensi 221) G14: E pistula «Magnum cumulatur» G15: E pistula exhortatoria ad Pammachium et Oceanum de renuntiatione saeculi G16: De uera poenitentia
PLS 6; CPL 732; de Plinval 14* PLS nach Nr. 10; CPL 761 CPL 763
Caspari 14-21 (PLS 1,1375-1380)
CPL 762
Caspari 171-178 (PLS 1,1694-1698)
PLS 15; CPL 742; Plinval 1*
PL 302,247-249
PLS 16; CPL 743; de Plinval 2* PLS 19; CPL 747; de Plinval 3*
PL 302,249-253
CPL 2278 CPL 225
Hier. epist. 149 (CSEL 56,1, pp. 357-363) (= Walker, Columbani Opera 198-207) PL 302,63-77
CPL 765
PL 302,150-152
CPL 764
Kalff 21-79
CPL 766
Wenk 170-188
PLS 21; CPL 757
PL 232,1475-1536
CPL 759
Souter 3 (‹Appendix›)
PLS 22; CPL 758
Ps. Sulp. Seu. epist. 7 (CSEL 1, p. 256)
PLS 38/39; CPL 756a
PLS 1,1570 (= Excerptum ex expositionibus Pauli epistularum (A1)) (Pelag. in Gal. 5,14 pp. 334,17-335,2) Beda in Ct. (CCL 119B, pp. 167,1-173,239; 285,539-548); cf. Iulian. in Ct. (CCL 88,398-401)
G17: Ad uirginem deuotam G18: D isputatio de sollem nitatibus et sabbatis G19: E pistula ad amicum aegrotum G20: D e honorandis parentibus G21: D e septem ordinibus Ecclesiae G22: D e duobus filiis frugi et luxurioso G23: E xpositio interlinearis libri Iob G24: I nterpolationes in expositionibus in Pauli epistulas H – Fragmentum anonymum H1: Epistula «Animorum quidem fides» I – Fehlzuschreibungen I1: ‹Fragmentum Oxoniense› I2: C ommentarius in Canticum Canticorum (= Iulianus Aeclanensis) I3: D e bono constantiae (= Iulianus Aeclanensis) I4: E pistulae duae (= Eutropius)
PL 302,291-297 Plinval, Essai 137-203
Caspari 3-13 (PLS 1,1687-1694) Morin, Fastidius ad Fatalem 5-15 (PLS 1,1699-1704)
de
PLS 34; CPL 751 = CPL 775c; de Plinval 6 PLS 35; CPL 752 = CPL 775d; de Plinval 6 PLS nach Nr. 19; de Plinval 4*.5*
PL 172,599-604
Beda in Ct. (CCL 119B, pp. 174,276-175,332); cf. Iulian. b. const. (CCL 88, pp. 401sq.) PL 302,47-52.194-217
Anmerkung. – [122] Die Definitiones sowie der Liber de fide wurden P. nicht zugeschrieben. Nicht berücksichtigt ist außerdem der ‹Budapester Pauluskommentar› (CPL 759a).
Pelagius, Pelagiani
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2. Pelagianische Theologen. – a) Caelestius. – !Caelestius wurde 411 wohl nicht direkt verurteilt [123]; als Vertreter der verurteilten sechs Sätze und Auslöser erheblicher Diskussionen [124] war jedoch seine weitere Wirksamkeit in Karthago undenkbar geworden, weswegen er bald in den Osten zog. Obwohl die Aussagen von 411 und weitere in Diospolis eine erhebliche Rolle spielten, trat Caelestius nicht in Erscheinung. Er greift erst durch sein Erscheinen in Rom wieder in den pelagianischen Streit ein (cf. oben B V). Nach der Verurteilung von 418 führt seine Spur erneut in den Osten, wo er noch 431 in Ephesus verdammt wird [125]. Mehrere Versuche nach 418, in Rom eine Neuverhandlung seiner Angelegenheit zu erreichen, scheiterten. A. hat Schriften des Caelestius gekannt (cf. perf. iust. 1; ep. 10*,1), jedoch nur die in ihrer Echtheit nicht unumstrittenen Definitiones widerlegt [126].
tion eines zweiten Briefes an Zosimus (cf. c. Iul. imp. 1,18) mit dem unter dem Namen des Johannes Chrysostomus überlieferten Libellus fidei (Nr. 14 bei Nuvolone/Solignac 2907) ist sicher falsch, da das genannte Schriftstück das Schreiben der Bischöfe aus der Kirchenprovinz Aquileia an ihren Metropoliten Augustinus ist (zu der pseudo-ambrosianischen Fassung cf. Nuvo lone/Solignac 2922). – [129] PL 48,506-526; cf. Wermelinger, Rom 220-226. – [130] Cf. Lamberigts, Evêques 266-273.
Anmerkungen. – [123] Cf. Wermelinger, Rom 17 mit n. 61. Auszüge aus dem Verhör von 411 sind belegt in gr. et pecc. or. 2,3; cf. die Rekonstruktion bei Wermelinger, Rom 15-18. – [124] Re konstruktion bei Wermelinger, Rom 9-15; Drecoll, Meinungsführerschaft 208sq. Zur Diskussion um die Herkunft der An klagethesen von 411 cf. Dodaro, Debate 191sq.199-201. – [125] C Eph. (431) c. 1.4 (ACO 1,1,3, pp. 27,23-27; 28,8-10); cf. Speigl, Konzil; Lamberigts, Evêques 266-268. – [126] Cf. die Zusammenstellung aller Testimonien und Fragmentfundorte bei Nuvolone/Solignac 2893sq.
b) Julian von Aeclanum. – Erst nach der Verurteilung des P. und des Caelestius durch den Kaiserhof und Zosimus 418 tritt Julian (!Iulianus Aeclanensis) als pelagianischer Theologe in Erscheinung. Die Epistula tractoria lehnt er aus inhaltlichen wie aus formalen Gründen ab: Inhaltlich ist der Fokus Julians die Vorstellung vom ‹originale peccatum›, das sich auf alle Menschen auswirkt; formal attackiert Julian insbesondere die Tatsache, daß die Verurteilung des P. und des Caelestius nach erfolgtem synodalem Freispruch ohne erneute Synode und auf kaiserlichen Druck hin erfolgt ist (Iulian. A. c. ep. Pel. 2,5) [127]. Julians Briefe an den kaiserlichen Comes Valerius und an Zosimus werden von A. widerlegt und bilden den Auftakt einer intensiven literarischen Kontroverse [128], die sich bis zu A.s Tod hinzieht. Julian wird zum Kopf einer aus 18 Bischöfen bestehenden Gruppe, die sich gegen den neuen Kurs zur Wehr setzt – parallel zu einer Gruppe in der Kirchenprovinz Aquileia, die mit einem eigenständigen Libellus fidei bei Zosimus vorstellig wird [129]. Die Versuche, über Nestorius eine Neuverhandlung der Angelegenheit zu erreichen [130], scheitern ebensowie der spätere Versuch, dies unter Papst Sixtus zu erlangen. Anmerkungen. – [127] Cf. Lamberigts, Zosimus 314sq. – [128] Cf. die Übersichten bei Lamberigts, Iulianus 840 und Nuvolone/Solignac 2906sq. (hier die Nrr. 1-8). Die Identifika
c) Weitere Theologen. – Mit einem relativ breiten Spektrum pelagianischer Theologen ist schon aufgrund des umfangreichen Schrifttums zu rechnen. Neben den 18 Bischöfen um Julian und den Bischöfen aus der Kirchenprovinz Aquileia dürften pelagianische Ideen auch anderen bekannt gewesen sein [131]. Die Verbreitung in Sizilien (cf. ep. 156sq.) ist in ihrem Ausmaß schwer bestimmbar [132]. Prominent ist der Fall des römischen Presbyters Sixtus, der Aurelius und A. seine Abkehr von P. brieflich mitteilt (ib. 191,1) [133]. Unter kaiserlichen Beamten dürften pelagianische Ideen durchaus auf Sympathien gestoßen sein [134], oft wohl aus Unkenntnis der damit ver bundenen theologischen Probleme. Bekannt gewesen ist A. auf jeden Fall Anianus von Celeda [135], der gegen Hier. epist. 130 (an Demetrias) ein Werk geschrieben hat. Entweder hat Eusebius von Cremona diese Schrift nicht nur an Hieronymus geschickt (cf. Hier. A. ep. 202,2), sondern auch an A., oder die Schrift ist über Italien (z.B. weil Alypius sie mitgebracht hat) nach Hippo gekommen. A. und Hieronymus forderten sich g egenseitig zu Widerlegungsschriften auf (ib.), zu denen es jedoch nicht kam. Der Brief zeigt, daß Hieronymus davon ausging, daß Anianus mit P. in Diospolis präsent war [136]. Er dürfte mit dem Übersetzer pseudochrysostomischer Schriften identisch sein, von denen eine im Schreiben der pelagianischen Bischöfe aus der Kirchenprovinz Aquileia und bei Julian benutzt wird [137]. Pelagianische Autoren wie Fastidius [138] oder Eutropius (nicht zu verwechseln mit dem Empfänger von perf. iust.) sind A. nicht mehr bekannt geworden. Anmerkungen. – [131] Cf. gest. Pel. 53. Hieronymus prangert insbesondere die Unterstützung durch Frauen an; cf. adu. Pelag. 1,26, was zu seinem Stereotyp des von Frauen umgebenen Ketzers paßt (cf. Hier. epist. 133,4). – [132] G. Bonner, Pelagianism and Augustine 47 betont: «It was never a mass-movement». Eventuell unterschätzt G. Bonner die Nähe der pelagianischen Theologie zu einer nicht besonders reflektierten Normalauf fassung, so daß er sich «a small group of theological writers and a handful of their supporters» vorstellt. Die Grenzen zum ‹Pelagianismus› dürften jedoch kaum allen Klerikern deutlich ge wesen sein. – [133] Die Identifikation mit dem späteren Papst Sixtus III. ist möglich, aber nicht zwingend. – [134] Zu Vitalis (cf. ib. 217) und Marcellinus cf. Drecoll, ‹Ungerechte Gnadenlehre› 30sq.34sq. – [135] Ib. 202,2 (= Hier. epist. 143) überliefert den Namen als ‹An(n)ianus Cele(n)densis›; cf. zu der Namensform und Identität des Ortes Nuvolone/Solignac 2908. – [136] Von Nuvolone/Solignac 2908 mit dem bei Oros. apol. 2 ge-
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nannten Waffenträger identifiziert, der beim Vorgespräch in Jerusalem dabei war. – [137] !Iohannes Constantinopolitanus episcopus (Chrysostomus), 3,693. Basis sind die beiden Briefe (CPL 771 und 772), die auf die Übersetzung von De laudibus apostoli Pauli, weiteren Predigten (u.a. Ad neophytos) und der Matthäushomilien verweisen; cf. Nuvolone/Solignac 29082911; Neuedition der Epistula ad Orontium (CPL 771) bei Primmer. – [138] Cf. Nuvolone/Solignac 2912-2914.
