Der Raiffeisenverband Südtirol Genossenschaft
„Genossenschaft ist Demokratie im Kleinen, ist Bindung in Freiheit.“ Willi Croll, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes 1988
Wir müssen uns selbst helfen. Alle Bedingungen dazu sind vorhanden, alle Mittel und Kräfte stehen uns reichlich zu Gebote. Wir brauchen dieselben nur zur Anwendung zu bringen. Friedrich Wilhelm Raiffeisen, 1879
Die Wurzeln der Raiffeisen Genossenschaften
Friedrich Wilhelm Raiffeisen und seine Idee F.W. Raiffeisen wurde am 30. März 1818 in Hamm an der Sieg im Westerwald nördlich von Koblenz geboren. Im Winter 1846/47 kam es aufgrund einer Missernte zu einer Hungersnot, die auch die Landbevölkerung nicht verschonte. Daraufhin gründete Raiffeisen in seiner Funktion als Bürgermeister von Weyerbusch einen „Brodverein“, der durch den gemeinsamen Bezug verbilligtes Saatgut organisierte und so das Überleben der Bauern sicherte. Durch diesen Erfolg ermutigt, gründete Raiffeisen weitere Vereine, die auf dem Prinzip der Selbsthilfe fußten. Durch die Schaffung einer „Hülfskasse“ brach er die Macht der Wucherer, die die Bauern in Überschuldung und Zwangsversteigerungen getrieben hatten. Durch den Verein gelang es vielen Bauern, das Vieh, das sie an rücksichtslose Wucherer verpfändet hatten, zurückzukaufen. In seinem 1866 veröffentlichten Werk „Die Darlehenskassen-Vereine“ legte er die Grundzüge seines Selbsthilfegedankens dar. Sein gesamtes Handeln war daraufhin ausgerichtet, die Not der Landbevölkerung zu lindern, neue Arbeitsplätze für arbeitslose Landarbeiter zu schaffen und u. a. durch die Errichtung von Volksbibliotheken das Bildungsniveau zu heben und damit den Mittelstand zu stärken. Als er am 11. März 1888 starb, war die Grundlage für ein gedeihliches Wachstums der Raiffeisen-Genossenschaftsidee geschaffen.
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Raiffeisen in Tirol Mitte des 19. Jahrhunderts steht die Landbevölkerung in Tirol vielerorts vor dem wirtschaftlichen Kollaps: Industrieware verdrängt die Produkte der Selbstversorgerbetriebe, über die neuen Bahnlinien werden Importe angeliefert, nach der Angliederung der Lombardei und Venetiens an das Königreich Italien gehen Absatzmärkte verloren. Die Landbevölkerung reagiert. Der 1881 gegründete „Landeskulturrat für Tirol“ unterstützt die Bildung von RaiffeisenVereinen. Schon 1878 wird in Niederdorf die erste Genossenschaft auf Südtiroler Gebiet gegründet. 1889 nimmt in Welschellen im Gadertal die erste Raiffeisenkasse in Südtirol ihre Tätigkeit auf. 1910 arbeiten in Südtirol und im Trentino bereits 867 Genossenschaften, davon 282 nach dem Raiffeisen-Prinzip geführte Spar- und Darlehenskassen. Damit entfallen südlich des Brenners 12,7 Genossenschaften auf 10.000 Einwohner – ein Rekordwert im Kaiserreich Österreich-Ungarn. Mit anderen Worten: Vor dem Ersten Weltkrieg boomt die Raiffeisenfamilie in Tirol.
Baron Georg Eyrl ist der erste Obmann des 1907 gegründeten „Verbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften Deutsch-Südtirols“. Gleichzeitig ist er Obmann des Verbandes der Kellereigenossenschaften und der Kellereigenossenschaft Terlan.
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1893 wird die erste Obstproduzentengenossenschaft Meran Burggrafenamt gegründet. Damals werden in Südtirol an die 200 Obstsorten extensiv angepflanzt.
Jakob Köllensberger ist Obmann des „Revisionsverbandes der Raiffeisenvereine und landwirtschaftlichen Genossenschaften Bozen” sowie der „landwirtschaftlichen Zentralkasse“, die 1921 gegründet wird.
Raiffeisen-Genossenschaften im Jahre 1914
Obstgenossenschaft
Kellereigenossenschaften
1 18
Sennereigenossenschaften 18
Spar- und Darlehenskassenvereine
Konsum genossenschaften 125
35
(Quelle: Walter Pichler/Konrad Walter: Zwischen Selbsthilfe und Marktlogik, 2007, S. 115)
Entwicklung der Spar- und Darlehenskassen-Vereine in Südtirol von 1889 bis 1925
150
120
90
60
30
0 1889
1895
1900
1905
1910
1915
1920
1925
1925 erreichten die Kassen-Vereine in Südtirol ihren Höchststand von 135.
(Quelle: Konrad Palla: 100 Jahre Raiffeisenkassen in Südtirol, 1889, S. 104)
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In der Verfassung verankert: Genossenschaften in Italien
Der jüdische Großgrundbesitzer mit deutschen Wurzeln Leone Wollemborg gründet im Alter von 24 Jahren 1883 die erste Raiffeisenkasse bei Padua.
„Die Republik erkennt die soziale Aufgabe des Genossenschaftswesens an, sofern es nach dem Grundsatz der Gegenseitigkeit und ohne Zwecke der Privatspekulation aufgebaut ist“, heißt es im Artikel 45 der italienischen Verfassung. Schließlich hat das Genossenschaftswesen in Italien Tradition. 1883 ermöglicht der Großgrundbesitzer Leone Wollemborg in Loreggia bei Padua die Gründung der erste „Raiffeisenkasse“ auf italienischem Boden. 1897 gibt es in den Regionen Venetien, Emilia Romagna, Piemont und Lombardei 904 nach dem Raiffeisenprinzip geführte Spar- und Darlehensvereine. 1919 wird der Dachverband Confederazione Cooperative Italiane gegründet. Heute gehören dieser starken Interessensvertretung 20.000 Genossenschaften sowie 110 lokale und regionale Verbände an, darunter auch der Südtiroler Raiffeisenverband.
