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The Red Bulletin DE 05/25

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Deutschland - € 4,50 Nov./Dez. 2025

PLUS HARRIET HERBIG-MATTEN / CAROLINE WAHL / AMAR / ELIAS HOUNTONDJI

BEYOND THE ORDINARY

Als Rapper spielt der Frankfurter längst in seiner eigenen Liga. Nächster Halt: Klassik


Photo: T. Dobler

ASSERT yOUR

DOMINANCE DOMINANCE DOMINANCE

Manche sehen darin einen Ausnahmezustand. Andere sehen darin Respekt. So oder so, die KTM 690 SMC R wurde für eine Sache gebaut – puren Supermoto-Wahnsinn. Leicht, extrem präzise, mit modernster Technik und einem drehmomentstarken Einzylinder ausgestattet, macht sie beim Gasgeben richtig Laune.

MEHR INFO:

Keine Kompromisse. Keine Einschränkungen. Einfach READY TO RACE. Bitte die abgebildeten Fahrszenen nicht nachstellen, immer Schutzkleidung tragen und die geltenden Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung beachten! Die abgebildeten Fahrzeuge können in ausgewählten Details von den Serienmodellen abweichen und einige Abbildungen enthalten Sonderausstattungen, die gegen Aufpreis erhältlich sind.


EDITORIAL & CONTRIBUTORS

Fifou heißt bürgerlich Fabrice Fournier und lebt als Fotograf in Paris. Er prägt mit seinen rohen und zugleich emotionalen Aufnahmen Frankreichs Hip-Hop. Für uns setzte er in Frankfurt Rapper reezy in Szene. Ab Seite 40.

Zoey Goto lebt als Autorin in London (u. a. „Esquire“, „Vogue“), widmet sich in ihren Texten aber vor allem der US-amerikanischen Kultur. In L.A. traf sie ein Kollektiv, das Kunstschwimmen neu erfindet. Ab Seite 64.

FIFOU (COVER)

Werner Jessner schreibt als Autor vor allem über Rasantes wie Eishockey, Biking oder Motorsport. Für uns ließ er sich von Drift-Sportler Elias Hountondji in die Kunst des Asphalt-Rutschens einführen. Ab Seite 52.

W

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as definiert einen großen Künstler? Im Fall des Frankfurter Rappers reezy ist es eine außergewöhnlich tiefe Passion für Musik. Um seine Songs mit bestem Sound auszustatten, arbeitete sich der 30Jährige in die Details des Produzierens ein, lernte Harmonie- und Notenlehre. In der Szene gilt reezy als einer der wenigen deutschen Rapper, die auf US-Niveau arbeiten, sein aktuelles ­Album „Born Spinner“ stieg auf Platz eins der Charts ein, als Nächstes tritt er bei Red Bull Symphonic mit Band und Orchester auf. Im Porträt ab Seite 40 erklärt er, wie ihn seine ­eigenen Ansprüche antreiben. Und ab Seite 24 zeigen wir Bilder der Fotografin Chantal Pinzi. Sie lichtet indische Skaterinnen ab, deren Antrieb es ist, Geschlechterklischees zu durchbrechen. Viel Freude mit dieser Ausgabe, die Redaktion

THE RED BULLETIN


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Portfolio

Die Rollen ihres Lebens

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Die Fotografin Chantal Pinzi zeigt auf ihren Bildern, wie junge Skaterinnen in Indien überholte Rollenbilder aufbrechen. Deutschrap

Classic reezy

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Wie der Frankfurter im Deutschrap Maßstäbe setzt und warum er als Nächstes mit Orchester performt. Drift

1000-PS- Ballett Unser Autor lernt im Custom Car der Driftbrothers, präzise über den Asphalt zu rutschen. 6 Gallery 12 Zahlen, bitte! Margot Robbie 14 Hype-Check Segway Gokart PRO 2 16 Emoji-Interview Julia Schuler Heroes

Harriet 18 Herbig-Matten Schauspielerin

Amar 20 Twitch-Streamer

James Vickery 22 Sänger THE RED BULLETIN

Kunstschwimmen

Tauch ein …

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Wie das frühere Synchron­ schwimmen heute die ­Popkultur erobert. 79

Reise Surfen in Schottland 84 Playlist Monolink 86 Mindgame Music 88 Uhren 92 Events 93 Impressum 94 Snap-Fiction von Leif Randt 98 Letzte Seite Caroline Wahl

BRIAN LOWE, KONSTANTIN REYER

Taking off: In Los Angeles verschiebt ein Kollektiv die Grenzen des Kunstschwimmens und begeistert damit selbst Beyoncé.

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INHALT

52 Blau-Macher: Drift-Athlet Elias Hountondji vor seinem BMW M4 Custom Car

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GALLERY

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Kitzbühel, Österreich

SAMO VIDIC/RED BULL CONTENT POOL STEPHAN HILPOLD

Steile Typen

Sie stürzen sich 85 Grad steile Pisten hinunter, ­erreichen an die 160 km/h und springen bis zu 80 Meter weit: Ski-Abfahrer bewegen sich im ­Grenzbereich. Für die Dokumentation „Downhill ­Skiers – Ain’t No Mountain Steep Enough“ heftete sich Regisseur Gerald Salmina eine Saison lang an die Fersen einer Reihe dieser Athleten, darunter ­Shootingstar Cyprien Sarrazin und die Ausnahme­ skifahrer Marco Odermatt und Vincent Kriechmayr. Hier ist Odermatt auf der Streif in Kitzbühel zu sehen. Der legendären Abfahrtsstrecke hat der Regisseur übrigens schon vor zehn Jahren ein Denkmal gesetzt, in „Streif – One Hell of a Ride“. Mehr Infos: downhill-skiers.com, Premiere am 23. Oktober THE RED BULLETIN


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THEMA

Midyat, Türkei

@hazalnhr

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SAMO VIDIC/RED BULL CONTENT POOL, LEO SHARP/RED BULL CONTENT POOL

Ein starkes Comeback für die türkische ­Freerunnerin Hazal Nehir: Nach einer zweieinhalbjährigen Pause wegen einer schweren Ell­bogenverletzung machte sie jetzt die G ­ assen und Sandsteindächer von zwei der a ­ rchitektonisch interessantesten Städte der Türkei zu ihrer Bühne. Mit jeder Menge Jumps, Flips, Spins und Drops durchquerte sie Mardin und Midyat, die seit Jahrtausenden die meso­potamische Ebene überblicken. „Roof Rush“ nannte sie ihr Projekt, das sie g ­ emeinsam mit Kollegin Lilou Ruel umsetzte. Auf dem Bild der ­Höhepunkt ihres Freeruns: ein exakt 4,16 Meter weiter Sprung in drei Meter Höhe.

STEPHAN HILPOLD, DAVID MAYER

Zeitensprung


GALLERY

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Newquay, Cornwall

Auf Kante

An manchen Tagen passt einfach alles: Hier etwa für Skaterin Lola Tambling in ihrem Heimatrevier. Im Concrete Waves Skatepark – übersetzt: BetonwellenSkatepark – im englischen Cornwall scheint sie vollkommen im Einklang mit sich und der Welt zu sein. Auf diesem Bild wirkt es, als schwebe sie über dem Rand des im Boden eingelassenen Beckens, genannt Bowl. Heute ist Tambling eine der besten Skaterinnen Englands, sie nahm bereits an den Olympischen Spielen teil. Wenn sie gerade nicht auf der Weltbühne unterwegs ist, skatet sie noch immer daheim – wie früher. @lolatambling THE RED BULLETIN


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PREDRAG VUCKOVIC/RED BULL CONTENT POOL

DAVID MAYER

GALLERY

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Aldenhoven, Deutschland

Lucs Highway

Verkehrsmeldung der anderen Art: Für diesen Stunt sprang Freestyle-Motocross-Weltmeister Luc Ackermann 40 Meter weit von einem fahrenden Truck zum nächsten über eine neun Meter hohe Höhenkontrolle – und legte in der Luft noch einen Tsunami Backflip hin. Entscheidend: Alles musste genau aufeinander ab­ gestimmt sein. Die Trucks mussten im Abstand von 23,5 Metern exakt 20 km/h fahren, Luc beim Absprung 54 km/h. Nach monatelanger Vorbereitung, inklusive visueller Tests, Datenanalysen und Timing-Training, hatte Luc genau einen Versuch – und stand ihn. Scan den Code und erleb Lucs Sprung und alle Hintergründe im Video THE RED BULLETIN


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ZAHLEN, BITTE!

Größer als Barbie Nach dem Riesenerfolg des pinken Kultfilms und der Geburt ihres Sohnes kehrte Margot Robbie, 35, in der RomCom „A Big Bold Beautiful Journey“ auf die Leinwand zurück. Ihre Karriere in Zahlen.

1,232

Milliarden Euro spielte der Film „Barbie“ 2023 ein. Margot Robbie übernahm nicht nur die Haupt­ rolle, mit ihrer Firma LuckyChap Entertainment produzierte sie den Film auch.

8

Jahre alt war Margot Robbie, als sie daheim in Australien in einer Zirkusschule ein Zertifikat als Trapez­ künstlerin bekam.

36

magere Textzeilen hatte Margot Robbie in „Once Upon a Time... in Holly­ wood“ – und doch genug, um neben Brad Pitt und Leonardo DiCaprio zu glänzen.

1

Ohrfeige verpasste Margot Robbie Leonardo DiCaprio beim Vorsprechen für „The Wolf of Wall Street“, statt ihn zu küssen. Am Set war man begeistert, Robbie be­kam die Rolle und star­ tete eine Weltkarriere.

354

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Jobs hatte Margot gleich­ zeitig neben der High­ school: Sie war Putzfrau, Barkeeperin und bereitete bei Subway Sandwiches zu. Später machte sie als Model Werbung für Subway.

THE RED BULLETIN

2:12

Minuten dauert der Werbefilm „See You at 5“, den Margot Robbie für Chanel Nº5 drehte. Sie war die letzte Botschafterin, die Karl Lagerfeld für Chanel verpflichtete.

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Episoden lang schlüpfte Margot Robbie von 2008 bis 2011 in der aus­ tralischen Seifenoper „Neighbours“ in die Rolle der bisexuellen Donna Freedman.

Minuten lang kann Margot Robbie unter Wasser die Luft anhalten. Eine Fähigkeit, die sie sich für den Actionfilm „The Suicide Squad“ (2021) antrainiert hat.

GETTY IMAGES(3), PICTUREDESK.COM(2), ADOBE STOCK, SONY PICTURES

Mal war Margot Robbie bisher für Filmpreise nominiert, gewonnen hat sie 36. Auf einen Oscar muss sie trotz dreier Nominierungen noch warten.

HANNES KROPIK

TIM MARRS

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VON DER RENNSTRECKE AUF DIE STRASSE.

WWW.ABT-XGT.DE ABT XGT – Kraftstoffverbrauch* kombiniert in l/100 km: 17,5; CO 2 -Emissionen kombiniert in g/km: 394; CO 2 -Klasse: G. *Die angegebenen Verbrauchs- und Emissionswerte wurden nach den gesetzlich vorgeschriebenen Messverfahren (WLTP) ermittelt. Zusatzausstattungen und Zubehör (Anbauteile, Reifenformat, usw.) können relevante Fahrzeugparameter, wie z. B. Gewicht, Rollwiderstand und Aerodynamik verändern und neben Witterungs- und Verkehrsbedingungen sowie dem individuellen Fahrverhalten den Kraftstoffverbrauch, den Stromverbrauch, die CO 2 -Emissionen und die Fahrleistungswerte eines Fahrzeugs beeinflussen. Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO 2 -Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO 2 -Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen“ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH, Hellmuth-Hirth-Str. 1, D-73760 Ostfildern oder unter www.dat.de/co2 erhältlich ist. Unsere Fahrzeuge sind serienmäßig mit Sommerreifen ausgestattet. Seit dem 4.12.2010 sind Sie in der Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, Ihr Fahrzeug bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte mit M+S-Reifen oder Ganzjahresreifen auszustatten. Das abgebildete Fahrzeug kann Ausstattungen enthalten bzw. beschreiben, die optional gegen Aufpreis erhältlich sind.


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HYPE-CHECK

Ein Kart für alle Fälle Auf vier Rädern, auf zwei Rädern oder als RacingSimulator: Das Segway Gokart PRO 2 ist vielseitig einsetzbar. Tech-Checker Kirafin dreht eine Testrunde.

Der Hype „Schnell & wandlungsfähig“ – TikTok liebt diese Formel. Das erfolgreichste Video mit 54 Millionen Views kommt von Creator GOKARTKID22.

Go! Fürs Sim-Racing einfach den Controller auf dem Lenkrad befestigen.

Der Check Für alle Kart-Freaks, die auch mal zocken: Go for it! Dass man das Teil auch noch in ein Segway umbauen kann, schießt für mich den Vogel ab. Für mich wäre es mit rund 2000 Euro dann doch zu teuer, aber ich bin auch kein Kart-Freak. MUST-HAVE-FAKTOR

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Perfekt für … … alle, die zwischen Karttrip und Sim-Racen nicht aufstehen möchten. Ungeeignet für … … alle, die immun gegen das Rennfieber sind.

SEGWAY GERMANY, ONSRA

Das Teil Als Gokart (bis 43 km/h!), Segway oder Rennsimulator: Mit diesem e-motorisierten Gefährt kannst du auf drei Arten Spaß haben. Im Heck verbaut ist ein heraus­ lös­bares Segway. Per USB kannst du das Kart an eine Konsole anschließen und ein virtuelles Rennen starten.

Kirafin

heißt bürgerlich Jonas Willbold, ist 31 und unterhält seine 1,3 Millionen Follower auf TikTok mit Comedy-­ Formaten. ­Nebenbei folgt er seiner Faszination für Tech-Produkte und -Trends. Für uns nimmt er aktuelle Hypes unter die Lupe.


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EMOJI-INTERVIEW

Sei leise, Julia! In diesem Interview dürfen die Befragten nur mit Emojis antworten. Dieses Mal: Julia Schuler, BikeCreatorin mit Liebe zur Langstrecke und fulminantem Ironman-Debüt.

Welches Mindset empfiehlst du für so ein Rennen?

THE RED BULLETIN:

Und wie erholst du dich im Anschluss?

Bitte beschreib dich in 3 Emojis. JULIA SCHULER:

Dein perfekter Cheat-Day?

Worin liegt für dich noch mal der Reiz deiner Wahlheimat Mainz?

Woran denkst du, wenn die letzten Meter eines Berg­ anstiegs zur Qual werden?

Wie erklärst du CouchPotatoes den Spaß am Rennradfahren?

Mal ehrlich: Welchen Teil am Rennradfahren magst du am wenigsten?

Im Sommer bist du bei deinem ersten Ironman Achte geworden. Dein Gefühl nach der Ziellinie?

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ETIENNE KRAEMER

Strecke-Macherin

Mainz ist ihre Wahlheimat, Radfahren ihre Welt: Als eine der wichtigsten deutschen Bike-Creatorinnen nimmt Julia Alina Schuler ihre Community auf ihrem Insta-Kanal mit auf Ausfahrten, ins Trainingslager und zu Wettkämpfen. Im Sommer landete die Sportstudentin bei ihrem allerersten Ironman auf dem achten Platz in ihrer Altersgruppe. Instagram: @juliaalinaschlr


REIFEN

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HEROES

Harriet Herbig-Matten wurde durch ihre Rolle in „Maxton Hall“ über Nacht weltbekannt. Bis die Schauspielerin lernte, für sich einzustehen, dauerte es länger. Was ihr half? Ein klares Ziel – und ihre Oma. Text Rüdiger Sturm Foto Finn Waldherr

Wenn deine Serie in 120 Ländern auf Platz 1 steht, in Südamerika junge Menschen wegen dir Deutsch lernen und Dior wegen eines Werbevertrags anklopft, dann bist du auf der Weltbühne angekommen. Im Fall der deutschen Schauspielerin Harriet Herbig-Matten geschah im vergangenen Jahr genau das. Ihre Rolle in der Amazon-Prime-Serie „Maxton Hall“ katapultierte sie über Nacht und im Alter von 20 Jahren zu Weltruhm. Wesentlich länger hatte zuvor ein anderer persön­ licher Prozess für sie gedauert: Um den Sprung an die Spitze zu schaffen, musste sie lernen, für sich selbst einzustehen.

