DEUTSCHLAND € 4,50 NOV./DEZ. 2026
BEYOND THE ORDINARY
LUCIANO
Jungle-Feeling, Streaming-Rekorde, Live-Spektakel: Was Deutschlands größter Rapper in zehn Jahren auf der Bühne gelernt hat
PLUS JESSICA CHASTAIN / AMON-RA ST. BROWN / FIOONAAX / SAMPAGNE
Photo: R.Schedl
390 DUKE
bereit, jede Kurve zu meistern! Dein Einstieg in die Welt der DUKEs beginnt jetzt! mehr auf ktm.com Gezeigte Fahrszenen bitte nicht nachstellen, Schutzkleidung tragen und die geltenden Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung beachten! Die abgebildeten Fahrzeuge können in einzelnen Details von den Serienmodellen abweichen und zeigen teilweise Sonderausstattung gegen Mehrpreis.
EDITORIAL & CONTRIBUTORS
Fifou lichtet als Fotograf vor allem Rapper (Yung Thug!), aber auch Athletinnen (Naomi Osaka!) ab. Für uns setzte der Franzose CoverHeld Luciano in einem Studio in dessen Heimatstadt Berlin in Szene. Die ganze Story: ab Seite 40
Stefanie Witterauf
FIFOU (COVER), FIFOU, NIKLAS KAMP (KIPP-COVER), STELLA TRAUB, CHRISTIAN WERNER
lebte als Autorin (u. a. „Süddeutsche Zeitung“, „Der Spiegel“) schon in Neu-Delhi und New York. Heute ist sie in München zu Hause und sprach für uns mit Creatorin Fiona Röhrig, wie sie Menschen da für begeistern will, selbst zu nähen. Ab Seite 52
Anne Waak
A
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uf manche Situationen bereiten uns auch zehn Jahre Karriere nicht vor. So lange steht Deutschrap-Größe Luciano nun schon auf der Bühne, und anlässlich dieses Jubiläums geht er ein besonderes Wagnis ein: Bei Red Bull Setlist am 18. November in Köln über gibt er seinen Fans die Kontrolle. Per Voting entscheiden sie unter anderem über Songs und Gast-Künstler dieses einzigartigen Konzerts. Davor blickt er ab Seite 40 mit uns zurück auf seinen Weg von den Straßen Berlins in die größten Arenen des Landes. Um einen besonderen Aufstieg geht es auch ab Seite 68. Dort erzählt Berg steiger Jost Kobusch, welches Können es erfordert, den Westgrat des Mount Everest solo – und noch dazu im Winter – zu bezwingen: ein Abenteuer, das er im Dezember in Angriff nehmen will. Viel Freude mit dieser Ausgabe, die Redaktion
lebt als Autorin („GQ“, „Welt am Sonntag“) in Berlin und schreibt regelmäßig über Culture-Themen. Für uns befragte sie Rapper Luciano in Neukölln anlässlich seines zehnjährigen Bühnenjubiläums. Seine wichtigsten Learnings: ab Seite 40 THE RED BULLETIN
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6 Genau ihr Style: Creatorin Fiona Rörig in einer selbst designten Jacke
Portfolio
Asphalthelden
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Kein Fotograf lichtet BMX-Fahrer so roh und authentisch ab wie der ehemalige BMX-Profi Benoît Gea. Seine besten Bilder. Rap
Luciano 40
52 8 Gallery 14 Dataverse: Podcast 16 Hype-Check: Kodak Charmera 18 Emoji-Interview: Rosemondy 79 Reise: Kajak-Abenteuer in Patagonien 84 Playlist: Sampagne 86 Mindgame: Dance 88 Gear Guide: Uhren 94 Snap Fiction von Leif Randt 98 Letzte Seite: Vartan Bassil THE RED BULLETIN
Deutschlands größter Rapper teilt zehn Learnings aus zehn Jahren auf der Bühne – von Kreativität bis Business. Mode
Lebe deinen Style 52 Heroes
Jessica 20 Chastain Schauspielerin
Amon-Ra 22 St. Brown
Profi-Footballer
James Hype 24 Elektro-DJ
Creatorin Fiona Rörig will die Menschen fürs Nähen begeistern. IShowSpeed und Ski Aggu lieben ihre Entwürfe. MotoGP
„Ich muss meinen Kopf freibekommen“
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MotoGP-Pilot Pedro Acosta über Stürze, Mentaltrainer und den entscheidenden Rat seines Vaters. Bergsteigen
Feel free Jost Kobusch will im Winter allein auf den Mount Everest klettern. Woher kommt seine Stärke?
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MURAT ASLAN, KTM
INHALT
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Blick nach vorn: MotoGP-Fahrer Pedro Acosta lernte früh, mit Rückschlägen umzugehen.
THE RED BULLETIN
ATIBA JEFFERSON/RED BULL CONTENT POOL
ANNA MAYUMI KERBER
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Los Angeles, USA
Skywalker
Wie ein X zeichnet sich der Körper der britisch-japanischen Skaterin vor dem makellosen Blau des Himmels ab. Auch ihr Name scheint Programm: Sky Brown gewann mit gerade e inmal dreizehn Jahren Bronze bei den Olympischen Spielen in Tokio. Doch ihre persönliche Flughöhe kennt noch lange keine Limits: Als Nächstes will die mittlerweile Achtzehnjährige als Wellenreiterin zu Olympia. Instagram: @skybrown THE RED BULLETIN
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Stuttgart, Deutschland
Hochgefühle Das war Liebe auf den ersten Blick: Über 90.000 Zuschauer kamen zur Premiere der Urban-Downhill-Serie Red Bull Cerro Abajo in Stuttgart – und feierten die spektakulären Abfahrten der Mountainbike-Asse. „Es war eines der krassesten Bike-Events, die ich je erlebt habe“, sagte Johannes Fischbach, der hier gerade durchs Bild fliegt. Kurzum: Alle Beteiligten könnten sich durchaus mehr vorstellen.
Gleit-Zeit
Patrick von Känel sucht Fluglinien, die es so noch nicht gegeben hat. Am Landwasserviadukt in Filisur gelang dem Schweizer Profi-Gleitschirmpiloten ein spektakuläres Manöver: Mit seinem speziell entwickelten Schirm slalomierte er präzise um die Viaduktpfeiler. Dafür brauchte es perfekte Windbedingungen, eine enge Abstimmung mit der Rhätischen Bahn und zahlreiche Trainingsflüge. Vier Anläufe später passte alles, und es gelang dieser mehr als spektakuläre Flug. redbull.com THE RED BULLETIN
MARCEL LÄMMERHIRT/RED BULL CONTENT POOL
Landwasserviadukt, Schweiz
ANNA MAYUMI KERBER
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Riga, Lettland
Quergestellt Das Heck bricht aus, die Reifen qualmen, und das Auto rutscht quer über den Asphalt: Driften ist kontrollierter Ausnahmezustand. Der Pole Jakub Przygoński (hier im Vordergrund) beherrscht das Spiel mit der Physik und zeigte bei den Drift Masters im Juli in der lettischen Hauptstadt Riga, wie spektakulär Präzision aussehen kann. redbull.com THE RED BULLETIN
MIHAI STETCU/RED BULL CONTENT POOL
ANNA MAYUMI KERBER
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THE RED BULLETIN
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DATAVERSE 3.
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Immer auf Sendung
1. Take me Späti 1.
Podcasts begleiten uns durchs ganze Leben. Eine Würdigung in Zahlen und Fakten.
Unterhaltsam: Creatorin Sara Arslan trifft in Berliner Spätis vor allem Rapper zu einem „ersten Date“. 2. Haben oder Nicht Haben Lässig: Die Comedians Haben Prince und Joey Malik über Alltag, Pop kultur und Lifestyle 3. Sport1 Deep Dive
Daten und Text Tin Fischer Illustration Tobias Wanders
Bewegend: Lenny Peteanu spricht mit Sport- Größen wie Arda Saatçi oder Klara Bühl.
202 2 3 202 9,5 % 29, 2 1%
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In jeder Lage
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Die Zahlen zeigen: Heut zutage hören wir immer und überall Podcasts. Am häufigsten im Auto und zum Einschlafen. THE RED BULLETIN
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Welche Themen interessieren euch?
Bei Podcasts dominieren mit Nachrichten eher die harten Themen. Erst danach folgen Musik, Sport oder Comedy (ausgewählte Antworten).
VERBREITUNG: ONLINE AUDIO MONITOR (2025), THEMEN UND ORTE: BITKOM RESEARCH (2025)
Findet Gehör
Vom Spartenmedium zum Mainstream in nur wenigen Jahren: Ein Drittel der deutschen Bevölkerung gibt mittlerweile an, mindes tens gelegentlich Podcasts zu hören. Tendenz: steigend - während sie etwa beim Fernsehen fällt.
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ROBIN REICH
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Nachrichten Musik Technik Sport Urlaub Comedy
201 9 201 16,7 % 8 13, 4%
Schon gehört?
Drei Podcast-Tipps für diesen Herbst:
JEDE KURVE EINE EINLADUNG. JEDE GERADE EIN VERSPRECHEN. DUNLOP verwandelt Erfolge auf der Rennstrecke in Innovation für den Alltag. Echte Performance, die bei jedem Wetter Kontrolle und Sicherheit garantiert. Mit einer Präzision, die nicht einfach bewegt, sondern begeistert.
dunloptyres.com
HYPE-CHECK
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Kirafin
Wo ist das Vögelchen?
heißt bürgerlich Jonas Willbold, ist 32 und unterhält seine 1,3 Millionen Follower auf TikTok mit Comedy- Formaten. Nebenbei folgt er seiner Faszination für Tech-Produkte und -Trends. Für uns nimmt er aktuelle Hypes unter die Lupe.
Die Kodak Charmera ist ein Schlüsselanhänger mit Foto-Funktion. TechChecker Kirafin zoomt für uns näher heran.
Der Hype Gefühlt jeder Hype-Creator, der was auf sich hält, hat dazu gepostet. Erfolgreichstes Video mit 2,5 Millionen Views von mylenesmind.
THE RED BULLETIN
MUST-HAVE-FAKTOR
Perfekt für … … Freunde schöner Dinge mit Überraschungseffekt. (Die knipst ja wirklich!) Ungeeignet für … … Technik-Fans, für die wahre Schönheit in den Specs liegt.
Wie die Großen: Die Charmera kommt mit eigenem Display und Sucher.
KODAK
Das Teil Erinnert an die Achtziger, ist so groß wie eine Streichholzschachtel und schießt tatsächlich Fotos. Möglich macht’s ein ¼-Zoll-CMOSSensor mit 1,6 Megapixeln. Sogar Videos gehen. Viele Varianten zum Sammeln.
Der Check Die Bildqualität verströmt einen Nullerjahre-HandyCharme, ist also mies. Klar geht es um den tollen RetroLook und das Sammelfieber. 40 Euro pro Exemplar sind dafür aber happig.
EIN SOMMER VOLLER HIGHLIGHTS?
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EMOJI-INTERVIEW
Sei leise, ROSEMONDY! In diesem Interview dürfen die Befragten nur mit Emojis antworten. Dieses Mal: ROSEMONDY, Creatorin und Miss Germany 2026.
Und wie beschreibst du den Vibe deiner Streams?
In deiner Freizeit malst du. Wie würdest du deinen Stil beschreiben? THE RED BULLETIN:
Bitte beschreib dich in 3 Emojis. ROSEMONDY:
Dein Gefühl, bevor das Finale zu Miss Germany losging?
Worin liegt noch mal der Reiz deines Heimatorts Herne? Und als du als Gewinnerin verkündet wurdest? 2025 und 2026 warst du „Streamer of the Year“. Dein Erfolgsrezept? Früher hattest du einen Kosmetiksalon. Was macht Schönheit für dich aus? Als Gaming-Streamerin: Wie beschreibst du deinen Eltern den Reiz des Spiels „Valorant“?
Die Senkrechtstarterin
Geboren in Syrien, kam ROSEMONDY, bürgerlich: Dua Fares, im Alter von fünf Jahren nach Deutschland und wuchs in Herne im Ruhrgebiet auf. Auf ihrem Twitch-Kanal @ROSEMONDY verbindet sie Gaming mit persönlichen Themen, wobei sie neben Unterhaltsamem auch offen über Selbstzweifel spricht. 2025 und 2026 wurde sie „Streamer of the Year“. 2026 gewann sie zudem den Titel Miss Germany. Instagram: @realrosemondy THE RED BULLETIN
WHEN ALL IS SAID AND DONE, WAS IT SAID OR WAS IT DONE?
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HEROES
hat ihre Herkunft aus armen Verhältnissen nie verleugnet. Statt sich im Ruhm zu sonnen, kämpft die OscarSchauspielerin für eine größere Mission. Text Mariam Schaghaghi
Ihre Geschichte klingt wie aus einer Soap: Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen, Mutter gerade mal siebzehn, ist gesegnet mit einem Ausnahmetalent und schafft es auf die beste Schauspielschule des Landes. Sie beeindruckt die Größten ihrer Zunft, wird zum Hollywoodliebling und gewinnt einen Oscar. Hach, und dann heiratet sie auch noch einen coolen italienischen Adeligen. Doch Jessica Chastain hat all das wirklich erlebt. Mit einem Tag Verspätung trifft sie zum Interview ein, im roten Hosenanzug, Stilettos und völlig ohne Starallüren. Sie hatte ihren Flug verpasst, kam nicht aus der Verkehrshölle Manhattans raus. „Ich habe vor Nervosität fast in den Vordersitz gebissen“, erzählt sie. Dabei wollte sie unbedingt über „Dreams“ sprechen, ihren zweiten Film mit dem mexikanischen Regisseur Michel Franco – ein kleines, unbequemes Drama über Begehren, gesellschaftliche Grenzen und die Grausamkeit, Liebe mit Besitz zu verwechseln (erhältlich via Amazon Prime).
Vorliebe für riskante Stoffe
Sie könnte es sich längst einfacher machen – als Megastar. Seit ihrem Durchbruch vor fünfzehn Jahren in Terrence Malicks „The Tree of Life“ neben Brad Pitt gilt Chastain als Meryl Streep des 21. Jahrhunderts, sorgte mit „The Help“, „Interstellar“ oder „Zero Dark Thirty“ für BoxOffice-Hits, gewann für „The Eyes of Tammy Faye“ den Oscar. Doch nie suchte sie Rollen, die ihren Ruhm polieren, sondern vielmehr riskante Stoffe: „Ich will den Blick auf die Welt verändern.“ In „Dreams“ ist sie als Frau zu sehen, deren Herkunft von ihrer eigenen weit entfernt ist: Jennifer ist reich und kultiviert, eine Ballettmäzenin, die ihren
THE RED BULLETIN
On point
Geboren am 24. März 1977 in Sacramento, Kalifornien; lernte Krav Maga (Selbst verteidigung); liebt ihren dreibeinigen Hund Chaplin nächster Film: „Other Mommy“ (Horror, ab 29. Oktober)
exikanischen Geliebten, einen Tänzer, m geheim hält. Soziale Ungleichheit kennt Jessica aus ihrer eigenen Jugend. „Ich habe große Empathie für Menschen, die nicht wissen, wie sie etwas zu essen bekommen“, sagt sie. „Meine Mutter, die uns mit meiner Großmutter allein aufzog, musste oft überlegen, wie sie uns satt kriegt.“ Dieser Satz fällt ohne Selbst mitleid. Er erklärt aber die Genauigkeit, mit der sie bis heute auf Menschen blickt, die weniger Glück haben. Im Psychothriller „Other Mommy“, der zu Halloween anläuft, gelingt ihr sogar eine Doppelrolle: Sie spielt eine Mutter und deren unheimliches Gegenbild – Positiv und Negativ, Schutzfigur und Bedrohung zugleich. Eine reizvolle Aufgabe für eine Ausnahmeschauspielerin, die hellen und dunklen Seiten einer Figur gleich zeitig sichtbar machen zu können.
