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The Red Bulletin CD 02/26

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Trial-Biker

Raphael Dähler (li.) und Nico Altherr vor dem Landesmuseum in Zürich

BOCK AUF BIKE

HYDROCONQUESTHYDROCONQUEST

HENRY CAVILL

Der neue Volvo EX60

Der neue Volvo verbindet eine Reichweite von bis zu 810 km mit schneller Ladeleistung: In nur 10 Minuten lädst du unterwegs bis zu 340 km nach. Der Innenraum überzeugt mit grosszügigem Interieur und ergonomischen Sitzen, die für besonderen Komfort sorgen –ganz gleich, wie lang deine Reise ist.

Freedom to move. Electric.

volvocars.ch/EX60

Jan Cadosch

Der Schweizer Action- und Outdoor-Fotograf findet es «immer toll, spannende Menschen kennenzulernen und gemeinsam Neues, Kreatives zu erschaffen». Das ist ihm bei unserem CoverShoot definitiv gelungen! Mehr ab Seite 46.

Jessica Holland

trifft Musikerin Cristale und taucht in die britische Hip-Hop-Szene ein. In ihrem Text zeigt sie, wie sich die Künstlerin mit Haltung, Ehrgeiz und einem klaren Sound durchsetzt. Ab Seite 62.

Gregor Stäheli

Der Comedian steht seit 2009 auf Poetry-Slam-Bühnen im deutschsprachigen Raum, aktuell mit seinem ersten Soloprogramm «Out of Office». Für uns schreibt er über einen Unfall, der ebenso harmlos wie unvergesslich war. Ab Seite 96.

Bewegung ist mehr als Fortbewegung. Wir treffen in diesem Heft

Menschen, die genau dieses Motto

verkörpern: Der ehemalige BMX-Profi

Benoît «Ben» Gea ist heute mit der Kamera unterwegs, wo er eine ganz neue Seite von sich zeigt. Er spielt mit Licht und Perspektiven und nimmt uns ab Seite 26 in die Szene mit.

Dann gibt es Menschen wie Fabian «Spartacus» Cancellara: Früher war er ein egozentrischer Einzelkämpfer in den Rad-Strassenrennen, heute ist er Chef des Tudor Pro Cycling Teams, wo er eine völlig neue Seite von sich zeigt. Nicht mehr kompromisslos, sondern auf andere ausgerichtet. Wie es dazu kam, erzählt er ab Seite 40.

Die Trial-Biker Raphael Dähler und Nico Altherr verwandeln dagegen urbane Räume in ihren Playground. Wir begleiten sie ab Seite 46 durch Zürich. Was die Storys zusammenhält? Die Lust, Neues auszuprobieren – und der Mut, sich immer wieder neu zu erfinden.

Viel Freude mit dieser Ausgabe, die Redaktion

Mit «Challenge Accepted» fasziniert

Michelle Khare mehr als fünf Millionen Abonnenten auf YouTube.

Einst war er selbst BMX-Profi, jetzt hält der Franzose Benoît «Ben» Gea seinen Radsport mit der Kamera fest.

Wie Legende Fabian Cancellara vom egozentrischen Radprofi zum nahbaren Chef des Tudor Pro Cycling Teams wurde.

Trial-Bike

City Hopper

Die Trial-Biker Raphael Dähler und Nico Altherr liefern die Show bei der Cycle Week. Wir zeigen euch, mit welchen Tricks.

Bikeparks

Ob Bikeparks, Trails oder Pumptracks: Jérôme Hunziker von der Flying Metal Crew weiss, wie man sie baut. Musik

Knallhart und ziemlich düster: So klingt der Rap von Cristale aus dem Londoner Arbeiterbezirk Brixton. Action-Stunts

YouTuberin und Stuntfrau

Michelle Khare wagt sich an «Mission Impossible»- und Harry-Houdini-Stunts.

Finde Sonnenbrillen, die alles mitmachen.

Eisenerz, Österreich

Sehnsucht Erzberg

Es ist das härteste Enduro-Rennen der Welt: Mehr als 1000 Fahrer starten jedes Jahr am Erzberg, 500 davon qualifizieren sich für das legendäre Red Bull Erzbergrodeo, das entscheidende Hauptrennen. Vier Stunden Zeit, extreme Anstiege, Fels und Hindernisse wie Carl’s Dinner, ein endloses Felsenfeld, in dem sich die Fahrer Meter für Meter vorarbeiten, entscheiden über Erfolg oder Ausfall. Oft erreicht kaum ein Dutzend das Ziel. Die 30. Auflage steigt von 4. bis 7. Juni. redbull.com

Warschau, Polen Air Force

Für so viel Grazie im Luftwirbel braucht es viel Training: Maja Kuczyńska, die polnische Weltmeisterin im FreestyleIndoor-Skydiving, begann mit zehn Jahren im Windkanal zu trainieren. 16 Jahre später hat sie es bis ganz an die Spitze geschafft. Hier ist die Athletin im FlySpot in Warschau zu sehen. Man erkennt, wie viel Spass sie auch nach so vielen Jahren noch hat. Instagram: @kuczynska.maja

Afyonkarahisar, Türkei

Trainsurfing

Ein mit 120 km/h dahinratternder Güterzug. Eine Zivko Edge 540, die der Pilot auf genau 87 km/h drosseln muss. Eine Landefläche (auf dem letzten Zugcontainer), die aufgrund des Flug­Sinkwinkels nicht zu sehen ist. Wer es unter solchen Umständen schafft, ein Flugzeug zu landen, gehört zu den besten Piloten der Welt. Dario Costa hat es geschafft. Nach erfolgreichem Touchdown hob der italienische Stuntpilot wieder ab. So geht Luftfahrtgeschichte! redbull.com

Valparaíso, Chile Urban Jungle

Red Bull Cerro Abajo in Valparaíso zählt zu den härtesten Downhill-Rennen der Welt – weil es mitten durch die Stadt geht. Der Schweizer Marius Perraudin war das erste Mal in der Hafenstadt in Chile dabei. Statt durch Wald und Wiesen geht es hier durch enge Gassen, über steile Treppen und harten Beton. Spielraum für Fehler gibt es keinen! «Was für eine Erfahrung», so Perraudin. Instagram: @marius.perraudin

Pumpen nach Zahlen

Muskeln aufbauen oder Spass haben? Running oder Bike? Sparring oder Dating? In dieser 3D-Welt entdeckst du aktuelle Fitness-Trends.

Daten und Text Tin Fischer

Illustration Tobias Wanders

SIND WORKOUTS

DAS NEUE TINDER?

Ob Workouts auch ein guter Ort für erste Dates sind, darüber sind sich Strava-Nutzerinnen und -Nutzer der Gen Z laut einer Umfrage noch uneins. Die App wächst übrigens, während Tinder schrumpft. So viel dazu.

WAS BIETEN FITNESSSTUDIOS AN?

Längst sind es nicht nur bloss Krafttrainingsgeräte, die Menschen ins Fitnessstudio locken. Immer mehr Anbieter setzen auf ein umfassendes Angebot.

WARUM GEHST DU WIRKLICH INS FITNESS-STUDIO?

Muskeln aufbauen ist Gym-Besuchern offenbar doch wichtiger als Spass haben – das geht zumindest aus einer Umfrage unter FitnessstudioBesuchern hervor. Kombinieren lässt es sich natürlich trotzdem!

WELCHE STRAVAGRUPPEN GEHEN STEIL?

Sich einfach zum Workout verabreden und die Strasse zum Studio machen? Das wird immer beliebter. Auf Apps wie Strava wächst die Zahl der Gruppen rasant, Wander-Clubs zum Beispiel haben sich 2025 weltweit fast versechsfacht.

Echte Leuchte

Dieser Lego-Stein denkt beim Spielen mit – und hat immer passende Sounds und Farben parat. Tech-Checker Kirafn baut schon mal vor.

Das Teil

Per Sensor reagiert der Smart Brick auf Bewegungen und seine Umgebung, über Tags auf konkrete Teile. So erkennt er etwa bestimmte Figuren und kann via Lautsprecher und LEDs passende Töne und Lichteffekte generieren – theoretisch etwa Sirene und Blaulicht eines Feuerwehr-Trucks.

Der Hype

Kirafin heisst bürgerlich Jonas Willbold, ist 31 und unterhält seine 1,3 Millionen Follower auf TikTok mit ComedyFormaten. Nebenbei folgt er seiner Faszination für Tech-Produkte und -Trends. Für uns nimmt er aktuelle Hypes unter die Lupe.

Der Check

War das Thema auf der TechMesse CES in Las Vegas (Anm.: aktuell in der Schweiz nur online erhältlich). Videos auf TikTok performen überragend, erfolgreichster Post mit acht Millionen Views von «beyond the brick».

Das Teil bringt eine neue Ebene ins KlemmbausteinGame. Mit 70 Euro für das günstigste Set ist der Preis auch in Ordnung. Schlechte Nachrichten für WeltraumMuffel: Die interaktiven Funktionen kann der Stein bisher nur mit «Star Wars»Sets ausspielen.

MUST-HAVE-FAKTOR

Perfekt für …

… Lego-Techies, die sich bereit fühlen für eine neue Dimension.

Ungeeignet für …

… Lego-Traditionalisten, für die ein Stein gefälligst ein Stein bleiben sollte.

Julia Roberts

definiert

sich nicht mehr über berufliche Erfolge. Die Schauspielerin blickt lieber hinter den schönen Schein von Hollywood.

Was für sie wichtig ist: dass das Essen pünktlich auf dem Tisch steht!

Julia Roberts ist eine «Inquisitorin». So beschreibt sie sich beim Interview im Hotel Cipriani in Venedig selbst. Denn die 58-Jährige versucht, die innere Wahrheit eines jeden Menschen herauszufnden. Im Leben wie auch in ihrem jüngsten Film. Im Thriller «After the Hunt» spielt Julia Roberts die Hauptrolle der Alma Imhof –einer renommierten Philosophieprofessorin und jüngsten Dozentin in der Geschichte der Yale-Universität (Regie: Luca Guadagnino). Die Figur, ein komplexer Charakter mit dunklem Geheimnis, gerät durch eine Anschuldigung ihrer Lieblingsstudentin in eine existenzielle Krise.

Für die Darstellung des im vergangenen Herbst in den Kinos angelaufenen und mittlerweile über Streaming erhältlichen Films erhielt Roberts eine GoldenGlobe-Nominierung. Sie sagt: «Ich wollte wissen, wie diese Person funktioniert. Welche Schutzmechanismen hat sie um sich herum aufgebaut?» Doch die Oscargewinnerin (für «Erin Brockovich – eine wahre Geschichte», 2000) interessieren diese Fragen nicht nur in Bezug auf ihre Arbeit als Schauspielerin, sondern auf das Leben im Allgemeinen. Sie sucht nach Authentizität – die sie auch selbst lebt: «Ich kann anderen Menschen nichts vormachen. Deshalb sage ich die Wahrheit, selbst wenn das nicht allen gefällt. Ich will der Welt kein falsches Bild von mir vorgaukeln.»

Leicht gesagt für einen Hollywoodstar, dessen Person ohnehin in der Öfentlichkeit zelebriert und seziert wird. Wobei Roberts meist egal ist, was andere von ihr denken. 1991, auf einem Höhepunkt ihrer Popularität, liess sie die Hochzeit mit ihrem Kollegen Kiefer Sutherland wenige

On point

Geboren 1967 in Atlanta, Georgia; wollte Tierärztin werden; lernte für den Film «Satisfaction» Schlagzeug, musste dann aber Bass spielen; liebt es, in Drehpausen zu stricken; backt für die Filmcrew gerne Bananenbrot (alles bio natürlich!); ist Fan von Manchester United

Tage vor dem Termin platzen, ohne Rücksicht auf die Aussenwirkung. Ein paar Jahre später klinkte sie sich aus Hollywood aus, weil sie mit den Rollenangeboten nicht glücklich war. Lieber besuchte sie Freunde in Europa.

Kindliche «Realness»

Eine unveränderbare Konstante in ihrem Leben? Julia Roberts vertritt klare Ansichten. Obwohl nicht jeder ihrer Filme auf Anklang stiess, bereut sie nach eigener Aussage «keine einzige Entscheidung» ihrer Karriere. In Interviews antwortet sie unverblümt. Auf die Frage, wann sie sich selbst gefunden habe, meint sie: «Sind Sie jemals in der Früh aufgewacht und haben sich gedacht: Ich habe mich selbst gefunden? Jeder sucht den Moment, wo Gott zu einem spricht, aber den erreichst du nur in ganz kleinen Schritten.»

Entscheidend sei, Fragen zu stellen. Denn: «Schweigen kann genauso schädlich sein, wie die Unwahrheit zu sagen. Wenn du gar nichts sagst, dann ist das manchmal ganz schön schmerzhaft.» Roberts bewundert genau aus diesem Grund Kinder: «Die haben keinen Grund, irgendetwas zu verstecken. Und das ist die grosse Lektion, die wir von ihnen lernen können.»

Eine der Personen, die Roberts pure Authentizität vorlebten, war ihre Mutter, die für sie «eine Superheldin» war, sagt sie. Vor allem weil sie ihre vier Kinder unter bescheidenen Umständen grosszog und gleichzeitig berufstätig war: «Sie ist die grosse Inspiration meines Lebens. Ihre Haltung gegenüber uns Kindern war: Ich habe hart gearbeitet, deshalb: Arbeitet noch härter! Ich habe einiges erreicht, jetzt erreicht ihr noch mehr!»

Wie innen, so aussen

Bereits als Kind lernte Julia Roberts von ihrer Mutter, wie wichtig es ist, den Dingen auf den Grund zu gehen: «Eines Tages habe ich sie gefragt: Wie schafst du das alles nur? Dann hat sie es mir erklärt. Um Herr der Lage zu sein, reichten ganz banale Dinge. Zum Beispiel, Ordnung zu schafen: «Ein aufgeräumtes Zuhause ist die Voraussetzung für einen aufgeräumten Verstand.» Und das sieht Julia, die Mutter von drei Kindern, den Zwillingen Hazel und Phinnaeus, 21, und Henry, 18 (die sie mit ihrem Ehemann hat, dem Kameramann Daniel Moder; Anm.), immer noch so.

Für den Hollywoodstar besteht ein erfolgreicher Tag darin, dass sie berufliche und private Aufgaben gleichermassen gut erledigt und «dass am Abend das Essen pünktlich auf dem Tisch steht». Wahre Erfüllung fndet sie in einem «glücklichen Familienleben». Roberts spricht über Kochen und Gartenarbeit mit der gleichen Leidenschaft wie über die Schauspielerei. Ihr Prinzip lautet: «Vermittle deine Überzeugungen durch dein Tun. Tritt für dich ein. Richte dein Leben nach deinem moralischen Kompass aus.»

Julia betont: «Wie ich mich verhalte, spiegelt meine Wertvorstellungen wider. Man muss ein Vorbild sein!» Sie möchte aber niemandem ihre Überzeugung aufdrängen. «Ich würde niemals jemandem ungefragt Rat geben», sagt sie, um dann mit einem lauten Lachen hinzuzufügen: «Man sollte auch keinen Rat von Schauspielern annehmen!»

Instagram: @juliaroberts «After the Hunt» ist auf Prime Video zu sehen.

