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Broschüre genossenschaft sind wir

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Die RaiffeisenGenossenschaften in Südtirol

„Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele.”

Was ist eine Genossenschaft?

Eine Genossenschaft ist der freiwillige Zusammenschluss von Personen, die gemeinschaftlich eine unternehmerische Tätigkeit aufnehmen, welche sie alleine nur schwer oder überhaupt nicht ausüben könnten. Im Mittelpunkt steht die wirtschaftliche Förderung und gegenseitige Unterstützung der Mitglieder.

Das Internationale Jahr der Genossenschaften

Die Vereinten Nationen haben 2012 zum „Internationalen Jahr der Genossenschaften” ausgerufen und damit erstmals eine Unternehmensform zum Jahresthema gemacht.

Genossenschaften gelingt es, Wirtschaftlichkeit und soziale Verantwortung zu verbinden, begründet UNGeneralsekretär Ban Ki-moon die Entscheidung. Mit dieser Aktion wird der Weltgemeinschaft aufgezeigt, dass Genossenschaften in vielen Ländern einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung leisten und so zu einer besseren Welt beitragen. Genossenschaften stehen für Hilfe zur Selbsthilfe. Auf der Basis von selbstverantwortlichem Handeln wird Wirtschaft gestaltet.

Heute gibt es weltweit in 100 Staaten Genossenschaften mit 800 Millionen Mitgliedern.

In Südtirol sind Genossenschaften seit eineinhalb Jahrhunderten als tragende Säulen fest im Wirtschaftsund Gesellschaftsgefüge verankert. Von den derzeit über 900 Genossenschaften ist jede dritte dem Raiffeisenverband angeschlossen.

Die Broschüre zeigt anhand ausgewählter Beispiele, wie vielfältig das Geschäftsmodell der Genossenschaft bei Raiffeisen in Südtirol ausgeprägt ist.

Wilhelm Raiffeisen (1818-1888), Sozialreformer und Genossenschaftsgründer

Die Raiffeisen-Genossenschaften in Südtirol

Die Südtiroler Raiffeisenorganisation zählt derzeit 343 Genossenschaften, 26 Körperschaften und 122.000 Einzelmitglieder. Sie ist mehrstufig aufgebaut, wobei die einzelnen Primärgenossenschaften der verschiedenen Sektoren die Basis bilden. Diese sind eigenständige Unternehmen und arbeiten nach den Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverwaltung, Selbstverantwortung, der Solidarität und Subsidiarität. Unterstützt werden sie von verschiedenen Verbänden und Konsortien, den sogenannten Körperschaften zweiten und dritten Grades. Derlei übergeordnete Organisationseinheiten sind beispielsweise der Verband der Kellereigenossenschaften, die Erzeugerorganisationen VOG und VI.P, der Sennereiverband, die Raiffeisen Landesbank und andere. Als Dach über allem steht der Raiffeisenverband. Er ist Interessenvertreter, Dienstleister und Revisionsorgan. Erst die mehrstufige Organisationsform ermöglicht die Eigenständigkeit der Mitgliedsgenossenschaften, verringert ihr unternehmerisches Risiko und gewährleistet eine optimale Präsenz auf dem Markt. Heute bieten die Raiffeisen-Genossenschaften 8.000 attraktive Arbeitsplätze, weisen eine Gesamtbilanz von 14 Milliarden Euro auf und bilden mit acht Prozent der Wirtschaftsleistung Südtirols einen wichtigen Wirtschaftsfaktor im Land.

Wohnbaugenossenschaften 33

Kindergarten- und Kulturheimgenossenschaften 18

Die Mitglieder des Raiffeisenverbandes Südtirol

Energiegenossenschaften 61

Wassergenossenschaften 15

Konsum- und Bezugsgenossenschaften 13

Molkereigenossenschaften 15

Kellereigenossenschaften 15

Obst- und Saatbaugenossenschaften 27

47

Sozialgenossenschaften 15

Sonstige Genossenschaften 71

Genossenschaftsverbände 13

Körperschaften ohne Revisionspflicht 26

„Das Internationale Jahr der Genossenschaften bietet uns eine besondere Chance, das Erfolgsmodell der Genossenschaften noch bekannter zu machen.“

Heiner Nicolussi-Leck, Obmann des Raiffeisenverbandes Südtirol

Raiffeisenkassen

Die Raiffeisenkassen

Die 47 Südtiroler Raiffeisenkassen sind heute mit 194 Schalterstellen in 107 der 116 Gemeinden des Landes vertreten. Sie haben das dichteste lokale Schalternetz und sind in fast allen Orten und Tälern für die Menschen da. Gemeinsam mit der Raiffeisen Landesbank Südtirol sind die Raiffeisenkassen seit Jahren marktführend bei den Einlagen und Krediten. Als Genossenschaftsbanken sammeln sie Spargelder vor Ort und vergeben sie als Kredite im Tätigkeitsgebiet. Das schafft Sicherheit für die Mitglieder und Kunden. Das Geld wird also wieder dort investiert, wo es verdient wird. Ziel des genossenschaftlichen Geld- und Kreditgeschäfts ist die Förderung der Mitglieder und der örtlichen Gemeinschaft und nicht die Gewinnspekulation. Als moderne Finanzdienstleister bieten die Raiffeisenkassen bedarfsorientierte Dienstleistungen und Produkte in den Bereichen Sparen, Anlegen, Finanzieren, Absichern und Vorsorge an. Heute ist jeder zehnte Südtiroler Mitglied einer Raiffeisenkasse und entscheidet somit über die Entwicklung und Ausrichtung seiner Kasse mit.

