00 Percussionklasse CMJ Korr_Percussionklasse 19.12.2012 10:37 Seite 3
Inhalt
Vorwort
4
Vorbereitung
6
Schlagzeug
16
Afro-Percussion
26
Brasil-Percussion
44
Stabspiele
66
Didaktische Hinweise/Kopiervorlagen
73
DVD-Trackliste
96
Vorgeschichte • Zielsetzung • Danksagung
Konzept der Musikklasse • Planungsphase • Vorbereitung • Räumlichkeiten • Instrumentenausstattung • Curriculum
Einstieg und Motivation • Übungen zur Unabhängigkeit • Schlägelhaltung und Bewegungsablauf • Rudimentals • Rhythmen • Rhythmusbaukasten
Instrumente • Schlagtechniken für den Anfang • Arrangement: Kpanlogo • Arrangement: AZA
Instrumente • Arrangement: Ijexá • Levada 1 und 2 • Signale und Zeichen für das Ensemblespiel • Arrangement: Samba-Reggae • Breaks
Mallet-Arrangement für Kpanlogo • Mallet-Arrangement für Ijexá
Schülerbeobachtung • Leistungsbewertung
3
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Vorbereitung So wie jede Unterrichtsstunde beim Trommeln mit einem Einstieg beginnen sollte, der die Schüler körperlich und mental auf das Trommeln vorbereitet, soll auch hier ein Lied und Rhythmusspiel an den Anfang gestellt werden.
Dieses Lied entstand unmittelbar aus meiner Unterrichtsarbeit: Schüler und Schülerinnen der Klasse 5a des Jahrgangs 2011/12 haben den Text selbst erfunden und gemeinsam mit mir die Spielideen und -regeln für den Einsatz des Liedes immer weiter entwickelt.
Warmup
1
DVD
Klasse 5a der Anne-Frank-Realschule Bochum
Arbeitsweisen mit diesem Lied
In der Kreisaufstellung sind diverse Varianten vorstellbar, mit diesem Lied „warm zu werden“: Der Lehrer spricht vor, die Schüler sprechen nach. Ein Schüler spricht vor, alle anderen sprechen nach. Bunte Becher oder Gegenstände sowie ein roter Becher/Gegenstand werden im Beat herum gegeben. Wer den roten Becher hat, ist der Vorsprecher. Wer pünktlich zur nächsten Zeile (Zählzeit Vier der Antwort) den Becher bekommt, ist mit der nächsten Zeile dran. Verschiedene Körperpercussion-Elemente werden parallel dazu angewendet: im Sitzen nur im Beat stampfen oder im Stehen zum Beat laufen, dazu die oben beschriebenen Abläufe, die Antwort nicht als Nachsprechen des Textes, sondern durch Klatschen des Rhythmus geben, das Klatschen wird ersetzt durch Patschen auf Brust oder Oberschenkel oder durch Schnipsen, jedem Schüler eine Zeile des Liedes zuordnen; die betreffenden Schüler antworten nur dann, wenn die entsprechende Zeile gesprochen wird, statt des Klatschens oder Patschens Kleinpercussioninstrumente verteilen, auf denen die Antwort gespielt wird.
Die obige Auswahl ist längst nicht vollständig und lässt doch bereits erkennen, wie groß die Variationsmöglichkeiten sind. Jede Lerngruppe ist anders, manche sind kreativer und erfinden in einem fort neue Möglichkeiten, andere sind vorsichtiger und wollen bei einer Sache lange bleiben, bevor gewechselt wird. Unterstützen Sie als Lehrperson in jedem Falle den kreativen Umgang mit solchen Warmups und erlauben Sie ihren Schülern, sie sich durch kreative Umwandlung zu eigen zu machen!
