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Templiner Heimatkalender 2016

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TEMPLINER

HEIMATKALENDER

2016

Hrsg. Templiner Heimatklub e. V.


Redaktionskollegium Frau Bärbel Makowitz Herr Bernhard Herzog Herr Eitel Knitter Herr Wolff-Hasso Seybold

Sämtliche Beiträge dieses Kalenders wurden honorarfrei zur Verfügung gestellt. Wir danken den Autoren für ihre Unterstützung. Die in den Texten geäußerten Ansichten müssen nicht unbedingt mit denen der Redaktion oder des Verlages übereinstimmen.

Bestellungen über den Buchhandel Stadtinformation Templin oder direkt beim Verlag © 2015 by Schibri-Verlag, Am Markt 22, 17335 Strasburg (Uckermark) Titelfoto: Wolff-Hasso Seybold Satz & Layout: Eileen Camin Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlags. Alle Rechte vorbehalten Printed in Germany ISBN 978-3-86863-160-9


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Inhaltsverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS Eitel Knitter Eitel Knitter Annemarie Giegler Bärbel Makowitz Bernhard Herzog Dieter Arndt Gerda Pohl Dr. Rudhard Meixner Gerda Pohl Eitel Knitter Dr. Christa Bestmann Gerhard Sydow Gisela Kinzel Gisela Kinzel Annemarie Giegler Heiko Strempel Helmut Schmertosch Gerda Pohl Dr. Hermann Berlin Joachim Hantke Lilo Strey, Katharina Heinz und Dr. Hubert Völker Klaus Feske Gerda Pohl Martin Kunze Gisela Kinzel

Vor 100 Jahren gelesen 5 Rückblick auf 2014 17 De Fuffziger Krankheit 21 Vom „Bankhaus Ihrke“ zum Haus der „Jugend und Kultur“ 22 Römische Ziffern sowie preußische Maße, Gewichte und Münzeinheiten 26 Posaunenarbeit im Kreis Templin in den letzten 60 Jahren 29 Scherenschnitt 32 Meilensteine als Kriegerdenkmal und historische Anmerkungen 33 Scherenschnitt 36 Die Fettings – älteste ansässige Familie der Stadt Templin 37 Wege und Irrwege durch die letzten Tage des 2. Weltkrieges 41 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges (Teil II) 49 Einmal wieder Kind sein 53 Zehn Jahre jünger 54 De Storch is torück 55 Louis Lampe – Turnvater und Feuerwehrmann 56 Die Grenzen des mittelalterlichen Landes Lychen (Teil I) 60 Scherenschnitt 65 Wie sich die Landwirtschaft in Hammelspring nach 1945 entwickelt hat 66 Wie sich der Nutzgarten in mein Hobby-Paradies verwandelte 71 Ringenwalde zwischen „Gestern und Heute“ Von der Dorfschmiede zur Heimatstube Scherenschnitt Das Postheim – Zur Chronik einer Templiner Perle (Teil II) Loslassen

76 83 86 87 94


4 Norbert Bukowsky Pitt Schmertosch Prof. Dr. Werner Kieckbusch Gerda Pohl Prof. Dr. Werner Kieckbusch Wolff-Hasso Seybold Wolfgang Krahl Uwe Werner Gerda Pohl Wolfgang Rohrbeck Uwe Werner Uwe Werner Uwe Werner Uwe Werner Annemarie Giegler

Templiner Heimatkalender 2016

Geschichte der Naturschutzstation Knehden-Moor (1987–1996) 95 Das Templiner Naturtagebuch (Teil III) – Ein Stück Märkischer Landweg-Wandern bei Densow und Annenwalde 97 Zur Geschichte der Lychener Schule in den Jahren 1945 bis 1952 – In den Protokollen der Lehrerkonferenzen gelesen (Teil I) 102 Scherenschnitt 107 Das Institut für Lehrerbildung 1955–1988 (Teil IV) 108 Bienenfresser und Uferschwalbe im Altkreis Templin 116 In Memoriam – Dr. Fritz Weinhold 121 Damit die „Pumpe“ in Schwung bleibt 124 Scherenschnitt 126 Jüdische Familien in Gerswalde 127 Das war mal ein schöner Batzen Geld! 132 „Verachtet mir die Meister nicht!“ 133 Ob das die Tscherokesen auch tun würden? 135 Trotz steigenden Alters möglichst lange gesund bleiben 139 Der Hasenkopfbaum – mein Lieblingsplatz 141


