Hans-Robert Metelmann, Uwe Schmidt (Hg.)
Mensch und Land Band 3
Lauter Lieblingsplätze „… w a ru m
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Schibri-Verlag • Milow - Strasburg - Berlin 1
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© Schibri-Verlag 2016 Milow 60 • 17337 Uckerland Tel.: 039753/22757 E-Mail: info@schibri.de www.schibri.de Projektassistenz: Franziska Junghans, Prenzlau Laura Haase, Pasewalk Druck: Hoffmann-Druck, Wolgast Titelbild: Lizenz von 123RF Limited Alle Rechte vorbehalten. Dieses Buch darf nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung des Verlages vollständig oder teilweise vervielfältigt werden. Das gilt auch für die Speicherung in einem Datenerfassungssystem und die Weiterverarbeitung mit elektronischen oder mechanischen Hilfsmitteln, wie Fotokopierer und andere Aufzeichnungsgeräte. Insbesondere die Übersetzung und Verwendung in Schulungunterlagen bedürfen der Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten Printed in Germany
ISBN 978-3-86863-169-2
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Inhaltsverzeichnis Vorwort – Matthias Platzeck
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Das Geflüster der Idylle Opas Gartenbank – Stefan Krüger 9 Das Pilgerhaus am Rosengarten – Ulrich Kasparick 10 Indian Summer vor der Haustür – Sven Klemckow 13 Über die Tücken der Freilichtmalerei – Bodo Neumüller 15 Der Hasenkopfbaum, mein Lieblingsplatz – Annemarie Giegler 17 Die Linde am Park – Doris Meinke 20 Zwischen Ringelblumen, Tomaten und Altländer Pfannkuchen – der Bauerngarten am Tor zum Uckersee – Katrin Kaesler 25 Die Polderwiesen – Jens Koeppen 28 Das Bruch hinterm Berge – Frank Bretsch 30 Wo sich Adler und Kranich „Guten Morgen“ sagen – Monika Strehlow 32 Im Tal der Hirsche – Haymo G. Rethwisch 36 Philosophenwege Refugium Tangersdorfer Heide – Klaus-Jürgen Gundlach Liebeserklärung an eine Landschaft, oder: meine sonntäglichen Ausritte der ungewöhnlichen Art – Carl Michael Neumann Auf Traumpfaden – Theresa Blum Uckermärker Highlands – Dietmar Lange Ausflug auf den Spitzberg bei Groß Fredenwalde – Dietmar Schulze
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Annäherung von der Wasserseite Ein romantischer Platz voller Erinnerungen – Bernhardt Rengert 57 Abseits des offiziellen Radwegs um den Uckersee – Iris Beetz 60 Am Nordufer küsst die Stadt den See – Hendrik Sommer 63
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Jugendliebe – Mike Bischoff Der Leuchtturm – Wolfgang Krakow Jagow – Ein schöner Ort in der Uckermark – Janine Jahnkow Rätselhaftes in Schwedt – Monique Gansewig Immer das Wasser – Uwe Schmidt Zu Kirchen, Schlössern, stolzen Städten Ein Kirchlein steht im Walde – Roland Resch Kirchenlandschaft in der Uckermark – Aiko Ogata Der Klang der Uckermark – Jürgen Bischof Fürstenwerder – das Tor zur Uckermark – Andreas Kranzpiller Schwedt aus der Vogelperspektive – Jürgen Polzehl Angermünde – Reich der steinernen Riesen – Marlies Markgraf-Beise Am Uckerwiek – Julia Kischkel Ode an Templin – Bärbel Makowitz Antikes Flair im Europäischen Hugenottenpark – Reinhard Simon Interessante Uckermark – Hartmut Dusse
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Am Mittelpunkt Denk ick an die, mien Uckermark – Annemarie Giegler Das Gummiband – Franziska Junghans Milow – Horst-Peter Schilling Dat lütte Dörp Fürstenau – Günter Schmedemann Ein Ort mit vielen Vorzügen – Joachim Benthin Der Schwerpunkt der Uckermark – Manfred Wagner Mein Lieblingsplatz in der Uckermark – Angela Steer „dabei“ – Uwe Kolberg Die Uckermark – Michael Succow
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Einen schönen Urlaub!