«Mein Verhalten spiegelt meine Wertvorstellungen wider. Man muss ein Vorbild sein!»
Julia Roberts, 58, findet wahre Erfüllung in ihrem Familienleben.

Delia Guggenheim

lief vor zwei Jahren einen UltraMarathon durch die Sahara. Dann folgte ein

Schicksalsschlag.

Jetzt will sie als ParaAthletin zurück in die Wüste. Annäherung an eine Kämpferin in drei Etappen.

Frühling 2024

Die Sonne brennt. Fast vierzig Grad ist es in der marokkanischen Sahara heiss, und Delia Guggenheim, damals 21 Jahre alt, kämpft sich eine Düne hinauf, versinkt immer wieder in dem weichen Sand. Ein Schritt nach oben, zwei nach unten. Es ist die vierte von sechs Etappen des berüchtigten Marathon des Sables, eines 253-Kilometer-Laufs durch die Wüste, bei dem die Teilnehmenden ihre komplette Ausrüstung selbst tragen müssen. Delias Körper rebelliert.

Am Morgen hat sie noch gefroren, eine Daunenjacke getragen, obwohl es schon heiss war. Der Wadenmuskel schmerzt, im Kopf nur ein Gedanke: Ich muss jemandem sagen, dass ich aufhöre.

Doch sie sagt es niemandem. Hört nicht auf. Drückt jenen mentalen Schalter, der Ultra-Athletinnen von anderen unterscheidet. «Mind over matter», sagt sie. «Kopf aus, machen.»

Warum tut man sich das an? 253 Kilometer durch den Sand, eine Wochenration Essen auf dem Rücken? «Weil du weg bist von der echten Welt», sagt Delia. Das Leben reduziert sich auf Schlafen, Essen, Laufen. Mit diesem Dreiklang begegnet sie einer erbarmungslosen Umgebung und wächst über sich hinaus, erlebt ein Gefühl totaler Kontrolle über ihren Körper. Das bedeutet ihr alles.

Dabei hätte sie fast nicht teilgenommen. Vorausgegangen war eine Auseinandersetzung mit ihrem Coach. Sie war eine erfolgreiche Athletin im Swimrun, einem extremen Ausdauerrennen im Zweierteam, bei dem abwechselnd im Neoprenanzug gerannt und in Laufschuhen geschwommen wird. Und Delias Trainer

On point

Kommt aus: Zumikon; Alter: 23; Studium: Master in Psychologie an der UZH; HassSatz: «Du musst nur ein wenig Geduld haben!»; Wüsten-Hack: Rettete am Marathon des Sables ihr Chili mit Salz- und Pfeffersäckchen aus dem Hotel; fühlt sich beim Kraulschwimmen ohne Hilfsmittel wie eine «ersaufende Robbe»

verstand nicht, warum sie ausgerechnet jetzt dieses extreme Abenteuer suchte. «Dafür hast du das ganze Leben Zeit», sagte er. Delia Guggenheim entgegnete: «Ich weiss ja nicht, ob ich in einem Jahr noch laufen kann.»

Sie hatte keine Ahnung, wie recht sie haben würde.

Frühling 2025

Delia Guggenheim sitzt auf ihrem Rennrad. Ein 100-Kilometer-Training um den Zürichsee liegt hinter ihr, sie ist nur noch fünf Minuten von ihrem Zuhause in Zumikon entfernt. Von hinten nähert sich ein Auto mit 80 km/h.

Die Fahrerin, das wird später vor Gericht festgehalten, blickt auf ihr Handy, als sie ungebremst Delia Guggenheim anfährt. Der Aufprall ist brutal. Delia wird auf die Motorhaube und gegen die Frontscheibe geschleudert. Sie ist bei Bewusstsein, als sie auf dem Asphalt liegt, und sie spürt ihre Beine nicht mehr. Sie ist in Lebensgefahr, aber für sie geht es um etwas anderes. Sie versteht instinktiv, dass sie querschnittgelähmt ist, sagt noch an der Unfallstelle zu ihrer herbeigeeilten Mutter: «Dann gehe ich eben an die Paralympics.»

Vier Wirbel sind gebrochen, die Wirbelsäule ist verschoben. Zwei Wochen wird Delia künstlich beatmet. Ihr einstiger Hochleistungskörper fühlt sich jetzt an wie ein Gefängnis. Sie hat Schmerzen, ist wütend, will sich bewegen. In dieser schweren Zeit fasst sie den Entschluss für ihr Comeback. «Meine dunklen Gedanken und zerstörerischen Gefühle sind echt, aber sie defnieren mich nicht», sagt die Psychologiestudentin. Was sie meint: Unsere Gedanken und Gefühle enthalten einen Teil unserer Wahrheit – aber nicht die ganze. Und ein Stück weit können wir wählen, was wir davon glauben wollen.

Frühling 2026

«Gedanken sind Werkzeuge», sagt Delia Guggenheim, heute 23 Jahre alt, in der Cafeteria der Universitätsklinik Balgrist in Zürich nach einem Vormittag Physiotherapie. «Du kannst sie zurück in den Werkzeugkasten legen und andere wählen.» Sie hat etwas Sanftes, fast Zartes. Ihr Lächeln ist ansteckend, aber man muss nur kurz mit ihr sprechen, um zu verstehen, wie cool sie ist. Eine Draufgängerin.

Ihr Ziel ist wieder der Marathon des Sables. Nicht mehr als Läuferin, sondern im Rollstuhl. Nicht mit den Beinen, sondern mit dem Oberkörper. Im Oktober startet sie in der Handicap-Version des Rennens. Ein dreiköpfges Team wird sie begleiten und ihren Ofroad-Rollstuhl über die Dünen ziehen und schieben, wenn sie mal selbst nicht weiterkommt. Einer ihrer menschlichen Motoren im Sand: Ben Thiesmeyer, der Coach, der ihr einst von dem Abenteuer abraten wollte. «Wie ein Kreis, der sich schliesst», sagt sie und lacht.

Es ist die Rückkehr an jenen archaischen Ort, der sie vor zwei Jahren an ihre Grenzen brachte. Damals suchte sie die Freiheit in der totalen Kontrolle über ihren Körper. Heute sucht sie etwas anderes. Die Gewissheit, dass man zu so viel mehr fähig ist, als man denkt.

Instagram: @deliaalyssaa

Am 10. Mai laufen beim Wings for Life World Run weltweit Hunderttausende für jene, die es nicht können. Sämtliche Startgelder fliessen in die Rückenmarksforschung. Via App kannst du mitmachen, wo immer du bist! Delia wird beim App Run Event vom Balgrist in Zürich dabei sein. Alle Infos und die weiteren App Run Events findest du mit diesem QR-Code.

Text Christof Gertsch Foto Muriel Florence Rieben
«Gedanken sind Werkzeuge. Du kannst sie zurück in den Werkzeugkasten legen und andere wählen.»

Delia Guggenheim beeindruckt mit ihrer unglaublichen Willenskraft.

Buds

ist einmal quer durchs Musik-Multiversum gereist. Jetzt steht der Schweizer Rapper wieder dort, wo alles anfing: in der Bieler RapSzene – mittlerweile mit eigenem Festival.

Am Anfang stehen fünf Freunde, die etwas gemeinsam haben: Natan, T-Sow, Ri-k, Sokra und Ekzhall lieben RapMusik. Sie gründen die Formation La Base. Schauplatz: Biel, die grösste zweisprachige Stadt der Schweiz, eine multikulturelle Arbeiterstadt. Hier kommt Natan Veraguth, wie Buds, 36, mit bürgerlichem Namen heisst, Anfang der 1990er-Jahre zur Welt. Der Sohn eines Deutschschweizers und einer Brasilianerin wächst mit Musik auf. Natan ist stark von US-Rappern geprägt, vor allem von Nas und Mobb Deep. Jeden Mittwochnachmittag hört er sich in einem Musikladen in Biel in die HipHop-Geschichte ein, aber nur einmal im Monat hat er genug Geld, sich eine CD zu kaufen. Bald hört er auch französischen Rap.

Der typische Sound der Neunziger wird zu einem festen Teil seines Lifestyles, auch wenn sich die (von Tru Comers produzierte) Musik von La Base radikal von den Standards der damaligen Zeit abhebt: Jazziger Boom-BapSound trift etwa im Video zum Song «Originoo Comin Tru» auf Vintage-Klamotten und dicke Schlitten – für einen Moment fragt man sich, ob es hier um Biel oder nicht doch um Brooklyn geht. «Wir waren damals einfach ein paar Jungs, die Rap liebten und ganz instinktiv handelten», sagt Buds heute. «Alles war voll underground. Als wir dieses Video auf YouTube veröfentlichten, wollten wir 10 000 Klicks erzielen. Bereits das erschien uns utopisch. Aber bis heute wurde der Clip fast 500 000 Mal aufgerufen.» Als 2015 das erste Album «Jusqu’à la mort» herauskommt, sprengt es alle Erwartungen.

On point

Lieblingsorte: Biel und São Paulo, Brasilien; seine Klassiker: das Album «What’s Going On» von Marvin Gaye (1971) und der Film «Belly» von Hype Williams (1998); vier Schweizer Rapper, die er empfiehlt: Pronto, Slimka, Paxslim und Al-Walid

Ehrgeiz, den Regler ans Limit zu bringen – das ist die Leidenschaft, die mich antreibt.» Als «LSD-Trip in einem Stripclub aus dem Jahr 2077» haben Medien die Cyberpunk-Welt von «Dystopia» beschrieben. Das erste Soloalbum des Bieler MCs geht aber auch inhaltlich neue Wege: Als Solo-Artist kann Buds auch seine persönlichen Geschichten erzählen. «Dystopia» ist ein introspektiver Deep Dive durch düstere Themen und dunkle Stunden – durch Depressionen und tiefe Krisen. «Das Album zelebriert allerdings auch die Utopie und die Kraft der Liebe.»

Film & Festival

La Base touren rund um den Globus, doch Buds treibt es künstlerisch weiter: Gemeinsam mit dem Berner Künstler Nativ experimentiert er mit Trap, House und UK Garage, unter dem Namen Psycho ’n’ Odds bringen sie das Album «Radiation World» heraus, das zeigt, wie mühelos Buds seinen Flow an nahezu jedes Instrumental anpassen kann. «Nach dieser Erfahrung war mir klar, dass ich nun endlich mein Soloprojekt in Angrif nehmen muss.» Obwohl Buds bereits seit zehn Jahren im Business ist, fühlt er sich wie ein Newcomer: «Als stünde ich wieder am Anfang meiner Karriere.»

Melancholie & Zuversicht «Dystopia», veröfentlicht im September 2022, ist die erste Solo-LP des Künstlers – ein Album, das sich im Spannungsfeld von Selbstrefexion, Melancholie und Zuversicht bewegt. Es gibt weniger Boom Bap, dafür mehr Baile Funk und Trap. Weniger gekickte Lines, dafür portugiesische Refrains, die mittels Auto-Tune verfremdet werden. Buds will das Beste aus verschiedenen Welten verbinden und läutet damit einen musikalischen Wandel ein, der sich deutlich von seiner eigenen Oldschool-Rap-Vergangenheit abhebt. «Völlig egal in welchem Genre», sagt Buds, «ich hatte schon immer den

Es sind unterschiedlichste Schattierungen von Buds Persönlichkeit, die bei jedem Projekt wieder neu durchkommen. Oder anders gesagt: Seine Vielseitigkeit möchte sich Buds auch in Zukunft nicht nehmen lassen. Im vergangenen Jahr feierte der Bieler mit «Putain» sein Debüt vor der Kamera. Die Serie wurde vom belgischen Rap-Urgestein Zwangere Guy mitproduziert, mit dem Buds befreundet ist: «Eine tolle Erfahrung. Ich kann mir vorstellen, in Zukunft an ähnlichen Projekten zu arbeiten.» Auch die Gründung des Buds Fest im März 2024 fällt in die Kategorie: Bitte legt mich nicht fest.

Buds, der stark in seiner Heimatstadt verwurzelt ist, bringt bei diesem Festival die Crème de la Crème der Schweizer Hip-Hop-Szene mit internationalen Musikern zusammen. Nach zwei ausverkauften Auflagen in der Coupole von Biel fndet das Buds Fest in diesem Jahr als Open-Air-Event statt. Buds selbst scheut keine Kosten und Mühen, wenn es darum geht, die Musikszene voranzubringen. «Ich wurde oft als Künstler bezeichnet, der andere zusammenbringt», sagt er. «Das schmeichelt mir, ist aber nicht unbedingt mein Hauptanliegen.» Worum es Buds vielmehr geht? «Um das Kreative in all seinen Facetten.»

Nicht auszuschliessen, dass wir in Zukunft noch einige Wandlungen dieses Künstlers erleben werden.

Das Buds Fest findet am 6. Juni in Biel statt. @buds.fest; @badmanbuds

«Egal in welchem Genre: Ich hatte immer den Ehrgeiz, den Regler ans Limit zu bringen.»
Beim Bieler Festival, das
trägt, wird es wieder heiss hergehen.
Buds Namen

Lichtgeschwindigkeit

Die hellen «Light Leaks» auf diesem Bild sind Fehler auf dem analogen Film. «Klar, man kann sie als Makel sehen», sagt Gea. «Aber für mich geben sie dem Shot genau den richtigen Vibe.» Warum? Weil sie den Speed der Fahrer sichtbar machen. «Perfektion liegt manchmal eben in der Unvollkommenheit.»

Streetstyle!

Zehn Jahre lang war er selbst BMX-Profi. Mittlerweile nimmt Benoît «Ben» Gea andere Rider in den Fokus seiner Kamera –und erschafft eine verträumte Action-Welt in Schwarz-Weiss.

Text Pauline Krätzig Fotos Benoit Gea

Schnell und oft improvisiert: Das ist BMX. Für ein Medium wie die Fotografie, das oft nur den Bruchteil eines Augenblicks einfängt, ist das eine ziemliche Herausforderung. Benoît «Ben» Gea hat da gleich mehrere Vorteile: Als ehemaliger BMX-Profi sieht er, welchen Trick ein Rider gerade vorbereitet. Und als Fotograf weiss er, wie er mit Lichteffekten auf den Bildern Tempo macht. Er selbst braucht bei der Arbeit Ausdauer. «Den Jungs bei einer Street-Session zu folgen, ist manchmal echt heavy. Deshalb trage ich auf Fototour möglichst wenig Zeug mit mir rum.»

Crossover

Gute Motive entstehen durch gute Ideen – und mit Hilfe von Leuten, die den Spass mitmachen. Gea liess den zehnfachen BMXFlatland-Weltmeister Matthias Dandois für diesen Shot ganz in Weiss antanzen – «passend zu den Asphaltmarkierungen» –, damit Matthias optisch mit der Kreuzung verschmilzt.

Weichzeichner Streetfotografie ist spontan und echt. Ein Blick hinter die Fassade. «Mein Kumpel Jo (Gass, Anm.) wirkt mit seinen kurzen Haaren und seinem Style wie ein Bad Boy. Das Bild mit den zwei Kampfhunden beweist: Lasst euch nicht vom Äusseren täuschen. Alle drei beissen nicht.»

Und: Action!

