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Volkskrankheiten

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VOLKSKRANKHEITEN

Leben mit Krebs und chronischen Krankheiten

Menschlich.

Gemeinsame Nothilfe, die von Herzen kommt. Dank Ihrer Solidarität!

Aktion-Deutschland-Hilft.de

Bündnis der Hilfsorganisationen

IMPRESSUM

Gesundheitskompetenz stärken

Volkskrankheiten zählen zu den größten gesundheitlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Allein Erkrankungen wie Herz-KreislaufLeiden, Krebs und Depressionen betreffen in Deutschland Millionen von Menschen – oft mit weitreichenden Folgen für Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit und Gesundheitssystem. Hinzu kommt: Immer mehr Menschen werden immer älter mit der Folge einer Zunahme chronischer Krankheiten.

Daher gilt: Prävention, Früherkennung und innovative Therapien müssen konsequent vorangetrieben werden. Es liegt in unser aller Verantwortung, nicht nur die eigene, sondern die Gesundheit der Bevölkerung langfristig zu stärken und Volkskrankheiten wirksam einzudämmen. Gesundheitskompetenz ist dabei der Schlüssel zu einem gesundheitsförderlichen Verhalten. Viele spannende Erkenntnisse beim Lesen wünscht Ihnen

INHALTSVERZEICHNIS

Schwachstelle Gesundheitsverhalten — 4

LEITARTIKEL

BAUCHSPEICHELDRÜSENKREBS

BLASENKREBS

BRUSTKREBS

RÜCKENSCHMERZEN

ILIOSAKRALGELENK

LUNGENKRANKHEITEN

AUGENERKRANKUNGEN

LONGEVITY

SCHLAFSTÖRUNGEN

WELTWEITE GESUNDHEITSVERSORGUNG

DEPRESSIONEN

ALKOHOLSUCHT

Ist diese Dreifachtherapie der Durchbruch? — 6

Warnzeichen Blut im Urin — 7

„Ich bin nur am Leben, weil ich zur Vorsorge gegangen bin“ — 8

Entsteht die Pein im Kopf? — 10

Die unterschätzte Problemzone — 11

Risikofaktor Rauchen — 12

Rheuma im Auge? — 12

Ein Teller voller Lebensjahre — 14

Warum erholsame Nächte so wichtig sind — 15

Gesundheit für alle — 16

Wenn die Psyche schnelle Hilfe braucht — 17

Entzug heute: sanft, aber ganzheitlich effektiv — 18

Projektmanagement Myriam Krämer, myriam.kraemer@reflex-media.net Redaktion Nadine Effert, Mark Krüger, Tobias Lemser Layout Silke Schneider, grafik@reflex-media.net Fotos iStock / Getty Images, Coverbild iStock / T. Tungateja Druck Badische Neueste Nachrichten Badendruck GmbH V.i.S.d.P. Redaktionelle Inhalte Nadine Effert, redaktion@reflex-media.net Weitere Informationen Pit Grundmann, pit.grundmann@reflexmedia.net, Reflex Verlag GmbH, Hackescher Markt 2–3, D-10178 Berlin, T +49 (0)30 / 200 8949 0, www.reflex-media.net Diese Publikation des Reflex Verlages erscheint am 5. Mai 2026 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Reflex Verlag und die Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH sind rechtlich getrennte und redaktionell unabhängige Unternehmen. Inhalte von Werbebeiträgen wie Unternehmens- und Produktporträts, Interviews, Advertorials, Anzeigen sowie Gastbeiträgen und Fokusinterviews geben die Meinung der beteiligten Unternehmen beziehungsweise Personen wieder. Die Redaktion ist für die Richtigkeit der Beiträge nicht verantwortlich. Die rechtliche Haftung liegt bei den jeweiligen Unternehmen.

Für uns steht die bestmögliche Lesbarkeit der Texte an erster Stelle. Deshalb verwenden wir in der Publikation auch das generische Maskulinum – diese Personenbezeichnungen stehen für alle Geschlechter. Wir sind dabei

Aktion Deutschland Hilft e. V. 2 www.Aktion-Deutschland-Hilft.de

Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e. V. 4 www.carreras-stiftung.de

Chemische Fabrik Kreussler & Co. GmbH 4 www.venen-im-check.de

Herbacin cosmetic GmbH 5 https://herbacin.com/de

Stiftung Kampf dem Bauchspeicheldrüsenkrebs c/o Universitätsklinikum Ulm 6 www.pankreasstiftung.de

Merck KGaA 7 www.merckgroup.com/de

Swiss Mountain Clinic AG 9 www.swissmountainclinic.com/de

Caritas Gesundheit Berlin gGmbH 10 www.caritas-gesundheit.de/ zentren/wirbelsaeulenzentrumberlin

SI-BONE Deutschland GmbH 11 https://si-bone.de

Gesellschaft für Alpha-1-AntitrypsinMangel-Erkrankte e. V. 12 www.alpha1-deutschland.org

Alimera Sciences Ophthalmologie GmbH 13 https://alimerasciences.de

Epigenics GmbH 14 https://epigenics.eu

GAIA AG 15 & 17 https://gaia-group.com

CARE Deutschland e. V. 16 www.care.de

LIFESPRING GmbH 19 www.lifespring.de

Deutsche Welthungerhilfe e. V. 20 www.welthungerhilfe.de

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Schwachstelle Gesundheitsverhalten

LEITARTIKEL | VON NADINE EFFERT

Sind Volkskrankheiten die neue Normalität?

Scheinbar, denn fast jede Person kennt Betroffene im eigenen Umfeld, viele Menschen sind selbst betroffen. Millionen Deutsche kämpfen täglich mit chronischen Erkrankungen, die das Gesundheitssystem belasten und die Lebensqualität mindern. Dabei ließen sich viele Krankheiten vermeiden – durch unser eigenes Zutun und eine bessere Präventionspolitik.

Deutschland hat eines der leistungsfähigsten Gesundheitssysteme der Welt. Hinsichtlich des Zugangs der Bevölkerung belegt Deutschland im europäischen Vergleich sogar Platz eins –das ist das Ergebnis einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) aus dem letzten Jahr. Das läge an einem umfangreichen Leistungskatalog, geringen Zuzahlungen, kurzen Wartezeiten und einem schnellen Zugang zu innovativen Medikamenten. Gleichzeitig liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland mit 81,2 Jahren knapp unter dem EU-Durchschnitt von 81,5 Jahren und weit unter den 84,2 Jahren in der Schweiz. Wie passt das zusammen?

Auch darauf hat die Studie eine Antwort: Das Gesamtranking zum gesundheitlichen Verhalten der Bevölkerung betrachtend, findet man Deutschland nämlich auf dem letzten Platz.

Unterschätzte Risikofaktoren

Hier ein paar ernüchternde Zahlen: 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland trinken mindestens einmal im Monat exzessiv Alkohol – deutlich mehr als im EU-Durchschnitt. Jeder vierte Erwachsene greift regelmäßig zur Zigarette. Nur etwa die Hälfte der Erwachsenen erfüllen die Empfehlung der World Health Organization (WHO) von mindestens 150 Minuten körperlicher Aktivität pro Woche. 53 Prozent sind übergewichtig oder adipös. Auch die Ernährungsgewohnheiten der Deutschen schneiden im Vergleich schlecht ab: Beim Verzehr von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten gehören wir zu den Schlusslichtern, und es wird durchschnittlich fast dreimal so viel Zucker konsumiert, wie von der WHO empfohlen. Bemerkenswert: Laut Expertenschätzungen hängen 40 Prozent aller mit Krebs und 80 Prozent aller mit Herz-Kreislauf-Krankheiten assoziierten Todesfälle mit diesen Lebensstilfaktoren zusammen. Menschen im Alltag hingegen mit einem guten Gesundheitsverhalten leben länger – und zwar laut einer US-Studie eines Forschungsteams der University of Illinois bei Menschen um die 40 mehr als 20 Jahre. „Wir waren wirklich überrascht, wie viel man mit der Einführung von einem, zwei, drei oder allen Lebensstilfaktoren

gewinnen konnte", bilanziert die Erstautorin Xuan-Mai Nguyen. Auch im gesetzten Alter erhöhe der Wechsel zu einem gesunden Lebensstil noch die Lebenserwartung. „Je früher, desto besser, aber selbst wenn Sie mit 40, 50 oder 60 nur eine kleine Änderung vornehmen, ist es immer noch von Vorteil.“

Hohe Kosten Volkskrankheiten belasten das System und die Wirtschaft in zunehmendem Maße. Laut dem Statistischen Bundesamt verursachen Volkskrankheiten direkte Kosten von über 490 Milliarden Euro jährlich. Arbei tsausfälle durch Krankheit kosten zusätzlich bis

SCHON GEWUSST?

Auch Hautkrankheiten wie Neurodermitis, Schuppenflechte und Akne sind aufgrund ihrer starken Verbreitung Volkskrankheiten. Sie führen neben den körperlichen Symptomen häufig zu einer hohen psychischen Belastung und Stigmatisierung der Betroffenen. Gerade in solchen Zeiten ist die passende Pflege entscheidend, weil sie die Haut schützt und beruhigt. Darauf macht auch der World Skin Health Day am 8. Juli aufmerksam.

Was haben Hämorrhoiden und Krampfadern gemeinsam?

Werbebeitrag –Indikationsporträt

Hämorrhoidalleiden und Krampfadern sind Volkskrankheiten, die sowohl Männer als auch Frauen betreffen. Sie lassen sich mit einer schonenden Behandlung gut kontrollieren.

Hellrotes Blut beim Stuhlgang wird in den meisten Fällen durch das Hämorrhoidalleiden verursacht und sollte zeitnah in einer proktologischen Praxis abgeklärt werden. Nur so können ernstere Ursachen ausgeschlossen werden. Erweiterte Äderchen oder gar geschlängelt aus der Haut hervortretende Venen an den Beinen weisen auf Krampfadern hin. Hier wird das Aufsuchen einer Venenfacharztpraxis empfohlen, denn unbehandelt können schwere Folgeerkrankungen wie Thrombosen auftreten.

Beide Erkrankungen sind chronisch, sodass nach jeder Behandlung erneut Beschwerden auftreten können. Doch sie lassen sich mit der minimalinvasiven Sklerotherapie gut in den Griff bekommen. Ambulant, schmerzarm, ohne Schnitte und jegliche Narkose kann man direkt nach der nur wenige Minuten andauernden Behandlung wieder seinem normalen Alltag nachgehen. Mehr dazu hier:

www.venen-im-check.de

zu 221 Milliarden Euro pro Jahr. HerzKreislauf-Erkrankungen, psychische Störungen, Muskel-Skelett-Erkrankungen und Krebs waren zuletzt die kostenintensivsten Posten. Über die Hälfte der Kosten entstehen bei Personen ab 65 Jahren – das erklärt sich dadurch, dass auch das Alter ein relevanter, allerdings nicht beeinflussbarer Risikofaktor für die meisten weitverbreiteten ist und dank der medizinischen Fortschritte viele einst tödlich endende Krankheiten heute chronisch und gut behandelbar sind – wie zum Beispiel im Fall von HIV/Aids.

Zunahme chronischer Krankheiten

Chronische physische und psychische Erkrankungen betreffen mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland, so die aktuellste Zahl des Robert Koch-Instituts (RKI) aus 2024. Sie gehen mit einem erhöhten Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen und vorzeitige Sterblichkeit einher und können mit Infektionskrankheiten interagieren. Prognosen zeigen, dass chronische Krankheiten zunehmen: zum Beispiel bis 2050 laut Statista Krebs um 27 Prozent, Herzinfarkt um 75 Prozent und Demenz um 113 Prozent. So oder so leiten sich daraus ein erheblicher langfristiger Versorgungsbedarf ab sowie die Notwendigkeit, gesundheitsfördernde und krankheitsvorbeugende Maßnahmen zu ergreifen.

Nachholbedarf bei Prävention Doch Fakt ist: Prävention ist immer noch das schwächste Glied im System. Das belegt der Public Health Index 2025, der von der AOK und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) herausgegeben wurde. Deutschland liegt bei der

Rauchen

Alkoholkonsum

Bewegungsmangel

ungesunde Ernährung

Stress

Präventionspolitik auf dem 17. von 18 Plätzen und ist weit von europäischen Best Practices entfernt. „Daher müssen wir endlich konsequent auf Prävention setzen“, sagt Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer anlässlich der Veröffentlichung des Public Health Index, der nun alle zwei Jahre erscheinen soll. „Dazu gehört erstens, die Steuern auf Nikotin, Alkohol und Zucker zu erhöhen, um Konsum zu reduzieren und Präventionsprogramme zu finanzieren. Zweitens muss die Bundesregierung Prävention und Gesundheitsförderung ressortübergreifend verankern und alle Gesetzesvorhaben auf ihre gesundheitlichen Auswirkungen prüfen. Drittens brauchen wir konkrete Präventionsziele, die gemeinsam mit allen relevanten Akteuren entwickelt und umgesetzt werden.“ Was es unterm Strich

Übergewicht

Darstellung

Quelle: eigene

braucht, ist ein grundlegender Perspektivenwechsel – weg von der reinen Reparaturmedizin hin zu einer konsequenten Präventionsstrategie.