Rerum Novarum. Priester als Genossenschaftsgründer
Die Enzyklika „Rerum Novarum“ 1891 beinhaltet die erste umfassende katholische Soziallehre der Kirche. Papst Leo XIII. spricht sich darin indirekt für die Errichtung von Genossenschaften aus.
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„Vereine zur gegenseitigen Unterstützung“ sind laut der von Papst Leo XIII 1891 erlassenen Enzyklika „Rerum Novarum“ bedeutende Einrichtungen zur „gedeihlichen“ Lösung der sozialen Frage. Deshalb organisieren und leiten vor dem 1. Weltkrieg viele Priester katholische Raiffeisen-Genossenschaften. Auch in Tirol. In Welschellen und Schluderns gründen die Pfarrer Josef Dasser und Karl Pali Spar- und Darlehenskassen-Vereine. 1892 entsteht in Santa Croce del Bleggio unter der Leitung von Don Lorenzo Guetti der erste Spar- und Darlehenskassen-Verein im Trentino. 1898 gibt es im damaligen Welschtirol bereits 48 Raiffeisenkassen und 93 Konsumgenossenschaften.
Boom und Krise. Raiffeisen in Südtirol 1919 - 1945 1919 sind zwei Drittel aller Südtiroler Bauern genossenschaftlich organisiert. In den zwanziger und dreißiger Jahren setzen Faschismus und Weltwirtschaftskrise den Raiffeisenkassen besonders zu. Freie Genossenschaftsverbände werden aufgelöst. Bis 1940 optieren mehr als 200.000 Südtiroler (85 %) für die deutsche Staatsbürgerschaft und damit für die Emigration, darunter zahlreiche Verwaltungs- und Aufsichtsräte der Raiffeisenkassen, deren anteiliges Vermögen vor der Ausreise liquidiert werden muss. Die italienische Amtssprache beherrschen nur wenige Genossenschaftsverwalter. Viele Kassen müssen schließen. 1925 gibt es in Südtirol 135 Raiffeisenkassen, von denen nur 55 den Zweiten Weltkrieg überleben.
Die Italianisierungspolitik, die Weltwirtschaftskrise, die Abwanderung vieler Fachkräfte als Folge der Option und der Krieg treiben viele Genossenschaften und Raiffeisenkassen in den Ruin: Bis 1944 werden 80 Raiffeisenkassen aufgelöst.
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Der Wiederaufbau
Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg Der Wiederaufbau der Südtiroler Raiffeisenorganisation beginnt schon wenige Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 1946 gründen zwei Raiffeisenkassen, eine Kellereigenossenschaft und zwei Konsortien den Hauptverband Landwirtschaftlicher Genossenschaften, im gleichen Jahr schließen sich 14 Raiffeisenkassen zum Verband der Raiffeisenkassen zusammen. Bis zu diesem Zeitpunkt werden die Raiffeisenbanken von der Südtiroler Sparkasse betreut. Nach der Gründung eröffnen die Kassen eine eigene Servicestelle in der Bozner Beda-Weber-Straße. 1954 entsteht der Landesverband der Landwirtschaftlichen Genossenschaften. Dieses Revisionsorgan des Raiffeisenverbunds bildet mit dem Verband der Raiffeisenkassen eine Bürogemeinschaft. Beide Verbände werden von Josef Hölzl (Obmann) und Franz Kemenater (Direktor) geführt und haben gleiche Aufgaben. Eine Fusion liegt also auf der Hand und wird 1960 umgesetzt.
Erster Obmann des Raiffeisenverbandes wird Josef Hölzl. Der Bauer aus Algund führt den Verband 10 Jahre lang.
Erster Geschäftsführer im neuen Raiffeisenverband wird Franz Kemenater, der zuvor in dieser Position den Verband der Raiffeisenkassen leitete.
Am 17. Januar gliedert sich der Verband der Raiffeisenkassen in den Verband der Landwirtschaftlichen Genossenschaften ein. Die erweiterte Organisation ändert den Namen und wird zum Raiffeisenverband Südtirol.
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Der Raiffeisenverband – Genossenschaftsvertretung mit gesetzlichem Auftrag Die Autonome Region Trentino-Südtirol ist in Italien etwas Besonderes – auch wenn es um das Genossenschaftswesen geht. 1948 überträgt der Staat der Region die Aufsicht über die in den Provinzen Bozen und Trient ansässigen Genossenschaften. 1950 beschließt der Regionalrat ein erstes Genossenschaftsgesetz, das der zuständige Regierungskommissar allerdings blockiert. 1954 wird das Gesetz zur „Überwachung der Genossenschaften“ ein zweites Mal verabschiedet und regelt mehr als 50 Jahre lang den Genossenschaftssektor. Die Revision wird Pflicht und kann von „anerkannten Verbänden“ für die ihnen angeschlossenen Genossenschaften in der Region übernommen werden. Damit wird der Raiffeisenverband zur wichtigsten Revisionsstelle für die Raiffeisen-Genossenschaften in Südtirol. 2008 wird das Regionalgesetz reformiert, die Position des Verbandes bestätigt. Dieser ist heute einer von vier Vertretungsverbänden in Südtirol, die zur Durchführung von Revision und Rechnungsprüfung ermächtigt sind.
