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The Red Bulletin – National League – Eishockey-Special 2026/27

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SCHWEIZ / SONDERAUSGABE EISHOCKEY 2026/27 JETZT ABONNIEREN getredbulletin.ch

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

P O K R C D PU ON 20 S E N: S I Y L A A S N E A E L D E N, L-L E AGU F A N S , H D I E N AT I O N A

2 6/ 2 7


365 TAGE ACTION

1 Region — 4 Jahreszeiten voller Emotionen

Jetzt buchen

CHAMPÉRY CHAMPOUSSIN LES CROSETS MORGINS TROISTORRENTS VA L - D ’ IL L IE Z


EDITORIAL & CONTRIBUTORS

Arunas Kacinskas Der litauische Illustrator hat schon für die NBA, Google, Samsung oder die «New York Times» gearbeitet. Für uns gestaltete er 15 unterschiedliche Cover für ein und dasselbe Heft – selbst für ihn ein absolutes Novum.

Werner Jessner ist freier Journalist. Er hat Grössen wie Wayne Gretzky oder Wladislaw Tretjak interviewt. Dem Eishockey-Fan war es ein Vergnügen, dieses Magazin zu konzipieren, zu betreuen – und mehrere Geschichten selbst zu schreiben.

ARUNAS KACINSKAS (COVER)

Norman Konrad Von Berlin nach Pruntut im Kanton Jura: Hier war selbst der deutsche StarFotograf zuvor noch nie gewesen. Sein Job: die drei Vauclair-Brüder von HC Ajoie ins rechte Licht zu rücken. Das erstaunliche Ergebnis ab Seite 58.

H

3

ockey ist Härte, Konkurrenz, Freude und Schmerz. Doch ganz egal, was auf dem Eis passiert: Nach dem Abpfiff fährt man zum Shakehands. Denn auch das ist Eishockey: Fairness, gegenseitige Anerkennung, die Freude am gemeinsamen Spiel. Getreu diesem Spirit haben wir diese Sonderausgabe des The Red Bulletin, des Magazins von Red Bull, gemacht: für alle, die diesen Sport lieben, quer über alle vierzehn Teams der National League. Die Schweiz ist eine Superpower im Eishockey. Ein Vorbild für andere Nationen. Die Gründe für den Aufstieg aus dem Mittelmass analysiert Kolumnist Klaus Zaugg ab Seite 96. Bei dieser Erfolgsgeschichte spielen Menschen wie Chrige Nyfeler eine tragende Rolle. Wir porträtieren die Stadionstimme der SCL Tigers auf Seite 28. Oder Spieler wie die drei Vauclair-Brüder im Jura, zu lesen ab Seite 58. Was sie alle eint, ist die Liebe zum Sport. Hockey ist für alle da. Viel Freude mit dieser Ausgabe, die Redaktion THE RED BULLETIN


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INHALT Jubel! Wir feiern Eishockey-Helden auf und abseits des Eises. Im Bild: die SC RapperswilJona Lakers

Führungskraft

Patrick Geering 30 Wie der Kapitän der ZSC Lions seinen Job in der Kabine und auf dem Eis anlegt. Pictorial

Best of Hockey

38

Diese Menschen prägen die National League. Plus: die schönsten Bilder der Vorsaison. Goalie-Talk

Calling Elvis

Von Lugano in die NHL: Elvis Merzlikins ist selbst unter Goalies ein ziemlich bunter Vogel.

Gallery Zahlen, bitte! Kunst-Objekt Statistik Zahnschmelz Formel Doppelpass

Underdogs

Ziemlich beste Brüder Local Heroes

Eros Wagner 24 Edel-Fan

Aurélien Omer 26 Materialwart

Chrige Nyfeler 28 Stadionsprecherin

84 Rätsel 86 Eismaschine 87 Durststrecke 88 Kulinarik 94 Off-Season 96 Kolumne 98 Playlist

THE RED BULLETIN

58

Geoffrey, Julien und Tristan Vauclair leben für den HC Ajoie. Wir haben sie besucht. Vor Ort

One Night in Davos

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Zu Besuch in der wohl schönsten Halle der National League – wenn nicht Europas. Lagebericht

Helden von morgen Wer sind die Spieler, die den Schweizer Eishockey-Boom weitertragen? Eine Spurensuche.

72 APA-IMAGES

38 6 12 14 16 19 20 22

50


COVER

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Cover-Helden

Eines für alle – und alle auf eins Vierzehn Clubs spielen in der ­National League, und jeder einzelne davon hat es verdient, auf dem Cover des The Red Bulletin zu sein. Das war unsere Überlegung. Warum es sogar 15 unterschiedliche Titel wurden? Auf einem sind alle 14 Spieler versammelt. 7

1. GENÈVE-­ SERVETTE HC Noah Rod 2. FRIBOURGGOTTÉRON Christoph Bertschy

ARUNAS KACINSKAS

3. LAUSANNE HC Damien Riat

8

10

7. EHC BIEL Gaëtan Haas

10. SCL TIGERS Samuel Erni

8. HC LUGANO Luca Fazzini

11. ZSC LIONS Patrick Geering

9. HC DAVOS Enzo Corvi

4

11

12. EHC KLOTEN Dario Meyer

9

12

1

5

13

2

6

14

4. A JOIE HC Anttoni Honka

13. EV ZUG Lino ­Martschini

5. SC RAPPERSWIL-­ JONA LAKERS Tyler Moy

14. HC AMBRÌPIOTTA Inti Pestoni

6. SC BERN Tristan ­Scherwey

15. NATIONAL LEAGUE Die Variante für alle

3

15

THE RED BULLETIN


6

Davos, zondacrypto-Arena

Hät sich uszahlt Wenn Handschuhe und Helme weggeworfen sind, wenn alle Spieler und Betreuer das Eis gestürmt haben, wenn sich zwei Dutzend Männer in den Armen liegen, jubelnd, brüllend, oft weinend vor Glück, wenn der Pokal übergeben wird und die Bierdusche beginnt, weisst du: Es hat sich gelohnt. Alles hat sich gelohnt. Jede Minute im Fitnesscenter, jeder Kilometer im Teambus, jeder Check, jeder blaue Fleck, jedes einzelne Match. Unüberbietbar wird es, wenn es der erste Meistertitel in der Clubgeschichte war. Glückwunsch zur Saison 2025/26, Fribourg-Gottéron! THE RED BULLETIN


7

APA-IMAGES

WERNER JESSNER

GALLERY

THE RED BULLETIN


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THE RED BULLETIN


GALLERY

9

Zug, OYM hall

Haut eim um

APA-IMAGES

WERNER JESSNER

Letzte Saison war kein Honigschlecken für zwei Giganten der National League. Während es der EV Zug immerhin bis ins Viertelfinale schaffte (und dort gegen den HC Davos in fünf Spielen ausschied), lief beim grossen SC Bern gar nichts zusammen. Die Mutzen beendeten die Regular Season einen Platz hinter den Zugern und scheiterten im Play-in an den Rapperswil Jona Lakers. Für beide Clubs gilt dasselbe wie hier für Victor Ejdsell nach dem Check von Zugs David Sklenička: aufstehen, abschütteln, weitermachen.

THE RED BULLETIN


10

GALLERY

Zürich, Swiss Life Arena

Chunnt no ­dicker

Es gibt nichts Schöneres als ein EishockeyMatch. Und dann gibt es Matches, die sind noch ein bisschen schöner. Spannender. Emotionaler. Umkämpfter. Die National League hat eine ganze Reihe davon: das Léman-Derby, das Tessiner Derby, das Zähringer Derby, das kleine und das grosse Berner Derby – und natürlich das Zürcher Derby zwischen den ZSC Lions und dem EHC Kloten, hier im Bild mit Zett-Goalie Simon Hrubec bei der Arbeit. Besonders schön ist es, wenn ein Derby in die Overtime geht. Die heisst ab dieser Saison übrigens Red Bull Overtime.

THE RED BULLETIN


APA-IMAGES

WERNER JESSNER

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THE RED BULLETIN


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ZAHLEN, BITTE!

64 000 000

Boom! 2025/26 war eine der erfolgreichsten Saisonen in der Geschichte der National League: hier neun bemerkenswerte Fakten

Kontakte erreichte die National League letzte Saison über Social Media – ein Plus von 50 Prozent im Vergleich zum Jahr davor.

50

66

Jahre ist es her, dass der erste Schweizer von der NHL gedraftet wurde: Jacques ­Soguel im Jahr 1976 (als Nr. 121 von den St. Louis Blues. Allerdings ging er nie nach Missouri, sondern blieb gemeinsam mit seinen Brüdern Claude und Sergio beim heimatlichen HC Davos – als Kapitän.

beträgt die Anzahl der Spieler mit Schweizer Lizenz in Prozent. Bei den Legionären führt Finnland (9,2 %) vor Schweden (8,7 %), Kanada (5,8 %) und Tschechien (2,4 %).

39

Kilo beträgt der Gewichtsunterschied zwischen dem leichtesten Spieler (Lino Martschini, EVZ, 66 Kilo) und dem schwersten (Dave Sutter, Genève-Servette, 105 Kilo). Und doch sind beide Leistungsträger ihres Clubs, was beweist: Hockey ist für alle da!

3 080 043 15 000 000

beträgt die Anzahl an Zuschauern auf den diversen Streaming-Plattformen – ein Plus von satten 34 Prozent oder vier Millionen gegenüber der vergangenen Saison. Allein die Belle zwischen Fribourg-Gottéron und Davos verfolgten über eine halbe Million Menschen live.

Zuschauer im vergangenen Jahr: Im Schnitt war mehr als jeder dritte Schweizer (!) live in einer Eishalle bei einem National-League-Match. Die durchschnittliche Stadionauslastung lag bei mehr als 90 Prozent.

Mehr Infos: nationalleague.ch

WERNER JESSNER

Schweizer wurden von der NHL gedraftet. Herausragend das Jahr 2015, als mit Timo Meier, Jonas Siegenthaler, Denis Malgin, Joren van Pottelberghe und Tyler Moy gleich fünf Hochkaräter gezogen wurden.

APA-IMAGES, KEYSTONE, GETTY IMAGES

Fans stürmten letzte Saison in die PostFinance Arena. Der SC Bern blieb damit trotz eines sportlich schwierigen Jahres wie gewohnt Publikumsmagnet.

TIM MARRS

82

433 328

THE RED BULLETIN

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Länder haben sich mit ihren Partnern die Streaming-Rechte der National League gesichert: Estland, Lettland, Litauen, die Tschechische Republik, die Slowakei, Ungarn, Finnland, Schweden, Ukraine, ­Russland und Österreich.


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SHOW STOPPER Wie Generationen vor ihm: Leonardo Genoni ist der letzte Goalie der Liga, der mit einem Schläger aus Holz spielt – hier erklärt er, warum. Text Werner Jessner Foto Valentin Studerus

LEANDER BAUMBERGER/EVZ, EVZ; APA-IMAGES

WERNER JESSNER

Marke: Brian’s Modell: Zero G Anzahl: 2025/26 zwei Stück Trainingsstöcke: letzte Saison sieben, früher bis zu dreissig

THE RED BULLETIN


KUNST-OBJEKT

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Das Teil «Ich spiele mit einem Brians Zero G aus Holz. Er ist schwe­ rer als Carbonstöcke, auch weil ich eine komplette Rolle Tape anbringe, um ihn gut halten zu können. Die Fabrik, aus der der Stock kam, gibt es seit vier Jahren nicht mehr, ich kann also keine neuen Stöcke mehr beziehen. Eine letzte Produktionsstätte in Europa stellt noch Holz­ stöcke her. Dort beziehe ich meine Trainingsschläger. Ich habe sieben neue Brians auf Lager. Die verteidige ich wie einen Goldschatz.»

LEONARDO GENONI, 39, ist Traditionalist, wenn es um seine Ausrüstung geht.

MEHR GEFÜHL Genoni ist mit Holzstöcken aufgewachsen. Der Flex von Carbonschlägern bringe ihm keinen Vorteil, sagt der EVZ-Goalie.

THE RED BULLETIN


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GENAUER, BITTE! Keine Grauzonen: die letzte Spielzeit der National League in Zahlen & Superlativen – und ein paar ziemlich erstaunliche Vergleiche zum Staunen und (Be)wundern.

Das Datenanalyse-Unternehmen 49ing, gegründet vom langjährigen ProfiVerteidiger Andreas Hänni, 47, und seinem Bruder Michael, einem Software-Ingenieur, erhebt, trackt und setzt alle Spiele der National League in Kontext. Ihr Tool wird von ­Vereinen und Ligen weltweit eingesetzt und gilt als eines der fortschrittlichsten, genausten und ist einfach zu ver­ wenden. Nicht von ungefähr gelten die Daten der National League als die m ­ itunter verlässlichsten. Warum Hänni 49ing (der Firmenname verweist auf seine Rückennummer) gegründet hat? «Aus Liebe zum Sport.» Mehr Infos: 49ing.ai

GEBLOCKTE SCHÜSSE

2,65

HC Davos

3,15

3,12

HC Fribourg-Gottéron SA

3,10

2,81

2,94

2,61

Lausanne HC

2,85

2,63

HC Lugano

2,85

2,81

SC Rapperswil-Jona Lakers

2,79

2,61

ZSC Lions

1,96

Von Feldspielern abgewehrte Torchancen

AJO

17,71

ZSC

16,00

EVZ

15,51

LHC

15,49

HCAP

15,31

SCRJ

15,22

SCL

15,13

FRI

14,67

EHCK

13,80

HCL

13,80

SCB

13,59

GSHC

13,57

HCD

12,98

EHCB

12,13

THE RED BULLETIN

3,62

Genève-Servette HC

HC Ajoie

1,95

2,17

2,70

SC Bern

2,25

2,37

EHC Kloten

2,38

2,16

EV Zug

2,67

2,70

SCL Tigers

2,62

2,70

EHC Biel-Bienne

2,42

2,72

HC Ambrì-Piotta

SO LIEST DU DIE GRAFIK Links (in Rot) stehen die durchschnittlich tatsächlich erzielten Tore pro Spiel. Rechts (in Blau) befinden sich die durchschnittlich abgegebenen Schüsse pro Spiel. In der Mitte (in Gelb): das hochgerechnete Offensiv-Potenzial auf Basis standardisierter xGF60-Werte («Expected Goals For Per 60 Minutes»). Nulllinie ganz links. Schüsse aufs Tor Offensiv-Potenzial (Trex) Tore

ADOBE STOCK, 49ING

Meister der Zahlen


STATISTIK

17

DIE FLEISSIGSTEN SPIELER Eiszeit pro Spiel (in Minuten)

STÜRMER

28,77 28,56

30,35

30,10

30,00

30,12

29,96

22,81

1

Fabio Hofer

EHCB

19,61

2

Waltteri Merelä

SCB

19,50

3

Tyler Moy

SCRJ

19,20

4

Austin Czarnik

LHC

18,95

5

Jesper Frödén

ZSC

18,49

6

Robert Leino

EHCK

18,45

7

Jesse Puljujärvi

GSHC

18,42

8

Sandro Schmid

FRI

18,35

9

Zach Sanford

HCL

18,22

10

Chris DiDomenico

HCAP

18,09

11

Dominik Kubalík

EVZ

18,06

12

Jeremy Wick

AJO

17,44

13

Dario Rohrbach

SCL

17,22

14

Simon Ryfors

HCD

16,35

VERTEIDIGER

30,25

27,06

25,23

29,37

30,00

27,60

1

Tim Heed

HCAP

24,02

2

Jesse Virtanen

HCAP

23,96

3

Anttoni Honka

AJO

23,23

4

Jacob Larsson

SCRJ

22,84

5

Erik Brännström

LHC

22,53

6

Mikko Lehtonen

ZSC

22,35

7

David Sklenička

EVZ

22,24

8

Linus Hultström

EHCB

21,87

DIE GRÖSSTEN ÜBERRASCHUNGEN

9

Sami Niku

LHC

21,76

10

Max Lindroth

EHCK

21,56

HC Davos: Platz 9 bei Schüssen, aber Platz 1 bei Toren. Die effizienteste Offensive.

11

Michael Kapla

FRI

20,74

Fribourg-Gottéron: Liga-höchstes OffensivPotenzial, aber «nur» Platz 2 bei den Toren.

12

Tobias Geisser

EVZ

20,60

SC Bern: Platz 2 bei den Schüssen, aber nur Platz 13 (!) bei erzielten Toren.

13

Vili Saarijärvi

GSHC

20,37

14

Phil Baltisberger

SCL

20,34 THE RED BULLETIN


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STATISTIK

BRENNPUNKT TORRAUM Woher kommen die Tore? Die heat map zeigt, dass die entscheidenden Puck-Berührungen direkt vor dem Goalie passieren. Die Gefahrenzone beginnt im house zwischen den Bullykreisen. Erfolgreiche Slapshots von der blauen Linie sind Ausnahmen. Ganz hinten: Empty-Net-Goals

2005

Erzielte Tore insgesamt

Meiste Shifts

273,4

Stürmer von HC Lugano

Höchste gesamte Pass-Distanz in einem Spiel

3218 m FRI, Heimspiel

Statistisch ­ erfolgreichste ­Torschüsse:

44,17 % Handgelenksschuss von ­Lausanne daheim Längste Zeit im Puckbesitz (in Minuten)

10,19 ZSC zu Hause

Längste Zeit in Unterzahl (in Minuten)

282,81 ADOBE STOCK

GSHC

THE RED BULLETIN


1Zu5g

ZAHNSCHMELZ

3Lug0ano

Biel

ì r b m SCL Tigers A

e v è n Ge ervette S

e i o j A Klot en g r u o Frib

14

9

19

Bern

Nicht täuschen lassen: Auf dem Eis hat Derek Grant von den ZSC Lions vollen Biss!

ZSC Lions

os v a D

15

Lausan ne REINBEISSEN!

ADOBE STOCK, APA IMAGES

WERNER JESSNER

Eishockey hinterlässt Spuren – manchmal direkt sichtbar im Gesicht. Doch welche Mannschaft der National League hat die meisten Zahnlücken? Wir haben es herausgefunden. Rundruf in der National League zwischen Teamärzten, Betreuern und Managern: Wie halten es eure Männer mit dem Zahn-­ Zustand? Nicht jeder trägt seine Lücke(n) so offensiv und seit über einem Jahrzehnt unverdrossen zur Schau wie Derek Grant von den ZSC Lions, dass sie sogar zu seinem Markenzeichen wurden: Zahnärzte sind im Eishockey gut gebucht und beseitigen Schäden, die von abgelenkten Pucks, irregeleiteten Schlägern oder sonstigen Hindernissen hervorgerufen wurden. Der Berner Tristan Scherwey verlor durch einen gegnerischen Schlittschuh 2018

gleich drei Zähne – von denen er einen in einer berühmt gewordenen Szene noch auf der Spielerbank eigenhändig per extra angeforderter Zange extrahierte. Henrik Borg­ ström vom neuen Meister Fribourg-Gottéron reiste bereits 2025 ohne Einser von HV71 in die Schweiz. Und bei vielen Cracks wie dem Davoser Yannick Frehner symbolisiert die Zahnlücke ihren Spielstil: Sie lassen alles auf dem Eis, heisst es in Übersee von Spielern, die sich voll reinhauen und alles fürs Team opfern – selbst wenn es die eigenen Zähne sind. Zeit für den Zahnarzt ist dann nach der Karriere.

THE RED BULLETIN


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Mit welcher Wucht trifft ein Slapshot den Goalie?

Die Reaktionszeit t=

Distanz s Geschwindigkeit v

Physik regiert die Welt: Kaum zu glauben, welche Gewichtskraft auf einen Tormann wirkt, selbst wenn er alles richtig macht. (Wenn nicht, dann wird’s so richtig brutal.)