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Kalendarium 2016

JANUAR MONTAG DIENSTAG MITTWOCH DONNERSTAG FREITAG SONNABEND SONNTAG

VOR 100 JAHREN GELESEN: 4 11 18 25 5 12 19 26 6 13 20 27 7 14 21 28 1

8 15 22 29

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3 10 17 24 31

WETTERREGELN: JANUAR (HARTUNG) Ein schöner Januar, bringt uns ein gutes Jahr. Ist der Januar nass, füllt sich des Winzers Fass. Januar warm, dann Gott erbarm

Partie am Mühlentor 1910

01.04. Infolge des Krieges stellten bereits 1.255 Zeitungen ihr Erscheinen ein. 11.01. Verarbeitungsverbot für Web-, Wirkund Strickgarne ausgesprochen. 13.01. Bäcker Kayser, Templin, wegen zu frühen Anheizen des Ofens angeklagt. 15.01. Landwirtschaftsministerium weist die Gewinnung von Öl aus Unkrautsamen an. 18.01. Graf Arnim Boitzenburg zum Herrenhauspräsidenten gewählt. 20.01 Bekanntmachung zur Beschlagnahme von Nussbaumholz. 20.01. An alle Kriegerfrauen wird kostenlos Feueranzünder abgegeben. 29.01. Pionier Adolf Rönnpagel mit dem Eisernen Kreuz 1.Klasse ausgezeichnet.


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Templiner Heimatkalender 2016

FEBRUAR MONTAG DIENSTAG MITTWOCH DONNERSTAG FREITAG SONNABEND SONNTAG

VOR 100 JAHREN GELESEN:

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9 16 23

3 10 17 24 4 11 18 25 5 12 19 26 6 13 20 27 7 14 21 28

WETTERREGELN: FEBRUAR (HORNUNG) Sankt Dorothee (6.), bringt den meisten Schnee. Viel Nebel im Februar, viel Kälte das ganze Jahr. Ist St. Petrus (22.) kalt, hat die Kälte noch lang Gewalt.

Mühlentor um 1902

01.02. Der endlose Regen dieses Winters wird allmählich zur Plage. 03.02. Der diesjährige Winter scheint nur ein Vorfrühlingswetter zu werden. 03.02. Die Nachfrage nach Ziegen ist seit Kriegsbeginn stark gestiegen. 08.02. Unsere Kreisstadt Templin soll vorübergehend Garnisonstadt werden. 10.02. Beschränkung zur Herstellung von Fleisch- und Wurstkonserven. 10.02. Landrat v. Arnim wurde der Titel Geheimer Regierungsrat verliehen. 24.02. Das späteste Osterfest seit 31 Jahren wird am 23./24. April begangen. 26.02. Durch das Schälen der Kartoffel entsteht ein Verlust von 20–25 %.


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Templiner Heimatkalender 2016

Bärbel Makowitz

VOM „BANKHAUS IHRKE“ ZUM HAUS DER „JUGEND UND KULTUR“ Am 28. Oktober 2014 konnte nach einer 14monatigen Sanierung das Jugendstilgebäude in der Thälmann-Straße 1 durch den Bürgermeister der Stadt und Vertreter der beteiligten Baufirmen feierlich an seine alten und neuen Nutzer übergeben werden – an die Kinder und Jugendlichen der Stadt und an den Templiner Kunstverein. Die Geschichte dieses Hauses widerspiegelt Stadt- und Nationalgeschichte. 1866 wurde begonnen, die Prenzlauer Toranlage

auf Grund der wachsenden Wirtschaft und des damit zunehmenden Verkehrs umzugestalten. Die Stadtmauer wurde an der Prenzlauer Straße (Ernst-Thälmann-Straße) zur heutigen Prenzlauer Allee durchbrochen und die äußerste Durchfahrt nebst dem alten Torschreiberhaus und den Ställen abgerissen, da die vielfach gewundene Durchfahrt besonders die Langholzfuhren behinderte. Ein Jahr später erhielt die neue Durchfahrt zu beiden Seiten je einen Pfeiler aus