Mentor Al Pacino
Ihre Kindheit in Nordkalifornien war alles andere als einfach: Die Mutter schlug sich nach der Trennung als Köchin durch. Jessica ging wie ihre zwei Geschwister auf eine staatliche Schule, in der sie nicht viel lernte. Nur auf Schulbühnen und im Tanztheater fühlte sie sich wohl. Ein Stipendium, finanziert von Schauspielgenie Robin Williams, brachte sie an die Juilliard School in New York. Dort blühte sie auf. 2006 hörte sie von einem Casting Al Paci nos, der für sein Filmdrama „Salomé“ die Hauptrolle suchte. Jessica spielte, tanzte
Ehemann produziert Prosecco
Bis heute fordert die 49-jährige Gleich berechtigung und Chancengleichheit ein. Beim Actionfilm „The 355“ entwickelte sie mit den Kolleginnen Penélope Cruz und Diane Kruger ein Produktionsmodell, das sie nicht nur als prominente Zugpferde einsetzt, sondern am Gewinn beteiligt. Als Produzentin von „Freckle Films“ (benannt nach den Sommersprossen der Rothaarigen) schafft sie Raum für Frauen figuren und Stoffe, die im Studiosystem leicht übersehen werden. Feminismus besteht für sie nicht nur darin, Ungerechtigkeiten zu benennen, sondern Macht gerechter zu verteilen. Statt in Venetien auf dem Landgut ihres Mannes abzuhängen (er produziert Prosecco), hält Chastain lieber New York die Treue. „Man hört auf der Straße so viele Sprachen, so viele Akzente, und alle fahren U-Bahn – egal aus welcher Schicht man kommt. Für mich ist New York City der beste Ort zum Leben.“ Ihre zwei Kinder bringt sie selbst zur Schule – natürlich mit der Subway. Ja, gegen Chastain scheint Cinderella ein Waisenkind zu sein. Bemerkenswert ist jedoch nicht, dass die Schauspielerin der Welt entkam, aus der sie stammte. Sondern dass sie sie nicht vergaß. Dass sie gegen Abhängigkeiten, Demütigungen und ungleiche Chancen kämpft. Chastain hat sich auf den Roten Teppich vorgearbeitet. Aber ihr größter Verdienst ist, dass sie dort nicht stehen blieb. Sondern aus ihrem Märchen eine Mission machte. Instagram: @jessicachastain
GETTY IMAGES
Jessica Chastain
– und verzückte ihn. „Eine Offenbarung, ein Wunder“, schwärmt er bis heute von ihr. Fünf Jahre später kam der große Durchbruch: als sie neben Brad Pitt in Cannes auf dem roten Teppich stand und im Film „The Tree of Life“ von Kultregisseur Terrence Malick zur Sensation wurde. „Ich glaube daran, dass Geschichten und Filme ein Wir-Gefühl unter Fremden erzeugen können und einen besseren Umgang miteinander ermöglichen“, sagte Chastain in einer bewegenden Rede, als ihr im Herbst am Hollywood Walk of Fame ein Stern gewidmet wurde.
„Ich suche mir Filmstoffe aus, die den Blick auf die Welt verändern.“ Schauspielerin Jessica Chastain, 49, will, dass Macht gerechter verteilt wird.
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HEROES
wuchs als Kind teils in Leverkusen auf und ist heute einer der prägenden Spieler der NFL. Sein Erfolgscode: viel Arbeit und noch mehr Gelassenheit. Text Jürgen Schmieder
On point
Kaum etwas verrät einem mehr über eine Person als ihre Reaktion auf Stress, die Adjektive für die Situation dienen oft als treffende Beschreibung des Menschen. Für einen Footballprofi von den Detroit Lions zum Beispiel bedeutet eine NFLPartie in München: Abflug in Detroit am Donnerstagnachmittag, Spiel gegen die New England Patriots am Sonntag, Rückkehr über den Atlantik und Landung wohl noch am Sonntag Detroit-Zeit. Man kann so etwas für Kapitalismuskritik im Sport und zum Jammern nutzen, als Recht fertigung fürs Millionengehalt angesichts all der Strapazen und natürlich auch als Reklame für sich selbst. Oder man ist Amon-Ra St. Brown, deutschstämmiger Wide Receiver und einer der größten Stars dieser Liga: „Viel am Flughafen, viel im Flieger. Wir sind gut vorbereitet, es werden vier coole Tage.“ Analytisch, gelassen, optimistisch.
Abseits davon: kein Schnickschnack, sondern nüchterne Analyse – und dann sofort betonen, die Ärmel hochkrempeln und hart arbeiten zu wollen. „Man kann Ausreden finden, oder man geht die Aufgabe ehrgeizig und freudig an“, sagt er, „egal ob man den Super Bowl gewinnen oder Arzt werden möchte.“ Sein Motto: „Mach erst mal, was du tun kannst – und gucke dann, was dabei rauskommen könnte.“
Spektakel auf dem Spielfeld
202 Extra-Pässe pro Training
Dieser Mindset-Dreiklang reicht, um St. Brown zu verstehen, er verwendet ihn immer wieder bei unserem Gespräch zu Saisonbeginn: Beschreiben der Fakten, Beschreiben des eigenen Tuns und kurze Prognose zum Verlauf. Über die Chancen seiner Lions in dieser Saison: „Wir haben eine gute, eingespielte Truppe. Wir haben Erfolge gefeiert, wissen also um unsere Stärke. Es gibt aber auch Hunger, weil wir das große Ziel (Gewinn der Super Bowl; Anm.) noch nicht erreicht haben. Für mich bedeutete das in der Sommerpause: konstanter werden, für mich und die Lions.“ So tickt St. Brown: Spektakel gibt es auf dem Spielfeld, 44 Touchdowns in fünf Profijahren hat er bislang geschafft.
THE RED BULLETIN
Geboren am 24. Oktober 1999 in Anaheim, Kalifornien; Status einer der besten Receiver der NFL; Stärken Technik, Tempo, Spielintelligenz; Team Detroit Lions; Erfolgsgene Vater war als Bodybuilder „Mr World“
Das beste Beispiel: er selbst. Im Oktober 1999 in Kalifornien zur Welt gekommen, verbrachte er viele Sommerferien in Leverkusen, der Heimatstadt seiner Mutter Miriam. Vater John war einst Body builder, die Keiner-interessiert-sichfür-Tränen-im-Gym-Einstellung gab er an seine Söhne weiter. Dem Teenager Amon-Ra etwa teilte er mit, dass NFL-Star Odell Beckham Jr. nach jedem Training 200 Extra-Pässe fangen würde – also fängt Amon-Ra seitdem nach jeder Einheit jeweils 202, immer noch übrigens. Aus Wut darüber, dass bei der Talentbörse insgesamt 16 Receiver vor ihm gewählt wurden, lernte er deren Namen mit dem Ziel, eine bessere Karriere hinzulegen als jeder Einzelne von ihnen. Hat er bislang geschafft: Er ist ein Megastar. Er steht
Arbeiterkind in Arbeiterstadt
Zu den Lions, damals auch noch noto rische Verlierer, kam er 2021 nur, weil er wie erwähnt erst so spät beim Draft gewählt wurde. „Ich wollte niemals zu den Lions, nie nach Detroit. Die waren nie gut gewesen, als ich klein war.“ Aber wie immer: nicht jammern, an sich arbeiten – und schauen, was dabei rauskommt. „Mir konnte doch vor sechs Jahren keiner sagen, dass wir konstant eine der besten Mannschaften der NFL sein würden.“ Und er zu dieser Stadt passen würde wie die Faust aufs Auge. Hat doch alles geklappt. Mit dieser Einstellung ist er freilich nicht nur ein außergewöhnlicher Footballprofi, sondern zeigt sowohl im Sport als auch menschlich eine Alternative dazu auf, eine Karriere oder vielleicht gar das Leben selbst nur anhand von Titeln und Erreichtem zu messen. Wer die Arbeit erledigt, darf auf Erfolge hoffen – sie allerdings nicht erwarten oder das Glück ausschließlich davon abhängig machen. Das bedeutet freilich nicht, dass St. Brown Erfolg egal wäre. Vielleicht so: Die Karriere bislang ist, wie er sagt: „ein Traum“. Ein Super-Bowl-Triumph würde den Traum schöner machen; es besteht aber keine Albtraum-Gefahr, sollte es nicht klappen. Instagram : @amonra_stbrown
ROBERT SNOW/RED BULL CONTENT POOL
Amon-Ra St. Brown
im Rampenlicht, wie alle Passfänger in dieser Liga, die oft als Diven gelten – auf dem Platz und abseits davon erst recht, nicht wenige haben dadurch ihre Karriere sabotiert. St. Brown dagegen fällt auf, weil er genau das nicht ist; weil er nach einem Misserfolg wie im letzten Jahr nicht jammert und Schuldige sucht, sondern sogleich mit der Arbeit beginnt. Einer, der schonungslos an sich arbeitet und hart angepackt werden will. Damit passt er natürlich perfekt in die Malocher-Stadt Detroit: „Die Leute hier sind Arbeiter. Die schätzen, wenn einer alles gibt. Die verstehen, was es bedeutet, in einem Team seine Rolle zu finden. Dass meine Werte so sehr mit denen der Franchise und dieser Stadt übereinstimmen, ist einfach ein Traum.“
„Man kann Ausreden finden, oder man geht die Aufgabe mit Freude an.“ Sein Ehrgeiz hilft St. Brown, 26, gegen den inneren Schweinehund.
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HEROES
James Hype behandelt DJing wie Extremsport und will auf jeder Show noch krassere Tricks zeigen. Er findet: Je schwieriger deine Obstacles, desto höher lernst du zu springen. Text Alex Lisetz Foto Cult Creatives / Chris Alba
Mit zwanzig schien es, als hätte James Hype seine Pechsträhne überwunden. Endlich stand er da, wo er immer hin wollte: Ibiza. Auf dem Smartphone hatte er die Mail-Zusage für eine Residency in einem gefragten Club. Bevor es losging, wollte er noch einmal kurz durchatmen. „Ich fuhr mit dem Leihauto zum Aus sichtspunkt Es Vedrà. Zehn Minuten Sonnenuntergang-Schauen, dann wieder in die Stadt. Als ich zurück zum Parkplatz kam, war die Scheibe eingeschlagen, mein Laptop und meine Brieftasche waren gestohlen, und ich konnte den Job vergessen.“ James Hype ist der Weltruhm nicht in den Schoß gefallen. „Ich konnte nichts, kannte niemanden. Aber ich war ehrgeizig. Zum 15. Geburtstag hatte ich mir ge brauchte Decks gewünscht. Damit brachte ich mir in meinem Kinderzimmer das DJing selbst bei.“ Partys, Fame, Mädels? Interessierten ihn nicht. „Ich fuhr mit dem Auto stocknüchtern in die Clubs und stocknüchtern wieder nach Hause. Dazwischen verlor ich mich in der Musik und beobachtete die DJs bei der Arbeit.“
Vom Skater zum Scratcher
Wie wurde aus dem schüchternen Teen ager aus einer nordenglischen Kleinstadt einer der technisch virtuosesten HouseDJs der Welt? Und warum sind bei seinen energetischen Shows Live-Mashups, spon tane Edits und drei oder vier parallele Decks Standard? Darauf hat James Hype eine routinierte Antwort: „Ich will mich selbst fordern, dem Publikum etwas bieten und DJing auf ein neues Level bringen.“ Doch als wir im Gespräch tiefer in seine frühe Jugend eintauchen, gewinnt er selbst neue Einsichten. „Als Kind und Jugendlicher war ich Skater. Und auf unserem Skateplatz gab es einen DJ, der
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On point
Heißt James Edward Lee Marsland; begann seine Karriere in Liverpool; hat ein Musik- und Mode-Label namens Stereohype; war mit „Ferrari“ 64 Wochen in den A-Single-Charts; betreibt auf Insta „als Lebensweisheiten getarnte Selbsttherapie“
Musik machte, während wir Jungs unsere Tricks übten. Ich fand ihn unheimlich cool und wollte unbedingt so werden wie er.“ „Kann es sein, dass du im Herzen Skater geblieben bist? Dass die Decks deine Half pipe sind, auf der du immer höhere Sprünge und immer schwierigere Tricks zeigen willst?“, fragen wir. „Hab ich noch nie so gesehen“, sagt James Hype, „aber klingt verdammt plausibel.“
Widerstand macht standfest
James Hypes Extremsport-Spirit erklärt auch sein Arbeitsethos. „Fortschritt braucht Trial and Error. Darum sollte man nicht über Rückschläge jammern, sondern aus ihnen lernen. Als mir auf Ibiza mein Laptop gestohlen wurde, war ich verzweifelt. Aber dann realisierte ich, dass alle Ideen, alle halbfertigen Songs, alle Samples auch in meinem Kopf ab gespeichert waren. Und nicht nur das. Als ich mich bemühte, die verlorenen Daten wiederherzustellen, kamen bessere Ideen dazu.“ Sein Learning: Willst du vorwärts, darfst du es dir nicht zu einfach machen. „Ich versuche, jeden Tag um ein Prozent besser zu werden als am Tag davor. Denn nur wenn du dich ständig selbst forderst, bleibst du auf Dauer erfolgreich.“ Am Be ginn seiner Karriere, so der heute 36-Jäh rige, war ihm nicht klar, dass diese Regeln allgemeingültig sind und nicht nur auf ihn zutreffen. „Leute wie Calvin Harris waren
damals für mich Halbgötter. Ich hingegen war nur ein Normalo. Also musste ich mein im Vergleich kleines Talent mit Fleiß kom pensieren, um wahrgenommen zu werden, dachte ich. Bis ich die berühmten Typen kennenlernte und mir klar wurde: Auch die wurden nicht als Stars geboren. Sie sind so gut, weil sie sich den Arsch abarbeiten.“
Superpower Cringe-Resilienz
Für die Produktion von „Waterfalls“ und „More Than Friends“, für ausverkaufte Stadientourneen und internationale Hits mit über 850 Millionen Spotify-Streams („Ferrari“) braucht es aber nicht nur Fleiß und Talent. „Du darfst keine Angst vor Cringe-Momenten haben“, sagt er und lacht schon bei der Erinnerung daran, „sonst wirst du nie den Schritt wagen und etwas Neues schaffen. Bei vielen Songs, die von mir im Netz kursieren, rollt’s mir die Zehennägel auf. Oder wenn ich an meine allererste Show denke …“ James, damals keine zwanzig, hatte seine erste Mix-CD an jeden DJ in jedem Liverpooler Club verteilt, und nach Wochen erhielt er eine Facebook-Nachricht: Ein After-Hour-Club in einer Nebenstraße gab ihm eine Chance. Ganze sechs Stunden lang sollte er auflegen. „Das erste Problem war, dass mir nach der Halbzeit die Musik ausging. Das zweite, dass ich zeigen wollte, was ich draufhabe, aber null Rücksicht auf die Stimmung des Publikums nahm. Ich zog nerdig mein Programm durch und ignorierte, was bei den Leuten ankam und was den Vibe killte.“ Heute ist James Hype für das Gegen teil bekannt: seine ansteckende Energie und seine außergewöhnlichen Fähigkeiten in puncto Crowd Control. Die bewies er im August auch auf dem Frequency Festi val in Österreich – und das unter beson deren Bedingungen. Seine Headlineshow fand nach den Regeln von Red Bull Direc tions statt, einem interaktiven DJ-Set, bei dem Hype intuitiv auf Anweisungen des Publikums reagieren musste. Eine Herausforderung ganz nach seinem Ge schmack also. Hype nahm sie an – und wuchs über sich hinaus. Sein Set vor einer ekstatischen Crowd war einer der Höhe punkte des Festivals. Instagram: @jameshype; @jameshypethoughts
„Du darfst keine Angst vor CringeMomenten haben.“ DJ James Hype (36) weiß, wie du den Schritt für Neues wagst.
