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Gut zum Druck!

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Schwabe Verlag Basel www.schwabeverlag.ch

Schwabe Schwabe

GUT ZUM DRUCK!

GUT ZUM DRUCK!

Corina Lanfranchi

Corina Lanfranchi

Streifzüge durch 525 Jahre Druck- und Verlagsgeschichte in Basel

Streifzüge durch 525 Jahre Druck- und Verlagsgeschichte in Basel


Corina Lanfranchi

GUT ZUM DRUCK! StreifzĂźge durch 525 Jahre Druck- und Verlagsgeschichte in Basel

Schwabe Verlag Basel


Copyright © 2013 Schwabe AG, Verlag, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Lektorat: Nana Badenberg Gestaltung: Thomas Lutz Schrift: FF Scala, Corpid C1 Gesamtherstellung: Schwabe AG, Muttenz/Basel, Schweiz Printed in Switzerland ISBN Printausgabe 978-3-7965-2917-7 rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch


Inhalt

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Zum Geleit

13

Einleitung

Erste Station: St. Johanns-Vorstadt 19–21 19

Mit Johannes Petri fängt alles an

42

Ein frühes Buch der Universität Basel: Die Matrikel der theologischen

Fakultät (Martin Wallraff)

Zweite Station: Weisse Gasse 28

55

Adam Petri: Ein Drucker für Luther

70

Druckermarken der Petrinischen Offizin

77

Aus Petri wird Henricpetri: Die Druckerei geht in die dritte Generation

104

Mitten in der Gutenberg-Galaxis (David Marc Hoffmann)

Dritte Station: St. Alban-Vorstadt 17 117

Sebastian Henricpetri: Das Ende einer Dynastie

136

Der Basler Buchdruck von 1500 bis 1700: Versuch eines Überblicks

(Urs B. Leu)

Vierte Station: Marktplatz 16 149

Wechselnde Besitzverhältnisse

168

Lob der schweizerischen Buchkunst (Wulf D. v. Lucius)

Fünfte Station: Schwanengasse 2 / Spiegelgasse 13 179

Decker, Schweighauser, Schwabe: Aufbruch in neue Zeiten

208

Jacob Burckhardt: Der Autor und sein Geschichtsdenken

(Leonhard Burckhardt)

215

Benno Schwabe: Mit Bedacht in die Zukunft

240

Eine erste Blütezeit der Enzyklopädie: Nachschlagewerke in der Schweiz

des 17. und 18. Jahrhunderts (Marco Jorio) 5


Sechste Station: Klosterberg 27 251

Aufbruch ins 20. Jahrhundert

270

Ein Bücherschicksal in schwierigen Zeiten

302

Medizin im Druck: Eine Kurzgeschichte in sieben Buchporträts

(Iris Ritzmann)

Siebte Station: Steinentorstrasse 13 317

Petrihof: Der Verlag findet seinen heutigen Sitz

346

Das Historische Wörterbuch der Philosophie: Eine Erfolgsgeschichte

(Annemarie Pieper)

Achte Station: Muttenz, Farnsburgerstrasse 8 355

Vom Basler Bleisatz zum Muttenzer E-Publishing: Der Weg

in die digitale Zukunft

368

Vom Bleisatz zum digitalen Publizieren (Ruedi Bienz)

380

Die digitale Revolution in der Buchproduktion: Von der Satzautomation

zum E-Publishing (Michael Düblin)

386

Ein neuer Verlag (Natalie Marty)

Neunte Station: Steinentorstrasse 11 397

Das Schiff ist auf gutem Kurs!

404

Blick in die Zukunft: Publishing heute und im Jahr 2088

(Mike Friedrichsen)

Anhang 4 1 3

Zeittafel

417

Literaturverzeichnis

420

Abbildungsverzeichnis

431

Zu den Autorinnen und Autoren der Gastbeiträge

6


Gewidmet ist dieses Buch allen Freundinnen und Freunden unseres Hauses, den uns zugewandten Spezialisten in Redaktionen, Institutionen und Gremien, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und allen, die uns auf dem Weg ins Jahr 2088 unterstĂźtzen.