Haus der Jugend und Kultur-„Villa 0.2.“ und „Kunstverein e. V.“ 2014


Bärbel Makowitz: Vom „Bankhaus Ihrke“ zum Haus der „Jugend und Kultur“

Ziegelsteinen. Der Zwischenraum zwischen dem Torturm und dem stehengebliebenen Teil des Vortores, der sogenannte Zwinger, wurde überdacht und der so gewonnene Schuppen als Spritzenhaus genutzt. Auf die Pfeiler wurde 1871 jeweils ein Adler aus Zink mit ausgebreiteten Flügeln, als Schmuck gesetzt. Die Adler hatten eine Höhe von 0,77 m und eine Spannweite von 1,24 m. 1886 wurde ein weiterer Teil der Stadtmauer beseitigt nachdem der Bankier Ihrcke 1885 eigenmächtig den linken Mauerpfeiler, von der Stadtseite aus betrachtet, niederreißen ließ, um hinter dieser Lücke sein Wohnund Bankhaus zu errichten.

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Da das Bankhaus infolge der Weltwirtschaftskrise 1932 schloss, kaufte der aus Berlin gekommene, anfangs im Gebäude der Buchhandlung Kortes in der Mühlenstraße (heute Buchhandlung) praktizierende, praktische Arzt Dr. Kranz das Gebäude und nutzte es als Wohnhaus und Praxis. Dr. Kranz wurde zu Beginn des 2. Weltkrieges eingezogen. Wie die anderen Templiner verließ auch seine Familie am 27. April 1945 vor dem Einmarsch der sowjetischen Truppen die Stadt. Als sie nach Kriegsende zurückkehrten, war das Haus durch die Rote Armee beschlagnahmt und sie wurden von Nachbarn, der Familie Scherff in der heutigen Ernst-Thälmann-Straße, aufgenommen. 1947/48 wurde die Familie enteignet. Sie verließ am 01.05.1949 Templin und ging in die spätere BRD. Von September 1950 bis Ende 1951 befand sich dort das Büro der Vereinigung volkseigener Erfassungs- und Aufkaufsbetriebe für tierische Erzeugnisse (VVEAB). 1953 wurde das Haus vom Rat der Stadt als Klubhaus der Jugend übereignet. Neben der FDJ-Kreisleitung, die bis 1990 dort ihren Sitz, zeitweise mit einem Jugendreisebüro, hatte, war die Gesellschaft für Sport und Villa Ihrcke um 1890 Technik (GST) bis zum Umzug ins Kreisgericht in der Puschkinstraße 1972 untergeDa dadurch das bisherige Ensemble am bracht. Im Erdgeschoss gab einige Jahre eine Prenzlauer Tor verschandelt war, riss man Wohnung und seit 1956 eine Kinderbücherei. den rechten Pfeiler und den Mauerrest an Nach deren Verlegung in das Haus Markt 13 dieser Stelle bis auf einen Stumpf am Vortor wurde dort das Ernst-Thälmann-Kabinett einebenfalls ab. gerichtet. Im linken Seitenflügel leitete Frau Eckardt seit 1959 einen Handarbeitszirkel und baute dann die „Templiner Puppenkiste“ auf. In den Kellerräumen waren Keramikzirkel unter der Leitung von Gottfried Fröde, Gerda Pohl, Edith Kußmann und Elvira Albrecht tätig. Für die Arbeit stand ein großer Brennofen zur Verfügung, der heute noch genutzt wird. Von 1955 bis 1958 war dort auch der Sitz der Transportpolizei, die die Brücken und Bahnanlagen der Stadt bewachte und sicherte. Ansicht 1904


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Templiner Heimatkalender 2016

Haus der Jugend und Kultur 2011

1977 wurde nach Umbauarbeiten ein Jugendklub mit Discokeller unter der Schirmherrschaft des Kreiskabinetts für Kulturarbeit eröffnet. Der Jugendklub führte u. a. mehrmals im Monat Discoveranstaltungen und Konzerte durch. Nach der Wende führte der Landkreis Templin das „Haus der Jugend und Kultur“ weiter. Als der Kreis Templin 1993 aufgelöst wurde, betreute die Zweckgemeinschaft für Berufsbildung im „Treff am Tor“, kurz „TAT“ genannt, bis 2012 ein Info-Café und ein Computerkabinett. Im Obergeschoss etablierten sich der „Templiner Kunstverein“ und die Musikpädagogin Margit Roßberg, die Keramikwerkstatt im Keller wurde von verschiedenen Zirkeln weiter genutzt. Das Haus hat im Laufe der Zeit viele Veränderungen und Um- bzw. Anbauten erfahren, die oftmals nicht fachgemäß ausgeführt wurden. So wurde u. a. 1976 der Keller umge-