ardentissimo accensum» (nat. et gr. 1). Das Stichwort ‹zelum› gibt die Gelegenheit, Rm 10,2-4 zu zitieren: P. stehe in der Gefahr, die ‹dei iustitia› zu ignorieren und die eigene aufrichten zu wollen (nat. et gr. 1). Daraus leitet A. den eigenen Eifer ab, sich gegen den auch als ‹frater‹ (ib. 22) bezeichneten Verfasser dieses Buches zu wenden, «ne euacuetur crux Christi» (ib. 7). A.s polemisches Vorgehen läßt dabei keinen Zweifel an der Verkehrtheit des Bekämpften. Er hält das von P. Gesagte für falsch und gefährlich (ib. 53) sowie für in sich widersprüchlich (ib. 45). P. wende sich mit seinen Aussagen gegen die Wahrheit der Hl. Schrift (ib. 23). Noch bevor sich A. mit der Beschreibung des ‹peccatum› als ‹superbia› durch P. auseinandersetzt (ib. 33) [143], beschreibt er P. selbst als «superbus amicus» (ib. 28) und stellt ihn anschließend als den hin, der die Auffassung, der Mensch könne ohne Sündenfreiheit sein, keineswegs als ‹superbum› ansieht (ib. 38). Dadurch wird P. zugleich als Sünder und als Häretiker [144] gekennzeichnet. Einzelne Aussagen des P. klingen dabei – aus dem Kontext genommen – durchaus rechtgläubig (ib. 52), sein eigener Rückgriff auf die ‹catholicorum tractatorum opuscula› (ib. 71) reißt seinerseits Aussagen aus dem Kontext – A. hebt dies bei einem Zitat aus seinem eigenen Werk lib. arb. besonders hervor (nat. et gr. 80-82) [145]. Damit wird das Argumentieren des P. in ein verdächtiges, weil irreführendes Licht gesetzt. Bevor A. auf die Testimonien eingeht, ruft er dem P. zu (dem er in pecc. mer. 3,1 ‹prouectus› beigemessen hatte), daß niemand irgendeinen ‹prouectus uerae piaeque iustitiae› erlangen könne, der die ‹gratia saluatoris Christi crucifixi› leugnet, und er bezweifelt, daß ein solcher Mensch überhaupt als Christ bezeichnet werden dürfe (nat. et gr. 70). Damit deutet sich die häresiologische Perspektive, die zum Ausschluß des P. führt, bereits 414 an.
II. Die Abwehr der pelagianischen Häresie durch A. – Die Bekämpfung der ‹Pelagiani› unterscheidet sich von der der ‹Manichaei›, der ‹Donatistae› und der ‹Arriani› in dreifacher Hinsicht: (1) Die ‹Pelagiani› haben niemals eine ekklesiologische Struktur aufgebaut, darin unterscheiden sie sich sowohl von der ‹ecclesia› der Manichäer als auch von dem Selbstverständnis der Donatisten und Homöer als ‹ecclesia catholica› [139]: Es handelt sich um individuelle Sympathisanten einer theologischen Strömung, zumeist aus einem asketischen Oberschichtmilieu, ohne eigene kirchliche Hier archie, Abgrenzung im Kultus oder Inbesitznahme von Kirchengebäuden [140]. (2) Die ‹Pelagiani› treten erst im Laufe des Lebens A.’s in Erscheinung: Es gibt keine literarischen oder rechtlichen Vorfestlegungen, die den Umgang mit dieser Strömung beeinflussen; der Umgang mit dieser Meinung entwickelt sich erst in den Jahren des pelagianischen Streites zwischen 411 und 418. (3) Das Auftauchen dieser Meinung ist von A.s literarischem Werk nicht unbeeinflußt: Man wird zwar nicht so weit gehen können, den Pelagianismus nur als Reaktion auf A.s Gnadenlehre zu deuten, denn dazu sind die Verwurzelung in der asketischen Bewegung und die eigenständige Origenesrezeption schon bei P. zu stark; doch dürfteder Widerspruch gegen A. durchaus ein Faktor in der sich ab 405 zunehmend formierenden pelagianischen Theologie gewesen sein. Anmerkungen. – [139] Cf. Praedest. 1,88 (CCL 25B, p. 52,32): «Pelagiani tamen seu Caelestiani catholicae plebi permixti sunt, quia ecclesiam aliam non habent». – [140] Cf. G. Bonner, Pelagianism and Augustine 37, der betont, daß es sich bei der Auseinandersetzung mit den Pelagianern um einen «literary … war» handelt, und auf die kurze zeitliche Erstreckung (ib. 39: «between 408 ... and 431») hinweist.
1. Das polemische Vorgehen A.s gegen P. – a) De natura et gratia. – Während P. als Autor der Expositiones in epistolas Pauli in pecc. mer. 3,1 namentlich genannt wird (wobei die Wertschätzung etwas distanziert ausgedrückt ist) [141], erwähnt A. in De !natura et gratia, der ersten Schrift, in der er sich gezielt mit P. auseinandersetzt, P. nicht ein einziges Mal (cf. dazu gest. Pel. 47) [142]. Den Verfasser von nat., das ihm die beiden P.-Schüler Timasius und Jakobus übersandt haben (cf. ep. 168 (= gest. Pel. 48)), charakterisiert A. als «hominem zelo
Anmerkungen. – [141] Ib.: «sancti uiri, ut audio, et non paruo prouectu christiani». Eine gewisse Distanz zeigt sich auch in der Formulierung, daß P. durch die Thesen der Gegner diesen Traduzianismus unterstellte (cf. ib. 3,4). Die Argumente selbst betrachtet A. definitiv als ‹nouitas›, gegen die man auf die ‹antiqua ueritas› zurückgreifen muß (ib. 3,22). – [142] Cf. Wermelinger, Rom 35 n. 176. Cf. zur Entstehungsgeschichte von nat. et gr. auch ep. 169,13. – [143] A. selbst hatte Ecli 10,15 durchaus auch als Erklärung der Sünde benutzt (z.B. exp. prop. Rm. 4), bestreitet P. jedoch eine analoge Auslegung und bezieht den Vers auf den Teufel (cf. dazu bereits lib. arb. 3,76; uera rel. 26). – [144] Cf. c. ep. Man. 6,7 zur ‹superbia› als «mater omnium haereticorum». – [145] Daß A. ib. 71 ausführlich erläutert, daß das erste Zitat ohne Verfasser angegeben sei, insinuiert – auch wenn A. hier die Möglichkeit eines Abschreibfehlers e inräumt – die technische Minderwertigkeit des Autoritätenbeweises.
b) De gestis Pelagii. – Nach dem Freispruch von Diospolis hat A. versucht, genauere Informationen
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über das Geschehen zu erhalten. Er erhielt mündliche Informationen von Orosius sowie von den Klerikern Palatinus und Innozenz (ep. 19*,1) und intensivierte 416 die Korrespondenz mit Hiero nymus [146]. Die Akten von Diospolis bekam A. trotz brieflicher Bitte an Johannes von Jeru salem (ep. 179,7), dem er auch nat. et gr. schickte (ep. 179,2; cf. ib. 19*,4) [147], erst Anfang 417 durch Cyrill von Alexandrien (cf. ib. 4*,2), als die Entscheidungen in Karthago und Mileve bereits getroffen waren und Innozenz P. und Caelestius verurteilt hatte. Die Grundstrategie A.s bei der Widerlegung der Akten in De !gestis Pelagii besteht darin, an der Orthodoxie der 14 in Diospolis versammelten Bischöfe festzuhalten (ib. 1sq.) [148]. Dies bedeutet, daß ihre Beschlüsse gültige Synodalbeschlüsse sind. Allerdings beziehen sich ihre Beschlüsse eben auch nur auf das, was sie geprüft haben, nämlich die mündlichen ‹responsiones› des P. in Diospolis; nicht geprüft wurde die Theologie des P. insgesamt, wie sie in seinen ‹opuscula› zu finden ist (ib. 2) [149]. Hinzu kommt, daß die Bischöfe die Antworten des P. nur übersetzt hörten, Feinheiten der Formulierung also nicht wahrnehmen konnten (ib. 2.3; cf. ib. 39.41). Dementsprechend haben die Bischöfe in Diospolis bei genauerem Zusehen tatsächlich verdammt, was als ‹haeresis› einzustufen ist (ib. 24.25). P. selbst war sich der Gefahr, in der er stand, durchaus bewußt und hat «uigilanti circumspectione» geantwortet (ib. 28) [150]. Er hat die Richter durch mehrdeu tige und unpräzise Formulierungen bezüglich ‹gratia› bewußt in die Irre geführt (ib. 20.22) oder womöglich direkt gelogen (ib. 19) [151]. Insbesondere die Verwerfungen der Aussagen des Caele stius sind (besonders angesichts von nat.) nicht glaubwürdig (gest. Pel. 47). Das irreführende Verhalten des P. setzte sich auch nach Diospolis fort. P. täuscht bewußt, wenn er sich eines freundschaft lichen Kontakts mit A. brüstet (was A. ib. 46-53 zu einer umfassenden Darstellung seiner Beziehung zu P. Anlaß gibt). In Diospolis hat P. die Aussage «hominem esse sine peccato et dei mandata custodire, si uelit» ohne das Adverb ‹facile› bestätigt; mit dem Adverb fi ndet sich die Aussage jedoch in der Epistula ad amicum (F2), deren Echtheit aber nicht ganz feststeht: Keineswegs wurde also in Diospolis bestätigt, daß der Mensch das Gesetz leicht beachten könne (im Gegenteil, es wird mit 1 Cor 15,10 auf das ‹laborare› des Paulus verwiesen; gest. Pel. 54sq.). In der Chartula defensionis (gest. Pel. 57) hat P. die Verdammung der Aussagen des Caelestius in ein anderes Licht gerückt (so nämlich, als w ären sie nicht von der Synode sofort ohne Zweifel verworfen worden; ib. 58). Mit einer Zusammenstellung der Aussagen, die in Diospolis
verworfen worden sind, schließt die Schrift. Die Synode von Diospolis hat das Urteil gegen Caelestius von 411 bestätigt (ib. 62), sie hat die meisten der Sätze aus dem Anklagelibell verworfen (ib. 6265). Mit dieser Zusammenstellung ist eine Kurzfassung der Bewertung von Diospolis gegeben, die vielleicht auch separat im Umlauf war. Eine daran anknüpfende Zusammenstellung antipelagianischer Aussagen formuliert A. am Ende des Briefes, mit dem er Paulinus von Nola von dem häretischen Charakter der pelagianischen Theologie überzeugen will (ep. 186,32-41) [152]. A. versucht, gerade auf der Grundlage der Synode von Diospolis einen Bestand an Lehraussagen zu fixieren, die den Charakter des Pelagianismus als Häresie aufweisen. Anmerkungen. – [146] Cf. Fürst, Briefwechsel 182184.187.211. – [147] Cf. Fürst, Briefwechsel 213. – [148] Damit ist für A. auch die Einschätzung widerlegt, es handle sich nur um eine griechisch-östlich geprägte Theologie: Gerade 14 Bischöfe aus dem Osten haben die pelagianische Theologie verdammt; cf. gest. Pel. 25.59. – [149] Dies benennt A. besonders angesichts der Tatsache, daß P. ein ihm vorgelegtes Zitat aus der Epistula ad uiduam (F1b) als nicht von ihm geschrieben einstuft (gest. Pel. 16sq.). Auch ein Vergleich mit der Auslegung von Rm 9,16 in den Expositiones konnte nicht stattfinden (gest. Pel. 39). – [150] Cf. auch ib. 8: «quid mali sonarent illa uerba persensit». – [151] A. behauptet nicht direkt, daß P. gelogen habe, er insinuiert es nur als eine (naheliegende) Möglichkeit; cf. auch ib. 39: «possent eum fortasse, absit ut dicam, conuincere de mendacio». – [152] Wermelinger, Rom 112sq. mit n. 156 weist darauf hin, daß dieses antipelagianische Bekenntnis in Quesnell. 18 (PL 56,497-499) getrennt aufgenommen worden ist, was auch analog für gest. Pel. 62-65 denkbar ist; cf. auch Wermelinger, Rom 113 n. 160 zur Kenntnis des P. bei Photius. Dazu auch Fürst, Orient 301sq.