Im BMX-Sport gibt es grob gesagt zwei Arten von Tricks: Aerials –Moves in der Luft. Und Slides –dabei grindet der Fahrer über ein Geländer (Rail) oder eine Kante (Ledge). Gea: «Slides sind fotografisch oft weniger spektakulär. Ich bringe Spannung rein, indem ich mit der Belichtungszeit spiele. Die Bewegungsunschärfe wirkt superdynamisch.»

Konkurrenzlos

Mit seiner futuristischen Architektur erinnert das Musée des Confluences in Lyon an eine schwebende Kristallwolke. «Ein visuell extrem starker Spot», sagt Gea. «Das Umfeld ist bei meinen Bildkompositionen extrem wichtig.»

Gea dokumentiert die kreative Seite der Szene, vor allem Freestyle-BMX und das ganze Drumherum – die Anspannung, die Vorbereitung eines Tricks, die Stürze, alles, was dazugehört. «Ich will mit meinen Bildern Geschichten erzählen, nicht nur ein schönes Foto machen», erklärt er. «BMX-Fotos konzentrieren sich oft nur auf den Rider. Ich versuche, noch eine zusätzliche Ebene oder andere Elemente einzubauen. Die Strasse ist dafür perfekt. Dort passiert immer etwas. Und alles, was das Bild lebendig macht, darf mit drauf.» Genau das gibt seinen Bildern ihren einzigartigen Drive. Auch, dass Gea mit den meisten Fahrern, die er mit der Kamera begleitet, zu Profizeiten bereits geshreddet hat oder lange mit ihnen befreundet ist. Man versteht sich ohne Worte, kommuniziert mit Blicken – auch mal via Headset, wenn das Timing von Trick und «Klick!» on point sein muss.

Der Fotograf Benoît «Ben» Gea, 36, aus Pau in Frankreich, war über zehn Jahre lang BMXProfi (Street/Park). Heute ist er Fotograf, Filmemacher und Juror für Fotowettbewerbe. Er ist Autor des Fotobuchs «Emulsion». Insta: @bengea_

«Mich inspirieren Regisseure wie Stanley Kubrick oder David Lynch und ihre präzise komponierten, atmosphärisch aufgeladenen Szenen.»

Flugobjekte

Gruppenfotos sind oft gruselig gestellt. Gea wirbelt das verkrampfte Posing gerne auf –mit Tauben. «Für mich symbolisieren sie das pure Street-Feeling. Ausserdem sind sie unberechenbar und sorgen immer für eine Überraschung auf dem entwickelten Bild.»

Cool bleiben

Die meisten Menschen sind genervt, wenn eine fremde Person mitten durchs Bild läuft. Gea begrüsst spontanen Besuch wie diese unbekannte Lady vor der Linse. «Genau diese Mischung aus Streetund BMX-Fotografie liebe ich.»

Filmrolle

Gea fotografiert fast nur analog. «Ich habe Chemie studiert. Das ist auch ein Grund, warum mich der gesamte Entstehungsprozess eines Fotos so fasziniert. Negativfilme zu entwickeln, ist reine Chemie.» Wie gut, dass diese bei ihm fast immer stimmt.

Aufwirbeln

Bilder können den Blick auf die Welt verändern. Mit seiner alten Hasselblad 500 C schafft es Gea, die Aufmerksamkeit der Betrachter auf Details wie ein Hinterrad zu shiften. «Die Kamera ist dasselbe Modell, das die Crew von Apollo 17 1972 auf dem Weg zum Mond dabeihatte.»

Freundeskreis

Seit 2008 treffen sich jährlich über 80 Freunde aus ganz Frankreich, um die ikonischen Bowls im Baskenland zu shredden. Gea findet: «Der ‹Apache Trip› fühlt sich wie ein Festival an. Man rollt entspannt mit einem Drink in der Hand über Betonwellen.»

«BMX-Fotos konzentrieren sich oft nur auf den Rider. Ich versuche, noch andere Elemente einzubauen. Die Strasse ist dafür perfekt. Dort passiert immer etwas.»

NUR HIGHLIGHTS

AUF DER LISTE?

Fabian Cancellara war der Gladiator des modernen Radsports – ein Fahrer, der Rennen mit brutaler Dominanz entschied.

Als Radprofi (hier im Jahr 2013) trug
Fabian Cancellara den Spitznamen «Spartacus».

ROAD CYCLING

Heute führt er ein Team, in dem nicht mehr er, sondern andere gewinnen sollen. Die Geschichte einer Verwandlung.

Mittlerweile ist der 45-Jährige Teamchef des Tudor Pro Cycling Teams.

Einen wie ihn gab es im Schweizer Sport kein zweites Mal: Wenn Fabian Cancellara gewann – und er gewann fast alles, was man im Radsport gewinnen kann –, dann nie durch taktische Versteckspiele aus dem Windschatten. Er gewann durch rohe physische Dominanz.

Sein Spitzname war «Spartacus», nach dem gefürchteten Gladiator, der den bekanntesten Sklavenaufstand der Antike anführte. Cancellara zog in die Rennen wie Spartacus in die Kämpfe: Er wartete mit seinen Attacken nicht auf die letzten Meter eines Zielsprints, sondern grif bereits vierzig, fünfzig Kilometer vor dem Finish an. Wenn seine Konkurrenten aus dem Sattel gingen, die Gesichter schmerzverzerrt, blieb er stoisch sitzen, schaltete einen Gang höher, drückte eine schier unmögliche Wattzahl in die Pedale. Er liebte das Zeitfahren, das «Rennen der Wahrheit» – jene Disziplin, in der man allein gegen die Uhr antritt. Seine Überlegenheit war zeitweise so unheimlich, dass Konkurrenten und Medien glaubten, er habe einen Elektromotor versteckt im Rahmen verbaut. Nur so, hiess es, liesse sich diese Machtdemonstration erklären. Auch Dopingvorwürfe gab es.

Die Triumphe

Als er seine Karriere 2016 beendete, tat er dies sprichwörtlich auf dem Olymp: Cancellara war in Rio gerade ein zweites Mal Olympiasieger geworden, er war vierfacher Weltmeister, hatte acht Tour­deFrance­Etappen gewonnen und 29 Tage lang das Maillot Jaune des Tour­Gesamtführenden getragen. Seine grössten Triumphe aber hatte er bei den Eintagesklassikern im Frühling gefeiert: Je dreimal gewann er die Flandern­Rundfahrt und Paris – Roubaix, einmal Mailand – Sanremo. Zehn Jahre später, im Frühling 2026, unterbricht Spartacus das Interview über sein Tudor Pro Cycling Team und bittet

lachend um eine kurze Pause. Er müsse etwas Dringendes für seine Frau klären. Es geht um eine Matratze, die ersetzt werden soll. «Familienleben», sagt er entschuldigend.

Zwischen dem Gladiator und dem Chef eines globalen Radsportunternehmens mit 140 Angestellten liegt eine der radikalsten Verwandlungen, die ein Spitzensportler durchmachen kann: von einem der egozentrischsten Radprofs seiner Generation zu einem Anführer, der zurücktritt, damit andere den Raum füllen können, den er früher für sich beanspruchte.

Die Blase

Aber wie kam es dazu? Wie wurde aus einem, der darauf trainiert war, alle anderen hinter sich zu lassen, einer, der andere nach vorne schickt?

«Gute Frage», sagt Cancellara selbst. «Da muss ich ein wenig überlegen.»

DER MANN , DER LERNTE, ZURÜCKZUTRETEN

Also fragen wir erst bei anderen nach. Zum Beispiel bei Stefan Küng, dem prominentesten Neuzuzug beim Tudor Pro Cycling Team, auf den es in diesem Frühling am meisten setzen wollte. Küng ist Zeitfahrspezialist und Klassikerfahrer, wie einst Cancellara: präzise, ausdauernd, gefährlich. Doch beim Eröfnungswochenende der belgischen Klassiker, beim Omloop Het Nieuwsblad am 28. Februar, stürzte er und verletzte sich am Oberschenkel.

Ein paar Tage später, Küng hat sich von der Operation gut erholt, denkt er zurück. An seine ersten Jahre im Nationalteam, an eine Weltmeisterschaft, an den Moment, als er als junger Fahrer in die Welt der Grossen eintrat. Er sah Cancellara, den Grössten von allen – und dass der ihn keines Blickes würdigte.

Küng war enttäuscht. Und doch unterschrieb er viele Jahre später genau bei diesem Mann einen Vertrag. Warum?

«Ich verstehe heute, warum er so war», sagt Küng.

Cancellara war nicht abweisend, er musste es werden. Er stand an der Spitze zu einer Zeit, in der der Radsport tief in der Vertrauenskrise steckte: Die Dopingskandale hatten die Öfentlichkeit so misstrauisch gemacht, dass jede Über­

Text Christof Gertsch
Fotos Shamil Tanna
«Nur als Egoist konnte ich im Scheinwerferlicht funktionieren.»

STRATEGIETALK

Cancellara (2. v. re.) mit seinem Tudor Pro Cycling Team zwischen Rennen und Roadtrip

legenheit verdächtig wirkte. Wer zu den Besten gehören wollte, brauchte eine Rüstung. Cancellara baute sich eine: eine enge Blase aus wenigen Leuten, ein Mechaniker, ein Masseur, zwei, drei Menschen, denen er vertraute. Den Rest ignorierte er.

Das Nichts

«Nur als Egoist konnte ich im Scheinwerferlicht funktionieren», sagt er heute.

Nach aussen hin blieb er so bis zum Rücktritt 2016. Doch in seinem Inneren bekam diese Haltung bereits 2012 Risse. Es war sein schlimmstes Jahr als Prof. Im Frühling, bei der Flandern-Rundfahrt, hatte er sich das Schlüsselbein gebrochen. Dann, beim Strassenrennen bei den Olympischen Spielen in London, der nächste Sturz – wieder in bester Ausgangslage, wieder selbst verschuldet. Niemand hatte gedacht, dass ihm Gold noch zu nehmen sei. Er verstand nicht, was mit ihm los war. Das kannte er nicht von sich. Warum machte er plötzlich solche Fehler? Er war in einem Loch, völlig erschöpft, beinahe depressiv. Die grösste Krise seines Sportlerlebens.

Hilfe holte er sich bei einem Mentaltrainer – was er heute jedem seiner Fahrer rät. Er lernte etwas, das er bis dahin nicht kannte, nicht konnte: innehalten. Den eigenen Zustand wahrnehmen, ohne ihn wegzutrainieren. Es folgten noch vier Jahre als Prof. Und ein Abgang wie im Märchen: Gold im olympischen Zeitfahren in Rio de Janeiro, zum zweiten Mal, nach 2008. Spartacus verliess die Arena auf dem Höhepunkt seiner Tatkraft.

Doch dann stand er vor dem Nichts. Nicht dem fnanziellen Nichts, aber dem existenziellen. Was ist ein Mann, dessen gesamte Identität aus Schmerz, Kontrolle und Siegen besteht, wenn der Schmerz wegfällt, die Kontrolle endet und die Siege aufhören? Cancellara machte, was viele Ex-Athleten machen: Er trat als Markenbotschafter auf, sprach auf Podien. Sein Name zog. Aber er merkte schnell, dass ihn das nicht interessierte. «Solche Auftritte erfüllen mich nicht.»

In dieser Phase trat Raphael Meyer in sein Leben. Meyer hatte einen guten Job in der Tour-de-Suisse-Organisation –und Cancellara wollte ihn zu sich holen, in sein kleines Unternehmen, das sich damals noch primär mit der Vermarktung seines eigenen Namens beschäftigte.

FABIAN CANCELLARAS KARRIEREHIGHLIGHTS

2007: DURCHBRUCH

Cancellara gewinnt den Prolog der Tour de France und das Gelbe Trikot - und siegt auch auf der dritten Etappe.

2008: OLYMPIASIEGER

Ein Karrierehöhepunkt: Bei den Olympischen Spielen in Peking holt Cancellara Gold im Einzelzeitfahren.

2010: DIE KLASSIKER

Eine Woche nach der FlandernRundfahrt gewinnt Cancellara auch Paris–Roubaix – eine höchst seltene Doublette.

2016: ABSCHIED

Mit Olympiagold in Rio beendet Cancellara seine Karriere –als einer der grössten Klassikerfahrer seiner Generation.

Meyer stellte eine Bedingung: Ich komme, wenn wir etwas Sinnvolles aufbauen. Cancellara sagte, genau das sei auch seine Absicht. «Ich will dem Sport, der mir alles gegeben hat, etwas zurückgeben.»

Aber was wollte er dem Sport zurückgeben? Es folgte eine Zeit des Ausprobierens. Sie bauten die Breitensport-Eventserie «Chasing Cancellara» aus, bei der Hobbyfahrer gegen Cancellara antreten konnten. Sie versuchten sich als Agentur für velonahe Firmen. Und ihr grösstes Projekt scheiterte, bevor es begann: die Übernahme der Tour de Suisse. Die Pressemitteilung war bereits geschrieben, aber drei Tage vor der Veröfentlichung zogen sie sich zurück. Cancellaras Bauchgefühl hatte nein gesagt.

Der Anruf Kurz darauf kam ein Anruf. Die Swiss Racing Academy, ein Schweizer Nachwuchsteam, war insolvent. Sechzehn junge Fahrer standen vor dem Ende ihrer Karrieren. «Das darf nicht geschehen», sagte Cancellara, dem es zum ersten Mal nicht um sich selbst ging. Diesmal sorgte er sich darum, was mit anderen passiert.

«Wir hatten keine Autos, wir hatten keine Pneus, wir hatten gar nichts», erinnert sich Raphael Meyer. Aber sie hatten ihn, der das Geschäftliche im Grif hatte, und Cancellara, der über das Sportliche Bescheid wusste. Cancellara spürte, wie es seinen Fahrern ging, wann jemand unter Druck stand, wann jemand glänzen wollte, aber nicht durfte.

Er musste aber auch vieles verlernen. Vor allem: alles selbst kontrollieren zu wollen. Der Mann, der früher jeden Millimeter seines Fahrrads kannte – ob es Nuancen des Reifendrucks oder die Schaltröllchen betraf –, wollte anfangs auch im Business alles lenken. Meyer muss lachen, wenn er an den Tag zurückdenkt, als Cancellara ihm sagte, er müsse jetzt dringend einen Excel-Kurs machen. «Das bringt doch nichts», sagte Meyer zu ihm. «Konzentriere dich auf deine Stärken.»

Cancellara akzeptierte. «Ich merkte, ich kann am meisten beitragen, wenn ich das Menschliche reinbringe», sagt er. Heute ist er die gute Seele. Er ist der, der besser als alle anderen versteht, was die Fahrer durchmachen. Er trägt siebzehn Jahre Schmerz in sich. Dieser Schmerz ist heute sein wertvollstes Kapital. Ein Beispiel?

«Ich kann am meisten beitragen, wenn ich das Menschliche reinbringe.»
Fabian

Beim Eröfnungswochenende der belgischen Klassiker stürzten neben Küng noch weitere Tudor-Fahrer. Im zweiten Rennen am Sonntag waren statt sieben nur noch fünf am Start. Unter normalen Umständen – in einem Sport, der auf Angstkultur und Ergebnisdruck aufgebaut ist – löst sich in solchen Momenten das Kollektiv auf, niemand fühlt sich verantwortlich, jeder fährt für sich.

