Wirtschaftskammer „Schlesien” Viele Möglichkeiten für das Unternehmertum
Die Wirtschaftskammer „Schlesien” ist eine Organisation der wirtschaftlichen Selbstverwaltung, die Initiativen unterstützt und an Tätigkeiten teilnimmt, die mit der Entwicklung des Unternehmertums in Schlesien verbunden sind. • Schulungen, Workshops, Konferenzen, Beratungen • Kooperationsbörsen • Messen und Ausstellungen • • Zusammenarbeit mit den Wirtschaftskammern aus der Bundesrepublik Deutschland und aus der Tschechischen Republik
Kontakt Wirtschaftskammer „Schlesien” 45-310 Opole / Oppeln • ul. Ozimska 184 • Tel./Fax: +48 77 4538484 • E-Mail: info@igsilesia.pl • www.igsilesia.pl
Im Heft 3
Wirtschaft
Kultur & Lifestyle
4 | Polnische Wirtschaft könnte in der EU am
30 | Filmmusik von Spiderman, Iron Man und
schnellsten wachsen
Batman live
Das Potenzial ist groß – Polen könnte sich langfristig schneller entwickeln als alle anderen EU-Länder
Eine einmalige Gelegenheit für Musik- und Filmfans
6 | Geschäftsklimaindex: Kein Optimismus unter
Die Grammys wurden bereits zum 59. Mal verliehen
den Unternehmern in Polen aber Hoffnung auf Besserung
Der Geschäftsklimaindex, der von dem Arbeitgeberverband Pracodawcy RP veröffentlicht wird, befindet sich gerade auf dem niedrigsten Stand in seiner dreijährigen Geschichte
7 | Onlinehandel legt den Turbo ein
2016 wuchs die Zahl der Polen, die online einkaufen um weitere 7%
8 | JP Morgan hebt Wachstumsprognose für Polen an 8 | Index of Economic Freedom: Polen fällt zurück 10 | Rekordjahr für Polens Tourismus 12 | Polen brauen das beste Bier der Welt! 12 | Freizeit ist bei vielen Polen Fehlanzeige 14 | Löhne und Beschäftigung im Januar überraschend hoch 15 | 40% der Unternehmen in Polen will Ukrainer einstellen 16 | Polnischer Arbeitsmarkt wird
31 | Krzysztof Penderecki mit Grammy-Award 32 | Polen in Hollywood
Ab und zu hört man, dass polnische Prominente, Hollywood zu erobern versuchen. Wir nennen diejenigen, die es wirklich geschafft haben
34 | Silberner Bär für Agnieszka Holland 34 | Kasia Moś - Polens Stimme auf dem ESC 35 | #WirKochen: Schlesisches Mittagessen 37 | Millionen für Warschaus Schlösser und Museen
Tourismus 38 | Schlösser in Polen, die man unbedingt besuchen muss
Marienburg oder Wawel in Krakau kennt jeder Tourist, der sich nur ein wenig mit Polen beschäftigt hat. Doch diese zwei Schlösser sind weit nicht die einzigen die man sehen sollte
43 | Ein Ständchen für Oppeln
Die südpolnische Stadt Opole (Oppeln) feiert 2017 mit zahlreichen Veranstaltungen den 800. Jahrestag der ersten Stadtgründung
frauenfreundlicher 16
| Miele mit zweiten Produktionsstandort in
Polen 17 | Swarovski investiert in Danzig und verlagert seine Verwaltung nach Polen 17 | Deutsches Bauunternehmen will vier
Meinung 44 | Warum die deutsche Sprache für Polen wichtig ist
Polen ist noch immer das Land, in dem die Gruppe der Deutschlernenden weltweit am größten ist
Produktionsstandorte nach Polen verlegen 18 | Wie steht es um polnische Kultmarken? 21 | Amazon mit fünften Logistikzentrum in Polen
Interview 46 | 17. Österreichischer Frühling - Interview mit Monika Wójcik-Bednarz
Politik 22 | Der polnische Gesetzexpress
So viele Gesetze wie 2016 wurden seit 99 Jahren nicht mehr verabschiedet
24 | Polen und seine Umweltpolitik
Zwar hat man sich seit dem Beitritt zur EU in Sachen Umweltpolitik deutlich verbessert, trotzdem verliert Polen bis zu 26 Mrd. Euro jährlich an Smog-Kosten
25 | Wahlumfrage: PiS überrollt die Konkurrenz
In der Februar-Umfrage von IBRiS bleiben die Werte einzelner Parteien weitgehend stabil
26 | Polen antwortete der EU-Kommission 27 | Polen will die Finanzjobs der Londoner City
Impressum PolenJournal.de Chefredakteur: Piotr Piela Grafik & Design: Emanuela Janda Textkorrektur: Kathrin Gorzela Autoren: Emanuela Janda, Ramona Nocoń, Piotr Piela, Anna Rosenthal, Rafał Stelmaszewski
für sich gewinnen
facebook.com/polenjournal twitter.com/PolenJournal
Technologie
Herausgeber: sc.media ul. Wrocławska 133 46-057 Opole /Polen www.sc.media redaktion@polenjournal.de
28 | Syrena: eine Kultmarke vor Wiederbelebung
Kult, legendär, modern und öko - AK Motor will Syrena als Elektroauto wiederbeleben
4 Wirtschaft
Polnische Wirtschaft könnte in der EU am schnellsten wachsen Das Potenzial ist groß – Polen könnte sich langfristig schneller entwickeln als alle anderen EU-Länder – berichtet das Beratungsunternehmen PwC. Die vielversprechende Wachstumsperspektive deckt sich mit den Erwartungen der CEOs, die überzeugt sind, dass die Unternehmen ihre Umsätze im kommenden Jahr steigern.
I
n dem Bericht The long view: How will the global economic order change by 2050? unterstreichen die Experten von PwC, dass der Anteil der aufstrebenden Schwellenländer langfristig am Weltwachstum weiterwächst. Laut den Autoren gehört Polen und Kolumbien zu den Ländern, die das größte Potenzial haben, um bis 2050 in ihren Regionen das schnellste Wirtschaftswachstum zu erreichen. Das geht aus der Methodologie hervor, die die Demographie, die Bildung, den technologischen Fortschritt und das Investitionsniveau umfasst. Polen könnte in dieser Zusammenstellung noch höher rangieren, wäre der demographische Wandel nicht der
schlechteste von allen Ländern (mit Ausnahme von Japan).
Krason, der Geschäftsführer PwC in Polen.
von
Einen der besten Wachstumspotenziale unter allen Länder zu haben, ist eine sehr gute Nachricht. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es sich um eine Perspektive bis 2050 handelt. Damit ist eine ganze Reihe von Faktoren verbunden, die darauf Einfluss nehmen. Die größte Herausforderung für Entscheidungsträger und Unternehmer in Polen ist die Stimulierung des Wachstums durch einen Aufbau eines Unternehmerfreundlichen Geschäftsklimas, sowie die Stärkung des Wettbewerbsfaktors, der auf Innovation und modernen Technologien basiert – sagt Adam
Geschäftsführer blicken mit mehr Optimismus in die Zukunft Die vielversprechende Wachstumsperspektive deckt sich mit den Erwartungen der Geschäftsführer aus Polen und Mittelosteuropa. 38% der Befragten ist fest davon überzeugt, dass die Umsätze ihrer Unternehmen innerhalb des kommenden Jahres weiterwachsen werden. 41% gehen davon aus, dass sich die Umsätze nur bis zu einem gewissen Grad steigern. Noch vor einem Jahr lagen diese Werte (der Reihe nach) bei 37% und 38%.
Wirtschaft 5 Noch optimistischer ist der Blick auf die lange Perspektive. Fest überzeugt von einer besseren Geschäftslage in den kommenden drei Jahren sind 44% der Unternehmer. 41% sind der Meinung, dass diese nur bis zu einem gewissen Grad besser wird. Trotz des weitgehend optimistischen Blicks in die Zukunft, nannten die Unternehmer auch Bedrohungen für die Zukunft ihrer Firmen und Geschäfte. In Bereich Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Umwelt wiesen 82% der CEOs auf politische Unsicherheit, 80% auf übermäßige Regulierung und 78% auf das Wirtschaftswachstum hin. Wenn es wiederum um die geschäftliche Bedrohungen geht, wurde an erster Stelle der Zugang zu Schlüsselkompetenzen (76%) und das Kundenverhalten (61%) genannt. Die Unternehmer in Polen und Mittelosteuropa sind sich bewusst, dass diese Region zu den größten
Anzeige
Profiteuren der Globalisierung gehört. Gleichzeitig sind sie sich aber auch der Herausforderungen bewusst, mit denen man sich messen muss, um diese Entwicklung fortzusetzen. Die bevorstehenden Herausforderungen sind zwar enorm, doch wenn man auf die Erfolge der letzten 25 Jahre zurückblickt, ist es einfacher mit Optimismus in die Zukunft zu blicken – so Olga Grygier-Siddons, Geschäftsführerin.
Die Umkehrung des demographischen Trends ist nicht leicht aber möglich. Als ersten Schritt kann man die Einführung des Kindergeldes Familie 500+ nennen, welches die finanzielle Lage vieler polnischer Familien verbesserte. Noch wissen wir nicht, wie sich das auf die Geburtenrate auswirken wird. Einzelmaßnahmen sind in der Regel unzureichend und sollten durch Systemlösungen unterstützt werden – so Mateusz Walewski von PwC.
Demographische Herausforderung
Autoren der Studie sind sich einig, dass eine großzügige Familienpolitik höhere Ausgaben für den Staatshaushalt bedeutet. Eine Lösung, die trotz der Mehrausgaben ein stabiles Wachstum aufrechterhalten könnte, wäre die Abkehr von der Wirtschaftsentwicklung, die auf Niedrigpreisen basiert und eine Wende zur qualitativen und innovativen Produkten und Dienstleistungen.
Laut neuester Demographie Prognosen von UNO, wird die Bevölkerungszahl bis 2050 jährlich um 0,4% zurückgehen. Gleichzeitig wird die Zahl der Menschen im Produktionsalter um 1% jährlich sinken. Das demographische Defizit ist die Folge der verstärkten Auswanderung der letzten Jahre, sowie einer der niedrigsten Geburtenraten auf der Welt.
von Piotr Piela
6 Wirtschaft
Geschäftsklimaindex: Kein Optimismus unter den Unternehmern in Polen aber Hoffnung auf Besserung Der Geschäftsklimaindex, der von dem Arbeitgeberverband Pracodawcy RP veröffentlicht wird, befindet sich gerade auf dem niedrigsten Stand in seiner dreijährigen Geschichte. Unternehmer in Polen hoffen, dass die zweite Jahreshälfte eine Besserung mit sich bringt.
I
m Januar 2017 erreichte der Geschäftsklimaindex 88,9 Punkte im Bereich der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage, bei 92,4 Punkten im Dezember des vergangenen Jahres. Dementsprechend rutschte der Index auf den niedrigsten Stand in seiner knapp dreijährigen Geschichte. Die im Arbeitgeberverband Pracodawcy RP vereinten Unternehmer blicken jedoch mit Optimismus in Richtung Zukunft. Die Einschätzung der Geschäftserwartungen in den kommenden 6 Monaten stieg von 84,3 Punkten im Vormonat auf 89,1 Punkte im Januar.
In anderen Worten, erstmals seit 16 Monaten meinen die Umfrageteilnehmer, dass sich in den kommenden 6 Monaten ihre Geschäftslage verbessert, im Vergleich zur Veränderung, die sie im vergangenen Monat gespürt haben.
Der Subindex stieg am schnellsten seit Mai 2016 und erreichte sogleich den höchsten Stand seit August 2016. Abgesehen davon haben erstmals die Geschäftserwartungen, die Beurteilung der aktuellen Lage überholt – lesen wir in der offiziellen Aussendung des Arbeitgeberverbandes.
liegen über der 100-Punkte-Grenze, was mit der Überlegenheit positiver Tendenzen gleichzusetzen sei.
Aus der Umfrage vom Arbeitgeberverband geht auch hervor, dass die Investitionspläne der Unternehmer nur moderat eingeschränkt wurden. Einen starken Anstieg verzeichnete man wiederum unter den Unternehmen, die neue Arbeitnehmer einstellen wollen. Beide Subindexe
In der Transport- und Handelsbranche beobachten wir eine stabile Beurteilung der aktuellen Geschäftslage. Unter den Bauunternehmen bleiben zwar die Benotungen der Geschäftslage eher trüb, aber dennoch be-
sser als in den vorherigen Monaten. Bemerkenswert sind auch die deutlich besseren Geschäftserwartungen im Finanz- und Dienstleistungssektor – hieß es im Bericht. Der Geschäftsklimaindex (poln. Indeks Optymizmu Przedsiębiorców) ist ein Indikator, der vom Arbeitgeberverband Pracodawcy RP monatlich veröffentlich wird. Knapp 12 Tsd. Unternehmen und 5 Mio. Personen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage und liefern Einblicke in ihre Geschäftserwartungen. Überschreitet der Index den Referenz-
wert (100 Punkte), dann signalisiert er eine positive Konjunkturentwicklung. Bleibt er unter der 100-Punkte-Grezne, spricht man von negativen Trends.
Bearb. von Rafał Stelmaszewski
Wirtschaft 7
Onlinehandel legt den Turbo ein 2016 wuchs die Zahl der Polen, die online einkaufen um 7%. Sollte tatsächlich das Handelsverbot am Sonntag eingeführt werden, könnte dies die Entwicklung nochmal beschleunigen. 2017 könnte der polnische E-Commerce-Markt vor allem dank immer höheren Ausgaben im Netz bereits mehr als 40 Mrd. Zloty wert sein – berichtet die Zeitung Rzeczpospolita. Laut Angaben von Eurostat wuchs die Zahl der Onlineshooper in den letzten Jahren um 1% bis 2% im Jahr. Im Vergleich zu 2015 stieg die Zahl der Personen, die online shoppen 2016 um sagenhafte 7%, was Polen auf den ersten Platz unter den EULändern katapultierte. Die Slowakei konnte 6% und Schweden und Luxemburg jeweils 5% drauflegen. Trotz des Zuwachses liegt Polen weiterhin unterhalb des Durschnitts (54%), wenn es um die Zahl der Onlineshopper geht. Der absolute Spitzenreiter ist in dieser Hinsicht Großbritannien mit einem Anteil von 80% der Internetnutzer im Lande. In Polen sind es gerade mal 42%. Laut Eurostat wird vor allem Kleidung im Netz eingekauft, also das Basissortiment von Einkaufzentren. Diese Tatsache ist insofern wichtig, da in Polen weiterhin über ein Handelsverbot am Sonntag diskutiert wird. Dies könnte der Entwicklung von E-Commerce an der Weichsel
neue Impulse geben Experten von PwC.
–
so
die
Das Entwicklungspotenzial ist enorm groß. Anfang 2016 prognostizieren die Experten von Sociomantic Labs, dass 2020 der Wert des Onlinehandels in Polen 63 Mrd. Zloty und einen Anteil am Gesamthandelsvolumen von 10% erreicht. In Polen werden jährlich zwischen 6 und 8 Tsd. Onlineshops registriert.
Über 80% von ihnen können sich nicht einmal zwei Jahre lang auf dem Markt halten – das geht aus dem Bericht von Bisnode hervor, der Ende Januar vorgestellt wurde. Bisnode schätzt, dass zurzeit 20 Tsd. Onlineshops in Polen funktionieren. Allein 7,5 Tsd. wurden 2016 registriert. Sollte der Trend fortgesetzt werden, könnten an der Weichsel in fünf bis sechs Jahren gut 25 bis 30 Tsd. Shops im Netz funktionieren. von Piotr Piela
8 Wirtschaft
JP Morgan hebt Wachstumsprognose für Polen an Eine der größten Banken der Welt blickt mit Optimismus auf die polnische BIP-Entwicklung.
A
m Montag (20.02) wurden Einschätzungen der Analytiker von JP Morgan veröffentlicht. Laut den neuesten Prognosen wird das polnische Bruttoinlandsprodukt heuer nicht um 3% (wie früher angenommen wurde), sondern
um 3,4% wachsen. 2018 soll die Wachstumsdynamik 3,2% erreichen. Früher ist man von 3,1% ausgegangen.
Die EU-Kommissare senkten die Wachstumsprognose für Polen von 3,4% auf 3,2%.
Eine Woche zuvor gab auch die EUKommission ihre Prognose bekannt.
Bearb. von Rafał Stelmaszewski
Index of Economic Freedom: Polen fällt zurück Platz 45 für Polen im globalen und 21 im europäischen Ranking, welches von The Heritage Foundation und The Wall Street Journal vorbereitet wurde. Spitzenreiter bleibt Hong Kong vor Singapur und Neuseeland.
M
it einem Stand von 68,3 Punkten (im Vorjahr noch 69,8) fiel Polen gleich um sechs Plätze (auf den 45.) im globalen Ranking zurück. Im europäischen Vergleich hat Warschau wiederum drei Platzierungen eingebüßt und rangiert derzeit auf dem 24. Platz.