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Lichtgeschwindigkeit
Die hellen „Light Leaks“ auf diesem Bild sind Fehler auf dem analogen Film. „Klar, man kann sie als Makel sehen“, sagt Gea. „Aber für mich geben sie dem Shot genau den richtigen Vibe.“ Warum? Weil sie den Speed der Fahrer sichtbar machen. „Perfektion liegt manchmal eben in der Unvollkommenheit.“
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PORTFOLIO
Streetstyle! Zehn Jahre lang war er selbst BMX-Profi. Mittlerweile nimmt Benoît „Ben“ Gea andere Rider in den Fokus seiner Kamera – und erschafft eine verträumte Action-Welt in Schwarz-Weiß.
Text Pauline Krätzig Fotos Benoît Gea
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PORTFOLIO
Schnell und oft improvisiert: Das ist BMX. Für ein Medium wie die Fotografie, das oft nur den Bruchteil eines Augenblicks einfängt, ist das eine ziemliche Herausforderung. Benoît „Ben“ Gea hat da gleich mehrere Vorteile: Als ehemaliger BMX-Profi sieht er, welchen Trick ein Rider gerade vorbereitet. Und als Fotograf weiß er, wie er mit Lichteffekten auf den Bildern Tempo macht. Er selbst braucht bei der Arbeit Ausdauer. „Den Jungs bei einer Street-Session zu folgen, ist manchmal echt heavy. Deshalb trage ich auf Fototour möglichst wenig Zeug mit mir rum.“ Crossover
Gute Motive entstehen durch gute Ideen – und mit Hilfe von Leuten, die den Spaß mitmachen. Gea ließ den zehnfachen BMXFlatland-Weltmeister Matthias Dandois für diesen Shot ganz in Weiß antanzen – „passend zu den Asphaltmarkierungen“ –, damit Matthias optisch mit der Kreuzung verschmilzt. THE RED BULLETIN
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THE RED BULLETIN
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Weichzeichner
Streetfotografie ist spontan und echt. Ein Blick hinter die Fassade. „Mein Kumpel Jo (Gass, Anm.) wirkt mit seinen kurzen Haaren und seinem Style wie ein Bad Boy. Das Bild mit den beiden mächtigen Hunden beweist: Lasst euch nicht vom Äußeren täuschen. Alle drei beißen nicht.“
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Und: Action!
Im BMX-Sport gibt es grob gesagt zwei Arten von Tricks: Aerials – Moves in der Luft. Und Slides – dabei grindet der Fahrer über ein Geländer (Rail) oder eine Kante (Ledge). Gea: „Slides sind foto grafisch oft weniger spektakulär. Ich bringe Spannung rein, indem ich mit der Belichtungszeit spiele. Die Bewegungsunschärfe wirkt super dynamisch.“ THE RED BULLETIN
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PORTFOLIO
Konkurrenzlos
Mit seiner futuristischen Architektur erinnert das Musée des Confluences in Lyon an eine schwebende Kristallwolke. „Ein visuell extrem starker Spot“, sagt Gea. „Das Umfeld ist bei meinen Bildkom positionen e xtrem wichtig.“ THE RED BULLETIN
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Gea dokumentiert die kreative Seite der Szene, vor allem Freestyle-BMX und das ganze Drumherum – die Anspannung, die Vorbereitung eines Tricks, die Stürze, alles, was dazugehört. „Ich will mit meinen Bildern Geschichten erzählen, nicht nur ein schönes Foto machen“, erklärt er. „BMX‑Fotos konzentrieren sich oft nur auf den Rider. Ich versuche, noch eine zusätzliche Ebene oder andere Elemente einzubauen. Die Straße ist dafür perfekt. Dort passiert immer etwas. Und alles, was das Bild lebendig macht, darf mit drauf.“ Genau das gibt seinen Bildern ihren einzigartigen Drive. Auch, dass Gea mit den meisten F ahrern, die er mit der Kamera begleitet, zu Profizeiten bereits geshreddet hat oder lange mit ihnen befreundet ist. Man versteht sich ohne Worte, kommuniziert mit Blicken – auch mal via Headset, wenn das Timing von Trick und „Klick!“ on point sein muss.
Der Fotograf
Benoît „Ben“ Gea, 36, aus Pau in Frankreich, war über zehn Jahre lang BMXProfi (Street/Park). Heute ist er Fotograf, Filmemacher und Juror für Fotowett bewerbe. Er ist Autor des Fotobuchs „Emulsion“. Instagram: @bengea_
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PORTFOLIO THEMA
„Mich inspirieren Regisseure wie Stanley Kubrick oder David Lynch und ihre präzise komponierten, atmosphärisch aufgeladenen Szenen.“
Flugobjekte
Gruppenfotos sind oft gruselig gestellt. Gea wirbelt das verkrampfte Posing gerne auf – mit Tauben. „Für mich symbolisieren sie das pure Street-Feeling. Außerdem sind sie unberechenbar und sorgen immer für eine Überraschung auf dem entwickelten Bild.“ THE RED BULLETIN
PORTFOLIO THEMA
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Cool bleiben
Die meisten Menschen sind genervt, wenn eine fremde Person mitten durchs Bild läuft. Gea begrüßt spontanen Besuch wie diese unbekannte Lady vor der Linse. „Genau diese Mischung aus Streetund BMX-Fotografie liebe ich.“
THE RED BULLETIN
PORTFOLIO
PORTFOLIO
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Aufwirbeln
Bilder können den Blick auf die Welt verändern. Mit seiner alten Hasselblad 500 C schafft es Gea, die Aufmerksamkeit der Betrachter auf Details wie ein Hinterrad zu shiften. „Die Kamera ist dasselbe Modell, das die Crew von Apollo 17 1972 auf dem Weg zum Mond dabeihatte.“
Filmrolle
Gea fotografiert fast nur analog. „Ich habe Chemie studiert. Das ist auch ein Grund, warum mich der gesamte Entstehungsprozess eines Fotos so fasziniert. Negativfilme zu entwickeln, ist reine Chemie.“ Wie gut, dass diese bei ihm fast immer stimmt. THE RED BULLETIN
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PORTFOLIO THEMA
Freundeskreis
Seit 2008 treffen sich jährlich über 80 Freunde aus ganz Frankreich, um die ikonischen Bowls im Baskenland zu shredden. Gea findet: „Der ‚Apache Trip‘ fühlt sich wie ein Festival an. Man rollt entspannt mit einem Drink in der Hand über Betonwellen.“
THE RED BULLETIN
„BMX-Fotos konzentrieren sich oft nur auf den Rider. Ich versuche, noch andere Elemente einzubauen. Die Straße ist dafür perfekt. Dort passiert immer etwas.“
THE COOLER BRAND
THE RED BULLETIN
RAP Von der Straße in die größten Arenen der Nation: Luciano ist Deutschlands erfolgreichster Rapper. Nach zehn Jahren auf der Bühne übergibt er das Kommando bei Red Bull Setlist für einen Abend ans Publikum. Vor seinem Jubiläumskonzert hat er zehn Lektionen für uns. Text Anne Waak Fotos Fifou
LU CIA NO
THE RED BULLETIN
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D
as Interview findet in einem Fotostudio in Berlin-Neukölln statt. Der Deutschrapper verspätet sich ein wenig. Geboren 1994 im s ächsischen Bautzen, wuchs der Sohn einer Deutschen und eines Mosambikaners hauptsächlich in Berlin-Schöneberg auf. Von dort aus hat Luciano den UK-Drill-Sound in den deutschen Mainstream gebracht und ihn mit melodischen Hooks, Afro-Einflüssen und einem internationalen Sound verbunden. Angekommen im Fotostudio, entschuldigt sich der 32-Jährige erst mal für die Verzögerung. Es stimmt, was er einmal über sich selbst sagte: Er sei, obwohl Rapper, Schwieger mamas Liebling. Im Gespräch blickt er auf die vergangenen zehn Jahre zurück und erzählt, was er in dieser Zeit gelernt hat. THE RED BULLETIN
Große Nummer: Mit 4.000.000 monatlichen Hörern war Luciano schon 2022 der meistgehörte Künstler Deutschlands.
RAP
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Kurz eintauchen: Luciano auf der Bühne vorm Lichtermeer seiner Frank furter Fans.
NIKLAS KAMP
1.
Einfach machen
Seine ersten Stücke ver öffentlichte Luciano auf dem YouTube-Kanal seiner Rap-Crew Loco Squad Gang, zu der er seit Ende seiner Schulzeit gehörte. Als Kind war Patrick Großmann, so sein bürgerlicher Name, wegen seines Stotterns ein Außenseiter. Auf YouTube konnte er mit seiner Stimme und seiner Sprache endlich zeigen, was er kann.
„Ich habe mir nicht so viele Gedanken gemacht und wollte einfach rappen“, sagt er heute. „Ich hatte Vorbilder und wollte mich verwirk lichen. Es ging mir darum, meine musikalischen Vorstellungen umzusetzen – habe es einfach gemacht.“ 2016 brachte Luciano „Jagen die Mio“ heraus. Mit seinem rauen Berliner Straßenrap gelang ihm noch im selben Jahr der Durchbruch.
THE RED BULLETIN
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NIKLAS KAMP
Majestic! Luciano beim Konzert in Köln
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RAP
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2.
Waghalsig sein lohnt sich
Luciano kennt keine Angst davor, mit ganz verschiedenen Stilen zu experimentieren. Während das erste, kurz nach „Jagen die Mio“ veröffentlichte Album „Banditorinho“ von düsteren DeutschrapBeats geprägt war und sein erstes MajorStudioalbum „Eiskalt“ (2017) TrapEinflüsse und einen sehr direkten Flow aufweist – und direkt bis auf Platz 4 der deutschen Charts stieg –, wurde er mit „L.O.C.O“ (2018) etwas melodischer. Im Jahr darauf experimentierte er auf „Millies“ mit internationalen Einflüssen wie Afrobeats. 2020 dann wendet er sich mit „Exot“ einer britischen Soundwelt zu: „Ich war voll auf der UK-Drill-Schiene“, sagt er rückblickend. Da gilt er schon als der reichweitenstärkste deutschsprachige Rapper in diesem Genre. Die Stadt Berlin hat seinen Stil dabei stark geprägt. „Besonders am Anfang habe ich den Slang der Stadt wiedergegeben, wie man dort eben spricht: bisschen Spanisch, bisschen Arabisch, bisschen Deutsch. Die Coolness der Stadt, das Jungle-Feeling.“ In der Folge wird seine Musik etwas zugänglicher und noch internationaler – oder um es mit seinen Worten zu sagen: „Heute bin ich ein bisschen weiter gereist.“ Auf der zuletzt erschienenen EP „Gesegnet“ mit Apache 207 mischen beide Rapper ihre jeweiligen Stile und erreichen damit Platz 2 der deutschen Charts. Mit Red Bull Setlist wagt er nun wieder etwas ganz anderes: Erstmals wird er auf der Bühne die kreative Kontrolle abgeben – an sein Publikum. „Das ist ein neues Gefühl“, sagt Luciano.
3.
Spot on: Luciano ist ein extrem produktiver Künstler, wählt pro Album aus bis zu 60 Songs aus.
Alles hat seine Grenzen
Man muss zu experimentieren wissen, aber auch ein Gespür dafür haben, wann etwas nicht besser zu machen ist – und wann Schluss sein sollte. „Meine Shows sind immer zwei Stunden lang, es könnten aber auch drei sein“, so Luciano. „Deswegen ist das Konzept von Red Bull Setlist gut. Meine Fans können mir hier die Qual der Wahl abnehmen.“ Auf die Frage, ob seine Hörerschaft bisher jede seiner musikalischen Veränderungen akzeptiert habe, sagt er: „Die Kurve war ziemlich steil, aber ich glaube, die Fans konnten da immer gut mitgehen.“ Doch er weiß, wann er seinem Publikum zu viel zumuten würde, und zügelt sich. „Manchmal habe ich im Studio Songs gemacht, die zu ungewöhnlich waren für den deutschen Markt, und sie dann nicht veröffentlicht, obwohl ich sie abgefeiert habe.“ Merke: Luciano ist mal Avantgardist, mal Realist. Genau diese Mischung und das Wissen, wann welcher Modus gefragt ist, machen ihn aus. THE RED BULLETIN
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Bei sich: Im Alltag konzentriert sich Luciano ganz auf sein kreatives Schaffen – Administratives übernimmt sein Team. THE RED BULLETIN
RAP
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4.
Nicht dem Erfolg hinterherlaufen 2022 war er mit über einer Milliarde Streams der am häufigsten gespielte Künstler Deutschlands. „Das war eine Bestätigung. Damit war ich endgültig aus der Nische ausgebrochen“, sagt Luciano rückblickend über das Album, das in Deutschland Platz 2 der Charts erreichte. Der Song „All Night“ mit RAF Camora gelangt im Jahr darauf sogar bis an die Spitze der deutschen Charts; das Gleiche gelingt ihm auch mit den Singles „Wonderful Life“, zusammen mit Hurts und Sira, und „Time“. „Wenn das, was man liebt, zum Mainstream wird, ist das was Besonderes.“ Bis dahin habe er einfach Musik gemacht, so Luciano, nach dem Erfolg von „Majestic“ habe er jedoch angefangen, mit dem Ziel zu schreiben, weitere Hits zu landen. „Das hat meine Musik beeinflusst“, sagt er, „bis ich das bemerkt und mich wiederum weiterentwickelt habe. Ich habe bewusst gesagt: Darauf, ob etwas erfolgreich sein wird oder nicht, darfst du nicht achten.“ Denn wer nur die Zahlen im Blick hat, verliert schnell die künstlerische Vision aus den Augen – und riskiert, irgendwann austauschbar zu klingen.
5.
Die größten Erwartungen an dich stellst du selbst
Luciano bezeichnet sich selbst als „energischer Typ“ und vergleicht sich mit einem Duracell-Hasen – wie angetrieben von einem Motor, der immer läuft. Seit seinem Major-Debüt 2017 hat er neun Studioalben und zwei Mixtapes veröffentlicht – das ist fast jedes Jahr eines. „Nach jedem Album sagt mein Manager, ich solle mal ein, zwei Monate chillen. Das kann ich gar nicht. Schon am Tag des Releases denke ich darüber nach, wie ich das Album mit dem nächsten übertreffen kann.“ Selbst im Urlaub arbeitet Luciano weiter. Was die Erwartungen anderer angeht, sei er über die Jahre kritikfähig geworden. „Den Erfolgsdruck kennt wahrscheinlich jeder, der in einer ähnlichen Position ist wie ich.“ Er versucht, das alles nicht so nah an sich heranzulassen – mit wechselndem Erfolg. Aber er hat die für ihn richtige Strategie gefunden. „Ich habe gelernt, dass man Druck nur bewältigt, indem man weniger über ihn nachdenkt und mehr macht.“ So nutzt er die von außen an ihn herangetragenen Ansprüche – vor allem aber ist seine eigene Erwartungshaltung am Ende auch produktiv.
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6.
Es ist wichtig, dankbar zu sein
Der Grund, warum sein erstes Album „Banditorinho“ (kleiner Bandit) heißt: Luciano war mal einer. „Geschäftssinn hatte ich schon immer, nur waren das früher eher illegale Geschäfte“, ist so gut wie alles, was er dazu sagt. Nur das noch: „Ich war nicht dumm. Nur habe ich meine Cleverness eben für etwas anderes genutzt als die Schule. Heute bin ich dankbar, dass ich bei all dem, was auf der Straße passiert ist, mit einem blauen Auge davon gekommen bin.“
Selfmade: Luciano kreiert seine Songs selbst – und setzt sie mit einem Produzenten um.
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RAP
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Early Adopter: Schon als Kind hörte Luciano US-Rap-Größen wie 2Pac oder 50 Cent.
7.
Immer auch an übermorgen denken
Clevere sorgen vor. Im Oktober 2023 eröffnete Luciano das Fast-Food-Restaurant Loco Chicken mit einer ersten festen Filiale in Berlin und Vertrieb über GhostKitchen-Partner – also Küchen, die nur für Lieferungen operieren – in weiteren deutschen Städten. Mittlerweile kamen physische Franchise-Stores, etwa in Düsseldorf, München und Frankfurt, hinzu. Der 32-Jährige sagt, auch nach zehn Karrierejahren liege sein Fokus noch voll auf der Musik: „Meine Leidenschaft ist das Künstlersein. Ich werde immer mit Musik zu tun haben, vielleicht gehe ich auch noch mit fünfzig auf Tour.