Die Raiffeisenkassen in Zahlen

• Direkte Kundeneinlagen: 8,8 Mrd. Euro

• Direkte Kundenausleihungen: 9,1 Mrd. Euro

• Eigenkapital: 1,7 Mrd. Euro

• Mitglieder: 55.617

Als Genossenschaftsbanken sind die Raiffeisenkassen in erster Linie ihren Mitgliedern verpflichtet.
Foto: Hermann Maria Gasser

Frau Krechel, worin sehen Sie die wichtigsten Aufgaben einer Raiffeisenkasse?

Die Hauptaufgabe besteht sicherlich darin, sich noch mehr auf unsere Kernaufgaben zu konzentrieren, also im Tätigkeitsgebiet Einlagen zu sammeln und die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen. Und: Wir müssen die Mitglieder und Kunden noch mehr informieren, damit die Zusammenhänge besser verstanden werden.

Als Genossenschaftsbank fördert die Raiffeisenkasse die örtlichen Wirtschaftskreisläufe. Wie geschieht das in der Praxis? Wir konzentrieren unsere Beratung und Betreuung sowohl im Privat- als auch im Firmenkundengeschäft auf

„Ohne Mitglieder gibt es auch keine Raiffeisenkasse“

Die Raiffeisenkasse muss sich heute noch mehr auf ihre Kernkompetenzen als Genossenschaftsbank konzentrieren, meint Direktorin Martina Krechel.

Ansässige in unserem Tätigkeitsgebiet von Karneid, Völs am Schlern und Tiers. Unsere Einlagen, die großteils von Privatkunden stammen, verwenden wir wiederum, um z. B. den privaten Wohnbau, betriebliche Investitionen, Bauprojekte usw. in den drei Gemeinden zu finanzieren. Damit sind die Unternehmen imstande, die Beschäftigung aufrechtzuerhalten, was wiederum den Konsum garantiert. Als Raiffeisenkasse legen wir großen Wert darauf, dass die Geldflüsse nachvollziehbar sind. Die Mitglieder und Kunden wollen wissen, was mit ihrem Geld geschieht.

Wie fördert die Raiffeisenkasse speziell ihre Mitglieder?

Neben der wirtschaftlichen Förderung des Tätigkeitsge-

bietes hat die Förderung der Mitglieder einen sehr hohen Stellenwert, denn ohne Mitglieder gibt es keine Genossenschaft und damit auch keine Raiffeisenkasse! Aus diesem Grund gewähren wir wirtschaftliche Vorteile bei bestimmten Produkten, organisieren Informationsveranstaltungen, ehren langjährige Mitglieder bei der Vollversammlung, unternehmen Mitgliederfahrten und einiges mehr. In erster Linie möchten wir den Mitgliedern aber das genossenschaftliche Erfolgsmodell und dessen Werte näher bringen. Auf der anderen Seite fördern wir mit einem Teil der erwirtschafteten Gewinne die örtlichen Vereine.

„Die Genossenschaften sind ein konkreter Ausdruck der gemeinsamen sozialen Verantwortung für Land und Leute. Ohne das genossenschaftliche Unternehmensmodell sähe Südtirol anders aus.“

Die Raiffeisenkassen

Die Genossenschaften in der Landwirtschaft

Beispiele

• Obst-, Kellerei- und Saatbaugenossenschaften

• Sennereigenossenschaften

• Viehzuchtgenossenschaften

• Agrargenossenschaften

Wer einen Joghurt isst, weiß vielleicht gar nicht, dass er von einer heimischen Genossenschaft stammt. Tatsächlich liegen die Produktion, Verarbeitung und Vermarktung der Südtiroler Milch heute zu 100 Prozent in genossenschaftlicher Hand; in der Obstwirtschaft sind es 90 Prozent und in der Weinwirtschaft 70 Prozent. Daneben ist auch die Viehwirtschaft mit ihren Zuchtverbänden vorwiegend genossenschaftlich organisiert. Die landwirtschaftlichen Genossenschaften sind von großer sozioökonomischer Bedeutung, weil sie hochwertige Nahrungsmittel liefern und den ländlichen Raum lebensfähig halten. Ohne die Genossenschaften hätte die kleinstrukturierte Landwirtschaft in Südtirol kaum Überlebenschancen. Schon vor 150 Jahren hat man das erkannt. Durch die Bündelung der Kräfte können Produkte wettbewerbsfähig und kostengünstiger hergestellt, verarbeitet und vermarktet werden. Somit lässt sich für die Mitglieder ein entsprechender Mehrerlös erzielen. Ebenso können durch den gemeinsamen Einkauf landwirtschaftliche Bedarfsartikel günstiger erworben werden.

Landwirtschaftliche Genossenschaften liefern hochwertige Nahrungsmittel und halten den ländlichen Raum lebensfähig.

Herr Plattner, was ist das Konzept der Wipplamb?

Wir sind 16 Mitglieder, großteils reine Schafbauern im Nebenerwerb, und halten 600 Lämmer. Unser Ziel ist die gemeinsame Vermarktung des Fleisches und veredelter Produkte. Dabei setzen wir auf Qualität, nicht auf Masse, verzichten auf Silage, legen Wert auf naturnahe Landwirtschaft, die Alpung der Schafe und eine tiergerechte Schlachtung.

