N R . 1/2 02 1 MAGA ZIN DER STIF TUNG A LT E R S W O H N U N G E N D E R S TA D T Z Ü R I C H S A W
Alle en tung l a EU t ns ie N Vera nden S fi der SAW ge in je r e d eila . als B ohnZeit W
SCHWERPUNKT
Selbstbestimmung fördert Ihre Gesundheit P O R T R ÄT
VA R I A
«Dank der SAW komme ich gut allein zurecht.»
Seelische Schatten gibt es in jedem Leben.
SCHWERPUNKT | SELBSTBESTIMMUNG K ANN IHRE GESUNDHEIT FÖRDERN
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INTE RVIE W | SE LBST VE R ANT WO RTUN G SCHÜT Z T VO R ANSTECKUN G
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P O R T R ÄT | « D A N K D E R U N T E R S T Ü T Z U N G D E R S AW K O M M E I C H N O C H G U T A L L E I N Z U R E C H T»
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N E W S | V E R N E T Z T E S AW - M I E T E R * I N N E N T R O T Z C O R O N A
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VA R I A | D I E S C H AT T E N J Ä G E R I N N E N D E R S AW
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IMPRESSUM
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EDITORIAL
Frühling Liebe Leserinnen und Leser Es ist Frühling! Die Natur erwacht zu neuem Leben, überall beginnt es zu spriessen, zu grünen und zu blühen. Die Vögel kehren aus dem Süden in unsere Gefilde zurück und singen. Das Erwachen der Natur nach der ruhigen Winterphase, die zunehmende Lichtintensität, die fröhlichen Farbtupfer rundherum von Veilchen, Krokussen, Primeln und allen anderen Frühlingsblühern schenken uns neue Energie und bewirken auch bei uns Menschen häufig eine Aufbruchstimmung. Aufbruch wohin? Frühling wird im Zusammenhang mit den Lebenszyklen der Jugend zugeordnet: Studium, Berufswahl, Familiengründung usw. Jung sind wir alle nicht mehr wirklich (auch ich nicht!). Was bedeutet also der Frühling für mittel bis ältere Menschen? Wohin geht die Reise, was streben wir an, was wollen wir erreichen, gestärkt durch die frische Energie des Frühlings? Vielleicht müssen wir diese Energie gar nicht gezielt nutzen, um Andrea Martin-Fischer Direktorin
neue Wege zu gehen, neue Ziele zu erreichen, Taten umzusetzen. Vielleicht reicht es auch einfach, diese Energie zu fühlen, die zunehmende Wärme zu spüren, die Farben um uns herum im sich verändernden Licht wahrzunehmen und uns einfach zu freuen, dass nach jedem Winter der Frühling kommt. Diese Zuversicht mitzutragen durch das restliche Jahr, sie zu teilen mit anderen Menschen, die uns nahe sind, oder vielleicht gar mit jenen, die uns weniger zusagen. Wie heisst es so schön im Volksmund: «Geteiltes Leid ist
für die ken, Ideen Mitden ? ln e m unter eit sam ie sich S n WohnZ e d el h .c h en ? M zu e ric @ mitred t i e z oh n Zeit saw-w : Wohn Betreff 73 7 7 4 415 4 0 : r Ode
halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude.» Sehr gerne teile ich meine Freude am Frühling mit Ihnen! Mit herzlichen, warmen, bunten, sonnigen Frühlingsgrüssen Andrea Martin-Fischer, Direktorin
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SCHWERPUNKT
Selbstbestimmung kann Ihre Gesundheit fördern T E X T: N I N A S C H E U , F O T O G R A F I E : D O M I N I Q U E M E I E N B E R G
Mit der Selbständigkeit ist es wie mit einer Pflanze: Sie gedeiht am besten, wenn man sie ständig pflegt. Wohnen in einer SAW-Siedlung ermöglicht nicht nur ein selbstbe- stimmtes Leben, sondern es stärkt auch die Selbständigkeit. Gerade
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erich
Wohnmodell besonders bewährt.
