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Polenjournal.de (#8/2017)

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Wirtschaftskammer „Schlesien” Viele Möglichkeiten für das Unternehmertum

Die Wirtschaftskammer „Schlesien” ist eine Organisation der wirtschaftlichen Selbstverwaltung, die Initiativen unterstützt und an Tätigkeiten teilnimmt, die mit der Entwicklung des Unternehmertums in Schlesien verbunden sind. • Schulungen, Workshops, Konferenzen, Beratungen • Kooperationsbörsen • Messen und Ausstellungen • • Zusammenarbeit mit den Wirtschaftskammern aus der Bundesrepublik Deutschland und aus der Tschechischen Republik

Kontakt Wirtschaftskammer „Schlesien” 45-310 Opole / Oppeln • ul. Ozimska 184 • Tel./Fax: +48 77 4538484 • E-Mail: info@igsilesia.pl • www.igsilesia.pl


Im Heft 3

Möbelindustrie

Politik

6 | Der Möbelbranche stehen goldene Jahre

58 | Unternehmer schreiben an Präsident Duda

bevor

58 | Justizreform (vorerst) gestoppt

8 | Kler - Qualität, Klasse und Charakter

59 | Regierung will nicht nachgeben

16 | Den Raum fühlen - Innenarchitektur in

59 | Unternehmer danken dem Präsidenten 60 | Strafzettel kann man bald auch mit Kredit-

Polen 22 | Produktion und Export: Polnische Möbelbranche floriert 26 | Holz in der Architektur

Wirtschaft 28 | Big Mac Index: Zloty weiterhin unterbewertet

Die Schwäche der polnischen Währung verdeutlicht der Preis für einen Hamburger.

29 | Plastiktüten um sonst wird es bald nicht mehr geben

Ab 2019 wird man für Plastiktüten fast 1 zł bezahlen müssen

30 | Polen trinken immer mehr Wein

Der Weinverkauf wächst systematisch. Bei der Popularisierung des Weins spielen die Diskonte eine große Rolle

32 | Polen werden von ausländischen Jobangeboten in Versuchung geführt 34 | Polnischer Haushalt mit großem Überschuss 34 | Löhne in Polen massiv gestiegen 34 | Arbeitslosigkeit fällt auf Rekordtief 36 | Spitzenreiter bei der Schuhproduktion eine Frage der Zeit? 40 | Power fruits sind immer beliebter 42 | Polnisches Kraftwerk ist größter Umweltsünder Europas 43 | Insolvenz kommt nicht unerwartet 44 | Autoindustrie fährt vor 46 | TCM Polska und Oerlikon Balzers: gemeinsam schafft man mehr

Technik & Technologie 50 | Arrinera wieder beim Goodwood Festival of Speed 51 | Virtuelle Seereise durch Polen 51 | Rutger Hauer wird Hauptprotagonist bei Observer

#Ratgeber 52 | Gewerbetätigkeit in Polen: Mögliche Formen der Ausübung einer Gewerbetätigkeit in Polen 55 | Zivilprozess in Polen – wie verklagt man einen Schuldner?

Umschlagfoto: Piotr Kler

karte bezahlen 61 | Polnischer Haushalt mit großem Überschuss 61 | Mindestlohn wird wohl höher ausfallen als angenommen 62 | Polen sollen länger arbeiten 62 | Der Gesetzexpress rollt weiter

Kultur & Lifestyle 63 | „Die letzte Familie” nominiert für den LUX Filmpreis des Europaparlaments 64 | 10 Dinge, die für ausländische Touristen in Polen merkwürdig sind 65 | König Jan III. Sobieski zurück in Wien 66 | Silberbergwerk in Polen wurde Weltkulturerbe 68 | Wasser und Licht zur Kunst vereint 69 | Schloss Fürstenstein mit einem außergewöhnlichen Geschenk 69 | Ein Disco-Hit geht viral 70 | #WirKochen: Streuselkuchen mit Äpfeln Kołocz śląski

Tourismus 71 | Die schönsten Seen Polens 75 | Schlesisches Schloss wird erneuert 76 | Sandomir - das kleine Rom 77 | Immer mehr Touristen reisen an die Weichsel

Interview 78 | Moderne Medizin im alten Krankenhaus

Impressum PolenJournal.de Chefredakteur: Piotr Piela Grafik & Design: Emanuela Janda Textkorrektur: Kathrin Gorzela Autoren: Emanuela Janda, Paulina Kuc, Ramona Nocoń, Piotr Piela, Anna Rosenthal, Rafał Stelmaszewski

Herausgeber: sc.media ul. Wrocławska 133 46-057 Opole /Polen www.sc.media redaktion@polenjournal.de

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4  Wirtschaft


Wirtschaft 5

MÖBELINDUSTRIE IN POLEN


6  Wirtschaft

Der Möbelbranche stehen goldene Jahre bevor Strahlende Zukunft - so könnte man in Kürze die Zukunftsaussichten der Möbelproduzenten an der Weichsel beschreiben. Der Markt boomt, die Nachfrage steigt, dennoch macht der Arbeitskräftemangel den Unternehmen zu schaffen.

D

er Wert der vermarkteten Produktion der polnischen Möbelindustrie erreichte laut dem Bericht von KPMG - Der Möbelmarkt in Polen (poln. Rynek meblarski w Polsce) für das Jahr 2016 sagenhafte 42 Mrd. Zloty (10.456 Mio. Euro). Im Vergleich zu 2015 bedeutet das einen Anstieg um rund 1,9 Mrd. Zloty. Die Aussichten für die kommenden Jahre sind ebenfalls optimistisch. Aus der Analyse von KPMG geht hervor, dass der Anzeige

Wert der vermarkteten Produktion bis 2020 auf 50 Mrd. Zloty steigen wird. Dies gewährleistet den polnischen Möbelunternehmern eine tragende Rolle in Europa, denn der polnische Möbelmarkt ist der viertgrößte auf dem Alten Kontinent, hinter Deutschland, Italien und Großbritannien und vor Frankreich oder den Niederlanden. Jahr für Jahr wird diese Position gefestigt und der Wert der vermarkteten polnischen Produktion stellt 7,1% der

Gesamtproduktion in Europa dar. Diese Entwicklung wird auch vom zunehmenden Export gefördert. Polen ist bereits jetzt der viertgrößte Möbelexporteur der Welt hinter China, Deutschland und Italien. 90% der vermarkteten Produktion sind für den Export gedacht - berichtet KPMG. Der größte Handelspartner und sogleich der größte Absatzmarkt ist Deutschland, es werden 36% der Waren dorthin


Möbelindustrie 7 zeichnet die Branche einen Überschuss im Außenhandel - 2015 war der Import (6,1 Mrd. Zloty) sechsmal so niedrig wie der Export (36,3 Mrd. Zloty). Dieser Trend wurde auch 2016 fortgesetzt, was darauf deutet, dass die ausländischen Absatzmärkte noch nicht gesättigt sind und gerne polnische Möbel einkaufen. Polnische Möbel werden auch gerne an der Weichsel gekauft, was u.a. auf den steigenden Wohlstand der Polen zurückzuführen ist. 49% der Befragten, die innerhalb der letzten drei Jahre Möbel gekauft haben, deklarierten, dass sie für diesen Zweck zwischen 1.000 und 5.000 Zloty ausgegeben haben. 20% der Umfrageteilnehmer haben neue Möbelstücke für bis zu 10.000 Zloty eingekauft und 16% haben für diesen Zweck nicht mehr als 1.000 ausgegeben. Die Höhe der Ausgaben hängt laut KPMG auch vom Einkommen des jeweiligen Haushaltes ab. Das neue Inventar wurde hauptsächlich aus Ersparnissen und laufenden Mitteln eingekauft. exportiert. 8% der Möbel aus Polen fahren Richtung Großbritannien und 7% nach Tschechien. Nur sehr wenige Waren werden wegen hoher Transportkosten außerhalb der EU exportiert z.B. in die USA, nach China oder Russland. Nach Polen werden wiederum vor allem Möbel aus Deutschland und China importiert (zusammen 40% der Einfuhren). Laut den Angaben vom Statistischen Hauptamt GUS, verAnzeige

Angesichts dieser Daten sollte es auch nicht überraschend kommen, dass Unternehmer selbst die Lage auf dem Markt positiv bewerten. Diese Meinung teilte 64% der Unternehmen. Nur 12% stellten eine negative Note aus und 25% zeigten sich neutral - lesen wir im Report von KPMG. Über 37% der Möbelproduzenten geht sogar von steigenden Verkaufseinnahmen im Vergleich zum Vorjahr aus.

Den sichtlich herrschenden Optimismus kühlen die Bewertungen der Verfügbarkeit von Arbeitskräften, die als ultimative Schwachstelle der Möbelindustrie an der Weichsel genannt wird. 58% der befragten Unternehmer sieht dies als Problem. Dennoch arbeiteten 2016 um die 150 Tsd. Arbeitnehmer in dieser Branche. Das bedeutet einen Zuwachs um 6,4%. Mit der wachsenden Einstellungsquote steigen auch die Löhne, die sich durchschnittlich auf 3.220 Zloty brutto belaufen. Damit liegen sie allgemein deutlich unter dem Durchschnitt der verarbeitenden Industrie (4.055 Zloty brutto), was auch Einfluss auf die Arbeitskosten nimmt, die sich auf einem deutlich niedrigeren Niveau halten als in den meisten Branchen dieses Industriezweigs. Entsprechend niedrig sind auch die Produktionskosten der polnischen Möbel. Trotz des Aufschwunges stehen der Branche auch Herausforderungen bevor. Eine Schlüsselrolle kommt hier der Sicherheit und der Qualität der Produkte sowie der Anpassung der Unternehmenstätigkeit an die geltenden Trends zu. Gleichzeitig muss die Branche auch ins Humankapital investieren. Förderung der beruflichen Ausbildung sowie Vermarktung der Möbelherstellung als stabile und attraktive Lebensweise könnte die Zukunft der Industrie absichern und dazu beitragen, dass die positive Entwicklung der Branche an der Weichsel aufrechterhalten bleibt. von Piotr Piela


8  Wirtschaft

KLER QUALITÄT, KLASSE UND CHARAKTER


Möbelindustrie 9

Mit Piotr Kler, dem Geschäftsführer und Gründer der Fa. Kler, sprach Krzysztof Świerc. Wenn ich mit Ihnen heute spreche, sehe ich einen Menschen, der unter polnischen Bedingungen seinen „American Dream“ erfüllt hat und es ist ganz schwer zu glauben, dass Piotr Kler keine sorgenfreie Kindheit hatte. Warum war es so und wer hat Ihnen damals eine helfende Hand gereicht? Meine Kindheit war tatsächlich nicht leicht. Ganz schnell habe ich meinen Vater verloren, der zu finsteren kommunistischen Zeiten nach Deutschland ausgewandert ist. Glück im Unglück war es, dass sich mein Onkel um mich, meine Mutter und meine zwei Brüder gekümmert hat. Er hat sich die Mühe gegeben, uns zu erziehen. Es war das Jahr 1951, der Onkel hat sehr schwer gearbeitet und außerdem musste er ja auch sich selbst und seine Frau unterhalten. Wie das Leben gezeigt hat, ist er damit vortrefflich zurechtgekommen und ich verdanke ihm sehr viel. Ich erinnere mich an ihn als einen empathischen, frommen Menschen, der gute Umgangsformen hatte und die Menschen sehr respektvoll behandelt hat. Trotzdem mussten Sie ganz schnell zur Arbeit gehen und als Kind haben Sie sogar zehn bis zwölf Stunden auf der Arbeit verbracht? Genau, das hat im Alter von 13 Jahren angefangen, als ich die Grundschule abgeschlossen hatte. Noch heute erinnere ich mich gut daran: Es war Samstag, das Wetter war schön und ich habe mich über das Ende des Schuljahres gefreut. Schon am Montag bin ich aber auf der Arbeit erschienen, um einen Beruf im Betrieb von Antoni Aptyka in Dobrodzień (dt. Guttentag) zu erlernen. An dieser Stelle muss ich hinzufügen, dass mich Herr und

Foto: Jerzy Stemplewski


10  Wirtschaft Frau Aptyka mit offenen Armen, wie ihren eigenen Sohn, aufgenommen haben. Ich habe nicht nur einen Arbeitsplatz bekommen, ich konnte auch bei Ihnen wohnen. Wie erinnern Sie sich an Antoni Aptyka? Ich erinnere mich an ihn als einen anspruchsvollen Meister, der für die hohe Qualität seiner Produkte berühmt war. Trotzdem war er niemals völlig damit zufrieden, was er geschaffen hat. Immer hat er nach besseren Lösungen und neueren Technologien gesucht und – ehrlich gesagt – mich mit diesem Umgang mit der Arbeit sowie mit der Gewissenhaftigkeit und Redlichkeit angesteckt. Zurückblickend kann ich sagen, dass gerade er mir das Werkzeug in die Hand, den Beruf als Polsterer und die Hoffnung in meinem Herzen gegeben hat. Das waren die Gaben, die mich dorthin gebracht haben, wo ich jetzt bin. Obwohl ich mich im Betrieb von Antoni Aptyka sehr wohl gefühlt habe, ist es im zweiten Jahr meiner Berufsausbildung zu einer Krise gekommen. Die Arbeit hat mir keine Freude mehr bereitet und zu einem gewissen Zeitpunkt ist es mir eingefallen, den Beruf zu wechseln. Hat Piotr Kler die Krise überstanden? Ich habe sehr darüber nachgedacht und bin zu einem Schluss gekommen, dass ich zwei Möglichkeiten habe: den Beruf zu wechseln oder damit zufrieden zu sein, was ich mache. Gleichzeitig ist ein Zweifel aufgetaucht: Wenn ich den Beruf wechsle, kann ich mir nicht sicher sein, dass ich mich irgendwann nicht wieder in der gleichen Lage befinden werde, in der ich schon war. Das Resultat? Ich habe die zweite Lösung gewählt und seit diesem Zeitpunkt war ich mit dem Herzen dabei, was sich schnell in eine wahre Liebe zu diesem Beruf verwandelte. Die war so groß, dass ich meinem Meister unbedingt zeigen wollte, wie viel ich schon kann, als ich einmal einen sehr interessanten Auftrag und meine erste selbstständige Arbeit erhalten habe. Als die anderen Mitarbeiter schon längst nach Arbeitsschluss nach Hause gegangen waren, befand ich mich immer noch am Arbeitsplatz, um meine Arbeit zu Ende zu bringen. Um acht Uhr abends hat aber Antoni Aptyka den Betrieb beFoto: Jerzy Stemplewski


Wirtschaft 11

Foto: Jerzy Stemplewski

sucht und zu mir gesagt: „Piotr, das reicht für heute, es ist schon spät.” Ich habe ihn um noch etwas Zeit gebeten, als mich aber der Meister zwei Stunden später wieder auf der Arbeit angetroffen hat, hatte ich keine Chancen mehr und musste schlafen gehen. Ich erinnere mich aber daran, dass ich die ganze Nacht kein Auge zugemacht habe. Ich habe nur auf sechs Uhr morgens gewartet, um aufzustehen, zur Arbeit zu gehen und meine Aufgabe endlich zu Ende zu bringen. So ist es auch passiert und mit dem Ergebnis meiner Arbeit war ich sehr zufrieden. Das war der Moment, an dem ich diesen Beruf ganz und gar geliebt habe.

Aptyka hat sich damals an alle seine erfahrenen Meister mit der Frage gewandt, ob sie diese Aufgabe übernehmen. Einstimmig haben sie jedoch festgestellt, dass dieser Auftrag undurchführbar ist. Ich habe diese Situation beobachtet und dem Meister gesagt, dass ich mich dieser Aufgabe annehme. So ist es auch passiert. Ich habe die Möbel selbst entworfen und hergestellt und - ehrlich gesagt - war ich dann ziemlich überrascht, dass diese Garnitur so gut geraten ist. Ab diesem Moment habe ich sehr interessante, innovative, aber gleichzeitig auch sehr anspruchsvolle Aufgaben bekommen, die ich eifrig realisiert habe. Ich war sehr glücklich.

Ihr großes Engagement und Ihre außerordentliche Begabung für diesen Beruf wurden von Antoni Aptyka bemerkt, von dem Sie dann immer anspruchsvollere Aufträge bekommen haben. Erinnern Sie sich an eine besonders schwierige Aufgabe, vielleicht sogar eine Herausforderung?

Trotzdem haben Sie sich mit 23 Jahren dazu entschlossen, Ihre eigene Firma zu gründen. Wie die Praxis gezeigt hat, war das ein Volltreffer, obwohl es in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts gar nicht selbstverständlich und einfach war. Man musste das Wissen, die Motivation, Geld und die Überzeugung davon haben, dass die Idee gelingt. Wenn eine von diesen Eigenschaften nicht richtig funktioniert hat, haben die Träume von einem eigenen Unternehmen in jenen Zeiten bestenfalls mit der Beschäftigung in einem Staats-

Als ich im Alter von 16, vielleicht 17 Jahren Geselle wurde, hat sich im Betrieb von Antoni Aptyka ein besonders anspruchsvoller Kunde gemeldet, der Zeitschriften dabei hatte und genau gewusst hat, wie seine Möbel aussehen sollten. Herr

betrieb geendet. Bei Ihnen haben alle diese Eigenschaften gut funktioniert! Mich interessiert es aber, welche von ihnen besonders dazu beigetragen hat, dass Sie die Gründungszeit überstanden haben und einen so riesigen Erfolg hatten. Sie sind doch, ohne zu übertreiben, ein führender Möbelhersteller der Weltklasse geworden. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich mit der Arbeit bei Herrn Aptyka sehr zufrieden war, der meine Anstrengungen und Fähigkeiten zu schätzen gewusst hat. Je mehr er das gezeigt hat, desto mehr habe ich mich bemüht und dafür eingesetzt. Als Geselle habe ich damals 16 Stunden täglich gearbeitet und sehr gut verdient. Dabei hat mir die Arbeit großen Spaß gemacht. Trotzdem habe ich mich letztendlich entschieden, den Betrieb zu verlassen. Ich war mir dessen bewusst, dass ich nicht mehr lange im Betrieb von Herrn Aptyka arbeiten kann, der schon im fortgeschritten Alter war und dabei keinen Nachfolger hatte, der das Unternehmen übernehmen könnte. Ich hatte eine einfache Wahl: Entweder zu einem Privat- bzw. Staatsunternehmen zu wechseln, oder einen eigenen Betrieb zu eröffnen. Ich habe die zweite Möglichkeit gewählt und im Jahr 1973 mein


12  Möbelindustrie eigenes Unternehmen eröffnet, indem ich einen Raum am Marktplatz in Dobrodzień, gegenüber der Sankt-Magdalena-Kirche, gemietet habe. In großem Maße war es dadurch möglich, dass ich bei Antoni Aptyka gut verdient habe und ausreichend Geld zurücklegen konnte, um mit meiner eigenen Firma zu starten. Kommen wir noch kurz auf Antoni Aptyka zurück. Wie hat er reagiert, als Sie ihn informiert haben, dass Sie seinen Betrieb verlassen? Er war sehr überrascht, aber er hat meine Wahl verstanden. Na ja, manchmal ist es im Leben nötig, solche bahnbrechenden Entscheidungen zu treffen, um sich dann weiter entwickeln zu können. Rückblickend betrachtet, was hatte einen besonders großen Einfluss auf Ihren Erfolg? Von klein auf habe ich gewusst, dass ich nur auf mich selbst zählen kann und meine zehn Finger mein ganzes Vermögen sind. Dieses Bewusstsein hat mich auch zur Arbeit motiviert, da ich begriffen habe, dass ich eine Beschäftigung haben muss, um in Zukunft von etwas leben zu können. Ich bin ein gläubiger Mensch und stets betone ich, dass mein Erfolg nicht nur mein Verdienst ist. Das ist der Verdienst Gottes, ich bin nur das Werkzeug in seinen Händen. Ich bin auch der Meinung, dass jeder Mensch zugeteilte Aufgaben hat, die er erfüllen muss. Ähnlich war es in meinem Fall, ich habe diese und nicht eine andere Aufgabe bekommen und ich versuche, sie zu erfüllen. Stimmt es, dass Ihre erste Möbelserie – die Ledersofas und -sessel „Faulenzer“ – der Fa. Kler ermöglicht hat, Erfolg zu haben und allmählich ein Riese der Möbelbranche zu werden? Schon am Anfang meiner Wirtschaftstätigkeit habe ich mir als Ziel gesetzt, innovative und hochwertige Produkte herzustellen. Wie die Zeit und Praxis gezeigt haben, war das ein revolutionärer Plan. In jenen Zeiten wurden nämlich in Polen massenweise kitschige Sofas und Schrankwände erzeugt und verkauft und auf dem Markt hat es nichts Ordentliches gegeben, wenn es um die Polstermöbel ging. Zum Vorbild habe ich mir

Foto: Jerzy Stemplewski

westliches, vor allem deutsches Design genommen und danach gestrebt, etwas Ähnliches in Polen zu entwerfen und herzustellen. So ist es auch passiert und die erste von mir entworfene Möbelserie war gerade die Garnitur „Faulenzer”. Tatsächlich hat sie sich eines enormen Interesses erfreut, da eine solche oder ähnliche Polsterung damals in Polen nicht zu finden war. Könnten Sie sagen, welches Jahr für die Fa. Kler entscheidend war? Mir geht es um den Moment, in dem Sie die Zahl der Beschäftigten intensiv steigern mussten, da es immer mehr Aufträge gegeben hat. Am Anfang hatte ich nur einen Mitarbeiter, dann ist die Anzahl der Beschäftigten auf sechs gestiegen, was damals schon ein ziemlich großes Risiko war. Zum Glück hat sich alles reibungslos entwickelt.

Vielleicht war es aus dem Grund, dass wir das erste Möbelunternehmen in Polen waren, das Sitzgarnituren aus Leder produziert hat. Es hat immer mehr Kunden gegeben, die nach solchen Waren gesucht haben. Im Jahr 1988 hat der damalige Wirtschaftsminister Mieczyslaw Wilczek grünes Licht für die Privatunternehmen gegeben, damit sie sich entwickeln können. Anfangs habe ich daran nicht besonders geglaubt, da wir immer noch im Kommunismus gelebt haben. Ich habe aber meine Meinung geändert, als ich erfahren habe, dass mein Bekannter aus der Nähe von Kępno (dt. Kempen) ein eigenes Unternehmen betreibt, über 100 Mitarbeiter beschäftigt und sich rasch entwickelt. Dann habe ich mir gedacht: Wenn er keine Angst hat, vorangeht und Erfolg hat, bedeutet es, dass es möglich ist und auch ich den nächsten Schritt machen muss. Das war ein Wendepunkt für


Möbelindustrie 13 sehr gut und das Geld ist sofort zurückgekommen. Gleichzeitig haben wir begriffen, dass wir mit einer eigenen Möbelkette starten sollten. Wir haben die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, was unsere rasche Entwicklung verursacht hat. In den Jahren 1990 bis 2000 sind unsere Produktion und der Verkauf jährlich um 50 bis 60% gestiegen! Was damals geschehen ist, war fast ein Wahnsinn! Wir waren im Vormarsch wie eine Armee, haben die nächsten Betriebe gebaut und in die Mitarbeiter investiert, indem wir sie zu Schulungen geschickt haben, damit die Qualität und die Produkte verbessert werden und unsere Firma noch reibungsloser funktioniert. Und wir sehen das Resultat. Jetzt ist es möglich, die Möbel von Kler in allen Ecken der Welt zu kaufen, wie z.B. in den USA, in Japan, Argentinien usw. Angeblich gibt es Ihre Möbel in Australien noch nicht. Das stimmt. Neulich haben wir ein Möbelhaus in China eröffnet, da die reichen Chinesen hochwertige europäische Produkte haben wollen. Unter anderem ist das ein Resultat von unseren Treffen auf den Messen in Mailand, wo die ganze Möbelwelt ihre Waren präsentiert und die von Kunden aus der ganzen Welt besucht werden.

meine Firma und von nun an habe ich angefangen, sie dynamisch zu entwickeln. Die Progression war wirklich groß, da Sie im Jahr 1990 schon fast 60 Mitarbeiter beschäftigt haben. Und was damit verbunden ist - Ich musste neue Räume mieten, um entsprechend produzieren zu können. Sogar in der Zeit der Wende, als die Materialien für die Möbelherstellung zehnmal teurer geworden sind und die Preiserhöhung enorm groß war, hatte ich eine zahlreiche Kundschaft! Ich hatte gar keine Schwierigkeiten mit den Bestellungen, nur die Herstellung war problematisch. In dieser Zeit haben die anderen Möbelunternehmen nicht viel produziert, das es schwierig war, die Materialien zu bekommen. Außerdem hatten sie kein modernes Design, über das

wir verfügt haben. Die von uns hergestellten Möbel haben sich auf den westlichen Stil bezogen und sind wie sprichwörtliche warme Semmeln weggegangen. Wie sich herausgestellt hat, wurden die Möbel verkauft, aber das Geld ist nicht in dem gleichen Maße gekommen. Als ich einmal in Warschau war, habe ich unsere Möbel mit der Bezeichnung „Hergestellt in Deutschland” gesehen. Sie waren dann viermal teuer als üblich, also wenn der Preis so hoch war, ist das Geld sozusagen ausgesetzt geblieben. Aber Sie haben eine Lösung auch für dieses Problem gefunden? Ja, wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir in Warschau den Verkauf mit einem eigenen Stand organisieren. Wie die Zeit gezeigt hat, war das eine völlig richtige Entscheidung. Der Verkauf war

