Meine bunte Welt 13. Jugendliteraturwettbewerb der Uckermark herausgegeben von der Stadt Prenzlau
Schibri-Verlag • Milow 1
Der 13. Jugendliteraturwettbewerb der Uckermark wurde gefördert vom Landkreis Uckermark und der Sparkasse Uckermark. Weitere Sponsoren: Buchhaus Schulz, Prenzlau ELDORADO Abenteuer GmbH Templin Multikulterelles Centrum Templin e .V. NaturTherme Templin GmbH Rotary Club Prenzlau Schibri-Verlag, Milow Stadtwerke Schwedt GmbH Union Filmtheater Prenzlau Uckermärkische Bühnen Schwedt Redaktion: Katrin Kaesler
Jurymitglieder: Franziska Junghans Gisela Kinzel Julia Kischkel Marie Kublik Regina Libert Dr. Annegret Lindow Doris Meinke Luise Mehner Gerda Murke Dagmar Schmidt Marike Schuhr Silke Völz Thomas Guhlke Martin Mehner
Für alle Beiträge zeichnen sich die Verfasserinnen und Verfasser nach Inhalt selbst verantwortlich. Die Texte wurden im originalen Duktus abgedruckt, lediglich Schreibfehler wurden korrigiert. © 2017 by Schibri-Verlag Dorfstr. 60, 17337 Uckerland/OT Milow Telefon: 039753/22757, E-Mail: info@schibri.de Homepage:www.schibri.de Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlags. Umschlaggestaltung:
Nicole Helms unter Verwendung des Entwurfs der Format Werbe GmbH
Alle Rechte vorbehalten. ISBN 978-3-86863-189-0
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INHALTSVERZEICHNIS Grußworte der Schirmherren
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13. JUGENDLITERATURWETTBEWERB 2017 PREISTRÄGER GRUPPE BIS 11 JAHRE 1. Tara Landowski Das Geheimnis der goldenen Rinde 2. Michalina Szulc Meine bunte Welt 3. Jaromir Seitz Cukki 4. Marlene Jahn Reiselust 5. Fynn Döring Juli 6. Justus Wagner Dümmer geht nimmer
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PREISTRÄGER GRUPPE 12 BIS 16 JAHRE 1. Sofia Marit Nessing Der Schaukelstuhl 2. Lea-Sophie Müller Who cares if one more light goes out, in the sky of a million stars? 3. Elise Scheibner Meine bunte Welt 4. Wilhelmine L. Reichstein Das Regenbogentagebuch
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41 45 50 3
5. Aileen Radziejwski, Amelie Stritzel Verschränkte Arme
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PREISTRÄGER GRUPPE 17 BIS 21 JAHRE 1. Victoria Johs Wie ein Film 2. Anneke Werner Meereskind
60 65
GRUPPE PLATTDEUTSCHE BEITRÄGE BIS 13 JAHRE 1. Laura Kahn Ik bün een Muskant 2. Neele Hübner Miene Welt ward bunt 3. Leonie Bergemann Mien bunt Welt
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GRUPPE PLATTDEUTSCHE BEITRÄGE AB 14 JAHRE 1. Linda Schöttler Miene bunte Welt oder een Eishockeyspäl
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SONDERPREIS COMIC 1. Arbeitsgemeinschaft 3. Klasse, Grundschule „Artur-Becker“, Prenzlau Juliane Hollerbach Marlene Jahn Pia Kirchner Romy Prinz Tom Zieker De Schneck Bärbel 78 4
GRUSSWORTE DER SCHIRMHERREN GRUSSWORT DES LANDRATES „MEINE BUNTE WELT…“ … besteht aus Tieren, Pflanzen und Menschen, die wir lieben, … sind die Großeltern, Eltern und Geschwister, … sind Träume und Wünsche, aber auch Verlustängste und etwas Wehmut.
