Mahlen fürs Leben Über 100 Jahre Rieper
Unser herzlicher, ganz besonderer Dank für die Mitwirkung an dieser Chronik geht an » Susanne Pitro » Hans Karl Peterlini » Anneliese Braito » Änne Blindt » Helen Rieper Schnabl » Waldemar Kerschbaumer » Hanno Mayr » Florian Unterholzner » Georg Aschbacher » Franz Daberto » Willi Leitner » Karl Obergolser » Sebastian Plaikner » Dr. Georg Unterpertinger » Richard Schwienbacher » Albert Steger.
Eine besondere und persönliche Anerkennung geht an dieser Stelle an unsere Mutter Waltraud Rieper, der wir es maßgeblich verdanken, heute diese Geschichte über unsere Familie und den Werdegang unseres Unternehmens in der Hand zu halten, weil sie, auch wenn es oft noch so fern erschien, das Ziel nie aus den Augen verloren hat. Katrin und Alexander Rieper
Impressum Konzept: Waltraud und Katrin Rieper Texte: Susanne Pitro, Hans Karl Peterlini, Waltraud Rieper Lektorat: Hans Karl Peterlini, Anneliese Braito Grafik und Layout: hannomayr.communication © 2011 A. RIEPER AG Fotos aus dem Archiv Rieper und von Oskar Da Riz, Daniela Kofler, Marion Lafogler, Augustin Ochsenreiter, Claudia Tilk, Florian Unterholzner; Georg Aschbacher, Karl Gruber, Familie Steger, Familie Trenker.
Vorwort Jubiläen sind Marksteine im Leben eines Menschen, einer Familie, eines Unternehmens. Die A. RIEPER AG hat ihr 100-jähriges Jubiläum am Beginn der Mühlentätigkeit festgemacht und im Oktober 2010 mit der Betriebsgemeinschaft gefeiert. Ein Freudentag zwischen Vergangenheit und Zukunft – als Ausgangspunkt für die Fortführung der Familientradition, innehaltend im gemeinsamen, dankbaren Blick zurück. Einem Blick zurück, den es sich lohnte zu verfestigen, um ihn nicht zu verlieren. Bilder und Erinnerungen, Fakten und Erzähltes haben wir zusammengefügt in dieser Geschichte über die Familie und ihre Aktivitäten. Vor dem Hintergrund eines bewegten Jahrhunderts mit großen Umbrüchen und Neuanfängen zeigt sich für die Nachkommen auf, wer ihre Vorfahren waren, was sie antrieb und bewegte, wofür sie sich einsetzten und was daraus wurde. Alois Anton, Alois Franz, Albert, sowie Andreas und Peter Rieper stehen für ihre Epochen, die sie durch Unternehmergeist und persönliche Fähigkeiten geprägt haben. Das Festgeschriebene aus ihrem Leben und aus ihren Erfahrungen spannt einen Bogen in die heutige Zeit, aus dem sich Visionen auch für die eigene Zukunft ableiten lassen. Ein Betrieb entwickelt sich in vielen, teils schnellen, teils langsamen, oft mühsamen Schritten, immer mit den Menschen, die seine Vorhaben mittragen. Die Mitarbeiter sind den Weg in Abschnitten mitgegangen. Gegenüber der gemeinsamen Geschichte und dem gemeinsamen Verständnis soll nicht nur ein Aufleben von Erinnerungen stehen. Vielmehr ein sich Finden als Teil eines Ganzen, begründet im Wissen, dass das Geleistete in die Zukunft weiterwirkt. Die 100-jährige, erfolgreiche Entwicklung wurde möglich durch die Unterstützung, durch Treue und Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern. Die vorliegende Chronik über den Werdegang des Unternehmens ist auch als äußeres Zeichen des Dankes für Interessierte unter ihnen gedacht. Familie Rieper Vintl
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Am Anfang stand der Postgasthof Der Tennen-Spruch Die Postmeisterei Porträt: Der Gründer Alois Anton Rieper Von der Bahn beinah ins Aus gesetzt Teebutter für Rom Die Erfindung der Sommerfrische Die Vintler Idylle Es werde Licht Festliche Anlässe
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Der Aufbruch vor Kriegsbeginn Industriemühlen in Tirol Neue Mühle, neue Zeit Vom Senkrechtstart zur Krise Der junge Sanierer „Fräulein Änne“ – die Laborkünstlerin Ein Betrieb mit Pferdestärken Porträt: Der Pionier Alois Franz Rieper
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Der Druck der Planwirtschaft Getreide auf Ration Der Versorgungsauftrag Wende in der NS-Zeit
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Herbstwanderung mit Folgen Von Pannonia zu Rieper Mit Stammtisch-Marketing zum neuen Werk Unterpertingers Formel Diätfutter für Labortiere Der Durchbruch
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Die Aufrüstung der Mühle Die Betriebsfeuerwehr Die Modernisierung der Backstuben Kleine Kulturgeschichte der Verpackung Sanamalt Mit spitzem Bleistift Die Eroberung der Hausfrauen Der Fahrer als Freund und Helfer Nicht nur zur Weihnachtszeit …
Die Ursprünge
Die Müllerei
Zwischen den Diktaturen
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Die Ursprünge
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Das Futter aus der Mühle
Geschichten des Wandels
Die Kunden im Mittelpunkt
Wie das Korn, so das Mehl 84 Der neue Getreidesilo 86 Kunst an der Mühle 89 Der lange Weg der Rohstoffe 90 Weg frei für eine neue Generation 92 Porträt: Der Richtungsweiser Albert Rieper 94
Schwieriges Umfeld mit Chancen 98 Rationalisierte Auslieferung 99 Kleine Mythen um den Verladesilo 101 „Je näher am Kunden, desto besser“ 102 Legendäres Sonderoffert und Ein-Tages-Küken 106 Mehlmarkt diesseits und jenseits der Grenze 107 Qualität mit Garantie 108 Vom Rechenschieber zum Prozessor 109 Porträt: Der Konsolidierer Andreas Rieper 110
Leidenschaft und Zukunftssicherung
Willkommen in der Gegenwart
Kleine große Schritte 112 Mahlen im Alleingang 114 Made in Switzerland 117 „Futter 2000“ ein Jahrhundertbau 118 Neue Chancen durch Automatisierung 122 Die Versorgungsflotte 123 Frühe Weichenstellungen – späte Erfolge 124 Porträt: Der Technologe Peter Rieper 126 So kam die Mühle in mein Leben 128
Der Familienbetrieb in fünfter Generation 130 Märkte im Wandel 132 Natürliches Futter für freie Hühner 133 Kräuterextrakte statt Antibiotika 133 Individuelle Konzepte für zufriedene Kunden 134 Mehl auf Maß 136 Qualitätspolitik im Zeichen der Natürlichkeit 138 Ein Jubiläumsfest 141 Erfolgsfaktor Mitarbeiter 144 Zum Jubiläum ein Neustart 145 Gerüstet für die Zukunft 146 Gedanken aus Stahl 150
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Die Ursprünge
Ein Haus der Ähre
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„Unsere Instant-Polenta, praktisch, wenn es schnell gehen muss“ … „und hier die Mischung für Grießnockerl“ … „das Pizzamehl“ … „ein Breatl-Mix“. Wenn Waltraud Rieper mit kundigen Griffen das ausgefächerte, in Farben dezent ausgestaltete Mehlsortiment durchgeht, wenn ihr Mann Peter Rieper mit leuchtendem Blick sagt, dass ein Müller an das glauben müsse, was er herstellt, wenn Tochter Katrin meint, das beste Marketing seien die Produkte selbst, wenn Sohn Alexander geschickt eine Klappe öffnet und feines Mehl in den Händen zerrinnen lässt oder sich gerade gepresstes Rinderfutter prüfend an die Nase hält, dann schwingt etwas mit, was sich weder in Preisen oder Zahlen noch recht gut in Worten ausdrücken lässt – so etwas wie Liebe zu dem, was man tut. Eine Mühle in Zeiten der hochtechnologischen Lebensmittelindustrie hat wenig mit rauschender Bachromantik zu tun. Wie ein zweiter Durchlass nach der Mühlbacher Klause ragt an der Pusterer Straße bei Vintl der moderne, von Sichtbeton beruhigte Gebäudekomplex der Rieper-Mühle hoch, bei aller Wuchtigkeit nicht schwerfällig oder erdrückend, eher gut geerdet und ständig im Werden. In einem geduckten Zubau am Rand des Firmengeländes war noch im Jänner 2011 in einem kleinen Raum das Labor untergebracht, in dem das Mehl auf seine Güte getestet wird – schon wenige Wochen später zog die eher nach Daniel Düsentrieb anmutende Forscherstätte in einen hochmodernen Trakt zwischen Mehl- und Tierfutterproduktion um. Das Detailgeschäft, beliebt bei Ortsansässigen, vorbeifahrenden Pendlern und Gästen, ist ein einziger kleiner Raum mit einfachen Regalen und einer Registrierkasse – die Produkte, ob raffinierte Mehlsorten oder Futter für jede Art und Größe, sollen für sich sprechen. Daneben ist die immer wieder professionalisierte Auslieferung für die schweren Lkw erst jüngst noch einmal automatisiert und logistisch umgestellt worden. Das gut 20 Meter lange Tor zum Betriebsgelände steht weit offen, denn Lastwagen müssen hier ungehindert kommen und gehen dürfen: 500 bis 600 Tonnen werden an Rohstoffen täglich angeliefert, fast ebenso viel an Mehl und Tierfutter wird damit täglich lieferbereit hergestellt. Dann läuft die Mühle. Die Mühle läuft immer, in schrittweisen Umbauten und durch manchen Neubau ständig modernisiert, hochgradig computergesteuert und vor allem nachts, im Notfall auch
selbstabschaltend, damit Schäden an Ware und Anlage vermieden werden. Dann wird automatisch auch der Müller geweckt, der den Ausfall wieder beheben kann. Ein feiner Duft durchweht das Gebäude, Säcke mit Mehl hier, Säcke mit Futter dort sind aufgestapelt, Lastwagen fahren ein, werden automatisch schiefgestellt, um besser entladen werden zu können. Der Juniorchef trägt weißen Mantel und Mütze, der Besucher wird zur Mühlenbesichtigung ebenso eingekleidet – dann geht es, mit stolzem Blick auf eine noch historische Fassade, auf den imposanten Gebäudekomplex zu. Aber wo ist die Mühle? Auf einen Blick ist die Mühle nicht zu haben, sie muss in Ausschnitten erwandert werden, die durch Mauern und Stockwerke getrennt sind, nur verbunden mit hochkomplexen Rohrsystemen: treppauf, treppab, mal durch weite Säle,
Es zaubert die Mühle
Eine Betriebsbesichtigung
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dann durch kleine Kammern und enge Treppenhäuser dem Müller hinterher, der mit schnellem Schritt von Schnittstelle zu Schnittstelle eilt, jedes Detail kennend, wissend, aus welcher Anlage im unteren Stock welche Ware heranschießt und wo welche Rohre im Stock darüber zu welchen Filtern führen, von denen das Getreide auf dem Weg zu seiner Mehlwerdung weiter in die Höhe geblasen, in Seitenrohre geschoben, noch einmal zurück zu einer feineren Vermahlung befördert wird oder wenn die Rohstoffe in den rotierenden Trommeln einer Hammermühle zerkleinert werden, auf dass sie nach weiteren Verarbeitungen mit Dampf aufbereitet einen Brei abgeben, der zu Tierfutter gepresst werden kann – eine atemlose, staunende Besichtigung. Die Futtermühle ist ein Wunderwerk mit bis zu zehn Stockwerken, wo unten Rohstoff hineinkommt, dieser schrittweise nach oben, zur Seite, weiter aufwärts befördert wird, folgend jenem Rhythmus des alten Kinderreimes: vor, zurück, zur Seite – gehen. Je nach Beschaffenheit und Bedürfnissen werden die Rohstoffe gemischt und aufbereitet, bis sie die Decke des Mühlenkomplexes erreichen und dann Stock für Stock, Raum für Raum wieder nach unten gelangen – um endlich in einem
Sack oder einem Silowagen zu landen. Roboterartige Satellitenwägen finden sich im gerade erst fertig gestellten Hochregallager – einem Schwindel erregend hohen und weiten Stahlgerüst mit Tausenden von Lagerplätzen – blind zurecht, um auf einer Palette die gewünschten Packungen an den gewünschten Ort zu liefern. 100 Jahre sind Teile der Fassade alt, die Technik im Inneren ist auf einem immer nur vorübergehend neuesten Stand, der laufend erneuert werden muss. So ist die Mühle auch eine ständige Baustelle, trotzdem blitzblank, obwohl es keine Putztruppe gibt. Ein Prinzip bei Rieper ist: Jede Arbeitsmannschaft muss die eigene Abteilung selber sauber halten, das schärft den Sinn für die Abläufe und für das Produkt, von dem möglichst wenig verloren gehen soll, das möglichst sauber verarbeitet werden muss – schließlich kommt es in
bis 200 Gramm, sich im Takt bewegende Sichterkästen zum Sieben der Mehle, ratternde und schleudernde Ungetüme nebst apothekergenauen Dosierungsapparaten für Vitamine, Kräuterextrakte und natürliche Aromastoffe, mit denen das Tierfutter angereichert wird – streng nach den Prinzipien einer gesunden und artgerechten Tierhaltung. Das Herzstück sind die zwölf Walzenstühle, in einem schlichten und auf eine gewisse Weise doch heiligen Raum, wie ein Altar, an dem das Wunder des Mahlens bestaunt werden kann. Aus den Stockwerken darunter wird das Getreide hochbefördert, nachdem es in wichtigen Arbeitsschritten gereinigt, genetzt, gescheuert wurde, um den Mehlkörper möglichst schonend für die Vermahlung freizulegen, dann wird es gesiebt, erneut vermahlen oder zum nächsten Verarbeitungsschritt geführt. Die Reise, die ein Weizenkorn
Rieper 2011 – eine Betriebsbesichtigung von Hans Karl Peterlini durch die Mühle macht, erfolgt durch Gebläse, Saugvorrichtungen, Elevatoren wie in früheren Umlauf-Aufzügen. Infrarotgeräte unterscheiden helle und dunkle Mischungen, rotierende Sortieranlagen erkennen die Körner nach ihrer Länge – heben die einen hoch, schicken die anderen geradeaus weiter auf die Reise durch das technische Wunderland. Sonden messen die Feuchtigkeit des Getreides, um die für die Vermahlung nötige zusätzliche Befeuchtung genauestens und gleichmäßig abzustimmen. Ein Labyrinth von Rohren – das scheint die Mühle der Gegenwart zu sein, eine Stätte der Produktion großer Mengen auf hochtechnologischem Niveau. Was in die Rohre kommt, was aus den Rohren herauskommt, aber ist – hier wenigstens – nicht dem ursprünglichen Sinn entfremdet: Wenn der Junior Alexander Rieper das Mehl prüft, duftet es nach einer alten Zeit. Sie war nicht immer leicht, die alte Zeit, sie begann gar nicht mit einer Mühle, aber die Mühle schrieb dann ein Stück Familien- und Wirtschaftsgeschichte: keine triviale Saga, sondern die wechselhafte Geschichte von Menschen, deren Arbeit und Erfüllung über Generationen hinweg darin lag, aus Korn Mehl zu machen.
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Eine Betriebsbesichtigung
Haushalte, auf Tortenwaagen, in Kochtöpfe, auf Teller ebenso wie über die Tierfütterung wiederum in den Nahrungskreislauf. An allen wichtigen Schnittstellen werden Proben entnommen, die ans Labor gehen, zugleich aber auch in einer datierten Packung aufbewahrt werden, bis die Verfallsfrist für das Endprodukt ausläuft: So ist es bei (seltenen) Reklamationen jederzeit möglich, das Produkt in seinen Herstellungsetappen noch einmal anzuschauen, die Fehlerquelle auszuforschen – und daran besser zu werden. Eine Probe wird auch von jeder Anlieferung genommen – von der Qualität der Rohstoffe hängt auch viel von jener Qualität der Endprodukte ab, die Rieper am Herzen liegt. Diesbezüglich ist der Müller ein Müller geblieben. Das Wunderwerk Mühle ist ein technisches Märchen mit tausend und einer Variante: eine Sortiermaschine, lange als Prototyp getestet und nun erneuert, die einzelne Getreidekörner bei Verdacht auf Mängel aus dem vorbei fließenden Warenstrom mit Luftdruck ausschießt; Zellen, die sich mit einem Gongschlag im Inneren selber reinigen, damit nicht alter Staub anklebt, wenn das neue Getreide kommt; feinfühlige Waagen für Mengen und Mischungen von 2000 Kilo
Kapitel 1
Die Ursprünge
Am Anfang stand der Postgasthof
Vintl um das Jahr 1900
Die Ursprünge
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Wann beginnt eine Geschichte? Wie weit lassen sich die Fäden einer Entwicklung zurückverfolgen? Die Gegenwart kennen wir: Die Welt um 2010 mit ihren globalen Herausforderungen, Ängsten und Chancen, das alte Europa in seinem da und dort brüchigen, aber doch auch hoffnungsvollen Werden, unser kleines Südtirol weitgehend glücklich befriedet, kulturell gewachsen und sprühend, wirtschaftlich erfinderisch und tüchtig, selbstbewusst und mitunter schon übermütig, das Dorf Vintl mit seinen schnittigen Veränderungen und manch erhal-
tenem Winkel, wo fast alles noch so ist, wie es früher war. Wo hat das angefangen, wo hat sich Schicksal eröffnet oder gewendet, wo hat die Historie ihre Knoten im Taschentuch, auf dass wir sie nicht vergessen? Auch die Geschichte der Rieper-Mühle hat viele Ursprünge, die sich auf immer neue Anfänge zurückverfolgen ließen. Die Knoten im Taschentuch, an denen sich das Werden dieses Familienbetriebes am Eingang des Pustertales bis in die Gegenwart erzählen lässt, sind von archivarischer Unaufdringlichkeit. So war die nüch-
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Alois Anton Rieper mit Maria Schifferegger und dem Erstgeborenen Alois Franz Kaufvertrag f端r das Anwesen in Vintl (1860)
Der Gasthof zur Post auch Wirt an der Brucke genannt, um 1890
Die Urspr端nge
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» terne Eintragung einer Mühle in den würdigen
Die Ursprünge
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Die Rückseite des Posthofes und der dazugehörige Sohlerhof
Registerwälzern der Handelskammer Bozen von 1910 Anlass für die 100-Jahr-Feier von Rieper im Jahr 2010. Es hätte aber genauso gut eine 150-Jahr-Feier sein können. Denn die Wurzeln des Familienunternehmens reichen, wenn dessen Gründung als Beginn genommen wird, noch eine Generation und ein gutes halbes Jahrhundert weiter zurück. Damals, am 1. Februar 1860, erwarb Alois Anton Rieper das als „Wirt an der Brucke“ oder als „Tagenhof“ bekannte Postanwesen in Vintl, das mit seinen Gütern und Liegenschaften, ja auch mit manch erhaltenem Gebäude Ausgangs- und Kraftort des Familienbetriebes Rieper geworden und bis in die Gegenwart geblieben ist. Alois Anton Rieper hatte einen für seine Zeit und seine Möglichkeiten mutigen Schritt gemacht. Der Sohn von Schabser Wirtsleuten hatte auf dem Anwesen der Gutsfamilie von Guggenberg zunächst als Hausmeister des Posthofes gearbeitet, 1856 nahm er den Tagenhof in Pacht, 1860 erwarb er von den Eigentümern Alois von Guggenberg und Johanna Witwe von Guggenberg um 42.000 Gulden das gesamte Anwesen mit seiner Postmeisterei, der Gastwirtschaft, einer Sägerei und einem ansehnlichen landwirtschaftlichen Betrieb, an den auch der Sohlerhof mit seinen Äckern, Wiesen und Wäldern angeschlossen war. Der 46-jährige Alois Anton Rieper war damit Postmeister, Gastwirt, Sägewerksbetreiber und Landwirt mit eigenen Stallungen für Rinder, Pferde, Hühner und Schweine, mehreren Stadeln, Gärten, weiten Flächen an Feldern und Wiesen, einer Schmiede, einer Block- und Brettersäge sowie einer kleinen Mühle im Wirt-
Der Tennen-Spruch
Auf der Eingangstür in die Mühle hatte sich der Baumeister mit einem Sinnspruch verewigt. Der „Tennen“ ist 1942, nach der Übernachtung eines Landstreichers, der wohl das Feuer ausgelöst hat, abgebrannt.
Notizbuch des Alois Anton Rieper
sechzehnten Jahr Im achtzehenhundert und
rg Postmeister war, Da Bartlmä von Guggenbe
und die Mühle gebaut. Hab ich diesen Dreschtennen d Neid seine Zungen, Zwar schärfte der Zorn un
schaftsgebäude, dem „Tennen“. Diesen großen Holzbau, mit einem ebenen, befahrbaren Raum und einem Speicher im ersten Stock hatte Bartlmä von Guggenberg 1816 von einem Inntaler Zimmermann erbauen lassen. Darin befand sich eine viel bestaunte technische Errungenschaft, eine wie von Zauberhand bediente und bewegte Dreschanlage. „Ein Wasserrad setzte zwei Wellbäume in Bewegung von denen der eine 32 Drinscheln zum Dreschen hob, der andere eine Mahlmühle mit zwei Gängen, eine Stampfmühle mit vier Stampfen, eine Windmühle (Getreidereinigungsmühle) und eine Holzsäge trieb“ (Dorfbuch Vintl). So barg der Ort, an dem die Geschichte der Rieper-Mühle begann, schon früh auch seine Zukunft in sich: Ein modulares Tätigkeitsfeld, das über manche Krisen hinweghelfen sollte, technische Faszination, Pioniergeist und Liebe für die Verarbeitung und Verfeinerung dessen, was die Natur dem Menschen bietet.
das Werk uns gelungen, Doch glücklich und froh ist ndwirt vertraut. Das uns hier ein weiser La beit dahin, Uns flossen die Tage in Ar
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mit dankbarem Sinn. Wir nehmen nun Abschied unser Betragen. Es tadelt kein echter Christ t seinen Segen Drum wolle der gütige Got
er und Kindern geben, Dem Hausvater, Hausmutt
in künftigen Tagen noch Und uns solche Bauherrn geben.
Die Postmeisterei
Die Ursprünge
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Das Amt eines Postmeisters war von hohem wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Stellenwert. Es wurde traditionell nur angesehenen Familien anvertraut, wie den von Pretz in Mittewald und den von Grebmer in Bruneck. Die Postmeisterei in Vintl hatte Kaiserin Maria Theresia 1755 als neuen Knotenpunkt für die Routen Vintl-Brixen, Vintl-Mittewald und Vintl-Bruneck begründet, seit 1773 war der Dienst in Händen der Familie von Guggenberg gelegen. Für Alois Anton Rieper war die Übernahme dieser Aufgabe eine wirtschaftliche Herausforderung und ein sozialer Aufstieg gleichermaßen. 1861, ein Jahr nach dem Kauf des Anwesens wurde ihm von der „kaiserlich-königlichen Postdirektion für Tirol und Vorarlberg“ offiziell die Postmeisterstelle in Vintl übertragen. Mit der Verleihung dieses Titels verbunden war „die Pflicht, alle Postgeschäfte wie Briefversand, Reiseverkehr, Kurier- und Eilbotendienst abzuwickeln“. Der Postmeister verpflichtete sich außerdem unter eigener Verantwortung die Postwägen gut und sicher zu verwahren. So mussten „im Poststall jederzeit 12 diensttaugliche Pferde und die nötigen Stallrequisiten, zwei geschlossene und eine offene Kalesche, ein geeigneter Briefpostwagen, sowie drei Stafettentaschen in vollkommen brauchbarem Zustand und die vorgeschriebene Anzahl Postillonen gehalten werden“. In den Vintler Stallungen standen bis zu 60 Pferde für den k. k. Dienst bereit. Die Postmeisterei lag strategisch günstig, sie wurde als Zwischenstopp für den Personen-, Güter- und Posttransport auf der Pustertaler-Strecke genutzt. Hier wurden Postkutschen umgespannt
Anfrage an den Reichsfürsten „Gleichwie aber diese Wirthsbehaußung bis anher mit keinem offenen Schild oder Zeichen versehen; so bittet Unterzeichneter, ihm gnadigst zu bewilligen, dass er den Schild, oder das Tabernzeichen eines doppelten ganz vergoldeten Adlers führen, und solchen öffentlich bey seinem Wirtshause heraushängen möge. Euerer Hochfürstl(ich)en Gnaden Unterthanigst gehorsamster Bartlmä Guggenberger Wirt an der Brucke, und zugleich Posthalter allda Niedervintl den 31ten August 1802“
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Die Ursprünge
oder ausgetauscht, hier erholten sich Reisende und Kutscher von den anstrengenden Fahrten in den behäbigen, aber wenig bequemen Postkutschen, deren Höchstgeschwindigkeit gerade einmal acht Stundenkilometer betrug. Allein für die Strecke Bozen-Brixen sah der Fahrplan im Jahr 1862 sechs Stunden Fahrzeit ohne Unterbrechung vor. Für die Weiterfahrt nach Innsbruck waren 14 bis 21 Stunden nötig. Die Einkehr in der Postmeisterei war eine beliebte und gern in Anspruch genommene Erholung. So bekamen die Postgasthöfe entlang der Hauptverkehrsadern, zu denen neben der Brenner-Strecke auch die Pustertaler-Strecke zählte, ihre Gäste praktisch vor die Haustür geliefert. Vintl war um 1860 wohl ein lebendiges Dörfchen mit Gutshöfen, aber auch vielen Handwerkern, die sich hier niedergelassen hatten: Weber, Bäcker, Schmiede, Gerber. Für Alois Anton Rieper war das quirlige Treiben im Postgasthof eine einträgliche wie benötigte Einnahmequelle. Für den Kauf des Anwesens hatte er die Verschuldung von 31.911 Gulden nicht gescheut. Zum Vergleich: 500 Gramm Brot kosteten damals 2 Gulden und 50 Kreuzer. Die Postmeisterei erwies sich als ein wichtiger Übergang für die nächsten Generationen. 1888 erhielt sein Sohn Alois Franz den k. k. Befähigungsnachweis und übernahm die Postmeisterstelle von seinem Vater. Später trat er diese an seine Schwester Marie ab. Als letzte Postmeisterin von Vintl steht Maria Rieper für das Ende einer Epoche und für den Beginn jenes langen Weges weiblicher Gleichberechtigung, der bis in die Gegenwart reicht.
Marie Rieper, Schwester von Alois Franz Rieper, die letzte Postmeisterin in Vintl
Die Taschenuhr von Alois Anton Rieper
Die Ursprünge
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Der Gründer Alois Anton Rieper (1814 – 1900)
Er legte den Grundstein, auf den die folgenden Generationen aufbauen konnten: Alois Anton Rieper, Jahrgang 1814, neuntes und jüngstes Kind von Franz Rieper und Anna Zörhofer. Die Familie Rieper stammte ursprünglich aus Kartitsch in Osttirol, wo um 1560 ein Michael Rieper die urkundlich rekonstruierbare Familiengeschichte begründet und wo noch heute ein kleines Bauerngut „beim Rieper“ heißt. Das Pustertal war damals eine durchgehende Einheit von Mühlbach bis Lienz, Wanderungsbewegungen talein oder talaus waren üblich. Anfang des 17. Jahrhunderts scheint der Name Rieper zuerst in Sillian und später in Schabs auf. Dort waren die Eltern von Alois Anton die Wirtsleute vom „Goldenen Stern“. Alois Anton zog nach Vintl, wo er sich zuerst als Hausmeister und dann als Verwalter der Familie von Guggenberg nach oben arbeitete. Dabei hätte es bleiben
können, wenn die Eigentümer ihrem Verwalter, dessen Arbeit sie offenbar zu schätzen wussten, nicht eine einmalige Chance eröffnet hätten. Da sich die Brüder Franz und Alois von Guggenberg aus beruflichen Gründen kaum um den seit 1773 in Familienbesitz stehenden Tagenhof kümmern konnten, boten sie ihm diesen zunächst zur Pacht und schließlich zum Kauf an. Alois Anton riskierte und gewann. Mit dem Erwerb des Postanwesens im Jahr 1860 und der Übernahme der Postmeisterstelle 1861 schuf er sich eine selbständige Lebens- und Einkommensgrundlage, in der damaligen Zeit eine unverzichtbare Voraussetzung für die Gründung einer eigenen Familie. 1862 heiratete Alois Anton Rieper im Alter von 48 Jahren die zwanzigjährige Brunecker Hirschenwirtstocher Maria Schifferegger. Die Familie wuchs rasch und das Paar bekam zehn Kinder.