staltet und rechts unter dem Anbau ein weiter Eingang geschaffen. 1989 zog man eine Wendeltreppe vom Keller ins Erdgeschoss ein. Das Gebäude, das bereits seit dem 12.02.1980 als Einzeldenkmal ausgewiesen wurde, konnte in den Umsetzungsplan 2012– 2014 für das Sanierungsgebiet „Historischer Stadtkern“ mit Städtebaufördermittel aufgenommen werden. Durch die Stadtverordnetenversammlung wurde beschlossen, das Gebäude nach der Fertigstellung erneut den Kindern und Jugendlichen zur Verfügung zu stellen und nicht zu veräußern, um die Stadtkasse aufzufüllen. Das bisher genutzte städtische Jugendhaus „Villa“ in der Prenzlauer Allee wurde zum Verkauf ausgeschrieben und von der „Wattenbeker-GmbH“ übernommen. Im März 2012 zogen der Kunstverein und die Musikpädagogin als letzte Mieter aus und nutzten als Übergangslösung Räume in der früheren Lindenschule in der Lychener Straße.


Bärbel Makowitz: Vom „Bankhaus Ihrke“ zum Haus der „Jugend und Kultur“

Begonnen wurde mit der Sanierung und Rekonstruktion im November 2012. Die Gesamtkosten lagen bei 1,2 Millionen Euro von denen die Stadt 20 Prozent Eigenanteil aufbrachte. Durch das Land Brandenburg und den Bund wurden die restlichen Gelder aus Mitteln der Städtebausanierung zur Verfügung gestellt. Mit der Sanierung wurden zu 75 Prozent Templiner Firmen oder der Uckermark beauftragt, u. a. die Grafe-Bau GmbH, JKM und Strabag Templin, Templiner Tischlereigesellschaft, Möbel-Damm und Malerunternehmen Dalchow. Der Bauingenieur Martin Bochmann leitete die Planungen, für die Koordination und Bauabstimmung war Herr Martin Koch von der Stadtverwaltung zuständig und Herr Norbert Jung leitete den Einbau der Haustechnik. Da das Haus unter Denkmalschutz steht, musste die Gebäudeaußenhaut erhalten bleiben, das Dach originalgetreu mit Schiefer eingedeckt und die Gesimseeindeckung mit Blech erfolgen. Eine besondere Leistung vollbrachte die Prenzlauer Denkmalpflege GmbH und der Prenzlauer Stuckbetrieb Fink mit der Wiederherstellung der repräsentativen Stuckfassade des Jugendstilhauses. Diese kostete allein schon 150.000 Euro. Neue Nutzer sind das ehemalige Jugendhaus „Villa“ und erneut der „Kunstverein e. V.“ Templin mit der „Kunstschule“. Von den insgesamt 480 Quadratmetern nutzt die Villa ca. 70 Prozent. Dazu gehören die Kellerräume mit Projekt- und Probenräumen sowie ein Ton-Studio für die VillaBands, im Erdgeschoss ein Saal mit Bühne und gut ausgestatteter Küche, der auch als Musik-Café genutzt wird. Leiterin bzw. Teamkoordinatorin der offenen Kinder- und Jugendarbeit ist Tamara Gericke. Die Außenanlagen im Bereich zwischen Stadtmauer und dem Restaurant „Shanty“ sollen nach Vorstellungen der Jugendlichen und von ihnen selbst noch gestaltet werden.