c) De gratia Christi et de peccato originali und spätere Werke. – Die an Albina, !Pinianus und !Melania gerichtete Schrift De !gratia et peccato originali ist die letzte Schrift A.s, die sich schwerpunktartig mit P. befaßt [153]. Danach rückt Julian in den Mittelpunkt der Diskussion, P. wird nur noch als Häresiarch und Lehrer, als Autorität, auf den sich die Pelagianer berufen, genannt. Mit Albina, Pinian und Melania sind drei Mitglieder der römischen Oberschicht genannt, die dem Asketen und Lehrer P. nahe gestanden haben dürften. Dementsprechend beginnt A. mit dem Zitat einer mündlichen Aussage (die er offensichtlich von seinen Adressaten hat) und räumt ein, daß dieses Zitat rechtgläubig klingt. Er zeigt dann jedoch auf, daß auch diese vermeintlichen Aussagen im pelagianischen Sinne auf die Voraussetzungen der freien Willensentscheidung bezogen werden können, die Gnade «per singulos actus» also letztlich doch geleugnet werde (ib. 1,2). Erst die Lektüre der Schriften des P. zeigt den eigentlichen Charakter seiner Theologie, in den mündlichen
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Aussagen (auch in Diospolis) täuscht er [154]. A. greift auf seine in gest. Pel. 20 entwickelte und von Innozenz in ep. 183,3sq. (zitiert in gr. et pecc. or. 2,10) benutzte Strategie zurück. Weder in den Schriften des P. noch in denen des Caelestius sei die Gnade im eigentlichen Sinne beschrieben (ib. 1,31). P. ist sogar noch schlimmer als Caelestius, der es wenigstens schon in Karthago 411 abgelehnt hat, Aussagen zu verwerfen, die er nicht teilte [155]. Die Beschäftigung mit den Fragmenten aus Pro libero arbitrio zeigt kaum inhaltlich neue Akzente, doch ist die Schrift deswegen von besonderem Gewicht, weil sie P. nach Diospolis und den dort ausgesprochenen Verwerfungen geschrieben hat. Weil sich P. in Pro libero arbitrio deutlich gegen das ‹originale peccatum› positioniert, ist klar, in welchem Sinne seine in Diospolis ausgesprochenen Verwerfungen zu verstehen sind, nämlich als bewußte Lüge (gr. et pecc. or. 2,15). Auch im folgenden behält A. seine in gest. Pel. entwickelte und in gr. et pecc. or. fortgesetzte Strategie bei, so, wenn er sich bemüht, die Kenntnis über die Verurteilung von Caelestius und P. zu verbreiten (ep. 190,22), gerade auch in asketischen Kreisen (cf. neben ib. 186 besonders ib. 188 an Juliana) [156]. In den antipelagianischen Schriften wird P. als ‹haeresiarcha› (c. Iul. imp. 2,66) und hartnäckiger Verteidiger seiner Theologie präsentiert (ep. 196,7). Sein täuschendes Verhalten in Diospolis wird immer wieder genannt [157]. Gegenüber Julian verweist A. auf P. als «uestri auctor erroris» (c. Iul. imp. 2,103) und als den eigentlichen Lehrer (ib. 1,48; 3,56; 4,118.123; neben Caelestius: c. Iul. 5,24). Julian selbst wird als dritter wichtiger Vertreter des Pelagianismus genannt (ib. 2,35; 3,9; c. Iul. imp. 4,73.114). Inhaltlich erscheinen hierbei keine neuen Akzente der Polemik gegen P. [158].
den ‹Pelagiani› unterscheidet A. die Anfragen aus Hadrumetum und Gallien (cf. praed. sanct. 2; perseu. 26), deren Urheber nicht zu den ‹Pelagiani› zu rechnen sind (!Gratia, 3,220-223). Entscheidende Schrift zur Ausbildung der Ket zerbezeichnung ‹Pelagiani› ist Contra !duas epis tulas Pelagianorum. Grund hierfür ist insbeson dere die Tatsache, daß hier neben dem individuellen Brief Julians an die römische Kirche (ib. 1) ein kollektiver Brief an Rufus von Thessalonike wider legt wird (ib. 2-4). Damit weitet sich die Perspek tive von der Widerlegung von Einzelpersonen auf eine kollektive Größe. Dabei treten drei Akzente in den Vordergrund: (a) Es handelt sich um eine neue Häresie, um ein «nouum et execrabile dogma Pelagianum uel Caelestianum» (ib. 2,5; cf. ib. 1,11). A. bezeichnet die Pelagianer als «noui quippe haeretici, inimici gratiae dei» (ib. 1,2; cf. ib. 2,11; 3,15; 4,4) [161]. Sie entleeren (wie P.) die Bedeutung des Heilsgeschehens am Kreuz (ib. 4,6) und errichten zur ‹haeresis uetus Manichaeorum› die ‹noua (sc. haeresis) Pelagianorum› (ib. 4,12). (b) Die ‹Pelagiani› weisen schwere Charakterfehler auf, sie sind «elati et superbi» (ib. 1,8; cf. ib. 3,18). Julian legt aus A.s Perspektive dessen Schriften so aus, wie es seiner Polemik dient (ib. 1,9.26). Die Pelagianer sind geprägt von ‹insania› und wahnhafter Verschrobenheit [162]. Hinter ihrer Verteidigung der Geschlechtlichkeit steckt im Grunde Lüsternheit [163]. (c) Die ‹Pelagiani› erheben falsche Vorwürfe (ib. 1,29; cf. ib. 3,1), so etwa, daß der a. Theologie zufolge alle zur Sünde gezwungen sind (ib. 1,4), daß das ‹liberum arbitrium› durch die Adams sünde verloren ging (ib. 1,5), daß die Ehe nicht von Gott gestiftet (ib. 1,9) und die geschlechtliche Fortpflanzung vom Teufel erfunden worden ist (ib. 1,10) sowie daß die Taufe nicht alle Sünden beseitigt (ib. 1,26). Besonders empfindlich reagiert A. auf den Vorwurf des Manichäismus (ib. 1,42). Hieran anknüpfend entwickelt A. die Vorstellung, daß sich seine Theologie als richtige Mitte zwischen Pelagianismus und Manichäismus darstellt. Dies wird durch ein doppeltes ‹anathema› gegenüber Manichäern und Pelagianern eingeführt (ib.) und in den Büchern 2-4 intensiv weiterentwickelt. Der Manichäismusvorwurf der Pelagianer soll A. besonders einschüchtern (ib. 3,25). Er ist stilistisch geschickt gemacht, weil dieser Vorwurf mit einem fünffachen Lob den Manichäismus (und damit auch A.s Theologie) bloßstellen möchte (wobei die Fünfzahl an die im Manichäismus wichtige Fünfzahl der Licht- bzw. Finsterniselemente anknüpft): «de laude creaturae, laude nuptiarum, laude legis, laude liberi arbitrii, laude sanctorum»
Anmerkungen. – [153] Zu den mitgeschickten Schriften cf. Fürst, Briefwechsel 213sq. – [154] A. scheut sich nicht mehr, diesen Vorgang als ‹fallere› zu bezeichnen: ib. 1,7.26; 2,9.11.19.24). – [155] Im Blick auf Caelestius und P. gilt: «ille apertior, iste occultior fuit, ille pertinacior, iste mendacior uel certe ille liberior, hic astutior» (ib. 2,13). – [156] Zum Hinweis auf Rom als Wirkungsstätte des P. cf. Toczko, Rome. – [157] Cf. c. ep. Pel. 1,37: «ficto corde»; ib. 2,10: «subdolo timore»; cf. c. Iul. 1,19; gr. et lib. arb. 10; praed. sanct. 4; perseu. 31. – [158] Zur häresiologischen Technik A.s in der Widerlegung Julians cf. Ribreau.
2. Der Terminus ‹Pelagiani› als Häretikerbezeichnung. – Im Sprachgebrauch A.s ist das Ad jektiv ‹Pelagianus› für die Zeit vor 418 nicht nachweisbar [159], es gehört also in die Zeit der Auseinandersetzung mit Julian und schaut auf die Auseinandersetzung mit P. zurück. Der parallele Begriff ‹Caelestiani› (zur Synonymie cf. haer. 41) wird von A. wenige Male gebraucht, meistens in Kombination mit ‹Pelagiani› [160]. Deutlich von
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(Pelag. A. c. ep. Pel. 3,24). A. will zeigen, daß den Pelagianern dies nicht gelingt, sondern sie sich umgekehrt dreier Blasphemien schuldig machen: (1) der Leugnung des !‹peccatum originale› und der Hilfe Christi für die !‹paruuli›; (2) des Verständnisses von Gnade als etwas, was sich nach dem Verhalten (!‹meritum›) der Menschen richtet; (3) der Auffassung, daß die Heiligen sündlos waren und deswegen die Vaterunser-Bitte um Sündenvergebung überflüssig ist (ib. 4,19; !Oratio dominica).
