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29. – 30. APRIL 2022 NETWORKING VORTRÄGE WORKSHOPS DISKUSSIONEN KONZERTE
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Editorial
Umzug
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scheune 2.0
Abrissparty
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Poster
MusicMatch
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Neustart Kultur
Blechschloss-Programm
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Blechschloss-Bau
Programm
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Vorplatz
Team
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Danke
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Impressum
Nachruf
Inhalt scheune Dresden
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Editorial Anika Jankowski Geschäftsführung Oh, my music! Musikverlag und Sunset Mission Konzertagentur
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Die scheune konnte ich 2010 erstmals so richtig kennenlernen. Bei Aufnahme meiner Tätigkeit als Mitarbeiterin des Hauses und Leiterin der scheune Akademie war die „Grande Dame an der Alaunstraße“ knackige 58 Jahre jung. Mit der Zeit verstand ich mich sozusagen blind mit der scheune. Auch bei ausgeschaltener Beleuchtung fand ich sicher meinen Weg. Jedoch immer wenn ich dachte „jetzt kenn ich dich in- und auswendig“, offenbarte mir die Location eine weitere Überraschung. Die Geschichte hinterließ ihre Spuren. Und so schön die altehrwürdige Patina auch ist, wenn du im Büro sitzt und bei jedem Soundcheck fürchten musst durch die Decke zu stürzen, weil der Boden so vibriert, ist es Zeit für eine Generalüberholung. Fast ein Jahr lang tüftelte die „AG Abriss“ an einem gebührenden Abschied für das alte Haus – auch wenn es sich hierbei eigentlich gar nicht um ein Ende sondern vielmehr um eine Zäsur handelte. Der globalen Pandemie trotzend und in vielen Varianten planend konnte Ende September die scheune ihren Glanz, ihre Magie, aber auch ihre Rolle in der Stadtgesellschaft zur Schau stellen. Sie ist, war und bleibt ein Ort des Zusammenkommens, der Kreativität, des Möglich-Machens. Der Neuanfang ließ nicht lange auf sich warten. Nur wenige Meter entfernt entstand zeitgleich mit der Schließung der scheune das Blechschloss auf dem Vorplatz. Wäre die scheune ein Baum, würde jetzt ein Samenkorn auf dem Vorplatz an der Alaunstraße keimen. Das Schloss ist zwar deutlich kleiner als das alte Haus, dennoch bietet es viel Raum für Experimente und bringt den Zwang und den Drang für neue Formate mit sich. Der Spirit der scheune treibt Wurzeln in die Stadt. Deutlich zu sehen ist das am Blechschloss, aber finden kann man sie in ganz Dresden – in den befreundeten Häusern wie der GrooveStation, der Tante Ju, der Chemiefabrik, dem Beatpol und der Schauburg – wo das scheune-Programm in den kommenden Monaten und Jahren fortgesetzt werden kann. So lange bis die scheune wieder als eigenes Kulturzentrum ihre Pforten öffnen wird.
„The only thing constant in the world is change.”
India Arie
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Umzug Auf Wiedersehen, altes Haus!
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Eben noch siebzig Jahre alt geworden, folgte Ende 2021 der Abschied. Die scheune, seit 1951 zentraler Begegnungsort in der Neustadt, wird saniert. Die Dauer des Umbaus ist auf optimistische zwei Jahre terminiert, das Ende ist also zugleich der Übergang zu einem neuen Beginn. Die Grußformel „Auf Wiedersehen“ ist folglich absolut zutreffend. Wehmut kam dennoch auf, beim Ausräumen und beim Gang durchs ausgeräumte Gebäude. So ein Auszug ist reichlich zeitintensiv. Dieser Faktor multipliziert sich noch, da die scheune nicht nur auszog, sondern auch einzog. Denn der Abschied auf Zeit gilt nur dem eigentlichen Objekt. Das Programm und die Gastronomie verteilen sich. Wir haben nun ein Büro auf dem Turnerweg, ein Café in der Görlitzer Straße und das Blechschloss als Ankerpunkt und Interimsspielstätte auf dem Vorplatz an der Alaunstraße. Soweit bleibt alles in der Neustadt. Dazu kommen diverse Lagerräume, sowie Locations, in denen wir in der Sanierungsphase unser Programm „Außer Haus“ präsentieren werden.