Bessere Noten hat man in den Kategorien Arbeitsmarkt (+3,5 Pkt.), fiskalische Handlungsfreiheit (+0,6%), Arbeitsfreizügigkeit (+3,5) und Regierungsausgaben (+0,4) bekommen. Wesentlich schlechter als 2016 schnitt man wiederum bei den Eigentumsrechten (-4,2)
und der Korruption (-5,5) ab. Kleinere Punkteeinbußen gab es auch in den Kategorien Steuerlast, Businessumfeld, Geldpolitik und Handelsfreiheit. Unverändert blieben die Noten im Bereich der Finanz- und Investitionsfreiheit.
Wirtschaft 9 Mehr Sorgen als der Punktverlust bereitet uns die Tatsache, dass Polen den Wettbewerb mit anderen Ländern mit Blick auf die Umsetzung systemimmanenter Veränderungen und der Liberalisierung des Marktes verliert sagte der G e s c h ä f t s führer von Warsaw Enterprise Institute Tomasz Wróblewski. Mehr gelassen zeigte sich die Vizeministerin Jadwiga Emilewicz. Ihrer Meinung nach werden die bereits umgesetzten, sowie die gegenwärtig umgesetzten Gesetzesänderungen eine entscheidende Rolle beim Ranking im kommenden Jahr spielen. Auf der anderen Seite sagte Emilewicz, dass man mit dem 45. Platz wenig zufrieden sei: Wir wollen uns verbessern. Diese legislativen Maßnahmen, die wir im Ministerium bereits beschlossen haben, werden
uns im kommenden Jahr bessere Indikatoren bescheren - so die Politikerin. Besser als Polen haben im Ranking u.a. Deutschland (20.), Österreich (30.) und die Schweiz (4.), die zur absoluten Spitze gehört, abgeschnitten. Die Top3 in Bezug auf Wirtschaftsfreiheit stellen weiterhin Hong Kong,
Singapur und Neuseeland dar. Der volkswirtschaftliche Indikator wird seit 1995 jährlich durch die Heritage Foundation und das Wall Street Journal berechnet und dient zur Beurteilung der wirtschaftlichen von Piotr Piela
10 Wirtschaft
Rekordjahr für Polens Tourismus 2016 war für den Tourismus in Polens Städten und Regionen ein Erfolgsjahr. Aufgrund der unsicheren Lage in der östlichen Mittelmeerregion entschieden sich mehr Polen für den Urlaub im eigenen Land. Und auch bei der Zahl der ausländischen Gäste setzte sich der positive Trend der Vorjahre fort. Nach vorläufigen Schätzungen rechnet das Polnische Fremdenverkehrsamt für 2016 mit rund 6,5 Millionen deutschen Touristen in Polen, etwa eine halbe Million mehr als im Jahr zuvor. Auch viele Städte und Touristenattraktionen melden Rekordergebnisse. Nach Angaben des polnischen Statistikamtes stieg die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste in registrierten Unterkünften mit mindestens zehn Betten in den ersten elf Monaten 2016 um gut sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, die der deutschen Gäste um fast acht Prozent. Rechnet man die Zahlen auf das ganze Jahr hoch und bezieht auch die Übernachtungen in kleinen Pensionen, Ferienwohnungen, agrotouristischen Unterkünften oder bei Verwandten und Bekannten mit ein, ist für 2016 mit einer Gesamtzahl von rund 18,5 Millionen ausländischen Touristen zu rechnen. Im Jahr 2015 waren es etwa 17,3 Millionen. Die Zahl der deutschen Touristen stieg danach im gleichen Zeitraum von rund sechs auf fast 6,5 Millionen. Der Anteil deutscher Gäste an der Gesamtzahl aller ausländischen Touristen liegt stabil bei gut einem Drittel. Beliebtestes Städtereiseziel in Polen ist die alte Königsstadt Kraków (Krakau). Rund 12,5 Millionen Menschen haben die Stadt 2016 besucht. Das ist ein Plus von gut zwei Millionen im Vergleich zum Vorjahr. Etwa 2,9
Millionen Besucher stammten aus dem Ausland. Positiv für die Bilanz wirkte sich der Weltjugendtag aus, der im vergangenen Juli in Krakau stattfand. Allein zur Papstmesse kamen laut Zahlen des Vatikans rund 1,5 Millionen Menschen. Auch Wrocław (Breslau) stand 2016 im Fokus des Interesses der Weltöffentlichkeit. Die Europäische Kulturhauptstadt konnte im Verlauf des Festjahres insgesamt rund fünf Millionen Besucher verbuchen. Die Mehrheit der etwa 1,4 Millionen ausländischen Touristen stammte aus Deutschland. Aufgrund der hohen Besucherzahlen will die Stadtverwaltung in diesem Jahr einige Neuerungen für Touristen einführen. So soll künftig ein ShuttleBus die Innenstadt noch schneller und häufiger mit dem Flughafen verbinden. Ebenfalls in diesem Jahr soll eine attraktive Touristenkarte eingeführt werden, die gleichzeitig als Ticket für den Nahverkehr, wie auch als Rabattkarte für zahlreiche Sehenswürdigkeiten der Stadt dient. In Poznań (Posen) wuchs die Zahl der Besucher im vergangenen Jahr Schätzungen zufolge um etwa zehn Prozent auf rund 1,4 Millionen. Ein enormes Plus an Übernachtungen konnte 2016 auch die polnische Ostseeregion verzeichnen. Wichtige Seebäder wie Kołobrzeg (Kolberg), Świnoujście (Swinemünde) und Mielno (Großmöllen) begrüßten 2016 bis zu 15 Prozent mehr Gäste, und dies nicht nur während der Hauptsaison. Gerade das milde Septemberwetter ließ die Zahlen nochmals in die Höhe schnellen. Aber nicht nur klassische Städteund Sommerziele können zufrieden auf das vergangene Tourismusjahr zurückblicken. Auch Museen, Freizeitparks und andere Sehenswürdigkeiten waren viel besucht. So genossen beispielsweise
rund 3,5 Millionen Besucher die Reize des Tatra-Nationalparks ganz im Süden des Landes an der Grenze zur Slowakischen Republik. Obwohl die Zahlen einen neuen Rekord markierten, konnte die Nationalparkverwaltung keinen nennenswerten Anstieg der Verstöße gegen die Parkordnung erkennen. Die überwiegende Mehrzahl gehe verantwortungsvoll mit der streng geschützten Naturlandschaft um. Zu den größten Touristenattraktionen Polens gehört das unweit von Krakau gelegene Salzbergwerk von Wieliczka, das Teil des UNESCOWelterbes ist. Im vergangenen Jahr zählte man fast 1,6 Millionen Besucher und erreichte damit ein neues Allzeithoch. Gegenüber 2015 wuchs die Besucherzahl um rund 13 Prozent. Fast 50 Prozent der Gäste kamen aus dem Ausland, die meisten aus Großbritannien und Deutschland. Noch mehr Interesse verzeichnete eine andere UNESCO-Welterbestätte in der Nähe von Krakau. Mehr als zwei Millionen Besucher zählte 2016 die Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager AuschwitzBirkenau, so viele wie noch nie zuvor. 2015 waren es noch 1,7 Millionen. Rund 155.000 Pilger besuchten das Stammlager Auschwitz und das Lager Birkenau im Rahmen des katholischen Weltjugendtages im Juli. Fast drei Viertel aller Besucher nahmen an einer Führung mit einer der 286 geschulten Fachkräften teil, welche die Geschichte des Vernichtungslagers in fast 20 Sprachen vermitteln.
Allgemeine Informationen zum Reisen nach Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt, www.polen. travel
Wirtschaft 11
12 Wirtschaft
Polen brauen das beste Bier der Welt! Polnische Handwerksbrauereien wurden auch in diesem Jahr von dem Branchenportal ratebeer.com mit Preisen geehrt.
E
inmal im Jahr schauen alle Bierliebhaber der Welt mit großem Interesse auf die Stadt Santa Rosa in Kalifornien. Hier werden bereits seit 15 Jahren die besten Biere der Welt geehrt und anerkannt. Der Preis RateBeer Best hat für die Bierwelt denselben Status, wie die Oscars für das Kino. Die Seite selbst gilt als meinungsstiftend und in die Rolle der Juroren schlüpfen die User. Ähnlich wie im letzten Jahr wurden auch heuer polnische Brauereien von den Experten und Kennern gepriesen. Die Brauereien Artezan und Pracownia Piwa schafften es im Ranking RateBeer Best in die Top100 der besten Brauereien der Welt. Zusätzlich wurde Pracownia Piwa zum besten polnischen Bierbetrieb geehrt. Der beste polnische Newcomer heißt wiederum Brokreacja, die es ebenfalls in die Top-10 der jungen Brauereien schaffte. Buba Extreme Jack Daniels BA, gebraut von den
Braumeistern von Szal Piw, wurde im Ranking von ratebeer.com als bestes polnisches Bier des Jahres 2016 geehrt. Insgesamt wurden 16 polnische Biere mit einer Medaille geehrt. Gleich zwei konnte die Brauerei Pinta ergattern. Eine Goldmedaille bekam man für das Bier I’m so Horny (Dark Lager). Mit Silber wurde der Baltische Imperator (Imperial, Baltic Porter) geehrt. Über zwei Goldmedaillen kann sich ebenfalls die Brauerei Widawa freuen. Beide bekam man für den gerauchten Baltischen Porter.
von Piotr Piela
Freizeit ist bei vielen Polen Fehlanzeige Laut einer Untersuchung des Statistischen Hauptamts (GUS) hat ein Fünftel der Polen keine Freizeit an Werktagen. Und wenn die Zeit mal da ist, verbringt man sie am meisten im Freien oder mit Familie und Bekannten. Fast 80% der Polen sehen am Feierabend fern. Mehr als die Hälfte treibt keinen Sport. Das Bild des Landes in Statistiken. 19% der Polen heben laut einer Untersuchung des Statistischen Hauptamts an Werktagen keine Zeit für sich und 4% ließen einblicken, dass ihnen sogar die Zeit für notwendige Dinge fehlt. 25% der Befragten zeigte sich zufrieden und behauptete, dass sie Zeit für alles ohne Eile haben und 6% waren der Auffassung, dass sie sogar zu viel Freizeit haben, um sie auszunutzen. Zeitmangel deklarierten vor allem junge Polen zwischen 25 und 34 wie auch 35 und 44 Jahren. Bei älteren Menschen beobachtete man wiederum das Gegenteil.
Die Statistiker fragten auch nach den Freizeitaktivitäten der Polen. Sehr beliebt waren Spaziergänge und Entspannung im Freien – 75% der Befragten deklarierten, dass sie dies mindestens einmal pro Monat tun. 68% hören Musik und 60% treffen sich mit Familie und Freunden zu Hause bei sich oder bei den Bekannten. Fast die Hälfte der Polen guckt mindestens einmal im Monat Filme auf verschiedenen Datenträgern. 36% treiben mindestens einmal pro Monat Sport, nutzen die Zeit für ihr Hobby oder für ein Treffen mit Freunden in Bars, Pubs oder Cafés.
Auf der anderen Seite suchten 20% der Befragten (die mit 1 bis 3 Mal im Jahr oder fast nie / nie antworteten) keine Erholung Draußen im Freien. Noch schlimmer sieht die Statistik beim Sport aus – 53% der Polen treiben gar keinen Sport im Sinne von Fitness, Jogging, Fußball etc. Wenn es um das Soziallleben geht, bevorzugen die Polen Treffen mit Familie und Freunden bei sich oder im Haus des Anderen, anstatt auszugehen. Gleichzeitig hat jede fünfte Person weder jemanden zu sich eingeladen, noch jemanden
Wirtschaft 13
besucht - und wenn schon, dann nur sehr selten (bis zu 3 Mal im Jahr). Keiner großen Beliebtheit erfreut sich die aktive Teilnahme am Kulturleben außerhalb der eigenen Wohnung. Dementsprechend besuchten 51% der Polen das Kino einmal im Jahr. Nur 9% taten das mindestens einmal pro Monat. Ins Theater oder ins Konzert gingen einmal im Jahr 31% der Befragten. 2% taten dies öfter als einmal im Monat. Polen nutzen ihre Freizeit sehr oft fürs Radiohören oder Fernschauen. 81% der Umfrageteilnehmer sitzten täglich vor dem Fernseher. 30% tun das mehr als 2 Stunden und weitere 30% von 2 bis zu 4 Stunden am Tag. Der Prozentsatz der Befragten, die täglich Radio hören, erreichte wiederrum 63%. 23% der Umfrageteilnehmer tun dies länger als 4 Stunden am Tag.
30% der Polen lesen täglich eine Zeitung in Papier- oder digitaler Form. 16% der Befragten halten nichts von der Presse und lesen keine Zeitungen. 46% der Umfrageteilnehmer nahmen sich die Zeit für (mindestens) ein Buch in den drei Monaten vor dem Umfragetermin. Die Interviewer von GUS stellten auch Fragen in Bezug auf Privatausflüge in den 12 Monaten, die der Umfrage vorausgingen. Für länger als fünf Tage verreisten 44% der Polen. In den meisten Fällen handelte es sich um eine Reise innerhalb des Landes. Fast jeder vierte Befragte ging auf Reise oder eine Kur. 15% besuchten Familie oder Freunde, die in einem anderen Ort wohnen und 5% verbrachten diese Zeit im Schrebergarten. Im Ausland verbrachte seine Ferien nur jeder Zehnte. Freunde und Familie im Ausland besuchte dagegen nur jeder
Zwanzigste der Umfrageteilnehmer. Bearb. von Anna Rosenthal
Anzeige
14 Wirtschaft
Löhne und Beschäftigung im Januar überraschend hoch Laut den Daten aus dem Statistischen Hauptamt wuchs die Beschäftigung im Vergleich zum Januar 2016 um 4,5%. Der Durchschnittsmonatslohn war um 4,3% höher.
L
aut den neusten Daten, die vom Statistischen Hauptamt GUS vorgelegt wurden, erreichte der durchschnittliche Bruttomonatslohn bei Unternehmen, die mindestens 10 Arbeitnehmer beschäftigen 4.277,32 Zloty also knapp 176 Zloty mehr als noch im selben Zeitraum 2016. Netto haben die Arbeitnehmer 3.046,57 Zloty bekommen, wie Money.pl errechnete. Gleichzeitig muss festgestellt werden, dass der Gesamtaufwand für den Arbeitgeber (Sozialbeiträge etc.) bei 5.158,66 Zloty lag.
nis mit Dezember zusammenzählt, sind die Löhne um 358 Zloty gesunken. Das Dezember-Hoch war wie üblich vor allem durch verschiedene Prämien und Boni bedingt.
Wichtig ist bei dieser Statistik, dass die GUS-Analytiker nur mittlere und große Unternehmen, die mindestens 10 Personen beschäftigen, in Betracht ziehen. Kleinunternehmen sowie Beschäftigte mit Dienstund Werksverträgen werden nicht berücksichtigt.
von Anna Rosenthal
Zwar wuchs der Durchschnittsmonatslohn im Vergleich zum Vorjahr, doch wenn man das Januar-Ergeb-
Im GUS-Bericht wurden auch Daten zum Arbeitsmarkt präsentiert. Diesen Statistiken zufolge wuchs die Beschäftigung innerhalb der letzten 12 Monate um 4,5%. Bei Unternehmen die mindestens 10 Personen beschäftigen arbeiten dementsprechend 5.959 Mio. Arbeitnehmer.
Wirtschaft 15
40% der Unternehmen in Polen will Ukrainer einstellen Trotz der wachsenden Einwanderung, die 2016 1,3 Mio. Ausländer erreichte, haben Unternehmer an der Weichsel Probleme mit der Einstellung von Arbeitskräften.
A
us dem neuesten Arbeitsmarktbarometer, der von Work Service veröffentlicht wurd, geht hervor, dass 4 von 10 Firmen, die freie Stellen besetzen wollen, nach Arbeitnehmern aus der Ukraine greifen würden. Erstmals seit den 90er sind in Polen solche Personal-
engpässe spürbar. Heute könnten wir bereits ganze Wirtschaftssparten nennen, die ohne Arbeitnehmer aus dem Ausland Probleme mit der Ausführung ihrer Aufträge hätten. Aus unserem Bericht geht hervor, dass 39% der Unternehmer Arbeitskräfte aus der Ukraine einstellen werden, weil sie keine geeigneten Kandidaten auf dem Binnenmarkt finden können - sagte Maciej Witucki, der Geschäftsführer von Work Service. Trotz der Rekord-Einwanderung im Vorjahr, ist der polnische Arbeitsmarkt weiterhin nicht gesättigt und die Arbeitnehmernachfrage wird weiterhin wachsen. Für dieses Jahr wurden neue Investitionsprozesse
angekündigt. In Anbetracht der weiter sinkenden Arbeitslosigkeit kann man mit weiteren Zuwächsen bei der Einwanderung rechnen - so Witucki. Aus dem Bericht geht auch hervor, dass vor allem große Unternehmen, die mehr als 250 Arbeitnehmer beschäftigen, das größte Interesse an Arbeitskräften aus dem Osten zeigen. Fast die Hälfte der Unternehmen aus dieser Gruppe (49,1%) ist bereit, ihre Personalengpässe mit Hilfe von Einwanderern zu schließen. Der Fachkräftemangel macht sich auch in der Produktionsbranche deutlich bemerkbar. 56% der Arbeitgeber deklarierten, dass sie Ausländer einstellen würden.