Meine bunte Welt – sind Geschichten und Gedichte über das, was Kinder und Jugendliche sehen, erleben, sich wünschen. Was mich immer wieder aufs Neue überrascht und erfreut, ist die Fülle der Themen, ist die Ernsthaftigkeit, ist aber auch die Kraft der Worte. Voller Kreativität und Fantasie schlüpfen die jungen Autoren in ihre literarischen Helden und lassen uns teilhaben an ihren Erlebnissen und Gedanken. So reihen sich auch die Beiträge des 13. Jugendliteraturwettbewerbs wieder einmal würdig ein in die kulturelle Chronik der Uckermark. Sie geben uns wichtige Impulse für das eigene Leben, öffnen neue Horizonte. Sie prägen ein Stück weit auch unsere Region und werden in Form des vorliegenden Buches Bestand behalten.
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Gerade in der heutigen digitalen Gesellschaft, in der es leider allzu oft nur noch um schnelle Kommunikation aus Kürzeln oder Emojis geht, ist eine Rückbesinnung auf die Kraft der Sprache zweifellos wichtig. Sprache erschließt uns unsere Welt. Sie macht sie bunt und einzigartig. Wie die Texte der Mädchen und Jungen, bei deren Lektüre ich Ihnen viel Vergnügen wünsche.
Dietmar Schulze Landrat des Landkreises Uckermark
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GRUSSWORT DES VORSTANDSVORSITZENDEN DER SPARKASSE UCKERMARK „Unsere bunte Welt“ – 13. Jugendliteraturwettbewerb der Uckermark Bereits zum 13. Mal waren literaturbegeisterte Mädchen und Jungen zur Teilnahme am Jugendliteraturwettbewerb der Uckermark aufgerufen. Und die Resonanz ist beeindruckend: 77 junge Schriftsteller(innen) und Poetinnen bzw. Poeten haben diesmal ihre Junior-Werke eingereicht. Und 12 von ihnen haben dabei auf die Sprache unserer uckermärkischen Mundartdichter – wie Erna Taege-Röhnisch oder Max Lindow – zurückgegriffen und ihre Gedanken in uckermärkischem Platt zu Papier gebracht. Da schreibt zum Beispiel Justus Wagner in seiner Geschichte „Dümmer geht nimmer“ über ganz besondere Phantasiewesen aus dem Siebenbäumewald – das Presswurstpampengorillakäferbaby und seine Kumpel. Und Leonie Bergemann lässt uns in „Mien bunt Welt“ auf Plattdeutsch wissen, was für sie die Erde bunt macht. Getreu dem diesjährigen Motto „Unsere bunte Welt“ ist wieder eine Vielzahl toller Geschichten entstanden, in denen die jungen Autorinnen und Autoren ihre Gedanken, Sehnsüchte, Sorgen und Gefühle zum Ausdruck bringen. Manche haben ihre Werke sogar selbst illustriert. Auf jeden Fall hatte es die Jury nicht leicht, die 21 Preisträgerinnen und Preisträger in den verschiedenen Altersgruppen auszuwählen. Wie versprochen werden deren Geschichten und Gedichte wieder in diesem Buch veröffentlicht, das mit freundlicher Unterstützung des Schibri-Verlages entstanden ist. 7
Die Sparkasse Uckermark unterstützt als Sponsor, Förderer, Mäzen oder Galerist gern lobenswerte Initiativen von Vereinen in den Bereichen Kunst und Kultur. Dazu gehören die großen Ausstellungen einheimischer Künstlerinnen und Künstler in unserem Haus oder die Uckermärkische Schülergalerie. Bei der Unterstützung von Kunst und Kultur hat auch die Bürgerstiftung der Sparkasse Uckermark einen großen Anteil. Nicht zu vergessen die Nutzenstiftung oder die Zweckerträge aus dem PS Lotteriesparen. Unser Kreditinstitut gehört folgerichtig auch von Anfang an zu den Förderern des Jugendliteraturwettbewerbs. Getreu unserem Slogan „Wir machen uns stark für die Uckermark“ werden wir auch weiterhin junge Autoren aus unserer Heimat fördern und fordern. Vielleicht können wir auch in Zukunft von manchen hören oder lesen.