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Joachim Hantke: Wie sich der Nutzgarten in mein Hobby-Paradies verwandelte

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Joachim Hantke

WIE SICH DER NUTZGARTEN IN MEIN HOBBY-PARADIES VERWANDELTE „Exotisches in üppiger Auswahl“, haben die Autoren des Bildbandes „Offene Gärten in der Uckermark“ Bernhard Rengert und Ines Markgraf als Überschrift für ihre Darstellung meines Gartens gewählt. Und als Untertitel haben sie noch eins draufgesetzt: „Die Welt ist bei Joachim Hantke am Lychener Stadtsee ständiger Gast“. Mag sein, dass dieser Eindruck heutzutage zutrifft, wenn der Besucher in Betracht zieht, welche Artenvielfalt auf diesem kleinen Fleckchen Erde anzutreffen ist. Doch das war nicht immer der Fall. Lasse ich meine Gedanken mehrere Generationen zurück schweifen, so war auch unser Hausgarten, wie viele andere, ein Nutzgarten für die Selbstversorgung mit Obst und Gemüse gewesen. Garten, Feld und Wiese gehörten seit Stadtgründung 1248 zu den Hauskaveln. Solange die Lychener als Ackerbürger ihre Ländereien bewirtschafteten, hielten sie ihren Grundbesitz zusammen. In neuerer Zeit aber änderten sich oft die Verhältnisse. Wiesen und Äcker wurden verpachtet oder verkauft. Geblieben sind meistens die Gärten am Haus. Gerade in den Nachkriegsjahren und bis in die DDR-Zeit hinein war der gut bewirtschaftete Hausgarten Lieferant für eigenes Obst und Gemüse und gab zusätzlich noch Futter her für die Kleintierhaltung. Mit dieser Absicht bestellten auch Vater und Mutter den Garten. Wir Jungen halfen

mit. Großmutter schnitt Löwenzahn, Knopfkraut – bei ihr hieß es immer Franzosenkraut – und wilde Melde aus den Beeten heraus als Grünfutter für die Kaninchen und Ziegen. Oft jedoch zog sie mit dem alten Kindersportwagen, mich als Fünfjährigen darin und einem Sack hinaus auf die Felder und Wiesen, um dort Futter zu suchen. Und mit ihr begann meine Liebe zu den Pflanzen. Brachte ich ihr eine Wildblume oder ein Kraut, erklärte sie mir deren Namen. Manchmal dachte sie sich auch einen aus wie z. B. für die Flockenblume. Ich hatte einmal einen ganzen Strauß davon gepflückt.

Der Hausgarten am Lychener Stadtsee.


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Templiner Heimatkalender 2016

Sie nannte sie einfach Popenklöten wegen des dicken Blütenbodens zum Ärgernis meiner Mutter, der ich freudestrahlend die Blumen mit Namen überreichte. Großmutters Wissen kam mir später so manches Mal zu Gute. Fand ich doch in den 1960er Jahren beim Reinigen des Hühnerzwingers ein zartes Pflänzchen im sandigen Boden, das ich sofort als Feldrittersporn erkannte. Der Samen hatte sicherlich im Kornfutter gelegen. Behutsam nahm ich den Rittersporn heraus und setzte ihn in den Steingarten. Leuchtend blau strahlten im Sommer seine Blüten. Er setzte Samen an und war im nächsten Frühjahr wieder da – und das getreu bis heute. In der freien Natur ist er kaum noch zu finden. Über Winterling, Himmelschlüssel, Lungenkraut oder Blutweiderich könnte ich ähnliches erzählen. Ich nahm sie mit und pflanzte sie in die Wiese am Stadtsee.

Lange Jahre arbeitete ich freiberuflich als Dolmetscher und Übersetzer und kam viel herum. Aus Weimar brachte ich mir die Kornelkirsche (Cornus mas), den Diptam (Dictamnus albus u. var. uber), die erste Strauchpaeonie (Paeonia suffruticosa) und eine Frauenschuh-Orchidee (Cypripedium calceolus) von einem Hobbygärtner mit. Nun wurde die Leidenschaft anspruchsvoller. Dieser Frauenschuh brauchte Naturkalk zum Gedeihen. Bald kam die violettrote Bambusorchidee (Bletilla striata) aus der Markthalle am Berliner Alexanderplatz für humose saure oder neutrale Erde hinzu. So wuchs mein Interesse für Freilandorchideen. Teuer wurde das Hobby, denn alle Frauenschuh-Arten kosteten damals schon um die 40,- DM, heute 40,- Euro, das Stück. Mittlerweile gedeihen auf meiner „teuren Ecke“, wie ich immer scherzhaft sage, an die 15 unterschiedlichen Freilandorchideen, die vor allem im Mai ihre Blütenpracht entfalten.

Blühende Bambus-Orchidee ( Bletilla striata var. ruber ).

Gartenhybride „Kentucky Pink“ mit erster Blüte im Mai 2014.


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