Warum ist dafür gerade eine Genossenschaft geeignet?

Über die Genossenschaft halten wir die Kontrolle vom Hof bis zum Endverbraucher in unseren Händen und können auf Rückmeldungen der Kunden direkt reagieren. Zudem wollen wir unsere Qualität selbst

„Wir setzen auf die lokalen Wirtschaftskreisläufe“ Bauern aus dem Wipptal haben im Vorjahr die landwirtschaftliche Genossenschaft „Wipplamb“ gegründet, um das Fleisch ihrer Lämmer und Schafe regional zu vermarkten. Das Echo der Kunden ist positiv, sagt Obmann Alexander Plattner.

definieren und unabhängig von Zwischenhändlern bleiben. Durch den Zusammenschluss erreichen wir auch eine bessere Wertschöpfung.

Wie erzielen Sie die größtmögliche Wertschöpfung für die Mitglieder?

Wir setzen voll auf die Direktvermarktung und verkaufen unser Fleisch möglichst direkt an unsere Kunden. Unser Hauptkunde ist die gehobene Gastronomie. Als Genossenschaft können wir auch größere Kunden kontinuierlich beliefern. Im Sommer machen wir erste Versuche mit dem Bauernmarkt.

Welche Bedeutung messen Sie der Regionalvermarktung bei?

Wir setzen auf unsere lokalen Wirtschaftskreisläufe, deren

Wert noch weiter steigen wird. Hier ist die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus wichtig. Unsere Kunden aus der Gastronomie schätzen die hundertprozentige Rückverfolgbarkeit eines jeden Lammes. Wir wollen aber auch die breite Bevölkerung mit Qualitätslammfleisch versorgen und haben erste Kontakte zu Gemeinden und zur Bezirksgemeinschaft geknüpft, da lokale Kreisläufe auch für Mensen in Kindergärten, Schulen und Altersheimen eine Rolle spielen sollten. Von der Vernetzung mit anderen Direktvermarktern im Wipptal erwarten wir uns Synergieeffekte im Marketing unserer Produkte und für den Aufbau des Bauernmarktes.

„Der Erfolg der Raiffeisen-Genossenschaften beruht auf der Verbindung von genossenschaftlichen Werten und betriebswirtschaftlichem Denken.“

des Raiffeisenverbandes Südtirol

Die Energiegenossenschaften

Die heimischen Energiegenossenschaften gewinnen immer mehr an wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Bedeutung. Denn noch nie war Energie so wertvoll wie heute. Vor allem, wenn sie aus erneuerbaren und sauberen Energiequellen stammt. Bereits seit 100 Jahren erzeugen Energiegenossenschaften aus der heimischen Wasserkraft sauberen Strom.

Dem Raiffeisenverband Südtirol gehören heute 61 Energiegenossenschaften an, darunter 29 E-Werke, 24 Fernheizwerke und 8 Biogasgenossenschaften. Sie setzen auf erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Energieeinsparung, kontrollieren die Produktion und Verteilung selbst und können ihre Energie alles in allem bis zur Hälfte billiger anbieten als weltweit tätige Energiekonzerne.

Im Jahr 2010 erzeugten sie insgesamt 226 GWh elektrische und 322 GWh thermische Energie. Mittlerweile produzieren neben den Energiegenossenschaften auch immer mehr Obst- und Molkereigenossenschaften Strom über die auf den Dächern der Betriebshallen installierten Fotovoltaikanlagen.

Die Energiegenossenschaften in Zahlen

• 61 Energiegenossenschaften

• 19.000 Endverbraucher

• 13.000 Mitglieder

• 226 GWh Stromerzeugung

• 322 GWh Wärmeverkauf

• 33,3 Mio. Euro Erlöse aus Energieverkauf an Endverbraucher

Die Energiegenossenschaften bieten saubere und kostengünstige Energie vor Ort.

Herr Brunner, bei der EUM ist der Name auch Programm.

Ja. Das „E“ steht für Energie, wir garantieren eine eigenständige, unabhängige und kostengünstige Stromund Wärmeversorgung. „U“ steht für Umwelt, wir liefern saubere und erneuerbare Energie. „M“ steht für Moos in Passeier, wir wollen den Standort Hinterpasseier aufwerten.

Warum liegt ihr Strompreis 50 bis 60 Prozent unter dem gesetzlichen Tarif?

Ein Grund für die günstigen Mitgliedertarife ist unsere Unabhängigkeit. Wir können neben dem Strompreis auch die Grundgebühr selbst festlegen.

„Garantiert günstige und sichere Energieversorgung“ Die Energie- und Umweltbetriebe Moos in Passeier (EUM) versorgen über 700 Haushalte und Betriebe im Hinterpasseier mit umweltfreundlichem Strom. Über ein Heizwerk in Pfelders beliefern sie die dortigen Mitglieder auch mit Wärmeenergie.

Als Genossenschaft sind wir nicht gewinnorientiert. Der Preis für die Mitglieder errechnet sich aus den anfallenden Stromgestehungskosten, ohne dafür einen Aufschlag zu berechnen.

Warum kann gerade eine Genossenschaft eine gute Energieversorgung in einem strukturschwachen Berggebiet garantieren?

Die EUM übernimmt auch Zusatzaufgaben für die Allgemeinheit.

Warum?