Wolfgang Janitschke Vorstandsvorsitzender Sparkasse Uckermark
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PREISTRÄGER GRUPPE BIS 11 JAHRE 1. Preis Tara Landowski Das Geheimnis der goldenen Rinde
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2. Preis Michalina Szulc Meine bunte Welt
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2. Preis Jaromir Seitz Cukki
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3. Preis Marlene Jahn Reiselust
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Lyrikpreis Fynn Döring Juli
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Sonderpreis „Besonders heiter“ Justus Wagner Dümmer geht nimmer
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Tara Landowski (10 Jahre, Gerswalde)
„DAS GEHEIMNIS DER GOLDENEN RINDE“ EINE FANTASIE-GESCHICHTE – DER BAUM MEIN FREUND – -TEIL 1… wenn langsam der Wind aufkommt und mit seinen Böen über die Wiesen, Felder und durch die kleinen grünen Blätter fegt, dann hört man leise ein Rascheln und Knarzen in den Kronen der Bäume … dann ist die Zeit zum Träumen gekommen, denn dann spricht ein Freund zu mir und erzählt mir seine Geschichte … Mira Lomboski ist 10 Jahre alt und geht auf die Regenbogenschule. Sie liebt die Natur, den Wald, die Wiesen und natürlich auch Pferde. Als sie in der Pause mit ihrer besten Freundin Lisa auf dem Schulhof stand, sprachen die beiden, wie so oft, über ihr gemeinsames Hobby – natürlich über das Reiten und die Pferde. Lisa sagte: „Weißt du, ich möchte heute unbedingt Veronika reiten. Das ist das wundervollste Pferd des Gestüts.“ Mira sagte: „Ich würde sie auch so gern einmal reiten.“ Die beiden waren in ihrer Pferdewelt und merkten gar nicht, wie schnell die Pause vorüber war. Als Mira an diesem Tag nach Hause ging, überlegte sie angestrengt, wie sie ihren Reitlehrer Herr Schimming überzeugen könnte, dass dieser einwilligte, den beiden Mädchen zu erlauben, allein mit den Pferden einen Ausritt in den nahegelegenen Wald zu machen. „Irgendwann einmal, wenn ihr beide so weit seit“, hatte Herr Schimming vor einiger Zeit auf diese Frage geantwortet. Und Mira beschloss festen Mutes: Irgendwann, das war heute! Am liebsten wäre sie gleich zum Gestüt gefahren, aber ihre Mutter wartete schon mit 10
dem Mittagessen zu Hause auf Mira. Sie ging entschlossenen Schrittes ihren Weg und freute sich auf das leckere Mittagessen. Ihre Mutti kochte täglich frisch für Mira und heute wartete Katarina Lomboski schon auf ihre Tochter mit einer wohlduftenden Gemüsesuppe und leckerem Schokopudding mit Vanillesoße. Vor Mira stand nun ein Teller dampfender, leckerer Suppe – hmmmmm, die schmeckte himmlisch gut, und sie hatte einen Riesenhunger. Nach dem Mittagsessen fuhr Mira mit ihrer Freundin Lisa um 15:00 Uhr mit dem Fahrrad zum Reitergestüt Ruhnow. Die beiden freuten sich schon riesig auf ihre Lieblinge. Dort angekommen gingen sie zur Reiterliste, um nachzusehen, welcher Reiter heute welches Pferd reiten darf. Herr Schimming bereitet diese Liste wöchentlich vor. Auf der Liste stand heute, dass Lisa auf Pepper reitet und Mira sollte auf Veronika reiten. Die beiden freuten sich darüber und waren zudem noch mehr überrascht, als sie sahen, dass sie heute einen eigenständigen Geländeritt machen durften. Irgendwie kam es ihnen vor, als könnte Herr Schimming „hellsehen“. Ihr Wunsch wurde heute Wirklichkeit – ein Geländeausritt mit den beiden Pferden ohne Reitlehrer. Wie wunderbar – die beiden schwebten wie auf Wolke 7! Zügig sattelten sie die beiden Pferde. Veronika und Pepper spürten, dass die beiden Mädchen voller Freude die Zügel anlegten. Und nun