Skip to main content

Schriften zur Ökonomie

Page 1

ISAAK ISELIN GESAMMELTE SCHRIFTEN KOMMENTIERTE AUSGABE

1 Schriften zur Politik 2 Schriften zur Ökonomie 3 Schriften zur Pädagogik 4 Schriften zur Geschichte

Der Basler Philosoph, Jurist, Ratsschreiber und Publizist Isaak Iselin (1728 –1782) ist einer der wichtigsten Vertreter der Schweizer Aufklärung. Mit seinem Hauptwerk, der erstmals 1764 erschienenen Geschichte der Menschheit, gehört er zu den Begründern der modernen Geschichtsphilosophie. Die Bandbreite seiner Publi­ kationen reicht von politischen Reformschriften über Untersuchungen zur Wirt-­ schaftslehre bis zu pädagogischen Entwürfen. Als Herausgeber der Ephemeriden der Menschheit, als unermüdlicher Rezensent für Friedrich Nicolais Allgemeine deutsche Bibliothek und durch seine vielfältigen Kontakte mit zahlreichen Gelehrten wie auch mit politischen Persönlichkeiten innerhalb und außerhalb der Schweiz – etwa in der von ihm mitgegründeten Helvetischen Gesellschaft – wurde Iselin zu einem wichtigen Vermittler zwischen verschiedenen Strömungen innerhalb der europäischen Aufklärung und zu einem der damals bekanntesten Autoren im deutschsprachigen Raum.

ISAAK ISELIN

ISAAK ISELIN

GESAMMELTE SCHRIFTEN

2

KOMMENTIERTE AUSGABE BAND 2

GESAMMELTE SCHRIFTEN

SCHRIFTEN ZUR ÖKONOMIE

SCHRIFTEN ZUR ÖKONOMIE

Der vorliegende Band versammelt erstmals Isaak Iselins zentrale ökonomische Schriften. In den frühen Texten setzt sich Iselin mit der internatio­nalen Diskussion über die Auswirkungen von ­Reichtum auseinander. Er nimmt im Plutus eine Mittlerfunktion ein zwischen radikalen Befürwortern und Gegnern der Anhäufung von Besitz. Der Palämon enthält eine Auseinandersetzung zwischen Iselin und Niklaus Emanuel Tscharner über die Wirksamkeit und Ein­führbarkeit von Luxusgesetzen. Beide Schriften befassen sich in Form von antikisierenden Dialogen mit den ­Auswirkungen von Reichtum und Luxus auf die Moral und Tugend der Bürger. Im zweiten Palämon greift Iselin diese Fragen wieder auf und fasst sie aufgrund seiner Hinwendung zur P ­ hysiokratie neu. Im Versuch über die gesellige Ordnung sucht Iselin nach allgemeinen Grundsätzen für den wirtschaftlichen Wohlstand einer Gesellschaft, der auf einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Landwirtschaft, Industrie und Handel beruhe. Die Schrift machte ihn als Anhänger der Physiokratie bekannt. Iselin griff mit seinen Texten ein in die Diskussion über die Folgen des internationalen Handels und des wirtschaftlichen Erfolgs in der modernen Welt und der daraus resultierenden Ungleichheit. Er agierte vor allem als Vermittler in diesen Debatten, die während der Aufklärung in der Eidgenossenschaft und ganz Europa geführt wurden.

Wissenschaftliches Kuratorium Prof. Dr. Kaspar von Greyerz (Basel) Prof. Dr. Claudia Opitz-Belakhal (Basel) lic. phil. Esther Baur (Basel) lic. theol. Peter Felber (Basel) Dr. Lucas Marco Gisi (Basel) Prof. Dr. André Holenstein (Bern) Dr. Holger Jacob-Friesen (Karlsruhe) Prof. Dr. Béla Kapossy (Lausanne) Prof. Dr. Thomas Maissen (Paris/Heidelberg) Prof. Dr. Wolfgang Rother (Basel/Zürich) Prof. Dr. Andreas Urs Sommer (Freiburg im Breisgau) Prof. Dr. Danièle Tosato-Rigo (Lausanne) Prof. Dr. Daniel Tröhler (Luxembourg) Prof. Dr. Simone Zurbuchen Pittlik (Lausanne)

Lina Weber, geb. 1986, studierte Geschichte und Germanistik in Heidelberg und Edinburgh. Sie arbeitet an der Universität Amsterdam an einer Doktorarbeit über britische und niederländische Staatskreditdiskurse im 18. Jahrhundert. Carmen Götz, geb. 1963, beschäftigte sich im Zuge ihrer Promotion sowie einer Edition intensiv mit Friedrich Heinrich Jacobi und dem Zeitalter der Aufklärung.

Schwabe Verlag Basel www.schwabeverlag.ch

ISBN 978-3-7965-3442-3


ISAAK ISELIN

GES AMMELT E SC HRIFTEN KOMMENTIERTE AUSGABE BAND 2

WISSENSCHAFTLICHES KURATORIUM Prof. Dr. Kaspar von Greyerz (Basel) Prof. Dr. Claudia Opitz-Belakhal (Basel) Lic. phil. Esther Baur (Basel) Lic. theol. Peter Felber (Basel) Dr. Lucas Marco Gisi (Bern) Prof. Dr. André Holenstein (Bern) Dr. Holger Jacob-Friesen (Karlsruhe) Prof. Dr. Béla Kapossy (Lausanne) Prof. Dr. Thomas Maissen (Paris/Heidelberg) Prof. Dr. Wolfgang Rother (Basel/Zürich) Prof. Dr. Andreas Urs Sommer (Freiburg im Breisgau) Prof. Dr. Danièle Tosato-Rigo (Lausanne) Prof. Dr. Daniel Tröhler (Luxembourg) Prof. Dr. Simone Zurbuchen Pittlik (Lausanne)

