TEMPLINER HEIMATKALENDER
2018
Hrsg. Templiner Heimatklub e. V.
Redaktionskollegium Frau Bärbel Makowitz Herr Bernhard Herzog Herr Eitel Knitter Herr Wolff-Hasso Seybold
Sämtliche Beiträge dieses Kalenders wurden honorarfrei zur Verfügung gestellt. Wir danken den Autoren für ihre Unterstützung. Die in den Texten geäußerten Ansichten müssen nicht unbedingt mit denen der Redaktion oder des Verlages übereinstimmen.
Bestellungen über den Buchhandel Stadtinformation Templin oder direkt beim Verlag © 2017 by Schibri-Verlag, Am Markt 22, 17335 Strasburg (Uckermark) Titelfoto: Wolff-Hasso Seybold Satz & Layout: Nicole Helms Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlags. Alle Rechte vorbehalten Printed in Germany ISBN 978-3-86863-186-9
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS Eitel Knitter Eitel Knitter Bärbel Makowitz Prof. Dr. Werner Kieckbusch Uwe Werner Annemarie Giegler Annemarie Giegler Gerda Pohl Günter Schmedemann Pitt Schmertosch Prof. Dr. Werner Kieckbusch Prof. (em) Dr. hàbil. Erwin Zabel Martin Kunze Dr. Wilhelm Gerhardt, Erwin Makowitz Gerda Pohl Eitel Knitter Tom Schöttler Margit Dura Linda Schöttler Wolfgang Rohrbeck Hans-Heinrich Keller Dieter Arndt Klaus Feske Uwe Werner Prof. Dr. Werner Kieckbusch Prof. Dr. Werner Kieckbusch Eberhard Kaulich Gisela Kinzel Gerda Pohl Erna Taege-Röhnisch Dr. Wolfgang Brüllke
5
Vor 100 Jahren gelesen 7 Rückblick auf das Jahr 2016 19 1928-2018 – Vor 90 Jahren erschien der erste „Templiner Heimatkalender“ 23 Wiederbegegnungen – Erinnerungen und Gedanken beim Lesen im ersten Templiner Kreiskalender von 1928 28 Gedenkstein erinnert seit 90 Jahren an Botaniker Professor Gustav Lehmann 35 Vierzig Jahre „Uckermärkischer Heidstruck“ 37 Jedanken noh zwanzig Johr – an Erna Taege-Röhnisch 39 Scherenschnitt 40 Erinnerungen 41 Die Templiner Kanallandschaft 43 Das Institut für Lehrerbildung in Templin 1955–1988 47 Zur Geschichte des Instituts für Lehrerbildung in Templin 1955-1988 53 Das Postheim – Zur Chronik einer Templiner Perle – IV 55 Max Lobedan – Autor, Naturfreund und Heimatforscher 62 Scherenschnitt 65 Badingsches Amtsdorf Röddelin in Flammen aufgegangen 66 Dät löppt oder dat grote Geblöke 69 Geschichte des Ortsteils Röddelin 70 Een Ice-Hockeyspäl 71 Einwohnerstrukturen im Wandel der Zeiten 72 Recherchen führten in die Uckermarck. Ehemaliger Spieler von Hannover 96 in Templin endeckt. 83 Schicksale 85 Wege und Irrwege der sozialistischen Landwirtschaft in Warthe 87 Gut gewappnet, um besonnen zu reagieren und Unfälle zu vermeiden 89 Zur Geschichte der Lychener Schule in den Jahren 1945-1952 91 Das Rektorat Lychen – Zur Bedeutung der Rektorate für die Schulentwicklung nach 1945 99 Der Garten meiner Kindheit 112 Scherenschnitt 113 Das Bäumchen 114 Die Behandlung des grauen Stars 115
6 Uwe Werner Wolf-Hasso Seybold Dieter Arndt Elfriede Sydow Uwe Werner Uwe Werner Christiane Benedix Norbert Bukowsky Marthe Stein Christiane Benedix Gisela Kinzel Gerda Pohl Max Lobedan
Templiner Heimatkalender 2018
Zweiter Namenstein für „Beth Olam“ in Templin Der Silberreiher – Vom Gast zum Neubürger Schulaufsatz von einem Wandertag Woran ich mich besonders erinnern kann – Eine Augenzeugin berichtet aus über 90 Jahren Blau-Weiss Röddeln feierte 50-jähriges Ins „Hugenottenhaus“ soll wieder Leben einziehen Freundschaft Naturschutzgebiet Brüsenwalde Naturschutzgebiet Jungfernheide Die Wiederansiedlung des Edelkrebses Sommer Glaube - Liebe - Hoffnung Scherenschnitt Der Wassermann und die Fee
117 119 122 123 127 130 133 134 138 142 143 144 145
7
Kalendarium 2018
VOR 100 JAHREN GELESEN:
JANUAR MONTAG DIENSTAG MITTWOCH DONNERSTAG FREITAG SONNABEND SONNTAG
1
2
8 15 22 29
9 16 23 30
3 10 17 24 31
4 11 18 25
5 12 19 26
6 13 20 27
7 14 21 28
WETTERREGELN: JANUAR (HARTUNG) Ist Dreikönigstag (6) kein Winter, folgt keiner mehr dahinter. St. Vincent (22) heller Tag, verheißt ein gutes Jahr. Mückenspiel im Januar, dann wird das Wiesenfutter rar.