ging es auch schon los … Die beiden Mädchen ritten allein mit Veronika und Pepper vom Gestütplatz runter, über die große Wiese, entlang des Ackerweges in den angrenzenden Wald. Die Sonne strahlte, es duftete nach Wiese und Heu. Der Wind blies ihnen warme Luft ins Gesicht. Die beiden fühlten sich frei und glücklich. Sie spürten auf den Rücken ihrer Pferde zum ersten Mal, was Freiheit und Vertrauen bedeuteten. Im Wald angekommen machten sie am Rastplatz halt, sie wollten eine kleine Verschnaufpause machen. Als Pepper an einem Baum schnupperte, fiel ein Stück Rinde ab. Mira wunderte sich, warum diese Rinde so außergewöhnlich schön glänzte. 11
Sie betrachtete das Stück Rinde näher und entdeckte, dass diese auf der einen Seite mit Gold überzogen war. Bildete sie sich das nur ein oder war das wirklich so? Sie schaute sich an dem Baum um, von dem das Stück Rinde zu Boden gefallen war und entdeckte eine sonderbare Öffnung … Es sah fast aus wie eine Baumöffnung oder eher wie ein Schlüsselloch im Baum … Was hatte das hier alles zu bedeuten? Aufgeregt rief sie ihre beste Freundin: „Lisa, komm mal schnell zu mir!“ Lisa machte einen Satz und stand neben dem Baum, machte riesengroße Kulleraugen und fragte: „Boa, was ist das?“ – „Ich weiß es nicht, ich glaube etwas Geheimnisvolles“, flüsterte Mira leise und schaute sich rechts und links herum um. So, als ob sie damit zum Ausdruck bringen wollte, dass jemand oder Etwas die beiden Mädchen beobachten könnte. Irgendetwas Sonderbares hatte es mit dem Stück Rinde und der Baumöffnung auf sich. Was genau das war, konnten sich die beiden in diesem Augenblick noch nicht erklären. Sie schauten sich fest in die Augen und ohne weitere Worte zu sprechen, spürten die Mädchen, dass das hier alles kein Zufall war, dass sie heute genau auf diesen Baum getroffen waren. Sie mussten das Geheimnis um diesen sonderbaren Baum herausfinden. Was hatte es wohl mit der goldenen Rinde auf sich? Sie betrachteten den Baum etwas näher. Sein kräftiger Stamm, den man mit seinen Armen nicht umfassen kann, ragt imposant zum Himmel. Die Rinde des Stammes ist wie bei einem Krustentier und scheint schon hunderte Jahre alt zu sein. Ab und an glänzt an der Rinde ein Stück Borke. Seine Äste sind stark und halten die vielen großen und samtig grünen Blätter, die im Wind leise hin- und herschwingen. So, als würde der Baum mit seinen Blättern sprechen können. Seine Krone ist hoch und spendet vielen Vögeln, die in seiner Krone ein Nest gebaut haben, wohltuenden Schatten. Das Schwingen der Blätter im Wind und das Singen der Vögel hört sich verzaubernd an. In seiner Nähe fühlt man sich geborgen, so wie bei einem guten Freund. Irgendeine magische Anziehungskraft ging von ihm aus. Mira betrachtete das Stück Rinde und es fiel ihr auf, dass dort etwas geschrieben stand. „He, hier steht was, Lisa!“ Lisa sah 12
überrascht auf das Stück Rinde und erkannte die Buchstaben darauf. „Du hast recht. Lies doch mal vor!“ Mira las vor: „Wer diese goldene Rinde findet, hält die Macht des Königreichs der Wunder in der Hand. Sucht nach der Öffnung im Traumbaum. Dort findet ihr die Karte, die euch den Weg weisen wird. Haltet euch immer an die Karte. Schaut nicht nach rechts oder links, sondern geht immer geradeaus.“ Lisa begriff nun und sagte erstaunt: „Mira, ich glaube, du hast den Schlüssel des Traumbaumes gefunden. Wenn wir die Öffnung finden, dann finden wir auch die Baumschatzkarte.“ Mira war fasziniert und murmelte leise vor sich hin: „Wir haben die goldene Rinde gefunden … also können wir auch das Königreich der Wunder finden.“ „Du hast recht!“, sagte Lisa zustimmend.