SCHWABE VERLAG BASEL


ISAAK ISELIN

SC H RIF TEN ZUR ÖKONOMIE HERAUSGEGEBEN VON LINA WEBER IN ZUSAMMENARBEIT MIT CARMEN GÖTZ

SCHWABE VERLAG BASEL


Publiziert mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF), der Max Geldner-Stiftung in Basel, der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft (FAG) Basel sowie der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG) Basel

Copyright © 2016 Schwabe AG, Verlag, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschließlich seiner T ­ eile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder ­elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Umschlaggestaltung: Atelier Mühlberg, Basel Gesamtherstellung: Schwabe AG, Basel, Schweiz Printed in Switzerland ISBN 978-3-7965-3442-3 rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch


Inhalt Vorwort des Kuratoriums . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VI Siglen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VIII Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XI Hinweise zur Edition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . LIII Plutus oder von den Reichthümern, ein Gespräch (1762) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Kommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Ueber die Nothwendigkeit der Prachtgeseze in einem Freystaate (1769) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 [Isaak Iselin:] Vorbericht  45. Niklaus Emanuel Tscharner: Von der Nothwendigkeit der Prachtgeseze in einer freyen Stadt  46. Isaak Iselin: Palämon, oder von der Ueppigkeit  61.

Kommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

83

Der zweyte Palämon, oder von dem Aufwande (1770) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 Vorbericht 113. Der zweyte Palämon, oder von dem Aufwande  114. Vermischte Betrachtungen  138.

Kommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151 Versuch über die gesellige Ordnung (1772) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173 Vorbericht 177. Ueber die wirthschaftliche Ordnung  180. Ueber die wirthschaftliche Tafel  214. Ueber die sittliche Ordnung  223. Ueber die bürgerliche Ordnung  229. Wirthschaftliche Tafel  242.

Kommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 247 Bibliographie .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 271 Namenregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 279


Vorwort des Kuratoriums Der Basler Philosoph, Jurist, Ratsschreiber und Publizist Isaak Iselin (17281782) ist einer der wichtigsten Vertreter der Schweizer Aufklärung. Mit seinem Hauptwerk, der erstmals 1764 erschienenen Geschichte der Menschheit, gehört er zu den Begründern der modernen Geschichtsphilosophie. Die Bandbreite seiner Publikationen reicht von politischen Reformschriften über Unter­ suchungen zur Wirtschaftslehre bis zu pädagogischen Entwürfen. Als Herausgeber der Ephemeriden der Menschheit, als unermüdlicher Rezensent für Friedrich Nicolais Allgemeine deutsche Bibliothek und durch seine vielfältigen Kontakte mit zahlreichen Gelehrten wie auch mit politischen Persönlich­ keiten innerhalb und außerhalb der Schweiz – etwa in der von ihm mitgegründeten Helvetischen Gesellschaft – wurde Iselin zu einem wichtigen Vermittler zwischen verschiedenen Strömungen innerhalb der europäischen Aufklärung und zu einem der damals bekanntesten Autoren im deutschsprachigen Raum. Als Wegbereiter eines republikanischen Patriotismus und als Pionier eines neuen Typus von Geschichtsphilosophie ist Iselin in jüngerer Zeit wieder verstärkt in den Mittelpunkt eines interdisziplinär ausgerichteten Forschungs­ interesses gerückt. Doch waren seine Schriften bisher in keiner modernen Ausgabe greifbar. Die vorliegende Edition will diesem Mangel abhelfen, indem sie die Hauptschriften Iselins in einer kommentierten Leseausgabe wieder zugänglich macht und damit die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Iselin auf eine verlässliche editorische Grundlage stellt. Jeder Band enthält einen Kommentarteil, der die notwendigen Informa­ tionen zur Entstehungsgeschichte und zum Verständnis der Texte liefert, eine Einführung sowie ein umfassendes Personenregister. Für den Kommentar wurde insbesondere der im Staatsarchiv Basel-Stadt und in der Universitätsbibliothek Basel aufbewahrte Nachlass Iselins berücksichtigt. Die Edition geht auf eine Initiative namhafter Iselin-Forscher zurück. Sie erscheint im Auftrag eines 2010 von der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften eingesetzten Kuratoriums unter der Leitung von Prof. Dr. Kaspar von Greyerz (ab 2014 Prof. Dr. Claudia Opitz-Belakhal) (beide Basel), das das Konzept der Neuausgabe ausarbeitete und die Editionsarbeit eng begleitete. Ihm gehörten an: lic. phil. Esther Baur (Basel), lic. theol.


Vorwort des Kuratoriums

VII

Peter Felber (Basel), Dr. Lucas Marco Gisi (Basel), Prof. Dr. André Holenstein (Bern), Dr. Holger Jacob-Friesen (Karlsruhe), Prof. Dr. Béla Kapossy (Lausanne), Prof. Dr. Thomas Maissen (Paris/Heidelberg), Prof. Dr. Wolfgang ­Rother (Basel/Zürich), Prof. Dr. Andreas Urs Sommer (Freiburg i. Br.), Prof. Dr. Danièle Tosato-Rigo (Lausanne), Prof. Dr. Daniel Tröhler (Luxembourg), Prof. Dr. Simone Zurbuchen Pittlik (Lausanne). Das Kuratorium wurde maßgeblich unterstützt durch das Staatsarchiv ­Basel-Stadt, die Universitätsbibliothek Basel, die Basler Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige, die Basler Max Geldner-Stiftung, die Basler Freiwillige Akademische Gesellschaft, die Basler Berta Hess-Cohn-Stiftung, die Nachkommen und Angehörigen der Familie Iselin sowie durch den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften. Diesen Institutionen und Stiftungen sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt.