Der Puck

APA-IMAGES

WERNER JESSNER

170 g schwer, 2,54 cm dick und 7,62 cm im Durch­messer

THE RED BULLETIN


FORMEL

21 Folgendes Szenario

Powerplay, ein Verteidiger hat freie Sicht und zieht bei einem Slapshot vom Bully­ kreis voll durch. Der Abstand zum Tor ­beträgt dabei neun Meter, der Puck er­ reicht eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h (in der NHL wurden auch schon mal 175 km/h gemessen). Gehen wir also davon aus, dass unser Goalie den 170 Gramm schweren Puck präzise mit seinem Handschuh fängt. Dafür nehmen wir einen Bremsweg von 30 Zentimetern an, der sich einerseits aus der Polsterung des Handschuhs selbst und andererseits aus der natürlichen ­Flexibilität im Fangarm zusammensetzt. Um die Bremskraft zu berechnen, müssen wir zuerst die kinetische Energie bestim­ men, und zwar nach folgender Formel: Ekin = –¹₂ · m · v². In unserem Fall (aus km/h werden m/s, indem man sie durch 3,6 ­dividiert): Ekin = –₂¹ · 0,17 kg · (41,67 m/s)², ­daraus ergibt sich eine kinetische Energie von 147,57 Joule.

Bremsweg entscheidet

Der Goalie

Davide Fadani vom EHC Kloten stoppt den Puck. 2026/27 teilt er sich das Netz mit Reto Berra.

Die Bremsarbeit, die nun nötig ist, um die­ se kinetische Energie auszugleichen, ist abhängig vom Bremsweg. Also divi­dieren wir unsere 147,57 Joule durch 0,3 Meter, was eine Bremskraft (FB) von erstaun­ lichen 491,9 Newton ergibt. Um­gerechnet auf Gewichtskraft, bedeutet das, dass 50,1 Kilo auf den Handschuh wirken. Das ist das Idealszenario. Doch wie viel Reaktionszeit (t) bleibt dem Goalie eigentlich, um in Position zu kommen? Wir bleiben beim selben Rechenbeispiel, dem 150 km/h, also 41,67 m/s schnellen (v) Slapshot aus neun Metern (s). Da t gleich s dividiert durch v ist, berechnet sich eine Reaktionszeit von 22 Hundertstel­ sekunden. Daran sollten wir bei Gelegen­ heit denken, wenn wir von «easy saves» sprechen, weil der Tormann ja ohnehin freie Sicht auf den Puck hatte.

Auf die Maske

Je geringer der Bremsweg, desto höher die Bremskraft. Nehmen wir also an, der Goalie hat die 22 Hundertstel­ sekunden verschlafen und fängt den Puck nicht sauber mit dem Catcher, sondern bekommt ihn voll auf die Maske. Dafür setzen wir einen Bremsweg von nur 10 Zentimetern ein. Wenig überraschend verdreifacht sich der Wert, und der nur 170 Gramm schwere Puck wirkt mit sat­ ten 150 Kilo ein – und zwar mitten auf die Birne. Hegt jetzt noch irgendjemand Zweifel daran, wer die härtesten Hunde in unserem Lieblingssport sind? ehc-kloten.ch THE RED BULLETIN


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DOPPELPASS

10 Fragen an: Die Rochettes Familienrat mit Théo und Stéphane: Ersterer war Profi des LHC, Letzterer war Trainer, Schiedsrichter und ist a ­ ktuell StarKommentator im TV. Wie unterschiedlich sehen Vater und Sohn die Hockey-Welt? Text David Pietronigro

2 Warum liebst du deinen Job? théo: Ich lebe meine Leidenschaft und bin mit dem Wunsch aufgewachsen, Profispieler zu werden. Dafür habe ich hart gearbeitet. Ich könnte mir nicht vorstellen, etwas anderes zu tun. Ich mache das, was ich liebe. stéphane: Ich werde dafür bezahlt, Eis­ hockeyspiele anzuschauen und zu analysieren. Was will man mehr! Es kommt mir gar nicht wie Arbeit vor.

the red bulletin: Ist es seltsam für euch, im selben Umfeld zu arbeiten? théo: Heute macht es mir nichts aus, doch zu Beginn war ich schon gespannt, wie das laufen würde, welches Feedback ich von ihm ­bekommen würde. Aber als ich selbst in der National League auf dem Eis stand, konnte ich sei­ ne Sendungen ja nicht verfolgen. stéphane: Für mich ist das kom­ plizierter: Ich muss die richtige Balance finden und emotionale Distanz halten, vor allem wenn er ein tolles Spiel macht oder gefoult wird. Never too high, never too low. Die Leute wissen, dass ich Théos Vater bin. THE RED BULLETIN

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Was daran liebst du nicht? théo: Die Entbehrungen. Seit meiner Kind­ heit trainiere ich jeden Tag, habe Wochen­ enden und Ausflüge mit Freunden geopfert, um Eishockey zu spielen. Ich muss Leistung bringen, auch auf die Gefahr hin, dass ich lese oder höre, wie die Leute sagen: «Rochette war heute Abend schlecht.» stéphane: Als öffentliche Persönlichkeit muss man lernen, mit Kritik umzugehen. Aber mich trifft das überhaupt nicht mehr. Wer Eishockey-Schiedsrichter war, ist immun gegen Kritik. (Lacht.)

4 Welche Zutaten braucht ein gutes Spiel? théo: Geschwindigkeit, Intensität und Fehler. Die sorgen für Emotionen bei den Fans und helfen uns Spielern, einen Gang höher zu schalten. stéphane: Emotionen und Spannung. Ein Spiel 7 in der Finalserie ist etwas, das jeder einmal im Leben bestreiten oder zu­ mindest sehen möchte, egal von welchem Platz in der Halle.

5

Was zeichnet die National League aus? théo: Der Unterschied zwischen den Teams ist nicht gross, dementsprechend umkämpft ist die Liga. Auch die Begeiste­ rung fürs Eishockey wächst stetig – auch und gerade in Lausanne. stéphane: Die Leidenschaft der ­Menschen für den Sport. Die Schweizer Fans sind eine Klasse für sich. Sie lieben ihren Verein und folgen ihm. Man muss es gesehen haben, um es zu glauben. Das ­sagen übrigens auch viele Ausländer, die aus Nordamerika kommen. Vom Lärm, den die Fans auf den Tribünen machen, sind viele anfangs regelrecht geschockt.

6

Was würdet ihr ändern? théo: Den Spielplan. Manchmal spielen wir vier Mal pro Woche, danach haben wir fast eine Woche lang Pause. Mehr Rhythmus wäre gut. stéphane: Die Schiedsrichter! Es sind immer die Schiedsrichter schuld! (Lacht.)


23

7 Apropos: Woran erkennt man einen guten Schiedsrichter? théo: Dass er offen für Kommunikation ist, Entscheidungen erklärt und Fehler zugibt. Jeder ist nur ein Mensch. stéphane: Er braucht Gespür und Game Management. Unser ehe­maliger Schiedsrichter-Chef Reto Bertolotti hat Emotionen dadurch be­ruhigt, dass er zugegeben hat, dass manche seiner Kollegen das Zeug für die erste Linie hatten, ­andere aber in den vierten Block ­gehörten. Das stimmt heute noch.

8

Welche Regel würdet ihr ändern? théo: Die Bullys, und zwar so wie in Amerika: Sobald der Puck das Eis berührt, darfst du machen, was du willst, also zum Beispiel mit dem Schlittschuh spielen oder den Gegner blockieren. stéphane: Zustimmung.

9

Wie sieht der perfekte Spieler aus? theo: Hände, Speed und Körper. Ein guter Schuss ist bloss ein ­Bonus. Wenn du das Spiel gut ­lesen kannst und richtig stehst oder Passwege findest, ist der ­Abschluss ein Kinderspiel. stéphane: Es heisst, du brauchst zwei bis drei herausragende Fähigkeiten, um ein guter Spieler zu werden. Wer alle vier – Talent, Speed, goldene Hände und die Physis für hartes Spiel – mitbringt, ist der nächste Connor McDavid.

Théo Rochette, 24 Jahre alt, wechselt vom Lausanne Hockey Club zu den Detroit Red Wings in die NHL. Nachdem er 2023 mit den Remparts de Québec den Memorial Cup gewonnen hatte, kehrte er für drei Saisonen in die Schweiz zurück. Er war Leistungsund Sympathieträger des LHC, ausserdem Torschützenkönig des Vereins und spielt in der Schweizer Nationalmannschaft. Stéphane Rochette, 58 Jahre alt, kam 1991 aus Kanada in die Schweiz. Bekannt wurde er durch seine Tätigkeit als Schiedsrichter (1997 bis 2014). Auf über 1000 gepfiffene Spiele erfolgte eine berufliche Neuorientierung im Fernsehen: ­Heute ist er Star-Experte des Senders MySports.

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Was hältst du von der Karriere deines Gegenübers? théo: Als Kind habe ich gehört, wie er als Schiedsrichter beschimpft wurde. Das war nicht schön. Aber im Inneren wusste ich, dass er ein guter Schiedsrichter war, jemand mit Liebe zu diesem Sport. Dass er mir diese Liebe vermitteln konnte: dafür bin ich dankbar. stéphane: Ich bin stolz. Théo hatte immer Talent, aber zusätzlich hat er schon als Teenager alles in die Waagschale geworfen und Opfer gebracht. Während ich dazu neige, Dinge zu viel zu bedenken, lebt er von Tag zu Tag. Dieses kurze Gedächtnis und die mentale Stärke wird ihm im Verlauf seiner Karriere noch helfen. THE RED BULLETIN


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LOCAL HEROES

Eros Wagner ist eine Legende unter den Fans von ­Ambrì-Piotta, mehr noch: Er verkörpert mit Charme und unvergesslichen Anekdoten die Historie des ewigen Dorf-Clubs – mit all seinen Höhen und Tiefen. Text Werner Jessner Foto Gabriele Seghizzi

Als Eros Wagner, Jahrgang 1948, im Jahr 1967 den damals noch beschwerlichen Weg von seinem Heimatort Giubiasco nach Ambrì auf sich nahm, um sein erstes Match der Bianco-Blù zu sehen, ahnte er nicht, dass daraus eine lebenslange Bindung entstehen würde. Sofort war er ­gefesselt vom Open-Air-Feeling der Pista la ­Valascia: Torhüter ohne Masken, Spieler ohne Helme, Holzstöcke, eisiger Wind: Was für ein Sport! Die Saison in der damaligen Nationalliga B war kurz, gespielt wurde ausschliesslich an Sonntagen. Wann immer es schneite – und es schneite oft in diesen Jahren –, benötigte es junge, kräftige Männer, die den Rink mit hölzernen Schilden und Schaufeln vom Schnee befreiten. Man arbeitete zusammen. Dieser Geist imponierte Eros, und er meldete sich freiwillig. Ehe er es sich versah, war er Teil des «Dorfclubs» – ein Titel, den ­A mbrì stolz trägt.

Ein entscheidender Wendepunkt

In den kommenden Jahrzehnten übernahm er alle möglichen Aufgaben. In manchen Jahren war er für die Spieler­ kabinen zuständig, bemalte die hölzernen Banden, bewässerte die Eisfläche mit Schläuchen oder schraubte die Sitze in der neuen Arena an. Heute sorgt er dafür, dass sich Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen in der Halle wohlfühlen und zurechtfinden. Eishockey begann sein Leben zu formen: Er lernte seine Frau in der Halle kennen, sie arbeitete zehn Jahre lang im Ticketverkauf. Auch Enkelin Melodie ist grosser Ambrì-Fan.

THE RED BULLETIN

On point

Kommt aus Giubiasco im Tessin, das heute zu Bellinzona gehört; Alter 78; sah die Heimspiele in der Pista la Valescia bis 1979 ohne Dach; sportliches Highlight war neben dem Beinahe-Gewinn der Meisterschaft der Spengler-Cup-Sieg 2022

Eros’ Vita ist gespickt von Episoden aus einem Leben als Hockey-Liebender. Nur drei Matches hat er in all den Jahren verpasst, erzählt er, und zwar gegen Bern, Zug und Lugano. Doch nichts ist passiert: Ambrì hat alle drei in seiner Abwesenheit gewonnen, vielleicht für ihn, wer weiss. Apropos Erzgegner Lugano: Einmal, noch im alten Stadion, wollten die Auswärtsfans nicht nach Hause, da schnappte Eros auf die Idee eines Kollegen hin einen Schlauch und duschte die Fans. Das zeitigte Erfolg. Oder die ersten Versuche mit moderner Eisbereitung: Statt 2,5 Zentimeter war die Eisschicht über sechs Zentimeter dick, doch auch das bekam man in den Griff. Eine weitere Anekdote, die aus dem 78-Jährigen sprudelt, ist jene über das erste Spiel in der renovierten, nunmehr überdachten Arena: Gegner Zug hatte keine farblich passenden Trikots, also mussten die Gäste kurzerhand in ­roten Ambrì-Dressen mit der Aufschrift «OK Gruppo Ambrì Piotta» auflaufen. Eros kann Dutzende solcher Geschichten erzählen. Wenn sich Höhen als Tiefen herausstellten (etwa das verlorene Finale gegen Lugano 1999 mit einer darauf ­folgenden existenziellen Krise), war er

­ enauso dabei wie beim regelmässigen g Kampf gegen den Abstieg. Besonders emotional: «Das Tor von Joey Isabella 2011 gegen Visp, das den Klassenerhalt bedeutete und sicherstellte, dass wir seit 1985 konstant in der höchsten Klasse spielen dürfen: Wenn ich daran denke, rinnen heute noch die Tränen.»

Ein historischer Zeuge

Im Lauf der Jahrzehnte entwickelten sich immer wieder Freundschaften mit Spielern – auch, weil er lange gemeinsam mit der Mannschaft im Zug zu Auswärtsspielen reiste. Ein Name für viele: Acht­ ziger-Legende Dale McCourt stand ihm besonders nahe, aber diese Liste liesse sich beliebig verlängern, wenn er in Erinnerungen kramt. Auch von den aktuellen Spielern gibt es viele, die schon bei Eros zu Hause auf ein Fondue vorbeigekommen sind, etwa Luca Cereda, Paolo Duca oder Luca Viganò, genauso wie die Legionäre Jesse Virtanen und Janne Juvonen. Was in Eros’ privater «grotto» um zwei Uhr am Nachmittag beginnt, kann durchaus nach 22 Uhr enden, sagt man. Als Eros Ende der 1990er-Jahre eine Hüftoperation benötigte, besuchte ihn Ambrìs russischer Topskorer Oleg Petrov im Krankenhaus. In seinen Händen: eine Metallstange. «Er hatte von meinen schlechten Eisenwerten gehört und forderte mich auf, zur Genesung daran zu ­lecken», kichert Eros Wagner heute bei der Erinnerung. Der bisweilen rustikale Humor unter den Cracks kam auch beim Edel-Fan gut an, dessen persönliche Ziele seit Jahren lauten: «Bis 80 Jahre in der Halle sein und 1000 Spiele meines Vereins live sehen.» Die exzellente Stimmung bei unserem Fotoshooting lässt darauf hoffen, dass Ambrìs bekanntester Fan das locker schaffen wird. Bloss den ersehnten Titel konnte Wagner (bislang) nicht feiern, doch er sieht das realistisch: «Wir sind ein kleiner Club. Bei grossen Ver­einen deckt der Präsident Verluste. Wenn bei Ambrì Geld fehlt wie in den Schicksalsjahren 1999 oder 2011, sammeln wir, und jeder gibt, so viel er kann. Das können zehn Franken sein, zwanzig oder fünfzig. Das ist der Geist von Ambrì.» Instagram: @hcap_official


«Wir sind ein kleiner Club. Jeder gibt, so viel er kann.» Fans, die für Ambrì durch dick und dünn gehen: Das macht es für Eros aus.

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LOCAL HEROES

wurde mit 13 Zeugwart. Seit 25 Jahren ist er der gute Geist in der Kabine des Hockey Clubs Genève-Servette. ­Karriere-Öffner für «Jimmy» war einst ausgerechnet eine versperrte Tür. Text Karin Wenger Foto Cyril Zingaro

«Cé qu’è lainô, le Maitre dé bataille, Que se moqué et se ri dé canaille, A bin fai vi, pè on desande nai, Qu’il étivé patron dé Genevuoai.» («Er dort oben, der Herr der Schlachten, der spottet und lacht über die Schurken, gab zu erkennen in einer Samstagnacht, dass er der Schutzherr der Genfer ist.») Seit über zwanzig Jahren singt Aurélien Omer die Hymne im alten Genfer Dialekt mit, in der Eishalle vor jedem Heimspiel. «Ein bisschen wie die Marseillaise», sagt Omer. «Man kennt nur die Strophe, die man singt.» Er kennt die ersten zwei. Kaum jemand in der Eishalle Les Vernets weiss, wer Aurélien ist. Alle nennen ihn nur Jimmy. Und Jimmy kennt jeder. Seit 2002 ist er Materialchef des Hockey Clubs Genève-Servette. Ohne ihn könnte die Mannschaft nicht aufs Eis: Er kümmert sich um die Schlittschuhe, ums Kufenschleifen, um Handschuhe, Schläger, ­Visiere, Kaugummi, Haargel. So wie der Adler, der bei den Heimspielen den Puck in den Anspielkreis bringt, gehört auch Jimmy Omer zur DNA des Clubs.

Berufung

Angefangen hat alles in Reims, Frankreich, wo er zur Schule ging. Seine Mutter setzte ihn beim Schwimmbad ab, wie jede Woche. Aurélien war dreizehn. Er stand vor der Tür und las: «Wegen Reinigung geschlossen.» Seine Mutter war schon weggefahren. Um sich nicht zu langweilen, ging er in die Eishalle gleich nebenan. Der Materialchef des HC Reims sah ihn und fragte, ob er ihm helfen könne. Als Aurélien einige Wochen später nochmals

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On point

Kommt aus Reims (FRA); Alter 47; hat selbst nie Eishockey gespielt; Stärke ausgeprägter Geruchssinn – erkennt das Equipment von Genf-Servette am Odeur; Geheimnis hat noch nie ein Eishockey-Match von der Tribüne aus verfolgt

in der Eishalle vorbeischaute, habe der Materialchef gesagt: «Wo hast du gesteckt? Ich habe dich überall gesucht!» Aurélien half mit, und mit vierzehn war er schon allein verantwortlich für die Mannschaft. Am Tag ging er zur Schule, am Abend in die Halle. Auf den Fahrten zu den Auswärtsspielen büffelten die Spieler unregelmässige englische Verben mit ihm, bis er sie alle auswendig konnte. Später betreute er sogar die französische Nationalmannschaft, in der auch ­Philippe Bozon, der Captain von GenèveServette, spielte. Dieser bot ihm einen Job an, und so kam Omer 2002 nach Genf. Das war gutes ­Timing, das erste Jahr des Clubs nach dem Aufstieg in die höchste Liga. Damals war der Sport noch ein anderer. Nur wenige Schläger aus Carbon, kaum ein Spieler trug ein Visier, die Schlittschuhe waren noch nicht massgeschneidert. Inzwischen reist Jimmy jedes Jahr in die USA, um neues Material zu testen, das die Firmen dort vorstellen. Er gibt sein Wissen dann an seine Spieler weiter. «Sie machen nicht immer, was wir möchten, aber ich versuche, sie so zu beraten, dass sie am besten geschützt sind.» Ein erfolgreicher Tag bedeutet für Omer: nichts vergessen, niemand verletzt – und niemand hat ihn bemerkt. «Das ist schon ein Sieg».