Stattdessen wurde Kuurne – Brüssel –Kuurne am 1. März zur Demonstration.

Tudor – ein Team ohne Leader – belegte die Plätze zwei und drei. Wie war das möglich?

Die Philosophie

Die Antwort liegt in dem, was Cancellara und Meyer aufgebaut haben: ein Umfeld der psychologischen Sicherheit. Einen Ort, an dem man nicht bestraft oder gedemütigt wird, wenn man Fehler macht, Fragen stellt oder Schwächen ofenbart. Wenn auf der Strasse etwas schiefgeht – wenn die Leistung nicht stimmt oder das Material versagt –, greift bei Tudor keine Angstkultur. Man setzt sich an den Tisch und sucht Lösungen. Cancellara hat eine Atmosphäre geschafen, in der Imperfektion nicht als Versagen gilt, sondern als Anfangspunkt zum gemeinsamen Lernen. Er baut seinen Athleten einen schützenden Kokon, in dem sie sich trauen können, verletzlich zu sein. Das TudorInnovationsteam – Meyer und Cancellara nennen dessen Mitglieder liebevoll ihre «Minions» – arbeitet im Hintergrund mit einer Akribie, die an Cancellaras eigene aktive Zeit erinnert. 450 Helmformen wurden im 3D-Drucker getestet, bevor man sich für eine entschied. Im Windkanal agieren massgefertigte Körper-Doubles. Damit Küng und die anderen zu Hause bei der Familie sein können, statt Stunden in einem zugigen Tunnel zu verbringen. Für Cancellara, den Familienmenschen, ist das kein Detail. Es ist seine Philosophie. Raphael Meyer, sein CEO, sagt: «Glückliche Menschen fahren schneller.» Es klingt nach einer Management-Weisheit. Im Team Tudor ist sie Realität.

«Ich glaube, ich habe heute ein anderes Verständnis von Macht», sagt Cancellara. «Ich habe erkannt, wie schön es sein kann, zurückzustehen und andere dabei zu unterstützen, erfolgreich zu sein.»

Instagram: @fabian_cancellara

VOLL IM FOKUS
Tudor Pro Cycling Team-Fahrer Stefan Küng, 32, beim Training auf Teneriffa, wenige Tage vor seinem Sturz am 28. Februar 2026.
Cancellara

VELO-CITY

Auf den Stufen im Landesmuseum Zürich üben sich Raphael Dähler und Nico Altherr (re.) im Gleichtakt.
Für Raphael Dähler und Nico Altherr ist die Stadt ihr Spielplatz. Uns zeigen die Trial-Bike-Stars der Cycle Week Zürich sechs Tricks und erklären, wie auch du sie hinbekommst.
Text Marc Baumann Fotos Jan Cadosch

1. FRONT WHEEL HOPS

«Der Front Wheel Hop gehört zu den absoluten Basics im Street Trial. Man gewinnt extrem viel Bike-Kontrolle, die man später für komplexere Tricks braucht. Vereinfacht gesagt hüpft man auf dem Vorderrad und hält dabei das Gleichgewicht. Die kleinen Sprünge, manchmal nur wenige Zentimeter hoch, machen das Ausbalancieren einfacher als blosses Stillstehen.»

Worauf gilt es zu achten?

«Man muss sich trauen, in den Balancepunkt reinzugehen, weil der weiter vorne liegt, als die meisten glauben. Man muss sich wirklich weit übers Vorderrad lehnen. Das Gute ist: Stürze gehen glimpflicher aus, als man denkt, weil man beim Fallen gut von den Pedalen wegspringen kann. Der Back Wheel Hop ist übrigens etwas einfacher.»

Wenn man Raphael Dähler und Nico Altherr auf ihren Street-Trial-Bikes zusieht, wie sie über Mauern springen, Treppen hinunter fahren oder Tricks über alltägliche Hindernisse machen, dann will man daheim ein paar ernste Worte mit seinem eigenen Velo sprechen: «Hey, Citybike, warum kannst du nicht so coole Dinge?» Die ehrliche Antwort ist natürlich: Es liegt auch am Fahrer.

Man kann Street Trial aber lernen. Dafür eignet sich nicht nur dieser Artikel mit Tipps der beiden – Raphael Dähler hat auch eine erstaunlich ausführliche Gebrauchsanweisung für seinen Sport formuliert. Auf seinem Instagram-Account fndet man mehr als achthundert Posts, die sich über acht Jahre erstrecken und zeigen, wie er vom Anfänger zum Experten wurde. Alles beginnt am 29. April 2018 mit einem ersten Bild, es zeigt ihn auf einem orangen Rad balancierend, dar unter schreibt er: «Got myself a trials bike, so excited!» Scrollt man dann hoch, beginnt eine Biografe im Zeitrafer: wie die Tricks immer schwerer werden, er andere Länder bereist, er sich bei einem Sturz die Ferse bricht, Shows fährt, sich verliebt, einmal (gewollt) in Flammen steht – und vor allem auch, wie er Nico Altherr kennenlernt und die beiden immer öfter zusammen fahren.

Heimatverbunden

Die beiden leben heute in St. Gallen in einer WG zusammen, die Raphaels Freundin Chiara so beschreibt: «Hier stehen einfach überall Bikes in der Wohnung, der ganze Esstisch ist voller Bremsreiniger, Reifenheber liegen herum und überall Reifen.» Sie sagt es eher amüsiert denn vorwurfsvoll. «Im Keller haben wir eigentlich eine kleine Werkstatt», erzählt Nico. «Aber da unten ist es kalt, einsam, und es gibt kein Internet», sagt Raphael. Also schrauben sie lieber oben. In der Wohnung lebt damit auch die gesamte StreetTrial-Szene von St. Gallen zusammen.

«Gleichgültig wie oft du hinfällst, mit etwas Durchhaltevermögen klappt es irgendwann.»

«Wir haben schon viele hier fahren gesehen», sagt Nico Altherr. «Nur keine, die hier wohnen.» Erstaunlich, bei fast 80 000 Einwohnern. Aber ein bisschen versteht man es: St. Gallen hat lange Winter, der Fokus liegt auf anderen Sportarten, und vor der Raifeisenbank hat sie der Security Guard mal verjagt.

Ja, sie könnten ins warme Barcelona ziehen, ins grössere Zürich oder ins Actionsport-Mekka Innsbruck – aber sie bleiben lieber in ihrem St. Gallen: «Unsere Familien wohnen nicht weit weg, die Miete ist günstiger als im Kanton Zürich, und wir haben eine schöne Wohnung gefunden», sagt Raphael. «Ich fühle mich hier sehr wohl und hab nicht das Gefühl, ich müsste an einem anderen Ort leben. Der Bodensee ist nah, und für Urban Free Riding ist

es schon ideal, St. Gallen ist wie ein Tal, umgeben von Hügeln, egal wo du hingehst, hast du Treppen.»

Nico, 21, ist CNC-Fräser für Flugzeugteile, Raphael, 24, arbeitet für einen grossen Radhersteller. «Meine Schicht beginnt heute um halb zwei und geht bis zehn Uhr abends», sagt Nico am Tag des Gesprächs mit The Red Bulletin. Raphael arbeitet im Veloshop im Verkauf von 10 bis 19 Uhr. «Wenn ich morgens zur Arbeit gehe, pennt Nico oft noch und andersherum», sagt Raphael. «Ich habe die Wochenenden frei, Raphael arbeitet samstags», erzählt Nico.

Verschieden und doch gleich

Die beiden fahren weniger oft zusammen, als man meinen würde, wenn man sie gemeinsam sieht. Überhaupt sind die

Raphael Dähler ist der Bedachtere der beiden Trial-Biker. Er arbeitet in einem Radladen im Verkauf. @raphael.dahler
«Ich riskiere viel. Stürze oder gar Verletzungen sind für mich kein Grund aufzuhören.»

Nico Altherr ist hart im Nehmen. Wenn er nicht mit dem Bike unterwegs ist, arbeitet er als Metallbauer. @altherrnico

beiden ein grosser Gegensatz: Nico feiert gerne und wild, kann dafür aber am nächsten Tag sofort wieder aufs Bike. Raphael, der Ältere, sieht lieber seine Freundin und spart sich öfter mal den Kater. Nico riskiert viel auf dem Rad, auch nach zwei heftigen Stürzen und einigen Verletzungen 2025. («Handgelenk gebrochen, das Schlüsselbein, paar Bänder gerissen, Gehirnerschütterung – aber kein Grund aufzuhören.») Raphael fährt bedachter und flmt gerne. Nicos Eltern haben viel gearbeitet, in der Gastronomie, er musste früh selbstständig sein und ist eher introvertiert. Raphael hat vier Stiefgeschwister, die Eltern waren Künstler und Musiker, er ist ofener im Gespräch. So unterschiedlich sie als Menschen sind, ihre Liebe zum Street Trial ist die­

selbe. «Wir sind uns sogar ähnlich vom Fahrstil», sagt Raphael. «Ich mache die Tricks aber an höheren Hindernissen», sagt Nico. Ein bisschen Konkurrenz gibt es also schon, aber das hält die Freundschaft gut aus. Nico etwa gewann 2020 einen der begehrten dreizehn Plätze beim «Under My Wiiings» ­Förderkurs von Red Bull mit der Street­Trial­Legende Fabio Wibmer. Raphael hat dafür mehr Follower. Und er bringt selbst dann ein sehenswertes Video mit, wenn er im Urlaub gar kein Street­Trial­Bike dabeihat. Wie letztes Jahr an Ostern in Budapest. Er konnte es sich nicht verkneifen, mit einem dieser schweren, unhandlichen Leihräder ein paar Street­Trial­Tricks zu probieren, das Rad hat den Sprung von einer brusthohen Mauer sogar überlebt.

GESTERN FANS, HEUTE STARS

Vom 28. bis zum 31. Mai fahren Raphael Dähler und Nico Altherr täglich drei Street-Trial-Shows auf der CYCLE WEEK in Zürich, der grössten Radmesse der Schweiz. 2019 waren sie noch im Publikum und bestaunten die Tricks des britischen Profis Danny MacAskill, heute sind sie selbst die Attraktion. Der Parcours aus rund 120 Euro-Paletten wird direkt am Zürcher Hauptbahnhof aufgebaut. Die CYCLE WEEK zeigt die ganze Bandbreite der Szene: Neuheiten aus der Branche, hunderte Testbikes, ob City-, Cargo-, Gravel-, Road- oder Mountainbikes, inspirierende Workshops, geführte Rides und zum ersten Mal spektakuläre Events. Unter den Highlights: Dance trifft auf BMX. Bei einem Show-Battle treten Tänzerinnen und Tänzer und BMX-Flatland-Athleten mit- und gegeneinander an. Der Zutritt zur Veranstaltung in der Europaallee und in der Brunau ist kostenlos. Alle Infos hier: cycleweek.ch

Radfahren ist für Nico und Raphael weit mehr als nur ein Sport. Es ist eine Lektion fürs Leben: «Was du bei diesem Sport lernst, kannst du eigentlich bei allem anwenden. Ganz gleichgültig wie oft du hinfällst, wenn du Durchhaltevermögen hast, klappt es irgendwann –und wenn du vierhundert Versuche brauchst», sagt Raphael. Wenn der eine fährt, flmt der andere und umgekehrt. Wobei Raphael mehr Freude am kreativen Filmen und dem Schnittprozess hat: So kam er auch auf die Idee mit dem brennenden Bike. «War eine richtig dumme Idee», meint Raphaels Freundin. Sah super aus, fnden die Jungs. Wochenlang tüftelten die beiden mit einer Crew herum, bis das Experiment klappte. Mission accomplished.

«Das ist ein Bunny Hop, bei dem man die Kurbeln einmal blitzschnell unter den Füssen dreht, während man in der Luft ist oder kurzzeitig vom Pedal abhebt. Den Trick verwende ich oft am Ende einer Line als letzten Trick im Flat. Beim BMX-Fahren wird der Crankflip auch gerne in Rampen gemacht, aber beim Street Trial ist es eher ein kleiner Trick.»

Beim Crankflip dreht man die Kurbeln unter den Füssen.

Worauf gilt es zu achten?

«Die 360-Grad-Drehung der Pedale, das Rumflippen und Catchen kann man erst ohne Sprung üben. Anschliessend kombiniert man es mit dem Bunny Hop – aber unbedingt mit Schonern! Denn wenn du die Pedale nicht im richtigen Moment wieder fängst, haust du sie dir ins Schienbein, was echt schmerzhaft ist. Ich hab den Trick im Stehen und an eine Mauer gelehnt geübt – da hat man noch etwas Halt.»

2.

CRANKFLIP

Der Prime Tower und die Hardbrücke in Zürich zählen zu den beliebtesten Locations der beiden Trial Bike Rider. Hier macht Nico einen Crankflip.

«Footjam heisst übersetzt ‹Blockade mit dem Fuss›. Beim BMX hat man oft keine Vorderbremse und nutzt den Fuss zwischen Reifen und Gabel, während man beim Street Trial die Vorderbremse verwendet. Man stellt den Fuss auf den vorderen Reifen dreht den Rahmen 360 Grad um die eigene Achse. Anschliessend springt man wieder auf die Pedale zurück.»

Worauf gilt es zu achten?

«Um den Trick konsistent zu beherrschen, hat es mir zu Beginn geholfen, neben dem Bike zu stehen, es seitlich herauszuschwingen, nur kurz auf dem Vorderrad zu balancieren und anschliessend kontrolliert wieder auf die Pedale zu springen. Der Rekord mit einem Street-Trial-Bike liegt bei fünf Umdrehungen.»

Random Obstacles: Auch eine Asphalt-Insel in einer Regenpfütze vor dem Landesmuseum kann für den Footjam Tailwhip genutzt werden.

Nico Altherr

FAKIE NOSE MANUAL 4.

Raphael Dähler

«Das ist mein Lieblingstrick! Fakie heisst rückwärts, Nose heisst auf dem Vorderrad, und Manual bedeutet, nur auf einem Rad zu fahren. Der Fakie Nose Manual schaut echt cool aus, und man sieht ihn nicht oft. Theoretisch kann ich den Front Wheelie unendlich lange machen, aber irgendwann lässt die Muskelkraft nach.»

Worauf gilt es zu achten?

«Die Kombination aus der richtigen Dosierung der Vorderbremse und der Balance über dem Vorderrad. Wenn du dich rangetastet hast und deinen Kipppunkt kennst, ist es nicht mehr so schwer, dann geht es nur mehr ums richtige Spiel mit der Bremse. Ein Tipp: Je steiler die Strasse oder die Rampe ist, auf der man den Trick probiert, desto einfacher wird es.»

Mit Schwung geht es vor dem Toni Areal in Zürich mit einem Fakie Nose Manual rückwärts hinab. Je nach Muskelkraft lassen sich so Meter machen.

«Das ist die Haupttechnik, wie man beim Street Trial auf Hindernisse hochkommt. Und der essenziellste Trick in diesem Sport überhaupt. Wer Manuals, Bunny Hops und Front Wheel Hops beziehungsweise Back Wheel Hops kann, ist bereit für diesen Trick. Beim Up to Front springt man mit dem Vorderrad auf die Kante des Hindernisses, beim Up to Back mit dem Hinterrad. Dann folgt der Rest des Bikes.»

