
PLUS RÉMI BONNET / ELLE FANNING / FLORIAN LIPOWITZ / REMCO EVENEPOEL / DEBY BRUNOLD / MAX LOBE / ARVID LINDBLAD

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PLUS RÉMI BONNET / ELLE FANNING / FLORIAN LIPOWITZ / REMCO EVENEPOEL / DEBY BRUNOLD / MAX LOBE / ARVID LINDBLAD

Einst waren sie Rivalinnen. Jetzt mischen Anouk und Zoé Vergé-Dépré die Weltspitze im Beachvolleyball auf.
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Samuel Waldis ist freier Autor aus Winterthur. Für uns hat er Rémi Bonnet und seine Ziegen und Hühner besucht und von dem wortkargen TopAthleten spannende Einsichten in dessen Mindset bekommen. Ab Seite 58.

Max Lobe
Der gebürtige Kameruner lebt in Genf. In seinen Büchern «39 rue de Berne» und «Confidences» setzt er sich mit Spannungsfeldern der heutigen Welt auseinander. Für uns ging er baden. Ab Seite 104.

Chris Eberle-Abasolo war früher selbst Fussballer. Damals fehlte ihm der letzte Ehrgeiz – sein Expertenwissen nahm er aber in sein Journalistenleben mit. Für uns hat er das Feature mit Neymar Jr. und Co geschrieben. Ab Seite 70.
Sommer, Sonne, Strand. Die meisten von uns denken da an Ferien. Für Anouk und Zoé Vergé-Dépré bedeutet die schönste Zeit des Jahres harte Arbeit. Das Ziel des BeachvolleyballDuos: die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Früher waren die beiden Schwestern Riva linnen. Wie sie jetzt als Team zusammenfinden, lest ihr ab Seite 36.
Remco Evenepoel und Florian Lipowitz sind ein anders gestricktes Duo. Sie führen das Team Red Bull –
BORA – hansgrohe in die aktuelle Saison. Die zwei könnten unterschiedlicher nicht sein. Wie das dennoch funktioniert, erfahrt ihr ab Seite 78.
Rémi Bonnet dagegen ist Einzelgänger. Er dominiert gleich in zwei Sportarten: Skibergsteigen und Trailrunning. Wir geben euch ab Seite 58 einen Einblick in die Welt von einem, der weniger Rekorde als Ruhe sucht. Viel Freude mit dieser Ausgabe, die Redaktion

Florian Lipowitz (re.) und Remco Evenepoel bei einer gemeinsamen Ausfahrt auf Teneriffa.
Portfolio
Henry Hwu ist mit einigen der angesagtesten Musikerinnen und Musiker unterwegs. Mit seiner Kamera schafft er intime Porträts bei Mega-Konzerten.
Beachvolleyball
Sister Act
Sie waren Gegnerinnen – auch bei den Olympischen Spielen. Nun gehen die Schwestern Anouk und Zoé Vergé-Dépré gemeinsam aufs Ganze.
Formel 1
Wie der Spross einer schwedischindisch-englischen Familie zu Grossbritanniens Formel-1Hoffnung wurde.
Trailrunning
Ob Skibergsteigen oder Trailrunning: Der Schweizer Rémi Bonnet ist in beiden Sportarten Weltmeister. Wie tickt der Mann?
Fussball Erfolgs-Code
Von Alphonso Davies bis Nico Williams: Fünf Weltstars erzählen, was ihnen Kraft für ihre Top-Leistungen gibt.
Road Cycling
Remco Evenepoel und Florian Lipowitz sind im selben Team. Beide wollen die Tour de France gewinnen. Wie soll das gehen?



Es ist die Vielseitigkeit, die bei ihnen zählt: Nicht umsonst werden Zehnkämpfer die «Könige der Athleten» genannt. Der Weltbeste derzeit: der Deutsche Leo Neugebauer, 201 Zentimeter gross, 106 Kilogramm schwer, 25 Jahre alt, wohnhaft in Austin, Texas. Ein Mann wie eine Maschine. In Tokio holte sich Leo im vergangenen Jahr den Weltmeister titel. Hier ist er beim Training in München für den 110 MeterHürdenlauf zu sehen. Seine Bestzeit dabei: 14,10 Sekunden. Ein König eben. redbull.com

In diesem Moment, kurz nach dem Start seines Laufs, weiss es Arda Saatçi noch nicht. Aber fünf Tage später, am Ende der Red Bull Cyborg Season, wird er Geschichte geschrieben haben. Nach 604,6 Kilometern, über 123 Stunden und unglaublichen Strapazen (Schlafentzug, Hitze, fast 6000 Höhenmeter) erreicht er sein Ziel …

… den Santa Monica Pier in Los Angeles. Seine anvisierte Zeit von 96 Stunden hat er überschritten, aber er hat etwas Grösseres gezeigt: dass Weitermachen immer lohnt – und dass die Community dich trägt. Millionen Menschen verfolgten Ardas Lauf, feuerten ihn an – und schufen so eine grosse kollektive Erinnerung.
YouTube: @ardasaatci1357


Axel Gerard liefert ab: Beim allerersten Red Bull Wingsphere in Chile fliegt der junge Wingfoiler (ein Surfer, der sein Segel in der Hand hält; Anm.) mit Style, Präzision und einer ganzen Menge Mut nach oben. Mit spektakulären Manövern und starken Nerven holt sich der gerade einmal 17-jährige Franzose den Premieren-Sieg bei der neuen Wettkampfserie.
Instagram: @axl_gerard25
Am 4. Juli startet die Tour de France – wir zeigen die Mutter aller Radrennen in Daten und Zahlen.
Daten und Text Tin Fischer
Illustration Tobias Wanders
Jäger und Gejagter
2025 sah das Treppchen so aus. Pogačar und Vingegaard gehen auch in diesem Jahr wieder als Favoriten ins Rennen.
1.
UAE Team EmiratesXRG
Std 00 Min 32 Sek

CHF 5336 Mio.
Champagner
CHF 166 Mio.
Tour de France
CHF 108 Mio. Französische Cashcow?
Eiffelturm
Rund 166 Millionen Franken beschert die Tour ihrem Veranstalter, der Amaury Sport Organisation, so eine Schätzung von Bloomberg. Das ist weit mehr, als der Eiffelturm jährlich mit Eintritten einnimmt – aber ein Klacks im Vergleich zum französischen ChampagnerGeschäft.

Team Visma | Lease a Bike plus 4 Min 24 Sek

Zum
Anders als perfekt ist nicht möglich bei der Tour de France: Zwischen 13 000 und 18 000 Franken zahlt man im Handel für Velos, die auf der Tour gefahren werden.
Gesamtsieger nach Nationen
Noch immer führt Frankreich das Länderklassement mit 36 Siegen an – der letzte war allerdings 1985. Die Tour wird immer internationaler – oder zumindest europäischer.
Nur 1 Gesamtsieg: Irland (1987)
Deutschland (1997) Australien (2011) Kolumbien (2019)


Der Wowcube verpasst dem Rubik’s Cube ein Update. Für Tech-Checker Kirafn ist der Würfel bereits gefallen.

Vielseitig bespielbar:
Neben verschiedenen Games zeigt der Cube auch das Wetter an.
Das Teil
Dieser Würfel ist eine Konsole. In Gestalt des legendären Rubik’s Cube sind auf den 24 Flächen nicht bloss Farben, sondern Screens, auf denen Spiele wie «Space Invaders» oder «2048» laufen. Steuerbar durch Drehen, Kippen, Schütteln, Tippen. Erhältlich via wowcube.com
Der Hype
Kirafin heisst bürgerlich Jonas Willbold, ist 31 und unterhält seine 1,3 Millionen Follower auf TikTok mit ComedyFormaten. Nebenbei folgt er seiner Faszination für Tech-Produkte und -Trends. Für uns nimmt er aktuelle Hypes unter die Lupe.


Geht vor allem auf YouTube Shorts durch die Decke. Das erfolgreichste Video von Emily’s Playhouse hat unfassbare 486 (!) Millionen Views.
Der Check
Macht Spass und trainiert Motorik sowie HandAugeKoordination. Geeignet für jede Altersklasse, ideal für Familien. Mit 399 Dollar allerdings grenzwertig teuer.
MUST-HAVE-FAKTOR
Perfekt für …
… alle, die den klassischen Rubik’s Cube durchgespielt haben.
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… alle, die in ihrem Leben ohnehin schon unter Bildschirm-Overkill leiden.

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hat sich vom Kinderstar zur Schauspielgrösse entwickelt. Ihr Rezept: Sie umgibt sich mit
den richtigen Menschen, folgt ihren Leidenschaften – und nimmt täglich ein Bad.
Elle Fannings Jahre als Teenager waren nicht die einfachsten: «Ich bin schnell gewachsen. Deshalb hatte ich niedrigen Blutdruck und fel dauernd in Ohnmacht. Ich dachte mir: Wenn man sich eines Tages an mich erinnert, dann wird man nur daran denken», meint die 28-Jährige mit einem Lachen.
Man kann die Sache natürlich auch anders sehen und sich an Elle Fanning wegen ihrer Rolle als Katharina die Grosse in der Historienserie «The Great» oder als Schauspielerin Rachel im (in diesem Jahr mit einem Oscar ausgezeichneten) Film «Sentimental Value» erinnern. Oder aber für ihren Part in der neuen Apple-TVSerie «Only Margo», in der sie sich als Schwangere mit skurrilen Jobs durchschlägt. Vielleicht wird man sich aber auch deshalb an sie erinnern, weil Fanning sowohl als Mensch wie auch als Charakterdarstellerin einen weiten Weg gegangen ist.
Eintauchen in die Fantasie
Dabei waren die Umstände alles andere als einfach. Denn die in Georgia geborene Fanning wurde im Scheinwerferlicht der Kameras gross. Schon als Dreijährige war sie neben Sean Penn im Drama «Ich bin Sam» zu sehen. Es folgte eine ganze Reihe grosser Filme, von «Babel» bis «Der seltsame Fall des Benjamin Button», bis sie –zwölfjährig – 2010 mit Sofa Coppolas «Somewhere» endgültig ihren Durchbruch feierte.
Diese frühe Karriere hatte viel mit ihrer vier Jahre älteren Schwester Dakota zu tun, die als Kinderdarstellerin in Filmen wie «Mann unter Feuer» für Furore sorgte. «Ich dachte mir: Das möchte ich auch ausprobieren. Und wenn du dann in einer Welt bist, wo du dich verkleiden
Geboren 1998 in Conyers, Georgia; spielte als Kind mehrfach die jüngere Version ihrer Schwester Dakota; verpasste 2016 ihren Abschlussball, um an einer Filmpremiere in Cannes teilzunehmen; vier ihrer Filme waren bereits für einen Oscar als «bester Film» nominiert
und spielen kannst, merkst du, dass es nichts Schöneres gibt. Du lebst in deiner Fantasie und kannst etwas erschafen.»
Doch während andere Kinderstars bald wieder in der Versenkung verschwinden, konnte sich Elle Fanning ihren Traum erfüllen. Ein entscheidender Faktor dabei: ihre Mutter Hannah Joy Arrington: «Sie hat die Träume von meiner Schwester und mir gefördert, indem sie ihre eigenen zurückgestellt hat.» Aber sie machte den Töchtern keine falschen Illusionen: «Sie hat mir erklärt, dass das Leben voller Enttäuschungen ist. Aber die Frage ist: Wie gehst du damit um?
Lässt du’s zu, dass dich das kaputt macht, oder kommst du wieder auf die Beine?» – Und wie kommt man auf die Beine?
Fannings Antwort: «Du musst deiner Leidenschaft folgen und einfach weitermachen, egal wie.» Genau das war auch ein wichtiger Faktor in ihrem Entwicklungsprozess. Aber es gab noch eine weitere wichtige Erkenntnis. Die vermittelte ihr Nicole Kidman, mit der sie vor zehn Jahren für «Die Verführten» zum ersten Mal vor der Kamera stand und die auch in «Only Margo» ihre Partnerin war: «Sie meinte zu mir: ‹Du musst dir deine Crowd suchen.›» Das heisst: «Du musst dich mit Menschen umgeben, die dich ehrlich unterstützen. Speziell in dieser Branche gibt es Leute, die dich aus den falschen Gründen lieben oder aus den falschen
Gründen mit dir zusammen sein wollen. Schütze dich und lerne dich selbst kennen, dann fndest du die richtigen.»
Das hat in Elles Leben für Stabilität gesorgt: «Ich entwickle mich ständig weiter, denn ich habe einen festen Kern von Menschen, der mich umgibt – das sind meine Familie, das sind Freunde, die ich seit Ewigkeiten kenne, und natürlich auch meine Schwester, die für mich ein Vorbild ist. Sie haben mir geholfen, meine Stärke in mir selbst zu fnden. Dieses Gefühl bekomme ich auch, wenn ich mit anderen Kreativen zusammen bin. Das feuert die Leidenschaft an. Und wenn du dann mal Phasen von Schwächen und Zweifel hast, kommst du leichter darüber hinweg, wenn du deiner Passion treu bleibst.»
Mit ihrer Haltung lässt sich Elle Fanning nicht von oberfächlichen Vorstellungen beirren: «Heutzutage haben die Menschen so viele Vorurteile, was besonders durch die sozialen Medien verschärft wird. Denn die drängen dir die ganzen Vergleiche mit anderen Leuten auf. Du schaust dir diese Bilder an, auf denen jeder perfekt rüberkommen will. Aber wir leben nicht in einer perfekten Welt. Keiner kann perfekt sein.» Elle Fanning bleibt sich lieber selbst treu: «Ich will nicht in eine Schublade gepackt werden, sondern als Schauspielerin alles ausprobieren.» Mit ihrer Leidenschaft kann sie, wie sie zugibt, schon mal frustriert sein. Aber sie behält trotzdem die Kontrolle: «Ich habe keine Wutausbrüche, schon gar nicht bei der Arbeit.»
Um ihre Batterien aufzuladen, nimmt sie am liebsten ein Bad – und zwar jeden Abend: «Ich mache das, seit ich klein bin. Das beruhigt mich enorm, und gleichzeitig ist das ein Freiraum, wo ich nachdenken kann.» Und wenn Fanning an die Zukunft denkt, wie wird und will sie sich weiterentwickeln? «Ich möchte nicht von dem abweichen, woran ich glaube. Ich will meinen persönlichen Blickwinkel auf die Welt haben. Und für den möchte ich mich nicht entschuldigen müssen.»
Instagram: @ellefanning Derzeit ist sie in der Serie «Only Margo» auf Apple TV zu sehen.

«Enttäuschungen gehören zum Leben. Am besten einfach weitermachen, egal wie.»
Ratschläge wie diesen bekamen Elle und Dakota Fanning von ihrer Mutter.
ist für seine präzisen wie spektakulären Tricks bekannt. Zweimal schon bescherten sie dem Skater Olympia-Gold. Den Mut, sie zu wagen, verdankt er seiner Community.
Text Marc Baumann Foto Atiba Jefferson
Die Karriere des Yūto Horigome hätte es eigentlich nie geben sollen. Ryota Horigome, ein Taxifahrer aus dem Norden Tokios, verspricht seiner Frau, nach der Hochzeit nicht mehr Skateboard zu fahren. Skater gelten im Japan der 90er-Jahre als Aussenseiter und Rowdys. Ryota gelobt, mit dem Sport aufzuhören – und tut es doch nicht. «Meine allererste Erinnerung ans Skateboarden ist, wie mein Vater mich auf sein Brett stellte, als ich noch fast ein Baby war», sagt Yūto Horigome, der 1999 geboren wurde.
Am 22. Juli 2021, zwei Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Tokio, postet er rührende Kindheitsfotos von sich und Ryota. Skateboarding feiert seine olympische Premiere – wenige Kilometer von dem Park entfernt, wo er mit sechs Jahren mit seinem Vater das Skaten gelernt hat. Auf Yūtos Post sieht man ihn als ungefähr Zehnjährigen, wie er einen Ollie über einen am Boden liegenden Freund seines Vaters macht. Mit 22 Jahren gratuliert ihm Japans Premierminister zur Goldmedaille im eigenen Land.
Dem Ansehen des Sports in Japan hat das einen Boost gegeben, ganz im Alltag angekommen ist er aber noch immer nicht. Obwohl Männer wie Frauen bei Olympia Gold holten, kommt es beim Streetskaten in Tokio noch vor, dass Yūto vertrieben wird. Selbst wenn er seine Medaille erwähnt: «Ich hab’s probiert, aber es war ihnen egal.» Wegen Erfahrungen wie dieser war Yūto als Teenager klar, dass er nach Kalifornien muss, wenn er es im Skateboarding weit bringen möchte. Mit seiner Mutter, ausgerechnet, fog er zu ersten Wettkämpfen in die USA. Mit 18 Jahren zog er nach Los Angeles.
bringen – wo er technisch perfekt, aber emotional eher reserviert auftritt. «Vor einem Wettkampf bin ich einfach ziemlich nervös», erklärt Yūto. Entspannter ist er beim Skaten auf den Strassen Tokios, wo er aufgewachsen ist. «Dort habe ich nicht nur Tricks gelernt, sondern auch, wie man echte Verbindungen mit Menschen aufbaut, mit Misserfolgen umgeht und alles um sich herum zu schätzen weiss. Das hat mich gelehrt, eigene Entscheidungen zu trefen und Verantwortung für sie zu übernehmen.»
Alter 27; kommt aus Kōtō, Tokio; lebt heute in Los Angeles; Skateboard-Disziplin Street; grösste Erfolge Olympia-Gold in Tokio (2021) und Paris (2024); Fan von KinoFilmen à la «Fast & Furious»
Trotz erster Erfolge merkt er, wie krass hoch das Skatelevel in den USA ist, «dass ich neue Tricks brauche, neue Ideen, um Contests zu gewinnen». Das bedeutet auch: mehr Risiko. «Neue Tricks sind immer mit einem mulmigen Gefühl verbunden. Besonders wenn ich allein skate», sagt Yūto. Sein Ausweg: «Mit Freunden skaten hilft. Wenn sie auch an etwas Neuem arbeiten, können wir uns anspornen.» Die extrovertierten Kalifornier nahmen den schüchternen Japaner herzlich auf: «Die Skatekultur ist sehr ofen. Der Übergang war einfach», sagt Horigome. Er entwickelt einen eigenen Stil, mit brutal schweren Signature-Tricks wie dem nollie backside 270 noseslide 270 out: Absprung über die Nose des Bretts – 270-GradDrehung – Landung auf Rail – mit Nose hinunter rutschen – erneute 270-GradDrehung – Landung. Den vielen Drehungen verdankt er seinen Spitznamen «Yutornado».
Einen besonderen Moment erlebt Yūto 2017 bei einem Contest in München. «Bei meinem letzten Best-Trick-Versuch stand das gesamte Publikum auf und jubelte. Ich erinnere mich an diesen Moment – er hat mir viel Energie und Selbstvertrauen gegeben, obwohl ich so weit von zu Hause entfernt war.» Manch einem Fan mag es schwerfallen, so eine Aussage mit Yūtos Auftritten bei Contests zusammenzu-
Der erste Olympiasieg war Segen und Fluch. Segen, weil er als eines von drei Kindern eines Taxifahrers mit Anfang zwanzig plötzlich viel Geld verdiente und mit Promis wie Lil Wayne oder Pharrell Williams abhing. Fluch, weil damit zwar ein Traum erfüllt, aber eben auch erledigt war. Yūto brauchte einige Zeit, um neuen Antrieb zu fnden. Für die nächsten Olympischen Spiele in Paris qualifzierte er sich erst im vorletzten Wettbewerb und mit dem allerletzten Trick. Das folgende zweite Gold zeigte aber, dass er wieder ganz bei sich ist. Wie respektiert Yūto auch beim harten Kern der Skateboardwelt ist, sieht man übrigens beim Tampa Pro Contest. Hier ist die Szene unter sich, in einer kleinen, proppenvollen Halle. Yūto gewann ihn 2023 und 2024, im April 2026 wurde er knapp Zweiter.
Sein Glück liegt auf der Strasse Am glücklichsten kann sich schätzen, wer Yūto beim Skaten auf der Strasse erlebt. Was sonst nur seinen engsten Freunden oder Fotografen vorbehalten ist, wird jetzt bei Red Bull Spot Check in Hamburg für alle möglich sein. Gemeinsam mit anderen Pros und der lokalen Community stoppt Yūto einen Tag lang an verschiedenen Spots der Stadt, skatet und hängt ab. «Das Format hat ein authentisches StreetFeeling, bei dem es mehr um den Flow geht. Es ist ein Rahmen, in dem ich natürlicher skaten kann. Es wäre toll, wenn alle die Atmosphäre spüren und wir gemeinsam Spass haben können.» Klingt nach einem Plan.
Instagram: @yutohorigome