Außer den Chinesen hat sich auch Wladimir Putin für die Möbel von Kler entschieden! Genauer gesagt waren das zwei Garnituren. Ich muss sagen, dass es mir große Freude bereitet hat. Jedes bedeutende Möbelunternehmen verkauft seine Möbel in Moskau und trotzdem wurden unsere Garnituren gewählt – die eine für das Heimkino, die andere für das Wohnzimmer. Wir freuen uns, weil viele berühmte Personen sich entschlossen haben, unsere Möbel zu kaufen – unter anderem der Präsident der Ukraine Leonid Kuczma oder die bekannten Boxer Wladimir und Witalij Kliczko. Warum haben Sie sich im Jahr 2014 entschieden, die Geschäftsführung erneut zu übernehmen? Es kommt die Zeit, in der eine Veränderung erfolgen soll. Irgendwann sind wir zu einem Schluss gekommen, dass der neue Ge-


14  Möbelindustrie schäftsführer eine Person „von außen” sein soll, die neue Ideen hat und alles mit Distanz betrachtet. Der neue Geschäftsführer hat die Leitung übernommen und ein zusätzlicher Vorteil davon war es auch, dass mein Sohn Sebastian und der Schwiegersohn Rafal wirklich gefühlt haben, dass sie die „Hausherren” sind. Vorher haben sie mich eher beraten, statt selbst Entscheidungen zu treffen, obwohl sie leitende Positionen innehatten. Deshalb bin ich der Meinung, dass der Wandel wichtig und nötig war. Als der Geschäftsführer die Firma verlassen hat, habe ich meinen vorherigen Posten erneut angetreten. Heutzutage wird das Unternehmen von meinem Sohn und Schwiegersohn geleitet, ich berate sie lediglich. Die beiden sind dafür sehr gut vorbereitet. Schon als Kind hat mein Sohn den Betrieb besucht und das Unternehmensmanagement gelernt, indem er die Karriereleiter genauso wie ich hochgeklettert ist. Der Mensch lebt aber nicht nur, um zu arbeiten. Welche Rolle spielt Sport in Ihrem Leben? Seine Rolle ist sehr groß, ich habe nie untätig dagesessen. Sogar im Urlaub habe ich Volleyball gespielt, bin geschwommen oder gelaufen. All das, um gesund zu bleiben. Ich mag Skilaufen, Wasserski, Segelsport, Windsurfing, Volleyball und Tischtennis, aber ich bevorzuge Schwimmen und Laufen. Hauptsächlich aus dem Grund, dass ich dabei niemanden zur Hilfe brauche und die beiden Sportarten an ver-

Foto: Jerzy Stemplewski

schiedenen Tagen treibe. An einem schwimme ich eine Stunde, an einem anderen laufe ich zehn Kilometer – und so sieben Tage in der Woche. Auf diese Art und Weise erhole und entspanne ich mich am besten. Der Erfolg hat die Empfindlichkeit von Piotr Kler nicht zerstört. Ihre Güte ist vielen Menschen bekannt, nicht nur Ihren nächsten Verwandten. Wenn es Ihre Bescheidenheit gestattet, erwähnen Sie wenigstens eine oder zwei Wohltätigkeitsaktionen, durch die Sie den Menschen das Lächeln, die Hoffnung und den Glauben geschenkt haben. Ich bin ein gläubiger Mensch und denke, dass die linke Hand nicht wissen soll, was die rechte tut. Wenn es um meine Wohltätigkeit geht, glaube ich, dass der Erfolg verpflichtet und man ihn mit anderen teilen soll. Heutzutage versuche ich dort zu helfen, wo es zahlreiche Bedürfnisse gibt – in Afrika, Indien, Bangladesch, auf den Philippinen usw. Mich freut es, dass nicht nur ich, sondern auch mein Sohn und Schwiegersohn ähnlich vorgehen. Unabhängig von seiner Tätigkeit für die Kler-Stiftung ist mein Schwiegersohn der Vorsitzende der Gesellschaft „Dobrodzień Potrzebującym“ (dt. Guttentag für die Bedürftigen). Ich gebe offen zu, dass mich diese Empfindlichkeit mit Optimismus erfüllt. Ich gehe sogar noch weiter: Wenn ich heutzutage die Denkweise von meinen nächsten Verwandten und ihre Empa-

thie beobachte, beruhige ich mich, da ich sehe, dass sie die Bedürftigen nicht vergessen. Das Schicksal der Flüchtlinge ist Ihnen auch nicht egal. Als ich erfahren habe, dass Polen syrische Familien aufnehmen wird, habe ich sofort den Bischof von Opole (dt. Oppeln) Andrzej Czaja angerufen und ihn darum gebeten, dass er sich bei mir meldet, sobald die ersten Familien ankommen. Ich habe betont, dass ich sehr gern eine kinderreiche Familie aufnehmen würde und habe geschildert, was ich ihr gewährleisten kann. Später hat sich aber herausgestellt, dass diese Familien nicht kommen. Zum Glück war vorher in Polen eine Person, die 40 Familien aus Syrien geholt hat, wobei die meisten nach Deutschland ausgewandert sind. In Polen sind nur drei Familien geblieben – eine in Oppeln, eine in Posen und eine in Grodków (dt. Grottkau). Damals hat sich Bischof Czaja an meine Bitte erinnert. Das Ende dieser Geschichte sieht so aus, dass es mir gelungen ist, die dritte Familie nach Dobrodzień zu holen, wo ich für ihre Wohnung und Arbeit gesorgt habe. Vorher haben sie in der Nähe von Grodków gewohnt, die Kinder hatten jedoch Probleme in der Schule und die Eltern haben unter der Arbeitslosigkeit gelitten. In Dobrodzień fühlt sich die ganze Familie wohl, auch die Kleinen, die jetzt gern zur Schule gehen und im örtlichen Sportverein Fußball spielen. Und das freut mich sehr.


VERMARKTETE PRODUKTION DER POLNISCHEN MÖBELINDUSTRIE IN MRD. PLN

39,1

41,8

43,6

45,6

47,6

49,5

35,3 30,2 25,7

2010

2011

Quelle: KMPG Polen * prognostizierte Werte

28,8

2012

31,6

2013

2014

2015

2016*

2017*

2018* 2019*

2020*


16  Wirtschaft

Den Raum fühlen -

Innenarchitektur in Polen


Wirtschaft 17

Früher eine marginale Branche, jetzt ein unerschöpftes Potential - die Zeiten verändern sich und mit ihnen auch die Trends. Innenarchitektin Magda Badetko spricht mit PolenJournalReporterin Emanuela Janda über die Veränderungen in ihrer Branche, die neusten Trends und persönliche Erfahrungen.


18  Möbelindustrie

Sie haben sich für die Innenarchitektur entschieden. War dies der Anfang? Alles fing spät, eine Weile nach meinem Studium, an. Als ich sie noch lernte, existierte dieser Beruf in Polen praktisch nicht, es gab keinen Bedarf für Innengestaltung oder die Beschäftigung mit diesem Thema. Aber langsam weckten sich diese Bedürfnisse bei den Menschen. Völlig zufällig wurde ich eingestellt, um meinen Freunden zu helfen. Und weil es mich schon immer sehr begeisterte und ich irgendwie in dieser Weise veranlagt war, habe ich mir gedacht, dass es eine gute Idee wäre die Arbeit in diesem Beruf anzufangen. Also machte ich schnell ein Aufbaustudium, während ich bereits beschäftigt war. Und so hat es sich entwickelt, es gab kein Zurück mehr, denn ein Auftrag zog einen anderen hinter sich und es gab keine Möglichkeit aufzuhören. Es wäre übrigens völlig sinnlos, weil es in der Wirklichkeit das ist, was ich mag, was mir seit Jahren Spaß macht. Gab es früher die Fachrichtung Innenarchitektur auf vielen Hochschulen in Polen? Nein. Zwar konnte man die Innenarchitektur an manchen Universitäten finden, doch es war ein toter Beruf. Die meisten Architekten

dieser Zeit beschäftigen sich heute mit Baukörpern oder Urbanistik und nicht mit dem Inneren. Sie sagen häufig, dass sie die Räume einfach nicht fühlen und es nichts für sie sei. Haben Sie Architektur oder Innenarchitektur studiert? Ich studierte Innenarchitektur. Ein Auftrag jagte also den nächsten und so starteten sie Ihr eigenes Gewerbe? Ja, so war es wirklich, denn jeder Auftrag war mit einem anderen verbunden und es gab einfach kein Zurück mehr. Zu meiner Zufriedenheit entwickelte es sich geradezu weiter, denn mein Mann nimmt an der Verwirklichung meiner Projekte auch teil. Er beschäftigt sich mit der Gebäudeautomation und ist für mich eine sehr große Unterstützung. Auch mein Sohn der Architektur studierte und ein Stadtplaner ist, hilft mir mit großer Freude. Meine Tochter fing wiederum an, Bauwesen zu studieren - also ist sie auch irgendwie mit meinem Gewerbe verbunden. Es hat sich tatsächlich in einer tollen Richtung entwickelt. Und wovon haben Sie sich inspirieren lassen? Was inspiriert Sie heute?

Inspiration? Früher waren es Zeitschriften, Magazine, Bücher die man irgendwo lesen konnte. Heute hat sich einfach der Datenträger verändert, das Internet ist eine unschätzbare Quelle, irgendwelche internationalen Portale auf denen man sich inspirieren lassen kann und sehen kann, in welche Richtung sich das alles entwickelt. Eine unerschöpfliche Quelle ist für mich auch das Reisen. Von jeder versuche ich das Maximum an Wissen und Inspiration nach Hause zu bringen, um es irgendwo auszunutzen. Sind es Inspirationen, die mit dem Land und seiner Kultur verbunden sind? In Wirklichkeit ist alles eine Inspiration: Vom Zimmer in dem man schläft, welches in verschiedenen Teilen der Welt verschieden aussieht, bis zur Stadtarchitektur. Für mich heißt die Besichtigung der Welt, mich in die Stadt, das Land reinzuriechen. Ich sauge sie mit allen Sinnen ein. Endet Ihre freie Hand, wenn Sie einen Auftrag bekommen? Wonach richten Sie sich bei der Einrichtung eines konkreten Gebäudes? Ja, sie endet eindeutig. Natürlich ist für mich der Kunde am wichtigsten. Ich darf nicht alleine entsche-


Möbelindustrie 19 iden wie jemand leben wird, ich mache es doch nicht für mich. Vor allem muss sich der Kunde dort wohl fühlen, ihm muss es sich dort gut wohnen oder arbeiten. Natürlich ist die Verwirklichung spektakulärer Ideen, die die Reinkommenden überraschen und ihnen zeigen wie man etwas so interessant arrangieren kann, eine große Versuchung. Leider sind meistens solche beeindruckenden Ideen einfach nicht funktional. In vielen Fällen befiehlt mir der gesunde Menschenverstand es sein zu lassen, damit es sich in einem Raum gut lebt, er keine Schwierigkeiten bereitet, leicht zu putzen ist. Es soll einfach funktional und bequem sein. Für mich ist dieses Verhältnis sehr wichtig, darauf achte ich sehr und ich widme ihm sehr viel Zeit. Leider geht es in der Realisation sehr oft verloren, weil der Auftragnehmer oder der Kunde manchmal ein sehr kleines Detail ändern möchte, das für mich sehr wichtig ist, weil es meiner Meinung nach einen Unterschied macht. 10 cm, Farbe, Form können sehr viel verändern. Können Sie es später dem Kunden erklären oder geht es eher nicht? Manchmal ist es sehr schwer es zu erklären. Es gibt Kunden, die für solche Erklärungen sehr offen sind, nehmen sie auch an und glauben mir. Manche von ihnen kaufen später nicht mal eine Vase, ohne es mit mir zu konsultieren. Aber viele finden, dass es unnötig ist. Ich glaube, es liegt auch an der Architekt-Auftragnehmer Relation, denn der Architekt verbringt nicht so viel Zeit auf dem Bauplatz, wie der Auftragnehmer. Also kann der Zweite meistens besser zu dem Kunden durchdringen und öfters tut er es einfach aus Bequemlichkeit. Etwas ist leichter zu machen oder er ist an eine andere Ausführung gewohnt. Wenn dem Kunden bewusst ist, dass er einen Innenarchitekten braucht, um einen außergewöhnlichen Effekt zu erreichen, dann hört er zu. Wenn er jedoch nicht wirklich überzeugt ist und aus anderen Gründen den Innenarchitekten anheuert oder wenn er nicht mehr viel Zeit hat, hört es auf für ihn bedeutend zu sein. Wenn es also eine Erschwernis ist, verzichtet er oft darauf. Ich verstehe. Und wie sieht das in Polen aus? Denn Sie haben gesagt, dass das Bedürfnis

am Anfang sehr klein war, wie sieht es jetzt aus? Meiner Meinung nach ist es besser, es entwickelte sich im Schneekugeleffekt. Denn die Zeiten, über die wir sprachen, waren so arm an Design und Ausstattung, dass die Einschränkungen von ihr kamen. Heute gibt es eine so große Auswahl an verschiedenen Waren, dass sich der Kunde darin oft verirrt. Ich weiß auch manchmal nicht worauf ich schauen soll, weil es einfach zu viel von allem gibt. Für einen kompletten Laien ist es etwas, was er nicht überspringen kann. Eine solche Ratlosigkeit gibt unserer Arbeit einen Sinn. Viele Menschen arbeiten heute auch anders als damals, sie haben nicht mehr so viel Freizeit, um sich mit dem Thema der Inneneinrichtung zu beschäftigen, um eine Ausstattung für ein Büro oder Hotel selber zu kaufen. Sie müssen jemandem beauftragen, weil sie es alleine einfach nicht umfangen können. Dann kommen wir, die Innenarchitekten ins Spiel und deswegen ist dieser Beruf heute ziemlich im Trend. Es gibt tatsächlich viele Kunden und ein großes Bedürfnis. Kommen Ihre Kunden nur aus Polen oder auch aus dem Ausland? Es kommen Kunden aus ganz Polen und auch aus dem Ausland vor. Die Zweiten sind meistens die Folge der Tatsache, dass jeder Kontakt heute irgendwo international ist, die Welt wurde globalisiert. Sehr oft ist es so, dass meine Kunden, die mich weiterempfählen, Filialen oder Familien im Ausland haben. Oder, wenn einer meiner Kontrahenten im Auftrag im Ausland arbeitet, dann bittet er mich sehr oft um Hilfe oder empfiehlt mich weiter. Wenn ich auf der anderen Seite einen Kunden habe, dann arbeite ich natürlich am liebsten mit einem geprüften Team. Dann ist die Zusammenarbeit, vielleicht nicht am leichtesten, aber am erfolgreichsten. Ein Verhältnis muss dann nicht neu aufgebaut werden, die Erwartungen sind schon bekannt. Man weiß bereits am Anfang, dass der Effekt gut aussehen wird. Sind die Aufträge von ausländischen Kontrahenten anders als die von den polnischen? Haben sie vielleicht andere Bedürfnisse?

Bedürfnisse vielleicht nicht, aber sie haben ein anderes Bewusstsein davon, was alles auf dem Markt zu finden ist. Vielleicht nicht viel größer, aber sie hatten die Gelegenheit mit gutem Design und vielen Produkten zu tun zu haben. Sonst gibt es keine Unterschiede. Obwohl es verschiedene Kunden gibt, alles hängt davon ab, an was jemand gewohnt ist und wie er gelebt hat. Die größten Unterschiede kommen bei Firmenaufträgen vor, das heißt, bei der Gestaltung eines Firmensitzes großer Korporationen. Weil es in internationalen Firmen viele Anordnungen gibt, wie die Möbel aussehen sollen, welche Materialien, Teppichböden, Belage oder Farbgebung man benutzen darf. Bei polnischen Firmen kommt es noch nicht oft vor, oder man befolgt es nicht so streng. Sogar wenn es eine allgemeine Tendenz gibt, wird sie nicht wirklich beachtet und ausgeführt. Was für Trends herrschen zurzeit in der Innenarchitekturwelt? Ich habe den Eindruck, dass alles zu einer völligen Schlichtheit führt, die manchmal sogar primitiv scheint. Je etwas bescheidener ist, desto geschmackvoller, präziser muss es geplant werden. Ich glaube, dass die Kunst in der Fertigkeit es auszubalancieren besteht. Auf der einen Seite muss es fast mittelmäßig sein, und auf der anderen einfach nur raffiniert. Sehen sie sich das Design in vielen Restaurants an und zwar nicht nur in Polen, sondern auf der ganzen Welt. Das ganze Design beruht auf einer einfachen Innenausstattung, wenigen Farben, Effekten und Lampen. An solchen Orten fühlen sich die Menschen wohl, so wohnt es sich ihnen gut. Der Abgang vom Reichtum der Form ist ganz und völlig, alles führt zur Schlichtheit, gewohnten Lösungen, die geradezu veraltet sind, bei denen man denkt, dass sie nicht attraktiv sind, wobei es das ist, was man sucht. Und Sie? Sind Sie eine Gegnerin der Schlichtheit? Nein, definitiv nicht. Ich bin eine sehr große Anhängerin davon, meiner Meinung nach schädigt das Übermaß. Ich bevorzuge es, wenn die Innenräume vereinfacht sind. Ich mag kein Übermaß an Farbe. In einem Raum sollte nur eine Sache im Mittelpunkt stehen, wenn es zu


20  Möbelindustrie viele sind, verliert man den Effekt. Das kann ein Gegenstand, eine Farbe oder eine Form sein. Das ganze Haus sollte inhaltlich gestaltet werden, wenn man bescheiden anfängt, sollte man auch so enden. Ich habe Ihre Projekte gesehen und mir ist aufgefallen, dass Sie oft Holz benutzen. Ist es ein sehr populäres Material? Es kommt selten vor, aber manche Kunden wollen kein Holz in ihren Innenräumen haben. Aber solche Fälle kann man auf den Fingern einer Hand zählen. Ich finde, dass besonders jetzt, wenn die Schlichtheit, Reinheit der Form so oft genutzt wird, Holz besonders in Innenräumen sehr wichtig ist, weil es den Raum erwärmt und attraktiver macht. Zurzeit ist man verrückt nach der primitiven und natürlichen Form des Holzes. Das heißt, dass es unvollkommen in seiner Form, nicht perfekt bearbeitet und geschleift ist. Gebürstetes Holz mit Maserungen ist sehr populär. Ich liebe und benutze es sehr oft, überall wo ich kann. Es sei denn, der Kunde sagt ausführlich, dass er dieses Material nicht im Raum haben will. Dann ist es für mich natürlich ein Tabuthema. Wenn es dage-

gen keinen Einwand gibt, kommt Holz in jedem meiner Projekte vor. Wie soll man später das Holz pflegen? Die heutige Bearbeitung von Holz gibt eine solch große Sicherheit der Benutzung, dass man sich darüber keine Sorgen machen muss. Deutlich kann man es an Holzböden sehen, denn früher sagte man, dass man es in Räumen, in denen man oft in Schuhen läuft, meiden soll, weil es schnell verkratzt. Bei der heute populärsten Sorte von Holz, dem geöltem oder gebürstetem, besteht dieses Risiko nicht. Und wenn es sogar verkratzt wird, dann sieht es noch besser aus als zuvor. Es gibt heute fast keine lackierten Oberflächen mehr, die wurden meistens verkratzt und die Pflege war hier wirklich schwierig. Jedoch ist das erneute ölen und die Restaurierung solcher Flächen geradezu ein Vergnügen und eine Freude. Wenn man über Küchen spricht, Plätze die einen unmittelbaren Kontakt mit Lebensmitteln haben, meidet man große Flächen von Holz, gerade die Sorten, die stark gebürstet sind, weil sie Schwierigkeiten bereiten können. In solchen Fällen benutze ich ein

glatteres Holz oder verwende es zum Beispiel nur am Tisch, wo das Essen konsumiert, nicht vorbereitet wird. Dort gibt es kein Risiko, dass das Holz irgendwelche ungewollten Lebensmittel aufsaugt. Arbeiten sie eher mit ausländischen oder polnischen Firmen zusammen? Es ist eine schwierige Frage, weil sehr viele polnische Unternehmen mit internationalen Firmen verbunden sind. Sogar wenn man denkt, dass der Produzent von Grund auf Polnisch ist, stellt sich heraus, dass es nicht ganz so ist, weil es irgendwelche internationalen Geschäftspartner oder zusammenarbeitende Unternehmen gibt oder es werden viele ausländische Materialien benutzt. Es ist ziemlich kompliziert also lautet die Antwort ja und nein. Direkt arbeite ich eher mit polnischen Firmen, weil es einfach sehr viele von ihnen gibt und sie haben inzwischen fast alle Bereiche des Marktes beherrscht. Aber wie ich bereits gesagt habe, wahrscheinlich sind sie nicht in der Lage völlig selbstständig zu funktionieren, nur in der Anlehnung an ein polnisches Produkt. Das muss irgendwo eine Stütze im Ausland


haben. Könnten Sie mir Ihren merkwürdigsten Auftrag verraten? Mein Mann sagt, dass alle meine Aufträge merkwürdig sind. Ich selber weiß, dass ich ein völlig schrägen Auftrag hatte, aber kann mich daran nicht mehr erinnern. Ich arbeite schon sehr lange und mein Gedächtnis versagt manchmal bei solch einer Menge von Projekten. Am merkwürdigsten sind immer die schnellen Aufträge, auf dessen Realisierung man nicht viel Zeit hat, meistens müssen sie von Tag zu Tag vorbereitet werden. Firmen wollen, dass man eine Szenografie für irgendwelche Veranstaltungen aufbaut. Die Idee muss sehr ungewöhnlich sein und darf nicht mit dem Platz verbunden sein. Sie muss auch gut ausgestattet werden, am besten sehr ökonomisch, denn es gibt kein Budget, dank dem man alles kaufen könnte, was das Herz begehrt. Wir müssen mit dem Arbeiten, was wir selber machen oder billig kaufen und bearbeiten können. Die merkwürdigsten Aufträge hatte ich von einem MercedesBenz-Salon. Dort musste ich ein Autosalon von Tag zu Tag verwandeln, z. B. für den Nikolaustag. Man musste sich also eine Deko ausdenken, mit großen Schlitten aus Styropor, Kaminen usw. Für mich sind solche Aufträge ziemlich schräg, weil sie auf schnellem Handeln beruhen, es gibt wenig Zeit fürs Nachdenken, suchen von Produzenten. Man muss einfach etwas tun, damit es später gut aussieht. Was war die größte Herausforderung in Ihrer Karriere? Bis jetzt war es ein Hotel. Ich hatte bereits die Gelegenheit kleinere Hotels, Restaurants, Bankettsaale und ähnliche Innenraume zu gestalten. Ein Hotel wird jedoch von etwas anderen Regeln regiert, ich nahm an einer Hotelrenovierung teil, die nur 25 Tage dauerte und das ganze Gebäude umfasste. 62 Zimmer, das war wirklich eine große Herausforderung! Es war sehr schwer, denn man musste im Termin fertig werden und es kam jeden Tag eine Information dazu, dass noch etwas bearbeitet wird, noch etwas gemacht werden muss. Man musste also 25 Tage, 24 Stunden lang arbeiten. Aber das Projekt ist sehr gelungen und alles wurde in der angenommenen Zeit, im Budget und Endeffekt durchgeführt. Bis

heute weckt es bei mir ein großes Sentiment, es ist eine tolle Erinnerung. Es hat uns zwar alle sehr viel Anstrengung gekostet, aber im Endeffekt waren wir und auch der Investor sehr zufrieden. Welche Sie?

Zukunftspläne

haben

Ich versuche nicht zu weit in die Zukunft zu blicken, nicht nachzudenken was kommen wird. Nach so vielen Jahren ist alles trügerisch und kann von Tag zu Tag enden. Bei solchen Fragen ergreift mich ein gewisses Sentiment. Auf jeden Fall ist es mein Wunsch, dass alles weiter so gut funktioniert wie jetzt. Ich habe keine großen Pläne meine Tätigkeit zu erweitern. Obwohl ich nach einer interessanten Idee suche, schon etwas im Kopf habe, wird es bestimmt nicht etwas sehr ausgebautes sein. Natürlich wäre es toll weiter mit meinem Sohn, Mann und auch Tochter zusammenzuarbeiten. Ich möchte mich auch noch mal einem Hotelprojekt stellen, so einer großen Herausforderung. Das ist mein Ziel für die nächsten Jahre, so etwas muss ich noch einmal realisieren. Was denken Sie, wie wird die Zukunft der Innenarchitektur aussehen? Ich denke oft darüber nach, auch als ich hier nach Oppeln kam. Ob der Bedarf an Innenarchitekten irgendwann endet? Früher hatte ich Angst, dass es so sein wird, doch jetzt weiß ich, dass es eine endlose Geschichte ist. Wenn alles was heute gebaut und errichtet wird, endet und perfekt sein wird, werden die am Anfang realisierten Projekte eine Erneuerung benötigen. Das sage ich nicht nur im Hinblick auf meine Arbeit, sondern ich meine hier allgemein, alle Innenarchitekten und Designer. Vielen Dank für das Gespräch. Danke schön.

von Emanuela Janda


22  Möbelindustrie

Produktion und Export: Polnische Möbelbranche floriert Mit Bernard Gaida, Inhaber der Firma Gaber und Vorsitzendem des Verbandes der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen, sprach Krzysztof Świerc.