5.

UP TO BACK UP TO FRONT

Worauf gilt es zu achten?

«Wie man auf den Fotos erkennt, ist der Balancepunkt extrem weit vorne beziehungsweise hinten. Springt man den Up to Front zu tief, haut es dich vorne über den Lenker aufs Hindernis, springst du zu hoch, slidet dein Hinterrad weg. Der Up to Back ist einfacher, beginne damit. Bei beiden Tricks gilt: erst mal auf einem Bordstein und niedrigen Hindernissen üben, auch wenn man schon höher springen kann. Entscheidend ist gerade beim Up to Front, dass man den Reifen exakt auf die Kante setzt.»

Wer diese beiden ikonischen Trial-Bike-Tricks beherrschen will, muss eine Menge Vorarbeit leisten - sprich: viel üben.

Raphael Dähler

Was beim Tire Tap wichtig ist: Immer mit dem Hinterrad zuerst aufkommen, dann kann man die Energie besser abfedern.

TIRE TAP

«Einen Tire Tap macht man, um von Hindernissen runterzuspringen. Man dreht das Rad erst parallel zur Absprungkante, springt dann mit einer 90-Grad-Drehung mit dem Hinterrad auf die Kante, hält dort kurz das Gleichgewicht und springt dann mit einer kraftvollen 180-Grad-Drehung zurück auf den Boden.»

Worauf gilt es zu achten?

«Das Hinterrad muss genau auf der Kante stehen, sonst kriegt man zu wenig Pop und kann sich nicht fest genug vom Hindernis wegdrücken. Bei der Landung beim Street Trial gilt es immer mit dem Hinterrad zuerst aufzukommen, dann kann man die Energie des Einschlags besser abfedern.»

Nico Altherr

PANORAMA-BLICK

Champéry – Les Crosets – Morgins mit seinen zehn Downhill-Strecken und vier MTB-Seilbahnen ist einer jener Bikeparks, in denen ihr bei der Red Bull Downtime-Challenge eure Bestzeit messen könnt.

Trails für Champions

Sich mit anderen Ridern auf harten Racetracks messen: Das ist Red Bull Downtime. Hier sind die vier Bikeparks, wo ihr das tun könnt. Plus: Ein Shaper verrät, wie man einen perfekten Trail baut.

Text Nicola Berger

Champéry – Les Crosets – Morgins

DER ADRENALINKICK

Dieser Bikepark ist weit über die Landesgrenzen hinaus berüchtigt für seine waghalsigen Abfahrten. Der ehemalige britische Profi-Rider Ben Walker hat auf französischem und Schweizer Boden weit verzweigte Trails in die Alpenlandschaft gezaubert. Wer auf Speed, Nervenkitzel und technische Herausforderungen steht, ist hier goldrichtig.

Jérôme Hunziker bastelte bereits als Teenager an Kurven und Rampen – auch wenn er dafür oft keine

Erlaubnis hatte. Heute bauen er und sein Bruder mit ihrem

Unternehmen die besten

Trails der Schweiz. Ein

Gespräch über die ideale

Linie, künstlerische Freiheit und seine Lieblingsstrecke.

the red bulletin: Wie baut man den perfekten Bike-Trail? jérôme hunziker: Wenn wir ein neues Projekt in Angrif nehmen, haben wir eine Idealvorstellung. Und dann schauen wir, was möglich ist. Die Ausgangslage ist nicht so, dass wir auf den Bagger steigen und nach Lust und Laune präparieren können. Es gibt viele Auflagen; Amts- und Fachstellen schauen einem auf die Finger, was ja auch gut ist.

Wie viel Kompromissbereitschaft braucht es bei so einem Projekt? Wir können meist nicht fünf Strecken an einem Berg bauen, dafür fehlt der Platz. Wir versuchen darum, in einen Trail so viele Schwierigkeitsgrade einzubauen wie möglich. Das heisst: Die rechte Seite ist vielleicht eher etwas für Einsteiger und Gelegenheitsfahrer. Und links gibt es dann die Finessen, mit denen routinierte, anspruchsvolle Biker angesprochen werden. So funktionieren progressive Trails. Es gibt bestimmt Tiefbauunternehmen, die besser baggern können als wir. Aber ihnen fehlt dann vielleicht das Formverständnis. Einen Flowtrail, auf dem man fast mit den Stützrädern runterkommt – wir sagen dazu «Chügelibahn» –, kann jeder bauen. Aber es kommt eben auf die Nuancen an.

Seit wann beschäftigt ihr euch mit dem Bau von Trails und Bikeparks? Wir waren schon als Teenager begeisterte Biker und haben die Tage damit verbracht, im Wald oder auf den Feldern von Bauern

Schanzen und Trails zu basteln, auch wenn wir dafür nicht immer die Erlaubnis hatten. Ernsthaft angefangen haben wir 2009 mit einem Slopestyle-Event in der Eishalle Thun. So sind wir in die Bauszene reingerutscht. Als blutige Anfänger. Wir proftierten davon, dass mein Bruder Ramon einer der besten Freerider im Land war und als erster Schweizer überhaupt an der Red Bull Rampage teilgenommen hat. Das hat uns gewisse Kredibilität gegeben, mein Bruder war in den Anfangsjahren fast immer das Versuchskaninchen. Heute beschäftigen wir 15 Mitarbeiter. Und jeder, der bei uns arbeitet, ist selbst ein aktiver Fahrer.

Das heisst, ihr baut die Trails auch für euch?

Auch, ja! Für uns fühlt sich das schon ein bisschen so an, als könnten wir unsere Träume ausleben. Nicht jeder hat das Privileg, sein Hobby zum Beruf zu machen. Wir sind oft auf dem Velo. Und holen uns

so Inspiration. Selbst wenn wir mal einen Trail fahren, der uns nicht behagt, erweitert das den Horizont. Dann weiss man, wie man es nicht machen will. Im Ausland beobachten wir, dass die Trailbauer teilweise echte Künstler sind. Da wird tagelang an einer Trockenmauer gearbeitet, die man für einen winzigen Sprung nutzen kann. In der Schweiz ist so etwas nicht zu fnanzieren.

Fliesst auch Feedback aus der Community in die Strecken ein?

Auf jeden Fall. Wir haben viele Biker, die uns bei Bauprojekten immer wieder unter die Arme greifen. Generell ist die Szene ja recht unübersichtlich geworden. Rund um unsere Heimatstadt Thun gibt es ein ganzes Netz an Bikeparks, Pumptracks und Trails, in der Bike-Infrastruktur hat sich extrem viel getan. Wenn dir früher am Thunersee ein Biker entgegenkam, hat man den persönlich gekannt. Heute ist das Mountainbiken Volkssport.

DER TRAILBAUER
Jérôme Hunziker steckt mit seinem Bruder Ramon hinter der Flying Metal Crew, einem in Thun angesiedelten Unternehmen, das Bikeparks, Flowtrails und Pumptracks baut.

Dieses kleine, aber feine Urgestein unter den Schweizer Bikeparks befindet sich in einer Transformationsphase und wird von den Trailbauern der Flying Metal Crew behutsam in die Moderne überführt: Bestehende Trails werden modernisiert, neue Attraktionen befinden sich in der Mache. Jérôme Hunziker von der Flying Metal Crew sagt: «Wir wollen das Wiriehorn zurück in die Top 5 der hiesigen Bikeparks bringen. Das Potenzial ist enorm.» DER TRADITIONELLE

Unter der Ägide von Fabrice «Trifon» Tirefort ist im Unterwallis ein berauschender Bike-Spielplatz für Adrenalinjunkies entstanden. Schon heute jagen neun Downhill-Trails den Puls hoch, bald wird zwischen Verbier und Le Châble mit 1600 Metern die grösste Höhendifferenz der Schweiz zu bewältigen sein. Neben den waghalsigen Abfahrtsstrecken gibt es etliche Enduro-/xC-/E-Bike-Trails, auf welchen nicht nur routinierte Biker auf ihre Kosten kommen. DER PULSTREIBER

Lenzerheide

DAS WELTCUP-ERLEBNIS

Von 19. bis 21. Juni gastiert der MTB Weltcup-Tross erneut in Lenzerheide, auf der Strecke, auf welcher der Lokalmatador und Bike-Kingdom-Botschafter Nino Schurter 2015 Weltmeister wurde. Knapp 80 Prozent der Weltcup-Strecke «STRAIGHTline» sind im Park befahrbar, was jedem Rider die einmalige Möglichkeit gibt, das unvergleichliche Weltcup-Feeling unabhängig vom Datum selbst zu erleben.

Ist das Publikum anspruchsvoller geworden?

Ich glaube, das war es schon immer. Ich fnde es erfreulich, wie viele Menschen sich heute für diesen Sport begeistern. Die Jugend von heute fährt auch viel besser, als wir das früher taten. Mit vierzehn hatten wir keine Ahnung, heute schauen die Teenager sich die Red Bull Rampage-Videos an und können schon die schwierigsten Trails fahren. Da staune ich immer wieder.

Gibt es eine Lieblingsstrecke?

Für mich persönlich Les Dents du Midi/ Champéry, die ja auch Teil von Red Bull Downtime ist (siehe Infokasten rechts unten; Anm.). Schnell und steil ist es da, das mag ich.

Gibt es Trends in der Bike-Szene, die ihr beim Streckenbau berücksichtigt? Ja, aktuell beschäftigt uns, dass die Trails füssig zu fahren sind, aber doch naturbelassen bleiben. Das heisst: Man baggert einen Hügel eben nicht weg, sondern macht eine Welle daraus. Es darf auch Wurzeln und Steine im Trail haben.

Apropos Nachhaltigkeit: Wie sieht es mit dem Unterhalt aus?

Der hängt von der Frequenz ab. Bereits bei der Planung und beim Bau wird der Erosion durch Wetter und Nutzung Rechnung getragen. Da konnten wir über die Jahre viel Erfahrung sammeln. Aber grundsätzlich werden die Trails jedes

Jahr mit unserer Spezialmaschine bearbeitet. Da werden Bremslöcher gefickt, Steine weggeräumt, Entwässerungen durchgeführt. Und alle drei bis vier Jahre gibt’s eine leichte Sanierung.

Wie lange dauert es, bis ein Projekt fertiggestellt ist?

Das ist unterschiedlich. Im besten Fall ein Jahr, bei Pumptracks in Sportzonen ist das so, wenn man wirklich Vollgas geben kann. Wir haben aber auch Anlagen, bei denen wir uns seit zehn Jahren in der Planung befnden, ohne dass je eine Schaufel in den Boden gesteckt wurde. Da gibt es hier noch ein Gutachten, dort neue Besitzverhältnisse. Aber wir haben einen langen Atem, auch das wird klappen.

Seit kurzem ist die Flying Metal Crew für den Bikepark Wiriehorn zuständig. Wie sehen eure Pläne aus?

Es ist einer der ältesten Bikeparks der Schweiz, und unser Anspruch ist es, ihn zu neuem Glanz zu führen. Wir sind dran, alle bestehenden Strecken zu sanieren und auf den neuesten Stand zu bringen. In einem zweiten Schritt werden wir neue Trails bauen. Das Potenzial ist riesig. Und natürlich freuen wir uns, dass das Wiriehorn ein Red Bull Downtime-Stopp ist. Das ist ein wichtiges Gütesiegel und steht exemplarisch für das Vertrauen, das man uns entgegenbringt.

Instagram: @flyingmetalcrew

Red Bull Downtime

ist die Chance, dein Downhill-Können unter Beweis zu stellen. In den vier ausgewählten Bikeparks kannst du an den folgenden Renn-Weekends sooft du willst an den Start gehen und deine persönliche Bestzeit fahren. Die schnellsten Rider jedes Tracks werden an einen Red Bull Bike Event in Europa eingeladen – als Gäste, wohlgemerkt.

Termine

Verbier: 25.– 26. Juli, Champéry –Les Crosets – Morgins: 15. August, Lenzerheide: 22. August, Wiriehorn: 19.– 20. September

STYLING: ROSIE
SYKES, HAARE UND MAKE-UP: MARSHA RYAN

Mit drei brachte ihr ein Onkel das Rappen bei, mit 20 landete sie mit «Bong Bing» ihren ersten viralen

Ihr Rap ist hart und düster, ihre Lyrics rasiermesserscharf: Cristale De’Abreu ist der aufgehende Stern der britischen Hip-Hop-Szene. Aufgewachsen im toughen Arbeiterbezirk Brixton, hat die Musikerin und Schauspielerin eines gelernt: mehr zu wollen.

CRISTALE CLEAR

Hit: The Red Bulletin traf Cristale zum Fotoshoot in Brixton.

Das Video zu ihrem Track «Regular Citizen» zeigt Cristale De’Abreu in einem altmodischen Süsswarenladen, umgeben von bunten Glasgefässen. «Life’s good, but I want more», singt die Rapperin aus South London und legt dann nach: «I love what I have, but I want way more.» Das sind mehr als ehrgeizige Rap­Lyrics. Doch wer um die Atemlosigkeit in Cristales bisherigem Leben weiss, hat wenig Zweifel, dass dieses «more» kommen wird.

Mit 25 Jahren hat Cristale De’Abreu Träume verwirklicht, die andere ihr Leben lang verfolgen: Sie spielte Fussball, studierte Illustration an der University of the Arts London, gewann Poetry Slams und stand vor NetfixSerien­Kameras. Jetzt ist Musik dran. Und das auf ihre eigene Art: Cristale liefert rasiermesserscharfe Wortspiele und konstruiert komplexe Reimgebilde über harten Londoner Drill genauso

selbstverständlich wie über karibischen Dancehall. Toddla T, der Produzent hinter Musikern wie Stormzy oder der Hip­Hop­Formation Kneecap, bezeichnete sie letztes Jahr in seinem Podcast als «baby GOAT» und sagte: «Es gibt im Rap eine Richtung, die man kaum noch hört – das reine Handwerk mit Sprache. Wenn ich Cristale höre, erinnere ich mich daran, warum ich dieses Genre so liebe.»

Insider begeistert Cristale schon länger. Ein breites Publikum erreichte sie mit ihrer Schauspiel­ und Rap­Rolle in der dritten Stafel der Netfix­Hitserie «Top Boy» (2023) – dort performte sie ihren Track «Roadents» – sowie einer Nominierung als Best Hip Hop Act bei den diesjährigen MOBO Awards, dem wichtigsten britischen Preis für Hip­Hop und Black Music. Jetzt bereitet sie ein Mixtape vor: ihre erste grössere Eigenveröfentlichung.

Wortspiele in atemraubendem Tempo: Das ist der Kern von Cristales zwischen Rap, Dancehall und Grime angesiedelter Musik.

«ICH SAGE IMMER: ‹LITTLE SIMZ

WACKELT NICHT MIT DEM

HINTERN – WARUM SOLLTE ICH DAS ALSO TUN?›»

An einem Dienstag sitzt Cristale in einem Kaufhauscafé in Brixton, schwarzer Trainingsanzug, heisse Schokolade und ohne ihre charakteristischen vergoldeten Zahnkappen, den Grills, ihrem Markenzeichen. Niemand würde sie auf den ersten Blick für einen aufgehenden Stern der britischen Rapszene halten. «Wer mich kennt», sagt sie mit ruhiger, klarer Stimme, «der weiss, dass ich zu viel mehr fähig bin als zu dem, was ich bisher gemacht habe. Es fühlt sich an, als würde ich erst am Anfang stehen. Und als würde etwas viel, viel Grösseres noch kommen.»