Der Raiffeisenverband Südtirol ist von den Grundsätzen des Genossenschaftspioniers Friedrich Wilhelm Raiffeisen geleitet und auf die genossenschaftliche Förderung der Gegenseitigkeit ohne private Kapitalspekulation ausgerichtet. (Statut, Art.2)
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Das Raiffeisenhaus – Das Zentrum einer erfolgreichen Gemeinschaft
Der Raiffeisenverbund in Südtirol ist eine Erfolgsgeschichte. „Ich habe auch nicht den geringsten Zweifel, dass noch die Zeit kommen wird, wo man sich über das Vorhandensein der Organisation freuen wird“, schreibt Friedrich Wilhelm Raiffeisen 1886. In der Raiffeisenstraße, vor dem Raiffeisenhaus in Bozen, blickt die Statue des Genossenschafsgründers nachdenklich und entschlossen in Richtung Rosengarten. Das Raiffeisenhaus ist der Mittelpunkt des Raiffeisen-Netzwerks. 1960 beschäftigt der neue Raiffeisenverband sechs Mitarbeiter in fünf Büroräumen. 1967 zieht man in ein vom Hauptverband Landwirtschaftlicher Genossenschaften errichtetes Bürogebäude um, besetzt dort erst einmal zwei Drittel einer Etage – und wächst. Heute arbeiten im Raiffeisenhaus auf sechs Stockwerken ausschließlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verbandes. Die Anzahl der Verbandsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter hat sich in den vergangenen 50 Jahren mehr als vervierzigfacht.
Am 13. Januar 1968 wird das Raiffeisenhaus in der Raiffeisenstraße 2 im Beisein von Bischof Joseph Gargitter und Landeshauptmann Silvius Magnago offiziell eröffnet. Es wird zum Sitz verschiedener landwirtschaftlicher Verbände und Genossenschaften. Der Raiffeisenverband bezieht zuerst nur einige Räume im dritten Stock.
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Südtirol im 20. Jahrhundert Weltkriege und Diktaturen Die Katastrophen der europäischen Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts treffen auch Südtirol: Nach dem Ersten Weltkrieg wird das Land in das Königreich Italien eingegliedert, in den 20er und 30er Jahren betreibt das faschistische Regime in Rom dann die „Italianisierung“ des „Alto Adige“: Deutsche Orts – und Flurnamen sind verboten, die Bezeichnung Tirol ist illegal, alles Deutsche aus dem öffentlichen Leben verbannt. Gleichzeitig entstehen in Bozen neue Stadtviertel und eine Industriezone, in der vor allem Zuwanderer aus Italien arbeiten. Nach dem Ende des Krieges strebt das Land nach Autonomie. 1946 unterzeichnen der italienische Ministerpräsident Alcide De Gasperi und Österreichs Außenminister Karl Gruber den „Pariser Vertrag“, die Grundlage der Südtirol-Autonomie. Umgesetzt wird das 2-Seiten-Papier lange Zeit nicht. 1960 fordert die UN-Generalversammlung Österreich und Italien deshalb auf, „eine Lösung aller Differenzen hinsichtlich der Durchführung des Pariser Vertrages zu finden“. Diese „Lösung“ ist das 2. Autonomiestatut. 1995 tritt Österreich der EU bei. 1998 werden die Grenzanlagen am Brenner abgebaut. Mit der EU-Osterweiterung 2004 rückt Südtirol, als Bindeglied zwischen Nord- und Süd, in die Mitte des wiedervereinten Europas, verankert in der Europaregion Tirol.
1946 unterzeichnen der italienische Ministerpräsident Alcide De Gasperi und Österreichs Außenminister Karl Gruber den „Pariser Vertrag“. Er bildet bis heute die Grundlage der Autonomie Südtirols.
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Das Dienstleistungszentrum
Der Raiffeisenverband – die Mutter der Raiffeisenfamilie Genossenschaftsüberwachung auf der einen Seite, Interessensvertretung, Beratung und Betreuung auf der anderen: Der Raiffeisenverband ist die „Mutter“ der Raiffeisenfamilie in Südtirol. Gemäß den Raiffeisenprinzipien bestimmen die Grundsätze der Subsidiarität und Freiwilligkeit die Verbandsarbeit. Der Verband übernimmt demnach Aufgaben, deren Erledigung auf der Ebene der Mitgliedsgenossenschaften nicht ausreichend, nicht sinnvoll, nicht möglich oder aus Kostengründen nicht tragbar ist. In allen anderen Bereichen bleiben die angeschlossenen Genossenschaften autonome und selbstverwaltete Körperschaften. Lobbyarbeit, Beratung, Weiterbildung oder Datenverarbeitung: Das rasante Wachstum des Verbands und die stetige Ausweitung der Verbandsarbeit spiegeln die Expansion des Raiffeisennetzwerks wider. Der Verband vergibt auch das geschützte Markenzeichen. Nur die Mitgliedsgenossenschaften dürfen das Logo mit den gekreuzten Pferdeköpfen verwenden.
Dienstleistungspalette des Raiffeisenverbandes • Genossenschaftsrevision • Gesetzliche Rechnungsprüfung • Interessensvertretung und Fachverband für die Raiffeisenkassen • Rechtsberatung • Steuerberatung • Personalberatung • IT-Dienstleistungen und Informationstechnologie • Aus- und Weiterbildung • Buchhaltung • Unternehmensberatung und Marketing • Versicherungsdienste
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Revision und Überwachung. Genossenschaftliche Selbstkontrolle muss sein Raiffeisen-Revisoren überwachen Raiffeisen-Genossenschaften. Seit seiner Gründung ist der Raiffeisenverband in Südtirol für die Genossenschaftsüberwachung zuständig. Diese ist seit 1954 gesetzlich vorgeschrieben. Fachleute des Verbandes prüfen alle zwei Jahre die Bücher der Raiffeisen-Genossenschaften – kompetent, zuverlässig, gründlich, erfahren und unabhängig von Weisungen der Verbandsspitze. In vielen Fällen dauert eine Revision länger als eine Arbeitswoche. Schließlich sind viele Genossenschaften in Südtirol große Wirtschaftsunternehmen oder Kreditinstitute, die Vermögen verwalten. Die Überwachung durch den Raiffeisenverband ergänzt damit die interne Kontrolle durch Aufsichtsräte. Gewissenhaftigkeit und Glaubwürdigkeit sind zentrale Werte. Damit Raiffeisenkunden und Raiffeisenmitglieder auch in Zukunft auf ihre Genossenschaften bauen können.