«Mein Vater stellte mich aufs Skateboard, da war ich fast noch ein Baby.»
wurde mit 22 zur Stimme ihrer Generation –bis sie merkte, dass sie vergessen hatte, zu leben. Hier erklärt die Sängerin, wie sie auf der Tanzfläche wieder zu sich fand.
Text Marcel Anders Foto Alistair McVeigh
Manchmal verändert sich das Leben tatsächlich über Nacht: Arlo Parks war gerade einmal 22 Jahre alt, als sie bei den BRIT Awards als «Best New Artist» ausgezeichnet wurde und zur Stimme einer europäischen Generation avancierte. Während ihre Freunde in London feierten, tourte sie bereits um die Welt.
Die Londoner Sängerin, die mit bürgerlichem Namen Anaïs Marinho heisst, begann mit 14 Jahren Songs zu schreiben und hatte bereits einen Plattenvertrag, bevor sie ihre A-levels (Maturität) abgeschlossen hatte. Heute ist Parks 25 Jahre alt, ihre Tracks wurden hunderte Millionen Mal gestreamt, und 2021 gewann sie den Mercury Prize, Grossbritanniens renommiertesten Albumpreis, für ihr Debütalbum «Collapsed in Sunbeams». Parks lebt ihren Kindheitstraum, musste dafür aber einen Preis zahlen. Im Mai 2022 zog sie nach Los Angeles, doch nur vier Monate später strich sie mehrere Konzerte ihrer USTour – sie hatte einen Burnout nach 18 Monaten mit durchgehenden Auftritten. Seither hat sie einen Gang zurückgeschaltet, Wurzeln geschlagen und das Nachtleben nachgeholt, das ihr in jungen Jahren verwehrt geblieben war. Das Ergebnis ist ihr drittes Album «Ambiguous Desire»: verträumt und tanzbar zugleich, vom Clubbing inspiriert, aber so persönlich wie eh und je. Neue Klarheit fand sie auf der Tanzfäche. «In diesen Räumen fallen meine Mauern», sagt Parks. «Und ich glaube, ich konnte diese Energie ins Studio mitnehmen.»
the red bulletin: Wie gefällt dir das Leben in L. A.?
arlo parks: Ich mag die Sonne, das Tempo, die Natur – und dass ich hier jeden Tag boxen kann. Ich war schon
On point
Alter 25; geboren in London; lebt heute in Los Angeles; grösster Hit «Eugene»; aktuelles Album «Ambiguous Desire»; Zweit-Kunst Gedichte schreiben; Kreativ-Peak nachts; prominente Fans Billie Eilish, Michelle Obama
immer sportlich, habe auf hohem Niveau Feldhockey gespielt und dachte lange, das würde mein Leben werden. Neben dem Boxen laufe ich regelmässig und stemme Gewichte – Bewegung erdet.
Dein neues Album ist vom amerikanischen Nachtleben inspiriert. Warum dieser Wandel?
Es war das Ende einer Phase endlosen Tourens, in der ich kaum dazugekommen bin, zu leben. Ich fragte mich: Was bedeutet es, wirklich zu leben? Anzukommen, spontan zu sein, Spass zu haben? Diese Haltung hat sich auf die Musik über tragen.
Neben L. A. hast du viel Zeit in New York verbracht. Welche Rolle hat diese Stadt für dich gespielt? Dort gibt es eine unglaubliche Clubkultur sowie eine einzigartige Musikgeschichte. Ich habe mich in die Geschichte von Nachtclubs wie der Paradise Garage, The Loft und dem Studio 54 vertieft und mich gleichzeitig in die heute noch existierenden Orte gestürzt.
War das ein Versuch, das verpasste Nachtleben deiner Teenagerjahre nachzuholen?
Auf jeden Fall. Viele Menschen haben während des Studiums Zeit, um in diese Welt einzutauchen. Ich war aber schon mit siebzehn auf Tour. Es war also das
erste Mal, dass ich mich wirklich fallen lassen konnte. Ich glaube, das braucht jeder Mensch einmal im Leben: einfach tanzen, für ein paar Monate.
Muss man denn dafür überhaupt in einen Club?
Nicht unbedingt. Manchmal räumen wir bei mir zu Hause die Möbel zur Seite, legen Janet Jackson auf und tanzen durch das Wohnzimmer. Tanzen und Bewegung sind für jeden möglich – überall.
Was macht Tanzen so transformativ? Es holt dich aus dem Kopf und bringt dich in deinen Körper – auf eine Weise, die sonst kaum möglich ist. Du handelst nur noch aus dem Bauch heraus, spürst dich selbst und bist Teil von etwas Grösserem. In diesen Momenten liegt mein Herz nah an der Oberfäche. Genau dieses Gefühl wollte ich mit meinem neuen Album vermitteln: Man soll sich darin verlieren und sich gleichzeitig selbst fnden können.
Hast du Selbstzweifel, wenn du deinen Sound veränderst?
Immer. Das gehört dazu, wenn man sich selbst herausfordert. Du spürst dann, wie der Boden unter deinen Füssen nicht ganz fest ist. Aber das bedeutet auch, dass du dich bewegst und wächst. Jedes meiner drei Alben hatte einen anderen Prozess – von Anfang bis Ende gab es nie Gewissheit.
Wie wichtig ist es dir, deine Queerness in deiner Musik widerzuspiegeln? Für mich geht es weniger darum, Sprachrohr zu sein, als vielmehr darum, über die Menschen zu reden, die ich liebe, über Gemeinschaft und darüber, was ich verkörpere. Ich bin queer, und das spiegelt sich in meinen Songs wider. Ich fühle mich glücklich, in einer Zeit zu leben, in der sich immer mehr Künstlerinnen und Künstler ofen zu ihrer Queerness bekennen. Manche Menschen hatten schon immer Angst vor dem Anderssein. Ich versuche, Ofenheit in die Welt zu schicken.
Instagram: @arlo.parks
Live im Kaufleuten in Zürich am 24. November

«Das braucht jeder mal im Leben: einfach tanzen, für ein paar Monate.»
Nach ihrem Umzug nach L. A. nahm sich Arlo Parks Zeit für die wichtigen Dinge.

TRAVIS SCOTT
«Dieses Bild bedeutet mir sehr viel», sagt Fotograf Henry Hwu. «Ich war mit Travis auf Tour. Beim Editieren habe ich es leicht gekippt, um die Stimmung des damaligen Albumcovers aufzugreifen. Ich versuche Konzertfotos immer so zu fotografieren, dass sie die Perspektive der Künstler zeigen und die Emotionen transportieren, die sie mit ihrer Musik vermitteln wollen.»

Der Fotograf Henry Hwu hat einige der weltweit grössten Musikstars auf Tour begleitet. Hier erzählt er die Geschichten und Zufälle zu seinen eindrucksvollsten Bildern.

Oben: «Ich liebe dieses Foto, weil das Endresultat komplett anders ist als das Original. Ich habe rund zweieinhalb Tage daran gearbeitet – nicht mit Photoshop, sondern vor allem mit Farbkorrekturen und feinen Anpassungen. Inspiriert haben mich Wärmebilder und ihre intensiven, fliessenden Farbwelten. Genau diese Energie wollte ich in das Foto hineinbringen.»
Rechts: «Das Erste, was ich bei dieser Show dachte, war: Wie kann ich seine Haare so inszenieren, dass sie herausstechen? Als er auf die Bühne kam, gab es überall FeuerEffekte, und da wusste ich, dass ich ihn vor einer Rauchwolke fotografieren musste, damit seine Haare stärker zur Geltung kommen. Ich bin hin und her gerannt, bis alles perfekt passte.»


Der kanadische Fotograf Henry Hwu hat eine unverkennbare Bildsprache. Seine Fotos zeigen Künstler in Momenten, in denen sowohl die Energie der Bühne als auch die Persönlichkeiten darauf spürbar werden. Trotz der Live Atmosphäre wirken viele seiner Bilder intim – beinahe wie Studio Porträts. «Ich möchte, dass die nächste Generation meine Arbeiten sieht und das Gefühl hat, bei den Konzerten selbst dabei gewesen zu sein.»

BILLIE EILISH
«Billies Welttournee umfasste 106 Shows, und ich war bei jeder einzelnen als Fotograf dabei. Diese Erfahrung hat mir die Möglichkeit gegeben, meinen Stil und meine Ideen weiterzuentwickeln, was unglaublich erfüllend war. Die Fotos wirken heute fast wie Szenen aus einem Film. Mir war klar: Ihre Augen gehören zu ihren markantesten Merkmalen. Deshalb wollte ich sie in den Mittelpunkt stellen.»

«Vor der Show sagte uns die Security, dass wir nur während der ersten drei Songs direkt vor der Bühne fotografieren dürfen. Die Stimmung war extrem angespannt, Fotografen wurden teilweise sogar weggezerrt. Ich versteckte mich seitlich an der Bühne. Da nahm Rocky für vielleicht zwei oder drei Sekunden genau diese Pose ein – ohne Mikrofon in der Hand, vermutlich hatte er es gerade hinten in die Hosentasche gesteckt –, und plötzlich schien alles stillzustehen. In diesem Moment wusste ich: Das ist ein einmaliger Shot.»

TYLER THE CREATOR
«Das ist eines meiner ersten Fotos überhaupt. Die Show fand in meiner Heimatstadt Vancouver statt. Ich kam zehn Minuten zu spät, was im Nachhinein ein Vorteil war. Ich schaffte es nicht nach vorne an die Bühne und fotografierte deshalb aus der Menge heraus. Dadurch sind die Hände der Fans zu sehen – eine Perspektive, die einzig und allein deswegen entstand, weil ich zu spät dran war.»
«Als Travis zu Drake auf die Bühne kam, passte einfach alles. Die Energie zwischen den beiden war elektrisierend.»
«Hinter diesem Bild steckt eine verrückte Geschichte. Entstanden ist es während Drakes Tour in Vancouver, ich war gerade in Grossbritannien. Mein Flug hatte Verspätung, also dachte ich, ich verpasse die Show. Ich war enttäuscht. Dann schrieb mir mein Bruder, dass das Konzert ebenfalls verschoben wurde! Ich konnte es kaum glauben. Als schliesslich Travis Scott als Überraschungsgast auf die Bühne kam, passte alles perfekt zusammen.»



«Komposition ist einer der wichtigsten Aspekte meiner Fotografie. Dieses Foto funktioniert für mich perfekt, weil die Motive optimal ausbalanciert sind und die Farben wunderbar miteinander harmonieren. Bei diesem Shot kommen die Elemente meines Stils so zusammen, wie ich mir das vorstelle.»
KAROL G
«Dieses Foto entstand auf einer Tour mit Karol G. Anfangs war ich nervös, weil ich die Latin-Music-Szene kaum kannte. Erst unterwegs wurde mir bewusst, wie riesig diese Welt ist. Karol selbst ist unfassbar herzlich. Ich musste eine Show in Argentinien absagen, und sie schickte mir eine Nachricht, in der sie mir gute Besserung wünschte. Dass jemand auf diesem Level sich so um die Menschen im Team kümmert, hat mich beeindruckt.»


Der Künstler
Henry Hwu aus Vancouver steht für dynamische Konzertfotografie. Er fängt die rohe Energie von LiveMusik mit einer bildstarken, erzählerischen Ästhetik ein.
Instagram: @henryhwu
the red bulletin: Wie gehst du an ein Konzertshooting heran?
henry hwu: Bevor ein Künstler auf die Bühne geht, versuche ich ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Show aussehen könnte: wie voll die Bühne sein wird, wie die Stimmung ist, welche Energie im Raum liegt. Ehrlich gesagt bin ich jedes Mal nervös. Genau dieser Druck treibt mich an. Er zwingt mich, fokussiert zu bleiben und kreativ an meine Grenzen zu gehen. Worauf achtest du vor der Bühne am meisten? Für mich steht der Künstler im Mittelpunkt.
Genauer gesagt: die Details. Das kann ein Outfit sein, Schmuck, kleine Gesten – all diese Dinge sind bewusst gewählt. Sie zeigen, wie sich jemand präsentieren möchte, deshalb ist es wichtig, sie festzuhalten. Ich starte mit Nahaufnahmen, um Emotionen und Details einzufangen, und gehe danach einen Schritt zurück, um die Atmosphäre sichtbar zu machen.
Wie bleibst du deinem Stil treu?
Ich konzentriere mich auf das, was ich kontrollieren kann: meine eigene Wahrnehmung. Selbst im grössten Chaos ziehen mich immer dieselben Dinge an – Details, Emotionen und Intention. Wenn man diese Elemente konsequent in den Fokus stellt, entsteht automatisch visuelle Einheitlichkeit.
Denkst du darüber nach, welchen langfristigen Einfluss deine Bilder haben könnten?
Sehr oft sogar! Es gibt viele ikonische Bilder aus der Vergangenheit, bei denen ich mir wünschte, ich hätte diesen Moment selbst erleben können – nicht nur wegen des Artists, sondern wegen des historischen Augenblicks. Ich möchte, dass Menschen meine Fotos in Zukunft anschauen und das Gefühl haben, selbst dabei gewesen zu sein.
Dein Rat für Konzertfotografie? Fotografiere, was dich begeistert. Experimentiere viel und hab keine Angst davor, zu scheitern. Jeder Fehler schärft deinen Blick. Je stärker du dich darauf einlässt, desto mehr wird Fotografie echte Leidenschaft statt nur Arbeit.

«Starker Regen, heftiger Wind und wenig Platz im Fotograben machten es schwierig, während der Show zu fotografieren. Ich musste ständig die Regentropfen von meiner Linse wischen und hoffte auf den richtigen Moment. Mitten in der ansonsten sehr dunkel inszenierten Performance fiel plötzlich ein einzelner Lichtblitz auf Carti. Daraus entstand eines der eindrücklichsten Bilder meiner bisherigen Karriere.»






Der Teamname von Zoé (li.) und Anouk lautet «Zouk», ein Wortspiel aus ihren Vornamen - und eine Musikrichtung aus Guadeloupe.
Lange kämpften sie gegeneinander. Mittlerweile sind die Schwestern Anouk und Zoé Vergé-Dépré ein Team. Und greifen auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2028 gemeinsam die Weltspitze an.






Bereits die Eltern waren Profi-Volleyballer: Der Vater von Zoé (re.) und Anouk stammt aus Guadeloupe, die Mutter aus dem Berner Oberland.
«Willst du meine Beachpartnerin werden?»,
stand auf dem Zettel von Zoé an ihre Schwester. Dazu drei Ankreuzoptionen: Ja. Nein. Vielleicht.





hatten, lange genug alles hin und her ge wendet, sich ausgetauscht, Ängste abgewogen und Möglichkeiten geprüft hatten, ging Zoé hinaus auf die Strasse, in der sie damals wohnte. Es war kein weiter Weg. Ein paar Schritte nur, hinüber zur anderen Seite, zur Wohnung ihrer sechs Jahre älteren Schwester Anouk. Dort liess sie einen Zettel in den Briefkasten gleiten.
«Willst du meine Beachpartnerin werden?», stand darauf geschrieben. Dazu drei Ankreuzoptionen: Ja. Nein. Vielleicht.
So hatten sie das früher gemacht, als Kinder im Haushalt der Vergé-Déprés in Bern, wenn es um Spiele und Abmachungen ging, um kleine Bündnisse für einen Nachmittag. Später dann, auf dem Pausenplatz, um die erste Liebe.
Doch jetzt ging es um etwas anderes. Nicht unbedingt um etwas Wichtigeres –was ist schon wichtiger als die Liebe? –, aber um etwas Existenzielleres. Es ging um die Frage, ob sie, die beiden talentierten Schwestern, bereit waren, mindestens die nächsten vier Jahre ihres Lebens zu teilen. Ob sie ein Team sein wollten. Zwei Schwestern im Sand. Auf dem Weg an die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.
Die Antwort, die Anouk in Zoés Briefkasten legte, war ein Polaroidfoto. Darauf hielt sie ein Blatt Papier in den Händen, und darauf stand, in dicken Buchstaben, nur ein Wort: Ja.
Aber konnte das gut gehen, zwei Schwestern, von denen die eine gerade den grösstmöglichen Erfolg gefeiert und die andere die grösstmögliche Niederlage erlitten hatte?
Nicht lange davor, im Mai 2024, hatte sich nach einem anderthalbjährigen, zermürbenden Qualifkationskampf entschieden, wer zu den Olympischen Spielen in Paris reisen würde. Und wer nicht. Zoé hatte sich mit ihrer damaligen Partnerin Esmée Böbner den zweiten Schweizer Quotenplatz gesichert – auf Kosten von Anouk und ihrer Partnerin Joana Mäder. Die Rollen hatten sich vertauscht: Die jüngere Schwester schwang obenauf, die ältere – drei Jahre zuvor in Tokio noch Olympiadritte – blieb zurück.
Anouk weinte Tränen der Frustration und versuchte sich gleichzeitig für ihre Schwester zu freuen. Zoé weinte Tränen vor Glück, litt aber auch mit Anouk. Zwei Gefühle, die sich widersprachen – und doch beide der Wahrheit entsprachen. Und nun sollte ausgerechnet aus dieser Konstellation ein neues Team entstehen. Auch, weil die Wege mit ihren bisherigen Partnerinnen an ein Ende gelangt waren: Esmée Böbner wollte Osteopathin werden, Joana Mäder ein Kind bekommen.
Aber wie wird aus Rivalität Vertrauen? Es half, dass Anouk und Zoé nie nur Beachvolleyballerinnen gewesen waren. Die Kindheit der Vergé-Déprés war unternehmungslustig, nicht zielgerichtet. Sie spielten Fussball, gingen in die Leichtathletik, tanzten Capoeira, waren in der Pfadi, kletterten auf Bäume. Zoé lernte Gitarre, Anouk Saxofon. Die Eltern, beide ehemalige Prof-Volleyballer, beide Sportlehrer, waren sportverrückt, aber nicht erfolgsbesessen. Vater Jean-Charles stammt aus Guadeloupe, einer Insel in der Karibik. Mutter Sandra aus dem Berner Oberland.