38,9% der Firmen aus dem Bereich Handel und 33,8% der Unternehmen, die im Dienstleistungssektor tätig sind, denken ebenfalls über die Einstellung von Arbeitnehmern aus der Ukraine nach. Im öffentlichen Sektor ziehen nur die Webugsten dies in Erwägung - nur 5% der Unternehmer. Firmen, die in Polen tätig sind, suchen auch nach gut qualifizierten Einwanderern. Die Zahl der Unternehmen, die gut ausgebildete Fachkräfte einstellen werden, wächst - sagt Marek Śliwiński, Direktor von Work Service. Es soll sich mittlerweile um 28% der beanspruchten Personalbeschaffungen aus dem Ausland handeln. Wenn man bedenkt, dass der Großteil der Einwanderer aus dem Osten die Arbeit auf der Basis eines vereinfachten Verfahrens aufnimmt, welches ihnen einen Aufenthalt für 6 Monate ermöglicht, so ist die Besetzung der qualifizierten
Freistellen deutlich schwieriger. In vielen Fällen ist dieser Zeitraum zu kurz, um sich einzuarbeiten und die Verlängerung des Arbeitsverhältnisses ist aufgrund des Verwaltungsaufwandes beschränkt so Śliwiński. Ukrainer sind billiger? Von wegen! Laut einem Bericht der polnischen Nationalbank, der 2016 veröffentlicht wurde, bekommen 53,1% der Ukrainer auch Lohnnebenleistungen, die ihnen die Lebensunterhaltungskosten in Polen zu senken ermöglichen. Es handelt sich dabei vor allem um Unterkunft und Verpflegung, sowie die Beförderung zur Arbeit. Gleichzeitig gelten ab 2017 zwei Lohnmindestgrenzen, die sich auf 2.000 Zloty (brutto) bei Arbeitsverträgen und 13 Zloty (brutto) pro Stunde bei Dienstleistungsverträgen belaufen. Dies ist insofern wichtig, weil es sich hierzulande um eine komplementäre Einwanderung handelt. Ausländische Arbeitnehmer schließen nur die unbesetzten Stellen. Wenn es sich dabei um legale Beschäftigungen handelt, bekommen die Ukrainer also denselben Mindestlohn wie die Polen. Zusammen mit den Lohnnebenleistungen wachsen dementsprechend auch die Arbeitskosten für die Arbeitgeber. In anderen Worten, die Einstellung von Arbeitnehmern aus der Ukraine ist keine Optimalisierung der Kosten, sondern vielmehr eine Notwendigkeit, die auf Personalengpässe unter Polen zurückzuführen ist - beendet Śliwiński.
von Piotr Piela
16 Wirtschaft
Polnischer Arbeitsmarkt wird frauenfreundlicher Polen steigerte sich beim Woman in Work Index, der von der Beraterfirma PwC vorbereitet wird, um drei Plätze. Fast traditionell belegten die Skandinavier alle Plätze in der Top-3.
A
n der Weichsel geht es den Frauen zurzeit deutlich besser als noch vor einigen Jahren. Polen verzeichnete dementsprechend den größten Sprung im Ranking unter allen untersuchten OECD-Ländern. Grund dafür ist vor allem die Arbeitslosigkeit unter den Frauen, die erheblich gesunken (von 18 auf 8%) ist, aber auch der Anstieg der Vollzeitbeschäftigungsrate und eine der niedrigsten Geschlechtseinkommenslücken (sog. Gender-Pay-Gap), die gerade mal 7% erreichten. Mit einem noch niedrigeren Wert können sich nur Neuseeland und Slowenien rühmen. Laut den Analysen von PwC, wenn dieser positive Trend aufrechterhalten
wird, könnte man bis 2021 die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern in Polen schließen. Die immer bessere Platzierung im Ranking ist ein weiteres Beispiel dafür, dass man in den letzten Jahren ein so dynamisches Wirtschaftswachstums erreichen konnte. Mich persönlich freut es, dass Unternehmer auf Frauen setzen und deren Fähigkeiten und Kompetenzen schätzen. Eine Herausforderung ist ein noch höherer Frauen-Anteil bei den Vorständen – kommentierte Anna Sieńko von PwC.
nell ergatterten die Skandinavier alle Plätze in der Top-3 - an der Spitze des Index sind hinter Island, Schweden und Norwegen, Neuseeland und Slowenien. Der Index wird anhand fünf Indikatoren ermittelt - Einkommensgleichheit, Zugang zum Arbeitsmarkt, Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigungsrate der Arbeitslosigkeit, sowie die Arbeitsplatzsicherheit.
von Piotr Piela
Schlechter im Vergleich zu Polen haben u.a. die Schweiz (10.), Deutschland (19.) und Österreich (22.) abgeschnitten. Fast schon traditio-
Miele mit zweiten Produktionsstandort in Polen Um die Voraussetzungen für weiteres Wachstum zu schaffen, errichtet Miele für seine Waschmaschinen einen zweiten Produktionsstandort. Die Wahl fiel auf Polen. Der genaue Standort der neuen Produktionsstätte ist derzeit noch nicht bekannt. nser Nachbarland verfügt über eine gute Infrastruktur und bietet gegenüber entfernteren Optionen erhebliche logistische Vorteile, sagt Dr. Stefan Breit, Geschäftsführer Technik der Miele Gruppe. Noch ist es aber unklar, wo genau das neue Werk errichtet wird. Die Entscheidung diesbezüglich soll in Kürze fallen. Der Start der Produktion mit einer Kapazität von ca. 250.000 Geräten ist für 2020 geplant. Die Integration eines polnischen Werks in unseren Produktionsverbund schafft neue Spielräume bei der Modell- und Preispolitik, dies aber bei Wahrung der sprichwörtlichen MieleQualitätsstandards, so Breit. Durch den zusätzlichen Standort wird Gütersloh in seiner Funktion als Leitwerk für die Wäschepflegesparte gestärkt. Hierfür und auch mit Blick auf die kurzfristig schon zu bewältigen Zuwächse bei den
Stückzahlen, wird das Gütersloher Werk weiter modernisiert und auch um weitere Kapazitäten ergänzt. Langfristig ist zwar damit zu rechnen, dass hier der Personalbedarf hinter den heutigen Stand zurückfällt. Jedoch dürfe sich dies über natür-
liche Fluktuation regulieren lassen, also ohne aktiven Personalabbau, so Stefan Breit. Und: In der neuen Konstellation stellen wir die Weichen noch konsequenter auf nachhaltiges Wachstum unserer Wäschepflegesparte – und damit der Miele Gruppe insgesamt.“ von Rafał Stelmaszewski
Foto: Pressematerialien/Miele
U
Wirtschaft 17
Swarovski investiert in Danzig und verlagert seine Verwaltung nach Polen Der Konzern will im Norden Polens ein Verwaltungszentrum aufbauen und sich dort künftig auf seine Verwaltung konzentrieren. Lokale Behörden hoffen auf tausende neue Arbeitsplätze.
O
ffiziell wurde die Investition bereits am 9. Februar bestätigt. Die Stadtvertreter informierten bei einer speziellen Pressekonferenz, dass in den kommenden Jahren in Danzig ein Verwaltungszentrum von Swarovski aufgebaut wird. Einen Sitz will das Unternehmen bereits im Juni eröffnen. Marcel Angst von Swarovski erklärte, dass die Firma lange über die passende Lokalisierung des Verwaltungszentrums in Europa nachgedacht hat. Für
Danzig sprachen vor allem die gut gebildeten Arbeitnehmer, Infrastruktur sowie Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und auch die Stadtkultur, die im Einklang mit der Unternehmenskultur und den Unternehmenswerten sei. Der CEO von Swarovski Global Business Services - Wojciech Krygowski sagte, dass man sich im neuen Verwaltungszentrum vor allem mit den Angelegenheiten rund um die Personalabteilung, Löhne, Verwal-
-tung und Einkäufen für den Konzern beschäftigen will. Wie viele Arbeitsplätze in Danzig geschafft werden, gibt das Unternehmen noch nicht bekannt. Lokale Behörden hoffen jedoch auf tausende neue Jobs für gut gebildete Arbeitnehmer. Swarovski ist ein österreichischer Hersteller von geschliffenem Kristallglas mit globalem Vertrieb. Der Sitz des 1895 von Daniel Swarovski gegründeten Familienunternehmens befindet sich in Wattens in Tirol. von Rafał Stelmaszewski
Deutsches Bauunternehmen will vier Produktionsstandorte nach Polen verlegen Reuss-Seifert will verstärkt in Polen investieren und wird gleich vier Produktionsstandorte aus Deutschland Richtung Polen verlagern. Der Startschuss für den Bau einer neuen Fabrik in Neusalz an der Oder (Woiwodschaft Lebus) soll bereits im Frühling fallen.
D
ie neue Betriebsstätte soll auf einem 12 Hektar großen Grundstück, dass zur Sonderwirtschaftszone gehört, gebaut werden. Auf dem Gelände ist eine Produktionshalle mit 25 Tsd. Quadratmetern Fläche und später auch ein Lagerhaus für Fertigwaren eingeplant. 280 Personen sollen im Werk Arbeit finden – informierte die Sprecherin der Stadtverwaltung. Das deutsche Unternehmen gab noch keine Angaben zu den geplanten Investitionskosten bekannt. Für die Stadt ist die Investition ein großer Erfolg, was auch der Stadtpräsident Wadim Tyszkiewicz betont. Wir haben über ein Jahr an dieser Investition gearbeitet. Uns bedeutet wirtschaftliche Vielfältigkeit sehr viel, wir wollen nicht nur von einer Wirtschaftssparte abhängig sein – so der Präsident, der gleichzeitig unterstrich, dass er damit zufrieden
sei, dass der neue Investor aus der Baubranche stammt. Reuss-Seifert ist einer der führenden Hersteller von Abstandhaltern, Abdichtungs-, Befestigungs-, Bewehrungs- und Schalungstechniken in
Europa. Der Sitz des Unternehmens befindet sich im nordrhein-westfälischen Sprockhövel. Der Bau-Gigant verfügt zurzeit über insgesamt sechs Produktionsstandorte - fünf davon in Deutschland und einer in Polen. Bearb. von Piotr Piela
Anzeige
18 Wirtschaft
Wie steht es um polnische Kultmarken? Eine kurze Geschichte solcher Kultmarken wie Gerlach, Wedel oder W.Kruk.
Konditorei A. Blikle Im Jahre 1869 hat Antoni Kazimierz Blikle hat seine Konditorei auf der Warschauer Nowy Swiat Straße 31 eröffnet (heute befindet sie sich auf der Nowy Swiat 35 Straße). Sein Vater ist nach Polen aus der Schweiz ausgewandert. In der Zwischenkriegszeit ist der Laden sehr beliebt gewesen. Die Firma war damals für ihre luxuriösen Süßwaren bekannt gewesen, und hat sich auch mit der Lieferung von Kuchen und Keksen beschäftigt und auf dem Markt etabliert. In den 20er Jahen hat in der Konditorei sogar ein Orchester gespielt. Nach dem Ende des Warschauer Aufstandes ist der Altbau, in den sich die Konditorei befand, abgebrannt und wurde abgerissen.
Dem Enkel des Gründers (Jerzy Blikle) gelang es jedoch das Familiengeschäft neu zu eröffnen. Er hatte aber mit den kommunistischen Machthabern zu kämpfen, denn sie wollten die ganze polnische Wirtschaft verstaatlichen. Für Privates gab es damals keinen Platz. Sein Sohn Andrzej, der gleichzeitig Kontitormeister und Mathematik Professor ist, übernahm die Leitung 1990. Seit dem Jahr 2011 war der Familienbetrieb in den Händen der fünften Konditoren-Generation. Die Firma schrieb jedoch rote Zahlen bis sie schließlich von Vertigo Investments übernommen wurde und bis heute für die Weiterentwicklung des Unternehmens sorgt. A. Blikle hat neben Warschau auch Konditoreien in Lodz, Kattowitz, Posen, Danzig, Gdingen und Tschenstochau.
Bunzlauer Keramik Die ersten Keramikwaren entstanden in Boleslawiec (dt. Bunzlau) schon im Mittelalter. 1897 wurde hier die erste Keramikschule gegründet, die mehrere Keramiker-Generationen ausbildete und neue Herstellungsmethoden entwickelte. Vor dem 2. Weltkrieg wirkten hier Firmen wie Reinhold & Co., die sich nach dem Krieg in die Bunzlauer Keramikwerke umwandelten. 1980 entstanden aus ihnen die Keramikwerke Boleslawiec. Die Bunzlauer Keramikwerke sind heute der größte Keramikhersteller der Region. Die 1980 begonnene Wiedergeburt der Bunzlauer Steinzeugs wird bis heute fortgesetzt. Die Keramikwerke sind der größte Hersteller handgeformter und gemalter
Wirtschaft 19 beliebt unter den einst mächtigsten Personen im Lande war, treu. Chodzież wird dagegen als eher elegant und funktionell dargestellt. 2013 wurde das Ćmielów Design Studio geschaffen, das sein Angebot eher an die jüngere Generation richtet. Im September 2016 wurden in Krakau die offiziellen Salons der Polnischen Porzellanfabriken eröffnet. Ihre Produkte kann man ebenfalls bei lokalen Hersteller oder im Internet finden.
Gerlach
Geschirrkeramik, die man mit der weltweit einzigartigen Stempelmethode dekoriert. Boleslawiec ist auch für ihre Keramiktöpfe bekannt.
Ćmielów und Chodzież Das Porzellan aus Cmielów und Chodzież, steht für Qualität und Tradition. Tassen, Teekannen, Wasserkessel, Zuckerdosen und viele andere hochwertige Waren sind mittlerweile fast schon legendär. Die Porzellanfabrik entstand 2012 aus einer Fusion zweier traditionsreicher Porzellanhersteller. Die Anfänge der Fabrik in Ćmielów reichen bis 1790 als eine Manufaktur, die Leimtöpfe und Fayence herstellte, gegründet wurde. Der Betrieb in Chodzież wurde wiederum 1852 gegründet. Ćmielów bleibt bei der Herstellung seiner Waren dem klassischen und traditionellen Still, der so
Gerlach stellt heute hauptsächlich Besteck, Messer, Töpfe und anderes Küchenzubehör her. Die besten Zeiten erlebte die Firma noch in der Volksrepublik Polen. Doch die Kultmarke hat eine über 250 Jahre lange Tradition. Im Jahr 1760 gründete Filip Szeniawski den ersten Produktionsbetrieb. Im Jahr 1824 eröffnete Samuel Gerlach ein Unternehmen, das sich mit der Produktion von Messern und chirurgischen Geräten beschäftigte. 1829 hat der Zar Nikolai I., die Qualität zu schätzen gewusst und hat der Firma das signieren der Wertmarke mit der Krone erlaubt. Nach zahlreichen Schwierigkeiten brachte der Firma Samuel Kobylanski - der Enkel Samuel Gerlachs - den verlorenen Glanz zurück. Die Firma nahm den Betrieb wieder 1875 auf. Ein Jahr später hat Kobylanski zusammen mit seinem Bruder einen Betrieb in Drzewica gekauft und die Produktion dort verlegt. Die Firma hat sich mit den Jahren weiterentwickelt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde sie verstaatlicht und 1951 hat sie ihren Namen auf Fabryka Wyrobów Nożowniczych Gerlach geändert. Im Jahr 2001 wurde sie privatisiert und ist jetzt in den Händen der Geschäftsfrau Hanna Wilk. 2013 wurde die Strategie geändert; man hat sich auf den Verkauf konzentriert und die Produktion nach Außen beantragt. Das Angebot vergrößerte sich um u.a. Töpfe und Pfannen.
Hefra Die Warschauer Fabrik für plattiertes Geschirr Hefra ist der einzige polnische Produzent für silbernes
Besteck und Accessoires, die ganz aus Sterlingsilber gefertigt sind, mit Feinsilber plattiert und aus Edelstahl hergestellt werden. Die Firma ist 1965 durch eine Fusion von zwei Betrieben die Platter produzierten Henneberg und Fraget - entstanden. Beide Firmen wurden bereits im 19. Jahrhundert gegründet. Das Unternehmen Fraget 1824 in Warschau und Henneberg 1856. Heutzutage hat Hefra in seinem Angebot Besteck in 13 verschiedenen Mustern und Tischaccessoires u. a. Zuckerdosen, Butterfässer, Paternas, Schöpflöffeln und sogar Leuchter. Die Bestecksets sind 24-, 48- oder 81-teilig erhältlich. Es gibt auch kleinere Sets, die nur z. B. Obstmesser, Kuchengabeln oder Fischbesteck beinhalten.