-TEIL 2Noch immer stand Mira wie versteinert und konnte es kaum glauben, was sie entdeckt hatten. Sollten sie es nun wagen, die goldene Rinde wie einen Schlüssel in die Öffnung vom Traumbaum zu stecken? Was würde dann passieren? Würden sie dort die Baumschatzkarte finden und somit in das Königreich der Wunder gelangen können? Beide sahen sich tief in die Augen und nahmen sich an den Händen. Sie entschieden gemeinsam, dass sie bis hierher gekommen waren und nun auch gemeinsam den Weg zusammen weitergehen wollten. Sie fassten beide Mut und den Entschluss, das Geheimnis um die goldene Rinde herauszufinden. Begeistert rief Lisa: „Komm, wir machen uns gleich auf die Suche. Ich rufe nur noch schnell Herrn Schimming an, dass wir etwas später als geplant zurückkommen werden.“ Mira schaute in diesem Moment auf ihre Armbanduhr. Sie war verwundert, denn ihre Uhr zeigte ihr 15:30 Uhr an und die Zeiger standen still. Das war genau die Zeit, als sie an dem Baum angekommen waren. 13
Lisa, holte ihr Handy aus dem Rucksack und sagte: „Komisch, bei mir ist es auch 15:30 Uhr, und die Uhr läuft nicht weiter … Ist jetzt etwa die Zeit stehengeblieben?“ Die Mädchen beschlossen, Herr Schimming erst einmal nicht anzurufen, denn sie wussten nicht, wie spät es nun tatsächlich war. Sicher würde der sie schon anrufen, wenn er sie vermisste, aber bis dahin wollten sie den Dingen hier noch auf den Grund gehen. Dass die Uhrzeit genau um 15:30 Uhr stehengeblieben war, verwunderte die beiden aber nicht weiter. Die beiden fassten allen Mut zusammen und gingen zum Traumbaum. Neben einer Kerbung im Stamm des Baumes, fast unsichtbar für das menschliche Auge, entdeckten sie die Öffnung … das Schlüsselloch des Traumbaumes. Sie steckten die goldene Rinde in die Öffnung, drehten diese einmal im Uhrzeigersinn herum und schlossen die Augen. Sie fassten einander an den Händen. Die Zügel der beiden Pferde Pepper und Veronika hielten sie fest in den anderen Händen. Nun wollten sie es wagen, das Geheimnis um den Traumbaum und der goldenen Rinde herauszufinden. Wind kam auf, die Blätter am Traumbaum begannen zu rascheln, die Äste wippten im Wind und es war ihnen, als würden sie von einem Windstrudel erfasst. Er hielt sie fest und schob sie immer dichter zusammen. Plötzlich öffnete sich ein großer Spalt vor ihnen. Ein helles, glitzerndes Licht leuchtete ihnen entgegen. Sie öffneten die Augen … Es war wunderschön … Die Tür des Traumbaumes hatte sich aufgetan und vor ihnen lag ein Weg aus glitzernden Steinen in eine andere Welt. Vorsichtig gingen sie mit ihren Pferden durch diese Türe in den Traumbaum. Wo waren sie hier gelandet? Was erwartete sie auf ihrem Weg? Sie folgten den glitzernden Steinen des Weges und hofften auf ein neues Zeichen. Plötzlich stand eine glänzende Truhe vor ihnen. Ob da wohl die Baumschatzkarte drin ist? Der Deckel knarrte beim Öffnen und tatsächlich, darin lag die Schatzkarte. Auf der einen Seite war sie ebenso mit Gold überzogen wie zuvor die goldene Rinde. Nun waren sie fast am Ziel! – Sie hatten die Karte gefunden und folgten dem Weg der Karte, wobei sie leise wiederholten: „Seht nicht nach 14