Blindtest

Einmal haben ihm seine Spieler die Augen verbunden und ihm ihre Schlittschuhe in die Hand gedrückt. Er erkannte jeden einzelnen, an der Form, am Schliff. Er selbst hat nie Eishockey gespielt, und als er zum ersten Mal einen Match schaute, arbeitete er schon für den Club in Frankreich. Nun steht er manchmal nicht als Verantwort­ licher auf der Tribüne, sondern als Vater: Einer seiner Söhne spielt Eishockey. Mit ihm erlebt er wieder, was er von den Profis kennt. Aberglaube zum Beispiel. Ein Torhüter weigerte sich vier Jahre lang, auf das Eis zu gehen, ohne Jimmy einen High Five gegeben und dabei auf Italienisch «Dai, zio, dai» gesagt zu haben. «Hopp, Onkel, hopp». Ein anderer Spieler liess sich von ihm Schlägerband aus Genf in die USA schicken, als er einen Platz in der NHL erhalten hatte – dabei stammte es von derselben Fabrik, die auch Servette belieferte. Etwas, das Jimmy Omer über die Jahre bemerkte, ist ein Gefühl, das typisch sei für den Genfer Club: alle gegen uns. Schon sein Sohn sage: «Sie mögen uns eh nicht, also werden wir gewinnen.» Ein bisschen wie die unbeugsamen Gallier, nicht ganz Schweiz, immer ein bisschen anders. ­Servette waren die Ersten mit zwei Helmfarben, einer für zu Hause, der andere für auswärts. Manchmal trifft Jimmy in Genf im ­Supermarkt einen Fan wieder, den er aus der Halle kennt. «Bist du nicht der Idiot mit dem Stadionverbot für zwei Jahre, weil du dich geprügelt hast?», fragt er dann ­beispielsweise. Der grosse Rivale ist für ihn nicht Lausanne, sondern Bern. Kein ­einziger Playoff-Sieg in fünfundzwanzig Jahren. Lieber erinnert er sich, wie seine Mannschaft im Jahr 2023 zum ersten Mal Schweizer Meister wurde. Er nimmt seinen Job ernst, seit Jahrzehnten, kommt manchmal um drei Uhr morgens von einem Auswärtsspiel nach Hause und steht nach wenigen Stunden Schlaf schon wieder in der Eishalle. Doch wenn er hört, unter wie viel Druck die Spieler stehen, von den Eltern, Trainern, Fans, TV-Kameras, dann denkt er sich: «Wir spielen hier nur Sport. Wir erfinden keine Impfung gegen Krebs.» Den Spielern sagt er dann: «Vergesst nicht, ihr seid Entertainer!» Instagram: @officialgshc

GSHC/KEYSTONE

Aurélien Omer


«Ich sage zu den Spielern gerne: Vergesst nicht, wir sind Entertainer!» Als gute Seele des Clubs rückt Jimmy die Perspektiven für Spieler gerade.

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LOCAL HEROES

Chrige Nyfeler ist seit 1992 die Stimme des Emmentals und hat das letzte Match ihrer SCL Tigers 1981 verpasst. Für die erste Frau in diesem Job ist der Verein ihre Familie – und das soll noch lange Zeit so bleiben. Text Werner Jessner Foto Muriel Florence Rieben

Das erste Mal in der Arena? Das war im November 1981, erinnert sich Christine, die die Hockeywelt nur als «Chrige» kennt. Seit 1982 ist sie Vereinsmitglied, 1992 nahm sie zum ersten Mal das Mikro in die Hand – als erste Frau in der Schwei­ zer Hockeywelt, bevor es auch in Genf und Ajoie dazu kommen sollte. Doch ­Akzeptanzprobleme gab es nie, auch nicht als junge Frau in der Männer­domäne Eis­ hockey. «Erstaunlich eigentlich», findet sie das heute, dabei ist der Sport seit Jugend­ tagen Fixpunkt im Leben der 1964 ge­ borenen Bernerin, was man ihr bis­weilen auch im Alltag ansah: «Ich arbeite Vollzeit bei der Post. An manchen Tagen sass ich mit dem Trikot hinter dem Schalter.»

Alles für den Verein

Einen Hundert-Prozent-Job mit dem Abendjob in der Halle im Emmental zu kombinieren, das klingt ziemlich anstren­ gend. Doch im Fall von Chrige ist das nur die halbe Wahrheit, sitzt sie doch auch bei den Nachwuchsmatches in ihrer Kabine. Auf «rund 200» schätzt sie die Anzahl der Spiele, bei denen sie live vor Ort ist – pro Saison. Addieren wir jene Matches aus der Zeit davor, in der sie «nur» als Fan in der Halle war, kommen grob überschla­ gen 7000 Spiele zusammen. Diese Erfah­ rung führte dazu, dass sie, so will es die Legende, einst bei einer Schiedsrichter­ schulung als jene Frau beschrieben wur­ de, «die immer richtig liegt». Kein einziges Match als Sprecherin verpasst, wirklich keins, auch nicht krankheitsbedingt? Wenn die Stimme ­angekratzt ist, werde sie immer umsorgt, erzählt sie, mit warmen Getränken und

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On point

Kommt aus Langnau, Kanton Bern Alter 62; hat in ihrem Leben rund 100 000 Mal zum Mikro gegriffen; im Sommer macht sie gar nichts, ausser relaxen; vor dem Match gönnt sie sich gern Pommes (siehe Seite 89)

Hustenbonbons. «Mein letztes SCL-Spiel habe ich gleich 1981 versäumt, als Fan. Aber hie und da war es schon knapp», gibt sie zu, vor allem bei Nachwuchsspielen, die am späten Nachmittag angesetzt sind, denn: «Die Post hat bis 18 Uhr geöffnet.» Beides unter einen Hut zu bringen, funktioniere nur mit einem verständnis­ vollen Arbeitgeber, der es ihr erlaube, Stunden freizunehmen, und dafür sei sie überaus dankbar. Dörflicher Charakter von Langnau: Auch Spieler, ihren Anhang und generell Menschen aus dem Verein träfe man auf der Post, und in den letzten Jahren wüssten auch die ausländischen Spieler Charme und Ruhe vermehrt zu schätzen und wohnten im Ort, so komme man einfach ins Gespräch. In die Halle zu gehen und eine andere Stimme zu hören als Chriges mit dem stark berndeutsch gefärbten Akzent, ist für die Fans im Emmental undenkbar. Drei Generationen hat sie mittlerweile an­ gesagt, heute eben die Enkel von Spielern, die einst hier gespielt haben – und trotz­ dem sei Nervosität vor dem Match noch immer vorhanden. Und doch ist Chrige Nyfelers Ziel als Hallensprecherin Objek­ tivität, so gut es eben geht, «aber natür­ lich bin ich Fan». Das Bemühen um ­Neutralität ist ihr wichtig, stellt sie klar:

Selbst wenn sie mit einer Strafe oder ­anderen Schiedsrichterentscheidungen nicht einverstanden ist, sollen die Fans das nicht an ihrer Stimmlage erkennen.

Die SCL Tigers als Familie

Wer so viel in der Eishalle steht wie sie, dem wird der Verein zur Familie. Die Spieler sind Söhne für sie, das formuliert die Unverheiratete genau so. Und wenn einer von ihnen ins Ausland geht oder zu einem anderen, finanzkräftigeren Verein, dann muss sie das so akzeptieren wie eben eine Mutter, deren Kind von zu Hause auszieht. «Wir sind ein Ausbildungs­ verein», sieht sie die Lage in Langnau ­realistisch. Und hofft doch, dass mit der verbesserten Infrastruktur und dem neu­ en Campus einerseits dem Nachwuchs ­geholfen ist und andererseits später eine Heimkehr ihrer Söhne nach einer Karriere anderswo verlockender wird. Über die Jahrzehnte war Todd Elik ihr Lieblingsspieler, der charismatische Kanadier, dessen Rückennummer 12 bei den Tigers seit Dezember 2011 nicht mehr vergeben wird, «weil er sich für andere eingesetzt hat und dafür in Kauf genom­ men hat, Strafen fürs Motzen zu bekom­ men». Jeder einzelne Abschied schmerze, sagt sie, ganz egal ob das wie letzte Saison Langzeit-Kapitän Harri Pesonen betrifft oder einen Jungen, der sein Glück anders­ wo versuchen möchte. Jedes Mal muss Chrige ein Familienmitglied gehen lassen. Stand Saisonbeginn 2026/27 hat die Unersetzliche vor, den SCL Tigers noch lange erhalten zu bleiben, «länger als der Post», sagt sie mit leisem Augenzwinkern. Einem präsumtiven Nachfolger oder einer Nachfolgerin würde sie eines Tages das mit auf den Weg geben: «Neutral sein, Freude daran haben und niemals von oben herab agieren.» Instagram: @scl_tigers_official


«Ich hatte nie Probleme, in der Männerdomäne Eishockey akzeptiert zu werden.» Chrige war erst 28 Jahre alt, als sie Hallensprecherin der SCL Tigers wurde.

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O Captain!

Er hat nie für einen anderen Club ­gespielt als für seine ZSC Lions und ist seit neun Saisons ihr ­Leitwolf. Wie legt man das K ­ apitänsamt in der National League an, Patrick Geering? Interview Werner Jessner Fotos Dan Cermak

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FÜHRUNGSKRAFT THEMA

Patrick Geering

Jahrgang 1990, spielt bei den ZSC Lions, seit er zwölf Jahre alt war. In der National League hat er über tausend Spiele absolviert. Seit der ­Saison 2017/18 ist der ­Verteidiger Kapitän.

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T

the red bulletin: Erinnerst du dich an den ersten Tag, als du in der National League spielen durftest? patrick geering: Ha, eine lustige ­Geschichte! Ich kam vom Junioren-Team und wollte in die Kabine rein, doch die Tür ging nicht auf. Also habe ich daran gerüttelt, drei, vier Mal. Was ich nicht wusste: Ich hatte mir den Termin falsch eingetragen, hinter der Tür stand der ­Trainer Sean Simpson und sprach gerade zur versammelten Mannschaft. Der ideale Einstand für einen 18 Jahre jungen Spieler! Der damalige Zett-Kapitän war Mathias Seger, der einzige Kapitän, den du in deinen über tausend Spielen für den Verein haben solltest. Mit welchen Augen hast du ihn damals gesehen? Als grosses Vorbild. Als Typ mit Charisma, Persönlichkeit, ja: Aura. Als junger Spieler hatte ich Ehrfurcht – nicht nur vor ihm, sondern vor allen älteren Spielern. In die Kabine der ersten Mannschaft zu kommen, war ein gewaltiger Unterschied zu allem, was ich zuvor erlebt hatte. War das tatsächlich Respekt vor den anderen Spielern – oder doch eher vor dem Spiel an sich? Die Gewissheit, jetzt zu den Grossen zu gehören? (Pause.) Vielleicht … vielleicht beides. Wie, glaubst du, sehen dich heute ­junge Spieler, wenn sie zum ersten Mal in die Kabine kommen? Ich denke: als ganz normalen Kollegen. Aber wenn ich mit ihnen spreche, merke ich schon, dass es einen Generationen­ unterschied gibt: hier die Jungen, dort wir Arrivierten. Sie sind noch keine zwanzig, wir über dreissig Jahre alt. Da gibt es einen Unterschied, auch wenn er sicher nicht mehr so ausgeprägt ist wie früher, was ich persönlich aber gut finde. Welche Rolle erfüllen junge Spieler in einem Teamgefüge? Sie sollen uns ältere Spieler challengen im Training. Und während des Spiels nicht allzu viel nachdenken und Energie reinbringen, indem sie Gas geben. THE RED BULLETIN

Abgetaut: Wir trafen Patrick Geering im Hochsommer zum Shooting in der Swiss Life Arena.


FÜHRUNGSKRAFT

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Macht es einen Unterschied, wer dich challengt: ein alter oder ein junger Spieler? (Zögert.) Im Spiel selbst eher nicht. Man wird hässiger, wenn es ein junger Spieler macht, aber andererseits ist das auch gut und wichtig. Die Jungen sollen nicht das Gefühl haben, nicht aufmucken zu dürfen, im Gegenteil. Wenn Fehler im Match passieren – wo setzt du deine Duftmarke und sagst: «Kollege, jetzt hast du einen Blödsinn gemacht»? Wer einen Fehler macht, weiss das ohnehin selbst am besten. Entscheidend ist,

in welcher Situation wir als Team sind, bei welchem Spielstand Fehler passieren. Ein Beispiel: Ein junger Spieler probiert an der blauen Linie einen Trick, alles geht gut. Trotzdem nehme ich ihn danach zur Seite und erkläre ihm Folgendes: «Wenn du in dieser Situation auf den Trick verzichtet und das einfache Play ­gemacht hättest, wäre nachher keiner zu dir gekommen und hätte dir einen Vorwurf gemacht. Bei einem Turnover hingegen fragen alle, warum du das komplizierte Play probiert hast.» Ja, man muss einerseits mutig sein, auf der anderen Seite aber auch das Gesamtbild verstehen. THE RED BULLETIN


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Zu Hause

2008 hat Geering zum ersten Mal einen Fuss in die Kabine der ZSC Lions gesetzt. Seither wurde er fünf Mal Schweizer Meister. 2024/25 hat er ­ausserdem die Champions Hockey League gewonnen. THE RED BULLETIN


FÜHRUNGSKRAFT

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Wie Martin St. Louis, der Erfolgstrainer der Montréal Canadiens, immer predigt: «Never too high, never too low»? Genau. Man kann auch «risk/reward» dazu sagen. Teamkollegen berichten, du sprichst den Elefanten im Raum an. Welche Elefanten tummeln sich denn üblicherweise in Eishockey-Kabinen? Ich versuche alles, was mir auffällt, anzusprechen. Das Schöne: Meist ist man mit seinen Gedanken nicht allein. Wenn mir etwas auffällt, haben es oft auch andere Spieler bemerkt. Aber in der Regel bin ich dann derjenige, der es verbalisiert – selbst wenn es im Moment unangenehm ist. Ich möchte mir nicht den Vorwurf machen müssen, etwas unversucht gelassen zu haben. Wird man zum Kapitän, weil man Dinge ausspricht, oder spricht man Dinge aus, weil man Kapitän ist? Man spricht sie aus, weil man Kapitän ist, und weil man sie ausspricht, ist man Kapitän. Beides ist nicht voneinander zu trennen. Ich war immer ein kommunikativer Spieler, das ist Charaktersache. Nach aussen hin tritt der Kapitän ins Licht, aber intern gibt es immer mehrere Jungs, die die Führungsgruppe bilden. Es gibt welche, die sagen wenig, aber wenn sie den Mund aufmachen, hat es umso mehr Gewicht. Bist du ein ruhiger oder aktiver Kapitän? Ein aktiver. Aber nicht, weil das von mir verlangt wird, sondern weil ich es für mich brauche. Ich muss involviert sein. Gerade in der NHL werden Starspieler oft sehr jung zu Captains oder Assis­tant Captains ernannt. Auston Matthews, der als Junior für ein Jahr bei deinen ZSC Lions gespielt hat, ist ein gutes Beispiel: Bereits in seiner vierten ­Saison wurde er Assistant Captain der Toronto Maple Leafs in einem der hockey­ verrücktesten Märkte weltweit. Wie hast du ihn erlebt? Die Kultur drüben ist so, dass man Franchise-Spielern das «C» gibt und sie so zu Galionsfiguren ihres Clubs macht. Ich kann damit schon etwas anfangen: Wenn du in jungen Jahren das «C» auf der Brust trägst, geniesst du die Unterstützung der anderen Spieler in der Kabine. Matthews ist der Repräsentant nach aussen, aber innerhalb der Mannschaft wird das Machtgefüge durchaus breiter aufgestellt sein, nehme ich an. In der Regel ist es eine ­ganze Gruppe, die sich zum Beispiel

Humor: ja, auch. Patrick beschreibt seinen Führungsstil als offen und kommunikativ.

mit dem Trainerstab austauscht, nicht ein einzelner Spieler allein. Spieler mit einem Buchstaben auf der Brust sind nicht Bindeglieder zwischen Trainerstab und Team? Sie repräsentieren das Team, und zwar zu hundert Prozent. Das Wichtigste ist, dass wir Jungs in der Garderobe eine ­Einheit sind. Zwischen Trainerstab und Kabine gibt es eine gesunde Distanz – auch wenn wir alle im selben Boot sitzen und dieselben Ziele verfolgen. Dass sich die Spieler am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen,

die Vorgaben der Trainer overrulen und mit der Kraft der Gruppe allein gewinnen … … ist eine romantische Vorstellung von früher, die mit heute nichts mehr zu tun hat. Wenn es zum Punkt kommt, an dem Spieler eigenmächtig handeln, ist Hopfen und Malz verloren. Das heisst aber nicht, dass es immer Friede, Freude, Eierkuchen zwischen Trainer und Team sein muss. Da darf und soll es durchaus Friktion ­geben, finde ich. Wenn wir uns kurz in die Rolle eines neuen Trainers versetzen: Er kommt in eine Kabine, da sitzt du als Kapitän THE RED BULLETIN


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FÜHRUNGSKRAFT

mit mehr als tausend Spielen in den Beinen für deinen Verein, und er ist der Neue. Auch nicht einfach. Er ist der neue Chef, der neue Chef hat neue Vorstellungen. Grundsätzlich ist es sein Job, seine Botschaft so rüberzubringen, dass alle daran glauben und an einem Strang ziehen. Aber in Teams gibt es immer mehrere Meinungen, und da ist es die Aufgabe der Führungsgruppe, für Einigkeit zu sorgen. Generell sind Trainer in der National League aber so gut, dass es als Spieler einfach ist, an ihr System, ihre Spielauffassung und ihre Ideen zu glauben. Wenn ein 17-jähriger Spieler erstmals in die Kabine des ZSC Zürich kommt: Woran würde er merken, dass Patrick Geering der Kapitän ist? Anfangs vielleicht gar nicht. Er würde mich vielleicht als einen der erfahreneren, kommunikativen Spieler in der Kabine wahrnehmen, in der ein guter Teamgeist herrscht. Aus dieser Gruppe könnte jeder das «C» auf der Brust tragen. Diese Gruppe ist so gut, da sticht keiner hervor. Dass ich der Kapitän bin, würde er wahrscheinlich erst merken, wenn es nicht so gut läuft, weil ich derjenige bin, der das Wort ergreift. Wie würdest du deinen Führungsstil beschreiben? Ich würde es lieber «Captain-Stil» nennen: direkt, emphatisch, klar und kommunikativ. Humorvoll? Je nach Situation. Wie vermeidet man Gruppenbildung innerhalb eines Teams? Dass es innerhalb dieser Gruppe Grüppchen gibt, ist ganz normal. Wichtig ist, dass alle miteinander reden können – und das auch tun. Das sehe ich als meine Aufgabe. Gruppenbildung finde ich nicht ausschliesslich negativ. Solange alle auf das gemeinsame Ziel zusteuern, können die einen eher so und die anderen eher so machen. Es ist ein Trugschluss, zu glauben, für den gemeinsamen Erfolg müssten alle beste Freunde sein. Ein ­Eishockeyverein ist kein Country Club. Welche Vorzüge hat es, Kapitän zu sein? Kriegst du zum Beispiel einen besseren Sitzplatz im Bus? Leider nicht. (Lacht.) Aber du darfst als Erster den Pokal in die Höhe stemmen, wenn dein Verein die Meisterschaft ­gewonnen hat. Genau darum geht es. Nur um das. Das ist das Privileg, für das THE RED BULLETIN

«Es ist ein Trugschluss, zu glauben, für den gemeinsamen Erfolg müssten alle beste Freunde sein. Ein Eishockey­ verein ist kein Country Club.» Patrick Geering

wir alle das ganze Jahr lang schaffen. Doch lass es mich umdrehen: Kapitän zu sein, hat auch Schattenseiten. Nach Nieder­lagen gebe ich beispielsweise deutlich mehr Interviews als nach Siegen. Macht Loyalität einen guten ­Kapitän aus? Könntest du – rein hypothetisch gesprochen – auch in Genf, Bern oder Davos Kapitän sein? Von meiner Persönlichkeit her würde ich sagen: ja. Wann immer ich in einer Gruppe bin, bin ich involviert. Das geschieht ganz automatisch. Aber in der Realität, mit all der Historie, mit der Tatsache, dass der Zett mein Jugendclub war und so weiter: Da ist die Situation so unglaublich speziell. Dass hier über Jahre und Jahrzehnte alles zusammenpasst, von Seiten des Vereins, der Familie, von meiner Seite: Das ist ein Glücksfall, für den ich mega dankbar bin. Und nein, ganz klar: Es ist für mich völlig undenkbar, für einen anderen Schweizer Verein aufzulaufen, geschweige denn als Kapitän. Wie fühlt es sich für dich an, wenn ein anderer Spieler das «C» auf der Brust trägt, zum Beispiel Roman Josi in der Nati? Gut! Ich hatte das Glück, bei Mathias ­Seger vom besten Kapitän lernen zu dürfen. Jeder macht das ein wenig anders. Wichtig ist, authentisch zu sein. Es gibt nicht die eine Art, wie ein erfolgreicher Kapitän zu sein hat. Aus deiner Erfahrung: Ist ein guter Kapitän automatisch auch ein guter Vater? Spannende Frage. Ich versuche sehr, sehr, sehr viel zu machen, um meinem kleinen Sohn ein guter Vater zu sein, aber Kapitän eines Eishockey-Clubs muss man davon losgelöst sehen, finde ich.