Cristale macht ihr Ding. «Ich will mir nicht das Leben von jemand anderem anschauen und sagen: ‹Das will ich auch.› Damit verbaue ich mir vielleicht meinen eigenen Weg», sagt sie. Eine kleine Ausnahme von dieser Regel gestattet sie sich dennoch: Cristale hat grossen Respekt vor der Musikerin Little Simz, der einzigen Frau, die in mehr als zwei Jahrzehnten den MOBO Award als Best Hip Hop Act gewonnen hat. Der Respekt beruht auf Gegenseitigkeit: Simz hatte Cristale vor der Award-Verleihung Glück gewünscht – und hinterher gratuliert. «Als ich anfng, habe ich immer gesagt: ‹Little Simz wackelt nicht mit dem Hintern –warum sollte ich das tun?›», erzählt Cristale. «Sie hat so viel erreicht, ohne sich zu verstecken. Wer sagt, dass ich nicht genauso weit gehen kann – vielleicht sogar noch weiter –, ohne meine Überzeugungen aufzugeben?»

Cristale rappt Drill – eine harte, düstere Version des Rap, die in London gross wurde. Aber sie bringt etwas rein, das in diesem Genre selten ist: Verletzlichkeit. Im Track «Antisocial», den sie bei den MOBO Awards 2024 performte, spricht sie über ihre ziemlich behütete Kindheit,

darüber, dass sie nicht zu Black-LivesMatter-Protesten durfte, und darüber, wie unbeholfen sie sich auf Partys fühlt. Zwischendurch zitiert sie John Steinbeck.

Cristales Single «Ready 2 Go» hat eine spielerische, unaufgeregte Energie. «I drink San Pellegrino», rappt sie trocken. «If life gimme lemons, I’ll make a mojito.» 2023 wurden sie und die ebenfalls aufstrebende MC TeeZandos im Internet als Rivalinnen aufgebaut. Dass die Szene von Männern dominiert wird, mag dabei eine Rolle gespielt haben. Doch anstatt das Konkurrenz-Narrativ zu bedienen, entschied sich Cristale zur Zusammenarbeit. «Man hat versucht, uns gegeneinander auszuspielen», sagt sie. «Wir haben uns eines Tages getrofen und sind ins Studio gegangen, einfach um sicherzugehen, dass alles cool ist – und daraus ist etwas richtig Starkes entstanden.» Das gemeinsame Freestyle-Video für die YouTube-Reihe «Plugged In» wurde über zwölf Millionen Mal angesehen. «Ich habe keine Clique in der Musik», sagt Cristale. «Ich gehe meinen Weg allein. Manchmal fühlt sich das nach Aussenseiterin an – aber ich bin daran gewöhnt.» Cristale wuchs in Brixton auf, einem Londoner Stadtteil mit starker afrokaribischer Community, in einem Haushalt mit karibischen Wurzeln – Dancehall, USHip-Hop und UK-Grime liefen im Hintergrund. Mit drei Jahren brachte ihr ein Onkel das Rappen bei. Er schrieb ihr erste Zeilen. Sie lauteten «My name’s Cristale but I haven’t had a sip», Cristale gewann damit mehrere Schultalentshows. Doch eigentlich wollte sie ja Fussballerin werden. Mit 14 wurde sie von Crystal Palace FC gescoutet, trainierte mit Prof-Ambitionen in den Nachwuchsteams der 16und 18-Jährigen. Dann der Querpass ins

VIER TRACKS, DIE CRISTALE GEPRÄGT HABEN

CHIP – COWARD (2015) «Die Instrumentation und diese Art, sich im Rhythmus zu bewegen –das hat mich schon als Kind fasziniert.»

BUJU BANTON – BOGLE (1992) «Meine Mutter hörte diesen Song schon, bevor ich geboren war. Man kann sagen: Als ich ‹Bong Bing› gemacht habe, wusste ich unbewusst, wie man einen Tanzsong baut.»

BUSTA RHYMES – PUT YOUR HANDS WHERE MY EYES COULD SEE (1997) «Der Rhythmus, die Energie, der Flow, wie die Atmung bei dem Song kontrolliert wird

alles daran ist wahnsinnig inspirierend.»

LAURYN HILL –NOTHING EVEN MATTERS (FEAT. D’ANGELO) (1998) «The Miseducation of Lauryn Hill» ist mein Lieblingsalbum aller Zeiten. Dieser Track erdet mich komplett.»

Drill ist eine härtere Version von Rap. Cristale verleiht dem Stil mit ihrer Verletzlichkeit eine ganz eigene Note.

Abends ist sie im Gym und nimmt ein Video auf, das sie am nächsten Tag postet: Als Cristale das nächste Mal auf ihr Handy blickt, hat das Video zu «Bong Bing» 100 000 Aufrufe.

«DER SONG ‹BONG BING› HAT MEIN LEBEN VERÄNDERT. BIS DAHIN HABE ICH AN MICH GEGLAUBT. ABER

NICHT DARAN, DASS ANDERE DAS AUCH TUN.»

akademisch-künstlerische Fach: Sie studierte Illustration an der University of the Arts London. «Viele Leute haben meiner Mutter und mir gesagt, ich würde nie etwas erreichen», sagt sie. «Wegen meiner Herkunft aus Brixton. Man prophezeite mir, dass ich mit 17 alleinerziehende Mutter sein würde. Tatsächlich habe ich mit 17 meine A-Levels (die britische Maturität, Anm.) gemacht.»

Eine vorübergehende Trennung von ihrem langjährigen Freund zu Beginn der Oberstufe brachte sie zu ihren ersten Freestyles. Sie legte ihre Zeilen über Drakes Track «From Time» und postete das Ergebnis auf Instagram. Sie nahm erste Tracks im Studio auf und drehte Videos für YouTube – übrigens auf Anraten ihres Vaters. Die Szene wurde schnell aufmerksam. Als Erster meldete sich der Rapper Temz aus Leeds für eine Kollaboration, kurz darauf kam das Angebot, bei 4ZA zu signen, einer neuen britischen Label-Partnerschaft zwischen Sony Music und Black Butter Records.

Anfang 2022 nahm sie mit dem jamaikanischen Dancehall-Star

Laa Lee den Track «Bong Bing» auf – und rappte erstmals im jamaikanischen Patois statt in ihrem eigenen Londoner Akzent. Cristales Freund ist Tänzer. Bei einer Spätnacht-Gym-Session improvisierten sie ein paar einfache Moves zum Song und nahmen das Ganze in wenigen Video-Takes auf. Cristale postete den Clip beiläufg am nächsten Tag, während sie ihrer Grossmutter die Haare focht. Als sie das nächste Mal auf ihr Handy blickte, hatte das Video 100 000 Aufrufe. Cristales erster viraler Hit entstand zwischen Gym und Haarefechten.

«MEIN ERSTES MIXTAPE IST ZIEMLICH PERSÖNLICH, KEINE FEATURES. NUR ICH. ES GEHT UM EINE REISE ZUR KLARHEIT.»

Das halbe Internet begann, eigene Versionen des Tanzes hochzuladen –von einem Pärchen vor einer ägyptischen Pyramide bis zu US-TV-Star RavenSymoné in ihrem Wohnzimmer. Infuencer posteten «Bong Bing»-Dance-Tutorials. Bis heute wurde der Track in mehr als einer halben Million TikTok-Videos verwendet und hat über elf Millionen Streams auf Spotify. «Es war so crazy», sagt Cristale. «Dieser Song hat mein Leben verändert. Bis dahin habe ich an mich geglaubt – aber nicht daran, dass andere das auch tun würden.»

Seitdem überschlagen sich die Ereignisse. Im Juni 2022 erschien Cristales Debüt-EP «What It’s Like to Be Young», es folgten Festivalauftritte in London, New York und Jamaika, Ende des Jahres eine MOBO-Nominierung als Best Newcomer. Und dann kam das Kino: Sie spielte im dystopischen Thriller «The Kitchen», inszeniert von Oscarpreisträger Daniel Kaluuya. Und dann «Top Boy»: Der Music Supervisor der Netfix-Serie lud sie ein, einen Track zu schreiben. Cristale ging in ihr Zimmer, spielte einen Loop auf dem Laptop ab und kam mit einem harten, schnellen Track voller Wortspiele heraus – «es war einer der härtesten, die ich je gemacht habe». «Roadents» landete in Episode zwei der dritten Stafel. Heute kennt das Publikum bei Live-Auftritten jeden Text auswendig. «Das erste Mal, als das passierte», sagt sie, «war ich geschockt.»

«Mein jüngeres Ich würde das alles meinem heutigen Ich nicht glauben», sagt Cristale. «Sie würde nicht glauben, dass sie Grills hat. Sie würde nicht glauben, dass sie auf Plakatwänden zu sehen ist und eine Million Follower auf TikTok hat. Sie würde nicht glauben, dass sie Musik machen kann.»

Fünf Jahre im Musikgeschäft haben Cristale eines gelehrt: wie schwierig es ist, sich selbst treu zu bleiben, wenn der Erfolg früh kommt. Im April letzten Jahres trennte sie sich von ihrem Label,

sicherte sich die Rechte an ihren unveröfentlichten Master-Aufnahmen und veröfentlicht seitdem unabhängig. Die Association of Independent Music nominierte sie prompt für den «One to Watch»Award 2025.

Gemanagt wird sie jetzt von ihrer Mutter Marsha, die sie ins Studio, auf internationale Shootings und über rote Teppiche begleitet. «Wenn meine Mum nicht dabei wäre, hätte man mich wahrscheinlich schon ein Dutzend Mal übers Ohr gehauen», sagt sie. «In dieser Branche kann man niemandem vertrauen.» Mutter und Tochter wohnen noch immer zusammen in dem Brixtoner Haus, in dem Cristale aufgewachsen ist.

Das Tempo in Cristale De’Abreus Leben bleibt atemberaubend hoch. 2025 trat sie beim Red Bull Culture Clash auf und steuerte einen Track zu einer Kollaboration mit dem amerikanischen DJ Drama bei. Ihr Debüt-Mixtape soll noch im heurigen Jahr erscheinen. «Es ist ziemlich persönlich», sagt Cristale. «Keine Features. Nur ich. Es geht um eine Reise zur Klarheit, darum, das eigene Leben auf die Dinge auszurichten, die einen wirklich weiterbringen.»

Cristale will vieles: vor 100 000 Menschen auftreten, mehr schauspielen, wieder Fussball spielen, ein Bildungsprogramm für junge Menschen in Brixton aufbauen. «Can’t say nothing could never be me», rappt sie in «Regular Citizen», «’cause when life starts lifng, anything’s possible.»

Als Cristale ihre heisse Schokolade austrinkt, sagt sie: «Man muss geduldig sein. Und bereit. Solange du dich selbst kennst und jeden Tag kreativ bist, kommt alles andere von selbst.»

Instagram : @cristaleyy

RISE & SHINE CRISTALES WEG

2020

Erste Studioaufnahme

2021

Unterschrift beim Label 4ZA

2022

Viraler Hit «Bong Bing»; MOBO-Nominierung als Best Newcomer 2023

Schreibt den Song «Roadents» für die Serie «Top Boy»

2024

Rolle im dystopischen Film «The Kitchen» (oben)

2025

MOBO-Nominierung als Best Hip Hop Act 2026 (geplant)

Debüt-Mixtape

Cristale hat grosse Pläne: vor 100 000 Menschen auftreten, mehr schauspielen, wieder Fussball spielen. Sie sagt aber: «Man muss geduldig sein.»

Mission erfüllt: Mithilfe der Red Bull Air Force rekonstruierte Khare Tom Cruise’ berühmten Flugzeugstunt aus «Mission: Impossible –Rogue Nation» (2015).

READY FOR TAKE-OFF

Schafft sie die Hell Week der Navy SEALs? Oder den Entfesselungstrick von Houdini? Die US-Amerikanerin Michelle Khare ist ein Action-Star der neuen Generation. In ihren YouTube-Videos stellt sie sich ihren grössten Ängsten – und Millionen schauen zu.

Text Sheila Yasmin Marikar & Peter Flax Fotos Jim Krantz

Von aussen wirkt Michelle Khares Büro wie ein Haus unter vielen hier in Burbank, Kalifornien: kubische Formen, glatte weisse Wände, offene Fensterfächen. Umso ungewöhnlicher wird es im Inneren. Da hängen ein Basecap mit Secret­Service­Logo und ein Schild mit der Aufschrift «Madame President» an der Wand, im Regal steht eine Biografe des legendären Entfesselungs­ und Zauberkünstlers Harry Houdini. Ins Auge springt, passend dazu, ein Poster im Stil klassischer Film­noir­Plakate: Darauf steckt Khare im schwarzen Badeanzug kopfüber in einem Wassertank. Sie ist mit Ketten gefesselt.

Das Bild zeigt eine Szene, die sich tatsächlich zugetragen hat, als Zitat des legendärsten Houdini­Tricks. Michelle Khare musste mehr als zweieinhalb Minuten lang die Luft anhalten, ehe sie sich aus den Ketten und dem Wassertank befreit hatte.

«ES

GING NICHT NUR DARUM, DIE SACHE ZU ÜBERLEBEN. ES GING DARUM, DABEI BADASS AUSZUSEHEN.»

Die meisten Requisiten aus Michelle Khares YouTube­Filmen und Andenken an ihre denkwürdigsten Auftritte lagern im Keller des Hauses. «Sieh mal, damit habe ich mich in die ‹Mission: Impossible›Premiere geschlichen», sagt Khare und zieht die Folie von einer Latexmaske, die einen weisshaarigen Greis zeigt. «Ich hatte die Wahl: Entweder ich ziehe ein hübsches Kleid an und hoffe darauf, Tom Cruise zu treffen und ein Foto mit ihm zu kriegen. Oder ich gehe aufs Ganze.» Sie entschied sich für Letzteres und bekam ein Foto mit Tom Cruise, als sie sich auf dem roten Teppich die Greisenmaske vom Gesicht riss.

«Aufs Ganze gehen» kann man durchaus als Khares Lebensprinzip sehen. In den vergangenen sieben Jahren schaffte es die heute 33­ Jährige mit ihrer YouTubeDokureihe «Challenge Accepted» auf

mehr als fünf Millionen Abos. In der Reihe absolviert sie Prüfungen aller Art: 911­Notrufe entgegennehmen, vom Kampfsport­Neuling in 90 Tagen zum Schwarzgurt werden oder den berühmtesten Schauspieler der Welt auf dessen eigener Premiere verblüffen.

Als Actionstar der neuen Art ist für Khare der Weg zum Stunt ebenso Teil der Show wie der Stunt selbst. Sie führt uns in den oberen Stock des Hauses, in ein schlichtes Konferenzzimmer. «Hier haben wir den Flugzeug­Stunt geplant», sagt sie.