SAW-Ins ider werden u n d für E-News letter an melden:
qrco.de /saw-z u
in der Pandemie hat sich das SAW-
SCHWERPUNKT
Der Zürcher Gerontopsychiater Christoph Held findet viel Wahrheit in dieser Aussage: «Es ist tatsächlich so, dass wir unsere Fähigkeiten mit steigendem Alter immer mehr trainieren müssen, um diese zu erhalten. Das betrifft nicht nur den Im Kopf ist sie fit wie eine 30-Jährige, «aber mit
Körper, der mit Bewegungsübungen in Schuss ge
dem Rücken hapert es schon länger», erzählt Anna
halten werden sollte, sondern auch unsere geistige
Müller (87): Gut 70 Jahre lang hat sie in derselben
Beweglichkeit. Wer selbstbestimmt wohnt, hat
Wohnung im Erismannhof gelebt, seit sie ein kleines
nicht nur gute Chancen, länger unabhängig von
Kind war. Anfangs noch ohne Warmwasser und
Unterstützung zu bleiben, sondern ist auch ge-
eigene Dusche. In den letzten Jahren wurde es im
zwungen, weiterhin selbständig Entscheidungen
mer anstrengender, das Holz für die alten Öfen
zu treffen. Das fördert zweifellos die geistige Fit-
in die Wohnung zu schleppen. Wegen ihrer Osteo-
ness.» Das Dienstleistungsangebot der SAW ermög-
porose kann Frau Müller keine schweren Lasten
licht die selbstbestimmte Wohnform, auch wenn
mehr tragen. Ein Umzug wurde unumgänglich. In
die selbständige Haushaltführung nicht mehr gänz
ein Altersheim zu ziehen, kam für sie aber nicht
lich ohne Unterstützung möglich ist.
infrage: «Ich koche viel zu gerne», erklärt sie. «Ich will meinen Tagesablauf unabhängig von den Es senszeiten anderer planen können.» Auch sonst
Selbstbestimmt gesund bleiben
lässt sich Anna Müller nicht gerne in ihren Lebens-
Die gewagte These, dass es an der Selbstbestim-
stil hineinreden.
mung der Mieterinnen und Mieter liegen könnte, dass es in den SAW-Siedlungen kaum zu Corona Fällen kam, könnte durchaus richtig sein, meint
Unterstützung zur Selbständigkeit
Christoph Held. «Wer selbst die Verantwortung
Seit 2016 wohnt Anna Müller in der SAW-Siedlung
für sein Leben und Handeln noch tragen kann,
Hardau, wo sie mit dem Lift in den 2. Stock fahren
verhält sich auch anderen gegenüber eher verant-
kann, in dem ihre Wohnung liegt. Jeden Morgen
wortungsbewusst.» Und selbstverständlich sei
unterstützt sie eine Mitarbeiterin der Spitex Zürich
das Ansteckungsrisiko in den eigenen vier Wän-
SAW beim Aufstehen. Zweimal im Monat hilft
den geringer, als wenn man tagtäglich vielen
ihr die hauswirtschaftliche Spitex beim Reinigen
verschiedenen Menschen begegne, wie in einem
der Wohnung. Alles andere meistert Frau Müller
Spital oder einem grösseren Heim. Was allerdings
alleine. Sie fährt für kleinere Einkäufe in die Stadt,
in den Medien mitunter über Alters- und Pflege-
besucht Freunde oder geniesst Ausflüge mit dem
heime zu lesen gewesen sei, verzerre die Wirk-
Zug, das GA machts möglich. Sie ist es gewohnt,
lichkeit, findet Held: «Damit jagt man den Leuten
Hindernisse zu überwinden. «Was uns nicht um-
eine unnötige und falsche Angst vor Alters- und
bringt, macht uns stark», meint sie – auch wenn
Pflegezentren ein.» Deshalb an dieser Stelle das
ihr Alltag wegen der schwachen Knochen nicht
Beispiel einer Frau, die sich bewusst für das Leben
immer einfach ist.
in einem Alterszentrum entschieden hat.
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SCHWERPUNKT
René und Esther Ruffieux sind dankbar, dass sie seit Esthers Krebserkrankung im letzten Sommer auf die Unterstützung der SAW-Spitex vertrauen können.
«Was wir am Körper tragen, wird selbst gewaschen. Bad- Bett- und Küchenwäsche erledigt die SAW für uns.»
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Glücklich im Alterszentrum
Sichere Wohnform SAW
Olga Schmid-von Moos (88) ist vor zwei Jahren ganz
Ein auslösender Faktor für die gehäuften Erkran-
bewusst und voller Freude ins neu eröffnete Alters
kungen in den Alters- und Pflegezentren ist sicher
zentrum Trotte in Zürich gezogen. Das grosse Zimmer
auf die gemeinsam genutzte Infrastruktur sowie
mit kleiner Loggia entspricht ihren Bedürfnissen.
auf die Begegnungen zwischen Bewohner*innen,
Sie wollte ihren Haushalt schon lange reduzieren und
Personal und externen Besuchern zurückzuführen.