Die Urspr端nge
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Die Familie Alois Anton Rieper (v.l.n.r.): 1. Reihe: Paul *1875 und Emma *1882 2. Reihe: Karl *1863, Marie *1873, Maria Schifferegger *1842 und Alois Anton *1814, Hans *1872, Ida *1870 3. Reihe: Alois Franz *1862, Franz *1868, Roman *1869
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Werbeplakat für die Pustertaler Bahn und Baustelle am Bahnhof Innichen
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Von der Bahn beinah ins Aus gesetzt Wie gewonnen, so zerronnen – getreu dem warnenden Sprichwort hätte sich auch die Geschichte vom glücklichen Aufstieg des Alois Anton Rieper in eine Geschichte des jähen Falls wenden können. So golden sich die Vintler Postmeisterei zu Beginn ihres Wirtschaftens ansehen ließ, so bedrohlich schnell nahte eine erste große Herausforderung für den jungen Rieper-Betrieb: Mit einem Mal schien er, überrollt von der Eisenbahn, aus der Zeit zu fallen. Bereits im Jahr 1838 war in Alt-Österreich das Zeitalter der dampfbetriebenen Eisenbahn angebrochen. Die damit einhergehenden Umwälzungen schienen zunächst weit weg von Tirol. Erst die Gründung der k. k. Südbahn-Gesellschaft 1858 brachte die verkehrstechnische Revolution näher. In den Plänen der Südbahn war die Anbindung des Pustertales durch den Bau der Bahnstrecke Brixen-Villach vorgesehen. Zunächst schien sich deren Verwirklichung
zu verschleppen, 1871 war es dann soweit: Nach nur zwei Jahren Bauzeit nahm die Pustertaler Bahn ihren Betrieb auf und rückte das Tal vor allem über die Verbindung mit der 1867 eröffneten Brennerbahn ein Stück näher an die Welt. Die neue Zeit, die mit der Eisenbahn in die Beschaulichkeit der Donaumonarchie einbrach, entzog dem noch in den Anfängen stehenden Postgasthof-Besitzer von einem Tag auf den anderen die wichtigste Existenzgrundlage. Reiseverkehr und Fuhrdienst verlagerten sich schlagartig auf die schnellere und günstigere Bahn. Die Pferde-Umspannstationen wurden allesamt aufgehoben, ebenso war die Versorgung, Bewirtung und Betreuung der Reisenden entlang der Straße nicht mehr gefragt. Es erwies sich jetzt als Vorteil, dass das Anwesen mehr als ein Postbetrieb mit Gasthof war. Alois Anton Rieper ließ sich nicht entmutigen und begegnete den Veränderungen mit Geschick und Fleiß. Er machte aus seiner Not ein Glück für
Der renovierte Gasthof zur Post um 1891
die folgenden Generationen. Möglichkeiten, die Einbußen durch den Bahnbau aufzufangen und neue Erwerbsquellen zu erschließen, bot der eigene Betrieb. Eine davon war die Sägerei, die er fortlaufend modernisierte und ständig auf dem neuesten Stand der Technik hielt. Ebenso große, wenn nicht größere Anstrengungen unternahm Alois Anton Rieper in der Landwirtschaft. Ein Glück dabei war es, dass ihm in seinem Erstgeborenen Alois Franz ein Landwirt „mit Leib und Seele“ heranwuchs. 1893 überschrieb Alois Anton seinem damals 31-jährigen Sohn den gesamten Besitz in einem sehr detaillierten Vertrag, der in Verbindung mit einer Leibrentenregelung auch seine künftige Versorgung und die seiner Frau Maria peinlichst genau vorsah. Der tatkräftige Erbe Alois Franz nahm sich der Äcker und Viehweiden an und verwandelte den Hof in einen Muster-
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Der Nachfolger Alois Franz Rieper. 1893 überschreibt ihm Alois Anton den gesamten Betrieb.
Teebutter für Rom
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Noch bevor der Name Rieper mit Mehl verbunden wurde, waren es vor allem Milchprodukte, mit denen der Vintler Betrieb im Lebensmittelbereich Bekanntheit erlangte. Um die Wirtschaftlichkeit der Viehhaltung zu steigern, hatte Alois Franz eine kleine Sennerei eingerichtet und eine Sennerin angestellt. Die Milch vom Tagenhof wurde nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen pasteurisiert und täglich verkauft, dank Bahn auch über Vintl hinaus. Hergestellt wurde auch ein Käse-Sortiment, darunter die pikante österreichische Spezialität Quargel. Mit seiner hochwertigen Teebutter machte Alois Franz sogar einen Schritt auf den italienischen Markt, wenn auch in begrenztem Ausmaß: Jede Woche wurde eine Packung Teebutter als Eil-Frachtgut mit der Bahn nach Rom geschickt, wo sie von den Theologen eines römischen Klosters erwartet wurde. Diese hatten das Südtiroler Produkt in ihrer Sommerresidenz „Bad Bachgart“ bei Mühlbach entdeckt und wollten fortan nicht mehr darauf verzichten.
Die Milch des Posthofes wird in der eigenen Sennerei verarbeitet.
» betrieb. Er verbesserte die Rinder- und Schweinezucht, baute
einen stattlichen Hühnerhof und errichtete eine eigene Sennerei, in der er auch die Milch anderer Bauern verarbeitete. Die ursprüngliche Anbaufläche bestand in den heutigen Angerfeldern, einer größeren Wiese in Priel und dem Sohlerhof. Durch Grundstückskäufe und strategische Tauschoperationen wurde der landwirtschaftliche Besitz laufend erweitert und flächenmäßig verbunden. Dem Posthof standen letztendlich ausgedehnte Wälder und eine geschlossene Feldfläche von 22 Hektar zur Verfügung. 1904 gab Alois Franz bei Innsbrucker Projektanten ein neues Landwirtschaftsgebäude mit ausreichend Platz für 50 Rinder, einen Pferde- und einen Schweinestall in Auftrag. Das großzügige Futterhaus mit seinen hohen Gewölben und der geräumigen Lagerhalle im oberen Stockwerk galt noch lange als
Das 1905 erbaute Stallgebäude
1905 – Kreszenz Kostner vor ihrer Hochzeit mit Alois Franz Rieper
Vorzeigeprojekt. Es war auch Ausdruck des neuen Aufbruchs, beruflich wie privat: Stolz stellte Alois Franz Rieper anlässlich seiner Hochzeit mit Kreszenz Kostner das neue Stallgebäude der Öffentlichkeit vor. Die Landwirtschaft wurde 1949 im Zuge der Erbschaftsregelung ausgegliedert und ging auf die Schwestern Rieper über. 1954 kaufte Albert Rieper persönlich diesen Besitz zurück und führte ihn mit eigenen Schaffern und Knechten weiter. Der Stall mit seinen 50 Kühen erbrachte bemerkenswerte Milchleistungen und gute Zuchterfolge. Mit den Jahren wurde es immer schwieriger, Fütterer und Melker zu finden. Dies veranlasste Albert Rieper 1980 den Stallbetrieb aufzugeben. Die Entscheidung war ihm schwer gefallen. Um nicht mit ansehen zu müssen, wie die Prachtkühe abgeholt wurden, verreiste er an jenem Tag in aller Früh.
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Auf verschiedene Almen, bis nach Defreggen, wurde das Vieh des Posthofes während der Sommermonate gebracht. Bei der Rückkehr am Rosarisonntag erhielt die schönste Kuh den kunstvollen Kopfschmuck.
Gäste im Gasthof zur Post: Dr. Hermann Renner mit Frau Gerda Mikulascheck und Töchterchen Ingeborg; sie wurde 1936 die Frau von Albert Rieper.
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Die Gastgeber Alois Franz und Kreszenz Rieper
Die Erfindung der Sommerfrische Der vermeintliche Fluch, die Eisenbahn, wurde schließlich zum Segen für den Gasthof zur Post. Die Bahn verhalf gerade dem aufstrebenden Tourismus in Tirol zu seiner ersten Blüte. Alois Franz Rieper sah die Entwicklung voraus. Noch bevor die Sommerfrischler das Pustertal so richtig entdeckt hatten, begann er 1891 gemeinsam mit seinen Eltern Alois Anton und Maria den eigenen Betrieb aufzurüsten. Die großen Räume des alten Gasthofes wurden zu kleineren und behaglichen Gästezimmern mit neuen Zirbelholzmöbeln umgebaut, die Küche renoviert und mit einem modernen Herd samt integrierter Warmwasserbereitung bestückt. Vom sogenannten „Herrschaftsherd“ aus gelangte fließendes Kalt-
und Warmwasser in zwei Gästebadezimmer, ein besonderer Komfort für die damalige Zeit. Nun erwies es sich als weise Voraussicht, dass der Gasthof schon 1868 mangels öffentlicher Wasserleitungen durch eine Brunnenleitung aus Lärchenholzrohren von den eigenen Quellen in Sohlern mit frischem Wasser versorgt wurde. Um das leibliche Wohl der Gäste kümmerte sich anfänglich Alois Franzens Mutter Maria, später übernahm seine Frau Kreszenz diese Aufgabe. Ihre Kochkünste steigerten die Beliebtheit des Gasthofes. Speis und Trank waren aus eigener Herstellung: von Fleisch, Brot, Milch und Käse über das Gemüse bis hin zum Wein. Um bestmögliche Qualität zu bieten, wurde Maische
Herrenzimmer und Speisesaal im Gasthof zur Post
zugekauft und im eigenen Keller in riesigen Holzfässern gekeltert. Serviert wurde im großen Speisesaal oder im gemütlichen Herrenzimmer. Im Sommer saßen die Gäste auch im Schankgarten unter dem Schatten der Kastanienbäume. Wer Vintl nur vom eiligen Vorbeifahren auf der Pustertaler Straße kennt, wird schwerlich nachvollziehen können, dass wohlhabende Gäste einst mühsame Anreisen auf sich nahmen, um hier ihren Sommer zu verbringen. Doch der Postgasthof bot den ersten Sommerfrischlern um die Jahrhundertwende alles, was ihr Herz begehrte: Ruhe und frische Luft, kulinarisches Wohl und körperliche Betätigung, geistige Un-
Die Ursprünge
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Mit den Rezepten aus Kreszenz Riepers Kochbuch erlangt der Gasthof zusätzliche Beliebtheit.
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Die Vintler Idylle
Einen Eindruck von der Sommerfrische um 1900 vermitteln die Aufzeichnungen von Tochter Paula Rieper Putzer: „Ein großzügiger Gastgarten mit alten Kastanienbäumen, ein Pavillon, in dem abends die Musikkapelle aufspielt, von Rosenbäumchen umrankte Separees für ungestörte Gesprä-
che, Springbrunnen, an denen Kinder mit kleinen Schiffchen spielen und all dies in einem großen Park mit Spazierwegen, freiem Rasen, lauschigen Plätzchen im Schatten hoher Bäume, mit Bänken zum Verweilen. Für Zeitvertreib, Sport und Erfrischung stehen eine Kegelbahn, ein Tennisplatz und ein aus Bachwasser gespeistes Freibad zur Verfügung, 18 Meter lang und 6 Meter breit, samt Vorwärmbecken, überdeckter Liegefläche, Umkleidekabinen, Dusche und WC. Die Badekleidung aus rotweiß oder blauweiß gestreifter Baumwolle kann im Verleih bezogen werden.“ Zeitvertreib im Park: eine moderne Kegelbahn
» terhaltung
und gesellschaftliche Kontakte. Die Gäste waren leitende Beamte aus den k. k. Kanzleien, Wiener Bürgerfamilien und Unternehmer aus unterschiedlichen Gebieten der Monarchie. Alois Franz Rieper und seine Frau knüpften zu manchen ihrer Besucher freundschaftliche Beziehungen. Die zahlreichen Begegnungen und Gespräche brachten dem Hausherrn eine Fülle von Anregungen, aus denen der eine oder andere Impuls für weitere Entwicklungen hervorging. Der Postgasthof belebte im gesamten Gebiet um Vintl den frühen Tourismus. Um die wachsende Gästeanzahl aufnehmen zu können, wurde das Haus 1912 auf 60 Betten erweitert. Die ehemalige Pferdeumspannstation wurde zu einer Dependance im Jugendstil umgebaut. Ebenso wie sein Vater musste Alois Franz Rieper erleben, wie flüchtig Menschenwerk sein kann. Mit dem Ersten Weltkrieg ebbte die erste große Fremdenverkehrswelle im Pustertal wieder ab. 1929 schloss Alois Franz den Postgasthof für immer “wegen politischer Gängeleien in der Zeit der Volkstumsbekämpfung durch die faschistischen Machthaber“ (Albert Rieper). 1912 erhält das Haus eine Dependance mit 60 Betten.
Der neue „Herrschaftsherd“ mit integrierter Wasseraufbereitung, li. vorne Alois Franzens Mutter Maria 25
Es werde Licht
Die Francisturbine – viel bestauntes technisches Meisterwerk
Die Ursprünge
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Das Geschick von Alois Franz Rieper und die Zeit, in die er hineinwuchs, spielten auf günstige Weise zusammen. Mit seinem unermüdlichen Pionier- und Unternehmergeist griff er fasziniert nach den Möglichkeiten, die technische Revolution und Industrialisierung wie Wundergaben boten. In Vintl wurde die natürliche Wasserkraft des Pfunderer Baches ausgiebig genutzt. Am Wasserlauf ließen sich immer neue Handwerksbetriebe nieder, die manuelle Arbeitsschritte durch wasserbetriebene Einrichtungen ersetzten. Von der Chronik genannt werden ein Sägewerk, zwei Mühlen, eine Schmiede, eine Lodenwalke und eine Färberei.
Es gingen viele Lichter an in der damaligen Zeit, die elektrische Energie erhellte Häuser und Städte, ermöglichte bis dahin ungeahnte Erfindungen und wurde zum wichtigsten Antrieb der industriellen Entwicklung. In Tirol entstanden die ersten Wasserkraftwerke. 1897 errichtete der Industriepionier Josef Beikircher das Werk in Mühlen, ein Jahr später folgten die frisch gegründeten Etschwerke mit ihrer Anlage in der Töll. Alois Franz Rieper erkannte früh die Bedeutung der Wasserkraft. Damit er Wasser aus dem Pfunderer Bach ableiten konnte, sicherte er sich nach und nach entsprechende Wasserrechte.
aus. Das änderte sich 1907, als es ihm gelang, das Brücklechneranwesen zu erwerben: ein Hof mit Wald und Feldern und einer kleinen Kunstmühle am Bach. Das dazugehörige Wasserrecht war ausschlaggebend für den Kauf. Im selben Jahr noch begann er mit dem Bau eines größeren E-Werkes mit einer Francisturbine. Diese 1849 in den USA von Ingenieur James B. Francis verbesserte Wasserturbine hatte den Vorteil, dass sie sich auch für geringe bis mittlere Fallhöhen eignet. Dem Wasser wird durch ein schneckenförmiges Rohr, die Spirale, ein zusätzlicher Schwung verpasst. Weitere Raffinessen konnten die geringe Fallhöhe ausgleichen. Dieses
Blick auf das Oberdorf, vorne links das E-Werk
Konzession der k.k. Bezirkshauptmannschaft (23.9.1901) für den Bau des 3. E-Werkes in Südtirol
Wasserableitung am
» Pfunderer Bach
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Die Ursprünge
1899 kaufte er zu diesem Zweck das so genannte „Schmiedwesen“. Im Juli 1901 erhielt er vom k. k. Bezirkshauptmann im Brixen „die Bewilligung zur Ausnützung der Wasserkraft aus dem Pfunderer Bache behufs Erzeugung elektrischer Energie für Kraft und Licht mittels einer Turbinenanlage“. Der „Gasthof- und Realitätenbesitzer“, wie Alois Franz im Schreiben angesprochen wurde, setzte den Plan unmittelbar in die Tat um und baute sein erstes Elektrizitätswerk, damals das dritte im Gebiet des heutigen Südtirol. Es wurde nun zwar Licht in Haus und Stall, aber für seine Pläne reichte die Strommenge nicht
» viel bestaunte technische Meisterwerk erzeugte
nun ausreichend Strom für die wirtschaftlichen Aktivitäten des Alois Franz und die Beleuchtung der eigenen Gebäude. Ihm lag daran, dass die neue Entwicklung auch dem Dorf zugute kam: Er sorgte für Licht in der Kirche und in einer Reihe von Häusern in Vintl. Im Zuge der Modernisierung des Sägewerkes wurde 1908 das erste Vollgatter zum Verschnitt von zugekauftem Holz angeschafft. Ein weiterer Produktionszweig war die maschinelle Herstellung von Holzwolle, die in Folge des zunehmen-
Hoher Besuch aus dem Kaiserhaus, links Alois Franz Rieper
Festliche Anlässe
In der Bildmitte der Brücklechnerhof, 1907 von Alois Franz dazugekauft
Die Ursprünge
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den Transportwesens als Verpackungsmaterial guten Absatz fand. In den dreißiger Jahren übergab Alois Franz Rieper die Führung des Sägewerkes seinem Schwiegersohn Ing. Raimund Kauer, der es gemeinsam mit seiner Frau Maria betrieb. Die „Rieper-Säge“ behielt weiterhin ihren soliden Ruf, sie war bekannt für gute Holzqualität und korrekte Abwicklungen. Erst 1960 wurde sie mangels eines interessierten Nachfolgers und wegen der Veränderungen am Holzmarkt geschlossen. Durch den Kauf des Brücklechnerhofes war Alois Franz Rieper ganz nebenbei zu einer Kunstmühle gekommen, die ihn damals nicht besonders interessierte. Allerdings fand er in einem bayerischen Sommergast, dem Kommerzienrat und Mühlenbesitzer Sebastian Weinmayer, einen begeisterten Gesprächspartner über Mühlen, ihre Technik und ihre wirtschaftliche Bedeutung.
Alois Franz Rieper fand neben seinen vielfältigen Verpflichtungen auch die Zeit, aktives Mitglied der Musikkapelle von Vintl zu sein. Als Mitbegründer und langjähriger Dirigent transkribierte er sogar selbst die Noten für die verschiedenen Blasinstrumente, weil das Geld für Neuanschaffungen fehlte. Festlich spielte die Musikkapelle auf, als Alois Franz Rieper am 5. Juni 1905 nach nur dreimonatiger Bekanntschaft seine „teure Cenzi“ heiratete, die junge Kreszenz Kostner, Tochter des Rosenwirtes in St. Lorenzen. Einen besonderen Höhepunkt erlebte die Kapelle anlässlich der Gedenkfeier zu Ehren des Tiroler Freiheitskämpfers Bartlmä von Guggenberg im Gedenkjahr 1909, in dem landesweit die Erinnerung an die Ereignisse von 1809 auflebte. Zu diesem Anlass kam hoher Besuch aus dem Kaiserhaus nach Vintl und an der Fassade des Postgasthofes wurde eine Abbildung Bartlmä’s enthüllt. Geblieben ist das Mosaik, wenngleich auch dieses die Wechselhaftigkeit der Geschichte erzählt: Unter dem Faschismus musste es wegen eines kleinen Tiroler Adlers im linken oberen Eck hinter einem Holzverschlag verschwinden. Alois Franz Rieper berichtete den Vorfall während einer Zugfahrt einem ortsfremden General, dem die Zustände in Südtirol nicht bekannt waren; auf dessen Intervention hin durfte die Abdeckung entfernt werden.
Die Vintler Musikkapelle mit Kapellmeister Alois Franz Rieper, links von ihm seine Schwester Marie 29
Die Urspr체nge
Gedenkfeier der Ereignisse von 1809 und Enth체llung des Mosaiks zu Ehren des Bartlm채 von Guggenberg
Kapitel 2
Die Müllerei
Zunftzeichen der Müller
Der Aufbruch vor Kriegsbeginn
Die Müllerei
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Die Handelsbucheintragungen um 1910 geben ein eindrucksvolles Bild über die vielfältige Wirtschaftstätigkeit von Alois Franz Rieper: > Sägewerk/Holzwollefabrik seit 30.5.1885 > Gasthaus seit 1893 > Elektrizitätswerk seit 3.9.1904 > Gemischtwarenhandel seit 16.4.1907 > „Gewerbliche Anlage Mühle“, „Betriebskraft Elektrizität“ seit 24.3.1910. Demnach war die Müllerei fester Bestandteil des Unternehmens geworden. Sie lief zunächst aber ebenso wie sie erworben worden war, eher nebenbei. Die mit dem Kauf des Brücklechnerhofes 1907 übernommene Mühle war bereits 1780 im Maria-Theresianischen-Kataster erwähnt worden. Der Verkäufer und Vorbesitzer, der kinderlose Josef Pichler, hatte die kleine Anlage zu einer Walzmühle umgebaut. Das Korn wurde nicht mehr horizontal zwischen den Mahlsteinen zerrieben, sondern floss vertikal zwischen zwei Porzellanwalzen, wurde dabei aufgebrochen und gemahlen. Zunächst verpachtete Alois Franz Rieper die Mühle an einen Müller aus Mühlbach, ab 1909 führte er sie selbst. Dass das Müllerleben nicht lange so beschaulich
verlief, hat zum einen wohl mit dem Tatendrang von Alois Franz Rieper zu tun, zum anderen mit einem düsteren Schatten, der sich über die Donaumonarchie zu legen begann. Vor dem Hintergrund des nahenden Krieges traten Beamte aus dem k. k. Ernährungsamt in Wien mit dem Vorschlag an ihn heran, seine Mühle auszubauen, um die Versorgung mit Mehl in der östlichen Landeshälfte zu sichern. Alois Franz Rieper ließ sich für das Großprojekt überzeugen und beschloss, die kleine Lohnmühle mit einer vollautomatischen, elektrisch angetriebenen Getreidemühle zu ersetzen. Es war dies die erste Mühle dieser Art im Gebiet des heutigen Südtirol. Die neue Mühle übertraf alles, was der tatkräftige Postwirt bis dahin in Angriff genommen hatte. Umfangreiche Planungen, die Suche nach geeignetem Baugrund, das Aufstellen der Finanzierung, all das musste in der bewegten Zeit kurz vor Kriegsausbruch bewältigt werden. Hilfreich waren nun jene Gespräche, die Alois Franz Rieper mit seinem Stammgast Sebastian Weinmayer geführt hatte, dem Mühlenbesitzer aus dem bayerischen Mühldorf.
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Kostenvorschlag der Mühlenbaufirma Schneider-Jaquet
Die Brücklechnermühle am Pfunderer Bach wurde bereits 1780 erwähnt.
Gezeichnete Ansicht der in Auftrag gegebenen neuen Mühle
Die Müllerei
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» Die „Walzmühle Mühldorf“ war ein sehr fort-
schrittlicher Betrieb und die Freundschaft erlaubte es, dass man sich an deren Gegebenheiten orientieren konnte. Der Auftrag zur Planung des Gebäudes ging an Architekt Holzinger aus Innsbruck, die technische Ausarbeitung der Produktionsanlagen wurde einer international renommierten Mühlenbaufirma anvertraut, Schneider & Jaquet aus Straßburg. Monatelang saß ein Planer in Vintl und entwarf die Anlage, deren Kosten im Angebot mit 77.605 Reichsmark, umgerechnet 91.300 Kronen, veranschlagt waren. Die Kapazität der Weizenmühle war auf 12 bis 14 Tonnen in 24 Stunden ausgelegt. Dazu kamen eine Roggenmühle mit einer Tagesleistung von 4 Tonnen und eine Getreidereinigungsanlage für bis zu 20 Tonnen. Am 12. Oktober 1914 stellte die k. k. Bezirkshauptmannschaft Brixen dem Unternehmer Alois Franz Rieper offiziell die Bewilligung zur Errichtung einer Kunstmühle in der Gemeinde Niedervintl aus. Das Dokument enthielt insgesamt 15 Auflagen zur Einhaltung penibler
Kommerzienrat und Mühlenbesitzer Sebastian Weinmayer steht Alois Franz Rieper beratend zur Seite.
Die Müllerei
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Industriemühlen in Tirol
„Kunstmühle“ war der Fachbegriff für jene industriellen Mühlen, die sich durch ihre neuen Technologien von den handwerklichen Mühlen unterschieden. Bestand die traditionelle Mühle vorwiegend aus Holz, wurden in der Kunstmühle tragfähige Teile durch Metall ersetzt und händische Aufschüttvorgänge von mechanischen Elevatoren und Schnecken übernommen. An die Stelle der Mühlsteine traten Walzenstühle mit Stahlwalzen, und
der Antrieb erfolgte mittels Elektrizität, die vielfach aus eigenen Wasserkraftwerken stammte. Mit seiner neuen vollautomatischen Mühle reihte sich Rieper ein in die weit zurückreichende, gediegene Mühlentradition des Landes. Neben der Vielzahl an handwerklichen Mühlen, die in zahlreichen Ortschaften die Nahversorgung sicherten, hatten gegen Ende des 19. Jahrhunderts zwei Familien ihre Betriebe zu industriellen Mühlen ausgebaut.
Die damaligen industriellen Mühlen in Südtirol
Qualitäts- und Sicherheitsvorschriften. Neben der Vorgabe, „bei der Ausführung nur gute Materialien zu verwenden“, ging es vor allem um Feuerschutzbestimmungen aufgrund der leichten Entzündbarkeit von Mehlstaub. Für die Bauarbeiten und die künftige Wartung der Mühle wurden hauseigene Handwerksbetriebe eingerichtet: Eine Tischlerei und eine Schlosserei, die bis heute bestehen. Sämtlicher Rohrbau wurde in den eigenen Werkstätten aus Holz gefertigt und mit Weißblech ausgekleidet. Die in der Baubewilligung vorgesehene Fertigstellung innerhalb eines Jahres verzögerte sich durch die Kriegswirren. Fünf Jahre sollte es dauern, bis die Mühle ihren vollen Betrieb aufnehmen konnte. Die Maschinenlieferungen erfolgten mit Verspätung, Baumaterialien waren schwer aufzutreiben und wegen der Kriegseinsätze fehlten die Arbeitskräfte. An den Bauarbeiten beteiligt waren auch russische Kriegsgefangene, die damals im Tiroler Raum meist nicht in Gefangenenlagern interniert, sondern in der Privatwirtschaft und in der Landwirtschaft eingesetzt wurden. Die eigene Schlosserei mit dem Werkmeister Franz Daberto
Die Müllerei
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Die Bozner Familie Rössler betrieb gleich zwei Kunstmühlen in der Merkantilstadt, die Familie Blasius Pobitzer erbaute 1872 eine moderne Mühle in Meran. Josef Rössler hatte die Entwick-
lung als erster erkannt, als er schon 1869 die von seinem Großvater erworbene Brüggl-Mühle von einer einfachen Metzmühle zur Kunstmühle umbaute. Durch den Erfolg ermutigt übernahm er
1876 zusätzlich die DeutschhausMühle und baute sie ebenfalls zu einer mehrstöckigen Industriemühle um, zuerst mit Wasserkraft betrieben, dann mit Strom aus dem eigenen E-Werk. Rössler, Pobitzer und Rieper waren bis in die 80er Jahre jene Namen, von denen die Mühlenwirtschaft in Südtirol geprägt wurde. Trotz des Wettbewerbs zogen die drei Familien vor allem in schwierigen Zeiten an einem Strang.
Neue Mühle, neue Zeit
Die Müllerei
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Am Ende des Krieges war es endlich fertig gestellt, das stilvolle Gebäude mit seinem Walzenboden und den Schneider-Jaquet-Stühlen für die Vermahlung von Weizen und Roggen. Alois Franz Rieper heuerte ein halbes Dutzend Müllerburschen an, denn trotz der Automatisierungen war das müllerische Können für die genaue Einstellung und sorgfältige Überwachung der Anlagen unverzichtbar. Das Einleeren des Getreides und die Absackung der Fertigprodukte waren nach wie vor Handarbeit. Wie in der Zunft üblich, gingen Kost und Logie zu Lasten des Arbeitgebers. In einem Nebengebäude des Postgasthofes waren die Müller mit den Knechten und Mägden untergebracht und wurden von der Gasthofküche aus verköstigt. Im Dezember 1918 wurde die erste Bürokraft angestellt, Fräulein Luise Bacher, eine wertvolle Stütze über viele Jahrzehnte hinweg. Als die Mühle 1919 endlich lief, war die Welt ringsum eine andere geworden. Statt zur Versorgungssicherheit in der Habsburgermonarchie beizutragen, musste sich Alois Franz Rieper durch den Anschluss Südtirols an Italien auf einem Markt mit weitgehend unbekanntem Hintergrund bewegen. Das k. k. Ernährungsamt war Vergangenheit, die Gegenwart erforderte einen neuen Namen: A. Rieper, molini e stabilimento seghe. Trotzdem lief die Vintler Mühle zunächst äußerst erfolgreich an. Noch gab es so etwas wie einen Gesamttiroler Markt, auf dem Rieper gute Absätze erzielte. Der Weizen konnte in den ersten Jahren nach der Annexion weiterhin aus Un-
Trotz knapper Finanzen wird 1929 straßenseitig das Gebäude für den Einbau von Reinigungszellen verlängert.
Schneider-JaquetWalzenstuhl
garn bezogen werden, der Kornkammer des untergegangenen Habsburgerreiches, bekannt für seine Getreidequalität. Die ausgezeichnete Rohware und das moderne Herstellungsverfahren verschafften den Rieper-Produkten einen guten Ruf. Die Kapazität der Mühle war zur Gänze ausgelastet. Das Mehl wurde per Pferdegespann oder per Bahn an die Bäckereien Tirols ausgeliefert. Ein wertvoller Verkaufspunkt war das eigene Detailgeschäft in Vintl, dem weitere folgten: 1923 in der Brunecker Stadtgasse, dann in Welsberg, Mühlbach und in Riol bei Franzensfeste. Während die meisten dieser Läden Ende der Zwanziger-Jahre wieder geschlossen wurden, erweiterte man das Geschäft in Riol 1932 um eine Bäckerei, die der Kastelruther Bäckermeister Max Prossliner im Jahr 1946 übernahm.
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Die Müllerei
1919 geht die Mühle endlich in Betrieb.
Verkaufsfiliale Welsberg
Vom Senkrechtstart zur Krise
Die Müllerei
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Mit der neuen Mühle hat Alois Franz Rieper seinen stattlichen Betrieb weiter ausgebaut. Die zahlreichen Geschäftsfelder erwiesen sich allerdings als zunehmend problematisch, da es für einen Patriarchen wie ihn immer schwerer wurde, die Übersicht zu wahren. Jeder seiner Betriebszweige hatte eigene Anforderungen, unterschiedliche Rohstoff- und Absatzmärkte einerseits, eigene Abläufe und Zyklen andererseits. Dazu kamen die Nachwehen der politischen Entwicklung. Die traditionellen Handelsbeziehungen mit Österreich waren allmählich abgebrochen, die Eingliederung in den italienischen Wirtschaftsraum bedurfte großer Umstellungen und Neuorientierungen. Besonders zu schaffen machten der Südtiroler Privatwirtschaft finanz- und währungspolitische Einschnitte. Allein schon die Umstellung von der Krone auf die Lira war für Banken und Betriebe eine große Herausforderung. Noch schlimmer aber war, dass die neue österreichische Republik für Kriegsanleihen und Staatspapiere der Monarchie keine Verantwortung übernahm und somit viele schlicht ihr Geld verloren. Auch Bankeinlagen und Forderungen, die mit der Annexion Südtirols plötzlich im Ausland lagen, waren in der Regel abzuschreiben.