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Vorbereitung
Konzept der Musikklasse
E
s gibt drei Modelle des Musizierens im Klassenverband: Klassenmusizieren, erweiterter Musikunterricht und Musikklasse. Als Klassenmusizieren werden dabei alle Tätigkeiten des aktiven Musizierens verstanden, die gemeinsam mit der ganzen Klasse durchgeführt werden, unabhängig von ihrem zeitlichen oder organisatorischen Rahmen. Der Begriff erweiterter Musikunterricht meint ein besonderes, gegenüber der Stundentafel quantitativ erweitertes Angebot, das z. B. im Rahmen von Wahlpflichtunterricht oder besonderer Organisationsformen geschaffen werden kann. Der Begriff Musikklasse bezieht sich auf eine spezielle Form des erweiterten Musikunterrichts, in der alle Schüler einer Klasse ein Instrument erlernen. Musikklassen sind für das Schulleben und die Außenwirkung der Schule von großer Bedeutung. Sie tragen ganz wesentlich zur Identität der Schule bei. Schüler profitieren in vielfältiger Hinsicht von den Angeboten einer Musikklasse. Im Einzelnen wären zu nennen: Förderung von Erlebnisfähigkeit und Freude am schulischen Lernen Förderung der Körpersensibilität Steigerung der Konzentrationsfähigkeit Training der Wahrnehmungs- , Improvisations- und Merkfähigkeit neue Körper- und Stimmerfahrungen durch Bodypercussion und Vocussion erleben Aktivierung und Vernetzung der Hirnhälften sowie unterschiedlicher Hirnareale Förderung sozialer Kompetenzen interkulturelles Lernen durch Kennenlernen der Musikkulturen Afrikas (traditionelles Trommeln, Tanzen und Singen), Lateinamerikas (Samba, Capoeira) und Europas (traditionelle Rhythmen und Tänze verschiedener europäischer Länder).
Beispiel einer Musikklasse
An der Anne-Frank-Realschule in Bochum entspricht die Musikklasse den oben genannten Kriterien. In den Klassen 5/6 bekommen die Schülerinnen und Schüler zwei Stunden (2 x 45 Min.) zusätzlichen Musikunterricht. Die zwei Stunden berechnen sich wie folgt: Die erste der beiden Stunden wird aus dem Deputat der vorhandenen Wahl-Pflicht-AG bezogen. Die zweite Stunde kommt aus dem Pool der Hausaufgabenstunden. Für Materialkosten (Schlägel,
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Bild oben: Percussion-Schüler der Klasse 5 der AnneFrank-Realschule, Bochum.
Zwei Stunden zusätzlicher Musikuntericht
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D
Schlagzeug
er Begriff Schlagzeug ist missverständlich. Zum einen versteht man darunter die ganze Gruppe der Instrumente, wie sie im großen Orchester eingesetzt wird, zum anderen umgangssprachlich das Instrument, wie es in der Unterhaltungsmusik verwendet wird. Neudeutsch hat sich für das Schlagzeug, das in der Rock und Popmusik verwendet wird, die Bezeichnung „Drumset“ durchgesetzt.
Entwicklung
Becken
Hihat
In Amerika entwickelte sich das Drumset in den letzten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts aus den in den Militärkapellen vorhandenen Instrumenten: große Trommel, kleine Trommel und Becken. Die zu jener Zeit existierenden Militärorchester erfreuten sich großer Beliebtheit und stellten für breite Bevölkerungsschichten die einzige Möglichkeit dar, Musik zu hören. Die ersten Drumsets, die nur von einem Musiker gespielt wurden entstanden in dieser Zeit. Möglich wurde dies durch die Erfindung der ersten Fußmaschine, etwa um die Jahrhundertwende und später, ca. 1925, durch die Erfindung der ersten Hihat-Maschine. Richtig bekannt wurde die Hihat in den 20er Jahren durch den „Charlston“-Tanz, der in Deutschland der Hihat den Namen Charlston-Maschine einbrachte.