Das bedeutet auch: gesündere Lebenswelten schaffen – in Schulen, am Arbeitsplatz, in Städten – sowie gesundheitliche Bildung stärken und soziale Ungleichheiten gezielt reduzieren. Genauso elementar ist Forschung zu Volkskrankheiten zur Verbesserung von Prävention, Diagnostik und Therapie, wie sie unter anderem an den Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) seit 2019 betrieben wird. Nicht zu vergessen: In digitalen Lösungen, personalisierter Medizin und interdisziplinären Ansätzen schlummert Potenzial, das es im Kampf gegen Volkskrankheiten aufzuwecken gilt. 

Es gibt Phasen, da reagiert die Haut sensibel. Unreinheiten, Trockenheit, Pigmentveränderungen oder Rötungen sind nicht nur ein optisches Thema – sie können das Wohlbefinden spürbar beeinträchtigen. In solchen Phasen braucht es keine schnellen Versprechen, sondern eine verlässliche Pflege, die die Haut nicht überfordert.

Die Skin Solutions Serie von Herbacin folgt genau diesem Ansatz. Aloe Vera, Ringelblume und Kamille – bewährte Pflanzenextrakte, die für ihre hautberuhigenden und regenerationsunterstützenden Eigenschaften bekannt sind – bilden die Grundlage und werden durch moderne Wirkstoffe, die gezielt auf unterschiedliche Hautbedürfnisse abgestimmt sind, ergänzt.

Qualität seit 1905

Pflanzenbasierte und hautverträgliche Inhaltsstoffe

Natürlich parabenfrei, mineralölfrei und ohne tierische Rohstoffe

Wenn Hautpflege wieder Vertrauen schafft

Die Skin Solutions Serie setzt damit auf ein ausgewogenes Pflegekonzept, das die Haut stärkt – sanft, aber effektiv. Dank innovativer Pflegeformeln wird die natürliche Balance der Haut unterstützt, ihre Feuchtigkeit

bewahrt, die Hautbarriere gestärkt und Irritationen gemildert. Auch empfindliche oder strapazierte Haut findet so eine durchdachte, gut verträgliche Begleitung im Alltag.

Die Herbacin Skin Solutions Serie verbindet traditionelles Heilpflanzenwissen mit modernem Hautpflege-Know-how. Wirksam und verträglich – für ein sichtbar beruhigtes, ausgeglicheneres Hautbild und ein angenehmes Hautgefühl.

Ist diese Dreifachtherapie der Durchbruch?

BAUCHSPEICHELDRÜSENKREBS | VON TOBIAS LEMSER

Angesichts ihrer Lage, tief verborgen im Bauchraum, werden Pankreaskarzinome oft erst spät entdeckt – mit verheerenden Aussichten auf die Überlebensrate. Um diese erheblich zu verbessern, haben spanische Forschende jüngst Erfolg versprechende Erkenntnisse gesammelt.

Ob Schmerzen im Oberbauch, ungewollter Gewichtsverlust oder eine Gelbfärbung von Haut und Augen: Warnsignale, die in Kombination für Bauchspeicheldrüsenkrebs sprechen können und zeitnah medizinisch abgeklärt werden sollten.

Resistenz gegen Therapien

Jedes Jahr erkranken in Deutschland über 20.000 Menschen neu an dieser besonders

die Immuntherapie wirken nur geringfügig, da der Tumor das Immunsystem aktiv unterdrückt. Fachleute gehen davon aus, dass das Pankreaskarzinom im Jahr 2030 die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache in Deutschland sein wird.

Heilung für die Mehrzahl?

Die Bauchspeicheldrüse ist essenziell für Verdauung und Blutzucker.

Doch es gibt auch hoffnungsvolle Nachrichten: Denn Forschende des spanischen Nationalen Krebsforschungszentrums (CNIO) haben jüngst eine Therapie gegen resistente Pankreastumoren entwickelt. Wie im Februar in der US-amerikanischen Fachzeitschrift „PNAS“ veröffentlicht, gelang dies in Tiermodellen mit Mäusen mittels einer kombinierten Dreifachtherapie. Diese beabbaut. Dadurch bildeten sich die Tumoren des

HANS BEGER STIFTUNG

In Deutschland erkrankten im Jahr 2025 in etwa 21 000 Menschen neu an Bauchspeicheldrüsenkrebs ; eine alarmierende Steigerung um jährlich circa 1 000 Neuerkrankungen Nur etwa einem Drittel der Erkrankten kann durch eine Operation in Kombination mit Chemotherapie wirksam geholfen werden; zwei Drittel haben ein weit fortgeschrittenes, meist metastasiertes Tumorstadium, und eine Operation kann nicht mehr helfen

Die chirurgische Therapie mit vollständiger, lokaler Karzinomentfernung in Kombination mit präoperativer und/oder postoperativer Chemotherapie bewirkt zwar heute einen Überlebenszeitgewinn von zwei bis vier Jahren Die große Krebsoperation ist jedoch mit Risiken und die Chemotherapie, auch in Kombination mit Immuntherapie, mit erheblichen, die Lebensqualität einschränkenden Nebenwirkungen verbunden

Die Hans Beger Stiftung „Kampf dem Bauchspeicheldrüsenkrebs“ widmet sich seit 1991 bzw 2003 der Hilfe von Patientinnen und Patienten, die durch diese Krebserkrankung in Not geraten sind Neben der unabhängigen Beratung wirbt die Stiftung Spendengelder ein und konnte durch den Erhalt von Großspenden Forschungsprojekte an den Universitäten München (TUM), Ulm, Ulm/Heidelberg und Charité Berlin substanziell fördern Weitere Forschungsförderung ist unser Ziel

Immuntherapie bei Pankreaskarzinom

Bei R0 Resektion des Pankreaskarzinoms und adjuvanter, sequentioneller Behandlung mit Atezolizumab (einem Checkpointinhibitor), autogenem Cevumeran (individualisierte Neoantigen-Impfung) und modifiziertem Folfirinox (Chemotherapie) zeigen 8 Patienten Ansprechen mit einem verlängerten, rekurrenzfreien Überlebensvorteil im Vergleich zu Nicht-Ansprechen bei 8 Patienten

KAMPF DEM KREBS DER

BAUCHSPEICHELDRÜSE

Bei Ansprechen bewirkte das autogene Cevumeran CD8positive Zellklone gegen Pankreaskarzinomzellen (Nature 2025) Als Folge der positiven Wirkung der Immun/Chemotherapie läuft eine Phase- I/II- Studie (zur Prüfung von Wirksamkeit und Sicherheit) mit adjuvant autogenem Cevumeran plus Atezolizumab und mFolfirinox im Vergleich zu mFolfirinox ohne Immuntherapie (Clinical Trials Gov ID NCT05968326) Eine auf das spezielle Patientenkarzinom individualisierte Immuntherapie steht derzeit als Routinetherapie in Studien noch nicht zur Verfügung Patienten mit einer sogenannten ‚Mikrosatelliteninstabilität‘ (ca 8%) haben mit einer gezielten, meist zusätzlichen Immuntherapie eine gute Chance, den Tumor zu beherrschen

MIT IHRER SPENDE UNTERSTÜTZEN SIE NACHHALTIG:

• Beratung und Hilfe für Betroffene

• Förderung von Forschungsprojekten zur Immuntherapie

• Aufklärung von Patienten und Ärzten über gutartige Vorstufen des Krebses

• Aufklärung über Nikotin und Alkohol als krebserzeugende „Genussmittel“

• Klinische Forschungsprojekte zur Verbesserung der individuellen Therapie bei fortgeschrittenem Krebsstadium

Kontakt: sekretariat@beger-ulm.de info@pankreasstiftung.de Tel. 0731/144 108 11

„Ich habe persönlich über 2.000 Operationen an der Bauchspeicheldrüse ausgeführt und feststellen müssen, dass ich bei Patienten mit Krebs der Bauchspeicheldrüse als Chirurg selten Heilung von der Krebserkrankung, häufig leider nur Lebensverlängerung erreichen konnte.“

Prof. Dr. Hans G. Beger hat 1991 in Ulm die European Study Group of Pancreatic Cancer (ESPAC) gegründet und aufgebaut. Die Studienergebnisse von ESPAC 1 über die Wirksamkeit der adjuvanten Chemotherapie haben weltweit zu einer signifikanten Verlängerung des Überlebens nach operativer Tumorentfernung geführt

Spendenkonto BW Bank Ulm: DE73 6005 0101 7439 5026 91 Informationen über unseren QR-Code ODER www.pankreasstiftung.de

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Warnzeichen Blut im Urin

BLASENKREBS | VON MARK KRÜGER

Der Mai ist „Bladder Cancer Awareness Month“: Er sensibilisiert für Risken, Symptome und Therapiemöglichkeiten bei Blasenkrebs. Da es keine standardmäßige Vorsorgeuntersuchung für diese Krebsart gibt, kann das Achten auf erste Warnzeichen bei der Früherkennung helfen – und das vor allem bei Frauen.

Blut im Urin oder braun gefärbter Harn? Probleme oder Brennen beim Wasserlassen? Immer wieder das Gefühl einer „Blasenentzündung“? Schmerzen im Unterleib? Diese unspezifischen Symptome können, müssen aber nicht auf Blasenkrebs hinweisen, erfordern aber definitiv eine ärztliche Abklärung. An Blasenkrebs, dessen Hauptrisikofaktor das Rauchen ist, er-

Die meisten Harnblasenkarzinome lassen sich sehr gut behandeln.

kranken in Deutschland jährlich rund 31.000 Menschen – meist in einem Alter von über 70. Mit mehr als 23.000 Betroffenen erwischt diese Krebsart Männer weitaus häufiger als Frauen.

Gefahr bei Frauen unterschätzt

Die andere Kehrseite der Medaille: Frauen werden oft später diagnostiziert mit entsprechend schlechteren Prognosen. Ein Grund: Untersuchungen zeigen, dass Frauen mit ihren Beschwerden zeitverzögert in eine urologische Praxis kommen, da Blut im Harn oft mit einer Blasenentzündung, einem Harnwegsinfekt oder einer Zwischenblutung abgetan wird. Häufig kommt es, vor allem bei Frauen unter 70, aber auch zu Fehldiagnosen. In einer Befragung der World Bladder Cancer Patient Coalition kam heraus, dass 18 Prozent der befragten Frauen mit Blasenkrebs mindestens fünfmal eine Arztpraxis aufgesucht haben, bevor an eine potenzielle Krebserkrankung gedacht wurde.

Möglichkeiten der Behandlung

Auch ein Ergebnis der Studie: 54 Prozent aller befragten Menschen gaben an, nicht über Anzeichen und Symptome Bescheid zu wissen. Verheerend, denn je früher ein Karzinom an dem innerhalb des kleinen Beckens liegenden Organ entdeckt wird, desto größer die Chance, dass der Tumor sich auf die Blasenschleimhaut begrenzt, also nicht muskelinvasiv ist. Laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist dies bei 75 von 100 Betroffenen der Fall. Er kann

SCHON GEWUSST?

Fragen zum Leben mit und nach Blasenkrebs?

Die Ärztinnen und Ärzte des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) geben Ihnen dazu kostenlos Hintergrundinformationen

• am Telefon täglich von 8 bis 20 Uhr unter 08 00/4 20 30 40 oder

• über krebsinformationsdienst@dkfz.de.

operativ sehr gut entfernt werden. Allerdings ist die Rückfallrate hoch, was engmaschige Nachkontrollen erfordert.

Beim Rest handelt es sich um einen invasiven Tumor, der in die Muskelschicht der Blasenwand hineingewachsen ist und in der Regel einer Entfernung der gesamten Harnblase bedarf. Haben sich bereits Metastasen gebildet, ist zudem eine systemische Behandlung erforderlich. Neben der etablierten Chemotherapie, die Krebszellen abtötet, gibt es heutzutage auch die Möglichkeit – nach Versagen der Chemo oder als Erhaltungstherapie –, eine Immuntherapie mit sogenannten Checkpoint-Inhibitoren einzusetzen, die über das körpereigene Immunsystem wirkt. 