Verweis auf die ‹lex› (ib. 26,10) reicht nicht, um das Erlösungswerk Christi angemessen zu beschreiben. In s. 131 (über Io 6) macht sich A. prosopopoietisch den Einwand, daß der Mensch mit seinem ‹liberum arbitrium› aufgrund der Kenntnis der ‹lex› weiß, was er zu tun hat, und es auch tun kann (s. 131,4); er argumentiert gegen «homines ingrati gratiae, multum tribuentes inopi sauciaeque naturae» (ib. 131,6). Auch die Sündenvergebung durch die Taufe stellt noch nicht die Möglichkeit her, unbelastet das Gute zu tun (ib.). Die Predigt schaut auf die Konzilien von Karthago und Mileve 416 sowie die Antworten des Innozenz zurück (ib. 131,10: «causa finita est: utinam aliquando finiatur error»). Antipelagianisch ausgerichtet ist auch s. 163 [168], in dem sich A. zunächst über die zurückgehende Verbreitung des Pelagianismus freut (ib. 163,1). Gal 5,17 ist gerade auch auf den getauften Christen zu beziehen (s. 163,2); «non tibi sufficit uoluntas tua» (ib. 163,8). Auch der getaufte und erlöste Christ steht im Kampf mit Affekten und der Neigung zum Bösen. Dementsprechend ist eine Zuflucht nicht zum Gesetz, sondern zum helfenden Geist notwendig, wie sie im Gebet zum Ausdruck kommt (ib. 163,11). Die Reihenpredigten über Rm 7,19-8,17 (s. 151156) [169] gehen das Thema des Pelagianismus indirekt an, indem die eigene Deutung von Rm 7 vorgetragen wird [170]. In s. 156,13 führt A. dann die Meinung von ‹quidam› ein, die nur ‹aliquando› über die Gnade reden und darunter etwas ver stehen, was dem ‹liberum arbitrium› das Tun des Guten ‹facilius› ermöglicht. Hierbei verwendet A. ein Zitat aus Pelag. lib. arb. (Pelag. A. gr. et pecc. or. 1,30 = fr. 3), gibt aber seiner Hoffnung Ausdruck, daß seine Gegner noch ihre Meinung ändern werden. Im Mai 418 wird dasselbe Zitat Gegenstand der dogmatischen Festlegung des Konzils von Karthago (Conc. Carth. a. 418 c. 6 (CCL 149, p. 71)), die ‹Pelagiani› werden aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen [171].
Anmerkungen. – [159] ‹Pelagianista› findet sich nur in s. 183,1.12. – [160] Dies geht insbesondere auf ein Julianzitat zurück; cf. nupt. et conc. 2,8; Iulian. A. c. Iul. 3,2. Cf. dann Iulian. A. c. Iul. imp. 3,101 und den Ausdruck «Pelagiana et Caelestiana haeresis» (nupt. et conc. 2,13; cf. dieses Zitat bei Iulian. A. c. Iul. imp. 4,5; cf. s. 181,2). – [161] Daß A. durch die Kennzeichnung der Pelagianer als ‹inimici gratiae› sich spezifisch von Marius Mercator und Hieronymus unterscheidet, betont Rackett 235. – [162] Ib. 1,28: «prauitatis haereticae uanitas et praesumptio spiritus». – [163] Ib. 1,35: «ad postremam, quae uos multum delectat, peruenit uoluptatem».
3. Abwehr des Pelagianismus in Predigten und Predigtwerken. – Der Terminus ‹Pelagianus› erscheint in Predigten überraschend selten (nur in s. 181,2.7; s. Morin 10,3; ‹Caelestianus› in s. 181,2.7), der Name des P. wird ebenfalls selten genannt (ib. 183,12; en. Ps. 58,1,19). Immerhin richtet sich aber s. Dolbeau 30 als ganzer gegen P. Hinzu kommen Predigtstellen, in denen A. gegen die pelagianische Theologie vorgeht, ohne diese namentlich zu nennen [164]. Dies ist bereits 413 der Fall, als er in s. 294,19 seine Deutung von Rm 5 vorträgt und wegen der im Auditorium aufkommenden Unruhe auf Cyprian verweist [165]. Eine Gruppe von Predigten, in denen die Auseinandersetzung mit dem Pelagianismus eine Rollespielt, stammt wohl aus dem Herbst 417 (s. 26.131.163 datieren auf den 24.-26. September 417) [166]. Ib. 26,8 nimmt A. Ps 94,6 («fleamus ante dominum, qui fecit nos») zum Anlaß, sich gegen die Pelagianer zu wenden und die Erbsünden- und Prädestinationslehre darzulegen [167]. Gott hat den Menschen mit ‹liberum arbitrium› geschaffen, fähig, gerecht zu handeln (s. 26,2). Ohne Gott ist der freie Wille jedoch nicht in der Lage, Gutes zu tun, vielmehr gilt: «per liberum arbitrium factus est malus homo» (ib. 26,3). Die Menschen gehören zur ‹una !massa perditionis ex Adam› (ib. 26,13). Entsprechend geht es auf Gottes Erwählungshandeln zurück, daß einige Menschen zum Gottesvolk gehören (ib. 26,4). Die Vertreter der neuen Häresie reden von der ‹gratia›, meinen aber die «gratia generalis, qua creatus est homo», und entleeren so das Kreuz (ib. 26,9); «natura non putetur gratia» (ib. 26,4). Auch der
Anmerkungen. – [164] Eine umfassende Analyse hat jetzt Dupont, Pelagian Controversy 318-330 vorgelegt; er liefert auch ib. 80 eine Aufstellung aller relevanten Predigten. Dabei ist allerdings die antipelagianische Ausrichtung unterschiedlich stark gegeben; cf. Yates, Anti-Pelagian (zu s. 168 und s. 333); cf. auch Dupont, Gratia Fidei (zu s. 143sq.). – [165] Cf. Drecoll, Kindertaufe 182sq.; ausführlich Dupont, Pelagian Controversy 203-235 (besonders ib. 231-233 die Aufstellung der pelagianischen Aussagen, die in s. 294 indirekt erscheinen). – [166] Die ‹Collectio Sessoriana› hat besonders Predigten mit Bezug auf den Pela gianismus gesammelt; cf. Partoens, Predigttätigkeit 410. – [167] Zur Erbsündenlehre in den Predigten cf. Dupont, Pelagian Controversy 506-551, zu s. 163 ib. 531-538. – [168] Cf. Partoens, Predigttätigkeit 410-416. – [169] Cf. zur Datierung Partoens, Introduction; zur Inhaltsangabe cf. Lössl, Introduction XXXIIXLVI; ausführliche Analyse bei Dupont, Pelagian Controversy 466-506. – [170] Cf. zur pelagianischen Auslegung von Rm 7
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elag. in Rom. 7,7 p. 56,12-14 = fr. 3 Souter (PLS 1,1542sq.); P cf. gr. et pecc. or. 1,43. Daß die Nähe zu der Auslegung des P. durch A.s Lektüre von Pelag. lib. arb. und Hier. adu. Pelag. dazu geführt habe, daß A. seine eigene Exegese von Rm 7 verändert hat (so Lössl, Introduction Lsq.), unterschätzt die An sätze bereits beim frühen A., Rm 7 auf den Getauften zu be ziehen. – [171] Cf. Lössl, Introduction LII-LV.
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4. Antipelagianische Intention in weiteren Werken. – Neben der kurzen Erwähnung der ‹Pela giani› in doctr. chr. 3,46 (sie verstehen das Verhältnis zwischen Gesetz und Gnade nicht richtig) geht A. auf die Pelagianer besonders in haer. 88 ein, wo sie als Abschluß und Zielpunkt der gesamten Darstellung vergleichsweise ausführlich und selb ständig dargestellt werden. Eine antipelagianische Ausrichtung könnte auch den retr. zugrundeliegen, gerade durch die Anordnung von Simpl. 1,2 am Anfang des 2. Buches (retr. 2,1,1). Die Abwehr des Pelagianismus prägt auch bereits früh andere Felder der Theologie A.s, etwa wenn er in ciu. 11-14 die Urstandslehre entwickelt und dabei die ‹natura uitiata› gegen die ‹naturalia uitia› (ib. 12,3) abgrenzt und den Fall auf die ‹mala uoluntas› zurückführt (ib. 14,11-13). Untersuchungen zu den Auswirkungen des pelagianischen Streits auf die nicht antipelagianischen Werke A.s fehlen. Bibliographie. – D.E. Arimoku, The Polemics of St. Augustine against Pelagius, Diss. Romae 1983. – J. Baer, De operibus Fastidii, Britannorum episcopi, Norimbergae 1902. – C.H. Bammel, Rufinus’ Translation of Origen’s Commentary on Romans and the Pelagian controversy: Tradition and Exegesis in Early Chris tian Writers, London 1996, Nr. 18 (AAAd 39 (1992) 131-142). – M.-F. Berrouard, Les Lettres 6* et 19* de saint Augustin. Leur date et les renseignements qu’elles apportent sur l’évolution de la crise «pélagienne»: REAug 27 (1981) 264-277. – J. den Boeft, Augustine’s Letter to Pelagius: Augustiniana Traiectina, Paris 1987, 73-84. – T. Bohlin, Die Theologie des Pelagius und ihre Genesis, Uppsala/Wiesbaden 1957. – A. Bonner, The Manuscript Transmission of Pelagius’ Ad Demetriadem: The Evidence of Some Manuscript Witnesses: StPatr 70 (2013) 619-630. – G. Bonner, Rufinus of Syria and African Pelagianism: AugStud 1 (1970) 31-47. – Id., Caelestius: AL 1 (1986-1994) 693-698. – Id., Augustine and Modern Research in Pelagianism: God’s Decree and Man’s Destiny. Studies on the Thought of Augustine of Hippo, London 1987, XI 1-82 (Villanova, Pa. 1972). – Id., Augus tine and Pelagianism: Church and Faith in the Patristic Tradition. Augustine, Pelagianism, and Early Christian Northumbria, Aldershot 1996, VII 27-47 (AugStud 24 (1993) 27-47). – Id., Pelagianism and Augustine: ib. VI 33-51 (AugStud 23 (1992) 33-51). – Id., Pelagius/Pelagianischer Streit: TRE 26 (1996) 176185. – U. Borse, Der Kolosserbrieftext des Pelagius, Bonn 1966. – P. Brown, The Patrons of Pelagius. The Roman Aristocracy be tween East and West: Religion and Society in the Age of Saint Augustine, London 1972, 208-226 (JThS 21 (1970) 56-72). – Id., Pelagius and his Supporters: Aims and Environment: ib. 183-207 (JThS 19 (1968) 93-114). – A. Bruckner, Quellen zur Geschichte des Pelagianischen Streites, Tübingen 1906. – T.S. de Bruyn, Pelagius’s Interpretation of Rom. 5:12-21: Exegesis within the Limits of Polemic: TJT 4 (1988) 30-43. – Id., Constantius the Tractator. Author of an Anonymous Commentary on the Pauline Epistles?: JThS 43 (1992) 38-54. – Id., Pelagius’s Commentary on St Paul’s Epistle to the Romans. Translated with Introduction and Notes, Oxford 1993. – C.C. Burnett, God’s Self-revelation in the
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Volker Henning Drecoll
Pentecoste I. Terminologie – II. Theologische Deutung und liturgische Gestalt des Pfingstfestes – 1. Pfingsttheologie – 2. Pfingstliturgie
I. Terminologie. – Im Neuen Testament (cf. bereits 2 Mcc 12,32) bezeichnet p. (griechisch ἡ πεντηκοστή (sc. ἡμέρα)) das jüdische Wochenfest (Schawuot) am 50. Tag nach Pesach/!Pascha (Act 2,1; 20,16; 1 Cor 16,8). Nach der Chronologie der Apostelgeschichte ereignete sich nach dem Tod Jesu an diesem Termin die Herabkunft des Hl. Geistes (!Spiritus sanctus) auf die Apostel (Act 2,1-4). Schon früh erlangt die p. eine Be deutung für die christliche Liturgie [1], wobei der Akzent zunächst auf der Zeitspanne von 50 Tagen als einer österlichen Freudenzeit liegt [2]. Im Zuge der Herausbildung eines am zeitlichen Ablauf der biblischen Berichte orientierten Osterfestkreises (!Resurrectio) wird der 50. Tag im Laufe des 4. und 5. Jh.s zu einem eigenständigen Fest mit dem Inhalt der Geistsendung. So bezeichnet das aus dem Griechischen transkribierte Wort p. bei A. stets und ausschließlich den 50. Tag [3]. Von Pfingsten spricht er in der Regel als dem am ‹dies pente costes› [4] stattfindenden Fest [5] und nennt es damit nur mittelbar. Die gleichwohl verschiedentlich thematisierte [6] fünfzigtägige österliche Festzeit heißt nun latinisiert !‹quinquagesima› [7].