Hänge-Tomtom
Snare Drum Bass Drum
Stand-Tomtom
Fußmaschine
Aufbau und Bezeichnungen
Das Drumset ist eine Kombination von verschiedenen Schlaginstrumenten, die von einem einzigen Spieler bedient werden. Es ist also im Grunde kein Instrument, sondern eine Zusammenstellung von Instrumenten. Jeder Schlagzeuger stellt sich sein Set individuell zusammen. Es gibt jedoch so etwas wie eine allgemein anerkannte „Grundausstattung“:
Die Bass Drum (große Trommel) steht direkt vor dem Spieler. Sie wird mit einer Fußmaschine (rechter Fuß) gespielt und gibt dem Rhythmus das nötige Fundament. Die Snare-Drum (kleine Trommel) ist identisch mit der kleinen Trommel des Orchesters. In Rock-und Popmusik spielt sie gewöhnlich den Backbeat, die Betonungen der 2. und 4. Zählzeit im 4/4-Takt. Die Hihat ist ein Doppelbecken auf einem Ständer. Mit einem Fußpedal (mit links gespielt) wird das obere Becken gegen das untere geführt. Normalerweise wird die Hihat - geöffnet oder geschlossen - mit dem Trommelstock der rechten Hand gespielt. Die Tom-Toms sind holzwandige Trommeln in einer Größe von 6 bis 18 Zoll, in der Regel mit einem Resonanzfell bestückt. Je nach ihrer Anbringung unterscheidet man zwischen Hängetomtom (oder High Tom-Tom) und Standtomtom (oder Low Tom-Tom). Diverse Cymbals (Becken) sind die teuersten Teile eines Drumsets, bestehend aus einer geschmiedeten Messinglegierung. Man unterscheidet vor allem zwei Beckenarten, das laute CrashBecken für Akzente und das Ride-Becken für einen durchgehenden Rhythmus. Gespielt wird das Drumset für gewöhnlich mit Schlägeln aus Holz (Sticks) oder Besen.
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Schlagzeug
Einstieg und Motivation Die im Folgenden beschriebene Methode, das Schlagzeugspiel aufbauend zu vermitteln, geht davon aus, dass alle Schülerinnen und Schüler Anfänger ohne Vorkenntnisse sind. Daher mag für den einen oder anderen die Vorgehensweise zu kleinschrittig sein, denn mancher hat vielleicht doch Vorkenntnisse oder ist einfach ein Naturtalent. Die Erfahrung zeigt aber, dass die unabhängige Koordination der Gliedmaßen um so leichter fällt, je mehr Zeit in die Grundlagen investiert wird. Natürlich bleibt es aber jedem selbst überlassen, die eine oder andere Übung zu verkürzen oder ganz wegzulassen oder die Reihenfolge der Übungen zu variieren. Großartig motiviert werden für das Schlagzeugspielen müssen Schüler einer 5. oder 6. Klasse meist nicht - jeder will Schlagzeug spielen können! In der Anfangsphase sind manche allerdings etwas schüchtern, daher hat sich der folgende Einstieg bewährt:
1. Phase
Die Schüler sitzen im Stuhlkreis, das Drumset ist Bestandteil des Kreises. Jeder Schüler muss sich nun einmal hinter das Drumset setzen und die Füße auf die Pedale stellen. Jeder Schüler darf dabei für ein kurze Zeit (ca. 10-15 Sekunden) ausprobieren und auf dem Instrument spielen. Darauf folgt ein kurzer Erfahrungsaustausch: Höreindrücke, Vorurteile und die gemachte Erfahrung werden reflektiert und thematisiert.
2. Phase
Es folgt ein kleiner Vortrag über Aufbau und Geschichte des Drumsets. Ein Arbeitsbogen für die Schüler enthält die wichtigsten Fakten und eine Übersicht über die Bezeichnungen der Einzelteile des Drumsets.