Siehst du dich eher in der Rolle eines Vaters oder eines grossen Bruders für die jungen Spieler? Eines Vaters sicher nicht. (Pause.) Vielleicht für den einen oder anderen doch so etwas wie ein grosser Bruder. Aber eigentlich finde ich diesen Vergleich auch komisch. Na ja, vielleicht kann man das doch stehen lassen, weil sich die Jungen an mir messen und ich sie pushe, sowohl verbal als auch auf dem Eis. Aber spätestens wenn es um die gleichaltrigen Jungs geht, hinkt dieser Ausdruck. Erkennt man, wer aus einer Gruppe das Zeug zu einem künftigen Kapitän hat? Mit den Jahren kristallisieren sich Personen heraus, die das gut könnten – und auch möchten. Andere hingegen wären hervorragende Kapitäne, bleiben aber lieber im Hintergrund. Gerade bei uns in der Kabine gibt es etliche Führungsspieler, die keine offizielle Rolle haben. Was macht das «C» auf der Brust mit einer Persönlichkeit? Man muss reinwachsen. Ich bin heute ein anderer Mensch als vor neun Jahren, als ich von Mathias Seger übernommen habe. Meine Fehler haben mich genauso geprägt wie unsere Erfolge. Welche Fehler meinst du konkret? Keine Mega-Fehler, aber das, was ich schon zuvor angesprochen habe: Man muss Dinge beim Namen nennen. Ich habe mir eines geschworen: Ich will mir nie, nie mehr den Vorwurf machen lassen, etwas nicht thematisiert zu haben. Das ist die wichtigste Lektion, die ich in all den Jahren lernen durfte.


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Die kommende ­Spielzeit wird die neunzehnte in der National League für Geering sein – womit er mit seinen Vorgänger als Kapitän, ­Mathias Seger, gleichzieht.

Quid quassit, vent que sunt, to occus di aliti officia quuntur resti officil intintin culparunt, THE RED BULLETIN


HERZ, HÄRTE, 38

Das Ganze ist grösser als die Summe seiner Teile: Die National League sucht sportlich in Europa ihresgleichen – und hat doch ihre Seele bewahrt. Das liegt an den Menschen, die sie ausmachen. THE RED BULLETIN

GETTY IMAGES

Text Werner Jessner


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Links, rechts, Mitte?

Erik Brännström von Lausanne HC taucht vor Melvin Nyffeler von den SCRJ Lakers auf. Jetzt zählen die Nerven im Duell Mann gegen Mann – auf beiden Seiten.

HOCKEYLIEBE

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Mikko Kaukokari war als Aktiver bis in die U-20 Nationalspieler im finnischen Team.

was ich als Kompliment meine! Das Spiel ist natürlicher und äus­ serst interessant. Es gibt einen ­guten Flow, viel vor und zurück. In Kombination mit den tech­ nischen Fähigkeiten der besten einheimischen Spieler plus der Legionäre garantiert das unter­ haltsames Hockey. Erhöht Einfluss von aussen das Niveau der National League? Äussere Einflüsse müssen immer Qualität und Konstanz haben, ­ansonsten bringen sie dich nicht weiter. Innerhalb unserer Schieds­ richter-Gruppe versuche ich mei­ ne Erfahrungen und Ideen ein­ zubringen, die den Kollegen bei ihrer Arbeit helfen könnten.

«NUMMER EINS» Mikko Kaukokari

Der 46 Jahre alte Finne hat als Schiedsrichter Spiele in seiner Heimat geleitet, bei Olympischen Spielen, JuniorenWeltmeister­schaften und in der ­Champions Hockey League. 2018 pfiff er als Austausch-Referee sein erstes Match in der Schweiz, seit vorletzter Saison ist die National League sein sportliches Zuhause.

the red bulletin: Wie unterscheidet sich deine Arbeit in der National League von anderen Spielen? mikko kaukokari: Die Regelund Strafen-Auslegung funktio­ niert überall gleich. Die Heraus­ forderungen in der National League ist die hohe Qualität der Spiele, das hohe Tempo. Dazu kommt der emotionale Level von Spielern, Trainern und Fans. Das macht das Spiel-Management für uns Schiedsrichter manchmal zur Herausforderung. Wie würdest du den Schweizer Spielstil beschreiben? Es ist nicht besonders taktisch –

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In einem Ranking aller Ligen weltweit: Wo steht die National League? Ich lasse die nordamerikanischen Ligen mal weg. Meiner Meinung nach gibt es in Europa zwei Ligen, die über allen anderen stehen: die National League und die Svenska Hockeyligan. Beide ­spielen schnelles, strukturiertes, technisch hochstehendes Hockey. Wenn du mich zwingst, mich für eine zu entscheiden, sage ich: Nummer eins ist die National League.

IMAGO, APA IMAGES, GETTY IMAGES

Der Referee

Inwiefern unterscheiden sich Atmosphäre und Intensität der National League von anderen Spielen? Meiner Meinung nach ist die ­Atmosphäre der National League europaweit die beste. Egal was passiert: Die Fans singen die ­ganze Zeit lang durch. Das ist ­unglaublich, und das kenne ich sonst nicht. Selbst wenn die Emo­ tionen hie und da überkochen mögen und die Stimmung rau wird, ­gehört das dazu und macht die National League so speziell.


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Auf kleinstem Raum

Eine Körpertäuschung, eine Finte, ein Haken und dann: Zug zum Tor. Zugs Andreas Wingerli lässt hier Landsmann Max Lindroth vom EHC Kloten aussteigen.

Für den guten Zweck

Beim Match Lausanne HC gegen den SC Bern regnet es Kuscheltiere, die danach an gemeinnützige Organisationen in der Region gespendet werden. Standing Ovations in der Vaudoise Aréna.

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Die St. Galler Kantonalbank Arena, direkt am Zürichsee gelegen, gilt als die Halle mit der schönsten Aussicht in der National League. Auch sportlich schien letzte Saison im Herbst lange Zeit die Sonne: Unter dem kreisenden Zeppelin war Rappi zeitweise sensationell Tabellenführer. THE RED BULLETIN

THOMAS OSWALD

Gute Aussichten


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Der Zeppelin-Pilot

ANDREAS MURER

SC Rapperswil-Jona Lakers

Seit zwölf Jahren ist er einer von sechs Piloten der Modellgruppe Rapperswil-Jona, die den ikonischen Zeppelin in der St. ­Galler Kantonalbank Arena fliegen – den einzigen der ­National League.

«Wenn der Zeppelin nicht fliegt, fehlt etwas im Stadion. Besonders schön zu sehen ist, wie die Kinder dem Zeppelin nachschauen. Ab und zu kommen sie vorbei und fragen, wie er fliegt und wie er gesteuert wird.» Andreas Murer THE RED BULLETIN


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Grosser Anfang

Jonah Neuenschwander vom EHC Biel gilt als kommender Star (siehe auch Seite 81). Hier kämpft der 17-Jährige gegen den um zehn Jahre älteren Verteidiger Santtu Kinnunen von den SCL Tigers um den Puck. THE RED BULLETIN


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Der Spielplan-Macher

DER MANN MIT DEM PLAN

APA-IMAGES, DAN SCHIUMARINI/STAX SPORTS/NATIONAL LEAGUE

Willi Vögtlin war zwischen 1972 und 1990 SpitzenSchiedsrichter und hat an allen Grossveranstaltun­gen gepfiffen. Danach wechselte er für zwei Saisons ins ­Management des SCB. Seit Jahrzehnten erstellt er den Spielplan der National League: 364 Spiele in 52 Runden.

«Es gibt zwei Fixpunkte: den ersten und den letzten Spieltag. Dazwischen spielt sich unsere Arbeit ab. Ich muss viele Parameter berücksichtigen: International Breaks, den Spengler Cup, die Champions Hockey League, aber natürlich auch Zeiten, in denen einzelne Eishallen nicht zur Verfügung ­stehen, weil sie durch andere Events blockiert sind. Das verengt unseren Spielraum. Ein Extrembeispiel: Zug kann sein erstes Heimspiel erst am 23. Oktober bestreiten – über einen Monat nach Saisonbeginn! Fairness ist ein mathematisches Modell, denn Dienstagsund Wochenendspiele sollen sich die Waage halten, detto die Anzahl der Spiele in kurzer Folge, die Reisewege sollen kurz sein, Teams wünschen sich profitträchtige Heimspiele gegen bestimmte ­Gegner an ­attraktiven Tagen – mit ­einem Wort: Jeder will etwas von einem. Um das Puzzle bestmöglich zu ­lösen, habe ich schon vor 25 Jahren einen Mathema­ tiker bei­gezogen. Inzwischen ­nutzen wir zusätzlich künstliche Intelligenz. Und doch muss zum Schluss ein Mensch über den Spielplan schauen. Zu hundert Prozent zufrieden werden nie alle Clubs sein, obwohl wir ihre Wünsche, so gut es irgendwie geht, ­berücksichtigen. Das Ziel ist, einer optimalen Lösung so nahe zu kommen, wie es geht. Vor Jahren habe ich gesagt, ich spendiere dem einen Urlaub auf Hawaii, der einen besseren Spielplan vorlegen kann. Einlösen musste ich ihn bislang nicht.»

Noch lang kein Ende

Willi Vögtlin war der letzte Schiedsrichter, der von der Helmpflicht ausgenommen war. Ausserdem gilt der Weinhändler als Mann mit dem Chübel: In den Playoffs ist der Unermüdliche für den Pokal zuständig. THE RED BULLETIN


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Bei seinem Stanley-CupSieg 2001 teilte sich David Aebischer die Arbeit mit Patrick Roy – und hatte dabei eine fast so gute Fangquote wie die kanadische Legende.

tig international oder in der NHL durchsetzen können. Diese Ent­ wicklung wurde vom Verband und den Clubs bereits vor einigen Jah­ ren erkannt. In der Folge wurden gezielt Massnahmen ergriffen, um die Torhüterförderung zu ­verbessern. Dazu gehören unter anderem die Anstellung spezia­ lisierter Torhütertrainer, zusätz­ liche Eiszeiten für junge Goalies sowie der Ausbau eigener Förder­ programme. Das langfristige Ziel besteht darin, eine neue Genera­ tion von Schweizer Torhütern aus­ zubilden, die auf internationalem Niveau konkurrenzfähig ist und die Schweizer Goalie-Tradition fortsetzen kann.

DAVID AEBISCHER Fribourg-Gottéron

Die Tormann-Legende, heute 48 Jahre alt, holte mit Colorado Avalanche 2001 den Stanley Cup und bestritt 271 Spiele in der National League. Seit 2015 ist er Goaltending Coach seines Heimatvereins Fribourg-Gottéron. Mit Reto Berra im Tor feierte er letzte Saison den ersten Titel der Drachen.

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the red bulletin: Aus der Schweiz kamen in den letzten Jahrzehnten Weltklasse-­ Goalies am laufenden Band. Hat das System, oder war da auch Zufall dabei? david aebischer: Auf internatio­ nalem Niveau verfügt die Schweiz derzeit nicht über dieselbe Breite an Top-Torhütern wie in früheren Jahren. Mit Leonardo Genoni und Reto Berra stehen jedoch noch im­ mer zwei Goalies im Einsatz, die trotz ihres Alters zu den besten des Landes gehören und auch inter­national überzeugen können. Meiner Meinung nach hat die Schweiz aktuell Mühe, Torhüter hervorzubringen, die sich langfris­

Welchen Tipp würdest du einem jungen Menschen geben, dessen Traum es ist, Hockey-Goalie zu werden? Freude am Eishockey und speziell an der Torhüterposition zu haben! Die Begeisterung für den Sport ist meines Erachtens die Grundlage, um sich erfolgreich zu entwickeln. Wer mit Leidenschaft und Spass trainiert, ist auch bereit, die zu­ sätzlichen Herausforderungen der Goalie-Position anzunehmen.

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Der Goalie-Coach

Welche Eigenschaften, die ein Feldspieler nicht in diesem Umfang braucht, zeichnet einen guten Goalie aus? Wichtig ist sicher die mentale Stärke und Konzentrationsfähig­ keit. Der Goalie steht permanent im Mittelpunkt und kann durch einen Fehler oder einer Parade das Spiel entscheiden. Er muss seine Emotionen unter Kontrolle haben. Reaktionsschnelligkeit, Geduld, Ruhe, Antizipationsfähig­ keiten, Spielsituationen frühzeitig zu erkennen und richtig einzu­ schätzen, das kommt noch dazu.


THEMA

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Leider nein

Nummer 1B, Backup-Goalie, Ersatztorhüter: die Rolle hinter dem Stamm-Keeper ist so ­undankbar wie unerlässlich. Jedes Team braucht ein stabiles Tandem, jeder Save zählt. Hier hext Gilles Senn bei einem seiner nur 26 Einsätze letzte Saison.

Tristan Scherwey, Bern-Legende

921 National-League-Spiele hat der Flügelstürmer, den wir hier gegen den EV Zug sehen, bereits in den Beinen. Sofern er gesund bleibt, hat er in dieser Spielzeit die ­Chance, in den elitären 1000er-Club aufzusteigen.

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Premiere

Der Finne Jesse Puljujärvi spielte jahrelang an der Seite von Superstar Connor McDavid bei den Edmonton Oilers, letzte Saison lief er erstmals für Genève-Servette auf. 52 Spiele, 52 Punkte: ­Mahtava*, Jesse!

* Grossartig.

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PICTORIAL

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Abschied

Was für eine Karriere: Nach 19 Saisons im Dress des EHC ­Kloten, darunter acht als Kapitän, lässt Steve Kellen­ berger es nach über 1000 Matches gut sein. Doch der ­Rekordspieler bleibt seinem EHC Kloten erhalten – als Trainer der U18‑Mannschaft.

Der Edel-Fan

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EHC Kloten, «egal was passiert»

Sein erstes Eishockeymatch hat der heute 44-Jährige mit zehn Jahren gesehen, und das war ein Heimspiel des EHC Kloten. Seither ist er Edel-Fan, der kaum ein Match verpasst. Das grösste Zimmer seines Hauses ist für ­Hockey-Devotionalien reserviert. Selbst wenn er Kloten als seine Familie ­bezeichnet: Seine Liebe ist Eishockey.

«Von mir aus kann es 24 Stunden Eis­ hockey geben. Ich habe 50 Matches live in der NHL gesehen und Hockey in 30 Stadien in Amerika und Kanada. Aber meine Leidenschaft, mein Herzblut ist der EHC Kloten. Täglich, wöchentlich, jede freie Minute denke ich an den Club. Die Weltlage ist schlimm im Moment, aber Eishockey gibt so viele positive Vibes. Da kann man viel aus dem Sport mitnehmen. Auch meine Frau habe ich auf der Steh­ rampe kennengelernt. Als Kloten-Fan hat man es nicht immer leicht. Wir sind ein kleiner Club, ein Dorf­ club mit einem grossen Flughafen da­ neben. Besonders schwierig war das Jahr 2012 mit dem Beinahe-Konkurs. Da dach­ te ich wirklich, der EHC wird es nicht über­ leben. Da habe ich zu Hause versucht, ­alles zu verkaufen, drei- oder viertausend Franken zusammengekriegt und dem EHC Kloten gespendet. Ich bin nicht reich, aber wäre ich es, würde es dem Verein sehr gut gehen. Vom EHC Kloten kann man lernen, nie aufzugeben. Man findet immer eine Lösung. Man muss einfach daran glauben und einen Weg suchen. Ich werde am Schluefweg bleiben, egal was passiert.» THE RED BULLETIN


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Hier spielt Elvis: Merzlikins’ Maske ziert der Namensvetter.

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GOALIE-TALK Arbeitsplatz Ohio: Einlaufen bei den Columbus Blue Jackets

Wir klingeln durch bei den Columbus Blue Jackets, wo Elvis Merzlikins seit sieben Jahren das Tor hütet. Doch Ohio soll nicht die letzte Station der Lugano-Legende werden: Wenn es nach ihm geht, wird seine Karriere dort enden, wo sie einst begonnen hat. Interview Werner Jessner THE RED BULLETIN


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Lettland, Lugano, Columbus: Wo bist du zu Hause? Definitiv in Lugano. Vorigen Sommer ­haben wir das Apartment meiner Frau ver­ kauft, ein Haus dort erworben und es im letzten Jahr renovieren und umbauen las­ sen. Nach dem Ende meiner Karriere sehe ich unsere Zukunft definitiv in Lugano. Hier ist mein Herz. Was verbindet dich noch mit Lettland? Ich habe dort Familie, aber sonst nicht mehr viel. Was ich heute bin, meine Ent­ wicklung zum NHL-Goalie – das stammt alles aus der Schweiz, genauer: vom HCL. Warum unterstützt du die Nachwuchsabteilung des HCL massgeblich finanziell? Ich kam relativ arm hier an. Mein Vater ist gestorben, als ich drei Jahre alt war. Meine Mutter konnte sich keine grossen Sprünge leisten. Und doch hat sie mir und meinem älteren Bruder erlaubt, unsere Träume zu verfolgen. Meine Torwart-­ Ausrüstung war eine beträchtliche Aus­ gabe für sie. An diesem Punkt ist der HC ­Lugano eingesprungen, die MantegazzaFamilie, mit all ihrer Energie und Leiden­ schaft für den Sport, aber auch finanziell. Ihr und dem HCL verdanke ich, was ich heute bin. Davon möchte ich einen Teil zurückgeben. Wie war der Teenager Elvis in Lugano? Verrückt! An einem Punkt hätten sie mich beinahe rausgeworfen, und zwar völlig zu Recht. Aber der Club hatte alle Geduld der Welt mit mir und hat es möglich ge­ macht, dass sich das Leben dieses verrück­ ten lettischen Jungen auf den Kopf gestellt hat und er seinen Traum verwirklichen konnte. Ich sehe die Situation heute noch vor mir, wie ich zur Fondazione Academy Hockey Club Lugano gekommen bin, der die Kinder in der Nachwuchsabteilung ­finanziell unterstützt: Der Anruf kam während eines Mittagessens mit meiner Frau. Da gab es nicht mal eine Diskussion. Grünes Licht, null Zweifel. Ich bin sicher, dass es in Lugano Kids wie mich damals gibt, die Unterstützung brauchen, um mit dem Hockey weiter­machen zu können. THE RED BULLETIN

Dieser Anruf aus L ­ ugano war wie ein Flashback in meine Jugend. Es kann nicht sein, dass Talente verloren gehen, nur weil Geld fehlt. Wenn ich meinen Beitrag leisten kann, dass Jugendliche aus der Schweiz und natürlich vom HCL den Sprung in die NHL schaffen, ist das eine Selbstverständlichkeit. Du wurdest von den Columbus Blue ­Jackets im Draft ausgewählt, dann ­verfielen die Rechte, weil du in der ­National League zum Stammspieler und ­Publikumshelden geworden warst. Ein paar Jahre später bist du dennoch in die NHL gewechselt, und zwar eben nach Columbus, obwohl du dir im P ­ rinzip jeden Verein hättest aus­suchen können. Ist Loyalität so wichtig für dich? Definitiv. Grundsätzlich hätte mir egal sein können, wo ich meinen NHL-Traum erfül­ le. Der Kontakt zu Columbus ist nie abge­ rissen. Sie hatten einst an den 18-jährigen Elvis geglaubt. Respekt war beidseitig da. Darum waren die Blue J­ ackets mein An­ knüpfungspunkt, auch wenn sich die ers­ ten zwei Jahre in Amerika als unglaublich hart herausstellen sollten. Doch Columbus hat unverändert an mich geglaubt, das Blatt hat sich gewendet, und man hat mir einen sehr schönen Folgevertrag ­angeboten, den ich sehr gern unter­ schrieben habe.

Man sah dem jungen Elvis stets an, was in seinem Inneren vorging, ob Ärger oder Freude.

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the red bulletin: Du bist in Riga ­ eboren, wann bist du nach Lugano g gekommen? elvis merzlikins: Meine Mutter war dort verheiratet, als ich ein Kind war. In Lugano habe ich mit sieben, acht Jahren begonnen, Hockey zu spielen. Diese Stadt und dieser Verein haben mir so viel ge­ geben: Schule, Trainingszeit, vor allem aber Platz zur Entwicklung.