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Anmerkungen. – [1] Cf. Kretschmar; Boeckh; Cabié; Auf Maur, Feiern 68.70.79-81; Id., Osterfeier 123-134; Leonhard/ Buchinger. – [2] Für Nordafrika cf. Tert. orat. 23,2; ieiun. 14,2; bapt. 19,2. – [3] C. Faust. 32,12: «pentecosten etiam, id est a passione et resurrectione domini quinquagesimum diem, quo nobis sanctum spiritum paracletum, quem promiserat, misit». – [4] Z.B. s. 266,2: «enim solemnitatem modo celebramus aduentus spiritus sancti: nam die pentecostes, qui dies iam coepit, erant uno in loco». Nur an einer Stelle bezeichnet p. direkt das Pfingstfest: «ascendit, decem diebus ibi factis misit spiritum sanctum: ipse est solemnis futurus pentecostes» (ib. 265,8). – [5] Dabei fällt auf, daß A. die Wendung ‹celebrare pentecosten› nur für die jüdische Feier des Wochenfestes gebraucht (s. Dolbeau 31,2.4; cf. s. 8,17; 270,6). – [6] Cf. inq. Ian. 2 (= ep. 55),28.32; ep. 36,18; s. 228,1; 259,2. – [7] Cf. diu. qu. 81,2; Io. eu. tr. 17,4. In s. Lambot 25,4 wiederum steht ‹quinquagesima› singulär für das Fest am 50. Tag, dessen Verbreitung in der gesamten Kirche betont wird.
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der
II. Theologische Deutung und liturgische Gestalt des Pfingstfestes. – 1. Pfingsttheologie. – Aus den einschlägigen Predigten [8] und anderen Schriften A.s lassen sich zwei bevorzugte Deutungen des Pfingstereignisses erheben. Die erste, ekklesiologische Interpretation bezieht das Sprachenwunder von Act 2 (!Lingua, 3,997sq.) auf die Universalität und Einheit der Kirche (!Ecclesia, 2,697sq.), die Menschen aller Sprachen umfaßt (cf. besonders s. 267-269 und – das Gegenbild zur babylonischen Sprachverwirrung betonend – ib. 271) [9]. Die zweite, typologische Deutung stellt die Geist sendung der Übergabe des Gesetzes am Sinai (!Decalogus) gegenüber (cf. besonders ib. 270 und s. Dolbeau 31) [10], womit sie die zeitgenössische, spätestens seit dem 3. Jh. belegte jüdische Interpretation des Wochenfestes aufgreift. Eine besondere Rolle spielt außerdem die aus den Zahlen 7, 10 und 40 gewonnene und auf den Hl. Geist bezogene Zahlensymbolik des 50. Tages [11] (!Numerus). 2. Pfingstliturgie. – Die Gemeinde in Hippo kannte eine auch als Tauftermin fungierende Pfingstvigil mit Eucharistiefeier sowie eine zweite Messe am Tage (cf. s. Dolbeau 31,2) [12]. Die von der älteren Forschung gepflegte Methode, aufgrund in Predigten erwähnter Schriftstellen die Festperikopen zu benennen [13], wird heute kritischer beurteilt [14]. Eine ausdrückliche Bezug nahme auf die Evangelienlesung scheint jedoch in s. 267,2 und s. Dolbeau 31,1 vorzuliegen: Mt 9,17 illustriert die erneuernde Wirkung des Geist empfangs [15]. Anmerkungen. – [8] Cf. zu A.s Pfingstpredigten Cabié 222237; Hoondert; Drobner (zu s. Dolbeau 8); insbesondere jedoch Margoni-Kögler 133-139. – [9] Cf. auch c. Faust. 32,15; Cresc. 2,17; cath. fr. 29; s. Mai 86,3. – [10] Ferner c. Faust. 32,12; en. Ps. 90,2,8. – [11] Cf. vor allem s. dom. m. 1,12; s. 8,17; 270,3.5sq. – [12] Cf. Cabié 203-209; Margoni-Kögler 136-139. – [13] Z.B. Willis 29.68-70. – [14] Cf. Hoondert 304-308. – [15] Für eine Übersicht der Schriftlesungen an Pfingsten cf. Margoni-Kögler 139.
Alexander Zerfaß
Peregrinatio, peregrinus I. Vora. Gebrauch – 1. In der griechisch-römischen Antike – 2. In der Bibel – 3. In der vora. christlichen Literatur – II. P., ‹pere grinus› bei A. – 1. Die Wortgruppe um p., ‹peregrinus› im a. Sprachgebrauch – 2. Ausbildung der p.-Lehre – 3. Metaphorischtheologisch-individueller Gebrauch – 4. ‹Ciuitas dei› und ‹ciuitas peregrina(ns)› – a) ‹Ciuitas peregrina(ns)› – b) Christen als ‹peregrini› in der Welt – c) Ekklesiologischer Gebrauch – 5. Wallfahrtswesen und Reisen bei A.
I. Vora. Gebrauch. – 1. In der griechisch-römischen Antike. – ‹Peregrinatio› (= p.) und ‹peregrinus› sind Derivate des Adverbs ‹peregre/peregri› (‹außerhalb der heimatlichen Grenzen›) [1]. ‹Peregrinus› (griechisch ξένος, weitgehend synonym mit ‹alienus›) ist somit derjenige, ‹der in die Fremde reist, sich im Ausland aufhält›, also ‹der Ausländer, Fremde›; ‹peregrinari› heißt ‹sich als Fremder aufhalten, auf Reisen sein, fremd sein›; p. bedeutet ‹das Reisen, der Aufenthalt in der Fremde›. In seinem frühesten Gebrauch hat ‹peregrinus› rechtliche Bedeutung [2] als «der Freie, der nicht römischer Bürger ist» [3]. Das römische Bürgerrecht war «bis ins 2. Jahrhundert v. Chr. an einen Wohnsitz auf dem ager Romanus gebunden» [4]. ‹Peregrinus› heißt daher derjenige, der ‹außerhalb des Ackers›, nämlich des Landgebietes Roms, ist. Bis zur Constitutio Antoniniana (212), die fast allenfreien Bewohnern des Römischen Reiches das römische Bürgerrecht verlieh [5], wurde zwischen Römern und Fremden (‹peregrini›) unterschieden [6]. Ab 212 waren Ausländer von außerhalb der Grenzen (also ‹Barbaren›) [7] gemäß dem römischen Bürgerrecht ‹peregrini›. Später verlor der Terminus seinen feindlichen Beiklang und wurde einfach als Antonym zu ‹ciuis (Romanus)› gebraucht.
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Bei Vergil findet sich ‹peregrinus› (Adjektiv) im Sinn von ‹fremdländisch› (Aen. 11,772). Cicero sieht bei verschiedensten Philosophen, daß sie sich fern der Heimat auf eine lang dauernde LebensReise (‹perpetua p.›) begeben hätten, die er mit ‹exilium› vergleicht (Tusc. 5,107). Er betont, daß Cato der Philosophie Bürgerrecht in Rom gebe, die sich bisher dort nur als Fremde aufgehalten habe [8]. Nach Plotin 1,6 (1) 8 soll man das vergängliche, irdische Schöne fliehen und das (unvergängliche, transzendente) Schöne suchen, weil nämlich dort sowohl Vaterland (πατρίς) als auch Vater seien, von wo man gekommen sei. Bei dieser Reise müsse man alles zurücklassen. Der wahre Philosoph sehne sich nach dem ‹fernen Land› wie ein Irrfahrer nach seiner Heimat (cf. ib. 5,9 (5) 1sq.). Das Bild der Reise zur Heimat verwenden auch andere Neuplatoniker wie Porphyrius (z.B. Marc. 6).
851; Spicq 59-76. – [12] 2 Cor 5,6: ἐνδημοῦντες ἐν τῷ σώματι ἐκδημοῦμεν ἀπὸ τοῦ κυρίου. – [13] Cf. Bellerose 578-583.