Seit seiner Gründung ist der Raiffeisenverband gesetzlich anerkannter Revisionsverband. Er führt die Revision der angeschlossenen Genossenschaften und Verbände im Auftrag der Südtiroler Landesregierung durch.
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Die Autonomie. Eine Erfolgsgeschichte In Südtirol wird deutsch, italienisch und ladinisch gesprochen. Die rechtliche Grundlage für das Zusammenleben der drei Sprachgruppen ist das Autonomiestatut. „Die deutschsprachigen Einwohner der Provinz Bozen und der benachbarten zweisprachigen Gemeinden der Provinz Trient genießen die volle Gleichberechtigung mit den italienischsprachigen Einwohnern, im Rahmen besonderer Maßnahmen zum Schutze des Volkscharakters und der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der deutschen Sprachgruppe“, heißt es im „Pariser Vertrag“. 1946 war das sehr viel, aber heute geht die Autonomie weit über diese Vorgaben hinaus. Das 2. Autonomiestatut überträgt dem Land Südtirol 29 Bereiche, die autonom verwaltet werden. Beschränkt wird diese „primäre Gesetzgebungsbefugnis“ nur durch die italienische Verfassung, internationale Verträge, die Italien eingegangen ist, und EU-Richtlinien. Landschaftsschutz, Handwerk, Raumordnung, Kultur, Fremdenverkehr, Land- und Forstwirtschaft: Südtirol verfügt in Schlüsselsektoren über eine Selbstverwaltung, die auch nach dem „Paketabschluss“ 1992 ausgebaut wird. Heute gilt diese „dynamische“ Autonomie als Vorbild, etwa für die vom Dalai Lama bevorzugte friedliche Lösung der Tibet-Frage.
Die Entwicklung der Raiffeisenorganisation in Südtirol ist eng mit der Entwicklung der Autonomie verbunden.
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Das Raiffeisen Informationssystem: Die Schaltzentrale der Raiffeisenfamilie 1970 gründet der Raiffeisenverband in Bozen ein „organisationseigenes Rechenzentrum mit Ausnutzung der Möglichkeiten der elektronischen Datenverarbeitung“. Die Technik ist denkbar einfach: Geldbewegungen werden in Lochkarten gestanzt, sortiert, bei IBM in Verona verarbeitet und den Kunden mit der Post als Kontoauszüge zugeschickt. 40 Jahre später arbeitet fast die Seit 1970 unterhält der Raiffeisenverband ein eigenes Informations- und Hälfte aller Angestellten des Raiffeisenverbands Datenverarbeitungszentrum. für das Raiffeisen Informationssystem. Dazwischen liegt eine technische Revolution. PC, Bancomat, E-Mail, Online-Banking: Das Raiffeisen Informationssystem (RIS) ist Nervenzentrum und Schaltzentrale des Raiffeisenverbandes, eine High-Tech-Institution mit strategischer Bedeutung. Das RIS liefert maßgeschneiderte IT-Lösungen, hilft beim Computereinkauf und unterstützt die Raiffeisen-Genossenschaften in allen Anwenderfragen. Zu den RIS-Kunden gehören neben Raiffeisenkassen und Obstgenossenschaften, der Raiffeisen Landesbank und dem Raiffeisen Versicherungsdienst auch der Versicherer Assimoco mit Sitz in Mailand, Genossenschaftsbanken im Veneto und das Obstkonsortium Melinda im Trentino.
Beratung und Weiterbildung Der Raiffeisenverband ist der Kopf der Raiffeisenorganisation und damit auch für den Transfer von Information zuständig. Entsprechend groß ist das Beratungsangebot. Der Verband hilft bei der Personalsuche, erstellt Lohn- und Gehaltssteifen, übernimmt Marketingaufgaben, leistet Lobbyarbeit oder übernimmt die Buchhaltung angeschlossener Genossenschaften. Zu den wichtigen Verbandsaufgaben gehören auch die Steuer-, Rechts- und Unternehmensberatung. In der Praxis heißt das: Fachleute im Raiffeisenverband verfolgen Rechtsprechung und Gesetzgebung und geben ihr Wissen dann an die Genossenschaften der Raiffeisenorganisation weiter oder erledigen deren Steuererklärungen. Das gilt ganz besonders für die Raiffeisenkassen, die auf solide und verlässliche bankwirtschaftliche und aufsichtsrechtliche Beratung angewiesen sind. Zu den Serviceleistungen des Verbands gehört auch die Weiterbildung. Modernes Know-how und präzise Information, vor Ort verfügbar, verständlich aufbereitet und dabei immer auf dem neuesten Stand – dies bildet den Grundstein für den Erfolg von Raiffeisen in Südtirol.
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Wandel und „Wirtschaftswunder“ Die Position im Zentrum Europas, die Gebirgslandschaft und die enge Verflechtung mit Märkten in Italien, Österreich und Deutschland prägen die wirtschaftliche Entwicklung Südtirols nach dem Zweiten Weltkrieg. In den siebziger Jahren setzt ein Strukturwandel ein, der das Land verändert. In entlegenen Talschaften entstehen leistungsstarke Handwerks- und Industrieunternehmen. Nach der Fertigstellung der Brennerautobahn 1974 boomt der Tourismus. Die Ausweitung der Autonomie schafft hoch qualifizierte Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst. Die genossenschaftlich betriebene Landwirtschaft in den Bereichen Obst, Wein und Milch ist erfolgreich – auch im Export. Im Südtiroler Etschtal werden die Hälfte aller Äpfel Italiens produziert, neun Prozent der europäischen Apfelernte stammen aus Südtirol. Der wirtschaftliche Aufschwung ist auch in Zahlen messbar: Der Pro-Kopf-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (2008: 33.000 Euro) übertrifft den EU-Durchschnitt, seit Jahrzehnten herrscht Vollbeschäftigung. Aus dem Agrarland Südtirol ist eine krisenresistente Dienstleistungsgesellschaft geworden.