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Ein Junge aus Lugano: Elvis spielte sich mit Stil, Herz und ein wenig Wahnsinn in die Herzen der Fans.

Dem Verein und der Familie Mantegazza verdankt Elvis, was er heute ist.

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Sein Vorname verpflichtet beinahe schon zu auffälligen Outfits (oder schadet zumindest nicht).

Ein kleiner Ausriss aus Elvis’ gut gefülltem Kleiderschrank in Amerika.

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GOALIE-TALK

Vermutlich waren es jährlich 5 400 000 Gründe, aber diese Summe hättest du wohl auch in vielen anderen Städten bekommen. Wie schon gesagt: Ich bin ein sehr loyaler Mensch, aber ich vertraue nicht vielen Menschen, auch nicht im Privatleben. Aber wer in meinem inneren Kreis ist, der bleibt da. Wenn ich eines Tages in die Schweiz zurückkehre, werde ich sicher nicht für – zum Beispiel – Bern auflaufen. Nichts gegen den SC Bern, aber es war Lugano, das mir einst die Möglichkeit ge­ geben hat, mich geführt und ausgebildet haben. Darum sind sie mein Team. Kann man die Hockey-Welten in ­Lugano und Columbus vergleichen? Die NHL ist eine andere Welt. Seit sieben Jahren ist die Kabine der Blue Jackets mein Zuhause. Wenn ich heute auf mei­ nem Platz sitze und auf die Namens­ schilder blicke, sind noch genau zwei von damals übrig. Heute bist du happy, gehörst zu den Jungs, und morgen sagst du ciao, weil du zu einem anderen Team getradet wurdest wie ein Stück Fleisch.

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So drastisch? Es ist ein Business. Mein Vertrag in ­Columbus läuft mit Ende des Jahres aus. Das Leben in der NHL hat nichts mit dem schönen, sicheren Leben in der Schweiz zu tun. Wenn ich morgen das Telefon abhebe und unser General Manager dran ist, kann das bedeuten, dass ich verkauft wurde und in eine andere Stadt, zu einem anderen Club weiterziehen muss. Es ist ein schrä­ ges, oft brutales Geschäft. Gerade als Teamplayer lernst du viele andere Men­ schen kennen – am Eis, aber auch in der Organisation. Gute Menschen, denen du nahekommst, die zu Freunden werden. Und dann kommt der Tag, an dem sich die Wege trennen und sie zu Gegnern werden. Im europäischen Hockey kommt der Druck hauptsächlich von der Tribüne, von den Fans. Woher kommt er in der NHL? Von überall! (Lacht.) Es ist ganz simpel: Die NHL ist die beste Liga der Welt, hier sind die besten Spieler. Das ist zumindest das Selbstverständnis. Jeder will deinen Job. Doch auch in Europa gibt es viele,

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landest um zwei Uhr morgens, fährst heim, bist um drei Uhr im Bett, voller Ad­ renalin, und versuchst zu schlafen. Am Vormittag ist ein Training angesetzt, tags darauf wartet das nächste Spiel. Während der Saison gibt es immer wieder Phasen, in denen du zehn Spiele innerhalb von siebzehn Tagen absolvieren musst, und jeder Fehler ist 1:1 sichtbar, gerade als Goalie. Du wolltest über Druck sprechen? Hier hast du deinen Druck.

«Er hat es geschafft, meinen Charakter zu beeinflussen – ‹Torts› war einer der besten Trainer, die ich je hatte.»

Elvis über John Tortorella

die jederzeit in der NHL spielen könnten. Einziger Unterschied: Sie hatten nie die Gelegenheit, sich auf der besten Bühne der Welt zu zeigen. Die Karten sind anders gefallen. Nimm Luca Fazzini: Sein Schuss? Auf der kleinen nordamerikanischen Eis­ fläche würde er damit meiner Meinung nach alles zerbomben. Wie entscheidet sich, ob du in Amerika spielst? Niemand kümmert sich darum, wie du dich vorbereitest, welches Leben du ab­ seits des Rinks führst oder ob du im Gym trainierst. Du bist ganz allein für alles ­verantwortlich. Bist du gut genug? Dann spielst du. Nicht gut genug? Dann spielst du nicht. In der NHL gibt es keine Baby­ sitter, und alle Spieler, die es hierher schaffen, kapieren das relativ flott. Dazu kommt der Ermüdungsfaktor, den man aus der National League auch nicht so kennt: der dichte Spielplan, die ständigen Reisen. Du bist dauernd unter Druck. Von Ambrì ist man in 45 Minuten ­w ieder zu Hause in Lugano. Genau das meine ich. In Nordamerika brauchst du für alles das Flugzeug. Du

Ich stelle mir das vor allem mental schwierig vor. Ist es auch, aber es hängt zusammen. Bist du körperlich müde, wird auch dein Kopf langsam, aber das kannst du dir nicht leisten. Langsamer Kopf – kein Einsatz – weg vom Fenster. So einfach ist das hier. Wer nicht performt, setzt diese Spirale in Gang. Warum hat es bei dir sofort funktioniert, als du von Lugano nach Columbus gewechselt bist? In deiner gesamten Karriere musstest du bloss zwei Spiele in der unterklassigen AHL ab­solvieren. Hat dich die National League so gut auf Nordamerika vorbereitet? Das zu schaffen, war Charaktersache. Ich habe im Lauf der Jahre viele Dinge über mich gehört, am häufigsten, wie arrogant, hochnäsig und stur ich bin. Und ja, all das bin ich, und ich werde mich nicht ändern. Ich war schon als Kind anders als die ­anderen – und stolz darauf. Als Teenager haben meine Kumpels in Lugano Party gemacht und Mädels kennengelernt. Mein Glück war, dass ich nicht das Geld dafür hatte. Aber ich konnte in der Eishalle sein, das kostete nichts. Hier habe ich meine Liebe getroffen, die Liebe meines Lebens: meinen Sport. Moment, du bist verheiratet und hast zwei Kinder … … dazu wollte ich gerade kommen. Ich musste aktiv lernen, dass es auch eine ­andere Liebe gibt neben dem Hockey. ­Hockey liebe ich nach wie vor über alles, aber heute haben auch meine Frau und meine zwei Kinder Platz. Auch sie sind die Liebe meines Lebens. Doch dafür musste ich erst erwachsen werden. THE RED BULLETIN


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Hat die NHL auf Elvis gewartet? Keiner hat den leisesten Furz darauf ­gegeben, wer ich bin! Willkommen in der Realität. Schwimm oder sinke! Ich habe beschlossen, zu schwimmen, egal was kommt. Der erste Mensch, der es geschafft hat, meine spontane, arrogante «Wer bin ich, wer bist du?!?»-Mentalität ein wenig zu beeinflussen, war mein ­damaliger Trainer John Tortorella. Ausgerechnet er? Dieser Trainer alter Schule, ein gefürchtet harter Hund? Zuerst hat er mich zerlegt, weil ich keine Erfahrung aus der AHL hatte, wie man es von einem jungen Spieler erwarten durfte. Er ist einer, der dich provoziert, dich aus der Komfortzone holt, der Reaktionen ­sehen will. Mit Druck konnte ich immer gut umgehen. «Torts» impft dir ein, dass du Respekt vor dem Spiel haben musst, wie die Liga funktioniert. In meinem ersten Jahr habe ich Superstar Sidney Crosby gleich einmal fest mit dem Stock in die Kniekehlen geschlagen … … wie bitte? Du hast was? Ist ja mein Torraum, er ist mein Gegner, also raus mit ihm hier. Ich war ein ­Rookie, er hatte bereits alles gewonnen. Tortorella hat mir erklärt, dass man sich in der Liga Respekt verschaffen muss, bevor so eine Aktion durchgeht. Du wirst getestet in der NHL. Man will sehen, aus welchem Holz du geschnitzt bist. Auch ich musste diese Tests durchlaufen. Magst du das? Nein. Hast du eine Wahl? Ebenfalls nein. Also beisst du durch. Torts war einer der besten Trainer, die ich je hatte.

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Ich liebe die Menschen hier sehr. Vom Zamboni-Fahrer bis zum Reinigungspersonal oder dem Restaurantbesitzer oben kennt mich jeder als den kleinen Elvis und ist stolz, wenn ich im Sommer mit meinen Kids in der Halle vorbeikomme. Die Eishalle von Lugano ist mein eigentliches Zuhause. Wann immer ich in der Stadt bin, verbringe ich mehr Zeit dort als in meinem eigentlichen Heim.

«In meinem ersten Jahr habe ich dem Superstar gleich einmal mit dem Schläger fest in die Kniekehlen geschlagen.» Elvis über Sidney Crosby

Spiegelt dein Spielstil deine extro­ vertierte Persönlichkeit wider? Ich liebe Emotionen. Laute Hallen, Pfiffe, auch gegen mich. Daraus beziehe ich Energie. Wir spielen Unterzahl, die ganze Welt ist gegen uns? Perfekt! Daraus ziehe ich Stärke. Genauso liebe ich es, selbst Feuer in die Partie zu bringen. Immerhin bin ich der Goalie (grinst). Da remple ich schon mal einen gegnerischen Spieler an oder gebe ihm ein paar saftige Worte mit auf den Weg. Meine Bodyguards auf dem Eis werden mich schützen. Das funktioniert in der NHL toll: Die Teamkollegen sind für dich da, egal was du aufführst. Plötzlich ist da Feuer in der Partie. Das macht das Spiel besonders. Ist es das, was dich in Lugano zum Fan-Liebling gemacht hat? Vermutlich war es neben den guten Zahlen schon meine Persönlichkeit. Wenn ich mich zurückerinnere, sehe ich mich nach Abpfiff in Superman-Pose Richtung Curva Nord fliegen (kichert). Heute bin ich 32 Jahre alt und frage mich, was sich der junge Elvis dabei gedacht hat (kichert noch mehr). Lugano hat mich aufwachsen sehen vom Kind zum Mann, der es in Amerika geschafft hat. Lugano ist Familie.

Wenn du die Augen schliesst und an eine Szene beim HCL denkst: Was siehst du? Das Finale 2018 gegen Zürich. Spiel 7, in dem ich ein einziges Tor bekommen habe, von Patrick Geering auf der Catcher-­Seite. Ein eigentlich harmloser Schuss, der von unserem Verteidiger ­Thomas Wellinger unhaltbar abgelenkt wurde. Auf der anderen Seite packte der Zürich-Goalie, der mir während der gesamten Serie nie grossartig aufgefallen war, einen Wunder-Save gegen unseren Maxim ­Lapierre aus. So haben wir den ­Titel verloren. Deine prägendste Erinnerung an ­Lugano ist tatsächlich ein Tor, das du bekommen hast, und keiner deiner vielen S ­ aves. Was sagt das über deine Persönlichkeit aus? Das Ziel ist, zu gewinnen. Den Titel in ­Lugano zu gewinnen. Dieser Traum ist nicht vorüber, sondern auf Standby. Aktuell will ich in der NHL spielen, nichts anderes. Doch wenn diese Karriere einmal vorbei ist, wäre es wirklich bedeutsam für mich, diesen Traum in Lugano zu ­vollenden. Ich sage nicht, dass ich dem ­Hockey Club ­Lugano in der Schuld stehe für alles, was sie für mich gemacht haben. Aber es wäre das kleinstmögliche Dankeschön von meiner Seite an diese unglaubliche Organisation. Das ist der Running Gag zwischen HCL-Präsidentin Vicky Mantegazza und mir. Mal schauen, ob es klappt.

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Warst du das nicht, als du mit 25 Jah­ ren nach Ohio gezogen bist? Ich war anders. Stur – und realistisch mit mir selbst. Ich wusste, dass ich keine drei, vier Jahre in der AHL spielen wollte, um eines Tages die Chance auf die NHL zu haben. Mein Plan war: all in. Der Grund für all die harte Arbeit war die NHL, nichts sonst. Bevor ich in den Flieger gestiegen bin, habe ich mir gesagt, dass es zwei Szenarien gibt: Entweder ich schaffe es, oder ich fliege wieder heim. Ich werde nicht in der AHL rumgrundeln.


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Was für ein Auftritt: als Superman im Tief­ flug zu den Fans in der Curva Nord.

Seine Saves stehen durchaus im Ruf, manchmal ein wenig spektakulärer aus­ zusehen, als sie müssten.

Elvis Merzlikins liebt es, «Feuer in die Partie zu bringen», wie er es nennt.

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Ziemlich beste Brüder THE RED BULLETIN


UNDERDOGS Spass beim Shooting im Hochsommer: die Brüder Julien, Tristan und Geoffrey Vauclair im Freibad von Pruntrut (von links)

Der Vater ein politischer Rebell, die drei Söhne EishockeyLegenden: Keine Familie prägt den HC Ajoie stärker als die Vauclairs. Nach eindrucksvollen Karrieren sind Julien, Tristan und Geoffrey ins Jura zurückgekehrt. Ihr Ziel: den Kleinstklub in der National League nachhaltig zu etablieren. Text Nicola Berger Fotos Norman Konrad THE RED BULLETIN


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eoffrey, Julien und Tristan Vauclair stehen in der Piscine Municipale de Porrentruy, der Badi von Pruntrut. Geduldig posieren sie für den Fotografen und kramen dane­ ben in Reminiszenzen an diesen Ort, an dem sie einen wesentlichen Teil ihrer ­Sozialisierung erfuhren. Die Redaktion hat als Auftrag eine Art Experiment mit­ gegeben: mit den drei Brüdern so lange wie möglich nicht über Eishockey zu spre­ chen. Aber es wird schnell klar, dass das keine Herausforderung darstellt. Die Brü­ der mögen alle drei in diesem Sport Kar­ riere gemacht haben, aber ihr Horizont ragt über die nächste Werbebande hinaus: Geoffrey, 49, der kräftige Stürmer, der 1999 für die Schweiz eine WM bestritt und heute als Analyst für das welsche Fernsehen arbeitet. Julien, 46, einer der besten Verteidiger, die das Land je gesehen hat. Der es bis in die NHL schaffte und seit 2022 als Sportchef im HC Ajoie wirkt. Und Tristan, 41, der 15 Jahre in der National League spielte und inzwischen dem Nach­ wuchs von Ajoie vorsteht. Der Blick der Brüder schweift über das Freibad hinaus, dort wo heute die «HCA Academy Arena» steht. «Das war früher ein Campingplatz», sagt Julien, «dort haben wir zwei Jahre lang in zwei Wohn­wagen gelebt. Heute würden sie ­einem vermutlich die Kinder wegnehmen. Aber wir haben es geliebt, auch wenn es nicht so angenehm war, bei minus fünf Grad zur Toilette zu laufen. Sonst war es perfekt. Direkt neben der Badi und der Eishalle – was will man mehr?»

Über die Familiengeschichte der ­ auclairs liesse sich ein launiges Buch V schreiben, grob umrissen lautet sie so: Die drei Brüder haben vier weitere Ge­ schwister, darunter zwei Schwestern, die die Eltern in Sri Lanka adoptierten. Vier Pflegekinder komplettierten die ­Familie. Das Geld war so knapp, dass Geoffrey sagt: «Es gab Mahlzeiten, bei ­denen unser Vater nichts ass, weil es sonst nicht gereicht hätte.»

Der rebellische Vater sass drei Wochen im Gefängnis

«Zwei Jahre lang haben wir in Wohnwagen gelebt. Heute würden sie dir vermutlich die Kinder wegnehmen.» Julien Vauclair THE RED BULLETIN

Daniel brachte mit seinem Lohn als Präzi­ sionsmechaniker die ganze Familie durch – und war ein Mann wie ein Symbol für den Kanton Jura: rebellisch, unbeugsam, fleissig, sozial. In jungen Jahren war er Teil der Béliers, der militanten jurassischen ­Separatisten, die für die Unabhängigkeit des Juras vom Kanton Bern kämpfen. Bei Demonstrationen in der Hauptstadt pflegte er seinem Berner Sennenhund ein Foulard mit dem Jura-Wappen anzuziehen, es war

GEOFFREY VAUCLAIR, 49

Der älteste im Bunde wurde 1999 mit Lugano Meister, war ­später Captain von Gottéron und beendete seine Karriere 2014 bei Ajoie. Heute TV-Analyst beim staatlichen ­Sender RTS.


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die ultimative Provokation. Einmal verbrachte Vauclair senior drei Wochen im Gefängnis, der Konflikt wurde zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren erbittert geführt. Und strahlte bis ins Eishockey: Bei der WM 1971 in der Berner Allmend störten Béliers die Zweitrundenpartie ­zwischen Schweden und der Tschecho­ slowakei, Aktivisten stürmten das Eis – der Vorfall flimmerte im Live-TV in die Stuben des Landes. Neben dem politischen Kampf und ­seinem Job renovierte Vauclair senior auf eigene Faust das Haus der Familie. Es ­hatte zunächst weder eine Heizung noch richtige Toiletten. Mangels Alternativen wurde es in diesem Zustand trotzdem bezogen. «Wir haben in unserer Kindheit viel für das Leben gelernt. Mich interessiert Luxus bis heute nicht», sagt Geoffrey. Das Eishockey war für alle drei Brüder das Ticket raus aus dem Jura. Die Vauclair-

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Als Spieler eine physisch starke Flügelfräse, die zumeist im Trikot von ­Gottéron und Lugano die ­Gegnerschaft einschüchterte. Ausgebildeter Personal Coach. Seit 2022 Chef der Nachwuchs­ abteilung des HC Ajoie.

JULIEN VAUCLAIR, 46

War einer der smartesten, elegantesten, spielstärksten Schweizer Ver­ teidiger seiner Generation. Zwölf WM-Teilnahmen, ein NHL-Einsatz für Ottawa, und in Lugano hängt sein Trikot unter dem Hallendach. Seit 2022 Sport­ chef bei Ajoie.

Dynastie begann mit Geoffrey. Er sagt: «Wir hatten einen Flyer im Briefkasten, eine Einladung zum Probetraining. Und weil ich ständig nur vor dem TV sass und Cartoons schaute, schleiften mich die ­Eltern dorthin. Ursprünglich gegen meinen Willen. Aber es hat mir dann schnell viel Spass gemacht.» Seine Ausrüstungsgegenstände wurden erst an Julien und dann an Tristan weitergegeben. Geoffrey galt als grosses Talent, mit zwanzig bemühte sich praktisch die ganze Liga um ihn. Aber nur die Verantwortlichen des HC Lugano machten sich die Mühe, mit der Benzinkutsche den beschwerlichen Weg ins Elsgau, diesen Landstrich voller dichter Wälder und wildromantischer ­Natur, auf sich zu nehmen.