emeinsamer Neustart
Viel Zeit verbrachten die Schwestern in der Badi, wo die Eltern Beachvolleyball trainierten, Turniere spielten und andere Teams coachten. Anouk war ein Ballkind. Der Sport faszinierte sie, aber auch das Drumherum: die Sommerabende, die Leichtigkeit, das Zusammensein. Zoé brauchte etwas länger, um sicher zu sein, dass sie Volleyball nicht deshalb spielte, weil es in der Familie selbstverständlich war, sondern weil sie es selbst wollte.
Und trotzdem: Als sie ihrer Schwester diese Frage stellte, hatten beide Angst.
Kaum eine Zusammenarbeit im Sport ist so paradox wie die im Beachvolleyball. Man ist nicht Einzelsportlerin, dafür ist man zu sehr aufeinander angewiesen. Aber man ist auch nicht Teamsportlerin im klassischen Sinn, dafür ist die Gruppe zu klein. Man ist etwas dazwischen. Etwas Drittes: eine Dyade, die kleinstmögliche soziale Einheit. Aber anders als im TennisDoppel ist jeder Ballkontakt ein gemeinsamer. Der Ball geht von der einen Spielerin zur anderen und erst dann übers Netz. Das Doppel im Tennis ist die zweite Geige neben dem viel bedeutsameren Einzel.
Zoé und Anouk beim Fotoshoot für The Red Bulletin auf Teneriffa.
Im Beachvolleyball ist das Doppel das Einzel. Man ist zu zweit und doch allein. Niemand von aussen kann helfen. Coaching ist nur während eines Time-outs erlaubt, Spielerinnen auswechseln gar nicht – und in den Pausen sitzt man wieder zu zweit nebeneinander und muss entscheiden, wer wo steht, wer was spielt, wie man reagiert, wenn es nicht läuft. Man ist gleichzeitig Athletin, Strategin, Motivatorin, Psychologin. Für sich selbst – und für die andere.
Die Forschung spricht von «absoluter Interdependenz», wenn jede Handlung der einen direkt das Schicksal der anderen beeinfusst. Jede Schwäche einer Einzelnen hat unmittelbar Folgen fürs Kollektiv. Man kann nicht sagen: Ich war gut, aber sie hatte einen schlechten Tag. Man kann nur sagen: Wir haben gewonnen. Oder: Wir haben verloren. Es ist eine Intimität, die überwältigend sein kann. «Auf der Tour», sagt Anouk, «sind viele Teams in einer Zweckbeziehung und nicht zwingend Freundinnen. Man hat das gleiche sportliche Ziel, lernt sich extrem gut kennen – aber privat? Gibt es wenig Berührungspunkte.»
Darum die Angst. Weil in diesem aufreibenden Alltag, der kaum Pausen kennt, das zu verschwinden drohte, was ihnen am wichtigsten war: ihre Beziehung als Schwestern. «Wir mussten das unter uns klären», sagt Zoé. «Wir wollten uns nicht vom Einfuss der Familie oder von Freunden leiten lassen.» Nach den Olympischen Spielen – Zoé und ihre Partnerin Esmée Böbner wurden Fünfte –redeten sie wochenlang, sagten aber niemandem etwas, nicht einmal ihren Eltern. Sie wollten für sich entscheiden, bevor die Erwartungen anderer sie in eine Entscheidung trieben.
Also begannen sie, noch bevor sie den ersten gemeinsamen Ball schlugen, über Schutzmechanismen zu sprechen. Über Grenzen. Sie beschlossen, zwei WhatsApp-Chats zu führen: einen für die Arbeit, einen für das Private. «Wenn ich im privaten Chat schreibe», erklärt Zoé, «weiss Anouk: Ich komme als Schwester, die Rat braucht, nicht als Partnerin, die Taktik besprechen will.»

«Viele Teams sind in einer Zweckbeziehung. Privat? Gibt es wenige Berührungspunkte.»
Zoés Vibe ist urbaner als jener von Anouk. Sie liebt Streetstyle, hört Afrobeats und karibische Songs, mag Malen und ausgiebiges Kochen. Sie strahlt Ruhe aus, auch auf dem Platz.


Das erste gemeinsame Jahr lief richtig gut: Medaillen, Podestplätze, Kuhglocke in Gstaad, Schweizer Meistertitel.
Zwischenzeitlich waren die Schwestern die Nummer vier der Welt.


«Wenn ich im privaten Chat schreibe, weiss Anouk: Ich komme als Schwester, die Rat braucht, nicht als Partnerin, die Taktik besprechen will.»
ZOÉ
Anouk (hier links im Bild) ist die um sechs Jahre ältere der beiden Schwestern: Sie bringt die Energie mit, die Übersicht, die Intuition.
ertrauensbasis
Sie beschlossen, ihre Freizeit frei zu gestalten. Wenn Zoé Geburtstag feiert, ist Anouk eingeladen – aber es ist völlig okay, wenn sie nicht kommt. Wenn Anouk abends zu den Eltern geht, geht Zoé vielleicht am anderen Abend. Sie beschlossen auch, dass sie einander Dinge sagen dürften, ohne dass daraus gleich etwas Grösseres würde. Ein schlechter Tag sollte ein schlechter Tag bleiben dürfen.
Die Vereinbarungen waren der Versuch, das Unmögliche zu schafen: auf engstem Raum zusammenzuarbeiten, ohne einander zu erdrücken. Anouk und Zoé wollten die Intimität ihres Sports aushalten, ohne die Intimität der Familie zu gefährden. Sie wussten: Eine zerbrochene Partnerschaft würde in ihrem Fall nicht nur das Ende eines sportlichen Projekts bedeuten, es könnte auch ein Riss durch die ganze Familie gehen.
Das waren die Sorgen. Was aber waren die Chancen?
Während andere Teams mühsam Vertrauen aufbauen müssen, lernen müssen, die Mimik der anderen zu lesen, ihre Körpersprache zu deuten, ihre Bedürfnisse zu verstehen, während sie Codes entwickeln müssen für die Kommunikation im Spiel und Mechanismen für die Konfiktlösung, hatten Anouk und Zoé das teilweise schon. Als sie im Herbst 2024 als BeachvolleyballDuo zusammenfanden, kannten sie einander seit vierundzwanzig

«Bevor wir zusammengearbeitet haben, dachten wir, wir seien ähnlicher.
Vor allem unter Stress.»
Jahren. Sie mussten lernen, wie die andere unter Stress reagiert, wann sie Raum braucht, wann Nähe. Ihr Vorteil aber: Sie konnten am Blick erkennen, ob die Schwester unsicher ist, erschöpft, wütend auf sich selbst.
Die Bedeutung von Blickkontakten nennt man «gaze behavior», Blickverhalten. Beachvolleyballerinnen, fand man heraus, fxieren in Drucksituationen häufger und länger das Gesicht ihrer Teamkollegin, um Informationen aufzunehmen. Bei Anouk und Zoé ist das keine Technik, die sie trainieren mussten, es war eine Erfahrung aus der Kindheit.
Im ersten gemeinsamen Jahr lernten sie aber erst mal: Sie sind unterschiedlicher, als sie gedacht hatten. «Bevor wir zusammengearbeitet haben», sagt Zoé, «dachten wir, wir seien ähnlicher. Vor allem unter Stress.» Anouk ist Feuer. Wenn etwas nicht läuft, muss sie «Dampf ablassen», wird laut und direkt. Zoé ist Eis.

Sie zieht sich zurück, wird still, braucht Zeit zum Verarbeiten. Anouk ist mit 1,85 Metern die grössere der beiden. Sie kleidet sich elegant, hat vor Turnieren ein festes BeautyRitual: Sie ficht sich die Haare und schminkt sich, um sich auf dem Platz wohl und selbstbewusst zu fühlen. Auf Fremde geht sie schneller zu, braucht dann aber länger als Zoé, um sich in der Tiefe zu öfnen. Sie ist ein absoluter MultitaskingMensch und eine Planerin, hat aber die humorvolle Schwäche, sich ihren Terminkalender masslos zu überbuchen, um danach über Zeitmangel zu jammern.
Geheimsprache:
Das Duo verwendet Begriffe aus der Kindheit und seiner karibischen Herkunft als taktische Codes.
Wenn sie von Turnieren nach Hause kommt, entspannt sie sich paradoxerweise beim Staubsaugen. Zoé ist die mit den grünen Augen. Ihr Vibe ist urbaner: Sie liebt Streetstyle, trägt Sneaker und hat vor Spielen die Kopfhörer auf, aus denen Hip-Hop, Afrobeats und karibische Songs dröhnen. Sie strahlt eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus, auch auf dem Platz, liebt dafür das Malen, Zeichnen und ausgiebige Kochen.
Auch sportlich war das erste Jahr eine Metamorphose. Anouk kehrte nach acht Jahren in der Defensive zurück an den Block und wechselte die Angrifsposition von links nach rechts. Eine völlig andere Belastung: mehr Sprünge, anderes Timing, neue Laufwege zum Netz. Das Sichtfeld ist anders. Die Winkel sind anders. «Ich kannte die Position von früher», sagt sie, «aber die Umstellung, immer ans Netz rennen zu müssen, war gross. Ich musste alles neu kalibrieren. Wenn man etwas 10 000-mal geübt hat, ist es drin. Man muss nicht mehr nach denken. Das ist wichtig, weil man im Spiel keine Zeit hat, darüber nachzudenken. Jetzt musste ich wieder lernen, wo ich mich in welchem Timing positionieren muss.»
Gleichzeitig stellten sie radikal vom Unterzuspiel – dem klassischen Baggern – auf das obere Zuspiel um, das Pritschen. Das macht das Spiel schneller, präziser, aber auch riskanter. Viele sagten ihnen: «Das wird schwierig.» Sie machten es trotzdem. Für Zoé war es wichtig, dass Anouk bereit war, ihr Spiel weiterzuent wickeln. «Wenn sie nicht ofen gewesen wäre für diese Herausforderung, hätte ich mir schon überlegt, ob das passt», sagt sie.


gebung ihrer Spielzüge wider. Sie verwen den Begrife aus ihrer Kindheit und ihrer karibischen Herkunft als taktische Codes, wechseln fiessend zwischen Schweizerdeutsch, Französisch und Englisch – je nachdem, wer auf der anderen Seite des Netzes steht.
Der Team-Name «Zouk» selbst ist mehr als nur ein Wortspiel aus ihren Vornamen. Zouk ist eine kreolische Musikrichtung
aus Guadeloupe. Es bedeutet auch «Ort zum Tanzen». Als das möchten sie ihr Beachvolleyballfeld verstehen: als Ort der Leichtigkeit. Zouk ist ein psychologischer Anker, der sie in Momenten extremen Drucks daran erinnert, dass es auch um Freude geht.
Und dann lief es im ersten Jahr fast zu gut. Medaillen, Podestplätze, Kuhglocke in Gstaad, Schweizer Meistertitel. Zwischenzeitlich waren sie die Nummer vier der Welt. Anouk und Zoé dachten: Geht doch ganz leicht! Aber das Jahr endete mit einer Enttäuschung. November 2025, Weltmeisterschaft in Adelaide. Sie waren im Vorfeld krank gewesen, hatten wenig Energie. Im Sechzehntelfnal gegen die US-Amerikanerinnen Julia Donlin und Lexy Denaburg gewannen sie den ersten Satz klar – und verloren danach den Faden. «Irgendwie war die Spannung fort», erinnert sich Zoé. «Und als wir merkten, dass es nicht mehr klappt, kam der Stress.

Beachvolleyballerinnen fixieren das Gesicht ihrer Partnerin, um Informationen aufzunehmen. Anouk und Zoé müssen diese Technik nicht trainieren.


«Wir werfen uns die härtesten Dinge an den Kopf, verzeihen aber auch schnell.»
‹Oh shit. Das klappt nicht. Und das auch nicht.› Der Stress wurde so gross, dass wir keine Lösungen mehr fanden.» Das Ausscheiden war hart. Aber nicht das Härteste. Kurz zuvor, bei einem Turnier in Rio de Janeiro, hatten sie eine Krise erlebt, die tiefer ging. Nach zwei knappen Niederlagen kochten die Emotionen hoch. Gleich nach dem Spiel sassen sie zusammen, versuchten zu reden – und merkten: Es bringt
nichts. «Wir haben angefangen», erinnert sich Anouk, «und dann haben wir gedacht: Es bringt gar nichts. Wir sind frustriert, es ist nicht konstruktiv.»
Sie brachen ab. Sprachen erst beim Abendessen wieder. Und stellten fest: Wenn andere Teams nach einem verlorenen Punkt oder einem verlorenen Spiel aneinandergeraten und dann das Vertrauen oft mühsam wieder aufbauen müssen, können sie sich als Schwestern «härtere Dinge an den Kopf werfen», wie Anouk sagt, «aber einander auch viel schneller verzeihen».
Manchmal vergessen Anouk und Zoé, dass sie Spielerinnen sind. Dann sind sie einfach zwei Schwestern, die sich verstehen, ohne viel reden zu müssen.
eute, am Beginn einer neuen Saison, zwei Jahre vor dem grossen Ziel, den Olympischen Spielen in Los Angeles, glauben sie: Es funktioniert. Nicht immer. Nicht perfekt. Aber es funktioniert.
Auf dem Platz sind sie eingespielt. Anouk, die Erfahrenere, bringt die Energie mit, die Übersicht, die Intuition aus tausend Spielen. Zoé, die Verspieltere, bringt die Ruhe mit, den Hunger, den unbedingten Willen. In der Kindheit machte der Altersunterschied von sechs Jahren viel aus. Anouk war nicht die Spielkameradin auf Augenhöhe, sondern oft diejenige, die auf die kleine Schwester aufpasste, sie behütete. Zoé eiferte ihr nach, klaute manchmal Kleider aus ihrem Schrank. Erst als Zoé erwachsen wurde, wandelte sich das Verhältnis zu einer Freundschaft.
Manchmal, sagen sie heute, vergessen sie für einen Augenblick, dass sie Schwestern sind. Dann sind sie einfach zwei Spielerinnen, die denselben Ball jagen, dasselbe Ziel verfolgen. Und manchmal vergessen sie, dass sie Spielerinnen sind. Dann sind sie einfach zwei Schwestern, die zusammen lachen, streiten, sich verstehen, ohne viel zu reden.
Instagram : @anoukvergedepre ; @zoe.vergedepre ; zoevd.com ; anoukvergedepre.com
Tiktok: @anoukbts ; @zoevergedepre

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Seine Karriere begann mit endlosen Zugfahrten und Chapatis aus dem Kofferraum: Wie aus Arvid Lindblad, Spross einer schwedisch-indischenglischen Familie, eine der grössten Hoffnungen der Formel 1 wurde.
Text Justin Hynes Übersetzung Werner Jessner Fotos Elliott Morgan


Die Grosseltern indisch, der Vater schwedisch, die Lizenz britisch: Das ist Arvid.

Arvid Lindblad geht durch die Boxengasse zur Startlinie. In 16 Minuten startet der Grosse Preis von Australien, und der 18-Jährige muss für die Nationalhymne in der Mitte in der ersten Reihe stehen. Als die Musikerin Kita Alexander «Advance Australia Fair» anstimmt, wird Arvid von Nico Hülkenberg auf der einen und Lewis Hamilton auf der anderen Seite flankiert. Er blickt zu Boden und wird sich der Bedeutung des Moments bewusst. «Ein Schild mit dem Namen Arvid Lindblad, direkt darüber das F1-Logo. Ich wurde fast emotional: Wow, das bin ich, ich bin hier! Endlich ist es wahr.»
Die Reise hatte 15 Jahre zuvor begonnen. «Ich war dreieinhalb, mein Vater sass auf dem Sofa und schaute Formel 1, ich setzte mich neben ihn und war hin und weg. Das muss 2011 gewesen sein, also waren es Seb Vettel, Jenson Button und Lewis Hamilton. Ich dachte nur: «Wow, das ist so cool. Ich fragte meinen Vater: ‹Kann ich das später auch einmal machen?›»
Eltern kennen das: In der einen Woche wollen ihre Kinder Polizist werden, in der nächsten Arzt, Pilot oder Astronaut. Lindblad blieb bei Rennfahrer. Im Jahr darauf nahm ihn sein schwedischer Vater Stefan, der in seiner Jugend Motocross gefahren war, erstmals zum Grand Prix von Grossbritan nien in Silverstone mit. Das war Schritt zwei auf dem Weg, der 2026 auf dem Grid in Melbourne seinen bisherigen Höhepunkt fnden sollte.
Erster Schritt in die Praxis: Stefan schafte seinem Sohn ein Kart an. «Als ich das erste Mal auf der Strecke war, wollte ich nicht mehr weg. Jedes Mal, wenn ich im Kart sass, dachte ich an die Formel 1», sagt Lindblad. Die Wochenenden wurden zu Ausfügen zu den Strecken in der Nähe des heimatlichen Hauses in Virginia
Water, Surrey. Die Destinationen lauteten Sandown in Esher, Bayford Meadows in Kent und Rye House in Hertfordshire, «wo Lewis angefangen hat».
«Für mich war es nie nur ein Hobby», sagt Arvid. «Vielleicht hat das mein Vater so gesehen, weil er gemerkt hat, wie viel Spass ich hatte. Aber ich stellte mir auch immer die Frage: ‹Wie kann ich besser werden? Wie kann ich dazulernen?›»
Vorübergehend zog die Familie nach Norden, genauer nach Bolton, zu Arvids indischen Grosseltern mütterlicherseits. Heimstrecke wurde Hooton Park, eine kleine, unscheinbare Kartbahn fünfundvierzig Minuten entfernt, am Ufer des Flusses Mersey in der Nähe von Liverpool gelegen. «Das war der Sommer, der alles veränderte», erinnert sich Arvid. «Mein Vater und ich fuhren jeden zweiten Tag hin. Ich habe trainiert und es geliebt.

