Schnellzeichner Egon
Der kleine Zille aus der Uckermark ‌ und seine Schwedter Originale
Humorvoll illustrierte Cartoons
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Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet und über http://dnb.de abrufbar © Zeichnungen/Texte by Cartoonist Egon Grafische Gestaltung: Martina Goth, Schibri-Verlag © 2019 by Schibri-Verlag • Milow 60 • 17337 Uckerland Tel.: 039753/22757, Fax 039753/22583 E-Mail: info@schibri.de http://www.schibri.de Alle Rechte vorbehalten. Dieses Buch darf nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung des Verlages vollständig oder teilweise vervielfältigt werden. Das gilt auch für die Speicherung in einem Datenerfassungssystem und die Weiterverarbeitung mit elektronischen oder mechanischen Hilfsmitteln, wie Fotokopierer und andere Aufzeichnungsgeräte. Insbesondere die Übersetzung und Verwendung in Schulungsunterlagen bedürfen der Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten Printed in Germany ISBN 978-3-86863-205-7
Dieses Buch widme ich meinem verstorbenen GroĂ&#x;vater RuWe Scharfe sowie meiner Mutter Raina Scharfe.
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Vorwort Als ich 2004 einen kleinen Artikel über die Alten Schwedter Stadt-Originale las, ahnte ich noch nicht, auf was ich mich da einließ. Es war interessant, allerdings! Leider waren es derer nur fünf an der Zahl, damals. Ich beschäftigte mich also auch weiterhin mit ihnen und fand heraus, dass es so einige von ihnen gab – davon allerdings ahnten sie wohl in der Märkischen Oderzeitung noch nichts. Nun gut, allein über den Mondscheinglaser, der ein wahres Unicum gewesen zu sein schien, ranken sich allein in diesem Büchlein sechs Storys die ich zeichnerisch, humorvoll und unterhaltsam umsetzte. Bis 2005 hatte ich schon ca. 25 „Originale“ ausfindig gemacht. Durch herumfragen, nachhaken, hinterfragen … es bot sich auch an, wenn ich beim Schnellzeichnen zu Events, Stadt- oder Dorffesten Leute befragte. Viele wussten auch aus der Presse, dass ich mich mit diesem Thema befasste. Auschlaggebend war (m)ein Artikel in der MOZ der 5 x 1 Original in Bildform – also als Cartoon – den Schwedter Bürgern vorstellte. Leider wurde daraus nicht mehr, aber das ist ein anderes Kapitel. Nunmehr habe ich über 50 zusammengetragen; beginnend von der Markgrafenzeit bis heute. Aber auch „Originale“ mit denen ich zu tun habe oder hatte fanden den Weg in diese Sammlung. Zum Stadtfest (725 Jahre) 2005 hatte ich bereits vereinzelt Postkarten drucken lassen um sie in Schwedt anzubieten, aber auch zum Stadtfest. Es wurden sogar ganze Kartensets geordert! Liebevoll von mir mit Pappverpackung originell veredelt, als angemessen verpackt – alles in Handmade – versteht sich. Im Grunde fristeten sie so ein etwas sehr trauriges Dasein, kein Mensch interessierte sich so wirklich für sie, diese extravaganten Ausgaben „Schwedter Bürger”. Nicht einmal die Stadt Schwedt selbst reagierte auf ihre eigenen zu „Bild und Text” zurückgekehrten „Stadtoriginale”! Irgendwie schon traurig … 14 Jahre lagen sie nun in Form von Originalzeichungen, Skizzen und Entwürfen, gedruckten Postkarten und vielen Laserdruckkopien, irgendwo in einer meiner vielen Schubladen - in denen so manches Gute „Stück” verkommt. Wir haben alle anscheinend immer viel zu viel mit anderem zu tun; als uns einfach mal für regionale Geschichte wirklich zu interessieren; gerade, wenn soviel Herzblut, Arbeit und auch Leidenschaft darin steckt. Nun gut, 2018/19 stolperte ich wieder einmal über diesen Karton voller Stadtoriginale und befasste mich erneut mit ihnen. Diesmal konsequenter denn je. Dieses Cartoonbüchlein soll keine wissenschaftlich fundierte Ausgabe darstellen; sie soll Kurzweil bieten, unterhalten und zum Schmunzeln anregen. Sie dürfen gern auch Lauthals lachen! (Öffnen Sie bitte vorher das Fenster, damit ich auch etwas davon habe und mitlachen kann!?) Noch soll sie 100 % ig der völligen Wahrheit entsprechen. In dieser Art und Weise ranken sich Überliefertes, nebst Phantasien des Erzählenden, dazugesponnenes, weggelassenes, überoder untertriebenes – alles in Einem. Viele Situationen mussten von mir „ergänzt” werden
