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Rolf Hochhuth
Die im vorliegenden Band versammelten Essays und Gedichte kreisen um das Lebensthema des Autors: die Geschichte. Rolf Hochhuth sagt von sich, dass es die Geschichte war, die ihn ßberhaupt erst zum Schreiben gebracht habe – und sie habe ihn zeit seines Lebens nicht mehr aus ihren Krallen gelassen.
Invasionen
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Rolf Hochhuth
Invasionen
Zur Ethologie der Geschichte
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Schwabe Verlag Basel www.schwabeverlag.ch
Rolf Hochhuth sagt von sich, dass es die Geschichte war, die ihn überhaupt erst zum Schreiben gebracht habe. Nichts in seinem jetzt fünfundfünzigjährigen Schaffen habe ihn so aufgerührt und fasziniert wie das Verhalten der Mitläufer, aber auch der Staatsoberhäupter, zuerst anlässlich der Nazi-Massaker, dann in der Weltgeschichte überhaupt. Hochhuth stellte in seinem Stellvertreter die Frage, die vor 50 Jahren weltweit mehr Empörung als Zustimmung auslöste: «Wie konnte der zu Auschwitz schweigen, obgleich durch polnische Priester detailliert unterrichtet, der sich noch im Ernst als Stellvertreter Christi auf Erden bezeichnet?» Wen diese Frage, kommentiert nach Jahrzehnten Rolf Hochhuth, wie ihn selbst seit seiner Jugend umtreibe, den lasse die Geschichte nie mehr aus ihren Krallen. So kreise beinahe alles, was er schrieb, um die Historie, eine ziemlich deprimierende Beschäftigung, gäbe es da nicht auch Lichtgestalten wie die drei Attentäter gegen Hitler: Den Schweizer Theologiestudenten Maurice Bavaud, 1941 in Plötzensee enthauptet, der zur Reinkarnation Wilhelm Tells wurde; dann den schwäbischen Tischler Johann Georg Elser, dessen Bombe im Münchener Bürgerbräukeller 1939 Hitler um 11 Minuten verfehlte; und 1944 den Attentäter Graf Stauffenberg, den Urenkel Gneisenaus, des Strategen, der vor 200 Jahren in der Völkerschlacht bei Leipzig Napoleon schlug. Für Hochhuth ist Churchill, eine der Hauptgestalten auch dieses Buches, einer der nur zwei Giganten: Michelangelo in der Kunst, Churchill in der Geschichte. Hochhuths Betrachtungen sind Streiflichter auf die Vergangenheit von der Antike bis zur Gegenwart. Rolf Hochhuth, am 1. April 1931 in Eschwege bei Kassel geboren, schrieb mit 28 Jahren sein erstes Stück, den Stellvertreter, das erst 1963 dank Erwin Piscator im Theater am Kurfürstendamm uraufgeführt, prompt zum Skandal wurde; seither in 22 Ländern als Buch erschienen, in 28 Ländern gespielt. Seine 18 Dramen ergänzte Hochhuth immer auch durch Gedichte, Erzählungen und Essays. Er lebte mit seiner Familie 41 Jahre lang in Basel, wo auch seine drei Söhne aufwuchsen. Bei Ende der DDR im November 1989 zog er als Besitzer des BE/Theater am Schiffbauerdamm nach Berlin. Er schreibt momentan ein Musical über Coco Chanel, Jackie Kennedy, Marlene Dietrich und Igor Strawinsky.
Rolf Hochhuth
Invasionen Zur Ethologie der Geschichte Mit einem Nachwort von Johannes Rohbeck
Schwabe Verlag Basel
Schwabe reflexe 33 Copyright © 2014 Schwabe AG, Verlag, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Umschlaggestaltung: Heike Ossenkop, h.o.pinxit//editorial design, Basel Schrift: Quadraat Gesamtherstellung: Schwabe AG, Muttenz/Basel, Schweiz Printed in Switzerland ISBN Printausgabe 978-3-7965-3253-5 ISBN eBook (PDF) 978-3-7965-3254-2 rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch
Johannes Grützke: Porträt von Rolf Hochhuth
Inhalt Kreislauf-Studie .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Burckhardt der Philosoph . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Wellen: Ist Geschichte Naturgeschichte? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 Geschichtsatlas. Gedichte .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 Geschichtsatlas .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 Reiche .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 Geschichte ist Naturgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 Ein Rad dreht sich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Jahrhunderte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 «Nur Welle und Spiel»? .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 Churchill . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Zeitgeist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 «Platons Sokrates» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 Reinkarnation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 Johann Georg Elser .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 Der 17. Juni 1953 .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75 Oswald Spengler – 85 Jahre nach Der Untergang des Abendlandes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85 Jaspers der Klassiker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107
Der Machthaber und die Erinnerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127 Europa im Zenith oder: die Lemminge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151 Große Schweizer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181 Epilog: Station Basel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201 Nachwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 217
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Kreislauf-Studie
Fortschritt? – dass mondhoch Raketen steigen, doch meerab Venedig versinkt? Nein: nur Beschäftigungsreigen, den der Gleichlauf der Kulturen erzwingt.