In den ersten vier Rennen der diesjährigen Saison holte Arvid bereits vier WM-Punkte.
Meine Grosseltern kamen und brachten indisches Essen. In den Pausen habe ich Nanis Rajma, ein Kidneybohnen-Curry, und dazu Chapatis, das Fladenbrot, hinten im Auto gegessen.»
Arvid Lindblad ist stolz auf seine Herkunft. «Ich komme aus einem multikulturellen, multireligiösen Umfeld, und das hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Meine anderen Grosseltern leben immer noch in Schweden, in Knivsta, wo mein Vater aufgewachsen ist. Wir haben sie jedes Jahr besucht. Und wir haben viel Zeit mit Mamas Eltern in Bolton verbracht. All das waren wichtige Teile meiner Erziehung. Diese Werte –harte Arbeit, Bescheidenheit, immer sein Bestes zu geben –, die alle drei Kulturen verbinden, haben mich geprägt.»
Eins nach dem anderen Im Lauf der Zeit wurde die Konkurrenz härter. Ein probater Weg, um sich im Kartsport nach vorn zu boxen, ist fnanzieller Einsatz: Ein besserer Motor bringt fast automatisch bessere Ergebnisse. Doch Stefan Lindblad ging einen anderen Weg: Sein Sohn sollte lernen, das Maximum aus unterlegenem Material herauszuholen. Dazu kam ein Glücksfall: Mit Oliver Rowland trat ein Mann auf den Plan, der 2015 auf dem Weg zum Formel-Renault-3.5Titel war und heute amtierender FIA-Formula-E-Champion ist.
Auf der Suche nach der nächsten Sprosse auf der Karriereleiter waren die Lindblads nämlich an die Racing Steps Foundation herangetreten, eine Organi-
sation, die britischen Talenten den Aufstieg in der Motorsportwelt erleichtern sollte. Rowland, selbst Alumnus, wollte helfen – und es sollte eine der prägendsten Beziehungen in Lindblads Karriere werden. Aus gelegentlichen Ratschlägen wurde regelmässiges Coaching – und dann gebar Rowland die Idee eines gemeinsamen Kart-Teams.
«Bevor wir uns versahen, hatten wir einen Sprinter-Van mit Aufstellzelt. Ollie, mein Mechaniker Alex Tee und ich tingelten damit durchs Land und lernten richtig viel», erzählt Lindblad. Die Karriere
nahm Fahrt auf und weckte das Interesse einer weiteren entscheidenden Person: Helmut Marko. Dem damaligen Chef des Red Bull-Nachwuchsprogramms gefelen Lindblads Leistungen, und er bot ihm einen Platz an.
Neue, vielversprechende Wege taten sich für Arvid auf – vorausgesetzt, er erreichte Zwischenziele, gewann Rennen und holte Titel. «Es war aufregend», sagt er. «Helmut hatte Sebastian Vettel und Max Verstappen in die F1 gebracht, und nun glaubte er an mich. Welche Chance, meinen Traum zu verwirklichen! ExtraDruck fühlte ich nicht: Ich selbst wollte Leistung bringen, weil mein Ziel die F1 war.» Arvid war als Teenie in einem sehr erwachsenen Geschäft gelandet. Die Tage mit Rajma und Chapatis aus dem Koferraum waren vorbei.


...
und das hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.»
Lernkurve de luxe «Rennfahren zwang mich, rasch erwachsen zu werden», sagt er. «Schon im Alter von neun, zehn Jahren bin ich mit dem Zug durch ganz Grossbritannien gereist und, sobald ich konnte, allein gefogen. Das zwingt zur Selbständigkeit. Aber es gab auch Phasen, die wenig Spass gemacht haben. Familienleben und soziales Umfeld haben gelitten, die Schule ebenso. Es gab eine Zeit, in der ich von der Rennstrecke nach Hause kam und einfach nur mit Freunden abhängen wollte. Ich war vierzehn oder fünfzehn, als ich bemerkte: ‹Ich weiss eigentlich gar nicht, wem ich schreiben soll.› Heute habe ich zum ersten
Mal wirklich gute Freunde: Da sind ein oder zwei Jungs, die ich anrufen und mit denen ich über alles reden und lachen kann. Sie sind für mich als Mensch da.»
Sportlich ging es weiter bergauf. Lindblad wechselte vom Kart in sein erstes Rennauto, wurde prompt Dritter in der italienischen F4 und gewann seine Kategorie beim legendären Macau Grand Prix. Dann stieg er in die internationale F3 auf, fuhr im Vorprogramm der F1, gewann gleich bei seinem Debüt in Bahrain – eine Premiere in der Serie – sowie beide Heimrennen in Silverstone. Endergebnis: Platz 4 in der Meisterschaft. Arvid schien unaufhaltsam. Doch dann kam die Formel 2.
Gute Figur: Arvid beim Shoot für The Red Bulletin in London
Rückblickend sagt er: «Die Formel 2 war eines der härtesten Jahre überhaupt. Es gab viele Fragen, auf die ich nie wirklich eine Antwort fand.» Seine Form schwankte. Zwar gewann er in Dschidda mit 17 Jahren und 254 Tagen als Jüngster der Geschichte in dieser Kategorie und siegte in Barcelona erneut. Aber es gab auch Kollisionen, Disqualifkationen und Strafen. An manchen Wochenenden sah er wie ein künftiger Star aus, an anderen lief gar nichts. Er war 17 Jahre alt, hatte ein Jahr F4 und ein Jahr F3 hinter sich und versuchte, in einer Kategorie zu bestehen, in der Erfahrung die halbe Miete ist. «Ich hatte Schwierigkeiten, mich gut ins Team einzuarbeiten», sagt er. «Es lief nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte, und ich verkrampfte mental. Wenn alles zusammenpasste, war ich schnell, aber da ich so rasch aufgestiegen war, gab es Lücken, Dinge, die ich noch nicht erlebt hatte. So musste es fast zwangsläufg zu Phasen kommen, in denen es gar nicht gut lief.»
Hatte man dem jungen Mann zu viel zugemutet? Seine Mentoren im Red Bull Junior-Programm sahen das anders. Als Isack Hadjar nach nur einer Saison bei den Visa Cash App Racing Bulls zu Red Bull Racing wechselte, wurde beim designierten Nachwuchsteam ein Platz frei. Die Formel 1 winkte! Die entscheidende Frage war, ob und wie Lindblad die Höhen und Tiefen seiner Rookie-Saison in der F2 verarbeitet haben würde. War er reif genug für die grösste Bühne im Motorsport?
«Das Sprichwort mag alt sein, aber es stimmt: Aus schwierigen Tagen lernt man mehr als aus guten», sagt er. «Ich habe aus dem letzten Jahr viel mitgenommen, kenne meine Bedürfnisse besser und weiss, wie ich Rennwochenenden angehen muss.»
Der Sprung von der F2 in die F1 ist gewaltig. Während ein Pilot in der F2 in der Regel mit 15 bis 20 Leuten arbeitet, mit einem Ingenieur spricht, technisch nur beschränkt Einfuss nehmen kann und ein Auto mit etwas mehr als 600 PS fährt,
Willkommen in der F1: Die Fans haben Arvid schon ins Herz geschlossen.
explodiert in der Formel 1 jeder einzelne Faktor: 60 Leute umschwirren dich und dein Auto, dazu kommt Personal für Marketing, Kommunikation und Hospitality. Die Möglichkeiten, das Auto abzustimmen, sind dramatisch höher, desgleichen die Motorleistung. Allein auf dem Lenkrad befnden sich fast 50 Schalter, Drehregler, Kippschalter, Tasten und Wippen; und jeder einzelne hat eine Funktion. Es ist, als würde man einen Taschenrechner gegen einen Supercomputer tauschen, einen Doppeldecker gegen eine Rakete. «Aufregend, überwältigend … völlig anders als alles, was ich gewohnt war», beschreibt Lindblad den Umstieg. «Es fühlte sich wie eine andere Sportart an.»
Und gleich Vollgas
Wie sehr sich auch sein Leben verändert hatte, wurde ihm bei den PreSeasonTests in Bahrain bewusst. «Ich sass bei meiner ersten Pressekonferenz – noch vor meinem ersten Rennen –, und der Raum war voll. Bislang war ich eher eine schwache Handvoll Journalisten gewohnt. Da dachte ich nur: ‹Wow, okay.›»
Rennfahrer klappen das Visier zu und blenden die Geräusche von aussen aus. Genau das tat Lindblad. Bei seinem F1Debüt in Melbourne vertraute er auf das, worauf ihn die frühen Morgenstunden im Hooton Park und die ewigen Runden mit unterlegenen Karts vorbereitet hatten. «Sobald die Ampeln ausgingen, nutzte ich jede Lücke, die ich fnden konnte, und stürzte mich ins Getümmel. Ich schob mich zwischen Lando Norris und Lewis Hamilton, und bevor ich mich versah, lag ich auf Position 4. Später kämpfte ich mit Isack und Lewis Rad an Rad», sagt er, immer noch ein wenig überwältigt, denn: «Lewis war ein wichtiger Grund, warum ich mich in diesen Sport verliebt habe.»
Seinen ersten Grand Prix beendete er auf Platz 8 und war somit der jüngste Brite, der je F1Punkte sammeln konnte. Nach seinen Duellen gegen die Weltmeister Norris und Hamilton bezeichnete ihn die Presse als «furchtlos». Zu Recht? «Ich habe enormen Respekt vor verdienten Fahrern wie Max, Lewis oder Fernando. Aber werde ich sie auf der Strecke anders behandeln? Nein. Ich werde hart, aber


«Als würde man einen Doppeldecker gegen eine Rakete tauschen: So fühlt man sich in der Formel 1.»
fair gegen jeden fahren. Und wenn sich eine Chance bietet, werde ich sie nutzen.»
Seine ersten Monate in der F1 sind erst der Beginn einer weiterhin steilen Lernkurve. «In Japan bin ich von Platz 10 gestartet und lag am Ende der ersten Runde auf Platz 8. Ich war fast ein bisschen überfordert, in dem Sinne, dass ich weiter vorn liege, als ich sollte. Hinter mir sind schnellere Autos; ich versuche, meine Position zu verteidigen. Das ist mental anstrengend.»
Wieder etwas, das er lernen muss, ein weiterer Schritt auf dem Weg. Das ist Arvid Lindblads neue Welt – aber es ist auch eine, die er sehr gut kennt, denn sonst wäre er nicht da, wo er heute ist. «Motorsport ist seltsam», sagt er und
lächelt. «Man arbeitet, um den nächsten Schritt zu tun, doch sobald der getan ist, fängt man wieder ‹unten› an.»
Wann immer aktuell Hürden auftauchen – was im (zwei)wöchentlichen Match gegen die Besten der Welt zwangsläufg der Fall sein wird –, kann er sich jenen Moment in Melbourne vergegenwärtigen, die Startaufstellung, das Schild mit seinem Namen darauf – «Arvid Lindblad, F1Pilot» – und sich vorsagen: «Ich konzentriere mich auf mich selbst und auf das, was ich beeinfussen kann. Ich weiss nicht, was die kommenden Monate bringen werden, aber ich freue mich darauf. Ich lebe meinen Traum.»
Insta: @arvid.lindblad, Formel-1-Grand-Prix am Red Bull Ring von 26. bis 28. Juni 2026

Gut unterwegs: Der 18-jährige Arvid Lindblad ist der jüngste Brite, der je F1-Punkte sammeln konnte.


Im Winter Skibergsteiger, im Sommer Trailrunner. Und in beiden Disziplinen Weltmeister. Rémi Bonnet gehört zu den extremsten Ausdauersportlern der Gegenwart. Von einem, der nicht Rekorde, sondern Ruhe sucht.


Als Trailrunner rangiert Rémi weltweit unter den Top 3, als Skibergsteiger ist er sowieso eine Klasse für sich.

Rémi ist keiner, der Worte verliert, die nicht nötig sind, kein Satz ist bei ihm zu viel.
Am 18. Oktober 2025 sackt Rémi Bonnet hoch oben über dem Walliser Rhonetal auf den staubigen, steinigen Boden. Die Lungen versuchen, seinem Körper so viel Sauerstof wie möglich zurückzuführen, sein Gesicht vergräbt er in der Ellenbeuge, an den Handgelenken hängen noch immer die Stöcke, ohne die er die letzten 27 Minuten und 21 Sekunden nicht geschaft hätte.
Rémi hat auf einer Strecke von 1900 Metern 1000 Höhenmeter zurückgelegt, einer stillgelegten Bergbahnlinie entlang, gesäumt von den orange und gelb gefärbten Bäumen des Herbstes. Dieses Vertikalrennen ist so steil, dass manche Trailrunner Abschnitte auf allen vieren zurücklegen. Nach 600 Höhenmetern fühlen sich Rémis Beine an, als würden sie brennen. Eigentlich fühlt sich der ganze Körper an, als würde er brennen. Und es ist unklar, ob er den Soundtrack dieses Moments überhaupt wahrnimmt: «Allez Rémi! Allez Rémi! Allez Rémi!»
Rémi hat den Weltrekord im «Kilomètre Vertical» gebrochen.
Der Ruhige
Genau ein halbes Jahr später, an einem warmen Frühlingstag 2026, steht Rémi vor seinem Haus im freiburgischen Cerniat. Er trägt weisse Socken und Crocs und sagt zum Gärtner in Bergschuhen: «Die Bäume trugen letztes Jahr viele Früchte.» Er blickt über den Garten, der sich über den Hang hinter seinem Haus erstreckt. Der Gärtner antwortet: «Warte nicht zu lange, bis du sie zurückschneidest, sonst hast du irgendwann ein Problem.»
Rémi ist keiner, der Worte verliert, die nicht nötig sind, kein Satz ist zu viel. Er, der nicht ruhen kann, strahlt Ruhe aus. In der Ruhe dieses Moments deutet nichts darauf hin, dass er zur absoluten Weltklasse gehört – und das in gleich zwei Sportarten.
Rémi Bonnet, 1995 im freiburgischen Charmey geboren, ist als Skibergsteiger Weltmeister, Europameister, Weltcupgesamtsieger. Und im Sommer gehört er weltweit zu den Top 3 der Trailrunner. Das ist etwa so, wie wenn der beste Langläufer der Welt im Sommer auch noch Marathons gewinnt.
Doch um Siege und Titel geht es Rémi längst nicht mehr. Seine Mission ist grösser, als Pokale es je sein können.
Die Abgeschiedenheit
Das Zentrum von Rémis Leben liegt in den Freiburger Voralpen, genauer in der Ortschaft Cerniat, knapp 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Fünfhundert Menschen leben hier, das Postauto fährt sechzehn Mal hoch. Pro Woche.
Wer hier lebt, hat sich für die Abgeschiedenheit entschieden. Und wer wie Rémi ein Haus bewohnt, das am Hang und weitab des Dorfkerns liegt, der hat sich innerhalb der Abgeschiedenheit für die Idylle entschieden.
Rémi baut Gemüse an, hält Ziegen und Hühner. Das Gemüse und die Hühnereier sind Teil seiner Sportlerdiät. Die Ziegen hält Rémi, weil auch sie an einem solch schönen Ort leben sollen wie er selbst, sagt er.
Rémi nennt diesen Ort «meine Freiheit». Wenn er in die Stadt muss, dann ist sein einziger Gedanke: «Wie und wann komme ich hier wieder weg?» Nichts zieht ihn von seiner Heimat weg. Und trotzdem zieht er immer wieder los.
Der Dominator
Wenige Tage vor dem Trefen ist er von Aserbaidschan zurückgekehrt. Für die Europameisterschaft der Skibergsteiger. Doch wegen des Krieges im Nachbarland Iran sind die Franzosen nicht angereist.
Sie wären Rémis stärkste Konkurrenten gewesen. Doch hätten sie ihn bezwungen? Unwahrscheinlich. Denn Rémi hat in dieser Saison alle Rennen auf Schnee gewonnen, an denen er teilgenommen hat. Schon wieder.
Wie wird einer so gut? Obwohl er so spät mit seinem Sport angefangen hat?
Rémi steht in einem Hinterzimmer seines Hauses, halb Abstellkammer, halb Trainingsraum, vieles hat er als ausgebildeter Metallbauer selbst gemacht. Hier steht ein Laufband, auf dem er trainiert, wenn das Wetter eine Einheit im Freien verunmöglicht. Durch ein Fenster, so gross wie ein Werbeplakat, sieht er beim Training den Dent de Broc und den Moléson. Rémi kennt jeden Gipfel. Neben dem Laufband steht ein Tisch, auf dem Rémi einen Teil seiner Pokale und Kugeln und Medaillen deponiert hat. Jene von der EM in Aserbaidschan fehlen, sie sind noch in der Reisetasche.
«LAUFEN IST NICHT EINFACH DAS, WAS ICH TUE. ES IST DAS, WAS ICH BIN.»
Ganz so wichtig sind ihm diese Objekte ohnehin nicht mehr. Rémi erklärt das so: «Ich fühle deutlich weniger Emotionen als früher, wenn ich Rennen gewinne. Es ist irgendwie normal geworden.» Er sagt das ohne Überheblichkeit. Wer alles und immer gewinnt, für den öfnet sich eine neue Normalität. Und diese Normalität bedeutet für Rémi: «Meine Leidenschaft ist der Bergsport, alleine und für mich; nicht die Rennen gegen andere und vor Zuschauern.»
Die meisten Athleten trainieren, um Rennen zu gewinnen. Rémi gewinnt Rennen, damit er trainieren kann. So funktioniert sein Lebens- und Businessmodell.
Der Verzicht
Auf Englisch heisst Skibergsteigen «Ski Mountaineering», woraus sich die Kurzform «Skimo» ableitet. Skimo ist als Wettbewerbsform aus dem klassischen Skitourenfahren hervorgegangen und besteht im Wesentlichen aus zwei Elementen: den Berg hoch und den Berg runter. Die Athletinnen und Athleten schnallen sich Steigfelle an die Ski, um den Berg hochzusteigen; für die Abfahrt nehmen sie die Felle ab. Es gibt Rennen in fünf Disziplinen: Der Sprint ist die Kurzform, die Rennen dauern nur knapp drei Minuten; das Individual ist die Königsdisziplin, bei der die Rennen deutlich länger ausfallen als beim Sprint; bei den Team- und Relay-Rennen spannen sich mehrere Athleten zusammen; und bei der Disziplin Vertical geht es nur den Berg hoch, ohne Abfahrt.
2008 wurde der internationale Verband gegründet. Seit 2026 ist Skimo olympisch. Und Rémi hat seitdem ein Problem.
Als am 19. Februar kurz nach dem Mittagessen das erste Olympische Skimo-Rennen startet, ist Rémi nicht dabei, sondern irgendwo in den Bergen am Trainieren. Er nimmt sein Handy, schaltet die Übertragung ein und verfolgt die Rennen über die Kopfhörer, ohne auf den Bildschirm zu schauen.
Warum ist Rémi nicht selbst am Start? «Das ist nicht der Sport, den ich praktiziere», sagt er.
Rémis Disziplinen sind Vertical und die Königsdisziplin Individual. Die Olympiamacher aber haben
lediglich die Disziplinen Sprint und eine MixedStafel ins Programm genommen – weil diese am TV als Kurzformate besonders gut funktionieren. Rémi sagt: «So wie die Olympischen Spiele unseren Sport inszenieren, raubt man ihm seine Ursprünge in den Bergen. Ich bedauere es, dass sich der Sport den Spielen anpassen muss und nicht die Spiele dem Sport.»
Der Anfang
Rémi wächst in Charmey auf. Er spielt Fussball und fscht mit den Kollegen des Fischervereins. Mit Ausdauersport hat er nichts zu tun. Bis er mit siebzehn Jahren als Freiwilliger bei einem Rennen der Skibergsteiger hilft. Er steht an einem Kontrollposten und sieht die Athleten an sich vorbei den Berg hochsteigen. Heute sagt er: «Ich war hingerissen.»
Seit diesem Moment gibt er sich dem Skibergsteigen hin. Zuerst neben seiner Arbeit als Metallbauer. «Der Sport hat damals meinen Geist geöfnet», sagt er. Und der junge Rémi merkt: Er ist schnell. So schnell, dass er eine Entscheidung trift.
Zwei Jahre gibt er sich Zeit, um an die nationale Spitze zu kommen und den Sport zu seinem Leben zu machen. Es ist eine Wette in die eigene Zukunft. Ausgang ofen – bis zu diesem einen Tag und diesem einen Rennen: Keine zwanzig Jahre alt, tritt Rémi gegen die Mitglieder der Nationalmannschaft an. Es fehlt ihm an Erfahrung in diesem Sport, in dem es im Aufstieg um das Einteilen der Energien geht und in der Abfahrt um das Dosieren der Geschwindigkeit, weil die ultraleichten Ski kaum technisches Fahren ermöglichen.
Rémi gewinnt. Innerhalb der gesetzten zwei Jahre steigt er an die Spitze. Und er weiss: Wenn ein Mensch in einem Land wie der Schweiz zu den Besten in einer Bergsportart gehört, warum soll dieser Mensch nicht auch der Beste der Welt werden?
Was die körperliche Leistung betrift, bringt er dafür alles mit. Was das alles im Kopf mit ihm macht, kann Rémi noch nicht erahnen.
Heute ist Rémi 31 Jahre alt und absolviert als Trailrunner und Skibergsteiger rund 500 000 Höhenmeter im Jahr. Das entspricht einer Besteigung des Matterhorns pro Tag, von der Hörnlihütte aus.
Bei dieser schieren Menge kann niemand mit ihm konkurrieren. Rémi sitzt am grossen Holztisch in seinem Wohnzimmer mit ofener Küche und sagt: «Ich bin oft alleine. Und ich brauche das sehr. Das ist nicht nur so, wenn ich in den Bergen trainiere. Wenn ich hierher zurückkomme, ist hier niemand. Das geniesse ich. Und wenn meine Freundin am Abend heimkommt, geniessen wir das zusammen.» Rémi deutet auf das Fenster im Süden des Raumes. Kein Haus ist in Sicht, nur der schneebedeckte Schattenhang auf der anderen Talseite.
Dort, wo Rémis Haus steht, ist der Schnee bereits weg. Die Übergangssaison ist Rémis liebste. Weil sie bedeutet, dass er beide Sportarten machen kann. Nach dem letzten Rennen als Skibergsteiger hat Rémi ein paar Tage Zeit, bis für ihn die ersten SommerWettkämpfe anstehen.