Kirchenportal, Eitel Knitter
01.01. Wegen der gepfefferten Preise fällt der Silvesterpunsch oft aus. 03.01. Ende der Jagd auf Birk,- Hasel- und Fasanenhennen. 03.01. Bei Kontrollen wurde wieder Gummifahrradbereifung festgestellt. 10.01. An der Front wurden dieses Jahr 44000 Brieftauben erfolgreich eingesetzt. 15.01. Bis zum 31.01.18 müssen alle Hausschlachtungen erfolgt sein. 17.01. Bekanntgabe zur Beschlagnahme von Mauersteinen und Dachziegel. 17.01. Hunde an vorderster Front zur Überbringung von Meldungen eingesetzt. 19.01. Bei Frostbeulen hat sich ein Heißbad mit Soda bewährt. 24.01. Die Verwendung von Huflattich zu Schweinefutter wird gefordert. 31.01. Feier zum Geburtstag des uneingeschränkten U-Bootkrieges.
8
Templiner Heimatkalender 2018
VOR 100 JAHREN GELESEN:
FEBRUAR MONTAG DIENSTAG MITTWOCH DONNERSTAG FREITAG SONNABEND SONNTAG
5 12 19 26
6 13 20 27
1
2
7 14 21 28
8 15 22
9 16 23
3 10 17 24
4 11 18 25
WETTERREGELN: FEBRUAR (HORNUNG) Gibt’s an Lichtmeß (2) Sonnenschein, wird es ein spätes Frühjahr sein. Petri Stuhlfeier (22) kalt, wird vierzig Tage alt. Tritt Matthias (24) stürmisch ein, wird bis Ostern Winter sein.
Kantstraße 3, Eitel Knitter
02.02. Verbot des Austreibens und Abschneiden von Weidenzweigen. 05.02. Bekanntmachung der Verordnung zum Verkehr mit Treibriemen. 07.02. Fort mit Zier- und Blumengärten für die Erzeugung von Nahrungsmittel. 09.02. Flachsanbau eine dringende militärische und nationale Notwendigkeit. 14.01. Kaufmann Stegemann von hier zum Fürstlichen Hoflieferanten ernannt. 19.02. Bäcker dürfen Mehl selbst auf Karten nicht mehr verkaufen. 21.02. Bekanntgabe betreffend der Beschlagnahme von Holzspänen. 21.02. Dem Ratsherren Rieck wurde der Titel „Stadtältester“ verliehen. 28.02. Verbot des freien Eierhandels - bei Zuwiderhandlungen ein Jahr Gefängnis. 28.02. In der ersten Hälfte des Monats März findet eine Pferdeaushebung statt.
9
Kalendarium 2018
VOR 100 JAHREN GELESEN:
MÄRZ MONTAG DIENSTAG MITTWOCH DONNERSTAG FREITAG SONNABEND SONNTAG
5 12 19 26
6 13 20 27
1
2
7 14 21 28
8 15 22 29
9 16 23 30
3 10 17 24 31
4 11 18 25
WETTERREGELN: MÄRZ (LENZING) Gewitter im Märzen, geht dem Bauern zu Herzen. Am Gregorstag (12) schwimmt das Eis ins Meer. Ist Gertraut (17) sonnig, wird’s dem Gärtner wonnig.