Krosno Krosno Glas produziert Wirtschaftsglas. Das Markenzeichen der Firma ist immer noch handgefertigtes Glas, obwohl sie im Assortiment auch automatisch gefertigte Produkte hat. Das Angebot umfasst Schnapsgläser, Gläser und Sets verschiedener Alkoholgetränke, Vasen und Kannen. Die Handelskette betreibt über 120 Verkaufsstellen in den größten Einkaufsgalerien des Landes. Die Glashütte in Krosno ist 1923 entstanden. Die Produktion wurde ein Jahr später aufgenommen. 1958 wurde der Betrieb formal als Krossener Glashüten ins Leben berufen. Am Anfang der 90er sind aufgrund politischer und wirtschaftlicher Veränderungen im Land Krossnauer Glashütten Krosno GmbH entstanden. Das Unternehmen ist eins der ersten gewesen, die an der Warschauer Börse notiert wurden. In den folgenden Jahren dauerte der Privatisierungsprozess an, es traten auch Probleme auf. Im Jahr 2009 hat das Amtsgericht in Krosno die Insolvenz der Firma verkündet. Es wurde jedoch weiter produziert. Im August 2016 hat der globale Beteiligungsholding Coast2Coast Capital die Kontrolle über die Firma übernommen.
20 Wirtschaft W. Kruk W. Kruk ist der älteste polnische Schmuckhersteller. Die erste Werkstatt wurde 1840 in Posen durch Leon Skrzetuski eröffnet und hat vor allem sakrale Gegenstände und Schmuck für die Kirche angefertigt. Später wurde die Werkstatt durch seinen Neffen übernommen. Den ersten Juwelierladen hat die Firma Anfang der 90er Jahren in Posen eröffnet und ihre Tätigkeit auf das ganze Land ausgebreitet. Im Jahr 2004 hat W. Kruk einen Vertrag mit Rolex unterschrieben und wurde zum Vertreter der Firma in Polen. Vier Jahre später wurde der Traditionsbetrieb durch Vistula & Wólczanka übernommen. Noch im selben Jahr ist es zu Fusion gekommen und die Firma hat ihren Namen auf Vistula Group geändert. Die Familie Kruk hat mittlerweile die Kontrolle über den Betrieb verloren. Im Angebot von W. Kruk befinden sich u.a. Ringe, Ohrringe, Halsketten, Armbänder, Anhänger aus paar verschieden Erze und Uhren. Die Läden der Firma befinden sich in über 36 polnischen Städten.
Opoczno Die Firma Opoczno produziert nicht nur Fliesen, Steingut aber auch Keramik und Badmöbeln. Die Anfänge der keramischen Werkstätten in Opoczno reichen bis 1883 zurück. Anzeige
Damals eröffnete man die erste Fabrik. Man hat anfangs rote Ziegelsteine und andere Keramikwaren hergestellt. Später wurde das Assortiment um Steinzeugfliesen erweitert. Die Entwicklung der Werkstätten wurde durch den 1. Weltkrieg stark gebremst. Erst 1924 hat der Betrieb seine Arbeit wiederaufgenommen. In den 50er Jahren wurde das Unternehmen verstaatlicht. So entstanden die Opoczno Keramik Werkstätte. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde die Firma privatisiert. Gleichzeitig wurde auch die modernste Produktionswerkstatt in Polen eröffnet. 2007 wurde der Betrieb von der Aktiengesellschaft Cersanit S.A. - heute Roverse S.A.übernommen. Die Steinzeugfliesen sind ein polnisches Exportgut - auch die aus Opoczno. Sie verkaufen sich ziemlich gut in Deutschland, Tschechien, der Slowakei und Ukraine.
E. Wedel Der deutsche Konditor Karol Wedel eröffnete 1851 in Warschau eine Konditorei und eine kleine Schokoladenfabrik, die an einen Laden angegliedert wurde. Im Jahr 1872 hat sein Sohn Emil Wedel die Firma als Hochzeitsgeschenk bekommen. Er wollte seine Waren vor Fälschung bewahren und beschloss jede seiner Schokoladentafeln zu signieren. Seine Unterschrift funktioniert
noch heute als Markenzeichen des Unternehmens. Im Jahr 1936 hat man mit der Produktion der berühmten Vogelmilch (pol. Ptasie mleczko) begonnen. Die Firma wurde durch den 2. Weltkrieg und seine Folgen betroffen. Der damalige Besitzer, Jan Wedel, hat den Einwohnern während des Krieges geholfen. Nach dem Krieg wurde der Betrieb nationalisiert und Jan Wedel Zutritt zur eigener Firma verwehrt. Später änderte das Unternehmen seinen Namen und wurde Teil eines speziellen Konzerns zusammen mit Syrena, Milanówek und Płońsk. 1989 ist man zu dem alten Markenamen zurückgekehrt. Am Kauf war Nestle interessiert. Die Firma wurde jedoch von Pepsi & Co gekauft. Nach einiger Zeit wurde es jedoch klar, dass der Investor nur ein Anliegen an den Snacks hat und Wedel wurde geteilt. Leaf übernahmen Syrena, Cadbury die Schokoladenfabrik und Płońsk wandelte nach Danone. 2010 wurde Wedel durch den amerikanischen Konzern Kraft Foods gekauft. Die Europäische Kommission, die einen Monopol auf den Schokoladenmarkt fürchtete, hatte den Verkauf an ein anderes Witschaftssubjekt angeordnet. Der neue Käufer wurde die koreanischjapanische Gruppe Lotte. von Ramona Nocoń
Wirtschaft 21
Amazon mit fünften Logistikzentrum in Polen Nun ist es offiziell: Amazon wird ein fünftes Logistikzentrum in Polen bauen. Als Standort wurde Sosnowiec in Oberschlesien gewählt. Angaben zu den Investitionskosten sowie der Zahl der neuen Arbeitsplätze wurden nicht bekannt gegeben.
D
as neue Logistikzentrum mit 135 Tsd. Quadratmetern Fläche wird auf einem 21-Hektar großen Grundstück gebaut. Bis Ende Oktober 2017 soll der neue Standort fertig sein – bestätigte auf seiner offiziellen Homepage Panattoni Europe, der Generalunternehmer der den Bau leiten wird. Das neue Logistikzentrum wird für die Lagerung und den Versand von Kleidung und Schuhen innerhalb Westeuropa zuständig sein.
noch zusätzlich 12 Tsd. Leiharbeiter eingestellt. Derzeit ist der Konzern mit Logistikzentren bei Posen und Breslau, einem Entwicklungs- und
Bereich E-Commerce spezialisierte Einrichtung, in Kolbaskowo bei Stettin gebaut, die über eine Nutzfläche von 67.000 Quadratmetern verfügen soll.
Logistikzentrum in Bad Hersfeld (Foto: Amazon)
Amazon hat in Polen bereits 3 Mrd. Zloty investiert und dabei 7 Tsd. feste Arbeitsplätze geschaffen. 2016 hat man in der Hochsaison Anzeige
Technologiezentrum in Danzig sowie dem Büro Amazon Web Services in Warschau vertreten. Zusätzlich wird eine weitere, die auf den
Harman, Amazon.
Wichtig ist für uns bei jeder Investition der Zugang zur guten Infrastruktur, zum Humankapital und dabei zu qualifizierten Fachkräften und Absolventen bester Hochschulen. Wir schauen auch darauf, wie schnell wir den Standort fertigbauen können und den Betrieb aufnehmen können – sagte Steven Operations Director bei
Bearb. von Rafał Stelmaszewski
22  Wirtschaft
Politik 23
Der polnische Gesetzexpress So viele Gesetze wie 2016 wurden seit 99 Jahren nicht mehr verabschiedet - das geht aus dem neuesten Barometer zur Stabilität der Rechtslage in der polnischen Wirtschaft, welches von Grand Thornton veröffentlicht wurde hervor.
E
rstmals in der Geschichte Polens wurden mehr als 30 Tsd. Seiten Typoskript von Gesetzen verabschiedet. Im Vergleich zu 2015 bedeutet das einen Anstieg um 7,5%. Wie viel und wie schnell sich die Rechtslage verändert besagen folgende Daten - vor zehn Jahren hat man noch um die Hälfte weniger Gesetze erlassen. Vor 20 Jahren war es sogar 7-mal so wenig wie 2016! Von den insgesamt 31.906 Seiten Typoskript von Rechtsakten, die in Kraft getreten sind, regeln 14.109 die unternehmerische Tätigkeit. Viel Arbeit wurde auch dem Steuerrecht zugewandt. Es sind auch Rechtsakten in Kraft getreten, mit denen man 1.784 Seiten Typoskript beschreiben könnte. Diese knapp 2.000 Seiten stellen fast 31% des polnischen Steuersystems dar, was in anderen Worten bedeutet, dass jährlich ein Drittel der Gesetze verändert wird. Eine so große Rechtsunbeständigkeit kommt nicht gut bei den Unternehmern an, die oft keine Zeit haben, um sich mit der neuen Rechtslage zu beschäftigen. Das erhöht wiederum das Risiko für Strafen seitens der Finanzverwaltung. Dazu kommt noch die Tatsache, dass die Gesetze in Rekordtempo beschlossen und verabschiedet werden. Heuer dauerte der Prozess, beginnend beim Einreichen des Projekts im Sejm bis zur Unterschrift des Präsidenten, nur 77 Tage. 2015 waren es noch 122 Tage und 2010 170 Tage. Ausgenommen von Rechtsakten, die einer schnellen Umsetzung benötigen, wie etwa Gesetze zu Naturkatastrophen, Terrorakten oder nötigen Eingriffen, die der Rettung von öffentlichen
Finanzen dienen, nimmt der verkürzte Rechtsgebungsprozess negativen Einfluss auf die Qualität der bestehenden Gesetze. Die schnelle Erlassung von Gesetzen entwickelte sich in letzter Zeit fast zur Norm im Parlament, was die sachliche und inhaltliche Arbeit an den einzelnen Rechtsakten einschränkt. Davon zeugt auch die Zahl der Gesetze, die nicht Beraten wurden. Dieser Negativtrend hat vor allem am Ende der vorherigen Regierungsperiode zugenommen und erreichte mit 41% seinen absoluten Höhepunkt. 2016 hat man dieses Phänomen eingeschränkt und bei 23% aller Rechtsakten auf die Beratung verzichtet. Eine sachliche Arbeit der Abgeordneten am jeweiligen Gesetz im Rahmen eines Sejmaussusches wird ebenfalls immer öfter übersprungen oder im Schnelltempo durchgeführt. Seit 2010 nimmt dieser Trend ständig zu. Experten von Grand Thornton behaupten, dass sich dies in der Qualität der Rechtsakten widerspiegelt, die nicht sachlich und im Expertenkreis analysiert und ausgearbeitet werden. Dem Senat also der zweiten Parlamentskammer kommt eine immer kleinere Rolle zu. Aus dem Bericht geht auch hervor, dass immer mehr Gesetze ohne jegliche Änderungsanträge seitens der Senatoren weitergeleitet werden. 2016 hat die zweite Parlamentskammer bei 67% der Gesetzprojekte keine Korrekturvorschläge gemeldet. Im Jahr 2010 erreichte diese Zahl gerade mal 42%. Laut Grand Thornton ist dies nicht auf die hohe Qualität der Rechtsak-
te zurückzuführen, sondern auf die Hast beim Gesetzgebungsverfahren, was wiederum das Fehlerrisiko und Korrekturen am Gesetz zum späteren Zeitpunkt entscheidend erhöht. Am Gesetzgebungsprozess nimmt auch der Präsident teil. Durchschnittlich brauchte 2016 das Staatsoberhaupt 11 Tage, um sich mit dem jeweiligen Gesetz vertraut zu machen und es zu unterzeichnen. 2010 waren es noch 19 und vor 17 Jahren sogar 25 Tage. Obwohl man dies in vielen Fällen positiv bewerten kann, muss man auch einräumen, dass der Präsident die letzte Instanz ist, um eventuelle Fehler oder Auswirkungen zu erblicken, die dem Gesetzgeber unterlaufen sind. Insofern trägt die relativ kurze Zeit für die Analyse des Rechtsakts sicherlich nicht zur Qualität des Gesetzgebungsverfahrens bei. Das Recht muss angepasst werden, muss sich verändern. Die Rechtslage muss der sich verändernden Realität angepasst werden. Fehler, die sich erst nach dem Inkrafttreten bemerkbar machen, muss man beheben. Aber das Maß an Gesetzproduktion ist dermaßen erschreckend, dass man behaupten könnte, dass dies schon fast außer Kontrolle gerät. So müssen Unternehmen in Polen mit einem unbeständigen und undurchsichtigen Rechtssystem kämpfen, dass sich zu einem der größten Hindernisse für die Weiterentwicklung entwickelte - so Tomasz Wróblewski, der Komplementär von Grand Thornton. von Piotr Piela
24 Politik
Polen und seine Umweltpolitik Zwar hat man sich seit dem Beitritt zur EU in Sachen Umweltpolitik deutlich verbessert, trotzdem verliert Polen bis zu 26 Mrd. Euro jährlich an Smog-Kosten - schätzen die Experten der EU-Kommission.
I
m Mai 2016 leitete die EU-Kommission ein Umweltpolitik-Prüfverfahren ein. Je zwei Jahre wird analysiert, wie der Dialog und die Zusammenarbeit aussieht, sodass man die Umsetzung der Umweltpolitik sowie bestimmte Regelungen nochmal optimieren kann. Der erste Schritt in dieser Richtung war ein umfassender Bericht zu jedem einzelnen Mitgliedland, der die größten Herausforderungen sowie Möglichkeiten auf dieser Ebene thematisiert. Seit dem Beitritt zur Europäischen Union im Jahr 2004 hat Polen die Ergebnisse ihrer Umweltleistung im erheblichen Maße verbessert. In vielen Fällen hat die mangelhafte oder verspätete Umsetzung zu Umsetzunglücken beigetragen – lesen wir im Bericht zu Polen, der Anfang
Februar veröffentlicht wurde. Die größten Herausforderungen für Polen sieht man wiederum in Bezug auf die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie, Umsetzung und Vollstreckung von Luftqualitätsnormen sowie die Anwendung von Lösungen wie die grüne Infrastruktur oder Entscheidungen im Bereich des Hochwasserrisikomanagements. Doch nicht nur Kritik, sondern auch Lob gab es seitens der EU-Kommissare. Anerkennung gab es u.a. für das nationale Netz von Umweltbehörden das als eine Austauschplattform für die Verbindung von Umweltfragen mit operationellen Programmen dient, die von europäischen Finanzmitteln mitfinanziert werden. Sehr über
viel wurde im Bericht das Thema Luftqualität in
Polen geschrieben, die viel zu wünschen lässt. Laut den EUKommissaren ist es verblüffend, dass Polen trotz eines so großen Luftverschmutzungsproblems als einziges Mitgliedsland keine Normen für den Verkauf fester Brennstoffe und keine Emissionsnormen für neue Heizkessel besitzt. Schätzungen zufolge belaufen sich externe Gesundheitskosten, die auf die Luftverschmutzung zurückzuführen sind auf 26 Mrd. Euro im Jahr. Diese Kosten umfassen nicht nur die Ausgaben für ein gesundes Leben, sondern auch direkte Kosten zur Lasten der Wirtschaft. Es handelt sich dabei um 19 Mio. durch Krankheit verursachte verlorene Arbeitstage. Bearb. von Anna Rosenthal
Politik 25
Wahlumfrage: PiS überrollt die Konkurrenz In der Februar-Umfrage von IBRiS bleiben die Werte einzelner Parteien weitgehend stabil. Die Regierungspartei bleibt vor der Bürgerplattform, vor Nowoczesna und Kukiz 15 vorne. Ins Parlament würde auch die Volkspartei und das Bündnis der demokratischen Linken rücken.
I
m Vergleich zu der Umfrage, die noch am Monatsbeginn durchgeführt wurde, hat die Partei von Jaroslaw Kaczynski 1% verloren. Bei 1% liegt auch der Stichprobenfehler. Die Oppositionsparteien Bürgerplattform (PO) und Nowoczesna haben jeweils 3% eingebüßt und liegen derzeit bei 17% und 10%. Die Bewegung von Pawel Kukiz konnte wiederum 3% potenzieller Wähler gewinnen und erreichte ebenfalls 10%. Knapp über der Fünfprozenthürde balancieren weiterhin die Volkspartei (PSL) und das Bündnis der demokratischen Linken (SLD). Beide können derzeit auf 6% der Wählerstimmen hoffen. In der vorherigen Umfrage von IBRiS hatte SLD noch 5,2% und PSL 5,7% erreicht. Wenig Gründe zur Freude dürften Razem (dt. Zusammen) und Freiheit (früher KORWiN) haben. Die Partei von Adam Zandberg liegt ununterbrochen bei 3%. Nur einer von hundert Befragten unterstützt Wol-
nosc (dt. Freiheit) und den Kongress der neuen Rechten (KNP).11% der Umfrageteilnehmer konnten sich bei der Wahl keiner Partei festlegen.