Chemotherapie heute: eine echte Chance

Blut im Urin – ein Moment, der alles veränderte. Für den Zahnarzt Karsten Fischer folgte die beängstigende Diagnose: Blasenkrebs. Doch seine Geschichte wird zum Plädoyer gegen die Angst. Sie ermutigt dazu, das kulturelle Zerrbild der Chemotherapie zu hinterfragen und sie nicht als Synonym für körperlichen Niedergang zu sehen, sondern als echte Option, die in vielen Fällen Lebenszeit schenken kann.

Zahnarzt Karsten Fischer, 59, stand mitten im Leben, als ein Symptom keinen Aufschub duldete: Blut im Urin. Die Diagnose Urothelkarzinom – Blasenkrebs – traf ihn völlig unvorbereitet. „Ich hätte nie gedacht, dass mich das betreffen könnte“, sagt er. Initiativen wie „Rot heißt reden“ setzen hier an: Sie schärfen das Bewusstsein, das Warnsignal sofort ernst zu nehmen, denn eine frühe Diagnose ist oft entscheidend für den Behandlungserfolg.

Der Bruch der Sicherheit Für Fischer folgten Operation, Tumor-Entfernung, Reha. Er hoffte, das Kapitel damit schließen zu können. Doch die Sicherheit zerbrach Wochen später an einem Kontroll-CT: Es zeigte

Schatten auf der Lunge. Damit war für den behandelnden Professor klar: „Wir empfehlen eine Chemotherapie.“

Dieser Satz entzog Fischers Zuversicht den Boden. Während er die Operation als notwendiges Handwerk akzeptierte, war die Chemotherapie für ihn ein „Phantom des Kontrollverlusts“.

Alltag statt Ausnahmezustand Doch die Diskrepanz zwischen Erwartung und klinischer Realität hätte kaum größer sein können. Das Bild des Patienten, der permanent unter heftiger Übelkeit und Erbrechen leidet, bewahrheitete sich für Fischer nicht. „Die

Szenen ständiger Übelkeit, wie man sie aus Filmen kennt, blieben mir erspart “, resümiert er. Dank moderner Begleitmedikation blieb Fischer handlungsfähig. Statt sich zu isolieren, hielt er an Strukturen fest: Er ging regelmäßig in die Praxis, erledigte Büroarbeiten und verteidigte so ein Stück Lebensqualität gegen die Krankheit. Zwar forderten Müdigkeit und temporäre Taubheitsgefühle ihren Tribut, doch Fischer begriff sie nicht als Niedergang, sondern als Investition in die Genesung. Im zweiten Kontroll-CT zeigte sich schließlich, dass die Schatten rückläufig waren. „Das hat mir Auftrieb gegeben.“

Ein Vertrag mit der Zukunft Dass die Krankheit nicht mehr seine Gedanken dominierte, zeigte eine beiläufige finanzielle Entscheidung: Kurz nach der Chemotherapie finanzierte Fischer ein neues Auto über mehrere Jahre. Erst auf dem Heimweg wurde ihm die Tragweite bewusst, denn im Moment des Kaufs hatte er völlig vergessen, dass er Krebspatient war. Er hatte intuitiv auf Zukunft gesetzt. Heute arbeitet Karsten Fischer wieder voll in seiner Zahnarztpraxis. Sein persönliches Fazit zur Chemotherapie: „Ich bin froh, dass ich mich darauf eingelassen habe.“ Die Chemotherapie war kein Spaziergang, aber für ihn war sie das Ticket zurück ins Leben.

Das vollständige Interview wird als Podcast auf der Webseite verlinkt

Sieht die Chemotherapie nicht mehr als Feind, sondern als Chance: Karsten Fischer, 59, Zahnarzt, im Interview (rechts)
„Ich bin nur

am Leben,

weil ich zur Vorsorge gegangen bin“

BRUSTKREBS | IM GESPRÄCH MIT NADINE EFFERT

Die Sängerin und Musikerin Patricia Kelly erkrankte im Jahr 2009 an einer aggressiven Brustkrebs-Vorstufe. Heute gilt sie als geheilt. Die 56-Jährige erzählt, wie sich ihr Leben nach der Diagnose verändert hat, warum man hellhörig werden sollte, wenn es Brustkrebs in der Familie gibt, und warum sie ihre Reichweite auch gerne mal für einen lebensrettenden Zweck „missbraucht“.

Patricia, du bist erst zwölf Jahre alt gewesen, als deine Mutter Barbara-Ann nur wenige Monate nach der Diagnose an Brustkrebs verstarb. Was hat dieser Schicksalsschlag damals mit dir gemacht? Die ganze Familie stand unter Schock, als wir von der Erkrankung erfuhren. Unser Leben, unser Alltag – alles war von einem auf den anderen Moment komplett anders. Der Tod meiner Mutter war ein schwerer Verlust und ein tiefer Einschnitt in meinem Leben, denn von da an musste ich – gemeinsam mit meiner älteren Schwester Kathy – die Verantwortung für die

vorliegen und, falls ja, eine engmaschige Kontrolle vonnöten ist.

Wie ging es dir in dem Moment, als du die Nachricht erhalten hast? Woran erinnerst du dich? Erst einmal brach für mich eine Welt zusammen. Die Erinnerungen an den Tod meiner Mutter kamen hoch und vor allem die Angst, dass meine Kinder, zu diesem Zeitpunkt waren sie sechs und acht Jahre alt, ihre Mutter auch so früh verlieren könnten. Ich wollte ihnen mit meiner ganzen zur Verfügung stehenden Kraft diesen Schmerz ersparen und gegen den Krebs kämpfen. Dieser Wille, mein Glaube und mein Mann haben mir in dieser Zeit besonders viel Kraft gegeben.

Was passierte dann? Das gesamte Gewebe wurde aus der rechten Brust entfernt, sprich eine Mastektomie durchgeführt, und durch eine Prothese ersetzt. Es ist ein radikaler Eingriff, der allerdings nötig war und mir das Leben gerettet

jüngeren Geschwister übernehmen. Mein Vater fiel in eine Depression. Damals gab es leider noch nicht die Beratung, psychologische Hilfe und finanzielle Unterstützung für Angehörige von Menschen mit Krebs, wie sie heutzutage existiert. Es war eine harte Zeit, die wir irgendwie gemeinsam gerockt haben.

Mit 39 Jahren, das war im Jahr 2009, hast du selbst die Diagnose Brustkrebs bekommen. Du hattest Glück im Unglück, da der Krebs in deiner rechten Brust rechtzeitig entdeckt worden ist, richtig? Ja, das stimmt. Ich bin zum Glück zur Vorsorge gegangen – und dieser Schritt hat mir das Leben gerettet. Die Mammografie brachte eine aggressive Vorstufe eines, wie sich im Zuge dessen herausstellte, familiären Brustkrebses, der auf einer Genmutation beruht, zutage. Ein Gentest gibt Aufschluss darüber, ob und welche Mutationen im Erbgut

hat. Ich bin seitdem krebsfrei und gelte als geheilt. Zur Vorsorge gehe ich natürlich weiterhin, zweimal im Jahr werden jeweils ein Ultraschall und ein MRT gemacht. Es ist immer wieder ein kleiner Angang für mich, da die Angst, es könne wieder etwas entdeckt werden, mitspielt. Doch die Belohnung ist im Idealfall das sichere Gefühl, dass alles gut ist – und falls nicht, eben direkt gehandelt werden kann.

Würdest du sagen, dass du heute dennoch anders durchs Leben gehst? Auf jeden Fall! Im Bewusstsein, dass das Leben ein kostbares Geschenk ist, das man grundsätzlich nicht für selbstverständlich nehmen sollte. Ich lebe bewusster, achte mehr auf mich und meine Gesundheit. Eine Stunde Walking am Tag an der frischen Luft ist für mich ein Muss. Gezielt Auszeiten schaffen, öfters mal einen Gang runterschalten und Verantwortung abgeben – zugegeben: alles

nicht so einfach für mich (lacht) –, das habe ich im Rahmen meiner Therapie gelernt.

Du bist seit vielen Jahren Botschafterin für mehrere Stiftungen, unter anderem für den Verein Brustkrebs Deutschland e. V., und nutzt auch deine Reichweite, etwa auf Instagram, um bei deinen Fans auf das Thema Brustkrebs aufmerksam zu machen. Was liegt dir dabei besonders am Herzen? Ich möchte ein Bewusstsein schaffen für die Bedeutung der Krebsvorsorge. Insbesondere bei Brustkrebs, den übrigens auch Männer bekommen können, stehen die Chancen auf Heilung aufgrund der verbesserten Therapieoptionen und der spezialisierten, interdisziplinären Versorgung in zertifizierten Brustkrebszentren gut – vorausgesetzt, der Tumor wird rechtzeitig entdeckt. Diese Tatsache sollte jede Frau dazu motivieren, zur Vorsorge zu gehen. Wir haben heute diese Möglichkeit, die unsere Mütter und Großmütter früher nicht hatten.

Und Engagement zahlt sich aus. Definitiv. In den vergangenen Jahren habe ich zum Beispiel immer wieder Feedback von Frauen erhalten, die nach meinen Aufrufen auf Social Media zur Vorsorgeuntersuchung gegangen sind. Neulich, bei einer Autogramm-Stunde, bedankte sich ein Fan weinend bei mir, da auch ihr das Leben gerettet wurde. Es ist nur ein Anruf, ein Termin, eine Untersuchung. Es lohnt sich wirklich, Aufmerksamkeit für dieses wichtige Thema zu schaffen – und Impulse kann jeder Mensch, auch im kleinen Umfeld, setzen. 

SCHON GEWUSST?

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Etwa 13 von 100 Frauen bekommen im Laufe ihres Lebens die Diagnose „Mammakarzinom“. Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut 70.550 Frauen und 740 Männer neu daran. Zunehmend sind auch Jüngere betroffen.

Schleimhäute

und

Mikrobiom:

die unterschätzte Rolle in der Krebstherapie

Dr. med. Petra Wiechel, Chefärztin Swiss Mountain Clinic, zeigt, welche Rolle die Zusammensetzung des Mikrobioms für den Erfolg einer Krebsbehandlung spielt und wie Ernährung und neuromodulatorische Verfahren die Regulation des Organismus unterstützen.

Viele Menschen mit einer Krebserkrankung erleben während oder nach der Therapie, dass ihr Körper anders reagiert als zuvor. Die Mundschleimhaut brennt, der Geschmack verändert sich, Infekte häufen sich, die Verdauung funktioniert nicht mehr wie gewohnt. In der Praxis höre ich dann oft den Satz: Das wird schon wieder. Manchmal stimmt das. Manchmal zeigt sich darin aber, dass sich das innere Milieu bereits deutlich verschoben hat.

Solche Veränderungen beginnen häufig nicht erst mit der Krebstherapie. Sie bestehen oft schon länger, bleiben jedoch im Hintergrund, solange der Organismus noch genug Kraft hat, sie auszugleichen. Erst wenn Chemotherapie, Bestrahlung, Operationen oder psychische Belastung hinzukommen,

MEHR INFORMATIONEN

Nehmen Sie Ihre Gesundheit aktiv selbst in die Hand

Neu: Swiss Mountain Clinic Podcast Tauchen Sie ein in spannende Gespräche zu medizinischen, naturheilkundlichen und ganzheitlichen Perspektiven auf Gesundheit, Prävention und Regeneration.

Jetzt reinhören!

Neu: Swiss Mountain Clinic TV Ob als Live-Stream oder Video: Gehen Sie mit auf Visite, und erfahren Sie mehr über Krankheiten und deren Entstehung sowie eine gesunde Ernährung – kostenlos auf 14 Kanälen.

Jetzt reinschauen!

wird sichtbar, wie stark die Regulation bereits gefordert war. Die Schleimhäute sind dabei weit mehr als nur betroffenes Gewebe. Sie bilden hochaktive Grenzflächen, die im Mund beginnen, sich durch den Körper ziehen und über den gesamten Verdauungstrakt fortsetzen. Sie stehen in ständigem Austausch mit der Umwelt. Hier entscheidet sich fortlaufend, was aufgenommen, abgewehrt oder toleriert wird.

Mikrobiom: zentrale Rolle bei Krebs Eine zentrale Rolle spielt dabei das Mikrobiom, also die Gesamtheit der Mikroorganismen, die uns besiedeln und mit uns zusammenarbeiten. Es reagiert empfindlich auf Ernährung, Medikamente, Umweltfaktoren und Stress. Bei Menschen mit Krebs kommt die Therapie selbst hinzu. Chemotherapie greift nicht nur Tumorzellen an, sondern auch die sich schnell teilenden Zellen der Darmschleimhaut. Die Barrierefunktion kann dadurch geschwächt werden, Entzündungsprozesse nehmen zu, das Immunsystem arbeitet unter veränderten Bedingungen. Was lange als bloße Begleiterscheinung betrachtet wurde, rückt inzwischen zu Recht stärker in den Mittelpunkt.