Siglen I. Schriften von Isaak Iselin Br. Frey Briefwechsel zwischen Isaak Iselin und Johann Rudolf Frey [StABS Iselin 47-56] Br. Hirzel Briefe von Isaak Iselin an Salomon Hirzel [StABS Iselin 57-62] Br. N. E. Tscharner Briefe von Nikolaus Emanuel Tscharner [StABS Iselin 44, 1-344] EdM Ephemeriden der Menschheit (1776-1786) FG Freimühtige Gedanken über die Entvölkerung unserer Vaterstadt (21758) GM [1768] Über die Geschichte der Menschheit. 2 Bde. (1768) GM [1779] Über die Geschichte der Menschheit. 2 Bde. (1779) IIGS 1 Isaak Iselin: Gesammelte Schriften. Bd. 1: Schriften zur Politik (2014) IIGS 3 Isaak Iselin: Gesammelte Schriften. Bd. 3: Schriften zur Pädagogik (2014) Palämon I Palämon, oder von der Ueppigkeit (1769) Palämon I [1770] Palämon, oder von der Ueppigkeit (1770) Palämon II Der zweyte Palämon, oder von dem Aufwande (1770) Plutus [1762] Plutus, oder von den Reichthümern, ein Gespräch (1762) Plutus [1770] Plutus, oder von den Reichthümern (1770) PPT [1755] Filosofische und Patriotische Träume eines Menschenfreundes (1755) PPT [1758] Philosophische und Patriotische Träume eines Menschenfreundes (1758) PPT [1762] Philosophische und Patriotische Träume eines Menschenfreundes (1762) PPV Philosophische und politische Versuche (1760) SNVJ [1768] Sammlung dem Nutzen und dem Vergnügen der Jugend geheiliget (1768) SNVJ [1773] Sammlung dem Nutzen und dem Vergnügen der Jugend geheiliget. Zweyte, verbesserte Auflage (1773)


Siglen

IX

StABS Iselin Nachlass Isaak Iselin, Staatsarchiv Basel-Stadt: PA 98 SWG Schreiben über einige wirthschaftliche Grundbegriffe (1782) SUVS Schreiben an Herrn Ulysses von Salis von Marschlins […] über die Philanthropinen in Dessau und in Graubündten (1775) Tb Tagebuch Isaak Iselins 1751-1781 [StABS Iselin 1-15] TM Träume eines Menschenfreundes. 2 Bde. (1776) UEA Ueber die Erziehungs-Anstalten (1770) VB Politischer Versuch über die Berathschlagung (1761) VG Versuch über die Gesezgebung (1760) VGO Versuch über die gesellige Ordnung (1772) VS Vermischte Schriften. 2 Bde. (1770) ZSWG Zweites Schreiben über wirthschaftliche Grundbegriffe (1782)

II. Weitere Literatur AdB Allgemeine deutsche Bibliothek (1765-1796) Adelung Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart […]. 4 Bde. Leipzig: Breitkopf, 1793-1801 Encyclopédie Denis Diderot, Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (Hg.): Encyclopédie. Ou dictionnaire raisonné [...]. Paris: s.n., 1751-1777 EdC Ephémérides du citoyen. Ou chronique de l’esprit national / Ephémérides du citoyen. Ou Bibliothèque raisonnée des sciences morales et politiques (1765-1772) GGA Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen / Göttingische gelehrte Anzeigen (seit 1739) HLS Historisches Lexikon der Schweiz. Hg. von der Stiftung Historisches Lexikon der Schweiz. 13 Bde. Basel 2002-2014 Im Hof I [1947] Ulrich Im Hof: Isaak Iselin. Sein Leben und die Entwicklung seines Denkens bis zur Abfassung der «Geschichte der Menschheit» von 1764. Bd. 1: Isaak Iselins Leben und Bildungsgang bis 1764 (1947) Im Hof II [1947] Bd. 2: Iselins Stellung in der Geistesgeschichte des XVIII. Jahrhunderts (1947) Im Hof [1967]

Ulrich Im Hof: Isaak Iselin und die Spätaufklärung (1967)


X

Siglen

NDB Neue Deutsche Biographie, hg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissen­schaften. Berlin 1953Physiocratie Pierre Samuel Du Pont de Nemours (Hg.): Physiocratie. Ou constitution naturelle du gouvernement le plus avantageux au genre humain. 6 Bde. (1768) Reformations- Reformations-Ordnung, Welche in Löbl. Stadt und Landordnung

schafft Basel […] (1768; 1769)

SDW Schweizerdeutsches Wörterbuch [vormals: Schweizerisches Idiotikon]. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Hg. vom Verein für das Schweizerdeutsche Wörterbuch. 16 Bde. Frauenfeld 1881Zedler Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal­ lexikon aller Wissenschaften und Künste […]. 64 Bde. Halle, Leipzig: Zedler, 1732-1764