– ob textmäßig, das Aussehen betreffend oder die Situationen der Geschehnisse damals wie heute! Dazu benötigt es Phantasie, Vorstellungskraft, Spaß und Freude an der Sache selbst. Es steckt schon eine reichliche Menge Arbeit, Zeit und Hingabe darin. Deshalb war es mir wichtig sie in einem Büchlein vereint zu sehen – sie Ihnen nicht vorzuenthalten – und es freut mich, wenn sie nun mehr nicht länger in einem Schuhkarton unter dem Bett, ihr Dasein fristen müssen. Dafür bedanke ich mich insbesondere beim Schibri-Verlag, bei Herrn Schilling, der von Beginn an zusagte es zu ermöglichen, und bei Frau Goth, die alles zusammenfügte was ich ihr auf den PC-Tisch schob. (Und das war nicht gerade wenig!) Gleichfalls möchte ich mich bei meiner langjährigen, guten Freundin Sabine Witthuhn bedanken die an dieses Projekt glaubte und sich mit stark machte. Sich vehement dafür einsetzte. Bedanken möchte ich mich auch bei Mandy Ludwig, die mir sehr viel geholfen hat, die Texte zu verarbeiten, zu verbessern und sie abzutippen, zu aktualisieren, sie umzuformulieren und für Kommasetzung etc. verantwortlich zeichnet. Somit hatte ich etwas mehr Zeit, mich der grafischen Ausarbeitung und Überarbeitung zu widmen. Ein Dank geht auch an meinen Freund Henry Schröder, der so manchmal auf sein I-Pad länger warten musste, als abgesprochen war! Mit diesem Gerät wurden einige Originale „geupdatet”, also aufgebessert. Mein Dank geht auch an Anja Siebert, die es mir oft, auch nicht geplant, ermöglichte, in die Räumlichkeiten des SchibriVerlages zu gelangen, und oft Geduld mit einigen Ausarbeitungen vor Ort haben musste … die von ihrer freien Zeit abgingen. So ist es nunmal unter guten Freunden. Alle hier nicht Erwähnten: Ein Großes DANKE – egal wie groß der kleinste Beitrag auch war …
So werter Leser oder Freund meiner Cartoons, genug gefaselt, nun blättere auf und lass Dich verführen in die verrückte unterhaltsame Welt der “Stadttypischen Alten Schwedter Originale”!
Mit cartoonistischen Grüßen
Euer Egon 5
Der Dachs oder auch
der BĂźrgermeister 2
Wenn man in Schwedt durch die Stadt läuft, oder auch mit dem Fahrrad fährt, könnte es sein, dass man eine fluchende, wetternde Stimme hört, aber keinen sieht! Dann kann es sich nur um den „Dachs” handeln! Fluchend läuft oder fährt er durch die Stadt … meistens völlig allein, aber halt hörbar, macht er sich lautstark Luft … Er flucht wie ein Rohrspatz … über alles und jeden … auch jene im Rathaus. Man sagt das der Dachs auch schonmal einen Baustopp an einer Baustelle zustande brachte. Er stand am Bauzaun, akkurat in Anzug und Schlips und muckierte sich wohl über den Lärm der Bauarbeiter und der Maschinen. Da sie glaubten, er sei der Bauherr, schaltete man die Mischer und so weiter ab und ließ die Arbeit Arbeit sein, aus Angst es könnte Ärger mit der Staatlichkeit geben. Auch im Rathaus ließ er schon so manchen Beamten „strammstehen”. Nicht alles ist nachvollziehbar – scheint es doch ehr so, dass er notorisch über alles flucht, ob nun mit oder ohne Grund! Recht amüsant dieses Original. Wie ein Dachs schaut er sich aber vorher nervös ringsum ... bevor er mächtig loslegt!
Der erste Entwurf
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Anton der Geiger
Anton war ursprünglich Hausmeister in der Schule III, einer Schule am „Dreiklang”. Bei Ausfall eines Mathelehrers sprang er kurzer Hand ein und übernahm den Job des Lehrers. Keiner traute ihm das zu – aber, er hatte es drauf! Er fiedelte in einer Band mit Schlagzeuger und Gitarre bei Feierlichkeiten wie Silvester oder dem Anglervergnügen in Jägerhof, Oderland oder sonstigen Etablissements. Und er konnte fiedeln – er schien ein Virtuose der goldenen Saiten zu sein. Gegen 23 Uhr, als er von vielen Bier, Wein und Schnaps spendiert bekommen hatte, erhob er seine Stimme zum Gesang ... Vorher stieg er aber noch auf ein kleines Podest, um so seine Star-Allüren gekonnt zu untermalen. Singen, das gelang ihm nicht immer, es war mehr unterhaltsam, wenn er seine quäkende Stimme erhob, um den Ausfall eines Musikers oder der Technik zu überbrücken ... Alles bog sich vor Lachen! Er hatte es halt drauf: Geige spielen, Matheunterricht geben und Singen. Letzteres mit mehr oder weniger Erfolg. Viele kamen extra wegen dieses Gaudium`s zum Tanz. Für die Ohren war es allerdings nicht immer gut. Eines Tages, zum Anglervergnügen: Anton war wie meistens um 23 Uhr schon reichlich betütelt, gab man ihm etwas in Zeitungspapier Eingewickeltes mit. Er war im guten Glauben es sei frisch geräucherter Aal. Als er dann aber Zuhause ankam und es am nächsten Morgen auswickelte – siehe da, man hatte ihm ein paar trockenen Äste als ein Bündel Aal mitgegeben. Aber er bekam dann später doch seinen Lohn in Form frischen Aales. Tja, die Uckermärker haben halt `ne ganze Menge Humor.