Ich habe ein tolles Team um mich herum und kann mich ganz auf das Kreative konzentrieren, ohne mich mit der administrativen Seite zu beschäftigen.“ Aber er denkt eben auch an die Zukunft, fürs Unternehmerische interessierte er sich seit jeher – siehe Punkt 6. „Ich hatte schon immer Bock, was mit Chicken zu machen – und irgendwann war da ein Kollege meines Managers, dem es ähnlich ging.“ Mittlerweile gehört Loco Chicken zu den am schnellsten wachsenden Fast-Food-Unternehmen Deutschlands. „Wir haben jetzt 23 physische Stores und 220 Ghost Kitchens, dazu mehr als 500 Mitarbeiter.“ Der Erfolg war so durchschlagend, dass Luciano schon
mal den Überblick verliert: „Einmal waren wir in Leipzig, um einen neuen Store zu eröffnen. Danach wollte ich in ein Café gehen, biege um die Ecke, und da ist schon der nächste unserer Läden.“ Luciano schätzt, dass er noch zwei, drei Jahre genauso weitermacht und dann komplett ins Business geht. Der kluge Rapper rappt – und sorgt vor. THE RED BULLETIN
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RAP
On time: Luciano sammelt Luxus uhren, hat ihnen mit „Roli“ auch einen eigenen Song gewidmet.
Kill Your Darlings
Luciano ist bekannt dafür, enorm viele musikalische Ideen zu haben. So hilfreich das im ersten Moment auch klingt, ist ein großer Output nicht unbedingt von Vorteil. „Die Songauswahl für ein Album fällt mir schwer. Ich komme oft in die Situation, dass ich 50 oder 60 Songs geschrieben habe, von denen ich dann mindes tens die Hälfte nicht ver öffentlichen kann. Mein Team und ich sagen dann immer: ‚Auf den kommen wir beim nächsten Album wieder zurück.‘ Aber zu dem Zeit punkt gefallen sie mir dann meistens schon nicht mehr.“ Kurz: Ein hervorragender Künstler veröffentlicht nicht jede Idee. Für wahre Exzellenz ist der Auswahl prozess mindestens genauso wichtig wie die Produktion.
THE RED BULLETIN
9.
Ehre deine Fans
Bei Red Bull Setlist entscheidet das Publikum über die Gestaltung des Events. Sie wählen die Songs und Cover-Tracks aus, die der Künstler spielen soll, stimmen über die Auftritte von Special Guests ab und bestimmen die Samples für eine neue Veröffentlichung des Artists. „Das Format ist einfach was Neues“, sagt Luciano. „Ich liebe meine Fans und habe gern mit ihnen zu tun. Insofern passt diese Art der Show gut zu mir.“ Sorgen darüber, künstlerische Entscheidungen aus der Hand geben zu müssen, macht er sich nicht. „Ich habe coole Fans, ich bin stolz auf sie und vertraue darauf, dass sie nicht auf dumme Ideen kommen. Sie werden mich nicht Tokio Hotels ‚Durch den Monsun‘ performen lassen. Das würde ich schon von der Stimmlage her nicht treffen.“ Luciano sagt nicht nur, dass ihm seine Fans wichtig sind. Er meint das so und beweist es stets wieder aufs Neue.
10.
Manches muss bleiben, wie es ist „Der letzte Song ist auf allen meinen Konzerten derselbe: ‚Bamba‘, der scheppert am meisten.“ Ob das die Fans beim Voting für den letzten Song bei Red Bull Setlist genauso sehen?
NIKLAS KAMP/RED BULL CONTENT POOL
8.
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ERLEBE LUCIANO BEI RED BULL SETLIST
Bereit: In Zukunft will Luciano sein Business vorantreiben – aber auch weiter kreativ arbeiten. Hair and Make-up Reza Hair
Anlässlich seines zehnjährigen Bühnenjubiläums lädt der Deutschrapper zu einem beson deren K onzert: Bei Red Bull Setlist am 18. November in der Kölner LANXESS arena bestimmen die Fans mit. Per Voting beeinflussen sie etwa vorab, welche Songs Luciano spielt und welche Guest Artists auftreten. Ergebnis: eine Live-MusicExperience, wie du sie noch nie erlebt hast. Tickets unter: redbull.com/setlist THE RED BULLETIN
52 Bling-Bling: Diese Jacke im Look der Indianapolis Colts kreierte Fiona, 30, für ihren Besuch beim NFL-Spiel in Berlin.
LEB DEINEN STYLE THE RED BULLETIN
MODE Sie näht, der Hype entsteht: Stars wie IShowSpeed und Ski Aggu lieben ihre Kreationen. Wie Designerin Fiona Rörig mit ihrer Nähmaschine die Popkultur prägt. Text Stefanie Witterauf Fotos Murat Aslan
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Stoff ihrer Träume: Das Material für ihre Entwürfe besorgt Fiona im Shop in der Nachbarschaft.
Ihr Modemanagement-Studium brach sie ab. „Um zu sehen, in welche Richtung ich will, musste ich erst einmal das Gegenteil machen.“ THE RED BULLETIN
MODE
W enn alle anderen schlafen, arbeitet Fiona Rörig am liebsten. Denn bei ihren Nacht schichten hat sie keine Ablenkung. Da sitzt die 30-Jährige allein im Dachge schoss ihrer Wohnung nahe Düsseldorf, in dem sie ihr Atelier eingerichtet hat. Es ist still, nur das Rattern der Nähma schine, gleichmäßig wie ein Puls. Dort stehen ihre Industrienähmaschinen. Sie hat nicht nur eine, sondern mehrere Modelle, die neben Scheren, Spulen und einer pinken Schneideunterlage stehen. Die Jacken und Kleider näht die Mode designerin nicht für sich selbst, sondern sie verschenkt die Unikate – damit sie sich in der Welt verbreiten. Und dieser Plan funktioniert ver dammt gut. Inzwischen tragen Rapper, YouTuber und Fußballprofis ihre Stücke. Erling Haalands Freundin Isabel trug bei der WM in Amerika ihr Kleid, das sie aus einem Fußballtrikot genäht hat.
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Auf Instagram hat Fioonaax knapp eine halbe Million Follower. Besonders beliebt war die Jacke, die sie aus dem argenti nischen Trikot für Messis Frau Antonella Roccuzzo anfertigte. Ein Video davon wurde rund 90 Millionen Mal auf Insta gram angeschaut. „Das sind Zahlen, die kann ich mir gar nicht vorstellen“, sagt Fiona. Immer häufiger wird sie auf der Straße erkannt – in Düsseldorf, wo sie wohnt, aber auch in den USA. Als sie vor ein paar Wochen in New York war, haben sie zwei Freundinnen angesprochen, bei de Deutsche, die ihre Looks toll fanden.
Alles begann im Westerwald
In ihrer Wohnung trägt Fiona flauschige Hausschuhe im Leopardenprint. Ihre blonden Haare fallen ihr immer wieder
ins Gesicht, mit einer fließenden Bewe gung streicht sie sie zur Seite. Sie wirkt ein wenig so, als würde sie selbst nicht glauben, wie sehr sich ihr Leben in den vergangenen zwei Jahren verändert hat. Nur weil sie wieder angefangen hat zu nähen – und ihre Arbeit gezeigt hat. Aufgewachsen ist Fiona in einem klei nen Dorf im Westerwald. Hier hat sie während der Schulzeit in einer Cocktail bar im Service gearbeitet. „Ich habe dort so viel über Menschen gelernt“, sagt sie und lacht. Sie hat sogar selbst einen Drink erfunden, der auf der Karte gelandet ist. „Fiolicious“ hieß ihre Kreation, gemixt aus Gin und Zitrone, dekoriert mit einer Hibiskusblüte. Ein bisschen färbt sich ihre Sprache mit dem Dialekt ihrer Heimat, wenn sie von ihren Erinnerungen erzählt. Eine Schneiderpuppe in ihrem Wohn zimmer trägt eins von Fionas Designs: ein Mash-up aus Lederjacke und Fußball trikot. Eigentlich war es für Lina Kimmich gedacht, die Frau des Nationalmann schaftskapitäns. „Ich habe mich ver schätzt“, sagt sie. Die Jacke ist ein wenig
Mitnahme-Effekt: Da Fiona nur Einzelstücke fertigt, kann sie ihre Stoffe selbst nach Hause tragen. THE RED BULLETIN
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Auftritt Fiona: Ob selbst genäht oder nicht – die Creatorin liebt es lässig.
„Für mich fühlt sich Nähen wie Meditieren an.“ THE RED BULLETIN
MODE
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Bitte umdrehen: Oft haben die Rückansichten von Fionas Entwürfen besondere Clous.
Nach Maß: Jedes Stück ist genau auf seine zukünftige Trägerin zugeschnitten.
Zum Drüberziehen: Fiona ist vor allem für ihre detailverliebten Jacken bekannt.
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Rattern in der Nacht: Wenn andere schlafen, sitzt Fiona an ihrer Industrienähmaschine.
Das Video, in dem Messis Frau Fionas Design trug, wurde 90 Millionen Mal angeschaut: „Das sind Zahlen, die kann ich mir gar nicht vorstellen.“
zu klein geworden, Fiona will sie noch ändern und Lina überreichen. Über der Stuhllehne hängt eines der körper betonten Kleider aus Trikotstoff, die Fiona international bekannt gemacht haben: Georgina Rodríguez, die Frau von Cris tiano Ronaldo, sollte es tragen – aber auf Fionas Anfragen hat sie bisher nicht re agiert. Also trug Fiona es einfach selbst. „Full Circle Moment“, sagt sie und strahlt. Viele Stunden Arbeit an der Nähma schine stecken in jedem der Teile. Jedes ist ein Unikat, Serienfertigung nicht vor gesehen. Dass man die Kreationen nicht kaufen kann, macht sie nur noch begeh renswerter: Eine Jacke in den National farben der USA, die sie mit Hunderten von Glitzersteinchen verziert hat, wurde während der WM-Halbzeitshow verstei gert. Eine weitere hat sie extra für den YouTuber IShowSpeed gefertigt und über gibt sie ihm persönlich, als sie ihn vor einem Spiel vorm Stadion trifft. Er freut sich riesig, zieht die Jacke sofort an und lädt sie ein, das Portugal-Spiel gemein sam zu schauen. THE RED BULLETIN
„Copycat“ als Kompliment
Fiona ist nicht die Einzige, die während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 aus Trikots neue Mode kreiert. Als eine an dere Frau auf Social Media einen ihrer Entwürfe kopiert und dieses Video eben falls viral geht, bekommt diese viele böse Kommentare. Sie habe Fiona bestohlen, wird behauptet. Ihr habe das leidgetan, erzählt Fiona. „Sie hat mir sogar geschrie ben und gefragt, ob sie das Video löschen soll.“ Doch das will die Düsseldorfer Desi gnerin nicht. „Ich liebe es, wenn ich Men schen inspirieren kann“, sagt sie. Und wenn jemand ihre Entwürfe nachmacht, dann sei das ein großes Lob. „Sie hat sich gefreut, ich habe mich gefreut – was kann schöner sein?“ Es ist eine Haltung, die Fiona seit ihrer Kindheit verinnerlicht hat. „Ich bin mit dem Teamgedanken groß geworden“,
sagt sie. Als Kind hat sie gerne getanzt, egal wo sie war, auch auf der Straße, einfach so vor sich hin. Im Alter von sechs Jahren begann sie mit Cheerleading – „und war gleich Feuer und Flamme“. Cheerleading wurde ein Teil ihres Lebens. Sie ging ins Training, fuhr auf Meister schaften, war Teil einer Gruppe. Das An feuern, das Mitreißen, die Energie der anderen – das steckt auch in allem, was sie heute tut. Auch ihre Follower feuert Fiona an: dass sie selbst anfangen zu basteln und zu nähen, sich Projekte suchen und einfach beginnen, auch wenn es erst einmal nicht perfekt wird. Damit trifft sie einen Nerv. Nähen, Stricken, Häkeln – Handarbeiten erleben gerade eine Renaissance, insbe sondere bei jungen Menschen, die nach Stunden am Bildschirm wieder etwas mit den Händen machen wollen. Sich spüren. Ein Ergebnis sehen, das nicht aus Pixeln besteht. Der Informatikprofessor Cal New port von der Georgetown University er klärte kürzlich in der „New York Times“,
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Homeoffice: Ihr Atelier hat sich Fiona unter dem Dach ihrer Wohnung eingerichtet.
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FIONA UND LUWAM BEIM WELT-FINALE Zuletzt entwarf Fiona eine Jacke für Streetdance-Größe Luwam. Scan den Code und sei via Red Bull TV live dabei, wenn Luwam in dieser am 24. Oktober beim Red Bull Dance Your Style World Final in Zürich antritt. Übrigens: Auch Fiona und ihre Styles werden dort einen besonderen Auftritt haben!
Die Ruhe und das Rattern
Nach dem Abitur hatte sie erst mal einen ganz anderen Plan und fing an, Mode management zu studieren. Doch nach zwei Monaten brach sie das BWL-lastige Studium ab. „Ich musste einmal das Ge genteil machen, um zu sehen, in welche Richtung ich wirklich will“, sagt Fiona. Sie fing ein Modedesign-Studium an. Die private Uni in Mannheim legte viel Wert auf Handwerk. Fiona war zwar immer sehr modeinteressiert gewesen, hatte etwa Outfits zusammengestellt und gestylt, doch sie konnte nicht nähen. An der Uni lernte sie nicht nur die Theorie, sondern auch das Handwerk. Das Fundament von allem.
Und jetzt du! Am meisten freut sich Fiona, wenn sie Menschen zum Nähen anstiften kann. THE RED BULLETIN
Richtig Freude machte ihr das Nähen da mals nicht. Es waren mehr die Entwürfe, die Designs, in die Fiona ihre Kreativität fließen lassen konnte. Nach dem Studium gründete sie ein Streetstyle-Label, machte die Entwürfe, lagerte die Produktion aber aus. Doch irgendwann vermisste sie das Nähen doch. Die Ruhe. Das Rattern. Also setzte sie sich an eine ihrer Maschinen, schmiss sie an und verwandelte ein Bild
in ihrem Kopf in ein echtes Kleid. Oft macht sich Fiona nicht mal Skizzen, sondern näht einfach drauflos. Das Er gebnis präsentiert sie auf Social Media. „Für mich fühlt sich Nähen wie Medi tieren an“, sagt Fiona. Vergleichbar mit dem Gefühl, das sie hat, wenn sie als Cheerleaderin tanzt und der Kopf plötz lich so wunderbar leer wird. Nachts im Dachgeschoss, wenn alle anderen schlafen, nur sie und die Nähmaschine. Das Rattern. Die Stille drum herum. Und irgendwann hängt da ein Kleid, das vorher nur in ihrem Kopf existiert hat. Instagram: @fioonaax
EVA BERTEN, TIMO DETTMERS
warum gerade diese Tätigkeiten so an ziehend sind: Sie fordern Konzentration und Zeit – und bringen uns dadurch wieder mehr zu uns selbst. Fiona selbst ist auch nicht als Modedesignerin auf die Welt gekommen. „In der Grundschule hatte ich Bücher, in denen waren Models abgebildet, denen man Anziehsachen malen konnte“, sagt Fiona. „Damals habe ich noch nicht gewusst, dass ich Mode designerin werden möchte.“ Es war nur ein Spiel. Manchmal fängt es so an.