Prenzlauerallee 18, Eitel Knitter
03.02. Der Treibriemendiebstahl bedeutet Landesverrat. 05.03. Getreidemenge für Selbstversorger von 8,5 kg auf 6,5 kg festgesetzt. 05.03. Baut Lupinen an - Fleisch und Milch werden immer knapper. 09.03. Seit 8 Tagen treibt sich um Röddelin eine Räuberbande herum. 16.03. Der Endtermin zum Sammeln von Kiebitzeiern auf 10 April verfügt. 18.03. Achte Kriegsanleihe auslösbar mit 110 % - 120 %. 21.03. Brennnesselmehl bester Ersatz für Kleie und Schrot. 23.03. Aufruf zur Ablieferung von Alteisen und Schrott für Kanonen. 26.03. Etwa 2 ½ Milliarden kostet im Monat Deutschland der Krieg. 28.03. Verfügung über die Enteignung von Kupfer, Nickel und Zinn.
10
Templiner Heimatkalender 2018
VOR 100 JAHREN GELESEN:
APRIL MONTAG DIENSTAG MITTWOCH DONNERSTAG FREITAG SONNABEND SONNTAG
2
9 16 23 30
3 10 17 24
4 11 18 25
5 12 19 26
6 13 20 27
1
7 14 21 28
8 15 22 29
WETTERREGELN: APRIL (OSTERMOND) April und Frauensinn, sind veränderlich von Anbeginn Ist`s vor Markus (25) warm, wird`s nach Markus kalt. Wenn vor Georgi (23) Regen fehlt, wird man danach damit gequält.
Am Markt 8, Eitel Knitter
01.04. Das erste Frühjahrgewitter hatten wir zu verzeichnen. 06.04. Neue Eisenbahnfahrpreise Klasse III. - pro Kilometer 3,7 Pfg. 11.04. Keine Befreiung von Speckabgabe bei Hausschlachtungen. 18.04. Am 13. des Monats veranstaltet der Eisenbahnerverein einen Unterhaltungsabend. 18.04. Die Kirschblüte hat bereits 4 Wochen früher wie sonst begonnen. 23.04. Bekanntmachung zum Bezug von Margarine für Kriegsgefangene. 23.04. Ein Koffer mit ½ Zentner Aal auf dem Bahnhof beschlagnahmt. 23.04. In hiesiger Kornstelle werden kriegsgeschädigte Akademiker beschäftigt. 23.04. Anmeldung zur Kleinkinderschule nimmt entgegen Elisabethstift. 30.04. Verkauf von Ferkel außerhalb des Kreises wird mit Gefängnis bestraft.
Bärbel Makowitz: 1928-2018 – Vor 90 Jahren erschien der erste „Templiner Kreiskalender“
23
Bärbel Makowitz
1928-2018 – VOR 90 JAHREN ERSCHIEN DER ERSTE „TEMPLINER KREISKALENDER“ 2018 ist ein bedeutendes Jubiläumsjahr für Templin, die Regional-, National- und Weltgeschichte. So begann vor 400 Jahren 1618 der Dreißigjährige Krieg, der ganz Europa, Deutschland und unser Heimatgebiet in unsägliches Leid stürzte. 20 bis 45 % der Bevölkerung des Deutschen Reiches, der zuvor ca. 16 Millionen Menschen, verloren ihr Leben, in Templin überlebten von 413 Familien nur 30 mit ca. 156 Einwohnern. Vor 100 Jahren, 1918, endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandes am 11. November der Erste Weltkrieg, die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Ausgelöst durch die Macht- und Profitgier hatte sich in Europa im Zeitalter des Hochimperialismus ein erhebliches Konfliktpotential gebildet. Alle europäischen Staaten waren hochgerüstet und durch verschiedenste Bündnisse miteinander verknüpft. Schon sehr schnell entwickelte sich der am 1. August 1914 ausgebrochene Krieg zum ersten „totalen“ Krieg, d. h. es wurde nicht nur in den Schützengräben gekämpft, sondern auch an der „Heimatfront“. Ca. 17 Millionen Menschen verloren ihr Leben, Templin hatte 176 Gefallene zu beklagen. Nicht genau bekannt ist die Zahl derjenigen, die durch Krankheit oder andere Kriegsfolgen starben. Über die Auswirkungen und Folgen beider Kriege für die Stadt Templin und die Umgebung wurde in früheren Kalendern bereits berichtet.