Wir halten im Auftrag der Gemeinde die Wanderwege instand, haben die Projektierung einer neuen Tankstelle in Auftrag gegeben und möchten in absehbarer Zeit allen Haushalten und Betrieben im Hinterpasseier einen Internetzugang zur Verfügung stellen. Unser Einsatz kommt letztlich wieder allen Mitgliedern zugute.

Durch den Ausbau der Wasserkraft ist das Hinterpasseier energieautark. Wir sind von Störungen außerhalb unseres Netzes nicht betroffen. Wir haben viel in die unterirdische Verkabelung der Stromleitungen investiert, ein zentrales Netzleitsystem installiert und so die Versorgungssicherheit gesteigert. Als örtliches Energieunternehmen sind wir bei Problemen schnell vor Ort.

„Das Genossenschaftsmodell bietet im Gegensatz zu den anderen, heute vorwiegend unternehmerischen, Modellen die notwendigen Voraussetzungen, eine unternehmerische Tätigkeit nachhaltig auszuüben.“

Hubert Brunner, Geschäftsführer

Die Konsum- und Bezugsgenossenschaften

Beispiele

• Konsumgenossenschaften im Lebensmitteleinzelhandel

• Landwirtschaftliche Bezugsgenossenschaften

• Genossenschaftlich geführte Mensen

• Wassergenossenschaften

Die Konsum- und Bezugsgenossenschaften versorgen ihre Mitglieder zu günstigen Preisen mit Waren und Dienstleistungen aller Art für den täglichen Bedarf. Dabei können sie auch Güter verkaufen, die von den Mitgliedern produziert werden. Sie sind eng mit der Bevölkerung verbunden und garantieren eine funktionierende Nahversorgung. Das Angebot ist hochwertig und vielseitig und reicht von Haushaltswaren, Lebensmitteln, Tierfutter und Maschinen bis zu Gartenartikeln. Die Konsum- oder Bezugsgenossenschaften stehen im Dienst der Verbraucher, Produzenten und der regionalen Wirtschaft. Als Mitglied ist man nicht nur Kunde, sondern entscheidet direkt über die Entwicklung der Genossenschaft mit. Konsum- und Bezugsgenossenschaften von Raiffeisen gibt es heute in Eppan, Kastelruth, Kurtatsch, Laas, Leifers, Moos in Passeier, Pichl-Gsies, Salurn, Tramin, Vahrn und Völs.

Der Kontakt von Mensch zu Mensch spielt in der Genossenschaft noch eine große Rolle.

Kastelruth

Herr Schieder, welche Bedeutung hat die Konsumgenossenschaft für Kastelruth?

Karl Schieder: Der „Konsum Markt“ wird als einheimisches Geschäft gesehen, das in den Händen der Bevölkerung liegt. Die Bedeutung lokaler Produkte und kurzer Transportwege steigt. So konnten auch der lokale Metzger und Bäcker eingebunden werden. Nach wie vor sind wir der erste Ansprechpartner für unsere Bauern und wir sehen uns verstärkt als Bindeglied zwischen Landwirtschaft und Konsumenten.

Herr Silbernagl, was ist der Unterschied zwischen dem „Konsum Markt“ und einem Supermarkt?

Martin Silbernagl: Wir haben

„Wir sichern die lokale Nahversorgung“

Die Konsumgenossenschaft Kastelruth zählt über 400 Mitglieder, bietet ein breites Warensortiment mit Schwerpunkt auf besonderen Produkten, bindet die heimischen Produzenten ein und steht als Garant für die Nahversorgung.

neben dem Supermarktsortiment eine Landwirtschafts-, Eisenwaren- und Gartenabteilung sowie einen Spezialitätenbereich. Unser Sortiment ist reich an biologischen und fairen Produkten. Wir geben einheimischen Produkten klar den Vorzug. In die Führung des Geschäfts fließen stark Umwelt- und soziale Aspekte mit ein. Zudem trifft bei uns die wichtigsten Entscheidungen die Vollversammlung und somit die Bevölkerung.

Die Konsumgenossenschaft vermarktet auch Erzeugnisse der Mitglieder.

Martin Silbernagl: Ja, uns beliefern Bauern und bäuerliche Genossenschaften mit vielfältigen Produkten, z. B. Obst und Gemüse, Fleisch, Marmelade ...

Weil wir nicht direkt einer Handelskette unterstehen, können wir schnell reagieren, sobald ein Bauer eine Ware anbietet, die dann oft schon am Tag der Ernte bei uns im Regal liegt. Das hebt uns von anderen Supermärkten ab.

Wie fördert die Konsumgenossenschaft ihre Mitglieder konkret?

Karl Schieder: Wichtig ist, dass bei uns jeder einkaufen darf. Bei Erfüllung gewisser Bedingungen kann man auch Mitglied werden.

Die Mitglieder können das Sortiment mitbestimmen und genießen wirtschaftliche Vorteile wie spezielle Sonderaktionen und Rückvergütungen auf den Umsatz in Form von Einkaufsgutscheinen.