geniesst die Gemeinschaft mit anderen ebenso wie
In den Siedlungen der SAW kam es zu deutlich
die ausgebaute Infrastruktur: Restaurant, Coiffeur
weniger Durchmischung. Die Mieterinnen und
und sogar ein modern eingerichteter Fitnessraum
Mieter kochen selbst. Als im ersten Lockdown der
sind erreichbar, ohne dass sie zuerst Schuhe und
älteren Bevölkerung abgeraten wurde, in die Lä-
Mantel anziehen muss. Auch während der Pandemie
den zu gehen, übernahmen die SAW-Kümmerinnen
fühlte sie sich nicht entscheidend eingeschränkt:
der hauswirtschaftlichen Spitex deren Einkäufe, ohne
Mit der weit verstreut lebenden Verwandtschaft tele-
die Wohnungen betreten zu müssen. Unbekannte,
fonierte sie wie gewöhnlich oder schrieb E-Mails,
die das Virus in den Siedlungen hätten verbreiten
und da sie im Zentrum hervorragend essen kann,
können, wurden angesprochen und um Rücksicht
war sie froh, nicht selbst einkaufen zu müssen.
und Abstand gebeten, ebenso Besucher*innen, die
SCHWERPUNKT
Für Esther Ruffieux sind die freundlichen Mitarbeiter*innen der SAW-Spitex ein täglicher Lichtblick, auch dann wenn es ihr einmal nicht so gut geht.
ohne Maske unterwegs waren. Als die Veranstaltungen der SAW abgesagt werden mussten, ersetzten die Verantwortlichen der SAW-Soziokultur das gestrichene Programm durch Garten- und Hofkonzerte in verschiedenen Siedlungen, um den Mieterinnen und Mietern etwas Abwechslung zu bieten. Bei all diesen Aktivitäten blieb die Sicherheit oberste Regel. Das Konzept «Selbstbestimmt Wohnen mit Unterstützung nach Bedarf» hat sich – nicht zuletzt auch dank der Kreativität, mit der in der SAW stets flexibel auf die sich ändernde Lage eingegangen werden konnte – während der Pandemie ganz besonders bewährt.
←
Die fallführende Pflegefachfrau Danijela Stojkovic und ihr Team unterstützen Esther Ruffieux auch im Papierkrieg, den die Krankheit zur Folge hatte.
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SCHWERPUNKT
Während des Lockdowns vermieden es die SAW-Mitarbeitenden, Wohnungen zu betreten. Sie gingen stattdessen für die Mieter*innen einkaufen und achteten auf deren Wohlergehen. Rachel Gnägi (links) im Gespräch mit einer Mieterin.
Für jede und jeden die passende Wohnform
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Die Erarbeitung der Altersstrategie 2035 der Stadt
tende Wirkung der anregenden Kurse und Veran-
Zürich hat gezeigt, wie wichtig es ist, Lösungen
staltungen der SAW. Ausserdem entstehen in den
zu entwickeln, damit möglichst viele Menschen in
Siedlungen mit Unterstützung der SAW-Soziokultur
der für sie passenden Wohnsituation alt werden
häufig nachbarschaftliche Netze, die das selbständige
können. Die Strategie hat ebenso deutlich gemacht,
Leben bereichern und weiter vereinfachen können.
dass die Alterswohnungen der SAW mit ihrem
Dass diese selbstbestimmte Wohnform vielen
breiten Dienstleistungsangebot, das je nach Bedarf
Menschen in der Stadt Zürich bis ins hohe Alter
weniger oder intensiver genutzt werden kann, der
entspricht, heisst nicht, dass nicht auch andere
weitaus am häufigsten gewünschten Lebensform
Wohnformen wichtig und richtig sind. Wenn die
im Alter entsprechen. Die SAW-Grundleistungen in
körperliche oder geistige Gesundheit nicht mehr
Verbindung mit den auch kurzfristig zur Verfügung
mitspielt, können ein Alters- oder Pflegezentrum
stehenden Unterstützungsangeboten der SAW-
die geeignete Lebensform sein. Wer aber zu Hause
Spitex und des SAW-Sozialdienstes ermöglichen
bleiben kann und möchte, findet in der Stiftung
ein langes Verbleiben in den eigenen vier Wänden.
Alterswohnungen die Unterstützung, die ein selbst
Nicht zu unterschätzen ist die gesundheitserhal
bestimmtes Altwerden möglich macht.
SCHWERPUNKT
Selbstverantwortung schützt vor Ansteckung AUFZEICHNUNG: NINA SCHEU
Wir sprachen mit dem Zürcher Gerontopsychiater Christoph Held über die Unterschiede zwischen verschiedenen Wohnformen im Alter und über die Frage, ob das selbstbestimmte Leben in den Alterswohnungen der SAW dazu beitragen kann, die Gesundheit zu fördern.