Geigen-Entwurf
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Reiter von Arnim … oder auch
der Arnim’sche Reiter
Eine Unart damals, sich hochberittenen Hufes sein Bier zapfen zu lassen! Heute ja gang und gäbe ... „Mc Drive” etc. Da der Adel in und um Schwedt ja insgesamt nicht immer viel Sinn auf „Etikette” legte, oder gar mal zu viel des Guten, trug es sich zu, dass einer aus der „Arnim’schen Sippe” es stets drauf hatte, hoch zu Ross, sich im Lustschlösschen „Mont Plaisir“ auf seinem „Garde-Gaul” sein Bier zapfen zu lassen! Zum Entsetzen der kreischenden Damen die vor Ort anwesend waren ... Schließlich war eine „Hof”-Party anberaumt! Dem Markgrafen allerdings schien das wenig zu interessieren, man kannte sich und seine Eskapaden ja gegenseitig bestens. Außerdem hatte er oben unter’m Dach Besseres zu tun … Da man vom „Arnim’schen Reiter” dies und anderes schon gewöhnt zu sein schien, ließ man ihn gewähren … Für alle anderen trug dieser urplötzliche „Einritt” zur Belustigung bei.
Hic s
k Hic
ks
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Der BĂźrgermeister
Der Bürgermeister, auch ein Schwedter Original, dessen Markenzeichen – sein ewig glimmender Zigarrenstummel – nie ein Ende zu nehmen schien. Aber das, was ihn in Erinnerung blieben ließ, ist seine Schwäche für nett gefüllte Kinderwagen, die er damals hier und da leidenschaftlich entführte, sodass manche junge Mutti fast einen Herzstillstand erlitt, wenn ihr Zögling mitsamt dem Wägelchen verschwunden war. Aber man gewöhnte sich an die Sitten des „Bürgermeisters”, der es nie gefährlich mit dem Nachwuchs meinte – es war eben eine Schwäche und er meinte es gut, wenn er den Kinderwagen schaukelte, bis dem Jüngsten fast noch der Vormittagsbrei herausgeschossen kam. Schwedt hatte schon Originale …
Hopp
la Ho pp
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Vorausschauend … sei hier erwähnt das ich derzeit an den „Alten Schwedtern” weiterarbeite, da ja auch bestimmte Arten von ORIGINALEN DER STADT nachwachsen … Also mit ihren eigenen Alüren zum Schmunzeln anregen. Somit bietet es sich an, in naher Zukunft etwa, ein zweites Büchlein zu präsentieren unter der Rubrik „Alte Uckermärkische Originale”. Dazu gehören derzeit ja bereits „Mudder Schmolten” und die „Leierlotte” aus Bergholz bei Löcknitz. Beides Originale der Uckermark – gebündelt in einer Person. Sabine Witthuhn eine gute Freundin, bei ihr durfte ich schon Wände und Fassaden malerisch verunstalten … Ich lernte sie damals als „Mudder Schmolten” bei einem Dorffest kennen … mit ihrem original Platt faszinierte sie mich und ich nahm Kontakt auf. Durch sie wurde auch ein damaliger WORKSHOP Cartoon und Comiczeichnen realisiert. Sie ist ein waschechtes Uckermark-Original mit Herz und Schnauze am rechten Fleck … und als Mensch, unersetzbar. Es machte Spaß sie zeichnerisch umzusetzen. Natürlich liegen hier schon einige Uckermark-Originale vor … jene würden hier im Buch etwas den Rahmen sprengen, da es ja um die „Sonderlinge” der Stadt Schwedt (Oder) geht – also den „Alten Schwedter Originalen” an denen ich seit 2014 arbeite. Man kann sagen, ich habe sie als Zeichner lieb gewonnen … weil sie Interessantes zu bieten haben … optisch, aber auch was ihre Biografien angeht.
Leierlotte
Cartoonist Egon September 2019