In den 70er Jahren des 19.Jh.s erfolgt eine flächendeckende Modernisierung der Gesellschaft. Der Straßenbau ist das augenfälligste Beispiel.
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Ein innovatives Geschäftsmodell: Der Raiffeisen Versicherungsdienst
Der Raiffeisen Versicherungsdienst zählt viele Institutionen und Verbände zu seinen Kunden, auch viele Sportvereine.
In den neunziger Jahren besetzt Raiffeisen eine Marktnische. Die Kombination von Bankund Versicherungsgeschäften? Warum nicht! Der Raiffeisenverband gründet den Raiffeisen Versicherungsdienst (RVD) als Generalagentur des italienischen Genossenschaftsversicherers Assimoco. Das neue Geschäftsmodell bewährt sich schnell: Die Raiffeisenkassen vertreiben die Versicherungspolizzen an ihren Bankschaltern, in 15 Jahren verzehnfacht sich das Prämienaufkommen. Besonders gefragt sind Lebens-, Sach- und KFZ-Versicherungen. Der RVD bietet aber viel mehr: kompetente Beratung, Kundennähe, Effizienz, ein breites Produktsortiment, individuell angepasste Versicherungsverträge. Heute ist der Raiffeisen Versicherungsdienst ein anerkanntes Kompetenzzentrum für Vorsorge und Absicherung und führend in Südtirol. Raiffeisen steht für Beständigkeit Zu den Kunden des Raiffeisen Versicherungsdienstes gehören viele Institutionen, Vereine und Verbände in Südtirol. Eine besondere Partnerschaft besteht mit dem Verband der Sportvereine Südtirols (VSS), dem insgesamt 472 Mitgliedsvereine mit 1.118 Sektionen und über 80.000 Aktiven in ganz Südtirol angehören.
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Eine verlässliche Zusatzvorsorge: Der offene Raiffeisen-Pensionsfonds. Auch in Italien stehen immer mehr Rentner immer weniger und immer älteren Beitragzahlern gegenüber. Die Folgen für das Pensionssystem sind dramatisch: Mit der gesetzlichen Rente allein wird der Lebensstandard im Alter nicht mehr zu halten sein. Eine Zusatzrente ist also unumgänglich, um die Versorgungslücke schließen zu können. Mit der Entwicklung eines eigenen offenen Pensionsfonds hat die Raiffeisen-Familie auf diese Herausforderung reagiert. Dem RaiffeisenPensionsfonds können Angestellte und Selbstständige gleichermaßen beitreten. Deren Beiträge werden gemäß den Vorgaben der Kunden an den Kapitalmärkten investiert. Vertrieben wird der Pensionsfonds von den Raiffeisenkassen, Trägergesellschaft ist die PensPlan Invest SGR AG. Strategische Investitionsentscheidungen werden in Absprache mit der Raiffeisen Landesbank getroffen.
Alterspyramide in Südtirol im Jahr 2050 90
Männer
Frauen
80 70 60 50 40 30 20 10 0 2.500
2.000
1.500
1.000
500
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
(Quelle: Istat)
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Die Raiffeisenwerte: Dem Gemeinwohl verpflichtet Bodenständigkeit, Selbstverantwortung, Solidarität: Hinter der Marke Raiffeisen steht eine leistungsstarke Wertegemeinschaft. Raiffeisen-Genossenschaften arbeiten nach dem Grundsatz der Gegenseitigkeit ohne Spekulationsabsicht. Dabei geht es nicht um private Profitmaximierung, sondern um die Förderung der Mitglieder und der örtlichen Gemeinwesen. „Nach meiner festen Überzeugung gibt es nur ein Mittel, die sozialen und besonders auch wirtschaftlichen Zustände zu verbessern, nämlich die christlichen Prinzipien in freien Genossenschaften zur Geltung zu bringen“, schreibt Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Hilfe zur Selbsthilfe in einer selbstverwalteten und demokratisch geführten Gemeinwirtschaft – dieses Raiffeisenprinzip gilt auch heute noch. Und das schafft Sicherheit und Vertrauen.
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Die Mitglieder des Raiffeisenverbandes
Das Rückgrat der Südtiroler Wirtschaft Der Raiffeisenverbund in Südtirol ist eine starke Gemeinschaft und das Rückgrat der Südtiroler Wirtschaft. Nachhaltiges Wachstum, Mitbestimmung und langfristige Ertragsziele – diese Vorgaben genossenschaftlichen Wirtschaftens haben sich immer schon ausgezahlt. Nicht zuletzt deshalb steht Raiffeisen in vielen Schlüsselbereichen an der Spitze. Alle Milchhöfe und Obstgenossenschaften gehören zu Raiffeisen, bei Einlagen und Kreditvergaben ist das weit verzweigte Netz der Raiffeisenkassen Marktführer. Die Raiffeisen-Genossenschaften erwirtschaften heute eine addierte Bilanzsumme von 13 Mrd. Euro. Der Raiffeisenverband ist die wichtigste Dachorganisation im Südtiroler Genossenschaftswesen und damit eine Stimme, die Gewicht hat. Schließlich gehört fast jeder vierte Einwohner des Landes einer Raiffeisen-Genossenschaft an. Das belegt die Bodenständigkeit des Raiffeisennetzwerks und den Erfolg der Genossenschaftsidee.
Das Raiffeisen-Netzwerk Raiffeisenorganisationen arbeiten weltweit zusammen. Deshalb ist der Südtiroler Raiffeisenverband Mitglied des italienischen Genossenschaftsverbunds und gehört der Internationalen Raiffeisen-Union ebenso an wie der Forschungsgesellschaft für das Genossenschaftswesen an der Universität Münster. Der Verband beteiligt sich auch an der Gründung des Internationalen Instituts für Genossenschaftsforschung im Alpenraum (IGA), einem Wissenschafts- und Diskussionsforum zur Weiterentwicklung der von Friedrich Wilhelm Raiffeisen entwickelten Genossenschaftsidee im 21. Jahrhundert.