Was sind aus Ihrer Sicht die wich-
Während der Corona-Krise kam es
Kann eine selbstbestimmte Wohn-
tigsten Unterschiede zwischen dem
bisher in der SAW zu sehr wenigen
form, wie sie die SAW ermöglicht,
Wohnen zu Hause, bei der Stiftung
Erkrankungsfällen. Woran könnte
Demenz hinauszögern, beispiels-
Alterswohnungen und dem Leben
das aus gerontopsychiatrischer
weise durch das ständige Training
in einem Alters- oder Pflegezentrum?
Sicht liegen?
der Hirnleistung?
In der Alterswohnung gestalten
Es liegt, wie Sie es in Ihrem Artikel
Das ist sehr unterschiedlich zu be-
und bewältigen die Mieter*innen
beschreiben, wahrscheinlich an
urteilen und hängt von der Persön-
selbständig ihren Alltag, während
den besseren kognitiven Fähigkei-
lichkeit der Betroffenen vor Krank-
in den Alters- und Pflegezentren
ten der Mieter*innen der SAW,
heitsbeginn sowie von der Art der
die Strukturen dieser Institutionen
die Gefährdungen zu erkennen
Demenz ab. Generell muss man
den Alltag der Bewohnerinnen über
und sich zu schützen – durch
sagen, dass durch Training weniger
weite Strecken bestimmen. Die Un-
die Einschränkung von Kontakten
die Demenz hinausgezögert werden
terschiede und Übergänge werden
und durch das Einhalten von
kann als die Institutionalisierung
nun allerdings immer fliessender
Schutzmassnahmen.
der Betroffenen.
und durchlässiger, da mit ambulanten Unterstützungsangeboten auch Privatwohnende länger zuhause bleiben können. Und die Mieterinnen
Sie sagten in einem Gespräch mit
und Mieter der SAW profitieren dank
Journalisten der «Zeit» kürzlich,
der verstärkten Kooperationen zu-
eine viel grössere, aber noch wenig
nehmend von den Betreuungs- und
beachtete Pandemie sei die De-
Pflegedienstleistungen institutio
menz. Wie ist das zu verstehen?
neller Organisationen. Das ist tatsächlich im übertragenen Sinne gemeint: Pandemie bezeichnet eine weltweite starke Ausbrei-
Christoph Held arbeitete als Heimarzt und
tung einer Krankheit mit hohen
Gerontopsychiater in den Pflegezentren
Erkrankungszahlen und schweren
der Stadt Zürich und ist heute noch im
Krankheitsverläufen. Das trifft lei-
Gesundheitszentrum Dielsdorf tätig. Er un-
der auch für die Demenzen zu, die bis zum heutigen Tag nicht behan-
terrichtet an Fachhochschulen und schreibt Bücher über Demenz.
delbar sind.
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P O R T R ÄT
«Dank der Unterstützung der SAW komme ich noch gut allein zurecht» AUFZEICHNUNG: NINA SCHEU; FOTOGR AFIE: DOMINIQUE MEIENBERG
Erna Steinauer leidet seit vielen Jahren an Morbus Bechterew. Wegen der schmerzhaften Rückenkrankheit ist sie froh um die Unterstützung der hauswirtschaftlichen Spitex SAW, die ihr einmal wöchentlich einen Teil der Hausarbeit abnimmt.
ich phasenweise nicht mehr aufrecht gehen kann. Auch staubsaugen, den Boden aufwischen oder mein Bett frisch beziehen kann ich nicht mehr. All das macht eine Mitarbeiterin der hauswirtschaftlichen Spitex, die einmal pro Woche kommt. Die Wäsche gebe ich in die Wäscherei, das klappt bestens. Ausser um die Küche und das Kochen muss ich mich nicht mehr um den Haushalt kümmern, das ist eine grosse Erleichterung. Wir hatten uns schon für eine SAW-Wohnung ange
«Wer weiss, wo ich ohne die Spitex SAW heute wäre?