Einleitung 1. Textauswahl und edierte Texte Der vorliegende Band enthält eine Auswahl der ökonomischen Schriften Isaak Iselins, die zwischen 1762 und 1772 erschienen sind. Weitere Schriften, die ökonomische Fragen behandeln – wie beispielsweise Iselins Stellungnahmen zur Steuerpolitik,1 zur Zinspolitik oder zur Bewertung des Geldverleihs gegen Zinsen,2 finden sich unter den politischen Schriften in Band 1. Die hier edierten Schriften sind thematisch zum einen der Debatte um Reichtum und Luxus zuzurechnen. Hierzu gehören Plutus oder von den Reichthümern (1762) und Palämon, oder von der Ueppigkeit (1769). Zum anderen handelt es sich um die physiokratischen Schriften Iselins, von denen der Versuch über die gesellige Ord­ nung (1772) für diesen Band ausgewählt wurde. Der Versuch ist das bekannteste ökonomische Werk Iselins, durch das er sich als erster deutschsprachiger ­Anhänger der französischen Physiokratie etabliert hat. Die Schrift Der zweyte Palämon, oder von dem Aufwande (1770) nimmt in diesem Themenspektrum eine Zwitterposition ein, da sie zum einen die Luxusdebatte des ersten Palä­ mon aufgreift und fortführt, zum anderen der erste publizistische Ausdruck der «physiokratischen Wendung»3 ist, die im Winter 1769/70 erfolgte. Mit den genannten Schriften schaltet sich Isaak Iselin prominent in schweizerische und europäische Debatten ein. Von allen Schriften wird der Erstdruck ediert. Plutus und erster Palämon sind erneut 1770 in die zweibändige Ausgabe der Vermischten Schriften Iselins aufgenommen worden – mit marginalen, meist orthographischen und stilistischen Korrekturen. Der Versuch über die gesellige Ordnung wurde – nahezu unverändert, aber hier und da ergänzt – unter Eliminierung des Titels in den ersten Band der Träume eines Menschenfreundes von 1776 aufgenommen. Dieses Werk integriert den Versuch in eine physiokratisch überarbeitete Auflage der

1

2 3

«Philosophische u. politische Briefe», Fünfter Brief an Nikanor (VB 187-201); vgl. zur Steuerpolitik auch VG 38-39. «Philosophische u. politische Briefe», Dreyzehnter Brief (VB 261-262) sowie FG 33-34. Im Hof [1967] 128.


XII

Einleitung

Philosophischen und Patriotischen Träume eines Menschenfreundes, die Iselin seit ihrem ersten Erscheinen 1755 bereits mehrfach umgearbeitet und neu veröffentlicht hatte.4 Bei der Auswahl der zu edierenden Schriften wurde den in eigenständigen Drucken erschienenen Werken Priorität eingeräumt. In den ab 1776 von Iselin herausgegebenen Ephemeriden der Menschheit veröffentlichte dieser überdies zahlreiche Artikel, in denen er seine Auffassungen zum Luxus und zu den ­Luxusgesetzen wie auch die physiokratische Lehre erneut darstellte. Da es sich dabei vorrangig um Wiederholungen seiner Auffassungen handelt, die bereits in seinen selbstständigen Werken zum Ausdruck gekommen sind, wurden diese Artikel nicht in den Band aufgenommen. Gleiches gilt für die zahl­ reichen Rezensionen von neu erschienenen Werken zur Ökonomie, in denen ebenfalls Iselins Positionen zum Ausdruck kommen. In seinen Rezensionen paraphrasiert Iselin, wie es das Genre verlangt, das besprochene Werk ausführlich und fügt gelegentlich eigene Kommentare dazu ein.5 In diesem Band wird neben den Schriften Iselins auch eine Abhandlung des Berner Ratsherren und Agronomen Niklaus Emanuel Tscharner (1727-1794)6 ediert. Dies hat seinen Grund darin, dass der erste Palämon (1769) nicht nur ursprünglich gemeinsam mit Tscharners Text über die Nothwendigkeit der Pracht­ geseze erschien, sondern Iselin zudem beide Schriften nahezu unverändert in den zweiten Band seiner Vermischten Schriften (1770) aufnahm. Offenbar bildeten sie für Iselin eine untrennbare Einheit. Hier nicht mit ediert ist das S­ chreiben über einige wirthschaftliche Grundbegriffe, eine 1782 in den Ephemeriden der Mensch­ heit erschienene, in Briefform geführte Diskussion mit Tscharner über die physiokratische Lehre. Diese Form des Dialoges findet sich auch mehrfach in den pädagogischen Schriften Iselins (vgl. Band 3 dieser Edition). Im Folgenden sollen nun die ausgewählten Texte kurz präsentiert werden. In Plutus oder von den Reichthümern (1762) wird in der Form eines antikisierenden – in diesem Fall platonisch zu nennenden7 – Dialogs die Frage diskutiert, ob Reichtum beziehungsweise die Konzentration oder Anhäufung von

4

5

6 7

Im Hof [1967] 257. Zur zweiten Auflage (1758) von Philosophische und Patrotische Träume eines Menschenfreundes s. IIGS 1 93-276. Einen Überblick über wichtige Artikel und Buchbesprechungen Iselins findet sich bei Im Hof [1967] 258-260. Zu Tscharner vgl. Wälchli: Niklaus Emanuel Tscharner. Im Hof [1967] 69 (nur zur Form des Dialogs).