Jede Zeit baut Pyramiden: Irrsinn, der nach leeren Riten Weltanschauung, Reich genannt, «ewige» Werte setzt – auf Sand. Sinnlos zwar, doch zweckvoll – Strategie. Denn Beschäftigungstherapie Nur um «aus»zuleben – ist Geschichte! Und die Umwälzung der Machtgewichte Hat nur einen Zweck: Potenzverschleiß. Fortschritt, Endziel gibt es nicht; ein Kreis – je ein Kettenglied an vielen Ringen –, schließt sich wie ein Mensch stirbt; von Gelingen Sprechen nur die Heilsverkäufer: es ist aus! Ein Jahrtausend wächst und welkt der Strauß, Den auf anderer Ursprungsstätte – wieder nur ein Ring der gleichen Kette – Pflanzer ihrer Äcker schufen. Denn nicht vorwärts, aufwärts, nicht in Stufen Sondern in die Fläche wuchert weiter und er wechselt – wie die Kleider 9
Seine Rassen nur – der homo faber. Überlieferung, wo er dem Kandelaber Der erlöschenden Kultur noch Licht entnimmt, der er – meist – «verbrannte Erde» zubestimmt: Wie die Christen ihre ordinären Siege «krönten» durch Vernichtung der Antike «Schenkten» Spanier Holocaust als Segen Christi – Inkas und Azteken. Und den Genocid die Weißen den Indianern. USA: frei von Roten! Den Amerikanern.
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Burckhardt der Philosoph Rede im Auditorium Maximum der Universität Basel zum hundertsten Todestag Jacob Burckhardts am 8. August 1997
Wir möchten gerne die Welle kennen, auf welcher wir im Ozean treiben, allein wir sind diese Welle selbst. Jacob Burckhardt, am 6.11.1867
Was kräftig gedeihen soll auf Erden, muß dunklen Mächten seinen Zoll bezahlen. Jacob Burckhardt, Griechische Kulturgeschichte
Wie konnte es zu dem dummen Klischee kommen, Burckhardt sei kein Philosoph? Der so oft zitierte Brief des Vierundzwanzigjährigen aus Berlin: «Ich habe mein Leben lang noch nie philosophisch gedacht und überhaupt noch keinen einzigen Gedanken gehabt, der sich nicht an ein Äußeres angeschlossen hätte. Wo ich nicht von der Anschauung ausgehen kann, da leiste ich nichts» – dieses Bekenntnis findet man ähnlich und oft auch bei Goethe und Schopenhauer, die demnach ebenfalls keine Philosophen gewesen wären. Wir kennen Goethes Warnung: «Man suche nur nichts hinter den Phänomenen; sie selbst sind die Lehre», da doch alles Faktische schon Theorie sei. Und Schopenhauer sagt in der Vorrede zur zweiten Auflage seiner Welt als Wille und Vorstellung: Stets findet man mich auf dem Standpunkt der Reflexion, d.i. der vernünftigen Besinnung und redlichen Mitteilung, niemals auf dem der Inspiration, genannt intellektuelle Anschauung, oder auch absolutes Denken, beim rechten Namen jedoch Windbeutelei und Scharlatanerei.