Polen ist mittlerweile auf den 10. Platz in der Möbelherstellung weltweit aufgerückt, teilte unlängst der Geschäftsführer der Polnischen Wirtschaftskammer der Möbelhersteller Michał Strzelecki mit. In Europa liegt Polen nur noch hinter Deutschland und Italien, ansonsten hinter den USA, China und Indien. Überrascht Sie diese Statistik? Gegen Statistiken lässt sich schlecht andiskutieren, deshalb nehme ich diese Daten nun als eine Tatsache zur Kenntnis. Und auch mit einer gewissen Genugtuung, gerade als Inhaber der in Polen ansässigen Firma Gaber, eines Lieferanten von Materialien für die Herstellung von Möbeln. Aus diesem Grund ist mir das Wohlergehen und die weitere Entwicklung dieser Branche sehr wichtig. Es ist aber auch eine große Herausforderung, denn ich muss Schritt halten und den zunehmend anspruchsvollen Erwartungen des Marktes gerecht werden. Was die hier angesprochene Statistik und den dritten Platz Polens in Europa angeht, so sei hinzugefügt, dass diese Position stark und absolut stabil ist, denn die polnische Möbelbranche entwickelt sich auch jetzt dynamisch weiter. Der erste Platz auf dem Alten Kontinent ist übrigens derzeit austauschbar: Mal liegt Deutschland vorn, mal Italien, je nach Jahr. Was ist der Grund für die hohe Position Polens in dieser Bran-

che und ist diese erst in den letzten Jahren so stark geworden? Die Möglichkeiten und die Größe einer Branche ergeben sich nicht zuletzt aus der Größe eines Landes. Und Polen ist nun mal ein großer Staat in Europa. Historisch gesehen ist die polnische Tischlerbranchenicht erst 25 Jahre nach dem politischen Wandel und nicht erst vor wenigen Jahren so stark geworden. Bereits vor dem Wandel war sie, gemessen an ihrer Größe, bedeutsam und stark und für die damalige Zeit auch technologisch modern. Das Einzige, was damals zu schaffen machte, war, dass alle größten Unternehmen staatlich waren und in einem ungesunden wirtschaftlichen Anweisungssystem arbeiten mussten. Dies war zweifellos ein Hemmschuh und führte dazu, dass die Produkte oft unter den Produktionskosten verkauft wurden. Ich persönlich war in einer staatlichen Möbelfabrik tätig und weiß daher, wovon ich spreche. Es ist aber auch unbestritten, dass nach dem Wandel von 1990 eine Vielzahl neuer, nicht postkommunistischer Firmen in Polen entstanden ist. Absolut. Und sie entwickeln sich bis heute dynamisch und haben dabei auch technologisch große Fortschritte erreicht. Dadurch gehören bestimmte polnische Möbelmarken im Sinne der Produktionsbasis und der Produktion aktuell zu

den größten Möbelunternehmen in Europa und dies wiederum hat in dem europaweit dritten Platz der polnischen Möbelbranche seinen Niederschlag gefunden. Allerdings kam vor wenigen Jahren im Zuge der wirtschaftlichen Rezession ein Moment, da wurde die polnische Möbel- und Holzbranche auf einmal nahezu abgeschrieben, denn die darin tätigen Firmen wurden nach der damaligen Politik der polnischen Banken als Hochrisikounternehmen eingestuft. Die Wirklichkeit zeigte jedoch, dass die Branche trotzdem die wirtschaftliche Rezession nicht wirklich zu spüren bekam. Mehr noch, sie konnte sich auch unter diesen Umständen weiterentwickeln und tut es auch heute – und wie! Kann man vor diesem Hintergrund vielleicht die Behauptung riskieren, dass Polen in Zukunft europaweit führend in der Möbelbranche wird? Ich will hier kein Prophet sein, denn um diese Frage ausführlich und präzise beantworten zu können, müsste man genau wissen, wie es um die Möbelbranche in Deutschland und Italien bestellt ist. Solche Daten habe ich aber nicht. Auf jeden Fall ist die Möbelbranche am Rhein und am Tiber seit jeher sehr stark. Dabei setzen die Italiener vor allem auf Design. Sie kreieren eigentlich die ganze Branche, denn aus Italien kommen die meisten neuen Trends, die später in Deutschland oder auch in Polen über-


POLNISCHER EXPORT UND IMPORT 2010-2016 (MRD. PLN)

22,7

3,9

3,5 2010

2011

4,3

4,0 2012

2013

EXPORT

36,3

33,3

29,4

27,3

26,4

40,5

5,4 2014

6,1

2015

7,0

2016

IMPORT

Quelle: KMPG Polen * prognostizierte Werte

nommen werden. In diesem Zusammenhang dürften die Italiener als führender Trendsetter ihre sehr starke Position eher aufrechterhalten können. In Deutschland wiederum steht hinter der Möbelbranche eine hochmoderne Technik. Deutschland ist ein unbestrittener Spitzenreiter bei neuen Technologien und besitzt einen ganz besonders innovativen Maschinenpark. Damit sind die deutschen Möbelfirmen bestens ausgerüstet und sehr konkurrenzstark. Alles in Allem sehe ich die Positionen der ersten Drei als derzeit sehr stabil. Wie

sich die Dinge langfristig weiterentwickeln und ob es irgendwelche Rochaden auf dem Podium geben wird, müssen wir erst abwarten. Im Jahr 2016 erreichten die polnischen Möbelexporte einen Wert von knapp 36,5 Milliarden Zloty und 2017 sollen es sogar 41,6 Milliarden Zloty werden. Ist diese Prognose aber auch praktisch realisierbar? Meiner Meinung nach durchaus ja, denn wir beobachten in Polen eine kontinuierliche Weiterentwicklung

der Möbelbranche und ihres Potenzials. Es entstehen immer neue Firmen, ihre Maschinenausrüstung und Konkurrenzfähigkeit werden immer größer. Nicht zuletzt deshalb herrscht in der Branche ein beträchtlicher Optimismus. Ich sehe das immer wieder bei Gesprächen mit Unternehmern, die oft betonen, dass sie derzeit keine Angst vor Investitionen und Neueinstellungen haben, weil sie in ihrem Tätigkeitsbereich positive Trends spüren. Eine langfristige Wachstumsprognose ist deshalb durchaus gerechtfertigt. Zu beden-


24  Möbelindustrie ken ist dabei allerdings, dass die allermeisten Möbel, die in Polen hergestellt werden auf den Export angewiesen sind, sonst würden sie in den Lagern und Geschäften herumstehen. Die Schlussfolgerung ist somit klar: Die weitere Entwicklung dieser Branche ist Polen hängt von den Konsummärkten ab, auf die polnische Möbel geschickt werden. Ist die Nähe zu Deutschland etwa der Hauptgrund dafür, dass unzählige Möbel aus Polen in die Bundesrepublik kommen, oder aber spielen auch andere Faktoren hier eine wichtige Rolle? Die unmittelbare Polens zu Deutschland hat zweifellos eine große logistische Bedeutung, denn dadurch ist der deutsche Markt relativ leicht erreichbar. Enorm wichtig ist aber auch das Niveau des Möbelmarktes in der Bundesrepublik sowie das ganz erhebliche Kaufpotenzial der Deutschen. Zudem überwiegt in Deutschland ein rechts spezifisches Verkaufsmodell, bei dem polnische Firmen eigentlich nicht in der Lage sind, deutsche Handelsfirmen zu umgehen. Dadurch produzieren polnische Möbelfirmen im Allgemeinen für einige deutsche Großhandelsunternehmen, die anschließend den Vertrieb in Deutschland übernehmen. Haben polnische Firmen nicht versucht, eigene Handelsnetze in Deutschland aufzubauen? Doch, doch, das wurde viele Male versucht, um auf diese Weise direkt die Warenhäuser in Deutschland erreichen zu können. Die meisten dieser Unternehmungen verliefen jedoch im Sande und die Praxis zeigte, dass es der deutsche Zwischenhändler ist, der es am besten versteht, polnische Möbel in Deutschland zu vertreiben. Mehr noch, dieser Zwischenhändler bestimmt dank seiner Marktkenntnis auch das Design, bestellt ganz konkrete Möbel, schickt Zeichnungen zu und entscheidet oft sogar über die Farbe eines Möbelstücks, das Material etc. Die Folge: Polnische Firmen konzentrieren sich derzeit praktisch nur auf Produktion. Es erscheint mir irgendwie paradox, dass so viele Möbel aus Polen mit sehr gutem Erfolg Eingang in den anspruchsvollen deutschen Markt finden…

Wir dürfen nicht vergessen, dass viele Firmen, die zu dem polnischen Gesamtexport beitragen, deutsche Inhaber bzw. Mitinhaber haben, die in Polen investiert haben und so ihre Möbel auf ganz natürliche Weise auf dem ihnen vertrauten deutschen Markt verkaufen. Juristisch gesehen sind dies jedoch polnische Exporte und die Firmen beschäftigen ja auch polnische Mitarbeiter. Daher ist dieses Potenzial statistisch gesehen polnisch.

aus Dobrodzień bin, höre ich oft die Frage: Wo ist denn das? Dann stelle ich die Gegenfrage: Kennen Sie die Firma Kler? Und dann ist schon alles klar. Dem kann man sich auch schwerlich wundern, denn es ist eine äußerst solide Marke, die dank ihrer Vertriebsstrategie sehr bekannt ist, nicht nur in Polen. Mein Ranking stützt sich übrigens nicht auf Statistiken, sondern auf der Art und Weise, wie diese Unternehmen funktionieren.

Die Möbel welcher polnischer Hersteller verkaufen sich am besten?

Worauf ist konkret Ihre Firma spezialisiert?

Ich kann nicht eindeutig sagen, welche Art von Möbeln den größten Zuspruch findet. Ich denke aber, es werden besonders viele Möbel aus dem sog. Billigsektor verkauft, die auch den größten Anteil an den Exporten nach Deutschland haben. Die Möbel werden auf Schichtstoffplatten hergestellt und sind technologisch relativ einfach beschaffen, was eine Fließfertigung ermöglicht. Durch den Dekor auf den Folien oder außen auf Melamin, das sich sehr verbessert hat, können die so hergestellten Möbel wirkungsvoll diejenigen aus teuren Holzarten oder Furnier imitieren. Womöglich sind somit die billigsten Möbel und vielleicht auch teilweise solche in mittlerer Preislage die Domäne der polnischen Produktion. Ganz umgekehrt also als in Italien, wo wir mit Möbeln zu tun haben, die unter Einsatz der modernsten und teuersten Technologien hergestellt werden, in den schönsten Furnieren, dazu noch auf Hochglanz und in einem geradezu abgefahrenen Design. Würden Sie bitte die derzeit bekanntesten Möbelmarken „made in Poland“ nennen? Da gibt es recht viele, wie etwa Black Red White oder auch die inzwischen riesige und sehr aufstrebende Möbelgruppe Szynak. Beachtenswert ist auch die Firma Bodzio, die sich im Billigmöbelsektor bewegt und im Gegensatz zu vielen anderen polnischen Firmen auch auf dem heimischen Markt besonders stark präsent ist, da sie über enorme Produktionskapazitäten verfügt. Nicht zu vergessen auch die Firma Kler. Ihre hohe Klasse bezeuge ich auch selbst gern. Wenn ich nämlich bei verschiedenen Treffen in Polen erwähne, dass ich

Wir liefern Materialien für das Auskleben von Spanholzplatten sowie dazu verwendete Werk- und Klebstoffe. Wir liefern aber auch Materialien für teurere Möbel, also Naturfurniere und damit verbundene Werkstoffe, die wir aus verschiedenen Märkten nach Polen holen. Wichtig ist auch, dass 98 Prozent unserer Umsätze aus Verkäufen an polnische Firmen in Polen erzielt werden, die ihre Produktion ja so erfolgreich exportieren. In unserem Auftragsportfolio sind sogar alle größten Möbelfirmen, die es in Polen gibt! Das freut uns natürlich ungemein. Schaut man sich die Möbelzentren an, die in Polen wie Pilze aus dem Boden schießen, erscheint es naheliegend, dass die Stadt Dobrodzień, wo Ihre Firma ansässig ist, immer mehr landesweit an Bedeutung verlieren könnte und sich demnächst nicht mehr stolz als Stadt der Tischler nennen darf. Und das, obwohl auch die Firma Kler von dort stammt… Dobrodzień wird ihren Namen als Stadt der Tischler nicht verlieren. Stadt der Tischler bedeutet nämlich nicht, dass es der Ort mit den größten Möbelherstellern wäre, sondern es ist eine Ortschaft, in der es gemessen an der Einwohnerzahl die größte Tischlereiendichte gibt. Denn bei knapp 4.000 Einwohnern bestehen in Dobrodzień derzeit 75 bis 100 Möbelbetriebe. Das gibt es anderswo in Polen nicht, na vielleicht mit Ausnahme von Kalwaria Zebrzydowska in der Woiwodschaft Kleinpolen, denn Swarzędz hat diesen Titel bereits verloren. Bei Dobrodzień besteht aber diesbezüglich, soweit ich erkennen kann, keinerlei Gefahr.


DIE GRÖSSTEN MÖBELEXPORTEURE DER WELT 2015 (MRD. $) CHINA

50,8

DEUTSCHLAND

14,5 11,6

ITALIEN

10,0

POLEN USA

7,9

MEXICO

6,0

KANADA

5,3

VIETNAM

3,0

GROSSBRITANNIEN

2,6

TSCHECHIEN

2,5

FRANKREICH

2,3

Quelle: KMPG Polen * prognostizierte Werte


26  Möbelindustrie

Holz in der Architektur Zwar experimentiert die moderne Architektur mit neuen Baumaterialien, doch Holz - mit seiner langen Tradition - ist aus der Branche kaum wegzudenken. Im Gespräch mit PolenJournal.de spricht Krystyna Piecuch - Architektin, Baugutachterin und Innenarchitektin über die Geschichte von Holz.

Was für einen Einfluss hatte Holz auf die Entwicklung der Architektur? Holz ist das älteste und am längsten von Menschen benutzte Baumaterial. Jahrtausende lang wurde es erkundet und benutzt, es wurde zum Basisbaumaterial. Anfangs alleine, später gemeinsam mit keramischen Materialien hatte es den endgültigen Einfluss auf den architektonischen Ausdruck von Gebäuden und Bauwerken späterer Zeitalter in der Geschichte der Architektur. In den ärmeren Regionen war Holz ein Exklusivmaterial. Anfangs hat Holz den Grundbedarf der Menschen beim Bauen von Wohnsitzen und Schutz von Wohnsitzen und Kultstätten gestillt. Mit der Zeit sind die Werkzeuge zur Bearbeitung von Holz präziser geworden, es wurden immer mehr schmuckvolle Holzelemente erschaffen. Der Wert hölzerner, historischer Elemente geht aus dem Fakt hervor, dass sie selbst ein kostbares Zeugnis der Vergangenheit, Technik und Wissen über frühere Generationen sind. Man soll über die Kunst des Handwerks, die bei der Hilfe einfacher Werkzeuge und Handarbeit solcher Architekturelemente wie Fenster und Türen, die trotz der vergangener Jahre nicht konserviert wurden und bis heute überdauert haben und erschafft wurden, nachdenken. Was schützt Holz?

das

historische

Der Europarat schafft Programme,

die die Rettung des historischen Holzes betreffen und durch das Ministerium für Kultur und nationales Erbe einarbeitet und realisiert werden. Es sind Schutz- und Rettungsprogramme historischer, hölzerner Kirchen, Höfe, Fenster- und Türentischlerei und historischer Dachstühle. Holz ist ein Material, welches durch moderne Materialien mit einer kurzen Geschichte, die nicht altbewährt ist, verdrängt wird. Von Jahr zu Jahr gibt es immer weniger historische, originelle Fenster- und Türentischlerei und Dachstühle. Was für einen Wert hat Holz? Holz ist ein völlig ökologisches Baumaterial, das im Gegensatz zu PVC und Alutischlerei im natürlichen Prozess entsteht. Bei der geplanten Wirtschaft gemäß europäischer Konventionen sind die Holzressourcen unbegrenzt und stets nachwachsend auf dem Weg des natürlichen Wachstums und kommen in ausreichenden Mengen (viele Länder benutzen nur 65% des jährlichen Zuwachses). Holz ist ein warmes Material, das angenehm beim Berühren ist, es ist natürlich und elektrisiert nicht. Wie sieht der Aspekt aus?

ökonomische

Holz ist ein ökonomisches Rohmaterial, weil man zur Holzfensterproduktion (70 Wh) 11 Mal weniger Energie braucht als bei der PVC Fensterproduktion (730 Wh). Die Benutzung von Holz bereitet keine Probleme mit der Abfallverwaltung, ein natürliches Rohmaterial wie Holz oder ökologische Be-

schichtungen stellen keine Gefahr für die Umwelt dar (die Abfallverwertung anderer Tischlereiprofile verursacht den Ausstoß von Salzsäure und Dioxin, sehr giftiger Verbindungen). Ein Holzfenster, der Verbrennung unterzogen erzeugt neue Wärmeenergie, bei der Beseitigung von Fenstern aus anderen Materialien werden zusätzliche Energiestoffe verbraucht. Ein Fenster aus Holz mit einer ökologischen Beschichtung überzogen, was die Lasierung, Lackierung und Bemalung in eine beliebige Farbe ermöglicht, gibt uns die Möglichkeit die Ästhetik des Gebäudes zu ändern. Ein Fensterrahmen aus Holz konserviert man und reinigt ohne die Benutzung chemischer Reinigungsmittel die schädlich für Menschen sind. Die einmalige Verwendung ökologischer, haltbarer Lacke schützt vor atmosphärischen Verhältnissen für 7-10 Jahre. Im Fall einer Beschädigung des Holzfensters besteht die Möglichkeit der Reparatur oder der Ergänzung zusätzlicher Ausstattung, ohne einen völligen Austausch. Die Fenster- und Türentischlerei ist ökologisch, ökonomisch, energiesparend und wärmedämmend. Sie ist uns Kulturnahe und stellt ein haltbares, gesundes und ästhetisch wunderschönes Element unserer Architektur dar. von Paulina Kuc


VERMARKTETE PRODUKTION DER POLNISCHEN MÖBELINDUSTRIE 2016 IN EUROPA 3 245 MLN. €

1 603 MLN. €

13 231 MLN. €

10 456 MLN. €

27 900 MLN. € 3 206 MLN. €

9 616 MLN. € 2 095 MLN. €

2 829 MLN. €

24 451 MLN. €

7 520 MLN. €

Quelle: KMPG Polen * prognostizierte Werte

2 792 MLN. €


28  Wirtschaft

Big Mac Index: Zloty weiterhin unterbewertet Die Schwäche der polnischen Währung verdeutlicht der Preis für einen Hamburger.

D

er Britische The Economist veröffentlicht seit 1986 einen speziellen Bericht mit dem sog. Big-Mac-Index, der die Bewertung der Währungen auf der ganzen Welt anschaulich machen soll. Der Big-Mac-Preis hängt von dem Land in dem er von der jeweiligen McDonald‘s-Filiale verkauft wird ab. Währungen von Ländern in denen der Preis über dem US-Preis liegt sind insofern überbewertet. Währungen jener Länder in denen man den Burger unterhalb des USPreises kaufen kann sind demnach unterbewertet. Aus der neuesten Auswertung der Briten geht hervor, dass der Burger

am günstigsten in der Ukraine zu haben ist - für nur 1,70 US-Dollar. In Polen kostet derselbe Big Mac 2.72 USD also umgerechnet etwa 10.10 Zloty. Damit zählt das Land an der Weichsel und der polnische Zloty zur Gruppe der meist unterschätzten Währungen der Welt. Weniger zahlt man für das Brötchen nur auf den Philippinen, in Vietnam, Hong Kong, Indonesien, Russland, Taiwan, Südafrika, Malaysia, Ägypten und schließlich in der Ukraine. Daten aus dem neuesten Bericht von Juli 2017 zeigen, dass der Schweizer Franken weltweit sehr stark bewertet wird. Einen Big

Mac kann man sich in der Schweiz für umgerechnet 6,74 US-Dollar kaufen. In der Eurozone darunter in Deutschland und Österreich kostet das Bouletten-Brötchen 4,47 USD. Man muss aber auch festhalten, dass der sog. Big-Mac-Index nicht frei von Mangel ist. So werden hier nicht die Arbeitskosten im jeweiligen Land berücksichtigt. So kann man sich auch nicht wundern, dass der Burger in Ägypten billiger als in der Schweiz ist. Schließlich verdienen die Arbeitnehmer deutlich weniger. von Rafał Stelmaszewski


Wirtschaft 29

Plastiktüten um sonst wird es bald nicht mehr geben Ab 2019 wird man für Plastiktüten fast 1 Zloty bezahlen müssen. Zurzeit verbraucht ein durchschnittlicher Pole 510 Beutel jährlich.

D

ie Regierung wird sich bald mit der Gesetzesänderung bezüglich der Bewirtschaftung von Verpackungen und Verpackungsabfällen befassen. Eine wesenhafte Verringerung des Plastiktüten Verbrauchs ist eines der Ziele der EU. Gemäß der Strategie der Europäischen Kommission sollen 2019 90 Tüten pro Person verbraucht werden und bis 2025 sollen es 40 werden. Wie das Statistische Amt der Europäischen Union vorgibt, verbraucht zurzeit ein durchschnittlicher Europäer weniger als 200 Plastikbeutel pro Jahr, ein Pole ungefähr 460 Einwegtüten und mit den mehrfach Verwendbaren sind es sogar 510 Stück. Damit gehört Polen zu den unrühmlichen Spitzenreitern des Rankings. Gemäß dem Gesetzentwurf wird es bei den Kassen ab 2019 für Plastikbeutel Pflichtgebühren geben. Der maximale Preis wird 1 Zloty betragen. „Der Lebenszyklus solch einer Tüte ist außerordentlich kurz und beträgt in der Regel wenige Minuten. Später wird sie zum Abfall, der die Umwelt verschmutzt. Das wollen wir ändern. Die Einführung kleiner Gebühren wird vielleicht einen Impuls bilden, der die Menschen an der Kasse zum Nachdenken anregt, ob sich der Kauf eines solchen Beutels lohnt oder ob man eine mehrfach verwendbare Tüte mit sich bringen sollte“, sagt Sławomir Mazurek, stellvertretender Umweltminister. Die Diskussion über solche Zahlungen wird seit Jahren geführt und ist bei vielen Firmen zur Realität geworden. Für solche Taschen muss man bereits nicht nur in Lebensmittelgeschäften zahlen, sondern auch in Kleidungsläden, Drogerien oder Buchhandlungen. Die Preisspanne umfasst meistens ein paar Groschen und die Gebühren haben ihre Arbeit überall dort wo sie eingeführt wurden, getan. In einigen Städten

in den USA, wie San Francisco oder New York ist die Benutzung der dünnsten Plastikverpackung verboten, in skandinavischen Ländern sind sie fast verschwunden, beispielsweise benutzt man heutzutage in Dänemark und Schweden nur Mehrwegverpackungen. In Polen ändert sich allmählich auch die Einstellung. Von großen Handelsketten vergibt nur Auchan die kostenlosen Tüten. „Für Kunden ist es einer der Gründe bei uns einzukaufen, deswegen werden wir das auch zurzeit nicht ändern. Wenn jedoch das Gesetz über pflichtige Gebühren für Plastikbeutel ins Leben treten wird, werden wir uns natür-

fach geringer“ informiert das Pressebüro Jeronimo Martins Polska, der Besitzer von Biedronka Polska. Die Kette führte die bezahlten Beutel schon im Jahr 2008 ein. So ein Scenario bewährt sich, das kann man am Beispiel von Irland sehen. 2002 führte man dort pflichtige Gebühren ein, was laut der Europäischen Kommission, sich mit einen Rückgang von 90 % zeigte. Der Höchstpreis beträgt 22 Cent, die meisten Geschäfte verkaufen die Beutel jedoch billiger. Spanien plant, so wie in Skandinavien, die dünnen Plastiktüten vom Markt zu vertreiben. Zurzeit muss man für sie noch bezahlen, doch in ein paar Jahren sollen sie verboten werden. „In Polen ist das ökologische Bewusstsein noch an einer niedrigen Stufe, deswegen wird bei uns das Gelangen zu dieser Etappe der sozialen Entwicklung Jahrzehnte dauern“ sagt Rzeczpospolita der Chef einer großen Handlungskette. Er betont, dass die Läden Plastiktüten im Sortiment haben müssen, sonst werden die Kunden bei der Konkurrenz einkaufen.

lich an die Rechtsordnung halten“ informiert Dorota Patejko, die Vertreterin von Auchan Polska. Andere Firmen versuchen den Verbrauch schrittweise zu verringern. Tesco hat die Gebühren bereits in 2012 eingeführt und seit 2017 auch bei Internetbestellungen. „Die Kunden sind an solch eine Lösung gewöhnt, sie benutzen eigne, wiederverwendbare Taschen oder kaufen die Einwegverpackungen“ informiert Tesco Polska. „Unseren Berechnungen zufolge ist die Zahl verkaufter Tüten im Jahr 2016, im Vergleich mit denen die vergeben werden könnten, seit der Einführung von Gebühren mehr-

Laut Agnieszka Górnicka, der Vorsitzenden von Inquiry Market Research, mögen Verbraucher nicht zusätzlich bezahlen zu müssen, vor allem wenn etwas früher umsonst war. In Polen ist diese Haltung deutlich zu sehen. Außerdem macht ein statistischer Verbraucher oft Einkäufe, deswegen können diese Gebühren für bestimmte Kunden problematisch werden. Man muss jedoch der Wahrheit ins Auge sehen, diese Veränderung ist notwendig, weil die Zahl der in Polen verbrauchten Plastiktüten definitiv zu hoch ist. Wenn jemand ein Problem mit den Gebühren hat, kann er die Mehrwegbeutel benutzen. von Paulina Kuc


30  Wirtschaft

Polen trinken immer mehr Wein Der Weinverkauf wächst systematisch. Bei der Popularisierung des Weins spielen die Diskonte eine große Rolle, doch immer mehr Menschen suchen nach trockenem Wein besserer Qualität.


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gangen ist“, sagt Franczak. Wie der Experte betont, größere Popularität verdankt der Wein weitgehend den Diskonten. Entsprechend der Daten von GFK, der wichtigste Pfad, dank welchem sich die Haushalter mit Wein versorgen, sind Diskonte wie Biedronka oder Lidl. „Es folgt eine Verschiebung des Konsums in kleinere Ortschaften und Dörfer. Eine der wichtigsten Rollen spielte hier Biedronka, weil sie die Weine einführte, die die Menschen vorher nie in recht billigen Preisen finden konnten. Die Arbeit des Importeurs und der Kette gibt Effekte die Analytiker nicht vermuten konnten“, erklärt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Partner Center. Gleichzeitig kaufen immer mehr Polen ihre Weine bewusster, wählen die trockenen und passen sie an Speisen und Jahreszeiten an. „Journalisten, Filme und Zeitungen machen Werbung für verschiedene Weine. Zudem hat sich der Lebensstil der Menschen verändert, die Polen leben jetzt ruhiger, sie suchen nach Vergnügen, haben das Essen mit Wein verbunden“, überzeugt der Experte.