Karriere auf Hochtouren

Genau das konnte sie zunächst gar nicht. In jungen Jahren erlebte sie, wie Mädchen und Frauen an vielen Film-Sets noch ­immer an den Rand gedrängt wurden. „Damals habe ich den Frust in mich hinein­ gefressen und mich zurückgezogen. Jetzt gelingt es mir besser, Dinge sofort anzusprechen – das ist viel gesünder“, sagt sie. Dabei stieg ihr Selbstbewusstsein nicht nur mit dem Alter, sondern vor allem auch durch zwei weitere Faktoren: indem sie sich klare Ziele setzte und dank dem Rat ihrer Großmutter – dazu später mehr. Heute läuft Herbig-Mattens Karriere auf Hochtouren. Im November startet die zweite Staffel von „Maxton Hall“, Ende des Jahres folgt der ARD-Sechsteiler „Schwarzes Gold“, in dem ein kleines Dorf in Niedersachsen um 1900 vom ­Ölrausch erfasst wird. Ihre ersten Film­ erfahrungen machte sie bereits, als sie noch in ihrem Elternhaus in Starnberg bei München lebte. Mit dreizehn spielte sie

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On point

Geboren in München; Alter 22; erste große Haupt­rolle in „Das Pubertier“ (im Alter von 13); größter Erfolg in 120 Ländern auf Platz 1 mit „Maxton Hall“; Nebenjob Modeln; Hobbys Tanzen, Tennis, Ski, Snowboard, Klettern, Querflöte

eine der Hauptrollen im Kinofilm „Das Pubertier“. War sie in der Schule wie die meisten ihrer Altersgenossen noch etwas orientierungslos, verlieh ihr die Ent­ deckung des Schauspiels eine neue Zielstrebigkeit. Doch neben frühen Erfolgen machte sie eben auch erste negative Erfahrungen. Schnell merkte sie, wie Männer die Filmszene dominierten. ­„Ihnen wurde einfach sehr viel Raum ­gegeben, während Mädchen und Frauen sich zurückhalten und etwa ihre Wut für sich ­behalten sollten“, erinnert sie sich.

Dem Leben in die Augen schauen

Von ihrem Ziel, Schauspielerin zu werden, brachten diese Erlebnisse sie nicht ab. Im Gegenteil: Mit siebzehn wagte sie den Schritt aus dem behüteten Starnberg ins aufwühlende Berlin und zwang sich, dem Leben in die Augen zu schauen. Schließlich warteten dort nicht nur mehr Möglich­ keiten als Schauspielerin, sondern auch die Großstadt mit ihren alltäglichen Konfrontationen. „Da ist die ganze Welt auf mich eingeprasselt. Ich musste lernen, dass es Ungerechtigkeit gibt und dass es hilft, seine Wünsche aufzuzeigen“, deutet sie an. Ihr Selbst­behauptungs-Modus: „Man muss immer respektvoll sein. Ich gehe mit einer gewissen Energie in solche Situationen, aber ich schreie nicht.“

Doch nicht nur das Leben in der Metro­ pole, auch der Alltag am Film-Set half, die eigene Resilienz zu stärken – und dabei auch den Teamgeist. Einer Anekdote zufolge spielten die Darsteller beim Dreh der ersten Staffel von „Maxton Hall“ in Pausen gemeinsam Basketball. Weil sie danach öfter verschwitzt zur nächsten Szene erschienen, wurde der Korb kurzerhand abmontiert. „Wir Schauspielenden waren mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Da haben wir uns füreinander starkgemacht und zusammen für den Basketballkorb gekämpft“, erinnert sich Herbig-Matten. Von solch kleinen Themen bis zu größeren wie Gender-Gerechtigkeit: HerbigMatten hat gelernt, zu ihren Bedürfnissen zu stehen und nach ihnen zu handeln. Als sie anfing Kunstgeschichte zu studieren, merkte sie, dass es sie an die Schule er­ innerte, und brach ab.

Mut dank Heldinnen

Um den Mut zu dieser Konsequenz zu finden, orientiert sie sich vor allem an anderen Frauen – ihrer Mutter, Freundinnen, Kolleginnen, ihren Agentinnen. Eine besondere Rolle spielen auch die Gespräche mit der Großmutter. „Sie hat mir geholfen, zu verstehen, woher ich komme und was ich alles besitze. Sie ist in der Kriegszeit geboren und mit geringen Mitteln und unter einfachen Lebensumständen groß geworden. Deshalb dreht sich bei ihr alles um die Familie. Ich spüre bei ihr so viel Liebe. Und dieses Gefühl von Liebe zu ­haben, ist das Wichtigste im Leben.“ Danach gefragt, ob sie selbst sich als Vorbild für andere junge Frauen sieht, ­hadert Herbig-Matten. „Ich mag das Wort ‚Vorbild‘ nicht so sehr“, meint sie. „Denn das bedeutet ja, dass man jemand nachahmen soll. Ich kann nur sagen: Man sollte man selbst und authentisch sein. Und das erfordert Selbstreflexion, Lernbereitschaft und die Fähigkeit, Kritik anzunehmen.“ Für eine Person hat die Bayerin dann aber doch noch einen vorbildhaften Tipp parat. Gefragt nach einem Rat für ihr zwölfjähriges Ich, sagte sie in einem Interview: „Kenne deinen Wert, stehe für dich ein, sei laut und unterwirf dich nicht.“ Und genau nach diesem Motto lebt sie heute. Instagram: @harriet.herbigmatten


„Kenne deinen Wert, sei laut und unterwirf dich nicht.“ Ihrem zwölfjährigen Ich rät Harriet Herbig-Matten zu mehr Punch.

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HEROES

Amar ist Twitch-Streamer und eine Ikone der „Fortnite“-Szene. Seine Überzeugung: Je mehr du anderen gibst, desto mehr bekommst du zurück – im Netz und im Leben. Text Michael Moorstedt Foto Katharina Fasold

Mit 32 Jahren weiß Amar nicht mehr, was er eigentlich ist. Die Begriffe schwirren nur so durch seinen Kopf: Streamer, Creator, eSportler, Moderator, Unternehmer, was soll es denn sein? „Die vom Finanzamt fragen sich auch immer, wie sie mich einordnen sollen“, erzählt er im Interview. „Die schreiben dann Influencer, aber das trifft es überhaupt nicht.“ Hätte man Amar vor etwa zehn Jahren gefragt, wäre die Antwort klar gewesen: Gamer. Aber heute? Ist er viel mehr als das. Amar ist einer der erfolgreichsten Streamer Deutschlands. Er zockt aber nicht nur allein, filmt sich dabei und interagiert mit seinen Fans. Er veranstaltet auch zahlreiche Live-Events, bei denen er die unterschiedlichsten Menschen ­zusammenbringt. Ein Star, der alles für die Community gibt. Sie ist für ihn nicht nur Mittel zum Zweck, um Geld zu ­machen. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Halt sie einem geben kann.

Turbulente erste Jahre

Wer Großes erreichen will, muss viel dafür geben. Nur dann bekommt man viel zurück, geschenkt wird einem im Leben nichts. Diese Lektionen hat Amar Al-Naimi, der sich von Anfang an öffentlich nur Amar nennt, schon früh gelernt. Geboren wurde er in Wien als Sohn irakischer Flüchtlinge, die Mutter trennt sich vom Vater aufgrund von häuslicher Gewalt. Es folgen Umzüge nach England und Norwegen. Er wächst in Flüchtlingsheimen und Frauenhäusern auf, bevor er in Elmshorn landet, einer Kleinstadt nördlich von Hamburg – und das Zocken und die Gaming-Community für sich entdeckt. Angefangen hat alles mit einer Xbox im Schlafzimmer. Amar entwickelt sich schnell zu einem vielversprechenden Gamer mit fixen Reaktionen und der

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On point

Geboren in Wien, lebt in Köln; Alter 32; Vorbilder Mutter und Schwester; Status Legende der deutschen „Fortnite“-Szene Twitch-Follower 1,8 Millionen; verborgenes Talent spielte Baseball fürs deutsche Jugend-Nationalteam

­ erfekten Zielerfassung. Es dauert nicht p lange, bis er die ersten großen Erfolge ­feiert: In „Fortnite“ holt er die Europameisterschaft, in „Call of Duty“ den deutschen Meistertitel. Amar hat aber noch eine ­andere Fähigkeit: Er ist ein geborener Multitasker, der Deep Talk führen kann, während er seine Gegner reihenweise wegputzt. Damit ist er in der Gaming-Welt ein Sonderfall. Die Fähigkeiten, sehr erfolgreich zu spielen und sehr unterhaltsam zu sein, sind selten gleichzeitig an­ zutreffen. Man ist in der Regel entweder Creator oder eSportler. Amar will mehr, richtet sich in Köln ein eigenes Studio ein, um Show und Sport zu verbinden.

Entdeckung des Entertainments

Schon bald bedrängen ihn Freunde und Bekannte, er solle sein EntertainmentTalent mehr ausspielen und sich nicht nur aufs Spielen konzentrieren. Anfangs sträubt sich Amar dagegen: „Das ist so, als würde man einem Fußballprofi sagen, er solle lieber TV-Experte werden.“ Aber langsam beginnt er, über den Tellerrand hinauszublicken und ein branchenübergreifendes Netzwerk zu knüpfen. Er zockt etwa mit dem RB-Leipzig-Verteidiger ­Lukas ­Klostermann und tritt in der ARDShow „Klein gegen Groß“ auf. Amar beginnt damit, eigene Turniere zu hosten, lädt zu Viewing-Partys ein und entdeckt neue Gesichter, junge vielversprechende „Fortnite“-Spieler wie

­ ezon und Vadeal verdanken Amar den R ersten Karriereschub. Als Belohnung für die harte Arbeit steigen seine FollowerZahlen rasant. Aber mehr Erfolg bedeutet auch mehr Risiko. „Da habe ich auf einmal Shows finanziert, die 400.000 Euro gekostet haben“, erzählt er. Es galt, Partner zu finden und keine Angst davor zu haben, „auch mal auf die Fresse zu fliegen“. Heute hat Amar 1,8 Millionen Follower auf Twitch und knapp 650.000 Abonnenten auf YouTube – im deutschsprachigen Raum außergewöhnliche Zahlen. Dabei war es wahrscheinlich noch nie so schwer, sich ein treues Publikum aufbauen: Trends und Vibes ändern sich rasch, genau wie Kanäle und Sehgewohnheiten. Um zu bestehen, erfindet sich Amar immer wieder neu. Er versteht, dass es darum geht, den Fans Erlebnisse zu bieten. Es gewinnt derjenige, der es schafft, Begeisterung zu transportieren und Vertrauen zu schaffen. Dafür taucht er manchmal anonym in den Lobbys anderer Spieler auf. Dann wieder steht er groß auf der Bühne. Gemeinsam mit seinen Streamer-Kollegen Rohat und EliasN97 organisiert er „Fortnite“-Turniere, bei denen Creator in Teams mit ProfiSpielern um Preisgelder in Höhe von 50.000 Euro kämpfen – und tausende Fans mitfiebern. Immer mittendrin: Amar. Mal überdreht, mal kühl analytisch, ­immer gibt er alles.

Im Stream stets „all in“

Schlüpft er dafür in eine Rolle? Wie viel Amar steckt in Amar, wenn die Kamera läuft? „Natürlich gebe ich noch mal 20, 30 Prozent mehr, wenn der Stream läuft.“ Es sei ihm wichtig, gemeinsam Spaß zu haben – und zu wachsen. „Viele Leute, die mir folgen, hatten in ihrem bisherigen Leben schwer zu kämpfen“, erzählt Amar. Er wolle ihnen Ablenkung bieten. Und vielleicht nebenbei auch ein paar Tipps zur Lebensbewältigung geben. „Manchmal fühle ich mich beinahe wie ein Therapeut.“ Die Herausforderung sei, die richtige Balance aus viel Spaß und ein bisschen Ernst zu finden und dabei nie abgehoben zu wirken, meint Amar. Und sein großer Erfolg zeigt, dass er diese Kunst verdammt gut beherrscht. Instagram: @amartv


„Du darfst keine Angst haben, auch mal auf die Fresse zu fallen.“ Mit dem rasanten Anstieg seiner Popularität wuchs auch Amars Mut.

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HEROES

James Vickery verlor als Kind sein Gehör auf dem linken Ohr, heute ist er einer der aufregendsten Sänger Europas. Hier erzählt er, wie ihm die Taubheit half, seine eigene Stimme zu finden. Text Emine Saner Foto Ashley Verse

Dass er singen kann, entdeckte James Vickery, als er wieder sprechen lernen musste, und das kam so: James, der als Sohn eines walisischen Vaters und einer südafrikanischen Mutter im Süden Londons aufwuchs, verbrachte einen großen Teil seiner Kindheit in Krankenhäusern. Grund waren Ohrenentzündungen, die sein Gehör immer stärker beeinträchtigten. Nach Jahren wurde die Ursache für die Entzündungen entdeckt: ein lebensbedrohlicher Tumor im Kopf, der sich in Richtung Gehirn vergrößerte. James war neun, als der Tumor entfernt wurde. Sein Leben war gerettet – aber er hörte nun auf dem linken Ohr nichts mehr und hatte seine Stimme verloren. Die Stimmtrainerin, mit der er arbeitete, um seine Stimme wiederzuerlangen, ermutigte ihn zum Singen. Ein guter Tipp: James Vickerys ebenso gefühl- wie kraftvoller Gesangsstil brachte ihm 2018 mit dem Song „Until Morning“ 40 Millionen Klicks auf dem YouTube-Kanal COLORS. Er jobbte damals in einem Kino und nahm sich für die Aufnahme des Songs einen Tag frei. „Ich fühlte mich wie am Scheideweg“, sagt er heute. „Ich weiß noch, wie ich damals zu meinem Manager sagte: ‚Wenn ich das richtig mache, kann sich alles ändern.‘“ Tatsächlich machte er es richtig – und tatsächlich änderte sich alles. Es folgten ein Plattenvertrag und eine professionelle Karriere als Musiker. Das laufende Jahr ist das bislang größte seiner Karriere: Im Mai trat Vickery vor Fans seines heißgeliebten Fußballklubs Crystal Palace FC auf, kurz vor dem ­sensationellen Sieg des Teams im FA-CupFinale (1:0 gegen Manchester City). Zuletzt erschien sein zweites Album „James“ (bei Red Bull Records), auf dem er vor allem seine Liebe zum R& B aus-