scheune 2.0 2018 beschloss der Dresdner Stadtrat die umfassende Sanierung der scheune. Dieser Beschluss sah auch die Einbeziehung einer Gestaltungskommis-
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sion sowie eine Bürger:innenbeteiligung zur künftigen Fassadengestaltung vor. Im Ergebnis des durchgeführten Austauschs wünschten sich viele Teilneh-
mende ein offenes Haus mit umweltverträglichen und nachhaltigen Materialien wie Holz oder Naturstein. Ergänzt durch Fassadenbegrünung und Flächen für Graffiti. Die gesammelten Anregungen flossen in den Entwurf des zuständigen Architekturbüros ein. Nun beginnt die Umsetzung. Die scheune ist geräumt,
der Baustart ist für 2022 angesetzt und auf eine Dauer von zwei Jahren veranschlagt. Demnach soll – Optimismus! – die scheune 2024 als ein modernes, barrierefreies und räumlich optimiertes Gebäude wieder öffnen.
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Abrissparty Ein Haus geht, ein Haus kommt... ...und dazwischen werden Räume leergeräumt und dann wird diskutiert und geplant und verworfen und eingeladen und gewartet. Gewartet auf Zusagen, auf Absagen, auf Ansagen, auf das RKI und die Sonne. Getroffen wird sich meistens dienstags, manchmal donnerstags mit Musiker:innen, Gestalter:innen, Kurator:innen, Theatermacher:innen, Performer:innen. Ihr stellt Fragen, wir stellen Fragen, ihr zeigt euch und wir zeigen euch unsere Räume.
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Bewegt wird sich zwischen aufgeregt und stoisch, skeptisch und gelassen, genervt und übermütig. Wer fehlt? Wer macht noch mit und warum? Wieder Falafel-Teller und jetzt schon August. Das Haus ist vertraut und die Geschichten darum sind groß. Ein Kamel vor der Tür oder war es ein Elefant? Ein Bus aus London war ganz sicher da und Campino ist durchs Klofenster eingestiegen! Im September haben wir gefeiert – euch, uns, die Geister und die neuen Geschichten! Text: Projektmanagerin Karen und ihre Sicht auf die Vorbereitungen zu dem von ihr geleiteten Projekt „scheune Abriss“ – eine finale Partywoche am, im und ums Haus im Herbst 2021.
Die letzte Party
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Ein Konzert oder eine Podiumsdiskussion im Livestream umzusetzen ist eine Erfahrung, die in diesen Zeiten jeder Club schon mal gemacht hat. Aber eine Konferenz samt Festival in den digitalen Raum zu transferieren, war dann doch nochmal eine andere Nummer. Wir haben uns mit MusicMatch 2021 dieser Herausforderung gestellt, denn eine erneute Absage war keine Option. Unter der Schirmherrschaft der Sächsischen Staatsministerin für Kultur und Tourismus Barbara Klepsch verhandelten wir erneut Themen an der Schnittstelle von Musik, Gesellschaft und Politik. Podiumsgespräche, Vorträge und Workshops funktionierten digital erstaunlich gut. Großer Vorteil: mit einem Klick ist (theoretisch) die ganze Welt zu Gast. Das war auch am bundesweiten Zuspruch der Konferenz zu spüren. Auf der Festivalbühne standen Haiyti, Pöbel MC und viele weitere Acts im Rampenlicht. Hier müssen wir schon ehrlich sein. Der Sound, das Licht, die Stimmung mit den Menschen vor Ort, all das lässt sich nicht so leicht auf den Bildschirm zu Hause übertragen. Insgesamt waren wir sehr zufrieden mit unserer OnlineEdition, freuen uns aber trotzdem schon sehr auf den 29. und 30. April 2022, wenn MusicMatch wieder analog stattfinden wird.