Mit der Meisterprämie wird den Eltern ein neues Dach finanziert

Beim Abendessen werden Vertragsmodalitäten diskutiert. 70 000 Franken bieten die Luganesi. Der Vater Daniel blickt auf und sagt: «Finden Sie das normal, dass THE RED BULLETIN


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UNDERDOGS

«Ajoie hat seinen Platz in der National League nicht gestohlen. Ein Abstieg wäre eine Katatrophe.» Geoffrey Vauclair

mein Sohn mehr verdient als ich?» 1997 war das, lange vor den heutigen Lohn­ exzessen, die dazu geführt haben, dass man diese Zahl bei den prominentesten Namen um eine Null ergänzen müsste. Aber das Geld allein genügt nicht, wich­ tiger ist die Bedingung, dass Lugano auch den erst 17 Jahre alten ­Julien mit einem Vertrag ausstattet. Der sagt: «Ich habe ­dafür meine Lehre abgebrochen, dachte aber, dass ich nach drei Monaten wieder zu Hause sein werde, weil mir die Quali­ tät fehlt.» Wie man sich täuschen kann: Julien debütiert bald in der NLA und eta­ bliert sich bis zu seinem Rücktritt 2020 als einer der emblematischen Verteidiger in der reichen Klubhistorie Luganos. 1999 wird er mit Geoffrey Schweizer Meister. Die Prämie für den ­Titel überweisen die Brüder nach Hause, damit der Vater das Dach renovieren kann. Zwischen 2005 und 2011 stürmt auch Tristan für Lugano. Aber alle sind nach der Karriere nach Hause zurückgekehrt. In den Jura, diesen Hort der Entschleunigung, wo man manch­ mal das Gefühl hat, die Zeit sei stehen ­geblieben. In der Badi ist das tatsächlich der Fall. Auf einem von der Sonne ausge­ blichenen Werbebanner wird ein Sonder­ angebot angepriesen: Jetons, um am Auto­ maten die Boulevardzeitung «Le Matin Dimanche» zu beziehen, «nur gültig bis am 31. August 2014». Was bedeutet den dreien die Heimat? «Es ist mein Zuhause, es gibt hier eine starke Verbundenheit zwischen den Men­ schen», sagt Tristan. «Die Jurassier haben das gleiche Syndrom wie die Korsen: Sie wollen ständig beweisen, dass es ein Fehler ist, sie zu unterschätzen. Es sind leidenschaftliche, ehrliche Leute, mit ­denen ich mich identifizieren kann», sagt THE RED BULLETIN

Geoffrey. Und Julien ergänzt: «Ich war 25 Jahre weg und habe lange im Tessin gelebt. Aber das hier ist mein Zuhause. Jeder kennt jeden. Ich habe viele Freunde in ­Lugano, aber alle stammen aus dem ­Hockey-Metier. Hier ist das anders. Du kannst einen alten Copain zwei Jahrzehnte nicht mehr sehen. Aber er bleibt dein Freund.» Worauf Tristan einwirft: «Meine Brüder sind meine besten Freunde auf der Welt, gar keine Frage.» Julien und Tristan sind mit der Auf­ gabe betraut, den HC Ajoie sportlich auf Vordermann zu bringen. Seit dem Auf­ stieg von 2021 hat der Klub in der Natio­ nal League stets den letzten Platz belegt, meist mit beträchtlichem Abstand. Der Verein hat vieles versucht, der frisch ver­ pflichtete Finne Ville Peltonen ist der fünfte Coach seit der Promotion – unter anderem scheiterte Filip Pešán, der gerade mit Pardubice tschechischer Meister ­geworden ist. Erstaunlich ist das nicht: Das effizienteste, am gewissenhaftesten ausgeübte System kann das mangelnde Talent im Kader nicht kaschieren. Ajoie operiert mit dem niedrigsten Budget der Liga; für die überwiegende Mehrheit der Spieler ist Pruntrut die allerletzte Ausfahrt der Karriere. Selbst wenn ein Vertrags­angebot kompetitiv ist: Der Jura ist eine unterschätzte, subversive, im ­nationalen Bewusstsein aber fast ver­ gessene, strukturschwache Region. Wer keinen Bezug zu ihr hat, weiss vermutlich nicht um ihre Schönheit und Reize. «Es ist nicht so einfach, Spieler davon zu über­ zeugen, zu uns zu wechseln. Manchmal ist das frustrierend, aber wir geben alles dafür, den Verein weiterzubringen», sagt Julien, ­dessen Vertrag noch bis 2027 läuft.

Darum wäre es umso wichtiger, dass der Club Kräfte aus dem eigenen Junioren­ kader in die erste Mannschaft einbauen kann. Aktuell sind es nur eine Handvoll Eigenbauspieler – und das war ein schwie­ riges Unterfangen, denn bis zum Aufstieg war die Nachwuchsorganisation eher auf den Breitensport ausgelegt und be­ schäftigte kaum Profitrainer. «Wir haben in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht», sagt Tristan, der «Responsable technique» der Ajoie-Academy. Es ist ein Fazit, das auch für die Club­ finanzen gültig ist. Seit 2021 ist das Bud­ get sukzessive erhöht worden, mit 14 Mil­ lionen Franken ist es heute knapp drei Mal so gross. «Für uns ist das viel, wir kämpfen um jeden Franken. Aber den Top-Teams steht das Drei-, Vier-, Fünffache zur Ver­ fügung. Ich wünschte mir, dass die Sen­ sibilität für diesen Umstand geschärft wird», sagt Tristan. Und doch gibt es diese Frage, die in den letzten Jahren immer wieder gestellt worden ist: Wäre Ajoie eine Liga tiefer nicht besser aufgehoben? Der Schwall an Niederlagen hat Abnützungserscheinun­ gen herbeigeführt, auch beim Anhang, der bei allem Lokalkolorit des Misserfolgs langsam überdrüssig wird. Der Schnitt von 4278 Zuschauern ist der tiefste der Liga, auch wenn er angesichts von nur knapp 7000 Einwohnern in Pruntrut noch immer beachtlich ist. Lieber gegen Olten und Visp gewinnen als von Davos und ­Zürich deklassiert werden? Noch bevor die Frage zu Ende formuliert ist, entgegnet Geoffrey: «Vergiss es! Bei einem Abstieg ist die ganze Aufbauarbeit im Nachwuchs futsch. Das wäre eine Katastrophe. Es stört mich auch, wie über den Klub dis­ kutiert wird. Ajoie hat seinen Platz in der National League nicht gestohlen. Und der Verein hat ihn fünf Saisons lang sportlich verteidigt, das gilt es zu respektieren.» Es ist augenfällig, wie sehr die Brüder an diesem Club hängen, an ihrem Revier, dieser Amour fou. «Ich kann mir keinen besseren Ort vorstellen, um meine Kinder aufzuziehen», sagt Tristan. Seine Tochter Maëlia spielt mit sechzehn im ersten Frau­ en-Team Ajoies. Bei den Aktiven scheint es an ihr zu liegen, die stolze Familien­ tradition der Vauclairs fortzuführen. Instagram: hcajoie_officiel


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Jede Saison wie ein Matterhorn, das es zu besteigen gilt: Tristan, Geoffrey und Julien Vauclair (von links)

«Meine Brüder sind meine besten Freunde auf der Welt, gar keine Frage.» Tristan Vauclair

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ONE NIGHT Text Nicola Berger Fotos Jan Cadosch

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VOR ORT

IN DAVOS Gehört schon fast zum Weltkulturerbe: zu Besuch bei den Playoffs in der vielleicht – nein, ganz sicher – schönsten Eishockey-Halle der Schweiz.

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VOR ORT

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In sich gehen, bevor sie zum Warm-up rausgehen: Die Spieler des HC Davos bereiten sich auf den Abend vor.

umpf klingt aus der Kabine «Schrei nach Liebe», aber nicht der fast gleichnamige alte Punk-Hit von den Ärzten: Der Kabinen-DJ Davyd Barandun lässt frisch veröffentlichtes Techno-Geballer aus Deutschland aus den Boxen dröhnen. Die aus der Garderobe dringenden Stimmen werden lauter: 22 moderne Gladiatoren in ihrer Rüstung, bereit für die Schlacht. Matěj Stránský, der Captain des HC Davos, reisst die Glastüre auf; er und seine Copains wirken wie Fohlen, die mit den Hufen scharren, bevor es aus dem Stall auf die Weide geht. Es wird abgeklatscht, sich in die Schulter geboxt, und sofort fällt der erste Anfeuerungsruf, das unvermeidliche und immer wieder ­verwendete «Let’s go boys!». Es ist Samstagabend in Davos, der Rekordmeister HCD empfängt zum Auftakt der Playoff-Halbfinal­

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serie den Titelhalter ZSC Lions. Draussen eilt das ­Publikum herbei: Die Ultras mit dem ihnen eigenen geschäftigen Schritt, dem prüfenden Blick und ihren dunklen Brillen, obwohl die Sonne am Horizont ­entschwunden ist. Die Zocker, die an der Tankstelle ihre Wettscheine platzieren. Die Fans aus dem Unterland, die in Scharen den Cars entsteigen und als Erstes zum Schnupftabak greifen. Ein Knirps in einem viel zu grossen Trikot des 2025 zurückgetretenen Aushängeschilds Andres Ambühl sagt zu seinem ­Vater: «Wenn es normal läuft, gewinnen wir.» Ach, die ­Naivität einer jungen, puren Fanliebe, die den Prüfungen der unweigerlich folgenden jahrzehntelangen Rück- und Nackenschläge noch nicht hat standhalten müssen.

«Die schönsten 300 Meter»

Es geht von der Promenade hinunter zum Stadion, ein Pfad, über den der einst als Spieler in Davos aktive kanadische Trainer Doug Shedden einmal gesagt hat: «Diese 300 Meter sind die schönste Strecke in der Welt des Eishockeys. Überall Schnee, fröhliche Menschen, der Duft von gebratenen Würsten liegt in der Luft. Und dann stehst du vor dieser Kathedrale des Eishockeys. Grossartig.»


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Die verspielte Holzkonstruktion des Davoser ­Stadiums hebt sich von der ­Einheitsware anderer Eishockey-Stadien ab. Mitten drin: der Spieler­ tunnel als überdimensionaler Steinbock.

Der HCD versucht an diesem Abend, den Gegner, die ZSC Lions, von Sekunde eins an unter Druck zu setzen. THE RED BULLETIN


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Tatsächlich hat das Davoser Eisstadion etwas ­ rhabenes und wird von einer nicht alltäglichen Aura E umweht. Die Glasfronten erinnern an die kunstvollen Bleiglasfenster der Kirchen unter dieser Sonne. Der Besuch sollte auf der «Bucket List» jeder eishockey­ affinen Person stehen, die Arena gehört zum Eis­ hockey-Weltkulturerbe. Sie hebt sich mit ihrer ­einmaligen Architektur und den verspielten Holz­ konstruktionen distinguiert vom Einheitsbrei der grauen, flug­hafenähnlichen Stangenware anderer moderner ­Stadien ab. Die Spielstätte ist eine Parabel auf den ganzen Verein, diesen Dorfklub, der auch 2026 auf wundersame Weise mit den teilweise von milliardenschweren Mäzenen unterfütterten Teams aus den urbanen Zentren mithalten kann. Ein paar Stunden vor dem Spiel sitzt Sandro Aeschlimann auf der Bande an der Spielerbank. Er hat seinen Torhüterstock mitgebracht und balanciert ihn in seinen Händen. Es ist seine Art, den Kopf zu lüften. «Nicht zu viel überlegen, das verkrampft nur», sagt er. Das Stadion ist leer, aber ein paar Meter ent­ fernt steht Gery Büsser, der legendäre Mannschafts­ arzt der ZSC Lions, und Aeschlimann entfährt der Spruch: «Mein Lieblingsdoktor!» Am Ende des Zwie­ gesprächs leistet Büsser sich einen freudschen Ver­ sprecher und sagt: «Einfach ihr immer eins mehr als wir.» Und Aeschlimann entgegnet freudig: «So machen wir’s!» THE RED BULLETIN

Wenn Aeschlimann den Kopf anhebt, schweift sein Blick gen oben. Man kann nur erahnen, was das in einem Spieler auslöst: wie sich die reiche Klub­ historie in einem einzigen Panorama aggregiert. Der HCD ist 31-facher Meister, es hängen 18 Trikots unter dem Hallendach und etliche Banner für all die Meriten, die Triumphe am Spengler Cup auch. Davos ­kuratiert seine reiche Vergangenheit so umsichtig und stilvoll wie kaum eine andere Sportorganisation in der Schweiz. Wer mit einem so umfassenden Pal­ marès gesegnet ist, muss aufpassen, dass er sich nicht in wohliger Nostalgie verliert und nur noch in der Vergangenheit lebt. Drinnen in der Kabine schwört der Trainer Josh Holden die Seinen auf diesen ersten Vergleich mit dem Titelhalter ZSC ein. Die Herzkammer des Kol­ lektivs ist für Reporter tabu, im Playoff sowieso, aber Holden wird später sagen, dass es keine grossen Reden braucht, keine Motivationskniffs: «Es sind die Playoffs, die schönste Zeit im Jahr, man muss die Jungs eher bremsen.» Auf dem Eis bedient sich der Topskorer Stránský unmittelbar vor dem ersten Bully eines Wundermit­ tels, auf das eine Vielzahl an Spielern schwört: Riech­ salz. Über die ammoniakhaltigen Ampullen sagt der ZSC-Arzt Büsser: «Die Wirkung beschränkt sich auf eine, zwei Sekunden. Aber da geht es von 0 auf 100, der Fokus ist sofort da.» Stránský stösst einen Schrei


VOR ORT

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Immer wieder gibt es Rangeleien auf dem Eis (linke Seite und unten), die auch von Linesman Fabrizio Bachelut (links) in Schach gehalten werden. Unten links: Trainer Josh Holden

aus, aber niemand hört ihn, so laut ist es in der Halle. Auf den Rängen liegt diese Melange aus nervöser Vorfreude, bierseliger Euphorie und der fiebrigen ­Erregung, die einem Stadionbesuch vorbehalten ist.

6306 Becher Bier an einem Abend

«Die Playoffs sind die schönste Zeit des Jahres. Man muss die Jungs eher bremsen.» JOSH HOLDEN

Stránský erzielt mit einem ansatzlosen Handgelenkschuss früh das 1:0, es herrscht kollektive Ekstase. Der HCD stand lange nicht mehr in einem Playoff-­ Final, zuletzt 2015. Die Sehnsucht des Publikums manifestiert sich darin, dass jede noch so harmlose Szene potenzielle Verheissung darstellt. Oder einen Weltuntergang. Es wird geraunt, gezittert, entrückt geklatscht. Und kurz auch geflucht und gelitten: Der ZSC gleicht mit zwei Treffern innert 179 Sekunden temporär aus. Die Gangart auf dem Eis wird ruppiger, es sind böse Worte zu hören, Trashtalk gehört im Playoff zum guten Ton. Fast wirkt es so als hätten sich die beiden Kollektive dieser von Thomas Mann niedergeschriebenen Maxime verschrieben: «Wer immer nur geliebt wird, ist ein Trottel.» Der grosse deutsche Schriftsteller schrieb in Davos sein Standardwerk «Der Zauberberg». Das von ihm besuchte Sanatorium Schatzalp ist heute ein hinreissend angejahrtes ­Belle-Époque-Hotel – und im Eisstadion als Bandensponsor präsent. THE RED BULLETIN


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VOR ORT

Ein Samstagabend wie im Rausch: Filip Zadina vom HC Davos feiert seinen Treffer zum zwischen­ zeitlichen 2:0.

Auf dem Eis fliegen bei Rangeleien kurz Fäuste, in der Fankurve hier und dort ein Bierbecher. Doch die grosse Versöhnung ist nicht weit: Stránskýs zwei­ ter Treffer des Abends sichert dem HCD den erleich­ ternden Sieg. Ovationen, Umarmungen, geballte Fäuste. Es ist ein Samstagabend wie im Rausch, der HCD verkauft 6306 Becher Bier. Freudenschreie auf dem Weg in die Kabine, die Gewissheit, dass in die­ sem Frühjahr alles möglich ist. Und nur Augenblicke später zeigen die Protagonisten nicht mehr die breite Brust, sondern setzen in den Interviews auf die hohe Kunst des Understatements: Es sei nur ein Sieg, der Gegner stark und selbstverständlich noch überhaupt nichts gewonnen. Es geht darum, dem Widersacher keine Munition zu liefern – schon nur der Anflug von Überheblichkeit kann im Playoff Gift sein. Langsam leert sich das Stadion. Draussen sichern fünf Polizisten die geregelte Abreise der Gästefans. «Schöni Ferie», ruft eine vorwitzige Gruppe den ge­ schlagenen Zürchern hinterher. Und man denkt: Der Bub hatte recht. Bei aller Unberechenbarkeit dieser Sportart und dem Drama von drei Dritteln mit der ­Intensität einer Achterbahnfahrt ist es an diesem Abend mit einem Heimsieg des Favoriten tatsächlich normal gelaufen. THE RED BULLETIN

Die zweifellos auch mit der Energie des sagen­ umwobenen Kraftorts Davos, dieser höchsten Stadt der Alpen, zu erklärende Heimstärke des HCD lässt sich in Zahlen messen: In der Qualifikation gewann das Team 23 von 26 Partien in der zondacrypto-­ Arena, in den Playoff-Serien gegen Zug und die ZSC Lions blieb das Ensemble ungeschlagen. Es war eine be­eindruckende Bilanz, die aber den Schönheitsfehler aufwies, dass Davos seine Phalanx im Final gegen Gottéron einbüsste. Das Kollektiv verlor drei seiner vier Heimspiele, stets 2:3, auch die Belle. Es würde nicht erstaunen, sollte der Modus Ope­ randi des Champions Fribourg Schule machen: zur Akklimatisation an die Differenz von mehr als tausend Höhenmetern schon am Vortag anzureisen und sich in Chur niederzulassen. Gottéron hatte im Final die Fortune auf seiner Seite und wurde zum Kryptonit des HCD. Für diesen geht das Warten auf den G ­ ewinn der 32. Meisterschaft weiter. Aber auch diese Gewiss­ heit brachte die Saison 2025/26: Die nächste Gelegen­ heit des Rekordmeisters kommt bestimmt – wie wei­ tere unvergessliche Nächte im Hockey-­Heiligtum am Fuss der Bündner Berge. Instagram: @hcd_official


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«Eine Kathedrale des Eishockeys. Grossartig!»

DER EINST ALS SPIELER IN DAVOS AKTIVE KANADISCHE TRAINER DOUG SHEDDEN

Kollektive Ekstase: die Spieler des HC Davos und ihre eingeschworenen Fans

THE RED BULLETIN


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HELDEN HEUTE, HELDEN MORGEN Die Schweiz ist eine Hockey-Nation: Die National League hat sich zur zweitbesten Liga hinter der NHL entwickelt, während die Nationalmannschaft seit Jahren zur Weltspitze gehört. Welche Spieler herausstechen. Und wie die Zukunft vorbereitet wird. Text David Pietronigro

THE RED BULLETIN


LAGEBERICHT

Roman Josi Ein Junge aus der Schule des SC Bern, der zu einem ganz Grossen des internationalen Hockey werden sollte: Als Nummer 38 gedraftet, hat er bislang mehr als 1000 NHL-Spiele absolviert.

Josi ist absolute Führungsfigur und Kapitän seiner Nashville Predators.

In Bern spielte er mit der 90 – wie heute noch in der Nati.

GETTY IMAGES, APA-IMAGES , ADOBE STOCK

ne m er in sei feierte ational 2009/10 N er d n Jahr i SC Bern. letzten mit dem en Titel League d

Sein Debüt in der National League gab er mit 16 Jahren.

Voller Einsatz: Josi gehört seit Jahren zu den punktebesten Verteidigern. THE RED BULLETIN


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Schon seit Jugendtagen ist «El Nino» fixer Bestandteil der Nati.

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Nino Niederreiter Sportliche Heimat des Churers ist der HC Davos, für den er bereits mit 16 Jahren debütierte. Im NHL Entry Draft 2010 pickten ihn die New York Islanders auf Platz fünf – höher als jeden Schweizer vor ihm.

THE RED BULLETIN

teran: Nino, der Ve NHL-­ über 1000 sher bi le ie Sp


LAGEBERICHT

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Der Einfluss der «Made in NHL»-Spieler

In

dieser Lage wären viele Nationen gerne: Unglücklicher Finalist der Weltmeisterschaft 2026. Ebenfalls Finalist im Jahr 2024 und 2025, genauso wie schon 2018 und 2013.

APA-IMAGES

Die Schweizer Nationalmannschaft hat es zwar noch nicht geschafft, an die absolute Spitze des Eishockey-Universums aufzusteigen, doch mit fünf Silbermedaillen hat sich die Mannschaft des damaligen Nationaltrainers Patrick Fischer und des aktuellen Coachs Jan Cadieux den Respekt der anderen Nationen verdient und bei den jungen Generationen Begeisterung geweckt. Dass die Weltmeisterschaft in der Schweiz ausgetragen wurde, bot zudem eine hervorragende Werbung für den Sport und die Mannschaft. Der eid­ genössische Eishockeyverband Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) reitet nun auf dieser Erfolgswelle und hofft, davon zu profitieren, während er gleichzeitig versucht, den «Roman Josi von morgen» vorzubereiten.

Klar ist, dass es die Stars von heute sind, die die jungen Generationen inspirieren. Noch nie hatte die Schweiz so viele eta­ blierte Spieler in der NHL. Die jungen Spieler haben das grosse Glück, mit Vorbildern wie eben Roman Josi, Nino Niederreiter, Nico Hischier oder Kevin Fiala aufzuwachsen. Das muss man ausnutzen. Ausserdem zögern all diese Spieler nicht, das Nationaltrikot in Rot mit dem weissen Kreuz zu tragen, sobald ihre Saison be­ endet ist. Sie sind nicht nur Ikonen, sondern auch Vorbilder. Ihr Einfluss auf das Eishockey von morgen ist enorm.