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On point

Geboren in South London; Alter: 31; Größter Erfolg: 40 Millionen Views mit Auftritt im YouTubeFormat „A COLORS SHOW“; besonderes Merkmal: ein MuteZeichen hinterm linken Ohr; entscheidend: ein Gig der Band Boyz II Men inspirierte James, selbst Sänger zu werden

lebt, aber auch andere Sounds einfließen lässt. Aktuell ist er auf Tour durch die USA und Europa. Wir sprachen mit ihm über Identität, unsichtbare Behinderungen – und warum es so gut ist, Gefühle zu zeigen. the red bulletin: Was ist die Inspira­ tion hinter deinem neuen Album? james vickery: Als Künstler hast du oft das Gefühl, dich anpassen zu müssen – an aktuelle Sounds oder an Erwartungen von irgendwelchen Leuten. Dieses Album hat mir ermöglicht, mich so auszudrücken, wie ich bin. Es zeigt meine unbeschwerte Seite ebenso wie die emotionale. Meine Lieblingskünstler waren immer die, die Grenzen verschoben haben. Wie Stevie Wonder, dessen Musik Jahrzehnte überdauert hat. Oder wie Luther Vandross: Er hat Disco, Motown, Soul gemacht, später auch Elektronisches und Upbeat. Emotionale Songs sind immer noch eher ungewöhnlich für einen Mann. Stimmt schon. Aber ich bin stolz darauf, ein offener, emotionaler Mensch zu sein, das gehört zu mir, und meine Freunde mögen das, glaube ich, auch. Ich war knapp vor meinem Dreißiger, als ich das Album geschrieben habe. Kaum jemand spricht darüber, wie beängstigend diese Marke als Mann sein kann, vor allem, wenn du siehst, dass alle um dich herum

im Leben irgendwie angekommen sind. Ich war weit davon entfernt. Kein 9-to-5Job, keine Langzeitbeziehung, keine ­finanzielle Sicherheit. Aber durch das Schreiben am Album und durchs Reisen habe ich gemerkt: Es ist okay. Jeder hat seinen eigenen Weg. Was dazukam: Ich habe mich kurz vor dem Schreiben des Albums verliebt, also gibt’s nicht allzu viel Herzschmerz auf dem Album. Wie bist du als Kind damit um­ gegangen, auf einem Ohr nichts mehr zu hören? Ich war damals noch sehr jung, und mein Gehör hatte sich schon vor der OP immer mehr verschlechtert. Die Jahre danach waren am schwersten. Als Teenager halb taub zu sein und trotzdem ein soziales Leben führen zu wollen, das war hart. Ich fühlte mich als Außenseiter. Man muss mit einer solchen Behinderung lernen, sich anzupassen. Sie ist ja unsichtbar. Menschen reden mit dir, ganz normal, und du antwortest nicht – einfach nur, weil du sie nicht gehört hast. Aber sie denken, du bist unhöflich oder arrogant. Wie beeinflusst dieses Handicap deine Arbeit als Musiker? Live-Auftritte sind am schwierigsten. Man trägt dabei ja In-Ear-Monitore. Bei mir muss das Mono sein, nicht Stereo, sonst höre ich die Hälfte nicht. Es gibt aber auch Vorteile: Sieh dir große Sängerinnen wie Mariah Carey an. Sie halten sich beim Singen den Finger ans Ohr, um sich selbst zu hören – ich muss das nicht machen. Du bist bei den größten Casting-Shows angetreten, bei „The Voice“ und „The X-Factor“. Bist du froh, dass dieser Weg nicht funktioniert hat? Sehr! Wenn man in diesen Shows Erfolg hat, wird man wahnsinnig schnell in eine Schublade gesteckt, in die man vielleicht gar nicht will. Ich verstehe die Leute, die da mitmachen, ich war ja einer von ihnen! Wenn du keine Connections oder reiche Eltern hast, ist das oft deine einzige Chance. Als es damals nicht klappte, war ich am Boden zerstört. Aber rückblickend gesehen war es das Beste, was mir pas­ sieren konnte. Instagram: @jamesvickery


„Ich neige dazu, offen und emotional zu sein. Darauf bin ich stolz.“ James berührt sein Publikum, weil er sein Inneres nach außen kehrt.

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Die Rollen ihres Lebens Mutig, wild, entschlossen: In Indien brechen junge Skaterinnen alte Rollenbilder auf. Die Berliner Fotografin Chantal Pinzi hat die Skate-Revolution begleitet. Ihre Bilder zeigen, welche Macht der Sport verleihen kann. Text Rachael Sigee

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PORTFOLIO Anstoß zur Veränderung Shruti Bhosle aus Mumbai wurde 2019 Landesmeisterin. Der Titel habe sie vor einer arrangierten Ehe bewahrt, so die Zwanzigjährige. Ihren Traum, bei den Olympischen Spielen für ­Indien zu skaten, ­zerstörte eine Knieverletzung, die OPKosten sind für sie unerschwinglich. Dafür bringt Bhosle anderen Mädchen das Skaten bei: „Ich möchte, dass sie die gleiche Freiheit spüren, die es mir ­gegeben hat.“

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Janwaar erfüllte viele Klischees des ländlichen Indiens: kein Strom, kein fließendes Wasser, viele Analphabeten, Kinderehen. Hier baute die Deutsche Ulrike Reinhard 2015 einen Skatepark. Beim Skaten geht es um „Ungehorsam, Widerstandsfähigkeit und darum, seinen eigenen Weg zu finden“, schreibt Reinhard. Sie wollte den Clash der Kulturen – Skaten vs. Tradition –, damit Risse entstehen, aus denen Neues wächst. Im Park gilt eine goldene Regel: Mädchen zuerst. „In Indien wird Mädchen oft gesagt, sie sollen still sein oder zu Hause bleiben, aber wenn ich skate, fühle ich mich frei“, sagt Asha Gond, die beste Skaterin im Park. THE RED BULLETIN


PORTFOLIO

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Kick die Vorurteile Die 25-jährige Yaki Nabam skatet seit zwei Jahren, aber in ihrem Viertel in NeuDelhi gibt es weder Skateparks noch ­andere Skaterinnen. „Einige der Jungs behandeln mich, als ob ich bestimmte Tricks nicht könnte, nur weil ich eine Frau bin.“ Das frustriert Nabam, „aber es spornt mich auch an, ihnen das Gegenteil zu beweisen“. THE RED BULLETIN


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PORTFOLIO

29 Träume aus Beton Als 2015 die deutsche ­Aktivistin Ulrike Reinhard mit der NGO Skate-Aid im indischen Nirgendwo den Skatepark „Janwaar Castle“ baute, war Asha Gond (im Bild) verwirrt: „Am Anfang verstanden wir nicht, was da gebaut wird. Einige sagten, es würde ein Wohnheim sein. Aber es war etwas ganz anderes.“ Es war eine ­Befreiung der Mädchen – aus dem indischen ­Kastenwesen, aus der ­Unmündigkeit, aus ­arrangierten Ehen und ­familiären Zwängen. „Als ich sah, wie die Mädchen skateten, wollte ich es auch probieren“, erzählt Asha, „es fühlte sich ­direkt wunderbar an.“

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Von Board zu Board Goa ist der kleinste indische Bundesstaat, aber der einzige mit einer größeren weiblichen SkateboardCommunity. „Weil das Land so groß ist, sind Indiens Skaterinnen überall verstreut“, erklärt die Foto­ grafin Chantal Pinzi. In Goa – hier der Skatepark der ­Jugendherberge in Panjim – helfen die Strukturen der bereits existierenden Surfszene. Beim Skaten tragen die Mädchen, was ihnen gefällt, manchmal sind es traditionelle Saris und ­Kurtis, manchmal Jeans.

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Einzelkämpferin „Die Gesellschaft erwartet, dass wir uns traditionell kleiden, in den Tempel gehen, beten und heiraten. Skaten half mir, eine andere Ver­sion meiner selbst zu sehen“, sagt Urmila Pabale. Chantal Pinzi fotografierte sie auf einem Parkplatz, „wo Urmila allein trainiert, bis sie ihre Beine nicht mehr spürt“. THE RED BULLETIN


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Die Fotografin

Chantal Pinzi wurde für ihre hier gezeigte Fotostrecke mit dem renommierten Sony World Photography Award in der Kategorie Sport ausgezeichnet. Instagram: @chantalpinzi. photography

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Um die Skateboarderin Asha Gond in Janwaar zu treffen, flog die Fotografin Chantal Pinzi mehr als 5000 Kilometer und fuhr 20 Stunden lang Zug und Bus. Die in Berlin lebende Italienerin verbrachte anderthalb Monate in Indiens weiblicher Skate-­ Community. „Da ich selbst skate und eine Frau bin, war es einfach, eine Verbindung herzustellen“, sagt sie. „Ich wurde Teil ihres Lebens. Manchmal wohnte ich sogar bei ihnen und lernte ihre Familien kennen, wie bei Asha. Ich liebe ihre Sensibilität, ihre Neugierde.“ Chantal Pinzi hat auch Skaterinnen in Marokko und Äthiopien mit der Kamera begleitet, sie nennt ihre drei­ teilige Fotostrecke „Shred the Patriarchy“ – „shredden“ ist ein Wort für aggressives Skaten und bedeutet im Englischen zer­ fetzen. „Durch die Kunst, hinzufallen und wieder aufzu­stehen, stellen diese Frauen Stereotypen in Frage. Sie kämpfen gegen Ausgrenzung, erobern öffentliche Räume zurück, werden finanziell unabhängig und verdienen sich in ihren Gemeinschaften Respekt“, so Pinzi. THE RED BULLETIN


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Skating is not a crime Asha Gond hatte als Erste ihres Dorfs einen Reisepass und war Indiens einzige Skaterin bei der WM 2018 in China. Der Weg dorthin war hart: „Die Dorfbewohner haben meinem Vater Lügen über mich und die Jungs im Skatepark erzählt. Einmal stand im Park eine Drohung an der Wand. Ich war tief verletzt, aber man sollte niemals wegen des Hasses anderer aufgeben.“ THE RED BULLETIN


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Handzeichen Wenn indische Frauen ihre Hände mit Henna bemalen, steht ein ­besonderes Ereignis bevor: eine Hochzeit, ein großes Fest – oder eben der Besuch einer Skateboardfotografin aus Europa. Skaterin Asha Gond, deren Hände wir hier sehen, nahm Chantal Pinzi während ihrer Reise durch Indien zeitweise bei ihrer Familie auf.

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Ready for Takeoff Was mag sich wohl be­ eindruckender anfühlen? Das erste Mal in einem Flugzeug zu sitzen oder sein Skate-Idol zu treffen – die Brasilianerin Rayssa Leal? Beides schien für S ­ hraddha Gaikwad (in Weiß) vor kur­ zem undenkbar. „Keiner in meiner Familie war jemals geflogen“, sagt sie. Ihr da­ gegen hat das Skaten die Welt geöffnet, sie reiste zu Contests nach Frankreich und Dubai. „Ich fühlte eine Mischung aus Aufregung und Nervosität, als ich im Skatepark in Dubai ankam – umgeben von vielen un­ bekannten ­Gesichtern und einer derart großen Anla­ ge.“ Dann k ­ onzentrierte sie sich aber doch auf ihr Board und ihren Wunsch, ProfiSkaterin zu werden. Ein paar Skateparks mehr auf der Welt möchte sie be­ stimmt noch sehen.

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PORTFOLIO

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PORTFOLIO Solo-Stunt „Manchmal fühle ich mich wie ein Außen­ seiter innerhalb der Community – vor allem weil es keine anderen skatenden Frauen gibt“, erzählt Yaki Nabam. Indem sie sich mit ihrem Board auf öffent­lichen Plätzen zeigt, hofft sie, eines Tages Mitstreiterinnen zu finden.

Auf eigenen Füßen Trotz aller Vorurteile, die Urmila Pabale in ihrem Sport und im ­Alltag aushalten muss: Skateboarden hat sie zu einer stärkeren Frau gemacht: „Der Sport schenkt mir Stärke. Ich habe durch ihn ­gelernt, unabhängig zu sein und zu meinen eigenen Bedingungen zu leben.“

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Skate of Mind Wenn Urmila Pabale in Mumbai skatet, rufen ihr fremde Männer zu, sie solle lieber heiraten. „Die Leute sagen mir ständig, dass ich mich wie ein Junge verhalte, aber ehrlich gesagt beeinflusst mich das nicht mehr.“ Sie wurde zu oft für verrückt erklärt, wenn sie wieder einmal verschwitzt nach Hause kam. „Aber ich werde nicht aufhören. Ich bin, wer ich bin, und ich tue das, was ich liebe.“ THE RED BULLETIN


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Tiefes musikalisches Wissen, High-End-Produktionen, Mut zu Gefühlen: Seit Jahren setzt reezy Maßstäbe im Deutschrap. Nun wagt der Frankfurter einen neuen Schritt und performt mit Orchester: Vor Red Bull Symphonic erzählt er, wie sein Beharren auf die eigenen Ansprüche seine Kunst und sein Leben antreibt. Text Anne Waak Fotos Fifou Styling Lorena Maza Hair & Make-up Pia Valenska

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DEUTSCHRAP Bestens arrangiert: Im August führte reezys Album „Born Spinner“ die Charts an. Mittlerweile befindet er sich mitten in den ­Vor­bereitungen zu Red Bull Symphonic.

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DEUTSCHRAP

Manchmal ist Nomen eben tatsächlich Omen. Der bürgerliche Vorname des Rappers reezy, Raheem, bedeutet im Arabischen Freundlichkeit und Mitgefühl. Das passe, sagt er selbst, schon verrückt gut zu ihm und seinem Charakter. Er sitzt auf dem Sofa des Besprechungsraums, neben sich sein Handy, auf das er während der kommenden Stunde nicht einen Blick werfen wird. Er konzentriert sich ganz auf sein Gegenüber. Das Treffen findet in einem Industriegebiet unweit von Frankfurt statt, im Vorfeld von reezys Auftritt bei Red Bull Symphonic. In der Frankfurter Jahrhunderthalle wird er mit ­einem Symphonie­orchester und seiner Band neu ­arrangierte Versionen seiner Songs spielen. Es wird ein Abend, der seine Kraft aus scheinbaren Gegensätzen zieht: Rap trifft auf Klassik, der Junge aus dem Frankfurter Problemviertel tritt im prestigeträchtigen Konzertsaal auf. Ein Event ganz nach ­reezys Geschmack: Im Mittelpunkt wird der Sound stehen. „Da geht es einfach um die Musik“, sagt er, „und weniger um das Drumherum.“ Im deutschsprachigen Hip-Hop ist reezy ein Solitär: Er rappt, er singt, er spielt Klavier und produziert seine Stücke selbst. Wahrscheinlich ist er einer der THE RED BULLETIN

wenigen in der Branche, mit denen man ein Fach­ gespräch über Harmonie- und Notenlehre führen könnte. Statt relativ wahllos Singles auf den Markt zu werfen, veröffentlicht er Alben irgendwo zwischen Trap, R &  B und zeitgenössischem Hip-Hop, die ­musikalisch wie aus einem Guss wirken und oft ein ­eigenes Konzept verfolgen. Sie tragen Titel wie „Teenager ­Forever“, „Weißwein & Heartbreaks“ und „Mr. Mis­understood“. Denn reezy ist auch der große Melancholiker des Rap, doch dazu später mehr. Zunächst erweist er sich als ausnehmend freundlicher und o ­ ffener Gesprächspartner. Geboren wurde Raheem Heid im Jahr 1995 im Frankfurter Stadtteil Heddernheim, in der Groß­ siedlung Nordweststadt. In einem seiner Songs vergleicht reezy die „Nordi“ mit einer Favela. Und auch wenn das übertrieben sein mag, galt die 17.500Bewohner-Siedlung lange als sozialer Brennpunkt. ­Wenig soziale Durchmischung, hohe Jugendarbeitslosigkeit, Straßenkriminalität. reezy sagt, es sei rough gewesen damals, aber auch sehr familiär. In den Geschichtsbüchern der Popkultur wird die Nordweststadt jedenfalls als der Ort in Deutschland eingehen, aus dem nicht nur der Fußballer Emre Can und die Sängerin und Komikerin Senna Gammour stammen, sondern gleich eine ganze Riege von Rappern: Yassir, Tone oder Hanybal. Man könnte also sagen, reezy gehört zur zweiten Generation des Frankfurter Rap-Adels. Nur würde das auf eine falsche Fährte führen. Mit Musik hatte reezy lange nicht viel am Hut. Stattdessen spielte er Fußball, „wie jeder zweite Deutsch­rapper“. Mit dreizehn jedoch zog er sich eine so schwere Verletzung der Rippen und des Knies zu, dass er monatelang ausfiel.