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Preisliste aus dem Jahr 1935
Die M端llerei
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Kronen und Heller waren nach dem Krieg zu Lire und Centesimi geworden.
Der silberne Gulden war 1892 von der goldenen Krone abgelöst worden.
» In
Die Müllerei
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dem rasanten Auf und Ab der Zeit erfuhr auch die verzweigte Finanzierungsstrategie des Alois Franz Rieper ihre Höhen und Tiefen. Unternehmungsfreude, Risikobereitschaft und Geschäftssinn hatten ihn auch vor hohen Krediten nie zurückschrecken lassen. Schon bald nach der Übertragung der Vollmachten durch seinen Vater Alois Anton im Jahr 1893 hatte der Junior sechs verschiedene Darlehen aufgenommen. Für den Mühlenbau im März 1914 wagte Alois Franz Rieper seine größte Verschuldung, er lieh sich bei der Tiroler Bauernsparkasse 70.000 Kronen (für eine Krone erhielt man damals drei Kilogramm Brot). Dafür belegte er nicht nur seinen Besitz bis zum letzten Fleck mit Hypotheken, sondern verpfändete, damals sicherlich sehr innovativ, auch die Entschädigungsrechte aus der Feuerschutzversicherung, mit der er im selben Jahr die Immobilien in Höhe von 125.000 Kronen versichert hatte. Das Tiroler Bankwesen um die Jahrhundertwende erlebte eine Blüte pionierhafter Konkurrenz. Gleich mehrere Neugründungen wie die Bank für Tirol und Vorarlberg, die Brixener Bank, die Tiroler Bauernsparkasse belebten das Angebot für Kreditnehmer. Alois Franz Rieper wusste diese Konkurrenz geschickt zu nutzen, er tilgte
Jutesäcke und Sackanhänger aus dem Jahr 1929
Schulden bei einer Bank mit der Kreditaufnahme bei einer anderen, wenn die Bedingungen günstiger waren; frisches Kapital besorgte er sich durch Anleihen bei neuen Instituten. Als nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Krone massiv an Wert verlor, schienen die Kredite fast von allein zu schwinden, da die geschuldeten Beträge in Nominalwerten festgehalten waren. Aus dem vermeintlichen Glück wurde jedoch eine akute Notlage, als diese Summen plötzlich in Lire und unter dem Druck der späteren italienischen Hochzinspolitik zurückzuzahlen waren. Erschwerend warf Mitte der Zwanziger-Jahre die Weltwirtschaftskrise ihre Schatten voraus. Ab 1927 hielt Italien den Wechselkurs der Lira künstlich hoch, die Folge waren steigende Zinsen, hohe Inflation und schwere Einbußen für Südtirols Wirtschaft. Allein im Jahr 1928 sank der Umsatz der Mühle um über 50 Prozent, der Mehlmarkt erlitt hohe Verluste, auch die Qualität der Ware konnte nicht gehalten werden. Die Einnahmen schwanden, die Schulden wurden immer drückender. In Vintl wurde sogar an Schließung gedacht, wäre da nicht die Hoffnung gewesen, dass es vielleicht wieder aufwärts gehen könnte.
Albert Rieper (rechts) als Schüler in Rovereto
Der junge Sanierer
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Die Müllerei
In der unüberschaubar gewordenen Lage erhielt Alois Franz Rieper 1926 eine wertvolle Verstärkung: seinen einzigen Sohn Albert, der damals gerade 18 Jahre alt war. So wie Alois Franz einst seinen Vater in einer Zeit des Umbruchs abgelöst hatte, erhielt er nun selbst Rückhalt durch seinen Sohn. Trotz seiner Überforderung tat sich der Seniorchef schwer, dem Junior Platz neben sich einzuräumen. Die Vorstellungen von Vater und Sohn, wie man die Krise bewältigen müsse, gingen weit auseinander. So musste sich Albert Rieper seinen Handlungsspielraum Schritt für Schritt erkämpfen, um den Betrieb sanieren zu können. Die Umstände ließen wenig Zeit zum Zaudern. Die Weltwirtschaftskrise hatte auch Südtirol erreicht: Im Kundenstock von Rieper kam es reihenweise zu Konkursen und Betriebsschließungen. Allein zwischen 1929 und 1932 verlor Rieper ca. 750.000 Lire an Außenständen. Durch seinen Einsatz und Fleiß und mit Unterstützung seiner Mutter Kreszenz konnte Albert Rieper das Vertrauen seines Vaters gewinnen, und am 17. Februar 1933 erteilte „Rieper Luigi fu Luigi“ vor Notar Francesco Lachmüller in Brixen seinem Sohn „Alberto“ eine Generalprokura. Mit einem energischen Krisenmanagement
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Die Müllerei
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Als einer der ersten Arbeitgeber in Südtirol hat Rieper im Jänner 1936 seine Mitarbeiter sozial versichert und im selben Jahr ein eigenes Mühlenlabor eingerichtet.
er das Unternehmen innerhalb weniger Jahre aus dem Tiefpunkt heraus. Die Strategie war: Konzentration auf das Kerngeschäft Mühle, konsequente Qualitätspflege und eine für damalige Verhältnisse völlig ungewohnte Einbindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch einen partizipativen Führungsstil. Als erstes aber zog Albert Rieper, landauf, landab durch Süd- und Nordtirol, um alte Kunden zu besuchen und neue zu gewinnen. Die Bozner Landessparkasse konnte er davon überzeugen, dem Betrieb mit Überbrückungskrediten eine Chance zu geben. Eine letzte Reserve war der Waldbesitz, der damals dank der guten Holzpreise für viele Bauern, Familien und auch Unternehmer so etwas wie eine geheime Sparkasse war. Drei ansehnliche Holzschlägerungen in den eigenen Wäldern brachten frisches Kapital in die leeren Kassen. Dank der gezielten Kundenbetreuung und der intensiven Forschungsarbeit erreichte die Rieper-Mühle bald wieder jene Beliebtheit und Qualität sowie den guten Ruf, der sie bei der Gründung umweht hatte. Ab 1934 begann der Umsatz zu steigen, die Leistung der Mühle konnte auf rund 60 Prozent ihrer Kapazität erhöht werden. Einen wesentlichen Anteil am Aufschwung hatte eine zukunftsweisende Investition des jungen Chefs: In seinen Bemühungen, die Qualität der Produkte zu steigern, suchte Albert Rieper schon früh wissenschaftliche Unterstützung. So eignete er sich beim Forschungsinstitut für Getreidechemie Dr. Berliner in Darmstadt das nötige Wissen an für die professionelle Analyse von Rohstoffen und Mehlen. Ab 1933 richtete er dafür unter strengster Geheimhaltung ein eigenes Labor mit modernen Geräten ein und verschaffte sich einen 18-monatigen Vorsprung gegenüber anderen italienischen Mühlen. Anhand der Analyse von Kleberbeschaffenheit und -menge, Mineralstoffgehalt, Wasseraufnahme, Quell- und Abstehzahl konnte man die Qualität der Mehle steuern und eine konstant gute Backfähigkeit erreichen. Die vielfältigen Bemühungen von Albert Rieper verfehlten ihre Wirkung nicht. Mit dem Unternehmen ging es wieder bergauf.
„Fräulein Änne“ – die Laborkünstlerin
Die langjährige Laborantin Änne Blindt am Ascheofen Kurve einer Mehlanalyse am Farinographen – 1933
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Die Müllerei
Die Analysen im neuen Labor wurden anfänglich von Anna Pezzei, der Frau des Obermüllers durchgeführt. In der Folge stand 35 Jahre lang wieder eine Frau für Qualitätskontrolle und Qualitätssicherung in der Rieper Mühle: Änne Blindt. Viele neue Wege und Entwicklungen hat sie im Betrieb mitverfolgt und mit höchster Zuverlässigkeit mitgetragen. Ihrer zahlreichen Fähigkeiten wegen wurde sie zu einer geschätzten Vertrauensperson für die Familie. Der Zufall brachte die gelernte Krankenschwester aus Erkrath bei Düsseldorf nach Vintl. Mathilde Rieper, Alberts Schwester, hatte sie während des Krieges in Münster kennengelernt. Nach gemeinsamen Lazarett-Einsätzen kehrten die beiden 1946 zusammen nach Südtirol zurück. Dort wurde Änne Blindt von Kreszenz Rieper nicht nur als „siebte Tochter“ in die Familie aufgenommen, ihr wurde aufgrund ihrer Laborerfahrung das Mühlen-Labor anvertraut. „Fräulein Änne“, wie sie von den Angestellten genannt wurde, war fortan für die Qualitätsprüfung aller Rohstoffe, Passagenmehle und Endprodukte verantwortlich. Auch das 1967 eingerichtete neue Labor mit der Versuchsbäckerei wurde von ihr konzipiert. Die Labortätigkeit gab Änne Blindt 1981 auf, der Familie leistete sie aber noch lange wertvolle Hilfe, so bei der Alterspflege von Kreszenz, Albert und Inge Rieper. Eine Leidenschaft hält die 93-Jährige auch bis heute auf Trab: die Archivierung der Betriebs- und Familiengeschichte.
Ein Betrieb mit Pferdestärken
Traktor aus dem Hause Porsche, Fahrer Max Golderer
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Albert Rieper und Raimund Kauer mit dem Röhr
Der Rieper‘sche Innovationsgeist entzündete sich bald nach der Jahrhundertwende auch an der Faszination der Automobilindustrie. Schon wenige Jahre nachdem Henry Ford seine ersten Autos in etwas erschwinglicherer Serienanfertigung herstellen ließ, erwarb Alois Franz Rieper 1921 sein erstes Automobil: „Der Motor musste unter höchster körperlicher Anstrengung mit einer Handkurbel in Bewegung gesetzt werden“, beschrieb es Tochter Helen in ihren Erinnerungen, „die Hupe war außerhalb angebracht. Eine Trompete mit Gummiballon, deren Betätigung Geschicklichkeit erforderte, denn man hupte um jede Kurve und jagte auf weite Sicht jeden Fußgänger an den Straßenrand. Dahinter dicke Staubwolken, gewürzt mit Pferdemist. Es wur-
1931 – Der erste Diesellastwagen, ein Dürrkopp, in Südtirol
de geschaut und gestaunt, denn in diesen Jahren gab es wenig Autos im Lande“. Zählte Alois Franz Rieper beim Personenauto zu den Vorreitern, war er beim Lastkraftwagen ein echter Pionier. 1931 erwarb das Unternehmen das erste Diesel-Lastauto Südtirols, einen Dürrkopp mit Druckluftbremse. Ende der dreißiger Jahre folgte ein Lancia Tre Ro mit der ersten Direkteinspritzung. Ein Jahrzehnt später kam nicht nur ein Traktor von Porsche, sondern auch ein dritter LKW hinzu. Während der Kriegsjahre wollte man auf Nummer sicher gehen und legte für den Lancia so viele Ersatzteile auf Lager, dass es möglich war, daraus in der eigenen Werkstatt ein weiteres Fahrzeug zusammenzubauen. Trotz des motorisierten Fuhrparks waren Bahn
und Pferdegespanne weiterhin wichtige Transportmittel. Vor allem die Noriker waren der ganze Stolz des Alois Franz Rieper. Noch im hohen Alter stimmte er zu früher Morgenstunde die Arbeitseinsätze der Pferde auf Feld und Wiese mit den Fuhren für die Mühle ab. Die Pferdegespanne brachten Mehlsäcke zum Bahnhof, die dort auf den Zug verladen wurden. Auf dem Rückweg waren sie mit Getreidesäcken gefüllt, die vom Bahnhof in die Mühle mussten. Manche Fracht kam dort allerdings etwas leichter an, als sie aufgegeben worden war, aber nicht wegen der Pferde, sondern wegen der Not der Zeit. Hühner- und Hasenhalter der Gegend schnitten Löcher in die Säcke, bedienten sich am Getreide und stopften die Löcher wieder zu.
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Der Pionier Alois Franz Rieper (1862 – 1954)
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Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein gilt als eines der Geheimnisse von Erfolg. Alois Franz Rieper war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Der Erstgeborene von Alois Anton und Maria Rieper brachte alles mit, um das ererbte Anwesen in einer Zeit epochaler Umwälzungen weiterzubringen: Unbändigen Tatendrang und Neugier, Unternehmergeist und Risikobereitschaft und eine geradezu erstaunliche Vielseitigkeit. „Wie und wann und wo Vater alle diese Talente und alles Können geradezu aus dem Ärmel geschüttelt hat, muss man sich fragen“, schreibt Tochter Paula Rieper Putzer in ihren Erinnerungen. Alois Franz Rieper war ein buchstäblicher Tausendsassa: ein Landwirt mit Leib und Seele, der gleichzeitig E-Werke und eine vollautomatische Mühle baute, ein erfolgreicher Gastwirt, der kurzfristig in die Schotterherstellung einstieg, als die Pustertaler Straße erneuert werden musste, ein engagierter Kapellmeister, der Rosen züchtete und als begeisterter Fotograf seine Aufnahmen in der eigenen Dunkelkammer
entwickelte. Gab es eine Nachfrage, schuf Alois Franz Rieper das Angebot. Für erstere hatte er den richtigen Riecher, für das Zweite verfügte er über vielseitige Begabungen und die Faszination für technische Neuerungen. Eine tatkräftige und resolute Partnerin fand er in seiner Frau Kreszenz geb. Kostner, mit der er sechs Töchter und einen Sohn hatte. „Cenzi“ Rieper, selbst Tochter von Gastwirten, führte nicht nur den Gasthof und das Hauspersonal, sie war ihrem Mann auch in vielen geschäftlichen Angelegenheiten eine geschätzte Partnerin, wovon einige von ihr mit unterzeichnete Verträge zeugen. Für seine Familie wollte der schöpferische und fortschrittliche Patriarch immer das Beste, war fürsorglich und großzügig, konnte aber auch unnachgiebig und in seinem Ehrgeiz empfindlich sein. Als Musikliebhaber, der alle wichtigen Opern auf Schallplatte besaß und sie bis ins hohe Alter gerne hörte, legte er größten Wert auf die Musikerziehung seiner Kinder. Deren
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Die M端llerei
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Familie Alois Franz Rieper: Kreszenz *1879, Elisabeth *1920, Alois Franz * 1862, Albert * 1908, Paula *1907, Maria * 1906, Walfriede * 1912, Mathilde * 1916, Helen * 1911
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» tägliches Klavierüben überwachte er persönlich
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Die Müllerei
mit genauen Tabellen. „Es war alles sehr auf Leistung eingestellt, Leistung wurde gepflegt“, erinnert sich Helen Rieper Schnabl. Sein Lebensstil war von Sparsamkeit geprägt und er gönnte sich kaum Urlaub oder Freizeitvergnügen. Wert legte er allerdings darauf, elegant und gut gekleidet zu sein. Auch die Kleiderordnung der Kinder bestimmte er selbst. Eine Besonderheit von Alois Franz Rieper war seine leidenschaftliche Gesprächsfreude. Bei seinen zahlreichen Bahnfahrten konnte es passieren, dass er sich so intensiv mit Mitreisenden unterhielt und darüber in Vintl auszusteigen vergaß. Ebenso unermüdlich sann er darüber nach, was er in seinem fürwahr prachtvollen landwirtschaftlichen Betrieb noch verbessern und straffer organisieren könnte. Für den Hühnerstall entwickelte er ein System, um die tägliche Legeleistung jeder einzelnen Henne zu dokumentieren, die Feldarbeiter kontrollierte er persönlich mit dem Fernglas. An ihre Grenzen stieß solche Taten- und Kontrollfreude, als er unter den verschärften wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Rückschläge und Enttäuschungen hinnehmen und seinem Sohn Albert das Steuer überlassen musste. Ganz vom Betrieb ließ er nie. Bis ins Alter behielt der Seniorchef, der zum ersten Ehrenbürger Vintls gekürt wurde, die Landwirtschaft in der Hand. Von seinem Fauteuil im Herrenzimmer aus verfolgte er noch bis kurz vor seinem Tod im Alter von 92 Jahren das Geschehen im Betrieb, denn von da aus konnte er genau beobachten, ob die Arbeiter pünktlich von der Mittagspause zurückkehrten. So blieb er ganz der Alte – bis zuletzt.
Kapitel 3
Zwischen den Diktaturen
Der Druck der Planwirtschaft
Zwischen den Diktaturen
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Albert Rieper besichtigt 1940 mit seiner Frau Ingeborg eine Mühle in Rosenheim.
Mitte der 30er Jahre war der Tiefpunkt der Krise überstanden, und es ging wirtschaftlich bergauf. Ab 1935 investierte man wieder in die Kapazität der Mühle, erhöhte die Ausbeuten und erweiterte die Tagesleistung auf 30 Tonnen. Eine leichte Zeit war es dennoch nicht. Die Politik der faschistischen Regierung griff gerade auch in die Lebensmittelproduktion auf eine Weise ein, die ein freies Wirtschaften beinahe unmöglich machte. Mussolini strebte die Autarkie Italiens an und verfügte ab der zweiten Hälfte der 20er Jahre, dass die Mühlen ihr Getreide ausschließlich in Italien kaufen müssen,
wo der Weizenanbau im Zuge der „Battaglia del grano“ stark intensiviert wurde. Statt sich in den Kornkammern der ehemaligen Monarchie, bei Getreidehändlern in Wien und Budapest mit hochqualitativem Weizen einzudecken, brach Alois Franz Rieper nun jeden Sonntagabend nach Verona zum wöchentlichen Einkauf an der Börse auf. Dieser Übergang brachte Qualitätseinbußen und Engpässe in der Versorgung mit sich: Der italienische Markt allein gab zu wenig und qualitativ minderwertigen Weizen her. Ständige Kontrollen, Willkür und Gehässigkeiten, so erlebten viele Südtiroler Unternehmer den Faschismus. Sich zu widersetzen hieß Lizenzentzug und Verbannung zu riskieren. So sah auch die Familie Rieper wenig andere Möglichkeiten als sich den faschistischen Behörden und deren Verfügungen anzupassen und in Streitfällen lieber klein beizugeben. Während in der frisch geschaffenen Industriezone in Bozen die staatlich geförderten Industriekolosse Lancia, Magnesio, Aluminia und die Acciaierie aus dem Boden schossen, wurden in Vintl Auswanderungspläne gewälzt. Hatte man hier noch eine Zukunft? Sollte man das mit viel Einsatz aufgebaute Lebenswerk verlassen und anderswo eine neue Existenz gründen? Wie in vielen deutschsprachigen Südtiroler Haushalten
Die Großfamilie entscheidet sich 1939 fürs Wegziehen.
bauen oder einen bestehenden Betrieb übernehmen. Es wurden Anfragen an verschiedenste Maschinenbaufirmen, Mühlenbetriebe und Interessensverbände gerichtet. „Mein Wunsch wäre es natürlich auch, ich darf ihn wohl aussprechen, meine neue Heimat nicht allzu fern von den Bergen zu finden", schrieb Alois Franz Rieper in einem Brief an die Fachgruppe Getreide- und Schälmühlen-Industrie in Wien. Mit Glück blieb der Familie die alte Heimat erhalten: Die widersprüchlichen Gerüchte zu den Umsiedlungsmodalitäten und die Mahnung von Kontaktpersonen in Deutschland, nicht überhastet zu handeln, ließen Albert Rieper nachdenklich werden. Der Kriegseintritt Italiens und schließlich der Einmarsch der Deutschen 1943 ersparten zehntausenden von Optantenfamilien die Auswanderung.
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wurde diese Frage auch im Hause Rieper intensiv diskutiert, als das Umsiedlungsabkommen zwischen Hitler und Mussolini 1939 die Südtiroler vor die Zwangswahl („Option“) stellte, entweder ins Reich auszuwandern oder sich in Italien den Gegebenheiten zu fügen. Der damals 77-jährige Alois Franz Rieper war in der Angelegenheit sehr gefasst und der erste, der sich entschlossen fürs Wegziehen aussprach. Und mit ihm stand bald die gesamte Familie hinter den Auswanderungsplänen. Gut zwei Jahre lang bestimmte die „Option“ das Betriebs- und Familienleben. 80 einzeln nummerierte Übersiedlungsskisten aus Holz standen bereit. Alle Besitztümer, damals 22 Liegenschaften, wurden minutiös erfasst und Schätzungsakten angelegt. Nach dem Verkauf wollte man in Deutschland oder Österreich eine neue Mühle
Das Getreide wird vom Bahnhof mit Pferdegespann zur Mühle gebracht.
Getreide auf Ration
Zwischen den Diktaturen
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Zur verschärften politischen und militärischen Lage kam eine weitere einschneidende Entwicklung hinzu: Ab 1938 übernahm der Staat die Getreidezuteilungen an die Mühlen. Grundlage für die Weizen- und Roggenrationen waren die gemeldete Mühlenkapazität, gebunden an Koeffizienten wie Gesamtwalzenlänge und Siebfläche, und der staatlich errechnete, lokale Bedarf an Mehl. Die Zuweisungen erfolgten im Hochkommissariat für Ernährung in Rom. Regionale Inspektorate und zuständige Provinzialstellen vollstreckten die Anweisungen vor Ort, im Fall Südtirols die „Sezione Provinciale dell’Alimentazione“ (Sepral) in Bozen. Mit Kriegsausbruch und der im Oktober 1941 eingeführten Lebensmittelrationierung wurde das planwirtschaftliche System weiter ausgebaut. Die Südtiroler Mühlen mussten um die Versorgung mit Rohstoffen regelrecht kämpfen. Die staatlichen Berechnungen, die den Mengenzuteilungen zugrunde lagen, entsprachen nicht dem realen Bedarf. Auch wurde Südtirol, vermutlich aus politischen Gründen, kürzer gehalten als andere Provinzen. Obwohl die Kapazität der einheimischen Mühlen die Eigenversorgung des Landes ermöglicht hätte, deckten die Getreidezuweisungen zeitweise nur etwas mehr als ein Drittel des Südtiroler Jahresmehlbedarfs ab. Die restlichen Mengen wurden von Mühlen aus norditalienischen Provinzen gemahlen, auch zum Leidwesen
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Ab 1941 ist Brot nur mit Lebensmittelmarken erhältlich.
Bedarf & Rationen der Südtiroler
223 g
Tagesbedarf an Mehl pro Kopf
25.000 t
Jahresbedarf an Mehl gesamt
150 g
Brotration pro Tag und Person ab Okt. 1941
300.000
Einwohnerzahl in Südtirol 1940
Zwischen den Diktaturen
der Südtiroler Bäcker, die dafür höhere Preise bezahlen mussten. Trotz der natürlichen Konkurrenz hieß es für Südtirols Mühlen an einem Strang zu ziehen, um das Überleben ihrer Betriebe zu sichern. Vor allem Josef Rössler und Albert Rieper setzten sich bei zahlreichen Vorsprachen und in einer regen Korrespondenz mit den zuständigen italienischen, später auch deutschen Stellen für höhere Getreidezuteilungen ein. Schwer betroffen war auch der Roggenmehlmarkt, der in Südtirol 40-45 % ausmachte. „Ora già da qualche mese i n/. impianti di segale sono completamente fermi per mancanza di materia prima. Il consumo di pane di segale nella n/. Provincia ha dovuto cessare,“ schreiben Rössler und Rieper am 1.9.1941 an das Ernährungsamt in Rom. Mit der Einführung der Lebensmittelmarken im Oktober 1941 wurde die gesamte Kette vom Anbau und Import von Getreide bis hin zu den Fertigprodukten Mehl und Brot genau geplant und streng überwacht. Südtirols Mühlen wurde jeweils ein Absatzbezirk mit einer genau festgelegten Getreidemenge zugeteilt. Trotzdem feilschten die drei Industriemühlen untereinander hart um ihre Anteile. Sie einigten sich im Juli 1943, anlässlich einer bewegten Zusammenkunft im Hotel Mondschein in Bozen, auf die folgenden Aufteilungssätze: Rössler 41 %, Rieper 30 %, Pobitzer 19 %, der Rest fiel auf die Kleinmühlen.
Der Versorgungsauftrag
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Fünf Tage nach dem Waffenstillstand zwischen Italien und den Alliierten marschierte die Deutsche Wehrmacht am 8. September 1943 in Südtirol und Norditalien ein. Somit standen diese Gebiete unter deutscher Militärverwaltung, gehörten aber formell zur Sozialrepublik Italien. Der oberste Kommissar für die Operationszone Alpenvorland erteilte am 25.9.1943 Albert Rieper den Auftrag für die Getreideund Mehlversorgung der Provinzen Bozen, Trient und Belluno. Seine Aufgabe bestand nun darin, gemeinsam mit dem Ernährungsamt die Bedarfsmengen anhand der Leistungsfähigkeit der Mühlen und der ausgegebenen Lebensmittelkarten festzulegen. Als nächsten Schritt hatte er zu überprüfen, wo die von Rom zugewiesenen Mengen an Weizen, Roggen, Mais, Reis, Hafer, Gerste und Teigwaren vorrätig waren und die entsprechende Freigabe durch die Magazineure der Consorzi Agrari zu erwirken. Mit den Bahnhofsvorständen organisierte er den Weitertransport, der teils auch gezielt behindert wurde. Die Militärbehörden mussten die Fahrten vergeben, aber das Hauptproblem stellte der dauernde Mangel an verfügbaren Waggons dar. Erschwerend hinzu kamen Schwarzmarkt, Plünderungen und Bestechlichkeit. Geschickt nutzte er die in Oberitalien sehr begehrten „Exportartikel“ der Provinz Bozen wie Obst, Marmelade und Brennholz, um Tauschgeschäfte einzufädeln. Fehlende Telefon- und Telegraphenverbindungen, und die durch schlechte Zugverbindungen gebremsten Kuriere
Albert Rieper wird 1943 vom Kommissar für die Operationszone Alpenvorland mit der Getreideversorgung beauftragt.
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Zwischen den Diktaturen
zwangen Albert Rieper jeden Monat mit seinem Privatauto tausende Kilometer in Norditalien zurückzulegen, um den Warenverkehr durch persönliche Kontakte zu beschleunigen. In Anbetracht der Gefährdung der Eisenbahnzufuhr – die Brücke südlich von Bozen war für längere Zeit nicht passierbar – strebte er eine Bevorratung von drei Monaten an. Er ließ dezentralisiert Sackvorräte einlagern und konnte damit den Versorgungsnöten abhelfen. Albert Rieper unterstützte die einheimischen Mühlen nicht nur beim Nachschub von Getreide, er intervenierte auch in Rom für die Eintreibung der Guthaben, die teils bis ins Jahr 1940 zurückreichten. Diese nicht verzinsten, die Betriebe erdrückenden Aussenstände, ergaben sich aus Differenzen zwischen der provisorischen Vorfinanzierung der Waren und den Barauslagen der Mühlen für Transportspesen. Der Grund dafür war ein kaufmännisch irrationales, kompliziertes, zentralistisches Preissystem und die Unpünktlichkeit der verschiedenen Verrechnungsstellen. „Trotz fortgesetzter Bombardierungen der Eisenbahnlinien und der Strassen ist es dank der unermüdlichen Arbeit des Ernährungsamtes der Provinz Bozen und besonders auch dank des persönlichen Einsatzes von Herrn Albert Rieper immer wieder gelungen, rechtzeitig die erforderlichen Mengen an Getreide hereinzuliefern, so dass in der ganzen Zeit des Krieges ein eigentlicher Brotmangel nie eingetreten ist“, schreibt Johann Augustin in den Dolomiten vom 15.6.1945.
Albert Rieper
Die Mühle wird zum Schutzbetrieb erklärt und erhält einen dunklen Anstrich.
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Wende in der NS-Zeit Schon vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im September 1943 hatte Deutschland gegen Ende 1942 Getreidelieferungen nach Italien aufgenommen. Die Transporte liefen nicht über den für Zivilverkehr geschlossenen Brenner, sondern über die Schweiz nach Oberitalien, und viele Lieferungen verschleppten und „verirrten“ sich. Die Südtiroler Mühlen erhielten die für sie bestimmten Rationen vielfach verspätet und nicht in dem für sie vorgesehenen Ausmaß. Mit der Eingliederung Südtirols in die Operationszone Alpenvorland legten die NS-Behörden auch großen Wert auf die Eigenversorgung
Südtirols. Dies kam, jenseits einer politischen Bewertung dieser Zeit, der Mühlenindustrie zugute. Die Getreidezuweisungen wurden erhöht, die Mühlen konnten wieder laufen, die Mehlversorgung war in Südtirol, anders als in den allmählich Not leidenden italienischen Provinzen, bis zum Ende des Krieges gewährleistet. Zudem konnte die Kleie als wertvolles Zusatzfutter an die Landwirte abgegeben werden. Im Dezember 1943 wurde die Weizenmühle der Familie Rössler in Bozen bei einem Fliegerangriff durch das anschließend ausgebrochene Feuer zerstört. Josef Rössler konnte lediglich die Roggenvermahlung weiter führen und kauf-
te bis zum Wiederaufbau das Weizenmehl von Rieper und Pobitzer. Im Dezember 1944 wurde die Mühle in Vintl von den deutschen Verwaltern zum kriegswichtigen Betrieb in der Operationszone Alpenvorland erklärt. Das brachte nicht nur einen größeren Schutz – die Mühle erhielt einen dunklen Anstrich – vor militärischen Angriffen mit sich, sondern auch Unterstützung bei Transportfragen und Beschaffungsschwierigkeiten. Um die Versorgung im Falle einer Bombardierung zu garantieren, wurden von der Wehrmacht in Vintl zwei Notmühlen aufgebaut. Die fahrbaren Miag-Feldmühlen waren jeweils mit zwei Mo-
toren ausgestattet, um den Antrieb entweder mit Strom oder Benzin zu ermöglichen. Die Vermahlung selbst war primitiv: Das Getreide konnte zu einem Einheitsgemisch gemahlen werden, aus dem die Grobteile noch ausgesiebt werden mussten. Trotz der fast täglichen Tieffliegereinflüge im Pustertal lief die Mühle ohne Unterbrechung weiter und überstand diese Jahre nicht nur unbeschädigt, sie arbeitete auch bis an die Grenzen ihrer Kapazität: Allein 1944 wurden insgesamt 9.225 Tonnen Getreide vermahlen, eine Menge, die erst wieder in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre erreicht wurde.