Fischers Philosophie

Was neben der goldenen Generation der NHL-Spieler ebenfalls entscheidend beigetragen hat, ist die Vision des Nationaltrainers Patrick Fischer. Während ­seiner gesamten mehr als zehnjährigen Amtszeit vertrat er stets die Philosophie «Gross denken und gross träumen». Eine Sichtweise, die in unserem Land eher untypisch ist, die aber, wie man zweifelsfrei sieht, durch beeindruckende Ergebnisse belohnt wird. Indem Fischer die übliche Schüchternheit über Bord warf, hat er ­unsere Landesfarben auf der Weltkarte des Eishockeys mit grossen Schritten vorangebracht. Nun liegt es an den jetzigen Entscheidungsträgern, alles zu tun, damit dies so bleibt und der Weg für die nächste Generation geebnet wird.

Das Hier und Jetzt geniessen

«Wir haben noch viele schöne Jahre vor uns.» Die Aussage stammt vom neuen Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, Jan Cadieux. Er hat recht: Viele NHL-Spieler sind in ihren sportlichen Blütejahren und haben tatsächlich noch viele schöne Jahre vor sich. «Kurzfristig wird die Schweiz bei jedem Turnier ein Wörtchen mitzureden haben.» Der neue Mann an der Spitze unserer Nationalmannschaft kann sich auf einen Kern ­talentierter Spieler stützen. Jan Cadieux wird seine persönliche Note einbringen, aber an der Linie seines Vorgängers festhalten. Und er kennt die nächste Generation, die in die A-Nationalmannschaft aufrückt, da er die Schweizer U20-Nationalmannschaft trainiert hat. «Man muss THE RED BULLETIN


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LAGEBERICHT

Jan Cadieux Nati-Coach

«Man muss den Moment geniessen und gleichzeitig die Zukunft vorbereiten. Bald werden die Jungen Vorbilder sein.»

#4 Makai Holdener #90 Théo Rochette

#7 Aurélien Marti

#33 Kevin Pasche

den jetzigen Moment geniessen und gleichzeitig die Zukunft vorbereiten. In­ dem man den jungen Spielern von heute ermöglicht, an der Seite erfahrener Kol­ legen zu performen, können sie schneller Fortschritte machen. Und sie lernen rasch. Eines Tages werden sie die Vorbilder sein», fügt Jan Cadieux hinzu.

Damit dies möglich wird, muss die Liga noch mehr Mittel in die Nachwuchsförde­ rung investieren. «Wir sind ein kleines Eis­ hockeyland, es ist schwierig, jedes Jahr Spieler zu stellen, die in den ersten Run­ den des NHL-Drafts gewählt werden. Den­ noch gibt es Beispiele wie die Slowakei, die zeigen, dass es möglich ist. Es liegt an uns, uns von ihnen inspirieren zu lassen und Strukturen zu schaffen, die es unse­ ren Jugendlichen ermöglichen, sich bis auf das internationale Niveau hochzu­ arbeiten», analysiert Jan Cadieux völlig zu Recht. Die verschiedenen Sportdirektoren und Verantwortlichen für den Nachwuchs­ sport, die ich befragt habe, sind sich in ­einem Punkt einig: Eine Besserung ist möglich. Die Vereine geben mehr und mehr Geld aus, um die Organisation der THE RED BULLETIN

APA -IMAGES, LIONEL DERIAZ, LAUSANNE HC

Eine Neuausrichtung der Nachwuchsförderung?


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2026/27 kommt Ewan Huet dazu (nicht im Bild), dafür hat Théo Rochette den Club in ­Richtung NHL verlassen.

#67 Nathan Vouardoux

#81 Iñaki Baragaño

#28 Gaël Haas

#71 Benjamin Bougro

Lausanne HC Ein (Vor-)Bild für gute Nachwuchsarbeit: Nicht weniger als zehn Spieler des Kaders aus der letzten Saison sind Eigengewächse des LHC, die hier ihre Ausbildung durchlaufen haben.

THE RED BULLETIN


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Hat das Zeug, nach Genoni, Berra und Co die neue Nummer 1 der Nati zu werden.

Verantwort ung schon in ju ngen Jahren ist ­essenziel l für Torhüter.

In der ShowMetropole Las Vegas spielte Schmid von 2024 bis 2026. Im Herbst wechselt er zu den Florida Panthers.

Akira Schmid

Der Berner «lernte» bei den SCL Young Tigers und den SCL Tigers. 2018 wurde er von den New Jersey Devils gedraftet. Mit den Vegas Golden Knights erreichte er das Stanley-Cup-Finale.

THE RED BULLETIN

Langnau - Newark Las Vegas: Stationen einer noch ­jungen Karriere.


LAGEBERICHT

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Die Kader-Schmiede

APA-IMAGES, REGINE GIESECKE

Das Leistungszentrum OYM (On Your Marks) mit Sitz in Cham ist ein wahres Juwel auf seinem Gebiet. Es vereint Sport und Wissenschaft an einem Ort und bietet Spitzensportlern eine umfassende Betreuung ihrer Leistungen mit hochmodernen Trainingsräumen, Ernährungs-

beratung, medizinischer Versorgung sowie Forschung und Entwicklung. Das Ziel? Die besten Voraussetzungen zu schaffen, um die Sportler auf grosse Wettkämpfe vorzubereiten. Dieses Projekt wird seit 2020 dank des Hauptaktionärs und Präsidenten des EV Zug,

Akademien zu optimieren und ihnen die besten Trainer zur Verfügung zu stellen. Die in der Schweiz geleistete Arbeit ist bemerkenswert. Die Frage stellt sich eher bezüglich einer notwendigen umfassenden Reform. Man muss diesen jungen Spielern Verantwortung und Vertrauen geben, ­damit sie Fortschritte machen und den Rückstand auf die besten Nationen verringern können. Eine Studie ist im Gange, aber so etwas braucht Zeit. Und alle räumen ein: Zeit haben wir eigentlich nicht. Denn was jetzt umgesetzt wird, wird erst in mehreren Jahren Früchte tragen. Man muss also schnell handeln. Das Problem betrifft also eher die ­mittel- und langfristige Perspektive, wo die Schweiz weniger Nachwuchstalente erwartet als in den letzten Jahren. Und das zeigt sich bereits heute in den ent­ täuschenden Ergebnissen bei Juniorenwettbewerben. Das Problem für diese ­Jugendlichen ist, dass sie nicht oft genug zusammenspielen. Einige sind ins Ausland gegangen, andere haben einen Platz in ­einer Erwachsenenmannschaft gefunden, und der Rest ist auf die verschiedenen

Hans-Peter Strebel, ermöglicht. Die Idee dahinter ist natürlich, die Nachwuchs­ talente von m ­ orgen davon zu überzeugen, sich dem OYM anzuschliessen, um sich für ihre ­jeweilige Karriere die bestmöglichen Erfolgschancen zu sichern. Sowohl die ­Schweizer Nationalmannschaft als auch der Club aus Zug ­profitieren hiervon tagtäglich. Und der EVZ hat seit der Eröffnung des Zentrums bereits zwei Schweizer Meistertitel er­ rungen – mit dem Wunsch, in ­Zukunft noch weitere Erfolge zu feiern.

J­ uniorenmannschaften der Vereine in der Schweiz verteilt. Man muss diesen ­Jugendlichen schnellstmöglich einen Platz bei den Profis verschaffen! Das Problem? Die National League ist extrem kompetitiv, und darum es gibt nur wenige Plätze für junge Spieler. Die Swiss League ist ­gespalten zwischen ambitionierten Ver­ einen und solchen, die ums Überleben kämpfen. Niemand macht die Nachwuchsförderung wirklich zu seiner Priorität. Die ersten Reformvorschläge haben nicht überzeugt. Und in der Schweiz, das ist ­bekannt, muss Einigkeit herrschen, wenn ein Projekt gelingen soll. Aber die Zeit drängt …

Das Beispiel des LHC

Dementsprechend verlassen viele der zukünftigen Schweizer Nachwuchstalente die Schweiz, um ihre Juniorenlaufbahn im Ausland zu beenden. Sie träumen davon, in Schweden oder Finnland spielen zu können oder Nordamerika kennen­ zulernen. Und trotzdem gibt es in der Schweiz mehrere Vereine, die versuchen, den Spagat zwischen Leistungsanspruch THE RED BULLETIN


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LAGEBERICHT

THE RED BULLETIN

John Fust General Manager LHC

«Wir ernten heute die Früchte einer Arbeit, die vor langer Zeit begonnen wurde – und zwar nicht nur in Lausanne.»

Wer wird der nächste Shootingstar sein?

2026 wurden bloss zwei Spieler mit Schweizer Lizenz gedraftet: und zwar ein gewisser Sima Ignatavicius (2. Runde) und Lars Steiner (6. Runde). Doch für den Draft 2027 gibt es einen Namen, der ganz oben auf der Liste stehen wird, und zwar Jonah Neuenschwander: ein Spieler, der 2009 geboren wurde und seit seinem 15. Lebensjahr in der ersten Mannschaft des EHC Biel in der National League spielt. Ein Stürmer, der unglaublich schnell lernt und während seiner Zeit als Nachwuchs­ spieler stets in einer höheren Altersklasse gespielt hat. Trotz seines jungen Alters hat er bereits zweimal an der U20-JuniorenWeltmeisterschaft teilgenommen. Und er beendete die letzte Saison mit fünf Toren und sieben Assists in 32 Spielen. Seine imposante Statur – 191 Zentimeter bei 85 Kilogramm – verschafft ihm einen kla­ ren Vorteil. Er könnte in den kommenden Jahren durchaus die Zukunft der Schwei­ zer Nationalmannschaft sein. Doch die Nationalmannschaft muss, genau wie die Vereine, für sich eine starke Identität entwickeln und hoffen, jetzt die richtigen Entscheidungen zu t­ reffen, damit die ­Zukunft für unsere ­Helden von morgen so erfolgreich wie möglich wird.

APA-IMAGES,STEPHAN BOEGLI/EHC BIEL-BIENNE

und Nachwuchsförderung zu meistern. Der Lausanne Hockey Club kann hier als Beispiel genannt werden. Er zählt fast zehn Spieler, die im erweiterten Kader seiner ersten Mannschaft beim LHC aus­ gebildet wurden. «Wir ernten heute die Früchte einer Arbeit, die vor langer Zeit begonnen wurde, um alle Ausbildungs­ stufen zu vereinen – und zwar nicht nur in Lausanne, sondern im gesamten Kanton. Es ist uns gelungen, bei unseren Jugend­ lichen eine starke Identifikation mit dem Verein zu schaffen, um die Marke LHC be­ kannt zu machen.» Diese Worte stammen von John Fust. Der derzeitige General Manager des Waadtländer Clubs weiss, wovon er spricht, weil er früher für die Juniorenabteilung des Lausanne Hockey Clubs verantwortlich war. «Auch wenn wir alle unsere besten Spieler behalten wollen, müssen wir manchmal akzep­ tieren, dass sie uns verlassen. In diesem jungen Alter ist das eine mutige Entschei­ dung für sie, und sie ändern ihre Menta­ lität und ihre Sichtweise. Es liegt jedoch an uns, sie davon zu überzeugen, später in ihrer Karriere hierher zurück­zukehren», führt John Fust weiter aus. So wie es ­beispielsweise bei Théo Rochette, Iñaki Baragano und Nathan Vouardoux der Fall war. Ein anderes Beispiel ist Kloten. Der Club betreibt eine der grössten Nach­ wuchsabteilungen der Schweiz – und zwar erfolgreich, wie man zum Beispiel an David Reinbacher sieht, der im NHLDraft 2023 auf Platz 5 und als bester ­Verteidiger seines Jahrgangs von den Montréal Canadiens gewählt wurde.


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Mit den Grossen spielen: Debüt in der National League in der Saison 24/25

Jahrgan g 2009: Noch muss Ne uenschw ander mit Gitt er spie len.

Neben Grösse und Geschwin­ digkeit zeich­ net ihn vor allem Spiel­ intelligenz aus. Erste Tore in der National League erziel­ te er im Alter von 16 Jahren.

Jonah Neuenschwander Der 1,91 Meter gross gewachsene Stürmer des EHC Biel gilt als das kommende Schweizer Supertalent. Im NHL-Draft 2027 wird er von Experten als potenzieller Top-10-Pick gehandelt.


FLÜÜÜGEL MIT UND OHNE ZUCKER.


APA-IMAGES

OVERTIME

Rätsel / Eismaschine / Durststrecke / Kulinarik   Off-Season / Kolumne / Playlist

In der Vaudoise-Arena in Lausanne gibt’s geballte Hockey-Kultur - noch viel mehr davon findest du auf den kommenden Seiten. THE RED BULLETIN


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OVERTIME

KOLIN

R E W BIN ICH 2

2

RÄTSEL

Ordne Maskottchen und Namen dem Verein zu!

?

(Nicht schummeln! Und Elt ern sind von der Teilnahme ausgesch lossen.)

THE RED BULLETIN

CALVIN

HOCKEY CLUB AJOIE, HC FRIBOURG‑GOTTÉRON, HC LUGANO, LAUSANNE HC, EVZ, SCL TIGERS, ZSC LIONS, GSHC

AUGUSTIN


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1

NI TSCHOR TI G E

HC Ajoie

2 FribourgGottéron

LÉO

3 GenèveServette HC

4 SCL Tigers

5 Lausanne HC

CORBAT

6 HC Lugano

IV VOU

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7 ZSC Lions

Z E T TLI

8 EV Zug

THE RED BULLETIN


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OVERTIME

Es gibt Eis, Baby! Wie funktioniert eigentlich eine Eismaschine? Grob gesagt mit Messer, Bürste, Tank und Lippe. Der Rest ist Feingefühl. Populärer Irrtum: Nicht jede Eismaschine ist eine Zamboni. Der US-Amerikaner Frank Zamboni erfand 1949 die erste und meldete sie zum Patent an. Die Firma gibt es noch heute – sie ist Weltmarkt­führer. Andere Hersteller heissen etwa Engo oder WM technics.

4 5 7 3

1

Rasieren und transportieren 1 Eine dünne Klinge wird übers Eis gezogen und rasiert die obersten Unebenheiten ab. Hier ist die richtige Ein­ stellung wichtig: nicht zu hoch, aber auch nicht zu tief. 2 Eine horizontale Förder­ schnecke bringt den Schnee zu einer vertikalen Förder­ schnecke 3 , die ihn wieder­ um in den Schneetank 4 transportiert. Waschen und kultivieren Wasser kommt aus einem eigenen Tank 5 zum Con­ ditioner 6 , der das Eis

THE RED BULLETIN

wäscht. Schmutziges Wasser wird von einer Lippe zusam­ mengeschoben, eingesaugt, gefiltert und wieder in den Tank gepumpt. Fassonieren und polieren Sauberes Wasser aus einem Frischwassertank 7 kommt durch einen Schlauch und feine Düsen aufs Eis. Eine Art Handtuch 8 hinter dem Conditioner sorgt für spiegel­ glatte Ergebnisse.

WERNER JESSNER

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IMAGE COURTESY OF GEORGE RETSECK

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Das Warten hat ein Ende: Der HC Fribourg-Gotté­ron SA feiert den ersten Titel der Club­geschichte nach 32 293 Tagen. Torschütze: Lucas Wallmark (vorn)

Nur Geduld!

APA IMAGES

WERNER JESSNER

Nach 89 Jahren ist Fribourg-Gottéron endlich Meister. Was sich wie eine Ewigkeit anfühlt, ist aber kein Rekord: Das waren die längsten Durststrecken der Eishockey-Geschichte. Gegründet am 1. Dezember 1937 in der Freiburger Unterstadt, gefeiert am 30. April 2026 in Davos: Kein Schweizer Club musste länger auf seinen ersten Titel warten als der HC Fribourg-Gottéron SA. Fünf Mal im Finale gescheitert, zum letzten Mal vor 13 Jahren: Fast schien es, als sollte es nie so weit sein. Es gibt Vereine, über denen ein Fluch zu hängen scheint. Die Vancouver Canucks und die Buffalo Sabres in der NHL zum Beispiel, die Lord Stanley’s Cup seit ihrer Gründung im Jahr 1970 jagen – doch alles, was sie in 56 Jahren zu Buche stehen haben, sind

jeweils knappe Final-Niederlagen. Oder der schwedische Traditionsclub Rögle BK: seit 94 Jahren im Geschäft, noch immer titellos. Besonders dramatisch ist das Schicksal der Augsburger Panther in der DEL: 1878 als Augsburger EV gegründet, läuft der deutsche Verein bis heute unverdrossen seinem ersten Titel nach – seit unglaublichen 148 Jahren!

Endlich am Ziel

Den finnischen Club KalPa Kuopio gibt es seit 1929, doch die Anhänger (beziehungsweise ihre Enkel) mussten bis 2025 auf die erste Meisterfeier warten: 96 Jahre sind

«Es ist sicher der schönste Moment meiner Karriere. Ich hätte mir das nicht besser erträumen können.» Julien Sprunger, Kapitän HCFG

ein internationaler Rekord. 90 Jahre lang dauerte es beim slowakischen Club HK Nitra und bei den Diables Rouges aus Briançon in Frankreich bis zum ersten Titel. Und auch Traditionsclubs wie dem HC Pilsen aus Tschechien (65 Jahre) oder dem SKA

St. Petersburg (69 Jahre) flog der Erfolg nicht unmittelbar zu. Wenn der Bann aber einmal gebrochen ist, scheint vieles möglich: Dass es bis zu Titel Nummer zwei ebenso lang dauert, ist zumindest statistisch gesehen noch ­unwahrscheinlicher. THE RED BULLETIN


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EN GUETE! In der National League wird nicht nur gut gespielt, sondern bisweilen auch aussergewöhnlich gut gespeist: Fünf kulinarische Insider-Tipps für die Eishalle.

SCL TIGERS

Text David Pietronigro

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Langnau

TIGERSTARKE POMMES Pommes frites gibt’s in jeder Eishalle, und sie hinterlassen nur selten einen bleibenden kulinarischen Eindruck. ­Warum das aber nicht immer stimmt? Weil es die SCL ­Tigers gibt! Der Verein aus dem Emmental ist in der ­ganzen Schweiz berühmt für seine «Golden Frites». Die kleinen Kartoffelstückchen werden knusprig

f­ rittiert und mit Gewürzen verfeinert. So haben sie es geschafft, vom schnöden ­Allerwelts-Snack zur geschmacklichen Legende zu werden. Pro Saison werden über elf Tonnen davon verkauft, und zwar nicht nur an Tigers-Fans: Sogar Spieler der gegnerischen Mannschaft bitten darum, ihre Portion Pommes mit in den Bus nehmen zu dürfen. Die Begeisterung ist so gross, dass die SCL Tigers die Pommes sogar für ihre Vereinskommunikation nutzen. Zudem gibt es einen eigens kreierten Song, der den Pommes gewidmet ist – und während des Spiels wird regelmässig der Stand der verkauften Pommes bekannt gegeben. Preis: CHF 7.50 Scannt den QR-Code, um den Song ­anzuhören.

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Bern

BÄRIGE RIESENZIPFEL

TRISTAN SCHERWEY ist seit 2007 ein «Bär». Mit den Bernern wurde er fünfmal Meister.