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MusicMatch 2021 Online- Edition in Zahlen
270 Teilnehmende an Konferenz und Festival
17 Liveacts und DJs
4 durchgebrannte Sicherungen
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50 Referent:innen
17 Konferenz-Events
1 Stein vom
Unzählige tolle Begegnungen und Ideen
Neustart Kultur Neustart-Schwierigkeiten oder: Als der Lärm in den Kiez zurückkam Es gab Zeiten, da war Kultur wichtig. Übervolle Konzerte galten als Gradmesser für Erfolg. Damals, das heißt Präteritum. Corona beherrscht seit zwei Jahren die Szene, Limitierung ist das Gebot. Konzerte und Partys? Nicht systemrelevant! Situationsgeschuldeter Geringschätzung kreativer Nützlichkeit folgten Überlebenshilfen in Form von Förderprogrammen. Deren Fokus: Erhalt von Livemusikspielstätten, was die gesamte Struktur von auftretenden Bands bis Bühnentechnik mit einschloss. Auch die scheune wurde Teil von NEUSTART KULTUR und somit finanziell unterstützt von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Initiative Musik. Nach langer Pause wurde im Frühsommer die Play-Taste gedrückt. Konzerte waren wieder live zu erleben. Vorzugsweise draußen. Ein Angebot, welches auch Anklang fand. Apropos Anklang … der kommt ja bekanntlich ohne den Klang nicht aus. Und von hier ist der Weg zum Lärm nur ein kurzer. Denn nun kam es zu einer speziellen Situation: Nach Monaten der Stille in der Dresdner Neustadt, die es zuletzt wahrscheinlich gab als die Förstereistraße noch direkt zum Forsthaus führte, war die akustische Sensibilität von Teilen der Nachbarschaft neu kalibriert worden. Beim ersten Ton des frühabendlichen Soundchecks stand immer jemand am Tor. Häufig mit der Einleitung: „Ich finde ja generell gut, was ihr macht, aber ...“ Im Extremfall war auch mal ein Hammer und dessen Wirkung auf Instrumente im Spiel, wobei es nicht um Klaviermechanik ging. Was antworten?
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Wir erklären die Situation. Jetzt im Präsens, das heißt im fortschreitenden Prozess. Wir werben um Verständnis für die Kultur. Wir verweisen auf Menschen, denen Livemusik Lebensfreude gibt. Wir rechnen nicht nach, ob hundertmal Freude, einmal Lärmärger aufwiegt. Die Berechnung müsste kindlichen Schlafbedarf und adulten Exzessdrang inkludieren. Schwierig! Am Ende geloben wir Lautstärke und Zeitrahmen sorgsam einzuhegen, um überhaupt Konzerte zu realisieren. Weit weniger als gewöhnlich. Denn, mit steigenden Inzidenzwerten sinken die Möglichkeiten, um zum Jahresende erneut in einen Kulturlockdown zu taumeln. Ein wirklicher NEUSTART war das nicht. Wir hoffen nun auf 2022 und schauen mit gebremstem Optimismus erneut Richtung Sommer. Wir haben unsere diplomatischen Skills geschärft und zudem die Hoffnung behalten, dass Kultur und Corona ihre Systemrelevanz endlich tauschen.
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Blechschloss Besonderheiten beim Booking im Blechschloss „Ist das Booking schwieriger, wenn die Bühne fast so groß ist wie der restliche Veranstaltungsraum?“ Diese Frage zur Programmgestaltung im neuen Blechschloss ging an unseren Programmverantwortlichen Frank. Seine Antwort: „Das Programm für das Blechschloss zu buchen ist eigentlich eine recht dankbare Aufgabe. Sympathisch finde ich die klar feststehenden Rahmendaten, welche wenig Verhandlungsmasse für das momentan mehr und mehr abhebende Agenturbusiness bieten. Eine feste, klare Eintrittspreispolitik, die kleine, unzweideutig kommunizierte Kapazität, der nicht vorhandene Konsumzwang, sowie das Wissen um unsere professionellen Produktionsabläufe in einem eingespielten Team ergeben verlässliche Eckdaten. Wer sich in den Rahmen einzufügen vermag, der bekommt seine Chance zu spielen. Und weil man ja auch keine Publikumsmassen unterbringen kann, bietet dies nun endlich auch mal Künstler:innen eine Chance, die ansonsten im etablierten Kulturangebot der Stadt wenig Chancen haben, sich zu präsentieren. Weil ich ja gerade daran schon immer Spaß hatte, könnte das Ganze eine wirklich erfüllende Sache werden. Ich freu mich drauf!“
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Interview mit dem Architekten Bastian Engelmann
Im November 2021 öffnete das Blechschloss für erste Veranstaltungen. Dem voraus ging eine lange Phase der Planung und eine nicht ganz stressfreie Zeit des Aufbaus der Containerburg. Immer mit dabei: Architekt Bastian Engelmann. Ein kurzes Interview.