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Zwischen den Diktaturen
Ein „Fieseler Storch“, berühmtes deutsches Kleinflugzeug, landet im August 1943 auf der Rieper Aue und bringt dringend benötigte Ersatzteile für den Dürrkopp.
Kapitel 4
Das Futter aus der Mühle
Herbstwanderung mit Folgen
Das Futter aus der Mühle
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Die Lebensmittelknappheit der Nachkriegszeit machte erfinderisch – und wie so oft, schaffte man mit einer Entscheidung die Lösung gleich zweier Probleme. Die seit den 30er Jahren verdoppelte Mühlenkapazität stellte auch Rieper vor ein Dilemma: Je mehr gemahlen wurde, desto mehr Nachprodukte fielen an, dunklere Mehle und vor allem Kleie. Dafür gab es kaum einen Markt, für die Entsorgung waren die Produkte zu wertvoll. Der Ansatz steckte im Modernisierungsbedürfnis der Landwirtschaft, durch eine gezielte und verbesserte Ernährung des Viehs dessen Leistungen zu steigern. In der Poebene setzten bereits die ersten landwirtschaftlichen Betriebe auf Zufütterung.
Bauern füttern vorwiegend hofeigenes Futter.
Nach Südtirol war diese Entwicklung noch nicht vorgedrungen. Die Nutztiere wurden fast ausschließlich mit hofeigenem Grundfutter ernährt und zur Selbstversorgung gehalten. Hennen legten somit nur in den Sommermonaten, Schweinen wurde kurz vor Weihnachten Speck angefüttert und Kühe gaben gerade einmal einen Bruchteil jener Milchmengen, die heute Standard sind. Für die Milch wurde wenig bezahlt, verwendet wurde sie fast nur am eigenen Hof. Die Bauern konnten den eigenen Bedarf decken, für ein zusätzliches Einkommen reichte es kaum, höchstens hie und da mit dem Verkauf von Kälbern oder Zuchttieren. An einem schönen Herbsttag spazierte Albert Rieper durch Terenten: Er sah die Kühe, die selbst nach dem Sommer auf der Alm noch mager waren, unterhielt sich im Vorbeigehen mit einem Senner und hatte die zündende Idee, die neue, mögliche Entwicklung in der Landwirtschaft mit dem ungelösten Problem seiner Mühle zu verbinden. So ging er daran, einen neuen Betriebszweig zu eröffnen und schon 1948 wurde in der Rieper-Mühle die Futtermittelproduktion aufgenommen. Die Umsetzung war freilich mühsamer und weniger zündend als die Idee. Als erster Kraftfutterhersteller des Landes, aber auch als einer der wenigen in ganz Italien, musste Rieper in der Produktentwicklung und vor
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Auf einer Hammerm端hle werden die ersten Rohstoffe f端r Kraftfutter zerkleinert. Bediener: Sebastian Plaikner
Das Futter aus der M端hle
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» allem in der Vermarktung Pionierarbeit leisten. Brechstuhl für die Platten aus der Ölgewinnung
Der technische Aufwand für die neue Produktionslinie war, im Vergleich zum seinerzeitigen Mühlenbau, nicht sehr groß. Albert Rieper ließ im Bereich der Mühlenreinigung kurzerhand etwas Raum für die „Kraftfutterabteilung“ schaffen. Die Ausstattung bestand in einer gebrauchten Hammermühle zum Aufmahlen der Rohstoffe, einem Walzenbrechstuhl für die Zerkleinerung der Soja-, Raps- und Leinplatten und einer Waage. Wichtig war Albert Rieper, dass die Produktion professionell anlaufen würde. So holte er den deutschen Ingenieur Georg Schwaneck nach Vintl. Dieser hatte vor dem Krieg für den führenden Mühlenbauer Miag gearbeitet. Unter seiner Anleitung begann eine kleine Gruppe von Mitarbeitern mit der Herstellung von Mischfutter. Von industrieller Fertigung konnte noch keine Rede sein, das meiste wurde von Hand gemacht. Die wichtigsten Rohstoffe
Das Futter aus der Mühle
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Preisliste für die Poebene
Von Pannonia zu Rieper
Der langjährige Markenname für die Futtermittel aus Vintl hat eine eigene Geschichte. Pannonia ist der lateinische Name für eine altrömische Ost-Provinz, zu der die Kornkammern Ungarns, Teile des Burgenlandes, Sloweniens und Kroatiens gehörten. Namensgeber war der erste Betriebsleiter des Kraftfutterwerkes Georg Schwaneck. Der deutsche Ingenieur stammte aus der pannonischen Tiefebene und hatte sich, neben der Orientierung am ursprünglichen Herkunftsort der Rieper-Rohstoffe, wohl auch von Heimatgefühlen leiten lassen. 1948 startete man mit drei Pannonia-Rezepturen, 1956 waren es 17 und Mitte der achtziger Jahre bereits 72. Von Futtermitteln für Milchkühe, Mastrinder, Kälber, Schweine und Geflügel wurde das Sortiment auf Pferde, Kaninchen, Hunde, Katzen, Ziegen, Schafe und Wild erweitert. Seit 1993 tragen die Futtermittel aus Vintl die Einheitsmarke Rieper. Der damit eigentlich abgeschaffte Name Pannonia hatte sich mittlerweile in Südtirol so sehr verankert, dass er zum Synonym für Kraftfutter wurde. Heute wird Rieper-Futter in 149 Standardprodukten und 866 Sondermischungen angeboten.
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Das Futter aus der Mühle
waren Getreide und die bei der Ölgewinnung anfallenden, proteinreichen Ölschrote oder Ölkuchen. Sie mussten in schweren Säcken oder eben als Platten zur Aufbereitung geschleppt, im Brechstuhl gebrochen und in der Hammermühle zerkleinert werden. Die Mühle verschmierte leicht, die Siebe wurden dicht, die Granulation passte oft nicht, und die Mischung der einzelnen Komponenten lief auch nicht immer nach Wunsch. Es galt zu experimentieren, zu improvisieren. Mit viel Geduld, Geschick, Hartnäckigkeit und wohl auch Begeisterung entstanden unter dem Markennamen Pannonia Produkte, mit denen Rieper sich auf einen neuen Markt wagen konnte. In Südtirol fehlte allerdings der Markt für das neue Mischfutter. Die Bauern hatten kaum Bares für den Ankauf von Futtermitteln, es gab nur vereinzelt eine organisierte Milchsammlung und -verarbeitung, die Zufahrt zu den Höfen war meist schlecht oder fehlte ganz. Die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte für den Weiterverkauf war noch kaum als Möglichkeit erkannt worden, um die Lebensgrundlage für die Höfe zu verbessern. Zunächst fiel das nicht so ins Gewicht, weil Pannonia in der Poebene einen guten Absatz erzielte. Von 423 Tonnen im ersten Produktionsjahr 1948 konnte der Umsatz innerhalb von drei Jahren auf 2.765 Tonnen versechsfacht werden. Ein gesteigerter Konkurrenzdruck durch italienische Anbieter erschwerte aber bald den rasanten Erfolg in Oberitalien, 1955 wurden nur noch 1172 Tonnen umgesetzt. Einen Ausweg bot schließlich der Heimatmarkt, dessen Aufbau erst allmählich geschaffen werden musste. Schon von Anfang an war Rieper mit Zeitungsannoncen auch in Südtirol aufgetreten. Allein zum Markteintritt 1948 waren 26 Inserate geschaltet worden, modern und ansprechend gestaltet vom Klausner Künstler Heiner Gschwendt. Doch die Wirkung verpuffte angesichts der fehlenden Voraussetzungen und Informationen. Rieper setzte nun auf direkte Überzeugungsarbeit und stellte einen zweiten „Reisenden“ ein.
1961 wird ein neues Kraftfutterwerk gebaut.
Das Futter aus der Mühle
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Mit Stammtisch-Marketing zum neuen Werk Die Strategie des direkten Kundenkontaktes wurde nicht nur dank des aufgestockten Hofberater-Teams, sondern ab 1956 auch durch Schwanecks Nachfolger, den Tierarzt Dr. Georg Unterpertinger umgesetzt. Der Sohn eines Bauern aus Terenten hatte zuletzt als Amtstierarzt von Ratschings gearbeitet und keinerlei betriebliche Erfahrungen. Seine Stärken lagen anderswo: Er hatte fachliches Wissen in der Tierernährung, genoss als Tierarzt Ansehen unter den Bauern und sprach deren Sprache. Er ging in den Gasthäusern buchstäblich auf die Kunden zu. Jeden Sonntag setzte sich Tierarzt Unterpertinger nach der Messe an die Stammtische und betrieb Aufklärungsarbeit in Tierfütterung und -gesundheit. Unterpertinger wusste, worum es ging: Die Umstellung der Südtiroler Landwirtschaft von der Selbstversorgung zu einer leistungsorientierten Tierhaltung war eine Herausforderung, die ohne Mitstreiter in den Dörfern nicht zu bewerkstelligen
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Das Futter aus der M端hle
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Unterpertingers Formel Rohstoff- und Produktmuster
Das Futter aus der Mühle
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1956 tritt Tierarzt Dr. Georg Unterpertinger bei Rieper ein.
Wie viel und welches Kraftfutter braucht das Vieh? Diese Frage stand vor allem in den Pionierjahren der Futtermittelproduktion im Mittelpunkt der Beratung. Die Berechnung war sehr kompliziert, die Futterration wurde meist auf der Grundlage von Durchschnittswerten geschätzt. Dies konnte zu einem ungewollten Überschuss oder Mangel bestimmter Nährstoffe führen mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und Leistung der Tiere. Mit seinen Studien trug der langjährige, auch wissenschaftlich tätige Mitarbeiter der Firma Rieper, Dr. Georg Unterpertinger, wesentlich zu den positiven Entwicklungen bei. Durch unzählige Vorträge, Fachartikel und Beiträge in der sonntäglichen Landwirtschaftssendung des Senders Bozen prägte er 33 Jahre lang den Aufbau der Futtermittelindustrie und die Umstellung in der Landwirtschaft. Die Krönung war zweifellos die Entwicklung einer Formel, mit der berechnet werden konnte, welche Art und Menge an Kraftfutter nötig ist, um den Nährstoffgehalt der Grundfutterration auszugleichen. Unterpertingers Formel revolutionierte Anfang der achtziger Jahre die Fütterungsberatung in Südtirol. Die „Methode Unterpertinger“ wurde unter anderem in der Zeitschrift der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft veröffentlicht, in Folge ging sie in die Fachliteratur ein und wird auch heute noch teilweise verwendet. Albert Rieper nannte die „Methode Unterpertinger“ in seiner Laudatio 1986 zum 30-jährigen Dienstjubiläum des Tierarztes „einen großer Wurf“.
Futterausstellungen in Bozen und Trient
» war. Es galt, die einflussreichsten Bauern im Dorf zu überzeu-
gen, dass die Leistungsfähigkeit und Gesundheit ihres Viehs gesteigert werden kann, wenn zusätzlich zum Grundfutter Vitamine, Mineralien und andere Nährstoffe verabreicht werden. War das erreicht, würden auch andere nachziehen – eine Frühform modernen Marketings durch Multiplikatoren. Ein Prinzip galt bei Rieper von Anfang an bis heute: Gesundes, natürliches Futter, keine chemisch gesteuerten Leistungssteigerungen. Die im ganzen Land abgehaltenen Fütterungsversammlungen waren gut besuchte Veranstaltungen, die zusätzlich die Möglichkeit zum Meinungsaustausch zwischen den Fütterungsspezialisten und den Landwirten boten. Neugier und Interesse stiegen und damit auch die Kundenanzahl. Rieper nutzte die in den Ställen gemachten Erfahrungen und die Be-
dürfnisse der Bauern für die Weiterentwicklung der eigenen Produkte. Die Mischungen wurden immer spezifischer auf die Zusammensetzung des Grundfutters, den Lebenszyklus der Tiere oder die Ausrichtung der Tierhaltung abgestimmt, und das Sortiment an Futtertypen wurde immer breiter. Bei den Kunden beliebt waren auch die Pannonia-Ausstellungen in Bozen und in Trient, mit denen sich Rieper an die Öffentlichkeit wandte. Dank der Tätigkeit von Außendienst und Produktentwicklung war Rieper nicht nur ein Produktlieferant, Rieper war gleichzeitig Berater und Gesprächspartner für die Bauern bei der Umstellung auf ihren Höfen. Es dauerte über ein Jahrzehnt, bis Rieper die rudimentäre Ausstattung seiner Kraftfutterabteilung durch ein neues Werk ersetzte. Lange hatte auf dem neuen Markt, der sich erst be-
Das Futter aus der Mühle
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Messestand auf der Bozner Messe 1949
Das Futter aus der Mühle
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» währen musste, die Vorsicht gewaltet und man hatte aus der Pannoniagefütterter Prachtstier in S. Donà di Piave
eigenen Erfahrung gelernt. Die gestiegenen Mengen machten die weitgehend händische Arbeit immer belastender, und die hohen Qualitätsansprüche erforderten ein präziser dosiertes Futter in gepresster Form. Dazu waren Spezialmaschinen nötig, vor allem eine Mischanlage, um alle Komponenten homogen zu vermischen und eine Futterpresse zur Herstellung stabiler Pellets. Im Juni 1961 fuhren die Baumaschinen auf. Innerhalb von sechs Monaten wurde an der Nordseite des alten Mühlengebäudes ein vierstöckiger Anbau mit zehn Lagerzellen und 12 Fertigproduktzellen errichtet. Als erstes wurde die Mischanlage installiert, die restlichen Maschinen folgten im Laufe der nächsten eineinhalb Jahre, und im Juli 1963 ging ein hochmodernes Kraftfutterwerk in Betrieb. Das Schleppen der
Diätfutter für Labortiere
schweren Säcke und Platten war Vergangenheit, eine pneumatische Förderanlage brachte Rohstoffe und Zwischenprodukte von einer Verarbeitungsstelle zur nächsten. Über eine eigene Warenannahme mit integrierter Reinigungsanlage gelangten die Rohstoffe direkt zu einer Hammermühle mit zwei Vermahlungskammern, die unterschiedliche Granulationen ermöglichten. Von dort kamen die gemahlenen Rohstoffe automatisch in die 12 Dosierzellen und über Waagen in den Mischbehälter. Die neue Anlage garantierte höchste Mischgenauigkeit und bot die Möglichkeit der dosierten Beigabe von Vitaminen und Spurenelementen. Von den 6 Auffangzellen liefen die gemischten Rohstoffe zur Melassieranlage um anschließend in der Kahl-Futterpresse durch Zugabe von Trockendampf zu Presslingen verarbeitet zu werden. Es folgten die Abkühlung und die Absackung.
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Das Futter aus der Mühle
Vintls Bürgermeister Hans Kreithner, Inge und Albert Rieper bei der Eröffnung der Bozner Messe 1949
Die Produktion von Futtermitteln war nicht allein auf die Südtiroler Ställe ausgerichtet. Ab 1964 wurde auf Anfrage der renommiertesten medizinischen Forschungsinstitutionen Futter für Labortiere entwickelt und hergestellt, das an zahlreiche Versuchslabors von Mailand bis Neapel vertrieben wurde. Der wissenschaftliche Leiter Dr. Georg Unterpertinger entwickelte in Zusammenarbeit mit den Instituten eigene, auf die Tierarten und die spezifischen Versuche abgestimmte, keimarme Diäten. Der deutsche Lizenzgeber, die Firma Altromin in Lage (Nordrhein-Westfalen), als Spezialist für Tierfutter zu medizinisch-wissenschaftlichen Forschungszwecken, begleitete die Herstellung und kontrollierte die Produktqualität des italienischen Vertriebspartners Rieper. Seit Ende der 1990er Jahre wird Altromin wieder im Stammhaus produziert, wo 2002 neue Produktionsstätten gebaut wurden. Rieper behielt weiterhin den Verkauf und Vertrieb für Italien, der allerdings mit dem Rückgang der staatlichen Subventionen für die pharmazeutische Forschung stark an Bedeutung verloren hat.
Die ersten Erfolge gibt es bei den Legehennen.
Der Durchbruch Entwicklung der Milchanlieferung
400
300
200
100 in Mio. Liter
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0 1965
1970
1975
1980
1985
1990
1995
2000
2005
Die Entwicklung im Unternehmen und die Umwälzungen in der Landwirtschaft gingen Hand in Hand. Den ersten Durchbruch schaffte man bei den Geflügelhaltern, in deren beleuchteten Hallen sich die Kraftfutterverabreichung fast unmittelbar in einer erhöhten Legeleistung der Hühner niederschlug. Erfolge zeigten sich bald auch in der Schweinemast, während sie in der Milchviehhaltung am längsten auf sich warten ließen. Die sich allmählich durchsetzende Vorbereitungsfütterung (das Milchleistungsfutter wird vor und nicht nach dem Abkalben verabreicht), die verbesserten Züchtungsmethoden und die immer gezieltere Zufütterung trugen zur Weiterentwicklung in der Viehwirtschaft bei, die fehlende Milchsammlung stellte jedoch weiterhin ein Hindernis dar.
Während auf Staatsebene 1961 schon fast zwei Drittel der Milch an Molkereien und Sennereien geliefert wurden, überwogen in Südtirol noch bis in die späten sechziger Jahre Eigenverarbeitung und Direktverkauf. Erst die Anbindung an eine Sennerei schuf für den Bauern die Möglichkeit, größere Milchmengen abzugeben und die Leistung seiner Kühe entsprechend zu steigern. Zwischen 1954 und 1970 verdreifachte sich die Zahl der Milchsammelstellen von 11 auf 35. In der Folge verdoppelte sich auch der Milchanteil, der an Genossenschaften ausgeliefert wurde, auf rund 30 Prozent der Gesamtproduktion. Der schrittweise Ausbau der Zufahrten zu den Bergdörfern führte allmählich zu einer flächendeckenden Milchsammlung und die produzierten Mengen stiegen jährlich weiter an.
Die gezielte Verarbeitung und Vermarktung der Milch hob auch den Milchpreis auf ein Niveau, das den Einkauf moderner Futtermittel ermöglichte. Der Südtiroler Bauernbund und der Sennereiverband erkannten diese Notwendigkeit und entwickelten sich zu gewichtigen Fürsprechern bei den zuständigen Preiskomitees des Landes. Im April 1970 kam es erstmals in der Geschichte der Südtiroler Milchwirtschaft zu einem fünftägigen Lieferstreik, der eine Frischmilchpreiserhöhung von 110 auf 130 Lire pro Liter zur Folge hatte. Auf den Pannonia-Umsatz wirkte sich diese Entwicklung äußerst belebend aus: Zwischen 1961 und 1970 stieg er von 3.279 auf 14.443 Tonnen Jahresmenge. Damit war die Futtermittelproduktion umsatzstärker als die Mehlproduktion und sollte es fortan mit wachsendem Abstand bleiben.
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Das Futter aus der Mühle
Etwas länger läßt der Erfolg bei Milchvieh auf sich warten.
Kapitel 5
Geschichten des Wandels
Die Aufrüstung der Mühle
Der Walzenboden nach dem Umbau im Jahr 1948
Geschichten des Wandels
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Obermüller Franz Pezzei – über 40 Jahre für das Unternehmen tätig
Nahm die Futtermittelproduktion im Unternehmen allmählich an Gewicht zu, heißt dies im Umkehrschluss nicht, dass die Getreidemühle an Bedeutung verlor. Im Gegenteil: Durch die Steigerung der Marktanteile erreichte die Mühle Mitte der fünfziger Jahre eine Jahresmenge von 9000 Tonnen Mehl. Der Spitzenumsatz von 1944 aufgrund des Ausfalles der RösslerWeizenmühle war Standard geworden. Um diese Produktion halten zu können, musste die Leistungsfähigkeit der Mühle ständig hochgefahren werden. Bis 1947 behalf man sich dabei mit schrittweisen Aufrüstungen wie der Anschaffung zusätzlicher Walzenstühle und der Steigerung der Drehzahlen.
Doch mit der Zeit reichte dies nicht mehr, einerseits wegen der weiter steigenden Nachfrage, andererseits auch wegen einer Besonderheit der staatlichen Lebensmittelpolitik. Ein Teil des Getreides für die Brotherstellung wurde nämlich immer noch vom Staat zugewiesen, und zwar auf der Grundlage der „potenzialità“, also der mit der Mahllizenz genehmigten Kapazität. Diese Bestimmung trug nicht wenig zu den ausgeprägten Überkapazitäten der Mühlenindustrie dieser Jahre bei. Die Werte in den Lizenzen entsprachen trotz aufwendiger bürokratischer Prozeduren nicht immer den realen Leistungen der Mühlen. Rieper benötigte die erhöhte Vermahlungsleistung nicht nur auf dem Papier. So wurde 1948
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Modernisierte GrieĂ&#x;putzmaschinen
Geschichten des Wandels
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» mit
Geschichten des Wandels
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Mess- und Mischapparate für Getreide Die Umbaumannschaft vor dem Ausflug auf den Großglockner (v.l.n.r.) 1. R.: Oswald Brunner, Franz Daberto sen., Albert Rieper, Naz Seebacher, Franz Pezzei, Alfons Gruber; 2. R. Karl Fiedler, Franz Daberto jun., Paul Leitner, Josef Alfons Happacher
einem weitreichenden Umbau begonnen, der einen mehrmonatigen Stillstand erforderte und mit einer externen Montagefirma abgewickelt wurde. Die größten Veränderungen betrafen die Getreidereinigung mit neuen Misch- und Messapparaten und dazugehörigen Lagerzellen zur noch genaueren Zusammenstellung der Getreide-Mischungen, dazu kamen Getreidewaschmaschine, Separator, Trieur, Scheuermaschine und ein Konditionär mit Dämpfschnecke. Die Wärmebehandlung durch den Konditionär schuf Abhilfe für das damals weit verbreitete Problem des wanzenstichigen Weizens. Die Mühle selbst erhielt modernisierte Grießputzmaschinen und eine Ausbeutewaage. Der Einbau einer Gosse sorgte für Beschleunigung bei der Rohstoffannahme. Federführend am Gelingen dieses Umbaues war die Regie von Obermüller Franz Pezzei, der in Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Werkmeister Daberto Franz sen. auch die eigenen Müller und Schlosser in die Arbeiten einbezog. Alles verlief nach Plan, und im September 1950 lud Albert Rieper die gesamte Mannschaft zu einem Ausflug nach Osttirol ein, wo eine weitere Herausforderung auf alle Bergfreunde wartete: die Besteigung des Großglockners unter der Führung des Brixner Alpenvereines. Mit der aufgerüsteten Anlage konnte Rieper um eine höhere Mahllizenz ansuchen. Die Leistung lag nun um ein Vielfaches über den Mengen, mit denen die Müllerei mehr als drei Jahrzehnte zuvor begonnen hatte: In 24 Stunden kam die Mühle auf eine Leistung von 51 Tonnen Weizen, 30 Tonnen Roggen und 27 Tonnen Mais. Nach einer Probevermahlung unter Aufsicht des Arbeitsinspektorates wurde die Leistungserhöhung von der Handelskammer zertifiziert. Damit konnte Rieper die neue Kapazität bei den „prenotazioni di grano della Gestione Statale“ geltend machen – mit viel besseren Karten für den weiteren Ausbau des Unternehmens und für jene Entwicklung, die nach der Landwirtschaft auch den traditionellen Kernmarkt von Rieper revolutionieren sollte.
Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Vintl Georg Aschbacher Evakuierungsübung: Willi Leitner wird abgeseilt Atemschutzübung: mit Siegfried Steinhauser und Max Golderer
Die Betriebsfeuerwehr
Durch das Explosionspotential von Mehlstaub und die damals übliche Holzbauweise bergen Mühlen ein hohes Brandrisiko. Schon Alois Franz Rieper hatte beim Mühlenbau das gesamte Gebäude mit Anschlüssen und Schlauchanlagen für Löschwasser ausstatten lassen. Um die laufende Wartung der Anlagen zu verbessern und im Ernstfall eine schlagkräftige Gruppe bereit zu haben, wurde 1949 aus Mitarbeitern eine ehrenamtliche Betriebsfeuerwehr unter der Führung von Thomas Lunz gegründet. Ihre Mitglieder verpflichteten sich, geschlossen an den Brandschutzübungen teilzunehmen und im Notfall die Löscharbeiten tatkräftig zu unterstützen. Die nötige
technische Ausrüstung wie Pumpen und Atemschutzgeräte stellte der Betrieb. 1958 wurde diese Freiwilligen-Gruppe in die Ortsfeuerwehr von Vintl integriert, über die Kommandanten Georg Aschbacher und Alfred Daberto führte Rieper die Zusammenarbeit fort. Auf dem Betriebsgelände wurden zahlreiche Großübungen abgehalten, doch glücklicherweise wurde der Ernstfall weit öfter geprobt als erlebt. Außerordentliche Schnelligkeit und optimale Koordination hat die Freiwillige Feuerwehr Vintl bei einem Motorenbrand in der betriebseigenen Energiezentrale im Jahr 2008 bewiesen und dadurch ein Übergreifen des Schadensfeuers verhindern können.
Geschichten des Wandels
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Brotsortiment der 50er Jahre
Die Modernisierung der Backstuben
Geschichten des Wandels
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Der wirtschaftliche Aufbruch in Südtirol ergriff auch die Zunft der Bäcker. Auf den Feldern wurden weniger Weizen und Roggen angebaut, aus vielen Äckern waren Wiesen und Weiden geworden, und somit verlor auch das Brotbacken am Hof an Bedeutung. Mit den herkömmlichen, handwerklichen Backmethoden war der
Die Hennenverziererinnen in der Backstube Steger – St. Lorenzen
erhöhte Brotbedarf in den Städten und auf dem Lande nicht mehr zu bewältigen. Dampfbacköfen ersetzten schrittweise die traditionellen Holzöfen, Teige wurden nicht mehr von Hand, sondern in Teigmischmaschinen geknetet, Brötchen und Semmeln maschinell portioniert und in Form gebracht. Eine Vielfalt neuer Brotsorten ergänzte allmählich das vertraute Sortiment der weißen und halbschwarzen Wecken, handgewirkten Semmeln und Breatln. Der Einzug der Maschinen und der größere Zeitdruck veränderten nicht nur den Alltag in den Backstuben, sie stellten auch neue Anforderungen an den Rohstoff Mehl. Wurde die Brotqualität im guten alten Handwerk vor allem durch Fingerspitzengefühl und lange Teigführung beeinflusst, rückte nun die Beschaffenheit der Mehle in den Vordergrund. Um weiterhin gutes Brot zu garantieren, musste der Teig „maschinenfreundlich“ sein, dies erforderte den vereinten Einsatz von Bäcker und Müller. Albert Rieper suchte nach entsprechenden Lösungen. Er nahm Kontakte auf zum Institut für Bäckereitechnologie, er besuchte Brotkongresse und ließ sich von Professor Berliner vom For-
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schungsinstitut für Getreidechemie beraten. Einen Ansprechpartner von höchstem Ruf in der Bäckerzunft gewann Albert Rieper in Otto Doose, dem Meisterbäcker der Deutschen Getreideforschungsanstalt in Detmold. Das Mühlenlabor in Vintl stattete er 1953 mit einem Backofen aus, um das Verhalten der Mehle im Backprozess in eigenen Versuchen zu testen. Zu den bis dahin geltenden Mehlparametern kamen neue Qualitätskriterien wie Wasserbindekraft, Teigfestigkeit, Gärstabilität,
Teigausbeute, Krusten- und Krumenbeschaffenheit, Brotgeschmack, Schnittfestigkeit und Frischhaltung dazu. Erstmals wurden im Labor auch eigenständig Keimanalysen durchgeführt. In enger Zusammenarbeit mit den Bäckerkunden entstanden Mehlrezepturen, die den Anforderungen automatisierter Backstuben gerecht wurden. Bis heute beibehalten ist die Natürlichkeit aller Mehle, mit dem rigorosen Verzicht auf die Zugabe von Trockenkleber, Emulgatoren und Enzymen.
Albert Steger in seiner Backstube 1966
Geschichten des Wandels
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Auf die Mehlabsackung in Jutesäcke (Thomas Lunz) folgt die Absackung in Papiersäcke (Siegfried Steinhauser).