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mit Senf gefüllten Brötchen ist sie genauso wenig zu übersehen wie das Gelb der Dressen. Ihr Name «Bäre» steht für Bär: das Wahrzeichen des Kantons Bern und Spitzname der SCB-Spieler. Und «Zipfel» bedeutet, nun ja, Spitze und soll wohl deutlich machen, dass die Wurst gross ist, so wie es sich für einen Bären gehört. Jedenfalls überragt der Zipfel das Brötchen deutlich. Wer sie probiert, kann sicher sein, dass sie jeden Magen zufriedenstellt … und für jeden Geldbeutel erschwinglich bleibt. Es ist kein Zufall, dass der SCB angibt, pro Saison fast 70 000 Stück davon an Mann, Frau und Kind zu bringen. Preis: CHF 9

SCB, MÉRAT GASTRO

Wer ein Spiel des SCB in der PostFinance-Arena besucht, ohne sie zu probieren, hat definitiv etwas verpasst. Die legendäre «BäreZipfu»Wurst stillt seit Jahren den Hunger der Fans des SC Bern – und zwar gründlich. Diese XXL-Wurst ist der Snack schlechthin in der grössten Eishalle der Schweiz. Mit ­ihren 32 Zentimetern Länge, ihren 140 Gramm und dem


THEMA OVERTIME

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1 cm Massstab 1:1

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OVERTIME

Lausanne

TATAR VOM FOODTRUCK Ein Fall für echte Feinschmecker sind die Brötchen mit Tatar, die der Foodtruck L’Épis Taff’ vor der Vaudoise Aréna anbietet – eine raffinierte Köstlichkeit, die sich von den üb­lichen Hamburgern oder Pommes frites in anderen Eishallen abhebt. Die Idee stammt vom Besitzer, Alain Reist. Selbst ein ehemaliger Eishockeyspieler, der auf eine 18-jährige Karriere auf höchstem Niveau ­zurückblicken kann, blieb er dem Eis dank einer erfolgreichen beruflichen Neuorientierung seit 2016 treu. Erhältlich ist das Gericht in zwei V ­ arianten, mit 100 oder 200 Gramm Rindfleisch, dazu die hausgemachte Sauce, deren Rezept natürlich streng geheim ist. Das Ganze wird auf geröstetem Brot serviert – perfekt für knusprigen Biss. Die Produkte ­stammen aus der Region, und so wurde das Tatar ein Klassiker in Lausanne. (­Eigentlich komisch, dass der Slowake Tomáš Tatar in Zug und nicht beim LHC spielt.) Preis: CHF 16 bis 29

Fribourg-Gottéron

Wir kennen es alle, wir lieben es alle: Fondue. Und jenes in der BCF Arena ist wahrlich ein absolutes Muss. Das gilt für Stammgäste wie Hallen-Hopper gleichermassen, rühmt sich der Club aus dem Freiburgerland doch, pro Heimspiel bis zu 1200 Fondues zu ­servieren. Der Klassiker ist das Fondue «Moitié-Moitié», bestehend aus Gruyère AOP und Vacherin Fribourgeois, selbstverständlich mit Knoblauch, Schalotten und Weisswein verfeinert. Und fertig ist die Kraft­nahrung für die Fans der Meister aus FribourgGottéron. Entscheidend beim Essen ist die elegante Bewegung aus dem Hand­gelenk, ohne unterwegs das Brotstück zu verlieren – denn das bringt ­angeblich Unglück. Preis: CHF 28 pro Person THE RED BULLETIN

L’ÉPIS TAFF, JEY CRUNCH

FONDUE ALS VORSPIEL


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NOAH ROD, seit 2018 zum zweiten Mal beim GenèveServette HC, lässt sich «seinen» ­Burger des Monats schmecken.

Genf

CHAMPION BURGER

GSHC

Vor dem Spiel den Burger ­seines ­Lieblingsspielers zu essen, ist in Genf ein echter Verkaufsschlager. Der Club hat in Zusammenarbeit mit dem ­Prime’s, dem Restaurant neben der ­Eishalle Les ­Vernets, einen «Burger des ­Monats» auf den Markt ­gebracht. Das Prinzip ist ­einfach, aber wirkungsvoll: Jeden Monat schlüpft ein Starspieler der «Aigles»

in die Rolle des Chefkochs. Er wird eingeladen, einen Hamburger nach seinen eigenen ­Vorstellungen zu kreieren und zuzubereiten. Kapitän Noah Rod (Bild), Stürmer ­Vincent Praplan oder auch Jesse Puljujärvi, die Nummer 4 des NHL-Drafts 2016, haben sich zum Beispiel schon daran versucht. Der Finne hatte ­dabei auf eine besonders erfolg­reiche Kombination ­gesetzt: Rindfleisch – Cheddar – Zwiebelringe – Salat – Barbecue-­Sauce. Hyvää ­ruokahalua! (En guete!) Preis: CHF 32

THE RED BULLETIN


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Schlittenhund: Luganos Goalie Joren van Pottelberghe und Begleiter lieben es auch sommers eiskalt. Petri Heil: Luganos Luca Fazzini hatte zu Hause am See etwas Dickes an der Angel.

Perfekte Welle: Marco Zanetti vom HC Lugano macht auf dem Surfbrett in Fuerteventura una bella figura.

En Gruess!

Sehnsuchtsort: Biels Robin Grossmann beim Wandern auf den Lofoten in Norwegen

Was machen Eishockeyspieler eigentlich in der Off-Season? Na, Urlaub wie wir auch! Wir haben um ein paar Eindrücke gebeten.

THE RED BULLETIN

schen, die ganz normal ihre Auszeit mit den Liebsten oder besten Freunden geniessen – manchmal auch über ClubGrenzen hinweg. Einige Jungs nutzen den Sommer, um zu heiraten, andere tauchen komplett unter, besuchen Konzerte oder Gross­ events, machen auch mal Party oder schauen an, was sie schon immer mal sehen wollten. Wir gönnen ihnen jeden freien Tag – und freuen uns darauf, sie mit vollen Tanks wiederzusehen.

WERNER JESSNER

Kraft tanken

Supporting Cast: Lino Martschini und Raphael Diaz vom EV Zug schauten in Amerika bei der Fussball-WM vorbei. Hopp Schwiiz!

COURTESY OF THE PLAYERS

Von Mitte September bis Ende April haben wir Fans Gelegenheit, unsere Stars in der National League auf dem Eis zu ­erleben. Doch für sie dauert so eine Hockey-Saison weit länger. Sommertraining, Champions Hockey League, Weltmeisterschaften: ProfiEishockey ist längst ein Ganz­ jahressport. Umso mehr geniessen die Spieler die paar wohl­ verdienten Wochen im Jahr, in denen sie die Ausrüstung wegräumen dürfen. Ohne Helm, Schützer und Schliifschüe werden sie zu Men-


ADVERTORIAL

Willkommen in den Ochsner Hockey Pro Shops!

Mehr als nur Beratung: dein vollständiger Hockey-Service

Dein Partner fürs Eishockey-Leben

In den Ochsner Hockey Pro Shops verstehen wir es, dass jeder Spieler einzigartig ist – genau wie seine Ausrüstungsanforderungen. Wir sind dein verlässlicher Partner für alle Aspekte deiner Hockey-Ausrüstung – von der ersten Beratung über den Kauf bis hin zur regelmässigen Wartung und Reparatur.

Umfassende Beratung und mehr

Beim Kauf eines neuen Skates beginnt die perfekte Beratung mit dem 3D Scan im revolutionären Bauer Fit Lab. Wenn du neues Schutzmaterial benötigst, achten wir besonders auf den richtigen Sitz und die optimale Passform, damit du dich auf dem Eis voll und ganz auf dein Spiel konzentrieren kannst. Unsere Experten stehen dir auch bei der Auswahl des perfekten Stocks zur Seite, abgestimmt auf deine Grösse, Spielposition und deinen individuellen Stil. Doch unsere Expertise geht weit über diese Schritte hinaus. Wir verstehen, dass deine Ausrüstung dein wichtigster Partner auf dem Eis ist und somit die beste Pflege und Aufmerksamkeit verdient.

Wir freuen uns auf dich

Besuche uns deshalb in einem unserer 13 Pro Shops und erlebe den Unterschied, den echte Expertise und Leidenschaft für den Sport machen können. Dein Spiel verdient nicht weniger als das Beste, und genau das bieten wir dir.

Fachkundige Reparaturarbeiten

Deine Ausrüstung hat schon einiges mitgemacht, aber du bist noch nicht bereit, dich von ihr zu trennen? Unsere Experten helfen dir gerne! Reparaturarbeiten wie das Wechseln von Zungen, Nieten oder kleinere Näharbeiten erledigen wir fachmännisch in unseren Pro Shops – so kannst du defekte Ausrüstungsgegenstände weiterhin verwenden, bevor du neue kaufen musst. Auch komplexere Umbauten, zum Beispiel von Schlittschuhen zu Inlineskates, erledigen wir vor Ort, sofern es der Unterboden zulässt. Unsere Spezialisten können das Chassis und den Schuh innerhalb von zwei bis drei Tagen so umbauen, dass du ihn noch lange Zeit nutzen kannst.

Professioneller Schleifservice

Was für ein Spielertyp bist du? Mit unserer Erfahrung und technischen Ausstattung finden wir den perfekten Schliff für deinen Spielstil, egal ob du ein flinker Stürmer, ein wendiger Verteidiger oder ein reaktionsschneller Torhüter bist. Der richtige Schliff kann deine Performance auf dem Eis spürbar verbessern und dir den entscheidenden Vorteil verschaffen.

Teste unseren Schleifservice

Gutschein für 1 Schliff Schneide den Gutschein aus und komm in einem unserer Pro Shops vorbei, um ihn gegen einen gratis Schliff einzutauschen!


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OVERTIME

Woher kommen wir, und wie konnte das Schweizer Hockey seine aktuelle Flughöhe erreichen? Eine Kolumne.

Willkommen im Disneyland des Hockeys

THE RED BULLETIN

WERNER JESSNER

Aus dem sportlichen Niemandsland an die Weltspitze: Kein anderes Land hat im Eishockey in so kurzer Zeit einen vergleichbaren Aufstieg vollzogen. Auf den ersten Blick ein Wunder. Auf den zweiten ist es ein logisches und erklärbares. Möglich geworden durch kluge Entscheidungen, fähige Persönlichkeiten auf den Schlüsselpositionen, günstige Umstände und, natürlich, auch ein wenig Glück. Das sportliche Niveau, die Lebensqualität und die Saläre sind inzwischen so gut, dass die National League nach der nordamerikanischen NHL die attraktivste Liga der Welt geworden ist. Wer es nicht in die NHL schafft, versucht es in der Schweiz. Ein paar Namen und Umstände, die uns diese Entwicklung erklären: Eishockey hat in der Schweiz eine ­reiche Tradition, die bis in die Anfänge des letzten Jahrhunderts zurückreicht. Bis in die frühen 1950er-Jahre gab es regelmässig WM- und Olympiamedaillen. Die Begeisterung für dieses unberechenbare Spiel ist von Generation zu Generation überliefert worden und hat auch den jahrzehntelangen Absturz in die internationale Bedeutungslosigkeit überstanden. So wie ein Samen in

KORNEL STADLER

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in Blick zurück ins Frühjahr 1987, um zu verstehen, welch atemberaubende Entwicklung unser Eishockey von ganz unten nach ganz oben gemacht hat. Eishockey-WM 1987 in Wien. Zehn Partien, zehn Niederlagen, 26:71 Tore, sofortiger Wiederabstieg und gegen Schweden eine 1:12-Pleite. Hätte ich damals philosophiert, es werde mir vergönnt sein, zu erleben, wie die Schweizer gegen Schweden um den WM-Titel spielen und ein Schweizer WM-Topskorer oder MVP des Turniers wird, dann wäre gefragt worden: Welches Kraut hat der Chronist geraucht? Die «Nati» taumelte damals durch die Weltmeisterschaften wie ein Wanderer ohne Kompass durch Nebel und Geröll. Sie stieg auf und ab, spielte mit, aber sie spielte keine Rolle, und Siege gegen Italien, Frankreich, Japan oder Holland wurden als Erfolge gefeiert. Eine WM-Medaille war so unerreichbar wie der Mond für eine 1.-August-Rakete. Unsere höchste Spielklasse war im internationalen Vergleich eine Operettenliga. Gut 35 Jahre später stehen die Schweizer an der Spitze der offiziellen Weltrangliste, die aus den Resul­ taten der vorangegangenen vier Jahren errechnet wird. 2026 erreichen die «Eisgenossen» (abgeleitet aus «Eid­ genossen») in Zürich bereits zum fünften Mal den WMFinal, Sven Andrighetto wird Topskorer und Leonardo Genoni zum zweiten Mal hintereinander statistisch bester Torhüter des Turniers. Die Verlängerungs-Niederlage (0:1 n. V.) gegen Finnland schmerzt. Aber auf den Matchblättern der beiden Final-Teams stehen 27 Spieler, die ihr Geld in unserer National League verdienen. Unsere höchste Liga ist die beste ausserhalb von Nordamerika. Servette und die ZSC Lions gewannen 2023 respektive 2024 die Champions Hockey League. Lob und Preis, Ruhm und Ehre wie noch nie auf allen Ebenen.


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«Kein anderes Land hat im Eishockey in so kurzer Zeit einen vergleichbaren Aufstieg vollzogen. Ein Wunder, das erklärbar ist.» der Wüste auf einmal Blüten hervorbringt, wenn es regnet, so brauchte es in der Schweiz lediglich die richtigen Persönlichkeiten, Entscheidungen und Umstände, um einen Eishockey-Boom auszulösen. In den 1990er-Jahren beginnt mit der Professionalisierung (Playoffs ab 1986) auch die Modernisierung der Infrastruktur. Wenn Geld tatsächlich entscheidend war, dann in diesem Zusammenhang beim Bau von neuen Stadien in Lausanne, Ambrì, Zürich, Fribourg, Pruntrut, Zug, Davos, Langnau oder Biel. Moderne Hockey-Tempel die den Clubs neue Einnahmequellen erschliessen (Gas­ tronomie) und ein Spiel zum Erlebnis machen. Inzwischen bietet die National League etwas, das es so in keiner anderen Profiliga gibt: Lebensqualität. Keine Roadtrips. Nach jedem Auswärtsspiel schläft der Profi zu Hause im eigenen Bett. Für Hockey-Familien ist die Schweiz auch deshalb ein Sehnsuchtsort geworden. Die National League als Hockey-Disneyland. Mitte der 2010er-Jahre startet der damalige Verbandssportdirektor Raeto Raffainer das Programm «Swissness» und findet in Nationaltrainer Patrick Fischer den perfekten Mann für dieses Programm. Mit seiner Zielsetzung «Weltmeister» erweitert er den Horizont, befreit die Spieler von allen historischen Komplexen und sorgt für den «Urknall», der die Schweiz dauerhaft in die Weltspitze katapultiert. Längst haben die Schweizer aus den verschiedenen internationalen Hockeyphilosophien ihren unverwechselbaren Spektakelstil entwickelt («totales» Hockey) und sind globale taktische Trendsetter geworden. Dieses Laufund Tempohockey zinste inzwischen mit fünf WM-Finals (2013, 2018, 2024, 2025 und 2026) und sorgt auch im heimischen Spielbetrieb zwischen September und April Abend für Abend für beste Unterhaltung, volle Stadien (Auslastung: über 90 Prozent!), hohe TV-Quoten, und die Clubs haben das Geschäftsvolumen verzwanzigfacht: 1986 setzte der Meister gut zwei Millionen um, heute sind es mehr als 20 Millionen. Prognosen über den Ausgang der Meisterschaft sind nicht mehr möglich. Die Ausgeglichenheit der 14er-Liga ist inzwischen so gross, dass sieben Teams den Titel holen können und mindestens zehn damit rechnen müssen, die direkte PlayoffQuali­fikation zu verpassen. Dramatik, garniert mit mindestens fünf Trainerentlassungen, ist garantiert. Im Mai 1987 gab es noch viele Sehnsuchtsziele, und sie galten allesamt als unerreichbar: bei der WM um den Titel spielen, wieder einmal ein Schweizer Team, das den Spengler Cup oder gar den paneuropäischen Club­ wett­bewerb gewinnt, und vielleicht gar einen Schweizer in der NHL. Im Frühjahr 2027 gibt es nur noch ein Sehnsuchtsziel: den ersten WM-Titel. Alles andere haben wir im ­Disneyland des Hockeys inzwischen erreicht.

KLAUS ZAUGG Der freie Publizist, Jahrgang 1957, ist vor allem bekannt für seine Arbeit als «Eismeister Zaugg» auf dem News-Portal watson.ch. Über Eishockey schreibt er seit mehr als vier Jahrzehnten.

The Red Bulletin Schweiz ISSN 2308-5886 Sonderausgabe Eishockey 2026/27 Head of Editorial Print & Publishing Andreas Kornhofer Head of The Red Bulletin Andreas Rottenschlager Chefredakteurin Schweiz Anna Mayumi Kerber Leitender Redakteur Eishockey Werner Jessner Country Project Management Meike Koch Senior Editor Stephan Hilpold Redaktion Christine Vitel (Ltg.), Valerio Mammone, David Pietronigro Art Director Patrick Schrack Editorial Designer Kevin Faustmann-Goll Photo Director Eva Kerschbaum Production Editor Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Media Sales & Partnerships Christian Bürgi (Ltg.), Marcel Bannwart, Lauritz Putze, Michael Wipraechtiger Head of Publishing Management Sara Car-Varming Abo getredbulletin.com abo@ch.redbulletin.com Jahresabo 6 Hefte CHF 20.– Lektorat Hans Fleissner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek, Lucie Donzé (FR), Marco Surace (ITA) Übersetzung Maura Facchinetti, Paolo Fornaroli, Gwendolyn de Vries Produktion Veronika Felder (Ltg.), Martin Brandhofer, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailovic, Josef Mühlbacher Druck P/mint Sp. z o.o., ul. Pułtuska 120, 07-200 Wyszków, Polen Offenlegung gemäss § 25 Medien­gesetz Informationen zum Medien­­inhaber sind ständig und unmittelbar unter folgender Web-Adresse auffindbar: redbull.com/im/de_AT Redaktionsanschrift Am Grünen Prater 3 A-1020 Wien Tel.: +43 1 90221-0 redbulletin.com Servus Media Dietmar Otti (Head of Servus Media) Matthias Brügelmann (Head of Content) Marlene Beran (Head of Operations) Stefan Ebner (Head of Commercial & Marketing) Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH Oberst-Lepperdinger-Strasse 11–15 A-5071 Wals bei Salzburg FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Geschäftsführer Red Bull Media House GmbH Dietmar Otti, Marcus Weber

THE RED BULLETIN


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OVERTIME TOPIC

Kabinenparty Welche Musik hören die Spieler denn so? Und wer hat die bessere Playlist: die vom EHC Kloten oder jene des SC Bern? Ihr entscheidet.

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Dario Meyer

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Marco Lehmann

Kabinen-DJ, EHC Kloten

Kabinen-DJ, SC Bern

1. Zum Umziehen:

«Auf gute Freunde» – Böhse Onkelz der: «Da wwireissd’sjeernst.» 2. Zum Aufwärmen: Je tzt «Jamming» – Fisher 3. Fürs Gym:

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r. Dre? Gym ohvnoresDtellbar. Kaum

4. Vor dem Match:

«Makina Time» – Dimitri Vegas 5. Nach dem Match:

«Wackelkontakt» – Oimara m 6. Zum Cooldown: «Perferekftahzruen t n Ru au nöd.» «Ich hass dich» – – oder Nina Chuba 7. Für den Heimweg:

«Mon Amour» – Hecht THE RED BULLETIN

«Latino, um Lockerheit «Quevedo: Bzrp Music zu bewahren» Sessions» – Bizarrap I. Zum Umziehen:

II. Zum Aufwärmen:

«Fokus!»

«The Next Episode» – Dr. Dre

«Puls? Sofort auf 180.»

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«Mr. Brightside» – The Killers III. Fürs Gym:

Diverse Deutschrap-Songs «Techno-Lied IV. Vor dem Match «Deutschrap ist sehr b­ eliebt im Gym beim SCB! «Thank You (Not So Bad)» – zum Pushen» Jedoch nicht bei allen.» Dimitri Vegas & Like Mike V. Nach dem Match

«Düp Düp (Mallorca Version)» – ­Mickie Krause «Party!» «Runterkommen, entspannen» VI. Zum Cooldown «Fast Car» – Jonas Blue ft. Dakota «Für gute Laune, zum mitsingen»

VII. Für den Heimweg

«Mon Amour» – Hecht

WERNER JESSNER

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EHC, ADOBE STOCK, GETTY IMAGES, SCB

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New Škoda Peaq Bereit für Spitzenleistungen Souveräne Leistung, höchste Präzision, beeindruckende Dynamik. Erleben Sie Grösse in jeder Hinsicht in der National League sowie im neuen Škoda Peaq – dem rein elektrischen Flaggschiff von Škoda. Wir wünschen allen Teams eine grossartige Saison 26/27. Let’s Explore. Mehr entdecken

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