Das hat er ebenso dezidiert schon ins Vorwort gegen Hegel hineingeschrieben, 1844, wie es vierundzwanzig Jahre später in Konstanz fast wörtlich und in ironisierenden Anführungsstrichen Jacob Burckhardt, der nur ‹Ideen› statt wie Schopenhauer ‹Inspiration› sagt, in seine Einleitung zum Schema A: Über das Studium der Geschichte hineinschreiben wird: 11
Wir geben keine ‹Ideen› im philosophischen Sinn, sondern Beobachtungen … Etwas über den curiosen Centauren ‹Geschichtsphilosophie›, während Geschichte = Nichtphilosophie, und Philosophie = Nichtgeschichte ist … Nochmalige Auseinandersetzungen mit der sogenannten Geschichtsphilosophie. Ihr freches (hegelsches) Anticipiren eines Weltplanes etc.
Sogar das Wort ‹Geschichtsphilosophie› brandmarkt Burckhardt mit ironisierenden Anführungsstrichen. Unerklärlich, dass daraus kurzschlüssig gefolgert wurde: Weil Burckhardt die Geschichtsphilosophie einen «curiosen Centauren» nannte und nicht für möglich hielt, könne er kein Philosoph gewesen sein. Im Gegenteil: weil er das schon als Jüngling durchschaute, war er einer von Haus aus! Ich gehe weiter. Ich deute – wie nicht – jenen 28. August 1838 als das Damaskus Burckhardts, denn da schreibt er, drei Monate nach seinem zwanzigsten Geburtstag, Freund Riggenbach über seinen Basler Theologie-Dozenten: «De Wettes System wird vor meinen Augen täglich colossaler, man muß ihm folgen, es ist gar nicht anders möglich … Heute bin ich endlich draufgekommen, daß er Christi Geburt durchaus für einen Mythus hält und ich mit ihm. Ein Schauder überfiel mich.» Ja, der Schauder bis ins Mark, der ihn, den geborenen Denker, gezwungen hat, ehrlich wie er war, die Theologie sofort zu verlassen, um seine geistige und seelische Zuflucht in der Geschichte zu suchen … sicherlich zuerst noch als Metaphysiker, der wenigstens wie sein dann neuer Lehrer in Berlin, Leopold Ranke, sagen konnte: «Jede Epoche ist unmittelbar zu Gott.» Es wird noch gedauert haben, bis der Berliner Student dank seiner Kenntnis der Geschichte kein Heilsgeschehen mehr in ihr sehen konnte wie sein damaliges Vorbild, der Hegelfeind Ranke. Schon aus moralischen Gründen, aber nicht ‹nur› deshalb, wäre Burckhardt gewiss nie so weit gegangen wie Napoleon, Geschichte mit Philosophie zu identifizieren, als der sagte: «Laßt meinen Sohn Geschichte studieren, die ist die wahre Philosophie.» Napoleon konnte so nur reden, weil er sogar anlässlich der «Strecke» eines einzigen Schlachttages, der fünfundsiebzigtausend Leichen von Borodino am 7.9.1812, vergnügt kommentierte: «Eine Nacht von Paris bringt’s wieder ein!» Und weil er, was Burckhardt in den Betrachtun12
gen zitiert, auf St. Helena sagen konnte – übrigens, das ist so deprimierend, durchaus sachlich sagen durfte, denn so wird es ja kommen: «So lange man von Gott redet, wird man auch von mir reden!» Der 1883 erst achtundzwanzigjährige Philosophiedozent Hans Heussler, der zehn Semester bei Burckhardt gehört hatte, konnte zu seinem Studenten Heinrich Wölfflin sagen: «Was Burckhardt schrieb, schrieb er mit Angst. Und es war monumental. Entschiedener Gegner, aus der Geschichte eine Wissenschaft zu machen. Vielleicht mit Recht.» Diese Angst des materiell stets unabhängigen Burckhardt hat ihre Ursache in seiner Kenntnis der Geschichte! Wo sonst? Und ist sie nicht legitim? Bedenkt man, dass Burckhardt – nur zwei Beispiele – über Ludwig XIV. ebenso vernichtend urteilt, wie später auch Winston Churchill ihn gerichtet hat in seinem Epos über den Herzog von Marlborough, als er den sogenannten «Sonnenkönig» als «die Pest des Erdkreises» beschrieb: «Nie ist im Aufputz einer menschlichen Gestalt ein schrecklicheres Ungeheuer auf Erden gewesen.» So drastisch wie der Brite hatte schon Burckhardt geurteilt, u.a.: Dies Ungetüm, mehr mongolisch als abendländisch, wäre im Mittelalter excommuniciert worden; jetzt konnte er sich als alleinberechtigt und Alleineigentümer von Leibern und Seelen gebärden …; die Hugenottenaustreibung das größte Molochopfer, das je einer ‹Einheit› oder eigentlich dem königlichen Machtbegriff gebracht worden …; Die Regierung Ludwigs XIV. war entsetzlich …; Wußte recht wohl, daß das Land dem Hungertode nahe war, kümmerte sich aber nicht darum, sondern verbrauchte 1500 Millionen …; Die schändlichste Tat ist die Aufhebung des einst so feierlich beschworenen Edikts von Nantes (Oktober 1685) …; Ludwig XIV. ist ein entsetzlicher Schuft und aller Reflex von Racine und Molière stellen diesen größten aller Schufte in kein günstigeres Licht.