Die Umfrage von IBRiS wurde zwischen dem 16. und 17. Februar im Auftrag von der Zeitung Rzeczpospolita durchgeführt. Bearb. von Rafał Stelmaszewski
26 Wirtschaft
Foto: Amio Cajander [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons
Polen antwortete der EU-Kommission Die Regierung in Warschau hat eine erneute Erklärung zu einer Reihe von Bedenken seitens der EU-Kommissare zur Rechtsstaatlichkeit im Lande abgegeben. Die Kritik aus Brüssel wurde wieder zurückgewiesen.
S
eit knapp einem Jahr streitet die EU-Kommission mit Polen. Der Unruheherd – die Rechtstaatlichkeit. Die Kommissare sind der Meinung, dass die Unabhängigkeit des Verfassungsgerichts in Gefahr sei und zeigen Bedenken zu den Regierungsreformen. Am Dienstag (21.02.2017) hat Polen eine weitere Antwort auf die ergänzenden Empfehlungen der EU-Politiker abgegeben. Im Dokument wurde festgehalten, dass „die demokratische Ordnung aufrechtzuerhalten sei, einschließlich der Schaffung von stabilen Fundamenten der Arbeit des Verfassungsgerichts, was das oberste Ziel der Regierung sei. Alle Vorschläge, die der Optimierung der Arbeit im Verfassungsgericht dienen, werden mit offenen Armen begrüßt“. In der Aussendung des Außenministeriums
hieß es, dass die polnische Seite sachliche und eingehende Erklärungen, die sich auf die Vorbehalte der EU-Kommission bezogen, überbracht hat. Aus Sicht der polnischen Regierung ist die Verfassungskrise längst geklärt. Bereits im Vorjahr hat man mehrere Änderungen an der umstrittenen Justizreform vorgenommen, die im Einklang mit den europäischen Regulierungen zum Verfassungsgerichtswesen seien. Das Außenministerium unterstrich eindeutig, dass man keineswegs mit Blick auf die Verfassungskrise davon sprechen kann, dass die Rechtsstaatlichkeit in Polen in Gefahr sei. In dem Brief an die Kommissare äußerte man sich auch zu den Aussagen und zu dem Handeln von
Kommissionsvizepräsidenten Frans Timmermans. Diese bezeichnete man als politisch motiviert und behauptete, dass Timmermans ein Mitgliedsland anprangern will. Die Regierung appellierte in dem Schreiben, dass man dieses Handeln endgültig aufgibt. Nun hat die EU-Kommission zwei Optionen. Entweder erklärt man die Sache als erledigt oder man zieht die politische Atombombe und entzieht Polen sein Stimmrecht im Europarat. Allerdings unterstrich Timmermans, dass er im Streit um die Rechtsstaatlichkeit nicht nachgeben wird. Auf der anderen Seite ist die Auslösung von Artikel 7 ebenfalls äußerst unwahrscheinlich, denn dafür bräuchte man die Zustimmung aller EU-Staaten. Bearb. von Anna Rosenthal
Wirtschaft 27
Polen will die Finanzjobs der Londoner City für sich gewinnen Was passiert mit der Londoner City nach dem Brexit? Das ist die große Frage. Polen würde die ganz Großen der Finanzwelt mit offenen Armen begrüßen. Allein im Bankensektor könnte man 30 Tsd. neue Arbeitsplätze gewinnen – sagte gegenüber Bloomberg der polnische Finanz- und Wirtschaftsminister Mateusz Morawiecki.
D
er Superminister, wie Morawiecki an der Weichsel genannt wird, sagte im Interview, dass sich Polen in der Mitte zwischen den beiden Extremen, also Marine Le Pen und den Eurokraten, positionieren will. Polen befürwortet weder die euroskeptische Haltung noch eine stärkere Integration innerhalb der europäischen Gemeinschaft. Viel mehr will die Regierung in Warschau einen goldenen Mittelweg gehen, der sowohl Polen als auch der ganzen Union nützen würde. Wir wollen niemanden bestrafen, aber wir werden hart in den
Verhandlungen zum Brexit vorgehen – so Morawiecki, der weiter unterstrich, dass Extremen nicht gut sind und dass Polen die Einheit innerhalb der EU unterstützen will. Für Morawiecki basiert diese Einheit auf vier Fundamenten – Personen-, Waren-, Dienstleistungsund Kapitalverkehr. Dass Polen die Finanzjobs aus der Londoner City für sich gewinnen will ist kein großes Geheimnis. Morawiecki selbst sagte gegenüber Bloomberg, dass die Verhandlungen mit Goldman Sachs und der HSBC-Bank gut laufen und man davon ausgeht, dass Polen
30 Tsd. Arbeitsplätze gewinnen könnte. Der Minister erinnerte auch an die Großinvestition des deutschen Autobauers Daimler, der in Niederschlesien 500 Mio. Euro für eine neue Motorenfabrik ausgeben will und an weitere Investitionen von Volkswagen, der die Produktion in Wreschen nochmal steigern will. Weitere Greenfield Investments sollen folgen – so Morawiecki. Bearb. von Rafał Stelmaszewski
FSO Syrena 103 / Foto: By Ernest Wilbury UP (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/ licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
28 Wirtschaft
Syrena: Eine Kultmarke vor der Wiederbelebung Kult, legendär, modern und öko - AK Motor will Syrena als Elektroauto wiederbeleben. Die ersten Details. ede Information zur Marke Syrena lässt die Herzen der Autofans höherschlagen. Nicht ohne Grund, denn die Automarke ist ein der wenigen Erfolge der Autobranche an der Weichsel. Zwischen 1957 und 1983 wurden mehr als eine halbe Million Autos mit dem SyrenaMarkenzeichen produziert. Obwohl die einzelnen Modelle keinesfalls mit den westlichen Automarken konkurrieren konnten, ist die Syrena in den Erinnerungen vieler Polen geblieben. An diese Erinnerungen, vielleicht auch an die Nostalgie nach dieser Kultmarke, will AK Motor anknüpfen. Mitte Februar wurden erste Details zum neuen polnischen Elektroauto Syrena Nixi bekanntgegeben. Es soll sich dabei um einen Kleinwagen für zwei Personen (inklusive ein wenig Gepäck) handeln mit einer Reichweite von 150 Kilometern. Die Reisekosten für 100 Kilometer werden maximal 6 Zloty betragen - lesen wird in der Aussendung. Interessant - die Batterien, mit welchen der Zweitürer ausgestattet sein wird, soll man laut Herstellerangaben innerhalb von 15 Minuten bis auf 90% aufladen können. So schön das alles auch
klingt, es wurden noch keine Informationen u.a. zum Preis oder Start der Serienproduktion bekannt gegeben, die in der Warschauer FSO-Fabrik stattfinden soll. Was aber deutlich gemacht wurde Syrena Nixi wird komplett in Polen aufgebaut. AK Motor will auf Qualität und Sicherheit setzen. Hilfe bekommt man seitens der Regierung, die immer wieder betont, dass sie die Elektromobilität in Polen fördern will. Man muss aber bedenken, dass solche kleine Elektroflitzer generell nicht so populär in Europa sind.
Kleinwagen, wie Aixam oder Ligier werden vor allem von Personen genutzt, die nicht so oft ins Auto steigen oder es nur für Kurzstrecken nutzen. Ungeachtet dessen schmiedet AK Motor schon Pläne über Elektromodelle von Ligea und Meluzyna. Pläne über einen Viertürer (Derceto E) gibt es ebenfalls. Ob die Kultmarke als Elektroauto auf die Straßen zurückkehrt, bleibt vorerst abzuwarten. Bis dahin können Autofans mit Sehnsucht und Blick auf alte Fotos schmachten. von Piotr Piela
Syrena Nixi / Foto: AK Motor
J
Wirtschaft 29
17.
Öffentliche Woiwodschaftsbibliothek in Oppeln Östereich-Bibliothek
STERREICHISCHER FRÜHLING
März - Mai 2017
6. April 2017, 17.00 Uhr
7. März 2017, 10 Uhr
WBP Opole, ul. Piastowska 18 (Lesesaal)
Österreich-Bibliothek - Opole, pl. Pi³sudskiego 5
Lesung von
Vortrag
MARTIN
STEIERMARK
EINE ANNÄHERUNG
POLLACK
(Anmeldung unter der Tel.-Nr. 77 47 47 085)
9. März 2017, 10 Uhr
Topographie der Erinnerung
Österreich-Bibliothek - Opole, pl. Pi³sudskiego 5
in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturforum in Warschau
Vortrag
ÖSTERREICH
27. April 2017, 14.30 Uhr
EINE ANNÄHERUNG
Österreich-Bibliothek - Opole, pl. Pi³sudskiego 5
(Anmeldung unter der Tel.-Nr. 77 47 47 085)
Literaturworkshop für Kinder
SISSI
erzählt für Kinder
14. März 2017, 15.30 Uhr
(Kinderbuchclub)
Österreich-Bibliothek - Opole, pl. Pi³sudskiego 5
Ausscheidung zum XX. Wettbewerb
ÖSTERREICH - LAND UND LEUTE
4. Mai 2017, 18.00 Uhr
(Anmeldefrist 10. März 2017, Tel.- Nr. 77 47 47 085)
Filharmonia Opolska, ul. Krakowska 24
Konzert
15. März 2017, 12.00 Uhr
TRIO IMMERSIO
Österreich-Bibliothek - Opole, pl. Pi³sudskiego 5
Lesung von
ALOIS HOTSCHNIG
Vira Zhuk – Violine Anna Maria Niemiec – Cello Mariam Vardzelashvili – Klavier
4. April 2017, 11.30 Uhr
WBP Opole, ul. Piastowska 18 (Lesesaal)
Ausstellungseröffnung
in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturforum in Warschau
KALLIOPE Austria
Kostenlose Eintrittkarten zu entnehmen in der Österreich-Bibliothek in Opole.
Frauen in Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft
In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturforum in Warschau (zu sehen bis zum 12. Mai 2017)
11. Mai 2017, 14.30 Uhr
Österreich-Bibliothek - Opole, pl. Pi³sudskiego 5
4. April 2017, 12.00 Uhr
Literaturworkshop für Kinder
Finale des XX. Wettbewerbs
Workshop zum Mira Lobe - Buch
DAS KLEINE ICH-BIN-ICH
WBP Opole, ul. Piastowska 18 (Lesesaal)
(Kinderbuchclub)
ÖSTERREICH - LAND UND LEUTE
Informationen: Veranstalter:
www.ba.wbp.opole.pl Ehrenschutz: Marsza³ek Województwa Opolskiego Andrzej Bu³a
Plac Pi³sudskiego 5, 45-706 Opole tel.: 77 47 47 085
Wojewódzka Biblioteka Publiczna w Opolu finansowana jest z bud¿etu Województwa Opolskiego.
Sponsor:
ba@wbp.opole.pl Partner:
77 47 47 085 und Me dienpatronat:
30 Kultur & Lifestyle
Filmmusik von Spiderman, Iron Man und Batman live Eine einmalige Gelegenheit für Musik- und Filmfans. Die feinsten Musikstücke aus den Kino-Blockbustern werden erstmals live zu hören sein und das in mehreren polnischen Städten. Das Spektakel wird ebenso einmalig, denn die Konzertform wird durch virtuelle Realität und Tanz auf der Bühne erweitert.
S
uperheroes in concert ist in erster Reihe ein Livekonzert der Filmmusik. Ein ganz besonderes, denn erstmals wird Musik aus Superhero-Filmen live auf einer Bühne präsentiert. Wer sich auf den Weg nach Breslau, Krakau oder Richtung Dreistadt macht, bekommt fast 90 Minuten origineller Soundtracks zu hören, erstmals in solch einer heldenhaften Kombination. Im Programm sind Leitmotive von Amazing SpiderMan, Batman vs. Superman, Iron Man, Captain America: Civil War oder Thor: The Dark World sowie Incredible Hulk zusammen mit The Avengers und The Dark Knight Rises vorgesehen. Die Musik wurde von solchen Meistern komponiert wie Hans Zimmer, Alan Silvestri, James Horner, Ramin Djawadi oder Brian Tyler. Aufgeführt werden die Musikstücke vom Beethovenakademie Orchester, welches sich immer mehr zum Aushängeschild der polnischen Symphonie entwickelt. Maestro
Maciej Sztor, ein Filmmusikliebhaber, wird das Spektakel leiten. Für den Gesang sind Anna Witczak und Katarzyna Bogusz von der Band Diktando zuständig. Ein wichtiges Element des Konzerts ist der Tanz, der ebenfalls live auf futuristischen LED-Fußböden performt wird. Die Geschichten von Spiderman, Batman, Hulk oder Captain America werden von dem You Can Dance-Teilnehmer Bartek Wojcik zusammen mit einer Tänzergruppe nacherzählt. Das Ganze wird auf einem großen, hinter dem Orchester aufgestellten Bildschirm zu sehen sein, was jedem Gast ungeachtet seinem Sitzplatz, zugutekommen soll. Erstmals wird es während des Konzerts möglich sein, in eine virtuelle Realität mit den Helden aus Iron Man oder Spiderman einzutauchen. Man braucht dazu nur ein eigenes Smartphone und die Google VR-Brille, die von den Veranstaltern bereitgestellt wird.
Für die, die das Konzert kaum erwarten können, hat man auf Spotify eine Playlist vorbereitet, mit den Musikstücken, die während des Konzerts aufgeführt werden. Tickets für das Spektakel kann man sich im Internet und bei Verkaufsstellen von Eventim sowie bei Empik, Saturn und Media Markt sichern. 22.04.2017 Jahrhunderthalle (Breslau) 29.04.2017 Tauron Arena Kraków (Krakau) 14.10.2017 Ergo Arena (Danzig)
Bearb. von Emanuela Janda
QR-Code scannen und Video zum Artikel ansehen:
Kultur & Lifestyle 31
Krzysztof Penderecki mit Grammy-Award Die Grammys wurden bereits zum 59. Mal verliehen.
Z
u den nominierten polnischen Künstlern zählten der Komponist Krzysztof Penderecki und der Sänger Mariusz Kwiecien. Penderecki, einer der berühmtesten gegenwärtigen polnischen Musiker, wurde mit dem Preis der Kategorie Best Choral Performance für sein Album Penderecki conducts Penderecki vol. 1 ausgezeichnet. Dieser LP enthält die erste Studioaufnahme Pendereckis mit dem Chor der Warschauer Philharmonie. Zu hören sind auch Stücke wie die Kantate Dies Illa, die den Opfern des Ersten Weltkrieges gewidmet ist. Die Platte ist die erste aus der geplanten Reihe der ChorOrchester-Werke Pendereckis.
Geige gelernt und schon im Alter von 8 Jahren eigene Werke geschrieben. In den 50er Jahren studierte er in Krakau Musik. Den internationalen Durchbruch brachte ihn die Verwendung der unkonventioneller Techniken zu Klangerzeugung bei den traditionellen Instrumenten, der sogenannte Sonorismus. Man kann ihn in seinen bekanntesten Werken u.a. in dem bereits erwähnten Threnos den Opfern von Hiroshima.
Penderecki ist einer der bekanntesten polnischen Komponisten. In der Vergangenheit wurde er bereits viermal mit dem Grammy ausgezeichnet; 1988 für das Violoncello Konzert Nr. 2, 1999 bekam er den Grammy für das 2. Violine Konzert in der Kategorie Best Classical Contemporary Composition und auch in der Kategorie Best Instrumental Solist Performance, 2001 erhielt er den Preis für das Credo und 2013 rühmte man ihn für sein klassisches Sammelprogramm. Damals wurden auch Antoni Wit und das gesamte Warschauer Orchester ausgezeichnet.
In seinen Kompositionen wechselte er zwischen ruhigen Episoden und Avantgarde. Anfang der 70er entfernte er sich vom Sonorismus zu Gunsten von tonalen Kompositionen, die an die Traditionen des XIX Jahrhunderts anknüpften. Seit 1973 hat er sich ebenfalls der Dirigentschaft gewidmet; er arbeitete mit polnischen und weltweit bekannten Symphonieorchestern. Teile seiner Arbeit waren in Katyn Wajdas und The Shining Kubrick zu hören.