Studien zeigen mittlerweile, dass die Zusammensetzung des Mikrobioms beeinflusst, wie gut bestimmte Krebstherapien wirken und wie Patientinnen und Patienten Behandlungen vertragen. Besonders bei Immuntherapien spielt das Darmmilieu eine messbare Rolle. Ein gestörtes Mikrobiom kann Entzündungen verstärken, Schleimhäute empfindlicher machen und die Regeneration erschweren. Umgekehrt schafft eine Stabilisierung der Schleimhäute oft bessere Voraussetzungen für die eigentliche Krebstherapie.

Was sich in der Praxis zeigt In meiner Arbeit beginnt die Spurensuche deshalb oft dort, wo andere nicht als Erstes hinschauen. Wiederkehrende Schleimhautreizungen, erhöhte Infektanfälligkeit, verzögerte Wundheilung, diffuse Erschöpfung oder eine Verdauung, die nach jeder kleinen Belastung aus dem Gleichgewicht gerät – das sind keine belanglosen Nebenschauplätze. Sie geben Hinweise darauf, dass die Regulation an mehreren Stellen eingeschränkt ist. Viele Patienten berichten, dass sie sich vor der Diagnose für robust hielten und plötzlich schon ein zusätzlicher Reiz genügt, um das System aus der Bahn zu bringen. Das zeigt, dass Puffer verloren gegangen sind.

Darum lohnt sich auch der Blick auf die Ernährung. Es geht dabei nicht um starre Verbote, sondern um gezielte Entlastung. Zucker, stark verarbeitete Lebensmittel, bei manchen auch glutenhaltiges Getreide oder Milchprodukte verstärken die Entzündungsbereitschaft. Werden sie für begrenzte Zeit reduziert, entsteht oft überhaupt erst wieder Spielraum, das Mikrobiom stabilisiert sich, die Schleimhäute beruhigen sich, das System wird weniger reaktiv.

Regulation über das Nervensystem Neben der Arbeit am Milieu gewinnen Verfahren an Bedeutung, die direkt auf die Regulation wirken. Unter dem Begriff Neuromodulation werden Ansätze zusammengefasst, die das Nervensystem in seiner Steuerungsfunktion unterstützen. Ein Beispiel sind fokussierte Stoßwellen. Das sind gezielte mechanische Impulse, die über neuronale Verschaltungen auch übergeordnete Prozesse beeinflussen können.

Wichtig ist: Stoßwellen werden niemals im Bereich aktiver Tumoren oder Metastasen eingesetzt, sondern ausschließlich in tumorfreien Arealen. Im klinischen Alltag kommen sie zum Einsatz bei Lymphödemen nach Operationen, chronischen Schmerzen, Narbengewebe oder wenn das vegetative Nervensystem dauerhaft im Alarmzustand bleibt. Neuromodulation ersetzt keine Krebstherapie, kann aber zusätzliche

Möglichkeiten eröffnen, wenn die Regeneration stockt.

Für Menschen mit Krebs erweitert sich damit die Perspektive. Neben der Behandlung der Erkrankung selbst wird entscheidend, unter welchen Bedingungen der Körper arbeitet und wie gut seine Regulation noch funktioniert. Genau hier geben Schleimhäute oft früh Hinweise. Wer sie ernst nimmt, erkennt Belastungen früher und kann gezielter gegensteuern.

Krebs bleibt eine schwere Erkrankung, und es gibt keine einfachen Lösungen. Aber das Umfeld, in dem der Körper auf Therapie, Belastung und Heilungsprozesse reagiert, lässt sich verändern. Darin liegt eine konkrete Form von Hoffnung, die Chance, den Organismus gezielt dort zu stabilisieren, wo seine Regulation an Grenzen stößt. In der Schmerztherapie bei Krebs haben sich neuromodulatorische Verfahren bereits bewährt und bieten betroffenen Patienten spürbare Linderung. Darüber hinaus bleibt entscheidend, dass wir das innere Milieu nicht als Nebenschauplatz betrachten, sondern als Grundlage, auf der jede Therapie aufbaut.

www.swissmountainclinic.com

ÜBER UNS

Standort: Castaneda, 750 Meter über Meer, Graubünden

Team: circa 60 Mitarbeitende, Patientinnen und Patienten aus zahlreichen Ländern aus aller Welt

Philosophie: „ Heilung braucht Wahrheit – Ursachenmedizin statt Symptombehandlung

Besonderheiten: WLAN-FREI, eigene Bergquelle, biologische Küche, 26.000 Quadratmeter Garten – Park und Wald

Schwerpunkte: Fibromyalgie, Leber, Autoimmunerkrankungen, Long Covid, Morbus Parkinson, Hashimoto Thyreoiditis

Die Inhalte dieses Beitrags dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine qualifizierte medizinische Fachperson.

Dr. med. Petra Wiechel

Entsteht die Pein im Kopf?

RÜCKENSCHMERZEN | VON MARK KRÜGER

Rückenschmerzen gehören zu den am weitesten verbreiteten Volkskrankheiten und verursachen hohe Kosten. In den meisten Fällen ist Geduld gefragt – aber bitte nicht in einer Schonhaltung! Und bei chronischen Schmerzen? Da lohnt sich ein Blick auf die eigene Psyche.

Die gute Nachricht: Rückenschmerzen sind zwar unangenehm, aber fast immer ungefährlich. In 80 Prozent der Fälle beruhen die Schmerzen auf Verspannungen, Verhärtungen oder Reizungen der Muskulatur, Sehnen oder Bänder. Man spricht hierbei von unspezifischen Rückenschmerzen ohne organische Ursache,

Rückenschmerzen treten besonders häufig im Bereich der Lendenwirbelsäule auf.

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Robotik bei Rückenproblemen

die nach einiger Zeit wieder von selbst abklingen – idealerweise unterstützt durch beispielweise spezielle Dehnübungen oder Wärmeanwendungen. Moderate Bewegung ist übrigens nicht nur präventiv das beste Mittel gegen Rückenschmerzen, sondern oft die beste Medi-

Knapp ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung leiden unter Rückenschmerzen.

zin, wenn es an der hinteren Seite des Rumpfes zwackt und zieht. Gut zu wissen: Rezeptfreie Schmerzmittel sollten nur, wenn nötig, eingenommen werden, um wieder Aktivität zu ermöglichen.

Chronifizierung vermeiden Wer Schmerzmittel öfter als an drei aufeinanderfolgenden Tagen oder öfter als zehn Mal im Monat benötigt, sollte sich in ärztliche Behandlung begeben. Gleiches gilt, falls akute Rückenschmerzen nicht wieder abklingen, zunehmen, sich ausbreiten oder nach kurzer Besserung zurückkehren. Wenn sie nicht innerhalb von zwölf Monaten verschwinden, bezeichnet man Rückenschmerzen als chronisch. Alarmierend sind die Zahlen zur Chronifizierung: Nach einem Krankenstand von sechs Monaten kehrt nur die Hälfte der Betroffenen an ihren Arbeitsplatz zurück, nach einem Jahr sind es sogar nur noch 20 Prozent.

Medizinischer Fortschritt zeigt sich besonders dort, wo Präzision über Lebensqualität entscheidet. In der Wirbelsäulenchirurgie ermöglicht ein robotergestütztes Assistenzsystem heute Eingriffe, die noch vor wenigen Jahren in dieser Genauigkeit nicht möglich waren. Im Caritas Wirbelsäulenzentrum in Berlin-Reinickendorf wird diese Technologie bei stabilisierenden Operationen eingesetzt, etwa bei Verschleißerkrankungen, Wirbelgleiten oder Frakturen.

Fortschritt durch Präzision

„Die Wirbelsäule liegt in unmittelbarer Nähe wichtiger Nervenstrukturen“, erklärt Dr. Kamran Yawari, Facharzt für Neurochirurgie und Team-Chefarzt.

„Das System unterstützt uns dabei, Implantate dreidimensional zu planen und millimetergenau zu platzieren.“

Tim Rumler-von Rüden, Facharzt für

Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Team-Chefarzt, ergänzt: „Bundesweit arbeiten nur wenige Kliniken mit dieser Technologie. Sie ergänzt unsere Erfahrung, ersetzt sie jedoch nicht.“

Die medizinische Verantwortung liegt beim Operationsteam.

Mit einer Genauigkeit von nahezu 100 Prozent schafft das System die

Risikofaktor Psyche Als häufigste Ursachen für Rückenschmerzen gelten Bewegungsmangel, Übergewicht oder Fehlhaltungen, wie etwa beim langen Sitzen an einem nicht ergonomischen Arbeitsplatz. Bei chronischen Beschwerden sollte die Psyche, die bekanntlich eng mit dem Körper verbunden ist, nicht außer Acht gelassen werden. Ob Stress im Job, finanzielle Sorgen oder psychische Erkrankungen: Die Psyche reagiert auf emotionalen Stress mit einer angespannten Muskulatur und gereizten Nerven, die Rückenschmerzen begünstigen. Es entsteht häufig ein Teufelskreis: Stress verursacht Schmerzen – und die Schmerzen lösen noch mehr Stress aus. Für eine erfolgreiche Behandlung ist neben Physiotherapie daher auch Psychotherapie eine wichtige Säule der sogenannten multimodalen Schmerztherapie. Eine Studie, veröffentlicht im August 2025 im Fachmagazin „The Lancet Rheumatology“, zeigt, dass bei Beschwerden, insbesondere im unteren Rücken, eine Psychotherapie wirksamer sein kann als die üblichen Behandlungsmethoden. 

4,5 Milliarden Euro

So hoch sind die jährlichen Krankheitskosten für Rückenschmerzen.

Quelle: Statistisches Bundesamt; 2023

Grundlage für minimalinvasive Eingriffe. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das weniger Belastung des Gewebes, geringere Schmerzen und eine schnellere Mobilisation. Im Operationssaal werden Robotik, modernes OP-Mikroskop und drei-

dimensionale Bildgebung gebündelt. So verbindet sich technischer Fortschritt mit individueller Beratung und persönlicher Begleitung.

ZAHL ZUM STAUNEN
iStock / Tom Merton

Die unterschätzte Problemzone

ILIOSAKRALGELENK | VON MARK KRÜGER

Schmerzen im unteren Rücken, ohne zu wissen, was diese verursachen? Oft ist das Iliosakralgelenk, kurz ISG, die Quelle des Übels. Es wird jedoch bei der Diagnostik oftmals unterschätzt. Die gute Nachricht: Das ISG kann durch einfache Tests schnell als Schmerzgenerator ausgemacht und gut behandelt werden.

Hüftschmerzen, starke Schmerzen im unteren Rückenbereich oder Oberschenkel, Ausstrahlung ins Gesäß und Bewegungseinschränkungen: Bei diesen Beschwerden liegt die Verdachtsdiagnose „Bandscheibenvorfall“ nahe. Allerdings sind in weniger als zehn Prozent der Fälle die Puffer zwischen den einzelnen Wirbelkörpern Ursache für tiefsitzende Schmerzen im unteren Rückenbereich. Viel häufiger steckt ein

Typisch sind einseitige, tiefsitzende Schmerzen im unteren Rücken.

anderer schmerzauslösender Übeltäter dahinter: das Iliosakralgelenk (ISG), auch Kreuz-Darmbein-Gelenk genannt. Das anatomisch komplexe Gelenk verbindet die Beckenschaufeln mit dem Kreuzbein und erfüllt bei fast allen Bewegungen belastungsausgleichende, stabilisierende Funktionen. Bereits kleine Dysbalancen oder Veränderungen des ISG können starke Schmerzen verursachen. Wissenschaftliche Studien beschreiben eine Beteiligung des ISG bei etwa jedem dritten Fall von Rückenschmerzen.

Verschiedene Ursachen

Das ISG wird im Becken von einem starken Bandapparat gehalten und verfügt nur über eine minimale Beweglichkeit. Schon kleine Veränderungen durch Belastung auf die Bänder und Muskelfasern können zu starken Verspannungen führen. Man spricht vom sogenannten ISG-Syndrom. Häufig verstärkt sich der Schmerz zum Beispiel beim Aufrichten aus gebückter Haltung. Das ISG kann aufgrund von Fehlbelastungen, Beinlängendifferenzen, Schwangerschaften, Traumata oder vorhergehenden Operationen an der Wirbelsäule schmerzhafte degenerative Veränderungen entwickeln. Manchmal reicht schon ein kleines Trauma wie ein falscher Schritt vom Bordstein, um das ISG aus der Balance zu bringen. Da hier besonders viele Nervenbahnen zusammenlaufen, kann eine ISG-Instabilität auch in weit entfernten Körperregionen Schmerzen auslösen.