12 RENNEN LIVE AUF RED BULL TV + ALLE HIGHLIGHTS DER SAISON
DIE MOTOGP™ AUF DER BERHOLSPUR
28.2./1.3. THAILAND 28./29.3. USA 25./26.4. SPANIEN 6./7.6. UNGARN 20./21.6. TSCHECHIEN 11./12.7. DEUTSCHLAND 29./30.8. ARAGÓN 12./13.9. SAN MARINO 19./20.9. ÖSTERREICH 24./25.10. AUSTRALIEN
HIER GEHT’S ZUM INHALT AUF RED BULL TV
20./21.11. PORTUGAL 28./29.11. VALENCIA
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„Ich muss meinen Kopf frei fahren!“ Von der Leichtigkeit des Wiederaufstehens: MotoGP-Shootingstar Pedro Acosta über Stürze, Mentaltrainer und den simplen Rat seines Vaters. Text Werner Jessner
THE RED BULLETIN
MOTOGP
KTM
Pedro Acosta, 22, Weltmeister der Moto3 und Moto2, KTMs MotoGPSpeerspitze
THE RED BULLETIN
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„Wer wirklich Leistung bringen will, braucht eine realistische Selbsteinschätzung. Ein Fehler bleibt ein Fehler.“
Am Limit: Pedro und seine KTM RC16 in Barcelona THE RED BULLETIN
MOTOGP
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Pole-Position: Pedro Acosta im Qualifying für den Großen Preis von Catalunya
KTM, GOLD&GOOSE/RED BULL CONTENT POOL
M
otoGP-Piloten müssen Meister sein: Meister in den kleineren Klassen, aber auch Meister der Konzentration. Ein paar Handbreit zu spät gebremst, ein, zwei Grad zu viel Schräglage: Schon liegen sie auf dem Hosenboden und können aus der Ameisenperspektive beobachten, wie sich ihr teures Motorrad in seine Einzelteile zerlegt. Einer, dem genau das bei seinem aller ersten Start auf der großen Bühne, dem Red Bull Rookies Cup, passiert ist, war Pedro Acosta: Jerez 2019, Sturz schon im Qualifying. Andere wären im Boden versunken, doch nicht der damals gerade noch nicht Fünfzehnjährige aus dem südostspanischen Mazarrón: „Zu crashen, das war nicht der beste Start“, grinst er heute. „Immerhin war ich davon überzeugt, das Rennen gewinnen zu können. So aber fuhr ich ohne Punkte nach Hause. Für die Meisterschaft war das nicht ideal.“ Und trotzdem schaffte er gleich in seinem Premierenjahr drei Siege und kämpfte bis kurz vor Ende der Meisterschaft um den Titel mit. „Ich war ein Kind damals“, räsoniert er. „Ich habe im Moment gelebt und wusste, dass mein Potenzial da war. Im ersten Jahr des Red Bull Rookies Cup war ich fast an jedem Wochenende irgendwann am Boden. Daraus habe ich für das zweite Jahr gelernt: Da habe ich nur noch zwei Stürze fabriziert.“ Stürze wegzustecken, sei einfach, findet der mittlerweile zweifache Weltmeister: „Wenn das Potenzial vorhanden ist, ist der zweite Schritt bloß, es fehlerfrei abzurufen. In meiner Welt: nicht zu stürzen.“
Pole-Position: Pedro Acosta im Qualifying für den Großen Preis von Catalunya
Wenn es doch passiert, soll man das nicht zu sehr an sich herankommen lassen, findet er: „Ich bin in meiner Karriere so oft zu Boden gegangen, weil ich versucht habe, mein Potenzial voll zu nutzen.“ Trotz Airbag-Leder und Carbon-Helm passieren immer wieder Blessuren. Die Bandbreite reicht dann von Zähne zusammenbeißen bis mehrmonatiger Zwangspause. „Ein Sturz beim Langsamfahren, da könnte man sich vielleicht wie ein Idiot fühlen.“ Nur wenn man über das Limit geht, weiß man, wo es liegt. Ein Sturz, weil er zu spät gebremst hat, fällt unter Normalität: „Manchmal muss man etwas versuchen. Wenn es klappt: fein. Wenn nicht: auch kein Drama. Abhaken, ein bisschen früher bremsen, weiter geht’s.“ Schwieriger sind Fehler anderer, die man ausbaden muss. 2021 war er im niederländischen Assen in eine Kollision zweier Gegner verwickelt und wurde überrollt. „Das ist mental eine ganz andere
ituation. Wir sind voller A S drenalin. Das hilft beim Weitermachen.“ Und doch müsse man kühlen Kopf bewahren. Check: Körper okay, wie verhält sich das Bike? Darauf reagieren, Probleme u mfahren, und zwar schnell: „Das dauert eine halbe, manchmal eine ganze Runde.“
Blick nach vorn
Gerade der Umgang mit Zeit sei ein entscheidender Faktor, sagt Acosta: „Ich versuche nach jedem Unfall raschestmöglich wieder raus auf die Strecke zu gehen, um meinen Kopf freizufahren. Unser Gehirn funktioniert so, dass es sich an die letzten Dinge am besten erinnert. Und das soll tunlichst nicht der Sturz sein, sondern etwas Positives.“ Man kennt das auch aus anderen Sportarten: der Skispringer, der sich wieder auf den Balken setzt. Der Abfahrer, der wieder auf den Gipfel fährt. Der Turmspringer, der sich wieder an die Kante stellt. Das Muster ist dasselbe: sich selbst zu beweisen, dass der Unfall eine Anomalie war. Motto: Lass ihn nicht zu deinem Trauma werden. Acosta: „Das Rennen ist nach einem Sturz ohnehin verloren. Also nutze die Zeit direkt danach.“ THE RED BULLETIN
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MOTOGP
Acosta im September in Spielberg, Österreich, nach seinem ersten MotoGP-Sieg.
THE RED BULLETIN
„Mein Vater – ein Fischer – hat mir eingeschärft, dass man nicht aufgibt. Nicht beim Fischen, nicht im Sport.“ Kurz vor Redaktionsschluss gelang
Pedro Acosta, zweifelsfrei einer der
Geduld ist eine Tugend
Was bringe es generell, sich zu ärgern – über eigene Fehler, über die der Gegner, über technische Probleme –, stellt Pedro Acosta eine rhetorische Frage, und über dies sei es müßig, sich den Kopf über ver gangene Dinge zu zerbrechen. „Darum will ich auch nicht länger über den Barce lona-Crash mit Álex sprechen“, stellt er klar und sagt das sehr bestimmt. Es bringe nichts, nach hinten zu schauen: „Egal was passiert ist, wie es passiert ist: Was ist das Ergebnis? Mit wie vielen Punkten bin ich abgereist? Das ist es, was zählt.“
schnellsten Rennfahrer der Gegenwart, endlich sein erster Sieg bei einem MotoGP- Grand-Prix – noch dazu auf dem Red Bull Ring. Ein Sieg, der längst überfällig und hoch verdient war. Diese doch etwas län gere Wartezeit kommentiert er so: „Mein Vater – ein F ischer – hat mir als jungem Buben eingeschärft, dass man nicht auf gibt. Nicht beim Fischen, nicht im Sport. Meine Mutter hat mir beigebracht, nicht zu weinen. Also habe ich weitergemacht, bis alles zusammenspielte – egal was auf diesem Weg kommen würde.“ Instagram: @37pedroacosta. Jetzt den SaisonEndspurt von Pedro Acosta erleben. Red Bull TV überträgt die MotoGP-Rennen in Australien (25. 10.), Portugal (22. 11.) und das Finale in Spanien (29. 11.).
JÖRG MITTER/RED BULL RING
Pedro macht kein Geheimnis daraus, dass er bei Problemen keine fremde Hilfe in Anspruch nimmt. Er ist gern allein mit sich selbst hinter dem dunklen Visier, „denn niemand kennt mich so gut wie ich selbst. Ich glaube nicht an Mental coaches. Woran ich glaube: Ehrlichkeit und realistische Selbsteinschätzung. Das ist der schwierige Teil. Glücklicherweise bin ich in der Situation, dass die Menschen rund um mich sehr klar kommunizieren. Wenn sie mir sagen müssen, dass ich ein Idiot bin, dann werden sie das tun. Wer wirklich Leistung bringen will, braucht eine realistische Selbsteinschätzung. Ein Fehler bleibt ein Fehler – das gilt für eigene genauso wie für solche, die andere Menschen machen.“ Das bringt uns zum dritten Fall, näm lich einem mechanischen Defekt. Als sich Mitte Mai 2026 Acostas Bike in Barcelona in der Beschleunigungsphase ungewollt abstellte und Landsmann Álex Márquez ungebremst auffuhr, mit wilden Bildern in der Gegend herumfliegender Teile, war er nur Passagier. „Das gehört in unserer Sportart zum Berufsrisiko. Technik kann kaputtgehen, das wissen wir. Was bringt es, sich den Kopf darüber zu zerbrechen? Als mir in Misano letztes Jahr die Kette gerissen ist: Was hätte ich tun sollen? So gut ein Team auch arbeiten mag, es bleibt ein Restrisiko. Ist so“, zuckt er die Schul tern. Generell helfe ihm ein erlernter Fata lismus, sagt er (man kann es aber auch Coolness nennen). Bestes Beispiel dafür: „Früher war ich am Start nervös, selbst wenn ich wusste, dass ich schnell bin und meine Aufgaben bis zu diesem Zeitpunkt gut erledigt hatte. Doch in letzter Zeit blödle ich lieber mit meinem Team rum oder höre Musik, anstatt mich schon früh verrückt zu machen. Der Rennstress kommt ohnehin. Ich habe lieber zehn Minuten länger Spaß und fahre den Fokus erst hoch, wenn ich mir in der Start aufstellung den Helm aufsetze.“ Im Rennen selbst geht es nicht um Hoffnung oder Glaube, sondern um Rea lismus: Was ist drin? Alles andere wird ausgeblendet: die Furcht, dass etwas Unvorhergesehenes passieren könnte, genauso wie der Strohhalm eines un realistischen Wunders.
MEINE FÜßE BRINGEN MICH UM
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Allein im Winter auf den Everest, ohne Flaschensauerstoff, über den tückischen Westgrat: Unmöglich, sagen viele Bergsteiger. Jost Kobusch sieht das anders. Hier erklärt er seinen Gipfel-Plan.
Text Mark Bailey Fotos Daniel Hug THE RED BULLETIN
BERGSTEIGEN Auf rund 5500 Metern beginnt Jost Kobusch den Aufstieg zum Lho-La-Sattel. Seit Jahren v ersucht sich der 34-jährige Deutsche an der Bezwingung des Mount-Everest-Westgrats. Nächster Versuch: Ende Dezember.
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Eine Sturmnacht am Mount Everest, mitten im Winter, Jost Kobusch liegt allein am Berg, eingewickelt in die Fetzen seines zerrissenen Zelts. Der Jetstream kann hier oben 250 Stundenkilometer erreichen, die gefühlte Temperatur auf minus 70 Grad fallen. Die Stangen hat er aus der Zeltplane gerissen und hält den Stoff um sich wie eine Rettungsdecke, während der Orkan Eiskörner gegen seine Haut treibt. „Du kannst dir das vorstellen wie eine Nähmaschine, die über dein Gesicht läuft“, sagt er. Im Sommer stauen sich am Everest die Seilschaften, im Winter ist der Berg leer. In dieser Nacht ist Kobusch der einsamste Bergsteiger der Welt. Es ist der 24. Januar 2025, und der Deutsche ist dabei, die letzte große Aufgabe am Everest zu lösen: solo, im Winter, ohne Flaschensauerstoff, über den gefährlichen Westgrat. Er ist allein unterwegs, unter den härtesten Bedingungen, die es gibt, auf der schwierigsten Route des höchsten Bergs der Erde. Der angesehene Alpinist David Göttler hatte ihm eine 0,1-Prozent-Chance gegeben, überhaupt die 6000 Meter zu erreichen. Kobusch übersteht den Sturm. Vier Wochen zuvor, am 27. Dezember 2024, hatte er sich auf 7537 Meter hinaufgekämpft, seine bisher größte Höhe am Everest. Jost Kobusch wird wiederkommen. Und dann will er auf den Gipfel. THE RED BULLETIN
Ein Jahr nach der Sturmnacht, rund 7000 Kilometer westlich des Everest, öffnet Kobusch die Tür zu seinem Apartment in der Nähe von Chamonix. Er trägt rosa Flip-Flops und fährt sich durch seinen morgendlichen Haarschopf. „Entschuldigung, ich hatte gestern einen langen Trainingstag.“ Mit seinem offenen Lächeln, dem schmalen Körper und der makellosen Haut wirkt der 34-Jährige eher wie ein Jugend licher denn wie ein wettergegerbter Alpinist. „Verzeihen Sie das Chaos“, sagt er mit einem Verweis auf die Daunenjacken und Rucksäcke, die im Raum herumliegen, „normalerweise bin ich ordentlich. Darf ich Ihnen einen Tee anbieten?“
Kobusch führt durch die Wohnung. Sie ist gemietet, eine eigene hat er gerade in der Nähe gekauft. Am Kühlschrank in der Küche kleben Fotos von Freunden. In den Regalen stehen Bücher über Erleuchtung („Jetzt!“, Eckhart Tolle), Produktivität („Konzentriert arbeiten“, Cal Newport), Erfolgsrezepte („Tools der Titanen“, Tim Ferriss), Geschichte („Eine kurze Geschichte der Menschheit“, Yuval Noah Harari) und Geldanlage („Intelligent investieren“, Benjamin Graham). „Wenn mich ein Thema interessiert, kaufe ich die drei bis fünf Bücher, die bei Amazon die besten Bewertungen haben“, sagt Kobusch. „Ich bin ein extrem neugieriger
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„Wind ist der limitierende Faktor für eine Winter besteigung des Everest“, sagt Kobusch, hier auf dem Gipfel des Kala Patthar im nepa lesischen Himalaya.
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Mensch. Neugier ist mein Antrieb im Leben und auch am Everest.“ Und das französische Micky-Maus-Heft? „Perfekt, um Französisch zu üben.“ Kobusch ist ein origineller Gesprächspartner und aufmerksamer Gastgeber. Sein Blick ist ruhig und sicher, und was er sagt, ist reflektiert und klug. Überall in der Wohnung sieht man Spuren eines außergewöhnlichen Lebens: Bücher über Bergsteigen und Fitness, an der Wohnzimmerwand eine Karte der Alpen mit lila Punkten auf jedem Gipfel, den er bestiegen hat. Und über dem Tisch hängt ein riesiges Bild des Everest. Es prägt den Raum.
„Dieses Projekt ist das Schwierigste und Größte, was mir eingefallen ist“, sagt er. „Je größer dein Hindernis ist, desto mehr wirst du wachsen. So ein extremes Ziel zwingt mich, neue Wege zu gehen: neue Ausrüstung zu bauen, effizienter zu trainieren, mit den absoluten Experten zu arbeiten, das Thema Akklimatisierung neu zu denken. Du wirst in so einem Projekt zu einem anderen Menschen.“ Kobuschs Projekt ist in Stufen an gelegt, als Aufbau mehrerer TrainingsExpeditionen vor Ort. 2019/20 nahm er seine erste Expedition in Angriff, und er startete zweifelnd. „Dass mir Göttler (der deutsche Alpinist ist Experte für Expedi tionen ohne Flaschensauerstoff, 2022 stand er selbst ohne Atemmaske auf dem Everest-Gipfel; Anm.) gerade mal 0,1 Prozent Chance auf Erfolg gab … diese Zahl bekam ich nicht aus dem Kopf“, gibt er zu. „Ich dachte: Scheiße, vielleicht hat er recht. Aber ich kam höher, als alle erwartet hatten.“ (Er erreichte 7360 Meter; Anm.) Beim zweiten Teil 2021/22 war der Wind so heftig, dass Kobusch schon bei 6450 Metern umkehren musste. Beim dritten, 2024/25, schaffte er es auf 7537 Meter. Der Erfolg änderte alles. Kobusch begann zu glauben, dass das Unmögliche tatsächlich möglich sein könnte. Und die Bergsteigerwelt begann es mitzuglauben. „Vorher fanden es in den sozialen Medien fünfzig Prozent cool, und fünfzig Prozent sagten: ‚Was zum Teufel? Unmöglich!‘ Seit den 7537 Metern dreht sich die Stimmung.“ Der inzwischen verstorbene Tom Hornbein († 2023) – nach ihm ist das Hornbein-Couloir am Everest benannt, weil er den Westgrat im Frühjahr 1963 gemeinsam mit Willi Unsoeld erst bestiegen hat – hielt das Vorhaben für „extrem riskant“, fügte aber hinzu: „Jost scheint zu wissen, was er tut.“ Vor seiner nächsten Expedition diesen Dezember wächst Kobuschs Zuversicht. „Ich bin inzwischen bereit zu akzeptieren, dass es möglich ist“, sagt er. „Aber das war ein Prozess.“ THE RED BULLETIN
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„Hinter dem Everest-Basislager ist ein Labyrinth aus Eis und Geröll, auf dem ich in meinen Bergschuhen gern ein bisschen Schlittschuh laufe“, sagt Jost.