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Was hat dich dazu bewogen die Mitarbeit an diesem Projekt zuzusagen? Die Aufgabe und der Bauherr! Wir bearbeiten im Büro sehr verschiedene Aufgabenfelder, auch deutlich größere Aufträge. Aber die sehr direkten, kleinen und individuellen Projekte, die von Leuten mit sehr viel persönlichem Engagement und Herzblut vorbereitet und angestrebt werden, sprechen uns auf einer Ebene an, auf der unsere Lust und unser Engagement geweckt werden. Erstaunlicherweise wird einem diese Konstellation nach wenigen ausgetauschten Sätzen klar. Es war schnell eine Freude, gemeinsam die kleinen Ziele und am Ende das große Ziel – die Nutzungsaufnahme – zu erarbeiten und damit ein Stück Kultur sowohl baulich als auch zwischenmenschlich und gesellschaftlich zu formen und zu etablieren. Der Grund für unseren Job! Danke!
Gibt es besondere Herausforderungen bei der Bauplanung mit Containern? Jede Aufgabe hat ihre spezifischen Herausforderungen, aber im Fall des Blechschlosses waren es wohl nicht die Container selbst, sondern eher die
„Nachnutzung“ der gebrauchten Container. Ein Produkt, von dem niemand etwas Genaueres weiß, von dem es keine Datenblätter oder Typenschilder gibt. Zum Glück war das Projektteam mit „Machern“ und nicht mit „Bürokraten“ gesegnet ;)
coronamaßnahmenbedingt folgte dem schon stark eingeschränkten Opening absehbar ein Closing. Unsere Mundwinkel folgten der Stimmung nach unten, was aber kaum zu sehen war, da das Hygienekonzept eine zu tragende FFP2Maske vorschrieb)
Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie hoch war der Chaos-Grad dieses Projektes?
Wie stehst du heute zu „lachsorange“?
Schwere Frage! Ich fand das Projekt sehr gut vorbereitet und vorbesprochen, als ich eingestiegen bin. Während der Bearbeitung gab es zu allen Fragen und Sorgen postwendend Antworten und Zuarbeiten. Also eigentlich gibt‘s keine Klagen. Trotzdem hat es sich von außen wahrscheinlich oft chaotisch angefühlt. Ich halte das für normal und wesentlich beim engagierten Miteinander. Also eine bewertungsunfähige 3.
Blechschloss 2.0 im Jahr 2031, wärest du wieder dabei? Na auf jeden Fall! Dann aber bitte mit Einweihungsparty ohne Beschränkungen und mit freudigen Gesichtern bei euch! (Anmerkung scheune:
Sorry, aber es bleibt dabei … Schlüpperfarbe!
Deine Idee zur Nachnutzung des Blechschlosses … Die Neustadt und die scheune brauchen Orte wie das Blechschloss. Lasst es euch nicht wegnehmen und stapelt jedes Jahr neu ;)
Wirst du dich jemals daran gewöhnen, dass alle Se-Bastian sagen? ;) Mir bleibt wohl nix übrig … Meine Eltern meinten, dass der Vorname bei dem langen Nachnamen etwas kürzer sein könnte. Ich habe das Gefühl, dass das nicht ganz bis zum Ende bedacht war ;) Aber ich mag meinen Namen und bin trotzdem extrem tolerant … meistens weiß ich, dass ich gemeint bin ;)
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Blechschloss
Programm Was hast du dir nur dabei gedacht, Frank? Das habe ich mich auch des Öfteren gefragt im vergangenen Jahr. Was habe ich, ja was haben wir uns nur dabei gedacht? Ich glaube, das zu ergründen, ist kein wirklich erbaulicher Akt. Denn zu viele verordnete Zwangspausen geben auch viel Zeit zum Grübeln. Und Stoff dafür gab es ja genug, im Allgemeinen und im Speziellen. Aber versuchen wir mal, ein paar entscheidende Momente des Jahres 2021 Revue passieren zu lassen. TV-Show in Stereo ... und manchmal auch in Mono, und manchmal auch ohne Ton und mit wackeligem Bild, und meistens recht ungelenk. Scheune goes Streaming – was auch sonst, wenn Publikum in real ausgeschlossen ist. Was haben wir da nicht alles versucht? „scheune Revue“ mit großem Showprogramm, „HipHop Jam“
vor der Ghetto-Blaster-Wand, Operetten-Intermezzo oder die „Mitsingzentrale“ als steter Selbstfindungskurs. Ob es draußen wen interessierte? Keine Ahnung, kaum messbar. Die GEMA hat es immer interessiert, selbst wenn sie nicht mal ein Meldeformular in ihrem digitalen Backend dafür bereithält. Wir sind nicht dümmer geworden, und die Lost-Places-Expedition in den verlassenen Clubs mitten in der Neustadt hat damals doch auch Spaß gemacht. Und darum ging es ja auch irgendwie – nachzuschauen in diesem Internet.