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Klarer Blick: Was seine Kunst, aber auch seinen Style betrifft, folgt reezy konsequent seiner Intuition. THE RED BULLETIN


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Glänzende Zeiten: Schmuck wie Uhren, Goldketten oder Ohrringe sind fester Bestandteil von reezys Outfits.

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Während er zum Nichtstun gezwungen war, gingen seine Kumpels zu namhaften Vereinen, seine Mannschaft löste sich auf. Als er endlich wieder spielen konnte, war der Traum von der Karriere als Profifußballer geplatzt und sein Frust groß. Er entschied sich, seine Energie in etwas Neues zu stecken: Hip-Hop. Was er vorfand, empfand er als flach und uniform. Damals bestimmte Straßenrap die deutschsprachige Szene, die Verwendung von Autotune, sagt reezy, sei eher verpönt gewesen. Er wollte anders klingen. Dazu muss man wissen: Wenn reezy etwas tut, dann richtig. Er setzt sich hohe Ziele und bleibt dann dran. „Du kannst nicht hart in eine Sache reingehen und nach der Hälfte abbrechen, das ist peinlich“, sagt er. (Daher beendete er auch 2018 seine Ausbildung zum Informatiker, die er vor allem seiner Mutter zuliebe angefangen hatte. Auch wenn das bedeutete, dass er das Musikmachen lange auf die Nächte beschränken musste.) Er nennt es Perfektionismus, Konsequenz, wahlweise aber auch einfach Verbissenheit. Was auch immer es ist: Es treibt ihn an, etwas Besonderes zu schaffen.

„Erfolg ist für mich nicht, auf Platz eins der Charts zu stehen, sondern wenn du es schaffst, mit deiner Leidenschaft glücklich zu sein und deinen eigenen Standards zu genügen.“

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Er begann also zu rappen – zu Beats, die er im Netz fand. Weil aber alles, was ihm musikalisch zusagte, mit Audio-Wasserzeichen als Kopierschutz versehen war, begann er selbst Beats zu produzieren. Mithilfe von YouTube-Tutorials lernte er Klavier spielen, und weil er sich dafür interessierte, wann eine bestimmte Tonfolge gut klingt, las er Bücher über N ­ oten- und Harmonielehre. Weil er wissen wollte, wie er seine Stücke so klingen lassen konnte, wie es ihm vorschwebte, studierte er die Produktionsweise der Hits von Größen wie Michael Jackson und Beyoncé. „Ich wollte immer herausfinden, wie ich es hinkriege, dass meine Stimme kristallklar klingt, der Bass aber lauter ist als alles andere.“ Seine ersten Stücke veröffentlichte er auf Sound­ Cloud, woraufhin der Rapper Bausa auf ihn aufmerksam wurde. reezy begann unter dem Namen Raheem Supreem für Bausa und andere zu produzieren, trat parallel selbst als Rapper auf und wurde 2017 als erster Künstler bei Two Sides unter Vertrag genommen, einem Unterlabel von Sonys Four Music, bei dem seine Alben bis heute erscheinen. Fast Forward in die Gegenwart: Im August ist „Born Spinner“ erschienen, reezys viertes Studio­ album. Darauf befindet sich auch „Sabía Que No“. Mit 27 Wochen in den deutschen Singlecharts und mehr als 62 Millionen Streams auf Spotify ist es sein bislang größter Erfolg. Würde man nur dieses Stück von ihm kennen, wüsste man schon sehr viel über reezy. Wie in einem Rapper-Bingo ruft er darin die genreüblichen Vokabeln auf: V. I. P., Birkin-Bag, Rolls-Royce Phantom, Money-Flow, Miles & More. Im ­Video sieht man ihn und ­seine Jungs im Privatjet. ­Dicke Uhr, teure Klamotten, ohne Ende Champagner. THE RED BULLETIN


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Aber reezy wäre nicht reezy, würde er die bekannten Hip-Hop-Klischees nicht ständig auch unterlaufen. Statt nach, sagen wir, Dubai geht der Flieger im ­Video nach Wien, wo die ausnehmend gut gelaunte Crew einen stadtbekannten Dönerimbiss besucht. Dazwischen sieht man reezy, wie er sich höflich vom Piloten verabschiedet, mit seinen Jungs lacht und auch ansonsten immer wieder sein ziemlich um­ werfendes Lächeln anknipst. Und hört man genauer hin, versteckt sich hinter dem treibenden Baile-FunkRhythmus eine Melodie in c-Moll, der Tonart der Trauer. reezy singt in „Sabía Que No“ über eine Frau, die alles zu haben scheint, deren eigentliche Sehnsucht aber kein Geld und kein Jetset-Leben der Welt stillen können. „Wie oft hast du darauf gehofft, dass dich jemand aufhält, bevor du an deinem Gate ankommst und einscannst?“, heißt es an einer Stelle. Innere Leere, Gefühllosigkeit, Vertrauensverlust, Un­sicherheit – das sind die Themen, die reezy in seinen Songs viel mehr beschäftigen als die Bitches und der Bling. „Ich habe schon immer versucht, die Welt zu verstehen“, sagt er über die Melancholie, die viele seiner Texte grundiert. „Aber je mehr man das tut, desto komplizierter erscheint sie, umso größer die Widersprüche und die Schmerzen.“ Ihm stelle sich die Welt nun mal nicht in Schwarz-Weiß dar, sondern in ihren vielen Grauschattierungen. Außerdem sei er – das hätten ihm schon viele gesagt, die sich mit Astrologie besser auskennen als er – ein typischer Krebs. Also sehr emotional. Er findet das gut so. „Ich merke immer wieder, dass es in vielen Situationen besser ist, warm zu sein als kalt.“ THE RED BULLETIN


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Durchgebissen: ­ ufgewachsen im A ­sozialen Brennpunkt der Frankfurter Großsiedlung Nordweststadt, führte reezys Weg steil nach oben.

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FORMEL REEZY

Hier sind jene fünf Elemente, die den Artist reezy auszeichnen – inklusive Hörtipps.

SELBST PRODUZIERTE BEATS Als einer von wenigen Deutschrappern baut reezy seine Beats selbst und verant­ wortet damit sämt­ liche Elemente seines Sounds. Hörtipp: „One Night in Paris / Deep Down“. MELODISCHER TRAP-SOUND Die Verbindung aus harten, aber lang­ samen 808-Beats, klarer Melodie­-­ führung und seiner Singstimme ist ein wichtiges Kern­ element von reezys Musik. Hörtipp: ­„Manchester“.

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EMOTIONALE TIEFE Innere Distanz und ­Einsamkeit sind wiederkehrende Themen, mit Zeilen wie: „Sie versteh’n mich eh nicht, egal auf welcher Sprache.“ Hörtipp: „Thoughts“.


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ERLEB EINEN GROSSEN ABEND!

Am 31. Oktober tritt reezy bei Red Bull Symphonic mit Orchester und Band in der ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle auf. Gute Nachrichten für alle ohne Ticket: Am 13. November erscheint der Konzertfilm auf Red Bull TV, am 14. November das Album auf Vinyl und allen gängigen StreamingDiensten. Alle Infos: redbull.com

AUTOTUNE-EINSATZ Die künstliche Modulation der Stimmhöhe ist bei ihm kein bloßer Effekt, sondern ein Gestaltungsmittel, das die Songs weicher und melancholischer klingen lässt. Hörtipp: „Sandmann“.

R & B-EINFLÜSSE reezy mixt US-R & B der frühen 2000erJahre – warme, samtige Harmonien, federnde Grooves und eine emotional auf­ geladene Atmosphäre – mit zeitgenössischen Hip-Hop-­ Elementen. Hörtipp: „My Little Sunshine“.

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Es ist diese Verletzlichkeit, die ihn und seine Musik von allen anderen unterscheidet. Sie macht sie anschlussfähig und ihn damit nahbar. Er wolle den Leuten mit seiner Musik helfen, sagt reezy. „Deswegen soll es nicht nur stumpfes Gelaber sein. Obwohl es die Songs auch gibt. Aber sie definieren mich nicht.“ Den bewussten Umgang mit den eigenen Emotionen lernte reezy vor allem von seiner Mutter. Sie habe ihm Respekt vor Frauen beigebracht und dass es i­ mmer besser sei, ungute Beziehungen – egal ob zu Frauen oder Freunden – zu beenden, als in ihnen zu verharren. reezy sagt, ihm sei vollkommen klar, dass Frauen es in dieser Welt im Allgemeinen schwerer haben. „Das ist ein Fakt. Die feministische Bewegung kommt nicht von irgendwoher.“ Doch zurück zu seinen hochgesteckten Zielen. Als ­Jugendlicher träumte er noch, auf der ganzen Welt gehört zu werden. Mittlerweile sieht er das ein wenig realistischer. Er wolle immer noch auf internatio­ nalem Niveau mitspielen, sagt er, ihm sei aber klar geworden, dass er nicht wegen der größeren Reichweite anfangen werde, auf Englisch zu rappen.

reezy mag seine emotionale Seite: „Ich merke immer wieder, dass es in vielen Situationen besser ist, warm zu sein als kalt.“ THE RED BULLETIN

„Ich bin Deutsch-Amerikaner, aber ich bin hier geboren und aufgewachsen. Das wäre einfach nicht ich.“ Aber wenn er sich eines Tages als Rapper zurück­ ziehe, könne er immer noch weltweit als Produzent arbeiten. Sein früheres Ziel ist also eher aufgeschoben als aufgehoben. Apropos internationale Vergleiche: Was sagt er zu dem Fan-Kommentar auf Instagram, er sei der deutsche Drake? Er lacht auf. „Drake ist der kanadische reezy, das sag ich dazu.“ Auf die Frage, wie er Erfolg definiere, antwortet er: „Erfolg ist für mich nicht, fünf Jahre auf Platz eins der Charts zu stehen. Sondern wenn du es schaffst, mit deiner Leidenschaft glücklich zu sein und deinen eigenen Standards zu genügen.“ Und mit Standards meine er nicht irgendwelche von anderen aufgestellten Regeln, sondern seine ureigenen Prinzipien: ­Loyalität, Konsequenz, Disziplin. „In meiner Kunst und in Bezug auf meine Person beharre ich darauf, mich selbst zu tadeln, wenn ich einen Fehler gemacht oder jemanden unfair behandelt habe.“ Dieses Festhalten an Grundsätzen mache ihn sicherlich zu einem besseren Menschen, sei aber eben auch entscheidend für die Qualität seiner Musik. „Ich bin kein Dienstleister“, sagt reezy. „Ja, mein Job ist es, euch ein ­A lbum zu liefern. Aber wie ich dieses Album mache, ist meine Entscheidung.“ Gut gemeinte Ratschläge, Kritik, Ideen für vermeintliche Verbesserungen beantworte er mit einem „Danke für den Vorschlag. Aber, Bro, lass mich mal machen“. Wir werden noch viel von reezy hören. Vor allem ­außergewöhnlich gute Musik. Instagram: @reezysupreem


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Back home: Die Konzerte mit Symphonie­ orchester spielt reezy in der ehr­ würdigen Jahr­ hunderthalle seiner Heimat Frankfurt.

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BMW M4, custom made von den Red Bull Driftbrothers: Die 1000 PS und der Heckantrieb fressen die Reifen in Minuten. THE RED BULLETIN


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YES YOU CAN!

1000PSBALLETT

Wie fühlt es sich an, mit dem BMW M4 ­Custom Car der Red Bull Driftbrothers über den Asphalt zu steuern? Hier kommt der Selbsttest mit Schleudergarantie. Text Werner Jessner Fotos Konstantin Reyer THE RED BULLETIN


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„Wenn du das Auto quer so präzise fährst wie im normalen Straßenverkehr, dann ist das Driften. Alles andere ist bloß herumrutschen.“ Elias „Eli“ Hountondji legt die Latte in seiner Sportart besonders hoch.

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Rauchzeichen: Die Rutschpartie fand auf einem Nebengelände des Hockenheimrings statt.


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Elias „Eli“ Hountondji, 39, ist Ingenieur und gehört zur absoluten Weltspitze im Drift-Sport.

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lias „Eli“ Hountondji ist der technisch versierteste ­Fahrer im Team der Red Bull Driftbrothers. Mit wechselnden Partnern an seiner Seite sorgt er für offene Münder auf der ganzen Welt. Ob Schweizer Alpenpass oder Mega-Arena, ob im Rahmenprogramm der Formel 1 oder der MotoGP: Wenn die Jungs mit ihren BMW auftauchen, rauchen die Hinterreifen und tobt das Publikum. Wie gut die Profi-Drifter wirklich sind, beweist ihre Passagierliste: Es gibt nicht viele Fahrer, bei denen Max Verstappen oder Daniel Ricciardo zusteigen würden – noch dazu, wenn es sich nicht um eine Spazierfahrt, sondern um eine Runde auf einem Grand-Prix-Kurs handelt … komplett im Drift natürlich. Danach? Begeisterung. Oder: Vor dem DriftTeam aus dem Schwäbischen war noch nie jemand auch nur auf die Idee gekommen, die berüchtigte Nordschleife des Nürburgrings komplett im Drift-­ Modus zurückzulegen. Die Red Bull Driftbrothers sind Legenden des instabilen Zustands, und ihre ­Videos elektrisieren die Welt.

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Learning by listening: Drift-Profi Eli zeigt Werner Jessner die Drift-Welt zuerst aus der Beifahrer-Perspektive.

Okay, Drift: Was ist das genau? Und wie funktioniert es? Ein Auto zu driften, muss man sich ein ­wenig so vorstellen, wie einen Bleistift auf der Spitze zu balancieren. Beginnt er zu kippen, muss man das schnellstmöglich und ganz präzise ausgleichen. Beim Driften wird der instabile Zustand dadurch herbei­geführt, dass zu viel Power auf der Hinterachse das Bestreben hat, die Vorderachse zu überholen. Auf der Geraden hat das noch relativ wenig Konsequenzen: Es gibt Reifenqualm, weil die Hinterräder durch­drehen. Doch sobald das Heck ausbricht, beginnt die Arbeit: Mittels Lenkbewegungen sowie Spiel mit dem Gas und fallweise auch der Bremse muss dieser instabile Zustand so ausbalanciert werden, dass das Auto trotzdem genau dort hinfährt, wo es der Fahrer haben möchte. „Driften hat mehr mit Tanzen zu tun als mit vielen anderen Arten des Motorsports“, sagt Eli. Doch es soll auch Nichttänzer geben. Einen davon kenne ich recht gut. Sobald ich daran denke, was ich mit meinen Beinen tun soll, beginne ich zu stolpern. Kein Witz: Nicht einmal beim eigenen Abi-Ball durfte ich mittanzen. Eli grinst bei der Anekdote, bevor er in seinen BMW schlüpft – den es genau zwei Mal auf der Welt gibt: einmal für ihn, einmal für seinen jeweiligen Drift-Partner.

Built, not bought

Beim Driften ist alles hart am Limit, und das gilt auch für die Technik. Was von der Tribüne aus fast wie ein normaler BMW M4 aussieht, ist bei genauerer


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„Kapiert? – Ich kann es mir kaum vorstellen, nicke aber tapfer und staune.“

Schalthebel und Handbremse (vorn) liegen griffgünstig hoch. Der Knopf oben? Der Bord-Funk.

Hinten stark: Power auf der Hinterachse sorgt dafür, dass das Heck in der Kurve ausbricht.