Einleitung

XIII

«Reichthümern» an sich schädlich sei und – zumindest ab einem gewissen Umfang – gesellschaftszersetzende Kräfte entfalte oder ob nicht vielmehr Reichtum an sich wertneutral und lediglich der Gebrauch, der hiervon gemacht wird, gut oder schlecht sei. Innerhalb dieser Kernfrage wird ebenfalls erörtert, ob es möglich und sinnvoll sei, die Grenzen des Reichtums per Gesetz festzulegen und in welcher Weise dies geschehen könne. Von einer Art Vorrede und einer Rahmenerzählung abgesehen, findet der Dialog vor allem zwischen dem hitzigen «Medon» und dem philosophisch besonnenen «Kallias» statt. Am Ende tritt «Methrodor» auf, der als ein «ehrlicher Dogmatiker» eingeführt wird und die Kerngedanken der Diskussion resümiert. Die Tendenz der Schrift geht eindeutig in Richtung einer Aufwertung des Reichtums durch die Stärkung der These, dass er wertneutral und ein positiver Gebrauch durchaus denkbar sei. Sowohl im Rahmen des Erstdrucks (1769) von Palämon, oder von der Ueppig­ keit als auch in der erneuten Ausgabe innerhalb der Vermischten Schriften (1770) gehen dieser Abhandlung ein «Vorbericht» und der Text Niklaus Emanuel Tscharners Ueber die Nothwendigkeit der Prachtgeseze in einem Freystaate voraus. Der «Vorbericht» gibt vor allem Auskunft über die Entstehungsgeschichte des Textes.8 Die Abhandlung Tscharners beginnt mit einer Definition der Begriffe «Pracht» und «Ueppigkeit» und führt dann aus, für welche – vor allem auf das Gemeinwesen gerichteten – Tugenden diese schädlich seien. Hierauf folgt – unter Verwendung vieler historischer Beispiele – eine Auseinandersetzung mit zwei Hauptargumenten gegen Luxusgesetze, mit den Behauptungen nämlich, sie schränkten die Freiheit ein und seien der Entwicklung von Fleiß und «Künsten» abträglich. Im Weiteren reflektiert Tscharner verschiedene Arten von ­Luxusgesetzen, beschreibt die optimale Beschaffenheit der Gesetze und behandelt schließlich die möglichen Strafen, die zur Anwendung kommen sollten, wobei er den Geldstrafen Priorität einräumt. Iselins Palämon ist, wie der Plutus, ein antikisierender Dialog, der in eine Rahmengeschichte eingebunden ist. Gleich zu Beginn treffen die beiden Hauptredner – «Eurikles» und «Aristus» – mit unterschiedlichen Positionen aufeinander: «Eurikles» kritisiert «Ueppigkeit» und «Pracht» und fordert ­Gegenmaßnahmen von Sittenlehrern und Gesetzgebern. «Aristus» lehnt den Luxus ebenfalls ab, plädiert auch für die erzieherische Arbeit der Sittenlehrer, hält aber Gesetze und Strafen nicht für sinnvoll. Die eigentliche Untersuchung 8

Vgl. das entsprechende Kapitel im Kommentar zum Text.


XIV

Einleitung

des Gegenstandes setzt erst hiernach ein, wobei «Aristus» «Eurikles» befragt und auf diese Weise eine Differenzierung von Terminologie und Problem­ aspekten entwickelt. Es wird dann unterschieden zwischen jenen Formen der «Ueppigkeit», die immer schädlich seien und in jedem Fall durch Gesetze verboten werden sollten («natürliche Ueppigkeit»), und jenen, die «nur beziehungsweise verderblich» seien. Die Letzteren werden wiederum unterschieden in jene, die für den Staat unmittelbar schädlich seien, und jene, die für den einzelnen Bürger schädlich seien. Plädiert wird vor allem für Gesetze, die ­einen (ökonomischen) Schaden für den Staat verhindern. Der eigentliche Streitpunkt zwischen «Aristus» und «Eurikles» wird an dieser Stelle des Textes ausdrücklich eingeschränkt auf die Gesetze gegen jene «Ueppigkeit», die für den einzelnen Bürger schädlich und die vornehmlich Gegenstand historischer und aktueller Luxusgesetze sei. Nach einer an Montesquieu angelehnten Unterscheidung verschiedener Regierungsformen und den ihnen jeweils angemessenen Gesetzen werden dann einige Kleidungs- und Aufwandgesetze genannt, deren Geltung auf Patrizier und die Obrigkeit repräsentierende Personen beschränkt werden sollte. Gemäß Ulrich Im Hof fand Iselins auf den Winter 1769/70 zu datierende «physiokratische Wendung»9 ihren ersten publizistischen Niederschlag in Der zweyte Palämon, oder von dem Aufwande von 1770.10 Anders als Plutus und Palä­ mon, die rein dialogisch gehalten sind, enthält der zweite Palämon – neben ­einem kurzen «Vorbericht» – zwei nichtdialogische Teile: erstens die Erzählung von «Theodosius», dem idealen Landeigentümer, die in den Dialog eingeschoben ist, und zweitens sieben «Betrachtungen», die dem Text angehängt sind.11 Bemerkenswert ist, dass das Werk nicht nur anonym erschien, sondern im «Vorbericht» die Autorschaft sogar ausdrücklich geleugnet wird. Wie bereits im ersten Palämon ist der Dialog unter Freunden initiiert durch den Besuch eines gemeinsamen Freundes, nämlich «Theokles», dessen Wohnund Lebensverhältnisse Anlass für eine Diskussion über «Pracht», «Aufwand» und «Ueppigkeit» sind. Dabei verteidigt «Theokles» gegenüber dem Sohn des  9

Vgl. unten Abschnitt 3. Im Hof [1967] 102. – Auch die Vermischten Schriften, die im selben Jahr, aber noch vor dem zweiten Palämon erschienen, enthalten eindeutige Belege für die «physiokratische Wendung» Iselins. 11 Der zweite Palämon besteht somit aus fünf Teilen: 1. dem «Vorbericht» (3-5), 2. dem Dialog bis zur Theodosius-Erzählung (5-16), 3. der Theodosius-Erzählung (16-39), 4. der Fortsetzung des Dialogs (39-64) und 5. den sieben «Betrachtungen» (64-93). 10