Die Kraft des gesprochenen Wortes Gemeinsam mit unseren Partnern von Faible Booking aus Leipzig wagten wir mit dem „Litpark“ im Parktheater Großer Garten den kühnen Versuch, ein Festival mal anders zu denken: Statt Bands gab es Literat:innen und die Livemusik wanderte ins Pausenprogramm. Sechs Stunden Spoken Word am Stück. Harte Challenge für Dresden, das aber auch mitten im Juli mehr Auswahl an Umsonst-und-Draußen-Angeboten scheune Dresden
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hatte, als es in der Lage war, mit Leben zu füllen. Starke Worte fand auch Moritz Neumeier in einer – dank zwischenzeitlicher 2G-Option – mehr als ausverkauften Schauburg; inklusive eingebauter Brandschutzübung. Dass so ein kleines Pausenzigarettchen im Backstage zu einer kompletten Kinoevakuierung führt, konnte ja auch keiner ahnen. Aber was soll bei solch einem professionellen Haus wie der Schauburg schon schiefgehen?
Corona so oder so Lowlight des Jahres waren die mit jeder Novelle immer abstruser und widersprüchlicher werdenden CoronaSchutz-Verordnungen nebst der begleitenden Debatte. Bis in den Juni rein ging gar nichts, dann ein bisschen über den Sommer. Was genau erlaubt war, wusste keiner so recht – am Ende das, was sich jeder in sein eigenes Hygienekonzept schrieb und den Kontrolleur:innen glaubhaft als Wahrheit zu verkaufen verstand. Das Gesundheitsamt begann da schon die Waffen zu strecken. Wir so: Openair-Konzerte auf dem Hof, erst zögerlich mit 100 Leuten auf Stühlen, später mutiger mit 300 im Stehen, na ja und irgendwann im Herbst dann – als wäre nie was gewesen – tobte vollgepackt und schweißtriefend 24
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der Punk in der Chemiefabrik zu Radio Havanna. Erinnert ihr euch? Das waren die, die dasselbe Konzert anderthalb Jahre zuvor genau dort spielen sollten. Ihr Auftritt war der erste, den Gevatter Corona damals sabotierte. So schließen sich Kreise. Am Ende waren für eine kurze Zeit mal Aerosole, Abstände und Einhalt vergessen, aber eben nur kurz. Wenig später schlossen sich die Türen wieder schneller als erwartet. Und zwei Tage vor Weihnachten bot die Stadt ein kulturell so trostloses Bild, wie ich es selten gesehen habe und es auch bitte nie wieder sehen möchte!
Wenn schon Kunst, dann richtig! Aber wollen wir mal nicht alles grau sehen. Das Geld aus der dem Neustart-Topf der Initiative Musik, dem es egal war, ob es Roland Kaiser, Chilly Gonzales oder Martin Seidel zukam, sorgte für einige Konzerthighlights, die auch unter Normalbedingungen nur schwer möglich gewesen wären. Man denke an die brachiale Wall of Sound, die Anna von Hausswolff mit ihrer Band BADA im Jazzclub Tonne errichtete, das unglaublich ambitionierte Konzert des zwölfköpfigen Jazzorchesters um den Leipziger Philipp Rumsch, das Ethno-Folk-Spektakel mit Dikanda aus Polen oder die Industrial-Performance von Kollaps, mit der
nach langer Pause auch im Konzertkeller Riesaefau mal wieder laute Musik Einzug halten durfte. Mein tiefster Respekt gebührt in dem Zuge Giorgio Salmoiraghi, einem Bookingagenten und Musiker, der im Herbst mit zwei seiner drei unglaublich ambitioniert geplanten Europatouren hier Station machte, und nicht einmal mit der Situation haderte. Für derlei inspirierende Begegnungen bin ich einfach nur dankbar.