Zum Geleit

525 Jahre – das ist eine stolze Zeitspanne! Doch ein Jubiläum legitimiert sich nicht nur aus der reinen Anzahl an Jahren, sondern vielmehr aus den Inhalten, der Geschichte und den Geschichten, mit denen diese angefüllt sind. Wir haben das Glück, dass uns von der langen Ahnenreihe engagierter und renommierter Druckerverleger ein Unternehmen hinterlassen wurde, das mit einer Fülle von Inhalten aufwarten kann. Hiervon zeugt bereits die monumentale, zweibändige und über 2000 Seiten starke Schrift von Frank Hieronymus 1488 Petri – Schwabe 1988, erschienen zum 500-Jahr-Jubiläum vor 25 Jahren, die an vielen Stellen als Grundlage für die vorliegende Publikation Gut zum Druck! diente. Mit der aktuellen Veröffentlichung versuchen wir nun, ein Vierteljahrhundert später, die gewichtigen wissenschaftlichen Befunde von Frank Hieronymus in leicht lesbare Geschichten zu verpacken, besondere Begebenheiten, amüsante, ernste, heitere Episoden zu erzählen und den Weg des Unternehmens nicht nur verlegerisch, sondern auch geografisch nachzuzeichnen. Die entstandene Erzählung, angereichert durch spannende Fensterbeiträge aus ­verschiedenen themenverwandten Bereichen, berichtet nicht nur die Geschichte unseres Unternehmens, sondern ist auch eine kleine Geschichte des Basler Buchdrucks. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen! Aber was ist schon ein Jubiläum, wenn es bei einem Rückblick auf Vergangenes verbleibt, ohne dass sich daraus Perspektiven für die Zukunft ergeben? Der vorherige Firmeninhaber Christian Overstolz hat zusammen mit seiner Schwester Margret Fröhlich 1988, zum 500-jährigen Bestehen der Firma, eine Nachfolgeregelung initiiert, mit der er den Grundstein für die Gegenwart gelegt hat. Er hat das Unternehmen treuhänderisch an damals junge Mitarbeiter übergeben, denen er die Fähigkeit zusprach, Schwabe in die Zukunft zu führen. Die Aufgabe, die wir uns damals stell9


ten, formulierte ein über unsere Zeit hinausgehendes Ziel: Schwabe, so der noch immer gültige Wunsch, soll im Jahre 2088 auch das 600-JahrJubiläum feiern können als ein stolzes, selbständiges Unternehmen mit qualitativ hochwertigen Produkten und als Firma, die ihre soziale Verantwortung wahrnimmt und gute Arbeitsplätze bietet. Eine ambitionierte Zielsetzung in diesen Zeiten des Umbruchs. Wenn wir aber, was wir bei der Erarbeitung dieses Buches oft gemacht haben, in die Vergangenheit blicken, merken wir, dass nicht nur wir mit wirtschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Umwälzungen konfrontiert sind. Die Geschichte unseres Unternehmens liest sich über weite Strecken wie ein Abenteuerroman mit ungewissem Ausgang. Oft schon in den vergangenen 525 Jahren waren der Fortgang und die Ausrichtung des Unternehmens nicht klar abzusehen. Immer wieder stellten sich unseren Vorgängern grosse, kaum zu überblickende Probleme in den Weg. So schrieb zum Beispiel Ende der 1930er Jahre Benno Schwabe: «Heute dürfte das Schicksal des Buches mehr als unsicher, ja gefährdet sein. Trotzdem glauben wir, das Verlegen nicht einstellen zu sollen» (siehe Seite 267). Noch immer glauben wir an die Zukunft von relevanten, seriös erarbeiteten und aufbereiteten Inhalten. Das Buch, ob in gedruckter oder elektronischer Form, ist und wird weiterhin ein Träger dieser Inhalte sein. Wir wissen, dass wir heute wie auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten grossen technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen ausgesetzt sind. Wir werden uns, wie schon unsere Vorfahren, beständig den Zeichen der Zeit anpassen müssen oder – je nach Sichtweise – weiterentwickeln dürfen. Wir freuen uns auf neue Herausforderungen und werden als gesundes Unternehmen mit heute rund 170 gutausgebildeten und motivierten Fachleuten im Hause sowie einer grossen Zahl von uns zugewandten Spezialisten in Redaktionen, Insti­ tutionen und Gremien ausserhalb in die Zukunft gehen. Um den Weg dorthin zu skizzieren, um uns Leitlinien zu setzen und die Ziele, die wir erreichen wollen, greifbar und vorstellbar zu machen, haben wir folgende Grundsätze für unser Handeln festgelegt: – Die langfristige qualitative Entwicklung des Unternehmens steht über kurzfristiger Gewinnoptimierung. – Qualitatives Wachstum steht über quantitativem Wachstum. – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Geschäftspartnerinnen und -partner, Autorinnen und Autoren sind unser wichtigstes Zukunftspotential. 10