„Als Finanzdienstleistungs-Zentrum stellt die Raiffeisen Landesbank den Raiffeisenkassen Bankdienstleistungen zur Verfügung, verschafft ihnen Zugang zu den internationalen Finanzmärkten und unterstützt sie dabei, die heimische Wirtschaft zu stärken.“

Michael Grüner,

der Raiffeisen Landesbank

Die Sozialgenossenschaften

Sozialgenossenschaften fördern im öffentlichen Interesse die menschliche Entwicklung und die soziale Integration von gesellschaftlich benachteiligten Menschen. Sie werten deren Qualitätspotenziale auf und bieten geeignete Lösungen für deren Bedürfnisse. Dabei gibt es zwei Arten von Sozialgenossenschaften. Zum einen jene, die soziale, gesundheits- und erziehungsbezogene Dienstleistungen anbieten. Beispiele sind die Senioren- oder Kinderbetreuung, die Führung von Alters- und Pflegeheimen, Kindertagesstätten oder Ausund Weiterbildungsgenossenschaften. Und zum anderen gibt es Sozialgenossenschaften, die in verschiedenen Wirtschaftssektoren tätig sind und dabei auf die Arbeitseingliederung von sozial benachteiligten Personen ausgerichtet sind, die mindestens 30 Prozent der Arbeitnehmer der Genossenschaft ausmachen müssen. Typische Einsatzfelder hierfür sind die Führung von Mensen, Werkstätten oder Reinigungsunternehmen.

Wissenschaftliche Tagung

Mit der Frage, welchen Beitrag die Genossenschaften zur nachhaltigen Entwicklung der lokalen Wirtschaftskreisläufe leisten, beschäftigt sich eine internationale wissenschaftliche Tagung am 8. und 9. November 2012 in der Eurac Bozen, die vom Raiffeisenverband getragen wird.

Mehr Infos zur Tagung

Frau Zambelli-Gat, wofür steht die Sozialgenossenschaft „Die Kinderfreunde Südtirol“?

Wir gehören in Südtirol zu den führenden Dienstleistern im Bereich Work-Life-Balance. Wir stehen dafür, dass Erwerbstätigkeit und ein gelingendes privates Leben sich wechselseitig positiv bedingen. Wir arbeiten mit Politik und Verwaltung zusammen, um attraktive, flexible und pädagogisch wertvolle Betreuungsangebote zu schaffen.

Welche Dienstleistungen bieten Sie konkret?

In den Kleinkindertagesstätten finden Kinder von neun Monaten bis drei Jahren eine konstante Betreuung in altersgemischten Gruppen. In der Nachmittagsbetreuung treffen

„Wir stehen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ Die Sozialgenossenschaft „Die Kinderfreunde Südtirol“ ist auf die Betreuung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert und hat ein Netzwerk von 60 Standorten aufgebaut. 2.200 eingeschriebene Familien nutzen heute das Angebot.

sich Grund- und Mittelschüler zum Mittagstisch, zu den Hausaufgaben und zur Freizeitgestaltung. In der Sommerbetreuung erleben Kinder kreative Ferien. Zudem bieten wir Kinderanimation für Firmen, Messen, Vereine und Museen an.

Warum benötigen immer mehr Familien eine organisierte Kinderbetreuung?

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine der wesentlichsten Herausforderungen für Eltern. Ein verändertes Rollenverständnis, wirtschaftliche Notwendigkeit und mehr Alleinerziehende haben dazu geführt, dass viele Eltern Beruf und Kinderbetreuung miteinander vereinbaren müssen. Dazu bedarf es neuer Modelle der familienergänzenden

Kinderbetreuung, die die Eltern unterstützen.

Pädagogische Einrichtungen wie die Ihre werden also immer wichtiger?

Ja, denn sie bilden einen wichtigen außerfamiliären Begegnungsraum für Kinder und übernehmen jene Aufgaben, die früher die Großfamilie erfüllte. Der offensichtlichste Nutzen von Betreuungseinrichtungen wie der unseren ist, dass Eltern in Ruhe und mit gutem Gewissen ihrer Arbeit nachgehen können und wissen, dass ihr Kind in guten Händen ist. Dabei ist es uns ein Anliegen, Kinder aller drei Landessprachen, Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder mit besonderen Bedürfnissen gemeinsam zu betreuen und zu fördern.

„Die Vermarktung der Südtiroler Äpfel ist mit einem über 90-prozentigen Anteil an der Produktion genossenschaftlich organisiert. Dies beweist, wie sinnvoll der Zusammenschluss vieler kleiner Produzenten zu einer schlagkräftigen Organisation für die Vermarktung ist.“

Obmann des Verbandes der Südtiroler Obstgenossenschaften VOG

Die Produktions- und Arbeitsgenossenschaften

StartUP

Sie haben eine gute Geschäftsidee und möchten sie in Form einer Genossenschaft umsetzen? StartUP, die Anlaufstelle für Genossenschaftsgründung im Raiffeisenverband, berät Interessierte und Initiatoren von Genossenschaften in betriebswirtschaftlichen, steuerlichen und rechtlichen Fragen.

In den Produktions- und Arbeitsgenossenschaften arbeiten die Mitglieder selber mit, sind also Unternehmer und Arbeitsnehmer in einer Person. Sie teilen die Arbeiten untereinander auf und organisieren ihre Tätigkeit selbst. Diese Genossenschaftsform ist vor allem im Bereich des Handwerks (z. B. Tischlereien) oder im Dienstleistungssektor (z. B. Reinigungsdiensten) üblich. Der Zweck von Produktions- und Arbeitsgenossenschaften liegt darin, den Mitgliedern eine dauerhafte Beschäftigung unter günstigen Rahmenbedingungen wie ein angemessenes Einkommen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zu gewährleisten. Arbeitsgenossenschaften werden teilweise auch bei Betriebsstilllegungen aus wirtschaftlichen Gründen oder wegen fehlender Nachfolge gebildet. In diesem Fall übernehmen die entlassenen Arbeitnehmer den Betrieb und führen ihn weiter.