Unterdiagnostiziertes Problem

Eine detaillierte Diagnose – etwa mithilfe spezieller physikalischer Provokationstests und anschließend einer diagnostischen Infiltration unter Röntgenbildwandlerkontrolle – ist notwendig, um das ISG als Schmerzgenerator zu bestätigen oder auszuschließen. Leider wird es bei der Diagnose von Rückenschmerzen oft nicht explizit in Betracht gezogen. Tatsächlich ist das ISG das am häufigsten unterdiagnostizierte Gelenk an der Wirbelsäule – auch weil es radiologisch schwerer zu erfassen ist als zum Beispiel eine instabile Lendenwirbelsäule oder ein Bandscheibenvorfall.

Therapie: multimodaler Ansatz

Gilt eine Instabilität im ISG diagnostisch als gesichert, wird zunächst die konservative Therapie,

Iliosakralgelenk: oft Ursache für

Prof. Dr. Nikolai Rainov vom MVZ Wirbelsäulenzentrum München hat sich auf die Diagnose und Behandlung des Iliosakralgelenks (ISG) spezialisiert. In seiner 2024 veröffentlichten Studie bestätigt er, dass das ISG bei 32 Prozent aller Rückenschmerzen beteiligt ist. Unter voroperierten Patientinnen und Patienten liegt dieser Anteil sogar bei 44 Prozent. Eine Stabilisierung des ISG kann Abhilfe schaffen.

Täglich sehen Prof. Dr. Nikolai Rainov und seine Kollegen Betroffene , die viele konservative und auch operative Therapien versucht haben. Darunter eine Patientin, die sich Anfang 2024 mit einer Vielzahl von Befunden und

iFuse Implant System® von SI-BONE ist eine minimalinvasive chirurgische Option.

Röntgenbildern vorstellte. Nach erfolgloser Physiotherapie und zwei Wirbelsäulenoperationen suchte sie Hilfe in der Psychosomatik und erhielt Antidepressiva. Auf den Bildern waren stark abgenutzte Bandscheiben

Prof. Dr. Nikolai Rainov MVZ Wirbeläulenzentrum Taufkirchen info@orthopaede.com 089 6145100

SCHON GEWUSST?

ISG: typisches Schmerzmuster

• Schmerzen beim Aufstehen, Treppensteigen, Überrollen im Bett, Sitzen auf der schmerzenden Seite, anhaltende untere Rückenschmerzen

• Ausstrahlung ins Gesäß, Becken oder die Leiste

• Instabilität bei langem Stehen oder Sitzen

Eine Gewichtsverlagerung im Sitzen oder Liegen auf die schmerzfreie Seite führt dagegen oft zu Linderung.

die Schmerzmittel, Physio- und Bewegungstherapie sowie manuelle Therapie umfasst, eingeleitet. Bringen diese Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg, kommen interventionelle Verfahren wie Infiltrationen mit Kortikoiden und Lokalanästhetika oder die Radiofrequenztherapie in Betracht, um die Beschwerden zu lindern.

Da die Ursachen und Beschwerden des ISGSyndroms sehr unterschiedlich sein können, wird oft ein kombinierter Ansatz gewählt, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Als letztes Glied in der Behandlungskette kommen spezielle ISG-Implantate, mit denen das Gelenk dauerhaft stabilisiert wird, infrage. Wichtig ist, wie bei allen chronischen Schmerzerkrankungen, dass die Therapie individuell auf die Bedürfnisse und Lebensumstände der betroffenen Person abgestimmt wird. 

Rückenschmerzen

und degenerative Veränderungen sichtbar. Dennoch setzte sich die Abwärtsspirale aus Schmerzen und Therapien fort. „Die Schmerzen passten nicht zu den bisherigen Diagnosen wie Bandscheibenvorfall, Wirbelkörperverschleiß oder Osteochondrose. Die Patientin hatte eher einen Gelenkschmerz. Besonders auffällig: Die Beschwerden hatten nach der Geburt des zweiten Kindes begonnen“, so der Experte.

Minimalinvasiver Eingriff Nach einer umfangreichen Untersuchung mit dem standardisierten ISGAlgorithmus reagierte die Patientin positiv auf Tests und Infiltrationen. In einem 30-minütigen minimalinvasiven

Dr. Matthias Seibl-Leven Wirbelsäulenzentrum Würzburg info@nchpraxis-wuerzburg.de 0931 417910

Eingriff stabilisierte Prof. Rainov das ISG. „Die Patientin kehrte schnell in ihr Alltagsleben zurück und ist bis heute schmerzfrei.“ In seiner Langzeit-Studie (2015–23) beschreibt er, dass von 15.000 Rückenschmerzbetroffenen 32 Prozent eine ISG-Symptomatik aufweisen; 5 Prozent davon wurden mit dem komplikationsarmen Eingriff operiert. Mehrere randomisierte Studien zu dem klinisch erprobten iFuse Implantat System® weisen eine Verbesserung der Lebensqualität und Reduktion der Schmerzmittel auf. Die Kosten für dieses minimalinvasive Verfahren werden von den Krankenkassen übernommen.

https://si-bone.de

Dr. med. Hassan Allouch, MBA, M.Sc. ATOS Klinik Stuttgart facharztzentrum-stuttgart@atos.de 0711 6662932

Risikofaktor Rauchen

LUNGENKRANKHEITEN | VON MARK KRÜGER

Statistisch gesehen verstirbt laut dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) alle vier Minuten ein Mensch in Deutschland infolge einer Lungen- und Atemwegserkrankung. Der größte Feind der Lunge: Tabakrauch – vor allem in jungen Jahren.

Die Lunge ist für uns Menschen lebenswichtig. Warnzeichen wie Atemnot, Husten, Auswurf oder Schmerzen im oberen Rücken, insbesondere wenn sie häufiger auftreten oder sich verschlechtern, sollten daher unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Eine frühe Diagnose ist wichtig, denn viele Lungenkrankheiten lassen sich dann besser behandeln oder deren Verlauf verlangsamen. Zu den häufigsten Erkrankungen zählen die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Asthma und Lungenkrebs. Ein aktiver, gesunder Lebensstil hilft dabei, die Lunge fit zu halten. Die allerwichtigste Maßnahme ist jedoch der Verzicht auf Tabakprodukte.

Lebenslange Lungenschäden

Das gilt vor allen für Kinder und Jugendliche, bei denen die Lunge noch in der Entwicklung ist: Eine aktuelle Studie des Dartmouth Hitchcock Medical Center in Lebanon, New Hampshire, zeigt, dass Menschen, die schon vor dem 15. Geburtstag geraucht haben, später drastisch häufiger an COPD, einer der weltweit häufigsten Todesursachen, erkranken. Aber auch rauchende Teilnehmende zwischen 15 und 19 hatten ein erhöhtes Risiko. Ein Rauch-Stopp lohnt sich übrigens in jedem Alter: So geht etwa nach zehn Jahren das Risiko, an Lungenkrebs zu versterben, um etwa die Hälfte zurück.

Genetische Therapie –neue Hoffnung bei Alpha-1

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist eine genetische, oft spät erkannte Erkrankung, die Betroffene ein Leben lang begleitet. Marion Wilkens, Erste Vorsitzende von Alpha1 Deutschland e. V., beschreibt, wie sich für Patientinnen und Patienten zwischen Therapiealltag und medizinischem Fortschritt eine neue Perspektive auftut.

Alpha-1 verläuft leise: Häufig wird die Krankheit erst bemerkt, wenn Lunge oder Leber geschädigt sind und Alltägliches Kraft kostet. Die

Rheuma im Auge?

AUGENERKRANKUNGEN | VON MARK KRÜGER

Um ein aktives und selbstbestimmtes Leben führen zu können, braucht es ein gutes Sehvermögen. Wenn der Sehsinn schwindet, schränkt das die Lebensqualität ein und kann sogar gravierende Folgen haben. Nämlich dann, wenn bestimmte Augenkrankheiten nicht frühzeitig erkannt und behandelt werden – so wie im Fall der Uveitis.

Wunderwerk der Natur: Die Augen nehmen pro Sekunde rund zehn Millionen Informationen auf und liefern uns rund 80 Prozent aller Informationen aus der Umwelt. Kein Wunder also, dass von den insgesamt fünf Sinnen – Sehen, Hören, Tasten, Schmecken, Riechen – der visuelle Sinn laut Umfragen für die meisten Menschen der wichtigste ist, gefolgt vom Hören. Doch zahlreiche Augenerkrankungen bedrohen diese Fähigkeit und sind eine große Last für die Betroffenen – vor allem wenn es sich um chronische Formen handelt, die langsam fortschreiten und über einen längeren Zeitraum anhalten.

Gefäßhaut betroffen

Dazu zählen unter anderem die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD), das Glaukom oder die chronische Uveitis. Hinter dieser Augenerkrankung, von der rund eine halbe Million Menschen in Deutschland betroffen sind, steckt eine Entzündung der mittleren Augenhaut. Häufige Anzeichen

DAS AUGE

Netzhaut

Sehnerv

Ziliarkörper

Glaskörper

Lederhaut

Aderhaut

moderne Medizin kann mit Substitutionstherapien den Mangel teilweise ausgleichen und den Verlauf verlangsamen, auch wenn dies keine Heilung bedeutet. Viele Betroffene übernehmen aktiv Verantwortung, achten auf Infekte, vermeiden Schadstoffe und werden zu Expertinnen und Experten ihres eigenen Körpers.

An der Ursache ansetzen Mit der Gentherapie rückt erstmals ein Ansatz in den Fokus, der an die Wurzel der Erkrankung geht. Ziel ist es, das defekte Gen in den Leberzellen gezielt zu korrigieren, sodass der Körper wieder selbst ausreichend Alpha-1-Antitrypsin herstellen kann. Dadurch könnten regelmäßige Infusionen langfristig überflüssig werden.

Diese Aussicht weckt leise, aber echte Hoffnung – und wirft zugleich Fragen auf: nach Wirksamkeit, möglichen Nebenwirkungen und einem fairen Zugang. Für Menschen mit Alpha-1 ist der medizinische Fortschritt keine Garantie, aber eine Einladung, Zukunft neu zu denken. Weitere Informationen unter: www.alpha1-deutschland.org

umfassen Augenschmerzen, Rötung, Lichtempfindlichkeit und Sehstörungen. Unbehandelt drohen gefährliche Konsequenzen: etwa Katarakte (Eintrübung der Linse), Makulaödeme, Netzhautablösungen und Schäden am Sehnerv bis hin zur Erblindung. Eine Uveitis lässt sich in der Regel gut behandeln, wenn sie früh erkannt und therapiert wird.

Risiko rheumatische Erkrankungen

Eine Uveitis tritt oft als Begleiterkrankung auf.

Die Uveitis ist häufig mit Erkrankungen assoziiert, die mit dem Immunsystem in Verbindung stehen, etwa entzündliche Darmerkrankungen oder rheumatische Erkrankungen wie die juvenile idiopathische Arthritis (JIA), rheumatoide Arthritis oder Morbus Bechterew. Bei Kindern mit JIA entwickeln etwa ein Drittel eine Uveitis mit dem Risiko für bleibende Schäden. Da frühe Krankheitsstadien häufig asymptomatisch verlaufen, wird die Erkrankung nicht immer unmittelbar erkannt. Ein frühzeitiges Screening ist daher ratsam. Eine aktuelle Studie, erschienen im Februar 2026 in „Nature Communications“, brachte zutage, dass nicht nur, wie bereits bekannt, T-Zellen die Entzündungen bei der JIA-assoziierten Uveitis vorantreiben, sondern vielmehr ein Zusammenspiel aus T- und B-Zellen. Beide Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen und dienen als Teil des Immunsystems der Erregerabwehr. Diese neue Erkenntnis könnte in Zukunft Basis für neue Therapieansätze sein, um dem Sehverlust bei betroffenen Kindern gezielter vorzubeugen.

Kleines Eiweiß, große Wirkung: Alpha-1-Antitrypsin
Linse
Iris
Pupille
Hornhaut
Quelle: iStock / Mono
„Eine Entzündung im Auge ist ein Risiko für das Augenlicht“

Uveitis gilt als häufigste entzündliche Augenerkrankung. Chronische und hintere Formen sind bislang nicht heilbar. Mit welchen modernen Therapien es möglich ist, die Sehkraft zu erhalten, und warum eine frühzeitige und richtige Diagnose essenziell ist, erklärt Dr. med. Lynn zur Bonsen, Oberärztin des Fachbereichs Uveitis an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Frau Dr. zur Bonsen, was genau steckt hinter der Uveitis? Bei dieser Augenerkrankung kommt es zu einer Entzündung der Gefäßhaut des Auges, der Uvea. Sie wird ausgelöst durch die Einwanderung von Immunzellen, insbesondere T-Lymphozyten, oder Erregern ins Auge. Neben Infektionen und in seltenen Fällen bösartigen Erkrankungen des Lymphsystems als mögliche Ursache tritt eine Uveitis bei etwa der Hälfte der Patienten im Rahmen von systemischen Autoimmunerkrankungen auf.