Denken Sie groß Die Milliarden sind eine Band aus Berlin, und zwar eine richtig gute, vor allem, wenn sie live spielen. Und die Milliarden hatten eine neue Platte am Start, sehr gut beleumundet, selbst von der sächsischen Presse. Und die Milliarden schickten sich an, diese bei uns auch leibhaftig vorstellen zu wollen. Auch ihnen machte die Pandemie einen Strich durch die Rechnung und zwang zum steten Schieben des Vorhabens – aber Moment: Warum nicht mal etwas größer denken? War nicht gerade die Kaisermania wieder vakant und auch der Silbermond konnte nicht aufgehen? Elbufer ganz ohne Konzerthighlight? Hey, wer nicht wagt der nicht gewinnt! Und die Kolleg:innen der Filmnächte machten mit. Es war anstrengend am Ende, etwas zu ambitioniert vielleicht und nur
umsetzbar, weil alle wirklich wollten und starre Konventionen mal für einen Nachmittag vergaßen. Leider vergaß der liebe Gott auch die Dusche abzustellen, nämlich das Wetter. Das hätte besser sein können! Leider bleib der Zuspruch des Publikums weit hinter unser aller Erwartungen, aber dennoch gab es ein wirklich exzellentes Konzert mit tollen Bildern und abgefahrenem Bühnensetting von einer der besten Livebands dieses Landes. All das direkt nach dem letzten Ton in 20 Minuten abzubauen, so dass der Spätfilm pünktlich starten konnte, war eine der professionellsten Rock’n’Roll-Aktionen des Jahres.
The End Einfach nur „Abriss“ nannte sich das Grande Finale von 70 Jahren scheune in den alten Mauern. „Fünf Tage, die mich mit dem Haus wieder versöhnt haben“, war danach das wohl schönste Kompliment, das ich aus dem Mund eines manchmal auch kritischen Freundes hören durfte. Und ich mag dem nix hinzufügen. Viele Wegbegleiter:innen, die den Rock’n’Roll-Spirit noch in sich tragen, waren da und haben sich eingebracht. Es gab fantastische Konzerte in den wahnwitzigsten Settings. Der Seminarraum wurde zur schwarzen Höhle mit integrierter White-Cube-Installation, scheune Dresden
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der Backstage zum Café, das Techniklager zur Livebühne und die Lounge zum temporären Tattoostudio. Überall poppten Sachen auf, die Fassade erstrahlte in den buntesten Farben und zum Schluss gab es die große Schaumparty nebst barbarischem Kater. Ich habe auch lange nicht mehr so wenig geschlafen. Die wohl stressigsten Tage, die ich je erlebt habe, aber das war es wert. Tut mir leid für alle, die nicht dabei sein konnten oder wollten. Wenn ihr wüsstet!
The Beginning Während des Abrisses begann aber auch bereits der Aufbau, der Aufbau des Blechschlosses vorm Haus. Dank meiner eigentlichen Ausbildung als Ingenieur oblag mir ein Großteil der Koordination unseres Vorhabens, sich einen Interimsclub mal eben selbst hinzubasteln. Am Ende wusste ich, warum ich selbst nie bauen wollte. Am 11.11. wollten wir den Einzug feiern, wofür bis kurz vor knapp noch geräumt, geschraubt und bei der Bauabnahme geschwitzt und gezittert wurde. Zum Sektempfang am Abend hingen alle in den Seilen. Das Auftaktkonzert mit Maria Moctezuma zwei Tage darauf war großartig, litt jedoch schon stark unter einem weiteren, nahenden Lockdown. Als weitere sieben Tage später Denis Kappes seine Show beginnen 26
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wollte, waren in der gesamten Neustadt nur noch Menschen unterwegs, die entweder eine Teststation oder den letzten noch offenen Glühweinstand suchten. Denn zwei Tage später gab es selbst den nicht mehr. Der wohl traurigste Moment meines mittlerweile 25-jährigen Veranstalterdaseins – ein Konzert einzig fürs Personal. Seither heißt es: Schauen wir mal, wann wieder was gehen darf! Die Hoffnung stirbt zuletzt!