rechts oder links, sondern geht immer gerade aus!“ Die Pferde an den Zügeln haltend, gingen die beiden Mädchen in eine unbekannte Welt. Sie verspürten keine Angst, denn sie hatten ihre treuen Wegbegleiter bei sich und merkten, dass diese ganz ruhig und entspannt neben ihnen trabten. Das gab ihnen das Gefühl, dass hier nichts Schreckliches auf sie wartete. Voller Spannung und wortlos folgten die beiden dem Weg der Karte. Lisa rief fasziniert: „Sie mal, Mira, die Glitzerspuren, sie zeigen uns den Weg.“ Mira sah die Spuren, aber sie sah auch, dass am Wegesrand winzig kleine Waldmönche herumliefen und ihnen zuwinkten. So, als wollten sie die beiden Mädchen begrüßen. Noch immer spürten Pepper und Veronika keinerlei Gefahr und das spürten auch die Mädchen. Als sie bei den Mönchen vorbeigingen, verneigten sich diese vor ihnen und begrüßten die Mädchen: „Seid herzlich willkommen im Königreich der Wunder! Wir sind die Waldmönche, Hüter des Waldrätsels und wurden schon informiert, dass ihr beiden die Auserwählten seid. Ich bin Erik, das Oberhaupt der Hüter. Unser König Aragon heißt euch im Königreich der Wunder dann willkommen, wenn ihr das Rätsel löst, was er mir für euch aufgetragen hat.“ Mit feuerroten Augen fuhr Erik fort: „Ich stelle euch nun das Rätsel unseres Königs. Wenn ihr es richtig löst, so werdet ihr eingelassen ins Königreich der Wunder. Wenn es euch nicht gelingt, so seid ihr es nicht würdig und müsst uns wieder verlassen. Das Rätsel unseres Königs lautet: Es ist eine Wand, aber nicht aus Stein, sondern aus Wasser. Es ist kühl, aber kein Eis. Es fällt vom Himmel herunter aber landet nicht auf der Erde. Was ist des Rätsels Lösung?“ Nachdem Erik das Rätsel vorgetragen hatte, zischte es in der Luft und weißer Wasserdampf stieg auf … dann trat Stille ein. Alle Baummönche waren wie vom Erdboden verschluckt verschwunden. Mira und Lisa standen erschrocken neben ihren Pferden. Die Karte konnte ihnen nicht weiterhelfen, der eingezeichnete Weg war an dieser Stelle auf der Karte zu Ende und so mussten sie es zumindest versuchen, die Lösung des Rätsels allein herauszufinden. Sie 15
waren schon so weit gekommen, umkehren, ohne wenigstens einen Versuch zu unternehmen, das war nicht ihre Sache! Lisa sagte mit entschlossener Stimme: „Mira, du bist doch unsere Rätselkönigin. Was fällt dir denn dazu ein … eine Wand aber nicht aus Stein, sondern aus Wasser?“ Mira überlegte und wiederholte das vorgesprochene Rätsel ganz langsam Stück für Stück. „Es fällt vom Himmel, aber nicht auf die Erde … Es ist aus Wasser … Na, das ist doch sonnenklar … Ja natürlich, das kann nur ein Wasserfall sein!“ „Lisa, das ist der Bergwasserfall auf der Karte, sieh doch, hier!“ Sie zeigte auf die Karte, wo ein solches Zeichen eingezeichnet war. Lisa war glücklich und mächtig stolz auf ihre beste Freundin. „Also bedeutet das, dass wir hier geradeaus bis zum Bergwasserfall gehen müssen … Du weißt doch, was auf der goldenen Rinde stand: Haltet euch an die Karte!“ Die Spannung stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Sie nahmen ihre Pferde und gingen den Weg geradeaus und siehe da, nach einiger Zeit hörten sie schon von Weitem das Plätschern von Wasser, von großen Wassermassen. Als sie direkt vor dem Bergwasserfall standen, sprachen sie beide das Rätsel noch einmal zusammen und sagten dann ganz laut: „Des Rätsels Lösung ist der Wasserfall.