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Ein bodenständige Allianz: Die Raiffeisen Geldorganisation Als unverzichtbarer Geldgeber für mittelständische Industrie- und Handwerksbetriebe tragen die Raiffeisenkassen in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum Südtiroler „Wirtschaftswunder“ bei. Das 2. Autonomiestatut überträgt die Zuständigkeit für die Eröffnung von Bankschaltern dem Land Südtirol. Die Folge ist die Entstehung eines dichten Schalternetzes, das auch in den folgenden Jahrzehnten zügig ausgebaut wird. Die Eröffnung neuer Filialen und die Zusammenschlüsse kleinerer Raiffeisenbanken machen aus den „Dorfkassen“ leistungsstarke Kreditinstitute. Das hat messbare Folgen: Von 1970 bis 1990 verdoppelt sich die Höhe der Einlagen. Auch die Liberalisierung des italienischen Bankensystems Mitte der neunziger Jahre unterstützt diese Expansion. Die ehemaligen Spar- und Darlehenskassen wachsen zu vielseitigen Universalbanken, die sich auch nach der Jahrtausendwende gut am Markt behaupten.
Über 70.000 Südtirolerinnen und Südtiroler sind Mitglied einer Raiffeisenkasse.
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Marktführer in Südtirol Raiffeisenkassen brauchen Unterstützung – auch in Südtirol. Deshalb entsteht 1973 die Raiffeisen-Zentralkasse und spätere Raiffeisen-Landesbank AG als Nachfolgerin der 1927 aufgelösten Landwirtschaftlichen Zentralkasse: eine Servicestelle im Besitz der Raiffeisenkassen und ein wichtiges Kompetenzzentrum. Die Landesbank organisiert den Zahlungsverkehr der Raiffeisenkassen und koordiniert deren Geschäfte auf den Kreditund Finanzmärkten. Heute ist die Landesbank AG das zentrale Geld- und Kreditinstitut der Raiffeisen-Genossenschaften und das pulsierende Herz der vernetzten Raiffeisen Geldorganisation. Landesbank und Raiffeisenkassen bilden eine wetterfeste Allianz im Dienst des Kunden, vor allem in Krisenzeiten. Schließlich steht die Marke Raiffeisen seit Jahrzehnten für Vertrauen, Bodenständigkeit und Stabilität. Bei Einlagen und Kreditvergaben ist die Raiffeisen-Geldorganisation daher führend in Südtirol.
Entwicklung der Marktanteile der Kundenausleihungen der Raiffeisen Geldorganisation Südtirol 1970
1975
1980
1985
1987
2004
2008
19,3
23,8
32,9
32,9
33,2
41,5
37,4
(Raiffeisenkassen und Raiffeisen Landesbank Südtirol)
(in Prozent)
Entwicklung der Marktanteile der Kundeneinlagen der Raiffeisen Geldorganisation Südtirol 1970
1975
1980
1985
1987
2004
2008
22,8
28,3
34,0
41,0
43,0
50,5
48,9
(Raiffeisenkassen und Raiffeisen Landesbank Südtirol)
(in Prozent)
Eine Marke wird geschützt 1993 schreibt das italienische Bankwesengesetz die Umbenennung der Cassa Rurale ed Artigiana in Banca di Credito Cooperativo vor. Der Verweis auf die Marke „Raiffeisen“ ist plötzlich nicht mehr zugelassen. Der Südtiroler Raiffeisenverband interveniert daraufhin bei der für das Genossenschaftswesen zuständigen Region Trentino-Südtirol und ist damit erfolgreich. Heute können Raiffeisenkassen im Trentino und in Südtirol folgende Namensvarianten tragen: Cassa Rurale, Cassa Raiffeisen oder Raiffeisenkasse.
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Klimaland Südtirol Bei der Nutzung erneuerbarer Energien nimmt Südtirol nicht nur in Italien eine Ausnahmestellung ein. 2020 sollen hier 100 Prozent des Energieverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden (ohne Verkehr); die EU gibt sich da schon mit einem Anteil von 20 Prozent zufrieden. Ein glückliches Land: Südtirol hat beste Voraussetzungen für eine nachhaltige und dezentralisierte Energieproduktion. Seit über 100 Jahren wird in Südtirol Wasserkraft zur Stromgewinnung genutzt. Zudem ist das Land mit seinem mediterranen Klima ein idealer Standort für die Versorgung mit Solarenergie. Seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wird Energie in Südtirol auch genossenschaftlich produziert und geliefert. Dabei geht es nicht nur um Versorgungssicherheit und Kundenähe, sondern auch um niedrige Preise. So können lokale Energiegenossenschaften die Produktion und Verteilung selbst kontrollieren, ihre Energie bis zu 40 Prozent billiger anbieten als weltweit tätige Energiekonzerne. Die Energieberater Wer Energie produziert braucht Unterstützung und Fürsprache. Der Raiffeisen Energieverband (REV) ist Interessensvertretung und Dienstleister für die Südtiroler Energiewirtschaft. In seinen Büros im Raiffeisenhaus bündelt der Verband die Initiativen von Energieproduzenten und Energieverteilern. Dabei ist der REV mittelständischen Energieunternehmen und Genossenschaften gleichermaßen verpflichtet. Oberstes Ziel der Verbandsarbeit ist die Förderung der dezentralen Ausbeutung einheimischer erneuerbarer Energien. Und das hat gleich mehrere Vorteile: Wer Energie mit eigenen Ressourcen vor Ort produziert und vertreibt, macht sich von Großverteilern und fossilen Energieträgern unabhängig, Wertschöpfung und Know-how bleiben im Land. Mit anderen Worten: Der Raiffeisen Energieverband ist ein Kompetenzzentrum für bodenständigen Klimaschutz. In den ersten zwei Jahren nach der Verbandsgründung hat sich die Mitgliederanzahl mehr als verdoppelt.