3. Phase
Die unabhängige Koordination der Gliedmaßen sollte zunächst ohne Schlägel trainiert werden. Zunächst kann man dazu einige Vorübungen im Stehkreis durchführen, die meist für Heiterkeit im Klassenraum sorgen: Mit der rechten Hand über den Bauch kreisen/reiben, dabei mit der linken Hand leicht auf den (eigenen) Kopf klopfen, dann die Hände tauschen. Mit der rechten Hand im Beat auf den Oberschenkel schlagen, dabei mit der linken Hand winken, schütteln oder sonstige Faxen machen, dann die Hände tauschen.
Nach den Vorübungen folgen die eigentlichen Unabhängigkeitsübungen im Sitzkreis. Am besten legt man dazu ein nicht zu schnelles Musikstück auf, beispielsweise einen Oldie wie Lady in Black von Uriah Heep, um sich Diskussionen über die Vorlieben der Schüler zu ersparen. Die Schüler sitzen locker, aber gerade auf den Stühlen, die Arme hängen herunter, die Beine sind leicht gespreizt (die beiden Hände passen mit abgewinkelten Daumen zwischen die Knie), die Füße stehen parallel zu einander auf dem Boden. Die Übungen durchläuft man am besten in der angegebenen Reihenfolge und relativ schnell hintereinander, also z. B. während der Dauer eines Musiktitels. Sie bauen die Unabhängigkeit der Gliedmaßen systematisch auf und können als Einstieg in eine Schlagzeugstunde immer neu wiederholt werden. Zur Unterstützung kann die Lehrperson die jeweils angesprochenen Gliedmaßen benennen (siehe Kästen auf der gegenüberliegenden Seite). Wenn es hilft, dürfen die Schüler natürlich mitsprechen.
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So lassen sich die Übungen zur Unabhängigkeit am besten durchführen – im Bild unten: über Kreuz, um das Spiel auf der Hihat anzubahnen.
1
KV
Schritt für Schritt zur Unabhängigkeit
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Schlägelhaltung und Bewegungsablauf Bis hierhin haben alle Übungen ohne Schlägel stattgefunden. Die Unabhängigkeit der Gliedmaßen lässt sich ohne die Ablenkung durch die Konzentration auf die Technik des Spielens mit Schlägeln besser trainieren. Es empfiehlt sich daher, für das Training der Unabhängigkeit immer wieder zum Spiel mit den Händen zurückzukehren. Dies gilt auch, wenn beispielsweise neue Rhythmen eingeführt werden und im Allgemeinen immer dann, wenn der Fokus der Arbeit auf dem Rhythmischen und nicht auf der Spieltechnik liegen soll. Erst wenn den Schülern die Schlägelhaltung und -technik „in Fleisch und Blut“ übergegangen ist, können neue Rhythmen direkt mit Sticks eingeführt werden. Im Hauptfach Schlagzeug an der Hochschule lernt man unterschiedliche Schlägelhaltungen und Schlagtechniken. Es kann natürlich nicht das Ziel des Musikunterrichts an allgemeinbildenden Schulen sein, den Schülern diese unterschiedlichen Techniken zu vermitteln. Ziel der Percussionklasse ist es, eine Schlägelhaltung zu vermitteln, die auf fast allen im Musikunterricht verwendeten Instrumenten anwendbar ist. Die Spieltechnik und Handhabung der Schlägel soll locker, leicht und unverkrampft sein und den Schülern die weit verbreitete Vorstellung nehmen, Trommeln habe etwas mit Kraft und Anstrengung zu tun. Eine solche Spielhaltung kommt gleichzeitig der Klangentwicklung der Instrumente entgegen. Der natürliche Bewegungsablauf der einzelnen Gelenke steht im Mittelpunkt der hier vorgestellten Methode. Schrittweise betrachten wir den Bewegungsablauf der einzelnen Gelenke, angefangen bei den Fingerspitzen, über die einzelnen Fingergelenke bis hin zu den Fingerwurzeln und dem Handgelenk, fortgesetzt über das Ellenbogengelenk zur Schulter, für größte Bewegungen. 2
DVD
Bild rechts: Beweglichkeit der Handgelenke.