– Der Erhalt sicherer Arbeitsplätze zu fairen Arbeitsbedingungen ist ein zentraler Punkt unserer Unternehmenspolitik. – Die erzielte Rendite soll die Unabhängigkeit der Firma sicherstellen. – Ethisches Handeln und ökologische Verantwortung prägen unsere Entscheide. Mit diesen Vorgaben sind wir heute unterwegs, um das Ziel «600 Jahre Schwabe» im Jahre 2088 zu erreichen. Wir gehen diese Aufgabe optimistisch und mit Freude an. Nun gilt es zu danken: Ein erster und besonderer Dank geht an Dr. Christian Overstolz und seine Frau Angelika, die mit uns in dem Jahrzehnt zwischen 1988 und 1998 unbeirrbar und gegen alle Widerstände den Weg zu einer zukunftsgerichteten Nachfolgeregelung gesucht und gefunden haben. Ein weiterer Dank geht an alle an diesem Buch beteiligten Personen, insbesondere an die Autorin Corina Lanfranchi und die Lektorin Nana ­Badenberg sowie an Thomas Gierl und Walter Tinner, ohne deren Engagement diese Publikation nicht in dieser Form zustande gekommen wäre. Gedankt sei ferner allen Freundinnen und Freunden unseres Hauses, die uns an den verschiedensten Orten zuverlässig unterstützen und begleiten. Ebenso allen Autorinnen und Autoren, die unser auf Langfristigkeit, Partnerschaftlichkeit und Seriosität aufgebautes Geschäftsmodell mittragen. Und schlussendlich gilt mein Dank den Kolleginnen und Kollegen im Verwaltungsrat und in der Geschäftsleitung von Schwabe sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Schwabe AG sowie des Tochterunter­ nehmens EMH Schweizerischer Ärzteverlag AG. Sie alle ermöglichen mit ihrer Arbeit und ihrem täglichen Einsatz das Erreichen der gesetzten Unternehmensziele.

Ruedi Bienz Inhaber, Vorsitzender der Geschäftsleitung

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2013 feiert die Schwabe AG ihr 525-jähriges Bestehen. Ein würdiger Anlass, das älteste heute noch bestehende Druckund Verlagshaus der Welt mit einem Jubiläumsbuch zu ehren! Doch wie können 525 Jahre Verlags­geschichte knapp und bündig erzählt werden und dann noch so, dass die Ereignisse von damals das Interesse von heute wecken?