Hier sind die Learnings, die er auf dem Weg vom Unmöglichen zum Möglichen gewonnen hat.
Angst heißt Wachstum Heute steht Kobusch am Everest über tausend Meter tiefen Abbrüchen. Als Kind brachte er es nicht fertig, vom Dreimeterbrett zu springen. „Mich hat immer interessiert, woher die Angst kommt“, sagt er. Er wuchs mit fünf Schwestern in Borgholzhausen auf, einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen am Teutoburger Wald. Um mit seiner Höhenangst umgehen zu lernen, ging er mit zwölf in die Klettergruppe der Schule. „Mir wurde mit der Zeit immer klarer, dass ich die Dinge liebe, vor denen ich am meisten Angst habe.“ Kobusch fing in der Halle mit dem Klettern an, mit neunzehn stand er auf seinem ersten Fünftausender, dem Mount Kenya, vier Jahre später auf seinem ersten Achttausender, der Annapurna. „Die Lernkurve war supersteil. Im Rückblick war mein Zugang damals: lernen oder sterben. Ich habe sehr viel riskiert, aus heutiger Sicht sicher zu viel.“ Bei einer Tour packte er damals neue Steigeisen erst am Berg aus. Heute testet er jedes Ausrüstungsstück akribisch, THE RED BULLETIN
bevor er losgeht. Kobusch ignoriert die Angst nicht, er nutzt sie. Angst, sagt er, liefert Konzentration. Wer sich seinen Ängsten stellt, finde außerdem einen tieferen Sinn: „Wir sind zu wohlhabend und zu bequem geworden. Deshalb sind die Berge so anziehend: Wenn du dich der ultimativen Gefahr aussetzt, erzeugst du Sinn.“
Finde deinen Stil Kobusch reizen Aufgaben, die es in dieser Form davor nicht gab: Winterbegehungen, Alleingänge, Erstbesteigungen. 2017 stand er als Erster auf dem Gipfel des Nangpai Gosum II (7296 Meter), 2023 gelang ihm im Alleingang die Winter besteigung des Denali (6190 Meter). „Ich mag diese Art des Alpinismus: nicht kopieren, was andere gemacht haben, sondern einen neuen, eigenen Weg schaffen“, sagt er. Sein Everest-Vorhaben
ist die reinste Form dieser Philosophie. „Wenn du allein am Berg bist, gibt es keinen Applaus und keine Auszeichnungen. Um weiterzumachen und den Schmerz auszuhalten, brauchst du Motivation aus dir selbst.“
Alleinsein macht stark Den Everest allein zu besteigen, das heißt: Niemand trägt Ausrüstung mit, niemand leistet Gesellschaft, niemand zieht dich heraus, wenn du in eine Spalte stürzt. Doch Kobusch genießt gerade diese Kompromisslosigkeit des Alleinseins. „Solo zu klettern, bringt Freiheit: Wie du dich bewegst, das hat etwas Fließendes“, sagt er. „Du kommst in einen richtig tiefen Flow. Probleme in großer Höhe allein lösen zu müssen, ist für mich das Gegenteil von Druck. Es bedeutet Kontrolle.“ Unabhängig zu sein, heißt aber nicht, sich abzuschotten. Kobusch arbeitet mit Wissenschaftlern und Physiotherapeuten zusammen. Sein Trainer, der US-Alpinist Steve House, hält ihm regelmäßig seine Schwächen vor. „Können baut man nur
„ALLEIN AM BERG GIBT ES K EINEN APPLAUS. DU BRAUCHST MOTIVATION AUS DIR SELBST.“
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„Hier bin ich kurz vor der langen Traverse auf 7300 Metern. Wenn ich mich so fotografiere und filme, muss ich eine Passage oft zweimal klettern – aufsteigen, die Kamera oben ablegen, wieder absteigen, den zweiten Aufstieg dann aufnehmen.“ THE RED BULLETIN
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Mount Everest 9
Lhotse
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Die Route
Hier Jost Kobuschs Aufstieg: 1 Basislager
Errichtet auf einem mit Fels brocken und Geröll bedeckten Gletscher.
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2 Eisgassen
Zu Beginn geht es durch ein Laby rinth gefrorener Bäche, „wie Schlittschuhlaufen bergauf“.
3 Lawinenkegel
In dem Schuttkegel erwischte ihn 2019/20 eine Lawine. „Ich muss schnell gehen, um die Zeit in der Zone möglichst kurz zu halten.“
4 Felstürme und Eiswände
In diesem Abschnitt klettert Kobusch Wände, die so steil sind wie Wolkenkratzer.
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2 Basecamp 1
5 Gletscherzunge 6 Blaues Eis
Nach dem Lho-La-Sattel wartet rutschiges, steinhartes Blaueis – extrem schwer zu klettern.
7 Flachteil
Eine lange Traverse mit mühsamem Auf und Ab und nur wenig Höhen gewinn. Kostet viel Zeit und Ener gie, zieht Kobuschs Expedition in die Länge.
8 Hornbein-Couloir
Eine steile, enge Rinne aus Eis, Fels und Schnee von 8000 bis 8500 Meter. „Dort war im Winter noch nie jemand zuvor“, sagt er.
9 K letterei in der Todeszone
Kurz vor dem Gipfel auf knapp 8500 Metern wartet eine fast senkrechte Felskletterei.
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„ICH MAG DIE WILDHEIT DES WINTERS. ER MACHT BERGE PUR UND ROH.“ auf, wenn einen jemand ständig daran erinnert, was man noch nicht gut kann“, sagt Kobusch. „Und der einzige Weg zu wachsen ist, dass es einer klar ausspricht.“
Härte zahlt sich aus Wer den Everest im Winter besteigt, muss mit extremen Temperaturen fertig werden und mit Jetstream-Winden, die Eisteile beschleunigen wie Geschosse. „Blaues Eis ist schwer zu klettern und macht es unmöglich, dass du dir in einem Sturm eine Schneehöhle baust“, sagt Kobusch. „Du bist also den Elementen komplett ausgesetzt. Deshalb hat es mein Zelt im Winter 2025 auch zerfetzt. Ich schütze mein Gesicht mit Kinesiotape, Sturm haube, Atemmaske und Brille. Sobald ein bisschen Haut freiliegt, holst du dir da oben sofort Erfrierungen.“ Der Winter macht den Berg auch höher – physikalisch erklärbar. „Kalte Luft ist schwerer, sie sinkt, dadurch ist der Druck am Gipfel geringer. Und weniger Druck heißt
eniger Sauerstoff.“ Der Druck auf dem w 8848 Meter hohen Gipfel entspricht im Winter jenem auf 9134 Metern. Aber harte Bedingungen haben ihren eigenen Lohn, das wissen alle Extremsportler. „Ich mag die Wildheit des Winters“, sagt Kobusch. Keine Warteschlange von Bergsteigern, nur Stille. „Du schaust auf einen puren, rohen Berg.“
Kenne deine Umgebung Den Everest ohne Flaschensauerstoff zu besteigen, ist brutal, deshalb bereitet sich Kobusch akribisch auf den Kampf vor, den jeder Atemzug bedeutet. „Die wichtigste Droge im Alpinismus ist Sauerstoff“, sagt er. „Ohne Sauerstoff ist das Klettern ehrlicher. Aber dein Körper baut ab. Du verbrennst Muskeln. Es ist, als würdest du durch einen Strohhalm atmen.“ Um seinen Körper vorzubereiten, schläft Kobusch in einem Höhenzelt und trainiert in der Höhe rund um Chamonix. Im Juli bestieg er den Pik Lenin, einen Siebentausender in Kirgisistan, im Oktober zieht er nach
3D REALITYMAPS
„Man läuft hier zwischen Gletscher spalten über blankes Eis.“
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Nepal, wo unter anderem ein unbestie gener 7000er auf dem Programm steht, im November will er zweimal 8000 Meter Höhe am Lhotse erreichen, bevor er um den 22. Dezember am Everest angreift.
Such deine Ausrüstung Für sein Everest-Vorhaben entwirft Kobusch eigene Ausrüstung. Er wird ein Zwiebelsystem tragen: Mit der korea nischen Outdoormarke Blackyak hat er einen Daunenanzug entwickelt, bei dem innen ein Tragegurt angebracht ist. So wird das Gewicht auf die Hüften statt auf die Schultern gelegt. Kobusch kann die obere Hälfte des Anzugs öffnen und die Ärmel am Bund einhängen, um sich in schweren Kletterpassagen abzukühlen. Und um Winterstürme zu überstehen, hat sein ultraleichtes Zelt, ein Prototyp, mehr Stangen als andere Zelte dieser Gewichtsklasse. „Es ist ein bisschen wie in der Formel 1. Es gibt keine Erfahrungs werte, auf die du zurückgreifen kannst. Du musst dir neue Lösungen ausdenken.“
„Für dieses Bild hat sich der Filmemacher Daniel Hug auf 6800 Metern, per Gurt gesichert, aus dem Hubschrauber gehängt. Der Wind war so kalt, dass sein Kamerastabilisator binnen Sekunden einfror. Einen Hubschrauber über sich zu haben, während man free solo klettert, ist alles andere als angenehm, deshalb versuche ich das so weit wie möglich zu vermeiden.“
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„Diese Mani-Steine, in die buddhistische Mantren geritzt sind, säumen den Weg in die Höhe. Egal wohin ich komme, lerne ich so viel wie möglich über die Kultur und die Traditionen.“
Lerne zu improvisieren Am Everest drohen jederzeit Lawinen, Steinschlag und Stürme aus dem Nichts. „Sogar der Berg verändert sich“, sagt Kobusch. „Ich kletterte 2019 eine spek takuläre Eistour am Everest, und als ich beim Abstieg wieder zu der Stelle kam, fehlte ein Teil der Route. Er war einfach abgefallen.“ Das Geheimnis im Umgang mit Unberechenbarkeit heißt Improvisa tion – und Improvisation setzt Erfahrung voraus. 2013 stieg Kobusch am Pik Lenin (7134 Meter) in Kirgisistan, als ein Sturm sein Zelt aus den Verankerungen riss und auf eine Gletscherspalte zutrieb. Also zerrte Kobusch das flatternde Zelt in eine kleinere, flachere Spalte und schlief dort. „Als ich dann im Winter 2025 am Everest eine ähnliche Situation hatte, war ich vorbereitet. Am Pik Lenin bin ich mit dem Zelt gerutscht, die Stangen verwandel ten es in ein Segel mit irren Kräften. Am Everest habe ich deshalb die Stangen herausgezogen und mich in die Plane gewickelt – so geht Improvisation. Sie ist das Ergebnis früherer Erfahrungen.“
Sei schnell unterwegs Bei seiner Everest-Expedition 2019/20 war Kobusch 64 Tage am Berg und ging viele Male hinauf und wieder hinunter, um Ausrüstung zu transportieren, zu lernen und sich zu akklimatisieren. 2024/25 dauerte sein Rekordvorstoß dann nur sechs Tage. „Der Zeitplan war revolutio när“, sagt er. „Ich glaube, sieben Tage könnten ein guter Zeitrahmen für den Gipfel sein.“ Zeit ist am Everest ein aus schlaggebender Faktor. „Wenn du zu lange dort oben bleibst, erholst du dich jeden Tag schlechter, jeder Tag ist körper THE RED BULLETIN
„DIESES PROJEKT IST DAS SCHWIERIGSTE UND GRÖSSTE, WAS MIR EINGEFALLEN IST.“ licher Abbau und je mehr Tage, desto unberechenbarer das Wetter und desto länger bist du der Gefahr ausgesetzt. Tempo bedeutet Sicherheit.“ Möglich ist das nur mit ultraleichter Ausrüstung. „Ich habe nichts doppelt.“
Du bist ein Champion Um in harten Momenten standzuhalten, hat sich Kobusch einen Werkzeugkasten für den Kopf gebaut. „Ich benutze das Wort ‚Problem‘ nie“, sagt er. „Es gibt nur Herausforderungen und Möglichkeiten. Ich verwende positive Sprache.“ Unter permanenter Anspannung zu klettern, ist enorm zehrend, deshalb ar beitet er mit einem Ampelsystem – grün, gelb, rot –, um seine Aufmerksamkeit je
nach Gefahr des Abschnitts zu dosieren. So spart er die mentale Kraft für die Stel len, an denen er sie wirklich braucht.
Lege eine Bibliothek an Kobusch nennt sich selbst einen „Biblio thekar der Erfahrung“. Jede Tour, jede Trainingseinheit legt neues Können und neue Erkenntnisse ins Regal. Dieser Ge danke, sich immer weiter verbessern zu wollen, ist in unserer Gesellschaft verloren gegangen, meint er. „Mit der Zeit habe ich gelernt, dass Talent überschätzt wird und der Aufbau von Können massiv unter schätzt. „Mein Ziel ist nicht der Gipfel des Everest. Mein Ziel ist, der beste Alpinist zu werden, der ich sein kann.“ Instagram: @jostkobusch
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WILL COPESTAKE
Mit dem Kajak auf Gletscher-Tour in Patagonien
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Reise / Playlist / Mindgame / Uhren / Events
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GUIDE
REISE/
UNTER GIGANTEN
Eigentlich zog es den schottischen Abenteurer Will Copestake mit dem Kajak ans Kap Hoorn – den südlichsten Zipfel Feuerlands. Als er sein Ziel aufgeben muss, beginnt das eigentliche Abenteuer inmitten der Gletscher Patagoniens. Text Will Copestake
„Eins … zwei … drei … zieeehen!“ Seumas und ich zerren mit aller Kraft am Plastik griff meines Kajaks. Es knirscht Zenti meter für Zentimeter den Hang hinauf, vielleicht einen Meter, dann geht uns die Kraft aus, und das mit gut 120 Kilo Pro viant und Equipment beladene 30-KiloBoot liegt wieder da. Der Pass ist 300 Meter hoch, der Weg von einem Ufer zum anderen fünf Kilo meter lang. Mit zwei Seekajaks wird dar aus eine Strecke von ungefähr 30 Kilo metern, und die Höhenmeter wollen wir allein aus Selbstschutz gar nicht zählen: ein Boot vorziehen, Ausrüstung nach tragen, zurückgehen, das zweite holen und zwischen Strand, Fluss, Geröll, Sumpf und Gestrüpp einen Weg suchen, der uns überhaupt hinüberbringt. Es hat ein biss chen was von Sisyphos, was wir hier tun. Während einer Pause denke ich zurück an die gemeinsamen Reisen, die uns hier hergeführt haben.
Ab in den Süden
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PADDELN IM TRÜBEN Mit-Abenteurer Seumas vor dem Pia-Gletscher
„Dann stoßen wir auf eine Schlucht. Sie ist nirgendwo eingezeichnet.“ Stadt des südamerikanischen Festlands. Von dort paddeln wir uns gegen den Wind nach Süden vor, bis zum Cabo Froward, dem südlichsten Punkt des Kontinents. Danach überqueren wir die Magellan straße – bei nachlassendem Wind, aber umso heftigerer Strömungsdünung. Das bedeutet 23 Kilometer übers offene Meer bei meterhohen Wellen. Am Südufer der Magellanstraße erwarten uns senkrecht vom Meer aufsteigende Berge. Unser
Zelt stellen wir auf einem schmalen ebe nen Landstreifen auf, zwischen Brandung und Fels.