Betrachtung ein lupenreiner Prototyp, gemacht ­dafür, dem Fahrer auch bei extremen Driftwinkeln bestmögliche Kontrolle zu bieten. Diese Autos sind das Resultat von Erfahrung, Berechnung, Schweiß, schlaflosen Nächten, tausenden Arbeitsstunden ­sowie einem ­finanziellen Aufwand, der eher einem guten Team in einer mittleren Motorsport-Serie ­entspricht als dem, was sich zwei hart arbeitende ­Ingenieure aus dem Süden Deutschlands eigentlich leisten können. Auch im Driften gibt es Wettbewerbe, und die Red Bull Driftbrothers gehören zu den Besten der Welt. Vom Preisgeld lassen sich dennoch bestenfalls Reifen, Sprit und Hotelzimmer bezahlen. Jede Reparatur, ­jedes Ersatzteil, das angefertigt werden muss, geht in die Zehntausende Euro. Könnte man ein Drift-Auto auf dem technischen Niveau dieser BMW M4 einfach von einem Werk bauen lassen, müsste das Preisschild jenseits einer Million Euro l­ iegen (und selbst das wäre vermutlich ein Freundschaftspreis bei all der Ingenieursarbeit und Forschung, die vorab getan sein muss). Beste Voraus­setzungen also und gaaar kein

Druck, als wir selbst das Drift-Handwerk ausprobieren wollen hier auf dem Gelände des Hockenheimrings. Selbst wenn rundum genügend Platz ist und es daher unwahrscheinlich scheint, die hauchdünne Hülle des Wagens zu verschrammen, gibt es doch genügend Arten, die fili­grane Technik falsch zu bedienen und einen massiven Krater in die knappe Kasse zu reißen. Womöglich aus schwäbischer Sparsamkeit hat Eli sich einen sehr weichen, smoothen Fahrstil angewöhnt. Smooth ist materialschonender, als am Lenkrad zu berserkern und das Auto mit Gewalt in Drifts zu zwingen. Auf dem Beifahrersitz erschließt sich Elis Analogie zum Tanzen schon nach wenigen Minuten: Während vorne der Motor und hinten der Auspuff brüllt, unten die Reifen quietschen und die Welt in Affentempo an der Seitenscheibe vorbeizieht, sitzt Eli im Zentrum des Orkans – also im Schalensitz – und domptiert mit sparsamen Bewegungen des Gasfußes die über 1000 PS, die einem Reifensatz im Nu den Garaus machen. Ganz zart justiert er manchmal den Lenkeinschlag, um Millimeter höchstens, niemals Zentimeter. Gerade so, als ob er zur Musik von „Schwanensee“ auf einer schnurgeraden Autobahn cruisen würde und nicht 45 Grad sideways driften. THE RED BULLETIN


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„Der Turbolader hat die Charakteristik eines gespannten Gummirings.“ Dank einer Erfindung namens ALS sind die 1000 PS kontrollierbar – es bleiben aber 1000 PS.

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Prototyp am Limit: Jedes Ersatzteil kostet zehntausende Euro und muss eigens angefertigt werden. THE RED BULLETIN


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Balance-Akt: Beim Driften dosiert Eli das Gas behutsam mit dem Fuß – sein Fahrstil ist besonders smooth.

Bei mir sah das anfangs völlig anders aus. Zum Üben hatte mich Eli mit einem Straßenauto raus­geschickt, einem 480 PS starken BMW M2. Ein tolles Spaßgerät mit allerlei Drift-Hilfen, die seinen Fahrer dabei unterstützen, ihn an den instabilen Zustand heranzuführen. Elis Tipp: weniger mit dem Lenkrad arbeiten, mehr mit dem Gasfuß. Die Wahrheit ist: Wo er um Millimeter korrigiert, kurble ich wie ein Segler. Ruhe am Steuer setzt voraus, dass man ein ausbrechendes Heck frühzeitig erkennt. Jedenfalls ist das T-Shirt unter dem Overall bald schon patschnass. Kreise driften, Achter, Slaloms: Es ist Arbeit, aber es wird besser. Auf den Ästheten Eli wirkt das THE RED BULLETIN

vermutlich trotzdem wie ein betrunkener Tanzbär, der sich auf die Tanzfläche verirrt hat. Wo er auf einen Zentimeter genau tanzt, torkle ich auf einen Meter genau (rede ich mir zumindest ein).

Reif für den Echten?

Der handgemachte, selbst berechnete und konstruierte BMW M4 der Red Bull Driftbrothers ist kein Serienwagen, in dem du ein paar elektronische Hilfsmittel deaktivierst und dann schon irgendwie rumdriften kannst. Genau wie das Fahren selbst ist auch das bloße Bedienen Präzisionsarbeit. Nehmen wir zum Beispiel das schöne Device namens ALS, Anti-Lag-System. Aktiviert man das, klingt der Motor wie eine automatische Waffe auf Dauerfeuer. Dient allerdings nicht der Einschüchterung, sondern hilft,


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Echte Handarbeit: Mit Millimeter-­ Bewegungen am Lenker hält Eli den Wagen auf Kurs. THE RED BULLETIN


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„Die Wahrheit ist: Wo Eli um Millimeter korrigiert, kurbel ich am Lenker wie ein Segler. Bald ist mein T-Shirt patschnass.“

den gigantischen Turbolader auch in Phasen in Schwung zu halten, in denen der Fahrer kein Gas gibt. Ein Turbolader hat prinzipiell die Charakteristik eines gespannten Gummirings zwischen zwei Fingern: Lange passiert gar nichts, dann schlagartig sehr viel. Und damit dieser Versatz möglichst klein bleibt, gibt es ALS. So werden selbst Motorleistungen jenseits der 1000 PS sofort abrufbar – fühlen sich aber un­ verändert nach über 1000 PS an. Oder das Getriebe: Es ist sequenziell. Man muss den riesigen Hebel zum Hoch­schalten nach hinten ziehen, zum Runterschalten nach vor drücken. Dazu immer kuppeln! Einen Drift leitet man übrigens nicht so ein, wie man es mit einem Schrottauto auf dem Rübenacker tun würde (Lenkung einschlagen, Voll­ gas, Kupplung schnalzen lassen), sondern in einer fließenden Choreografie von: erstens in der Kurve die Rutschgrenze spüren, zweitens die Kupplung kurz antippen, um Gewicht nach vorn zu verlagern, dann drittens progressiv Gas geben und viertens mit einem zweiten Kupplungs-Tippen das Heck endgültig ausbrechen lassen. Kapiert? Ich kann mir das kaum vorstellen, nicke aber tapfer und staune über den Reifenqualm, den es überall durch Löcher in der ­Karosserie rein drückt, nachdem der Driftbrother am Steuer genau das alles demonstriert hat. Und jetzt liegt es an Eli, tapfer zu sein: „Können wir tauschen? Rutschst du rüber?“ Er nickt. Okay, THE RED BULLETIN

Der Autor und Drift-Neuling entdeckt, dass Bauchgefühl besser funktioniert als Nachdenken.

jetzt gilt es. Wäre Elias Hountondji nicht der netteste, entspannteste und coolste Mensch, den man sich vor­ stellen kann, müsste man sich als Fahrer seines wert­ vollen Autos mit ihm auf dem Beifahrersitz fühlen wie beim Mathe-Abitur neben Albert Einstein. Wie in der Zeichenstunde, bei der dir Picasso über die Schulter schaut, während du auf seiner Leinwand kritzelst. Oder beim Tanzunterricht unter den Augen von Rudolf Nurejew. Kleiner Unterschied: Selbst wenn du Nurejew auf die Schuhe latschst, kostet das keine Zehntausende von Euro. Jede Schusseligkeit hier: nicht nur Materialkosten, sondern potenzielle Gefahr für den nächsten Einsatz, falls der Schaden nicht rechtzeitig behoben werden kann. Jetzt ist nicht Zeit, um cool zu spielen. Jetzt gilt es, keinen Scheiß zu machen und trotzdem etwas zu erleben.

Spüren, wo die Rutschgrenze liegt

Wir suchen also ein größeres Stück Gummi auf dem Asphalt als Markierung. Erste Aufgabe: im Kreis um dieses Gummistück herum driften. Also gut: Wie ein Pilot vor dem Take-off arbeite ich die Checkliste durch, die Eli natürlich im Schlaf kennt. Der ALSButton holt die akustische Schnellfeuerwaffe hervor. Jetzt in längstens fünf Sekunden losfahren, ohne den Motor abzuwürgen. Geschafft. Einen Kreis um das Gummiteil fahren und spüren, wo die Rutschgrenze liegt. Eli: „Sobald der Wagen beginnt, über die Vor­ derachse zu schieben, bist du zu schnell. Dann lieber abbrechen und die Grenze der Seitenhaftung erneut erfühlen.“ Okay, sollte passen. Jetzt die Nummer mit der Kupplung: tapp-tapp, gleichzeitig ein paar hundert Pferde mehr unter wütendem Gebrüll des


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Drift-Brotherhood: Eli Houndondji und Werner Jessner/The Red Bulletin

Drift-Brotherhood: Eli Hountondji (re.) und Autor Werner Jessner

Geschickt: Für unseren Autor fühlt sich Driften ein wenig an, wie mit einem Kugellabyrinth zu spielen.

Sechszylindermotors auf die Hinterachse loslassen: Hoppla, es funktioniert! Wunderschön keilt das Heck aus, ganz automatisch lenken die Hände gegen, als wäre es das Natürlichste auf der Welt. Nur nicht denken, einfach tun! Das Gummiteil wandert aus dem Fokus, also nachjustieren. Ein bisschen Gas, ein bisschen Lenkung. Wie schön ist das denn? Es fühlt sich an wie eines dieser Kinderspiele, bei denen man eine Kugel durch ein Labyrinth bewegen muss. Idealerweise liegt die Kugel – also mein Gummiteil – fix im Blickfeld und bewegt sich nicht, obwohl wir uns natürlich bewegen, wie das wechselnde Panorama zeigt. Reifenqualm kriecht ins Auto, Eli streckt den Daumen hoch. Wohl nicht völlig unzufrieden, also nächste Aufgabe: eine Acht driften, und zwar rund um zwei winzige Gummiteile auf der Strecke. Aus einer stabilen Bewegung in die Lieblingsrichtung werden nun deren vier: Rechtsdrift, Umsetzen, Linksdrift, Umsetzen und immer so fort. Das Verblüffende: Was mir im Serienauto immer wieder Probleme gemacht hat und w ­ obei

mir Arme, Gasfuß oder vielleicht doch das Rechenzentrum unter dem Helm immer wieder ein Bein ­gestellt haben, funktioniert nun komplett selbstverständlich, fast wie aus einem Guss. (Okaaay: Nicht auf den Zentimeter genau. Mehr so auf den Meter. Plus-minus. Tanzbär-Modus eben.) Eli hatte völlig recht: Was für ein geiles Gefühl, mit dem Auto zu swingen, alles leicht, easy, nie hektisch oder hart zum Material. Führen, aber nicht zwingen. Spüren, reagieren. Ein Zustand, der nur deshalb nicht ewig anhalten kann, weil die Hinterreifen nach wenigen Minuten in Fetzen hängen. Bevor sie explodieren, rolle ich aus, Eli gibt mir High-Five. „Hat gar nicht so gewirkt, als ob du das zum ersten Mal gemacht hättest“, grinst er. Und danach kommt ein Satz, der mich ein wenig nachdenklich hinterlässt, vermutlich deshalb, weil er ziemlich wahr ist: „Kann es sein, dass du ein Bauchmensch bist? Als ich dir erklärt habe, was du tun musst, war ich nicht sicher, ob die komplette ­Botschaft angekommen ist. Aber als du dann einfach tun konntest, hat es sich selbst für mich auf dem Beifahrersitz natürlich angefühlt. Ich hatte keine Sekunde lang Bedenken.“ Soll ich also komplett mit dem Denken aufhören und einfach zu tanzen beginnen? Ich werde darüber nachdenken. IG : @redbulldriftbrothers THE RED BULLETIN


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TAUCH EIN ... THE RED BULLETIN


KUNSTSCHWIMMEN

KUNSTSCHWIMMEN Die Aqualillies beim Training in Los Angeles. Die Truppe performte bereits in Filmen und Videos von Ariana Grande, ­Justin Bieber und den Foo Fighters.

Text Zoey Goto Fotos Brian Lowe THE RED BULLETIN


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… IN DIE WELT EINES SPORTS, DER SICH GERADE NEU ERFINDET: SYNCHRON- HEISST JETZT KUNSTSCHWIMMEN UND EROBERT DIE POPKULTUR – MIT AUFTRITTEN BEI BEYONCÉ UND DEN FOO FIGHTERS. ZU BESUCH BEI DEN POOL-PIONIEREN IN LOS ANGELES. Oben: Kenny Gaudet und Mixed-Duett-Partnerin Claudia Coletti in ihrem Element THE RED BULLETIN


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EINE NEUE, COOLE ÄSTHETIK TRITT ZUM SIEGESZUG AN. THE RED BULLETIN


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Auf dem Sprung: Die Aqualillies beim Warm-up auf dem Rooftop des West Hollywood Aquatics Centers

Über den Beckenrand hinaus: Tamar Saunders ist auch in Beyoncés Musical-Film „Black Is King“ zu sehen.

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enny Gaudet ist Kunstschwimmer. Doch wenn er von seinen Verletzungen erzählt, klingt das eher nach Profiboxer. Da ist das blaue Auge, das er sich verpasste, als er sich bei einem „Tuck“ – dem Fachbegriff für das, was wir Beckenrandspringer „Hocke“ nennen – sein Knie ins Gesicht rammte. Da ist der Fersenbruch, den er sich holte, als er gegen die Betonwand des ­Beckens krachte. Da sind die aufgeschürften Schienbeine, weil er es beim Kreuzheben übertrieb. Da sind jede Menge Beinahe-Ohnmachten unter Wasser. Und dann ist da noch der Tag mit der Gehirn­ erschütterung: Seine langjährige Freundin und ­frühere ­Duettpartnerin Claudia Coletti landete bei ­einer allzu ehrgeizigen Hebefigur mit vollem Gewicht auf seinem Kopf. „Der Catch war ziemlich schwierig“, sagt C ­ oletti, die ein paar Meter entfernt in der gleißenden Sonne von Los Angeles liegt, mit entschul­ digendem Lächeln. Wer Kunstschwimmen – die olympische Disziplin hieß bis 2017 offiziell „Synchronschwimmen“ – noch immer mit gezwungenem Dauerlächeln, rüschen­ besetzten Badekappen und Paillettenkostümen ­verbindet, sollte sein Bild updaten. Musik­videos von Adele, Lizzo und Dua Lipa haben den Sport in die Popkultur gespült, und das Leistungsniveau ist mittlerweile so brutal, dass kaum ein Training ohne diverse blaue Flecken endet. Gleichzeitig verschiebt der Sport die Grenzen von Diversität und Inklusion: Beyoncé integrierte 2020 eine spektakuläre Synchro-Sequenz schwarzer

Schwimmerinnen in ihren Musikfilm „Black Is King“. Und was einst reine Frauendomäne war, zieht nun auch Männer wie den 20-jährigen Kenny Gaudet an. Der US-Athlet will als erster Mann im Artistic Swimming bei den Sommerspielen 2028 eine Medaille ­holen, und die finden passenderweise ausgerechnet hier statt, in Los Angeles.