Einleitung

XV

«Eurikles» Reichtum und Aufwand mit dem Argument, dass jener eine «Frucht der Arbeitsamkeit» sei und diese – mittels eines vernünftigen Aufwandes – auch wieder befördere und damit neuen Reichtum erzeuge. Es wird nur derjenige Aufwand verworfen, der «das Vermögen dessen übersteiget», der ihn betreibt. Als Vorbild für den angemessenen und guten Aufwand, den er praktiziert, nennt «Theokles» «Theodosius», dessen Geschichte er anschließend erzählt. «Theodosius» hätte ein wohlhabender Kaufmann werden können, entschied sich jedoch für das Leben eines Landeigentümers. Auf dem erworbenen «Rittergut» sorgt er zunächst dafür, dass eine auf Almosen angewiesene Armut ebenso von seinem Landgut verbannt wird wie «Schwelgerey und Ueppigkeit». Zudem sorgt er mittels verständiger Männer, die in seinem Dienst stehen, für eine Erziehung der «Unterthanen» durch Unterricht, Vorbild und «Aufmunterung». Durch geeignete Maßnahmen perfektioniert er den Landbau und erhöht die Zahl seiner Einwohner, sorgt aber – mittels eines freien Handels im Sinne der physiokratischen Lehre – auch für einen angeregten wirtschaftlichen Kreislauf zwischen Landbau, Manufakturen, Handwerkern und Kaufleuten. Im Unterschied zu den Praktiken in der Stadt und am Hof wird das ideale Bild ­eines verfeinerten Landlebens geschildert, das einen vernünftigen Aufwand betreibt, das Kunst und Kultur unterstützt und genießt, Fähigkeiten fördert, zu Leistungen anregt und der Erziehung breiten Raum gibt. Erst im Anschluss an diese Erzählung wird die Frage des ersten Palämon nach der «Nothwendigkeit der Prachtgeseze» aufgegriffen. Der Text endet mit einem langen Dialog, in dem – anders als im e­ rsten Palämon – die These ­Montesquieus, dass unterschiedliche Herrschaftsformen unterschiedliche Gesetze erfordern, verworfen und stattdessen – im Sinne der physiokratischen Lehre – auf «allgemeine» und «unveränderliche Gesetze der Natur» verwiesen wird, die immer und überall gelten. Aus diesen wird insbesondere die Notwendigkeit eines freien Handels abgeleitet.12 Die dem Text angehängten sieben «Betrachtungen» behandeln unterschiedliche Themen. Sie sind mit dem Text verschränkt durch wechselseitige Bezugnahmen und durch die Weiterführung der Themen, die aufgegriffen, vertieft oder ergänzt werden. In der ersten «Betrachtung» spricht sich Iselin gegen das Geben von Almosen aus. Die zweite und kürzeste «Betrachtung» plädiert für geeignete Maßnahmen gegen das auf dem Land besonders verbrei12

Vgl. auch die ausführliche Darstellung des ersten und zweiten Palämon bei Tröhler: Republikanismus und Pädagogik, 345-353.


XVI

Einleitung

tete Übel der «Unmäßigkeit». Die dritte ist gegen den «Geist der Ausschließung» gerichtet, der sich etwa in einem Zwang zur Bevorzugung der eigenen Bürger gegenüber fremden manifestieren könnte. In der vierten «Betrachtung» wendet sich Iselin gegen die Einschränkungen durch das Zunftrecht, das er als Relikt der «Barbarey» des Mittelalters ansieht. Die fünfte «Betrachtung» ist den «verschiedenen Ständen der menschlichen Gesellschaft» gewidmet. In Anlehnung an die Physiokraten unterscheidet Iselin drei «Klassen», die er allerdings abweichend von der physiokratischen Lehre bestimmt. Der optimale Wirtschaftskreislauf zwischen diesen «drey Classen» sei dann gegeben, wenn sie sich in einem «gerechte[n] Ebenmass» zueinander befinden. Mit der sechsten «Betrachtung» schaltet sich Iselin in die zeitgenössische Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern der Freigabe des Getreidehandels ein. Er stellt sich dabei ausdrücklich auf die Seite der Physiokraten. Die siebte «Betrachtung» greift das Thema der dritten nochmals auf, gesteht nun der Politik eine gewisse Förderung der einheimischen Wirtschaft zu, verwirft jedoch allen hierzu verwendeten Zwang und plädiert stattdessen für «Freyheit» und «Concurrenz». Der Versuch über die gesellige Ordnung von 1772 enthält im «Vorbericht» ein emphatisches Bekenntnis zur Lehre der Physiokraten und im Haupttext eine Darstellung des physiokratischen Systems. Mit dem Versuch über die gesellige Ordnung schlägt Iselin eine Brücke zu seinen früheren politischen Schriften, da er sowohl den Stil des belehrenden Gesprächs mit einem Jüngling in Grundzügen übernimmt, als auch mit dem Titel «Versuch» an seine essayistischen Abhandlungen der 1750er- und 1760er-Jahre anknüpft. Im Gegensatz zu der überarbeiteten Neuauflage innerhalb der Träume eines Menschenfreundes verwendet Iselin im Versuch über die gesellige Ordnung kaum Fußnoten, was der auf Klarheit und Verständlichkeit – und nicht auf systematische Wissenschaftlichkeit – abzielenden Essayistik eigen ist.13 Allerdings vermischt er in dieser Schrift den essayistischen Stil mit der physiokratischen Schreibweise, die sich durch Begriffsdefinitionen, viele Wiederholungen und Berechnungen auszeichnet, mit der Folge dass ihm Unverständlichkeit vorgeworfen wurde.14 Im Versuch über die gesellige Ordnung beschränkt er sich, wie schon der Titel vermuten lässt, nicht allein auf ökonomische Themen. Er ist vielmehr darauf bedacht, die allgemeinen Grundsätze der Gesellschaft insgesamt darzustellen. Dementsprechend folgt auf die Abschnitte zur wirtschaftlichen Ordnung und zur wirt13 14

Vgl. Einleitung zu IIGS 1. Dohm: Über das physiokratische System, 293.


Einleitung

XVII

schaftlichen Tafel noch je ein Kapitel zur sittlichen und zur bürgerlichen Ordnung. Iselin sieht das menschliche Zusammenleben in bürgerlichen Gesellschaften durch verschiedene Sphären geprägt, die Verhaltensregeln vorschreiben. In diesem Werk erhebt er also die Wirtschaft zu einer der Ethik und der Politik gleichrangigen Disziplin. Es finden sich auch Anklänge an seine anderen Werke: Wie in den politischen Schriften argumentiert er gegen den ­radikal-politischen Patriotismus Bodmers und seiner Anhänger, und wie in ­seinen pädagogischen Schriften sieht er Bildung und Erziehung als wichtige Instrumente zur Verbesserung der Menschen an. Auch die stufenweise Entwicklung einer jeden Gesellschaft, die Iselin in der Geschichte der Menschheit formuliert hat, findet sich im Versuch über die gesellige Ordnung wieder.