Nach einem Ermüdungsbruch am Schienbein wurde Rémi bewusst: Auch wenn ich pausiere, passiert mir nichts.
Die Übergangssaison ist Rémis liebste.
Weil sie bedeutet, dass er beide Sportarten machen kann.

DORT OBEN GIBT ES ALLES.


Mit seinem Weltrekord
2025 stellte Rémi eine
neue Marke im Ausdauerbergsport auf.
Die erste Lektion
In den Anfängen ist das Trailrunning für Rémi lediglich das Sommertraining für das Skimo im Winter. Es ist die Zeit, als er aus dem Nichts an die Spitze läuft und alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Die Medien wollen ihn. Die Menschen um ihn herum haben grosse Erwartungen. Rémi aber fragt sich, ob er dieses Leben zu diesen Konditionen überhaupt will oder ob ihn das nicht ziemlich schnell überfordern wird. Rückblickend spricht er von der schwierigsten Zeit seiner Karriere, weil der Körper alle Hürden nimmt, der Kopf aber zögert. Und dann kommt noch diese Extraportion Druck dazu, weil die Szene und die Medien anfangen, ihn mit dem Grössten der Geschichte zu vergleichen: mit Kilian Jornet.
Rémi fndet erst zurück in die Spur, als er sich daran erinnert, warum er mit dem Hochleistungssport angefangen hat. Nicht für die anderen. Nicht für die Medien. Sondern für sich. Für dieses spezielle Gefühl, wenn er allein in den Bergen läuft und nichts anderes will und schon gar nichts braucht.
Der Trailrunner
Wenige Athletinnen und Athleten haben es geschaft, in einer Sommer und einer Wintersportart Weltklasse zu sein: Beispiele sind die Deutsche Christa LudingRothenburger, die in den Achtzigerjahren sowohl als Eisschnellläuferin als auch als Radfahrerin OlympiaGold holte; oder aktuell Sophia Laukli, die im Winter zur LanglaufElite gehört und im Sommer als Trailrunnerin Ultramarathons gewinnt. Und dann ist da Kilian Jornet, mit dem Rémi immer wieder verglichen wird.
Der Spanier Jornet gilt bis heute als einer der Grössten des Ausdauerbergsports. Eigentlich hat sich Rémi erst 2025 endgültig aus dem Schatten Jornets herausgelaufen, als er den Weltrekord aufstellte, von dem am Anfang dieses Textes die Rede war. Jornet hat dieses Rennen zwar auch schon gewonnen. Aber Jornet hat nie den Weltrekord geknackt. Darum bedeutet Rémis Rekord besonders viel. Dass er diese neue Marke gesetzt hat, hat auch mit einer Lektion zu tun, die er knapp ein halbes Jahr zuvor erdulden musste.

Die zweite Lektion
Viele Athletinnen und Athleten sind es müde, ihr Leben auf den sozialen Medien auszubreiten. Rémi ist es nie so ergangen. Weil er Familie in Frankreich hat, nutzt er die Plattform schon seit jeher als digitales Archiv an Emotionen. Rémi im Aufstieg, Rémi auf dem Rad, Rémi bei einer Zielankunft.
Am 21. Juni 2025 publiziert er auf Instagram einen Post, der ihn ruhend zeigt. Dazu der Text: «Das ist gerade schwierig für mich. Laufen ist nicht einfach das, was ich tue. Es ist das, was ich bin.»
Rémi hat sich einen Ermüdungsbruch am Schienbein zugezogen. Nachdem er zehn Jahre lang nie mehr als ein paar Tage pausiert hat, zwingt ihn die Verletzung zu zwei Monaten Pause. Nichts machen, weil er jahrelang zu viel gemacht hat. Rémi glaubt, dass ihn die Pause unglücklich machen würde. Aber sein Trainer Simon Gosselin sagt rückblickend: «Ich glaube, dass es absolut entscheidend war für Rémi, einen totalen Reset zu haben.»
Nach der Krise in den ersten Jahren an der Spitze, als Rémi alles zu viel wird, die Aufmerksamkeit, die Medien, die Erwartungen aus der Szene, erlebte er die erste Lektion in seiner Karriere: Ich mache das für niemand anderen als für mich selbst. Und jetzt, nach dem Ermüdungsbruch, erhält er die zweite grosse Lektion: Auch wenn ich pausiere, passiert mir nichts. Rémi kehrt zurück und gewinnt die nächsten Titel. Rémi hat gefunden, was er im Leben möchte. Ein Glücklicher, der das macht, was er wirklich will.
Wo das Nichts alles ist
In einer Stunde wird Rémi an diesem warmen Frühlingstag 2026 nochmals die Laufschuhe schnüren. Seine zweite Trainingseinheit des Tages steht an. Er wird sie in der Nähe seines Hauses absolvieren, hoch oben, allein und entlang einer Krete.
Dort oben gibt es für Rémi kein Podest, kein Publikum, keine Medien. Dort oben gibt es nichts. Dort oben gibt es alles.
NICO WILLIAMS, RICHARD RÍOS, NEYMAR JR., ALPHONSO DAVIES, MEMPHIS DEPAY


Ein breites Lächeln, brasilianische Vibes, harte Kritik oder ein Strassenmatch mit alten Kumpels: Woher diese fünf WeltklasseFussballer ihre Energie nehmen.


Wieso der Spanier am liebsten auch heute noch mit den Kumpels aus seinem Viertel kickt. Der Lokalpatriot
Von 2008 bis 2012 dominierte Spanien mit zwei EM- und einem WM-Titel die Fussballwelt, und das dank brillanter Akademiespieler und ihres Kurzpassspiels Tiqui-Taca. Es folgten zehn Jahre der Ernüchterung, ehe eine neue Generation der einstigen Erfolgsformel ein Upgrade verpasste.
Kollektiver Ballbesitz-Fussball wurde mit individuellen Dribblings und Sturmläufen ergänzt. Das Ergebnis: Spektakel, Tore und der Triumph bei der EURO 2024. Dieses «neue Spanien» wird von zwei Spielern ganz besonders geprägt: Lamine Yamal, 18, und Nico Williams, 23. «Wir sind Kinder der Strasse, Kinder unserer Viertel», sagt Williams, «wir bringen den Strassenfussball in die Nationalmannschaft.»
Nico Williams wuchs als Kind ghanaischer Einwanderer in Pamplona auf, ehe er seinem Bruder Iñaki in die Fussballakademie von Athletic Bilbao folgte. Sein Heimatviertel Buztintxuri hat der Flügelspieler gedanklich aber nie verlassen: «Jedes Mal, wenn ich auf den Platz gehe, habe ich mein Viertel im Kopf. Ich bin immer noch der Junge, der auf dem Platz hinter der Kirche gekickt hat.»
Dort sei er «durch ständige Tritte abgehärtet» worden und habe seinen Stil ent-

wickelt. Noch heute zieht es Nico oft nach Buztintxuri zurück, wo ihn neben seinen alten Freunden auch viele Migrantenkinder an seine Jugend erinnern. Die Postleitzahl des Viertels trägt er als Tattoo am Oberarm. «Ich weiss, dass viele Kinder in mir ein Vorbild sehen. Ich spiele auch für sie.»
2026 hat Nico Williams sein eigenes 4-gegen-4-Turnier für Stadtviertel ausgerufen. Infos und Videos: redbull.com/reydelbarrio
Stets mit beiden Beinen am Boden geblieben: Nico Williams, 23, früher Strassenkicker in Pamplona, heute einer der begehrtesten Fussballer der Welt
Wie Futsal für den Kolumbianer vom Ausweg zum Karrieresprung wurde.
Der Anpassungsfähige
Zu klein, zu fragil, zu schwach: So urteilten Trainer über den jungen Richard Ríos. Heute hat er mit 1,85 Meter nicht nur Gardemassse, sondern auch Weltniveau erreicht. Dabei ging er bis 2018 noch in einer anderen Disziplin ans Werk.
Nachdem ihm der klassische Weg Richtung Profifussballer verstellt worden war, landete Ríos beim Futsal, der in Südamerika populären Hallenfussballvariante. Auf dem wortwörtlich harten Boden der Realität («Von professionell waren wir weit entfernt») angekommen, lernte er sich durchzusetzen: gegen körperlich überlegene Gegner, kritische Stimmen und die Beengtheit des Sports – ein FutsalFeld misst weniger als ein Drittel eines regulären Rasenplatzes.
Das Ergebnis: ein Fussballer mit purer Willenskraft. «Ich bin ein Kämpfer, gebe keinen Ball verloren und muss gewinnen, egal worum es geht», beschreibt sich Ríos selbst. Die geschärften Fähigkeiten blieben nicht lange unbemerkt. Als Teil der nationalen FutsalAuswahl nahm Ríos 2018 an der südamerikanischen U20 Meisterschaft teil und bekam danach ein Angebot vom Topklub Flamengo – für die FussballDivision, wohlgemerkt.
Was den Scouts aufgefallen ist, sind jene Attribute,
von denen Ríos noch heute zehrt und die er seinem KarriereUmweg verdankt: «Wenn es kaum Platz gibt und kaum Zeit, Entscheidungen zu treffen, kommt der FutsalSpieler in mir heraus», erklärt Ríos. «Kurze Pässe, Dribblings, auf den Ball steigen.» Aber führt die langjährige Absenz auf grossen Feldern nicht zu Schwächen? «Ich musste einiges lernen: weite Pässe, diagonale Räume, Abseits. Aber ich bringe das auf den Platz, was ich beim Futsal gelernt habe. Und das ist auch der Wille, mich täglich weiter zu verbessern.»

Die Gen Z trägt seine Frisur, er selbst nach Jahren im Futsal heute mit Stolz das Teamtrikot Kolumbiens: Richard Ríos, 26.


In ihrem neuesten Projekt mit Red Bull stellen sich Ausnahmefussballer Ausnahmesituationen. Endrick, Richard Rios, Neymar Jr. und FussballFreestyler Séan Garnier mussten etwa den Ball in der Luft hin und her passen, während ihr Plateau auf bis zu 15 Meter Höhe anwuchs. Alle Folgen gibt es auf dem YouTube-Kanal von Red Bull.



Warum Brasiliens Super
star die Kritik an ihm als Treibstoff nutzt.
Der Medienzar
Über zwanzig Jahre steht Neymar Jr. schon im Fokus der Fussballwelt: Teenager-Sensation bei Santos, Champions-League-Sieger beim FC Barcelona, teuerster Transfer aller Zeiten bei Paris Saint-Germain, Rekordtorschütze für Brasilien.
Es gibt nur wenige Fussballer, über die in den vergangenen Jahren so viel gesprochen wurde wie über Neymar Jr. Für viele ist er einer der Grössten dieser Zeit, für andere ein Showman, dem am Platz die Effizienz fehlt. Eine Party-Diva ohne Arbeitsethos. Ein Söldner, der mit dem Fussball längst abgeschlossen hat. Wer Neymar Jr. wirklich ist, beantwortet er nun selbst. In der Reality-Serie «Neymar Jr. Full Access» übernimmt er das Sprechen, gibt tiefe Einblicke in sein Leben und zeigt, dass sein Weg noch lange nicht zu Ende ist.
«Wer Profifussballer wird, hat einen hohen Preis zu zahlen», sagt er da etwa während der Physiotherapie in die Kamera. Und damit sind nicht die 46 Verletzungen gemeint, die zu einem grossen Teil auf gegnerische Attacken zurückzuführen sind. So wurde er allein zwischen 2016 und
2022 ganze 1040-mal gefoult – über 200-mal öfter als der Zweitplatzierte in diesem Ranking, Lionel Messi. Neymar Jr. meint damit Hater, kritische Medien und den ständigen Druck der Öffentlichkeit. «Die Leute hauen nach jedem Fehler sofort auf dich drauf. Sie verstehen nicht, dass ich auch nur ein Mensch bin.»
Neymars Worte sollte man nicht als Jammern verstehen, sondern als nüchterne Analyse: Schliesslich nutzt der Offensivspieler alles «als Treibstoff», was über ihn gesagt wird – ob gut oder schlecht. Und auch nach 25 offiziellen Titeln und unzähligen Auszeichnungen will Neymar Jr. eigentlich nur eines: Fussball spielen. Für seinen Herzensklub Santos und die Seleçao. «Ich weiss um meine Qualitäten», sagt er, «und kann dem Team helfen.»
Dafür ist er zurück nach Brasilien gewechselt, dafür

pendelt er täglich stundenlang zwischen Kraftkammer, Massagebank und Fussballplatz. Spielt er einmal nicht, dominiert er dennoch die Schlagzeilen. «Vor Brasiliens Kadernominierung im März fiel mein Name etwa eine Trillion Mal», sagt Neymar Jr. und lacht. Kein Problem für ihn: Er ist die Aufmerksamkeit gewohnt.
Die «Neymar Jr.»-YouTubeSerie läuft auf Red Bull TV und auch auf Neymar Jr.s YouTube-Kanal.


Mittelpunkt des Medienzirkus: Neymar Jr., 34, checkt im Teambus sein Handy, davor warten Tausende Fans auf ihn.
Warum den Kanadier in guten wie in schlechten Zeiten ein breites Lächeln begleitet. Der Strahlemann
Vom Flüchtlingscamp in Afrika zum Hoffnungsträger. Vom Krankenbett zurück auf die Champions-League-Bühne. Alphonso Davies hat mit 25 Jahren schon viel durchgemacht. Eines ist ihm aber stets geblieben: sein Lächeln.
«Er hatte eine Energie, die durch die Decke ging, und dabei immer dieses Lächeln auf dem Gesicht», erzählt Craig Dalrymple, Akademieleiter der Vancouver Whitecaps, über den jungen Davies. Mit 14 Jahren sticht dieser deutlich hervor: schnell, körperlich stark und erstaunlich reif. «Ich musste auf meine zwei kleinen Geschwister aufpassen, da meine Eltern jeweils zwei Jobs hatten», sagt Davies und ergänzt: «Ich war immer der in der Familie, der alle aufgemuntert hat.»
So schnell Davies auf dem Feld ist (sein Sprintrekord liegt bei 36,51 km/h), so schnell nahm auch seine Karriere Fahrt auf: Profivertrag in Vancouver mit 15, Durchbruch in der amerikanischen Liga, Wechsel zum FC Bayern mit nur 17 Jahren und dann, 2020, nur zwei Jahre später, der Champions-League-Sieg – als Stammspieler und erster Kanadier überhaupt. «Diese Trophäe mit 19 in die Luft zu stemmen, war irre», sagt Davies. «Ich habe vor lauter Freude zwei Tage lang nicht geschlafen.»
Mit dem für viele weltweit besten Linksverteidiger in den eigenen Reihen stiegen auch die Erwartungen an das kanadische Team. 2022 konnte man sich erstmals seit 36 Jahren wieder für eine WM-Endrunde qualifizieren und dort erstmals ein Tor erzielen. Der Schütze: Alphonso Davies. Vier Jahre später wartet mit der Heim-WM eine noch grössere Herausforderung, auch für Davies. Ein Kreuzbandriss im März 2025 führte dazu, dass «all meine Energie wie weggeflogen war. Aber dann habe ich gesagt: Ich kann entweder hier sitzen und trauern – oder ein Lächeln aufsetzen und mich durchkämpfen.»
13 Monate später stand Davies im Champions-League-Halbfinale in der Startelf.
Mit neuer Energie: Alphonso Davies, 25, ist wieder fit. Nun führt der Bayern-Star Team Kanada bei seiner «WM dahoam» an.