Anmerkungen. – [1] Cf. Schwind. – [2] Auf den Zwölf Tafeln findet sich aber noch ‹hostis› (cf. Kübler 639; Schiemann 540), nicht im späteren Sinn von ‹Feind›, sondern in der indogermanischen Bedeutung von ‹Gast›; cf. Varro ling. 5,3.33; Cic. off. 1,37; leg. agr. 2,94. – [3] Kübler 639. – [4] Coşkun 11. – [5] Cf. Coşkun 11; Mathisen 1014. – [6] Cf. Fascher 324-326. – [7] Cf. Mathisen 1021. – [8] Cic. fin. 3,40: «itaque mihi uideris latine docere philosophiam et ei quasi ciuitatem dare; quae quidem adhuc peregrinari Romae uideatur».
2. In der Bibel. – Im Alten Testament nimmt der ‹gûr› die Position zwischen einem Eingeborenen und einem Fremden ein. Er ist ein ortsansässiger Ausländer, ein πάροικος (Übersetzung der LXX). Weil Israel die Situation eines ‹gûr› kennt, soll es Schutzbürger milde behandeln. Darüber hinaus gibt es die Vorstellung, daß der Mensch auf Erden das Leben eines ‹gûr› führt [9]. In der Vulgata kann ‹peregrinus› (‹Fremder, Ausländer›) als Antonym zu ‹ciuis› (‹Einheimischer, Bürger›) verwendet werden [10] Im Neuen Testament wird παρεπίδημος oder πάροικος verwendet [11]. Es spricht von Christen als Mitbürgern der Heiligen und Hausgenossen Gottes (cf. Eph 2,19); ihre Heimat ist im Himmel (cf. Gal 4,26; Phil 3,20). Sie sind deshalb Fremd linge und Gäste (ξένοι καὶ παρεπίδημοι) auf Erden (Hbr 11,13). Hier haben sie keine bleibende Stätte,sondern suchen die zukünftige (cf. ib. 13,14). Solange sie in ihrem Leib zu Hause sind, leben sie fern vom Herrn in der Fremde [12]. Besonders in 1 Pt tritt die ‹Fremdlingsschaft› in den Vordergrund: Die Gläubigen sind auserwählte Fremde in der Diaspora; sie sind Fremde und Gäste (ib. 2,11). Sie müssen als Christen leiden, denn die Umgebung nimmt sie als Fremde wahr (cf. ib. 4) [13]. Anmerkungen. – [9] Cf. Kellermann 990sq. – [10] Cf. Lv 24,16.22; Nm 15,30; Dt 1,16. – [11] Cf. Schmidt/Schmidt 849-
3. In der vora. christlichen Literatur. – Gelegentlich wird das Bild der p. bei früheren Kirchen vätern verwendet; eine volle theologische Dar stellung erfährt es aber erst in A.s ciu. [14]. Griechisches Äquivalent der p. ist die παροικία [15]. In der Praescriptio des 1. Clemensbriefs findet sich die Selbstbezeichnung der römischen Gemeinde als einer παροικοῦσα (‹in der Fremde wohnend›) [16]. Der 2. Clemensbrief 5,1 sieht im irdischen Dasein der Christen einen vorüber gehenden Aufenthalt in der Fremde [17]. Irenäus von Lyon spricht von Abraham als ‹per egrinans› (haer. 4,5,3), von den Christusgläubigen unter dessen ‹Söhnen› als denjenigen, «qui ... peregrinationem in hoc saeculo sustinent» (ib. 4,25,1). Nach Clemens von Alexandrien ist Fremdsein in der Welt christliche Aufgabe [18]. Laut Tertullian ist die Wahrheit, deren Schicksal er in apol. 1,1 mit dem der Christen verbindet, sich bewußt, daß sie auf Erden als Fremde weilt [19], Herkunft, Wohnung, Hoffnung und Würde aber im Himmel hat. P. bedeutet bei Tertullian allgemein ‹Reise/Auf enthalt im Ausland› [20], ‹peregrinus› kann im übertragenen Sinn ‹Fremdling› meinen [21]. Neben Cyprian (cf. mortal. 26) und Johannes Cassian (cf. conl. 1,14,9) finden sich p. und ‹peregrinus› auch bei Ambrosius in ähnlicher Bedeutung [22]. Anmerkungen. – [14] Cf. Claussen 33. – [15] Cf. Feldmeier 212. – [16] Ähnlich auch Polyc. ep. praescr. – [17] Die lateinische Übersetzung von 2 Clem. zeigt p. als Äquivalent zweier griechischer Begriffe, παροικία und ἐπιδημία; cf. Lanne 1424. Cf. auch Herm. sim. 1,1; Diogn. 5. – [18] Clem. str. 3,95,3: ὡς ξένοι καὶ παρεπιδημοῦντες πολιτεύεσθαι ὀφείλομεν; cf. auch ib. 4,171,2; 7,78,3; paed. 3,41,1; 3,99,1. – [19] Ib. 1,2: «scit se peregrinam in terris agere»; cf. auch ib. 41,5; 46,18. – [20] Tert. carn. 7,7 (hier erstmalige lateinisch-christliche Verwendung; cf. Lanne 1424). – [21] Tert. coron. 13: «sed tu, peregrinus mundi huius et ciuis ciuitatis supernae Hierusalem». – [22] Z.B. Ambr. Abrah. 2,6,28; 2,9,58; fug. saec. 2,5.
II. P., ‹peregrinus› bei A. – 1. Die Wortgruppe um p., ‹peregrinus› im a. Sprachgebrauch. – Das CAG 3 zählt für p. und ‹peregrinus› jeweils gut 250, für ‹peregrinari› gut 330 Treffer. ‹Peregrinus› bedeutet auch bei A. ‹Fremder›, ‹Ausländer› oder ‹Gast›, nicht ‹Pilger› [23]. Die Übersetzung von p. mit ‹Pilgerschaft zu einem irdischen Ziel› ist fast immer eine Fehlübersetzung [24], denn die irdische Stadt enthält keinen heiligen Ort. Entsprechend gilt die p., die auf die Heimat im Himmel ausgerichtet ist, als beschwerlich [25]; es handelt sich um eine Zeit der Entbehrungen [26]. Das Motiv der p. zieht sich durch das gesamte Werk A.s. Es illustriert damit den eschatologischen Vorbehalt der Kirche und die Vorläufigkeit der ge-
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genwärtigen Existenz des Christen. Christ ist, wer sich als ‹peregrinus› sieht [27]. A. sagt sogar verallgemeinernd: «omnis homo in hac uita peregrinus est» (en. Ps. 55,9). Der Begriff der p. charakterisiert den Menschen als jemanden, der unter Exilsbedingung existiert, dessen Leben nur in der Beständigkeit Gottes Bestand hat [28].
Zu den Begriffen, die wie !‹inquietum cor› (3,619), !‹patria› und !‹uia› die !Confessiones leitmotivisch durchziehen, gehört auch p. A. verwendet p. im Sinne von ‹Aufenthalt/Fahrt in der Fremde›, häufig bezogen auf das eigene Leben [38], mit dem Ziel der endgültigen Heimat und der Sehnsucht, zu ihr zu gelangen (!Caelum caeli, 1,703); ib. 12,13 bezieht A. p. auf die eigene Seele. Daß dem p.-Konzept A.s die neutestamentliche Lehre zugrundeliegt, macht ib. 3,11 deutlich, wo es in Verbindung mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lc 15) gebraucht wird: «longe peregrinabar abs te» [39]. Mit P. kann aber auch ‹Fahrt/Reise› im trivialen Sinne gemeint sein [40]. ‹Peregrinus› wird, als Antonym zu !‹ciuis›, in der Bedeutung ‹Fremder› verwendet [41].
Anmerkungen. – [23] Cf. Brown 323sq. – [24] Cf. Schmidt 84-88; Brown 323sq.; Gaudemet 213sq.; O’Donnell 76sq. – [25] S. 378: «qui peregrinatur, et nouit se peregrinari, desiderat patriam; quam dum desiderat, molesta est peregrinatio. si amat peregrinationem, obliuiscitur patriam, et non uult redire. – [26] Z.B. en. Ps. 61,7; 76,4; 85,11. Weiteres cf. Vössing 771sq. nn. 84-88. – [27] S. 111,4: «ipse est christianus, qui et in domo sua et in patria sua peregrinum se esse cognoscit». – [28] Cf. BritoMartins 85.
2. Ausbildung der p.-Lehre. – A.s Lehre von der p. ist bereits vor 400 entwickelt [29]. Den Unterschied zwischen ‹uti› und !‹frui› erläuternd und angelehnt an 2 Cor 5,6, schreibt A. in doctr. chr. 1,4 [30], daß, wer als fern vom Herrn Lebender («in huius mortalitatis uita peregrinantes a domino») in die Heimat zurückkehren wolle, die Welt gebrauchen, aber nicht genießen dürfe [31]. Je mehr Gott im irdischen Leben wie durch einen Spiegel oder in Rätseln genossen werde, um so geduldiger werde die Reise in der Fremde ertragen und um so heftiger gewünscht, sie zu beenden (cf. ib. 1,31) [32]. In der Verbindung der ontologischen Stufenfolge der ‹ordinata dilectio› mit dem p.-Gedanken bildet doctr. chr. eine Vorstufe zu ciu. [33]. Doctr. chr. 1 zeigt, daß auch A.s Theorie/Hermeneutik in die christliche p.-Teleologie integriert ist [34]. Anmerkungen. – [29] Cf. O’Donnell 77 n. 7; Pollmann 553. – [30] Cf. Mayer, Alienatio 229sq. – [31] Cf. auch ib.: «quomodo ergo, si essemus peregrini, qui beate uiuere nisi in patria non possemus, eaque peregrinatione utique miseri et miseriam finire cupientes, in patriam redire uellemus, opus esset»; !Alienatio. – [32] Ähnlich ib. 2,11: «cum in hac uita peregrinamur, quamuis conuersationem habeamus in caelis». – [33] Cf. Mayer, Per egrinatio 78sq.; auf weitere Entwicklungen von doctr. chr. zu ciu. weist Claussen 51 hin. – [34] Cf. Pollmann 558.
3. Metaphorisch-theologisch-individueller Gebrauch. – Das ganze Dasein wird von A. als p. gedeutet [35]. Vorlagen dazu findet er in antiker Literatur. In De !beata uita (1,621sq.) (cf. besonders ib. 1) geht es um die Bestimmung des Zieles. A. beschreibt seine Bekehrung unter der Metaphorik von Irr- und Umwegen, Stürmen, günstigen und ungünstigen Winden als Heimkehr in den Hafen wahrer Philosophie, des christlich interpretierten Neuplatonismus [36]. Nur einmal findet sich in beata u. das Wortfeld um p., wenn A. von einer zweiten Gruppe Menschen spricht, die es wagen, fern ihrer Heimat umherzuschweifen, und sie dabei oft vergessen [37].