2016 sagte der Komponist, dass er genügend Arbeit für die nächsten 20 Jahre habe. Er stelle sich immer höhere Ziele, die er aber nicht immer einhalten kann und, wie er selber meinte, die er manchmal umgehe. Der Komponist hat Stücke im Kopf, die er gerne vollenden würde und für deren Vollendung er die nächsten 20 Jahre brauche. Zu den wichtigsten Werken Pendereckis gehören der Threnos den Opfern von Hiroshima, Dies Irae, Die Teufel von Luon, Lukaspassion, Die Schwarze Maske und Paradise Lost. Krzysztof Penderecki ist im Jahr 1933 in Debica zu Welt gekommen. In seiner Kindheit hat er Klavier und
Foto: Akumiszcza (Own work) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/ by/3.0)], via Wikimedia Commons
Für mich ist die Form immer am wichtigsten - sagte der Komponist einmal. - Ich beginne immer mit der Form; nicht mit dem Thema, sondern mit der grafischen Skizze des Werkes und erst später fülle ich die weißen Flecken aus. Im Grunde ist Musik ein Ornament, das schönste überhaupt. In den 60er und 70er Jahren gab es ein größeres Interesse an der Musik als heute. Es sind aber Wellen. Damit Musik existiert, braucht sie Empfänger. In großen Städten wie Warschau, wenn es ein Konzert mit guter gegenwärtiger Musik gibt, sind
die Säle bis auf den letzten Platz ausgefüllt. Man kann das nicht mit dem Bekanntheitsgrad der populären Musik messen; sie ist unter jedem Dach präsent. Das Hören von klassischer Musik ist wie das Lesen von philosophischen Werken - nicht jeder muss das machen. Das heißt, dass Musik nicht für jeden etwas ist. Bearb. von Ramona Nocoń
32 Wirtschaft
Polen in Hollywood Ab und zu hört man, dass polnische Prominente, Hollywood zu erobern versuchen. Wir nennen diejenigen, die es wirklich geschafft haben.
Andrzej Sekuła Pola Negri Apolonia Chalupiec, bekannt als Pola Negri, wurde 1897 in Lipno geboren und zählt zu den berühmtesten Frauen Hollywoods der Stummfilmära. 1917 zog sie nach Berlin, wo sie mit dem Regisseur Ernst Libitsch zusammenarbeitete. So gelang es ihr in Europa berühmt zu werden und schließlich den Durchbruch in den USA zu schaffen. Sie und Ernst Libitsch wurden nach Produktionen, wie „Madam DuBarrz“, „Sumurun“ oder „Głos ulicy“ populär. Pola Negri gelang es als ersten Schauspielerin aus dem Alten Kontinent, einen Vertrag mit der amerikanischen Filmproduktion zu schließen.
Andrzej Sekuła studierte an der National Film and Television School in London und machte seine ersten Schritte hinter der Kamera in Quentin Tatantinos „Wilde Hunde“. Er wirkte auch bei Pulp Fiction mit. Sekula arbeitete auch als Regisseur bei „Sprawa zalatwiona“, „Cube 2“ und „Czysta przyjemnosc“.
Slawomir Idziak Als Kameramann hat Slawomir Idziak mit ausländischen Regisseuren wie Ridley Scott, John Sayles und John Duigan gearbeitet. Für die Aufnahmen zum Film „Black Hawk Down“ wurde er für den Oscar und die BAFTA Awards nominiert. Er war sogar bei hoch budgetierten Produktionen wie „Harry Potter und der Orden des Phönix“ oder „King Arthur“ als Kameramann tätig.
Janusz Kamiński Kaminski wurde durch seine Arbeit mit Steven Spielberg bei dem Film „Schindlers Liste“ berühmt. Für die Aufnahmen zum Film hat er den Oscar bekommen. Das ist aber nicht die einzige Auszeichnung, die er erhalten hat. Den nächsten Preis bekam er für die Aufnahmen zum Film „Der Soldat James Ryan“. Außerdem darf sich Kaminski mit vier anderen Nominierungen für den Oscar rühmen. Er wurde für die Filme „Amistad“, „Schmetterling und Taucherglocke“, „Gefährten“ und „Lincoln“ nominiert. Kaminski ist auch für die Aufnahmen vieler anderer Filme Spielbergs verantwortlich gewesen (u.a. „Jurassic Park“, „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“, „Terminal“ und „Bridge of Spies – Der Unterhändler“).
Roman Polanski Polanski ist einer der bekanntesten Filmemacher polnischer Abstammung. Seinen Ruhm verdankt er Produktionen, wie zum Beispiel dem Film „Der Pianist“, der sogar mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Dazu kommen noch viele andere Awards – u.a. der Golden Globe, BAFTA und die Goldene Palme. Nicht nur seine Erfolge, sondern auch die Ermordung seiner Frau Sharon Tate durch die Gang Chales‘ Masons und seine sexuelle Affäre verschafften ihm mediale Aufmerksamkeit.
Olek Krupa Aleksander Krupa ist besonders für die Rollen der Bösewichte bekannt. Er spielte sie in Filmen wie „Eraser“, „Der DiamantenCop“ oder „Wieder allein zu Haus“. Man konnte ihn in „X-Men: Erste Entscheidung“ sehen und auch an der Seite von Angelina Jolie im Film „Salt“, in dem er den russischen Präsidenten spielte.
Wojciech Kilar Die Musik von Wojciech Kilar kann man in Filmen der Regisseure Roman Polanski (Der Pianist), Andrzej Wajda (Das Gelobte Land) oder Francis Cappola (Bram Stoker’s Dracula) hören. Für die Filmmusik zum Bram Stoker’s „Dracula“ hat er den ASCAP Preis erhalten. Er ist auch Preisträger des Satur Awards für die Musik in „Der Pianist“.
Wirtschaft 33
Waldemar Pokromski Waldemar Pokromski arbeitete als Maskenbildner in Oscarnominierten Filmen. Er war für die Maske in den preisgekrönten Filmen „Der Pianist“, „Die Klavierspielerin“, „Die neun Pforten“, „Das Massaker von Katyn“, „Oliver Twist“, „Die Fälscher“ und schließlich „The First Avenger: Civil War“ verantwortlich.
Jan Kaczmarek Jan Kaczmarek wohnt seit 1989 in den Vereingten Staaten. Er komponierte Musik zu über 50 Filmen, u. a. „Wenn Träume fliegen lernen“. Für den Soundtrack dieses Films wurde er mit dem Oscar geehrt. Er komponierte auch die Musik für die Filme „The Karamazovs“ oder „Washington Square“.
Abel Korzeniowski Der aus Krakau stammende Abel Korzeniowski komponierte die Filmmusik für „A Single Man“, für die er mit dem Preis der San Diego Film Critics Society und den World Soundtrack Awards ausgezeichnet wurde. Er ist auch für die Golden Global Awards nominiert worden. Man hat so seine Kompositionen zum W.E. in der Regie von Madonna ausgezeichnet. Vor kurzem hat er den BAFTA Award für die Musik im Film „Penny Dreadful“ erhalten.
Ewa Braun Ewa Braun hat den Oscar zusammen mit Allan Starski für die Bühnenbilder in dem Film „Schindlers Liste“ in der Regie Steven Spielbergs bekommen. Außerdem ist sie Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die diese Preise verleiht.
Izabella Scorupco
Krzystof Penderecki Krzystof Penderecki wurde vom „The Guardian“ als größter lebender polnischer Komponist bezeichnet. Seine Musikstücke findet man zum Beispiel in den Filmen „Der Exorzist“ und „Shining“. Die von ihm komponierten Lieder sind außerdem in „Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor“ , in „Lula“ von David Lynch oder in „ Shutter Island“ von Martin Scorsese zu hören. Er komponierte auch die Musik für dem Oscar nominierten Film von Andrzej Wajda – „Das Massaker von Katyn“.
Warner-Brüder Drei der Warner-Brüder (früher Wonsal) – Albert, Harry und Sam – wurden in einem kleinen Dorf in der Nähe von Ostrołęka geboren und wanderten als Kinder in die Vereinigten Staaten aus. Zusammen mit Jack, den jüngsten der Brüder, haben sie das Studio Warner Bros. gegründet, das für viele Erfolgsproduktionen verantwortlich ist.
Izabela Scorupco ist durch die Rolle des Bondgirls in dem Film „Golden Eye“ bekannt. Auch die Kinofilme „Die Herrschaft des Feuers“, „Exorzist: Der Anfang“ oder „Vertical Limit“ hat sie bereits auf ihrem Konto.
Karolina Wydra Die Schauspielerin wurde in Polen geboren, wohnt jedoch seit ihrem 10. Lebensjahr in den Staaten. Wir lernten sie durch ihre Rolle in „Dr. House“ kennen. Sie spielte in Serien wie „True Blood“, „Justified“, „Scorpion“ und „Wicked City“ mit. Wir bekamen sie außerdem in paar Kinofilmen zu sehen: „Crazy, Stupid, Love.“, „Europa Report“ und „After“. Sie wird auch in der dritten Staffel von „Twin Peaks“ mitspielen.
Joanna Pacuła In den 80er und 90er Jahren führte sie eine erfolgreiche Karierre in Hollywood und spielte interessante Rollen an der Seite der größten Schauspieler dieser Zeit. Sie hat in den Filmen „Gorky Park“, „Zum Töten freigegeben“, „Flucht aus Sobibor“, „Tombstone“, „Husbands and Lovers” und in „The kiss“ gespielt.
Izabella Miko Die polnische Schauspielerin arbeitet schon lange in Hollywood, aber ohne größere Erfolge. Wir können sie in kleinen Nebenrollen in verschiedenen Filmen bewundern. Sie spielte u.a. in „Coyote Ugly“, „Save the Last Dance“, „Kampf der Titanen“ oder „Step Up: All In“.
Weronika Rosati Weronika Rosati ist eine junge Schauspielerin, die ihre ersten Schritte in der Traumfabrik machte. Sie spielt kleine Nebenrollen in Filmen und Fernsehserien. Wir konnten sie in „Shootout – Keine Gnade“, „The Iceman“, „Stand Up Guys“ oder in „Last Vegas“ bewundern. Im amerikanischen Fernsehen ist sie in der zweiten Staffel von „True Detective“ und in der elften Staffel von „Supernatural” zu sehen. Bearb. von Ramona Nocoń
34 Kultur & Lifestyle
Silberner Bär für Agnieszka Holland Die 67. Berlinale ist zu Ende. Am 18. Unter den Preisträgern befindet sich die polnische Regisseurin Agnieszka Holland und Rafał Kapeliński.
E
s scheint, als spielten Hirsche und die Natur während der diesjährigen Berlinale eine wichtige Rolle. Bei den gekrönten Produktionen „On Body and Soul“ und „Pokot“ kamen nämlich genau diese Tiere vor. Der ersehnte Goldene Bär ging dieses Jahr an die Ungarin Ildiko Enyedi. Die Liebesgeschichte zwischen zwei Angestellten eines Schlachthofs, die sich gegenseitig in ihren Träumen als Tiergestalten besuchen, entzückte die Jury (Paul Verhoeven, Dora Bouchoucha Fourati, Olafur Eliasson, Maggie Gyllenhaal, Julia Jentsch, Diego Luna, Wang Quan’an) mit seiner Feinheit, Humor und origineller Thematisierung von Liebessuche und Einsamkeit. „Pokot“ („Spoor“) von Agnieszka Holland wurde mit dem Silbernen Bären – dem Alfred-Bauer-Preis – geehrt. Die Auszeichnung wird an Produktionen verliehen, die neue
Perspektiven eröffnen. Die Verfilmung des Romans „Der Gesang der Fledermäuse“ von Olga Tokarczuk wird als ein „waghalsiger Genremix aus komischer Detektivstory, spannendem Ökothriller und feministischem Märchen“, der sich an der polnisch-tschechischen Grenze abspielt, charakterisiert. Nachdem sich Holland kurz mit Serien beschäftigte (einige Folgen von House of Cards), wendete sie sich nun dem Krimi zu. Die exzentrische und charismatische Duszejko, die zurückgezogen in einem kleinen Dorf lebt, findet eines Tages die Leiche ihres Nachbarn, zu der eine Hirschfährte führt. Weitere Jäger sterben auf mysteriöse Weise und schließlich wird Duszejko verdächtigt. Agnieszka Holland sagte, dass der Preis umso wichtiger für sie sei, weil er vor Jahren auch an Andrzej Wajda verliehen wurde.
Der 2016 verstorbene polnische Kultregisseur war ihr guter Freund und Meister. Holland sagte während der Pressekonferenz, dass der Preis für sie vor allem „eine symbolische Bedeutung“ habe und es außerdem eine „Verpflichtung sei, das Werk Wajdas fortzusetzen“. Als zweiter polnischer Künstler wurde Rafael Kapelinski von der Jugendjury Generation 14 plus mit dem Gläsernen Bären ausgezeichnet. Der zurzeit in Großbritannien lebende Filmemacher schuf bis jetzt nur Kurzfilme. Sein Filmdebüt „Butterfly Kisses“ (Schwarz-Weiß gehalten) erzählt eine Geschichte von drei Freunden. Einer von ihnen – Jake – verbirgt aber ein Geheimnis, welches ihn von anderen immer mehr distanziert. von Emanuela Janda
Kasia Moś - Polens Stimme auf dem ESC Mit dem Lied “Flashlight” wird die junge Sängerin ihre Heimat bei der 62. Auflage des Eurovision Song Contest in Kiew vertreten.
K
asia Moś ist Absolventin der Fryderyk-Chopin-Musikschule mit Abschluss in Piano und Cello in Beuthen und der Karol SzymanowskiMusikakademie an der Fakultät für Jazz in Kattowitz. Seit dem 15. Lebensjahr nimmt sie zusätzlich Gesangsunterricht.
gemacht. 2006 belegte sie mit dem Lied I wanna know den 10. Platz und 2016 nahm sie mit Addiction den 6. Platz ein. Drei Jahre zuvor wurde sie Finalistin der polnischen Show Must be the Music.
In ihrer relativ kurzen Kariere hat sie schon mit Robin Antin - dem Gründerin der Band Pussycat Dolls - Kelly Osbourne, Mýa, und der Schauspielerin Carmen Electra zusammengearbeitet. Sie folgte einer Einladung von Eva Longoria und sang bei einem caritativen Konzert in Los Angeles. Aufgetreten ist sie auch im Viper Room - einem Klub, der dem angeblich bankrotten Schauspieler Johnny Depp gehört.
Den Eurovision Song Contest hat ein Jahr zuvor die ukrainische Krimtatarin Jamala mit dem Song 1944 gewonnen. Der Song handelt über die Deportationen der Krimtataren, die von Sowjets vorgenommen wurden.
Kasia Moś hat bereits Erfahrungen mit dem Vorentscheid zum ESC
Bearb. von Ramona Nocoń Kasia Moś / Bild: By Jakubhajek (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons
Kultur & Lifestyle 35
#WirKochen: Schlesisches Mittagessen Die schlesische Küche ist ganz besonders. Sie verbindet hauptsächlich die deutsche und polnische Küche, wird aber auch von böhmischen, österreichischen und sächsischen kulinarischen Einflüssen geprägt. Rouladen mit Speck und die schlesischen Kartoffelklöße sind ein Klassiker, den man unbedingt probieren muss. Der Rotkohl, verfeinert mit Gewürzen, verleiht der Speise mehr Charakter.
Zubereitung Zutaten für Rouladen: 2 EL Margarine 1,5 kg Schinkenfleisch 250 g Speck 2 Zwiebeln 2-3 saure Gurken Pfeffer Senf Salz Sahne
1. Schinkenfleisch in sechs Scheiben schneiden und klopfen. 2. Fleisch pfeffern und salzen, dann mit Senf bestreichen. Auf
den Rouladen die in Würfel geschnittenen Zwiebeln, Speck und Gurken verteilen.
3. Rouladen aufrollen, zusammenbinden und mit Margarine anbraten.
36 Kultur & Lifestyle Zutaten für
Kar toffelklöße: 1 kg Kartoffeln Kartoffelmehl
Zubereitung 1. Kartoffeln schälen und aufkochen lassen. Möglichst heiß durch den Kartoffelstampfer pressen.
2. Danach die Kartoffeln in einer Schüssel mit den Händen stampfen und in vier Teile teilen. Einen Teil auf die anderen geben.
3. In die freie Stelle Kartoffelmehl hineinschütten, Salz und
Ei dazugeben. Alles zusammen verkneten und Klöße formen. Danach ins kochende Wasser legen. Wenn sie auf die Oberfläche schwimmen, sind sie fertig.
1 Ei Salz
Zubereitung 1.
Rotkohl schneiden und kochen. Gewürznelke, Lorbeerblätter und Nelkenpfeffer dazugeben.
2. Nach dem Kochen abgießen. Salz, Pfeffer und 2 Esslöffel
Speiseöl hinzugeben. Den Apfel auf der Reibe reiben und Zucker dazugeben. Das Ganze vermischen.
Zutaten fü r Rotkohl 1 Rotkohl
Gewür znel
Lorbeerbla
1. Rouladen aus der Pfanne herausnehmen, wenn sie fertig sind. 2. Zu der entstandenen Brühe 2 Esslöffel Sahne und ein Esslöffel Kartoffelmehl hinzufügen. Das Ganze vermischen.
von K.J.