Im Team der Tischlerei Passeier sind ein Teil der Mitarbeiter zugleich auch Mitglieder und damit Inhaber des Betriebes.
Mehr Infos zu StartUP

Die Produktions- und Arbeitsgenossenschaften

Herr Ennemoser, warum wurde die Tischlerei Passeier als Arbeitsgenossenschaft gegründet?

Unsere Tischlerei wurde bereits 1966 gegründet. Die zehn Gründungsmitglieder erkannten früh, dass durch den Zusammenschluss zu einer Genossenschaft Personal- und Maschineneinsatz besser genutzt und so kundenorientierter und günstiger produziert werden kann.

Sind alle Mitarbeiter gleichzeitig auch Mitglieder der Arbeitsgenossenschaft?

Nur zu einem Teil. Unsere Tischlerei hat derzeit 29 Mitarbeiter, acht davon sind gleichzeitig auch Mitglieder. Diese bilden im Grunde das

„Als Mitglieder tragen wir die Verantwortung“ Die Tischlerei Passeier wurde in den Sechzigerjahren von mehreren Tischlern als Arbeitsgenossenschaft gegründet. Heute bilden die Mitglieder, allesamt Tischler, das Führungsteam der Genossenschaft, die einen Jahresumsatz von zwei Millionen Euro macht.

Führungsteam und sind in verschiedenen Betriebsbereichen tätig, sei es im Einkauf, im Vertrieb oder als Vorarbeiter in der Werkstatt, wo sie auch Verantwortung übernehmen. Damit sind alle wichtigen Bereiche des Betriebes vertreten, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen.

Welche Vorteile bieten sich einem Tischlereibetrieb als Genossenschaft?

Heute sehe ich den großen Vorteil vor allem in der Mitgliedschaft beim Raiffeisenverband, der ein kompetenter und verlässlicher Partner in allen Verwaltungsfragen ist. Ansonsten haben wir als Genossenschaft keine wesent-

lichen Vorteile, etwa gegenüber anderen Rechtsformen, nachdem mittlerweile der Großteil unserer Mitarbeiter Nicht-Mitglieder sind.

Wie kommt die Tischlerei Passeier ihrem genossenschaftlichen Förderauftrag nach?

In erster Linie wollen wir die Motivation, die Weiterbildung und soziale Kompetenz unserer Mitarbeiter fördern und ihnen einen sicheren Arbeitsplatz bieten. Als Genossenschaft sehen wir uns aber auch verpflichtet, in unserer Umgebung wirtschaftliche, kulturelle und soziale Beiträge zu leisten. Ganz konkret heißt dies, dass wir verschiedene Vereine im Tal unterstützen.

„Ich bin davon überzeugt, dass die Genossenschaften, früher wie heute, moderne Strukturen sind, die einen bedeutenden Mehrwert für alle Mitglieder schaffen.“

Joachim Reinalter, Obmann des Sennereiverbandes Südtirol

Manfred

Die Dienstleistungsgenossenschaften

Dienstleistungsgenossenschaften werden gegründet, um den Mitgliedern verschiedene Dienstleistungen bereitzustellen. Sie bieten sich an, um Dienste der öffentlichen Hand oder übergemeindliche Dienste in Zusammenarbeit mit Vereinen oder anderen Gemeinden zu organisieren. So kann eine Kulturhausgenossenschaft das Kulturhaus der Gemeinde oder eine Sportgenossenschaft die öffentlichen Sportanlagen führen, die meist der Gemeinde gehören. Auch die Führung von Betrieben zur Abwasserreinigung oder Müllentsorgung kann über eine Dienstleistungsgenossenschaft organisiert werden. Auf der anderen Seite können auch Betriebe und Freiberufler Dienstleistungsgenossenschaften gründen. So werden beispielsweise Taxigenossenschaften gegründet, welche die Funkzentralen der Taxiunternehmen betreiben. Durch die wirtschaftliche Zusammenarbeit der Betriebe, öffentlichen Körperschaften oder Freiberufler über eine Dienstleistungsgenossenschaft können Größenvorteile, Synergieeffekte und Einsparungspotenziale genutzt werden.

Beispiele

• Taxigenossenschaften

• Sportgenossenschaften

• Kulturhausgenossenschaften

• Umwelt-/Abwassergenossenschaften

Athleten aus aller Welt kommen jährlich zum Trainieren und zu den Wettkämpfen in die Arena Ritten in Klobenstein.

Herr Treibenreif, warum hat man sich zur Führung der Arena Ritten für eine Genossenschaft entschieden?

Peter Treibenreif: Durch den Bau der Eishalle und der Sportgebäude ist die Sportzone enorm angewachsen. Bis 2010 wurden die Sportanlagen vom Sportverein „Ritten Sport“ geführt. Die Vereinsstruktur war für die Führung solcher großer Anlagen aber nicht mehr geeignet und so hat man sich für die Genossenschaft als neue Gesellschaftsform entschieden.

Herr Vigl, was sind die Aufgaben der Sportgenossenschaft?

Elmar Vigl: Wir führen und verwalten die Sportanlagen der Arena Ritten bzw. der

„Wir wollen die Sportanlagen allen zugänglich machen“ Sportvereine und Privatpersonen haben im Vorjahr die Sportgenossenschaft Ritten gegründet, um die Sportzone in Klobenstein zu führen, den Mitgliedern günstige Bedingungen für die Sportausübung zu bieten und die Sportanlagen aufzuwerten.