3
DVD
Beweglichkeit der Handgelenke
Die Schüler strecken ihre Unterarme parallel nach vorne aus, die Hände hängen locker in den Gelenken. Nun schlackern die Schüler mit den Unterarmen, wobei die Hände anfangen locker in den Gelenken zu schwingen wie beim Winken auf dem Bahnhof (siehe Bild rechts). Man muss dabei darauf achten, dass die Hände keine Kreisbewegung ausführen. Unterstützend lässt sich folgende Übung durchführen: Die Kinder legen die Hände auf die Oberschenkel (siehe S. 17). Die Hände schlagen aus dem Handgelenk, ohne dabei die Unterarme an zu heben.
Lockere Schlägelhaltung
Als nächstes legt man einen Stick vor sich hin, der Schlägelkopf zeigt nach vorn. Man nähert sich dem Schlägel von oben und greift ihn mit Zeigefinger und Daumen. Das Ende des Schlägels sollte sich in Höhe des Handgelenkes befinden (siehe Bilder unten). Diese Haltung gibt dem Schlägel eine Drehbarkeit von fast 180°.
Bilder rechts: lockere Schlägelhaltung mit Daumen und Zeigefinger.
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Schlagzeug
Der Rebound
Der Schlägel soll (außer bei einem Pressschlag) immer vom Trommelfell zurückfedertn können. Dieses Zurückfedern des Schlägels vom Fell nennt man Rebound. Der Rebound ist ein wesentliches Element der Schlägeltechnik am Schlagzeug. Mit seiner Hilfe können auch in schnelleren Tempi fließende Bewegungsabläufe kraftsparend ausgeführt werden. Um den Rebound zu unterstützen, liegt der Zeigefinger immer unter dem Schlägel und leistet dem Bewegungsablauf zwar Folge, zieht den Schlägel aber wie eine Rückholfeder immer wieder in seine Ausgangsposition zurück (siehe Bilder unten). Dieser sogenannte Rebound-Effekt ist ein entscheidender Teil der Schlagtechnik und kann nicht genug geübt werden. Nur mit Hilfe des Rebounds kann auch in hohen Tempi ausdauernd und ohne Überanstrengung gespielt werden.
Achtung, Zeigefinger!
Es ist sehr darauf zu achten, dass der Handrücken immer zu sehen ist und dass weder der Daumen noch der Zeigefinger auf dem Schlägel liegt (siehe Bild rechts). Dieses würde den oben beschriebenen Rebound (das Zurückfedern des Sticks vom Schlagfell) erschweren: Der Zeigefinger behindert dann durch sein Gewicht die rückfedernde Bewegung und fehlt außerdem unter dem Stick, um die Reboundbewegung zu führen, zu dosieren und zu stabilisieren. Da dies einer der beliebtesten Anfängerfehler ist, müssen die Schüler von Beginn an und immer wieder darauf hingewiesen werden. Meist ist es hier auch mit einem einzigen Hinweis nicht getan, sondern bedarf einer stetigen und ständigen Wiederholung. Wird den Schülern gut erklärt und demonstriert, weswegen sie den Zeigefinger nicht auf den Schlägel legen dürfen, sind sie allerdings wesentlich eher bereit, sich auf die ungewohnte Haltung einzulassen.
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Bilder links: „Rebound“ - Effekt.
Ein beliebter Anfängerfehler
Bild links: Zeigefinger niemals auf dem Schlägel.
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45-49
DVD
Brasil: Caixa
Die Caixa ist die Samba-Variante der Snaredrum. Sie ist jedoch meist etwas kleiner als die Snaredrum in einem üblichen Drumset und wird an einem Gurt über der Schulter gehalten, wie wir es von den Spielmannszügen her kennen. In der traditionellen Spielmannshaltung wird sie mit zwei Schlägeln gespielt.