Und schließlich kannte Burckhardt den Korsen, der immerhin vor Kaiser Wilhelm dem Letzten, Stabschef Falkenhayn, dem Erfinder «Verduns als Blutpumpe im Abnützungsverfahren» (1916), und vor Adolf Hitler der ruchloseste aller Soldatentöter gewesen war! Den jedoch Hegel gerührt «die Weltseele» genannt hat – zu seinem Glück nur in einem Brief so genannt hat, sonst hätte der schauerliche Schwabe 1818 niemals seinen Berliner Lehrstuhl erhalten. Der moralisch durchaus unbedenkliche Denker schrieb am 13.10.1806: 13
«Den Kaiser, diese Weltseele, sah ich durch die Stadt zum Rekognoszieren hinausreiten; es ist in der Tat eine wunderbare Empfindung, ein solches Individuum zu sehen, das hier auf einen Punkt konzentriert, auf einem Pferde sitzend, über die Welt übergreift und sie beherrscht.» Dümmer und amoralischer hat später kein Nazi seinem Führer gehuldigt, als Hitler, nachdem er 1940 Paris besetzt hatte, triumphal in Berlin einzog … Wie ehrt es Burckhardt, so oft sein «pereat!» – er gehe zugrunde – über Hegel gesprochen zu haben. Aber Geschichte als Philosophie ausdrücklich zu verwerfen, wie eben aus seinem im Wortsinn abgründigen Wissen um sie Jacob Burckhardt das tun musste: heißt ja noch nicht, die Weltgeschichte nicht doch als den ergiebigsten Steinbruch auszubeuten, der höchst legitime Materialien liefert für eine Philosophie, weil es die Geschichte ist, die den Menschen auferlegt, ihre abstoßendsten wie ihre anziehendsten Eigenschaften und Taten der Anschauung auszuliefern. Und der Deutung, zum Beispiel in den Weltgeschichtlichen Betrachtungen oder in Auf den Marmorklippen – wie wenig doch davon abhängt, ob man diesen Büchern den Untertitel ‹Philosophie› aufklebt! Und natürlich hat Burckhardt gewusst, dass er stets im Sinne Stendhals, obgleich er den nicht kannte, «philosophisch» schrieb. Und hat seine Fragmente wie seine Betrachtungen und auch viele Briefe, zu denen er wie Fontane oft Konzepte machte, ebenso als Philosoph geschrieben wie Schopenhauer seine Aphorismen zur Lebensweisheit, die auch kein System haben wie sein Hauptwerk, aber trotzdem im strengsten Sinn ebenso Philosophie sind wie Die Welt als Wille und Vorstellung. Burckhardt hatte zwar keine Ahnung, dass er mit seinen Briefen aus Berlin und Italien, die er und sein Bruder nach dem Tode seines Vaters, des Antistes tagelang verheizt haben, vermutlich zwei seiner Hauptwerke vernichtete: Erstens nämlich eine Kulturgeschichte des vormärzlichen biedermeierlichen Preußens ab 1839, mit Giganten wie Schelling, Schinkel, Schadow, Alexander Humboldt, Eichendorff, Ranke, Rauch, der Bettina, den Brüdern Grimm, Friedrich Wilhelm IV., Fontane, Menzel im Mittelpunkt; Menzel ging ja gerade damals aus und ein bei Burckhardts Lehrer und Freund Kugler! (Der ‹Kugler-Menzel› ist 1840 erschienen: als Leistung eines Dreiundzwanzig- bis Fünfundzwanzigjährigen so 14