Kleine Kulturgeschichte der Verpackung Eine Geschichte des Wandels ist die Konfektionierung. Kraftfutter wurde schon früh (1948) in Papiersäcke abgefüllt. Dagegen hielten sich für Mehl bis Ende der fünfziger Jahre die großen Jutesäcke. Albert Rieper war überzeugt, dass Mehl als „lebendes“ Produkt ausreichend Sauerstoff und Luftfeuchtigkeit erhalten müsse. In einem Papiersack, so befürchtete er, könnte die Haltbarkeit beeinträchtigt werden. Das Füllen, Schleppen, Auf- und Abladen dieser 80 oder 100 kg schweren Jutesäcke war für
die Mitarbeiter anstrengend und wegen des Mehlstaubes auch gesundheitlich belastend. Waren die Säcke geleert, gelangten sie von ihren Bestimmungsorten über ein penibles Rückgabesystem wieder nach Vintl. In der „Sackflickerei“ wurden sie von zwei Arbeiterinnen leergeschüttelt, in einer eigens konstruierten Maschine durchgeklopft, bei Bedarf gewaschen und, wie der Name der Abteilung sagt, immer wieder sorgfältig geflickt, bevor sie neu gefüllt wurden.
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Die genannten Erschwernisse führten schließlich doch zur Umstellung. Die Absackmaschine wurde mit einem Ventilstutzen ausgestattet, die ersten 50-kg-Papiersäcke angeschafft. Entgegen den anfänglichen Bedenken zeigte sich, dass die Umstellung nicht nur Erleichterungen in der Handhabung brachte, sondern auch die hygienischen Bedingungen in der Mehllagerung verbesserte. Ab 1994 wurden die 50-kg-Säcke auf Grund eines neuen Arbeitsschutzgesetzes allmählich
durch 25-kg-Säcke ersetzt und auch die großen Papiersäcke hatten ausgedient. Lediglich für fantasievolle Kostümierungen oder für die Herstellung eines „Riesengiggers“ bei einem Faschingsumzug in Gröden waren die Restbestände noch dankbares Bastelmaterial. Für Südtirols Haushalte gab es bis Anfang der sechziger Jahre bei Rieper nur das 10-kg-Maß, allerdings in zwei Varianten: den herkömmlichen Jutesack und einen Stoffsack für Spezialmehl. Aus erstklassigem Leinen gewebt, hatte
Geschichten des Wandels
Der Leinensack mit Zweitnutzen
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Sanamalt
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Eines der ältesten, natürlichen Backhilfsmittel aus gekeimtem und geröstetem Getreide öffnete Rieper in der Nachkriegszeit den Zugang zur norditalienischen Lebensmittelindustrie: Das Malzmehl. In Südtirol war das enzymreiche Mehl, das die Gärung, Bräunung und Lockerung von Gebäck fördert, bereits in der Zwischenkriegszeit in den Handel gebracht worden. Die Registrierung unter dem neuen Markennamen Sanamalt und eine entsprechende Werbekampagne brachten Anfang der fünfziger Jahre in ganz Norditalien den Durchbruch. Albert Rieper hatte den Verkauf persönlich in die Hand genommen. Großkunden wie Star, Carrefour und Nestlè und vor allem die Panettone-Hersteller Alemagna und Motta verwendeten das Backmittel mit Michelangelos David am Sack, um ihre Produkte luftiger und flaumiger zu machen. In den sechziger Jahren kamen neue chemische Backhilfsmittel auf den Markt und verdrängten das Malzmehl. Für Kenner und Liebhaber ist Sanamalt aber immer noch eine feine Alternative zur Chemie und wird nach wie vor unter Draufgabe eines Backstubenhandtuchs geliefert.
1963 werden auf der Bozner Messe die ersten Kleinpackungen zu 1 und 5 kg vorgestellt.
» dieser Sack einen durchaus mitbedachten Zweit-
nutzen: Er eignete sich, nach Gebrauch auseinander geschnitten, als langlebiges Küchentuch. Eine Kunst für sich war es, diese 10-kg-Säcke zu füllen: Der obere Rand musste ziehharmonikaartig gefaltet, zugeschnürt und mit Plombe und Etikette versehen werden. Kleinere Mehlmengen gab es beim Bäcker oder Gemischtwarenhändler im Stanitzel, zu Hause wurden sie in die Mehldose oder Mehlschublade geleert. Diese gut eingespielte Versorgung hätte noch lange funktionieren können, wenn nicht der Siegeszug der Supermärkte sie, wie viele andere Einkaufsrituale auch, hinweggefegt hätte.
Die Kleinpackungen werden nach Volumen gefüllt, anschließend gewogen, nach Gewicht abgeglichen und händisch verschlossen. Im Bild: Paula Niedermair
In den neuen Selbstbedienungs-Läden war die Mehlabfüllung nicht mehr möglich, es bedurfte einer regaltauglichen Verpackung. Für die Mühle bedeuteten diese Kleinpackungen zunächst einen beachtlichen Mehraufwand. Die rudimentäre Abfüllmaschine dosierte anfänglich nur volumetrisch, sodass jede einzelne Mehlpackung abgewogen und ihr Gewicht vor dem händischen Verschließen nachreguliert werden musste. Erst eine neue Beutelverschließmaschine der Firma Siebler vereinfachte ab 1968 die Abfüllung und erlaubte es, das Sortiment der Kleinpackungen auf die bis in die Gegenwart gängigen und bewährten Mehltypen zu erweitern.
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Pannoniasäcke als Bastelmaterial: Riesengigger des Künstlers Gottfried Moroder beim Faschingsumzug in Gröden
Die vielbenutzte Bleistiftspitzmaschine
Die erste Bürokraft Luise Bacher (rechts), neben ihr Maria Jellici
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Mit spitzem Bleistift An der Entwicklung des Unternehmens Rieper lässt sich neben der Geschichte von Produktionsweisen und Wirtschaftszusammenhängen auch jene der Betriebsverwaltung und der Logistik erzählen. Die erste Bürokraft, Luise Bacher, war 1918 eingestellt worden; neben ihr waren ursprünglich vor allem Alberts Schwestern für Buchhaltung, Sekretariat und Kassa zuständig. Nachdem die Töchter des Hauses geheiratet hatten und bis auf Paula Putzer nicht mehr im Unternehmen tätig waren, musste auch angesichts der ständigen Expansion verstärkt auf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zurückgegriffen werden. So kamen bereits in den vierziger Jahren weitere externe Bürokräfte hinzu, die unter dem unangefochtenen Regime des legendären „Fräulein Bacher“ zu einem sechsköpfigen Team anwuchsen. Obwohl das Verwaltungspersonal nun mehrheitlich aus Nicht-Familienmitgliedern bestand, herrschte auch im Büro schon bald eine familiäre Atmosphäre. Die Bürokräfte arbeiteten nicht nur eng zusammen, sondern teilten in gewissem Sinne auch Tisch und Bett. Da die meisten von „auswärts“ kamen (was damals schon für Brixen oder Bruneck galt), bezogen
Die Eroberung der Hausfrauen
Gold, Blau, Rot und Grün, mit diesen Farben eroberte Rieper in den späten sechziger Jahren eine zunehmend wichtige Kundschaft: Die Südtiroler Hausfrauen. Eine Abstufung des Mehlangebotes war vom Gesetz vorgeschrieben, das je nach Aschehöchstwerten drei Kategorien von Weizenmehl vorsieht: 00, 0 und I. Sie unterscheiden sich, für Konsumenten am sichtbarsten, im Anteil an Ballaststoffen: Die 00-Type ist das hellste Mehl und darf einen vorgeschriebenen Mineralstoffanteil nicht überschreiten. In der Rieper-Mühle begnügte man sich nicht mit der Einhaltung der Vorschriften, sondern entwickelte davon ausund darüber hinausgehend eigene Mehltypen, je nach Gehalt und Qualität des Klebers, nach Backeigenschaften und Gärverhalten. Jede Mehltype erhielt eine Farbe, die schon bald in das „Allgemeinwissen“ der Kundinnen und Kunden einging. „Grün“ steht für Roggen, „das Gelbe“ ist das Mehl für höchste Backansprüche, „das Blaue“ wird als Allrounder eingesetzt und „das Rote“ deckt den Bedarf nach einem dunkleren, mineralstoffreichen Mehl. Das gelb-blau-rot-grüne Sortiment bildet auch heute noch die Grundausstattung der Mehlregale in den meisten Südtiroler Supermärkten. Es stellt freilich nur mehr einen kleinen Teil des gesamten, mit zunehmenden Ansprüchen der Backkunst gestiegenen Sortiments dar: Allen Rieper-Mehlen gemeinsam ist ihre Qualität, die weit über Südtirol hinaus geschätzt wird. Das beweisen seit Jahrzehnten treue Kundinnen und Kunden, die sich bei ihren Südtirol-Urlauben im RieperMühlenladen mit Mehl eindecken.
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sie unter der Woche in den ehemaligen Hotelzimmern des Hauses Rieper Quartier. Mittags und abends wurde anfangs bei Familie Pezzei gespeist, wo die Frau des Obermüllers für das leibliche Wohl sorgte. Später wurde die Tafel in die Rieper‘sche Stube verlegt und das Personal am Beamtentisch verköstigt, mit Ausnahme von Fräulein Bacher, die seit jeher ihren fixen Platz am Familientisch hatte. Vielfach ließ man die Arbeitstage auch in der Gruppe ausklingen, bei abendlichen Spaziergängen nach Obervintl oder einem gemütlichen Beisammensitzen. Die Arbeit dagegen war von Korrektheit und einer Genauigkeit geprägt, die fast schon an Pedanterie grenzte. Sämtliches Papier, bis zum letzten Schmierzettel, musste in exaktem DINFormat sein. Die damals eingeführte Registratur mit Buchstaben und Zahlen, Haupt- und Unterkategorien, besteht bis in die Gegenwart fort und erweist sich im nahezu papierlosen Büroalltag als äußerst sinnvoll für die Aktenablage. Von jedem auf der Schreibmaschine getippten Dokument wurde ein Durchschlag angefertigt und in der rechten oberen Ecke mit der Aktennummer versehen. Kultstatus hatte der gespitzte Bleistift: Er musste in zwei Härtegraden und immer mit tadelloser Spitze in jeder Schreibtischlade bereit liegen. Albert Rieper war sich nicht zu schade, solche Details auch persönlich zu kontrollieren. Das mag kleinlich wirken, war aber ein Erfolgsrezept: Es half, die Übersicht zu wahren, die Buchhaltung, Korrespondenz, Auftragslage und Rechnungslegung in Ordnung zu halten und jederzeit griffbereit zu haben, lange bevor es automatische Suchmaschinen und digitale Ablagesysteme gab. So legte Albert Rieper auch mit seiner akribischen Sorgfalt in der Verwaltung Grundlagen, deren Grundsätze und innere Grammatik bis in die Gegenwart Gültigkeit behalten haben.
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Der Fahrer als Freund und Helfer Eine rauere Welt, in der aber ebenso alles präzise zusammenspielen musste, war die Pionierzeit der Logistik. Die schlechte oder völlig fehlende Verbindung zu vielen Südtiroler Tälern und Bergdörfern stellte in den Anfangsjahren auch für Rieper eine der größten Hürden dar. Zahlreiche Fraktionen waren, wenige sind es heute noch, nur über Materialseilbahnen erreichbar. Doch auch dort, wo Straßen oder zumindest Wege vorhanden waren, führten sie nicht immer bis zum Ziel. Sofern der Bauer nicht mit dem Pferdefuhrwerk entgegenkam, hieß es für die Rieper-Fahrer: „Säcke auf den Buckel“ und das letzte Stück zu Fuß bewältigen. In den Nachkriegsjahren haben die Männer der Auslieferung schier Unmögliches geleistet. Ihre Arbeitstage zählten bis zu 16 Stunden, kein Weg war zu weit, zu steil, zu mühsam. Die
Fahrer Franz Kemenater
Auslieferung mit dem Lancia Esatau, mehlbestaubt die Fahrer Alois Lamprecht und Willi Leitner. „Das letzte Stück am Buckel“
schlechten Straßenverhältnisse, der noch rudimentäre technische Standard der Fahrzeuge, die Witterungsverhältnisse ohne ausreichend wärmende Arbeitskleidung, das Abtragen und Einlagern der schweren Säcke bei den Kunden stellten für die Männer einen harten Alltag dar. Ob dieser Leistungen genossen Fahrer und Mitfahrer die besondere Wertschätzung des „Chefs“ und wurden mit viel Lob bedacht. Die Arbeitsstunden wurden allerdings nicht auf die Minute erfasst und abgeglichen, was zu tun war, wurde getan. Trotzdem war die Motivation in der wachsenden Abteilung außergewöhnlich hoch: Alle fühlten sich der Firma sehr verbunden, der zugeteilte LKW war „der ihre“, und bei den meisten Kunden wurden sie wie Freunde aufgenommen. Auch im Ruhestand schauten pensionierte Fahrer öfters am
Mühlenplatz, dem Zentrum ihrer damaligen Tätigkeit, vorbei, machten sich ein Bild über die geänderten Verhältnisse und redeten gerne über die alten Zeiten. In den Vertrieb eingebundenen waren damals in den meisten Tälern Wiederverkäufer und Händler. Diese führten in ihrem Warendepot eine Auswahl des Rieper-Sortiments und übernahmen zum Teil auch die Zustellungen. Mit dem Ausbau des Straßennetzes bis zu den letzten Höfen ab den siebziger Jahren veränderte sich diese Balance. Manche Händler fielen weg, so dass Rieper eine neue, immer noch gültige Vertriebsstrategie wählen musste: die Direktbelieferung möglichst aller Kunden. Das stellte an die Logistik ganz neue, auch kostspielige Anforderungen. Für die früher extrem steile Jenesiener Straße
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» wurde beispielsweise eigens ein Klein-LKW angekauft, um
die dortigen Bauern versorgen zu können. Bei der mitten im Winter durchgeführten Jungfernfahrt schaffte der Lkw die Straße zwar im ersten Anlauf, zurück blieben jedoch einige beschädigte Leitplanken. Da die Ladekapazität der Fahrzeuge auf solch unwegsamen Straßen oft nur zu einem Teil genutzt werden konnte, mussten viele Strecken mehrfach genommen werden. Bis in die neunziger Jahre wurde für die Auslieferung auch auf Fremdfrächter zurückgegriffen, heute wird sie fast zur Gänze mit eigenen Fahrern und Fahrzeugen bewältigt. Die damit verbundene Flexibilität, Kosteneinsparung und der direkte Bezug zum Kunden sind entscheidende Vorteile. Der Fahrer ist als ständige Kontaktperson eine Schlüsselfigur in den Kundenbeziehungen. Sein freundliches und offenes Auftreten, die Bereitschaft anzupacken und zu helfen, sein fachkundiger Service, sein stets sauber und gut instand gehaltenes Fahrzeug sind bei Rieper Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Von 3 wuchs die Fuhrparkabteilung auf 35 Mitarbeiter, die mit 23 Fahrzeugen bis zu 3 Mal täglich ausfahren. Das Fahrteneinteilungsteam verplant heute über ein modernes Logistiksystem mit automatischer Tourenplanung 135.000 t Ware pro Jahr, mit 1,6 Millionen gefahrenen Kilometern.
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„Das Rieper-Auto kommt bei jedem Wetter“
Skiausflug nach Corvara 1968: Franz Daberto, Sebastian Plaikner, Walter Crepaz, Naz Seebacher, Karl von Wenzl, Ferdinand Pezzei, Thomas Lunz, Albert Rieper, Albert Neuner, Franz Pezzei Die neue Betriebsfahne – Franz Hinteregger
Weihnachtsfeier am Walzenboden 1954
Weihnachtsfeier im alten Speisesaal 1961
Betriebsausflug auf die Zugspitze 1964: Franz Hinteregger, Franz Daberto
Nicht nur zur Weihnachtszeit …
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Geschichten des Wandels
Gemeinschaft wurde bei Rieper schon früh bei Festen und Betriebsausflügen gelebt. Für die Weihnachtsfeier wurden in der hauseigenen Tischlerei maßgeschneiderte Holzbänke angefertigt, mit denen der Walzenboden der Mühle einmal im Jahr in eine festliche Lokalität verwandelt wurde. Zeremonienmeisterin dieser Feiern war Inge Rieper. Unter ihrer Aufsicht wurden in der Betriebsküche Hauswürste mit Salzkartoffeln und Sauerkraut und natürlich Torten aus Rieper-Mehl vorbereitet. Gesorgt wurde auch für Unterhaltung: Musikeinlagen, Tombola, Filmvorführungen und eine bescheidene Bescherung: Stoff für Arbeitsbekleidung, ein Sack Äpfel, Zelten und Wein. Für den ersten Betriebsausflug 1948 wurde der Lancia Tre Ro mit den gezimmerten Bänken kurzerhand zum Ausflugsbus umfunktioniert. Später mietete man zu diesem Zweck professionellere Gefährte an. Zahlreiche Fahrten mit unterschiedlichsten Zielen hat Albert Rieper organisiert, und es war ihm immer eine besondere Freude, auch die Ehefrauen dazu einzuladen. Die Atmosphäre dieser Gemeinschaftsfeste war familiär und herzlich. Für Stimmung sorgten immer wieder Mitarbeiter, die sich aufs Musizieren verstanden. Stets mitgeführt wurde ab 1963 auch eine kunstvoll bestickte Fahne mit dem Firmenwappen.
Kapitel 6
Ein Haus der Ähre
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Ein Haus der Ähre
Wie das Korn, so das Mehl Die Maxime, nach der bei Rieper eingekauft wurde und wird, ist einfach: Was aus der Mühle herauskommt, hängt wesentlich davon ab, was oben hineinkommt, getreu der alten Müllersweisheit: „Wie das Korn, so das Mehl“. Die Rohstoffe können über Erfolg oder Misserfolg eines Geschäftsjahres entscheiden. Ihre Güte bestimmt in weitem Maß die Qualität der Endprodukte, ihr Einkaufspreis ist durch den hohen Wareneinsatz ausschlaggebend für das Betriebsergebnis. Dementsprechendes Gewicht wird dem Einkauf der Rohstoffe beigemessen, der bei Rieper teils vom Chef selbst, immer aber aus nächster Nähe mitbetreut wurde und wird. Der Wareneinkauf der Nachkriegsjahre war eingeschränkt durch Überbleibsel aus der faschistischen Planwirtschaft und die fehlende Lagerkapazität in Vintl. Man musste sich mit Ware begnügen, die vielfach immer noch unter der ge-
Albert Rieper macht sich ein Bild über die neue Ernte bei Fahrten zu Weizen- und Roggenfeldern in der Poebene.
wünschten Qualität lag. Die Beimischung nordamerikanischer oder kanadischer Weizen, die müllerische Erfahrung und geeignete technische Ausstattungen trugen dazu bei, dass trotzdem zufrieden stellende Mehle in konstanter Qualität erzeugt werden konnten. Eine nicht zu vergessende Bedeutung kommt in diesen Jahren den italienischen „mediatori“ (Vermittlern) zu. Sie kannten die Qualitätsanforderungen von Rieper und die Ernten der Bauern in den jeweiligen Anbaugebieten. Dementsprechend vermittelten sie die Kaufabschlüsse, die seinerzeit auch Einlagerungen größerer Partien in der Lombardei vorsahen. Anders gestaltete sich der Einkauf bei Kraftfutterrohstoffen wie Mais und Soja aus Südamerika. Diese wurden wie die Überseeweizen über große Importhändler bezogen, die Einzelpartien aus ganzen Schiffsladungen zum Verkauf anboten.
Tiefgreifende Veränderungen im Rohstoffeinkauf brachte der erweiterte Europäische Wirtschaftsraum (als Folge der 1958 gegründeten EWG) und die 1962 beschlossene gemeinsame Agrarpolitik. Damit erschlossen sich für das Unternehmen neue Ursprungsgebiete in Deutschland und Frankreich, aus denen nun dem Bedarf besser entsprechende, hochwertige Rohstoffe im Direktimport eingekauft werden konnten. Die verschiedenen Etappen der wirtschaftlichen Integration wie die deutsche Wiedervereinigung im Jahr 1990, der Beitritt Österreichs 1995 und die Osterweiterung auf Tschechien, Slowakei und Ungarn im Jahr 2004 erhöhten nochmals den Einkaufsradius auf weiträumige Anbaugebiete. Rieper konnte nun an eine breitere Auswahl an Rohware kommen, mit weiteren Verbesserungen der Endprodukte und Erleichterungen für die betriebsinterne Qualitätsplanung.
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Der neue Getreidesilo Wenn in einem Betrieb ganze Produktionszweige sprunghaft anwachsen, wie es bei Rieper in den sechziger Jahren der Fall war, kann es schon mal passieren, dass dieser danach so aussieht, wie ein in die Höhe geschossenes Kind mit zu kurzen Ärmeln und Hosenbeinen. Die starken Zuwächse in der Futtermittel- und Mehlproduktion erforderten eine entsprechend höhere Anlieferung von Rohstoffen. Doch für deren Lagerung standen in der Mühle nur einige wenige
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Holzzellen zur Verfügung. Es musste von der Hand in den Mund gelebt werden, ohne ausreichende Möglichkeit, sich durch Großeinkäufe vor unberechenbaren Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten und vor Lieferengpässen schützen zu können. Für Albert Rieper war der neue Getreidesilo ab 1963, unmittelbar nach dem Bau des Futtermittelwerkes, ein weiteres Großprojekt. Es galt, ausreichend Raum für die Lagerung des Mühlengetreides und der Kraftfutterrohstoffe sowie für getrennte Lagerung der einzelnen Getreidesorten zu schaffen. In 43 Zellen mit Kapazitäten zwischen 25 und 100 Tonnen sollten insgesamt 4.500 Tonnen Rohstoff Platz finden. Neu war die Idee, in eigenen, zusätzlichen Zellen das Getreide noch vor der Vermahlung zu mischen, um Unterschiede in der Rohstoffqualität gezielt auszugleichen. Schließlich sollte auch ein Mehlsilo für 600 Tonnen Mehl integriert werden. Diese
Zellen platzierte man im Innenteil des Gebäudes, die Außenzellen mit den Rohstoffen fungierten als Isolierung, und man schuf damit ideale Bedingungen für die Mehllagerung. Planung und Lieferung der technischen Einrichtungen wurden an die Mühlenbaufirma Miag vergeben, die statischen Berechnungen führte Albert Riepers Neffe, Ing. Georg Kauer aus Bozen, durch. Im Gegensatz zum Kraftfutterwerk, das in einem kaum sichtbaren nordseitigen Anbau der Mühle untergebracht wurde, stellte der enorme Platzbedarf das Unternehmen vor eine erhebliche, räumliche Herausforderung: Mit einem dezenten Anbau war dieser nicht zu bewältigen. Aufgrund des knappen Betriebsgrundes blieb nur eine radikale Lösung: ein freistehendes Beton-Prisma von 26 Metern Länge, 12 Metern Breite und einer beeindruckenden Höhe von ursprünglich geplanten 40 Metern. Der am besten geeignete Standort fand sich westseitig der
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Das Erreichen der Höhe wird mit einer Krone und einem Festessen gefeiert. Der alte Hühnerstall muss einem neuen Speicher weichen: Im Gleitbauverfahren entsteht in 28 Tagen ein Betonprisma von 26 m Länge, 12 m Breite und 33 m Höhe, mit einem Volumen von 6.000 m³.
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Zellenausläufe
» Mühle. Geopfert werden musste dafür der Hühnerstall, wo-
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mit ein Überbleibsel des einst blühenden Landwirtschaftsbetriebes den Erfordernissen eines modernen Werkes weichen musste. Was Albert Rieper weit mehr zu schaffen machte, war jedoch der massive Eingriff eines so hohen Betonblocks in das Landschaftsbild und dies unmittelbar an der Pustertaler Straße. In Vintl begann sich bereits Widerstand gegen die Baupläne zu regen. Da Albert Rieper an der Dorfgemeinschaft viel gelegen war, entschied er sich für einen Kompromiss: Die geplante Höhe wurde um sieben Meter verringert, und für die Ästhetik des Baues wurde dem Klausner Maler Heiner Gschwendt die künstlerische Gestaltung anvertraut. Das 33 Meter hohe Bauwerk wurde von der Baufirma Ing. Roth aus Bruneck im Gleitbauverfahren im Tag- und Nachtbetrieb hochgezogen. Das Ergebnis war eine Pionierleistung und gleichzeitig ein Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens. Von einer ebenfalls neu erbauten Rohwarenannahmehalle mit speziellen Kippvorrichtungen für die LKWs gelangten die Rohstoffe nun automatisch in die jeweiligen Zellen. Auf dem Weg dorthin durchliefen sie eine moderne Reinigungsanlage, in der Leichtteile wie Erde und Stroh
Warenannahme in der Entladehalle
und Schwerteile wie Steine und Metall, abgesondert wurden. Wenige Jahre nach der vollen Inbetriebnahme des neuen Silos (1968) wurde dieser durch einen Zwischenbau mit der Mühle verbunden. Damit behob man ein weiteres Problem, das sich durch das betriebliche Wachstum ergeben hatte: den Platzmangel bei der Lagerung der Sackware. Ebenfalls im Zwischenbau untergebracht wurde eine neue Absackstation für die Kleinpackungen, die bis dahin händisch auf dem Rohrboden abgefüllt wurden.
1968 wird der Silo mit der Mühle durch einen Zwischenbau verbunden.
Kunst an der Mühle
Gschwendt – Mellauner – Weiner – Habicher Lawrence Weiner arbeitete auf seine Weise, auf Wort und Schrift und minimalistische Grafik reduziert. Die Aufschrift „BROUGHT ABOUT“, auf nüchterner Fassade in eineinhalb Meter hohen Lettern in roter Farbe und mit schwarzem Rand, lädt Betrachter und Vorbeifahrende zur Suche nach eigenen Metaphern ein. Die deutsche Übersetzung „zu Ende gebracht, fertig gestellt“ markiert einen Endpunkt,
der sich gleich wieder auflöst durch den geschwungenen Pfeil darunter. Alles ist ein Endpunkt und alles ist ein Anfang, jede Vollendung, wie jene des Kraftfutterwerkes, erlaubt das aufatmende „BROUGHT ABOUT“ nur vorübergehend. Zum 100-jährigen Jubiläum schuf Eduard Habicher eine rot gespritzte Metallskulptur, die an der Westwand des neuen Hochregallagers das Spiel der Kräfte symbolisieren soll.
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Mit seiner Entscheidung, den kirchturmhohen Silo nicht nur ein Stück weit zu kürzen, sondern auch künstlerisch gestalten zu lassen, setzte Albert Rieper einen Schritt, der bis heute zur Firmen- und Familienphilosophie gehört: Die Kunst am Bau. Jedes größere Bauwerk hat seitdem ein Künstler gestaltet: Heiner Gschwendt den Rohstoffsilo, der Südtiroler Maler Albert Mellauner den Verladesilo in den achtziger Jahren, der US-amerikanische Künstler Lawrence Weiner das neue Futtermittelwerk im Jahr 2002, der gebürtige Malser Bildhauer Eduard Habicher das Hochregallager in den Jubiläumsjahren 2010/2011. Die ästhetischen Metaphern erzählen und kommentieren auf ihre Weise das Unternehmen Rieper: Heiner Gschwendt nahm mit seinen klaren senkrecht-waagrecht-diagonalen Linien unmittelbar Bezug auf die Technisierung der Produktionsprozesse und die damit einhergehende Rationalisierung des Wirtschaftens – ein Statement zu Rieper und zum Geist der Zeit. Die stilisierten, zeitlosen Mühlräder im dunklen Rechteck unter dem Dach verweisen auf das Gleichbleibende, vielleicht auch das Archetypische des menschlichen Arbeitens im Werk selbst. Albert Mellauner, der mit abstrahierten Farbflächen arbeitet, orientierte sich bei der farblichen Gestaltung der Metallverkleidung des Verladesilos an der Corporate Identity der A. RIEPER AG. Wichtig war ihm die Harmonie mit dem Bestehenden.
Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft führte zu einer Öffnung der Rohstoffmärkte.
Der lange Weg der Rohstoffe
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Die Anlieferung per LKW erweist sich in den 50er Jahren als einfacher und schneller – bis nach einer längeren Pause ganze Züge mit Rohstoffen am Bahnhof in Vintl eintreffen.
Die Zeitgeschichte spiegelt sich bei Rieper auch in der Wahl der Transportmittel wider. Mit den fünfziger Jahren endete vorerst die Epoche der Bahnanlieferung. Der Direkttransport durch Lastwagen stellte sich effizienter dar, und die Bahn verlor nun weitgehend ihre Bedeutung für den Warentransport. Der Bahnhof von Vintl, der so viele Jahrzehnte lang Ziel der Pferdegespanne und Schauplatz anstrengender Umladearbeiten gewesen war, rückte ins Abseits. Mit der Abschaffung der Binnenzölle und den europäischen Markterleichterungen konnte ab 1968 auch der Einkauf außerhalb Italiens wieder aufgenommen werden. Die Jahre des hohen
Mengenwachstums in den 70ern und 80ern brachten wieder Veränderungen in den Einkaufs- und Anlieferungsprozess. Die Beschaffung ging in Richtung größerer Partien derselben Herkunft. Der Transport per Bahn wurde aus Kostengründen und angesichts eines gesteigerten Umweltbewusstseins wieder interessant. Komplette Züge mit Getreide aus Frankreich und Deutschland trafen nun am Bahnhof in Vintl ein und machten die Errichtung einer Entladeanlage für Kesselwaggons notwendig. Diese wurde 1989 durch den Einbau einer Gosse mit Kettenförderer und Elevator verbessert und mit einer eigenen Verschiebewinde ausgestattet. Man reduzierte damit die Waggonrückgabezeiten und die Staubentwicklung beim Umladen auf die eigenen LKWs. 1992 stiegen die Bahnanlieferungen auf 19.379 Tonnen. Im selben Jahr erhöhten die Staatsbahnen die Traglast der Brücken von 18 auf 22 Tonnen pro Achse und elektrifizierten die Pustertaler Strecke. Die Bahn schien damit, vor allem mit Blick auf die großen und nun erreichbaren Erntegebiete in Ostdeutschland, wieder zu einem Transportmittel der Zukunft geworden zu sein. Es war ein kurzer Traum. Die Schließung zahl-
reicher kleiner Abgangsbahnhöfe in Deutschland brachte den aus logistischer und ökologischer Sicht so willkommenen Bahntransport erneut zum Erliegen. Verhandlungen um wettbewerbsfähige Bedingungen für die Anlieferungen aus Frankreich zerschlugen sich. So wurde 1996 die Entladestation am Vintler Bahnhof von der italienischen Bahngesellschaft wegen Nichterreichung der vereinbarten Jahresmenge von 20.000 Tonnen stillgelegt und später abgetragen. Ob Weizen, Roggen, Gerste, Mais oder Soja, ob aus Deutschland, Italien, Ungarn oder
Tschechien, alle Rohstoffe werden heute per LKW nach Vintl befördert. Trotz regelmäßiger, bisher erfolgloser Ansätze, die Rohwaren wieder auf die Schiene zu verlegen, muss die gesamte Rohstoffanlieferung, heute 135.000 Tonnen im Jahr, über die Straße erfolgen. Lediglich einen bescheidenen, ökologischen Vorteil konnte man in der Einkaufslogistik sichern: Viele der LKWs, die Südtiroler Äpfel in alle Ecken Europas bringen, kommen nicht leer zurück, sie haben auf ihrem Rückweg Getreide geladen, das sie direkt nach Vintl bringen.