„Der Weinmarkt in Polen verändert sich sehr schnell, der Trunk konkurriert mit Bier und Wodka. Noch vor ein paar Jahren hätte er keine Chance, doch heute trinken die Polen 7 Liter pro Person im Jahr. Doch der Weinmarkt entwickelt sich, es gibt kein Finanzrisiko oder innere oder äußere Hindernisse, die den Prozess aufhalten könnten“, betont Witold Franczak, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Firma Partner Center, Vertreiber von Importweinen. In internationalen Rankings bleiben die Polen hinsichtlich des Wein-

verbrauches zurück (35 Platz). Die Franzosen trinken 15-mal mehr Wein, ganze 45 Liter pro Person, gleich hinter ihnen stehen die Portugiesen (42 Liter) und die Italiener (37 Liter). Der Markt wächst jedoch. Noch vor drei Jahren trank jeder Pole nur 3 Liter pro Jahr. Aus dem Bericht von KPMG geht hervor, dass in den Jahren 2004-2015 der Verkauf von Weintrauben um 56% gewachsen ist. „Die Polen trinken doppelt so viel als früher. In den letzten Monaten ist der Zuwachs noch größer geworden, ungefähr um 9-11%. Es wurden neue Trockenweine eingeführt, eine Änderung im Trinken der Süß- und Trockenweine kommt zustande. Wir gehen in die richtige Richtung, in die jedes Land, in dem keine Trauben wachsen, ge-

Die Trinkkultur ist größer als früher, Feinschmecker greifen viel öfter nach einer Flasche, für die sie bereit sind viel mehr zu bezahlen als bisher. Partner Center weist den Weg auf dem polnischen Markt und nimmt aktiv an Erschaffung der Trinkkultur durch Integration mit der Welt des Wissens und der Kunst teil. „26 Jahre lang war die Firma ein Trendsetter. Wir sind dem Markt voraus, helfen bei der Entwicklung von Kultur, sponsern Festivals, helfen Künstlern und Theatern“, betont Franczak. Das Unternehmen wurde mit dem Ehrenausschuss TERAZ POLSKA! in der Kategorie Dienst, Import und Vertrieb von Flaschenwein ausgezeichnet. von Paulina Kuc


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Polen werden von ausländischen Jobangeboten in Versuchung geführt Der Sommer ist ein guter Zeitpunkt, um eine Beschäftigung im Ausland aufzunehmen. An Jobangeboten mangelt es keinesfalls und die höheren Löhne verdrehen dem einen oder anderen den Kopf.

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n vielen europäischen Ländern beginnt zusammen mit dem Sommer die Suche nach Arbeitnehmern für das Hotel- und Gaststättengewerbe, die Landwirtschaft sowie den Bau. Immer mehr Inserate erscheinen auf verschiedenen Jobbörsen, auch seitens des Handels, des Produktionssektors sowie der Logistik. In Deutschland sollen laut Work Service beispielsweise bis Ende des Jahres 500.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Der Arbeitsmarkt boomt und lockt die Polen mit der geographischen Nähe und hohen Gehältern an. Der deutsche Mindestlohn ist dreimal so hoch, wie der polnische. Die Nachfrage ist vor allem bei Kranken- und Pflegekräften groß und die Stundenlöhne von Krankenpflegern in Deutschland beginnen ab 18,06 Euro. Auf der anderen Seite, etwas überraschend, werden die Polen auch von der Tschechischen Republik angezogen. Agata Zdybicka von Work Service erklärt, dass Tschechien die niedrigste Arbeitslosenrate in der EU

hat und deswegen werden Arbeitskräfte dringend u.a. für den Produktionssektor benötigt. Die Löhne schwanken zwischen 22,6 und 31,5 Zloty, dazu kommen noch verschiedene Zulagen und Boni. Auch hier begünstigt die geographische Nähe die Arbeitsmigration. Ein weiterer Vorteil ist die kulturelle und sprachliche Gemeinschaft. Ein Pole, der dort die Beschäftigung aufnimmt, sollte keine Probleme mit der Kommunikation haben. Er kann auch noch auf eine freundliche Aufnahme hoffen - so Zdybicka. In Frankreich und Belgien werden beispielsweise verstärkt Maler und Verputzer gesucht. Die ersten können mit Stundenlöhnen ab 9,75 Euro rechnen, die zweiten sogar mit 14,12 Euro. Eine Stelle dürften auch problemlos Portiere und Staplerfahrer finden. In den Niederlanden steigt fast traditionsgemäß in der Sommersaison die Nachfrage nach Arbeitnehmern für den Gartenbau. Auch andere Inserate, wie etwa für Zimmermädchen oder Fahrer, die es immer weniger

auf dem Arbeitsmarkt gibt, zählen nicht zur Seltenheit. Ähnlich ist es mit Zeitungsausträgern, nach denen verstärkt in Island gesucht wird. Der Stundenlohn beginnt auf der Insel bei 13,57 Euro. Diese, etwas exotische Migrationsrichtung erscheint jedoch immer attraktiver für die polnischen Fachkräfte, wie es Magdalena Kwiecień von Work Service Express bestätigt. Ab dem vergangenen Jahr sehen wir, dass Island die Polen mit hohen Gehältern anlockt. Nicht ohne Grund, denn wegen der kleinen Einwohnerzahl und der sehr niedrigen Arbeitslosenrate werden vor allem Arbeitskräfte für den Bau gebraucht, und das nicht nur in der Bausaison. Ein Bautischler kann im Monat umgerechnet über 8.100 Zloty verdienen. Natürlich bedeutet dies eine weite Reise aber Vorort kann man bereits viele Polen antreffen, die bereits die größte nationale Minderheit in Island darstellen - so die Managerin. von Piotr Piela


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Polnischer Haushalt mit großem Überschuss Knapp 6 Mrd. Zloty - statt des schon fast gewohnten Haushaltsdefizits, blieb überraschend in der Staatskasse. Dies teilte das polnische Finanzministerium mit.

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wischen Januar und Juni 2017 erreichten die Staatseinnahmen 176,7 Mrd. Zloty, die 54,3% der eingeplanten Gesamteinnahmen für 2017 darstellen. Im Vergleich zu Juni 2016 bedeutet das einen Anstieg um 25,1 Mrd. Zloty. Gleichzeitig hat man nur 170,8 Mrd. Zloty, also 44,4% des im Haushaltsgesetz festgehaltenen Aufwandes ausgegeben. Laut den Angaben des polnischen Finanzressorts wird der Trend der steigenden Steuereinnahmen wei-

terhin auf relativ hohem Niveau (17,7% im Vergleich zum Vorjahr) fortgesetzt. Mehr Geld haben alle Hauptsteuern in die Staatskasse eingespült, darunter die Mehrwertsteuer oder die Körperschaftsteuer. Gleichzeitig wurde im Juni der Gewinn aus der Nationalbank ausgezahlt und die Einnahmen aus der Frequenzauktion. Der Überschuss im Haushalt erreichte 5,9 Mrd. Zloty - das erste Mal seit den 90er Jahren. von Rafał Stelmaszewski

Löhne in Polen massiv gestiegen Der Durschnittslohn wuchs im Juni um 6% (Jahresvergleich) und erreichte ein neues Rekordniveau - verkündete das Statistische Hauptamt GUS.

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emäß der GUS-Aussendung zum Thema Löhne in Polen, erreichte der durchschnittliche Lohn im Unternehmenssektor im Monat Juni 4 508,08 Zloty. Dementsprechend verzeichnete man einen Anstieg um 6% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und 2,7% im Vergleich zum Vormonat. Neben dem Durchschnittsgehalt stieg auch die Beschäftigung bei den Unternehmen - informierten die Statistiker.

Die Arbeitslosenrate lag nach Schätzungen des Ministeriums für Arbeit, Familie und Soziales bei 7,2%. Im Vergleich zum Vormonat bedeutet das einen Rückgang um 0,2%. Das Juni-Ergebnis ist somit das beste in diesem Monat seit insgesamt 26 Jahren. von Rafał Stelmaszewski

Arbeitslosigkeit fällt auf Rekordtief Die Arbeitslosenrate erreichte im Juni in Polen ein neues Rekordergebnis. Laut den Schätzungen des Ministeriums für Familie, Arbeit und Soziales ging die Arbeitslosigkeit um 0,2% zurück im Vergleich zum Vormonat und erreichte 7,2%.

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och vor einem Jahr lag die Arbeitslosenrate an der Weichsel um 1,5% höher, also bei 8,5% - informierte das Ministerium. Das Juni-Ergebnis ist somit das beste

in diesem Monat seit insgesamt 26 Jahren. Die Zahl der Personen, die nach Arbeit suchten wurde auf 1,15 Mio.

beziffert und war um 49,3 Tsd. niedriger als im Mai (-4,9%). Die Arbeitslosenrate ist im Vergleich zum Vormonat laut dem Ressort von Ministerin Rafalska in allen Woi-


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wodschaften zurückgegangen, am stärksten in Lebus (-5,9%), Pommern (-5,2%) und Ermland-Masuren (-5,1%). Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist die Arbeitslosenquote um 17,2% gesunken. Umgerechnet suchten um 239,7 Tsd. Personen weniger nach Arbeit als es noch 2016 der Fall war. Gleichzeitig erreichte die Zahl der in den Arbeitsämtern gemeldeten Freistellen im Juni 2017 146,1 Tsd.

In zwei Woiwodschaften lag die Arbeitslosenrate im Juni über der 10%-Grenze - in Kujawien-Pommern (10,5%) sowie Ermland-Masuren (12,1%), wo die Arbeitslosigkeit die höchste im Lande sei. Mit der niedrigsten Arbeitslosenrate im Monat Juni kann sich dagegen Großpolen mit nur gerade mal 4,2% rühmen. von Anna Rosenthal


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Spitzenreiter bei der Schuhproduktion - eine Frage der Zeit?


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Polen könnte bereits in ein paar Jahren an der Spitze europäischer Schuhhersteller stehen.

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on Januar bis Mai haben Betriebe an der Weichsel 17,4 Millionen Paar Schuhe produziert. Aus den Daten des Hauptstatistikamtes (GUS) folgt, dass es 5% mehr als im letzten Jahr sind. Experten gehen davon aus, dass bei Beibehaltung dieser Dynamik in den nächsten Monaten, die Produktion auf 39 Millionen Paar steigen könnte, was ein Rekordergebnis seit dem Eintritt Polens in die EU im Jahr 2004 wäre. Marktkenner behaupten, dass die reale Produktion noch höher ist, denn die Daten, die von GUS vorgelegt wurden, beziehen sich nur auf Unternehmen, die über 50 Personen einstellen. Die Polnische Kammer der Lederindustrie (PIPS) schätzt, dass es in Polen über drei Tausend Schuhbetriebe gibt, dessen Mehrheit kleine Unternehmen sind. Einer der Gründe warum die Hersteller die Produktion im Heimatland konzentrieren, ist die größere Flexibilität und Sicherheit der Lieferungen. Im Fall der Chinaproduktion, wohin sich vor Jahren die polnische Produktion im Großteil verlagerte, dauert der Prozess länger. Nicht unerheblich ist der Zugang zu guter Qualität von Werkstoffen, hauptsächlich von Leder, das im Fernen Osten schwer zu finden ist. Aus den Schätzungen folgt, dass Polen Chancen hat, der viertgrößte Schuhhersteller in Europa zu werden. Von Rumänien, das zurzeit diesen Platz belegt, trennen die Polen ungefähr zwei Millionen Paar. von Paulina Kuc


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„Polen ist der drittgrößte Produzent von amerikanischen Heidelbeeren nach den USA und Kanada.”


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Powerfrüchte sind immer beliebter Die sog. Power Fruits zu denen auch Beerenobst also Erdbeeren, Himbeeren und Blaubeeren gehören, sind trotz der hohen Preise in Polen sehr populär. Durchschnittlich isst jeder Pole ungefähr 5,16 kg dieser Früchte im Jahr.

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olen ist ein wichtiger Player auf dem globalen und europäischen Beerenobstmarkt. Gleichzeitig ist Warschau und Co. der größte Produzent von konzentriertem Erdbeer-, Himbeer-, Johannisbeeren- und Apfelbeerensaft in der EU. „Nach Schätzungen des Instituts für Agrar- und Nahrungsmittelwirtschaft (IERiGŻ) wird die Beerenobsternte in Polen 2017 470 Tausend Tonnen erreichen, was 14% der Gesamtproduktion von Früchten entspricht. In dieser Kategorie belegen Erdbeeren den ersten Platz, es werden ungefähr 200 Tonnen jährlich davon produziert, also 35% der ganzen Beerenobsternte“ sagte Małgorzata Kowalewska, Expertin im Department für Wirtschafts-, Sektor- und landwirtschaftlichen Marktanalysen in der BGŻ BNP Paribas Bank. Die diesjährige Erdbeersaison war durch hohe Preise gezeichnet, als Konsequenz einer schlechteren Ernte. Aus den Daten des Ministeriums für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung folgt, dass die Preise der Erdbeeren Anfang Juni um bis zu 80-100 % höher waren als im Vorjahr. Polen ist auch größter Produzent schwarzer Johannisbeeren. An der Weichsel werden jährlich 120-125 Tausend Tonnen produziert. Die letzten drei Saisons waren nicht so gut für den Anbau, weil sich die Einträglichkeit der Produktion verrin-

gert hat. Im Juli dieses Jahres war der Preis im Ankauf fast zweimal höher, was wahrscheinlich auf eine kleinere Produktion zurückzuführen ist. Branchenverbände (KSPCP) schätzen, dass sie 2017 bis um die Hälfte kleiner sein wird. In Polen werden die schwarzen Johannisbeeren hauptsächlich verarbeitet, doch man kann sie immer öfter im Einzelhandel finden. In der andauernden Saison sind auch die Preise der roten Johannisbeere nach oben geschossen. Ein Kilo dieser Frucht kostet ca. 5,20 Zloty, also 10% mehr als im Vorjahr. Die Preisauswertung übriger Beerenfrüchte verdeutlicht, dass Himbeeren, die Mitte Juli 2017 zwischen 7 und 9 Zloty für ein Kilogramm gekostet haben, ungefähr 25% billiger sind als noch im Vorjahr. In den letzten zwei Saisons haben sich die Preise im Ankauf jedoch relativ hoch gehalten. Polen ist der drittgrößte Produzent von amerikanischen Heidelbeeren nach den USA und Kanada. Die aktuelle Saison fing mit relativ hohen Preisen beim Ankauf der Früchte an. Laut Notierungen von IERiGŻ, betrug der Preis von einem Kilogramm amerikanischer Heidelbeeren in der dritten Juni Woche 16 zł, also fast 30 % mehr als im Vorjahr. Wahrscheinlich ist dies mit der 10-30 % kleineren Produktion verbunden. von Paulina Kuc


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Polnisches Kraftwerk ist größter Umweltsünder Europas Aus dem Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA) folgt, dass die Kraftwerke in Belchatow und Koschnitz den ersten und vierten Platz im Ranking der größten Umweltsünder auf dem Alten Kontinent belegen.

D

ie EUA hat die Daten aus dem Jahr 2015 unter die Lupe genommen. Aus dem Bericht folgt, dass Kohlekraftwerke die größten Luftverschmutzter in Europa sind. Experten haben die Emission von Kohlendioxid, Schwefeldioxid und Stickoxid ausgewertet. Hier spielt das polnische Kraftwerk in Belchatow die erste Geige. Den vierten Platz belegte das Kraftwerk in Koschnitz. Zwischen den zwei polnischen Verschmutzern steht das britische Kraftwerk Drax und das deutsche Jänschwalde. Es wurden 35 Tausend Kraftwerke, Bergwerke, Fabriken und Hütten untersucht. Nicht nur in der EU, sondern auch in Island, Norwegen, Lichtenstein, der Schweiz und Serbien. Das Kraftwerk in Belchatow ist das größte seiner Art auf unserem Kontinent. 2015 setzte es 37 Millionen Tonnen Kohlendioxid frei, bei Koschnitz waren es 11,6 Millionen Tonnen. „Die Tatsache, dass sich polnische Kraftwerke an der Spitze größter Umweltsünder befindet ist sehr beunruhigend, gleichzeitig ist es jedoch keine Überraschung. Der Bericht von EUA bestätigt das, was schon länger klar war. Unsere Kohlenenergetik ist veraltet und

schädlich für die Gesundheit“, sagt die Spezialistin für Luftqualität bei HEAL Polska, Marlena Kropidłowska. Ähnliche Schlussfolgerungen folgen aus dem Bericht „Europas dunkele Wolke“ von Health and Environment Alliance (HEAL), Climate Action Network Europe (CAN), WWF und Sandbag, der dieses Jahr veröffentlicht wurden. Dort schätzte man, dass die Emission von Kohlendioxidenergetik für ungefähr 23 Tausend vorzeitige Tode in Europa verantwortlich ist. Gesundheitliche Kosten, die mit der Nachwirkung von dem Einatmen der verschmutzten Luft verbunden sind, betragen 62,3 Milliarden Euro. „Nach der Publikation solcher Berichte sollte bei den Regierenden ein Alarmlicht aufleuchten. Die Bindung an Kohle ist umso absurder, da mit der Zeit die Kosten, die mit den Aufenthaltsabgaben, der Berechtigung auf Emission und der Behandlung der Einwohner verbunden sind, immer höher werden und die Kohlenenergetik nicht mehr rentabel sein wird. Wir legen großen Wert auf Kohle, während die ganze Welt immer mehr in erneuerbare Energiequellen investiert. Wenn das so weiter läuft, wird Polen zu

einem Energetik-Freilichtmuseum,“ betont Kropidłowska. Sie zählt Großbritannien und Deutschland auf, deren Kraftwerksblöcke auch zwischen den Umweltsündern ganz oben stehen. Großbritannien plant jedoch bis 2025 alle zu schließen. Deutschland, das den größten Kohlendioxidausstoß in Europa hat, ist im Laufe des Umbaus der Energetik und wirbt stark für erneuerbare Energiequellen. Das Problem besteht also nicht nur in Polen, aber anderen Ländern ist man dem Problem bewusst und man sucht nach einer Lösung. „Niemand verlangt die Schließung des Kraftwerks in Koschnitz von Tag zu Tag. Es würde die Luftqualität verbessern und die Kohlendioxidemission verringern, aber gleichzeitig würde ein Fünftel der Polen ohne Strom bleiben. Es geht darum nicht neue Kraftwerke, die Nachgeborene vergiften werden zu bauen und solche Lösungen auszuarbeiten, die unsere Energetik effektiver, umwelt- und gesundheitsfreundlicher machen werden“, fasst Kropidłowska zusammen, zitiert von money.pl von Paulina Kuc


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Insolvenz kommt nicht unerwartet Zahlungsunfähigkeit ist nicht nur ein Problem für das insolvente Unternehmen, sondern auch für die Zulieferer und Kontrahenten - sagt der Vorstandsvorsitzende des Nationalen Schuldenregisters der Wirtschaftsauskunft. Wo gibt es die meisten Schuldner in Polen?

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wischen Juli 2016 und Ende Juli 2017 meldeten insgesamt 560 Unternehmen Konkurs in Polen - das geht aus einem gemeinsamen Bericht des Nationalen Schuldenregisters der Wirtschaftsauskunft (poln. Krajowy Rejestr Dlugow) und dem Unternehmen Rzetelna Firma hervor.

me des jeweiligen Unternehmens wird, desto schneller steigt die Zahl der Gläubiger, die gerne die Information teilen. Dann ist es auch schwieriger das Geld zurückzubekommen - erklärt Adam Łącki, Vorstandsvorsitzender des Nationalen Schuldenregisters der Wirtschaftsauskunft.

Laut dem Nationalen Schuldenregister wurden 40% der insolventen Unternehmen bereits 6 Monate vor dem Konkurs im Register notiert. Drei Monate vor dem finanziellen Zusammenbruch war bereits fast die Hälfte der später bankrotten Firmen als Schuldner markiert und der Schuldenstand überstieg 36 Mio. Zloty.

Unter Firmen, die vor der Konkursanmeldung ins Schuldnerregister aufgenommen wurden, dominieren Unternehmer aus Masowien (46), gefolgt von Schlesien (38), Kleinpolen (28) und Niederschlesien (26). Die wenigsten Schuldner kamen aus der Woiwodschaft Oppeln, Heiligkreuz (beide jeweils 3) und Lebus (4).

Zahlungsunfähigkeit ist nicht nur ein Problem für das insolvente Unternehmen, sondern auch für die Zulieferer und Kontrahenten. Die Verschuldungssummen, die im Nationalen Schuldenregister notiert werden schildern das Phänomen, aber nicht dessen Ausmaß. Viele Unternehmen offenbaren nicht fristgerechte und unbezahlte Rechnungen. Je lauter es über die Proble-

Aus Sicht der Branchen dominieren unter den Schuldnern die Industrie (63), der Großhandel und der Einzelhandel (60), sowie die Baubranche mit 54 verschuldeten Unternehmen. Diese drei Sektoren sind laut dem Nationalen Schuldenregister der Wirtschaftsauskunft für zweidrittel der insolventen Unternehmen verantwortlich. Unter allen Firmen, die von der Zahlungs-

unfähigkeit im Register vertreten waren, weisen die höchste Verschuldungsquote Firmen aus der Handelsbranche, Industrie sowie Finanzbranche auf - lesen wir in der offiziellen Aussendung. Mirosław Sędlak, der Geschäftsführer von Rzetelna Firma erklärt, dass man hier von einer Kettenreaktion sprechen kann. Ein Unternehmen zahlt einem anderen nicht und rechtfertigt sich, dass man selbst kein Geld erhalten hat. Das zweite Unternehmen kann aus diesem Grund seine Rechnungen auch nicht begleichen. Andere wissen wiederum, dass es solche Probleme in der Branche gibt und nutzen dies als Ausrede, um die eigene Tätigkeit auf Kosten des Kontrahenten zu finanzieren. So entstehen Misstrauen und Zahlungsblockaden. Es kommt vor, dass diese zur Insolvenz führen. Diese Phänomene, die wir in vielen Branchen beobachten, schaden leider der ganzen polnischen Wirtschaft - erklärt Sędlak. von Piotr Piela


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Autoindustrie fährt vor Obwohl eine polnische Automarke zurzeit eher mit Wunschdenken assoziiert wird, geht es der Automotivebranche an der Weichsel keinesfalls schlecht. Für den Aufschwung sorgen vor allem Hersteller von Komponenten oder Fahrzeugen, die nicht in die Kategorie Personenkraftwagen fallen. Diese Unternehmen handeln effizient auf globalen Märkten und sind Teil internationaler Wertschöpfungsketten in der Automotivbranche.

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ies geht aus dem Bericht der von Bank Zachodni WBK, Bisnode sowie der Polnischen Kammer für Motorisierung hervor. Laut den Autoren wird der Aufschwung, den die Branche gerade erlebt noch mindestens 5 Jahre aufrechterhalten. Die Auswertung TOP30 der Motorisierungsbranche zeigt, dass die Einnahmen der Unternehmen rapide steigen. Das durchschnittliche Jahreswachstum erreichte 14%. Unter die TOP30 der Automotivbranche in Polen, mit einer mehrheitlichen polnischen Beteiligung, fallen 21 Plätze auf Unternehmen, die Komponente und Teile herstellen. 3 Firmen aus dieser Gruppe produzieren wiederum Autobatterien. Der zweite Faktor, der die Branche nach oben treibt, sind Hersteller

von Fahrzeugen, die aber weder PKWs noch Lieferwagen produzieren. Es handelt sich hier um etwa Bushersteller oder Produzenten von Anhänger, Auflieger und Gestellen aber auch Hersteller von Sonderfahrzeugen. Die meisten Unternehmen aus der TOP30 sind in der Woiwodschaft Schlesien (8 Firmen) lokalisiert. Es folgen Großpolen mit 6, Karpatenvorland mit 5 und Masowien mit 4 Unternehmen. Nur zwei Branchenvertreter gibt es in Niederschlesien und jeweils einen in Lodz, Podlachien, Kleinpolen, Kujawien-Pommern sowie Heiligkreuz. Wenn man aber dies mit den Unternehmen mit ausländischer Beteiligung zusammenstellt, dann steht Schlesien (11) und Niederschlesien mit 8 Unternehmen aus der TOP30 an der Spitze.