Wie der holländische Top-Torjäger von brasilianischen Vibes inspiriert wird. Der Pilger
Als der vereinslose 30-jährige Memphis Depay 2024 nach Brasilien wechselte, sahen viele nur einen weiteren Fussballer, der seine Karriere ausklingen lässt. Zwei Jahre und drei Titel später wirkt der Stürmer wie neugeboren. Mal wieder.
Um Memphis Depays Karriere zu beschreiben, greift man am besten auf das Bild einer Achterbahnfahrt zurück: Nach dem Durchbruch bei PSV Eindhoven kam «der Albtraum» (© Memphis) Manchester United, dem Wiedererstarken bei Olympique Lyonnais folgten eineinhalb durchwachsene Jahre beim FC Barcelona. Und nach einer verletzungsgeplagten Saison bei Atlético Madrid stürmte Memphis mit Oranje bei der EURO 2024 bis ins Halbfinale.
Von diesem Erfolg gestärkt – die Nationalmannschaft ist für den Stürmer «wie ein warmes Bad» –, nahm Memphis ein Angebot von Corinthians aus São Paulo an und schockte damit Fans und Experten. «Ich wollte zu den Wurzeln des echten Fussballs. Kinder, auch in Europa, bewundern die Brasilianer dafür, wie sie spielen», sagte Memphis bei seiner Präsentation. «Es ist das Mekka des Fussballs.»

Memphis und Mekka, das passt. Der Angreifer tritt selbstbewusst auf, trifft, assistiert und spielt laut Beobachtern «brasilianischer als die Brasilianer». Auch abseits des Platzes lässt sich Memphis auf die Kultur ein: Essen, Lifestyle –und natürlich die Musik. Die Favelas besuchte er nicht nur, der Musikbesessene widmete ihnen einen Rap-Song. Denn trotz der sportlichen Erfolge –Cup, Supercup und SãoPaulo-Meisterschaft – war für Memphis von Beginn an klar: «Der Grund, warum ich hier bin, ist grösser als Fussball.»
Ghanaische Wurzeln, niederländischer Pass, brasilianisches Lebensgefühl: Memphis Depay, 32, Weltbürger

Remco Evenepoel und Florian Lipowitz. Der eine explosiv, der andere schüchtern. Beide wollen im selben Team die Tour de France gewinnen. Wie das gehen soll? Die Geschichte einer Annäherung

Der Belgier Remco Evenepoel (re.) und der Deutsche Florian Lipowitz sind die Doppelspitze von Red Bull – BORA – hansgrohe: Auf dem Teide in Teneriffa trainieren die beiden zum ersten Mal zusammen.
Vielleicht werden Remco Evenepoel, 26, und Florian Lipowitz, 25, irgendwann auf diesen Donnerstag Ende Januar 2026 zurückblicken und denken: Hier hat es begonnen. Nicht in den Pyrenäen, nicht auf den Champs-Élysées, sondern auf einem flachen Stück Asphalt auf Mallorca, kurz nach dem Mittag, bei 60 km/h.
Die Tour de France 2026 beginnt nicht mit einer normalen Etappe. Sie beginnt am 4. Juli in Barcelona mit einem Mannschaftszeitfahren – einer Disziplin, die im modernen Radsport fast schon anachronistisch wirkt. Nicht der stärkste Fahrer gewinnt, sondern das stärkste Team. Acht Fahrer, aber eine Zeit. Wenn einer zu stark zieht, zerreisst es die Kette hinter ihm. Wenn einer zu langsam ist, bremst er die anderen.
Für das Team Red Bull – BORA –hansgrohe, das mit Remco Evenepoel, dem besten Zeitfahrer der Welt, und Florian Lipowitz als Doppelspitze in die Tour startet, ist das Mannschaftsfahren eine Chance. Und genau deshalb fnden sich die beiden schon Ende Januar auf Mallorca ein: um zu sehen, ob das, was im Windkanal getestet wurde und in der Theorie so elegant aussieht, auch in echt funktioniert. Trofeo Ses Salines heisst das Vorbereitungsrennen, es ist der erste richtige Test für die Show, die bei der Tour ihren grossen Auftritt haben soll.
Das Geräusch ist das Erste, was man wahrnimmt: ein tiefes Surren, als würde die Luft in Stücke geschnitten. Der Zug ist unterwegs, eine ineinandergreifende Maschine aus Muskeln, Carbon und präzise kalkulierter Schmerztoleranz. An der Spitze: Remco Evenepoel. Tief geduckt, den Kopf zwischen den Schultern versenkt, in jener aerodynamisch perfekten Haltung, die ihm den Übernamen «Aero Bullet» eingebracht hat. 90 Sekunden lang fährt er im Wind, bei 500 bis 520 Watt – ein Mass für die nackte Tretleistung, das selbst bei Weltklasseathleten weit über der dauerhaften Schmerzgrenze liegt. Er könnte noch 20 Watt drauflegen. Aber er tut es nicht.
«Ich darf die anderen nicht kaputtfahren, nur um zu beweisen, dass ich der Beste bin», hat er sich vorgenommen.
Direkt in seinem Windschatten: Florian Lipowitz. Der Deutsche, den Evenepoel seit der DauphinéRundfahrt im Vorjahr im Auge hat, seit jenem Berganstieg, wo Lipowitz ihn überraschte und Evenepoel dachte: Der wird bald zu meinem Team gehören. Jetzt, auf dem Weg zum Sieg im Mannschaftszeitfahren, vier Sekunden vor dem Team Movistar, arbeiten ihre unterschiedlichen Motoren zum ersten Mal wirklich miteinander. «Wingmen» nennt man solche Duos –zwei, die füreinander durchs Feuer gehen. Einer bricht den Wind, der andere proftiert davon. Und wenn es darauf ankommt, kehren sie die Rollen um.
Dabei kennen sich die beiden noch kaum. Sind sich eigentlich erst ein paarmal wirklich begegnet. Was wird das für eine Saison? Wie soll das gehen – zwei Fahrer im gleichen Team, die das Gleiche wollen: die Tour de France gewinnen.
Vier Wochen später, Tenerifa. Wer von der Küste zum Teide heraufkommt, dem Vulkan auf 3715 Metern, der die Insel überragt, durchquert sechs Vegetationszonen, fährt durch Lorbeerwälder im

Florian Lipowitz (links) und Remco Evenepoel eint mehr, als sie gedacht hätten: die Geschichte, die Widerstände, aber vor allem die Liebe zum Radfahren selbst.

Eigentlich sollen sie zweieinhalb Stunden lang fahren. Daraus werden drei. Dann dreieinhalb. Sie reden und fahren einfach weiter.

Nebel, durch Pinienwälder, die nach Harz riechen, bis auch sie verschwinden und einer kargen Vulkanlandschaft weichen –wüstenrot, mondgrau, vulkanschwarz. Hier oben auf 2200 Metern, im einzigen Hotel weit und breit, packen Remco Evenepoel und Florian Lipowitz Ende Februar für zwanzig Tage ihre Kofer aus. Danach wird es direkt weitergehen zu den ersten grossen Rennen der Saison. Der Teide ist der Altar des modernen Radsports. Hier werden Opfer gebracht: Wochen ohne Familie, Tage in karger Isolation, Stunden im Sattel auf leerem Magen. In der Hofnung, dass es sich im Juli auszahlt. Die Höhe zwingt den Körper zur Anpassung: In der dünnen Luft nimmt das Blut weniger Sauerstof auf; der Organismus reagiert, indem er mehr rote Blutkörperchen produziert. Natürliches Blut-Tuning – ganz legal und sehr wirksam. Der Grund, warum sich im Frühling regelmässig mehrere WorldTour-Teams gleichzeitig auf dem Teide einquartieren. Die Efekte sind nach der Rückkehr noch monatelang messbar. Das Team hat die Trainingslager von Evenepoel und Lipowitz bewusst überschneiden lassen, damit die beiden sich kennenlernen. In den Medien wird seit Monaten eine Rivalität herbeigeredet. Wie soll das funktionieren: Evenepoel, der Superstar und Neuzugang, vierfacher
«Florian ist privat ein völlig anderer Mensch als in der Gruppe. Offener. Direkter.»
Remco Evenepoel
Weltmeister, zweifacher Olympiasieger, Gewinner der Spanienrundfahrt – und Lipowitz, das Supertalent, das beim TourDebüt 2025 sofort Dritter wurde? Als das Team die Verpfichtung von Evenepoel bekanntgab, dachten nicht wenige, Lipowitz müsse fuchsteufelswild sein. Doppelspitzen im Radsport sind eine heikle Angelegenheit. Die Geschichte des Sports ist voll von Beispielen, bei denen zwei Kapitäne im selben Team sich beim Abendessen anschwiegen und Trainer zwischen feindlichen Lagern vermitteln mussten. John Wakefeld, der Head Coach des Teams, kennt solche Situationen aus eigener Erfahrung. Er weiss, was es bedeutet, wenn es nicht funktioniert. Aber wer sind die beiden eigentlich?
Florian Lipowitz, Jahrgang 2000, ist ein Familienmensch. Jeden Tag hier oben vermisst er seine Partnerin Antonia Weeger –selbst Mountainbike-Prof –, seine Eltern
in Laichingen, die Brezn auf dem Küchentisch, das Vesper am Abend, die Normalität seines Zuhauses. Wenn man ihn fragt, was das Schwerste am Prof-Dasein ist, sagt er: das Wegsein.
Würde man ihm in einer Fussgängerzone begegnen, käme man nicht auf die Idee, dass er einer der besten Radfahrer der Welt ist. Mit seinem noch fast kindlichen Gesicht, den grossen braunen Augen und der etwas scheuen Haltung wirkt er eher wie jemand, der gerade sein Abitur gemacht hat und noch nicht ganz weiss, was als Nächstes kommt. Kein auftrumpfendes Auftreten, keine zur Schau gestellte Lässigkeit. Schwäbische Zurückhaltung, könnte man sagen – obwohl er längst in Österreich lebt.
Dass er überhaupt Radfahrer wurde, liegt an einem Unfall. Lipowitz war mal Biathlet, einer der hofnungsvollsten deutschen Junioren. Er liebte die besondere Dualität der Disziplin – Ausdauer und Präzision, Langlaufen und Schiessen.

Aus dem Schatten: In Rekordzeit arbeitete sich der stille Florian «Lipo» Lipowitz vom Nachwuchstalent in den Kreis der Führungsfahrer seines Teams.


«Remco und Florian –das ist Yin und Yang. Zwei Gegenpole, die einander nicht bedrohen, sondern befreien.» Head Coach John Wakefield
Seine Idole waren Norweger wie Ole Einar Bjørndalen – berühmt für ihr Schweigen über ihre Erfolge. Mit siebzehn Jahren riss er sich im Familienurlaub auf Fuerteventura das Kreuzband. Das Rad war sein RehaGerät. Monatelang war er damit unterwegs, immer öfter, immer weiter, begleitete seinen Vater, einen verbissenen Ausdauersportler, zu Radmarathons – und merkte irgendwann, dass die Strasse mehr zu ihm sprach als die Loipe. 2019 gewann er aus dem Nichts Rennen im Engadin und in Tirol, ein zufälliges Gespräch seines Vaters mit einem BoraCoach führte zu einem Leistungstest, und die Zahlen, die Lipowitz dort produzierte, veranlassten die Anwesenden zu ungläubigen Blicken.
Was dann folgte, erzählt man sich im deutschen Radsport inzwischen fast ehrfürchtig: Mitten im Winter fuhr er über hundert Kilometer mit dem Rad zum Vorstellungsgespräch bei Teamchef Ralph Denk – und danach, bei extremem Föhnsturm, wieder zurück. «Den Tag hatte ich mir auch ein bisschen anders vorgestellt», sagt er. «Aber vielleicht war das auch der Grund, warum ich einen Vertrag bekommen habe.»
Gemeinsam im Team: Lipowitz (Mitte) wurde beim Tour-Debüt Dritter, Evenepoel (grosses Bild links) ist 4-facher Weltmeister und 2-facher Olympiasieger.
Für das Team BORA – hansgrohe war er noch zu jung. Und vor allem: zu unerfahren. Denk vermittelte ihm eine Anstellung bei einem unterklassigen Team in Tirol. Das erste Profrennen war eine Katastrophe. Zweimal stürzte Lipowitz. Er hasste das Gedränge im Peloton, fühlte sich unwohl, wollte weg. «Ich lasse das mit dem Radfahren wieder», sagte er seinen Eltern. Die überzeugten ihn, sich ein Jahr Zeit zu geben. Ein Jahr später, bei der Tour de l’Avenir in Frankreich, der «Rundfahrt der Zukunft», machte ihm das Radfahren im Peloton zum ersten Mal Spass. Und er dachte: Wenn ich es in ein WorldTourTeam schafe – das wäre ein Traum.
Das war vor fünf Jahren. Was seitdem passiert ist, grenzt an das Unwahrscheinliche.
Auf dem Rad verwandelt sich der höfliche junge Mann aus Laichingen in BadenWürttemberg. Attackiert am Berg, wenn es niemand erwartet. Instinktiv, gnadenlos. Es sind zwei Personen – und man fragt sich manchmal, ob die eine von der anderen weiss.
Der Belgier Remco Evenepoel, ebenfalls Jahrgang 2000, hat eine andere Geschichte.
Ein Nationalheld in einem Land, das Radfahrer verehrt wie Brasilien Fussballer. Mit einer Vita, die sich liest wie eine Erfndung: einst hochtalentierter Nachwuchsspieler bei Anderlecht, ehe ein Beckenbruch seine Fussballkarriere beendete und das Rennrad zu seiner neuen Welt machte.
Wenn man sich mit ihm zum Gespräch trift, braucht man einen Moment, um das Bild zurechtzurücken, das man sich von ihm gemacht hat. Bekannt ist er als Hitzkopf, der nach Niederlagen aufbraust und im Rennen tobt – aber dieser Mann sitzt einem nicht im Sessel gegenüber. Die Beine übereinandergeschlagen, der rechte Arm lässig auf der Armlehne, schaut er sein Gegenüber an, ohne den Blick abzuwenden. Spricht in präzisen, ruhigen Sätzen. Strahlt eine Freundlichkeit aus, die man nicht erwartet hat. Sein Trainer hat ihn einmal mit dem Triathleten Jan Frodeno verglichen: im Rennen eine Bestie, danach der höflichste Mensch im Raum. Evenepoel geht nach einem langen Trainingstag zu jedem einzelnen Betreuer, gibt ihm die Hand, bedankt sich. Er weiss die Namen der Mechaniker. Er schreibt den Rookies persönliche Nachrichten, wenn sie gut gefahren sind.
Oumaïma Rayane, seine Frau, kennt er seit der Schulzeit. Sie reist oft mit zu den Rennen, sitzt im Teambus. Und doch: Wenn Evenepoel abends nach einem langen Trainingstag auf dem Teide zu erschöpft ist, um ihr ein guter Gesprächspartner zu sein, ruft er sie nicht an. Er schreibt ihr lieber. Einen Anruf, wenn die Worte fehlen und man nichts zu erzählen hat – das fndet er ihr gegenüber ungerecht.
Den Islam hat er erst durch sie kennengelernt, nach dem Sturz bei der LombardeiRundfahrt 2020, als er von einer Brücke fel und nur knapp mit dem Leben davonkam. «Warum ist das Licht nicht einfach ausgegangen?», fragte er sich in der langen Dunkelheit der Reha. Antworten hat er keine gefunden. Aber
«Ob ich es bin oder Remco –mir ist das egal. Solange wir als Team fahren und einer auf dem Podium steht, können wir super stolz sein.»
Florian Lipowitz

Auf Kurs: Die Höhe produziert rote Blutkörperchen, deswegen trainieren viele Radsportler am 3715 Meter hohen Teide: auch Remco Evenepoel und Florian Lipowitz.
FÜNF
das Mannschaftszeitfahren die härteste Disziplin
1. Rohe Gewalt
bei 60 km/h
Im TTT (Team Time Trial) sind die Leistungswerte jenseits des Vorstellbaren. Remco Evenepoel tritt während seiner Führungsarbeit für 90 Sekunden konstant 500 bis 520 Watt – Werte, die bei 130 Prozent seiner funktionellen Leistungsschwelle liegen (das ist jene Leistung, die ein Fahrer über einen längeren Zeitraum hinweg konstant aufrechterhalten kann). Es ist der brutalste Job im Radsport: volle Kraft, kein Windschatten, 60 km/h.
2. Der Zauber der Aerodynamik
Ein TTT ist pure angewandte Physik. Während der Führende gegen den Luftwiderstand kämpft, fahren seine Teamkollegen im Windschatten –der aerodynamische Widerstand sinkt dort um bis zu 50 Prozent. Der Führende schert nach seinem Kraftakt aus und lässt sich ans Ende der Kette zurückfallen. Jede Unregelmässigkeit dabei wirkt wie eine Schockwelle und reisst die Formation auseinander. Deshalb braucht jedes gute TTT-Team sogenannte «Welder» – Schweisser –, Fahrer, die Lücken ohne Geschwindigkeitsverlust schliessen.
3. Das Unterdrücken des Egos
Im TTT darf der Stärkste nicht einfach so schnell fahren, wie er kann.
Die Taktik muss den schwächsten Fahrer respektieren. Wer zu hart anzieht, zerstört die Formation hinter sich. Starke Motoren wie Evenepoel übernehmen deshalb längere, kontrollierte Führungen, während leichtere Kletterer nur wenige Sekunden vorn bleiben.
4. Der Todeszug
Normalerweise wird die Zeit eines Teams gestoppt, sobald der vierte oder fünfte Fahrer die Linie überquert. In der Schlussphase spannt sich ein Helfer vor die Gruppe und leert dann in einem sogenannten «Death Pull» sämtliche Reserven –um das Tempo für den Leader hochzuhalten. Dann schert er aus. Das Rennen ist für ihn vorbei. Beim TourAuftakt in Barcelona gilt aber eine besondere Variante: Hier wird die Zeit jedes einzelnen Fahrers separat gestoppt. Evenepoel und Lipowitz könnten also Schulter an Schulter in den Schlussanstieg fahren – und um das erste Gelbe Trikot kämpfen.
Das TTT ist die stressigste Situation, die es im Radsport gibt. Die Fahrer navigieren in zusammengekauerten Aeropositionen dicht am Hinterrad des Vordermanns –keine Hände an den Bremsen, keine Übersicht, nur das Vertrauen in den Mann vor einem. Ein Moment, in dem acht Menschen zu einer einzigen Maschine werden müssen.