Weg frei für eine neue Generation Ein Haus der Ähre
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Mehr als drei Jahrzehnte trug Albert Rieper die alleinige Verantwortung für die Mühle, und der Betrieb hatte sich erfolgreich weiterentwickelt: 1968 erreichte die Mühle einen Umsatz von 13.000, das Kraftfutterwerk von 9.500 Tonnen, beschäftigt waren 50 Mitarbeiter. Die Söhne von Albert und Inge Rieper hatten ihre Ausbildungen abgeschlossen und zeigten Interesse an der Mitarbeit im Betrieb. Während Tochter Bärbl nach dem Studium an der Hochschule „L. Bocconi“ in Mailand eine eigenständige Karriere als Wirtschaftsberaterin in Triest einschlug (sie kam erst 2001, nach dem Tod des Vaters als Präsidentin der Gesellschaft in das Unternehmen), hatten sich die Söhne Andreas und Peter auf eine Zukunft in Vintl vorbereitet. Der ältere der beiden, Andreas, hatte Maschinenbau und Wirtschaft an der Technischen Universität in Graz studiert, sein Bruder Peter
die Müllereifachschule in Sankt Gallen besucht, mit anschließenden Praktika bei großen Mühlen in Luxemburg, in der Toskana und Oberösterreich. Sie kamen mit neuen Ideen zurück und waren bereit, Verantwortung zu übernehmen. Eine sensible Phase für jeden Familienbetrieb, doch der damals knapp 60-jährige Albert Rieper hatte aus dem vorhergehenden Generationswechsel gelernt. So schwer sich sein Vater Alois Franz getan hatte, das Ruder abzugeben, so selbstverständlich bezog der nunmehrige SeniorChef seine Söhne in die Führung des Betriebes ein. Zwar blieb er noch lange oberste Instanz, in ihren Bereichen aber ließ er den Söhnen großen Spielraum. Andreas Rieper kümmerte sich schon bald nach seinem Einstieg 1965 im Kraftfutterbereich um den so wichtigen Einkauf. Allmählich nahm er zusammen mit Dr. Georg Unterpertinger die
Führung des Futtermittelwerkes in die Hand. Auch im kaufmännischen Bereich konnte er sein Studium gut umsetzen. Er modernisierte die Verwaltungsorganisation und widmete sich intensiv der Kundenpflege. Peter Rieper entfaltete seine technische Leidenschaft, durch seine Ausbildung brachte er Wissen und Affinität für das Mühlenwesen mit. Schon vier Jahre nach seinem Einstieg in den Betrieb stand er vor einer Riesenaufgabe: die
1973 in Angriff genommene Modernisierung der Mühle. So war der Wechsel von der dritten auf die vierte Generation ein fließender Übergang, von Albert Rieper wohlwollend und vorausschauend begleitet. Am 18.12.1968 wandelte er die Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft um, an der neben Albert Rieper nun auch seine drei Kinder beteiligt wurden: Ein neues Kapitel der Rieper-Geschichte beginnt.
Die Juniorchefs: Peter und Andreas Rieper
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Der Richtungsweiser Albert Rieper (1908 – 2001)
nicht immer die gewünschte Resonanz erzielten. Nachhaltig prägte Albert Rieper die Unternehmenskultur durch sein Verhältnis zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Was Jahrzehnte später zu Schlagworten in Management-Seminaren wurde, war bei Rieper bereits in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Standard: Eine Führung, die von Vertrauen und Miteinbeziehung in das Betriebsgeschehen geprägt ist. Das Ergebnis waren qualifizierte und loyale Mitarbeiter/innen, die in den meisten Fällen ihr ganzes Arbeitsleben in dem Familienbetrieb verbrachten und dort wie Mitglieder einer Familie behandelt wurden. So großzügig Albert Rieper seinen Mitarbeitern gegenüber war, so streng war er bei ihrer Auswahl. Er legte besonderen Wert auf das Leumundszeugnis durch den Dorfpfarrer und eine handgeschriebene Bewerbung. Tadelloser Ruf, Ehrlichkeit und stabiler Lebenswandel waren unabdingbare Voraussetzungen, um in den Betrieb aufgenommen zu werden. Trotz der hohen Arbeitsanforderungen blieb das Unternehmen selbst in den von Klassenkampf und Streikaktionen geprägten siebziger Jahren von Auseinandersetzungen verschont, zweifellos eine Frucht der von Vertrauen geprägten Personalpolitik. »
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„Der Vater erstellt‘s, der Sohn erhält‘s, den Enkeln zerfällt‘s“, dieses Bonmot mag für viele Familienbetriebe zutreffen, für Rieper nicht. Nicht nur, dass die dritte Generation das Erbe nicht verwirtschaftete, sie rettete es. Albert Rieper, der Enkel von Betriebsgründer Alois Anton Rieper, stieg in schwerster Krisenzeit in den elterlichen Betrieb ein. Statt seinen Wunsch nach einem Studium zu verwirklichen, wechselte er mit 18 Jahren von der Schulbank der italienischen Handelsoberschule in Rovereto auf einen Schreibtisch in Vintl, wo ihn explodierende Schulden, einbrechende Umsätze und enorme Forderungsausfälle erwarteten. Er schaffte es, das Unternehmen aus der Krise zu führen. Hatte sein Vater dem Mühlengeschäft nicht das Hauptaugenmerk beigemessen, machte Albert Rieper dieses zum Mittelpunkt des Unternehmens. Im Qualitätsdenken setzte er neue Maßstäbe. Dementsprechend konsequent war er auch was seine persönliche Ernährung betraf. Essen musste für ihn primär gesund und natürlich sein, und diesen Grundsatz hielt er auf nahezu asketische Weise ein. Um das Wohl seiner Mitmenschen bemüht, ließ er entsprechende Belehrungen einfließen, die bei den Genussfreudigeren allerdings
Ein Haus der Ähre
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» Außerhalb des eigenen Betriebes war Albert Rieper auch
für soziales Engagement und eine rege Unterstützung des Vereinslebens bekannt. Diese Einstellung, wie so vieles, teilte seine Frau Inge mit ihm. Inge Renner war die Tochter von Dr. Hermann Renner aus Vintl, der sich als Arzt in Nordmähren niedergelassen und dort die Bürgerstochter Gertrud Mikulascheck geheiratet hatte. Inge Renner fand sich im Hause Rieper gut ein, bekam drei Kinder und war Albert Rieper 65 Jahre in harmonischer Ehe verbunden. Sie bereicherte die Familie mit ihrem Humor, führte das traditionsreiche, gastfreundliche
Haus und die alten Gärten. Wohl von ihrem Vater her, der an Expeditionen im Kaukasus teilgenommen hatte, liebte sie die Berge, winters und sommers regte sie die Familie zum Skifahren oder Bergsteigen an. Als großem Heimatfreund und Humanisten lagen Albert Rieper auch die Belange Südtirols und seiner Gesellschaft am Herzen. Er war Gründungs- und später Ehrenmitglied der Südtiroler Volkspartei und des Heimatpflegeverbandes und engagierte sich über viele Jahre in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Unternehmer. Hartnäckig konnte er sein, wenn es um die Interessen
Albert (*1908) und Inge (*1909) Rieper mit ihren Kindern Andreas (*1939), Peter (*1942) und Bärbl (*1937), vorne Kreszenz und Alois Franz Rieper
seines Betriebes und der Wirtschaft ging. Vehement setzte er sich für eine eigene Autobahnausfahrt ins Pustertal ein und konnte diese schließlich gegen jene für Brixen durchsetzen. Dies alles fand auch Anerkennung und Wertschätzung: Er war Träger der Landesverdienstmedaille und des Landesverdienstkreuzes, seine Heimatgemeinde verlieh ihm die Ehrenbürgerschaft, bei mehreren Vintler Vereinen war er Ehrenmitglied. Albert Rieper führte das Familienerbe in eine zukunftsträchtige Richtung. Dem Tatendrang der zweiten Generation setze er eine Bündelung der Kräfte entgegen,
dem vielfältigen Unternehmergeist seines Vaters eine Beschränkung auf das Wesentliche. Ihm wurde schon in frühen Jahren viel Verantwortung auferlegt, die ihn ohne Zweifel viel Kraft gekostet hat. Doch wohl nicht zufällig findet sich in dem schwarz gebundenen Heft, in dem Albert Rieper jahrzehntelang Zitate sammelte, auch Lao-tse:
Ich schlief und träumte: das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah: das Leben war Pflicht. Ich handelte und siehe: die Pflicht war Freude.
Ein Haus der Ähre
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Kapitel 7
Die Kunden im Mittelpunkt
Schwieriges Umfeld mit Chancen
Die Kunden im Mittelpunkt
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Trotz schwieriger Jahre bleiben die Söhne der Strategie ihres Vaters Albert Rieper treu.
Die neue Generation traf zwar betriebsintern auf weit bessere Bedingungen als ihr Vater 40 Jahre zuvor, die allgemeine Situation verlangte jedoch auch von ihr Innovationsgeist und Gespür. Wirtschaft findet nicht im luftleeren Raum statt, das politische Umfeld bietet – und bot auch damals – einerseits Chancen, andererseits kann es auch eine Herausforderung darstellen. In Südtirol war mit 1972 das neue Autonomiestatut in Kraft getreten, damit war die lange – und teilweise auch lähmende – Phase des harten politischen Konfliktes beendet. Die neue Lage bot Gestaltungsmöglichkeiten, die auf politischer Ebene eine gewisse Euphorie und Zukunftsorientierung auslösten. Das war auch für die Wirtschaft ermutigend, wenngleich es auch Rückschläge und Ernüchterungen gab. Die Gesellschaft war europaweit, ja weltweit im Umbruch,
Öffnungstendenzen und Liberalisierungen gingen einher mit Verunsicherungen und Krisen, neue gesellschaftliche Akteure traten ebenso auf wie schwere politische Auseinandersetzung. Das soziale Klima in Italien war geprägt von Massenprotesten und Klassenkampf. Italien litt unter hohen Inflationsraten und fehlender politischer Stabilität. Bedrohlich wurde die geschäftliche Lage, als zu Beginn der 70er Jahre neben den Rohstoffpreisen und Zinsen auch die Lohnkosten in die Höhe schnellten. Die automatische Lohnanpassung (scala mobile) ließ die Personalkosten allein 1970 um 30 Prozent steigen – mit ähnlichen Sprüngen auch in den folgenden Jahren. In der Mühlenwirtschaft drückten enorme Überkapazitäten auf die Preise, Anbieter aus anderen Regionen drangen auf den Südtiroler Markt. Bemühungen des Mühlenverbandes um eine Marktbereinigung zeigten keinen Erfolg. Während man im Futterbereich lange Alleinanbieter war, kämpften nun Mitbewerber aus anderen Provinzen, sowie die lokalen Produzenten Consorzio Agrario und die Firma Beikircher um die Gunst der Kunden. Eine Herausforderung, die bei Rieper im Nachhinein positiv gesehen wird: Faire Konkurrenz belebt auch den eigenen Betrieb. Andreas und Peter Rieper blieben trotzdem der Strategie ihres Vaters treu, bei Krisen die Rettung nicht in Abstrichen an der Qualität und in Preiskämpfen zu suchen. Als kaufmännischer Verantwortlicher erkannte Andreas Rieper, dass die Antwort in einer Verbesserung von Produktion und Logistik, in noch größerer Kundennähe und in einer Anpassung an die neuen Marktverhältnisse gesucht werden musste. Während dieser Jahre stiegen allerdings nicht nur Konkurrenz und Kosten, die wirtschaftliche Entwicklung in Südtirol und der Tourismus führten auch zu höherer Nachfrage. Rieper nutzte diese Chance, suchte nach Vereinfachungen und orientierte sich an den Bedürfnissen der Kunden.
Futter kommt ab 1970 im Tankwagen.
Rationalisierte Auslieferung 99
Die Kunden im Mittelpunkt
Die Landesverwaltung hatte mittlerweile stark in Zufahrtsstraßen investiert und damit eine unschätzbare Grundlage für den Fortbestand und die Entwicklung der Landwirtschaft in Südtirol geschaffen. Gestiegener Bedarf an Futtermitteln und die durchwegs gute Erreichbarkeit der Höfe waren Auslöser für eine Bahn brechende Lösung bei der Zustellung: die Loseauslieferung. Die Viehhalter bekamen damit die Möglichkeit, das Kraftfutter nicht mehr in Papiersäcken, sondern stallnah in einem Silo zu lagern. Aus Kunststoff, Holz oder Textilmaterial hatten die Behälter ein Fassungsvermögen von 2000 bis 5000 kg und wurden den Bauern samt den dazugehörigen Leitungen unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Loseauslieferung erwies sich als so erfolgreich, dass der Fuhrpark schon bald auf- und
»
Erste Loseverladung mit einem Fremdfahrzeug
Stallnah – im Silosack wird das Futter gelagert.
Die Kunden im Mittelpunkt
100
» umgerüstet
werden musste. Zunächst genügte ein bestehender LKW, der zum Tankwagen umgebaut und mit einem Kompressor für die pneumatische Entladung ausgestattet wurde. Nach und nach wurden Fahrzeuge für jeden Bedarf angeschafft, mit Tanks unterschiedlicher Größe, aber auch für jede Art von Straße: Enge und steile Zufahrten erforderten schmalspurige Fahrzeuge, während die Bauern in Tallagen mit großen Tankwagen beliefert wurden. Das neue Auslieferungssystem verdrängte rasch
einen Teil der Sackware. Die Investition lohnte sich für Unternehmen und Kunden gleichermaßen, so dass bald auch die wichtigsten Abnehmer im Mehlbereich wie Loacker, Pan, Koch und Schreder auf die Losezustellung drängten. 1974 errichtete Rieper eine Loseverladung für Mehl und ein nagelneuer Mehltankwagen wurde angeschafft. Für die Mehlkunden bedeutete der Einbau einer Siloanlage beträchtliche Investitionen, doch nach und nach stellten auch die meisten Bäcker auf Loseanlieferung um.
Kunst und Kaninchen Kleine Mythen um den Verladesilo
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Von Albert Mellauner gestalteter Verladesilo Aufzug mit wärmendem Glühwein für die Montagegruppe
Die Kunden im Mittelpunkt
Die ersten Stallungen, die sich 1970 auf das SiloSystem einließen, waren die Schweinehaltung Lanz in Schabs und einige Kaninchenzüchter. Die erste Versuchslieferung wurde mit einem gemieteten, aber wie sich später herausstellte, nicht ausreichend gereinigten Tankfahrzeug durchgeführt. Beladung und Entladung verliefen reibungslos, zu Schaden kamen leider die Kaninchen. Im Fahrzeugbehälter waren Kalkreste einer Vorlieferung zurückgeblieben, die sich unter das Futter mischten – eine Überdosis, die die Kaninchen nicht überlebten. Es waren die einzigen „Opfer“ der Einführungsphase. Der Erfolg sprengte zum wiederholten Male in der Firmengeschichte die Kapazitäten des Unternehmens. Um mehr Platz für die Lagerung und Verladung von losem Kraftfutter zu schaffen, stellte Rieper unter der Generalplanung von Bühler im Herbst 1988 kurzerhand eine mit Isolierpaneelen verkleidete Metallstruktur auf, hinter der die Fertigproduktzellen Platz fanden. War die Lösung elegant und leicht, wurde die Montage zu einem Härtetest. Ein früher Wintereinbruch mit Schnee im Oktober und Temperaturen von minus 20 Grad im November setzte die Männer auf der Baustelle extremen Verhältnissen aus. Die Schweißarbeiten im sonnenlosen Vintl wurden mit dampfendem Atem und klammen Fingern durchgeführt – wärmend unterbrochen lediglich durch die regelmäßig hochgezogenen Glühweinlieferungen aus der Betriebsküche. Bereits bei der Planung dieses Verladesilos hatte der Brunecker Architekt Werner Franz die künstlerische Gestaltung der Außenflächen ins Auge gefasst und bezog den ladinischen Maler Albert Mellauner in das Projekt ein. Der Künstler entwarf eine Komposition von Flächen und Farben, die schon in der Herstellungsphase der Verkleidungspaneele umgesetzt wurde.
Die Kunden im Mittelpunkt
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Andreas Rieper mit den Verkaufsmitarbeitern Markus Alber, Paul Obexer, Walter Hafner und Dr. Silvius Magnago auf der Bozner Messe
„Je näher am Kunden, desto besser“, lautete das Credo von Andreas Rieper. Und dementsprechend setzte er mit den Vertriebsleitern Walter Hafner, später Dr. Albert Wurzer, auf die Modernisierung der gesamten Verkaufsstruktur und auf ein wirksames Servicepaket. Die Hofberater erhielten genau zugeteilte Zonen und intensivierten die Kundenbetreuung. In regelmäßigen Fachschulungen mussten sie jene Kompetenzen erwerben, die eine professionelle Fütterungsberatung ermöglichten. Unterstützt wurden ihre Verkaufsbemühungen durch beliebte und nützliche Werbeartikel, mit Markt-, Stall- und Besamungskalendern und Sponsoring von Veranstaltungen. Firmenintern sorgten die Mitarbeiter für die reibungslose Abwicklung der Bestellungen und für eine pünktliche, genaue Auslieferung, wähernd die Produktentwicklung an laufenden Verbesserungen und neuen Futtertypen
Der langjährige Verkaufsleiter Walter Hafner
Andreas Rieper bei einer Viehprämierung
arbeitete. Mit der Bereitstellung und Instandhaltung der Futtersilos, mit Sonderangeboten und Kükenverkauf, sowie mit den kostenlosen Heuanalysen für genauere Rationenberechnungen bot man den Kunden Zusatzleistungen, die sehr positive Wirkung auf die Umsätze zeigten. In Fütterungsfibeln und Leitfäden für Viehalter betrieben die Tierärzte Dr. Georg Unterpertinger und Dr. Franz Hintner ständige Informations- und Beratungsarbeit: Von der Wichtigkeit gesunder Tiernahrungsmittel für die Erzeugung hochwertiger Produkte am Hof bis hin zu den positiven Effekten, die eine artgerechte und ausgewogene Ernährung auf Tiergesundheit, Lebensdauer und Fruchtbarkeit der Tiere haben. Dr. Hintner nutzte die Weihnachtsrundschreiben, die das Unternehmen bis Ende der 90er Jahre alljährlich an alle Landwirte verschickte, für Aufklärung und Bewusstseins-
Die Kunden im Mittelpunkt
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»
Die Kunden im Mittelpunkt
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» bildung. Seine teils kritischen Reflexionen zu aktuellen Entwicklungen in
der Landwirtschaft und seine Plädoyers für eine nachhaltige Berglandwirtschaft nahmen einiges vorweg, was erst Jahre später in seiner Bedeutung erkannt wurde. Unermüdlich war Andreas Rieper auch selbst inner- und außerhalb des Landes unterwegs, um bei Messen, Ausstellungen, Veranstaltungen und Firmenbesuchen den Kontakt zu den Abnehmern zu pflegen. Der vereinte Einsatz von Unternehmensleitung und Mitarbeitern, intern wie extern, führte zum erwarteten Erfolg. Rieper konnte seine Position am Markt ausbauen und festigen, wurde zum Marktführer in Südtirol. Durch Kundenfreundlichkeit, Verlässlichkeit und die hohe Produktqualität stärkte man das Vertrauen der Kunden, das sich in steigenden Verkaufsmengen ausdrückte.
Ein Klassiker: Die RieperMarktkalender
Verkaufte Gesamtmenge (Mehle + Futtermittel)
120
80
in tausend Tonnen
40
0 1970
1975
1980
1985
1990
1995
Die Kunden im Mittelpunkt
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Legendäres Sonderoffert und Ein-Tages-Küken Die Kunden im Mittelpunkt
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Mit Rabatten für Sackware im Herbst wollte Rieper besonders für die höher gelegenen Bauern den Anreiz schaffen, sich vor den Wintermonaten Vorräte auf Lager zu legen. Diese Preisnachlässe auf Kraftfutter und Futtergetreide lösten alljährlich einen derartigen Boom aus, dass der tägliche Auslieferungsdurchschnitt von 140 Tonnen Sackware um bis zu 100 Prozent übertroffen wurde, mit vorstellbarem Mehraufwand für Produktion und Logistik. Die für die ersten drei Septemberwochen angedachte, aber oft bis gegen Weihnachten ausgedehnte Aktion, wurde Mitte der 90er Jahre wegen mangelnder Rentabilität eingestellt.
„Alles Küken“ hieß es bei Rieper jahrelang einmal im Monat zwischen Februar und Mai. Bis zu 30.000 Stück wurden in Faenza (Emilia Romagna) für solche „Küken-Tage“ eingekauft. Bereits um 6.30 Uhr fanden sich sämtliche Hofberater am Bozner Bahnhof ein, um die Legehennen von morgen in Empfang zu nehmen, sie ins Auto zu laden und möglichst rasch bei den einzelnen Bäuerinnen quer durch Südtirol abzuliefern. Es folgten noch etliche Jahre, in denen Abzählung und Verteilung der frisch geschlüpften Küken in Vintl statt fand, aber irgendwann war der Aufwand nicht mehr zu bewältigen und man musste die Küken aus dem Angebot nehmen.
Mehllieferung an die Meisterbäckerei Ölz in Vorarlberg
Mehlmarkt diesseits und jenseits der Grenze traditionsreiche, lange Markt führende RösslerMühle für immer ihre Tore geschlossen. Trotz der Konzentration auf den Heimatmarkt gab es jahrzehntelang eine kleine Exportschiene. Möglich machte dies das „Accordino“, ein Regionalabkommen zwischen Österreich und Italien aus dem Jahr 1949, mit dem der Warenaustausch zwischen Südtirol, Trentino und den Bundesländern Tirol und Vorarlberg gefördert wurde. Das bilaterale Abkommen brachte für einige, genau definierte Warengruppen Erleichterungen bei Import- und Exportformalitäten und eine teilweise oder gänzliche Aufhebung der Zollgebühren. Mehl gehörte als Grundnahrungsmittel zu den Accordino-Warengruppen. Rieper nutzte diese Chance für den Aufbau langjähriger Geschäftsbeziehungen mit Tiroler Kunden jenseits des Brenners. Neben Lebensmittelproduzenten wie Pan oder Ölz zählte dazu auch ein direkter Konkurrent, die Innsbrucker Rauch-Mühle. Durch die EU-Freihandelsabkommen mit Österreich und mit dem österreichischen EU-Beitritt 1995 liefen die Mehlexporte allmählich aus.
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Die Kunden im Mittelpunkt
Die Investitionen in Qualität und Service hatten sich auch bei den Mehlkunden gelohnt. Die gute Kundenbindung führte zu Umsatzmengen, die in manchen Jahren sogar zweistellig anstiegen. Wichtig war es, auf die Veränderungen am Mühlenmarkt strategisch richtig und schnell zu reagieren, denn vieles war in Bewegung geraten: Die Supermärkte veränderten radikal die Nahversorgung und das Kaufverhalten der Kunden. Einige Bäcker wurden dadurch an den Rand gedrängt und mussten aufgeben. Die Industriekunden entwickelten neue Produkte und verlangten entsprechende Mehle. Zum Trio der Südtiroler Mühlen, war mit Pobitzer – Lana zunächst eine weitere Mühle dazugekommen. Wirtschaftlichkeit und Erfolg lagen nicht auf der Hand, sondern mussten immer neu hart erarbeitet werden. 1983 geriet die Mühle aus Lana in eine Liquiditätskrise und musste seine Mitarbeiter/innen in die Lohnausgleichskasse überstellen. Der Betrieb wurde an die aus Augsburg stammende Familie von Berg verkauft und unter dem Namen „Meraner Mühle“ weitergeführt. In Bozen hatte 1980 nach einem Brand die
Start
Produktionsauftrag
Produktionsplanung
Qualität mit Garantie 108
Die Kunden im Mittelpunkt
g
Die Verleihung des ISO-Zertifikates wird gefeiert.
GetreideReinigung Vorbereitung
Prüfprotokoll Vermahlung
1. ZwischenPrüfung Labor 1
Laborbericht M
hungen
nein
i.O.?
ja
Vermahlung
Produktionsbericht M
Impulse der Industrie- und Handelskunden führten 1995 zur Entscheidung, das Unternehmen dem Zertifizierungsverfahren der ISO 9001, einem weltweit anerkannten Standard für Qualität der Produkte und Prozesse, zu unterziehen. Das zwei Jahre umfassende Projekt, in dem alle Normen der DIN ISO 9001 in die Betriebsabläufe einflossen, wurde von Waltraud Rieper mit einem externen Berater umgesetzt. Jeder einzelne Arbeitsschritt, bei den Mehlen wie bei den Tiernahrungsmitteln, wurde gemeinsam mit den Mitarbeitern erfasst, dargestellt und vor allem genau eingehalten. Das Qualitätssiche-
rungssystem gilt für alle Bereiche: Organisation, Einkauf und Verkauf, Produktentwicklung, Produktion, Analysen, Auslieferung, Instandhaltung und Wartung. Wichtiger Bestandteil sind die Hygienerichtlinien und Vorbeugungsmassnahmen des HACCP, die im Gesamtkonzept integriert sind. Nach wie vor wird das System einmal jährlich von einer akkreditierten Behörde abgenommen. „Hier wird nicht Papier produziert, hier wird Qualitätsmanagement mit Begeisterung gelebt“, kommentierte der langjährige Auditor der DQS – Frankfurt, Martin Seitz.
Die Buchhalterin Anna Unterkircher (Bild unten)
Vom Rechenschieber zum Prozessor gen konnte. Auf eigene Faust organisierte er sich 1984 über Dator – Bruneck einen IBM-PC. Die technischen Daten des Gerätes verdeutlichen den damaligen Stand der Technik: Zum stolzen Preis von 8.155.000 Lire erhielt man ein Gerät mit einem 16-Bit-Microprozessor, 40 KB Festspeicher und 128 KB Hauptspeicher. Technik und Anwendungsmöglichkeiten explodierten nacheinander. Dem ersten PC folgten nach und nach Einzelgeräte auf immer mehr Arbeitsplätzen mit anschließender Vernetzung bis zu den Labors. Mit der Jahrtausendwende und der Euro-Einführung wurde durch den Wechsel zu einer IBM – AS 400 Anlage das EDVSystem völlig umgestellt. In den Pionierzeiten der Computertechnik waren unterschiedliche Betriebssysteme nebeneinander eingeführt worden, die nicht immer zusammenfanden. Nun lief alles über eine einzige Plattform, mit Schnittstellen zwischen sämtlichen Unternehmensbereichen und der Digitalisierung des gesamten Informationsflusses. Drei Jahrzehnte nach ihren bescheidenen Anfängen hatte die elektronische Datenerfassung und -verarbeitung den gesamten Betrieb erobert.