“ Wieder Stille ringsumher, nur das Rauschen des Wassers vom Wasserfalls war zu hören. Dann tat sich nichts und beide Mädchen dachten schon, dass sie das Rätsel falsch gelöst hätten, doch dann, wie von Zauberhand, sahen sie ein helles, glitzerndes Licht. Sie kannten dieses Licht. Es war dasselbe wie vom Traumbaum. Sie spürten, dass sie dem Licht folgen sollten. „Wir müssen durch den Wasserfall durchgehen“, sagte Mira entschlossen. Wieder nahmen sie sich an den Händen und gingen gemeinsam mit ihren Pferden durch den Wasserfall. Die Pferde vertrauten den Mädchen und hatten keine Scheu, ihnen zu folgen. Das Wasser des Bergwasserfalls war angenehm warm und weich und plätscherte über ihren Köpfen. Sie gingen durch die Wand von Wasser hindurch und erblickten das ihnen vertraute, helle Licht. 16
Nun waren sie endlich angekommen. Sie kamen in einen großen Thronsaal, in dem ein riesiger, glitzernder Wasserthron stand an. König Aragon saß auf seinem Thron und freute sich über die Neuankömmlinge. Er hob begrüßungsvoll seine Arme und sagte mit hoheitsvoller Stimme: „Ihr habt das Rätsel richtig gelöst. Ihr seid im Königreich der Wunder angekommen. Seid hier herzlich willkommen.“ Auch Erik und die anderen Waldmönche waren zur Begrüßung im großen Thronsaal versammelt. „Ihr seid die Auserwählten, die das Königreich der Wunder sehen dürfen. Kommt näher, damit wir euch unsere Welt zeigen können.“ … wie es weiter geht, steht im nächsten Kapitel …
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Michalina Szulc (10 Jahre, Tantow)
MEINE BUNTE WELT Hallo! Ich heiße Suri. Ich bin 9 Jahre alt. Das ist meine Geschichte. Ich habe mir nicht vorgestellt, dass es hier so hell und schön sein könnte. Die Bäume sind so grün, die Gebäude sind so bunt, die Menschen sind so vielfältig. In Afghanistan war es dunkel, laut und staubig. Statt hohen Häusern waren dort nur Ruinen. Statt vielen Menschen waren nur Kämpfer unterwegs. Und hier? Hier ist es so still! Man hört nur die Vögel. Auch sauberer ist es hier. Und grüner – das ist eine richtige bunte Welt! Oh, und wer ist das? Kommt da ein Mädchen aus meiner neuen Schule? Bestimmt! So hat eine kleine Suri gedacht, als sie auf dem Weg zu ihrer neuen Schule war. Aber ich bin nicht sicher, ob es eine gute Idee ist, mit diesem Mädchen zu sprechen. Ich habe furchtbare Angst, dass mich alle auslachen. Ich habe ja dunkle Haut, schwarze Haare und dunkle Augen! Aber dieses Mädchen sieht nett aus. Ich hoffe, dass wir Freundinnen werden könnten!, so dachte sich Suri, als sie auf ein Mädchen mit einem Rucksack zuging. „Hallo! Ich bin Daria. Bist du hier neu? Ich habe dich früher nicht gesehen. Ist es heute dein erster Tag in unserer Schule?“ Das Mädchen wollte alles von Suri wissen. „Es tut mir sehr leid, aber du sprichst zu schnell, und ich habe nicht gut verstanden“, sagte Suri und ließ den Kopf hängen. „Oh – Entschuldigung. Jetzt werde ich langsamer sprechen. Du bist hier bestimmt neu. Komm, wir müssen uns beeilen, die erste Unterrichtsstunde ist Deutsch. Unsere Lehrerin mag es gar nicht, wenn jemand zu spät kommt“, sagte Daria und nahm Suri an die Hand. Beide beschleunigten und kamen pünktlich zum Unterrichtsbeginn an. 18