im Beten fndet er etwas, das ihm der Sport nicht geben kann: Stille. Das Gefühl, dass er mehr ist als seine Ergebnisse. Und die Gewissheit, dass hinter allem ein Grund steckt, auch wenn man ihn nicht sieht. «Protection», sagt er –nicht Schutz vor Niederlagen, sondern vor der Sinnlosigkeit.
Evenepoel und Lipowitz also. Heute lernen sie sich kennen.
Das erste Mal begegnen sie sich im Hotelkeller, dann fahren sie los. Zweieinhalb Stunden sind geplant, achtzig Kilometer, rauf und runter, von der Sonne in den Nebel und zurück. Bei Evenepoel blinkt das rote Rücklicht, Lipowitz trägt ein dickes Halstuch, lässt die Thermaljacke aber fatternd im Wind ofen. Die Sonne brennt, der Wind kühlt, die Farben wechseln alle paar Kilometer: tropengrün, kiefernbraun, dann das rostfarbene Schwarz des Nationalparks.
Nach etwa zehn Minuten fangen sie an zu reden. Über alte Stürze, vergangene Rennen, die TourStrecke im Juli. Aus zweieinhalb Stunden werden drei. Dreieinhalb. Sie fahren einfach weiter, viel weiter als geplant, und vergessen dabei die Zeit. Es ist faszinierend, wie schnell die beiden vermeintlichen Antipoden hier oben zueinander fnden – und rührend, wie sehr das Team, das sie im Auto begleitet, sich darüber freut. Head Coach John Wakefeld wird es später so formulieren: «Remco und Florian – das ist Yin und Yang. Feuer und Eis. Zwei Gegenpole, die einander nicht bedrohen, sondern befreien.»
Als sie ins Hotel zurückkehren, reden sie noch immer. Evenepoel – man merkt ihm die Freude an – sagt: «Florian ist privat ein völlig anderer Mensch als in der Gruppe. Ofener. Direkter. Fast ungebremst.»
«War gut», sagt Lipowitz, als man ihn fragt. Kein Wort zu viel. Aber man versteht, es war wohl wirklich so: gut. Beide stellen fest, dass sie mehr eint, als sie gedacht hatten. Die Geschichte, die Widerstände, aber vor allem die Liebe zum Radfahren selbst. Lipowitz spricht von dem Gefühl, wenn der Tritt runder wird und man in einen Rhythmus gleitet, aus dem man nie mehr herauswill. «Das ist wie eine Art Droge», sagt er. Und nach dieser Ausfahrt weiss er: Evenepoel, der Perfektionist, dessen Gehirn laut seinem Trainer ununterbrochen mit hundert Meilen pro Stunde läuft und der im Windkanal noch testet, während alle anderen längst nach Hause wollen, liebt dieses Gefühl auch. Der Ingenieur Evenepoel

Doppelspitze: Das ungleiche Duo will die Mannschaft ab 4. Juli zum Sieg führen.
und der Instinktfahrer Lipowitz – auf dem Teide sind sie einfach zwei Männer, die fahren, weil sie es lieben.
Für Lipowitz ist Evenepoel kein Konkurrent – sondern ein Geschenk. Ein Blitzableiter. Einer, der das Scheinwerferlicht auf sich zieht – und Lipowitz damit erlaubt, in Ruhe zu arbeiten. Was ihn an Evenepoel beeindruckt, sind die Comebacks. Die Stürze, nach denen viele nicht mehr zurückkommen. Und wie Evenepoel das Medienpensum neben dem harten Training wegsteckt. Zu Saisonbeginn fog er inmitten eines Trainingsblocks auf Mallorca nach Belgien für die Sportlerdes-Jahres-Gala – und wieder zurück.
«Für mich wäre das nicht machbar», sagt Lipowitz. «Aber er zieht daraus vielleicht sogar Energie. Bei mir wäre es genau das Gegenteil.»
Evenepoel betrachtet Lipowitz mit dem kühlen Blick des Analysten. Er selbst müsse zu 110 Prozent in Form sein, um eine Grand Tour zu gewinnen. Lipowitz hingegen sei ein Diesel. Einer, der bei 90, 95 Prozent immer noch mit den Besten mitfährt, der nie überläuft, nie unter sein Niveau fällt. Und jetzt, da sie sich kennen – werden sie in Frankreich zurückstehen, wenn der andere bessere Beine hat? «Da war nie eine Frage», sagt Evenepoel. «Natürlich werde ich zurückstehen.»
«Remco ist ein Blitzableiter. So kann ich in Ruhe arbeiten.»
Florian Lipowitz
«Ob ich es bin oder Remco – mir ist das egal», sagt Lipowitz. «Solange wir als Team fahren und einer auf dem Podium steht, können wir super stolz sein.» Sätze wie diese hört man im Spitzensport oft. Um zu wissen, ob diese beiden sie ernst meinen, muss man nicht bis Juli warten.
Ende März, Katalonien-Rundfahrt. Eines der wichtigsten Vorbereitungsrennen auf die Tour. Evenepoel und Lipowitz kommen direkt vom Teide, beide mit grossen Ambitionen und vielen roten Blutkörperchen. Dass Evenepoel zwei Tage zuvor gestürzt ist und mit Schmerzen fährt, erwähnt er nicht. Auf der Königsetappe zeigt sich trotzdem: Lipowitz ist besser und lässt Evenepoel hinter sich. Von aussen betrachtet ein Moment, der heikel sein könnte – der Aufsteiger zeigt dem angeschlagenen Superstar die Grenzen auf.
Am nächsten Tag, vor dem Schlussanstieg, wartet eine technische Abfahrt. Evenepoel geht volles Risiko, rast halsbrecherisch um jede Kurve, Lipowitz klebt an seinem Hinterrad. Im Flachstück arbeitet der Belgier unermüdlich, bis sie den im Gesamtklassement vor Lipowitz liegenden Felix Gall um eineinhalb Minuten distanziert haben. «Das war eine grosse Anstrengung», sagt Evenepoel im Ziel. «Aber ich wollte Florian helfen, aufs Podium zu kommen.» Lipowitz sagt: «Remco hat mir einen Riesendienst erwiesen. Ich weiss gar nicht, was ich sagen soll.»
Vielleicht werden sie irgendwann daran zurückdenken. An Mallorca, vier Sekunden vor Movistar. An den Teide, zwanzig gemeinsame Tage, die Farben. An Katalonien, die Vollgas-Abfahrt. Am 4. Juli werden sie in Barcelona von der Startrampe fahren: Feuer und Eis, sie und sechs weitere Fahrer von Red Bull –BORA – hansgrohe. Und diesmal, wenn die Scheibenräder zu surren beginnen, werden sie einander kennen.
Instagram : @redbullborahansgrohe



Reise / Musik / Mindgame / Events – und jetzt du!

ABENTEUER MEXIKO
Mit dem Kajak durch Xochimilco
Eine Reise in die Vergangenheit: Mit dem Kajak lassen sich in Mexico City die Kanäle von Xochimilco erkunden – ein Netz schwimmender Gärten aus der Zeit der Azteken. Heute ist es ein Naturparadies und Heimat einer neuen Bewegung.

ERNTE: Kleinbauern auf den Chinampas, Xochimilcos schwimmenden Farmen.
Über dem dröhnenden Bass eines Clubs im Viertel Juárez, einem der pulsierendsten Teile von Mexiko-Stadt, brülle ich meinem Kollegen Miguel ins Ohr: «Sootschi-mil-koo!» Mein Spanisch ist miserabel, und es dauert mehrere Versuche, bis er versteht. «Ah, Xochimilco!» Auf Nahuatl, einer uto-aztekischen Sprache, bedeutet der Begriff «Der Ort, wo die Blumen wachsen». Miguel rümpft die Nase. «Dort sind doch nur Tequila trinkende Touristen. Wenn ich du wäre, würde ich da nicht hinfahren.»
Obwohl Xochimilco am südlichen Ende von Mexiko-Stadt liegt, haben viele Einheimische diese geheimnisvollen Feuchtgebiete noch nie besucht. Um dorthin zu gelangen, muss man eine Trajinera mieten – eines der bunten, traditionellen Holzboote – oder ein Kajak. Nur so lässt sich das UNESCO-geschützte Naturreservat erkunden. Es ist nicht nur ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel, sondern auch der letzte Lebensraum des wild lebenden Axolotl, eines urtümlich anmutenden Schwanzlurchs. Vor allem aber überlebt hier ein geschätzt dreitausend Jahre altes schwimmendes Agrarsystem, das von den Azteken perfektioniert wurde – das heute aber vom Aussterben bedroht ist.
Im Labyrinth der Kanäle
Es ist noch stockdunkel, und die Kälte lässt meine Hände erstarren, als ich mit meiner Freundin, der Fotografin Bénédicte Desrus, in unser Kajak steige. Die aufgehende Sonne färbt den Horizont später orangefarben, während die geisterhafte Silhouette unseres Bootes durch den Nebel gleitet. Unser Ziel: die schwimmende Farm von Arca Tierra, einem Projekt für regenerative Landwirtschaft. Rund fünfzig Kleinbauern aus der Region arbeiten dort, beliefern die besten REISE/

Imogen Lepere ist eine britische Reisejournalistin mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Ehemals MexikoKorrespondentin, lebt sie heute in Devon.




KREISLAUF: Auf den Chinampas bauen Landwirte Gemüse an (o. re.), das etwa im Baldío, Mexikos erstem Zero-Waste-Restaurant, verarbeitet wird (u. re.). Mitbegründet wurde es von Douglas McMaster (u. li.). Oben links: Blick auf Xochimilco.
«In Xochimilco gibt es das ganze Jahr über Wasser, und der Boden gilt als der fruchtbarste Mexikos.»

ABLEGEN: Traditionelle Trajineras zur Erkundung von Xochimilco.
Restaurants der Stadt und bieten Kajaktouren an – eine wunderbare Möglichkeit für Naturliebhaber, diesen weniger bekannten Teil Mexikos zu entdecken. Als ich an Land springe, schlägt mir der Geruch von verbranntem Holz und schwefelhaltiger vulkanischer Erde entgegen. Lucio Usobiaga, der gemeinsam mit seinem Bruder Pablo Arca Tierra gegründet hat, geht mit festem Schritt voran, den Blick nach vorne gerichtet. Er führt uns über die Farm und erklärt, dass die «Felder» aus verflochtenen Weidenwurzeln bestehen, die sich zu Inseln formen und mit Schlamm vom Seegrund bedeckt sind – daher auch der Geruch. «Zu seiner Blütezeit ernährte Xochimilco fast im Alleingang Tenochtitlán, die aztekische Hauptstadt», erzählt er. «Hier gibt es das ganze Jahr über Wasser, und der Boden zählt zu den fruchtbarsten Mexikos. Xochimilco ist eines der wenigen

«Die Städter begreifen nicht, welches Juwel sie hier direkt vor der Haustür haben.»
NATURPHÄNOMEN: Auf den Trajineras von Xochimilco steigt einem der Geruch von Schwefel in die Nase: Die Felder bestehen nämlich aus verflochtenen Weidenwurzeln, die mit Seeschlamm bedeckt sind.
und unbekannteren Beispiele weltweit für ein Agrarsystem, das aktiv die Biodiversität seines Ökosystems erhöht.» Doch dieses Gleichgewicht ist bedroht. Die städtische Expansion erstickt die Chinampas, die schwimmenden Farmen. Heute werden schätzungsweise nur noch 2,5 Prozent der Chinampas landwirtschaftlich genutzt, vorwiegend zum Anbau von Gemüse und Kräutern.
Das zeigt sich auch bei Cutberto Bermúdez, einem der fünf lokalen Bauern, mit denen Arca Tierra zusammenarbeitet. Als unser Boot anlegt, hält er seinen riesigen
Wer Xochimilco wirklich erleben will, sollte früh aufbrechen. Mit dem Kajak lässt sich das verzweigte Kanalsystem in aller Stille erkunden. Einige Anbieter kombinieren Touren zu den schwimmenden Farmen mit Einblicken in die lokale Küche.
Von MexikoStadt erreicht man Xochimilco in rund einer Stunde. Am einfachsten ist die Anfahrt per Taxi, alternativ verkehren auch öffentliche Verkehrsmittel.
Pitbull zurück, der auf uns zustürmt. Mit Gummistiefeln und Cowboyhut verkörpert er auf frappante Weise das Klischee des mexikanischen Bauern: «Wohin ich auch schaue – überall Tequila-Bars und Korruption», sagt er kopfschüttelnd. «Die Städter begreifen nicht, welches Juwel sie hier direkt vor der Haustür haben. Wir müssen kämpfen, um es zu bewahren.» Um den Kleinbauern den Zugang zu urbanen Märkten zu erleichtern, eröffneten Lucio und Pablo Usobiaga 2024 das Restaurant Baldío – ein Zero-Waste-Projekt, inspiriert vom Londoner Restaurant Silo des Kochs Douglas McMaster. Sie setzen auf kurze Lieferketten, Fermentation und technologische Präzision, um nichts zu verschwenden. Später, im hippen Viertel La Condesa: Es ist Freitagabend, und im Baldío, kürzlich mit einem Grünen Michelin-Stern ausgezeichnet, herrscht reges Treiben. Hinter der Bar mischt Karen Villagómez den SignatureCocktail des Hauses: aus Pox, einem traditionellen mexikanischen Schnaps, und Maislikör. Ich sitze auf einem Hocker vor der offenen Küche und sehe staunend den Köchen zu, wie sie kleine Karotten auf ein Bett aus Pipián-Sauce und schwarzem Knoblauch anrichten. Ein Erlebnis wie aus einer anderen Galaxie. Doch draussen, nur wenige Kilometer entfernt, treiben die schwimmenden Felder von Xochimilco weiter im Wasser.
Instagram: @therealimogenlepere

Rap ist ihr Kerngeschäft, aber Ele A will mehr: Sie will das Tessin auf die musikalische Weltkarte bringen. Gut so!
091. Auf diese Zahl verweist Ele A immer wieder. Sie will, wie auch andere Rapper, ihre Herkunft betonen. Es ist die Telefonvorwahl des Kantons Tessin, als dessen musikalisches Aushängeschild sie gilt. Die Künstlerin aus Lugano hat sich seit Beginn ihrer Karriere vor rund sechs Jahren schnell einen Namen gemacht und durch zahlreiche Konzerte eine internationale Fanbase aufgebaut. Die 23Jährige lässt sich sowohl von den RapGrössen der USamerikanischen East Coast als auch von italienischsprachigen Artists wie Mattak und Fabri Fibra inspirieren. Sie überzeugt durch ihren lässigen Flow – meist zu Beats von DJ und Producer Disse. Doch Ele A ist nicht nur im Rap zu Hause, sie experimentiert mit verschiedenen Genres. Das zeigt auch «Pixel», ihr 2025 erschienenes Debütalbum mit einer Mischung aus HipHop, UK Garage sowie ruhigen Klavierund Gesangelementen. Für uns hat sie vier Songs ausgewählt, die sie inspirieren.
Zu hören und zu sehen ist Ele A am 17. Juli beim Montreux Jazz Festival; Instagram : @eleee.a

PinkPantheress
True Romance (2023)
«Ich mag diesen Song und vor allem die Art und Weise, in der PinkPantheress Popklänge mit einem britischen Touch versieht: Man hört darin unter anderem D ’n’ BEinflüsse. Ich finde, ihr Repertoire hebt sich deutlich vom Mainstream-Pop ab. Sie hat eine sanfte Stimme, kommt aber auch direkt auf den Punkt. Das ist ein echter Pop-Hit.»

AUTHENTISCH. Ele A legt Wert auf ungefilterte Gefühle und Ehrlichkeit: Gerne besingt sie ihren Alltag.

The Strokes
The Adults Are Talking (2020)
«Als ich diesen Song entdeckte, hat er mich sofort gepackt. Ich kannte The Strokes gar nicht und finde, dass dieser Song weit über die Strahlkraft der Band hinausgeht. Der Aufbau ist perfekt – wie ein kontinuierlicher Adrenalinschub. Ich höre den Song immer, wenn es regnet. Er steckt voller Energie und hat für mich eine ganz besondere Bedeutung.»

Mac Miller Someone Like You (2013)
«Mac Miller ist einer meiner Lieblingskünstler, ich bewundere sein gesamtes musikalisches Schaffen. Dieser Song ist einzigartig, da er eine seltsame Atmosphäre hat, die mich an etwas erinnert, das ich selbst nie erlebt habe. Er hat mich beim ersten Hören gefesselt. Beat, Vocal Sample und die roughen Rhymes lassen mich den Track in Dauerschleife hören.»

Akriila Superficial (2024)
« Ich kannte Akriila schon vor der Veröffentlichung ihrer EP ‹Epistolares› und mochte die Atmosphäre ihrer Musik von Anfang an. Doch erst mit diesem Track habe ich verstanden, mit welcher Konsequenz sie ihren musikalischen, ästhetischen und lyrischen Weg verfolgt. Die Kombination ihrer Stimme mit verzerrten Beats von D ’n’ B bis Reggaeton reisst mich wirklich mit.»
Sportlich im Anspruch, klar im Design: Die neue HydroConquest von Longines verbindet maritime Inspiration mit moderner Uhrmacherkunst – gemacht für alle, die sich zwischen Alltag und Abenteuer bewegen.
Im Inneren der Uhr arbeitet das Longines Kaliber L888.5, ein automatisches Uhrwerk mit Siliziumspirale. Es bietet eine bis zu zehnmal höhere Resistenz gegenüber Magnetfeldern, als von der ISO-Norm, dem internationalen Standard für antimagnetische Uhren, verlangt.

Land oder Wasser, Alltag oder Aufbruch: Die HydroConquest von Longines funktioniert überall. Klare Linien, leuchtende Details und jederzeit gute Ablesbarkeit. Farbige Keramiklünetten in Blau, Schwarz oder Grün setzen prägnante Akzente, während das Edelstahlgehäuse angenehm am Handgelenk sitzt. Wasserdicht bis 300 Meter, bleibt sie auch unter Druck souverän. Fein abgestimmte Oberflächen verleihen der Uhr eine moderne, ruhige Eleganz. CHF 1950, longines.com
Gleitschirmflieger Patrick von Känel fuhr mit seiner Familie im neuen VW California quer durch Osteuropa bis in die Türkei.
Drei Monate im VW California unterwegs – als Familie mit zwei Kleinkindern ein ganz besonderes Abenteuer. «Ob das gut geht?», fragten sich Nicla Caprari (28) und Patrick von Känel (31), bevor sie sich im August letzten Jahres auf den Weg machten. Um das Fazit vorwegzunehmen: «Es ging gut – und wie!»
Los ging es nach den Red Bull X-Alps, dem härtesten Ausdauerrennen der Welt, das der Berner Oberländer auch bei seiner vierten Teilnahme in den Top 10 beendet. Das Ehepaar entschied sich, gegen Osten aufzubrechen. Mit an Bord: die beiden Kinder Tessa (3) und Tobia (1) – und natürlich ein Gleitschirm, der zusammen mit warmen Kleidern in der Dachbox unterkam.
Ziel: Kappadokien in der Türkei. Die spektakulären Felsformationen in Zentralanatolien sind ein Mekka für Ballonfahrer und Paraglider. Von Kandersteg aus führte sie eine rund 5000 Kilometer lange Route über Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien, Montenegro, Albanien und Griechenland. «Wir sind einfach losgefahren», erzählt Nicla Caprari. «Die Landschaft hat uns geleitet.»
Eine Reise voller Erlebnisse
Mit dem neuen VW California hatten sie ihre Basis immer dabei. Meist kochten sie auf dem Gasherd. «Mit kleinen Kindern ist das einfacher als im Restaurant», so Patrick. Bei schlechtem Wetter drehten sie die Fahrersitze um, klappten den Tisch hoch – und fertig war das Esszimmer. Meist aber assen sie unter freiem Himmel.