Im Vergleich zur Vorjahresausgabe der Auswertung ist es im Ranking zu einigen Veränderungen gekommen. Zwar blieb die Spitzengruppe Boryszew, Solaris Bus&Coach, Wielton und Sanok Rubber Company unverändert, doch weiter wird es immer interessanter, denn 5 neue Unternehmen sind erstmals auch in der Zusammenstellung vertreten. Dazu zählen BOCAR, Bury, Ku Kuźnia Polska, SPLAST sowie Geyer & Hosaja. Neulinge im Ranking zusammen mit der ganzen zweiten Auflage sind ein Beweis dafür, dass der polnische Automotivsektor noch moderner und vielfältiger wird. Seine Spezialisierung ist noch stärker als es erscheinen mag - erklärt Wojciech Żuk von Bank Zachodni WBK. Die Autoren des Rankings weisen darauf hin, dass ungeachtet neuer Entwicklungsvisionen für die polni-


Wirtschaft 45 2015), aber die Dynamik erreichte neue Höchstwerte. Der durschnittliche Anstieg der Einnahmen unter Herstellen von Teilen und Komponenten belief sich auf +9%. Bei den Herstellern von Autobatterien war es sogar +20% und Firmen, die sich mit der Produktion von Anhängern, Aufliegern und Gestellen beschäftigen, konnten sich bei den Einnahmen um gar 16% steigen. Auf der anderen Seite sind die Gewinne der Bushersteller am schwächsten gewachsen (durchschnittlich um 4%). Auffällig sind die Einnahmen der Hersteller von Sonderfahrzeugen, die sich laut Wojciech Żuk verdoppelt haben. Laut den Analysen, die von Bisnode vorgenommen wurden, stehen finanziell 70% der Unternehmen, die sich mit der Herstellung von Bussen, Teilen und Zubehör befassen, gut und 55,4% davon sogar sehr gut dar. Ähnlich ist es auch bei Firmen die Anhänger, Auflieger und Gestelle produzieren. Die finanzielle Lage von 65% von ihnen beurteilte man mit gut oder sehr gut. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies ein hervorragendes Ergebnis und zugleich ein Beweis, dass die gesamte Autobranche ihre Position in der polnischen Wirtschaft festigt - so Tomasz Starzyk von Bisnode. sche Autoindustrie, die im öffentlichen Bereich diskutiert werden, in den kommenden Jahren sich weder die Spezialisierung noch die Wachstumsquelle, also der Export verändern werden. Gründe dafür gibt es einige, die Autoren der Studie erklären, dass der Aufbau einer starken Automarke zwar möglich sei, aber auch Zeit und massiver Investitionen bedinge. Deswegen werden die auf der Staatsebene geschmiedeten Pläne in der ersten Phase nur eine Bedeutung fürs Image haben. Aus der Sicht des Geschäfts und der Einnahmen, werden für die polnische Branche in den kommenden 5 Jahren Teile, Komponente, Zubehör, Ausstattungselemente oder Sonderfahrzeuge und Lösungen, die für den Export gedacht sind, auf der Liste stehen. Diese Spezialisierung könnte sich sogar festigen, weil erstens die Hersteller an der Weichsel sehr schnell und effizient ausländische Märkte erobern und zweitens wegen dem Binnenmarkt, der neue Möglichkeiten für die Unternehmen eröffnen könnte.

In den meisten Branchen ist der Binnenmarkt die Einführung zur Expansion im Ausland. In der Automobilbranche ist auch der umgekehrte Weg möglich. Durch neue Investitionen von ausländischen Konzernen in Polen, die neulich angelockt wurden und hoffentlich noch mehr angelockt werden, können polnische Unternehmen die bereits ins Ausland liefern, auch neue Chancen auf den Binnenmarkt gewinnen - erklärt Roman Kantorski. Der Vorsitzende der Polnischen Kammer für Motorisierung ist überzeugt, dass man einen polnischen PKW einzig und allein mit Hilfe von der meisterhaften Produktion von polnischen Teilen und Komponenten bauen kann. Das Geschäft läuft gut Die Gesamteinnahmen der Unternehmen, die im TOP30 Ranking berücksichtigt wurden, erreichten 9,6 Mrd. Zloty, also weniger als die Gewinne der größten Firmen mit ausländischem Kapital, wie etwa FCA Poland S.A. (14,3 Mrd. Zloty im Jahr 2016) und Volkswagen Poznań Sp. z o.o. (9,8 Mrd. Zloty im Jahr

Innovation fördert die Entwicklung Das größte Potenzial bringen laut den Experten von Bisnode innovative Lösungen. Sie kurbeln die polnische Automotivbranche an. Ultraleichte Fahrzeugantriebe oder innovative Komponente zusammen mit Systemen, die in den Fahrzeugen angewendet werden, aber auch Produktions- und Recyclingstechnologien sind nur einige von den Bereichen, in denen geforscht wird, um die Produktion zu optimalisieren. Unternehmen zeigen laut den Autoren der Studie auch großes Interesse an FuE-Programmen, wie etwa INNOMOTO. Roman Kantorski unterstrich jedoch, dass Polen als führender Exporteur von Erzeugnissen aus der Automobilindustrie auch ein Initiator von FuE-Lösungen sein könnte und diese effektiv umsetzen sollte. Es ist wichtig, dass alle Beteiligten Richtung Innovationen gehen, eine zweite Chance könnten wir nicht mehr bekommen - erklärt Kantorski. von Piotr Piela


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TCM Polska und Oerlikon Balzers: gemeinsam schafft man mehr Die Zusammenarbeit zwischen TCM International und Oerlikon Balzers geht viele Jahre zurück. Zahlreiche Projekte, die gemeinsam erfolgreich realisiert wurden und zufriedene Kunden sind ein eindeutiger Beweis dafür, dass eine gut abgestimmte Partnerschaft ein Erfolgsgarant ist.

S

owohl TCM als auch Oerlikon Balzers sind auf dem polnischen Markt präsent. Seit 1997 arbeiten die beiden Unternehmen zusammen, damals noch im österreichischen Stainz und heute auf der ganzen Welt. Das gemeinsame Polen-Projekt wurde initiiert von den Herren Manfred Kainz auf TCM-Seite und Toni Anghern von Balzers. „Wo TCM vertreten ist, da ist auch Oerlikon Balzers der Partner” - so Marek Danis, General Manager von Oerlikon Balzers Coating Poland. Seit 2003 gilt diese Partnerschaft für Polen, wobei sich die beiden Unternehmen hier sogar ein Gebäude teilen. “Ich kann mich noch erinnern, als Silvia Weider mich zum ersten Mal in die Produktionshalle führte, auf den Boden zeigte und sagte, dass hier

ab dieser gelben Linie Oerlikon Balzers kommen solle. Damals war es noch eine leere Halle, heute sieht es ganz anders aus” - erzählt Danis im Gespräch mit PolenJournal.de.

wir in der Lage, die gemeinsamen Prozesse schnell zu optimieren” - erklärt Erich Fercher, der Managing Director von TCM Polska Tool Consulting & Management.

Eine dünne Wand trennt heute die Produktionsstätten von TCM und Oerlikon. Eine Tür und ein großes Tor in dieser Wand ist das Erste, was ins Auge fällt und was die Firmen verbindet. Die Zusammenarbeit geht jedoch über die gemeinsame Nutzung des Gebäudes hinaus und trägt nicht nur für die Beteiligten, sondern auch für die Kunden Früchte. „Der Beginn war für uns und für unseren Partner leichter, weil wir uns gleich bei den ersten Lieferungen etwa an den VW-Betrieb hier in Polkwitz, gut ergänzen konnten. Dadurch waren

Die Zusammenarbeit mit dem deutschen Autobauer, der nur wenige Meter von TCM und Oerlikon entfernt Motoren produziert, war der Anfang einer erfolgreichen Zeit. „Es war mit VW eine gleichmäßige Entwicklung, wir sind mit dem Kunden mitgewachsen. Aber man hat auch gewusst, dass es auf Dauer sinnvoll ist, weitere Kunden zu betreuen. Diese wurden sukzessive aufgebaut” - so Erich Fercher. „Das hat auch dazu geführt, dass wir aktuell in Polen vier Standorte betreiben” - fügt er hinzu. Diese Entwicklung hat Oerlikon Balzers


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Erich Fercher (links) mit Marek Danis (rechts)

mitgemacht. “Wir haben mit einem Kunden in Polen begonnen. Mittlerweile sind es über 1.000” erklärt Marek Danis. Dies zeugt auch davon, dass der polnische Markt sehr aufnahmefähig ist und man mit den angebotenen Dienstleistungen auf einen fruchtbaren Boden gestoßen ist. „Um Unternehmenswachstum zu generieren, muss man stets neue Lösungen entwickeln und offen sein für Innovationen. Die Erwartungen der Kunden müssen erfüllt, wenn möglich übertroffen werden. Wir bieten diese Lösungen im Bereich des Tool Managements” - so Erich Fercher. „Mit unseren Produkten stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden. Besoders am dynamischen polnischen Markt haben die Unternehmen erkannt, dass Innovation und Prozessoptimierung wesentliche Erfolgsfaktoren sind.“ Vor allem das Kompetenzzentrum

lässt die Kunden an die Tür von TCM und Oerlikon klopfen. Was genau steckt dahinter? „Grundsätzlich sehen wir uns als Technologiepartner unserer Kunden. Wir verkaufen nicht nur ein Werkzeug, sondern bieten umfassende Betreuung über den gesamten Werkzeugprozess von Beschaffung, Produktion, Lagerung und Information. Der große Vorteil ist, dass wir von anderen Herstellern unabhängig sind. Der Kunde kann sich bei uns darauf verlassen, dass er das optimale Werkzeug für seinen Einsatzbereich erhält. Wir sind nicht an einen einzelnen Produzenten gebunden, sondern können aus den neuesten Entwicklungen das beste Angebot wählen, davon profitieren unsere Kunden. Außerdem produzieren wir Werkzeuge auch selbst. Unsere Engineering-Spezialisten entwickeln mit dem Kunden gemeinsam ein passendes Tool, wenn es die Aufgabenstellung erfordert“ erläutert Fercher. „Der große Pluspunkt unseres Kompe-

tenzzentrums ist natürlich auch, dass wir mit Oerlikon Balzers am selben Standort arbeiten. Ob eine Bearbeitung am Werkzeug selbst (Nachschleifen, Reparatur) oder bei der Beschichtung erforderlich ist: sie passiert in einem Haus! Der Zeitgewinn für den Kunden ist enorm, die Abwicklung einfach. Alles unter einem Dach - bis hin zu gemeinsamen Schulungen und Trainings - das ist unser Konzept des Kompetenzzentrums.” Den Preisfaktor kann man in dieser Hinsicht nicht außer Acht lassen, denn jedes Unternehmen strebt nach Kostenoptimierung. „Heutzutage wollen alle z.B. in der Automotivebranche schneller, effizienter und billiger produzieren. Ein Unternehmen kann durch die Optimierung der Werkzeugprozesse die Kosten bis zu 25% senken” - so der Manager von Oerlikon. Eine Veränderung der Kundeneinstellung bemerkt Erich Fercher: „Es


Wirtschaft 49 ist sehr interessant, wenn dem Käufer bewusst wird, dass es eigentlich nicht nur um den Werkzeugpreis geht, sondern um die gesamten Prozesskosten. Es ist nicht entscheidend, was das einzelne Werkzeug kostet, sondern wie lange es hält, wie oft man es nachschleifen kann, wie rasch es nachbeschafft werden kann und ob es rechtzeitig ausgetauscht wird. Nach einer solchen Analyse ist der Kunde oft sehr erstaunt, das sind dann die Aha-Erlebnisse. Wir haben damit schon viele Kunden begeistern können” erklärt Fercher. Doch die gemeinsame Kompetenz, die Zuspruch u.a. auch in Deutschland, Österreich oder China findet, ist nicht der einzige Faktor, der die Kunden anspricht. Denn einen Teil des Konzeptes bilden auch Schulungen und Trainings, die den Mitarbeitern von Oerlikon Balzers und TCM, wie auch Kunden und deren Belegschaft angeboten werden. „Schulung ist ein ganz wesentliches Thema in allen Branchen. Unsere 63 Mitarbeiter hier in Polen haben die Fachkompetenz und die technische Erfahrung. Das Spezialwissen, das unsere Mitarbeiter beherrschen, ist ein wesentlicher Teil unseres Erfolgs. Ich bin sogar fest davon

überzeugt, dass wir auch dadurch eine gute Qualität abliefern und bei unseren Kunden einen guten Ruf haben” - meint Erich Fercher. “Die Schulungen der Mitarbeiter und der Kunden sind wesentliche Faktoren in der Prozessentwicklung. Insofern bekommt der Auftraggeber alles aus einer Hand geliefert” - so der Direktor von TCM. Bei einer so breiten und flexiblen Palette von Dienstleistungen dürfte es niemanden wundern, dass Aufträge Seitens vieler verschiedener Branchen bei Oerlikon und TCM eingehen. „Zu den größten Aufraggebern zählt sowohl direkt als auch indirekt die Automotivebranche. Wir arbeiten auch mit Betrieben aus anderen Industriebereichen wie etwa mit Produzenten von Haushaltsgeräten zusammen. Polen ist bekannterweise der Spitzenreiter in dieser Hinsicht. Die Nachfrage ist auch im Bereich der Kunststoffindustrie sehr groß” - bestätigt Marek Danis. Die enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen, die von Erich Fercher und Marek Danis vertreten werden, reicht sogar bis zu gemeinsam absolvierten Kundenbesuchen. Nun haben die Unternehmen ein gemeinsa-

mes Ziel vor Augen: weiter wachsen und neue Aufträge gewinnen. Die beiden Manager machen daraus kein großes Geheimnis, dass ihre Unternehmen auch Interesse an dem neu entstehenden Motorenwerk in Jauer zeigen. „Jeder Produktionsbetrieb, der neu nach Polen kommt, ist ein potenzieller Kunde für uns, aber auf der anderen Seite geht es für uns nicht nur um die ausländischen Firmen die hierherkommen. Das zeugt nur davon, dass Polen nach wie vor ein unheimlich dynamischer Markt ist. Ein Wachstumsmarkt, wie es in der EU nicht viele gibt und der noch weiteres Potenzial birgt. Mit einer schlanken Organisation und ausgeprägter Kundenorientierung werden wir das Wachstum weiter treiben. Der Service, der vom Kompetenzzentrum TCM Polska und Oerlikon Balzers angeboten wird, passt sowohl für kleine als auch für große Firmen, für polnische Unternehmen und für solche, die noch aus dem Ausland nach Polen kommen werden” so Fercher abschließend. von Piotr Piela


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Arrinera Hussarya GT3 / Foto: Pressematerialien

Arrinera wieder beim Goodwood Festival of Speed 2017 wurde Arrinera wieder zu einer der renommiertesten Motorsportveranstaltung der Welt eingeladen.

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ber 200 Tausend Motosportfans aus der ganzen Welt kommen jährlich zur Liegenschaft des Lords von March. Nicht nur die neusten Superwagen, aber auch Oldtimer, die zur Entwicklung der Technik und Motorsporten beitragen, werden hier gezeigt. Am berühmten Bergrennen, das über eine Meile lang ist, kann man die Fahrzeuge live miterleben. Auch in diesem Jahr war der polnische Sportwagen Arrinera GT mit dabei. Zuvor nahm der polnische Ferrari auch schon an dem Rennen der Serie DMV GTC an der Rennbahn Hockenheimring in Deutschland teil. Die Arrinera Hussarya GT3 steuerten der legendäre Schotte Anthony Reid und der Pole Piotr Frankowski, der erste polnische Teilnehmer des Rennens in Le Mans. Final belegte

das Team den vierten Platz mit der phänomenalen Zeit 48:28. Die Farbe des Fahrzeuges knüpft an die Grafen Eliot und Louis Zborowski, die eine sehr große Rolle in der Entwicklung des britischen Motorsports in dessen Pionierzeit spielten. Eliot Zborowski, in New Jersey geboren, war ein hervorragender Pferdereiter, später wurden Autos zu seiner Leidenschaft. Im Jahr 1903 wollte er die Farbe Grün zur nationalen Farbe Großbritanniens im Motorsport machen. Der Farbton des irischen Kleeblattes ist heute international als British Racing Green berühmt. Eliot Zborowski starb im selben Jahr während des Rennens La Turbie in Frankreich.

Sein Sohn, Graf Louis Zborowski teilte die Leidenschaft seines Vaters. Er war Schöpfer von zwei Autos, die „Chitty Bang Bang“ genannt wurden und mit denen er am Rennen in Brooklands teilgenommen hat. Er starb 1924 im Monza während eines Rennen in Italien. von Paulina Kuc

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Wirtschaft 51

Virtuelle Seereise durch Polen Die Weichsel soll der erste europäische Fluss werden, auf dem man im Google Street View reisen kann.

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uf einem Boot auf der Weichsel kann man ein merkwürdiges grünes Ding bemerken, es ist eine Apparatur von Google, die eine Panoramaaufnahme machen soll. Denn die Königin der polnischen Flüsse, wird bald im Street View zu betrachten sein. Es ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von WWF und Google. „Wir haben Google geschrieben, mit der Bitte ihren Tracker zu nutzen. Sie waren gleich, ohne lange nachzudenken, einverstanden. Sie

schickten eine konfigurierte Ausrüstung mit einem Programm und einer Bedienungsanleitung“ sagt Sebastian Kobus von WWF Polska. Der WWF will so die Pflanzen- und Tierwelt um den polnischen Fluss verewigen. Es wird im Rahmen des Jahres der Weichsel gemacht und ist eine Reaktion auf Pläne, die Strömung zu vereinheitlichen und Schiffsfahrten wiederherzustellen. Das könnte die Weichsel bis zur Unkenntlichkeit ändern.

Es werden jedoch nur ausgewählte Strecken fotografiert und auch nicht der ganze Fluss. Bereits in ein paar Wochen werden erste Effekte zu sehen sein. In den USA hat man bereits so ein Projekt durchgeführt, so kann man den Fluss Colorado im Internet betrachten. von Paulina Kuc

Rutger Hauer wird Hauptprotagonist bei Observer Nach einigen Verspätungen hat das Krakauer Studio Bloober Team das Datum der Premiere des Cyberpunk Horrorspiels Observer bekannt gegeben.

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as Ergebnis der Arbeit des Studios soll am 15. August veröffentlicht werden, an diesem Tag wird das Spiel an drei Plattformen erhältlich sein – PC, Xbox One und Playstation. Man hat außerdem bekannt gegeben, dass Rutger Hauer, der u.a. in „Blade Runner“ gespielt hat, die Hauptfigur, Daniel Lazarski, verkörpern wird. „Es lag und sehr viel daran, das Cyberpunkklima glaubwürdig zu gestalten. Ich freu mich ungeheuer, dass es uns gelungen ist eine Zusammenarbeit mit Rutger zu starten, umso mehr, weil er sich an der Arbeit an diesem Projekt sehr engagiert hat“ erklärt Piotr Babieno, Vorsitzender des Bloober Teams. Die Spielhandlung findet in Polen,

im Jahr 2084 statt. In der futuristischen Version des an der Weichsel liegenden Landes herrscht die Korporation Chiron, die nach der absoluten Kontrolle der Bewohner des Landes strebt. Daniel Lazarski ist Mitglied einer Regierungseinheit, deren Agenten die Erinnerungen anderer Menschen durchschauen können. Der Hauptprotagonist versucht seinen verschollenen Sohn zu finden. Die Schöpfer der Produktion wollen das Spiel an der Comic - Con International in San Diego vorstellen. Am Stand der amerikanisch – kanadischen Filmgesellschaft Lionsgate wird Observer dann gezeigt. Nicht ausgeschlossen, dass die Autoren ein neues Fragment des Spiels zeigen werden.

In der Besetzung ist auch ein bekannter polnischer Schauspieler - Arkadiusz Jakubik zu finden, der schon in „Das Böse Haus“, „Verkehrspolizei“ und „Du bist Gott“ spielte. Er schlüpft in die Rolle eines Hauswarts eines Miethauses. von Rafa Stelmaszewski QR-Code scannen und das Video ansehen:


52  #Ratgeber

Gewerbetätigkeit in Polen: Mögliche Formen der Ausübung einer Gewerbetätigkeit in Polen Zum Autor: Adam Intek besitzt eine fünfjährige Berufserfahrung im Bereich der ganzheitlichen Rechtsberatung von polnischen und deutschen Unternehmen, die er in einer der führenden deutschen Anwaltskanzleien mit globaler Aufstellung gesammelt hat. Er führt eine Rechtsanwaltskanzlei mit Sitz in Posen, die sich vor allem mit der Unterstützung von polnischen und ausländischen Klein- und Mittelunternehmen befasst. www.ika-legal.com

Seit Jahren ist Polen ein wichtiger Handelspartner Deutschlands. Gemäß Angaben des deutschen Statistischen Bundesamtes, stellt der Handelsaustausch zwischen Deutschland und Polen ca. 1/4 des gesamten östlichen Handelsverkehrs dar. Deutschland ist aktuell der wichtigste Handelspartner Polens und im Jahr 2016 hat der Anteil Deutschlands am gesamten polnischen Import eine Rekordhöhe von 23,4% erreicht. Dieser Trend sollte in den kommenden Jahren weiterhin zunehmen. Deutsche Waren und Dienstleistungen werden in Polen seit Jahren mit hochwertigen Produkten assoziiert. Gleichzeitig hat sich in Polen der Arbeitnehmermarkt stark weiterentwickelt. Aktuell gibt es in Polen viele qualifizierte Fachkräfte, die gleichzeitig immer öfter Fremdsprachen kennen (vor allem Englisch und Deutsch), wobei die Arbeitskosten immer noch relativ niedrig sind. Hinzu kommen Sonderwirtschaftszonen und staatliche Zuschüsse, die bewirken, dass Polen ein sehr interessantes Investitionsziel für deutsche Unternehmen ist. Ein Guide durch die Gewerbstätigkeit in Polen. Viele der Unternehmen, die auf dem polnischen Markt aktiv tätig werden wollen, stehen früher oder später vor der brennenden Frage: „Welche Form der Gewerbetätigkeit ist die günstigste für mein Unternehmen?“ Auf diese Frage gibt es natürlich keine einfache Antwort oder Faustregel, die in Bezug auf jedes Unternehmen Anwendung finden würde. Die optimale Form hängt u.a. von der Art der ausgeübten Gewerbetätigkeit und der Rechtsform des Mutterunternehmens ab. Wichtig ist auch das Ziel, in dem die Gewerbetätigkeit in Polen aufgebaut werden soll. Oft wird es möglich sein Dienstleistungen und Waren in Polen direkt anzubieten, ohne die Notwendigkeit ein polnisches Tochterunternehmen aufzubauen. Aus diesem Grund ist es wichtig die verschiedenen möglichen Rechtsformen und die eventuellen Konsequenzen der Ausübung einer Gewerbetätigkeit in Polen kennen zu lernen, um eine bewusste Entscheidung zu treffen.

Formen der Ausübung einer Gewerbetätigkeit in Polen Eine Gewerbetätigkeit kann in Polen grundsätzlich in Form einer Einzelfirma (persönliche Geschäftstätigkeit) oder einer Gesellschaft geführt werden. In Polen wird zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften unterschieden. Zu Personengesellschaften gehören: die offene Handelsgesellschaft, die Partnerschaftsgesellschaft, die Kommanditgesellschaft und die Kommanditgesellschaft auf Aktien (manchmal wird auch die Gesellschaft bürgerlichen Rechts zu den Personengesellschaften dazugerechnet). Zu Kapitalgesellschaften gehören in Polen die Gesellschaft mit beschränkter Haftung und die Aktiengesellschaft. Darüber hinaus können Gesellschaften mit beschränkter Haftung mit Sitz Zweigniederlassungen oder Vertretungen auf dem Gebiet der Republik Polen bilden.

im

Ausland


#Ratgeber 53 Einzelfirma Die einfachste und immer noch am meisten verbreitete Form der Gewerbetätigkeit in Polen ist die Einzelfirma. Bei der Einzelfirma ist der Eigentümer – die natürliche Person - Rechtsträger sämtlicher Pflichten und Rechte. Die Einzelfirma kann sehr schnell und unkompliziert eingerichtet werden. Es bedarf lediglich der Registrierung im Zentralen Unternehmensregister. Die Einzelfirma besitzt kein Eigenkapital. Bei der Einzelfirma wird der Unternehmer – die natürliche Person – mit der Einkommenssteuer belastet. Unter Umständen kann eine Einzelfirma auch Steuerzahler der Mehrwertsteuer sein. Die Buchhaltung einer Einzelfirma kann oft in vereinfachter Form geführt werden. Der Eigentümer der Einzelfirma haften mit seinem gesamten Vermögen für die Verbindlichkeiten der Einzelfirma. Somit ist diese Rechtsform bei einem Größeren Geschäftsvolumen nicht ratsam. Die Einzelfirma eignet sich sehr gut für Kleinunternehmen, bei einem größeren Geschäftsvolumen ist jedoch vor allem im Hinblick auf die persönliche Haftung des Eigentümers, eine andere Rechtsform ratsam.

Personengesellschaften Personengesellschaften werden in Polen immer öfter als Rechtsform zur Führung einer Gewerbetätigkeit gewählt, obwohl Kapitalgesellschaften weiterhin Vorrang haben. Aus den Personengesellschaften ist die Kommanditgesellschaft die am meisten verbreitete Rechtsform. Personengesellschaften sind nach polnischem Recht weder natürliche noch rechtliche Personen, sie besitzen jedoch eine Rechtsträgerschaft. Dies bedeutet, dass sie Träger von Pflichten und Rechten sein können. Die Einrichtung einer Personengesellschaft bedarf u.a. des Abschlusses eines Vertrages vor einem Notar und der Registrierung im Handelsregister, welches von einem entsprechenden Registergericht geführt wird. Personengesellschaften verfügen in der Regel über eigenes Kapital, dass sich grundsätzlich aus Einlagen der Gesellschafter und durch die Gesellschaft erworbenem Gut zusammensetzt. Personengesellschaften sind keine Steuerzahler im Sinne der Einkommenssteuer. Die Besteuerung mit der Einkommenssteuer erfolgt direkt bei den Gesellschaftern. Personengesellschaften können unter Umständen Steuerzahler der Mehrwertsteuer sein, was die Notwendigkeit der Registrierung zur Mehrwertsteuer mit sich ziehen kann. Grundsätzlich sind alle Gesellschafter einer Personengesellschaft zur Vertretung der Gesellschaft berechtigt. Die Personengesellschaft ist Rechtsträger und verfügt über Eigenkapital. Aus diesem Grund haftet die Gesellschaft für eigene Verbindlichkeiten. In der Regel haften die Gesellschafter einer Personengesellschaft gesamtschuldnerisch für Verbindlichkeiten der Personengesellschaft mit Ihrem gesamten Vermögen (eine Ausnahme ist z.B. ein Kommanditist einer Kommanditgesellschaft, der lediglich zur Höhe der eingebrachten Kommanditsumme haftet). Vorteil einer Personengesellschaft ist vor allem die Tatsache, dass die Gesellschaft Rechtsträger von Pflichten und Rechten ist und über eigenes Kapital verfügt. Hinzu kommt die direkte Besteuerung von Gesellschafter mit der Einkommenssteuer, was eine Doppelbesteuerung vermeiden lässt (einmal der Gesellschaft und einmal der Gesellschafter bei Ausschüttung von Dividenden). Ein wesentlicher Nachteil ist jedoch die persönliche gesamtschuldnerische Haftung der Gesellschafter für Schulden der Gesellschaft. Dies kann jedoch durch eine entsprechende Gestaltung der Gewerbetätigkeit reduziert werden.