meldet, als mein Mann noch lebte. Die Wohnung in
Kurz vor Weihnachten lag ich mit hohem Fieber
Wollishofen war nach dem Auszug der drei Kinder
im Bett, als eine Mitarbeiterin anrief, um sich nach
zu gross für uns geworden. Elf Monate nach dem Tod
meinem Wohlergehen zu erkundigen. Ich war vom
meines Mannes konnte ich hier einziehen, das war
Fieber so benommen, dass ich mich heute nicht
im Mai 2015. Ich war sehr froh, auch weil ich mich
mehr daran erinnere, weshalb sie anrief. Vielleicht
hier im 7. Stock sicherer fühle. In die alte Parterre
war mein Briefkasten voll oder ihr war etwas Unge-
wohnung war schon einmal eingebrochen worden,
wöhnliches aufgefallen? Jedenfalls kam sie bei mir
das kann mir hier nicht so leicht passieren. Ausser-
vorbei und sah, wie schlecht es mir ging. Mit mei-
dem ist die Aussicht ganz wunderbar. Die Umgebung
nem Einverständnis rief sie einen Krankenwagen,
kenne ich schon seit Jahren, es gibt viele Wege für
der mich ins Spital brachte. Dort musste ich 14
Spaziergänge, was für mich und meinen Hund wich-
Tage bleiben: Ich hatte mich mit Corona angesteckt.
tig ist.
Zum Glück hatte ich ausser dem Fieber keine Symptome, auch Sauerstoff brauchte ich keinen. Manch-
Während des ersten Lockdowns ging ein Bekannter,
mal habe ich jetzt aber das Gefühl, dass ich rascher
der ebenfalls seinen Hund regelmässig spazieren
ausser Atem komme, wenn ich mit meinem Hund
führt, für mich einkaufen. Darum brauchte ich die
spazieren gehe.
Unterstützung durch die SAW nicht. In der Siedlung besuchen wir Nachbarinnen und Nachbarn uns
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Bewegung muss aber sein, sonst nehmen meine
gegenseitig oder gehen jetzt, wo die Schutzmass-
Schmerzen überhand. Seit meiner Jugend leide ich
nahmen etwas lockerer sind, zusammen einkaufen.
unter Rückenschmerzen. Es dauerte Jahre, bis die
Zum Coiffeur gehe ich nicht – die Coiffeuse kommt
Diagnose Morbus Bechterew gestellt wurde und ich
zu mir. Mittlerweilehat sie noch mehr Kundinnen in
richtig behandelt werden konnte. Mein Rücken ist
der Siedlung. Man kennt sich, das macht das Leben
mit den Jahren immer steifer geworden, so dass
in Zeiten der Pandemie etwas einfacher.
P O R T R ÄT
Im nahen Alterszentrum können sich auch die Mieterinnen und Mieter der SAW zum Mittagessen anmelden. Das werde ich bald einmal ausprobieren. Aber sonst geniesse ich meine Freiheit in der eigenen Wohnung, und mit der Unterstützung durch die SAW komme ich noch gut allein zurecht.»
«Ausser um das Kochen muss ich mich nicht mehr um den Haushalt kümmern, das ist eine grosse Erleichterung.» Erna Steinauer (84) Siedlung Neubühl
11
NEWS
Für alle, die einen Computer, ein
die von vielen vermisst wird. Es gab
Tablet oder ein Smartphone zu
aber auch Hinweise, welche Kulturins
Hause haben und sich nach nach-
titutionen ihre Angebote online zur
barschaftlichem Austausch, Ge-
Verfügung stellen sowie wertvolle
sprächen, Tipps und Diskussionen
Veranstaltungstipps. So bietet zum
sehnten, bietet die SAW-Soziokultur
Beispiel das Landesmuseum virtuelle
seit Februar jeden Dienstag um 16
Rundgänge und sogar Führungen
Uhr ein begleitetes Treffen am Bild-
durch verschiedene Ausstellungen
schirm an. Die Idee dahinter ist unter
an, und das Opernhaus zeigt jedes
anderem, dass diese Meetings auch
Wochenende Opern oder Ballett
ohne Anstoss durch die SAW von
aufführungen, die während zweier
den Mieterinnen und Mietern selbst
Monate auch nachträglich genossen
Erfolgreiche SAW-Zoom-Meetings
weitergeführt werden können.
werden können. Auch verschiede
Mithilfe der Meeting-Software Zoom
ne Filmportale und die SRG bieten
trafen sich schon beim ersten Ver-
Ersatz für die geschlossenen Kinos
Aufgrund der nötigen Schutzmass-
such rund 20 Mieterinnen und Mieter
an. Wer die Zoom-Software noch
nahmen ist es in den vergangenen
an ihren Bildschirmen zu Hause. Nur
nicht kennt oder sich in der Funkti-
Monaten schwierig oder unmöglich
wenige von ihnen hatten sich davor
onsweise unsicher fühlt, erhält auch
geworden, Kontakte zu pflegen,
schon einmal persönlich gesehen,
weiterhin Unterstützung von den
Freunde zu treffen oder Veranstal-
denn die Teilnehmenden wohnen alle
Mitarbeiterinnen der SAW-Sozio-
tungen zu besuchen. Viele haben
in verschiedenen Siedlungen über die
kultur. Veranstaltungen, die online
sich in ihren eigenen vier Wänden
ganze Stadt verstreut. Schon bald
besucht werden können:
eingeigelt. Die SAW schafft Abhilfe
entstanden angeregte Gespräche
landesmuseum.ch, opernhaus.ch
mit digitaler Unterstützung.