Sportzone Ritten. Das heißt, wir vermieten Eishalle, Eisring, Tennisplätze und Fußballfeld an die eigenen Mitglieder und an Externe, zudem führen wir ein Fitnesscenter. Mit der Gemeinde haben wir eine Konvention abgeschlossen. Außerordentliche Instandhaltungsarbeiten und Erweiterungsarbeiten übernimmt die Gemeinde, Malerarbeiten und kleinere Reparaturen zum Beispiel die Genossenschaft.

Wie profitiert die Öffentlichkeit von der Zusammenarbeit mit der Gemeinde?

Peter Treibenreif: Wir wollen die Sportstrukturen nicht nur erhalten, sondern vor allem auch aufwerten, etwa durch Veranstaltungen. In die Sportanlagen fließen viele

öffentliche Gelder. Deshalb ist es unser Ziel, die Anlagen allen zugänglich zu machen, egal ob im Breiten-, Profioder Schulsport.

Die Arena verfügt über die schnellste 400-Meter-Freiluftbahn der Welt. Was bedeutet das an Renommee?

Peter Treibenreif: Der Eisring ist unser Aushängeschild! Jedes Jahr kommen Athleten aus aller Welt zu uns. Hier wurden schon eine EM, die Junioren-WM und mehrere Weltcups ausgetragen.

Die Berichterstattung darüber ist eine unbezahlbare Werbung für uns.

„Das Genossenschaftssystem mit seinen Prinzipien der Solidarität und Subsidiarität ist Voraussetzung für die Existenzsicherung für eine Vielzahl von kleinen Produzenten im Vinschgauer Obst- und Gemüseanbau.“

Karl Dietl, Obmann des Verbandes der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse VI.P Die Dienstleistungsgenossenschaften

Die Wohnbaugenossenschaften

Wohnbaugenossenschaften werden von Bürgern gegründet, um sich ein Eigenheim zu errichten, das günstiger ist als auf dem freien Immobilienmarkt. Eine Wohnbaugenossenschaft plant, organisiert und führt den Bau im Auftrag der Mitglieder durch und übergibt ihnen nach der Fertigstellung die Eigentumswohnungen. Alle Mitglieder sind direkt für die Baukosten wie Projektierung, Bau, Infrastruktur, Versicherungen und Verwaltung verantwortlich. Mitglieder einer Wohnbaugenossenschaft zahlen nur die tatsächlich angefallenen Kosten der Immobilie. In Südtirol erhalten die Wohnbaugenossenschaften von den Gemeinden in erster Linie gefördertes Bauland zugewiesen. Dabei werden die Genossenschaften bei der Erstellung der Rangordnung gegenüber Einzelgesuchstellern bevorzugt. Die Mitglieder müssen in der jeweiligen Gemeinde ansässig sein oder den Arbeitsplatz dort haben und eine entsprechende Punktezahl erreichen.

Wohnbaugenossenschaften ermöglichen heute gutes und kostengünstiges Wohnen.
Foto: Herta Hunraus

Frau Ramoser, warum haben Sie sich für das genossenschaftliche Bauen entscheiden?

Weil es sich für uns einfach ausgezahlt hat! Gemeinsam waren wir für Planer und größere Firmen die interessanteren Vertragspartner als als Einzelantragsteller. Durch das Gesamtvolumen konnten wir große Mengen erreichen und Kosten sparen. Neben dem finanziellen Nutzen erscheint mir aber der soziale Faktor nicht weniger wichtig. Wir mussten uns zusammenraufen und Kompromisse eingehen. Das Bauen in der Genossenschaft ist ein gutes Übungsfeld für das spätere Zusammenleben in einem Kondominium.

„Würden sicher wieder in der Genossenschaft bauen“ Im Vorjahr konnten die Mitglieder der Wohnbaugenossenschaft „Gartenweg 2508“ ihre neuen Wohnungen beziehen. Wir haben mit dem Bauen gute Erfahrungen gemacht, sagt Obfrau Anna Maria Ramoser.

In der Wohnbaugenossenschaft müssen Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Die wichtigsten Entscheidungen haben wir alle gemeinsam in der Vollversammlung getroffen. Kleinere Maßnahmen beschloss der Vorstand – immer vor dem Hintergrund des maximalen Vorteils für alle Mitglieder. Durch Überzeugungsarbeit wurden Entscheidungen für alle Mitglieder nachvollziehbar gemacht. Die Kommunikation mit allen Beteiligten ist fundamental, wird aber oft unterbewertet. In unserer Genossenschaft ist es durch eine offene Kommunikation gelungen, das gemeinsame Ziel in den Vordergrund zu stellen.

Was war Ihnen als Obfrau besonders wichtig?

Obfrau zu werden war eigentlich nie mein Ziel und ich habe die große Verantwortung gespürt. Dabei habe ich es als äußerst wichtig empfunden, die Anliegen der Mitglieder zu verfolgen und als Ansprechpartnerin immer da zu sein. Ebenso wichtig waren mir die konstruktive Zusammenarbeit und eine gute Arbeitsteilung. Geblieben ist uns allen das gute Klima, das unser Zusammenleben auch heute noch bereichert und bei der Lösung von eventuellen Konflikten hilfreich ist. Wir würden unser Eigenheim sicher wieder in einer Wohnbaugenossenschaft errichten.