Anmerkungen. – [35] Dafür unzählige Beispiele wie en. Ps. 55,9; s. Mai 12,1. – [36] Cf. Mayer, Peregrinatio 77sq.; Doignon; Pfligersdorffer 144-154. – [37] Ib. 2: «longeque a sua patria peregrinari audent»; cf. Mayer, Peregrinatio 79. – [38] Ib. 12,23: «gemitus in peregrinatione mea»; cf. Müller. Außerdem conf. 5,23; 11,4; 12,21; 13,15; cf. Knauer. – [39] Cf. weiter conf. 10,7; !Interior intimo meo. Cf. auch die häufigen Zitate von 2 Cor 5,6, z.B. en. Ps. 37,15; 38,21; 41,6; 118,8,1; 119,8; 123,2; 145,6; s. Mai 12; s. 346,1; 351,3. – [40] Conf. 2,5: «longinquioris apud Carthaginem peregrinationis»; cf. ciu. 5,5. – [41] Cf. conf. 3,15; 10,6: «ciuium meorum et mecum peregrinorum».
4. ‹Ciuitas dei› und ‹ciuitas peregrina(ns)›. – a) ‹Ciuitas peregrina(ns)›. – A.s Lehre von den zwei Staaten hat unterschiedliche Quellen [42]; p. stellt dabei ein wichtiges Motiv dar [43]. A. verwendet das Wortfeld in De !ciuitate dei knapp 50mal, dabei sehr komplex und vielfältig [44] sowie mit engem Bezug zur !‹ciuitas dei›. Der ursprüngliche Gottesstaat ist von Engeln gegründet, die auch einen großen Teil seiner Bewohner ausmachen und nie außerhalb der eigenen Heimat waren (ib. 11,9: ‹numquam peregrinata›). Die ‹ciuitas dei› hält sich ansonsten auf Erden als ‹Fremde› [45] auf (‹ciuitas peregrina(ns)›) [46]. Aus dem Glauben an die Auferstehung Christi gezeugt, lebt sie während dieser p. in der Hoffnung (cf. ib. 15,18; !Spes). Der Abfall der sich auf lehnenden Engel läßt, nach der Versuchung des Adam und der Sünde des Kain, den Staat der Erdgeborenen entstehen, die unter dem Gesetz der abtrünnigen Engel stehen (ib. 16,17). Menschen sollten Bürger des himmlischen Staates sein, sind aber nun in der Abstammung von Kain als Bürger des irdischen Staates geboren. Hauptanliegen A.s in ciu., besonders ib. 11-18, ist die ‹ciuitas dei peregrina(ns)›, der auf Erden und in mensch licher Geschichte existierende Gottesstaat; er ist momentan ‹peregrinans›, da und insofern er sich auf das ganze Menschengeschlecht erstreckt (cf. ib. 18,1).
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b) Christen als ‹peregrini› in der Welt. – Die Bürger der Gottesstadt sind auf Erden ‹peregrini›. Es lassen sich dabei zwei Bedeutungen von ‹peregrinus› erheben [47], (1) eine juristische: der Status eines freien Mannes, der in einer Stadt des römischen Reiches lebt, aber sich nicht der gewöhn lichen Rechte der Bürger erfreut, eine Art ‹étranger domicilié›; (2) eine metaphorische: der Gläubige reist wie ein Fremder in der irdischen Stadt, er erfüllt eine Pilgerschaft, die ihn zur Seligkeit der himmlischen Stadt führt [48]. Die Bürger der Gottesstadt müssen während ihrer irdischen p. ein Leben gemäß dem Geist, nicht gemäß dem Fleisch, führen [49]. A. widmet einige Predigten 2 Cor 6sq., in welchen er den Gläubigen als jemanden darstellt, der in dieser Welt ‹in peregrinatione› ist, im Exil vom Garten Eden, doch schon auf seinem Weg zum himmlischen Jerusalem [50]. c) Ekklesiologischer Gebrauch. – P. ist auch ein zentraler Begriff der Ekklesiologie [51] und betont das ‹Fremdsein› der !‹ecclesia› (2,694sq.) in der Welt (!Mundus, !Saecularia, saeculum). Die Kirche schreitet – verfolgt von der Welt und getröstet von Gott – auf ihrem Pilgerweg dahin (ciu. 18,51: «peregrinando procurrit ecclesia») [52]. Die betonte eschatologische Ausrichtung der Kirche verunmöglicht eine Reichsreligion, die sich zu sehr mit dem !‹imperium Romanum› identifiziert [53].
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Anmerkungen. – [42] Cf. van Oort 199-359. – [43] O’Daly 979: «With ‹peregrinatur› an important motif – the Christian’s ‹alien› status in human society – is introduced»; cf. Lamirande 960.962sq. – [44] Cf. van Oort 132-138. – [45] Z.B. ib. 12,9; 14,9.13; 15,15.18.20sq.26sq.; 16,4.9; 18,2.51; 19,26. – [46] In dieser Junktur: ib. 1,35; 15,15.21; 16,41; 19,14; cf. s. 105,9. Sinngemäß z.B. auch: bapt. 1,25; ciu. 1 praef.; 19,17; en. Ps. 148,4. – [47] Cf. Guy 113. – [48] Z.B. Io. eu. tr. 28,9: «ille enim est in tabernaculis, qui se esse in mundo intellegit peregrinum». – [49] Cf. ciu. 14,9; 15,1.5.17; !Caro-spiritus. – [50] Z.B. s. Mai 12; s. 217,5; 346; en. Ps. 123,2; 137,12. – [51] Cf. Borgomeo 146-150. – [52] Ähnlich ench. 61; bapt. 4,13; Gn. litt. 4,25,42; inq. Ian. 2 (= ep. 55),3.10; en. Ps. 26,2,18; 38,21; 41,9; 57,3; 87,15; s. Dolbeau 22,19. – [53] Zum Kontext cf. Feldmeier 214; TeSelle; !Tempora christiana.
5. Wallfahrtswesen und Reisen bei A. – A. selbst ist kein Besucher großer Pilgerstätten seiner Zeit, er erwähnt noch nicht einmal einen entsprechenden Wunsch [54]. Er ist dem Reisen eher abgeneigt [55], für Pastoralreisen aber häufig in seiner Diözese und in Numidien unterwegs. Nur äußerst selten meint p. bei A. ‹Pilgerschaft/Reise zu einem irdischen Ziel› (z.B. ep. 29,10; 78,3sq.) [56]. Vom Bau eines !‹xenodochium› in Hippo für Pilger berichtet s. 356,10. Anmerkungen. – [54] Cf. Bitton-Ashkelony, Encountering 106sq.; ib., Attitudes 189-194. – [55] Cf. Brown 206; Vössing 771sq.; zum Kontext cf. Mayer, Peregrinatio. – [56] In Übereinstimmung mit den übrigen Vätern; cf. Kötting 7-11.
Notker Baumann
Perfectio
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Perfectio 1. Remarques préliminaires – 2. La p. dans la création – 3. L’être et la p. – 4. Le rôle de la grâce dans la p.
1. Remarques préliminaires. – A la notion grecque de la p. [1], comprise en termes de souverain bien (par ex. ciu. 19,27), A. [2] substitue la conception chrétienne [3], ancrée dans la communion d’amour de la Trinité et supposant un progrès constant. Ainsi s’éloigne-t-il de la sagesse antique pour faire ressortir la nouveauté de l’anthropologie chrétienne [4]. Notes. – [1] Pour les Eléates, Platon, Aristote, le Stoïcisme et Cicéron, cf. Hoffmann 1115-1118. – [2] A. revient à quelque 450 reprises sur p., à quelque 550 reprises sur ‹perficere›. Dans la suite de son œuvre, il utilise environ 15 fois des formes de ‹imperfectio› et plus de 110 fois des formes de ‹imperfectus›. Pour le champ sémantique de p. en latin, cf. Mensink/Reineke. – [3] Pour la Bible, cf. Hoffmann 1118sq.; Légasse. Très souvent cités par A.: Rm 9,22 («attulit in multa patientia uasa irae, quae perfecta sunt in perditionem»; environ 20 fois); 1 Io 4,18 («perfecta caritas f oras mittit timorem: quoniam timor poenam habet, qui autem timet, non est perfectus in caritate»; environ 20 fois); Iac 1,17 («omne datum optimum et omne donum perfectum desursum est descendens a patre luminum»; environ 20 fois); Phil 3,15 («quotquot ergo perfecti, hoc sapiamus»; environ 15 fois); cf. aussi Mt 5,48; 1 Cor 13,10; 14,20; Eph 4,13. – [4] Pour la patristique, cf. Hoffmann 1119sq.; Couilleau. Peut-être A. est-il influencé par la Vie de Moïse de Grégoire de Nysse, dont le sous-titre était ‹Traité de la perfection›. Parmi les contemporains d’A., qui ont proposé une doctrine de la p., on peut citer en particulier Jérôme et Pélage (cf. Hušek).