Man spricht hier auch vom „Rheuma am Auge“. Richtig, bei der nicht infektiösen Uveitis sind dies insbesondere Erkrankungen aus der Gruppe chronisch-entzündlicher Rheumaerkrankungen wie Morbus Bechterew, Morbus Behçet, Psoriasis oder den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn. Ebenfalls häufig in Deutschland ist die Sarkoidose, bei der oft auch die Lunge betroffen ist. Selten kann die Uveitis auch bei einer Multiplen Sklerose oder anderen systemischen Gefäßentzündungen auftreten. Bei Kindern ist die Uveitis am häufigsten mit der juvenilen idiopathischen Arthritis assoziiert.

Welche potenziellen Folgen kann eine unbehandelte Uveitis

SCHON GEWUSST?

Die Gefäßhaut Uvea liegt zwischen der Lederhaut und der Netzhaut und besteht aus der Regenbogenhaut, dem Ziliarkörper und der Aderhaut. Sie versorgt das Auge mit Nährstoffen, reguliert den Lichteinfall und ermöglicht die Akkommodation (Nahund Fernsicht des Auges). Entzündungen der Uvea werden als Uveitis bezeichnet und können das Sehvermögen gefährden.

Dr. med. Lynn zur Bonsen

haben? Die Uveitis kann bis zur Erblindung führen, wenn diese beidseits auftritt. Sie stellt eine der häufigsten Gründe für eine Sehbeeinträchtigung bei Menschen im erwerbsfähigen Alter dar. Damit dies verhindert werden kann, ist

im Auge immer wieder aufflammt. Bei komplizierten, immer wiederkehrenden Uveitis-Formen sollte die Vorstellung in einem spezialisierten Zentrum, wie hier an der Charité, erfolgen. So kann eine Behandlung auf dem neuesten Stand der Medizin gewährleistet werden.

Welche Auswirkungen hat eine chronische Uveitis auf das Leben der Betroffenen? Uveitis als chronische Erkrankung kann durch die herabgesetzte Sehstärke einen erheblichen Einfluss auf den Alltag der Betroffenen haben und auch der Ausübung eines Berufs im Weg stehen. Insofern sollte die Therapie ganzheitlich erfolgen und auch die psychosoziale Beratung der Patien-

„Uveitis kann bis zur Erblindung führen und ist eine der häufigsten Ursachen für Sehbeeinträchtigung im erwerbsfähigen Alter – deshalb ist die frühzeitige Diagnosestellung so wichtig.“

vor allem eine frühzeitige Diagnosestellung wichtig. Die wichtigste Säule bei der Diagnostik ist die Untersuchung an der Spaltlampe durch Augenärzte.

Gibt es typische Symptome, die auf eine Uveitis hinweisen? Je nach Form der Uveitis sind die Symptome unterschiedlich und insgesamt eher unspezifisch. Es kommt akut in der Regel zu einem geröteten, schmerzhaften und lichtempfindlichen Auge. Betroffene sehen hierdurch verschwommen. Bei chronischen Formen ist die Sehbeeinträchtigung schleichend. Es können ausgeprägte Flusen, Schatten oder auch Blitze auftreten.

Was macht die Versorgung der Uveitis aus Ihrer Sicht besonders herausfordernd? Herausfordernd sind die vielfältigen Ursachen der Uveitis. Für eine erfolgreiche Therapie ist die Kenntnis dieser von großer Bedeutung. Außerdem kommt es bei circa einem Drittel der Patienten zu chronischen Formen, die eine engmaschige Betreuung über lange Zeit notwendig machen, da sonst die Entzündung

ten und Angehörigen beinhalten. In diesem Bereich leisten auch Selbsthilfegruppen, Uveitis-Gesellschaften wie die DUAG e. V. und die Uveitis e. V. und Beratungsstellen für Menschen mit Seheinschränkungen wertvolle Arbeit.

Welche Therapieoptionen gibt es für die nicht infektiöse Uveitis? Hierfür stehen lokale sowie systemische Therapien zur Verfügung. Für die vordere Form der Uveitis werden Kortison-Augentropfen sowie Augentropfen zur Erweiterung der Pupille verordnet, damit diese nicht mit der Linse im Rahmen der Entzündung verklebt. Die Therapie der mittleren und hinteren Form der Uveitis erfolgt akut entweder mittels Kortison-Tabletten oder, bei schweren Fällen, Kortison-Infusionen. Insbesondere bei der Komplikation des Makulaödems können auch Kortison-Implantate ins Auge eingebracht werden. Als Dauer-Therapie nach dem akuten Schub kann es notwendig sein, immunmodulierende Therapien für mehrere Monate zu geben.

Injektionen, Tabletten oder Implantat: Für wen kommt welche

Behandlungsform infrage? Die zu bevorzugende Therapie, welche sich an nationalen Leitlinien orientiert, hängt vom Alter der Patienten sowie der Form der Uveitis ab. Die systemische immunmodulierende Therapie mit Tabletten oder Selbstinjektionen unter die Haut wird insbesondere bei jüngeren Menschen mit einem beidseitigen chronischen Befund empfohlen. Hingegen sind die lokalen Kortison-Implantate, welche ins Auge eingebracht werden, eine Therapieoption bei Kontraindikationen gegen eine systemische Therapie. Hier wird unterschieden zwischen einem kurzwirksamen und einem länger wirkenden Kortison-Implantat. Außerdem können sie primär oder additiv bei eher einseitigen Befunden oder einem zentralen Makulaödem eingesetzt werden. Dies kommt insbesondere für ältere Patienten mit Kunstlinse infrage, da die lokale Kortisontherapie als Hauptnebenwirkung eine Eintrübung der Linse, sprich Grauer Star, verursachen kann.

Was ist nach der Behandlung zu beachten? Im Rahmen der systemischen Therapie muss eine regelmäßige Überwachung durch Ärzte der Inneren Medizin erfolgen, inklusive Blutentnahmen. Bei der lokalen Kortison-Implantat-Therapie sollte regelmäßig der Augeninnendruck kontrolliert werden, da dieser nach Injektion ansteigen kann. Gegebenenfalls müssen Augentropfen appliziert werden oder sehr selten Augenoperationen erfolgen, um diesen wieder zu senken.

Wie wichtig sind Therapieadhärenz und Kontrollen? Regelmäßige Kontrollen bei chronischer Uveitis sind entscheidend, da Langzeit-Komplikationen schleichend entstehen können. Insbesondere stellt der Übergang von der Kindersprechstunde ins Erwachsenenalter eine kritische Phase dar, in der man Patienten „verlieren“ kann. Die richtige Aufklärung über das Krankheitsbild, gemeinsame Therapieentscheidungen sowie eine gute Arzt-Patienten-Beziehung sind essenziell, genauso wie weitere Fortschritte in der Therapie der Uveitis. https://alimerasciences.de

Ein Teller voller Lebensjahre

LONGEVITY | VON TOBIAS LEMSER

Haferflocken, Vollkornbrot und Beeren: Wer sich bereits zum Frühstück richtig ernährt, sorgt für Energie und hat zudem gute Chancen, seine Lebenszeit zu verlängern. Wie sehr sich eine rundum gesunde Ernährung auf die Langlebigkeit auszahlt, haben Forschende von der chinesischen Universität Wuhan untersucht.

Bis ins hohe Alter fitte und gesunde Eltern und Großeltern zu haben, ist die beste Voraussetzung dafür, auch selbst diese guten Gene für ein langes Leben zu besitzen. Klar ist jedoch: Auch wenn die Genetik hierfür eine wichtige Rolle spielt, braucht es mehr: kontinuierliche Bewegung und Krafttraining, ausreichend Schlaf, Stressmanagement sowie eine gesunde Ernährung. Fachleuten zufolge ist Letztere der zentrale Faktor, um die Lebenserwartung zu steigern.

Bestandsaufnahme machen Wichtig zunächst: Wer aktiv etwas für seine Langlebigkeit tun möchte, sollte sich klarmachen, was mit der eigenen Ernährung falsch läuft. Problematisch seien vor allem hochverarbeitete Lebensmittel, meint Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl in seinem Ernährungs-Podcast zu Longevity. Diese enthalten kaum Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine und stattdessen oft viel Zucker, Salz und Fett. Riedl warnt vor diesen Bestandteilen: „Diese verkürzen das Leben,

dafür haben wir Studien. Wir sterben eher, je mehr wir davon essen.“ Wichtig laut Riedl ist es außerdem, die Organe gesund zu erhalten: „Denn alle kommunizieren miteinander. Macht eines dieser Organe schlapp, zieht es andere mit.“

Hochverarbeitete

Lebensmittel beinhalten wenig Nährstoffe.

Sprich: Eine Volkskrankheit provoziert die nächste. Birgt eine Nierenschwäche etwa ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt, steigert Diabetes die Gefahr, an Krebs zu erkranken.

Blutzucker im Fokus

Dass sich gesunde Ernährung positiv auf die Lebenserwartung auswirkt, bestätigt ein chinesisches Forschungsteam im Fachjournal „Science Advances“. In ihrer im Februar veröffentlichten Studie analysierten die Forschenden das Ernährungsverhalten von mehr als 100.000 Menschen. Das Ergebnis: Bei den 45-jährigen Männern hatten diejenigen, die sich am gesündesten ernährten, eine um 1,9 bis drei Jahre höhere Lebenserwartung als Männer mit der

Ein Grundpfeiler der Longevity-Ernährung sind vielfältige, überwiegend pflanzliche Lebensmittel wie Obst und Vollkornprodukte.

ungesündesten Ernährung. Bei den Frauen lag die Differenz zwischen den Gruppen bei 1,5 bis 2,3 Jahren.

Doch was gab den Ausschlag? Männer erlangten zusätzliche Lebensjahre durch Nahrungsmittel, die das Diabetes-Risiko reduzieren – dazu zählen ballaststoffreiche Lebensmittel und das Meiden solcher, die den Blutzuckerspiegel erhöhen. Frauen profitierten am meisten von der Mittelmeer-Diät mit viel Obst und Gemüse sowie ungesättigten Fettsäuren und sehr wenig Fleisch. 

Erst „für unsere Eltern“, heute für alle

Die Langlebigkeitsforschung boomt. An renommierten Instituten wie der Harvard und Stanford University sowie dem Max-Planck-Institut arbeiten Forschungsgruppen an den Mechanismen des Alterns. Doch Schlagzeilen über extreme Methoden von Tech-Milliardären verzerren dieses Wissen. Das Berliner Unternehmen epigenics will das ändern – und Longevity-Forschung für alle nutzbar machen.

So fing alles an Die Gründerinnen Dr. Maria von der Wettern und Rebecca Atzenweiler entwickelten die Produkte ursprünglich für ihre Eltern. „Uns fehlten sichere, evidenzbasierte Produkte, die nicht nur 30-jährige Biohacker ansprechen“, so Dr. von der Wettern. Ihr Anspruch: komplexe Longevity-Forschung verantwortungsvoll und unkompliziert in den Alltag zu übersetzen.

Klinisch geprüfte Wirkung Das beliebteste Produkt „Zell Boost“ vereint zehn Mikronährstoffe zur Zellregeneration – in einer optimierten

Variante für Frauen und einer für Männer. Eine Fallstudie untermauert den Ansatz: Neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Zell Boost sechs Monate lang einnahmen, reduzierten ihr biologisches Alter um durchschnittlich 2,84 Jahre. Dieses Ergebnis wird aktuell in einer placebokontrollierten klinischen Studie wissenschaftlich validiert.

Qualität aus der EU Produziert in der EU und in Deutschland, laufend von unabhängigen

Laboren geprüft, positioniert sich epigenics als seriöser Anbieter alltagstauglicher Longevity-Routinen. Tausende Kundinnen und Kunden sind bereits überzeugt. „Es geht nicht darum, ewig zu leben, sondern die Jahre, die wir haben, mit maximaler Vitalität zu füllen. Dieses Gefühl wollen wir für unsere Generation und die unserer Eltern zugänglich machen.“

Sichern Sie sich jetzt Zell Boost mit 15 Prozent Rabatt: Nutzen Sie auf epigenics.eu einfach den Code ZB15.