„Unsere Mitgliedsbetriebe stellen eine Garantie für Qualität und Leistungsfähigkeit dar. Die Genossenschaften haben in den letzten 100 Jahren bewiesen, dass sie gerade auch in Krisenzeiten Erfolgsmodelle sind.“

Anton Zublasing,

Präsident des Verbandes der Kellereigenossenschaften Südtirols

Anna Maria Ramoser, Obfrau
Wohnbaugenossenschaft

„Darum ist mir meine Genossenschaft so wichtig“

Martin Psaier, Oberglarzhof in St. Valentin/Villnöß, Mitglied der Energiegenossenschaft Villnöß

Ich bin seit 1990 Mitglied im E-Werk und beziehe den Strom für meinen Hof. In der Genossenschaft zählt nicht das schnelle Geld, sondern die sichere und günstige Energieversorgung. Als Mitglied kostet mich der Strom nur rund die Hälfte der öffentlichen Tarife. Ebenso wichtig ist mir aber auch ein sauberer Strom, der im eigenen Tal mit unserem eigenen Wasser erzeugt wird. Und bei Stromausfällen oder wenn man Baustrom braucht, kann die Genossenschaft schnell reagieren, weil alles vor Ort ist und nicht irgendwo in der Welt. Oft heißt es, Genossenschaften seien veraltet. Das Gegenteil ist der Fall. Unsere Genossenschaft ist jedenfalls innovativ unterwegs, es wird gut zusammengehalten und das garantiert den Erfolg!

Erika Pircher, Oberwieshof am Naturnser Sonnenberg, Bergbäuerin und Mitglied der Sennereigenossenschaft Algund

Als ich vor 15 Jahren den Hof meines Vaters übernommen habe, wurde ich Mitglied der Sennereigenossenschaft Algund. Wir haben elf bis zwölf Kühe am Hof und produzieren jährlich im Schnitt an die 65.000 Liter Milch. Der Milchtank wird täglich mit der Seilbahn zur Milchsammelstelle gebracht, von wo ihn der Milchtankwagen zur Sennerei bringt. Ich brauche mich dann um nichts mehr zu kümmern, kann mich auf meine Genossenschaft verlassen. Die Genossenschaft garantiert mir einen angemessenen Auszahlungspreis und ein regelmäßiges Einkommen. Für mich ist es auch wichtig zu wissen, dass aus der Milch gute Produkte hergestellt werden. Ich weiß nicht, ob ich meine Arbeit ohne Genossenschaft überhaupt machen könnte.

Walter Torggler, Latzfons, Mitglied und Wasserwart der Beregnungsgenossenschaft Latzfons/Feldthurns

Unsere Beregnungsgenossenschaft zählt 180 Mitglieder und versorgt 320 Hektar in Latzfons, Feldthurns, Verdings, Leitach und Klausen. Das meiste ist Grünland, ein Viertel sind Obst- und Weingüter. Aus den Quellen in 2.000 Metern Höhe können wir genügend Wasser auffangen. Wir brauchen jährlich an die zwei Millionen Kubikmeter Wasser. Ohne Wasserversorgung wäre ein Wirtschaften kaum möglich. Klar, dass mir die Beregnungsgenossenschaft viel bedeutet – als Milchbauer, Mitglied und Wasserwart. Müsste jeder einzelne seine eigene Beregnung errichten und um eine Wasserkonzession ansuchen, wäre das schon aus Kostengründen kaum zu bewältigen. In der Genossenschaft verteilen sich Arbeiten und Kosten auf viele Köpfe und davon profitieren alle.

Josefa Pernthaler Anranter, Hienghof in Klausen/Leitach, Weinbäuerin und Mitglied der Kellerei Eisacktal

Der Weinberg erfordert das ganze Jahr über viel Arbeit und Gewissenhaftigkeit, um qualitativ hochwertiges Traubengut zu erzielen. Ohne die Kellereigenossenschaft könnten wir Weinbauern unser Produkt nicht vermarkten, und für den fleißigen Einsatz erhalten wir auch einen angemessenen Preis. Die Mitarbeiter der Kellereigenossenschaft, allen voran der Kellermeister, verarbeiten unsere Trauben mit unermüdlichem Einsatz und großem Fachwissen zu einem Wein von höchster Qualität. Wenn wir dann alle zusammen das Endprodukt im Glas in einer geselligen Runde in der Kellereigenossenschaft verkosten, kommen wir alle zur selben Erkenntnis: Wir haben alles richtig gemacht.

Johann Innerhofer, Neuhäuslhof - Meran, Obstbauer und Verwaltungsrat der Obstgenossenschaft CAFA

Die Genossenschaften leisten einen entscheidenden Beitrag zur Existenzsicherung, auch in unseren meist kleinstrukturierten Obstbaubetrieben. Als Mitglied der Obstgenossenschaft kann ich mich voll auf die Produktion konzentrieren. Verkauf und Vermarktung eigenständig zu bewerkstelligen, wäre heute sicher schwierig. Auch in Sachen Bürokratie leistet die Genossenschaft eine gute Betreuung, denken wir nur an die Einhaltung der GlobalGap-Standards. Ich bin über meine Genossenschaft auch Mitglied der Einkaufsgenossenschaft LEG, über die ich meine landwirtschaftlichen Bedarfsgüter kostengünstiger beziehe. Die Genossenschaft ist sicher ein Geschäftsmodell, auf das man besonders in der Obstwirtschaft schwerlich verzichten könnte.

Mit freundlicher Unterstützung

Fotos: Hermann Maria Gasser

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