genial wie nur sechzig Jahre später Buddenbrooks.) Und Burckhardt hat zweitens, wie mir der Herausgeber der zehn Briefbände Max Burckhardts betrübt klagte: «Unsre zweite und bessere italienische Reise» verbrannt. Denn aus Italien hatte er täglich dem Vater geschrieben. Und hat ja auch dreimal schriftlich den späteren Nobelpreisträger Paul Heyse beschworen, die Briefe zu vernichten, die er an Kugler, Heyses Schwiegervater, geschrieben hat. Doch sowenig Burckhardt ahnte, dass er neben Fontane der im Deutschen bedeutendste Briefschreiber seines Jahrhunderts war, eben dank der Philosophie in seinen Briefen, zum Beispiel in denen an Preen –, dass er Philosoph gewesen ist, das muss er gewusst haben! Wer in seine Vorlesung: Über das Studium der Geschichte einträgt: Die Geschichte und die bloßen Ereignisse – nicht nur nicht dasselbe, sondern im höchsten Sinn wahre Gegensätze; es ist ein Höheres, das nur widerwillig an den einzelnen Dingen klebt. Die aufgehende Sonne röthet die Ränder der Gebirge und Inseln und die Wellen des Meeres, ist aber auch ohne sie die Sonne.
Wer das als Grundvoraussetzung, sich überhaupt mit Einzeltatsachen einzulassen, hinschreibt – sollte der nicht Metaphysiker gewesen sein? Und dann als Ersatzhandlung, da ihm doch (der hier zitierte Brief an Riggenbach) die Theologie unmöglich geworden war, sich deshalb der Geschichte, später der Kunstgeschichte zugewendet haben, weil aus denen beiden noch am konkretesten, am solidesten und belegbar – zwar nicht Metaphysik, auch nicht der «Centaur Geschichtsphilosophie», aber doch Philosophie abzuleiten ist? Wohlgemerkt: nicht Geschichtsphilosophie, mit der es offenbar deshalb nie etwas werden kann, weil man ihr zuliebe Fakten zugunsten einer Idee, etwa des Einfalls der Eschatologen, ein «Weltplan» liege dem Gang der Ereignisse zugrunde, ins Prokrustesbett eines Systems zwängen, diesem anpassen, mithin sie also fälschen müsste. Zugunsten, beispielsweise, auch der so von Hegel genannten «Wahrheit, daß … die göttliche Vorsehung den Begebenheiten der Welt vorstehe. Denn die göttliche Vorsehung ist die Weisheit nach unendlicher Macht, welche ihre Zwecke, d.i. den absoluten, vernünftigen Endzweck der Welt verwirklicht …» Eine «freischwebende», wie Hannah Arendt gesagt hätte, Erfindung H egels, durch kein einziges geschichtliches Ereignis beglaubigt. 15
Daher Zitat statt Widerlegung. Denn wer nicht aus dem Studium der Fakten geschichtliche Gesetzmäßigkeiten ableitet, zum Beispiel, «was man Sturmlehre nennen könnte», so Burckhardt nach seiner «Betrachtung der beschleunigten Bewegungen»; oder seine Einsicht: «auch z.B. das Gewissen ist zeitlich bedingt», sondern wer den Fakten eine Leitidee überzieht wie eine Kapuze, etwa den Einfall Jesu Christi oder Hegels oder dessen Schülers Marx, ein – sogar voraussehbarer – Marschbefehl auf einen paradiesischen Endzweck hin, sei es im christlichen Himmel oder in einer klassenlosen Gesellschaft, steuere das Walten des «Weltgeistes» (niemand weiß, wer oder was Weltgeist ist), dem verschließen sich die geschichtlichen Vorkommnisse, weil er ja nicht s i e in den Abläufen sucht, sondern nur jene, die scheinbar belegen, dass diese seine «freischwebende» Idee glaubhaft ist. Burckhardt hat daher bereits ein Vierteljahrhundert bevor er das gründlichste Philosophikum erneut las, das je aus historischen Fakten abgeleitet wurde, das des Predigers Salomon, und das er in einem Brief an Preen (10.9.1891) «eines der erstaunlichsten