– über die Kultur beispielsweise,
schauspielhaus.ch, playsuisse.ch
Alter hat Zukunft – Selbstbestimmt bleiben
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Zürich soll bis 2035 eine noch
der «Altersstrategie 2035» der Stadt
altersfreundlichere Stadt werden.
Zürich. Sind Sie gerne auf dem Lau-
Eine Stadt, in der ältere Menschen
fenden und wollen aus erster Hand
möglichst lange in ihren eigenen
erfahren, was in der «Altersstrategie
vier Wänden mit der nötigen Unter-
2035» der Stadt Zürich geht – und
stützung und Pflege leben können.
was bereits steht? Fragen rund ums
Die Seniorinnen und Senioren von
Alter interessieren Sie? Dann abon-
heute und erst recht von morgen
nieren Sie jetzt den elektronischen
legen viel Wert auf ein selbstbe-
Newsletter «Altersstrategie 2035».
stimmtes Leben, Vielfalt, Mobilität
Anmelden können Sie sich schnell
und Individualität. Dies ist das
und einfach unter:
Ergebnis eines breit angelegten
stadt-zuerich.ch/newsletter-
Mitwirkungsprozesses im Rahmen
altersstrategie
NEWS
Ein Zoom-Meeting mit dem Stadtrat Die Coronapandemie dauert an und
und Umweltdepartements auszutau-
fordert unser aller Geduld. Um zu
schen. Für die Teilnehmenden bot
erfahren, wie es den Menschen in
sich die Gelegenheit, dem Stadtrat
dieser schwierigen Zeit geht, stehen
persönlich von ihren Erlebnissen zu
verschiedene Mitglieder des Stadt-
berichten. Darunter waren erfreu
rats in 15-minütigen Zoom-Meetings
licherweise auch positive Erfahrun-
für Gespräche zur Verfügung.
gen. Andreas Hauri hörte mit viel
Die SAW packte die Gelegenheit
Interesse zu und nutzte die knappe
beim Schopf und organisierte für
Zeit für kurze Nachfragen. Die SAW
interessierte Mieter und Mieterin-
nutzt die positive Erfahrung, um in
nen einen eigenen Termin mit dem
Zukunft weitere Anlässe dieser Art
Stiftungsratspräsidenten der SAW,
zu organisieren.
Stadtrat Andreas Hauri, am 17. März
Anmeldung online unter:
2021. Zehn Mieterinnen und Mieter
stadt-zuerich.ch/portal/de/index/
nutzten die Gelegenheit, sich mit
zueri-laebt-redirect-kontakt/zueri-
dem Vorsteher des Gesundheits-
tauscht-sich-aus
Telefonbetrüger sind schlau. Seien Sie schlauer.
Trickbetrüger mit neuer Masche Sie wirken am Telefon hilfsbereit
Bitte gehen Sie nie auf solche Anfra-
und selbstsicher, aber sie führen
gen ein und hängen Sie nach einem
Betrügerisches im Schilde. In den
verdächtigen Anruf auf. Warten Sie
letzten Wochen und Monaten häufen
zehn Minuten und melden Sie den
sich wieder die Meldungen über
Vorfall erst danach der SAW und
Trickbetrüger, die vorwiegend ältere
der Polizei. Manchmal bleiben die
Menschen anrufen und sie dazu über-
Spitzbuben nämlich noch in der
reden, ihnen Geld zu geben. Sei es,
Leitung, nachdem Sie eingehängt
indem sie sich als entfernte Verwand-
haben, damit sie ihr Spiel mit Ihnen
te in Not ausgeben oder als Com-
weitertreiben können, sobald Sie
die Grundregel: Unbekannte erhalten
puterspezialisten, die ihr Passwort
den Hörer wieder zur Hand nehmen.
weder Wertsachen noch Passwörter
brauchen, um ihren Computer oder
Auch Unbekannte, die Ihnen hohe
von Ihnen. Nie. Und schämen Sie sich
ihr Handy «sicherer» zu machen.
