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Pattaya

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Eine Begegnung

mit dem Heiligtum der Wahrheit. MEERraum-Entdeckungen im Holztempel von Pattaya

E

s gibt Orte auf der Welt, an denen sich Himmel und Erde schon sehr nahe kommen. Die jedermann betreten darf, ohne einen besonders festen Glauben zu besitzen. Es genügt eigentlich schon der Glaube daran, dass es immer wieder etwas Spannendes zu entdecken gibt, das man noch nicht kennt. Angekommen in der Naklua-Bucht, südlich von Bangkok gelegen und etwa sechs Kilometer entfernt von Pattaya – der Badewanne Thailands. Zuerst per Pick-

Fotoreportage von Tom Richter

up-Taxi vorbei an Hauptstraßen und Markttreiben, das letzte Stück mit dem Eselskarren oder einfach zu Fuß bis hin zur etwas baufälligen Treppe. Von hier aus können wir das Meer schon riechen. Sanctuary of Truth, der große hölzerne Tempel von Pattaya. Falls dies die letzte Station vor dem Ende der Welt sein sollte, bevor die Fahrt übers Meer beginnt - hier wurde ein würdiges Meisterwerk errichtet. Angefertigt aus einem simplen Baumaterial, mit wenig Technik, aber viel Hingabe.


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Ein so reich verziertes, aufwendig gestaltetes, vielfach gegliedertes Dach erblickt man auf seinen Reisen nicht jeden Tag. Wir versuchen, die genaue Anzahl der Giebel zu ermitteln, aber es scheint fast unmöglich, es sind zu viele. Vor dem Bau ein buntes Treiben aus Tänzern, Säbelkämpfern, Imbissen und Elefanten, auf denen man reiten kann. Die Kinder posieren mit Götterfiguren oder lassen sich aufgrund der Hitze ein Eis schmecken. Gleich hinter diesem

Trubel befinden sich die Werkstätten, in denen Arbeiter an neuen Reliefs für den Tempel hämmern. Direkt am Meer thront auf einer Fläche von 120.000 Quadratmetern das größte Teakholzgebäude Asiens, gebaut und verehrt wie ein Gotteshaus. „Ein Symbol für geistige und seelische Erleuchtung“ – das war die Vision des Geschäftsmannes Lek Viriyahbhun, und er hat sie erfüllt.


Ein Ort der Besinnung ist dieser Tempel tatsächlich geworden, natürlich auch ein Touristenmagnet, aber beide Arten von Besuchern kommen gut miteinander aus. Sie erkunden ein 105 Meter hohes und fast 100 Meter langes Reich, an dem seit 1981 immer noch gebaut wird.

Überall zieren mythologische Figuren das „Heiligtum der Wahrheit“ und ehren die alten wie die modernen Götter. Die Holzschnitzereien sind sehr aufwendig und kostbar und werden ebenfalls in der Werkstatt vor Ort angefertigt. Fast überall meditative Stille, gedämpftes Licht und die Gottheiten mit ihren Bewachern und Begleitern. Filigrane Holzschnitzereien, die Heilige im Kreise ihrer tausendköpfigen Religionsgemeinschaft zeigen. Der Lärm des Tages verstummt und wir tauchen hinein. Köpfe in unterschiedlichen Größen und Posen, nur wenige Zentimeter bis überlebensgroß, erwecken bald den Anschein, als befände sich hier eine riesige Theaterbühne, auf der


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die große göttlich-menschliche Komödie gespielt wird. Dazu wachsen Elefanten aus den Wänden, schöne Frauengestalten mit unverhüllten Brüsten warten, gekrönte Häupter, tanzende Mädchen, betende Mönche, davonfliegende Halbgötter und Fabelwesen. Und immer wieder eine sanftes, mildes, versöhnliches Lächeln. Die eindringenden Strahlen der Sonne tauchen die göttliche Versammlung in ein besonderes, rotgoldenes Licht.

Kurios: alle Besucher tragen Helm, das ist Pflicht, denn im Tempel finden an verschiedenen Stellen Bauarbeiten statt.

Bei der Liebe für ein Heiligtum, die hier in vielen kleinen Gesten, Zeichen, Ritualen erkennbar wird, taucht bald die Frage auf: Was ist uns eigentlich heilig? Wie leicht ist aus dem immer noch Besonderen das ganz Alltägliche geworden?


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Pattaya by Tom Richter - Issuu