Viel Gegenwind und ein Entschluss

Gaudet stammt aus Florida. Coletti ist Italienerin, in New York geboren, in Paris aufgewachsen. Jetzt ­liegen beide am Rooftop-Pool des West Hollywood Aquatics Center, und die Szenerie könnte kaum mehr L. A.-Klischees bedienen: Weiter Blick über die Hollywood Hills. Am Horizont, hinter einem Meer spindeldürrer Palmen, schimmert Downtown L. A. wie eine Fata Morgana aus Stahl und Glas. Am Beckenrand schlägt eine Meditationslehrerin eine goldene Klangschale zum Beginn der „AquaGong“-Nachmittags­ session, einer Art meditativen Klangbads im Pool. Der Bademeister schlendert vorbei, schüttelt grinsend den Kopf und murmelt: „This is so fucking L. A.“ Gaudets Weg hatte bis hierher freilich wenig von ­einem Hollywood-Märchen. Er war fünf, als er seine ­ältere Schwester zum Kunstschwimmtraining be­ gleitete, dann probierte er den Sport selbst und blieb dabei. Später fing er mit Cheerleading an. Die Wahl seiner Sportarten machte ihn rasch zum Außen­seiter: Eltern von Teamkolleginnen murrten, Trainer anderer Clubs belächelten den Jungen in den „Mädchen­ sportarten“. „Meine Trainerin musste jede Menge Hate ­ertragen, nur weil sie mich ins Schwimmteam aufnahm“, ­erinnert sich Gaudet. Ans Aufgeben dachte er nicht. Im Gegenteil. Mit dreizehn schrieb er Andrea Fuentes an, die Chef­ trainerin des US-Nationalteams. Es folgte die Ein­ ladung zu einem einwöchigen Sichtungscamp. THE RED BULLETIN


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KUNSTSCHWIMMEN

Unter Kontrolle: Auch kopfüber bleiben die Athletinnen Herrinnen der Lage.

THE RED BULLETIN


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DIE CHALLENGE: ANMUTIG AUSSEHEN, SELBST WENN DER SAUERSTOFFF AUSGEHT UND DIE MUSKELN BRENNEN

THE RED BULLETIN


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KUNSTSCHWIMMEN

„WUNDERSCHÖN, WIE VIELE UNTERSCHIEDLICHE FRAUEN GEMEINSAM IM WASSER WAREN!“

Trockenübungen: die Aqualillies beim Warm-up neben dem Becken

THE RED BULLETIN

„Davor hatte ich sechs Stunden Training pro ­Woche – beim Camp waren es sechs Stunden pro Tag. Und es war ein einziges Desaster“, lacht er heute. „Ich war katastrophal schlecht, hoffnungslos über­fordert. Alle anderen waren kräftiger, ausdauernder, beweglicher als ich. Ich rang nach Luft, klammerte mich am Beckenrand fest, während die Mädchen ­elegant und mühelos durchs Wasser schwebten.“ Aufgeben? Wieder keine Option. „Das war genau der Weckruf, den ich brauchte. Diese Woche, so katastrophal sie auch lief, zeigte mir: Entweder du versuchst es wirklich, mit aller Konsequenz, oder du lässt es bleiben.“ 2021, als Sechzehnjähriger, zog Gaudet von Florida quer durchs Land nach Kalifornien, um

unter Bill May zu trainieren – jenem US-Pionier, der 2015 als erster Mann WM-Gold im Artistic Swimming gewann. Es war das endgültige Bekenntnis zu kon­ sequenter Professionalität. Nicht nur Gaudets Leben, der ganze Sport änderte sich in dieser Zeit grund­ legend: Nach der offiziellen Umbenennung von ­„Synchronised Swimming“ in „Artistic Swimming“ durch den Schwimm-Weltverband FINA im Jahr 2017 gab es kurz vor den Spielen von Paris 2024 die ganz große Nachricht: Erstmals sollten bis zu zwei Männer pro Achter-Team zugelassen sein – ein historischer Schritt, zumindest in der Theorie. In der olympischen Praxis blieben die männlichen Kunstschwimmer auf dem Trockenen.


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Neue Haltung: Die Wienerin Nadine Brandl wechselte vom Sport zur Show. THE RED BULLETIN


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Raketenstart: Schon als kleiner Junge begann Kenny Gaudet in Florida mit dem Kunstschwimmen. THE RED BULLETIN


KUNSTSCHWIMMEN

DER SCHMALE GRAT ZWISCHEN SPORT UND SPEKTAKEL GEHÖRT SEIT DEN ANFÄNGEN DAZU. „Die Teams, die Trainerinnen und Trainer wollten kein Risiko eingehen“, erzählt Gaudet. „Man meinte, es würde den Männern die Erfahrung fehlen. Aber wenn keiner den Sprung wagt, ändert sich doch nichts!“ Neben seinen Wettkämpfen und dem OlympiaTraining gehört Gaudet auch den Aqualillies an – einer glamourösen Wasser-Showtruppe, die mit Latex-Bade­ kappen dem Hollywood der 1940er huldigt. Man sah sie in Filmen wie „Hail, Caesar!“, in Serien wie „The Marvelous Mrs. Maisel“ und „Glee“ sowie in Musik­ videos von Ariana Grande, Justin Bieber, Lizzo und den Foo Fighters. Ihr rein männliches Gegenstück, die Aquawillies, sorgt bei Promi-Poolpartys mit Salti und schillernden Meerjungmann-Schwänzen regelmäßig für Aufsehen.

Glück, Gleichberechtigung und Badekappen

Am Beckenrand bereiten sich acht weibliche Aqua­ lillies auf ihren Einsatz vor: Auf dem Balkongeländer, das als improvisierte Ballettstange dient, dehnen und lockern sie sich, bevor es ins Wasser geht. Zur Truppe gehören die Schwestern Philicia und Tamar Saunders, die in „Black Is King“ zu sehen waren. Die üppig ­choreografierte Szene im Beyoncé-Film – wirbelnde Fuchsia-Kostüme, katzenaugige Schwimmbrillen – ­erinnert bewusst an Esther Williams, die Schwimm­ königin der 40er- und 50er-Jahre, und ihre opulenten Technicolor-Musicals wie „Neptune’s Daughter“ und „Million Dollar Mermaid“. Aber mit einem wesent­ lichen Unterschied: Bei Williams bestand das En­ semble ausschließlich aus weißen Schwimmerinnen – bei Beyoncé ausschließlich aus schwarzen. „Es war wunderschön, zu sehen, wie viele unterschiedliche Frauen gemeinsam im Wasser waren, die verschiedenen Teints“, erinnert sich Philicia an den Dreh mit einer Gruppe US-Schwimmerinnen und ­einem eigens eingeflogenen Nachwuchsteam aus Jamaika. „Beyoncé stieg selbst mit ins Becken, sie führte von dort aus Regie, und man merkte, wie wichtig ihr war, dass wir uns alle wohlfühlen.“ „Black Is King“ war ein starkes Signal – aber es machte auch Defizite sichtbar. „Im Casting war es erstaunlich schwer, genug schwarze Kunstschwimmerinnen zu finden. Da wurde klar, dass Handlungs­ bedarf besteht. Es muss uns gelingen, mehr jungen Athletinnen und ­Athleten den Weg in diesen Sport zu ermöglichen – und wir müssen uns besser ver­ netzen“, sagt Philicia. Sie und Tamar wuchsen in L. A.

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auf. Als Kinder stießen sie zufällig auf die Synchro Swans: Das erste afroamerikanische Synchro-Team der USA trainierte in dem Schwimmbad, in dem die beiden Schwestern ihre Nachmittage verbrachten. „Wir ­hatten einfach Glück“, sagt Philicia. Denn ­öffentlich zugängliche Pools sind in einkommensschwachen Gegenden, in denen überwiegend Schwarze wohnen, selten. „Und noch seltener ist es, dass es dort überhaupt Synchro-Trainings gibt.“ Zwischenzeitlich traten die Saunders-Schwestern den Black Swans bei, einer Kunstschwimm-Crew, die bei Events wie den Juneteenth-Feierlichkeiten auftritt, dem US-amerikanischen Gedenktag an das Ende der Sklaverei. Kunstschwimmen war lange alles andere als ­divers, doch Tamar ist überzeugt: Das ändert sich gerade. „Eltern melden sich bei mir und wollen wissen, wo sie hautfarbene Badeanzüge bekommen oder Badekappen, die voluminöse Afros oder Braids fassen, ohne sie zu quetschen, und wie man lockiges oder krauses Haar vor Schäden des Chlorwassers in den Pools bewahrt. Freundinnen fragen mich, wie sie selbst einsteigen können“, sagt sie und rückt ihre Schwimmbrille zurecht. „Artistic Swimming gilt ­inzwischen als cool!“

Kaleidoskop, KI und erste Gigs in Hollywood

Philicia und Tamar gleiten mit den Aqualillies ins Becken. Wie ein Delfinschwarm schwebt das Ensemble durchs Wasser. Über der Oberfläche scheren Beine synchron zueinander, bis alle Athletinnen wie auf ein lautloses Signal gleichzeitig auftauchen. Flach auf der Wasseroberfläche auf dem Rücken liegend, spreizen sie Arme und Beine und bilden ein Sternenmuster; es wirkt wie ein sich langsam drehendes Kaleidoskop. Der schmale Grat zwischen Sport und Spektakel gehört seit den Anfängen zum Kunstschwimmen. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts machte die Australierin Annette Kellerman – Filmhistoriker nannten sie „Mother of Synchronised Swimming“ – in freizügigen Wasserfilmen Karriere. Legendär ­wurde ihr Auftritt im Jahr 1916 in „A Daughter of the Gods“: In Hollywoods erster Nacktszene bedeckte ihr kunstvoll drapiertes Meerjungfrauenhaar gerade mal das Nötigste. Aktuell verkörpert kaum jemand die Gratwanderung zwischen Ästhetik und Athletik so glaubwürdig wie die Wienerin Nadine Brandl. Während sie im Wasser sachte auf und ab wippt, erzählt sie von ihrer ersten Karriere: mehr als 45 österreichische Meistertitel, Olympiastarts 2008 und 2012. Danach schlug sie ein glitzerndes Kapitel als Showstar in Las Vegas auf. THE RED BULLETIN


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KUNSTSCHWIMMEN

US-Kunstschwimmer Kenny Gaudet, 20, will als erster Mann in der Disziplin „Artistic Swimming“ bei Olympia eine Medaille holen.

screen oder KI, nicht für echte Aufnahmen. Ich betrachte das als Kompliment. Ich nutze die Plattform, um den Leuten zu zeigen: Diese Tricks kann man lernen.“ Es ist ganz ruhig am Beckenrand, bis es plötzlich mächtig spritzt. Gaudet und Coletti feilen an einer Kür. Im Finale taucht Coletti ab, stemmt sich aus der Tiefe nach oben und katapultiert Kenny wie eine menschliche Rakete in den Himmel. Die rohe Athletik der Figur zieht alle Blicke auf sich: Selbst die AquaGong-Gruppe erhebt sich aus ihrer Zen-Versenkung.

„MAN MEINTE, ES FEHLE DEN MÄNNERN AN ERFAHRUNG. ABER WENN KEINER DEN SPRUNG WAGT, ÄNDERT SICH DOCH NICHTS.“ Fünf Jahre schwamm Brandl in der aufwendigen Wassershow „Le Rêve“ im Wynn Resort. Danach wechselte sie ins benachbarte Hotel Bellagio zu „O“, dem wasserbasierten Spektakel des Cirque du Soleil. Die Jahrzehnte harten Trainings – ab ihrem dreizehnten Lebensjahr täglich fünf Poolstunden neben der Schule – zahlten sich in dieser Glitzerwelt aus. „Du musst e­ twas anmutig aussehen lassen, selbst wenn es sich im Körper grauenvoll anfühlt, wegen des Sauerstoffmangels und weil die Muskeln brennen“, sagt sie, das weizenblonde Haar zum Pferdeschwanz gebunden. Nadine Brandl hat in Las Vegas ihr Talent für optische Illusionen entdeckt – es ­beschert ihr auf TikTok Millionenreich­weiten. „‚O‘ war extrem visuell. Dort habe ich gelernt, bewusst die Aufmerksamkeit des Publikums zu lenken, mit Bewegungen unter Wasser zu spielen“, sagt sie. Dreht sie die Kamera um 180 Grad, wirkt es in manchen Clips, als würde sie über Wasser laufen. „Viele halten das für GreenTHE RED BULLETIN

Pokémon, Marilyn und kreischende Zuschauer

Die Trainings-Session für Gaudet ist zu Ende. Während er sich abtrocknet, fällt der Blick auf seine Tattoos: Charaktere aus „Avatar – Der Herr der Elemente“, „Drachenzähmen leicht gemacht“ und „Pokémon“ zieren seine Arme. Seine Liebe zu Animationsfiguren geht aber über die Tinte hinaus. Bei der FINA Artistic Swimming World Series 2022 gestalteten er und Coletti ihre Kür rund um „Attack on Titan“, einen ­japanischen Anime über den postapokalyptischen Kampf der Menschheit gegen riesige Monster. „Der Stoff ist intensiv“, sagt Gaudet und öffnet auf dem Handy ein Video ihres Mixed-Duetts. „Um die Story gut zu erzählen, haben wir die Sache mit den akro­ batischen Hebefiguren auf die Spitze getrieben.“ Jede Drehung lässt das Publikum kreischen, als gäbe Taylor Swift ein Privatkonzert. Das ist modernes Artistic Swimming in Perfektion, kreativ, ästhetisch, athletisch. Den Spott früherer Jahre hört Gaudet kaum noch. „Manchmal fragt noch jemand, ob wir die Truppe mit den Rosenkappen sind, wie Marilyn Monroe sie trug“, sagt er und verdreht die Augen. „Ich sage dann: ‚Nein, wir sind die, die Menschen durch die Luft schleudern. Die, die kopfüber unter Wasser 30 Sekunden die Luft anhalten, während sie gemeinsam mit sieben anderen geometrische Figuren formen. Wir sind die, die ihre Körper ruinieren, um an der Spitze in diesem Sport mitzuhalten.‘“ Und die, die alles tun, um sich in drei Jahren ihren Traum von einer historischen olympischen Medaille zu erfüllen. Instagram: @aqualillies


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Verbunden: Wie ein Schwarm bewegen sich die Athletinnen gemeinsam unter Wasser.

THE RED BULLETIN


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WINDIGE SACHE Surfen in Schottland

THE RED BULLETIN


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GUIDE

REISE/

SURFEN FÜR BRAVEHEARTS Stürmische Böen, immer wieder eisiger Regen: Anfang Oktober unternimmt Paulina Herpel bei ­harschen Bedingungen einen Wellenreit-Trip in die schottischen Highlands. Hier verrät die Profi-­ Surferin die besten Spots und warum Kaltwettersurfen manchmal einfach die bessere Option ist.

Ich wohne drei Minuten vom Strand entfernt, nahe Klitmøller, dem dänischen Surf-Dorado, auch „Cold Hawaii“ genannt. Dort surfen wir 365 Tage im Jahr mit Neoprenanzug. Das Surfen an kalten oder winterlichen Küsten hat für mich einen besonderen Reiz. Es ist rauer, ein­ samer, wilder. Viele meiner Surfreisen führen mich zwar in wärmere Länder, aber ich versuche jedes Jahr einen Cold-WaterSurftrip zu machen. Nach Schottland wollte ich schon lange, mein Freund ist Fotograf, er hat mir vorgeschwärmt, wie unglaublich schön die Natur dort ist. Gerade im Herbst ist die Stimmung besonders, das Sonnenlicht wirkt dann fast orangefarben, Stürme und Nebel schaffen eine ganz eigene Atmosphäre. Ganz oben im Norden gibt es richtig gute Wellen. Ich kenne viele Surfer, aber kaum jemanden, der schon mal in Schottland zum Wellenreiten war.