Gewinne mit Kryptowährungen wie
nicht, wenn Sie doch einmal herein-
In jüngster Zeit melden sich die
Bitcoins versprechen, oder solche,
gefallen sind, sondern melden Sie
Betrüger sogar als Polizisten und
die via Telefon ihren Computer up-
sich bei der Polizei und bei der SAW
behaupten, sie hätten den Auftrag,
daten wollen, haben es leider in fast
– damit andere geschützt werden
Schmuck und Bargeld oder die
allen Fällen nur darauf abgesehen,
können. telefonbetrug.ch, zh.ch/de/
Computerdaten der angerufenen
Sie auszunehmen. Seien Sie also vor-
sicherheit-justiz/delikte-praevention/
Person in Verwahrung zu nehmen.
sichtig und halten Sie sich immer an
betrugsformen.html
telefonbetrug.ch
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NEWS
Fragen und Antworten rund ums Thema Corona In den letzten Wochen und Monaten
Questions») mit den am häufigsten
erreichten die SAW zahlreiche An
gestellten Fragen und den dazuge-
fragen zum Umgang mit der Corona-
hörigen Antworten erstellt. Sie finden
pandemie und der Covid-19-Impfung.
alle Informationen unter: wohnen-
Auf der SAW-Website veröffentlichen
ab60.ch/angebot/aktuelles-agenda/
wir laufend die aktuellen Informa
coronavirus. Selbstverständlich steht
tionen von Bund, Kanton und Stadt.
Ihnen die SAW auch telefonisch für
Ausserdem haben wir ein sogenann
Fragen zur Verfügung:
tes «FAQ» («Frequently Asked
Tel. 044 415 73 33.
Ihre Meinung ist gefragt
schen durch neue Technologien in
Auf der SAW-Website wohnenab-
den?» teilzunehmen. Ausgehend vom
60.ch sind zwei Umfragen aufge-
Gedanken, dass technische Neuhei-
schaltet, die sich an ältere Menschen
ten häufig von jüngeren Menschen
richten. Die Universität Zürich sucht
entwickelt werden, will «Aias» älte-
Personen über 65 für eine Studie,
ren Menschen eine Stimme geben,
die aufzeigen soll, wie sich soziale
damit ihre Bedürfnisse in die Entwick-
Interaktionen am Telefon auf das
lung digitaler Hilfsmittel einfliessen
Wohlbefinden und die geistige Dyna-
können. Auf der Basis ihrer Antworten
mik der Teilnehmenden auswirken.
werden mehrere Start-Ups konkrete
Im zweiten Projekt «Aias» sind die
Projekte entwickeln, die im Laufe des
Mieterinnen und Mieter der SAW
Sommers in Workshops ausgearbei-
eingeladen, an einer Umfrage zum
tet und Ende Jahr der Öffentlichkeit
Thema: «Wie können ältere Men-
vorgestellt werden.
ihrem Wohnumfeld unterstützt wer-
Züri läbt – ein Angebot der Stadt
Züri läbt 14
Auf der Webseite «Züri läbt» sam-
Bevölkerung zu stärken sowie die
melt die Stadt Zürich Links zu Ideen
Kreativität, die Lebensfreude und
und Online-Angeboten, die der
den Austausch zu fördern. Mit
Bevölkerung während der Corona-
Kurzfilmen, Streaming-Angeboten,
pandemie eine Freude und etwas
musikalischen «Quarantänemüpfeli»
Abwechslung bieten können.
und zahlreichen Mitmach-Ideen,
Erklärtes Ziel der laufend mit neuen
mit denen Sie auch anderen eine
Angeboten aktualisierten Webseite
Freude bereiten können: stadt-zue-
ist es, das Wohlergehen der Zürcher
rich.ch/site/zueri-laebt/de/
VA R I A
Die Schattenjägerinnen der SAW T E X T: N I N A S C H E U , F O T O G R A F I E : D O M I N I Q U E M E I E N B E R G
Die Einschränkungen in der momentanen Situation können auf das Gemüt schlagen. Seelische Schatten gibt es in jedem Leben. Wenn die eigene Kraft zur Bewältigung von Krisensituationen fehlt, bietet die psychosoziale Spitex der SAW Unterstützung.