Bücher und im Grunde ziemlich gottlos» nennt, so sehr vor der Metaphysik haltgemacht, dass Kaegi vermutet, er hätte es sich sogar verboten, seine Vorlesung Über das Studium der Geschichte ‹Weltgeschichtliche Betrachtungen› zu nennen! Kaegi: «Weltgeschichte war ihm ein metaphysischer Begriff. Und Metaphysik wollte er nicht geben. Er leugnete sie nicht; aber an dieser Grenze begann er zu schweigen.» Der Nihilist im Alten Testament: der Prediger – auch Montaignes und Friedrichs des Großen bevorzugter Autor –, hat schon den fünfundzwanzigjährigen Burckhardt derart beeindruckt, dass er – über wen sonst? – ein Drama aus dem Verfallensein Salomos an die Königin von Saba schreiben wollte (an Johanna Kinkel, Aug. 1843). Übrigens scheint es mir geboten, doch hier einmal zu sagen, wie sehr wir alle Jacob Oeri nicht ‹nur› für die Rettung der Burckhardt-Manuskripte, sondern auch für die Art, wie er sie publiziert hat, zum höchsten Dank verpflichtet sind; Oeri hat für die Geistesgeschichte nicht weniger geleistet als Max Brod durch die Rettung der Manuskripte Franz Kafkas, der sie ja auch verbrannt haben wollte. Seit der Oxforder Germanist Ganz dankenswerterweise die Urschrift der Betrachtungen zugänglich machte – und wir können nur wünschen, dass Ganz endlich auch die Schriften von Ernst von 16
Lasaulx im Urtext publiziert, die Burckhardt inspirierten –, wurde oft herablassend von Oeri gesprochen: sehr zu unrecht! Denn ihm kommt das Verdienst zu, dass alle Welt seit bald hundert Jahren in Burckhardt den Klassiker der Historiker sieht: Klassiker, weil der Denker unter ihnen. Platzmangel verwehrt uns, über sehr wenige Proben hinaus weitere Belege dafür zu liefern, dass niemand philosophischer und zugleich anschaulicher schreiben kann als Burckhardt. Ein Zitat aus den Fragmenten, Eintrag 1867: Jede Begrenzung ist an sich bloß um der Notwendigkeit willen da; es ist immer Willkür dabei, aus dem Wellenmeer der Weltgeschichte … eine Folge oder Ansicht von Wellen loszutrennen, und doch verfährt schon der Seemaler nicht anders … hier tritt dann auch unvermeidlich bei der Auswahl die subjektive Willkür ein. Von allen Wissenschaften ist die Geschichte die unwissenschaftlichste, da sie am wenigsten eine sichere, zugestandene Methode der Auswahl besitzt und besitzen kann, das heißt, die kritische Forschung hat eine sehr bestimmte Methode, aber die Darstellung nicht. Sie ist der jedesmalige Bericht dessen, was Ein Zeitalter am andern Zeitalter merkwürdig findet.
Und im Urmanuskript zu den Betrachtungen heißt es: Die Geschichtswerke sind nur zu oft bloße Ereignisbücher, und Sammelwerke müssen sie sein und sind grade hierfür unentbehrlich … wenn (aber) die Geschichte uns irgendwie das große und schwere Räthsel des Lebens auch nur geringstentheils soll lösen helfen, so müssen wir wieder aus den Regionen des individuellen und zeitlichen Bangens zurück, in eine Gegend wo unser Blick nicht sofort egoistisch getrübt ist. Vielleicht ergiebt sich aus der ruhigen Betrachtung aus größerer Ferne ein Anfang der wahren Sachlage unseres Erdentreibens. [«Anfang» ist vermutlich ein Schreib- oder Lesefehler; muss sicherlich Ahnung heißen.]