Der Fjord wird enger …
Am nächsten Morgen paddeln wir in den Seno O’Ryan. Der Fjord wird enger und enger und endet vor kahlen Wänden, dahinter blitzen schneebedeckte Gipfel. Und hinter den Gipfeln liegen die Bahía Océano und der Beagle-Kanal. Am ersten
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Seumas ist mein bester Freund aus Schottland. Ich arbeite seit etwa zehn Jahren regelmäßig als Kajakguide in Chile, und wenn meine Saison endet, kommt er zu mir in den Süden. Auf unseren ersten beiden Expeditionen haben wir knapp 1500 Kilometer zurückgelegt: von Puerto Edén nach Puerto Natales und im Jahr darauf weiter bis Punta Arenas. Diesmal steht das nächste und spek takulärste Stück auf dem Plan. Von der Magellanstraße soll es durch den BeagleKanal gehen – eine berühmte Meerenge zwischen den Inseln Feuerlands – und dann weiter Richtung Kap Hoorn, zum „Everest der Meere“ an der Südspitze des Feuerland-Archipels. Vierzig Tage haben wir für die Tour gerechnet, drei davon für diesen Weg über die Berge vom Seno O’Ryan zur Bahía Océano. Wir starten in Punta Arenas, der südlichsten
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SHADES OF GREY Das Gletscher wasser bahnt sich seinen Weg über schroffe Felsen.
MEERBLICK Lagervorbereitung im Beagle-Kanal - bei strömendem Regen
Tag können wir das immer schmalere Flussbett noch benutzen, wenn auch nicht mehr zum Paddeln: Wir führen die Boote an Leinen, schwimmen neben ihnen her oder ziehen sie vom Land aus und drücken sie unter tief hängenden Ästen durch. Dann endet der Fluss. Es folgen Sumpf und dichte CalafateBüsche, an denen wir uns die Hände blutig reißen. Am zweiten Tag beginnt der Aufstieg auf den Pass. „Eins … zwei … drei … zieeehen!“ Zwölf Stunden dauert die Schlepperei bergauf. Als wir oben auf dem Pass unser Lager aufschlagen, sind wir erschöpft und durchnässt. THE RED BULLETIN
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GUIDE
Travel-Tipps Wie du hinkommst: Will war im chileni schen Teil Patagoni ens. Von Europa aus gehen die meisten Flieger über Santiago nach Punta Arenas oder Puerto Natales. Was du dort tun kannst: Der Nationalpark Torres del Paine ist für seine Trekking routen berühmt. Er lässt sich auch gut mit dem Kajak erkunden.
BUNTE BLÄTTER, RAUE SEE Vor dem Basislager erstreckt sich eine einmalige Landschaft.
Alles tut weh. Am nächsten Morgen scheint der schwierigste Teil geschafft. Unter uns sehen wir bereits das Meer. Eigentlich müssen wir die Kajaks nur noch den Hang hinunterbringen. Doch dann stoßen wir auf eine Schlucht. Sie ist weder auf unseren Karten eingezeichnet noch auf den Satellitenbildern zu erkennen. Ein kleiner Wasserfall stürzt über Felsen in ein Becken. Mit zwei voll beladenen Seekajaks gibt es hier kein Durchkommen. Die einzige Chance: Aus unseren Schleppleinen bauen wir ein Seilsystem. Damit lassen wir die Boote nacheinander über den Wasserfall hinunter und setzen sie möglichst sanft in das Becken. Zum Glück bleibt Seumas’ empfindliches FiberglasKajak heil, die Leinen halten. Am Ende des dritten Tages der Landquerung schwimmen unsere Boote endlich wieder. Der Pass liegt hinter uns. Vor uns liegen der Beagle-Kanal und schließlich Kap Hoorn. Doch dann scheitert unser Plan doch noch. Vier Jahre lang haben wir mit der chilenischen Marine verhandelt, um Kap Hoorn ohne Unterstützung von außen erreichen zu dürfen. Wir haben THE RED BULLETIN
„Zwölf Stunden dauert die Schlepperei bergauf. Als wir unser Lager aufschlagen, sind wir durchnässt, und alles tut weh.“
HEISSE NÄCHTE Vor ihrem Zelt entfachen die Abenteurer ein Lagerfeuer.
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AUF DIE FLOSSE Ein Fels, der an einen Hai erinnert
alle Auflagen erfüllt. Nun hat die zuständige Behörde ihre Meinung geändert. Auf unserem Satellitengerät erscheint die Nachricht: „Genehmigung verweigert“.
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Papageien und Kolibris
Unsere Genehmigung gilt nur bis Puerto Williams, das sind 350 Kilometer. Doch unsere Vorräte reichen zehn Tage länger. Zum ersten Mal haben wir richtig viel Zeit. Also ändern wir unseren Plan. Statt auf direktem Weg nach Puerto Williams zu paddeln, wollen wir jeden Fjord im Beagle-Kanal erkunden, der spannend aussieht. In den nächsten zwei Wochen suchen wir nach Gletschern und Eis. Wir paddeln zum Pia-Gletscher, dicht an den Wasserfällen der Gletscher-Allee vorbei, beobachten Papageien und Kolibris in den Bäumen des Regenwalds, Pinguine am Meeresufer. Als wir Puerto Williams erreichen, haben wir zwar Kap Hoorn nicht gesehen. Doch das Scheitern hat uns die Zeit geschenkt, die Landschaft und die Möglichkeiten, die Natur zu genießen. Vielleicht war genau das am Ende der eigentliche Erfolg. Will Copestake ist ein schottischer Abenteurer und Seekajak-Guide. Er leitet Expeditionen und berichtet darüber – von Schottland über Patagonien bis in die Antarktis. Instagram: @willcopestake
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GUIDE
PLAYLIST/
Sampagne
ON REPEAT
Samuel Wernik begeisterte schon mit dreizehn ein Millionenpublikum – in der Castingshow „The Voice Kids“. Statt den frühen Fame auszuschlachten, zog sich der Berliner erst einmal zurück, um 2019 als Sampagne mit frischem Style und starken Melodic-Rap-Songs neu durchzustarten. Heute, mit 25, stehen Features mit Cro und Shirin David, aus verkaufte Tourneen und Millionen Streams in seiner Vita.
In jungen Jahren ein TV-Star, erfand sich S ampagne später neu – und zählt heute zu den spannendsten Stimmen im deutschen Melodic Rap. Hier sind vier Songs, die ihn geprägt haben.
Erlebe demnächst Sampagnes kreative Power im Format Red Bull 60 Seconds. Instagram: @redbullrap100
Yeat
[ADL IS COMING] (2025)
„Der Song ist ein Kunstwerk, alles high-end und mit Liebe zum Detail – dafür habe ich großen Respekt. Wenn du den hörst, fühlst du dich, als hättest du deine erste Million geknackt. Man kriegt diese Gewinner-Energy. Ich habe den Song oft mit meinen Jungs auf dem Weg zur Party gehört, weil der so pusht.“
Drake
„Ich werde nie vergessen, wie ich mit meinem Homie bei ihm zu Hause gechillt habe und er mir dieses Cro-Video gezeigt hat. Ich konnte meinen Augen nicht trauen – der Song, sein Style, alles war so ultra-fresh! Carlo hat für Künstler wie mich, die eher Good-Vibes-Mucke machen, die Türen sehr, sehr weit aufgestoßen.“
THE RED BULLETIN
D’Angelo
Chicken Grease (2000)
„Mein Dad hat mich früh an Musik heran geführt, mit zwölf hieß es, ich bekomme meine ersten Boxen. Im Laden hat er dann immer diesen Song abgespielt, weil er meinte: ‚Die Boxen, auf denen diese Bassline gut klingt, nehmen wir.‘ Am Ende wurden es welche von House of Marley mit Holzverkleidung.“
JANIS WETZEL
Cro
Easy (2012)
„Ich muss mich bei Drake entschuldigen, weil ich das Album ‚Honestly, Nevermind‘ erst nicht gecheckt habe. Er war sehr früh dran mit dem Afro-HouseHype, der dann später kam. Erst 2024, im Sommerurlaub auf Mykonos, habe ich diesen Song wirklich verstanden – als ich ihn im Auto bei voller Lautstärke bis zum Schluss gehört habe.“
LISA HECHENBERGER
A Keeper (2022)
ADVERTORIAL BÜHNE FREI: „NAC’S LEVEL DANCE“ FEIERTE EINE ERFOLGREICHE PREMIERE BEIM DNA FESTIVAL HAMBURG.
DAS IST NAC’S LEVEL
Talent ist überall. Chancen sind es nicht. Nac’s Level gibt jungen Talenten Raum, sichtbar zu werden, sich weiterzuentwickeln und ihren eigenen Weg zu gehen. Was mit Nac’s Level RAP und der Förderung junger Stimmen aus der Rap-Szene begonnen hat, wird 2026 konsequent weitergeführt: Neue Formate und Disziplinen eröffnen jungen Talenten noch mehr Möglichkeiten. Bei Nac’s Level DANCE rücken Urban Dance und Breaking ins Zentrum. Sechs Talente mit unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen erhalten über ein TanzStipendium die einmalige Chance auf professionelles Coaching, Zugang zu relevanten Veranstaltungen und, vor allem, eines: Bühnenerfahrung. So können sie ihren eigenen Stil entwickeln, sich ausprobieren und in der Szene endlich sichtbar werden.
LORENZ SNACKS; SOULROCKING; LAURENT BIEL
Mit Nac’s Level MIX überträgt sich dieses Prinzip nun auf die Musik. Rap, Gesang, Produktion, DJing und Piano:
Hier treffen Talente mit ganz unterschiedlichen Skills und Sounds aufeinander – ein Projekt, das gemeinsam mit dem Produzenten-Duo THE IRONIX entwickelt wird. Konkurrenz spielt dabei kaum eine Rolle – wichtiger ist, was die Talente einander mitgeben: neue Kontakte, frische Ideen und ein größeres Netzwerk. Was beide Formate am Ende verbindet, ist mehr als nur eine Bühne. Nac’s Level bringt junge Menschen mit ihrer Szene in Verbindung und verschafft ihnen das Publikum, das sie sich längst verdient haben. Denn wer Kultur aktiv mitgestalten will, braucht eben nicht nur Talent, sondern auch die Gelegenheit, es der Öffentlichkeit zu zeigen. Mehr erfahren unter: nicnacs.de
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MINDGAME/
FINDE ALLE TÄNZER! Willkommen zu einer Rätsel- Challenge, die deine mentale Fitness trainiert. Dieses Mal: Welche Tänzer sind im Spotlight zu sehen?
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PFEFFERMIND
BRATISLAV MILENKOVIĆ
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Scan den QR-Code, um zur Lösung des Rätsels zu gelangen.
So vollgepackt ist der Dancefloor selten: Fünf der links abgebildeten einzelnen Tänzerinnen und Tänzer verbergen sich im Pulk auf dieser Seite. Tipp: Drei sind einfacher zu finden, zwei etwas komplizierter. Let’s dance! THE RED BULLETIN
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BESTZEITEN UHREN/
Diese Uhren geben den Takt vor. Wir zeigen, welche Athleten sie tragen.
Blau machen
Auf der Piste verliert Emma Aicher keine Zeit: Die 22-jährige Deutsche gewinnt Weltcuprennen in Speed- wie Technikdisziplinen – und gehört damit zu den vielseitigsten Skirennläuferinnen ihrer Generation. Am Handgelenk setzt die Longines-Botschafterin auf die Conquest. 34 Millimeter Edelstahl, blaues Zifferblatt mit Sonnenschliff und ein Automatikwerk mit 72 Stunden Gangreserve verbinden Sportlichkeit mit Eleganz. Passt zu einer, die auch auf Ski beides kann. Preis: € 2.800,–; longines.com Das Gerstenkornmotiv auf dem Zifferblatt verleiht Tiefe. Die Uhr gibt es in vier Größen, hier die 41-Millimeter-Variante.
ERICH SPIESS/RED BULL CONTENT POOL, GETTY IMAGES/RED BULL CONTENT POOL, JOERG MITTER/RED BULL CONTENT POOL
Text Wolfgang Wieser
Longines Master Collection
THE RED BULLETIN
GUIDE
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Tudor Black Bay Chrono Carbon 26
Nimm’s leicht!
Pilot Arvid Lindblad trägt wie Team kollege Liam Lawson die neue, auf 2026 Exemplare limitierte Tudor Black Bay Chrono – eine Hommage an den Renn wagen VCARB 03 samt dessen gelben Akzenten. Und wie das Chassis seines Boliden besteht auch die Uhr aus Carbonfasern, was ein Gewicht von nur 76 Gramm ermöglicht. Preis: € 7.820,–; tudorwatch.com Arvid Lindblad – auf dem großen Bild gibt der F1-Pilot der Visa Cash App Racing Bulls im belgischen Spa Gas.
Sogar die Einfassung des Datumsfensters besteht aus Carbon.
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GUIDE
Suunto Vertical 2
Gipfelstürmer Geht’s auf den Berg, hat es einer besonders eilig: Der 50-jährige Kanadier Greg Hill hat 50.000 Fuß, also 15.240 Höhenmeter, in 24 Stunden bewältigt – ein absoluter Gipfelstürmer also. Wenn er unterwegs ist, setzt er auf die Suunto Vertical 2. Zum Beispiel, weil ein verbesserter Sensor auf der Rückseite noch genauere Messwerte für Blut sauerstoff und Schlaf liefert. Preis: € 599,–; suunto.com
Garmin Forerunner 970
Auf diesem Zifferblatt tut sich was: Insgesamt birgt dieses Suunto- Modell 115 Sportmodi.
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Bereit zum Training?