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Vorwort von Ministerpräsident a. D. des Landes Brandenburg Matthias Platzeck
Die Uckermark mit ihrer einzigartigen Landschaft und den ansässigen Menschen ist faszinierend vielfältig. Es gibt mehr als 400 Seen und die Orte in der Uckermark sind nicht nur von Wasser, sondern auch von Wald, Wiesen und Feldern umgeben. Es gibt mit dem Nationalpark Unteres Odertal, dem Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und dem Naturpark Uckermärkische Seen drei nationale Naturlandschaften. Es gibt das größte zusammenhängende ökologische Ackerbaugebiet Europas, das 55 Unternehmen auf einer Fläche von 16.226 ha bewirtschaften und viele regionale Produkte. Es gibt über 200 Herrenhäuser und Schlösser sowie mehr als 160 historische Kirchen zu sehen. Es gibt so viele Möglichkeiten, die Uckermark zu entdecken!
Einen Ministerpräsidenten a. D. des Landes Brandenburg und Landesvater mit dem Kaliber von Matthias Platzeck muss man in der Uckermark und in diesem Buch nicht vorstellen. Es wäre sogar respektlos … Die Autorinnen und Autoren sind das Risiko eingegangen, bei ihrer Entdeckungsreise durch die Uckermark nur einen Lieblingsplatz auszuwählen und vermitteln ihre ganz persönlichen Eindrücke zu diesem Ort. Sie empfehlen Sehenswertes, Staunenswertes oder noch Unbekanntes und machen Lust auf einen Ausflug oder eine längere Reise in die Uckermark. Mit dem Buch ist ein Reiseführer der besonderen Art entstanden, den ich nur empfehlen kann. Den Autorinnen und Autoren möchte ich herzlich für ihre Schilderungen danken. Ich würde mich freuen, wenn Sie neugierig geworden sind auf neue Lieblingsplätze und in die Uckermark kommen, um Land und Leute (noch besser) kennenzulernen! Die Uckermark bietet wunderbare Voraussetzungen, um zu entspannen und Natur und Kultur zu genießen! Sie ist eine Region zum Wohlfühlen. 5
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Das Geflüster der Idylle
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r ma l hin …
Die Uckermark gehört zu den Landschaften und Gegenden in Deutschland, in denen wir uns bei der Durchreise auf der Autobahn immer wieder einen Abstecher vornehmen, eine Stippvisite oder endlich ein paar wirklich erholsame Urlaubstage. Das Land sieht nach Sommerfrische aus und Ferientag. Wir wünschen uns auf „Opas Gartenbank“. Wir stellen uns „das Pilgerhaus am Rosengarten“ vor mit dem „Indian Summer vor der Haustür“ und haben Muße für „die Tücken der Freilichtmalerei“. Die Gedanken führen uns zum „Hasenkopfbaum“ oder zur „Linde im Park“. Der Weg bietet „Ringelblumen, Tomaten und Altländer Pfannkuchen“. Wir wollen auf „die Polderwiesen“ und zum „Bruch hinterm Berg“ und am Ende des Tages dort zu Bette gehen, „wo sich Adler und Kranich Guten Morgen sagen“ am nächsten Tag. Wo finden wir den „kleinen Blick ins Paradies“? Die Menschen, die dort wohnen, fangen an zu erzählen.
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Opas Gartenbank Stefan Krüger
Bei klirrender Kälte, bei sengender Sonne, bei Regen, Blitz und Donner: Opas Gartenbank steht fest verwurzelt an ihrem Platz. Das Holz ihrer Sitzflächen ist rissig, sonnengedunkelt und trägt Falten wie das Gesicht des Besitzers. Feine Adern durchkreuzen das Holz und zeigen ihre (Er-)Lebenslinien. Opa und die Bank sind seit seiner Zeit als Schreinerlehrling zusammen gealtert. Sie hat große Zeiten erlebt. Man könnte glauben, sie hat alles gesehen, alles gehört und alles getragen: Nach dem Krieg den rauchenden Russen, der plötzlich im Vorgarten stand, die große Freude und der Aufbruch zur Bodenreform, als die Landvermesser das Dorf heimsuchten. Dann die großen Debatten um die LPG. Oma hochschwanger in der Frühjahrssonne, die auf Opa wartet, weil die Gemeindeschwester im Nachbarort festhängt. Die Stoffbeutel mit Brot und Wurst aus dem Konsum stehen oft lange auf der Bank, wenn Oma mit der Nachbarin am Gartenzaun schnattert. Nach der Wende werden die ersten bläulichen Kartons vom Quelle-Versand gleich auf der Bank geöffnet. Nach manchem Groll von Oma und Opa finden beide sich auf der Bank ein und schweigen. Sie schweigen sich zusammen.Die Katze streicht um ihre Beine. Erst die Stille, die Distanz der beiden und dann das langsame Zusammenrücken bis Opas schwielige Hand die Hand auf Omas Schoß umschließt. Dann herrscht einende Stille. Frieden.