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Die Kunden im Mittelpunkt
Bilder aus einer anderen Zeit und doch so nah: Albert Rieper kalkuliert die Verkaufspreise mit seinem Rechenschieber, die langjährige Buchhalterin, Anna Unterkircher, rechnet Kundensalden auf der „heiß geliebten“ Olivetti, und Andreas Rieper liest die Unternehmenszahlen am Bildschirm. In seiner Ära hat sich der Wandel ins Computerzeitalter mit seinen rasanten Entwicklungen vollzogen. Den ersten Anstoß zur Umstellung von der Kartei auf die Lochkarte und zum Kauf einer Buchungsmaschine gab die Einführung der Mehrwertsteuer im Jahr 1973. Es folgte 1984 eine zentrale Nixdorf-Computeranlage und allmählich veränderten sich alle Abläufe in der betrieblichen Verwaltung. Die automatische Datenverarbeitung brachte Umstellungen und unerwartete Vereinfachungen aber vor allem eine bislang nicht mögliche Übersicht in die Geschäftsvorgänge. Auch der erste „Personal Computer“ wurde zu dieser Zeit aufgebaut, allerdings nicht in der Buchhaltung, sondern im Büro von Dr. Unterpertinger. Der Tierarzt erkannte als erster den Nutzen, den ihm ein Einzelplatzrechner für seine Arbeit brin-
Der Konsolidierer Andreas Rieper (1939)
Die Kunden im Mittelpunkt
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Er brachte alles mit, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten: Intelligenz und Fleiß, aber auch das Pflichtgefühl und die soziale Ader der vorherigen Generation. Mit diesem Rüstzeug führte Andreas Rieper, der älteste Sohn von Albert und Inge Rieper, den Familienbetrieb durch schwierige Jahrzehnte instabiler Konjunktur. Andreas Rieper gelang es, das Unternehmen auf dem Hauptmarkt Südtirol in Krisenzeiten zu konsolidieren. Bereits kurz nach dem Abschluss seines Wirtschaftsingenieur-Studiums in Graz trat er mit 26 Jahren in den Betrieb ein. Vater Albert Rieper zog sich nach und nach auf die Mühle und deren Einkauf zurück, während Andreas Rieper im Kraftfutterbereich von Beginn an die Zügel in die Hand nahm. Für diesen Betriebszweig übernahm der Junior auch den Rohstoffeinkauf, fast wöchentlich fuhr er an die Börsen nach Mailand, Verona oder Bologna. Von den langjährigen Verwaltungsdirektoren Dr. Othmar Gissmann und Richard Carbonari unterstützt, führte Andreas Rieper auch diesen Bereich allmählich in die Familie zurück. Begeistert arbeitete er unter anderem mit der Unternehmensberatung Georges May an der Modernisierung der Verwaltungsorganisation. Während der krisenhaften 70er und 80er Jahre konnte er, dank des soliden Rufes des Betriebes, immer das Vertrauen der Banken für die Finanzierung nötiger Investitionen erhalten. Der entscheidende Trumpf, mit dem Andreas Rieper seine Jahrzehnte prägte, war die Kundenfreundlichkeit. Der Lohn dieser Strategie waren Wachstum und enge, vielfach persönliche Kundenbeziehungen,
durch die das Unternehmen die Marktführung erreichen und festigen konnte. Aus nächster Nähe und besonders aufmerksam verfolgte er auch die Altrominkunden. Er war gern gesehener Gast auf den Kongressen der Pharmazeutischen Forschung, von Mailand bis Palermo. Regelmäßig präsent war er beim italienienischen Mühlenverband ITALMOPA in Rom, wo er die Entwicklungen am Mehlmarkt aus nächster Nähe verfolgte. Arbeitstage von 12 bis 13 Stunden waren für Andreas Rieper die Normalität, selbst bei seinen wenigen Urlauben war er rund um die Uhr erreichbar. Trotzdem fand er noch Zeit, sich im Dorfleben einzubringen: Er war Mitglied im Gemeinderat, im Parteiausschuss der Südtiroler Volkspartei und leitete viele Jahre die Ortsstelle des Alpenvereins. Das Bergsteigen war seit Jugendtagen seine Passion für die knappe Freizeit, die er vorwiegend mit der Familie verbrachte. Andreas Rieper hat drei Kinder, Michael aus der ersten Ehe mit Lore Medwed aus Graz, Susanne und Christoph aus seiner Partnerschaft mit Erika Wieser aus Sterzing. Michael Rieper ist als Architekt in Wien tätig und verfolgt die Entwicklungen im Unternehmen als Mitglied des Verwaltungsrates. Im Jahr 1993 machten sich die Anzeichen einer schweren Erkrankung bemerkbar, ab dem Jahr 2000 zog er sich allmählich aus dem Betriebsgeschehen zurück. Andreas Rieper hat mit seinem unermüdlichen Einsatz das Unternehmen erfolgreich durch bewegte Jahrzehnte geführt und den Nachfolgern gute Voraussetzungen für die Weiterführung geschaffen.
Die Kunden im Mittelpunkt
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Kapitel 8
Leidenschaft und Zukunftssicherung
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Leidenschaft und Zukunftssicherung
Kleine große Schritte Während in den 60er Jahren der Aufschwung des Unternehmens nach außen hin mit Neubauten und Zubauten sichtbare Zeichen trug, nehmen sich die baulichen Veränderungen der folgenden Jahrzehnte bescheiden aus, sie beschränken sich weitgehend auf den Futterverladesilo im Jahr 1988. Die jährlich steigenden Umsatzmengen verlangten allerdings nach laufenden Anpassungen: Leistungsfähigkeit und Effizienz der Anlagen mussten ständig hochgefahren werden. Der Investitionsbedarf war hoch, explodierende Kosten und stark gedrückte Preise ließen aber wenig Spielraum für große Gesten. Für Peter Rieper, der sich der technischen Seite des Unternehmens angenommen hatte, hieß dies, Schritt halten mit knappen finanziellen Möglichkeiten. Er musste weniger sichtbar als in den Pionierzeiten, aber
Modernisierung in kleinen Schritten
doch kontinuierlich, den Betrieb technisch auf dem neuesten Stand halten, um konkurrenzfähig und Markt führend zu bleiben. Dies erforderte gut geplante Modernisierungen, die möglichst kostengünstig und in Eigenregie, ohne die Warenflüsse zu bremsen, ausgeführt werden mussten. Durch die Integrierung Dutzender Maschinenteile, durch Umbauten an den bestehenden Anlagen und durch die Verbesserung von Abläufen konnte der wachsende Absatz bewältigt werden. Neue Akzente setzte Peter Rieper bei der Ausstattung der Arbeitsplätze und in der Betriebshygiene. Umwelttechnisch erzielte er nachhaltige Verbesserungen durch die Ausstattung sämtlicher Zu- und Abluftstränge mit leistungsstarken, geräuscharmen Filteranlagen und die energieeffizientere Betreibung der Anlagen.
Leidenschaft und Zukunftssicherung
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Mahlen im Alleingang
Leidenschaft und Zukunftssicherung
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An der Mühle wird das Ausmaß der Herausforderungen sichtbar, denen sich Rieper stellen musste. 1973 war nach 1948 und 1958 wieder ein tief greifender Umbau mit Stillstand der Anlage nötig: Eingebaut wurden neue Schubladenplansichter, die mechanischen Elevatoren wurden durch ein pneumatisches System mit halbautomatischer Steuerung ersetzt, der ge-
samte Rohrbau in Aluminium ausgeführt und die Getreidereinigung mit neuen Maschinen ausgerüstet. Ein weiterer großer Sprung stand Mitte der 90er Jahre an. Die jüngsten Technologien im Mühlenbau und in der Anlagenautomatisierung eröffneten neue Möglichkeiten. Während der einmonatigen Produktionspause wurden
»
Die neuen WalzenstĂźhle
Plansichter
GrieĂ&#x;putzmaschinen
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Leidenschaft und Zukunftssicherung
Combicleaner ersetzt Getreidewaschmaschine
Die Reinigungszellen von 1929 werden abgetragen und 1998 im Zuge der Erneuerung der Reinigung durch Stahlzellen ersetzt.
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» die
Walzenstühle ausgetauscht und elektronische Steuerungen für den gesamten Produktionsablauf eingebaut. Im Frühsommer 1996 lief die Mühle wieder an, mit höherer Leistung, einer Verfeinerung in der Verarbeitung, besseren Ausbeuten und einem Automationsgrad, der die Anlagenführung und die Arbeit der Müller erleichterte. Hatten sie bis dahin auf einer Schalttafel jede Maschine einzeln in der richtigen Reihenfolge hochfahren und die Walzen per Hand einrücken müssen, reichte nun ein Mausklick am PC, um die präzise programmierten Abläufe in Gang zu setzen. Die stündlichen visuellen Kontrollen am Produkt fielen
weg, On-line-Sensoren signalisieren nun jede Abweichung von den vorgegebenen Qualitätsparametern; bleibt die sofortige Korrektur aus, schaltet sich die Anlage ab. Verschwunden ist damit der Müller noch nicht. Zwar laufen die Anlagen theoretisch „mannlos“, menschliches Know-how ist aber unverzichtbar geblieben: Spezialisierte Technik muss auch auf hohem Niveau justiert, kontrolliert und gewartet werden. 14 Tonnen Getreide in 24 Stunden hatte die Rieper-Mühle um 1920 an einem Tag gemahlen, die neue Anlage schafft im selben Gebäude heute 170 Tonnen.
1945 – Kalterer-Böhmer gegen Maschinen
Die Zusammenarbeit beginnt 1945 auf ungewöhnliche Weise: Rieper lieferte 75.000 Kilogramm Kalterer Winteräpfel, eine von Kennern sehnsüchtig erinnerte Sorte, an die Schweizer Firma Gebrüder Bühler und bezahlte damit zwei Vier-Walzenstühle sowie eine kombinierte Schleif- und Riffelmaschine. Das Tauschgeschäft „Technik gegen Naturalien“ war die einzige Möglichkeit gewesen, die zum Schutze der nationalen Industrie verhängten Devisenbeschränkungen und Importverbote zu umgehen. Rieper konnte dabei auf die Mitwirkung der Handelskammer Bozen und eines Schweizer Obstimporteurs zählen und kam so zu einer Mühlentechnik, die damals schon als führend galt. Bühler, heute der Weltmarktführer im Mühlenbau, blieb ein wichtiger Partner für Rieper. 7.500 Mitarbeiter zählt das auf Verfahrenstechnik spezialisierte Unternehmen, in über 140 Ländern ist Bühler präsent. Trotzdem ist die Zusammenarbeit
eher enger als unpersönlicher geworden. Als Technologiepartner des Vintler Betriebes liefert Bühler nicht nur Maschinen, sondern entwickelt in gemeinsamer, auch langwieriger Planung, maßgeschneiderte Gesamtlösungen. Die Steuerungssoftware für Mühle und Futtermittelwerk wurde zu einem wichtigen Teil in der EDV-Abteilung des Schweizer Konzerns speziell für Rieper entwickelt. Umgekehrt gehört Rieper zu jenen Bühler-Partnern, die regelmäßig Prototypen der Schweizer im eigenen Werk laufen haben und bleibt dank dieser Kooperation auf dem neuesten technologischen Stand, während Bühler die eigenen Produkte in einem Vorzeigebetrieb auf Leistung, Effizienz und Marktfähigkeit testen kann.
Peter Rieper mit Kundenbetreuer von Bühler Louis Lechner Waltraud Rieper mit Herrn Urs Bühler bei der Kundentagung 1996
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Leidenschaft und Zukunftssicherung
Made in Switzerland
„Futter 2000“ ein Jahrhundertbau Leidenschaft und Zukunftssicherung
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Anders als in der Mühle, die schrittweise auf den neuesten Stand der Technik gebracht worden war, stieß man in der Futtermittelproduktion auf unüberwindbare Grenzen. Das Machbare an Nachrüstung war erreicht und die Gebäudestruktur äußerst beengt. Alle Anlagen waren weit über den normalen Betrieb ausgelastet: Die Tagesproduktion erreichte in den 90er Jahren bis zu 250 Tonnen, zusätzlich verlangten die Markttrends nach immer genauer zugeschnittenen Sondermischungen. Die Schere zwischen Bedarf und Produktionsmöglichkeiten klaffte zu weit auseinander, man sah die einzige Lösung in der Errichtung eines neuen Futterwerkes. Dabei war die technische Leitung weniger von der aufwändigen Planung als vom Investitionsvolumen beeindruckt, das alle bisherigen Bauvorhaben übertraf. Mit der Erstellung einer überzeugenden Finanzierungsstrategie erleichterte der damalige Controller und betriebswirtschaftliche Berater Reinhard Lux Peter Rieper die
Zufriedener Bauherr – Höhe erreicht Gleitbau bei Nacht Großbaustelle
Lawrence Weiner kommt nach Vintl, neben ihm Arch. Michael Rieper, der den künstlerischen Wettbewerb mitbetreut hat.
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Entscheidung zum Neubau, die wie jedes große Projekt auch Wagnis und Risiko in sich trug. Die Planung dauerte aufgrund der hohen Anforderungen und nötigen High-Tech-Lösungen in etwa so lang wie die Bauzeit. Dem Brunecker Architekten Dr. Werner Franz gelang es auch beim neuen Futterwerk, wie bereits bei anderen Erweiterungsbauten im Unternehmen, prozesstechnische Gegebenheiten in einem ästhetisch ansprechenden Gebäude optimal zu integrieren und den Neubau gut in das bestehende Ensemble einzufügen. Das neue Werk konnte am 15. November 2002, just am 60. Geburtstag von Peter Rieper, nach 17 Monaten Bauzeit, in Betrieb genommen werden. Es war auf dem Gelände der ehemaligen Entladehalle unmittelbar neben dem Rohstoffsilo entstanden – zwei architektonische Zeitzeichen, die den Vergleich miteinander nicht zu scheuen brauchen. Wie der Getreidespeicher in den 60er Jahren, verkörperte das neue Futter-
»
» mittelwerk den State of the Art der Gegenwart,
ästhetisch ebenso wie technologisch. Was die nüchterne Fassade des 40 Meter hohen, zehnstöckigen Werkes mit der Sprachskulptur „Brought About“ des US-Konzeptkünstlers Lawrence Weiner nach außen spiegelt, entspricht einem hochtechnologischen Innenleben. Rieper
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setzte mit dem neuen Werk einen Standard, der international das Interesse der Fachwelt weckte, wegen des hohen Automatisierungsgrades, aber vor allem auch wegen des überdurchschnittlichen Hygienestandards und der besonderen Leistungsfähigkeit. Diese scheint zwar mit einer Stundenleistung von 25 Tonnen Futtermittel
Melassiermaschine, Mischer, Produktionsparameter, Pressen
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Leidenschaft und Zukunftssicherung
auf den ersten Blick durchaus branchenüblich zu sein, außergewöhnlich aber ist die Zahl der damit hergestellten Rezepturen. Mit 150 Standardfuttertypen und 800 Sondermischungen bietet Rieper ein nach den Bedürfnissen einer modernen, qualitätsbewussten Viehwirtschaft ausdifferenziertes Sortiment.
Melassetanks, 2000 kg-Waage, Hammermühle, Mikrodosierung
Das Anlagenschema am Bildschirm mit Obermüller Erwin Leitner
Neue Chancen durch Automatisierung Leidenschaft und Zukunftssicherung
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Mit den neunziger Jahren wurden nach und nach alle Betriebsbereiche in das technologische Modernisierungsprogramm aufgenommen, und Rieper ist heute ein fortschrittlicher, komplex organisierter Betrieb, in dem alle Vorgänge im Firmennetz nachzuvollziehen sind. Mit der Eingabe eines Kundenauftrages in das System aktiviert sich ein Ablaufplan, in dem alle weiteren Schritte präzise und überschaubar programmiert und jederzeit abrufbar sind. Was mittlerweile Selbstverständlichkeit ist, war für viele Mitarbeiter – es wird so schnell vergessen – ein nicht immer leichter Übergang. Nahezu von einem Tag auf den anderen hieß es, von vertrauten Schaltbildern und Vordrucken Abschied nehmen und sich mit Tastatur und Maus an einem Bildschirm zurecht zu finden, um die Anlagen zu steuern. Durch die fachkompetente
Planung und Unterstützung der Elektronikpartner Viktor Egli und Bruno Niffeler aus Uzwil waren alle eingebundenen Mitarbeiter in erstaunlich kurzer Zeit mit der neuen Arbeitsweise vertraut. Neues, anfänglich skeptisch beurteilt, war schließlich immer auch zu bewältigen, der Weg zurück wäre dagegen nicht mehr vorstellbar. Der Automatisierungsprozess erwies sich als unverzichtbar. Er half, die Produkte für die Kunden ständig zu verbessern und zugleich die Personalkosten einzudämmen, letzteres bewusst ohne schmerzhafte Einzelfälle, allein durch natürliche Wechsel, Pensionierungen und interne Versetzungen. So erwirtschaftete das Unternehmen, nach zwei Jahrzehnten knapp über der Rentabilitätsgrenze, erstmals wieder den nötigen Spielraum für größere, notwendig gewordene Investitionen.
Rieper-Fahrer bekannt für Freundlichkeit – Andreas Außerlechnber Direktbelieferung der Berghöfe
Auf Südtirols Straßen sind sie ein fixer Bestandteil, die Rieper-Tankwagen und Sack-LKWs, die täglich strahlenförmig ausfahren, beladen mit Nachschub für Industrie- und Bäckerkunden, für den Handel und die Höfe. Weithin sichtbar, auf Almwegen wie auf Autobahnen, sind sie durch das einheitliche Design: früher grau, heute weizengelb mit rotem Schriftzug und stilisierter Ähre. Auch vor dem maßgeschneiderten Fuhrpark in Vintl machten die Neuerungen im Motoren- und Fahrzeugbau nicht halt. Die angekauften Fahrzeuge waren jeweils mit dem gebotenen Höchststandard ausgestattet: erstes ABS-System in Italien, Kabinenheizung für die Fahrer, vorgewärmte Motoren und mittlerweile mit signifikanten Reduzierungen bei Treibstoffverbrauch und CO2-Ausstoß. Die Entwicklungen haben dazu geführt, dass die Fahrzeuge heute leistungsfähiger und sparsamer, zuverlässiger und komfortabler unterwegs sind. An Unerschrockenheit stehen die Fahrer von heute den Männern von damals in nichts nach. Um pünktlich zu ihren Kunden zu gelangen, machen sie sich regelrecht auch schon einmal selbst den Weg frei. Ob es darum geht, die Reste einer Lawine weg zu schaufeln, einen in die Straße gestürzter Baum schnell mit der Kettensäge zu zerteilen oder eine Schneestraße einzuschottern, ihre Aufgabe gehen sie beherzt und verlässlich an.
Regelmäßiger Waschtag
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Leidenschaft und Zukunftssicherung
Die Versorgungsflotte
Dampferzeugung im neuen Kesselhaus
Leidenschaft und Zukunftssicherung
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Frühe Weichenstellungen – späte Erfolge So rasant sich die Welt und die Technik geändert haben, so nachhaltig erweisen sich in der Rieper-Geschichte manche früh begründete Traditionen: 1907 hatte Alois Franz Rieper auf dem Brücklechneranwesen ein E-Werk gebaut, um eigenen Strom für die Entwicklung hin zur Industriemühle zu gewinnen. 2007, genau 100 Jahre später, wurde in Vintl eine hochmoderne Energiezentrale gebaut: Ein Gasmotor, der elektrische Energie und durch die Rückführung der dabei entstehenden Wärme Dampf erzeugt, der
im Kraftfutterwerk zum Pressen des Futters eingesetzt wird. In den Sommermonaten wird überschüssige Wärme an das lokale Fernheizwerk abgegeben. Die einst pionierhaft erschlossene Wasserkraft hat nach dem Bau des Großkraftwerkes in Mühlbach durch die geringere Wasserführung des Pfunderer Baches an Leistung eingebüßt. Dennoch trägt die aus Wasserkraft produzierte Energie täglich Kosten reduzierend zum erneuerbaren Anteil im Energiemix bei. Auch für eine andere Strategie hat schon Alois
Manfred Weissteiner und Lorenz Brunner beim Einsetzten von Zellen
Die Werkstätte aus dem Jahr 1914
Langjähriger Werkmeister Franz Daberto jun.
Franz Rieper die Weichen gestellt, als er beim Bau der ersten Kunstmühle eine Schlosserei und eine Tischlerei einrichtete, die auch nachträglich die anfallenden Wartungen übernehmen sollte. Dieser Philosophie einer eigenen hausinternen Einsatzgruppe ist man über alle technischen Revolutionen hinweg treu geblieben. Von der „Rieper-Werkstatt“ wurden Lastkraftwagen zusammengebaut, Möbel gezimmert, unzählige, auch waghalsige Montagen durchgeführt, Kraftfuttersilos bei Kunden gewartet und vieles mehr.
Die Strategie, „für alles einen Spezialisten im Haus zu haben“ ist nicht in Nostalgie verankert, sie bewährt sich täglich auch in der Gegenwart. Jeder Um-, Aus- und Neubau wird von der eigenen Mannschaft durchgeführt oder zumindest mitbetreut. Diese Gruppe, jede Maschine und jeden Winkel genau kennend, ist auch zuständig für die konsequente Pflege und Wartung aller Anlagen. Damit können Stillstandszeiten reduziert und die Lebensdauer der Betriebseinrichtungen verlängert werden.
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Leidenschaft und Zukunftssicherung
Der Gasmotor der Energiezentrale
Leidenschaft und Zukunftssicherung
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Der Technologe Peter Rieper (1942)
optimale Lösungen gefunden und umgesetzt werden. Peter Rieper verstand es, mit einer Mischung aus Druck und Ansporn, seine Mitarbeiter zu Höchstleistungen zu motivieren. Alle gaben ihr Letztes, waren Tag und Nacht im Einsatz, aber mit Stolz erfüllt, wenn wieder einmal eine „Spezialoperation“ beendet war. So gelangen durch genaue Planung und perfektes Zusammenspiel zahlreiche Abriss-, Neubau-, Umbau- und Einbauaktionen. Lösten bestimmte Erneuerungen anfänglich auch Skepsis und Kopfschütteln unter den Mitarbeitern aus, waren sie am Ende dann doch überzeugt vom gemeinsam Erreichten. Schließlich zeigten sich die Erfolge der technischen Erneuerung durch Leistungssteigerung und Automatisierung auch in den Betriebsergebnissen. Als sich sein Bruder Andreas allmählich aus der operativen Firmenleitung zurückzog, musste Peter zunehmend Verantwortung für den gesamten Betrieb übernehmen und Positionen neu besetzen. Diese verteilte er zwischen Familienmitgliedern und externen Führungskräften. Eine wichtige Stütze fand er in seiner Frau Waltraud, die bereits seit 1991 im Unternehmen mitgearbeitet hatte und nun verstärkt auch leitende Aufgaben übernahm. Und wieder trat in einer Umbruchsphase mit den Kindern von Peter und Waltraud Rieper eine neue Generation in den Betrieb ein, im Jahr 2000 Sohn Alexander, fünf Jahre später Tochter Katrin. Peter Rieper rückte – wie zuvor sein Vater – allmählich zum Senior-Chef auf und hatte mit seinem Junior plötzlich einen genau so begeisterten Techniker an seiner Seite.
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Leidenschaft und Zukunftssicherung
Peter Rieper war das jüngste Kind von Albert und Inge Rieper. Schon als Bub faszinierte ihn alles was leuchtete, ratterte und sich wie von Zauberhand bewegte. Dass er in einem technologischen Betrieb aufwuchs, wo er seine technische Leidenschaft hervorragend einsetzen konnte, entdeckte er spätestens mit dem Besuch der Müllereifachschule St. Gallen. So teilten sich die Brüder die Arbeitsbereiche: Stürzte sich Andreas nach dem Studium mit vollem Einsatz in die Gesamtführung des Betriebes, nahm sich Peter der technischen Aufgaben an. Beim Mühlenumbau 1973 konnte er schon bald sein frisches Wissen und die in der Schweiz geknüpften Kontakte einsetzen. Seinen sicheren Blick für Neuerungen und seine Intuition für das Machbare schärfte er durch regelmäßige Besuche von Messen, Teilnahme an verschiedensten Tagungen und rege Kontaktpflege. So entging ihm keine Entwicklung am Sektor, nach Möglichkeit war er ihr einen Schritt voraus. Auch in den knappen Jahren blieb sein Blick nach Vorne gerichtet: Er ließ nicht von einer konsequenten Erneuerung der Anlagen und des Fuhrparks ab und kämpfte dafür, jede verfügbare Lira in Technologie zu investieren, stets mit Blick auf den Fortbestand des Unternehmens und in der Verantwortung für die über 100 Arbeitsplätze. Wesentlich beigetragen zu dieser kontinuierlichen, technischen Weiterentwicklung haben die Vorarbeiter der einzelnen Abteilungen. Erst durch die Einbindung dieser spezialisierten und erfahrenen Mitarbeiter konnten mit Konstrukteuren und Lieferanten
Mit einem anonymen Inserat für eine Assistentin fing alles an. Ich antwortete, 18-jährig, mit einer handschriftlichen Bewerbung. Nach Handelsschule, fünf Jahren bei den Englischen Fräulein und den ersten Berufserfahrungen in Franzensfeste, wollte ich der liebevollen Strenge meiner Eltern entkommen. Es zog mich allerdings nicht wie andere im Jahr 1968 nach Indien oder sonst wo hin, eigentlich nur in die Stadt. Als sich herausstellte, dass der Arbeitsplatz in Vintl war, verlor ich jegliches Interesse daran. Mein Vater, der als Zollspediteur Importe für Rieper abwickelte, kannte das Unternehmen und wollte mir klar machen, dass ich dort etwas lernen könnte. Er bestand darauf, dass ich die Einladung zum Vorstellungsgespräch annehme. In einem roten Strickkleid trat ich in Vintl in Begleitung meiner beiden Eltern zum “Test” an. Albert Rieper war recht charmant und diktierte mir einen Text in die Maschine. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es diese kleine Schreiberei war, die ihn überzeugte, denn ich war innerlich ablehnend eingestellt. Nach wenigen Tagen fuhr Albert Rieper bei uns zu Hause vor und versuchte mich zu überreden, die Stelle doch anzunehmen. Erst viel später erfuhr ich, dass er für alle Vertrauensposten Schriftgutachten einholte und offensichtlich hatte mich der Grafologe Dr. Schlotterbeck aus Innsbruck positiv bewertet. Mein Widerstand gegen die elterlichen Empfehlungen reichte nicht, und am 8. Jänner 1969 landete ich in Vintl, felsenfest überzeugt, mich möglichst schlecht anzustellen, und am Schluss der Probezeit endlich nach Bozen zu ziehen. Ohne große Begeisterung übernahm ich die Nachfolge von Fräulein Rainer als “Sekretärin der Geschäftsführung mit Schwerpunkt Einkaufsverwaltung”. Die Tätigkeit stellte sich allerdings recht bald als herausfordernd und abwechslungsreich heraus. Die mustergültige Organisation erleichterte die Bewältigung der Aufgaben und allmählich setzte auch Freude ein. Das Betriebsklima war gut und die Zusammenarbeit mit meinen beiden Chefs, Albert und Andreas Rieper klappte bestens. Ihre Sympathiewerte sanken lediglich ums Wochenende etwas nach unten. Damals verstand ich nicht, wie endlos das Arbeitspensum von Albert Rieper war und warum er freitags um 17 Uhr zum Diktieren kam. Zappelig aufs Wochenende, vertippte ich mich öfters als sonst, musste mich mühen, die Tippfehler mit weißem Pulver zu vertuschen und auf dem Durchschlag wegzuradieren. Andreas, der die Wochenenden vielfach zum Aufarbeiten nutzte, versorgte mich montags pünktlich um acht mit seinen gefüllten Tonbändern. Aber das waren die einzigen Kritikpunkte, das Arbeitsverhältnis war außerordentlich positiv, und vor allem Albert Rieper sparte nicht mit Anerkennung.
In dieser Zeit logierten noch die letzten Angestellten im Haus, Anna Unterkircher, Hermann Scherer, der Verwalter der Landwirtschaft und ich. Von Montag bis Freitag wohnte ich in Zimmer Nr. 9 im zweiten Stock mit den Zirbelholzmöbeln von anno dazumal. Schlussendlich war es in Vintl weniger langweilig als ich es mir ausgemalt hatte. Die Arbeit gefiel mir inzwischen gut und es gab manch fröhliche Runde nach Feierabend. Erst 1971, an einem lauschigen Juniabend, gesellte sich auch Peter Rieper einmal dazu, das Programm war ein Reitausflug in Reischach. Für die Hauptspannung sorgte vorerst ein störrischer Gaul, der sich immer wieder von der Gruppe absetzte und in halsbrecherischem Ritt wieder aufschloss. Die anschließende Einkehr war dann recht entspannt, alle froh darüber, trotz mangelnder Reitkünste mit heilen Knochen und unbeschadet davongekommen zu sein. Am nächsten Tag fand ich lachsrote Rosen auf meinem Kopfkissen. Die Blumen verblühten schnell, die Gefühle erwachten fast genau so schnell, und wohl auch um diese auf die Probe zu stellen, wechselte ich für ein knappes Jahr nach London.
So kam die Mühle in mein Leben
Leidenschaft und Zukunftssicherung
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Nach einer kurzen Tätigkeit bei einem italienischen Unternehmen in München, begann im Dezember 1972 unser gemeinsamer Weg. Ein Weg, auf dem die Mühle von Anfang an ihren festen Platz hatte. Sie nahm sich ihre Zeit, sie forderte Verantwortung, brachte Sorgen bei der Tür herein. Aber sie brachte auch viel Positives in die Familie: Spannung, Herausforderung, Freude und Genugtuung. Schließlich eine schwer erklärbare Faszination, die auf mich und auf unsere Kinder Alexander und Katrin übersprang. Die damals übliche Rollenteilung galt auch bei uns, vielleicht mit dem Unterschied, dass Peter uns als Familie nie aussparte, sehr mitteilsam war, und wir das Geschehen im Unternehmen immer mitlebten. Die Mühle blieb auch in der Freizeit präsent. Bei den sonntäglichen Ausflügen fiel der Blick, wenn auch nur beiläufig, auf die Aktivitäten der Kunden und auf den Urlaubsfahrten entging uns keine Mühle am Wegrand. Als die Kinder zum Studium aus dem Hause gingen, konnte ich mich wieder aktiv in das Betriebsgeschehen einbringen. Diese letzten 20 Jahre waren geprägt von zahlreichen Veränderungen im Unternehmen, bei deren Verwirklichung und Gestaltung ich Peter unterstützen konnte und selbst viele positive Erfahrungen mit den Mitarbeitern erlebte. Waltraud Rieper
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Kapitel 9
Willkommen in der Gegenwart
Der Familienbetrieb in fünfter Generation
Willkommen in der Gegenwart
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Mit der Jahrtausendwende brach für das Unternehmen in mehrerlei Hinsicht eine neue Epoche an. Durch den Rückzug von Andreas Rieper war sein Bruder Peter mit der Gesamtführung des Betriebes konfrontiert und musste verschiedene Zuständigkeiten an neue Führungskräfte übergeben. Diese wurden nicht nur extern rekrutiert, sondern fanden sich auch innerhalb der Familie. Neben seiner Ehefrau Waltraud stand Peter Rieper schon bald die nachfolgende Generation tatkräftig zur Seite: die beiden Kinder Alexander, der im Jahr 2000 in den Betrieb eintrat, und Katrin, die ihm fünf Jahre später folgte. Mittlerweile ergänzen sich auch in der oberen Führungsebene Familienmitglieder und leitende Angestellte. Dadurch wurde das Modell Familienbetrieb nicht geschwächt, sondern auf höchster Ebene um jene Kompetenz erweitert, die aus fairer und offener Einbeziehung von Mitarbeitern entsteht. Der technikbegeisterte Erstgeborene von Peter und Waltraud Rieper hatte bereits sehr früh seinen beruflichen Werdegang vorgezeichnet und die Ausbildungswege seines Vaters und seines Onkels Andreas kombiniert. Er absolvierte sowohl ein Maschinenbau- und Wirtschaftsstudium an der Technischen Universität in Graz als auch die Müllereifachschule in St. Gallen. Nach Praktika in den USA und Großbritannien lernte er den Betrieb in Vintl in seinem ersten Projekt von der Pike auf kennen. Um die einzelnen Unternehmensbereiche in ein neues EDV-System zu integrieren, musste Alexander Rieper die
Peter Rieper erhält Verstärkung durch Alexander und Katrin.