Vorplatz Vom Vorplatz zum Schlossplatz Die scheune ist noch näher an den Vorplatz gerückt. Genauer: auf ihn. Denn mit dem Herbst kam das Blechschloss, die Interimsspielstätte des Hauses für die Zeit der Sanierung. An der bisherigen Strategie, den Platz an der Alaunstraße mittels Kultur attraktiver zu gestalten, ändert sich wenig. Auch für 2022 sind wieder gut etablierte Formate gesetzt. El-Tauscho-Markt, Kopfhörerdisko, Konzerte, Tischtennis und mehr – so die Coronalage es zulässt. Im vergangenen Jahr – Lockdownzeit – diente der Platz als Pausenraum für Lieferandos Kurier:innen. Veranstaltungen konnten später nur unter strengen Hygieneauflagen stattfinden. Der Bedarf an Testmöglichkeiten war groß. In dem Zusammenhang beherbergte der Vorplatz bis zum Frühsommer eine Teststation auf Containerbasis. Ein Vorgeschmack aufs Blechschloss, welches in der Optik jedoch um einiges ansehnlicher ist. Blechschloss und Vorplatz sind also wie Salz und Pfeffer. Wie Heino und Hannelore. Wie die Schöne und das Biest. Oder einfach wie drinnen und draußen.
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Blechschloss
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Stephan (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) Ben (Management, Scheune Akademie) Lennart (MusicMatch, Nachhaltigkeit) Ludwig (Veranstaltungsproduktion)
Team
Ole (Koordination Vorplatz) Frank (Booking) Romy (Geschäftsführung) Falk (Technische Leitung) Marcel (Administration, Veranstaltungsbetreuung) Norman (IT, Datenschutz) Aule (Hausmeister) Abdi, Friede, Kerstin, Miriam, Sarah, Stephan (Servicekräfte) scheune Dresden
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An unser Publikum und unsere Familien, Partner:innen, Unterstützer:innen, Nachbar:innen, Freund:innen, Kolleg:innen, Mitarbeiter:innen, Kritiker:innen sowie die Käufer:innen unseres Supporter-Tickets. Besonderer Dank an: Klubnetz Dresden, DAVE e.V., Stiftung Äußere Neustadt, Hartmann Ingenieurbüro für Brandschutz, Bastian Engelmann von Architekten 11, Leo Schöning und Kolleg:innen, Schauburg Dresden, Livekomm e.V, Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Dresden Marketing, Dresdner Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, Fonds Soziokultur, allen Beteiligten der Abrissparty sowie Helfer:innen des Blechschloss-Baus, Landeshauptstadt Dresden: Amt für Kultur und Denkmalschutz, Stadtbezirksamt Neustadt, Stadtplanungsamt, Bauaufsichtsamt, Amt für Hochbau und Immobilienverwaltung.
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Spacke im Interview Danke für alles Michael „Spacke“ Kremer Scheune-Urgestein und -Grafiker 1954 - 2022
Impressum
scheune e.V. Alaunstraße 36-40 01099 Dresden Büro: Turnerweg 6 01097 Dresden Telefon: 0351-32355640 E-Mail: info@scheune.org Vorstand scheune e.V.: Ralf Seifert (1. Vorsitzender) Ulla Wacker (Stellvertreterin) Yvonne Bonfert (Kassenwartin) E-Mail: vorstand@scheune.org Geschäftsführung: Romy Jaehnig (gf@scheune.org) Redaktion: Olaf Hornuf (olaf.hornuf@scheune.org) Lektorat: Stephan Zwerenz (presse@scheune.org) Heftgestaltung: Grafikbüro Sebastian Stier (sebstier@web.de) Fotos: Seite 4: Anika Jankowski, Seite 12/13, Seite 10/11, Seite 6: Robby Klee, Seite 8: Miller Architektur, Seite 16: Frank Schöne, Seite 18/22/30: Stephan Böhlig, Seite 27: Dave Mante, Seite 29: Kollektiv Frau Albert, Seite 33: David Campesino
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Die scheune bedankt sich für die institutionelle sowie projektbezogene Förderung.
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