Kapitalgesellschaften Kapitalgesellschaften sind weiterhin die am öftesten gewählten Gesellschaftsarten in Polen, darunter ist die Gesellschaft mit beschränkter Haftung die am meisten verbreitete Rechtsform. Kapitalgesellschaften sind nach polnischem Recht rechtliche Personen und sind somit Träger von sämtlichen Pflichten und Rechten. Die Einrichtung einer Kapitalgesellschaft bedarf u.a. des Abschlusses eines Vertrages und der Registrierung im Handelsregister, dass durch das entsprechende Registergericht geführt wird. Kapitalgesellschaften verfügen über eigenes Kapital, dass sich grundsätzlich aus Einlagen der Gesellschafter und durch die Gesellschaft erworbenem Gut zusammensetzt. Sowohl Kapitalgesellschaften, wie auch deren Gesellschafter sind grundsätzlich Steuerzahler im Sinne der Einkommenssteuer. Dies bedeutet, dass einerseits das Einkommen einer Kapitalgesellschaft mit einer Einkommenssteuer belastet wird und andererseits, sofern anschließend Auszahlungen (Dividenden) an die Gesellschafter ausgezahlt werden, die Auszahlungen als Einkommen der Gesellschafter, zusätzlich mit einer Einkommenssteuer belastet werden.


54  #Ratgeber Kapitalgesellschaften können unter Umständen Steuerzahler der Mehrwertsteuer sein, was die Notwendigkeit der Registrierung zur Mehrwertsteuer mit sich ziehen kann. Kapitalgesellschaften werden grundsätzlich von Geschäftsführern und Prokuristen vertreten. Kapitalgesellschaften haften mit ihrem gesamten Vermögen für Verbindlichkeiten. Gesellschafter haften lediglich bis zur Höhe der eingebrachten Einlagen. Unter Umständen können auch Geschäftsführer einer Gesellschaft mit ihrem Privatvermögen für Schulden der Gesellschaft haften. Kapitalgesellschaften sind rechtliche Personen, die über Eigenkapital verfügen und somit die Gesellschafter von einer eventuellen Haftung für Verbindlichkeiten befreien. Dies führt jedoch dazu, dass alles, was die Gesellschaft erwirbt Eigentum der Gesellschaft ist (und nicht der Gesellschafter). Eine eventuelle spätere Ausschüttung von Gewinnen an Gesellschafter wird zusätzlich mit einer Einkommenssteuer belastet, was bei Personengesellschaften nicht der Fall ist.

Zweigniederlassung / Vertretung Gesellschaften mit beschränkter Haftung mit Sitz im Ausland können Zweigniederlassungen oder Vertretungen auf dem Gebiet der Republik Polen bilden. Bei der Zweigniederlassung und der Vertretung handelt es sich jedoch um sehr eingeschränkte Rechtsformen. Die Vertretung einer Gesellschaft kann lediglich Werbetätigkeit für die ausländische Gesellschaft leisten. Im Fall einer Zweigniederlassung wird der Umfang der Gewerbetätigkeit durch den Gesellschaftsvertrag der ausländischen Gesellschaft bestimmt (eine Zweigniederlassung kann keine Tätigkeiten ausüben, die nicht im Gesellschaftsvertrag der ausländischen Gesellschaft aufgeführt worden sind). Wichtig ist hierbei, dass die Zweigniederlassung keine Rechtsgeschäfte im eigenen Namen abschließen kann. Parteien aller eventuellen Rechtsgeschäfte ist immer die ausländische Gesellschaft, die auch direkt für eventuelle Verbindlichkeiten haftet. Sowohl eine Zweigniederlassung, wie auch eine Vertretung, muss bei entsprechenden Behörden registriert werden. Eine Zweigniederlassung ist also vor allem eine Alternative für Unternehmer, die ihre Leistungen und Waren zwar direkt in Polen anbieten möchten (und nicht durch ein Tochterunternehmen), jedoch gleichzeitig eine Präsenz im Land haben wollen.

Schlusswort Die Ausübung einer Gewerbetätigkeit in Polen kann in verschiedenen Formen erfolgen. Die Wahl der günstigsten Rechtsform muss immer unter Berücksichtigung individueller Ziele und Eigenschaften des Unternehmens erfolgen, wobei immer ein Kompromiss zwischen der Haftung, Besteuerung und der Organisationsstruktur gefunden werden muss.


#Ratgeber 55

Zivilprozess in Polen – wie verklagt man einen Schuldner? Zum Autor: Aleksander Giehsmann, in Polen als Rechtsanwalt zugelassen. Er führt eine Rechtsanwaltskanzlei mit Sitz in Wrocław und Kędzierzyn-Koźle, die kleine und mittlere Unternehmen bei der Unternehmensführung rechtlich begleitet. www.adwokat-agk.pl

Jeder der Geschäfte abschließt soll sich bewusst sein, dass manchmal, obwohl alles vertragsgemäß erfüllt wurde, ein Geschäftspartner für die erbrachte Leistung nicht bezahlen will. Solche Zahlungsstockungen seitens Kontrahenten können sich sehr negativ auf die Liquidität und ferner auf die gesamte Finanzlage jedes Unternehmens auswirken. In solchen Fällen bleibt meistens nur noch der Gerichtsweg übrig, der die Einholung der ausstehenden Forderungen ermöglicht. Aus den oben genannten Gründen ist es gut zu wissen, wie der polnische Zivilprozess verläuft und wie man auf diesem Wege ein vollstreckbares Urteil bekommen kann.

Erst außergerichtliche Maßnahmen Wenn sich ein Schuldner nur einen Tag mit der Zahlung einer Forderung verspätet, sollte man nicht sofort eine Klageschrift beim Gericht einreichen. Zuerst sollte dem Schuldner eine außergerichtliche Zahlungsaufforderung geschickt werden, die eine genaue Zahlungsfrist enthält, z.B. von 7 oder 14 Tagen. Solche Zahlungsaufforderungen sollten dem Schuldner ermöglichen, seiner Zahlungspflicht nachzukommen. Erst wenn die bestimmte Frist versäumt wird, kann man sich vernünftig für den Gerichtsweg entscheiden. Die Ausnahme hierzu ist, wenn man schon Informationen hat, aus denen hervorgeht, dass die Zahlungsaufforderung erfolglos bleiben wird oder es sich nicht mehr lohnt auf die Zahlung des Schuldners zu warten (der Schuldner bestreitet seine Haftung, zahlt auch den anderen Gläubiger nicht, verkauft sein Vermögen usw.). Bemerkenswert, man kann im Falle einer Streitigkeit zwischen zwei Unternehmern bereits bei der Erstellung der Zahlungsaufforderung dem Schuldner einen Betrag in Höhe von 40 Euro auferlegen, der als eine pauschale Rückerstattung der Kosten der Einholung der Forderung gilt. Die Vornahme von außergerichtlichen Maßnahmen ist nicht obligatorisch. Sollte jedoch dem Schuldner keine Möglichkeit gegeben werden, die Zahlung freiwillig zu machen, kann dies in einer für den Gläubiger nachteiligen Entscheidung über Kosten des späteren Prozesses Widerspiegelung finden.

Klageschrift Wenn sich die Zahlungsaufforderung als erfolglos erweist, ist das gerichtliche Verfahren einzuleiten. Das Verfahren beginnt mit der Einreichung einer Klageschrift, die den gesetzlichen Erfordernissen eines Prozessschriftsatzes sowie weiteren gesetzlichen Erfordernissen entsprechen muss. Die Klageschrift soll mindestens folgende Elemente enthalten: • die Bezeichnung des Gerichtes, • die Namen und Adressen der Parteien samt Steuernummer oder Handelsregisternummer des Klägers, • einen genau bestimmten Klageantrag des Klägers samt Begründung und Beweismittel zur Stützung der dargestellten Umstände, • die Unterschrift des Klägers, • sowie eine Auflistung aller Anlagen.


56  #Ratgeber Die Klageschrift soll auch eine Information beinhalten, ob die Parteien versucht haben den Streit vorgerichtlich beizulegen, z.B. im Wege der Zusendung einer außergerichtlichen Zahlungsaufforderung. Man muss auch Abschriften der Klageschrift samt aller Anlagen für jeden Beklagten einreichen. Eine Klageschrift, deren Streitgegenstand nicht mehr als 10 000 Zloty beträgt, muss auf einem Formular verfasst werden. Bei anderen Klageschriften kann man das Formular ebenfalls benutzen. Solch ein Formular kann aus der Internetseite des polnischen Justizministeriums heruntergeladen werden. Hierzu ist auch zu beachten, dass die Klageschrift in der polnischen Sprache verfasst werden muss. Ein solcher Sprachenzwang gilt nicht für sonstige Unterlagen, die man dem Gericht vorlegt. Diese müssen nur auf Anfrage des Gerichts übersetzt werden. In den meisten Fällen verlangt jedoch das Gericht solche Übersetzungen, darum lohnt es sich, alle Unterlagen schon vorher übersetzen zu lassen und die Übersetzungen der Klageschrift beizulegen. Eine Klageschrift gegen einen Schuldner kann jeder verfassen und beim Gericht einreichen. Einen Anwaltszwang gibt es bei der Einreichung von Klagen nicht. In der Praxis lohnt es sich jedoch, schon mit der Erstellung der Klageschrift einen Anwalt zu beauftragen. Die Anwaltshilfe ermöglicht die Sache schneller und effektiver durchzuführen und verlangt von dem Kläger nicht, dass er sich mit dem ganzen polnischen Rechtssystem vertraut macht. Die Einreichung der Klageschrift bedarf auch der Zahlung einer Gerichtsgebühr, die in den meisten Fällen 5% des Streitgegenstandes beträgt. Wenn der Beklagte unterliegt, soll er dem Kläger die Gebühr sowie andere Kosten zurückerstatten. Grundsätzlich ist für die Klageschrift das Gericht des Sitzes des Beklagten zuständig. Man muss aber wissen, dass wenn die Streitigkeit zwei Unternehmer belangt, dann ist für den Fall eine Wirtschaftsabteilung zuständig. Solche Abteilungen befinden sich nicht in allen Gerichten.

Der Prozess Erweist die Klageschrift keine formalen Mängel, ist der Anspruch offensichtlich begründet und die vorgetragenen Umstände rufen keine Zweifel hervor, so kann das Gericht einen Mahnbescheid gegen den Beklagten erlassen. Der Beklagte hat zwei Wochen um den Mahnbescheid anzufechten. Diese Frist kann nicht verlängert werden. Wird gegen den Mahnbescheid nicht geklagt, so hat dieser dieselbe Rechtskraft wie ein rechtskräftiges Urteil und ermöglicht die Einleitung einer Zwangsvollstreckung. Wenn der Mahnbescheid wirksam angefochten wird oder das Gericht gar keinen Mahnbescheid erlässt, so wird der erste Verhandlungstermin gesetzt. Dem Beklagten wird auch die Möglichkeit gegeben die Klage zu erwidern. Eine Verhandlung beginnt meistens damit, dass das Gericht die Parteien befragt, ob es für sie möglich wäre sich zu einigen und einen Vergleich abzuschließen. Wenn dies nicht der Fall ist, dann wird über die von den Parteien angebotenen Beweise entschieden. Das Gericht gibt alle Beweise statt, die zur Klärung des Streites dienen können. Generell können die Beweise während des ganzen Prozesses angeboten und zugelassen werden. Das Gericht kann jedoch Beweise zurückweisen, wenn sie nicht in einer von dem Gericht genau bestimmten Frist zur Vorlage von Beweisen angeboten werden oder nur der Verzögerung des Verfahrens dienen. Insbesondere lohnt es sich für Kläger aus dem Ausland zu wissen, dass sie entweder in ihrem Heimatland oder vor dem Gericht in Polen vernommen werden können. Wenn eine Partei oder ein Zeuge die polnische Sprache nicht beherrscht, findet die Vernehmung mit Hilfe eines Dolmetschers stand. Um die Kosten zu senken, kann man verlangen, dass die Vernehmung durch ein ausländisches Gericht vorgenommen wird. Leider entscheiden sich nicht alle polnischen Richter für eine solche Vorgehensweise, sehr viele bevorzugen die Parteien und Zeugen persönlich zu vernehmen. Bezugnehmend auf das Obige muss man auch erwähnen, dass die Vernehmung der Zeugen und der Parteien nur selten im ersten Verhandlungstermin erfolgt. In den meisten Fällen muss man von mindestens zwei bis drei Gerichtsverhandlungen ausgehen.

Das Urteil Nachdem sich das Gericht mit dem ganzen Beweismaterial vertraut macht, fällt es das Urteil. Jede Partei hat die Möglichkeit, das für sie nachteilige Urteil mit einer Berufung anzufechten, denn der Instanzenzug ist in Polen zweistufig.


#Ratgeber 57 Die Berufung soll innerhalb von zwei Wochen ab der Bekanntgabe des Urteils eingereicht werden oder, wenn ein Antrag auf die schriftlichen Urteilsgründe gestellt wird, innerhalb von zwei Wochen ab deren Zustellung. Die Berufung soll alle Einwände sowie volle Begründungen beinhalten. Nach dem Ablauf der zwei-Wochen-Frist kann man die Berufung weder ergänzen, noch modifizieren.

Rechtskräftigkeit des Urteils Ein Urteil, das nicht angefochten wird, und das Urteil des Gerichts der zweiten Instanz ist grundsätzlich rechtskräftig. Wenn der Schuldner in einem solchen Fall weiterhin nicht bezahlen will, dann muss man sich an das Gericht wenden, damit es das Urteil mit der Vollstreckungsklausel versieht. Erst mit einem solchen Urteil kann man sich zu einem Gerichtsvollzieher begeben, um das Zwangsvollstreckungsverfahren einzuleiten.

Fazit Das Gerichtsverfahren in Polen ist grundsätzlich anderen europäischen Gerichtsverfahren ähnlich. Es bestehen aber Unterschiede, die dazu führen können, dass man z.B. einen wichtigen Termin versäumt und somit sogar im Verfahren unterliegt. Darum ist es ratsam, sich von einem polnischen Rechtsanwalt beraten zu lassen und ihn mit der Wahrnehmung von rechtlichen Interessen zu beauftragen.


58  Politik

Unternehmer schreiben an Präsident Duda Vertreter der Start-up-Szene an der Weichsel zeigten sich besorgt und schreiben an das polnische Staatsoberhaupt.

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ie Justizreform, die sowohl vom polnischen Sejm als auch von der zweiten Parlamentskammer verabschiedet wurde, sorgte für Wirbel nicht nur in den Medien. Über 30 Vertreter der Start-up-Szene in Polen unterzeichneten einen offenen Brief an den polnischen Präsidenten Andrzej Duda. Die Unternehmer brachten ihre Bedenken bezüglich der Gesetze zum Obersten Gerichtshof, dem Landesjustizrat sowie ordentlichen Gerichten an der Weichsel zum Ausdruck. “Wir nehmen am weltweiten Wettbewerb um Talent teil . Uns liegt viel, dass Polen die erste Wahl für Unternehmer sei, die innovative Firmen aufbauen wollen. Die Conditio sine qua non für die Entwicklung innovativer Unternehmen

und den Erfolg der Strategie für Wirtschaftliche Entwicklung ist die Rechtssicherheit sowie die Gewährleistung der Unabhängigkeit der Justiz” - schrieben die Unternehmer. Die Autoren wiesen darauf hin, dass für die in Polen tätigen Unternehmen die Transparenz bei potenziellen Rechtsstreitigkeiten mit der Verwaltung. Dies nimmt einen großen Einfluss auf die Entscheidung zur Unternehmensführung und Investoren entscheiden sich für solche Rechtssysteme, wo das Risiko unerwarteter und tief greifender Veränderungen am geringsten ist. Gleichzeitig unterstrichen die Unternehmen darauf hin, dass sie die Vielfalt der politischen Präferenzen in der Gesellschaft respektieren, doch sie selbst seien als Innovationsschaffende unparteiisch, da

ihre Produkte an ein breites Spektrum von potenziellen Kunden gerichtet sind. “Wir weisen darauf hin, dass die Rezeption der bisherigen Reformverfahrensweise im Ausland für uns gravierende Folgen hat und das potenzielle Inkrafttreten der Vorschriften sich destruktiv auf das bisherige Vertrauen, das wir aufgebaut haben, auswirken wird.“ Zum Schluss appellierten die Vertreter der Wirtschaft, dass Andrzej Duda mit den Mitteln, die er zu Verfügung hat, über die Demokratie und die Dreiteilung der Macht im Lande Wache halten und die umstrittene Gesetze nicht unterzeichnen soll. von Anna Rosenthal

Justizreform (vorerst) gestoppt Der polnische Präsident Andrzej Duda hat Veto gegen die Reform des obersten Gerichts sowie den Landesjustizrat eingelegt.

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it großer Spannung wurde das Staatsoberhaupt erwartet. Andrzej Duda tritt vor die Journalisten und stellte klar, dass er die Gesetze zum obersten Gericht sowie dem Landesjustizrat nicht unterzeichnen wird. "Ich habe mich entschieden, die Gesetze über das oberste Gericht sowie den Landesjustizrat dem Sejm zurückzuweisen, denn der Sejm ist dafür verantwortlich, dass diese miteinander verbunden sind" - teilte das Staatsoberhaupt mit. Zuvor erklärte Andrzej Duda, dass es in der polnischen Verfassung

noch nie üblich gewesen war, dass der Generalstaatsanwalt über so umfassende Befugnisse verfügt, die ihm ermöglichen, das oberste Gericht zu kontrollieren. Der Präsident bedauerte, dass der Gesetzentwurf zur Justizreform ihm nicht vorgelegt wurde und dass er keine Zeit hatte, diesen zu beraten. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Lage einer schnellen Entscheidung bedarf. "Ich treffe diese Entscheidung mit einem Gefühl der Verantwortung für das polnische Land. Ein Land, dass durch Unruhen gezerrt wird, dass sich nicht weiterentwickeln

kann" - sagte Duda und kritisierte die Oppositionsparteien, die laut dem Staatsoberhaupt zu Unruhen und Verbrechen aufrufen. "Eine Regierung kann man bei den Wahlen stürzen, nicht auf den Straßen" unterstrich Duda. "Die Rechtsprechung hat eine tragende Rolle für die Polen" - sagte der Präsident und informierte, dass er durch die letzten Tage viele und intensive Gespräche geführt hat, u.a. mit Juristen und Politikern. Nun will er selbst die Initiative ergreifen und einen eigenen Gesetzentwurf innerhalb von zwei Monaten vorlegen. von Rafał Stelmaszewski


Politik 59

Regierung will nicht nachgeben Trotz des Vetos des Präsidenten stellt die Regierungschefin klar - "Wir rudern nicht zurück".

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ie Entscheidung des Präsidenten hat die Arbeit an der Reform gebremst. Vielmehr wurde es als Ansporn von denjenigen wahrgenommen, die ein ungerechtes System verteidigen. Ein System von kleinen und großen Missbräuchen, die viele anständige Bürger in Bedrängnis setzen" - kommentierte Premierministerin Beata Szydlo. "Unabhängig von ihren politischen Gesinnung oder Wohnortes will die überwiegende Mehrheit der Polen, dass die Gerichte reibungslos und anständig funktionieren. Jeder von uns kennt jemanden, der von der Justiz benachteiligt wurde" - so die Regierungschefin, die auch versicherte, dass ihre Partei die Stimme des Volkes respektiert. Die Bürger wollen laut der Premierministerin, dass das Recht allen dient, auch den Schwächsten. "Bislang war dies in Polen nicht der Fall" - erklärte Szydlo. Die Spitzenpolitikerin unterstrich

auch ganz deutlich, dass ihr Kabinett offen gegenüber einem Dialog und Zusammenarbeit sei, aber keinesfalls drei Kernpunkte der Reform aufgeben will: "Erstens müssen diese Richter, die an den Missbrauchen teilgenommen haben oder sich nicht dagegen wehrten, abtreten. Zweitens müssen Veränderungen vorgenommen werden, damit die Richter, die gegen das Recht verstoßen, geahndet werden. Heute sind sie praktisch straflos. Drittens sollten die Menschen Kontrolle über die Gerichte haben. Wir müssen die reale Dreiteilung der Macht wiederherstellen" - so Szydlo, die auch sagte, dass die Justiz die unkontrollierte Macht sei im Gegensatz zur Exekutive oder Legilastive. “Wir wollen einen Rechtsstaat und nicht einen Staat der Juristen”.

sönlichen Ehrgeiz aufgeben und sich auf den Erwartungen der Polen fokussieren" - sagte die Premierministerin, die zum Schluss versicherte, dass man nicht nachgeben und das Programm der Partei realisieren werde. Zur Erinnerung - die vom Sejm und Senat gebilligten Gesetze sahen unter anderem drei neue Kammern im Obersten Gerichtshof und Änderungen im Ernennungsverfahren der Richter sowie die Möglichkeit, die bisherigen Richter in den vorzeitigen Ruhestand zu versetzen, vor. Das Gesetz löste Proteste im ganzen Lande aus. Gegen die Novellierung sprachen sich die meisten Oppositionsparteien aus, auch internationale Organisationen, die Wirtschaft und schließlich auch der Präsident. von Rafał Stelmaszewski

"Wir dürfen dem Druck von der Straße und aus dem Ausland nicht erliegen. Wir müssen unseren per-

Unternehmer danken dem Präsidenten Wir wissen es zu schätzen, dass der Präsident die Stimme der Unternehmer wahrgenommen hat und ein Veto gegen die Gesetze zum obersten Gerichtshof und dem Landesjustizrat eingelegt hat – schrieb die Polnische Konföderation privater Arbeitgeber Lewiatan.

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er Arbeitgeberverband stellte in seiner Aussendung fest, dass zwar die Justiz einer Reform bedinge, jedoch nur mit Beachtung der Verfassung. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass fast alle Spitzenpolitiker des Regierungskabinetts über die kritische Stellungnahme des Verbandes informiert wurden. “Die Konföderation privater Arbeitgeber Lewiatan nimmt mit Zufriedenheit die Ablehnung der schlechten Gesetzentwürfe zum obersten Gerichtshof und den Landesjustizrat, sowie die Deklaration

des Präsidenten Andrzej Duda zur Ausarbeitung neuer, mit der Verfassung und den Rechtsgrundsätzen übereinstimmender Gesetzprojekte an” - lesen wir in der Aussendung. Gleichzeitig hoffen die Unternehmer, dass die neuen Gesetze auch unter Beachtung der Stellungnahme, die vom Rat für gesellschaftlichen Dialog (poln. Rada Dialogu Spolecznego) vorgelegt wird, entstehen. Die Art und Weise, wie die Veränderungen am polnischen Rechts-

system vorgenommen wurden haben sich laut Lewiatan nicht positiv auf das Image Polens in den Augen der Investoren ausgewirkt. Für Misstrauen hat dementsprechend auch die direkte politische Einflussnahme auf die Judikative auf allen Ebenen gesorgt. “Damit diese Fehler vermieden werden müssen die Gesetzprojekte auch mit den Sozialpartnern beraten werden, aber mit realer Einflussnahme auf die endgültige Form der Lösungen” - so der Arbeitgeberverband. von Anna Rosenthal


60  Politik

Strafzettel kann man bald auch mit Kreditkarte bezahlen Der polnische Sejm hat ein Gesetz gebilligt, laut dem man künftig Straffzettel mit Kreditkarte bezahlen kann. Dies soll die Einbringlichkeit der Straffzettel wesentlich steigern.

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as polnische Innenministerium informierte, dass die Polizei vorerst mit 2 Tsd. Kartenlesegeräten ausgestattet wird. Zurzeit sehen die Vorschriften drei Arten der Strafzettel vor: kreditierter, der Abwesenheit und in bar bezahlt. Die zwei ersten gelten für die Bürger Polens. Den Strafzettel, den man mit Bargeld bezahlt, begleicht man gleich bei der Kontrolle, er gilt jedoch nur für Ausländer.

Die vorbereitete Gesetzesänderung wird hauptsächlich für die Letzteren bedeutsam sein. Aktuell müssen Polizisten beim vergeben von Strafzetteln die Verkehrssünder, die sich nur kurzfristig in Polen aufhalten, zum nächsten Geldautomaten begleiten. Sie werden oft mit Situationen konfrontiert, in der der Ausländer keine Möglichkeit hat den Strafzettel zu bezahlen, weil er keine polnische Währung bei sich hat.

Meistens sind die Personen bereit die Strafe mit Kreditkarte zu bezahlen. Gemäß den neuen Vorschriften wird die Wahl der Bezahlung bei dem Verkehrssünder liegen, der im Fall der Kreditkarte auch die Bankgebühren bezahlen muss. von Rafał Stelmaszewski


Politik 61

Polnischer Haushalt mit großem Überschuss Knapp 6 Mrd. Zloty - statt des schon fast gewohnten Haushaltsdefizits, blieb überraschend in der Staatskasse. Dies teilte das polnische Finanzministerium mit.

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wischen Januar und Juni 2017 erreichten die Staatseinnahmen 176,7 Mrd. Zloty, die 54,3% der eingeplanten Gesamteinnahmen für 2017 darstellen. Im Vergleich zu Juni 2016 bedeutet das einen Anstieg um 25,1 Mrd. Zloty. Gleichzeitig hat man nur 170,8 Mrd. Zloty, also 44,4% des im Haushaltsgesetz festgehaltenen Aufwandes ausgegeben.