Brasil: Rocar/Ganza
Caixa
Das Rocar ist ein lautes und durchdringendes Schelleninstrument. In einem Rahmen aus Aluminium wird eine große Anzahl Schellen befestigt. In den großen Sambaschulen in Rio de Janeiro ist die Größe und Lautstärke des Instruments notwendig, um sich klanglich gut durchzusetzen. Das Rocar hat fast überall die früher übliche Ganza abgelöst, ein einfaches Schüttelrohr, in dem kleine Kugeln aus Metall gegen eine Röhre aus Aluminium prallen. Beim Schütteln des Rohres ist darauf zu achten, dass das Instrument am Ende jeder Bewegung abrupt gestoppt wird, damit die Steinchen oder Kügelchen im Inneren mit einem einzigen kurzen Geräusch gegen die Innenwand stoßen.
Brasil: Agogo
Das Agogo ist eine aus Eisenblech hergestellte Doppelglocke, die mit einem Hartholzschlägel gespielt wird. Die beiden Metallglocken sind über einen Bügel miteinander verbunden und sind von unterschiedlicher Größe und damit Tonhöhe.
Ganza
Brasil: Timba
Die Timba stammt von der Surdo de Mao aus dem Samba-Pagode ab, bei dem das Instrument quer auf den Beinen liegend mit einer Hand gespielt wird. Carlinhos Brown benutzte sie in den 1980er Jahren als erster hängend über der Schulter getragen wie eine Djembe. Sie wurde zu einem prägenden Instrument des Samba-Reggae und der Afro-Blocos im brasilianischen Nordosten.
Brasil: Tamborim
Agogo
Tamborim
Das Tamborim aus der brasilianischen Percussion ist nicht zu verwechseln mit dem Tambourin, einer Schellentrommel, die in Europa und im arabischen Raum unter vielen Namen und in vielen Formen auftaucht. Das brasilianische Tamborim hingegen ist eine schellenlose, kleine Rahmentrommel, die in der linken Hand gehalten wird. Mit der rechten Hand schlägt man mit einem Stick oder mit einer Peitsche auf das Fell. Eine besondere Schwierigkeit ist dabei die ausgefeilte Drehtechnik des Tamborims. Auf den Zählzeiten Zwei und Drei wird das Tamborim rechtsläufig einmal nach unten und wieder zurück gedreht und dabei gleichzeitig mit der Peitsche geschlagen oder gestreift. Auf den Zählzeiten Eins und Vier wird normal von oben geschlagen. Diese Technik führt in hohen Tempi zu dem charakteristischen Samba-Feeling.
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Timba
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Brasil-Percussion Bild links: Schüler der Percussionklasse an den Sambainstrumenten. Zu sehen sind (von links nach rechts): Repinique, Tamborim, Surdos, Agogo, Caixa.
Arrangement: Ijexá Der Ijexá-Rhythmus taucht in Brasilien in unzähligen Versionen auf, da sich jeder Bloco mit einer eigenen Interpretation aus der Masse herausheben will. Aus den mir bekannten Versionen von Gruppen wie Monobloco, Bangalfumenga u. v. a. habe ich für dieses Heft eine eigene Version zusammengestellt, die von den Schülerinnen und Schülern gut reproduzierbar ist und trotzdem dem Grundcharakter des Ijexá treu bleibt. Je nachdem, welchen (Pop)-Song man in Brasilien begleitet, besteht das Arrangement aus zwei, drei oder manchmal auch vier dynamisch unterschiedlichen Teilen, die Levadas genannt werden. Ich benutze zwei Levadas, die als Strophe und Refrain angesehen werden können.
Zur Notation der Brasil-Rhythmen
Jede Stimme wird auf zwei Weisen wiedergegeben: Zunächst als klassische Notation, wobei fast alle Instrumente mit dem normalen Notenkopf auskommen: Surdo Tamborim Caixa Rocar
Agogo
mehrere Surdos
Rimshot (rechte Hand)
Open Slap (linke Hand) Open Slap
Pressschlag (rechte Hand)
Bei der Agogo-Bell werden die verschiedenen Tonhöhen über bzw. unter der Notenlinie dargestellt. Dieselbe Darstellung passt auch, wenn zwei Surdos in einem System notiert werden. Die Repinique benötigt wegen der verschiedenen Schlagtechniken unterschiedliche Notenköpfe. Unter dem System ist der Handsatz mit l und r notiert, R steht für den Pressschlag.