LONGEVITY-FORSCHUNG IN ZWEI KAPSELN

Zehn wissenschaftlich fundierte Inhaltsstoffe – darunter Spermidin, Niacinamid, Hyaluronsäure und Alpha-Ketoglutarat –, vereint in nur zwei Kapseln pro Tag. Vegan und ohne unnötige Zusatzstoffe, entwickelt für die tägliche Zellregeneration. Erhältlich in einer optimierten Variante für Frauen und einer für Männer. Ab 59 Euro auf epigenics.eu.

Dr. Maria von der Wettern (r.) und Rebecca Atzenweiler, Gründerinnen von epigenics

Warum erholsame Nächte so wichtig sind

SCHLAFSTÖRUNGEN | VON NADINE EFFERT

Viele Menschen können nicht einschlafen, wachen nachts auf, sind tagsüber müde und erschöpft. Bei anhaltenden Schlafstörungen ist sogar ihre Gesundheit in Gefahr. Was sind typische Schlafräuber? Und wie lassen sich Schlafprobleme lösen?

Wir Menschen verschlafen rund ein Drittel unseres Lebens. Gut so, denn ein ausreichender, guter Schlaf ist wichtig, um im Alltag leistungsfähig und gesund zu sein. Das heißt: Sieben bis acht Stunden pro Nacht sollte geschlummert werden, der Schlaf vor allem ungestört sein, und die Einschlafphase sollte unter 30 Minuten liegen. Doch immer mehr Menschen kämpfen

ZAHL ZUM STAUNEN

59 %

Um so viel ist das Risiko für Insomnie durch eine Stunde Bildschirmzeit vor dem Schlafen erhöht.

Quelle: „How and when screens are used: comparing different screen activities and sleep in Norwegian university students”. Frontiers in Psychiatry, 31 March 2025.

Sommer, Sonne, lange Tage – wir genießen die helle Jahreszeit, doch oft raubt uns das Licht genau die Ruhe, die wir nachts so dringend brauchen. In der Sommerzeit schlafen wir durchschnittlich 20 bis 40 Minuten später ein.* Die Ärztin Juliane Meiners weiß, wie man gegensteuert.

Wenn sich das Einschlafen nach hinten verschiebt, bedeutet das in der Regel auch weniger Schlaf und fehlende Erholung. „Licht ist der stärkste Zeitgeber unserer inneren Uhr“, erklärt die Ärztin Juliane Meiners. „Wenn es abends lange hell bleibt, verzögert sich die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin – wir werden später müde und schlafen kürzer.“

Den Schlafrhythmus schützen

Das Hormon Melatonin wirkt als biologischer Schlafsignalgeber. Die Produktion beginnt normalerweise, wenn es dunkel wird, und steigt bis tief in die Nacht an. Licht, insbesondere helles Tages- oder künstliches Licht am Abend, hemmt die

aufgrund von etwa beruflichem oder privatem Stress, Ängsten, Lebensgewohnheiten oder gesundheitlichen Beschwerden mit dem Einund Durchschlafen. „Eine weitere natürliche Ursache ist die alternde Gesellschaft“, sagt Prof. Dr. med. Ingo Fietze, Oberarzt für Innere Medizin und Leiter des Interdisziplinären Schlaf-

Fast die Hälfte der Deutschen leiden unter Schlafproblemen.

medizinischen Zentrums an der Berliner Charité. „Chronische Erkrankungen werden im Alter nicht besser, und je älter die Gesellschaft ist, desto verbreiteter sind Schlafstörungen.“

Auswirkungen auf Gesundheit

Laut einer Stastista-Erhebung aus 2025 leiden 42 Prozent der Deutschen unter Schlafproblemen. Liegen Symptome über mindestens drei Monate vor und treten mehrmals pro Woche auf, spricht man von chronischen Schlafstörungen (Insomnie). Etwa zehn Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. „Der Stand der Wissenschaft ist aktuell, dass wer länger als ein Jahr zu kurz oder schlecht

schläft, gesundheitliche Folgen fürchten muss“, so der Schlafmediziner. Laut Studien ist bei Betroffenen das Risiko etwa für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und psychische Erkrankungen erhöht. Auch wird das Immunsystem geschwächt und das Schmerzempfinden erhöht. Anhaltende Schlafstörungen sollten daher frühzeitig ärztlich abgeklärt werden.

Schlafstörung: Was tun?

Eine zentrale Maßnahme bei Schlafstörungen ist die Verbesserung der Schlafhygiene: Dies gelingt zum Beispiel durch die Etablierung eines festen Schlaf-Wach-Rhythmus oder das Vermeiden von störenden Einflüssen wie Lärm oder Licht. Am nachhaltigsten hilft bei chronischen Schlafstörungen die Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I), die oft wirksamer ist als Medikamente. Ohnehin sollten Schlafmittel, auch rezeptfreie, aufgrund der möglichen Nebenwirkungen und Gefahr einer Abhängigkeit nicht über einen längeren Zeitraum und ohne ärztliche Begleitung eingenommen werden. Liegt eine körperliche Ursache vor, kann eine Behandlung der Erkrankung in der Regel auch die Schlafstörungen lindern. 

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Wenn das Licht den Schlaf raubt

Melatoninproduktion, sodass unser natürlicher Schlafrhythmus verschoben wird.

Die Folgen können sein: Müdigkeit, Konzentrationsmangel, erhöhte Stressanfälligkeit und reduzierte Leistungsfähigkeit. Juliane Meiners weiß: „Mit kleinen Anpassungen lassen sich lange Tage genießen, ohne dass Schlaf und Leistungsfähigkeit leiden.“

So bleibt der Schlaf stabil 1. Feste Schlafzeiten – möglichst auch am Wochenende einhalten

2. Licht steuern: abends Licht reduzieren, auch das Licht von Bildschirmen

3. Schlafumgebung optimieren: verdunkeln und für angenehme Temperaturen (18–20 °C) sorgen

4. Abendroutine: Entspannungstechniken vor dem Schlafengehen einbauen

5. Rhythmus-Störer minimieren: späte Aktivitäten reduzieren, Partys oder Reisen bewusst timen

6. Digitale Unterstützung: Schlafen lernen mit einer digitalen Therapie in Form einer digitalen Gesundheitsanwendung (DiGA) – bei Schlafstörungen hilft somnovia medizinisch fundiert dabei, besser zu schlafen.

Wer seinen Schlafrhythmus bewusst schützt, bleibt leistungsfähig, ausgeglichen und gesund – selbst an den längsten Tagen des Jahres.

SCHLAFEN LERNEN

somnovia ist ein interaktives Schlaftraining, das als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) kostenfrei auf Rezept erhältlich ist. Das Medizinprodukt führt die Nutzer einfühlsam durch personalisierte Inhalte und Übungen und bindet sie aktiv in den therapeutischen Trainingsprozess ein. Betroffene lernen mit somnovia unter anderem, einem individuell abgestimmten SchlafWach-Rhythmus zu folgen, mit schlafhindernden Gedanken umzugehen und Entspannungstechniken anzuwenden, die das Einschlafen erleichtern.

Juliane Meiners ist Ärztin und ärztliche Psychotherapeutin bei somnovia.

Gesundheit für alle

WELTWEITE GESUNDHEITSVERSORGUNG | VON TOBIAS LEMSER

Der medizinische Fortschritt schreitet kontinuierlich voran und ist vor allem eine Erfolgsgeschichte der westlichen Welt. Ganz anders ist die Situation in der Dritten Welt, in der unzählige Menschen keinen Zugang zu medizinischer Hilfe bekommen. Ein Hoffnungsschimmer könnte aus der Telemedizin kommen.

Die verheißungsvollen Nachrichten aus der Welt der Medizin reißen nicht ab: seien es innovative Medikamente zur Behandlung von multipler Sklerose, mRNA-Impfungen gegen Krebs oder

das erste jüngst EU-weit zugelassene Antikörper-Medikament gegen Alzheimer. Allein im Jahr 2024 haben Pharmaunternehmen bundesweit 43 Medikamente mit neuem Wirkstoff auf den Markt gebracht. Das ist die vierthöchste Zahl der vergangenen 20 Jahre und ein deutlicher Anstieg gegenüber 2023, als es 30 Neueinführungen gab.

Afrika im Dilemma

So positiv diese Zahlen für den hiesigen Gesundheitssektor auch sind, so sehr täuschen sie darüber hinweg, dass Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu grundlegenden Medikamenten, Beratung und Prävention haben. Angesichts der schlechten Gesundheitsversorgung auf dem Kontinent schlug die Afrikanische Union zuletzt Alarm: Afrika erlebe in diesem Bereich eine „beispiellose Finanzierungskrise“, erklärte die Gesundheitsbehörde der Africa Centres for Disease Control and Prevention (Africa CDC) und rechnet ohne ein entschlossenes Gegensteuern mit „jährlich zwei bis vier Millionen zusätzlichen vermeidbaren Todesfällen“. Das Problem: Viele

Ukraine: mobile Versorgung vor dem Aus

Ärztin Victoria gehört zu einem mobilen Gesundheitsteam in Kramatorsk im Osten der Ukraine. Dieser mobile Gesundheitsdienst wurde bislang von der Hilfsorganisation CARE unterstützt, doch die Fördergelder wurden gekürzt. Von den ursprünglich acht Teams sind nur noch drei aktiv.

Die Teams arbeiten nah an der Frontlinie – einem Gebiet mit vielen Herausforderungen. Die Menschen, die hier leben, haben nur sehr begrenzten Zugang zu Medikamenten, insbesondere für chronische Krankheiten wie Herzerkrankungen, Diabetes, Krebs und Asthma. Viele Apotheken sind entweder geschlossen oder leer stehend. Verfügbare Medikamente sind oft zu teuer für ältere Menschen, die meist von einer kleinen Rente leben. „Auch unsere Vorräte an Medikamenten und medizinischen Artikeln sind fast aufgebraucht“, sagt Victoria vom mobilen Gesundheitsteam.

Allein zurückgeblieben

Victoria führt Behandlungen bei den Patientinnen und Patienten

afrikanische Staaten sind hoch verschuldet und müssen Kürzungen von US-Hilfen und anderer westlicher Unterstützung schlucken – zusätzlich erschwert durch den Ausbruch von Infektionskrankheiten wie Mpox, Ebola und Cholera.

OP aus der Ferne

Doch es gibt auch Lichtblicke, wie etwa eine telemedizinische Operation, die dank des medizinischen Fortschritts und den Digitalisierungsmöglichkeiten in der Medizin realisiert werden konnte. Das Besondere an diesem Meilenstein: Ein Patient mit Prostatakrebs liegt in einem OPSaal in Angolas Hauptstadt Luanda und wird von dem Chirurgen Dr. Vipul Patel 11.000 Kilometer weit weg im US-Bundesstaat Florida operiert. Im OP-Saal vor Ort: ein Team aus Chirurgen, Anästhesisten, Pflegern, Ingenieuren sowie ein Mitglied aus Patels Team.

Wie das Krankenhaus in Luanda nach der erfolgreich verlaufenen OP bekannt gab, war es „die erste ferngesteuerte Operation auf dem afrikanischen Kontinent“. Vipul Patel hob hervor: „Nicht nur technologisch, sondern auch für die weltweite Gesundheitsgerechtigkeit ist die Operation ein großer Fortschritt.“ Hoffentlich nur der Anfang, um vielen Menschen in der Dritten Welt Zugang zu höchst moderner Medizin zu verschaffen. 

zu Hause durch, so bleiben ihnen gefährliche Fahrten zur Klinik erspart. Ihr Team kann täglich etwa 15 Menschen versorgen. Doch mit drei aktiven Teams kann derzeit nur ein Bruchteil davon geleistet werden, was früher möglich war. Oft besuchen die Teams Menschen mit Herzproblemen oder Krebserkrankungen und müssen ihnen mitteilen, dass sie nicht die benötigte Behandlung erhalten können, weil etwa Medikamente fehlen. Sie kümmern sich auch um ältere

Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität, von denen viele nach der Evakuierung ihrer Familien allein zurückgeblieben sind.

Menschen nicht im Stich lassen CARE unterstützt mobile Gesundheitsteams in der Ukraine, damit Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte Menschen zu Hause versorgen können. Krankenwagen werden für die mobile Behandlung ausgestattet, das Personal erhält entsprechende Schulungen. Die

Klinik, die die mobilen Gesundheitsteams koordiniert, gibt Medikamente aus. Diese Maßnahmen hängen jedoch vollständig von Hilfsgeldern ab. Der Chefarzt der Klinik appelliert: „Hören Sie nicht mit der Förderung des Projekts auf. Es ist zu wichtig. Für viele geht es um Leben und Tod. Wir wollen die Menschen, die wir versorgen, nicht im Stich lassen.“

www.care.de

Die internationale Hilfsorganisation CARE wurde 1945 gegründet, um Armut und Hunger in Europa mit über 100 Millionen CARE-Paketen zu lindern. Heute setzt sich CARE in mehr als 100 Ländern für die Überwindung von Not, Armut und Ausgrenzung ein und stellt Frauen und Mädchen ins Zentrum seiner Arbeit. Seit 2022 ist CARE in der Ukraine tätig und unterstützt gemeinsam mit ukrainischen Partnerorganisationen vom Krieg betroffene Menschen. Die Arbeit wird durch Spenden und öffentliche Fördergelder finanziert.