Mücke machen

MYSTISCHES SCHOTTLAND Der „Old Man of Storr“ auf der Insel Skye entstand der Legende nach, als böse Riesen einen Mann und eine Frau in Stein verwandelten. THE RED BULLETIN

DANIEL J. SCHWARZ, KIRSTEN FRANK

Im Sommer gibt es dort so kleine, fiese Stechfliegen. Eine Surferin, die bis September dort war, meinte, dass es wirklich heftig sei – man wird regelrecht auf­ gefressen, sobald man die Autotür aufmacht. Also lieber die Kälte in Kauf nehmen. Wir waren von Anfang Oktober bis Mitte November unterwegs, zu dritt: mein Freund und ich in unserem Van, eine gute Freundin in ihrem. Je ländlicher es wurde auf unserem Roadtrip, desto entspannter die Leute. Nicht ganz leicht ist es, die schottische Aussprache zu verstehen, mit jüngeren Surfern geht es noch, mit ­älteren Leuten zu sprechen, ist härter. Wir sind von Dänemark nach Frankreich gefahren, dann mit der Fähre sieben Stunden rüber nach England, von da ging es mit den Vans nach Schottland. Das erste Mal surfen waren wir schon direkt nach der Grenze. Der Surf war super und deutlich schöner als der Trailer Park dort. Der sah exakt so aus wie in der britischen Serie „Sex Education“, wo Maeve in so einem Mobile Home lebt. Wir sind die Ostküste hochgefahren bis nach Thurso East, an Schottlands äußerstes Nordostende, im Caithness County. Thurso ist die berühmteste Welle Schottlands. Sie braucht ausreichend Nord-West-Swell, dann


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DUNKLER SAND Die Talisker Bay (Isle of Skye) ist bei Wanderern beliebt - und bei Paulina Herpel mit ihrem Longboard.

„Die Unterschiede von Ebbe und Flut sind in Schottland krass, man muss sofort ins Wasser, wenn der Swell gut ist. Ansonsten verpasst man die besten Wellen.“

MAHLZEIT Mal Currys, mal Pizza: als Selbstversorger in der Pease Bay

bricht eine lange, nahezu perfekte Rechte, hüfthoch bis doppelt überkopf. Tja, als wir da waren, lief sie nicht – aber ein paar Spots weiter die Küste entlang gab es richtig gute Wellen. Melvich etwa, meine Lieblingswelle in Schottland: viele Sandbuchten, megaschöne Sets, klares Wasser – aber extremer Tidenhub. Die Unterschiede von Ebbe und Flut sind in Schottland krass, man muss sofort ins Wasser, wenn der Swell gut ist. Am ersten Strand haben wir uns nach dem Spotcheck Zeit gelassen, als wir umgezogen waren, waren die guten Wellen schon weg. Aber die ersten Tage waren super: gutes Wetter, gute Brandung, satte grüne Landschaften, bunte Herbstfarben. Dann wurde es windiger, teils stürmisch. Wir sind quer rüber in den Nordwesten gefahren, zur Isle of Skye, fünf Stunden entfernt. Die bekannte Halbinsel ist landTHE RED BULLETIN


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GUIDE

Travel-Tipps Beste Reisezeit Von September bis November gibt es schon richtig gute Wellen und noch erträgliche Temperaturen an Land (8 bis 14 Grad) und im Wasser (13 bis 9 Grad). Wie du hingelangst Mit dem Auto/Van per Fähre ab Holland bzw. Frankreich. Oder durch den Eurotunnel ab Calais. Dann die Küste hoch. Sonst ­Flieger und Mietwagen.

Wärme – aber der Himmel über Schottland war grau und hat nie richtig aufgerissen. Die Neoprenanzüge sind den ganzen Ur­ laub über nicht mehr trocken geworden. Im Wagen war irgendwann alles klamm. Auch wenn wir die Sonne quasi nie ge­ sehen haben, war die Stimmung den ­ganzen Trip über toll, auf gute Art moody, so eine leichte Herbstmelancholie. Nachts wurde es richtig kalt. Mitte der zweiten Woche wurde das Wetter stürmisch, und manche Surfspots, gerade etwas ge­ schützte, ­erreicht man dort nur zu Fuß – so eine Wanderung ist bei starkem Wind mit Longboards eine Herausforderung.

THE RED BULLETIN

schaftlich total beeindruckend: Felsforma­ tionen wie der „Old Man of Storr“ oder die „Feenbecken“ genannten natürlichen Wasserbecken, die durch kleine Wasser­ fälle verbunden sind. Auf Skye sind wir auch surfen gegangen, wir mussten aber teilweise eine halbe Stunde zu Fuß in un­ zugängliche Buchten reinwandern – mit schweren Longboards unterm Arm. Es hat sich aber ausgezahlt: Der Sand in der Talisker Bay etwa ist komplett schwarz, dazu die hellen Klippen im Hintergrund, die grasenden Schafe und Kühe, das war so ein Bilderbuch-Schottland. Unser Van hat Solarzellen, das reicht normalerweise locker für Strom und

Instagram: @paulinaherpel

MARC BAUMANN

GEILE TRACKS Wenn das Meer zu wild oder verblasen war, sind Bikes eine gute Alternative. Hier in Poolewe am Loch Ewe, dem der Golfstrom mildes Klima beschert - samt subtropischer Pflanzen.

Wir wollten eigentlich noch auf die ­Hebriden, eine schottische Inselgruppe, aber da gab’s keine Chance zur Über­ fahrt. Wenn das Meer zu wild oder ver­ blasen war, haben wir mit den Mountain­ bikes im Inland ein paar Trails ausprobiert – da gibt es viele Strecken für Anfänger und Fortgeschrittene. Wir sind die Küste weiter runtergefahren, aber der Wind ließ erst am Ende der Reise wieder nach und schenkte uns noch ein paar super Tage. Meine größten Wellen waren um die zwei Meter – nicht riesig, aber echt clean und schön. In der Jahreszeit, wo wir dort waren, reicht noch fünf Millimeter dickes Neopren, besser mit Haube und Booties. Und wenn die Sonne dann doch einmal hervorkommt, kann man Haube und Handschuhe auch weglassen.

DANIEL J. SCHWARZ

„Die Stimmung war auf gute Art moody, so eine leichte Herbstmelancholie.“

Zwei Meter Glück


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GUIDE

PLAYLIST/

DEEP AUF DEM DANCEFLOOR Der deutsche Musiker Monolink komponiert Songs, die tief berühren – und gleichzeitig tanzbar sind. Hier erzählt er, welche Lieder seinen Stil prägten.

Monolink

Steffen Linck alias Monolink ver­ schmilzt gefühlvollen Gesang und Gitarren mit Rhythmen von Techno und House – und schafft so einen Sound zwischen Festivalhymne und innerer Einkehr. Sein Debütalbum „Amniotic“ brachte ihm 2018 inter­ nationale Anerkennung ein. Nach „Under Darkening Skies“ (2021) ­erschien nun sein drittes Album: „The Beauty of It All“.

Am 21. November spielt Monolink in Berlin, am 5. Dezember in Hamburg.

Oasis Don’t Look Back in Anger (1996)

Nicolas Jaar

„Aufgrund dieses Songs hab ich mit 15 angefangen Gitarre zu spielen. Es gibt eine Aufnahme, wie Noel Gallagher das Lied an einer Hotelbar spielt, die mich total berührt hat. Daraufhin habe ich Tag und Nacht geübt. Für mich ist es immer noch einer der legendärsten Songs aller Zeiten.“

Time (1973)

„Ich habe mir ‚The Dark Side of the Moon‘ auf einem Flohmarkt gekauft – weil es damals schon ein Klassiker war. Das Album ist wie ein psychedelischer Trip und ‚Time‘ das Herz­ stück wegen des epischen Gitarren­solos und der Lyrics über das monotone Vorstadtleben, in dem ich mich damals selbst befand.“

THE RED BULLETIN

Leonard Cohen Last Year’s Man (1971)

„Songs können Geschichten erzählen, ab­ seits der Strukturen von Vers und Chorus. Cohens ‚Last Year’s Man‘ ist so intim und kryptisch, dass heute noch neue Bilder in meinem Kopf entstehen. Man muss genau hinhören, um Zugang zu den Songs zu be­ kommen – und so schreibe ich auch selbst.“

HONEYSTILLS

Pink Floyd

SASKIA JUNGNIKL-GOSSY

Space Is Only Noise (2011)

„Für mich waren akustische und elektronische Musik lange getrennte Welten, Jaar hat sie spielend zusammengeführt. ‚Space Is Only Noise‘ ist ein Masterpiece, der gleich­ namige Song kombiniert brachiale Synthesizer mit fragilem Gesang.“


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MINDGAME/

WAS WIRD HIER GESPIELT?

Willkommen zu einer Rätsel-Challenge, die deine mentale Fitness trainiert. Folge 5: Finde heraus, wie die DJ die beiden Tracks verändert.

PFEFFERMIND

BRATISLAV MILENKOVIĆ

Scan den QR-Code, um zur Lösung des Rätsels zu gelangen.

THE RED BULLETIN


GUIDE

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DIE AUFGABE

Was geschieht mit der Soundfrequenz, wenn die DJ die Regler verschiebt? In diesem Mindgame ist deine visuelle Wahrnehmung gefragt: Überlege, wie sich die verschiedenen Regler auf die dargestellten Wellen auswirken, und wähle die richtige Lösung aus.

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WIE SIEHT DIE FREQUENZ JETZT AUS?

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WIE SIEHT DIE FREQUENZ JETZT AUS?

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SO VERSCHIEBT DIE DJ DIE REGLER. THE RED BULLETIN


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UHREN/

ZEIT FÜR ACTION Wasserdicht bis in große Tiefen, federleicht und innovativ: Mit diesen Zeitmessern bist du für alle Aben­teuer gerüstet.

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Die Wild One Skeleton ist eine ­leistungsstarke Sportuhr mit durchbrochenem Zifferblatt. Sie ist bis 5000 Gramm schock­ resistent und verfügt über die revolutionäre Norqain-­ Gehäusekonstruktion, die einen Kautschuk-Stoß­dämpfer zwischen zwei Gehäuseteilen aus schwarzem Norteq-Mate­rial einschließt. Die Uhr wiegt 78 Gramm und ist bis zu einer Tiefe von 200 Metern wasserdicht. € 5.450; norqain.com

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GUIDE

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GUIDE

EVENTS/

MATSCH UND MATCHES Vom Motocross-Abenteuer bis zum E-Sports-Spektakel: Diese Termine verdienen einen Eintrag in deinem Kalender.

1.

November

Red Bull Stoppelboss Ein abgeerntetes Feld bei Leipzig, 300 Motorradfahrer, zwei Teams: Mit Hard-Enduro-Champion Manuel Lettenbichler oder Motocross-Größe Simon Längenfelder kämpfst du um den Sieg beim ultimativen Stoppelcross-Rennen. Nach einem Massenstart fahren Hobbyfahrer und Profis Seite an Seite um den Erfolg und für das Erlebnis. Jetzt anmelden: redbull.com/stoppelboss

14.

bis 16. November

November

Red Bull League of Its Own Wenige Wochen vor Weihnachten darf sich Deutschlands Gaming-Community über ein Highlight freuen: Im Münchener SAP Garden treten die weltbesten Teams zum „League of Legends“-Show-Turnier an. Südkoreas legendäre Mannschaft T1 um den Ausnahmekönner Faker ist genauso dabei wie die französischen Champions Karmine Corp, das Berliner Team G2 und NMO Old um den deutschen Creator ­Frederik „NoWay“ Hinteregger. Infos: redbull.com; Übertragung: twitch.tv/redbull

16.

und 18. Oktober

Red Bull Rampage

Sei dabei, wenn die weltbesten Free­ ride-Mountainbiker im roten Sandstein Utahs Action zeigen. Erstmals treten die Fahrerinnen um Stars wie Robin Goomes oder Casey Brown auf dem gleichen Gelände wie die Männer um Größen wie Thomas ­Genon und Emil Johansson an. Red Bull TV überträgt live und auf Abruf. THE RED BULLETIN

Zum Schluss wird’s nochmal haarig: 14 Kurven auf nur vier Kilometer ­Länge erwarten die Fahrer beim ­Finale der Motorrad-Weltmeisterschaft in Valencia. Extra-Challenge: Das Rennen wird gegen den Uhr­ zeigersinn gefahren. Wer hier den Saisonsieg holt, hat ihn definitiv verdient. Scan den Code und verfolge das Final-Wochenende auf Red Bull TV.

8.

November

Night of the Jumps Seit 25 Jahren auf dem Sprung: Beim weltgrößten Freestyle-Motocross-Event begeistern Größen wie Luc Ackermann mit Stunts. Für ihre Jubiläumstour haben sich die Profis mit Mountainbikern und Trampolinspringern zusammengetan. Außerdem beim Stopp in Düsseldorf dabei: ein Zehn-Meter-Start-Tower, Airbag-Rampen und viel Pyrotechnik. Alle Infos sowie weitere Stopps: nightofthejumps.com

ALBERTO NEVADO/RED BULL CONTENT POOL, VERENA KNEMEYER/COMPOSITING ANNALENA RUMLER

29.

MotoGP-Finale in Valencia


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11. bis 14. Dezember

Premier Padel Barcelona

STEPHANIE LINDGREN/RED BULL CONTENT POOL, BARTEK WOLINSKI/RED BULL CONTENT POOL

Schnelle Ballwechsel, spektakuläre Rettungsaktionen, große Emotionen: Kaum ein Sport wächst derzeit so rasant wie ­Padel – was, grob gesagt, eine Mischung aus Tennis und Squash ist. Auch eine Welttour hat sich bereits etabliert. Deren Höhepunkt steigt kurz vor Weihnachten beim Saisonfinale in ­Barcelona. Hier ermitteln die weltbesten Paare die Champions 2025. Scan den Code und erlebe das Highlight ab 12. Dezember auf Red Bull TV.