Der Autor ist Kommunalpolitiker im Randowtal. Wenn Stefan Krüger hier seine Gedanken um die Gartenbank seines Großvaters kreisen lässt, dann ist er exemplarisch und konkret bei einem Hauptanliegen seiner politischen Arbeit, Zusammenleben und Familie im ländlichen Raum. Heute ist mir die Bank eine Oase im Taumel und in der Hektik der Zeit. Auf ihr zu sitzen ist meist ähnlich. Erst der Alltag und Termine, ständig einen Gedanken voraus und in Gedanken an Mor9
gen und Übermorgen, dann das Ankommen und langsam, fast automatisch, eins werden mit der hölzernden Weisheit von Opas Gartenbank. Dann erklingt in mir das Kinderlied „Ganz einfach“ von Gerhard Schöne und ich summe: „Wenn ich schlafe, schlafe ich. Wenn ich aufsteh, steh ich auf. Wenn ich gehe, gehe ich. Wenn ich esse, ess’ ich.“ – Den Blick schweifen lassen über die neue Dorfstraße und gegenüber das junge Berliner Paar zu wissen, das das Haus der Nachbarin zu neuem Leben erweckte. In der Ferne das Surren der Mähdrescher, das Quietschen der Kinder von der Wippe und das Rauschen der A20. Zu meinen Füßen das ruhige Atmen meines Hundes und über mir, ganz hoch am uckermärkischen Himmel, ein winziges Flugzeug auf der Strecke von Berlin nach Stockholm. Die Menschen dort oben sind eingeschlossen im Zeitkokon zwischen „abgeflogen sein“ und „noch ankommen werden“ am anderen Ort. Ich bin schon dort, wo ich hingehöre. Im hier und jetzt. Beim Lieblingsort.
Das Pilgerhaus am Rosengarten Ulrich Kasparick
Das Pilgerhaus am Rosengarten Hetzels Dorp ist alt. Über 750 Jahre hat der Ort gesehen. Furchtbare Kriege, Friedenszeiten, Aufbau-Jahre, Verfall, Neubeginn. Besonders schlimm war es im Dreißigjährigen Krieg, als die Wellen der Front hin und her über die Orte der Uckermark fluteten. Mehrfach wurden die Dörfer zerstört. Oft war die aus Feldsteinen errichtete Kirche einziger, weil brandfester Zufluchtsort. Als die Landreiter nach dem Ende dieses fürchterlichen Krieges von Potsdam aus in die Uckermark geschickt wurden, um nachzusehen, was denn noch da sei, notierten sie über Hetzels Dorp: „Dieser Ort ist unbewohnt und zur Hälfte mit Wald bewachsen.“ Endzeit. Und doch ging es weiter. Irgendwann begann einer wieder, das Feld zu beackern. Von Hoffnung getragen. Auf Hoffnung hin. Die Kinder hatten Hun10
ger, also musste etwas unternommen werden. Der Ort blühte wieder auf. Nach und nach. In späteren Jahren war es ähnlich, jedoch nie so schlimm wie im Dreißigjährigen Krieg. Es gab Zeiten, da entwickelte sich der Ort gut, die Geburtenzahl war hoch, Menschen hatten Arbeit und Einkommen. Und es gab Zeiten, da gaben die Familien ihre Männer her für irgendeinen Ruhm und irgendein Vaterland. Die Denkmale erinnern. Seit dem Fall der Mauer hat Hetzels Dorp, das heute Hetzdorf heißt, wieder enorme Veränderungen erlebt. Die Uckermark insgesamt hat seither beinahe die Hälfte der Bevölkerung verloren. In manchen Orten liegt der Altersdurchschnitt bei 70 Jahren. Die Menschen machen sich Sorgen, wie es weiter gehen könnte.