Wenn die Psyche schnelle Hilfe braucht

DEPRESSIONEN | VON NADINE EFFERT

Laut Gesundheitsatlas Deutschland leiden knapp 9,5 Millionen Menschen in Deutschland an Depressionen. Wichtig für Krankheitsverlauf und mögliche Chronifizierung ist eine frühzeitige Behandlung. Wer therapiert werden will, braucht jedoch Geduld – und eine App für die Psyche.

Info-Telefon Depression:

0800 3344533 (kostenlos)

Etwa jeder fünfte Mensch in Deutschland erkrankt in seinem Leben an einer Depression. „Depressionen können durch ein Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren entstehen“, erklärt Dr. Aileen Könitz, Ärztin bei der KKH Kaufmännischen Krankenkasse und Expertin für psychiatrische Fragen. „Dazu gehören belastende Lebensereignisse wie Gewalt, Missbrauch, Trennungen oder Jobverlust, aber auch körperliche Erkrankungen und biologische Einflüsse. Auch Vitamin-D-Mangel kann ein Risikofaktor sein.“ Das sei individuell sehr unterschiedlich, genauso wie die Symptome, die auf Depressionen hinweisen können. Was jedoch für alle Menschen gilt: Wer von Depressionen, die typischerweise episodenhaft verlaufen und die Lebensqualität der Betroffenen teils enorm beeinträchtigen, betroffen ist, sollte sich rechtzeitig professionelle Hilfe suchen.

Lange Wartezeiten

Laut der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) warten Patientinnen und Patienten im Schnitt rund 20 Wochen auf einen Therapieplatz. Und die Lage spitzt sich – vor allem für gesetzlich Versicherte – durch die zum 1. April 2026 beschlossenen Honorarkürzungen für ambulante psychotherapeutische Leistungen voraussichtlich weiter zu. Denn Praxen könnten sich gezwungen sehen, mehr Privatpatientinnen und Selbstzahler aufzunehmen, um die niedrigeren Einnahmen auszugleichen. „Die Leidtragenden sind psychisch erkrankte Menschen. Auf dem Rücken dieser besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppe zu sparen, ist kurzsichtig und nicht nachvollziehbar“, warnt die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Prof. Dr. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank.

Aktiver Umgang

Doch was tun, wenn Therapieplätze knapp und Wartezeiten lang sind? Zur sinnvollen Überbrückung dienen beispielsweise digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs). Das sind Apps auf Rezept mit nachgewiesener Wirkung, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geprüft wurden. Sie unterstützen Betroffene zum Beispiel mit Übungen

Frauen erkranken häufiger an Depressionen.

zur Stimmungsaufhellung, Strukturierung des Alltags oder dem Umgang mit negativen Gedanken. Aktuell gibt es 33 zugelassene DiGAs für psychische Erkrankungen. 

SELBSTTEST DEPRESSION

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention stellt auf ihrer Website einen kostenlosen, anonymen Stimmungsfragebogen zur Verfügung. Das Ergebnis liefert Hinweise, ob Anzeichen einer Depression vorliegen.

www.deutsche-depressionshilfe.de/ hilfe/selbsttest

Was digitale Psychotherapien wirklich leisten

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) werden bei Depressionen immer häufiger erfolgreich eingesetzt. Dennoch unterschätzen viele Fachleute und Betroffene ihr Potenzial noch immer. Der Psychologische Psychotherapeut Dr. Björn Meyer erläutert die wichtigsten Irrtümer.

Sind DiGA im Bereich Depressionen ausreichend erforscht?

Gerade im Bereich Depression gehören DiGA zu den am intensivsten untersuchten Innovationsfeldern in der digitalen Medizin. Digitale Therapieprogramme werden heute nach ähnlichen strengen Kriterien geprüft wie klassische medizinische Behandlungen. Nehmen wir einmal das Beispiel deprexis. Dieses Programm wurde bisher in insgesamt 16 randomisierten Studien evaluiert, darunter auch international und unabhängig durchgeführte Forschungsarbeiten. Sie belegen konsistent die Wirksamkeit der Online-Therapie.

Wirken digitale Therapien nur bei leichten Depressionen? Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Eine große Metaanalyse hat gezeigt, dass selbst Menschen mit mittelschwerer oder schwerer Depression von deprexis profitieren können. Es basiert auf wissenschaftlich fundierten Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie. Nutzerinnen und Nutzer lernen Schritt für Schritt, belastende

Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und aktiv zu verändern. Das Programm ist also weit mehr als eine „Depressionstherapie light“ – es vermittelt therapeutische Kompetenzen, die auch im Alltag nachhaltig wirksam bleiben.

Funktioniert deprexis nur in Kombination mit klassischer Psychotherapie? Forschungsergebnisse zeigen, dass deprexis sowohl als eigenständige Therapie als auch begleitend zu anderen Behandlungsformen wirksam ist. Diese Flexibilität ist ein großer Vorteil digitaler Anwendungen. Manche Patientinnen und Patienten nutzen das Programm, während sie auf einen Therapieplatz warten, andere setzen es parallel zu Gesprächstherapien ein oder im Anschluss daran zur Stabilisierung ihrer Fortschritte. Die Verordnung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte sowie psychotherapeutisches Fachpersonal , die den Verlauf regelmäßig begleiten und gemeinsam mit den Betroffenen entscheiden, wie die Anwendung am sinnvollsten eingesetzt wird.

Welche Rolle spielen digitale Therapien künftig in der Depressionsbehandlung? Digitale Anwendungen werden die Versorgung nachhaltig verändern. Sie können nicht nur Wartezeiten überbrücken oder Therapieangebote ergänzen. Es werden auch Menschen erreicht, die sonst möglicherweise keine Unterstützung in Anspruch nehmen würden. Vor allem bieten sie die Chance, therapeutische Inhalte jederzeit verfügbar zu machen. Das macht sie zu einem wichtigen Baustein einer modernen, patientenzentrierten Versorgung. Aus meiner Sicht sind digitale Therapien deshalb ein eigenständiger Bestandteil wirksamer Depressionsbehandlung.

Dr. Björn Meyer, Psychologischer Psychotherapeut bei deprexis

Entzug heute: sanft, aber ganzheitlich effektiv

ALKOHOLSUCHT

Ganz allein gegen eine Suchterkrankung anzugehen, ist besonders herausfordernd und sogar gefährlich – zu groß das Risiko für körperliche Komplikationen. Nachhaltiger und vor allem gesünder ist die sogenannte qualifizierte Entzugsbehandlung. Aber was kann sie leisten, und worauf sollten sich Betroffene einstellen?

Ein Bier zum Feierabend oder ein Verdauungsschnaps nach dem Essen – feste Rituale, die für nicht wenige Menschen schlicht zur Lebensqualität dazugehören. Was für die Betroffenen keine Bedenken darstellt, sehen Fachleute kritisch: Denn Alkohol ist ein Zellgift, das grundsätzlich alle Organe schädigen kann und als Auslöser oder Verstärker von mehr als 200 Erkrankungen gilt. „Der regelmäßige Konsum von Alkohol wird gesellschaftlich oft verharmlost, ist aber Risikofaktor für zahlreiche chronische Krankheiten“, warnt Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest. Außerdem erhöhe er das Risiko für die Entstehung von Krebserkrankungen, vor allem für Brust- und Dickdarmkrebs, HerzKreislauf-Krankheiten wie Bluthochdruck und Lebererkrankungen.

Anzeichen für Alkoholsucht Fest steht: Alkohol ist hierzulande die mit Abstand am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz. Wie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) bei der Veröffentlichung ihres Jahrbuchs 2026 jüngst mitteilte, konsumierten im Jahr 2025 circa 8,6 Millionen Menschen der 18- bis 64-jährigen Bevölkerung in Deutschland riskante Mengen Alkohol – das bedeutet, dass das Risiko für körperliche und psychische Schäden deutlich erhöht ist. Jedes Jahr kommt es deshalb zu etwa 44.000 Todesfällen.

Ab wann genau von Alkoholsucht die Rede ist, lässt sich nicht anhand der Trinkmenge definieren, sondern ist individuell einzuordnen. Für eine Abhängigkeit spricht etwa, wenn Betroffene stets den starken Wunsch haben, Alkohol zu konsumieren beziehungsweise sie die Menge kontinuierlich steigern, um eine Wirkung zu erzielen. Gleiches gilt, wenn sie Verpflichtungen zugunsten des Alkoholkonsums vernachlässigen.

Hilfe suchen und annehmen Spätestens dann ist dringend gegenzusteuern –auch seitens der Angehörigen und des Freundeskreises. Bei einem Verdacht mutig zu sein und die betroffene Person auf das Alkoholproblem anzusprechen, ist Expertinnen und Experten zufolge die wichtigste erste Maßnahme. Auch Vorschläge, sich beraten oder die Leberwerte

Alkohol ist die mit Abstand am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz.

eigenverantwortlich in der Hausarztpraxis checken zu lassen, sind bedeutsam. Das Gute: Wer Unterstützung sucht, findet diese auch – so etwa in einem flächendeckenden Netz an ambulanten Suchthilfestellen.

Galt in früheren Jahren der „kalte“ Alkoholentzug zumeist als die einzige Behandlungsoption, wird heute davon strikt abgeraten. Denn diese

Alkoholkonsum in Litern Reinalkohol bei Menschen über 15 Jahren

Jahr

radikale Form ist nicht nur enorm anstrengend, sondern auch gefährlich. Gerade bei längerem und exzessivem Alkoholmissbrauch kann ein kalter Entzug schwere körperliche und psychische Folgen haben: Neben epileptischen Anfällen kann es zum lebensbedrohlichen sogenannten Delirium tremens in Form von Halluzinationen, Zittern, Krämpfen, erhöhter Atemfrequenz bis hin zum Koma kommen.

Qualifizierter Entzug

Alternativ zum kalten Entzug gibt es inzwischen wissenschaftlich geprüfte sanftere Alternativen. Stichwort: qualifizierte Entzugsbehandlung, umgangssprachlich warmer Entzug genannt. Zwar steht hierbei genauso der Verzicht auf Alkohol im Zentrum, vielmehr handelt es sich jedoch um individuell abgestimmte, ärztlich überwachte Behandlungsprozesse, die sowohl körperliche als auch psychische Aspekte berücksichtigen und somit den Entzug erheblich erleichtern. Der qualifizierte Entzug geht über die körperliche Entgiftung und Behandlung von Entzugssymptomen hinaus, indem simultan die seelische, körperliche und soziale Dimension der Suchterkrankung beleuchtet wird.

Inhalt dieser spezifischen Therapie, die zumeist in einer Entzugsklinik stattfindet, sind eine umfassende Diagnostik, Aufklärung und der körperliche Entzug. In der Regel kommen in Gruppenoder auch Einzelarbeit Suchtkompetenztraining, themenzentrierte Reflexion sowie Bewegungsund Entspannungsübungen zum Einsatz. Aber auch die Einbeziehung des sozialen Umfeldes und ein Rückblick auf die Biografie spielen eine wichtige Rolle.

Präventiv gegen den Rückfall Nicht nur bei Alkoholsucht, auch bei Medikamenten- und Drogensucht ist die qualifizierte Entzugsbehandlung immer häufiger das Mittel der Wahl. Um die Sucht nachhaltig zu überwinden und das psychische Wohlbefinden dauerhaft wiederherzustellen, sind zusätzlich komplementäre Therapien und psychotherapeutische Arbeit unverzichtbar. Gerade in der Erkennung und Bearbeitung der seelischen Ursachen sehen Fachleute den entscheidenden Schlüssel in der Psychotherapie.

Alkoholsucht muss auch aus psychologischer Sicht verstanden werden.

Klar ist jedoch: Damit die Betroffenen im Alltag nicht in alte Verhaltensmuster zurückfallen, ist die Nachsorge zentral. Hierzu zählen die Teilnahme an Selbsthilfegruppen genauso, wie den Tag neu zu strukturieren, das soziale Umfeld zu verändern und potenzielle Suchtmittel aus dem Haushalt zu verbannen – die beste Voraussetzung, das Rückfallrisiko erheblich zu reduzieren. 

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