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Der Obstgarten Europas „Gestern ist ein Kistchen Trauttmansdorffer Obst nach New York abgegangen“, schreibt die „Meraner Zeitung“ 1896. Die neuen Eisenbahnlinien, die Regulierung der Etsch und die Trockenlegung des sumpfigen Talbodens zwischen Bozen und Meran sind vor dem Ersten Weltkrieg unverzichtbare Voraussetzungen für die Entwicklung der Südtiroler Obstwirtschaft. Obst – das heißt heute vor allem Äpfel. 1893 entsteht im Raum Meran die erste Obstgenossenschaft in Tirol. Der Wegfall von Zollschranken nach der EWG-Gründung 1957 und die rasante Entwicklung der Kühltechnik treiben die Produktionszahlen in die Höhe: In wenig mehr als 60 Jahren verzehnfacht sich die Menge der angelieferten Äpfel. Heute stammen mehr als elf Prozent der Apfelproduktion in den 27 EU-Staaten aus dem größten Obstgarten Europas „an der Sonnenseite der Alpen“. Dort betreibt die genossenschaftlich vernetzte Obstwirtschaft modernste Sortierungs- und Verpackungsanlagen und hat sich gut behauptet in einer global vernetzen Branche.
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Wie keine zweite Branche hat die Obstwirtschaft in den letzten Jahrzehnten einen rasanten Modernisierungsschub erfahren. Heute sind die Obstgenossenschaften bei der Verarbeitung der Ware Vorreiter in Europa.
Marlene für Italien Äpfel brauchen Marketing: 1995 führt der Verband der Obstgenossenschaften (VOG) in Italien die Qualitätsmarke „Marlene“ ein. 2004 folgt die Marke „Marlene Bio“. Seit 2005 tragen elf Apfelsorten, die vom VOG weltweit als „Südtiroler Apfel“ vertrieben werden, die EU-Ursprungsbezeichnung geografisch geschützte Angabe (g.g.A). Im Vinschgau vereint der Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse über 1700 Obst- und Gemüsebauern in insgesamt 7 Genossenschaften. „Südtiroler Apfel“, das heißt: Produkte aus integriertem Anbau, die nur in Südtirol geerntet wurden. Anders gesagt: Wenn Südtirol auf der Verpackung steht, dann ist auch Südtirol drin.
Entwicklung der Produktion der Obstgenossenschaften Südtirols 1970
1975
1980
1985
1990
157.000
288.000
322.000
452.000
614.000
1995
2000
2005
2008
2009
596.000
775.000
842.000
974.000
1.067.000 (in Tonnen)
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Milch aus Südtirol, ein Genossenschaftsprodukt Die Produktion und Verarbeitung von Milch haben in Südtirol lange Tradition und große volkswirtschaftliche Bedeutung. Die 1877 gegründete Sennerei Niederdorf ist die erste Genossenschaft im südlichen Tirol. Heute ist die Milchwirtschaft in Südtirol zu 100 Prozent genossenschaftlich organisiert. Mehr als drei Prozent der in Italien produzierten Milch stammen aus Südtirol, zwei Drittel aller Südtiroler Molkereiprodukte werden jenseits der Landesgrenzen verkauft. Die Branche steht auf festen Beinen und das hat Gründe. Die Milchverarbeitung ist weitgehend in modernen High-Tech-Milchhöfen konzentriert, der Veredelungsgrad stetig gestiegen. Weniger als 15 Prozent der angelieferten Rohmilch werden heute noch als Frischmilch vertrieben. Das erhöht die Wertschöpfung und die Auszahlungspreise an die Milchbauern. Bei der Vermarktung ist man erfinderisch. Käse, Butter, Sahne, Yoghurt, Ricotta, Mascarpone oder Mozarella, dieser Mix aus Nord und Süd im Produktsortiment kommt gut an, und zwar sowohl in Italien als auch nördlich der Brennergrenze. Almkäse in Dubai Die Sennereigenossenschaft Algund ist zwar eine der kleinsten Molkereien im Land, aber dennoch international erfolgreich. Im Januar 2010 nimmt das Jumeirah Beach Hotel in Dubai 16 Käsesorten aus Algund in seine Speisekarte auf. Für die Sennerei ist das ein prestigeträchtiger Verkaufserfolg. Mit 598 Zimmern und 22 Restaurants gehört das futuristisch gestylte Luxus-Resort zu den beliebtesten Häusern am Persischen Golf.
Entwicklung der Produktion der Milchhöfe und Sennereigenossenschaften Südtirols Die Milchverarbeitung in Südtirol ist zu 100 Prozent genossenschaftlich organisiert. Das heißt: in Raiffeisen1966 1970 1975 1980 1985 1990 Genossenschaften.