Ist einer kein Philosoph – das sagte Burckhardt immer wieder von sich, kann es aber nicht geglaubt haben –, weil er kein Metaphysiker ist? Ist einer kein Denker, weil er – wie Burckhardt – sein Denken darauf gründet, dass er Natur wie Geschichte ohne Transzendenz sieht? So dachte als Achtzehnjähriger Heinrich Wölfflin, als er Burckhardts Student wurde, ohne zu ahnen, er werde bereits mit neunundzwanzig Nachfolger auf Burckhardts Lehrstuhl für Kunstgeschichte sein. Im ersten Basler Semester hatte er darüber fast verzweifelnd den Eltern geschrieben: 17
Jede Epoche, sagt Burckhardt, sei da um ihrer selbst willen; man brauche nicht die Fäden, die zur Gegenwart überleiten, in ihr aufzusuchen, das bloße Betrachten des Ringens und Schaffens der Menschen … sei von Nutzen … Packend. Aber in Gottes Namen, ich hab’ noch von nichts sagen können: das möchte ich das Leben lang studieren … Begegnung mit Burckhardt … für mich die Ursache meiner gegenwärtigen Verzweiflung. Mit Müh und Not hatte ich in den letzten Wochen mir mein Lebensgebäude aufgerichtet, schön zum Himmel emporragend, und nun kommt dieser Mensch und reißt’s mir mit praktischen, prosaischen Reflexionen wieder zusammen. Ich war auf der Lesegesellschaft, abends, auf einmal steht neben mir das weiße Haupt … er winkt mit einigen leise gemurmelten Worten, ich folge … die Treppe hinab, endlich auf dem Münsterplatz macht er Halt, und nun entwickelt er kurz seine Ansicht … Licht einer Laterne beleuchtete sein geistreiches Gesicht, ich stellte mir sein ganzes Leben vor, das ewige Fragen und Suchen und jetzt – seine weißen Haare deuten darauf hin, daß der Zeitpunkt nicht mehr ferne ist, wo die ganze Summe seines geistigen Besitzes vernichtet werden soll. Wozu?
Diese – hier arg verkürzte – Szene lesen, heißt Kaegi zustimmen, wenn er in Burckhardts Zeichnung des Sokrates ein Selbstbildnis sieht, speziell wegen der Gefährdung des Philosophen in der Polis, wie Burckhardt sie beschreibt. Kaegi, im spätesten seiner Aufsätze, in seiner Einleitung in die Griechische Kulturgeschichte: Das Schicksal des Sokrates, der wegen Asebie, das heißt wegen Gott losigkeit, verurteilt worden war, muß Burckhardt das Gefühl gegeben haben, daß ihm selbst, wenn er nur hundert Jahre früher geboren worden wäre, in seiner eigenen Basler Polis ein ähnliches Geschick hätte blühen können … Tatsächlich sind noch rund dreißig Jahre vor Burckhardts Geburt die Werke Voltaires auf Ratsbeschluß hin verboten und diejenigen Friedrichs des Großen in Basel verbrannt worden … Die Basler Polis der Großeltern Burckhardts war nicht viel humaner als das Athen des Sokrates …
Wölfflin, noch achtzehn, schreibt, womit er belegt, dass nicht nur Denken, sondern sogar Forschen ohne Metaphysik noch 1883 einem Intelligenten unmöglich, wenn nicht ruchlos schien: Das Wanken und Schwanken nimmt täglich zu. Zu den Studien, die so getrieben werden, kann ich mein Leben nicht hingeben. Da ist J. B.: eine Weltgeschichte, hübsch erzählt, aber ohne metaphysischen Hintergrund. Das Prinzip: alles sagen, wie es wirklich war … Diese Geschichte hat überhaupt
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keinen Zweck. Sie ist ein Schauspiel, ein Theater, wo alles bunt durcheinandergeht. Das Ganze gewinnt erst Seele, wenn man nach einem Prinzip beobachtet. «Die Weltgeschichte ist ohne Weltregierung nicht verständlich»: W. von Humboldt. Dies ist der wissenschaftliche Standpunkt.
Nein, der theologische! Wie denn ja auch Hegel als Theologe sprach, nicht als Philosoph, jedenfalls über Geschichte. Da Humboldt – und mit ihm seine ganze Generation, auch die meisten der vorangegangenen Generationen «Weltgeschichte ohne Weltregierung nicht verständlich» fanden – wer verstände sie! –, so erfanden sie, eine Weltregierung müsse sie leiten … die Hegel dann sogar «die Vernunft» genannt hat, ab 1822. Und wie schon Wölfflins Vater als Altphilologe naturwissenschaftliche Methoden auch für die Philologie gesucht hatte, so nun auch sein Sohn, noch achtzehn, für die Geschichte: Wahrhaftig, die Physik muß einem doch imponieren mit ihren abgeschlossenen, ewig gültigen Gesetzen, gegenüber dem ewig schwankenden Bild der Geschichte, das jeder anschaut, und wo doch nichts herausgekommen ist bis jetzt. Man muß unbedingt neue Elemente in die Masse bringen und sie in einem Teig analysierend wirken lassen, vor allem aber davon fernhalten, was nur subjektive Ansicht ist und nicht bewiesen werden kann.