Guten Appetit!
tt
Nelkenpfeff Salz
Zubereitung (Soße)
ke
er
Pfeffer
2 EL Speise öl
1 EL Zuck er ½ Apfel
Wirtschaft 37
Millionen für Warschaus Schlösser und Museen Mit Millionensummen werden Sanierungsarbeiten in den königlichen Schlössern und Gärten sowie verschiedenen Museen in Warszawa (Warschau) gefördert. Allein 23 Millionen Euro stammen aus EU-Mitteln, ein weiterer zweistelliger Millionenbetrag kommt aus Förderprogrammen des polnischen Ministeriums für Kultur und nationales Erbe.
I
m königlichen Palastund Parkensemble Łazienki Królewskie sollen das Weiße Haus und der Wasserturm restauriert werden. Im Mai werden die Arbeiten am Wasserturm beginnen. Bis April 2018 soll das 1777 errichtete Bauwerk im alten Glanze erstrahlen und neuen Platz für Ausstellungen bieten. Der als Weißes Haus bekannte Pavillon von 1776 soll ab August restauriert werden. Neben nötigen Sicherungsarbeiten sollen vor allem die Fassade, die Wandmalereien und Holzverzierungen aufgearbeitet werden. Besucher werden ab April 2019 wieder die königlichen Gemächer im Erdgeschoss sowie die Kupferstichsammlung im Anzeige
Obergeschoss besichtigen können. Das Łazienki-Ensemble wird seit 2010 aufwendig restauriert. Die bisherigen Kosten beliefen sich auf rund 31 Millionen Euro. Das Königsschloss in der Warschauer Altstadt erhält rund 5,5 Millionen Euro für die weitere Restaurierung der historischen Terrassengärten und auch das Museum im Sommerschloss der polnischen Könige im Stadtteil Wilanów kann durch die Förderung weiter an der Restaurierung des barocken Prachtbaus arbeiten. Gut 2,9 Millionen Euro fließen in den Umbau der Galerie für Antike Kunst des Warschauer Nationalmuseums. Sie soll bis 2019 wiedereröffnet
werden. Das Städtische Museum am Altstadtmarkt erhält rund 1,6 Millionen Euro für die Erweiterung der Hauptausstellung sowie kulturelle Veranstaltungen. Das PrzebędowskiPalais, Hauptsitz des Polnischen Unabhängigkeitsmuseums soll für etwa fünf Millionen Euro restauriert und barrierefrei umgebaut werden. Nach Abschluss der Arbeiten sollen im Palais zusätzliche Ausstellungen zur Geschichte des Ensembles und zu den ehemaligen polnischen Ostrandgebieten eingerichtet werden. www.warsawtour.pl
38 Wirtschaft
Schlösser in Polen, die man unbedingt besuchen muss
Schloss Fürstenstein in Wałbrzych/Waldenburg Die im 18. Jahrhundert erbaute Schlossresidenz im Waldenburger Stadtteil Książ ist das größte schlesische Schloss und das drittgrößte in Polen, nach Malbork (dt. Marienburg) und Wawel. Die Burg, die von vielen als Perle Schlesiens bezeichnet wird, ist jahrelang Sitz des Adelsgeschlechts der Hochberger gewesen. Ihre verzwickte Geschichte wird u.a. von Filip Bajon in seinem Film “Magnat” nähergebracht. Im Jahr 1941 wurde das Schloss durch den NS-Staat übernommen. Hier sollte
kein anderer als der Führer selbst sein Quartier haben. Man hat sogar mit dem Bau unterirdischer Tunnels und Gänge begonnen, die jetzt Teilweise für Touristen zugänglich sind. Fürstenstein stellt eine große Attraktion für Kinofans dar. Hier wurden solche Filme wie Der Teufel von Andrzej Żurawski, Die Gräfin Cosel von Jerzy Antczak oder Die Lepkranke von Jerzy Hoffman gedreht. Diejenigen, die an einer Nachtbesichtigung interessiert sind, können sich ein All-Inclusive-Paket buchen mit Übernachtung, Verpflegung und einer nächtlichen Besichtigung des Schlosses.
Ordensburg Radzyn Chelminski/Rehen Das Schloss in Rehen ist ein Beweis für die komplizierten Beziehungen zwischen Polen und dem Deutschordensstaat. Es wurde Anfang des 14. Jahrhundert am Rande des Schlosssees aus der Initiative des Hochmeisters des Deutschen Ordens errichtet. Im 17. Jahrhundert wurde es in den schwedisch-polnischen Kriegen schwer beschädigt und 200 Jahre später wurde es zum Teil durch die preußischen Behörden abgerissen. Heute sind die Ruinen für Besucher
Wirtschaft 39
Marienburg oder Wawel in Krakau kennt jeder Tourist, der sich nur ein wenig mit Polen beschäftigt hat. Doch diese zwei Schlösser sind weit nicht die einzigen, die man besuchen sollte. Fürstenstein, die Burg Niedzica oder Krzyżtopór sind nur einige aus der langen Liste. Welche Burgen sollte man noch besichtigen? Eine Zusammenstellung.
Schloss Fürstenstein in Wałbrzych/Waldenburg, Foto: Jar.ciurus (Own work) [CC BY-SA 3.0 pl (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/pl/deed.en)], via Wikimedia Commons
und Touristen geöffnet. Man kann sich ein Modell der Burg und die Folterkammer ansehen. Legenden zufolge kann man in den Fenstern der Ruine immer noch die Weiße Frau sehen. Auf dem Schlossgelände wurden die Szenen zur Serie Pan Samochodzik i Templariusze gedreht, einer Verfilmung des Buches von Zbigniew Nienacki.
Pleß Der Bau des Schlosses hat zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert begonnen. Im Laufe der Jahre wurde es mehrmals umgebaut. Heute ist es eine neobarocke Magnaten-
Residenz. Das Schloss wird von einem englischen Park umhüllt. Einer der Schlosseigentümer war Graf Jan Henryk XV. Seine Ehefrau Daisy galt als schönste Frau ihrer Epoche. Sie kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Großbritannien zur Welt und wird in der heutigen Popkultur mit Prinzessin Diana oder Kaiserin Sissi verglichen. Die Residenz ist zugleich Schlossmuseum und aufgrund der gut erhaltenen originellen Innenausstattung, eine der kostbarsten Sehenswürdigkeiten in Polen. In den Kellern befinden sich ein Zeughaus, in denen man sogar
Samurai - Rüstungen bewundern kann.
Burg Tzschocha/Czocha Die Höhenburg wurde im 17. Jahrhundert auf Befehl des tschechischen Königs erbaut. Im Laufe der Jahre wechselte die Burg immer wieder die Besitzer - von Bischöfen, zu polnischen Fürsten bis zum deutschen Industriellen. Gerüchten zufolge sollten sich hier während des 2. Weltkrieges Chiffriere der Abwehr aufgehalten haben. Nach dem Krieg wurden viele Güter zerstört oder wegbefördert. Heutzutage gilt Tzschocha als einer
40 Tourismus der gruseligsten Orte Polens. Die Legende über die Weiße Frau gilt als ein Magnet für Touristen und Besucher. Sehr populär ist der sog. Brunnen der untreuen Ehefrauen, in dem einige Frauen ihr Leben verloren haben. Angeblich sollen Nachts immer noch ihre Ächzen und Hilferufe zu hören sein. Heute befindet sich ein Hotel im Schloss, ein Teil der Burg ist für Touristen offen. Einer großen Beliebtheit erfreuen sich auch Nachtbesichtigungen. Unter Filmemachern ist die Burg ebenfalls sehr populär. Hier wurden Bilder für The Witcher, Gdzie jest general?/ Wo ist der General? und Poza lasem Sherwood/ Hinter Sherwood aufgenommen. Ordensburg Radzyn Chelminski/Rehen, Foto: Konrad Ślęzak (Own work) [CC BY 2.5 (httpcreativecommons. orglicensesby2.5)], via Wikimedia Commons
Pleß, Foto: Hons084 Wikimedia Commons, via Wikimedia Commons
Schloss in Bobolice Das Schloss wurde Mitte des 14. Jahrhunderts von Kasimir den Großen als Teil der sog. Adlerhorst-Burgen, die in der polnischen Krakau-Tschenstochauer Jura gelegen sind, erbaut. Während der schwedisch-polnischen Kriegen hat die Burg erhebliche Schäden davongetragen, die vergangene Zeit hat auch ihre Spuren hinterlassen. Im Jahr 1998 wurde das Schloss zum Privateigentum. Nach zwölf Jahren gründlicher und komplizierter Renovierungen öffnete das Schloss seine Pforten für die Besucher. In der Nähe der Burg befindet sich auch ein Hotel. Das Schloss wird heute als Perle der Krakau-Tschenstochauerchauer Jura bezeichnet. Es hat auch die Disneymacher inspiriert und dazu veranlasst den Videoclip zu Merida – Legende der Highlands, in seinen Mauern zu drehen.
Schloss Krzyztopor/ Kreutz Beil in Ujazd
Schloss in Bobolice, Foto: Bobolus (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Das Schloss Krzyztopor in Ujazd ist eine der größten touristischen Attraktionen der Woiwodschaft Heiligkreuz. Erbaut im 17. Jahrhundert für den polnischen Adligen Krzystof Ossolinski - ist es noch vor dem Bau von Versailles der größte Palast gewesen. Eingerichtet im Stil des italienischen Palazzo in fortezza verbindet er die Elemente eines Palastes und einer Festung. Im Laufe der Jahre hat das Schloss sehr oft seine Besitzer gewechselt, was seinen Zustand immer mehr
Tourismus 41 verschlechtert hat. Gegenwärtig ist es eine Ruine, die Mauern sind aber gut erhalten geblieben, was eine Besichtigung durch Touristen möglich macht. Immer wieder kehrt die Idee den Palast zu renovieren zurück, aber das Problem hier sind die fehlenden Baupläne und Projekte.
Burg in Niedzica Die Burg ist auch unter dem Namen Burg Dunajec bekannt. Sie wurde höchstwahrscheinlich im 14. Jahrhundert an der Stelle einer früheren Burg errichtet und ist jahrelang Eigentum ungarischer Adelsgeschlechter gewesen. Legenden zufolge wurde die Gegend um Niedzica im 17. Jahrhundert durch die Inkas bewohnt, die sich von spanischen Verfolgern versteckten und hier her geflohen sind. Als Beweis fungiert ein nach dem II. Weltkrieg gefundener Quipu. Er soll Informationen über den versteckten Schatz im Schloss beinhalten. Das Geheimnis rund um den Schatz wurde jedoch bis heute nicht gelöst.
Burg in Niedzica, Foto: Łukasz Śmigasiewicz (Own work) [CC BY-SA 3.0 pl (httpcreativecommons.orglicensesbysa3.0pldeed.en)], via Wikimedia Commons
Schloss in Krasiczyn Das Schloss liegt auf der Strecke Przemysl – Sanok und ist eines der schönsten Beispiele der Renaissance in Polen. Es wurde an der Wende zum 17. Jahrhundert erbaut und ist in seiner Form im Laufe der Zeit praktisch unverändert geblieben. Im Vergleich zu anderen Schlössern in diesem Stil, zeichnet es sich durch vier Basteien aus: die Göttliche, Päpstliche, Adlige und Königliche. Jede von ihnen hat eine andere Form. In der Göttlichen Bastei befindet sich eine Burgkapelle. Man vergleicht sie mit der Sigismund Kapelle in Wawel. Das Schloss ist von einer Parkanlage umkreist. In der Gesamtanlage befinden sich ein Hotel und ein Restaurant, die einzelnen Teile des Palastes sind für Besucher zugänglich.
Schloss in Krasiczyn, Foto: Netzach (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons
Schloss in Goluchow Die Geschichte des Schlosses, welches sich an dem Trzemna Fluss erhebt, reicht 400 Jahre in die Vergangenheit zurück. Es wurde als Wehranlage im 16. Jahrhundert errichtet - das heutige Aussehen
Schloss Krzyztopor/ Kreutz - Beil in Ujazd, Foto: Agnieszka Kwiecień, Nova (Own work) [CC BY-SA 3.0 pl (httpcreativecommons.orglicensesby-sa3.0pldeed.en)], via Wikimedia Commons
42 Tourismus verdankt er Izabella Czartoryska, deren Ehemann Jan Dzialynski Schlossinhaber war. Dank den
Künstlern, die Czartoryska aus Frankreich hergeholt hatte, gleicht der Palast den Schlössern an der
Loire. Man kann deswegen heute in Gołuchów, die für diesen Stil charakteristischen Elemente wie steile Schieferdächer und schlanke Kamine bewundern. Gräfin Izabella wollte in diesem Schloss nicht nur eine Residenz schaffen, sondern auch ein Museum errichten. Sie ist im Jahr 1899 in Frankreich verstorben und wurde in der Kapelle in Gołuchów beigesetzt. Während des 2. Weltkrieges wurde die Sammlung durch die Besatzungsmacht beschlagnahmt und verschleppt. Ein großer Teil wurde vernichtet oder ist verloren gegangen. Der verschonte Teil der Sammlung ist 1956 auf Umwegen durch die Sowjetunion nach Polen gelangt. Das Schloss wurde 1951 vom Nationalmuseum in Posen übernommen. Man habe Renovierungsarbeiten durchgeführt und die einzelnen Säle mit eigenen Sammlungen ausgestattet. Außerdem holt man Stufenweise die Kunststücke aus der Sammlung von Izabela Dzialynska her. Heute kann man hier die antiken Vasen und Bilder polnischer und westeuropäischer Maler bewundern. Es gibt auch Möbel aus der ehemaligen Schlossausstattung zu sehen.