32
53
65
109
164
287
1995
2000
2005
2007
2008
2009
294
350
386
376
361
367 (in Mio. Liter)
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Ein Genussland: 3.000 Jahre Südtiroler Wein „Bei den Lepontiern, Camunern, Stönern und Tridentinern wächst der rätische Wein, der den besten römischen Sorten in nichts nachsteht“, schreibt der römische Geschichtsschreiber Strabon. Wein in Südtirol hat eine lange Geschichte. Schon in der Antike schätzt man den „rätischen Wein“ aus dem Etschtal. Dort kaufen Klöster aus Bayern und Franken im frühen Mittelalter Weingüter, um den eigenen Bedarf vor Ort decken zu können. Besonders die Traminer Weine sind an deutschen Fürstenhöfen begehrt. Die Sorten Lagrein, Vernatsch und Gewürztraminer prägen immer noch die Weinberge in Südtirol, auch wenn im 19. Jahrhundert internationale Rebsorten importiert werden. Heute ist das Rebsortiment so attraktiv und vielfältig wie die Landschaft mit ihrem mediterranen Flair, aus der die Weine stammen. Qualität ist Erfolg. Kellereigenossenschaften in Südtirol Weinproduktion und Raiffeisen-Genossenschaften passen schon im ausgehenden 19. Jahrhundert gut zusammen. Vor dem ersten Weltkrieg entstehen in den wichtigsten Südtiroler Anbaugebieten genossenschaftlich geführte Kellereien. Über 100 Jahre später besetzt die Südtiroler Weinwirtschaft einen Spitzenplatz im Weinland Italien. Dabei geht es nicht um Produktionsmengen, sondern um höchste Qualität. Das war nicht immer so. In den sechziger und siebziger Jahren wird auch in Südtirol Massenware produziert. Erst danach konzentriert man sich auf die Herstellung von Spitzenweinen. Mit Erfolg. Ob Chardonnay, Grauburgunder, Sauvignon Blanc, Merlot, Cabernet Sauvignon, Pinot Noir oder die „einheimischen“ Traditionssorten Gewürztraminer, Lagrein und Vernatsch: Auf 5000 Hektar werden in Südtirol fast ausschließlich Weine in DOC-Qualität angebaut, die von professionellen Sommeliers und Weinliebhabern entsprechend geschätzt werden.
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Die Kellereigenossenschaften liefern 70 Prozent der Südtiroler Weinproduktion.
Entwicklung der Produktion der Kellereigenossenschaften Südtirols 1975
1980
1985
1990
1995
241.000
302.000
305.000
272.000
229.000
2000
2005
2007
2008
2009
283.000
235.000
267.000
238.000
203.000 (in Hektoliter)
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Verantwortung für Menschen. Sozialgenossenschaften im Raiffeisenverband Raiffeisengenossenschaften sind dem Gemeinwohl verpflichtet. Das war schon immer so. „Der Sieg wird sicher auf der Seite derjenigen christlichen Gemeinschaft sein, welche sich in der Liebe am tatkräftigsten erweist“, schreibt Friedrich Wilhelm Raiffeisen in der Einleitung seines 1866 erschienenen Buches „Die Darlehenskassen-Vereine als Abhilfe der Noth der ländlichen Bevölkerung sowie auch der ländlichen Handwerker und Arbeiter“. Menschen helfen Menschen: Das war und ist Raiffeisen. Deshalb vertritt der Raiffeisenverband in Südtirol nicht nur Kreditinstitute, Winzer, Energieproduzenten oder Obst- und Milchbauern, sondern eben auch soziale Genossenschaften. Tagesmütter, Altenheime, Dienste für Menschen mit Behinderung: Genossenschaftliche Selbsthilfe ist unverzichtbar und nicht zu ersetzen – daran hat sich auch im 21. Jahrhundert nichts geändert.
In den letzten Jahren sind eine Reihe neuartiger Genossenschaften im Sozialbereich entstanden, wie die Sozialgenossenschaft Die Kinderfreunde Südtirol in Bruneck.
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Die Mitglieder des Raiffeisenverbandes Genossenschaften/Körperschaften 2. Grades Bank-/Kreditwirtschaft
1 Raiffeisen Landesbank Südtirol AG
Obstwirtschaft
3 • Verband der Südtiroler Obstgenossen schaften (VOG) • Verband der Vinschgauer Obstproduzenten (VI.P) • VOG PRODUCTS Leifers
Milchwirtschaft
2 • Sennereiverband Südtirol • MILKON Südtirol
Weinwirtschaft
Sonstige
2
7
• Verband der Kellereigenossenschaften Südtirols • Südtiroler Weinbauernverband
• BIOG Dienstleistungkons. • FROM Società Agricola • Landw. Einkaufsgen. LEG • OG-Dienstleistungskonsortium • Raiffeisen Energieverband • Südtiroler Gemeindenverband • Südt. Viehvermarktungskonsortium (KOVIEH)
Genossenschaften/Körperschaften der Primärstufe Bank-/Kreditwirtschaft
49 Raiffeisenkassen addierte Bilanzsumme 10,04 Mrd. €
Obstwirtschaft
29 Obst- und Saatbaugenossenschaften Gesamterträge (Durchschnitt 3 Jahre)
Milchwirtschaft
15
16
Molkereigenossenschaften
Kellereigenossenschaften
Gesamterträge (Durchschnitt 3 Jahre)
Gesamterträge (Durchschnitt 3 Jahre)
368 Mio. € 675 Mio. €
Weinwirtschaft
118 Mio. €
Sonstige
222 Sonstige Genossenschaften
26 Körperschaften ohne Revisionspflicht
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Literaturverzeichnis: Andrea Leonardi: L’esperienza cooperativa di F. W. Raiffeisen ed i suoi primi riflessi in area tirolese, Hrsg.: Region Trentino-Südtirol, Trient 2002 Confcooperative, www.confcooperative.it Rudolf Maxeiner/Dr. Gunther Aschhoff/ Dr. Herbert Wendt: Raiffeisen. Der Man die Idee und das Werk, Raiffeisendruckerei GmbH, Neuwied 1988 Konrad Palla: 100 Jahre Raiffeisenkassen in Südtirol, CISCRA, Villanova del Ghebbo 1989 Walter Pichler/Konrad Walter: Zwischen Selbsthilfe und Marktlogik, Edition Raetia, Bozen 2007
Bildnachweis: Seite 8: Foto Tappeiner Seite 19: Die Brenner Autobahn, Tiroler Nachrichten, Innsbruck 1972, S. 140 Seite 27: Gianni Bodini Seite 32: Sozialgenossenschaft Die Kinderfreunde Südtirol RVS-Archiv
Impressum: Herausgeber: Raiffeisenverband Südtirol Genossenschaft Raiffeisenstr. 2, Bozen Design und Druck: Saphir, Vahrn – info@saphir.bz.it
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