Der neue Agrialp-Stand
Arbeitsweise jeder Abteilung kennen und verstehen lernen. Ein idealer Einstieg in Führungsverantwortung, die er bereits im Zuge der Errichtung des neuen Mischfutterwerkes fließend übernahm. Unternehmensführung war Schwerpunkt des betriebswirtschaftlichen Studiums, das Katrin Rieper an der Universität „L. Bocconi“ in Mailand und an der Business School der New York University in New York absolvierte. Nach ihrem
Einstieg im Jahr 2005 betreute auch sie vorerst einen eigenen Bereich, das Marketing, bevor sie als Mitglied der Unternehmensleitung Führungsaufgaben übernahm. Sie frischte den Auftritt des Unternehmens mit einem modernen und farbenfrohen Corporate Design auf und legte dabei Wert auf einen einheitlichen Firmenund Markenauftritt. Sie erneuerte die Verpackungslinien und setzte sich für Innovationen im Kleinpackungssektor ein.
Willkommen in der Gegenwart
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1. Jänner 2008: Übernahme des Futtermittelwerkes SAV in Rovereto
Märkte im Wandel
Willkommen in der Gegenwart
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Je näher die Geschichte eines Betriebes an die Gegenwart reicht, desto weniger klar aber um so offener zeigen sich Entwicklungen und mögliche Richtungen. Die Auseinandersetzung mit längerfristigen Entwicklungsstrategien war in dieser Zeit des Umbruchs eine der dringlichsten Aufgaben des neuen Managements. Einiges lässt sich im Blick zurück gut erkennen: Automatisierung, Rationalisierung, professionelles Controlling haben als gute Voraussetzung für eine neue Generation das Unternehmen auf eine solide Basis gestellt. Zugleich steht Rieper vor den Herausforderungen eines Marktes, dessen Veränderungen, im Kleinen und im Großen, kaum überschaubar sind. Wachstum ist als Zauberformel jahrzehntelanger wirtschaftlicher Entwicklung in Krise geraten, auch für Rieper bietet der Stammmarkt Südtirol eingeschränkte Wachstumsmöglichkeiten. Im Jahr 2000 überschritt die Jahresproduktion erstmals die Grenze von 100.000 Tonnen, von da an aber zeigten sich in beiden Sektoren Anzeichen verflachter Wachstumskurven. Wie und wohin sollte man noch wachsen können, wenn die Familienethik und auch die Erfolgsgeschichte
von Billigschiene und aggressivem Marktauftritt abraten? Eine Möglichkeit hatte sich 1999 mit der Schließung der traditionsreichen Mühle Blasius Pobitzer in Meran ergeben. Rieper übernahm die Marken des langjährigen Mitbewerbers. Das unverwechselbare Kultprodukt „Blasius Pobitzer’s Grießnockerln“ wird seitdem unter der Marke Rieper vertrieben. Rieper wäre aber nicht Rieper, würde der Markt nicht im Auge behalten. Marktbeobachtung und spontanes Reagieren gehen oft Hand in Hand. Nach Bekanntwerden der geplanten Schließung der Genossenschaft SAV in Rovereto, dem einzigen Futtermittelwerk der Nachbarprovinz, übernahm Rieper kurzfristig dessen Verkauf, Sortiment und Kundenstock und weitete mit 1. Jänner 2008 den eigenen Markt auf das Trentino aus. Dort herrschten anfänglich Vorbehalte gegen den Käufer aus Südtirol, die bedachte Firmenstrategie überzeugte schließlich aber auch die Skeptiker. Beide Male legte Rieper Wert darauf, die Übernahmen freundlich zu gestalten, Bestehendes zu integrieren, Nutzen für die Kunden zu schaffen und die gestärkte Position auf dem Markt nicht für kurzfristige Gewinne auszunutzen.
Natürliches Futter für freie Hühner
Kräuterextrakte statt Antibiotika
Im Jahr 2006 wurden Fütterungsantibiotika von Brüssel per Gesetz aus Europas Ställen verbannt. Ein Schritt, den Rieper bereits sieben Jahre zuvor vollzogen hatte. Seit 1999 werden zur Vorbeugung der klassischen Jungtierkrankheiten wie Ferkel- und Kälberdurchfall oder Kokzidiose natürliche Mittel mit Pflanzen- und Kräuterextrakten oder prebiotische Mikroorganismen eingesetzt. Rieper zählte zu den Vorreitern der Futtermittelhersteller, die diese neu entwickelten Zusatzstoffe testeten und schließlich mit Erfolg anwandten. Die natürlichen Zusatzstoffe erwiesen sich nicht nur als wirkungsvoller Ersatz für Fütterungsantibiotika und andere medikamentöse Substanzen für Jungtiere, sondern wirken auch bei erwachsenen Tieren gesundheits- und damit leistungsfördernd.
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Willkommen in der Gegenwart
Die Freilandhaltung hat sich in Südtirol im vergangenen Jahrzehnt zu einem kleinen, aber einträglichen Bereich der Südtiroler Viehwirtschaft entwickelt, in dem Rieper eine maßgebliche Rolle spielt. Die zunehmende Sensibilisierung der Konsumenten für die negativen Folgen der konventionellen Käfigtierhaltung hat im Legehennenbereich eine neue Nachfrage nach Produkten aus artgerechter Tierhaltung erzeugt, auf die auch Südtiroler Produzenten eingingen. Mehr als 40 Höfe stiegen in diese Nische ein und produzieren heute mit 500 bis 6000 Legehennen pro Betrieb Freilandeier für den einheimischen Markt. Mit dem Ausbau der Beratung und der Entwicklung eines leistungsfähigen, aber naturbelassenen Legehennenfutters, reagierte Rieper auf die speziellen Erfordernisse der Freilandhaltung. Dabei verlieh der Futtermittelhersteller den Südtiroler Freilandeiern durch den Verzicht auf die Zugabe tierischer Fette, künstlicher Dotterfarbstoffe oder gentechnisch veränderter Organismen, einen zusätzlichen Mehrwert. Dieser wird weiterhin gerne angenommen: Rund 90 Prozent der Freilandhaltungen beziehen ihr Futter in Vintl. Anders gesagt: In fast jedem Südtiroler Freilandei steckt auch ein gutes Stück Rieper.
Dr. Florian Piffrader mit dem Kunden Ernst Schweigkofler
Willkommen in der Gegenwart
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Individuelle Konzepte für zufriedene Kunden Als erfolgreicher Ansatz für eine Weiterentwicklung erwies sich die zunehmende Individualisierung des Angebots. Bemühungen in diese Richtung gab es im Bereich Futter bereits seit Rieper in den achtziger Jahren begonnen hatte, das Grundfutter seiner Kunden zu analysieren. Auf dieser Basis konnten die Futterrationen besser auf die jeweilige Situation abgestimmt werden. Angesichts der extremen Vielfalt, die Südtirols Viehwirtschaft charakterisiert, stieß das Unternehmen dabei mit den eigenen Standardprodukten immer wieder an Grenzen. Durch Anpassung der Rezepturen wurde es möglich, auf die unterschiedlichen Ausgangslagen gezielter einzugehen und die Ergebnisse für die Landwirte zu verbessern.
Die Hofberater Stefan Weiermaier, Wolfgang Weissteiner, Markus Stocker, Helmut Unterhofer, (stehend) Franz Stoll, Albert Pircher und Armin Thaler unterstützen die Kunden bei der Rationenberechnung.
Während der Anteil der Sondermischungen am Gesamtumsatz kontinuierlich, aber langsam zunahm, kam es ab 1999 mit dem neuen Verantwortlichen für Produktentwicklung Dr. Florian Piffrader, zu einem sprunghaften Anstieg. Im Rahmen seines Studiums der Landwirtschaftswissenschaft an der Universität für Bodenkultur hatte er sich auf den Bereich Tierernährung spezialisiert und setzte nun sein Wissen mit neuen Produktlinien, neuen Futterkomponenten und einer weiteren Intensivierung der Beratung um. Alle sieben Hofberater wurden mit einer modernen Rationsberechnungs-Software für ihre Laptops ausgestattet und waren damit in der Lage, die optimale, konkret auf die einzelnen Höfe zugeschnittene Fütterung anzubieten.
Willkommen in der Gegenwart
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Mehl auf Maß Der Erfolg maßgeschneiderter Produkte in der Landwirtschaft bestärkte das Unternehmen, auch im Bereich Mehl auf kundenspezifische Rezepturen für Bäcker und Lebensmittelproduzenten zu setzen. „Mehl nach Maß“ lautete das Motto, unter dem auf spezielle verarbeitungstechnische Anforderungen oder qualitative Ansprüche der Kunden eingegangen wurde. Dabei entstanden beispielsweise eigene Mehle für Brotspezialitäten wie Ciabatte, Breatln oder Schüttelbrot. Zur Umsetzung des neuen Konzeptes wurde ein gelernter Bäckermeister in das Unternehmen geholt, der gemeinsam mit den Kunden an den Backmeister Filipp Unterpertinger
Modernisierte Mehlabsackzellen
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Weiterentwicklungen arbeitete und auch für die Innovationen im Haushaltsbereich wertvolle Impulse gab. Das Produktsortiment der Mehle erweiterte sich wie nie zuvor in der Geschichte des Betriebes. Zu den seit Jahrzehnten bestehenden Sorten gesellten sich fast jährlich neue Produkte: Dinkelmehl, Biomehl, Kamutmehl, doppelgriffiges Mehl, Hartweizengrieß, Pizzamehl, Tortenmehl und Manitobamehl – die Liste der Produkte des neuen Jahrtausends ist lang. Mit dem Angebot von Brotbackmischungen für Haushalte unterstützte der Betrieb darüber hinaus den zunehmenden Trend, selbst Brot zu backen. Bäckerei Trenker in Toblach wird 2003 ISO zertifiziert. Johann Trenker, Peter Rieper und Mehlvertreter Valentin Klotz
Willkommen in der Gegenwart
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Qualitätspolitik im Zeichen der Natürlichkeit Willkommen in der Gegenwart
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Das Thema Lebensmittelsicherheit zählt zweifelsohne zu den großen Herausforderungen, die das 21. Jahrhundert für die Nahrungsmittelbranche mit sich brachte. Bereits ab Mitte der neunziger Jahre entwickelte sich in Folge mehrerer Lebensmittelskandale (unzulässige Fleischmehle, verbotene Tierfette, Dioxinrückstände) ein steigendes Bewusstsein für mögliche, die Gesundheit schädigende Auswirkungen durch mangelnde Seriosität bestimmter Hersteller. Die BSE-Krise, die um das Jahr 2000 ihren fulminanten Höhepunkt erreichte, markierte schließlich den Auftakt zu einer neuen Epoche, in der Lebensmittelsicherheit durch immer detailliertere und strengere Reglementierungen von Seiten des Gesetzgebers garantiert werden sollte. Eine Entwicklung, bei der Rieper von Beginn an punkten konnte. Immerhin bilden die hohe Qualität der Produkte und der Einsatz natürlicher Rohstoffe seit jeher einen wichtigen Bestandteil der Unternehmensphilosophie.
Laborant Christoph Schneider bei Futtermittelanalysen Rückstellmuster der Rohstoffe Mehlanalysen am Extensographen – Mühlenlaborant Elmar Fischnaller
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Willkommen in der Gegenwart
Mehlen werden keine künstliche Enzyme oder Trockenkleber beigemengt, Futtermittel sind frei von Leistungsförderern, Hormonen und tierischem Eiweiß. Nichtsdestotrotz brachten die turbulenten Entwicklungen und zahlreichen gesetzlichen Neuerungen im Bereich Lebensmittelsicherheit enormen zusätzlichen Aufwand mit sich. Rasant angestiegen ist dabei die Analysen- und Kontrolltätigkeit im Unternehmen. Einerseits gilt es, penibel auf die Einhaltung verschiedener Grenzwerte bei den Rohstoffen zu achten, die auf europäischer sowie nationaler Ebene eingeführt bzw. verschärft wurden, andererseits kamen im vergangenen Jahrzehnt neue Thematiken wie die Gentechnikfreiheit hinzu, deren Einhaltung in Südtirol bereits seit 2001 durch ein Landesgesetz geregelt ist. Eine zusätzliche Qualitätsgarantie, an der Rieper größtes Interesse hatte. Klarerweise brachte aber auch diese mehr Kontrollen und einen weit größeren Aufwand bei der Auswahl der Lieferanten mit
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2011 – neue Laborräume schaffen bessere Arbeitsumgebung Schnelle, berührungslose Analysen am ganzen Korn Mischer Armin Radmüller entnimmt Produktproben
» sich,
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die nun ebenfalls nachweisen mussten, ausschließlich gentechnikfreie Produkte herzustellen. Parallel dazu wurden in Vintl die Vorschriften der Europäischen Union zur Rückverfolgbarkeit umgesetzt. Um die Sicherheit von Lebensmitteln zu erhöhen, muss demnach jeder Verarbeitungsschritt in der Produktionskette genau dokumentiert werden, und der Weg des Produktes zurück bis zur Aussaat des Rohstoffes nachvollziehbar gemacht werden. Dank der weitgehenden Automatisierung der Anlagen werden die dafür notwendigen Daten während des Produktionsprozesses aufgezeichnet, abgespeichert und bei Bedarf abgerufen. Darüber hinaus wird von allen eingesetzten Rohstoffen und von jeder produzierten Charge automatisch ein Muster genommen, verpackt, etikettiert und für die Haltbarkeitsdauer des Fertigproduktes zurückgelegt. Dies ermöglicht bei eventuellen Abweichungen eine genaue Ursachenermittlung. Im Bereich des Qualitätsmanagements erweiterte Rieper im Jahr 2009 in beiden Sparten, Mehl und Futter, das bestehende System ISO 9001 um die Normen des Internationalen Lebensmittel Standards (IFS), die besonders im hygienischen Bereich zusätzliche Auflagen bringen. Wie komplex die Qualitätssicherung in einem modernen Nahrungsmittelbetrieb geworden ist, belegt auch die Tatsache, dass im Mai 2010 erstmals ein eigener Qualitätsmanager in den Führungskreis des Unternehmens aufgenommen wurde.
Ein Jubiläumsfest Jubiläen laden zum Rückblick ein, insbesondere wenn es sich um die runde Zahl Hundert handelt. Ein Jahrhundert ist vergangen, seit die Rieper-Mühle am 24. März 1910 offiziell ihre Tätigkeit aufgenommen hat. Ein Anlass für die Unternehmerfamilie kurz innezuhalten und diesen runden Geburtstag mit den Menschen zu feiern, die das Unternehmen zumindest auf einem Stück seiner Entwicklung begleitet haben. So trafen sich am 9. Oktober 2010 am Betriebsgelände in Vintl derzeitige und ehemalige Mitarbeiter und deren Familien zu einem bunten Fest für Jung und Alt. Goaßlschnöllen, Kinderunterhaltung oder musikalische Einlagen der Betriebskapelle unter Mitarbeiter Paul Gas-
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» ser sorgten dabei genauso für Stimmung wie die
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Gaumenfreuden, die in mehreren Etappen aufgetischt wurden. Peter Rieper dankte in seiner Ansprache auch allen 5.000 Kunden, die über 100 Jahre die erfolgreiche Entwicklung durch ihr Vertrauen möglich gemacht haben. Den emotionalen Höhepunkt der 100-Jahr-Feier bildete der gemeinsame Blick zurück: In einer Präsentation rief Alexander Rieper die wichtigsten Etappen der Unternehmensgeschichte und viele ihrer Protagonisten in Erinnerung. Bilder, die zum Schmunzeln wie zum Nachdenken anregten und alten wie jungen Festgästen buchstäblich vor Augen führten, was das Unternehmen Rieper bis heute ausmacht.
Die Kinderbetreuung durch die „Kinderfreunde“ aus Bruneck sorgte mit einem unvergeßlichen Programm dafür, dass Groß und Klein so richtig zum Feiern kamen. Eltern und Großeltern konnten gemütlich beim Festessen sitzen, während ihre Schützlinge in der Hüpfburg tollten und Salzteig aus Rieper-Mehl modellierten. Was man aus Mehl noch „zaubern“ kann, stellte der Konditormeister Sader aus Lana unter Beweis: Ein kleines Wunderwerk aus Kastanien, Sahne und Marzipan bescherte den süßen Abschluß. Mit Bayerischem Wiesenbier wurde bis in den Abend hinein in lockerer, familiärer Atmosphäre weitergefeiert.
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Ehrung der Jubilare 2009: Alexander Rieper, Manfred Weissteiner, Walter Faller, Alois Bergmeister, Karl Unterhuber, Paul Zingerle, Lorenz Brunner, Peter Rieper
Erfolgsfaktor Mitarbeiter
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„Sie haben das Unternehmen durch ihre Leistungsbereitschaft, ihre Fachkompetenz, ihr Verantwortungsbewusstsein und ihre Loyalität in 100 Jahren mitgeprägt, mitgestaltet und mitentwickelt“, mit diesem anerkennenden Dank wandte sich Peter Rieper bei der Jubiläumsfeier an ehemalige und aktuelle Mitarbeiter des Betriebes – „unseren wertvollsten und wichtigsten Erfolgsfaktor“, so Peter Rieper. Was in der Theorie mit dem Begriff Humankapital beschrieben wird, stellt in der Praxis tatsächlich eines der wichtigen Kapitel der Rieper-Geschichte dar: Qualifizierte und motivierte Beschäftigte, die sich mit dem Unternehmen identifizieren. Das zeigt sich auch in der niedrigen Fluktuationsrate, die das Unternehmen selbst in der heutigen, von Mobilität geprägten Zeit aufweist. Oft sind es nicht nur einzelne Mitarbeiter, sondern mehrere Familienmitglieder, die dem Betrieb seit Jahrzehnten die Treue halten. Diese ausgeprägte Mitarbeiterbindung verhilft dem Betrieb zu einer wertvollen Basis aus lange aufgebautem Wissen und gut eingespielten Beziehungen untereinander und zu den Kunden. Die Wertschätzung dafür wird den eigenen Beschäftigten nicht nur bei hohen Jubiläen vermittelt. Seit 2001 lässt die Belegschaft das Jahr mit einem gemeinsamen Weihnachtsessen ausklingen, in dessen Rahmen langjährige Mitarbeiter geehrt werden. Ein Ritual, das mehr über die Betriebstreue aussagt als jede Personalstatistik: Denn neben 20- und 30-jährigen Jubilaren finden sich auch Mitarbeiter, die mit 40 Jahren ihr ganzes Berufsleben bei Rieper verbracht haben.
Karl Obergolser geehrt für 32 Dienstjahre Raimund Seebacher – der Personalbeauftragte – bringt unterhaltsame Reminiszenzen über die Geehrten. Arnold Lamprecht spricht im Namen der Mitarbeiter (Foto links außen).
Letztendlich ließ das Jubiläumsjahr 2010 aber doch nicht allzu viel Zeit für die Vergangenheit, denn die Zukunft des Betriebes forderte Unternehmensführung und Mitarbeitern vollen Einsatz ab. In diese wurde 2010 nicht nur mit einem weiteren großen Bauprojekt investiert, erstmals seit 60 Jahren wagte Rieper den Schritt in ein neues, wenn auch verwandtes Gewerbe. Am 24. März 2010, exakt 100 Jahre nach dem offiziellen Beginn der Mühlentätigkeit, traf die Familie Rieper eine Übernahmevereinbarung mit Herrn Josef Günther Schreder in Terlan, dem Inhaber der auf Schnittbrot für italienische Handelsketten spezialisierten Bäckerei. Mit der eigenen Montagegruppe wurden Maschinen und Backöfen ausgebaut und in einer adaptierten Halle in Vintl wieder in Betrieb genommen. Dank des übernommenen, eingespielten Bäckerteams aus Terlan kam im August das erste Roggenbrot in Vintl aus dem Ofen.
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Willkommen in der Gegenwart
Zum Jubiläum ein Neustart
An die Stelle des alten Stadels kommt das neue Hochregal.
Gerüstet für die Zukunft Willkommen in der Gegenwart
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Der Platzmangel für die Sackware geht 30 Jahre zurück und so lange mussten Vorarbeiter und Mitarbeiter mit erschwerten Bedingungen zurechtkommen. Ein ausgedientes Kartoffelmagazin, eine Traglufthalle und das landwirtschaftliche Gebäude aus dem Jahr 1905 wurden als Warenlager genutzt. Verschiedene Projekte für ein neues Magazin hatten nicht die Reife für eine Umsetzung, und eine längst nötige Entscheidung musste immer wieder aufgeschoben werden. Konkreter wurde das Vorhaben im Sommer 2005: Eine in Auftrag gegebene Diplomarbeit an die TU-Graz und eine vertiefende Analyse mit der Firma Bühler und der TU-München lieferten wichtige Aufschlüsse über Warenströme und Anforderungen. Trotz all dieser wissenschaftlichen Ansätze wurde das definitive Konzept aber erst zwischen der Firma Rieper und
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Willkommen in der Gegenwart
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Modernisierte Mehlabsackung
Automatische Förderung in das Hochregal
Willkommen in der Gegenwart
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» dem deutschen Anlagen- und Steuerungsbauer
Westfalia erarbeitet. Wie so oft konnte die Wissenschaft zwar Modelle aufzeigen und Teilaspekte bewerten, aber nur die Menschen die eine Anlage betreiben müssen, kennen die Abläufe bis in die letzte Tiefe. 2009 konnte endlich ein Hochregallager in Auftrag gegeben werden. Vorbereitend waren alle
Schnittstellen geschaffen worden, die für eine automatische Abwicklung der Warenflüsse nötig waren. Die neue Struktur wurde in selbst tragender Stahlbauweise errichtet und bietet Stellplatz für über 3000 Paletten. Alle Ein-, Aus- und Umlagerungsvorgänge von Sackware werden von einem zentralen Regalbediengerät durchgeführt. Diesen automatischen Einlagerungsvorgängen
Is ipsunt ut omnimilita que ipsunt ut omnimilitat ant
Mit Terminal ausgestattete Hubameisen
Von der Bereitstellungsfläche direkt in den LKW
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war die Modernisierung der drei Absacklinien (Mehl in Groß- und Kleinpackungen sowie Futtermittel) und der Palettierung vorausgegangen. Erst die auf den Paletten verfügbaren Daten wie Artikelnummer, Verfallsdatum, Losnummer und Anzahl der Einheiten ermöglichen dem System die mannlose Übergabe in das Lager und die anschließende Entnahme. Für die Kommis-
sionierung der Kundenaufträge stehen Stapler als Mitfahrgeräte zur Verfügung. Auf dem mobilen Terminal scheinen die bestellten Artikel und die Lagerplätze auf. Gleichzeitig lassen sich Ware, Kunde und Haltbarkeitsdatum jeder einzelnen Partie rückverfolgen, die anschließend auf die Bereitstellungsfläche kommt und von dort direkt auf den LKW verladen wird.
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Gedanken aus Stahl
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Wiederum war am Betriebsgelände ein großvolumiger Bau im Entstehen: 26 m in der Höhe, 18,5 m in der Breite und 34,5 m in der Länge. Ein mit Isolierpaneelen verkleideter Stahlgerüstbau, der nach Westen hin mit einem Vorbau in halber Höhe verlängert ist. Ihm gedachte man mit einer künstlerischen Arbeit über alle Technik hinaus einen Akzent zu verleihen. Die Auswahl des Künstlers fiel anlässlich eines zufälligen Atelierbesuches im Mai 2010 beim mittlerweile auch international tätigen und bekannten Bildhauer Eduard Habicher in Meran. In den dort in Ausfertigung befindlichen Arbeiten, allesamt aus rotem Stahl, trotz der Schwere des Materials leicht und schwungvoll geformt, erkannten Peter und Waltraud Rieper auch eine mögliche Lösung für das Hochregallager in Vintl. Nach Absprache mit dem Architekten Werner Franz, besah Eduard Habicher die Baustelle und legte in kurzer Zeit drei Modelle in Skizzenform vor. Der fortschreitende Bau verlangte nach einer raschen Entscheidung – die Fixierungsmechanismen mussten errechnet, gefertigt und angebracht werden. Nach einer Modellanfertigung durch den Künstler fiel die Wahl auf die Skulptur „Kräf-
te“, sie überzeugte mit ihrer Form und auch durch die Metafern hinter ihrem Titel. Eduard Habicher realisierte diese Plastik mit zwei roten Stahlschlaufen aus geformten und zusammengesetzten Baustahlträgern und sie scheinen nun am Bauwerk „hinaufzukriechen“. Der Künstler lässt seine Arbeit nicht allein stehen, er bezieht auch die Schatten, die der Stahl wirft, mit ein und lässt das Kunstwerk in einen sich wandelnden Dialog mit dem Bau treten.
Der Künstler Eduard Habicher (rechts) unterstützt die Montage
» Sackkarren
und blank polierte Sackrutschen haben ausgedient, die neue Einrichtung bringt Vereinfachungen, Zeitersparnis und mehr Genauigkeit. Nicht nur beim schönen, alten Stadel blieb kein Stein auf dem anderen – einmal mehr wich die Vergangenheit der Zukunft. „Eine Zukunft, die spannend und reich an Herausforderungen sein wird. Sie wird unter anderem auch ein Spiel der Kräfte sein,“ so Peter Rieper bezugnehmend auf die Symbolik von Habichers Skulptur. „Eine Vielzahl an Kräften, die eigenen und die fremden, die Kraft der
Märkte und die Kraft der Natur, Kräfte neuer Technologien und vor allem die Kraft der Vernunft, werden bestimmend sein. Alle Kräfte im Auge zu behalten, sie einzuschätzen, ihnen zu begegnen, sie zu steuern und in gemeinsamer Verantwortung in die richtige Richtung zu lenken, wird die Aufgabe der kommenden Generationen sein. Vor dem Hintergrund der vielen Erfahrungen, mit dem nötigen Herzblut und den geeigneten Mitarbeitern wird es gelingen, sich auch in Zukunft erfolgreich weiter zu entwickeln.“
Willkommen in der Gegenwart
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Gemeinsam für den Erfolg von Rieper
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Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 2011: Aimi Mario, Alber Markus, Aloisi Alberto, Aumer Wolfgang, Ausserlechner Andreas, Ausserlechner Reinhard, Bellutti Günther, Bergmeister Erich, Bergmeister Verena, Brugger Peter, Brunner Andreas, Brunner Benjamin, Brunner Christine, Brunner Lorenz, Cakic Marija, Caserotti Cristian, Chiodega Franco, Conelli Carlo Alberto, Daberto Alfred, Delfauro Franz, Dissertori Reinhard, Ebner Maria, Engl Brigitte, Engl Christof, Engl Christoph, Engl Johann, Engl Valentin, Faller Walter, Faltner Norbert, Fischnaller Elmar, Frizzi Ruggero, Gasser Paul, Gasser Thomas, Gatterer Alfred, Graber Eduard, Gruber Alexander, Grunser Alexander, Grunser Anton, Grunser Georg, Hitthaler Raimund, Hofer Alexander, Huber Alexander, Huber Artur, Huber Gerhard, Huber Heinrich, Huber Josef, Kloeren Ralf Peter, Klotz Valentin, Knollseisen Harald, Krautgartner Michael, Lamprecht Arnold, Lamprecht Arthur, Lamprecht Bernhard, Lechner Angelika, Lechner Arnold, Leitner Anton, Leitner Erwin, Leitner Erwin, Leitner Helmuth, Leitner Thomas, Neumair Oswald, Niedermair Bernhard, Niedermair Helmut, Niedermair Martin, Obergolser Kurt, Obergolser Monika, Oberhuber Hanspeter, Oberhuber Maria, Obexer Karin, Obrist Florian, Palla Konrad, Piffrader Florian, Pircher Albert, Poehl Andreas, Purdeller Albert, Purdeller Herbert, Purer Adolf, Purer Bernhard, Putzer Hannes, Radmüller Armin, Radmüller Egon, Radmüller Markus, Reichegger Daniela, Ritsch Paul, Schmiedhofer Maria, Schneider Christoph, Seebacher Raimund, Spinella Paolo, Steger Luisa, Steger Hanspeter, Stocker Markus, Stoll Franz, Stolz Michael, Thaler Armin, Unterhofer Helmuth, Unterhuber Erna, Unterhuber Karl, Unterkircher Josef, Unterpertinger Filipp, Unterthiner Maria, Volgger Alfred, Volgger Josef, Volgger Matthias, Volgger Rudolf, Von Mersi Wilfried, Von Wenzl Dominik, Weiermaier Stefan, Weissteiner Anna, Weissteiner Manfred, Weissteiner Markus, Weissteiner Matthias, Weissteiner Peter, Weissteiner Richard, Weissteiner Wolfgang, Zingerle Christian, Zingerle Paul.