Die ebenfalls vor 100 Jahren stattgefunde Novemberrevolution erfasste ebenfalls Stadt und Kreis Templin. Darüber wurde ebenfalls schon berichtet. 2018 jährt sich zum 90. Mal das Erscheinen des ersten Templiner Jahrbuchs, des „Templiner Kreiskalenders“. Ebenfalls vor 90 Jahren ehrten Schüler des „Joachimsthalschen Gymnasiums“ ihren Lehrer, den Botaniker und Gründer des „Botanischen Gartens“, Gustav Lehmann mit einem Gedenkstein. Seit 40 Jahren arbeitet der „Uckermärkische Heidstruck“. Außerdem ist am 4. Mai 2018 der 20. Todestag unserer Heimatdichterin Erna Taege-Röhnisch. Diese Jubiläen werden in diesem Heimatkalender im Mittelpunkt stehen. Im Folgenden will ich mich der Historie unseres Templiner Heimatkalenders widmen. Trotz der ungeheuren Auswirkungen die das Kriegsende 1918 in Deutschland mit sich brachte - 164 Milliarden Kriegsschulden standen zu Buche, dazu kamen die Reparationsverpflichtungen des Versailler Vertrages und die Inflation brachte viele Menschenan die Grenzen der Belastbarkeit, erschien zehn Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges 1928 der erste „Templiner Kreiskalender“ unter Federführung von Rudolf Schmidt. Rudolf Schmidt, geboren am 5. Februar 1875 in Dillingen, Landkreis Saarlouis, lebte nach einer Buchhändlerausbildung in Neustadt an der Weinstraße und anschließender Arbeit als Redakteur seit 1903 in Eberswal-
24
de. Dort arbeitete er als Chefredakteur bei der „Eberswalder Zeitung“ und später beim „Oberbarnimer Kreisblatt“. Durch seine journalistische Tätigkeit kam er zur Heimatforschung. Schon seit 1904 sammelte und bearbeitete er Materialien zur Heimatgeschichte, die Grundlage u. a. für sein bekanntestes Werk „Die Geschichte der Stadt Eberswalde“ in zwei Bänden wurden. Auf seine Initiative wurde 1905 der „Verein für Heimatkunde“ gegründet. Dieser eröffnete 1906 das Eberswalder Stadtmuseum im Dachgeschoss des Rathauses. Die Materialsammlungen Rudolf Schmidts wurden auch die Grundlage für zahlreiche Publikationen zur Regionalgeschichte der damaligen brandenburgischen Landkreise Templin, Oberbarnim, Angermünde und Prenzlau. Bis 1940 verfasste er 57 eigene Publikationen. Rudolf Schmidt verstarb am 22. Oktober 1943 in Eberswalde und wird dort heute als Journalist, Heimatforscher und Regionalhistoriker geehrt.
Templiner Heimatkalender 2018
Als die Kreisausschüsse der Uckermark 1922 die Herausgabe von „Heimatjahrbüchern“ beschlossen,wurden Rudolf Schmidt 1922 die Redaktionen des Oberbarnimer, Angermünder, Templiner, Prenzlauer und Niederlausitzer Kreiskalenders übertragen. So erschien unter seiner Leitung 1925 in Eberswalde, 1926 in Angermünde und Prenzlau das entsprechende „Heimatjahrbuch“, während die Herausgabe in Templin erst 1928 erfolgte. Der Beschluss der Kreisausschusses des Kreises Templin ebenfalls ein „Heimatjahrbuch“ herauszugeben, fiel in die Zeit einer sehr angespannten politischen und wirtschaftlichen Situation. Die Preiserhöhungen erreichten durch die Inflation, begleitet von Protestaktionen, einen ersten Höhepunkt. Dass trotzdem durch den Kreistag Gelder freigegeben wurden, begründete der damalige Landrat Dr. jur. et rer. pol. Reitzenstein folgendermaßen: „Liebe zur Heimat und zur Scholle soll er wecken. Unsere engere Heimat in alter und neuer Zeit soll er uns näherbringen. Daneben sollen Berichte im Dienste des Kreises stehender Personen auch den Fernstehenden Einblick in die Tätigkeit der Kreisverwaltung gewähren und so mithelfen, ein enges Band zwischen Kreisbevölkerung und Verwaltung zu ziehen.“ Ich denke aber, dass ein wesentliches Anliegen der Autoren die Heimatgeschichtsschreibung als Grundlage der Heimatliebe und Heimatpflege gewesen ist. Der Zeitraum vom Beschluss 1922 bis zur Herausgabe des ersten „Templiner Kreiskalenders“ 1928 war in Templin gekennzeichnet durch Maßnahmen, die zur Normalisierung und Verbesserung der Lebensbedingungen und des Zusammenlebens beitragen sollten. So fassten die Stadtväter am 8. Juli auf Antrag des „Männer-Turn-Vereins 1862“ und des „Viktoria-Fußballklubs 1914“ den Beschluss zum Bau eines Turn- und Sportplatzes in der Jahnstraße. Für die Beamten der Kreis-