Einleitung

Bücher transportieren Gedanken über alle denkbaren Grenzen hinweg. Mit Büchern lässt sich durch das Reich der Ideen und Imaginationen, durch fremde Welten und ferne Zeiten reisen. Bücher sind somit recht eigentlich ein Transportmittel, doch das, was sie transportieren, wird ihnen durch die Druckerpresse eingeprägt. Und dazu braucht es Drucker und Druckereien (mit ihrer schwergewichtigen Ausstattung an Bleilettern und Maschinen). Zumindest noch in jener Zeit, als Johannes Petri im Ackermannshof in der St. Johanns-Vorstadt begann, Bücher zu drucken. So entstand denn auch die Idee zu diesem Jubiläumsband: reisend die verschiedenen Orte aufzusuchen, an denen die Druckerdynastie der Petri und ihre Nachfolger mit dafür sorgten, dass Basel eine der bedeutendsten Druckstädte Europas wurde und blieb. Auf dem Weg zu diesen Orten begegnet man nicht nur Häusern und ihren Geschichten, sondern gelangt auch in unterschiedliche Zeiten: Was passierte damals hinter diesen Mauern, wie lebte es sich in dem Gebäude, das einst an dieser Stelle stand? Eine dergestalt angelegte Spurensuche wird zu einer Stadttour, und so will das Jubiläumsbuch auch gelesen werden: als eine Art «Bücherreise», die von Station zu Station führt, vom Ackermannshof in die Weisse Gasse, von dort in die St. Alban-Vorstadt, zum Blumenrain nahe der Schifflände und an den Klosterberg, schliesslich sogar nach Muttenz und zurück an die Steinentorstrasse. Alles Schauplätze, an denen Buchgeschichte geschrieben wurde. Die Hauptakteure in diesem Reiseszenario sind natürlich die ­Bücher, die an den jeweiligen Orten verlegt und gedruckt wurden. In Anbetracht der jahrhundertealten Backlist ist die Auswahl nicht leicht gefallen. Herausgegriffen wurden Werke, anhand deren sich Geschichten ­erzählen lassen – über die Schreibenden, die Druckenden, die Verlegenden und nicht zu13


letzt über die Zeit, in der sie entstanden sind. Mit Bildern und ­Fotografien ausgestattet, will das Jubiläumsbuch zu einem visuellen Spaziergang einladen, es will aber auch als Einladung verstanden werden, mit dem Buch in der Hand durch die Stadt zu flanieren und die Orte all jener Buch­ geschichten aufzusuchen, ohne die unsere Gegenwart wohl anders wäre. Angereichert wird der Erzählstrang dieser Bücherreise mit verschiedenen Gastbeiträgen, in denen die Autorinnen und Autoren spezifische Aspekte der Druck- und Verlagsgeschichte beleuchten und dabei Fenster aufstossen in ihre Spezialgebiete. Kein Buch ohne Dank. Dieser gebührt an allererster Stelle Frank Hieronymus. Für die vorliegende Jubiläumsschrift war seine voluminöse Verlagsgeschichte 1488 Petri – Schwabe 1988 (erschienen 1997, natürlich bei Schwabe) eine wahre Fundgrube. Kein Buch ohne genaue Leser: Ein grosser Dank geht an Walter Tinner für sein sorgfältiges Nach-Lesen und an Nana Badenberg für ihr engagiertes Lektorat. Weiter möchte ich der Universitätsbibliothek Basel für das unermüdliche Anschleppen der schwergewichtigen Werke danken; ein besonderer Dank geht dabei an Lorenz Heiligensetzer, Ueli Dill und Samuel Burri, die auch mithalfen, so manch ein Rätsel zu lösen, das die alten Handschriften bargen. In ausführlichen Interviews und Gesprächen steuerten viele ihre Erinnerungen und ihr Detailwissen zur Verlagsgeschichte bei – namentlich genannt seien Christian Overstolz, Ruedi Bienz und der inzwischen leider verstorbene Josef Niederberger. Unschätzbar auch die Hilfe all jener, die hier nicht ­eigens angeführt werden können und die doch spontan und engagiert auf Anfragen reagierten und Sachwissen beisteuerten. Ihnen sei ebenso ­gedankt wie den Institutionen und Personen, die bereitwillig Bildmaterial zur Verfügung stellten. Schliesslich danke ich David Marc Hoffmann und Thomas Gierl, die die Idee zum Jubiläumsbuch kreiert haben, sowie der Geschäftsleitung für das schöne Mandat, das 525-jährige Bestehen der Schwabe AG mit einem Jubiläumsbuch ehren zu dürfen. Basel, im Frühjahr 2013

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Corina Lanfranchi


Erste Station: St. Johanns-Vorstadt 19–21


A ist der erste Buchstabe im Alphabet: A wie «Ackermannshof», «Amerbach», «Ambrosius», «Augustinus» oder – «Anfang». Den Anfang der fünfhundertfünfundzwanzigjährigen Geschichte der Firma Schwabe AG bestreitet Johannes Petri. Der Drucker­ geselle aus Langendorf kommt um 1480 nach Basel. Er kommt gerade rechtzeitig: Die Stadt ist dabei, zu einer renommierten Druckerstadt zu werden. Zusammen mit seinen Kompagnons Johannes Amerbach und Johannes Froben druckt Petri die Schriften

der namhaften Kirchenväter. Gewirkt und gelebt hat Johannes Petri im Ackermannshof, einem geschichtsträchtigen Haus in der St. Johanns-Vorstadt.