Der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär u. a. bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung hat das Rednerpult im Deutschen Bundestag in Berlin umgetauscht gegen die Dorfkirchenkanzel (und den Pfarrgarten) des Pastors von Hetzdorf im Uckerland. In solcher Zeit haben wir einen Garten angelegt. Auf Hoffnung hin. Als Zeichen der Hoffnung. Einen internationalen Garten, in dem Rosen zu sehen sind, die man für den Garten gestiftet hat. Rosen aus Finnland und den USA, aus Georgien und Österreich, aus der Uckermark und aus Dresden, aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Viele Menschen haben daran mitgearbeitet. Ein Garten wächst da heran, der sich als Klostergarten versteht, der in der Tradition der Klostergärten errichtet wurde und gepflegt wird. Klostergärten sind Orte der Stille, Orte der Besinnung in einer von vielen Menschen als sinnlos erlebten Gegenwart. Sie sind Orte der Vergewisserung. Wir haben diesen Garten im Jahr 2012 begonnen und hatten nichts. Nur eine Idee und ein Gedicht. „Nur eine Rose als Stütze“, heißt es. Ein Gedicht von Hilde Domin. Mittlerweile kommen die Besucher. Etwa 4.000 haben den Garten bislang besucht. Weit über 30.000 Menschen verfolgen das Projekt im Internet. Das Fernsehen war da und das Radio. Zeitungen haben über den Garten geschrieben. Der Garten macht den Ort und die 11
ganze Uckermark bekannt, denn die Menschen lesen von „Hetzdorf in der Uckermark“. Leben kehrt zurück ins Dorf. Nachfrage entsteht. „Kann man denn hier auch übernachten?“ „Gibt es ein Frühstück im Quartier?“ Der Garten bringt Geld ins Dorf. Nach und nach. Die „Tage des offenen Gartens in der Uckermark“ sind die Höhepunkte des Garten-Jahres. Obwohl unser Klostergarten noch sehr jung ist, sind an diesen Wochenenden nicht selten 200 oder mehr Menschen da, um ihn zu sehen. Das Netzwerk der Kontakte wird größer und größer. Kultur tritt hinzu, Lesungen und Konzerte. Einladungen folgen. Ich soll in Stuttgart auf Einladung des Oberbürgermeisters vor 300 Mittelständlern berichten, wie das gegangen ist mit dem Laptop und den Rosen. Ich soll in der Evangelischen Akademie Wien einen Vortrag halten, wie das geht mit Facebook und den Touristen. Fachleute aus Hannover von der EKD kommen, um zu studieren, wie die Menschen in Hetzels Dorp das hinkriegen, ganz ohne Geld, alles mit Stiftungen und nur einem Laptop und alles in ehrenamtlicher Arbeit. Das alles klingt nach Geschäftigkeit, nach Projektmanagement, nach Öffentlichkeitsarbeit, nach „Machen“. Und doch ist der Kern des Ganzen ein völlig anderer. Der Kern des Ganzen ist die Stille. Aus ihr erwächst die Kraft, aus ihr erwachsen die Ideen. In unserem Rosengarten gibt es einen Brunnen. Eine Schale wird gefüllt von einem Rohr. Man kann sich in diesem Zentrum des Gartens, das wir „Platz der Stille“ genannt haben, auf eine selbstgebaute Bank setzen und den Brunnen betrachten. Bis er zu reden beginnt. „Mensch, wenn du klug bist in deinem Leben, verhalte dich wie die Schale und nicht wie das Rohr. Das Rohr nämlich versucht, die Quelle nachzubilden: es fließt und fließt und fließt. Die Schale jedoch gibt nur das weiter, wovon sie selbst erfüllt ist. Also achte darauf, dass deine Schale immer gut gefüllt ist.“ So hat es Bernhard von Clairvaux (1090–1159) notiert. Er hat es notiert in einer Zeit, als eine zunehmende Zahl von Menschen nur noch dem Geld hinterherliefen, nur noch nach „Erfolg“ und „Besitz“ gierten. Er hat es notiert als Protest gegen solche Entwicklungen und als Orientierung für einen menschlichen Maßstab des Lebens. Und so wächst auch der Garten. Alle, die ihn gepflanzt haben und pflegen, geben viel. Wirklich viel. Aber wir achten darauf, dass wir nicht mehr geben, als wir geben können. Was wir aber geben können, das geben wir. Und das ist mehr, als man denkt. 12