Mit «Flugzeug­Stunt» meint Khare eines ihrer jüngsten und zugleich bisher riskantesten Projekte: sich aussen an einem Militärfugzeug festhalten, bei 240 km/h, ohne Fallschirm, ohne Schutzbrille. Sie trug dabei einen massgeschneiderten grauen Anzug, genauso wie Tom Cruise bei seinem Stunt in «Mission: Impossible –

Star-Qualitäten: Mehr als fünf Millionen Abonnenten folgen der YouTube-Dokuserie «Challenge Accepted». Darin stellt sich Michelle Khare mentalen und körperlichen Herausforderungen im Grenzbereich.

KHARE SCHNALLTE SICH AN EINE C-130 HERCULESMASCHINE UND STIEG 600 METER IN DIE LUFT.

Rogue Nation». Geradezu obsessiv bereitete sie sich auf das Projekt vor, unter anderem mit knallharten Drills zum Training der Oberkörper- und Nackenmuskulatur, bei hurrikanstarkem Gebläse im Windtunnel. «Es ging nicht nur darum, dass ich die Sache überlebe», sagt sie. «Es ging darum, dass ich dabei badass aussehe.»

Im Juni letzten Jahres war es so weit: Khare schnallte sich an eine C-130 Hercules. Was ihr auf 600 Meter Höhe durch den Kopf ging, nur eine winzige Unachtsamkeit von einer Katastrophe entfernt? «Festhalten und ruhig bleiben», sagt sie so entspannt, als würde sie von einer Samstagmorgen-Yogastunde erzählen. «Challenge Accepted» gibt es seit 2018. Inzwischen ist die Serie zu einem genresprengenden Koloss gewachsen – halb Dokumentation, halb Draufgänger-Performance. Und ganz Khare. Sie arbeitet sich in den verschiedenen Folgen an den Aufnahmehürden bei Eliteberufen ab: Feuerwehrfrau, NASA-Astronautin, Secret-Service-Agentin, Schachgrossmeisterin. Die Einsätze gehen immer an die körperlichen und mentalen Grenzen –und oft darüber hinaus. Schafft sie die Hell Week der Navy SEALs? Kriegt sie eine Mandantin in einem simulierten Mordprozess frei? Welche Figur macht sie als Victoria’s-Secret-Model?

Länge und Tiefe

Das Format ist YouTube-typisch – knallige Thumbnails, rasanter Schnitt –, es ist aber nicht fürs Nebenbei-Scrollen gemacht. Eine der meistgesehenen Folgen, die 90-Tage-Schwarzgurt-Challenge, dauert satte 77 Minuten. «Das ist lang, ja», sagt Khare, «aber die Folge ist dicht und schnell. Jeder Moment musste sich seinen Platz in diesen 77 Minuten verdienen.» In einer Zeit schrumpfender

Aufmerksamkeitsspannen liefert Khare den Beweis dafür, dass Tiefe und Länge ihr Publikum fnden – vorausgesetzt, die Geschichte trägt. «Es stimmt nicht, dass Jüngere nicht mehr aufmerksam zusehen können», sagt sie. «Menschen gehen einfach selektiver mit ihrer Zeit um. Wir sitzen nicht mehr eingepfercht im Kino wie früher. Im Kino von heute kann man sich in jeder Sekunde wegklicken. Deshalb ist es meine Aufgabe als Creatorin, Host und Produzentin, jeden einzelnen Moment mit Unterhaltung und Inspiration zu füllen.»

Khare wurde in Memphis, Tennessee, geboren, wuchs aber in Shreveport, Louisiana, auf – einem Ort, an dem das Kino, wie sie sagt, «so etwas wie unsere Kirche» war. «Es gab nicht viel anderes zu tun», erzählt sie, «also gingen wir jedes Wochenende ins Kino.» Ihr Vater, eingewandert aus Indien, lernte Englisch, indem er Actionflme im Original sah; Streifen mit Tom Cruise liefen daheim auf und ab. «Filme waren Teil unserer Familie. Wir gingen gemeinsam ins Kino, danach diskutierten wir stundenlang, was uns gefel und was nicht.»

In der Schule passte Khare in kein Raster. Sie nahm an Wissenschaftswettbewerben teil und qualifzierte sich für die US-Nachwuchsmeisterschaften im Fechten; sie liebte Taekwondo ebenso wie Differenzial- und Integralrechnung. «Einer meiner Lieblingssprüche lautet: ‹Ein Alleskönner ist zwar Meister in nichts, aber oft besser als ein Meister in einer Sache.› Die meisten kennen nur die erste Hälfte des Spruchs.»

Später studierte sie Digital Media Technology, belegte Code-Seminare, vertiefte sich in alles, was mit Film zu tun hat. Es folgten Praktika, dann wechselte Khare als Produzentin zu BuzzFeed – damals, Mitte der 2010er, der Prototyp des viralen Digital-Publishers. «Schreiben, drehen, spielen, Regie führen, schneiden, hunderte Videos in zwei Jahren. Ich lernte zu scheitern – und schnell wieder aufzustehen.»

Zur selben Zeit unterschrieb sie einen Vertrag als Radrennfahrerin. Das hiess:

unter der Woche neben dem Bürojob wie eine Prof-Athletin trainieren, am Wochenende quer durch die USA zu Rennen fiegen. Der Zeitplan war auf Dauer nicht durchzustehen. Doch sie wollte weder das eine noch das andere aufgeben. Also suchte sie einen dritten Weg: «Ich dachte: Was, wenn ich meinen sportlichen Ehrgeiz, meine Neugier und meine Leidenschaft fürs Storytelling verbinde?» Aus diesem Gedanken entstand «Challenge Accepted». Manche der frühen Folgen dauerten nur vier Minuten, andere – etwa das Training für Victoria’s Secret – mehr als zwanzig. «Wir analysierten die Zahlen und waren erstaunt: Die längeren, aufwendigeren Filme performten am besten», sagt Khare. «Also fragten wir uns: Was, wenn wir uns auf wenige, aber umso grössere Projekte konzentrieren?»

Eine Ego-Sache

Je grösser das Projekt, desto grösser der Aufwand und das Risiko, auch das wirtschaftliche – und Rückschläge gab es reichlich. In einer Folge belegte sie einen Crashkurs an der renommiertesten Butler-Akademie der Welt in den Niederlanden und – Spoiler – fel durch. Ihre «90 Tage zum Schwarzgurt»-Reise scheiterte letztendlich am Ziegel, den sie mit der Handkante nicht durchschlagen konnte. «Ich ging trotzdem weiter jeden Samstag in den Unterricht», sagt sie. «Ich dachte: Egal ob es im Video landet oder nicht, ich werde diesen Ziegel brechen.»

Sechs Monate später, es war Tag Nummer 264, zerbarst der Ziegel unter ihrer Handkante. Das Video ist auf Instagram zu sehen: Khare durchschlägt den Ziegel zum ersten Mal, auf ihren Kampfschrei folgt ein fast verwunderter Schrei der Erleichterung, ehe sie in Tränen ausbricht. «Ironischerweise war es dann irgendwann gar nicht mehr nötig, dass ich den schwarzen Gurt am Ende doch schaffe», sagt sie. «Es war mehr eine Ego-Sache. Das Stärkste an der Geschichte war, das ehrliche Scheitern zu zeigen.»

Einfach durchziehen

Bei manchen Herausforderungen mag das Scheitern dramaturgisch reizvoll sein, bei anderen wäre es dramatisch –wie beim «Rogue Nation»-Stunt. «Den berühmtesten Stunt von Tom Cruise zu wiederholen, war die bei Weitem verrückteste Idee, die wir je hatten», sagt sie. «Und es war ein Riesenglück, dass wir sie gemeinsam mit Red Bull um setzen konnten.» Vom ersten Gedanken bis zur Umsetzung vergingen sechs Monate. «Viel schneller, als ich das für möglich gehalten hätte», sagt Khare.

Kettenreaktion: Nach ihrem Houdini-Stunt wurde Khare in einem Aussenpool des Goldwyn House fotografiert, der

Villa des Studiomoguls Samuel Goldwyn.

Sollbruchstelle: In einer Folge von «Challenge Accepted» versuchte Khare, in nur 90 Tagen den Schwarzgurt in Taekwondo zu schaffen. Sie scheiterte – erreichte ihn rund sechs Monate später aber doch. Teil der Abschlussprüfung: einen Ziegel mit der blossen Hand in zwei Teile brechen.

«Wir machen keine einfachen Sachen», sagt Michelle Khare. Hier wird sie am HollywoodSchriftzug in Los Angeles fotografiert.

Das Team brachte top-professionelle Partner an Bord: Safari Technologies, Hollywoods führende Kameraspezialisten in Sachen Stunts und Action, montierten einen massgefertigten Kameraarm an das Flugzeug und eine RED-Kamera auf einem gyrostabilisierten Halterungssystem an einen Helikopter, der – gefogen vom Red Bull Air Force-Piloten Aaron Fitzgerald – die Maschine während des Stunts umkreiste. «Wir hatten eine komplette Luftfahrt-Crew, wie bei einer Hollywood-Produktion», sagt Khare. «Ich trug einen grauen Anzug wie Tom im Film, keine Schutzbrille, nur massgefertigte Sklerallinsen zum Schutz. Ein einziges Steinchen im Auge bei dieser Geschwindigkeit, und es ist vorbei – das ist, als wärst du von einer Pistolenkugel getroffen worden.»

Risiko Fallschirm

Der furchteinfössendste Teil der Challenge? Khare musste auf die Sicherung durch einen Fallschirm verzichten. «Ein Fallschirm wäre in so einem Setting kein Sicherheitsfaktor, sondern ein zusätzliches Risiko», erklärt sie. «Wenn er sich öffnet, während du aussen festgeschnallt bist, wirst du in Sekundenbruchteilen zum Fixpunkt – das kann dich ernsthaft verletzen.» Als einzige Rückversicherung blieb ein vereinbartes Handzeichen als Signal an die Leute im Flugzeug, die Tür zu öffnen und Khare im Notfall blitzschnell ins Innere zu ziehen. «Mehr Spielraum gab es nicht.»

Einige der wichtigsten Trainingseinheiten galten der Psyche. Unter Anleitung von Sean MacCormac von der Red Bull Air Force absolvierte Khare mehrere Sessions im Indoor-Windtunnel. «Sie drehten die Windstärke auf weit über 200 km/h, dann simulierten wir den Stunt», sagt sie. «Sean liess mich die Szene in allen erdenklichen Variationen durchspielen: wie es perfekt laufen, was alles schiefgehen könnte. Ich sollte, egal was passiert, den Atem kontrollieren und Ruhe bewahren. Denn ein grosser Teil eines gelungenen Stunts ist die Per formance: immer souverän bleiben, zur Kamera schauen, die Augen offen halten.» Sie absolvierte Atemübungen und gezieltes Training, um dem enormen Druck der Windströmung auf Nacken und Schultern standhalten zu können.

«EINE ACTIONHELDIN

IST JEMAND, DIE IHR LEBEN IN VOLLEN ZÜGEN LEBT. UND DABEI IMMER WIEDER IHRE ANGST BESIEGT.»

«Du kannst es dir so vorstellen, als müsstest du im Orkan auf wackeligem Untergrund eine halbe Stunde lang den Upward Dog halten, wie im Yoga», sagt sie.

Auf dem roten Teppich der «Mission: Impossible»-Premiere nutzte Khare die Gelegenheit, ihr Idol nach seinem Rezept für einen Signature-Stunt der Marke Tom Cruise zu fragen. «Trainieren», sagte er. «Trainieren, trainieren, trainieren. Wissen, was man tut. Alles methodisch und sehr gründlich aufbauen.» Cruise’ Worte hallten während der beinharten Drills in ihr nach – besonders jene, die er zum Abschied zu ihr sagte: «Es geht nicht darum, vorsichtig zu sein. Es geht darum, dass du weisst, was du tust.»

Ready und fokussiert

Trotz aller Perfektion und Professionalität in der Vorbereitung: In der Woche vor dem Event plagten Khare Albträume. «Es gibt die Produzentin Michelle und die Künstlerin Michelle», sagt sie. «Die Produzentin denkt: Toll, das wird unglaublich! Die Künstlerin: Oh nein, jetzt muss ich es wirklich tun.» Auf dem Flugfeld machte es dann klick. «Die Crew war bereit, vorbereitet, ruhig. All systems go. Von einer Sekunde auf die andere waren alle Zweifel und Ängste verfogen. Ich war komplett ready, ruhig, fokussiert.»

Zurück im Schnittraum des «Challenge Accepted»-Büros in Burbank zeigt Khare eine Sequenz aus den Aufnahmen: Sie hängt an der Flanke der C-130 Hercules, kein Schrei, kein Zucken, auch als die Maschine beschleunigt und die immer stärkere Windströmung ihre Füsse von dem schmalen Tritt reisst, auf dem sie zu Beginn stand. Sie hält den Blick blinzelnd nach vorn, später nach unten –trotz ihrer Höhenangst. «Etwa auf halber Strecke wurde es sogar richtig spassig“, sagt sie und grinst. «Ich war voller Adrenalin, wie nie zuvor in meinem Leben. Ich kannte Adrenalin durch körperliche Anstrengung – das hier war Adrenalin durch pure Reizüberfutung.» Als die Maschine aufsetzte, sprang Khare zu

Boden – und liess die Tränen fiessen. «Es war der grösste Kick meines Lebens», sagt sie. «Ich werde nie vergessen, wie ich danach die Crew umarmt habe. Es war ein gemeinsamer Erfolg, zu dem alle etwas beigetragen haben.»

Es ist wohl das Wechselspiel zwischen der Produzentin Michelle und der Performerin Michelle, das sie antreibt. «Wir machen keine einfachen Sachen», sagt sie. «Wenn es nicht herausfordernd ist, ist es keine Geschichte für uns.»

An Khares Badezimmerspiegel klebt ein Post-it. Auf ihm steht: «Wenn ich heute nur ein junges Mädchen inspirieren kann, habe ich meinen Job gemacht.» Sie erklärt, was es mit der Notiz auf sich hat: «Wenn du so einen Kanal startest wie ich, denkst du am Anfang nur an Views und daran, das nötige Geld für den nächsten Dreh zu verdienen. ‹Views› klingt ja so technisch. Doch in Wahrheit sind das Menschen, die dir zusehen. Millionen Menschen, die du beeinfusst, inspirierst. Du hast Wirkung, und die zählt. Daran soll mich dieser Zettel täglich erinnern.»

Und wohin geht «Challenge Accepted»? Was sind Khares Pläne, den Erfolgskanal weiterzuent wickeln? «Das defniere ich», sagt sie. «Oder genauer gesagt: meine Angst.»

«Denn eine Action heldin», fügt Khare, hinzu, «ist jemand, die ihr Leben in vollen Zügen lebt. Und dabei immer wieder ihre Angst besiegt.»

Code scannen und die Dokuserie «Challenge Accepted» von Michelle Khare auf YouTube sehen.

BEFLÜÜÜGELT DURCH DEN SOMMER.

Sudachi - Lime

Reise / Mindgame / Musik / Events – und jetzt du!

ZWISCHEN NORDLICHT UND GRANIT

Mit dem E-Mountainbike durch Fjord-Norwegen

REISE/

SLICKROCK MIT GRIP

Von den Granitplatten am Lysefjord über die Trolltunga bis zum Nigardsbreen-Gletscher:

Hier erzählt der österreichische Trial-Fahrer Tom Öhler, wie er mit seinem E-Mountainbike die südlichen Fjorde Norwegens entdeckt.