Aber noch mit achtzig, kaum nötig das zu sagen, wusste Wölfflin ‹natürlich› so wenig wie jeder andere, welche «neuen Elemente» im Teig der Geschichte und wie sie «analysierend wirken» könnten. Seiner Kritik als Jüngling an Burckhardt muss man zugute halten, dass er als Student die Weltgeschichtlichen Betrachtungen nicht miterlebte, da Burckhardt seine Vorlesung Über das Studium der Geschichte, aus denen Oeri sie erst 1905 herausgab, nur zweimal und zum letzten Mal schon zehn Jahre bevor Wölfflin Student wurde, gehalten hat. Doch nach drei Semestern in München zieht Wölfflin wieder nach Basel. «Heute morgen genoß ich die erste Stunde von Burckhardt», schreibt der nun Neunzehnjährige 1884 – und weggefegt ist sein bisheriges Vorurteil, das noch das seiner Epoche war, Philosophie müsse System haben, ja Metaphysik sein. «Welche Fülle der Gedanken! und welche Philosophie, die die Erfahrung eines langen Lebens zum Fundament hat! Es ist wunderbar!» Burckhardt ist sechsundsechzig und wird wenige Wochen später seinem Studenten anlässlich eines Pfingstspaziergangs von Grenzach nach Basel 19
in der Nacht «klagen, die Natur habe ihm das Verständnis der Philosophie versagt, Hartmann sei leichter zu lesen als Schopenhauer, allein er verstehe auch Hartmann nicht. Plato und Aristoteles lese er nur, um das Zeitliche herauszufinden, nicht um dessen willen, was die Philosophen selbst für ewig gehalten». Doch in Briefen hat Burckhardt meist nur «der Philosoph» gesagt, weil jeder wusste, für Burckhardt gäbe es nur den einen: Schopenhauer. Und ihn las er stets, denn: Mir kommt immer mehr vor, er habe für unsere Zeit eine wahre spezielle Sendung gehabt. Je mehr die Illusionen des seit 1830 dominierenden ‹Fortschrittes› schwinden, desto wohltätiger ist es, daß einer uns im Zusammenhang sagt, was überhaupt alles zum Reich der Täuschungen gehört und wie man den eitlen Hoffnungen zur rechten Zeit entsagen könne. Ihm gegenüber nun das furchtbare Reich dieser Welt, der sich allerwärts aufbäumende, erbarmungslose Optimismus … Am Ende wird die Weltschlacht zwischen Optimismus und – nicht Pessimismus, sondern nur Malismus (verzeihen Sie das fade Wort) geschlagen werden. Das sind keine bloßen Träume.
Wir haben diese Schopenhauer-Zeichnung Burckhardts gewählt – es gibt viele –, weil sie auch sein Selbstbildnis ist und genau definiert, was er unter einem Philosophen verstand; mitunter sagt er sogar Briefpartnern, aus welchen Erfahrungen, die ihm zuteil geworden, ‹der Philosoph› ergänzt werden könne um einen neuen Abschnitt. Preen hat er Silvester 1872 ausdrücklich dazu aufgefordert, das ebenfalls durch schriftliche Betrachtungen zu tun. Einen Sonntag, nachdem Burckhardt auf dem Heimweg aus dem Weinhaus seinem Studenten gesagt hatte – ich glaube: als Warnung, denn alsbald wird er ihm abraten von Philosophie –, selbst Plato lese er nicht wegen dessen Philosophie, sondern nur, um dessen Epoche zu verstehen, notiert Wölfflin Burckhardts Klage über das moderne historische Studium. Man müsse sich in den archivalischen Schutt vergraben … Der Philosoph, bemerkte er, indem er sich mit der Frage an mich wandte, ob ich bei der Philosophie bleiben wolle, hat das nicht nötig. Er wählt sich sein Gebiet, wo er will, nur die antike Kultur muß er sich angeeignet haben.
Noch glaubt Wölfflin, Philosophie sei die Grundlage für jede höhere Kulturgeschichte, glaubt es unter dem Einfluss seines 20