Auf der Timba kommt nur der Slap zum Einsatz, er wird mit dem entsprechenden Notenkopf notiert.
Zusätzlich wird jede Stimme noch einmal als Tabelle wiedergegeben, in der die Zählzeiten, die Schlagtechniken, der Handsatz und eventuell lautmalerische Trommelsprache untereinander aufgelistet sind.
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53
Levada 1: Repinique
DVD
Der Rhythmus ist identisch mit dem der Surdos 1 und 2, so dass keine gesonderte rhythmische Erarbeitung vonnöten ist. Der Fokus liegt auf der ungewohnten Spieltechnik des Rimshots. Außerdem kommt den Kindern die Vorübung auf den Kpanlogos zugute, die sie bereits für die Surdostimme geübt haben. Hier kann man nun in der linken Hand statt der Bewegung für das Dämpfen einen Open Slap einfügen und hat die Repinique für Levada 1 bereits komplett. Der Rimshot als Spieltechnik lässt sich dagegen separat und unabhängig von diesem Rhythmus auch mit einer Snare Drum einüben. Es erfordert eine gewisse Übung, den Stick im richtigen Winkel auftreffen zu lassen, so dass mit der Spitze die Fellmitte und im selben Augenblick mit dem Schaft der Metallring getroffen wird. Es empfiehlt sich, den Schülern hier in regelmäßigen Abständen Übungszeit zur Verfügung zu stellen, in der sie im eigenen Tempo allein oder in Partnerarbeit an ihrer Spieltechnik arbeiten können.
Neue Spieltechnik: Rimshot
Zählzeit
Linke Hand (Open Slap) Rechte Hand (Rimshot)
1
ne
un
te
2
e
un
te
3
e
un
te
4
e
X X
un
te
X
X
X
X
linkes Bild: Haltung der Agogo-Bell. rechtes Bild: Spielmannshaltung an der Caixa (Seite 51)
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Levada 1: Agogo
DVD
Der Rhythmus der Agogo ist ebenfalls identisch mit dem der Surdo 1 und 2, hat aber eigene lautmalerische Silben. Er bedarf keiner gesonderten Erarbeitung, da auch spieltechnisch auf der Agogo keine Schwierigkeiten auftreten:
Zählzeit
1
Sprache
gin
gin
Hohe Glocke
X
X
Tiefe Glocke
ne
un
te
2
e
un gon
te
3
e
un
te
4
gin
gin
X
X
X
e
un gon
X
50
te
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Brasil-Percussion
Levada 1: Caixa
DVD
55
Auch bei der Caixa liegt der Fokus auf den neuen Spieltechniken wie der Spielmannshaltung und dem Pressschlag, während der Rhythmus selbst zumindest in der Levada 1 keine große Herausforderung darstellt. Nach einführenden Bodypercussion-Vorübungen, wie sie zum Anfang des Kapitels beschrieben wurden, und nach den Vorübungen an der Kpanlogo, empfiehlt sich nun folgender Weg, um den Kindern die Spielmannshaltung nahe zu bringen: Zwei Kinder sitzen wieder einander gegenüber, zwischen sich eine Kpanlogotrommel. Jetzt geben sich beide mit links die Hand und drehen sie locker hin und her um die Achse, die von den Unterarmen gebildet wird. Dann lösen die Kinder wieder ihre Verbindung, halten aber die Hand senkrecht, mit dem Daumen nach oben vor sich, der Daumen zeigt nach oben.
Neue Technik: Spielmannshaltung
Spielmannshaltung: Hände verbinden, locker hin und her drehen und wieder lösen...