Bärbel Makowitz: 1928-2018 – Vor 90 Jahren erschien der erste „Templiner Kreiskalender“
verwaltung begann man in der damaligen Arnimstraße 44/45 mit dem Wohnungsbau und in leerstehenden Räumen des „Elisabethstiftes" in der Kirsteinstraße (Kantstraße) eröffneten ein städtisches Säuglingsheim und ein Kindergarten. Das Templiner Stadion konnte bereits 1923 feierlich eingeweiht werden und war in den Folgejahren Austragungsort zahlreicher Wettkämpfe, u. a. der Brandenburgischen Leichtathletikmeisterschaften. Im gleichen Jahr folgte der Beschluss zum Bau der Kriegerehrung am Prenzlauer Tor, deren Einweihung am 26. Oktober 1924 erfolgte. Bereits am ersten April des Jahres war die Höhere Privatschule in der Kirsteinstraße (Kantstraße) in ein Reformrealgymnasium umgewandelt worden, so dass auch Mädchen der Zugang zu einer weiterführenden Schule möglich wurde. Am Markt 12 öffnete 1925 die „Landwirtschaftsschule“, im Kuckucksheim und in der Heimstraße errichteten Genossenschaften weitere Wohnhäuser. 1926 wurde durch die leitenden Berliner Postbeamten Gentzke und Rother das „Postheim“ um eine Einrichtung für erholungsbedürftige Kinder von Berliner Postbeamten erweitert und wurde so zum „Templiner Posterholungsheim“. Geht man davon aus, dass die Planungen und Vorbereitungen zur Herausgabe des „Templiner Kreiskalenders“ sich sicher bis in das Jahr 1927 hinzogen, muss man auch noch den Beschluss zum Bau des Templiner Kreiskrankenhauses im März 1927 berücksichtigen. Noch keine Rolle spielte damals sicher die Gründung der ersten NSDAP- Gruppe am 22. Oktober 1927 durch den Kaufmannsgehilfen Hermann Eggert und einer SA-Gruppe unter W. C. Günther. In diesem Zeitraum erschien auch die „Geschichte der Stadt Templin“ von Studienrat Hans Philipp, der selbst aber nicht mit
25
Beiträgen im Heimatkalender vertreten sein wird. An der Erarbeitung des ersten „Templiner Heimatkalenders“ waren 30 Autoren mit 51 Beiträgen vertreten, wovon fünf Artikel Rudolf Schmidt selbst einbrachte. Auffällig ist, dass nur männliche Autoren beteiligt sind, erst 1929 wurde ein Gedicht von Anna Karbe (1852-1875) aufgenommen. Sie hatte in ihren Werken ihre Empfindungen und Hoffnungen verarbeitet, war später durch den Literaturforscher Philipp Wackernagel entdeckt worden. Er verlegte bis in die 30er Jahre ihre sogenannten „Küchenlieder“. Die anderen Autoren waren hauptsächlich Beamte und Verwaltungsangestellte des Kreises und der Städte Templin, Lychen und Zehdenick wie z. B. Kreisbaurat Mauersberg, Geheimer Baurat P. Wohlbrück, Kreissparkassendirektor Mittelstaedt, die in ihren Beiträgen ihre Arbeitsbereiche thematisieren. Des weiteren Leiter von Einrichtungen wie Pastor Grüber, Leiter des „Templiner Waldhofes“ und Prof. Dr. Kappus, Leiter des „Joachimsthalschen Gymnasiums“. Vertreten waren auch Lehrer, so u. a. Gustav Metscher, der vier Jahrzehnte Lehrer in Lychen und zuletzt Rektor der heutigen Grundschule war und Hans Kolberg, Lehrer in Templin. Am „Joachimsthalschen Gymnasium“ lehrte Prof. Gustav Lehmann, der Begründer des gleichnamigen „Lehmann-Gartens“. Auf die letzten Autoren wird an anderer Stelle tiefgründiger eingegangen. Auch wenn 1928 noch keine weiblichen Autorinnen vertreten waren, wurde die erste weibliche Gemeindevorsteherin im Kreis Templin, Frau Marie Gerhardt in Ahrensdorf benannt, allerdings als „erster weiblicher Gemeindevorsteher“. Sie hatte das Amt von ihrem verstorbenen Mann, Landwirt Wilhelm Gerhardt übernommen und ist die Großmutter des heutigen Kalenderautors Dr. Wilhelm Gerhardt.