Laut den Angaben des polnischen Finanzressorts wird der Trend der steigenden Steuereinnahmen weiterhin auf relativ hohem Niveau (17,7% im Vergleich zum Vorjahr) fortgesetzt. Mehr Geld haben alle Hauptsteuern in die Staatskasse eingespült, darunter die Mehrwertsteuer oder die Körperschaftsteuer. Gleichzeitig wurde im Juni der Gewinn aus der Nationalbank ausge-

zahlt und die Einnahmen aus der Frequenzauktion. Der Überschuss im Haushalt erreichte 5,9 Mrd. Zloty - das erste Mal seit den 90er Jahren. von Anna Rosenthal

Mindestlohn wird wohl höher ausfallen als angenommen Laut der Mitteilung des polnischen Ministeriums für Familie, Arbeit und Soziales wird der Mindestlohn 2018 auf 2.100 Zloty brutto angehoben. Der Mindeststundenlohn soll 13,70 Zloty pro Stunde brutto erreichen.

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igentlich ist man davon ausgegangen, dass der Mindestlohn und Mindeststundenlohn gemäß dem Verordnungsentwurf auf 2.080 Zloty brutto und 13,5 Zloty brutto festgelegt wird. Nun wurden beide Vorschläge überarbeitet und sogar höher festgesetzt. Ministerin Rafalska bezeichnete die neuen Sätze als “durchdacht und angemessen”. Gewerkschaften pochten auf 2.200 und Arbeitgeber auf 2.050 Zloty brutto monatlich. Man konnte sich jedoch nicht auf einen gemeinsamen Vorschlag einigen und somit kann die Regierung die Mindestlohnsätze im kommenden Jahr per Verordnung festlegen. Ministerin Rafalska erklärte, dass die Vorschläge zwischen den Ministerien noch besprochen werden, denn das Regierungskabinett muss den höheren Sätzen noch zustimmen. Die Frist zur Festlegung des Mindestlohns und Mindeststundenlohns läuft am 15. September ab. Spätestens dann erfahren die Arbeitnehmer an der Weichsel, wie hoch der Mindestverdienst im kommenden Jahr sein wird. von Rafał Stelmaszewski


62  Politik

Polen sollen länger arbeiten Die polnische Regierung hat das Renteneintrittsalter zurückgesetzt. Dementsprechend werden ab dem 1. Oktober Frauen mit 60, Männer mit 65 in den Ruhestand gehen. Nun wollen die Politiker mit verschiedenen Anreizen die Arbeitnehmer zur längeren Erwerbstätigkeit ermuntern.

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deen, wie die älteren Arbeitnehmer der Wirtschaft erhalten bleiben, gibt es laut dem Radiosender RMF.FM einige. Spekulationen zufolge soll man über Prämien in Höhe von 10 Tsd. Zloty nachdenken, wenn sich der jeweilige Frühpensionist dafür entscheidet zwei weitere Jahre zu arbeiten. Für jedes weitere Jahr würde er dann noch 5 Tsd. Zloty bekommen - berichtet der Radiosender. Eine andere Idee wäre eine Rentenzulage mit der die Leistung mit jedem weiteren Jahr Arbeit vom Staat erhöht wird. Überlegungen gibt es auch zu potenziellen Steuererleichterungen - beim Fortsetzen der Erwerbstätigkeit würde man eine niedrigere Einkommensteuer abführen müssen. Gründe warum man sich Gedanken über die Anreize macht sind ganz offensichtlich die hohen Kosten für den Haushalt, die 2018 10 Mrd. Zloty erreichen werden und dann allmählich weiter steigen werden. Auf der anderen Seite soll zwischen 80% und 83% der berechtigten Arbeitnehmer Interesse an der Frührente bekundet haben. Dies

könnte weitgehende Folgen für die Wirtschaft tragen. Deswegen hofft das Wirtschaftsministerium, dass man durch die Anreize die Quote der Interessierten auf 60%-70%

senken könnte. Somit würde 35% der Arbeitnehmer, die die Frührente in Anspruch nehmen, dem Arbeitsmarkt erhalten bleiben. von Rafał Stelmaszewski

Der Gesetzexpress rollt weiter Allein im ersten Halbjahr 2016 wurden 17 440 Seiten Typoskript von Gesetzen verabschiedet das geht aus dem neuesten Barometer zur Stabilität der Rechtslage in der polnischen Wirtschaft, welches von Grand Thornton veröffentlicht wurde hervor.

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ie Unternehmer beklagen sich immer über die Rechtsunbeständigkeit, doch die Regierung scheint dies offenbar nicht zu berücksichtigen. Davon zeugt die nicht gerade optimistische Auswertung von Grant Thornton. Zwischen Januar und Juni 2017 wurden insgesamt 17 440 Seiten Typoskript von Gesetzen verabschiedet, was einen Anstieg um 36,3% im Vergleich zum selben Zeitraum 2016 entspricht. Damals sind noch 12 796 Seiten Typoskript in Kraft getreten. Sollte auch dieser Trend in der zweiten Jahreshälfte aufrechterhalten werden, könnten 2017 insgesamt 43 488 Seiten Typoskript von Rechtsakten verabschiedet wer-

den, also die meisten seit 1918, also seit dem Grand Thornton dies analysiert. Die Unbeständigkeit des polnischen Rechtssystems bremst die polnischen Unternehmer. Leider sind sich die Gesetzgeber dessen nicht bewusst und stellen neue Rekorde bei der Gesetzproduktion auf. Nach den letzten Rekordjahren könnte man sich vorstellen, dass das Schaffungstempo von neuen Gesetzen und Verordnungen nachlassen muss und auch die Zahl von Bereichen, die einer Änderung der Vorschriften bedingen, schrumpfen wird. Stattdessen ist es ganz anders und die Unternehmer in Polen ertrinken im gesetzlichen Wirrwarr - erklärt Przemysław Polaczek von

Grand Thornton. Zweifelsohne muss das Recht verändert und der sich veränderten Realität angepasst werden. Fehler, die sich erst nach dem Inkrafttreten bemerkbar machen, muss man beheben. Rechtsvorschriften dürfen jedoch nicht in solcher Eile, wie das gerade geschieht, geschafft werden - sagt Polaczek und weist darauf hin, dass immer mehr Gesetzentwürfe ohne Beratung, ohne Sachdiskussion und Beachtung der Legislatur Vorschriften, aber mit inhaltlichen und rechtlichen Fehlern vorbereitet werden. von Piotr Piela


Wirtschaft 63

Foto: MAKY.OREL, Wikmedia Commons

„Die letzte Familie” nominiert für den LUX Filmpreis des Europaparlaments Der Film von Jan Matuszyński ist einer von 10 Werken, die auf dem 52. Internationalen Filmfestival Karlovy Vary nominiert wurden.

D

er LUX Preis ist ein Filmpreis der 2007 gegründet wurde mit dem Ziel, Filme auszuzeichnen, die die europäische Kultur fördern, Andersartigkeit und gleichzeitig universelle Werte aller Europäer zeigen. Filme, die zum LUX Wettbewerb nominiert werden, wählt man durch das Prisma der Angelegenheiten, die die Europäer beschäftigen - ihr Leben, ihre Einstellung, ihre Überzeugungen und die Suche nach eigener Identität. Abstimmen können ausschließlich Botschafter des Europäischen Parlaments. Der Preis wird am 15. November in Straßburg verliehen.

gonisten. Das Drehbuch entstand anhand des Lebens von Zdzislaw und Tomasz Beksiński in ihrer Warschauer Zeit. Die Filmhandlung beginnt im Jahr 1977, als Tomasz in seine neue Wohnung zieht, die in der Nähe des Wohnsitzes seiner Eltern liegt.

„Die letzte Familie“ ist ein polnischer Spielfilm aus dem Jahr 2016. Die Regie übernahm Jan Matuszyński. Andrzej Seweryn, Dawid Ogrodnik und Aleksandra Konieczna sind die Hauptprota-

• •

A CIAMBRA, Regie - Jonas Carpignano (Italien, Brasilien, Deutschland, Schweden)

•

120 BEATS PER MINUTE, Regie - Robin Campillo (Frankreich)

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GLORY, Regie - Kristina Grozeva i Petar Valchanov (Bulgarien, Griechenland)

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HEARTSTONE, Regie - Guðmundur Arnar Guðmundsson (Is-

KING OF THE BELGIANS, Regie - Peter Brosens i Jessica Woodworth (Belgien, Holland, Bulgarien)

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SAMI BLOOD, Regie - Amanda Kernell (Schweden, Dänemark, Norwegen)

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SUMMER 1993, Regie - Carla Simón (Spanien)

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DIE LETZTE FAMILIE, Regie Jan Matuszyński (Polen)

•

DIE ANDERE SEITE DER HOFFNUNG, Regie - Aki Kaurismäki (Finnland, Deutschland)

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WESTERN, Regie -Valeska Grisebach (Deutschland, Bulgarien, Österreich)

Alle nominierten Filme: •

land, Dänemark)

von Paulina Kuc


64  Kultur & Lifestyle

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Dinge, die für ausländische Touristen in Polen merkwürdig sind

Unter dem Nutzernamen „Wolters World“ vertreibt sich ein Amerikaner namens Mark seine Zeit mit Weltreisen und teilt seine Eindrücke mit Hilfe sozialer Medien mit. Was fand er an Polen merkwürdig oder schockierend? Der Youtuber besuchte Polen nicht zum ersten Mal und kam mit positiven Erinnerungen nach Hause. Er behauptet, dass das Besichtigen des Landes an der Weichsel „sehr zufriedenstellend sein kann, jedoch manchmal auch schockierend für Touristen und Reisende“. Unabhängig davon, ob man von Warschau, Krakau, Danzig oder der Tatra redet, Polen verblüfft viele. Das ist die Liste der 10 Sachen, die laut Mark am meisten die ausländischen Gäste schockieren.

1.

Der Gesichtsausdruck der Polen Der heitere Amerikaner findet, dass die Gesichter der Polen von Emotionen beraubt sind, sie sind nicht froh oder traurig, sondern einfach nur tot. Seiner Meinung nach ist es aber für die Polinnen, die im Modeling arbeiten möchten, ein sehr gutes Attribut, denn auf dem Laufsteg ist es doch sehr wichtig, keine Emotionen zu zeigen.

4.

7.

Unverständlichkeit und Unleserlichkeit der polnischen Sprache

Niedrigpreise

Der Youtuber rät vor der Reise die magische Formel zu lernen (die eher in Tschechien gilt als in Polen, was Mark nicht zu wissen scheint) „dwa piwa prosim“.

5.

2.

Die kulinarische Erfahrung

Die große Religiosität

Laut dem Amerikaner lieben die Polen „ihre Kartoffeln und ihren Rosenkohl“. Sie sollen es zu jedem Gericht servieren. Weil Mark wusste, dass er nichts ohne diese Zutaten bestellen könnte, bat er um Kohlrouladen mit Kartoffelpüree. Es gelang ihm nicht das Esssystem zu überlisten, aber die Tatsache, dass Polen nicht mehr zu bieten hätte, fand er sehr witzig.

Während andere Länder Kirchen in Wohnungen, Hotels oder Kneipen umwandeln, baut man in Polen noch mehr Kirchen und sie werden auch von Menschen oft besucht!

3. Die Größe der Zerstörungen nach dem Zweiten Weltkrieg Dabei empfehlt Mark den Besuch des Museums des Warschauer Aufstandes.

6. In Polen gibt es nicht viele Touristen Laut dem „Experten“ können sich Gäste in Polen besonders fühlen. Na ja, vielleicht nicht in Krakau, wo jährlich ungefähr 10 Millionen Touristen die Stadt besichtigen.

Billig ist es im ganzen Land, es ist einfach Wahnsinn - so Mark.

8. Die Schönheit der polnischen Natur Mark findet, dass die polnischen Naturgebiete einfach nur begeistern, während einer Zugfahrt durch Polen kann man sie gut betrachten. Die Reise dauert zwar etwas länger, aber wen stört das schon.

9. Marktplätze in polnischen Städten Von Breslau bis nach Lublin einfach nur wunderschön. Polen besteht nicht nur aus Agrarland - toll, dass Mark dies bemerkt hat.

10. Kein guter Kundendienst Kurz gesagt, dein Essen bekommst du, aber auf eine nette Bedienung hoffe lieber nicht - so der Youtuber. von Paulina Kuc


Wirtschaft 65

Ausstellungsansicht „Jan III. Sobieski. Ein polnischer König in Wien“ Foto: Sandro Zanzinger © Belvedere, Wien

König Jan III. Sobieski zurück in Wien In der Hauptstadt Österreichs kennt fast jeder den polnischen König, denn er hat Wien im Jahr 1683 von einer wochenlangen osmanischen Belagerung befreit.

O

bwohl die Wiener dem polnischen König für die Befreiung im 17. Jahrhundert dankbar waren, galt die größte Anerkennung dem preußischen Kaiser, auch wenn er sich zu dieser Zeit nicht mal in der Stadt befand. Jetzt, Jahrhunderte nach dem Ereignis entschloss man sich den polnischen Herrscher mit einer Ausstellung im Belvedere Museum in Wien zu würdigen. Jan III. Sobieski wurde dort nicht nur als Feldherr, sondern auch als Politiker, Mäzen und Privatperson vorgestellt. Das Ziel der Ausstellung ist es den Wienern den polnischen König, dem sie so viel zu verdanken haben, näher zu bringen. Die mehr als hundert Exponate, die auch aus polnischen Museen kommen, können bis zum 1. November besichtigt werden. von Paulina Kuc

Porträt Jans III. zu Pferd, um 1704 / © Warschau, Königsschloss – Museum Öl auf Leinwand


66  Kultur & Lifestyle

Silberbergwerk in Polen wurde Weltkulturerbe Der Silberabbau führte schon Johann Wolfgang von Goethe ins schlesische Tarnowitz. 227 Jahre nach seinem Rundgang durch die Friedrichsgrube wurden insgesamt 28 Objekte des Bergbaukomplexes im heutigen Tarnowskie Góry von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Es ist die 15. UNESCOWelterbestätte in Polen und die Verantwortlichen vor Ort erhoffen sich davon einen touristischen Aufschwung.

Silberbergwerk in Tarnowskie Góry. Foto: www.kopalniasrebra.pl

B

einahe jedes Kind in Polen kennt den Stollen der Schwarzen Forelle (Sztolnia Czarnego Pstrąga). Der 600 Meter lange Abschnitt des Tiefen Friedrichstollens ist seit 1957 als längste unterirdische Bootstrasse in Polen für Besucher geöffnet und empfängt Schulklassen aus dem ganzen Land. Seinen klingenden Namen

hat er von den Süßwasserfischen, die im dämmrigen Licht der Karbidlampen gänzlich schwarz erscheinen. Der Schwarze-Forelle-Stollen und das nahe gelegene Besucherbergwerk zählen bereits seit langem zu den wichtigsten denkmalgeschützten Sehenswürdigkeiten der Woiwodschaft Śląskie (Schlesien). Nun wurden beide gemein-

sam mit 26 weiteren Objekten der ehemaligen Bergbauanlagen in Tarnowskie Góry Anfang Juli zum Welterbe der UNESCO erklärt. Für Polen ist das der 15. Eintrag in die prestigeträchtige Liste. Überzeugt hatten die Jury vor allem die jahrhundertealten Techniken zur Entwässerung der Stollen,


Kultur & Lifestyle  67 Schächte und Kammern. Einen Entwicklungsschub erhielten die Tarnowitzer Gruben sowie der Bergbau in ganz Schlesien durch die Initiative von Friedrich Wilhelm von Reden. Vor Ort betrieb der preußische Bergbauhauptmann den Bau der nach dem preußischen König benannten Friedrichsgrube und der dazu gehörenden Friedrichshütte. Sie nahmen 1784 und 1786 den Betrieb auf. Vom großen Innovationsgeist des Grafen zeugt die Tatsache, dass er bereits 1788 eine der ersten Dampfmaschinen Preußens zur Entwässerung des Bergwerks einsetzen ließ. Einzigartig ist zudem das Verfahren, mit dem ein Teil der Entwässerungsanlagen für die Wasserversorgung der Stadt genutzt wurde. Die Dampfmaschine war auch der Anlass, warum der Weimarer Geheimrat Goethe dem oberschlesischen Örtchen 1790 einen Besuch abstattete. Im Auftrag seines Herzogs sollte der Dichterfürst die Bergwerke von Ilmenau wiederbeleben. Die größte technische Herausforderung war dabei eben die Entwässerung der alten Silber- und Manganstollen. Von Reden führte den hohen Gast höchstpersönlich durch die Anlage. Gut vier Fünftel des neuen Welterbes befinden sich unter der Erde, etwa ein Fünftel der insgesamt fast 1.700 Hektar sind oberirdische Flächen und Bauwerke. So wurden in der Tiefe gelegene Silberstollen und Entwässerungskanäle ebenso unter Schutz gestellt, wie die kleinen und großen Fördertürme der Schächte, die Mundlöcher der Kanäle oder die durch die jahrhundertelange Abbautätigkeit entstandenen Landschaften. Einige der Objekte befinden sich auf dem Gebiet der benachbarten Orte Bytom (Beuthen) und Zbrosławice (Broslawitz). Zu den wichtigsten Bergbaudenkmälern, die es auf die UNESCO-Liste geschafft haben, zählt der Tiefe Friedrichstollen. Die rund 17 Kilometer lange Anlage wurde 1834 als Entwässerungsstollen für die Friedrichsgrube in Betrieb genommen. Ein weiterer wichtiger Entwässerungskanal für die Friedrichsgrube ist die Sztolnia „Boże Wspomóż“. Der Gotthilfstollen wurde 1807 fertiggestellt. Als Welterbe geschützt sind auch die im Stil des Klassizismus errichteten Portale der Mundlöcher beider Stollen, also die Orte ihres Austritts an die Erdoberfläche. Die

rund

vier

Kilometer

vom

Schwarze-Forellen-Stollen entfernte Hauptbesuchertrasse wurde 1976 eröffnet. In 40 Meter Tiefe führt sie über rund 1.800 Meter durch Teile der drei Schächte Anioł (Engel), Żmija (Viper) und Szczęść Boże (Glückauf). Die Anlagen stammen aus der Zeit vom 17. bis 19. Jahrhundert und können in Gruppen besichtigt werden, ein rund 300 Meter langer Abschnitt der Trasse wird auf Booten zurückgelegt. An der Oberfläche wartet ein kleines Freilichtmuseum mit verschiedenen Dampfmaschinen und Lokomotiven auf die Besucher. Teil des UNESCO-Welterbes sind auch die Landschaften, die aus den ehemaligen Bergbauhalden entstanden sind. So gilt beispielsweise der Stadtpark von Tarnowskie Góry als eines der ersten Beispiele für die Rekultivierung postindustrieller Gebiete. Er wurde 1903 auf Betreiben der Stadt angelegt und beheimatet heute Bäume aus rund 50 vorwiegend heimischen Arten. Einen Einblick in die Geschichte des Bergbaus in der Region bietet die südlich der Halde der Friedrichsgrube gelegene Landschaft „Srebrna Góra“ (Silberberg), die sich hauptsächlich auf dem Stadtgebiet von Bytom befindet. Schon im Mittelalter wurde dort das silber- und bleireiche Erz geborgen, das nur wenige Handbreit unter der Oberfläche verborgen lag. Später verlagerte sich der Abbau immer weiter in die Tiefe. Diese Vergangenheit spiegelt sich in der buckligen Hügellandschaft wider, die zum großen Teil von Wald bedeckt ist. Mit dem einstigen Silberbergwerkskomplex von Tarnowskie Góry gelangte erstmals seit 2013 wieder ein polnisches Kulturgut auf die Liste des Welterbes der UNESCO. Besonders stolz auf die Auszeichnung ist man beim Verein der Freunde des Tarnowitzer Landes. „Auf einer Liste zu stehen, nicht nur gemeinsam mit der Warschauer Altstadt, sondern auch mit solchen Objekten wie dem Taj Mahal oder den ägyptischen Pyramiden, das ist eine unglaubliche Ehre, aber auch eine große Verantwortung“, erklärte Vizevorsitzender Zbigniew Pawlak vor der Presse. „Wir wollten den Bergarbeitern ein Denkmal setzen und die Anlagen für künftige Generationen erhalten.“ In erster Linie müsse jetzt in den Ausbau der touristischen Infrastruktur und der Bildung investiert werden. Dabei gelte es auch, die bisher nicht oder

nur teilweise für den Publikumsverkehr geöffneten Objekte des Welterbes zugänglich und erlebbar zu machen. Der Verein hatte den Antrag seit 2011 in Eigenverantwortung entwickelt. Tarnowskie Góry ist Polens wichtigste und größte ehemalige Abbaustätte für Silbererze sowie Zink und Blei. Die offizielle Geschichte des Edelmetallabbaus geht rund 500 Jahre zurück, als der Ort 1526 die Bergfreiheit und das Stadtrecht erhielt. Schenkt man den örtlichen Legenden Glauben, so wurde sogar schon viel früher Silber abgebaut. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden unterirdische Anlagen mit einer Gesamtlänge von 150 Kilometern. Der Ort liegt gut 25 Kilometer nordwestlich von Katowice (Kattowitz) am Rande der Schlesischen Hochebene. Die Stadtgemeinde zählt etwa 61.000 Einwohner und gehört zu den beliebtesten Investitionsgebieten der Woiwodschaft Schlesien. Neben den ehemaligen Bergbauanlagen verfügt sie über weitere Sehenswürdigkeiten wie den historischen Marktplatz mit seinen Arkadenhäusen. Das Renaissanceschloss im Stadtteil Stare Tarnowice (Alt Tarnowitz) gehörte bis zum Zweiten Weltkrieg der bedeutenden schlesischen Adelsfamilie Henckel von Donnersmarck. Seit 2011 beherbergt das detailgetreu restaurierte Bauwerk das Zentrum für Kunst und altes Handwerk mit Schlossmuseum. An der ul. Górnicza befindet sich der kleine Adelshof, der dem Geheimrat Goethe als Bleibe während seines Besuches in Tarnowitz diente. Im Restaurant „Dworek Goethego“ können Besucher zwischen historischen Stücken speisen. Es finden regelmäßig wechselnde Ausstellungen statt. Informationen zum Besucherbergwerk in Tarnowskie Góry unter www.kopalniasrebra.pl und zur Region unter www.slaskie.travel Allgemeine Informationen über Reisen nach Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt unter www.polen.travel.


68  Wirtschaft

Foto: Toruńska Agenda Kulturalna

Wasser und Licht zur Kunst vereint Die UNESCO-Welterbestadt Toruń (Thorn) zeigt sich vom 22. bis 27. August in ungewöhnlichem Licht. Bereits zum neunten Mal vereint das Bella Skyway Festival Kunst und Wissenschaft in öffentlichen Lichtinstallationen. Die Veranstalter haben 17 spektakuläre Kunstperformances aus der ganzen Welt in die Heimatstadt des großen Astronomen Nikolaus Kopernikus geholt. Im vergangenen Jahr besuchten rund 350.000 Menschen das Festival.

T

hema für 2017 ist die Verbindung von Licht und Wasser. Die künstlerischen Arbeiten müssen verschiedenen „Themenachsen“ entsprechen, wie etwa „Symbol und Physik“, „Vergnügen und Gefahr“ oder „Erfahrung und Technologie“. Über 90 Bewerbungen aus 18 Ländern von Thailand über die USA bis nach Australien waren bei der Festivalleitung eingegangen, die 17 Projekte auswählte. Erstmals dient in diesem Jahr auch eine Kirche als Raum für eine Installation. In der barocken Heiliggeistkirche erstrahlen zu Livemusik verschiedene Projektionen am Orgelprospekt und im Gewölbe. Größtes Spektakel wird die „Water Concept Factory“ des in Wrocław (Breslau) ansässigen Lichtregisseurs Bogumił Palewicz sein. Wie in den vergangenen Jahren stel-

len ihm die Veranstalter ein Stück Weichselufer nahe der historischen Altstadt zur Verfügung. Mit riesigen Wasservorhängen, LED-bestückten Drohnen und einer Spezialkonstruktion auf der Weichsel entführt die Installation das Publikum nach Einbruch der Dämmerung in fantastische Welten. Die übrigen Lichtkunststationen sind über die ganze Stadt verteilt. So bespielen beispielsweise die aus dem italienischen Salento stammenden Künstler von Mariano Light einen 200 Meter langen Abschnitt der im Herzen der Altstadt gelegenen ul. Szeroka. Zum Anfassen nah bringt die portugiesische Gruppe Ocubo ihr Video-Mapping den Besuchern des Festivals. Sie bekommen spezielle 3D-Brillen und können so in die Lichtprojektion eintauchen.

Bereits am 11. und 12. August feiert die Stadt ihre weithin bekannte Spezialität, die Thorner Lebkuchen. Besucher des Lebkuchenmuseums und des Jahrmarkts auf den Weichselwiesen (Błonia Nadwiślańskie) können sich von der Qualität der alten Rezepte überzeugen, dazu gibt es Ausstellungen, Workshops und Rockkonzerte. Bekannte Fernsehköche wie Pascal Brodnicki zeigen bei ihren Live-Vorführungen, dass Lebkuchen auch einen Platz in der modernen Kreativküche hat. Infos zum Festival unter www.bellaskyway.pl, zum Lebkuchenmuseum unter www.muzeum.torun. pl. Allgemeine Informationen über Reisen nach Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt unter www.polen.travel


Kultur & Lifestyle  69

Schloss Fürstenstein mit einem außergewöhnlichen Geschenk Das Nationalmuseum Breslau übergab der Direktion des Schlosses Fürstenstein das älteste Dokument – einen Brief - das mit dem Aufenthalt der Fürstin Daisy von Pless in Waldenburg verbunden ist.

Foto: Jar.ciurus (Own work) [CC BY-SA 3.0 pl (http://creativecommons.org/licenses/ by-sa/3.0/pl/deed.en)], via Wikimedia Commons

urzeit feiert das Nationalmuseum Breslau und das Schloss Fürstenstein den zweiten Jahrestag ihrer Zusammenarbeit. Anlässlich dieses Ereignisses hat die Direktion des Museums, dem Schloss eines der ältesten und wertvollsten Andenken, verbunden mit der Anwesenheit von Daisy van Pless auf Schloss Fürstenstein, geschenkt.

de, galt bis heute als verschollen. Es ist eine Art Reliquie. Mit diesem Geschenk, das dem jungen Brautpaar gegeben wurde, beginnt die Geschichte der Anwesenheit von Daisy von Pless auf Schloss Fürstenstein. Es gibt keine Zweifel, dass die Fürstin dieses Dokument in der Hand hatte, dass der Moment als sie es bekam, für sie rührend und voller Hoffnung war“ erklärt der Vertreter des Museums.