von Ramona Nocoń Schloss in Goluchow, Foto: Bobolus (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Anzeige
Tourismus 43
Ein Ständchen für Oppeln
D
ie südpolnische Stadt Opole (Oppeln) feiert 2017 mit zahlreichen Veranstaltungen den 800. Jahrestag der ersten Stadtgründung. Zu den Höhepunkten zählt der Franziskanermarkt mit einer großen historischen Parade am 16. und 17. September 2017. Eine bunte Performance am 8. und 9. Juli am Oderufer widmet sich der Bedeutung des Flusses für die Entwicklung der Stadt. Geplant sind zahlreiche Konzerte, Ausstellungen und Theateraufführungen. Oppeln gilt als "Hauptstadt des polnischen Liedes", denn dort wird seit mehr als 50 Jahren das wichtigste Liederfestival des Landes veranstaltet und ein eigenes Museum widmet sich den polnischen Liedern in den vergangenen 100 Jahren. Dementsprechend wird auch das Festjahr 2017 mit viel Musik gefeiert. Wojtek Mazolewski, einer der bekanntesten Jazzmusiker Polens, wird eigens zum Stadtjubiläum einen Song über 800 Jahre Oppeln komponieren, der seine Premiere bei einem Konzert am 19. Mai im Nationalen Zentrum des Polnischen Liedes haben wird. Hip-Hop-Musik erklingt bei einem Festival vom 20. bis 22. Oktober. Ein erster gesellschaftlicher Höhepunkt ist der karitative Ball des Stadtpräsidenten im Oppelner Kongress- und Ausstellungszentrum am 25. Februar. Dutzende von bunten Fesselballons sollen sich bei einem Festival vom 18. bis 21. Mai am Himmel über Oppeln zeigen. Weitsicht bietet auch der Blick vom Turm des Rathauses, der ab Mai an Wochenen-
Anzeige
Oppelner Venedig, Foto: Pudelek (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons
den für Besucher geöffnet sein wird. Als besonderes Geburtstagsgeschenk soll im Frühjahr die 50 Jahre alte Sportund Veranstaltungshalle "Okrąglak" nach einem kompletten Lifting wiedereröffnet werden. Sie wird mit moderner Technik ausgestattet und soll rund 3.600 Besuchern Platz bieten. Auch im Stadtbild soll das Jubiläumsjahr seinen Niederschlag finden. So informieren neue mehrsprachige Tafeln über wichtige Sehenswürdigkeiten oder bekannte Oppelner Bürger. Ein Modell zeigt die erste hölzerne Burg auf der Wyspa Pasięka (Pascheke-Insel), die dort im 9. Jahrhundert errichtet worden war. Ein neues Denkmal im Stadtzentrum soll an den Stadtgründer Kazimierz I. erinnern. Ein Dokument zur ersten Stadtgründung existiert nicht mehr und so kann man heute nur vermuten, dass diese spätestens 1217 durch den Piastenherzog
Kazimierz I. erfolgte. Doch bereits im Jahr 845 wurde erstmals eine Burg der Opolanen erwähnt, die sich vermutlich auf dem Gebiet der Oderinsel Wyspa Pasieka befand. Wie in ganz Schlesien wechselten sich auch in Oppeln die Herrscher ab. Die Stadt gehörte zunächst zum Reich der polnischen Piasten, später zu Böhmen, dem Habsburgerreich, zu Preußen und Deutschland und ist seit 1945 wieder polnisch. Opole zählt heute rund 120.000 Einwohner und ist die Hauptstadt der gleichnamigen Woiwodschaft. Infos zum Programm unter www. opole800.pl Allgemeine Informationen über Reisen nach Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt unter www. polen.travel
44 Meinung
Warum die deutsche Sprache für Polen wichtig ist von Nils Lange und Agnieszka Łada
P
olen ist noch immer das Land, in dem die Gruppe der Deutschlernenden weltweit am größten ist – allgemein wird davon ausgegangen, dass aktuell 2,3 Mio. Menschen in Polen Deutsch lernen. Deutsch ist nach Englisch nach wie vor seit Jahren die zweitbeliebteste Fremdsprache in Polen. Die Zahl der Deutschlernenden in Polen wird
oft als Erfolgsbeispiel genannt. Immer mehr Firmen in Polen sind an Mitarbeitern mit Deutschkenntnissen interessiert, was auf zahlreiche Investitionen deutscher Firmen in Polen und die wachsende Zahl von polnischen Investitionen in Deutschland zurückzuführen ist. Deutschkenntnisse sind folglich nicht nur für die Polen von Vorteil, die westlich der Oder arbeiten möchten, sondern steigern auch die Einstellungschancen auf dem polnischen Arbeitsmarkt. Trotzdem ist in den letzten Jahren ein schwindendes Interesse für die deutsche Sprache zu bemerken. Die aktuelle Studie des polnischen Instituts für Öffentliche Angelegenheiten (ISP) mit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Warschau geht diesem Phänomen deshalb auf den Grund. Laut einer Darstellung des Auswärtigen Amtes für das Jahr 2015 lernten weltweit 15,5 Mio. Menschen Deutsch. In Polen lernten entsprechend dieses Berichts knapp 2,3 Mio. Personen Deutsch, während im wesentlich größerem Nachbarland Deutschlands Frankreich nur
ungefähr 1 Millionen Deutschlernende verzeichnet wurden. In Russland wiederum lernten knapp über 1,5 Mio. Personen Deutsch und in China belief sich dies Zahl auf etwas über 115.00 Personen. Während in Polen, Frankreich und Russland die Zahl der Deutschlernenden laut der Studie sinkt, was oft auch auf demografische Faktoren zurückgeführt wird, steigt in China die Zahl derjenigen, die Deutsch lernen, stetig an. In den letzten Jahren war in Polen ein sinkendes Interesse an Deutschland und der deutschen Sprache zu beobachten. Dazu kommt, dass das Niveau oftmals niedrig ist. Laut den zur Verfügung stehenden Daten erreichen beispielsweise nur etwa 10% der polnischen Gymnasialschüler das Niveau A2. Der Anteil an Schülern, deren deutsche Sprachkenntnisse dem Niveau B1 und B2 entsprechen, beträgt 5 bis 7%, je nach untersuchten Fähigkeiten. Es gibt jedoch Prognosen, wonach sich diese negative Tendenz bald umkehren wird, da immer mehr Arbeitgeber Deutschkenntnisse voraussetzen werden. Dies sollte als Ansporn zu noch intensiveren Maßnahmen auf vielen Ebenen verstanden werden. Die Einstellung von Schülern, Studenten und Eltern ist eines der Hauptprobleme. Studenten möchten beispielsweise keine zweite Fremdsprache lernen, weil sie davon ausgehen, dass ihnen das Beherrschen des Englischen ausreicht. Sie erkennen in einem Studienaufenthalt in Deutschland keinen Wert an sich, obwohl dieser ihnen persönliche Entwicklungschancen und die Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse bietet. Sie fürchten im Gegenteil den mit einem längeren Aufenthalt in Deutschland verbundenen Verlust ihrer Arbeitsstelle, obgleich es sich dabei zumeist um einen einfachen studentischen Nebenjob handelt.
Dazu kommt, dass die Teilnahme an einem Sprachkurs nicht immer gleichzusetzen ist mit tatsächlich erworbenen Sprachkenntnissen. Im Dezember 2015 erklärten anlässlich einer Untersuchung von CBOS 53% der Polen, dass sie mindestens eine Fremdsprache ausreichend beherrschen, um in dieser Sprache kommunizieren zu können, wobei 32% der Umfrageteilnehmer Englisch angaben, 20% Russisch und 14% Deutsch. Zu ähnlichen Ergebnissen ist der Personaldienstleister Randstad Polska gekommen, laut dessen Untersuchung fast die Hälfte der befragten Polen erklärten, wenigstens eine Fremdsprache zu beherrschen. Als gut oder sehr gut beurteilten 17% der Befragten ihre Englischkenntnisse, im Fall der Deutschkenntnisse waren es jedoch nur 5% der Befragten. Auf die besten Deutschkenntnisse verwiesen die Bewohner von Breslau, Warschau und Danzig.
Das schwindende Interesse für die deutsche Sprache in Polen sollte auf beiden Seiten der Oder zu Handlungen anregen, diesem negativen Trend entgegenzuwirken. Die Bedeutung des Handels zwischen beiden Ländern wächst beständig, soziale und politische Kontakte werden aufgrund der geografischen Lage und der gemeinsamen Interessen auf vielen Gebieten wichtig bleiben. Zweifelsohne wird es für Deutschland von Vorteil sein, wenn viele Polen aufgrund ihrer Deutschkenntnisse in der Lage sein werden, die Situation in Deutschland
Meinung 45 zu verfolgen. Polnische Behörden könnten zwar die Förderung der deutschen Sprache als Ausbildung von Absolventen für den deutschen Markt missverstehen, allerdings sollte diese Frage weitsichtig betrachtet werden. Wie Untersuchungen des ISP zeigen, sind die Kosten im Zuge eines Auswanderns enorm. Wenn migrationsbegünstigende Faktoren, wie etwa Arbeitslosigkeit, schwach sind, werden viele junge Menschen das Land nicht verlassen. Im Zuge der Reform des Hochschulwesens sollte die polnische Regierung deshalb die Bildungsstruktur an die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt anpassen statt potenzielle Migrationsströme aufgrund von Sprachkenntnissen zu befürchten. Vielmehr sollte darauf hingewiesen werden, dass eine gute fremdsprachliche Ausbildung auch auf dem polnischen Arbeitsmarkt behilflich ist. Es sollte immer wieder betont werden, dass Mehrsprachigkeit und Internationalisierung keine beängstigenden oder dem Patriotismus entgegengesetzten
Begriffe sind, sondern zur Entwicklung des Landes beitragen. Der Deutschunterricht auf den verschiedenen Bildungsebenen, die Ermutigung zum Schüler- und Studentenaustausch mit Deutschland und das Kennenlernen dieses Landes sollten für Polen wichtig sein. Die Nachbarschaft zur drittstärksten Wirtschaft der Welt und des größten Mitgliedstaates der Europäischen Union bedeutet für Polen eine Chance. Deutsche Unternehmer werden umso mehr in Polen investieren, wenn sie mit fachlich und sprachlich gut ausgebildetem Personal rechnen können. Wenn Polen wiederum im politischen wie gesellschaftlichen Bereich von Personen vertreten wird, die gut in deutscher Sprache kommunizieren können, würde das eine Vielzahl an Chancen auf Zusammenarbeit eröffnen. Es kommt hinzu, dass angesichts des bevorstehenden Brexit Deutsch zukünftig eine noch
bedeutendere Rolle innerhalb der Europäischen Union einnehmen könnte. Letztendlich sind in einem zusammenwachsenden Europa sprachlich-kulturelle Kompetenzen von enormer Bedeutung, da diese zu einem besseren Verständnis des Funktionierens der je anderen Gesellschaft und ihrer Besonderheiten führen sollten. Dass möglichst viele Polen die deutsche Sprache beherrschen, ist somit im deutschen wie auch im polnischen Interesse. Das haben auch die Verhandlungspartner des dt.-pol. Nachbarschaftsvertrags, dessen 25. Jubiläum wir im Jahr 2016 gefeiert haben, erkannt, als sie in Art. 25 des Vertrags formulierten: „Die Vertragsparteien bekräftigen ihre Bereitschaft, allen interessierten Personen umfassenden Zugang zur Sprache und Kultur des anderen Landes zu ermöglichen, und sie unterstützen entsprechende staatliche und private Initiativen und Institutionen.”
Mehr zum Thema deutsche Sprache in Polen im Forschungsbericht: A. Łada, Zur Situation der deutschen Sprache in Polen. Fakten und Meinungen, Institut für Öffentliche Angelegenheiten, Warschau 2017 www.isp.org.pl herausgegeben in der Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Polen
#Leserpost Schreiben Sie gerne?
Interessieren Sie sich für Polen? Dann sind Sie bei uns genau richtig!
Wir heißen alle herzlich willkommen, die sich zum Thema polnischer Wirtschaft, Politik, Kultur, Sport oder Tourismus äußern wollen.
ZÖGERN SIE NICHT, TRAUEN SIE SICH UND SCHICKEN SIE UNS IHREN TEXT! redaktion@polenjournal.de
46 Interview
17. Österreichischer Frühling Interview mit Monika Wójcik-Bednarz Die Österreichische Bibliothek in Oppeln lädt zum 17. Mal auf den Österreichischen Frühling ein. Auch diesmal weckt das vielfältige Programm das Interesse von Jung und Alt. Emanuela Janda, Reporterin von PolenJournal.de, hat mit der Leiterin der Bibliothek Monika Wójcik-Bednarz gesprochen, die uns mehr über die besondere Veranstaltung verraten hat. Es ist bereits der 17. Österreichische Frühling. Können Sie uns die Geschichte dieses Events näherbringen? Wie hat es begonnen?
lange Tradition haben und sich dort gut etablierten. Aber auch in Polen werden seit Jahren Österreich-Tage in mehreren Städten abgehalten, wie Krakau und Bydgoszcz.
Im Mai 2000 wurden die ersten Österreich-Tage (Dni Kultury Austriackiej) veranstaltet. Das Programm umfasste damals ein Konzert „Salzburger Saitenklang“ in der Oppelner Philharmonie, die Eröffnung mehrerer Ausstellungen, den Vortrag des österreichischen Generalkonsuls in Krakau, das Finale des 3. Wissenswettbewerbs Österreich – Land und Leute und die Tage der österreichischen Küche in dem damaligen Hotel Opole. Im Laufe der Zeit wurde das Programm immer umfangreicher und die Events haben sich auf mehrere Wochen ausgedehnt, sodass wir die Österreich-Tage seit 2006 als den Österreichischen Frühling fortsetzen.
Wie wird der Österreichische Frühling hierzulande und in Österreich bewertet? Wie lautet das Feedback?
Welches Ziel verfolgt die Veranstaltung? Ist es nur eine kulturelle Veranstaltung oder steckt etwas mehr dahinter? Während des Österreichischen Frühlings möchten wir dem Oppelner Publikum das breite Spektrum der österreichischen Kultur näherbringen. Das Programm beinhaltet Autorenlesungen, Vorträge, Konzerte, Ausstellungen und ein Wissenswettbewerb Österreich – Land und Leute. Jedes Jahr ist das Programm anders, da es oft Jubiläen oder Persönlichkeiten zu Schwerpunkten macht. Gibt es in Österreich eine ähnliche Veranstaltung die Polen näherbringt? Im Internet findet man Informationen, dass 2016 in Wien die XXV. Polnischen Kulturtage stattfanden, was bedeutet, dass sie schon eine
Der Oppelner Österreichische Frühling wird sowohl vom Publikum als auch von den Darstellern sehr positiv bewertet. Erstens freut uns das rege Interesse und die zahlreiche Teilnahme an den organisierten Events. Vor allem die Musik erfreut sich großer Beliebtheit. Zu den Konzerten kommen jährlich bis zu 500 Musikfreunde. Die eingeladenen Künstler schreiben an uns und die österreichischen Behörden Berichte, aber auch nette Briefe mit Danksagungen über die ausgezeichnete Organisation und die gute Betreuung vor Ort. Das hört jeder Veranstalter immer gerne. An wen ist das Event gerichtet? Wer gehört zu den Besuchern? Mit dem vielfältigen Programm möchten wir verschiedene Zielgruppen ansprechen. So richten sich die Literaturworkshops an Kinder und Schulgruppen. Der seit 20 Jahren stattfindende Wissenswettbewerb Österreich – Land und Leute an die Jugendlichen. Die Autorenlesungen an die Leser und Studenten der Germanistik. Die Ausstellungen an das kunstinteressierte Publikum und die Konzerte an alle, da hier die Sprache nicht zum Hindernis wird. Wie bewerten Sie den letzten Österreichischen Frühling? An den 14 Veranstaltungen des 16. Österreichischen Frühlings haben
über 1500 Besucher teilgenommen. Es gab schon Jahre, in denen die Besucherzahlen wegen großen Events drei Mal so groß waren. Es geht uns aber in erster Linie nicht darum große Besucherzahlen anzulocken, sondern an die Menschen zu gelangen, die später auch zu Lesern werden oder andere Leistungen der Bibliothek in Anspruch nehmen. Gehen wir zum wichtigsten Punkt über – dem Programm. Welche Gäste können Wir dieses Mal erwarten? Wer kommt aus Österreich? Dieses Jahr werden zwei Schriftsteller aus ihren Werken lesen. Der mehrfach ausgezeichnete Tiroler Schriftsteller Alois Hotschnig wird am 15. März zum ersten Mal in Polen lesen und am 6. April kommt der bekannte österreichische Schriftsteller Martin Pollack mit seinem neuesten Roman „Topographie der Erinnerung“ („Topografia pamięci“), welches in polnischer Sprache bei Verlag Czarne erschien. Die Ausstellung Kalliope Austria - Frauen in Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft ist ein Versuch, die letzten 200 Jahre anhand der Biographien bedeutender Österreicherinnen vorbeiziehen zu lassen. Österreicherinnen, die mit Begabung, Willenskraft und kämpferischem Mut ihr Land (mit) geprägt und bereichert haben. Welche anderen Highlights des Programms würden Sie noch nennen? Wir möchten alle zu dem Konzert von Trio Immersio (Preisträger des Bank Austria Kunstpreises 2016) in der internationalen, in Wien ausgebildeten Besetzung von Vira Zhuk (Ukraine) – Violine, Anna Maria Niemiec (Polen) – Celo, Mariam Vardzelashvili (Georgien) – Klavier,
Interview 47 einladen. In dem Programm „Drei Jahrhunderte der interkulturellen Musiktradition Wiens“ werden Werke von dem österreichischen Komponisten Joseph Haydn und dem zeitgenössischen Komponisten Bernhard Gander, wie auch Kompositionen des Deutschen Johannes Brahms und des Schweizers Beat Furrer zu hören sein, für die Wien eine neue und erfolgreiche Heimat wurde. Sie sind seit mehreren Jahren Leiterin der Österreichischen Bibliothek und arbeiten nicht zum ersten Mal an der Organisation des Events. Ist es für Sie noch eine Herausforderung? Da jedes Jahr andere Künstler auftreten und andere Schwerpunkte gesetzt werden, ist es immer noch eine Herausforderung. Dadurch wird die Arbeit nicht zur Routine. Für mich ist es immer eine große Freude neue Menschen kennen zu lernen und mit ihnen arbeiten zu können. Wichtig ist aber, dass man den richtigen Ausgleich zwischen den Projekten hat und nicht ausgebrannt wird. Diesen Ausgleich bietet der Kontakt mit den Büchern und den Lesern. Nach dem Sommer habe ich dann gleich wieder nur Gedanken dafür, was im nächsten Österreichischen Frühling im Programm stehen könnte, obwohl wir in der Zwischenzeit noch am Programm der Deutschen Kulturtage mitwirken. Bei einer so langen Geschichte einer Veranstaltung werden bestimmt viele Erinnerungen wach. Könnten Sie die besten mit uns teilen? Vielleicht geschah etwas Unerwartetes, womit Sie nicht gerechnet haben? Manchmal geht auch etwas schief… Ja, natürlich! Es ist nicht auszuschließen. Die fünften Österreichischen Kulturtage mussten wir absagen, da zwei Tage vor dem
Österreichische Bibliothek in Oppeln
Österreichische Bibliothek in Oppeln, Lesesaal
Beginn der Papst - Johannes Paul II. starb. Die Gäste waren zum Teil unterwegs und haben nichts von der Staatstrauer gewusst. Manchmal sind es besonders „launische“ Künstler. Einmal hat einer der Musiker sein Notenbuch in der Kneipe verloren. Können Sie uns die Pläne für die Zukunft verraten? Was die Pläne anbetrifft, da möchten wir unsere festen Projekte – neben
dem Österreichischen Frühling sind es die Deutschen Kulturtage - durchführen. Dazu ist eine gute Kooperation mit verschiedenen Partnern wichtig. Wir möchten neue Leser erreichen und genug Geld für die Anschaffung von neuen Beständen haben. Dann haben wir in unserem kleinen Team genug zu tun.
Interview von Emanuela Janda