Mit der anderen Hand legen die Kinder den Stick in die Beuge zwischen Daumen und Zeigefinger, so dass etwa ein Drittel des Schlägels hinten übersteht. Jetzt werden nur noch die Finger entspannt gebeugt, so dass der längere Teil des Sticks auf der Fingerkuppe des Ringfingers zu liegen kommt. Der Daumen sorgt durch leichten Druck für die nötige Stabilität.
...den Stick in die Hand hineinlegen und leicht zugreifen ...
Dreht man jetzt die Hand gegen den Uhrzeigersinn, wird der Stick hochgehoben und mit einem kleinen Impuls in Uhrzeigerrichtung kann der Stick auf das Fell schlagen. Dabei sollte man aufpassen, dass der Daumen nicht zu weit auf dem Stick zum Liegen kommt und nicht zu stark drückt, da sonst der Stick nicht zurückfedern kann und den Rebound verhindert.
...und mit kleinen Drehimpulsen auf das Fell schlagen .
Zählzeit Beide Hände
1
ne
un
te
2
e
X
51
un
te
3
e
un
te
X
4 X
XR = Pressschlag
e
un XR
te
00 Percussionklasse CMJ Korr_Percussionklasse 19.12.2012 10:42 Seite 96
01–71
DVD
DVD-Trackliste Vorübungen 01 Warmup
Schlagzeug
02 03 04 05 06 07 08 09 10 11
Beweglichkeit der Handgelenke Lockere Schlägelhaltung Rudimentals – Übung 1: Steineklopfer Rudimentals – Übung 2: Mühle binär Rudimentals – Übung 3: Mühle ternär Rudimentals – Übung 4: Paradiddle Galeerengroove Rhythmuspuzzle Rhythmuspuzzle: Beispiele aus Gruppe 3 Rhythmuspuzzle: Beispiele aus Gruppe 4
Afro-Percussion
12 Basstrommeln 13 Afro-Glocke 14 Kalabash
15 16 17 18 19 20
alle Grundschlagarten Grundschlagarten: Bass Grundschlagarten: Open Grundschlagarten: Closed Slap Grundschlagarten: Open Slap Grundschlagarten: Tap
21 22 23 24 25 26 27 28
Kpanlogo: Stimme 1 Kpanlogo: Stimme 2 Kpanlogo: Stimme 3 Kpanlogo: Basstrommeln Kpanlogo: Kalabash Kpanlogo: Glocke Kpanlogo: Arbeit mit Schülern Kpanlogo: Ensemblespiel
32 33 34 35 36 37 38 39 40 41
AZA: Phrasierung 1+2 AZA: Phrasierung 3+4 AZA: Glocke AZA: Stimme 1 (Djembe) AZA: Stimme 2 (Kpanlogo) AZA: Kalabash 1 AZA: Kalabash 2 AZA: Bass 1 AZA: Bass 2 AZA: Ensemblespiel
Brasil-Percussion 42 43 44 45 46 47 48 49
Brasil: Surdo Brasil: Surdo – Pressschlag Brasil: Repinique Brasil: Caixa Brasil: Rocar/Ganza Brasil: Agogo Brasil: Timba Brasil: Tamborim
50 51 52 53 54 55 56
Levada 1: Surdo 1+2 Levada 1: Surdo 3 Levada 1: Tamborim Levada 1: Repinique Levada 1: Agogo Levada 1: Caixa Levada 1: Ganza
57 58 59 60 61 62 63
Levada 2: Surdo 1+2 Levada 2: Surdo 3 Levada 2: Tamborim Levada 2: Repinique Levada 2: Agogo Levada 2: Caixa Levada 2: Ganza
64 65 66 67 68 69 70 71
Samba-Reggae: Surdo 1+2 Samba-Reggae: Surdo 3 Samba-Reggae: Tamborim Samba-Reggae: Repinique Samba-Reggae: Agogo Samba-Reggae: Caixa Samba-Reggae: Timba Samba-Reggae: Ensemblespiel
29 Djembe: Bass 30 Djembe: Open 31 Djembe: Slap
96