2. La p. dans la création. – A la différence des manichéens, A. n’en reconnaît pas moins la bonté et la p. de la création dans son ordre [5] et comme œuvre de la Trinité créatrice [6]. Il souligne aussi la p. de la création en six jours [7] et revient souvent à la p. des nombres [8]. Mais, plus fondamentalement, il explique que chaque créature est parfaite selon son espèce et renvoie à son créateur [9], qui l’a créée dans la surabondance de son amour et la perfectionne continuellement (lib. arb. 3,56). La p. de l’être humain vient de ce qu’il est créé à l’image de Dieu (Gn. adu. Man. 1,29; !Imago), mais c’est là une dimension dynamique qui implique que la p. n’est pas pour lui au début, mais au terme [10]. Sa !‹forma› est très bonne, mais elle ne se réalise dans la ‹formatio› que par sa !‹conuersio› vers le créateur (s. Dolbeau 26,26) qui lui donne son accomplissement [11], par l’intermédiaire de la ‹forma omnium› qu’est le Christ. Cela amène plusieurs niveaux de p. chez l’homme [12] et il appartient à la p. que ceux qui se trouvent sur son chemin sachent que leur ‹imperfectio› est en lien avec le but de la p. eschatologique [13]. Notes. – [5] Lib. arb. 2,54; 3,24.26.41; Gn. litt. 3,24,36sq.; 4,18,34; !Bonum, !Creatio, creator, creatura. – [6] Gn. litt. 1,6,12; Dulc. qu. 8,2. – [7] Le chiffre six des jours de la création mani
676 feste la p. de l’œuvre de création (diu. qu. 57,3; trin. 4,7.9sq.; ciu. 11,30). – [8] Les chiffres suivants symbolisent la p.: 3 (mus. 1,20; s. dom. m. 1,61), 6 (qu. 7,37 et [7]), 7 (s. 95,2), 10 (diu. qu. 57,2; c. ep. Man. 10,11; trin. 4,10; s. 270,4), 12 (en. Ps. 90,1,9) et 40 (s. 51,32); !Numerus, 4,234-236. – [9] Gn. litt. 4,9,16. L’‹informitas› originelle de la matière corporelle et spirituelle est également définie comme ‹imperfectio›, c’est par Dieu seul que la ‹formatio› va perfectionner la création (ib. 1,4,9; cf. ib. 1,9,15-17). – [10] Mor. 1,80; lib. arb. 3,65; Gn. litt. 4,17,3018,31.34. – [11] En. Ps. 5,10. D’après conf. 13,5, la création spirituelle reste ‹imperfecta›, tant que le créateur ‹parfait› ne l’a pas ‹perfectionnée› par l’!‹illuminatio›. Pour le contexte, cf. Rombs; Vannier; Zum Brunn. – [12] S. Denis 18,2: «est ergo perfectio et perfectio». On est aussi attentif à la proximité entre ‹perfectus› et ‹sanctus›; cf. par ex. diu. qu. 81,3; doctr. chr. prooem. 4; trin. 3,9; ench. 5; !Sanctus, sanctificatio, sanctitas. – [13] S. Denis 18,3: «est perfectus uiator, qui nondum perfectus est peruentor. perfectus uiator bene accedit, bene ambulat, uiam tenet; sed tamen uiator, nondum apprehendit. nam utique, si ambulat, et in uia ambulat, aliquo ambulat, et ad aliquid peruenire conatur. quo ergo per uenire conabatur, apostolus (sc. Paulus) nondum apprehenderat. et hortatur perfectos, ut scirent se nondum esse perfectos, s cirent inperfectionem suam. perfectio uiatoris est, scire nondum se peruenisse ad id quo tendit: nouit enim quantum transgressus est, quantum illi remaneat. sciamus ergo nos non esse perfectos, quotquot sumus perfecti, ne remaneamus imperfecti»; cf. s. 142,14; 159,1; !Via, uiator. Cf. aussi pecc. mer. 2,22 en citant Phil 3,15sq.
3. L’être et la p. – C’est, en effet, une conception ontologique de la p. qu’A. propose. Seul Dieu- Trinité, l’!‹idipsum›, est parfait: «perfectus autem siue pater siue filius siue spiritus sanctus, et perfectus deus pater et filius et spiritus sanctus, et ideo trinitas potius quam triplex» (trin. 6,9) [14]. Cette p. est celle de l’amour (ib. 8,10.12) qui réalise l’unité [15] et accomplit (conf. 13,5), en se donnant à connaître, «ut in eo (sc. deo) merces, in eo finis, in eo perfectio felicitatis, in eo beatae aeternaeque uitae summa consistat» (spir. et litt. 39; cf. ib. 37-39) [16]. L’être humain, créé comme ‹esse ad›, comme être de désir [17], est bon mais encore inachevé. A. semble reprendre les béatitudes ainsi que la conception paulinienne du progrès [18]. L’homme ne trouve son repos que par l’intermédiaire de son créateur et plus précisément par la médiation du Christ, qui est parfait [19] et seul Médiateur [20]. Notes. – [14] Cf. Io. eu. tr. 19,13. En c. Max. 2,10,3; 2,15,5; 2,25; c. s. Arrian. 23, A. met l’accent sur l’égale p. des trois personnes de la Trinité (y compris celle du Fils) à l’encontre des Ariens (!Arriani, Arrius). – [15] Ep. Io. tr. 1,9; 5,4.11sq.; 6,1; 8,4; 9,2-4; cf. aussi ib. 8,10: «perfecta dilectio, est inimici dilectio: quae perfecta dilectio est in dilectione fraterna». Pour la p. de la charité selon l’exégèse a. de 1 Io, cf. Dideberg; !Caritas, !Dilectio; cf. aussi Manrique. – [16] On trouve un écho dans le prototype de la création humaine, les anges de Dieu: «huius igitur iustitiae perfectione sunt praediti angeli dei, qui semper uident faciem patris ac per hoc totius trinitatis, quia per filium uident in spiritu sancto» (c. ep. Pel. 3,18). – [17] Conf. 1,1; !Desiderare, desiderium, !Inquietum est cor nostrum. – [18] Perf. iust. 19; !Beati tudo, !Paulus apostolus; cf. Thonnard; pour le contexte, cf. Holte; Doignon. – [19] Praed. sanct. 31; c. Iul. imp. 4,57; Io. eu. tr. 23,6. – [20] S. Dolbeau 26,36.38.44.52.57; cf. Dodaro, surtout 205-208; !Mediator (mediatio).
Perfectione iustitiae hominis (De –)
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4. Le rôle de la grâce dans la p. – A. écrit dans en. Ps. 38,13, que personne n’est parfait, mais en progrès: nul ne peut être parfait en cette vie. Sans en venir à l’épectase, mais en envisageant un progrès et un dépassement continuels (ib. 5,9sq.), il montre que seul le Christ est parfait (spir. et litt. 1) et amène à la p. véritable. Or, «hoc utique agitur in nobis conando, laborando, orando, impetrando, ut ad illam perfectionem, in qua possimus deum mundo corde conspicere, eius gratia perducamur per Iesum Christum dominum nostrum» (nat. et gr. 78; !Gratia). La p. est synonyme de conformation au !Christus (Gn. litt. 1,4,9) et de transformation en lui (c. ep. Pel. 3,22), comme A. le précise, non seulement à la fin de trin. (ib. 14,25; 15,20.22), mais aussi dans en. Ps., où il note que l’expression ‹in fine› renvoie à une fin qui perfectionne et qui n’est autre que le Christ [21], qui conduit au Père. A. y insistera dans sa polémique contre Pélage [22]. Plus généralement, il met davantage l’accent sur l’humilité [23]. «quare, nisi quia ipsa est perfectio hominis, inuenisse se non esse perfectum?» (s. 170,8) [24]. D’autres éléments interviennent: par ex. le détachement des richesses [25], la disparition des ‹concupiscentiae carnis› (ib. 156,10) et de la ‹cupiditas› (diu. qu. 36,1) et la mise en œuvre de la charité [26]. Dans la controverse avec les pélagiens, la question de la ‹p. iustitiae› joue un rôle important (!Iustitia, 3,871-875); dans la vision qu’il en donne, A. renouvelle son modèle dynamique [27] (!Nunc-tunc). C’est alors le concours entre la liberté et la grâce (c. Iul. imp. 3,73) qui intervient, ou encore entre la pureté du cœur et l’intervention du Christ Médiateur [28]. Le baptême a également un rôle important (c. Iul. 2,5-7; !Baptismus), mais la p. est encore d’un autre ordre, elle est de nature eschatologique (ib. 6,40).
18: «nostra in ipsa peregrinatione iustitia, ut ad illam perfectionem plenitudinemque iustitiae, ubi in specie decoris eius iam plena et perfecta caritas erit, nunc ipsius cursus rectitudine et perfectione tendamus». – [28] Nat. et gr. 77; c. ep. Pel. 3,15; 4,31.
Notes. – [21] Par ex. ib. 30,2,1,1; 54,1 («finis ergo noster perfectio nostra esse debet; perfectio nostra Christus»); 56,2; 58,2,5; !Finis. – [22] Gest. Pel. 62; gr. et pecc. or. 1,13; !Pelagius, Pelagiani; cf. Couilleau 1113-1115; Sage. – [23] Ib. 130,14; c. ep. Pel. 3,19; c. Iul. 4,11; !Humiliatio, humilitas. – [24] Cf. ep. 92,3: «in interiore igitur homine ista similitudo est, ‹qui renouatur in agnitione dei secundum imaginem eius, qui creauit eum› (Col 3,10). et tanto efficimur similiores illi, quanto magis in eius cognitione et caritate proficimus, quia, ‹etsi exterior homo noster corrumpitur, sed interior renouatur de die in diem› (2 Cor 4,16) ita sane, ut in hac uita, quantuscumque prouectus sit, longe absit ab illa perfectione similitudinis, quae idonea erit ad uidendum deum, sicut dicit apostolus, ‹facie ad faciem› (1 Cor 13,12)». – [25] C. litt. Pet. 2,239; f. et op. 20; s. 142,13; cf. aussi ep. 157,29.33.36: ‹domini consilium perfectionis de uendendis rebus› (cf. Mt 19,21); cf. Sage 215-217; !Consiliumpraeceptum. Dans ep. 126,11, la renonciation à la possession conformément à la demande du Christ constitue une part de la recherche monastique de la p. pour A. et pour ses ‹serui dei›; cf. aussi doctr. chr. prooem. 4; cath. fr. 41; !Monachus. – [26] C. ep. Pel. 3,21; perf. iust. 18sq. – [27] De !perfectione iustitiae hominis
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Marie-Anne Vannier
Perfectione iustitiae hominis (De –) 1. Titel, Anlaß und Abfassungszeit – 2. Die Definitiones – 3. Die Widerlegung durch A. im antipelagianischen Kontext – 4. Überlieferung
1. Titel, Anlaß und Abfassungszeit. – Die Schrift mit dem in den Handschriften wie im Indiculus belegten Titel «... de perfectione iustitiae hominis» (Possid. indic. 7,4 (MA 2, p. 172)) [1] ist in den retr. nicht bezeugt, vermutlich weil A. sie (entsprechend der Inscriptio «sanctis fratribus et coepiscopis Eutropio et Paulo») als Brief qualifiziert hat (cf. Possid. indic. 103,21 (MA 2, p. 180)). Anlaß ist die von den Adressaten mit der Bitte um Beantwortung überreichte ‹chartula›, die einen Text mit der Überschrift «definitiones, ut dicitur, Caelestii» (= Definitiones) enthielt (perf. iust. 1). Der Vorgang wird auch von Orosius erwähnt [2] und ist daher auf den Winter 414/415 zu datieren [3]. Dies paßt zur zeitgleichen Korrespondenz A.s mit dem sizilianischen Katholiken !Hilarius (3,346) über dasselbe Thema (ep. 156sq.; !Epistulae, 2,980sq.). Über den Bischofssitz der Adressaten (eher in Nordafrika als in Sizilien) ist nichts weiter be-