26 In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Heimatbegriff und teilweise auch der Kalender missbraucht zur Durchsetzung nationalsozialistischer Ideen und Ziele, aus Heimatbewusstsein wurde oftmals Heimattümelei, die Liebe zur Heimat wurde zum Hass auf Fremdes und für fremd bezeichnetes missbraucht. 1942 wurde das Erscheinen aller Kreiskalender während des 2. Weltkrieges aus Kostengründen eingestellt. In den Kreisen Prenzlau, Angermünde und Eberswalde gelang ab Mitte der 50er Jahre wieder die Herausgabe eines „Heimatkalenders“, während im Kreis Templin 1960 ein Neubeginn aus finanziellen Gründen scheiterte. Erst 1991 konnte nach der politischen Wende der Wunsch vieler nach einer Neuauflage des „Templiner Kreiskalenders“ unter der Redaktion von Bärbel Makowitz, Helmut Schmertosch, Dr. Detlef Hensel, Wolfgang Rohrbeck, Eitel Knitter und Joachim Funck erfüllt werden. Unterstützung kam dabei von unserer Partnerstadt Bad Lippspringe, insbesondere der Werbeagentur Heggemann. Als Herausgeber fungiert seither der „Templiner Heimatklub e.V.“ In seinem Geleitwort schrieb damals der erste Templiner Landrat Dr. Kurt Seidler: „Die Kreiskalender von 1928 bis 1942 sind bleibende zeitgeschichtliche Dokumente und Fundgrube heimatgeschichtlich interessierte Bürger. … Nach 48 Jahren erscheint er nun wieder – unser Templiner Kreiskalender. Möge er die erfolgreiche Tradition fortsetzen, die Geschichte unserer Stadt zu schreiben. …“ Über die Schönheit der Natur, die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt und Heimatgeschichte zu schreiben und zu informieren, die regionale Sprache zu pflegen, sind wir 1990 angetreten, genau wie die Autoren 1928. Dies birgt ein wichtiges Identifikationspotential, denn die regionale Perspektive kennzeichnet trotz Europäisierung und Globalisierung noch
Templiner Heimatkalender 2018
immer die Wahrnehmungsweise vieler Menschen, die sich in einem Bundesland, noch stärker aber in einer Region, einer Stadt oder einem Dorf zu Hause fühlen. Denn die alltägliche Lebenswelt der Menschen ist nicht der Globus, sondern nur ein begrenzter Ausschnitt darauf. Der regionale Zugriff macht dem Menschen seine Heimat als geschichtlich geworden erfahrbar und verstehbar und ermöglicht es, sich die eigene Lebenswelt als Heimat anzueignen. Und Heimat definiert sich groß teils über ihre Geschichte und die Umwelt. Zu den Autoren gehören heute Vertreter der unterschiedlichsten Parteien, Berufe und beiderlei Geschlechts, erfreulicherweise auch oftmals junge Leute. Einen Einschnitt gab es nochmals nach der Kreisgebietsreform in Brandenburg 1993 als Templin seinen Kreisstatus verlor. Deshalb wurde der „Templiner Kreiskalender“ in „Templiner Heimatkalender“ umbenannt, bekam der Kalender ein modernes Layout.
Bärbel Makowitz: 1928-2018 – Vor 90 Jahren erschien der erste „Templiner Kreiskalender“
27
Seit 1997 erscheint das Jahrbuch im Schibri-Verlag, Milow. An dieser Stelle ein Dankeschön für die mehr als 20 Jahre sehr gute Zusammenarbeit, insbesondere an den Leiter Herrn Matthias Schilling.
W.-H. Seybold, Klosterruine Boitzenburg
114
Templiner Heimatkalender 2018
Erna Taege-Röhnisch
DAS BÄUMCHEN Wir haben einen Baum gepflanzt. Noch ist er schwach und klein. Und ist er erst ein großer Baum. Wo werden wir dann sein? Es macht mir manchmal trüb den Sinn und macht das Herz mir schwer: Da pflanzen wir ein Bäumchen hin und sehn den Baum nicht mehr. Und doch: Es macht den Tag uns hell und voller Glück den Traum. Wenn wir die Sonne nicht mehr sehn. Rauscht hoch im Licht der Baum. Was fragen wir. was klagen wir. Was kommen muss und kann'.' Ein neues Bäumchen für die Welt Wie freu'n wir uns daran!