Als besonders familienfreundlich erwiesen sich die beiden abtrennbaren Schlafplätze. Die Kinder schliefen auf der Matratze unter dem Hochstelldach, die Eltern auf der Liegefäche, die sich über den beiden fachgelegten Fondsitzen ausbreiten lässt.
Aus Rücksicht auf die Kleinen wurde pro Tag meist nur eine Stunde gefahren. Umso mehr Zeit blieb für das Erkunden der jeweili-
gen Umgebung. «Jedes Land hatte seine ganz eigenen Höhepunkte», stellen sie rückblickend fest. «Am besten gefallen hat uns aber die Türkei – von den Leuten über das Essen bis zur Landschaft», fällt das Urteil einstimmig aus. Denn in der Türkei reichte es oft aus, in einem Dorf nach einer Einkaufsmöglichkeit zu fragen, um fünf Minuten später bei einer Grossfamilie am Esstisch zu sitzen. «Dank Übersetzungs-App und mit Händen und Füssen klappte es sogar mit der Kommunikation», so Patrick.
Kompliment für den California Eine Rolle spielte dabei auch seine Fliegerei. Denn der Name Patrick von Känel ist in der Paragliding-Community weltweit ein Begriff – auch wegen seines Weltrekordfugs durch einen 152 Meter langen Strassentunnel. Als er in der Türkei über die berühmten Kalksteinterrassen von Pamukkale gefogen war und auf Instagram Bilder davon gepostet hatte, wurde er sofort für einen Vortrag bei einer regionalen Gleitschirmschule angefragt.
Und wie hat sich der VW California geschlagen? «Toll. Er ist sehr komfortabel und bietet genug Platz für eine ganze Familie. Dennoch kommt er überall durch», sagt Patrick, der froh um den Vierradantrieb war. «Wir haben teilweise abenteuerliche Strecken absolviert.» Und Nicla Caprari doppelt nach: «Wir hätten problemlos ein Jahr lang weiterreisen können!»


Willkommen zu einer RätselChallenge, die deine mentale Fitness trainiert. Dieses Mal: Chaos an der Gepäckausgabe.
Oh no! Die Koffer sind nicht nur alle auf einem Haufen gelandet, sie sehen sich auch noch zum Verwechseln ähnlich. Zum Glück erinnerst du dich an entscheidende Details deines Modells. Findest du es?

Scan den QR-Code, um zur Lösung des Rätsels zu gelangen.
Ein Fest für alle Sinne: Sound, Dance, Street Art und Action – diese Events bringen Sommer-Vibes.
4. EVENTS/

Juli
Am Wand Festival verwandeln Urban Artists aus Europa, Asien, Australien und den USA das Zentrum von Chur in eine einzige riesige OpenAirGalerie. Neben 11 Murals und 30 LivePaintings gibt es in der StreetArtStadt ein Bombers Battle, Führungen, Workshops, Talks, Musik, Streetfood, Drinks und vieles mehr. Check it out! wand-festival.ch
3. bis 9. August Zurich
Wenn die besten Tänzerinnen und Tänzer des Landes in StreetDanceBattles gegeneinander antreten, die DJs die Menge mit zeitlosen Bangers und aktuellen Sounds zum Beben bringen und das begeisterte Publikum zur Jury wird … dann steht fest: Red Bull Dance Your Style Switzerland ist zurück! Komm mit deinen Liebsten vorbei, unterstütze die Tänzerinnen und Tänzer und sei beim nationalen Finale in Basel dabei! Der Eintritt ist übrigens kostenlos. Für mehr Infos einfach den QRCode scannen!

25. bis 26. Juli
Red Bull Downtime ist die Chance, dein DownhillKönnen unter Beweis zu stellen. In den vier mitmachenden Bikeparks kannst du an den jeweiligen Rennwochenenden sooft du willst an den Start gehen. Die schnellsten Rider jedes Tracks werden an einen Red Bull Bike Event in Europa eingeladen – als Gäste, wohlgemerkt. redbull.com/downtime

Die Zurich Music Week ist neben einem Festival auch ein Ort zum Networken und eine Plattform für elektronische Musik, Clubkultur und die Musikindustrie in der Schweiz und Europa. Hier kommen Industry Professionals, Artists und Fans zusammen, um Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. In Panels werden aktuelle Themen diskutiert, Workshops bieten Einblicke in Musikproduktion, DJing oder Labelarbeit, und zu Showcases wird gemeinsam getanzt. zmw.ch
3. bis 18. Juli
Musik am Seeufer, internationale Stars und legendäre Konzertnächte: Das Montreux Jazz Festival verwandelt die Stadt am Genfersee auch dieses Jahr wieder in einen der bedeutendsten Musikorte Europas. Zu hören sind Jazz, Soul, HipHop, Pop und elektronische Musik, es treffen etablierte Grössen auf Newcomer!


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Einmal mehr wird Zürich zu einem urbanen Surf-Hotspot! Geniesst Musik, leckeres Essen und den unverwechselbaren Rapid-Surf-Spirit mitten in der Stadt. Der Event, organisiert von Swiss Surfing, ist ein Treffpunkt für die Szene, Familien, Freunde und alle, die ihre Leidenschaft fürs Wellenreiten teilen. Seid dabei und feuert die Surfer und Surferinnen an, die um Podiumsplätze und wertvolle Rankingpunkte in der Edelweiss Surf Tour kämpfen. edelweisssurftour.ch

bis 5. Juli
Seit über 25 Jahren bringt das Swatch Beach Pro Gstaad die weltbesten Beachvolleyballer und Beachvolleyballerinnen ins Berner Oberland. Das Turnier gilt bei Spitzensportlern als eines der schönsten der Welt – sei es dank der alpinen Kulisse, der bodenständigen Art der Menschen, der grossartigen Stimmung bei den Zuschauern oder einfach wegen der Qualität des Turniers. Oder eben genau wegen dieser einmaligen Kombination. beachgstaad.ch 22. 1.
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Julian Vater
Hier schreiben Schweizer Literaturtalente über Themen, die sie bewegen – und liefern ihren positiven Spin dazu.
Mit vierzig habe ich angefangen, das Schwimmen wirklich ernst zu nehmen. Vorher nicht.
Meinen ersten Schwimmkurs hatte ich bereits in Douala in Kamerun. In einem Schwimmbad, das den Namen kaum verdiente, und bei einem Schwimmlehrer, der selbst alle Mühe hatte, sich über Wasser zu halten. Wie viel Wasser er geschluckt hat! Wir kamen aus den Vororten, und Schwimmen war nicht für uns gemacht. Meine Mutter jedoch bestand darauf, dass ich es lerne.
Ich erinnere mich vor allem an die Kinder aus besseren Verhältnissen. An ihr Lachen, an ihre Leichtigkeit im Wasser – als wären sie im Wasser geboren. Ich hingegen habe rein gar nichts gelernt.
Den zweiten Kurs habe ich viele Jahre später gemacht, in Lausanne. In einem städtischen Schwimmbad. Der Kurs wurde kostenlos von der Universität angeboten. Ich war motiviert. Damit meine ich, dass ich wirklich daran geglaubt hatte.
Wir waren zu fünft.

Nach drei Einheiten war ich der Einzige, der sich nicht über Wasser halten konnte. Die anderen glitten durchs kühle Nass, fanden ihren Rhythmus und lernten schnell. Für mich hingegen war es ein einziger Kampf. Mein Körper weigerte sich. Oder war ich derjenige, der sich weigerte?
Die Schwimmlehrerin war eine grosse Frau mit breiten Schultern. Unter ihrer Badekappe lugte eine Haarsträhne hervor, ihre Stimme durchdrang den Raum. Eines Morgens rief sie: «In meinem ganzen Berufsleben habe ich noch nie einen Schwarzen schwimmen sehen.»
Gelächter.
Kommilitonen verzeiht man dieses Lachen. Auch wenn es oft ein dummes Lachen ist, manchmal verlegen. Doch es verhallt nicht, es klingt nach.
Dann Stille.
Ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Eine Erwiderung, wäre sie es wert?
Als ich an jenem Tag aus dem Wasser stieg, ging mir ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf: «Wie können die von mir erwarten, dass ich schwimmen lerne, obwohl ich aus einem Land stamme, wo das ganze Jahr über kein Tropfen aus dem Wasserhahn kommt?»
Ich hörte auf.
Dann kam Florian mit seiner Sintfut. Mein Freund Florian hat Geografe studiert und überwacht den Zustand des Rhonegletschers.
«Das Eis schmilzt so wahnsinnig schnell, das glaubst du gar nicht!», sagt er oft zu mir, ohne dass ich wirklich weiss, ob das eine gute Nachricht oder das Gegenteil davon ist.
Mit einer gewissen Schadenfreude sagt er: «Diesmal wird der Fluss ganz sicher über die Ufer treten, der Wasserspiegel im See wird steigen, und wir Menschen – du, ich, alle anderen – haben keine Wahl! Du weisst schon, Noah!? Schwimmen oder krepieren.»
Pause.
Gelächter.
Dann sagt er ohne Umschweife: «Ich werde Rettungsschwimmer.»
Ich runzle die Stirn.
«Für meinen Zivildienst.»
Er erzählt, dass er einen Kursplatz für mich hat.
Ich senke den Kopf, mein Lächeln verschwindet. Warum zwingt er mich? Er hätte mich vorher fragen können. Ich weiss nicht genau, warum, aber ich denke an seine Kindheit. Die Kindheit meines Kumpels und Mitbewohners Florian.
Er ist in den Bergen aufgewachsen, erzählt mir abendelang davon, wie er als Kind mit seinem Vater die steil abfallenden Bergfanken nach oben geklettert ist. Klettertouren, Seile, kräftige Finger. Ob mit oder ohne Seil, kein Problem: Florian ist eine Bergziege.
«Bei der Geburt bin ich aus dem Leib meiner Mutter herausgeschwommen», sagt Florian. Doch, als ob sie an seinen Fähigkeiten zweifelte, setzte sie bei ihm auf eine radikale Methode. Florian sagt, sie habe ihn wie ein Paket von sich weg durchs Wasser geschoben, um ihm das Schwimmen beizubringen.
Er kann sich nicht genau an den Moment erinnern, in dem er zu schwimmen begann. Das Wasser war stets um ihn herum und erfüllte seinen Zweck.
Florian seufzt, kommt näher und legt seine Hände auf meine Schultern. Er wiegt mich eher, als er mich schüttelt. Er verspricht mir, oder vielmehr gelobt er feierlich mit drei Fingern in der Luft, wie ein waschechter Eidgenosse das eben so macht: «Vertrau mir, ich werde dich niemals ins Wasser schubsen.»
Ich hebe den Kopf, unsere Blicke begegnen sich, sein Lächeln macht mir Mut, und so habe ich beschlossen, erneut Schwimmen zu lernen. Zum dritten Mal. Mit vierzig.
Am ersten Tag stieg ich bis zur Hüfte ins Wasser und machte einige schwerfällige Schritte, um die Erinnerungen loszuwerden, um meine Angst zu verdrängen und die Last von meinem Körper zu nehmen. Atmen.
«Die Lunge ist die Basis», wiederholt Florian immer und immer wieder. «Atmen, atmen, atmen. Tiiiiieeeef einatmen, und hopp! Abtauchen, weiter, weiter, weiter! Noch drei Sekunden, ja. Genau!»
Dann direkt zu mir:
«Noah, hey, den Kopf komplett unter Wasser, so», dabei ahmt er die Bewegung nach.
Ich wiederhole es. Florian sagt, so ist es perfekt. Der Kurs fndet jeden Mittwoch um sieben Uhr früh im Schwimmbad in der Rue de Berne in Genf statt. Wir sind vier Erwachsene. Unterschiedliche Geschichte, unterschiedliche traumatische Erlebnisse. Florian ist da. Er stärkt unser Selbstvertrauen. Nach einem Monat Unterricht gelingt es mir, zwei Meter durchs Wasser zu gleiten.
«Super! Weiter so!»
Nach und nach lerne ich, dem Wasser zu vertrauen, verliere die Angst. Mit Florian kommen nostalgische Erinnerungen, die dunklen verschwinden. Im Wasser auf dem blauen Fliesenboden erkenne ich die Spuren meiner Entsagung. Im Wasser kann man den Körper nicht belügen. Man schwimmt oder geht unter.
«Im Wasser kann man den Körper nicht belügen. Man schwimmt oder geht unter.»
Am Ende des Kurses wiederholt sich immer das gleiche Schauspiel: Die Kinder kommen. Vier, fünf Jahre alt. Sie warten, bis sie ins Becken dürfen. Ganz ungeduldig tippeln sie hin und her, schon ganz in ihrem Element. An jenem Morgen schaut mich Florian an.
«Du springst.»
Das erste Mal in meinem Leben.
Seit ich bei ihm Schwimmen lerne, ist etwas in Bewegung geraten. Ich lerne Schwimmen wie Mathematik, Grammatik, die Zeitenfolge oder Bewegungsabfolgen. Atmung. Rhythmus. Beinschlag, einfach alles. Aber hier beim Sprung, einen Meter über dem vier Meter tiefen Becken, tauchen die Zweifel wieder auf. Ich zittere. Mein Herz pocht wie wild. Ich fühle mich eingeengt. Auf meiner Stirn bildet sich eine Mischung aus Wasser und Schweiss. Ich gehe vor, gehe zurück. Unten feuern mich Florian und die anderen aus dem Kurs an:
«Los! Auf geht’s, Noah!»
Ich bin voller Angst. Und Vorfreude. Da taucht Momo auf. Klein. Runde Augen. Im Wasser wie ein Fisch. Üblicherweise, wenn er mich sah, diesen grossen Körper, der nicht schwimmen konnte, hatte er dieses Lächeln, das zwar nicht boshaft, aber auch nicht versöhnlich war. Es sagte: «Ist dir das nicht unangenehm?»
An diesem Morgen kommt er auf mich zu. Es wird still. Er richtet den Kopf in meine Richtung: «Monsieur, springen Sie einfach. Unsere Klasse wartet.» Ein Satz, nicht mehr. Die Luft steht still. Mein Kopf geht nach oben, meine Schultern entspannen sich.
Ein Schrei, und ich springe.
Meine Füsse berühren den Grund. Ich öfne die Augen. Um mich herum Blau, fast nichts. Der Körper ist ganz langsam. Er schwebt.
Die Zeit steht nahezu still. Keine bösen Blicke mehr, kein spöttisches Lachen. Nur das Wasser, ich und meine Entschlossenheit, es zu schafen. Endlich sträubt sich mein Körper nicht mehr.
Von oben ertönt eine Stimme: «Abstossen! Abstossen wie ein Frosch. Los, Noah!»
Ich komme wieder zu mir und stosse mich ab. Als mein Kopf aus dem Wasser taucht, gibt es Applaus. Momo streckt mir beide Daumen entgegen, hinter seinem Lächeln blinzelt eine Zahnlücke hervor.
An diesem Tag habe ich nicht nur gelernt, ins Wasser zu springen. Ich habe gelernt, Herr der Lage zu bleiben, zu akzeptieren, dass man etwas nicht kann, jedoch am Ball bleiben und es immer und immer wieder versuchen muss – bis es klappt. An diesem Tag habe ich verstanden, dass Resignation eine trügerische Illusion ist.
Seitdem gehe ich schwimmen – immer dann, wenn die Welt Kopf steht. Ich strecke mich aus, und manchmal lasse ich mich treiben.

MAX LOBE wurde in Douala, Kamerun, geboren und lebt heute in Genf. Der Autor von «Vertraulichkeiten» und «39 rue de Berne» setzt sich in seinen Werken mit den Widersprüchen der heutigen Welt auseinander. «Ein FunkyMakossa für die Freiheit» erschien 2025.
IG: @max_lobe1; @editionszoe
Sie tauschte den Pfegeberuf gegen ein Leben auf zwei Rädern: Die Creatorin nimmt Hunderttausende auf ihre weltweiten BikepackingAbenteuer mit.

Der beste Snack auf langen Touren?
Zucker, Zucker, Zucker. Ich liebe Gummibärchen, die sind einfach zu kauen.



ALLEIN UNTERWEGS: Deby Brunold legt jedes Jahr tausende Kilometer mit ihrem Velo zurück – am liebsten solo. Instagram: @de_by
Was treibt dich an, wenn es richtig hart wird?
Ich sage mir: «Nur noch bis zur nächsten Kurve.» Und dann: «Nur noch bis zu diesem Baum.» Und so weiter. (Lacht.)

Das frage ich mich oft! Ich kann nicht einfach zu Hause sitzen. Es macht mich am glücklichsten, auf dem Velo unterwegs zu sein und mich auszupowern.
Vermisst du deine Lieben unterwegs?
Ich bin gerne alleine auf Tour, aber manchmal fühlt sich das trotzdem einsam an.
Denkst du eher zu viel oder eher zu wenig?
Eher zu wenig. Aber nicht auf eine dumme Art. (Lacht.) Ich versuche mehr im Moment zu leben.

Dein Lieblingstattoo?
Mein Bauchtattoo. Ich habe Skoliose und bin «nicht gerade», also wurde mir davon abgeraten. Wir hatten Mühe, es zu platzieren. Aber ich wollte das Tattoo unbedingt und bin superhappy damit.
Schlimmstes WetterErlebnis auf dem Bike?
Auf Taiwan habe ich an einem Rennen teilgenommen, obwohl ein Taifun aufgezogen ist. Sie haben uns trotzdem starten lassen. Nach kurzer Zeit musste abgebrochen werden.
Was nervt dich mehr: Gegenwind oder dumme Kommentare?
Gegenwind! Der nervt mich immer! Mit dummen Kommentaren kann ich gut umgehen, und ich lese sie auch nur sehr selten.
Dein Lieblings-Bikespot weltweit?
Mein Herz liegt in den französischen Alpen, vor allem am Galibier

Hast du einen Glücksbringer dabei?
Mein Velo ist mein Glücksbringer. Das ist immer dabei und hat schon mehr von der Welt gesehen als viele Menschen. Es steht bei mir zu Hause im Wohnzimmer, im Hotelzimmer – eigentlich immer in meiner Nähe.





AUCH OHNE ZUCKER

Der neue Volvo verbindet eine Reichweite von bis zu 810 km mit schneller Ladeleistung: In nur 10 Minuten lädst du unterwegs bis zu 340 km nach. Der Innenraum überzeugt mit grosszügigem Interieur und ergonomischen Sitzen, die für besonderen Komfort sorgen – ganz gleich, wie lang deine Reise ist.
Freedom to move. Electric. volvocars.ch/EX60

Energieeffizienz-Kategorie: B.