2. Iselin und die Debatte über Reichtum und Luxus Plutus ist die erste Schrift Iselins, die ausschließlich dem Thema «Reichtum» gewidmet ist. Aussagen zur Bewertung des Reichtums finden sich aber bereits in früheren Schriften. In diesen Kontexten wird der Reichtum in der Regel ­negativ beurteilt: Er wird als Quelle der Untugend angesehen; entsprechend fordert Iselin eine Verteilung des Reichtums. So heißt es in den 1758 erschienenen Freimühtigen Gedanken über die Entvölkerung unserer Vaterstadt: Ja, ich bete alle unsre Reichen um Verzeihung daß ich es sagen muß, allein es ist wahr, und dises durch eine natürliche Folge der Sachen, meistens ohne ihre Schuld, eben der überschwengliche Reichtum einiger Wenigen, vermehret die Verderbnis, die Armuht und das Elend eines Volkes. [...] Ihre Reichtümmer machen sie über dis noch hartherziger und unfühlbarer für das Unglück ihrer Mitbürger.15

In einer Fußnote folgt Iselin ausdrücklich der Aussage eines nicht namentlich genannten Autors, demgemäß «bei einem Volke, das glükselig sein soll, eine proportionierte Einteilung der Reichtümmer erfordert werde». Dass eine solche Einteilung ebenso Ziel der Gesetze sein sollte wie die Vermeidung einer Zumessung von Ehre nach Maßgabe des Reichtums, dafür spricht sich Iselin in seinem Versuch über die Gesetzgebung (1760) aus.16

15 16

FG 14-15; vgl. auch 15-16. VG 32-38.


XVIII

Einleitung

In den drei Auflagen der Philosophischen und Patriotischen Träume eines Men­ schenfreundes – 1755, 1758 und 1762 –, die vor dem Plutus erschienen, nimmt die Bewertung des Reichtums breiten Raum ein. In dem Kapitel «Der Trieb zur Vollkommenheit» legt Iselin dar, wie die Menschen, durch ihre «Einbildung» fehlgeleitet, von «falschen Vollkommenheiten» ausgingen, indem sie Reichtum, Geld und Macht höher bewerteten als alles andere, auch als die Tugend.17 In dem nachfolgenden Kapitel («Die Triebfedern der bürgerlichen Gesellschaften») werden die Reichtümer wiederholt als Quelle des Verfalls und der Verderbnis genannt: Auch dieienigen selbst, die durch ihre eigne oder ihrer Väter Weisheit reich und mächtig geworden, und die durch derselben Menschlichkeit und Guttähtigkeit sich die Liebe und die Unterwirfigkeit andrer erworben, wurden durch ihre Reichtümmer schlimm, oder erbten doch mit derselben Gütern die Weisheit derselben nicht. Die Liebe zu den Reichtümmern fing an die edelsten Triebe der Menschheit zu erstikken, die allgemeine Menschenliebe ward unterdrükket, und aus Neide verloren selbst Brüder gegen Brüder die Empfindungen, die die Natur in ihre Herzen gegossen.18

Im selben Ton sind auch Passagen des Kapitels über die «Handelschaft» verfasst:19 Die Liebe zu den Reichtümmern, die verderbte Quelle aller diser fanatischen Bewunderung der Handelschaft, ist die nidrigste und die schlechteste Neigung der menschlichen Seele. Sie ist die erste, die die schöne Empfindung der Menschenliebe erstikket. Zuerst ist sie nur schwach, nach und nach aber unterdrükket sie die schönsten Triebe der Menschheit, und endlich den mächtigsten von allen, denienigen sich selbst Gutes zu tuhn. Wenn sie überhand nimmt, so empfindet man die heiligsten Verhältnisse nicht mehr, in die uns die Natur und die Vorsehung gesezzet. Man vergißt daß man zur Tugend und Gutes zu tuhn gebohren ist. Man verleurt den Begriff seiner eignen Würde, und keine Handlung ist so nidrig, zu deren man sich nicht versteht um reich zu werden. Aber nicht iedermann liebet die Reichtümmer um der Reichtümmer willen, die Bequemlichkeit und das angeneme Leben das sie verschaffen, sein die Vorteile, die dieienigen daraus ziehen, die sie mit Vernunft lieben. Ich gestehe es, daß diser Einwurf nicht nur Schein sondern auch Grund hat. In|dessen verliert er alle seine Kraft, wenn von der übermäßigen Liebe der Reichtümmer die Rede ist; denn dise entspringet aus einer nicht minder trüben Quelle, und vervilfachet die Verderbnisse des Staates. Sie vermehret die Anlässe zu Ungerechtigkeiten, und die Mittel zu Pracht, Ueppigkeit, Schwelgerei und andern Uebeln, daraus ein wahres Elend entstehet.

17 18

19

PPT [1755] 39-42; ebenso PPT [1758] 56-60 und PPT [1762] 64-68. PPT [1755] 48; ebenso PPT [1758] 68-69 und PPT [1762] 78-79. Vgl. auch PPT [1755] 50; ebenso PPT [1758] 71-72 und (ähnlich) PPT [1762] 83. PPT [1755] 105-106.