24. Oktober

Tourstart Nina Chuba Durchmarsch auf die ganz großen Bühnen. Bekannt ge­ worden mit Hits wie „Wildberry Lillet“ (130 Wochen in den Charts) oder „Mangos mit Chili“, geht Nina Chuba mit ihrem Mix aus Pop, Hip-Hop und Rap im Herbst auf Arena-Tour. In Venues wie der Lanxess Arena Köln (6. November) oder der Uber Arena Berlin (9. November) spielt sie die Songs ihres neuen Albums „Ich lieb mich, ich lieb mich nicht“. Los geht’s am 24. Oktober in Erfurt. Infos: ninachuba.com

Herausgeber Andreas Kornhofer Chefredakteur Andreas Rottenschlager Textchef Stephan Hilpold Creative Directors Erik Turek (Ltg.), Kasimir Reimann Grafik Marion Bernert-Thomann, Martina de Carvalho-Hutter, Miles English, Kevin Faustmann-Goll, Carita Najewitz, Tara Thompson Fotoredaktion Eva Kerschbaum (Ltg.), Marion Batty (Stv.), Susie Forman, Rudi Übelhör Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Global Content Tom Guise (Ltg.), Lou Boyd Publishing Management Sara Car-Varming (Ltg.), Hope Elizabeth Frater Art Direction Commercial Peter Knehtl (Ltg.), Lisa Jeschko, Martina Maier, Julia Schinzel, Florian Solly Head of Publishing Operations Sigurd Abele Direct to Consumer Business Peter Schiffer (Ltg.), Marija Althajm, Matteo Luciani, Melanie Schmid, Katharina Tirouflet, Yoldaş Yarar Retail & Special Projects Klaus Pleninger Herstellung & Produktion Veronika Felder (Ltg.), Martin Brandhofer, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailovic, Josef Mühlbacher Finanzen Žiga Balič, Simone Kratochwill, Tobias Steiner Digital Business Mathias Fritsch Projektmanagement Publishing Katrin Dollenz Assistant to General Management Sandra Stolzer General Manager Red Bull Media House Publishing Stefan Ebner Redaktionsanschrift Am Grünen Prater 3, A-1020 Wien Tel.: +43 1 90221-0; redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Geschäftsführer Dietmar Otti, Christopher Reindl, Marcus Weber

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SNAP-FICTION

Hier schreibt Bestsellerautor Leif Randt eine futuristische Short-Story-Serie für The Red Bulletin. Folge 8:

HEITER BIS WOLKIG Als Ausgangspunkt jeder Story verwendet Leif Randt ein Handyfoto von seinen Reisen. Aktuelles Motiv: Blick aus dem Flugzeug­fenster auf Wolken im Abendlicht – für uns kunstvoll gestaltet von Fotograf Klaus Pichler. THE RED BULLETIN

KLAUS PICHLER

Airbus Futura


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en betrat die Economy-Class des beeindruckend großen Flugzeugs als einer der Ersten. Dass er wunschgemäß einen Fensterplatz ­erhalten hatte, empfand er als großes Glück. Er würde zuschauen können, wie Rio de Janeiro im Abendlicht unter ihm verschwand, wie die Sonne versank und wie es viele Stunden ­später in Europa wieder hell würde. Die Beinfreiheit war miserabel, doch der Sitz durchaus bequem. Ben rutschte darin etwas tiefer und stemmte seine Knie in die graue Rückenlehne vor sich. Ein Tablet lag auf seinen Beinen, er tippte: „Liebe Luna, mittlerweile sind zehn Monate vergangen, seit wir uns getrennt haben.“ Ben korrigierte seine Anrede: „Hi Luna!“ Er wollte gern weniger formell klingen. „Jetzt sehen wir uns schon seit zehn Monaten nicht mehr.“ Dann fragte er sich, ob eine Anrede überhaupt nötig war. Ben hatte seit sehr langer Zeit keine E-Mail mehr an eine Exfreundin geschrieben. Der Flug nach Frankfurt sollte mehr als elf Stunden dauern. Immerhin hatte er ausreichend Zeit. Dass die beiden Plätze neben ihm nicht frei blieben, war ein wenig enttäuschend. Ein Junge, der vermutlich schon älter als neun, aber sehr wahrscheinlich noch keine sechzehn war und ungewöhnlich erwachsene Kleidung trug – ein weißes Hemd und eine dunkle Bundfaltenhose –, setzte sich direkt neben Ben und schnallte sich an. Er grüßte auf Portugiesisch und gab Ben die Hand. Ben konnte sich nicht daran erinnern, von einem Co-Passagier schon einmal mit Handschlag begrüßt worden zu sein, und schon gar nicht von einem Minderjährigen. Da Ben kein Portugiesisch sprach, nickte er dem Jungen, dessen Händedruck fest und verbindlich war, nur freundlich zu. Zurück an seinem Tablet, formulierte Ben: „Ich hatte in den letzten Monaten und vielleicht sogar Jahren die alles betäubende Sehnsucht danach, dass Menschen meine Filme anschauen. Und darüber habe ich vieles andere verdrängt. Als an der Copacabana nun ein ­ganzer Kinosaal für meine Arbeit applaudierte, ist mir aufgefallen, dass …“ Nein, dachte Ben, so konnte er das unmöglich formulieren. Es mochte ehrlich sein – ja, erst als die eine Sehnsucht (Ruhm) ansatzweise erfüllt war, ergaben sich Kapazitäten für eine weitere Sehnsucht (die Exfreundin) –, aber dieser Umstand war ihm auch schrecklich peinlich. Ben wollte eigentlich nicht so sein. Doch Luna gegenüber konnte er kaum behaupten, dass er nicht so war. Sie kannte ihn viel zu gut.

LEIF RANDT Geboren 1983 in Frankfurt am Main. Er gilt als Ver­treter einer neuen Gene­ration der Popliteratur. Sein neuer Roman „Let’s Talk about Feelings“ erschien am 4. September. 2026 kommt die Verfilmung seines Bestsellers „Allegro Pastell“ ins Kino.

Der Junge auf dem Nebensitz wurde nun von e­ iner Flugbegleiterin angesprochen, woraufhin sich die beiden kurz auf Portugiesisch unterhielten. Wahrscheinlich wollte sie von ihm wissen, wo sich seine Eltern befanden. Der Junge zeigte ihr einen Kopf­ hörer und brachte die Flugbegleiterin mit wenigen Sätzen zum Lachen. Als sie zufrieden davongegangen war, drehte sich der Junge zu Ben: „Schreiben Sie ­einen Liebesbrief?“ Ben zuckte zusammen. „Du sprichst Deutsch?“ Claudio: „Ja, klar! Ich wohne in Darmstadt bei meiner Mutter, mein Vater lebt hier in Rio. Ich heiße Claudio.“ Ben: „Ich heiße Ben.“ Merkwürdigerweise fiel es Ben schwer, sauer auf den Kleinen zu sein. Er selbst schaute ja auch ständig auf die Screens anderer und las heimlich mit. Nur gab er es nie offen zu. Womöglich befand sich der junge Claudio noch in dieser Lebensphase, in der man immer ehrlich war und alles interessant fand. Für Ben hatte diese Phase im Alter von vierzehn geendet. Vor seinen Mitschülern hatte er sich fortan nicht einmal mehr getraut, zuzugeben, dass er gerne ins Kino ging. Zwischen vierzehn und einundzwanzig war Desinteresse das Programm gewesen. Claudio: „Ich entschuldige mich dafür, dass ich auf Ihren Screen geschaut habe, Ben.“ Ben: „Ich nehme deine Entschuldigung an.“ Die Flugbegleiterin überprüfte nun, ob alle an­ geschnallt waren und ihre elektronischen Geräte verstaut hatten. Ben packte das Tablet in seinen kleinen Rucksack. Claudio beobachtete ihn aufmerksam dabei. „Ich hatte früher große Flugangst. Sind Sie auch nervös?“ Ben: „Du kannst ruhig du sagen …“ Der Airbus hatte sich nun in Bewegung gesetzt und rollte schwerfällig übers Flugfeld. Aus weitgehend unnachvollziehbaren Gründen brach Ben beim Start in einem von vier Fällen in kalten Schweiß aus. Vor allem dann, wenn er gar nicht damit rechnete. „Manchmal werde ich nervös, ja.“ Claudio begann zu erzählen: „Als ich klein war, habe ich auf dem Weg zum Flughafen oft total geschrien. Meine Mutter hat irgendwann angefangen, mir Schlafmittel ins Essen zu rühren. Sie erzählt bis heute, wie sehr sie sich dafür schämt. Aber es ist wahrscheinlich nicht leicht gewesen mit einem schreienden Kind. Ich mache ihr keine Vorwürfe! Die elf Stunden zwischen Rio und Frankfurt habe ich oft gar nicht mitbekommen. Durch das Schlafmittel wurde ich schon am Gate so müde, dass mich mein Vater ins Flugzeug tragen musste. Heutzutage bleibe ich lieber wach und sauge alles in mich auf.“ „Das merkt man ein bisschen“, sagte Ben, als der Airbus ruckend zum Halten kam. Es war der heikle Moment vor der Beschleunigung. Wenn man der ­Situation längst ausgeliefert war, obwohl man noch still am Boden stand. Claudio: „Bin ich dir zu gesprächig? Ich kann gern auch schweigen. Die Filmauswahl dieser Airline ist ganz gut!“ THE RED BULLETIN


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SNAP-FICTION

Ben fiel es schwer, sauer auf den Kleinen zu sein. Er selbst schaute ja auch ständig auf die Screens anderer und las heimlich mit. Dann heulten die Motoren auf. Claudio: „Alles okay?“ Ben brach in kalten Schweiß aus. Er schloss die Augen und atmete tief durch. Claudio griff nach seiner Hand und drückte sie.

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ls die Reiseflughöhe erreicht war, stand die Sonne längst tief über Brasilien und strahlte direkt durch die Fensterscheiben. Ben ging es jetzt besser. „Wie alt bist du eigentlich?“, fragte er Claudio, dessen Gesicht orange beleuchtet war. Claudio schien sich sehr über diese Frage zu freuen: „Was schätzt du denn?“ Bei Erwachsenen war es freundlich, seine Schätzung viel zu niedrig anzusetzen. Wenn Kinder und Jugendliche diese Frage stellten, war es wahrscheinlich richtig, sie älter einzustufen, als sie waren. Ben: „Du bist fünfzehn?“ Claudio: „Das sagst du nur, um mir zu schmeicheln!“ Ben: „Bist du zwölf?“ Claudio: „Dreizehn! Schon seit über vier Wochen. Du hast einen Teenager neben dir sitzen.“ Und nach einer Pause: „Was macht dein Liebesbrief?“ Ben hatte seit so langer Zeit nicht mehr mit einem Minderjährigen gesprochen, dass nicht ganz auszuschließen war, dass Teenager heute alle so eloquent und leicht übergriffig waren wie Claudio. Ben: „Ich glaube, ich schreibe den Brief erst fertig, wenn es dunkel ist. Das passt atmosphärisch besser.“ Claudio: „Gegen eine Schreibblockade hilft mir oft ein kurzes Gespräch mit BonnyUniversal.“ Unter keinen Umständen wollte Ben für seine E-Mail an Luna eine KI zu Rate ziehen. Es reichte, dass Kenny-Systems seine Filme schnitt und ihm fortwährend beim Brainstorming half. Ben: „Ich benutze Kenny-Systems. Aber nur für den Filmschnitt. Nicht zum Formulieren von Briefen. Meine Freundin würde es auch sofort bemerken, wenn Kenny mitschreiben würde …“ Claudio: „Du kannst doch Fehler einbauen! Und Filmschnitt kann Bonny auch. Sehr gut sogar.“ Ben: „Ich bin sehr zufrieden mit Kenny. Ich habe in Rio gerade an den Kenny-Movie-Awards teil­ genommen.“ Claudio: „So was gibt es?“ Für einen Moment hatte Ben den Verdacht, als wollte sich Claudio über ihn lustig machen. „Ja, das gibt es. Es war ein tolles Festival mit ziemlich coolen Kurzfilmen.“ Claudio: „Meine Mutter sagt immer, dass Bonny die am besten regulierte, aber zugleich leistungsstärkste KI ist. Es ist außerdem die erste europäische Universal-KI.“ THE RED BULLETIN

Ben: „Ich habe davon gehört. Einige Freunde von mir haben ihre Jobs verloren wegen BonnyUniversal. Die waren richtig sauer.“ Claudio: „Meine Mutter sagt, das ist nur ein Übergangsprozess. Der Übergang von der Leistungs- in die Sinnstiftungsgesellschaft.“ Ben hätte es komisch gefunden, sich den Begriff Sinnstiftungsgesellschaft von einem Dreizehnjährigen erklären zu lassen. Wahrscheinlich bedeutete er, dass in Zukunft immer weniger Leute für Geld arbeiten würden, sondern um anderen zu helfen oder um Spaß zu haben. Ben: „Was macht deine Mutter beruflich?“ Claudio lächelte. Nach kurzem Zögern sagte er: „Sie leitet die Bonny-Corporation, Germany.“ Wenn das stimmte, dann war dieser deutsch-­ brasilianische Junge, der neben Ben im Airbus saß, ein unglaublich wohlhabendes Kind. „Wenn deine Mutter eines der erfolgreichsten Unternehmen ­Europas leitet – warum sitzt du dann hier in der ­Economy-Class?“ Claudio: „Ich glaube, dass in der Business-Class niemand Liebesbriefe schreibt.“ Ben, der noch nie First- oder Business-Class ge­ flogen war, fand Claudios These ziemlich strittig, aber auch ziemlich schön. Claudio zwinkerte. „Außerdem überweisen mir meine Eltern nur einen bestimmten Betrag, mit dem ich selbständig wirtschaften muss. Ich bin eher sparsam. Und auch noch nicht so groß, dass ich schon viel Beinfreiheit bräuchte.“ Ben: „Willst du später auch mal ein Unternehmen leiten?“ Claudio: „Nein. Ich möchte mit gutem Beispiel ­vorangehen. Ich möchte Altenpfleger werden. Und nebenbei als Künstler arbeiten, so wie du.“ Ein Getränkewagen wurde vorbeigeschoben. Ben bestellte eine Cola, Claudio bestellte einen Tomatensaft mit Salz und Pfeffer. „Wenn du möchtest, kann ich dir mein Bonny­ Universal für die nächsten zwei Stunden ausleihen“, Claudio hielt Ben einen Kopfhörer hin, „ich schaue jetzt erst mal einen Film.“

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ährend sich Ben bei der ihm unbekannten KI mithilfe zahlloser kurzer Textnachrichten vorstellte, zunächst seine Lebenssituation und seine wieder sehr präsenten Gefühle für Luna schilderte, fühlte es sich ein wenig so an, als ginge er seinem ­eigentlichen Assistenzsystem Kenny gerade fremd. Zugleich hatte Ben den Eindruck, sich selbst im Gespräch mit BonnyUniversal von einer anderen Seite kennenzulernen. Er verstellte sich nicht und war doch ein neuer Ben. Als es längst Nacht geworden war und die meisten Passagiere schon schliefen oder auf die kleinen Screens in den Kopflehnen vor sich blickten, schlug BonnyUniversal nach ausführlichen Erörterungen folgende E-Mail vor: „Liebe Luna, ich habe in Rio de Janeiro viel nachgedacht. Die Wahrheit ist: Ich möchte dich unbedingt sehen.“ Ben gefiel der Text von Minute zu Minute besser.


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Klein bisschen weiser mit ... Caroline Wahl

About Caroline

Geboren 1995 in Mainz, heute in Kiel zu Hause, wurde Wahl mit ihrem Debütroman „22 Bahnen“ bekannt. Auf die Fortsetzung „Windstärke 17“ folgte diesen Sommer die Verfilmung von „22 Bahnen“ sowie ihr dritter Roman „Die Assistentin“ (Rowohlt, 24 Euro).

Tough und gleichzeitig zerbrechlich: Mit Büchern wie „22 Bahnen“ erobert die Autorin die Bestseller-Listen. Hier erklärt sie, was sie bisher vom Leben gelernt hat.

Das Schönste am Campen ist der Moment, wenn ich abends die Fenster auf Kipp stelle und spüre, wie der Wind durch den Wohnwagen weht.

Oft kommen die Sachen am besten an, die mir beim Schreiben selbst am meisten Freude bereitet haben.

Ob du Talent hast, erkennst du erst, wenn du damit nach außen gehst und Reaktionen bekommst. In jungen Jahren habe ich etwa zum Sechziger meines Vaters einen Text vorgetragen.

Bestes Mittel gegen Schnaken: die Anti-MückenCitronellakerze von Action.

Bücher sind Brücken, weil sie uns ­Lebenswelten außerhalb unserer kleinen Bubbles öffnen. THE RED BULLETIN

Wenn du siehst, jemand braucht Hilfe: Hilf. So entstehen immer schöne Momente. Letztens ist mein Ikea-Paket auf­ gerissen, und eine junge Frau hat es mit mir bis zur Haustür getragen.

FREDERIKE WETZELS

Ich will eine der bekanntesten Autorinnen Deutschlands werden. Klingt vielleicht unsympathisch, ist aber ehrlich.

Luxus sind für mich überflüssige Gegenstände, die aber auch leider geil sind. Ich habe jetzt zum Beispiel einen BMW in Babyblau.


FASTER WITH CONFIDENCE THE MANTHEY KIT FOR THE PORSCHE 911 GT3 RS (992)

FIND OUT MORE! Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km (WLTP): 13,2 l; CO2-Emissionen in g/km kombiniert (WLTP): 299; Stand 09/2025


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