Der tägliche Einkauf, Treffen mit der Familie und
zu entlastenden Gesprächen über ihre Situation. Die
Freunden, nachbarschaftliche Gespräche und Veran
vier diplomierten Pflegefachfrauen Psychiatrie un
staltungen gehörten bis vor einem Jahr für viele
terstützen Betroffene mit der Erarbeitung und dem
Mieterinnen und Mieter ganz selbstverständlich zum
Einüben von Bewältigungsstrategien, beim Aufbau
Alltag. Das hat sich mit dem Ausbruch der Corona
und der Befähigung zur Haushaltsführung und
Pandemie fundamental geändert. Die Schutzmass-
nötigenfalls der Selbstpflege. All dies, wenn möglich
nahmen, das Abstandhalten und Maskentragen und
und gewünscht, in enger Zusammenarbeit mit Ange-
erst recht die Restriktionen während des Lockdowns
hörigen oder Beiständen.
haben uns bewusst gemacht, wie viel mit diesen kleinen, oft täglichen Gewohnheiten einherging: Die
Damit die Sonne wieder ins Leben scheint
Freude über den kurzen Schwatz am Postschalter
Die Ursachen einer Krisen- oder Problemsituation
oder an der Migroskasse, das Beobachten der Men-
sind so vielfältig wie die Menschen, die von den vier
schen auf Plätzen und Strassen wichen Gefühlen der
Fachfrauen beraten werden. Eine plötzliche Krank-
Unsicherheit und manchmal auch der Einsamkeit.
heitsdiagnose könne beispielsweise ein Grund sein, weshalb psychologische Unterstützung nötig werde,
Schatten gehören zum Leben ...
erzählt Viola Hug, oder auch Uneinigkeiten innerhalb
Es ist verständlich, dass es in den eigenen vier Wän-
der Familie. Auch die Pandemie habe spürbar auf die
den auch mal zu eng werden kann und die Decke
Stimmung ihrer Kunden und Kundinnen gedrückt. Es
einem auf den Kopf zu fallen droht. Dazu braucht es
hilft, wenn man sich Ängste und Sorgen von der Seele
keine Pandemie. Krankheiten, Trauer, Unsicherheit
reden kann. Das spezialisierte Frauenquartett der
und Angst gehören zum Leben. Auch Suchtprobleme
Spitex Zürich SAW hat immer ein offenes Ohr – und
können die Seele belasten. Wichtig ist es aber zu wis-
Wege, wie man die Sonne wieder hinter den Seelen-
sen, dass man in solchen Situationen nicht alleine ist
wolken hervorzaubern kann.
und dass man sich Unterstützung holen kann – und soll –, bevor alles zu viel oder gar unerträglich wird. ... aber sie lassen sich verjagen Die Spitex Zürich SAW hilft, die Schatten zu verscheuchen, wenn die eigene Kraft dazu nicht mehr genügt. Viola Hug, Janine Keller, Nathalie Sandej und seit April auch Claudia Weder besuchen betroffene Mieterinnen und Mieter regelmässig
15 von links nach rechts: Viola Hug, Claudia Weder und Nathalie Sandej
Vom kleinen zum grossen Zürich Anfangs des 19. Jh. wurde Zürich umgebaut. Es war ein Wandel zur Grossstadt, Vororte wurden eingemeindet, die Stadt zum Zentrum. Ein Einblick in die städtische Siedlungsstruktur.
August
26
14.00 Uhr Siedlung Krone Altstetten Monika Kienast, lic. Ethnologie, Kunstgeschichte und Volksliteratur/Volkskunde
qrco.de/bbzT4s
Diese und viele weitere spannende SAW-Veranstaltungen finden Sie jetzt in der beigelegten Agenda. Alle Veranstaltungen sind immer aktualisiert auch online abrufbar. ↓
Die WohnZeit erscheint dreimal jährlich. Nächste Ausgabe : August 2021
Herausgeberin
Auflage
Redaktion
Fotografien in dieser Ausgabe
Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich Feldstrasse 110 Postfach 8036 Zürich
4300 Exemplare, gedruckt auf BalancePure, 100% Altpapier
Nina Scheu Verantwortliche Kommunikation
Dominique Meienberg (dominiquemeienberg.ch)
Druck
Redaktionskommission
Gestaltung
Druckerei Printoset, Zürich
Eidenbenz / Zürcher AG (e -z.ch)
044 415 73 33 wohnenab60 @zuerich.ch www.wohnenab60.ch
Korrektorat
Andrea Martin-Fischer Direktorin
Regula Walser (regulawalser.ch)
Marianne Lobrinus Bereichsleiterin Wohnen
Titelbild René und Esther Ruffieux wohnen seit 2014 in der SAW-Siedlung Köschenrüti. Seit bei ihr im vergangenen Sommer Krebs diagnostiziert wurde, sei sie enorm dankbar, schwärmt Esther Ruffieux, dass sie auf die unkomplizierte, stets kompetente und freundliche Unterstützung der SAW-Spitex zählen könne.