Mit Johannes Petri fängt alles an

Basel im Herbst 2011. Nach einer langen Umbauphase öffnet der Acker­ mannshof an der St. Johanns-Vorstadt sein schweres hölzernes Tor. Ein frischer Wind weht durch die altgediente Liegenschaft. Statt der Drucker und Setzer, die sich zu Johannes Petris Zeiten während zwölf Stunden täglich über Setzkasten und Presse beugten, haben sich jetzt Architekten, Künstler und Musiker, aber auch Verleger in den geschichtsträchtigen Räumen eingerichtet und verleihen dem Haus eine neue Note. Der Ackermannshof will ein Ort der Begegnung sein, an dem Zukunftsgedanken gesponnen und Projekte lanciert werden, an dem gewerkt und gewirkt wird und dazwischen an weissgedeckten Tischen gut zu speisen ist. Als kultureller Treffpunkt will das traditionsreiche Haus seine Geschichte weiterschreiben – eine Geschichte, die im 14. Jahrhundert ihren Anfang nahm. Damals errichtete Hans Ackermann nahe am Rhein sein Fischerhäuschen; die älteste erhaltene Urkunde belegt den Bau bereits für 1325. Das Haus wurde etappenweise mit neuen Gebäuden verbunden, bis Ende des 16. Jahrhunderts daraus ein dreiteiliger und ­dreigeschossiger Komplex entstanden war. Im 17. Jahrhundert erfolgte ein weiterer Anbau mit Hofeinfahrt. Durch die Jahrhunderte wurden die verschiedenen Gebäudeteile, je nach den Bedürfnissen der jeweiligen Besitzer, immer wieder um- und neugestaltet. So ist der Ackermannshof heute ein bauliches Denkmal, das fünfhundert Jahre Hausgeschichte und -geschichten dokumentiert: Über 40 Besitzer lebten hier – darunter der Seidenbandbaron Hans Balthasar Burckhardt-Beck –, und alle haben ihre Spuren hinterlassen.

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1-1

Abb. 1-1 bis 1-5 Als wäre es geplant: Rechtzeitig zum 525-Jahr-Jubiläum hat der vom Büro LOST Architek­ten sanft renovierte Ackermannshof seine einladende Toreinfahrt neu geöffnet und präsentiert sich in frischem Glanz. Mittelalterliche Bauspuren verbinden sich mit neuzeitlichen, zwei helle Lichthöfe markieren das Zentrum des Kulturhauses mit alter Tradition. Vorderhaus, Festsaal, Druckerei und Setzerei wurden baulich kaum verändert. Als Reminis­zenz an die Geschichte des Hauses: der prominent in der Wand eingelassene Schriftzug Setzerei. Über ein neues Treppenhaus wird diese nun erschlossen, in den Räumen befinden sich heute, branchenverwandt, der Rudolf Steiner und der Futurum Verlag. Im ersten Stock im Vorderhaus, dem ältesten Teil des verwinkelten Gebäudekomplexes, sollen die Damen einst von den gemauerten Fensterbänkchen dem Treiben auf der Strasse zuge­sehen und dabei freie Sicht auf den Schwarzwald genossen haben.

Ein Augenschein vor Ort Tritt man zwischen den alten Steinmauern und der neuen Betonwand in den offenen Lichthof, befindet man sich im Zentrum des verwinkelten Häuserensembles. Die Stufen im neu angebauten Treppenturm führen zum Futurum und zum Rudolf Steiner Verlag. Die grosse Fensterfront erlaubt einen Blick auf den verschachtelten Gebäudekomplex: Man sieht das ehemalige ­Atelier des Künstlers Dieter Roth, dahinter zeigt sich das Glasdach der einstigen Volksdruckerei, die auch als Besitzerin lange Zeit 20


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