Einleitung

XIX

Auch die ausführliche Auseinandersetzung Iselins mit John Browns (17151766) Werk An Estimate of the Manners and Principles of Times (1757/58) in seinen «Briefen über Herrn Doctor Browns englische Sitten», die den Philosophi­ schen und politischen Versuchen (1760) angehängt sind, steht im vierten und fünften dieser Briefe ganz im Zeichen der Kritik an «Reichthümern und Handelschaft», wobei Iselin im fünften Brief eine differenziertere Sicht in Bezug auf die Kausalitäten und die zu ergreifenden Gegenmaßnahmen anmahnt, gleichzeitig aber die Kritik an Reichtum und Handelschaft unterstreicht.20 Dieser Standpunkt Iselins, dass Reichtum und Handelschaft die Ursachen für die Verderbnis der Sitten seien, hatte sich schon früh herausgebildet. Er lässt sich bis in die Anfänge der Arbeit an den Träumen zurückverfolgen, die Iselin in das Jahr 1751 datiert.21 In seinem Brief an Jean Rodolphe Frey vom 11. Dezember 1751 findet sich im Zusammenhang mit seiner kritischen Lektüre von Rousseaus erstem Discours die Bemerkung: Das Verderbnis entspringet aus den Reichtümern und der Handelschaft, die die großen Schätze in unsre Länder bringet, nicht aus den Wissenschaften, die für sich die Menschen weder reich noch schlimm machen, es sei denn zufälliger Weise, eben weil das Verderbnis anders woher auf dieselben fließet.22

Die in den drei Ausgaben der Philosophischen und Patriotischen Träume eines Menschenfreundes vertretenen Positionen werden im Plutus relativiert zugunsten der Überzeugung, dass Reichtümer nicht an sich gut oder schlecht seien, sondern nur der Gebrauch, den man von ihnen macht. Man kann somit ­einen «gewissen Gegensatz» zwischen den Positionen in den Träumen und im Plu­ tus registrieren.23 Dass es einen guten Gebrauch des Reichtums durch einen sittlich hochstehenden Menschen geben kann, ist eine implizit zwar auch in früheren Schriften Iselins vertretene Ansicht,24 doch bleibt sie angesichts der massiven – moralischen und politischen – negativen Beurteilung des Reich-

20 21 22

23

24

PPV 246-263, 264-272. Tb 9, 190; 20./21. Mai 1762. Schwarz: Iselins Jugend- und Bildungsjahre, 27. Vgl. auch Pariser Tb, 129. – Vgl. zur Auseinandersetzung Iselins mit Rousseaus erstem Discours vor allem Kapossy: Iselin contra Rousseau, 65-85. Im Hof I [1947] 271. Allerdings hat Iselin die gemäßigte Position des Plutus auch bereits 1760 in seinem Werk Philosophische und politische Versuche vertreten; vgl. PPV 54. Vgl. PPT [1758] 202-203, 226.


XX

Einleitung

tums gänzlich marginal.25 Die Wende in der Wertung des Reichtums durch Iselin mag mit der «umfassende[n] Revision seines gesamten Wissens» zusammenhängen, die Ulrich Im Hof in die Zeit von Iselins Krankheit – Herbst 1758 bis Frühjahr 1760 – datiert.26 Insbesondere die nachweisbar intensive Aristoteles-Lektüre könnte eine Abkehr von radikaleren Positionen mitbestimmt ­haben. Es mag auch eine Beschäftigung mit der politischen und ökonomischen Geschichte Basels diese Wende mit initiiert haben.27 Schließlich könnte auch eine zu Beginn der 1760er-Jahre sich bereits anbahnende und im Zuge der Aus- und Überarbeitung der Geschichte der Menschheit (1764 und 1768) sich entfaltende historische Betrachtungsweise, die ja im Falle der Geschichte der Menschheit eine von Optimismus getragene Fortschrittsgeschichte ist, eine positivere Bewertung von Handelschaft, Reichtum und auch Luxus mitbedingt haben.28 Doch erfuhr die «kulturelle und zivilisatorische Rolle des Reichtums» schon vorher, nämlich im Plutus, «eine ganz deutliche Profilierung».29 Im Plutus unterzieht Iselin somit seine früheren Auffassungen der philosophischen Kritik durch seine fiktive Figur «Kallias». Dass damit die Diskussion nicht an ihr Ende gelangt war, wird durch das Faktum belegt, dass Iselin in seinen handschriftlich überlieferten «Betrachtungen» des Jahres 1762 – teils noch vor der Drucklegung des Plutus, teils im Anschluss an diese entstanden – die Diskussion um die richtige Bewertung des Reichtums fortsetzte. So erscheinen Reichtümer und Handelschaft unter dem Datum des 19. Juni 1762 als Motoren zivilisatorischen Fortschritts,30 unter dem Datum des 1. Oktober 1762 stimmt er der Kritik Francis Hutchesons an den Reichen zu,31 und am 12. Dezember 1762 sieht sich Iselin genötigt, Handelschaft und Reichtümer gegen William Bell, dessen Zu Cambridge gekrönte Preisschrift, von den Quellen und Folgen einer starken Bevölkerung im selben Jahr erschienen war, in einer

25

26 27

28 29 30 31

Zur gleichwohl vorhandenen Ambivalenz auch in den frühen Schriften vgl. Reiling: Die «Gelehrtheit der Republikaner», 162-163, sowie Kapossy: Iselins «Geschichte der Menschheit» als Friedensschrift, 106. Im Hof II [1947] 389. Vgl. hierzu etwa Iselins Brief an den Luzerner Ratsherrn Felix Balthasar vom 15. Januar 1762; Schwarz: Iselin-Balthasar, 103. Vgl. hierzu Reiling: Die «Gelehrtheit der Republikaner», 159, 160-163, 174-175. Im Hof [1967] 109; vgl. auch 303, Anm. 6. Vgl. Tb 9, 538. Vgl. Tb 9, 606.


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Schriften zur Ökonomie by Schwabe Verlag - Issuu