Jahrelang dachte man, dass der Brief verloren gegangen sei. Laut Piotr Oszczanowski, Direktor des Nationalmuseums in Breslau, ist es ein außergewöhnliches und unschätzbares Geschenk. „Die Empfangsrede, die 1892 von dem Waldenburger Maler Johannes Tetzelt und einer angesehenen Breslauer Goldschmiedewerkstatt von Emil Sommé fertiggestellt wur-

Das fürstliche Paar hat sich am 8. Dezember 1891 in einer Kirche in Westminster das Jawort gegeben. In den Flitterwochen waren sie unter anderem in Paris, London und Nordafrika unterwegs. Nach Fürstenstein kamen sie am 3. Juli 1892, wo sie den Brief erhielten. In dem stand: „An seine fürstliche Hoheit, den Fürsten von Pless, Hans Heinrich XV., Graf

Z

von Hochberg-Fürstenstein und ihre fürstliche Hoheit, Fürstin von Pless, Mary, Gräfin von Hochberg-Fürstenstein zum Andenken an die festliche Einfahrt des hoch geborenen Paares nach Fürstenstein und mit großer Hochachtung. Beamten der Freien Standesherrschaft Fürstenstein und des Besitztums Kurcz-Ciszkowo”. von Paulina Kuc QR-Code scannen und das Video ansehen:

Ein Disco-Hit geht viral Über 400 Tausend Klicks in wenigen Tagen - das Internet schwärmt von dem neuen Videoclip von Gesek „Wakacje w Stegnie“.

I

ch wurde gebeten ein sommerliches Lied, das die Vorzüge des Dorfes Stegna zeigt, zu schreiben, also habe ich diese Nummer aufgenommen. Wie man hören kann, erschien darin auch die Band D-Bomb, ich bedanke mich sehr bei dem Liedsänger Bartek für seine Teilnahme. Es war ein tolles Erlebnis“ schrieb Łukasz Gesek. Der Sänger nahm bereits an zwei Musikshows teil - „Bitwa na głosy“ (zweiter Platz mit dem Team von Ryszard Rynkowski) und „Must Be The Musik“, in dem er drei Mal ein

„ja“ von den Juroren bekommen hat. Elżbieta Zapendowska, Jurymitglied der Sendung, war der Meinung, dass Gesek keine Karriere in der polnischen Diskomusikbranche machen wird, weil er „zu gut singt, das Lied ist aber selbstverständlich scheiße“. Inzwischen haben seine Videoclips Millionen von Klicks, die Lieder „Nago, nago“, „Na koncercie w dyskotece“ und „Daj mi swoje usta“ sind im Netz sehr populär. Im neusten Clip nahmen auch die Zwillinge Iza und Daria Chojnackie

teil, die seit Kurzem als Models in London arbeiten. von Paulina Kuc

QR-Code scannen und das Video ansehen:


70  Kultur & Lifestyle

#WirKochen: Streuselkuchen mit Äpfeln Kołocz śląski Der Kuchen ist ein regionales und traditionales altpolnisches Gebäck, das vor allen in Oberschlesien bekannt ist. Es ist eine feierliche Backware, die bis heute bei speziellen Anlässen, z. B einer Hochzeit serviert wird. Sie tritt in vier verschiedenen Arten auf: mit Streuseln, mit Äpfeln, mit Mohn und mit Käse. Es gibt aber auch andere Varianten - z.B. mit Erdbeeren, Pflaumen oder Rhabarber. Der slawische Vorgänger des heutigen Streuselkuchens war übrigens rund und nicht viereckig.

Zutaten:

Zubereitung 1. Das Mehl in eine Schüssel sieben, ein kleines Loch machen und das Ei dort einschlagen.

Teig:

- 500g Weizenmehl - 100g Zucker - 1 Ei - eine Prise Salz - ein halber Würfel Hefe - 0,5l Milch - 100g Margarine

Füllung:

- 50g Rosinen - 1kg Äpfel - Zucker - Zimt

sel :

S treu

ne rgari g Ma 0 5 1 er g Butt - 100 l h g Me lver - 500 ackpu B e s i e Pr cker - ein g Zu -200

2. Zucker, Salz und zerkleinerte Hefe dazugeben. Lauwarmes Milch während des Knetens eingießen. Anschließend geschmolzene Margarine dazugeben.

3. Den Teig so lange durchkneten, bis er sich von den Fingern selbst löst. Man kann auch einen Mixer benutzen. 4. Den Teig zudecken und abstellen.

5. Äpfel schälen und in Stücke schneiden. 6. Obst mit Zucker, Rosinen und Zimt dünsten bis alles weich wird.

7. Für Streusel Margarine, Butter und Zucker zusammen mischen. 8. Mehl mit Backpulver dazugeben. Alle Zutaten zusammen verbinden. 9. Die Hälfte des früher vorbereiteten Teigs auf das Blech legen, mit der Füllung belegen, und sie dann mit der zweiten Teighälfte abdecken. Darauf das Streusel legen. 10. Den Kuchen bei 180 Grad ca. 40 Minuten lang backen. Nach dem Abkühlen mit Puderzucker bestreuen. von K.J.

Guten Appetit!


Tourismus 71

Die schönsten Seen Polens

Die meisten Urlauber aus Deutschland verbringen ihren Sommer oft an der polnischen Ostsee oder in den Bergen. Viele besichtigen das wunderschöne Krakau oder Warschau. Das Land hat aber durchaus mehr zu bieten. Geheimtipp? Die Seen. Wunderschön und voll von Geheimnissen...


72  Tourismus Jezioro Śniadrwy / Spirdingsee Der größte polnische See mit rund 114 qkm Oberfläche. Das masurische Meer ist mit seinen fünf Inseln sehr bei den Seglern beliebt und auch berüchtigt. Aufgrund seiner Größe können sich bei Wind kleine aber unangenehme Wellen bilden und den einen oder anderen unerfahrenen Segler in Angst versetzen. Der See gehört zu den eher flacheren Gewässern, man muss deswegen beim Segeln achtgeben, um nicht auf Sandbänke oder im Wasser versteckte Steine aufzufahren. Trotz dieser Unannehmlichkeiten gehört er zu den beliebtesten Seen des Landes. Die reiche Ichthyofauna des Sees zieht jedes Jahr Fischer an und die malerischen Inseln laden zum Anlegen an.

Jezioro Śniadrwy / Spirdingsee

Jezioro Hańcza / Hańcza-See Hańcza ist mit 113 Metern der tiefste See Polens. Seine steilen Ufer und sauberen Gewässer laden zum tauchen und Kanufahren ein. Der Boden und die Ufer des Rinnesees sind mit Findlingen bedeckt, was seine Attraktivität bei den Tauchern noch steigert. Man findet am Boden ganze Wiesen voller Pflanzen und Fische. Man muss aber in Betracht nehmen, dass das Wasser kalt ist und man im Tauchanzug tauchen muss. Seit einigen Jahren kann man aber nur an einigen Orten im See tauchen.

Jezioro Hańcza / Hańcza-See

Jezioro Niegocin / Lötzener See Der siebtgrößte See in Polen ist in einer malerischen Landschaft gelegen und Teil der Großen Masurischen Seen Route, die ihn mit anderen Seen der Masurischen Seenplatte verbindet. An seinen Ufern liegen beliebte Ferienortschaften wie Gizycko, dass jedes Jahr Wassersportfans aus dem ganzen Land anzieht. Dank den verschiedenen Verbindungen zwischen den Seen kann man hier tagelang segeln.

Jezioro Niegocin / Lötzener See


Tourismus 73 Jezioro Nidzkie / Der Niedersee

Jezioro Nidzkie / Der Niedersee

Der Niedersee liegt im Herzen des Piska-Urwalds. Vorwiegend von Kiefern und Fichten umgeben ist es eher abseits der großen Seen gelegen. Auf den ganzen See herrscht Motorbootverbot. Man kann in absoluter Stille die wilde Natur der Masuren bewundern; der See gilt als einer der wildesten und am wenigsten durch die Menschen geprägten Gewässern in der Umgebung. Auf dem See gibt es Inseln und Sandbänke, auf die man achtgeben muss. Zwischen dem Schilfrohr begrüßen die Segler wunderschöne sandige Buchten, die zu Erholung einladen; allerdings ist Zelten und Anzünden von Lagerfeuern verboten. Jezioro Drawsko / Der Dratzigsee Dieser wunderschöne Rinnensee liegt ca. 270 km von Berlin in der Pommerschen Schweiz. Mit 83 Metern ist er der zweittiefste See Polens und lädt Touristen an seine von Klippen umgebenen Ufern ein. Er ist einer der durchsichtigsten Seen des Landes, besitzt eine ausgebaute Uferlinie und 12 Inseln. Auf der größten - Bielawa - sind Spuren früherer Siedlungen zu finden. Durch den See fließt auch der Fluss Drawa, der zu den schönsten Kajakrouten in Polen zählt.

Jezioro Drawsko / Der Dratzigsee, Foto: Kapitel (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons

Jezioro Lebsko / Der Lebasee

Jezioro Lebsko / Der Lebasee

Der Lebasee ist der drittgrößte See in Polen und der größte Küstensee des Landes. Er entstand als eine Ausbuchtung der Ostsee durch die Nehrung vom Meer abgeschnitten wurde. Ein Teil liegt im Slowinski National Park. Der See begeistert die Besucher mit der Nähe zum Meer und den sandigen Dünen der Lebernehrung und mit traumhaften Sonnenuntergängen. Im Sommer besteht die Möglichkeit, ihn per Schiff zu erkunden; auf der Route befinden sich u. a. das Slowinzische Dorfmuseum/ Muzeum Wsi Slowinskiej und eine Raketenabschussvorrichtung - jahrzehntelang brauchte man eine Genehmigung, um dorthin zu gelangen, heute kann man dort ganz gemütlich herumspazieren.


74  Tourismus Jezioro Wigry / Wigry-See Der Wigry See liegt in der Nähe der kältesten Gegend Polens, berüchtigt für seine Winter. Im Sommer ist es hier jedoch ganz angenehm und warm. Der See liegt im Wigry Nationalpark und ist seit Jahren bei Seglern beliebt. In der Gegend finden sich auch Radrouten für die jenigen, die ihre Freizeit nicht am Wasser verbringen, aber dennoch aktiv bleiben wollen. Und auf alle Geschichtefans wartet das Kloster der Kamaldulenser. In der Vergangenheit ist die Gegend ein beliebter Jagd Ort der polnischen Könige gewesen.

Jezioro Wigry / Wigry-See

Jezioro Czorstyńskie / Czorsztyn-Stausee Der See wurde künstlich von Menschen erschaffen, um die Gegend vor Überschwemmungen zu schützen. Gelegen in der Nähe der malerischen Pieninen, ist er ein beliebtes Ausflugsziel. An seinen Ufern befinden sich zwei Burgen; die gut erhaltene Burg Niedzica und Ruinen der Burg Czorsztyn. Beide kann man besichtigen und zwischen ihnen kursieren Schiffe, mit denen man ganz angenehm ans Ziel kommt und nebenbei den wunderschönen See bewundern kann.

Jezioro Czorstyńskie / Czorsztyn-Stausee

Jezioro Piaseczno / Piaseczno-See Der See gilt als einer der durchsichtigsten und reinsten in Polen. Der Wald reicht hier bis an die Ufer des Gewässers. Er ist sehr reich an Fischen, was ihn auch bei Anglern sehr beliebt macht. Nicht nur Fischliebhaber werden an seine Ufer angezogen, der See ist auch bei den Tauchern populär - auf seinem Grund liegt u. a. ein aus dem II Weltkrieg stammendes Junkers Flugzeug. von Ramona Nocoń

Jezioro Piaseczno / Piaseczno-See, Foto: Kamillaess (Own work) [CC BY-SA 3.0 pl (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/pl/deed.en)], via Wikimedia Commons


Wirtschaft 75

Foto: Sławomir Milejski (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Schlesisches Schloss wird erneuert Der Zahn der Zeit hinterließ Spuren am Fürstenschloss von Głogówek (Oberglogau). Nun hat das Marschallamt der Woiwodschaft Opolskie eine Million Euro an Fördergeldern bereitgestellt.

M

it dieser Summe sollen bis 2019 der östliche und südliche Teil der aus Ober- und Unterschloss bestehenden Anlage restauriert werden. Damit gehen die seit mehreren Jahren andauernden Instandhaltungsarbeiten am einstigen Sitz der Reichsgrafen von Oppersdorf zu Ende. Danach soll das Regionalmuseum wieder seinen Sitz in der Anlage beziehen, die Mitte des 16. Jahrhunderts an der Stelle eines gotischen Vorgängerbaus im Stile des Manierismus errichtet wurde. Aufgrund des schlechten Bauzustandes musste die Einrichtung

im vergangenen Jahr ihre Ausstellungen auf dem Schloss für den Besucherverkehr schließen und beschränkt sich vorübergehend auf die nahe gelegene Bastei, den einstigen Gefängnisturm. Bürgermeister Andrzej Kałamarz möchte das Schloss zu einem Zentrum der Kultur für Głogówek machen. Als wichtigste Veranstaltung soll dort auch wieder das Schlesische Beethoven-Festival stattfinden, das an den Aufenthalt des Musikgenies am Hofe der von Oppersdorfs im Jahre 1809 erinnert. Polentravel


76  Wirtschaft

Foto: Piotr Tomaszewski (Own work) [CC BY-SA 3.0 pl (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/pl/deed.en)], via Wikimedia Commons

Sandomir - das kleine Rom Sandomir (poln. Sandomierz) ist eine schöne Stadt, gelegen im Osten Polens, mit einer turbulenten Geschichte und interessanten Legenden. Die Stadt wird in Polen das "Kleine Rom" genannt, weil sie genauso wie die Ewige Stadt auf sieben Hügeln liegt und zahlreiche Kellergewölbe besitzt.

D

ie Stadt Sandomierz liegt am Zusammenfluss der Flüsse Weichsel und San. Sie wurde das erste Mal in den Chroniken im 10 Jh. erwähnt und ist jahrhundertelang die wichtigste Stadt in der Region gewesen. Gelegen an der Via Regia - einem der wichtigsten Handelswegen des Mittelalters, der von Spanien bis Russland führt - baute sie ihr Reichtum auf dem Handel auf, aber ihre günstige Lage zog nicht nur Kaufleute an; mehrere Male wurde sie von Litauern und Tataren geplündert. Heute zieht sie keine Räuber mehr an, sondern Touristen, die ihre Sehenswürdigkeiten, die Architektur die umfangreichen Sammlungen in den Museen bestaunen wollen. Auch ihre malerische Lage an der Weichsel zieht jedes Jahr Besucher an und nicht jede Stadt hat Löss Schluchten in ihren Grenze, die zum Spazieren gehen und zum Kontakt mit der Natur einladen. In diesem Monat wurden die unterirdischen Gänge wieder für die

Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es ist zwar ein kleiner Teil von dem was einmal unter der Stadt gewesen ist, dennoch sehenswert. Die Stadt hat die Gänge vor Kurzem zurückbekommen und stellt sie nun den Besuchern zu Verfügung, sie werden regulär mit neuen Exponaten ausgestattet. Die Stadtverwaltung führt auch Gespräche mit der Salzmine in Bochnia, damit man auch deren Exponate in den Gängen bewundern kann. Es werden u. a. Geräte zu sehen sein, welche die Bergarbeiter bei ihrer Arbeit benutzen. Man wird sie in der hier von Bergmännern erbauten Strecke zu sehen bekommen. Sandomir hat nicht nur unter Tage etwas zu bieten, auch auf der Oberfläche kann man seine Augen an den vielen Sehenswürdigkeiten, wie der Ring oder die Romanisch-Gotische St. Jakob Kirche erfreuen. Die Kirche ist nicht nur eine Perle der mittelalterlichen Architektur, sondern auch ein Teil des Klein-

polnischen Jakobsweges, der zu den Jakobswegen in Europa gehört. Sandomierz ist eine grüne Stadt und man bekommt dies nicht nur auf den Fotos aus der Vogelperspektive zu sehen. Sie ist eine der wenigen Städte in Polen, die sich mit einer Löss Schlucht rühmen können. Die St. Hedwig Schlucht ist ideal für Touristen, die an den heißen Tagen etwas Abkühlung und Erfrischung suchen und sich nebenbei nach Kontakt mit der Natur sehnen. Der örtlichen Legende nach spazierte Königin Hedwig jeden Tag den Hohlweg entlang, als sie zum Beten in die Kirche ging. Eine andere Legende, die mit den unterirdischen Gängen der Stadt verbunden ist, handelt von der mutigen Halina, die Sandomir vor den Tataren rettete, jedoch in dem Labyrinth unter der Stadt, mit den Feinden eingeschlossen ihren Tod fand. von Ramona Nocoń


Wirtschaft 77

Immer mehr Touristen reisen an die Weichsel Die Zahl der Urlauber, die eine Unterkunft im ersten Quartal des Jahres gebucht haben, ist um 8,5 % gestiegen, informiert das Statistisches Hauptamt (GUS).

V

iele Kunden entschieden sich dieses Jahr eine Herberge als Unterkunft zu wählen, obwohl hinsichtlich der Gewährung der Unterkünfte immer noch Hotels an der Spitze sind.

sen, den man 14,6 Millionen Übernachtungen gewährt hat. Im letzten Jahr waren es noch 5,4 Millionen Menschen und 13,8 Millionen Übernachtungen. Der Anstieg erreichte dementsprechend 6%.

Der Anstieg unter ausländischen Touristen erreichte 4% und bei der Zahl der angemieteten Zimmer – 2,3%. Laut GUS sind im ersten Quartal 2017 5,9 Millionen Menschen in touristischen Unterkünften gewe-

In Hotels, Motels, Pensionen und anderen Hotelanlagen fanden 9,3 Millionen Touristen Unterkunft, davon alleine 7,8 Millionen in Hotels. „Man muss betonen, dass die Zahl der Übernachtungen in Motels

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deutlich gesunken ist (um 10,5%). An Popularität gewinnen wiederum Herbergen (Zunahme um 32,3%) und Jugendherbergen (+ 26,9%)“, erklärt GUS. Ausländische Touristen haben am liebsten Zimmer in Hotelanlagen gebucht, 84,3% wählten diese Option. von Paulina Kuc


78  #Interview

Moderne Medizin im alten Krankenhaus Man muss Mut haben, sagt Adam Cybulski, Vorsitzender des Zentrums für Medizin und Diagnose ARTIMEX-EURODENT und des neu eröffneten Zentrums für Gesundheit und Schönheit ARTIMEX in Ratibor.

Sie haben beschlossen „das alte Krankenhaus“ wieder zum Leben zu erwecken. Wieso? Das Gebäude in dem sich unsere Einrichtung befindet, das Zentrum für Medizin und Diagnose ARTIMEX-EURODENT und das neue Zentrum für Gesundheit und Schönheit ARTIMEX, assoziieren die Bewohner von Ratibor mit dem „alten Krankenhaus“. Früher war hier das Stadtkrankenhaus, also beschloss ich das Potenzial dieses Platzes zu nutzen. Darüber hinaus ist der Standort des Gebäudes im Zentrum der Stadt, nahe der Hauptverkehrsstränge, dass erleichtert die Zufahrt der Patienten in die Einrichtung. Jedoch hat die Anpassung eines historischen Objekts an die Bedürfnisse einer modernen, medizinischen Einrichtung viel Mut und Konsequenz verlangt. Welche medizinischen Beratungsstellen gibt es in dieser neuen Einrichtung? In unserer Einrichtung haben wir ein allgemein diagnostisches Radiologie-, Zahnarzt-, Ultraschalluntersuchungs-, Mammographie-, Densitometrie-, ein magnetisches Resonanz- und ein Computertomographielabor. Wir führen auch eine Fachberatungsstelle für: orthopädische, urologische, nephrologische, chirurgische und Brustwarzen Erkrankungen, allgemein und onkologische Chirurgie, Rheumatologie und Behandlung von Osteoporose, Diabetes-, Diätetische-, Dermatologische- und Kinderchirurgie. Was unterscheidet sie auf dem Markt medizinischer Leistungen in Schlesien? Vor allem verfügen wir über die neuste, medizinische Ausrüstung auf Weltniveau und ein herausragendes und erfahrenes Personal – Fachärzte, angestellte von Universitätskliniken. Äußerst wichtig ist eine empathische Einstellung voller Aufmerksamkeit zum Patienten. Wir verfügen auch über einen modernen Operationssaal und führen orthopädische Eingriffe durch, wie Knie-, Sprunggelenk-, Schulterar-

throskopien, Bänderrekonstruktionen und Weiteres. Unter unserer Obhut befinden sich unter anderem die Ringer der Nationalmannschaft, was über das Vertrauen, die die Sportler in unsere Ärzte haben, aussagt. Wir versichern auch kurze Wartezeiten für die Eingriffe und sehr vorteilhafte Preise. Könnten sie unseren Lesern kurz das neue Zentrum für Gesundheit und Schönheit vorstellen? Was unterscheidet es von anderen Einrichtungen dieser Art? Ich wollte einen einzigartigen Ort schaffen, der die traditionelle Hautpflegekosmetik mit neusten Hightech Technologien verbindet. Äußerst wichtig ist die komplexe Einstellung zum Klienten, die Fürsorge und gleichzeitig die Gewährleistung der sichersten Lösung des Problems. Wir schlagen nicht nur Eingriffe vor, die die Verjüngung des Menschen zum Ziel hat, ein paar Zentimeter in der Taille wegzunehmen oder ungewollte Behaarung zu entfernen, sondern auch Therapien, die sich die Verringerung postoperativer oder Verbrennungsnarben zum Ziel setzt. Patienten mit Fußproblemen, unter anderem eingewachsenen Nageln, Fußpilz, Hühneraugen hilft ein Podologie Spezialist. Er betreut auch Patienten mit der sogenannten Risikogruppe, also mit Diabetes, rheumatoiden Arthritis, kardiovaskulären Problemen oder Chronischvenösen Insuffizienzen. Wir haben angemessene Geräte um Menschen mit Problemen mit Hämangiomen, Rosazea, Erythemen oder Verfärbungen zu helfen. Wir entfernen auch Tattoos. Den Ort den ich geschaffen habe verbindet Menschen mit einer Leidenschaft, die ununterbrochen ihr Wissen erweitern, außerdem die Kosmetik und die fortgeschrittenen technologischen Geräte, für dessen Qualität zahlreiche Zertifikate und was noch wichtiger ist - sichtbare Effekte bereits nach dem ersten Eingriff, sprechen. Ich möchte auch hinzugeben, dass unsere Einrichtung in die neuste Laserausrüstung von Weltspitzenreitern in der Branche der ästhetischen Kosmetik

ausgestatten wurde. Alle Laser haben eine Weltinnovationsbescheinigung. Wir sind eine Einrichtung, die von solchen Firmen wie Ericson Laboratorie, O.P.I. und Skeyndor autorisiert wird. Wir wissen auch, dass die hohe Qualität ihrer Dienste gewürdigt wurden… Von der hohen Qualität der medizinischen Fürsorge spricht nicht nur das Vertrauen unserer Patienten, sondern auch die zahlreich verliehenen Preise und Bescheinigungen. 2012 belegten wir den ersten Platz im Wettbewerb „Perle der Medizin“ in der Kategorie „Stomatologie und Prothetik“, wir gewannen auch Preise für „Zuverlässig im Schützen der Gesundheit“ oder „Freundlichste medizinische Einrichtung“. Seit 2015 besitzen wir die Bescheinigung ANC 14664. Wir haben uns auch zwei Mal den Preis „Vertrauenswürdige Firma“ verdient. Die Bescheinigung Qualitätsmanagementsysteme ISO 9001 und Managementsystem für Informationssicherheit 270001 haben wir auch. In diesem Jahr ist die Firma AC ARTIMEX GmbH Preisträger des „Oppelner Qualitätspreises“ der Oppelner Wirtschaftskammer geworden. Welche Charaktereigenschaften muss man besitzen, um solch einen Erfolg in der Medizinbranche zu haben? Man muss mutig sein, keine Angst vor dem Risiko haben und eine Vorstellung der Entwicklung des Unternehmens für die nächsten paar Jahre oder sogar Jahrzehnte haben. Unentbehrlich ist auch die Kenntnis ökonomischer Regeln, die den Markt, auch den der medizinischen Dienste, regieren. Mir scheint, dass mich die Natur mit der Fertigkeit die Menschen für mich zu gewinnen, die zusammen mit mir für den guten Ruf des Unternehmens arbeiten, beschenkt hat. Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen weiterer Erfolge. Partnermaterial


�timex

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CENTRUM ZDROWIA I UR ODY So etwas gibt es in anderen Stadten dieser Region nicht. DIE MODERNSTEN LOSUNGEN auf Weltniveau ! Verringerung vaskularer Veranderungen, Verfarbungen, Kampf mit Nagelpilz, Behandlung von Narben, Tattoo-Entfernung und Hautumbau am ganzen Korper. ..,. Hautpflegekosmetik .... Schonheitskosmetik ..,. Asthetische Dermatologie und Kosmetik ..,. Heilkosmetik ..,. Pedologie ..,. Lasertherapie ..,. Physiotherapie ..,. Relaxations- und Heilsmassagen ..,. Tattoo-Entfernung ..,. Hautanalysen ..,. medizinische Beratung

Generała Bema Stra8e 5, Racibórz (Eingang von S. Staszica Stra8e) Tel. 663 259 OOO medicalestetic@artimex.com.pl www.facebook.com/artimex.centrumzdrowiaiurody


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