Der 28-jährige Robert Farken hält mit 3:30,09 Minuten den deutschen Rekord über 1500 Meter. Im Training nutzt er die Garmin Forerunner 970 vor allem, um seine Trainingsbereitschaft einzuschätzen: Die Uhr verbindet die aktuelle Belastung mit Daten zu Stress, Erholung und Schlaf und zeigt an, ob Roberts Körper schon bereit für die nächste Einheit ist. Preis: € 669,99; garmin.com
91 Norqain Adventure Chrono NHL Limited Edition
Nur echt mit Kratzern Der Herr im Trikot der Montréal Canadiens ist Mark Streit: einst gefeierter NHLStar und Mitgründer der Schweizer Uhren marke Norqain. Seit diesem Jahr sind NHL und Norqain Partner. Gefeiert wird das mit einer Limited Edition von 1917 Exemplaren – die Stückzahl bezieht sich auf das NHL-Gründungsjahr. Die Uhr birgt überraschende Details: Zifferblatt im Zerkratztes-Eis-Look, Sekundenzeiger im Bullykreis bei 9 Uhr. Preis: € 4.750,–; norqain.com
Garmin Forerunner 970
JAAKKO POSTI, FABIAN STOFFERS, GETTY IMAGES
Bereit zum Training? Der 28-jährige Robert Farken hält mit 3:30,09 Minuten den deutschen Rekord über 1500 Meter. Im Alltag nutzt er die Garmin Forerunner 970 vorzugsweise, um seine Trainings bereitschaft einzuschätzen: Die Uhr verbindet die aktuelle Belastung mit Daten zu Stress, Erholung und Schlaf und zeigt an, ob Roberts Körper schon bereit für die nächste Einheit ist. Preis: € 669,99; garmin.com
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92 Swatch Pilgrim – Tread on it
Auf zur Pilgerfahrt! Diese Uhr heißt wie ihr Pate: Pilgrim, Sam Pilgrim. Dass der englische FreerideMountainbiker mit der markanten Zahnlücke bei dieser Swatch selbst Hand anlegte, ist auf den ersten Blick erkennbar. Dank trans parentem Zifferblatt wirkt diese Uhr, als wäre sie direkt dem Radlager entsprungen – und ist mit 47 Millimeter Durchmesser unübersehbar. Das Silikon-Armband gibt Gummi im Bike-Look. In Pilgrims Namen: Tread on it, aufsitzen! Preis: € 150,–; swatch.com
Coros Apex 4
Perfekte Frequenz 2014 meisterte er „The Crack“, eine e xtrem enge Eisrinne in Alaska. Seither hat sich Cody Townsend, 43, zu einem der wichtigsten Ski-Bergsteiger entwickelt. Zuletzt schaffte er die erste Winterdurchquerung der Norman’s 13: 13 Gipfel in der Sierra Nevada Kaliforniens, eine 160-KilometerRoute mit rund 15.000 Höhenmetern. Am Handgelenk: die Apex 4. Was er an ihr schätzt? „Die Werte für vertikale Aufstiegsgeschwindigkeit und Herz frequenz, absolut unverzichtbar.“ Preis: € 499,- (46 mm); coros.com
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GUIDE
HEAT SHIELD 4 IN 1 PROTECTION
Die Uhr des Wassermanns
VE SA
CARE
IR
Wäre Kai Lenny ein Superheld, bräuchte über seinen Namen niemand nachzudenken. Der Hawai ianer gilt als der „Waterman“. Sein Vorname bedeutet „Ozean“: Er ist unter anderem acht facher Sieger der SUP World Series Champion ships, Big-Wave-Surfer, Hydrofoiling-Pionier und Kitesurf-Vizeweltmeister. Dass er aktuell diese Aquaracer von TAG Heuer trägt, ist ein perfektes Match. Das Werk der Uhr wird übrigens von Sonnenlicht in Gang gehalten. Preis: € 3.600,- (40 mm); tagheuer.com
REP A
MING T. POON , 2023 WORLD SURF LEAGUE
TAG Heuer Aquaracer
Tierische Kraftpakete – durchtrainiert bis in den kleinsten Muskel
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SNAP-FICTION
Hier schreibt Bestseller-Autor Leif Randt eine futuristische Short-Story-Serie für The Red Bulletin. Folge 14:
HELLER RIESE Als Ausgangspunkt jeder Story verwendet Leif Randt ein Handyfoto von seinen Reisen. Aktuelles Motiv: Fernsehturm vor blauem Himmel von Cádiz – für uns kunstvoll in Szene gesetzt von Fotograf Klaus Pichler. THE RED BULLETIN
KLAUS PICHLER
The TV-Tower of Ghosts
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A
m ersten Urlaubstag fragte sich Pascale am Stadtstrand von Cádiz, ob die Menschen in Spanien der zeit vielleicht doch entspannter waren als die Menschen in Deutschland. Pascale hatte sich einen Liegestuhl mit Sonnen schirm gemietet und aß kleine Honigmelonenstücke, die er sich zuvor in seiner Ferienwohnung zurecht geschnitten hatte. Um nicht ständig über neue Bild ideen zu brainstormen, hörte er Textproben aus einigen Gesprächen, die in einem Radius von fünf zehn Metern um ihn herum geführt wurden. Das dafür eingesetzte TranslationRadio_by_Bonny hatte er sich knapp vor seiner Abreise zu seinem Bonny UNIVERSAL -Paket hinzugebucht. Die sieben Tage von Cádiz sollten Pascales erster Urlaub sein, seit er freiberuflich Künstler und kein festangestellter Real schullehrer mehr war. Es war zudem sein erster Ur laub in der Nebensaison, er hatte den Eindruck, am Strand von Einheimischen umgeben zu sein. In der prallen Nachmittagssonne sprachen diese Einheimi schen – wenn man den blitzschnellen Übersetzungen des TranslationRadio glauben konnte – von den Aggressionsproblemen eines Nachbarjungen, von der Finalniederlage der Spanierin Cortez bei den US Open, von Pedros Haartransplantation, von der gescheiterten Reparatur einer Klimaanlage und von sich wiederholenden Geistererscheinungen während der Dämmerung am Fuße des großen TV-Turms. Es gab Menschen, die waren von Haus aus ent spannt und offen und hatten nichts zu verheim lichen, und es gab Menschen, die wollten um jeden Preis gehört und gesehen werden. Pascale zählte sich zu keiner der beiden Gruppen. Er behielt das meiste für sich. Er war schüchtern und wollte den noch gerne berühmt sein, auch wenn er sich Letz teres lange nicht eingestanden hatte. Seit seine bedruckten Viskosetücher zu steigenden Preisen verkauft wurden, wagte es Pascale mittlerweile so gar, einige der auffälligen Sonnenbrillen zu tragen, die er schon seit langer Zeit sammelte, aber immer in der Schublade belassen hatte. Seine ältere Halb schwester, die vor fünfzehn Jahren mit ihrem da mals einjährigen Sohn nach Cádiz ausgewandert war, hatte eine seiner historischen Brillen beim ge meinsamen Frühstück gelobt: „Late-Blooming Artist ist der viel bessere Look für dich. Diese TeacherPerformance hat dir eigentlich nie gestanden.“ Früher hatte Pascale seine ältere Halbschwester in ihren Urteilen oft als vorschnell empfunden. Heute wollte er glauben, dass sie richtiglag.
LEIF RANDT Geboren 1983 in Frankfurt am Main. Er gilt als Vertreter einer neuen Generation der Popliteratur. Sein neuer Roman „Let’s talk about feelings“ erschien 2025. Zuletzt lief die Verfilmung seines Best sellers „Allegro Pastell“ im Kino.
Wenn er mit dem Zeigefinger an den Knopf in seinem linken Ohr tippte, sprang das Live-Radio zum nächsten Gespräch. Pascale tippte häufig. Nur auf dem Dialog über die Geistererscheinungen blieb er länger. „Je näher man dem Turm kommt, desto lauter werden ihre Stimmen. Gestern klangen sie freund lich, und sie machten mir überhaupt keine Angst.“ „Bei mir ist das total Tagesform! Beim ersten Mal brach ich in Tränen aus, zuletzt führte ich ganze Unterhaltungen. Gestern hab ich die Gespenster sogar zum Lachen gebracht.“ Pascale vermutete, dass das Gespräch von den beiden Damen circa sieben Meter links von ihm geführt wurde. Beide trugen rote Badeanzüge und hatten sich Seidentücher mit Farbverläufen um die Schultern gelegt. Pascale vermutete, dass sie sich schon sehr lange kannten und Mütter von bereits erwachsenen Kindern waren. „Es kommt darauf an, in welcher Verfassung die Geister selbst gerade sind.“ „Das glaube ich weniger. Ich gehe davon aus, dass sie immer auf die Stimmungen reagieren, die sie in der Stadt vorfinden. Sie sind unser Gewissen.“ „Hm … ich hol mal was zu trinken.“ Eine der beiden Frauen stand von dem geteilten Strandtuch auf und entfernte sich aus dem 15-Meter- Übersetzungsradius. Pascale hatte mit Ende zwanzig mal einen Volkshochschulkurs Spanisch belegt, war aber selten hingegangen und erinnerte sich mit Ende dreißig nur noch an einzelne Vokabeln. Er musste darauf vertrauen, dass die Übersetzungs intelligenz sowie die Richtmikrophone seines BonnyEarplugs gut genug funktionierten. „Ich hab dir warme Milch mitgebracht“, sagte die Frau wenig später mit zwei Pappbechern in der Hand. „Was?!“ „Du fällst auch immer auf alles rein! Hier ist dein Wasser.“
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SNAP-FICTION
Pascale betrachtete das hohe sandfarbene Gebäude, das in seinen Augen so wirkte, als müsste es unter Denkmalschutz stehen. „Ist der TV-Turm noch in Betrieb?“
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as Lachen wurde nicht übersetzt, sondern als Original-Audiofile leicht verzögert auf Pascales Ohr gespielt. Im Tonfall der deutschen Stimmen waren Humor und Ernsthaftigkeit kaum zu unterscheiden. Beim Abschluss des Abonnements hatte es geheißen, dass Bonny nur Personen übersetzen würde, die ihr generelles Einverständnis gegeben hatten. Das Gespräch über die Gespenster, dachte Pascale nun, war vielleicht gar nicht wörtlich gemeint gewesen. Vielleicht begann man auch ganz automatisch, seine Gespräche zu verklausu lieren, sobald man einer Übersetzung durch TranslationRadio zugestimmt hatte. „Ich gehe noch eine Runde schwimmen“, sagte eine der Frauen. Die andere begann, in einem Buch zu lesen. Pascale tippte auf den Earplug und hörte nun einer mutmaßlich älteren Männerstimme zu, die telefonisch eine Einkaufsliste abglich. Es war die Rede von Auberginen und Schaumwein. Pascale nahm den Earplug aus seinem Ohr und fokussierte sich auf die Geräusche des Meeres, das glitzernd vor ihm lag. Er suchte in den Wellen nach der Frau im roten Badeanzug, konnte sie aber nicht finden.
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achdem er selbst zweimal im Wasser gewesen und das TranslationRadio dreimal an- und wieder ausgeschaltet hatte, verließ Pascale den Strand. Er war noch mit seinem jungen Neffen Valiano verabredet. Von seiner Halbschwester wusste er, dass Valiano auf hohem Niveau Fußball spielte, aber wohl nicht gut genug war, um Profi zu werden, und dass sie ihm Assistenzsysteme jedweder Art nicht vor achtzehn erlauben würde. Valiano, der im Laufe des Herbsts siebzehn werden sollte, erwartete Pascale auf einem Barhocker unter dem Vordach des Café Cora. Pascale winkte aus der Ferne, der Junge nickte ihm zu. Für sein Alter wirkte er sehr athletisch, die oberen Knöpfe seines floral gemusterten Hemdes trug er offen, Brusthaar hatte er keines. Valiano war ohne Vater aufgewachsen. Pascale fragte sich, ob er vielleicht gerade deshalb schon so maskulin wirkte.
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„Hallo Onkel, hattest du einen guten Tag?“ Das Deutsch, das sein Neffe sprach, hatte zu Pascales Überraschung keinen spanischen Akzent, wirkte jedoch etwas steril und unbelebt. Es war, als wollte Valiano durch seine Betonung jede Form der Wertung vermeiden, was ein wenig an die KI-Stimmen im TranslationRadio erinnerte. Vielleicht war es auch längst normal, so zu sprechen. pascale: „Es war schön am Strand. Das Wasser war nicht sehr kalt, aber noch kalt genug, um zu erfrischen. Eigentlich perfekt!“ valiano: „Ja, wir sind sehr froh, dass wir den Atlantik haben. Ohne den Atlantik wäre es hier im Sommer auch viel zu heiß.“ pascale: „Warst du heute im Fußballtraining?“ valiano: „Seit ich den Traum vom Profi auf gegeben habe, spiele ich nur noch zum Spaß. Das bedeutet selteneres Training und mehr Zeit für andere Dinge.“ Als Pascale selbst sechzehn war, hatte er noch keinen Lebenstraum aufgeben müssen. Wahrscheinlich hatte er noch nicht einmal gewusst, dass er Künstler werden wollte. Er hatte, wenn er sich richtig erinnerte, gerne Nintendo Switch gespielt und war am Wochenende auf Partys in Schrebergärten gegangen. valiano: „Möchtest du auch einen Espresso?“ Espresso, dachte Pascale, hatte er mit sechzehn auch noch nicht bestellt. „Nicht mehr nach 19 Uhr“, sagte er. valiano: „Hey, du bist doch im Urlaub!“ pascale: „Okay, okay, ich trinke einen mit … Was machst du mit der frei gewordenen Zeit, wenn du jetzt weniger Fußballtraining hast?“ valiano: „Ich habe zwei feste Freundinnen gleichzeitig.“ pascale: „Wissen die beiden voneinander?“ valiano: „Ich glaube schon.“ Der athletische Junge tippte an sein rechtes Ohr, vermutlich um sich eine Nachricht vorlesen zu lassen, dann schaute er seinem Onkel direkt in die Augen. „Du bist auch Bonny-Nutzer?“, fragte dieser kleinlaut. „Erzähl’s bitte nicht meiner Mutter.“ „Geht klar!“ Pascale freute es, dass sein Neffe ihm vertraute. Er würde sein Geheimnis hüten. „Am Strand habe ich heute TranslationRadio ausprobiert. Es war bemerkenswert, dass es in einem gewissen Radius wirklich alle Gespräche übersetzen konnte.“ „Warum bemerkenswert?“ Valiano klang plötzlich noch ernster.
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pascale: „Dass es technisch möglich sein würde, war klar. Aber dass alle zustimmen, sich übersetzen zu lassen, hat mich überrascht.“ valiano: „Wurdest du noch nie von Bonny übersetzt?“ pascale: „Das natürlich schon …“ valiano: „Dann hast du auch zugestimmt!“ pascale: „Aber doch nicht fürs Translation Radio!“ valiano: „Wenn du einmal zugestimmt hast, gilt das für alle zukünftigen Funktionen. Es gab in Sevilla letzte Woche schon Proteste dagegen. Ich werde die Funktion so lange wie möglich boykottieren.“
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u Pascales Erleichterung kippte die Stimmung im Anschluss nicht komplett. Die beiden tran ken nach dem Espresso noch eine Hauslimonade, und Valiano bot an, Pascale ein Stück in Richtung seiner Ferienwohnung zu begleiten. Auf dem Weg telefonierte er mit einer seiner Freundinnen auf Spa nisch. Das Gespräch klang zunehmend wie ein Streit, doch Pascale hätte sich geschämt, seinen Earplug für die Übersetzung einzuschalten.
„Sorry, ich muss da gleich noch mal zurückrufen“, sagte Valiano plötzlich, „hier am TV-Turm bricht die Verbindung immer ab.“ Pascale betrachtete das hohe sandfarbene Gebäude, das in seinen Augen so wirkte, als müsste es unter Denkmalschutz stehen. „Ist der noch in Betrieb?“ Valiano brummte: „Eigent lich nicht. Aber irgendwas scheint der zu senden. Es kommen jeden Abend mehr Spinner hierher.“ Am Fuße des Turms hatte sich eine Gruppe von zwanzig bis dreißig Personen versammelt, die meisten von ihnen nicht mehr jung, sie standen dicht beieinander und blickten zum Nachthimmel hinauf. Valiano wink te ab. Dann telefonierte er weiter. Vielleicht, hoffte Pascale, würde ihm sein Neffe später zumindest noch von dem Streit mit seiner Freundin erzählen.
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LETZTE SEITE
About Vartan Bassil
Klein bisschen weiser mit … Vartan Bassil
In den Achtzigerjahren aus dem Libanon nach West-Berlin geflo hen, fand Vartan im Tanzen Selbst vertrauen. 1993 gründete er die immer noch renommierte BreakingCrew „Flying Steps“. Mit „Flying Bach“ gelang 2010 der Wechsel zur künstlerischen Bühnenshow. Heute bildet er zudem in der „Flying Steps Acadamy“ junge Tänzerinnen und Tänzer aus. Am 29. November begleitet er B-Girl Vinilla und B-Boy Flo zum Red Bull BC One World Final. Hier scannen und das Event live auf Red Bull TV erleben:
etablierte als Tänzer und Choreograf Breaking in Deutschland. Hier erklärt er, was er bisher vom Leben gelernt hat. Text Pauline Krätzig
„Wie nimmst du jemandem die Angst vor der Bühne? Du packst ihn auf die Bühne. Wenn du dich einmal über wunden hast, bist du so stolz auf dich. Und wirst süchtig danach.“
„Wenn du auf der Bühne verkackst – einfach weiter machen. Die Leute checken es meistens nicht. Und wenn doch: Wir sind immer noch Menschen.“
„Musikalisch bin ich in den Achtzigern hängen geblieben. Als Einstieg empfehle ich MC Hammer und den Funk von James Brown.“
„Geht nicht gibt’s nicht – wenn du dafür brennst.“
„Musik löst bei jedem Menschen etwas anderes aus. Du kannst zehn Choreografen dieselbe Musik geben – jeder wird sie anders interpretieren.“ THE RED BULLETIN
„Ich habe mir eine Kamera mit Hand aufzug geholt. Sie zwingt mich zu entschleunigen. Ich hatte keine Lust mehr auf 50.000 Fotos auf dem iPhone, davon 40.000 Schrott.“
EVA BERTEN/RED BULL CONTENT POOL
„Tipp für Japan-Reisen: immer einen kleinen Plastik beutel dabeihaben! Es gibt nirgends Mülleimer.“
Die nachfüllbaren düfte
TOM HOLLAND
DAS EAU DE PARFUM & DAS NEUE AMBER PARFUM