Die Idee für diesen Trip entstand im Winter, irgendwo zwischen zwei Liftstützen in Davos. Ich war mit meiner Familie Ski fahren, gerade allein im Schlepplift unterwegs, und mein Kopf begann zu arbeiten. Welche Projekte wollte ich dieses Jahr noch umsetzen? Der Gedanke wanderte nach Norden, zu den Lofoten, wo wir drei Jahre zuvor unterwegs gewesen waren. Damals mussten wir auf dem Heimweg den Süden Norwegens auslassen, das Land der Fjorde blieb ein weisser Fleck auf der Karte.

Also schrieb ich Martin, Fotograf, Freund und Reisekollege: «Bock auf Fjord­Norwegen?» Seine Antwort kam prompt. Ein Plan war geboren. Je näher der Sommer rückte, desto stärker wurde der Wunsch, das Ganze wirklich durchzuziehen. Wir wollten gemeinsam von Stavanger bis Ålesund reisen: Trails, Fotos, Geschichten. Dann würde Martin heimfliegen und meine Frau Ines mit unserer Tochter Greta dazustossen. Abenteuer und Familienzeit in einer Reise, genau das, was ich nach Wochen voller Shows, Workshops und Shootings brauchte. Norwegen sollte die Reset­Taste sein.

Weiter nach Norden

Mit dabei: zwei E­MTBs von Haibike, Kameraausrüstung und ein Packraft. Nur der Kopf brauchte etwas länger, um anzukommen. Funktioniert das wirklich? Darf man mit dem E­Bike an all diese Orte? Ich hatte keine Ahnung. Genau das war der Reiz. Mit jedem Kilometer wuchs die Vorfreude. Der Van rollte nach Norden, hinaus aus dem heissen Alltag, hinein ins Unbekannte. Endlich wieder unterwegs!

Nach der Fähre und ein paar Stunden Schlaf in Kristiansand treffe ich Martin am Flughafen Stavanger. Der Himmel ist blau. Wir starten mit einem Burger und planen den ersten Tag: Richtung Kjerag am Lysefjord. Schon die Anfahrt ist spektakulär. Enge Strassen, Tunnel, Serpentinen hinunter nach Lysebotn. Am Abend klart das Wetter auf. Wir starten zur KjeragWanderung. Kein Wind, kein Regen, nur dieses weiche Licht über den Felsen.

Die ersten Meter auf norwegischem Granit fühlen sich magisch an: glatt, grau, eiszeitgeschliffen und erstaunlich griffig. Ich hatte mich gefragt, ob man hier überhaupt fahren kann. Man kann. Und wie!

DIE TROLLTUNGA ist der wohl spektakulärste Felsvorsprung Norwegens – und einer der surrealsten Bike-Momente der Reise.

«Am Rückweg stehe ich plötzlich an einer Klippe: Der Fels fällt hier hunderte Meter senkrecht ab. Ein Ort, der Ehrfurcht weckt.»

KÜSTENORT GODØYA Kraft tanken, bevor es hinauf zum Storhornet geht.

Zwischen nassen Felsplatten und kleinen Bächen suchen wir unsere Lines, filmen, fotografieren. Auf dem Rückweg entdecke ich eine kleine Abzweigung und stehe plötzlich an einer Klippe: Der Fels fällt hunderte Meter senkrecht zum Lysefjord ab. Ein Ort, der Ehrfurcht weckt. Kurz vor Mitternacht rollen wir zurück zum Van. Die Sonne färbt den Himmel rot. Wir schlafen auf dem Hochplateau, ohne Wecker, ohne Plan. Am nächsten Morgen trommelt Regen aufs Dach. Drinnen im Van: Kaffee, Müsli und dieses wohlige Gefühl: draussen grau, drinnen gemütlich. Neben unserem Campspot plätschert ein kleiner Bach, umrahmt von glatten Slickrock-Platten. Perfekt zum Spielen. Ich fahre technische Lines, kleine Hops, Balanceübungen. Als Martin dazukommt, entstehen in kurzer Zeit einige der besten Fotos des Trips. Dann zeigt Norwegen

MEHR ALS EIN BIKE-TRIP In Norwegen locken Weite, Stille und die Faszination wechselnden Lichts: Schafe am Strassenrand, technische Passage in Storhornet, einsame Strassen und eine Packraft-Überfahrt zum Nigardsbreen-Gletscher (v. li. o.).
«Norwegischer Granit ist rau und technisch perfekt zum Mountainbiken.»

HAFENIDYLLE

Nach Tagen in der Wildnis führen die letzten Kilometer durch die maritime Küstenstadt Ålesund.

NORWEGENS SEELE

Granit, Fjordblick und rauer Naturstein in Kjerag hoch über dem Lysefjord.

sein anderes Gesicht: Regen, tiefe Wolken, Aufbruch Richtung Trolltunga. Eine der berühmtesten Felsformationen des Landes und normalerweise überlaufen.

Wir kommen spät, der Weg gehört fast uns allein. Der Aufstieg ist eine Mischung aus fahrbaren Abschnitten, Slickrock und kurzen Tragepassagen. Oben liegt die Trolltunga fast leer im Nebel. Kurz reisst er auf und gibt den Blick auf den türkisfarbenen See Ringedalsvatnet frei. Diese Mischung aus Stille, Weite und wechselndem Licht ist pure Magie. Wir fahren ein paar Lines, ein Sprung über die Kante, nichts Wildes, aber genau richtig für diesen Ort. Die wenigen Wanderer, die da

Travel-Tipps

Wie du hinkommst

Mit dem Fahrzeug per Fähre (meist ab Hirtshals, Dänemark) oder über den Landweg via Schweden (Brückenverbindungen). Mit dem Flugzeug: üblicherweise nach Stavanger oder Bergen (Mietwagen vor Ort).

Beste Reisezeit

Hauptsaison Juni bis August (stabile Wetterlage, lange Tage). Nebensaison Mai und September (weniger Tourismus, aber kühler und wechselhafter).

sind, bleiben stehen, lachen, filmen. Norwegen eben, offen, respektvoll, ein bisschen verrückt. Der Rückweg im Abendlicht ist episch. Gegen 23 Uhr erreichen wir den Van und gönnen uns eine Dusche. Am nächsten Tag fahren wir weiter Richtung Nigardsbreen, einem Ausläufer des grössten Gletschers auf dem europäischen Festland. Der Nigardsbreen wirkt wie ein schlafender Riese aus Eis. Ich lade mein Bike auf das Packraft und paddle über den türkisfarbenen See. Am anderen Ufer verstecke ich es dann für den Morgen.

Am Rand des Gletschers

Kurz nach sechs starten wir wieder. Am Fuss des Gletschers liegen endlose Slickrock-Flächen, freigelegt vom zurückweichenden Eis. Der Grip ist perfekt, solange alles trocken ist. Wir fahren zwischen Fels und Eis, drehen ein paar Drohnen-Aufnahmen. Die letzte Etappe führt nach Ålesund. Tunnel, Brücken, Fjorde, es ist eine Fahrt durch Norwegens Seele. Auf der Insel Godøya wartet zum Abschluss ein Trail auf dem Storhornet mit Blick über Meer und Stadt. Ein würdiges Finale. Am Abend sitzen wir bei Sushi, lachen und schauen unsere Fotos durch. Dann fliegt Martin heim. Ich bleibe, putze den Van und warte auf Ines und Greta. Ich bin losgefahren, um der Hitze zu entkommen, und fand die Magie Norwegens. Und Ruhe. Diese Reise war mehr als ein Bike-Trip. Sie war die Erinnerung daran, wie frei man sich fühlen kann, wenn man einfach losfährt.

Instagram: @tom_oehler, @martinbissig

Tim ist für seine Freunde da.

Im Rollstuhl sitzt man nie allein. 2 Millionen Mitglieder machen sich für Querschnittgelähmte stark.

Werde jetzt auch Mitglied: paraplegie.ch

WOHIN FÄHRT DEIN BIKE?

Willkommen zu einer neuen RätselChallenge, die deine mentale Fitness trainiert. Dieses Mal: Bestimme die Fahrtrichtung der Räder.

Hier siehst du zwei neuartige Antriebe: Schau sie dir genau an und finde heraus, in welche Richtung es geht, wenn du vorwärts trittst. Tipp: Mit Stift kommst du schneller ans Ziel. MINDGAME/

DIE AUFGABE

Auf der richtigen Spur? QR-Code scannen und Lösung checken.

MUSIK/

READY FÜR ÜBERMORN

Mundart, Rap und Pop-Beats sind eine schräge Kombo?

Von wegen, sagen Lo & Leduc. Hier verraten sie, auf welche Songs sie abfahren.

Längst sind sie mehr als ein Rap-Duo – sie sind fester Teil des Schweizer Soundtracks. Die Berner Lorenz Häberli und Luc Oggier mixen seit langem schon Mundart-Rap mit Pop und liefern Songs, die hängen bleiben, im Kopf wie im Herzen. Spätestens seit «Jung verdammt» kennt sie hierzulande praktisch jeder. Sie schaffen den Spagat zwischen Tiefgang und Leichtigkeit. Mal geht es um durchfeierte Nächte, mal auch um grössere Fragen. Mit ihrem neuen Album «Krise als Chanson» zeigt das Duo eine etwas kantigere, politischere Seite. Der Vibe bleibt aber: smart, eingängig und ziemlich nah dran am echten Leben. Mit «Wie es ist» gibt es erstmals einen Track auf Hochdeutsch. «90 Millionen Menschen können damit theoretisch verstehen, was wir sagen», meint das Duo. Gut so, finden wir.

Instagram: @loundleduc

Rosalía Milionària

Lo: «Rosalía ist eine unserer Lieblingskünstlerinnen, seit sie 2018 das Album ‹El mal querer› rausgebracht hat. Sie hat eine starke Verbindung zu Regionalsprachen. Direkt nachdem sie, auf Spanisch singend, ihren Durchbruch geschafft hatte, veröffentlichte sie diesen Song auf Katalanisch.»

Leduc: «Den Song versteht man auch, wenn man nicht Katalanisch kann.»

The Beatles

Yesterday

Lo: «Es war schwierig, sich für nur einen Song der Beatles zu entscheiden. Ich bin mit dieser Band aufgewachsen, sie ist eine der ersten, die ich aktiv gehört habe. Wir haben auch eine gemeinsame Verbindung zu dem Lied: Vor ein paar Jahren haben wir es von ‹Yesterday› auf ‹Übermorn› umgedichtet.»

Leduc: «Wir müssen nur noch rechtlich klären, ob wir es auch rausbringen können!»

Missy Elliot

Get Ur Freak On

Leduc: «Sie ist eine Legende und fällt in die Jahre, in denen US­Rap für uns prägend war. Wir verbinden den Song mit einer bestimmten Zeit und Energie. Missy Elliot war ein Role Model für viele im Rap nach ihr. Mit Timbaland hat sie eine Soundästhetik geprägt. Merci, Missy!»

Lo: «Du kannst dir heute Missy­Elliot­Songs anhören, und sie rappt immer noch verdammt gut.»

Bad Bunny NUEVAYoL

Leduc: «Die Platte kam 2025 in der ersten Januarwoche raus, und schon war klar: Das Album des Jahres ist da! Was ich damals nicht wusste, ist, welch kulturell und gesellschaftlich wichtige Stimme Bad Bunny in dieser supertoxischen Zeit haben wird.»

Lo: «Wie Rosalía schafft er es, globale Popmusik zu machen und gleichzeitig immer wieder klar Haltung zu zeigen – ein wertvoller Kompass.»

Mit ihrem neuen Album «Krise als Chanson» ist das Duo Lo & Leduc (links Lorenz, rechts Luc) auf Tour und bereichert den Festival-Sommer.

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1 BUZZER, 4 courts, 16 points, 1 winner

23.05. - 27.06.26

qualifier AT padel house studen, RACKETS ACADEMY SALGESCH, PADEL DISTRICT AFFELTRANGEN, UNIPADEL RÜMLANG

EVENTS/

AUF DIE PLÄTZE …

16 Paare, 1 Buzzer, 1 Gewinner:

Red Bull Padel Dash Switzerland sucht die besten Teams im Land.

IMMER EIN DOPPEL

Delfina Brea

Senesi (li.) und Gemma Triay Pons beim Premier

Padel Riyadh

Season P1

DER BUZZER-BONUS

Ein Teilnehmer aus Jordanien

beim Red Bull Padel Dash World Final 2025 in Spanien

Padel boomt.

Diese Mischung aus Tennis und Squash, gespielt im Doppel auf einem kleineren Court mit Glaswänden, erobert die Welt. Mit dem Red Bull Padel Dash Switzerland bekommt nun auch die Schweiz ihr bisher dynamischstes Turnierformat. Über mehrere Wochen hinweg tourt der Event durch das Land und bringt ambitionierte Amateurspieler und die Community zusammen. Das Ziel: die besten Teams der Schweiz finden. Es treten jeweils 16 Teams zu je zwei Playern in zwei Gruppen an. Innerhalb der Gruppen gilt der Round-Robin-Modus, sodass sich darin alle Teams mindestens einmal gegenüberstehen. Gespielt wird in zwei Kategorien: Männer und Frauen. Und das mit maximaler Action: Acht Teams starten ihre Matches parallel. Anstelle des klassischen Padel-Zählsystems (15, 30, 40) zählt hier jeder Punkt direkt. Die Spiele dauern maximal sieben Minuten.

Der Buzzer-Moment. Der entscheidende Twist ist der Buzzer: Erreicht ein Team vor Ablauf der Zeit 16 Punkte, sprintet es zum roten Knopf und beendet damit alle laufenden Matches gleichzeitig. Für diesen BuzzerMoment erhält das Team einen Bonuspunkt. Damit stehen die Teams unter konstantem Druck, denn jeder Ballwechsel zählt! Die erfolgreichsten Teams qualifizieren sich für das nationale Finale am 12. September in Rümlang. Dort geht es dann nicht nur um den Schweizer Titel, sondern auch um die Qualifikation für das World Final!

Alle Stopps auf einen Blick

QUALIFIERS

23. & 24. Mai

Padel House Studen

30. & 31. Mai

Rackets Academy Salgesch 6. & 7. Juni

Padel District

Affeltrangen

27. Juni

Unipadel Rümlang

FINALE

12. September

Unipadel Rümlang

Alle Details zum Event und zur Anmeldung gibt es hier.

EVENTS/ D RIBBEL DICH HEISS

Die Temperaturen steigen. Dafür sorgen nicht zuletzt schnelle Basketball-Matches und krasse Dance-Battles.

12.

Juni bis 12. September

Deine 3 × 3-Saison

Die 3 × 3 Swiss Tour 2026 macht Station in Yverdon, Mies, Freiburg und Lausanne, bevor am 12. September das grosse Finale am Hauptbahnhof in Zürich stattfindet. Dieses Jahr steht die Basketball-Tour auch internationalen Teams offen, was diesen Wettbewerb auf ein noch nie dagewesenes Niveau hebt. Die Sieger des Finales sichern sich einen Platz bei einer Etappe der weltweit höchsten Spielklasse, der FIBA 3 × 3 World Tour. Für alle 3 × 3-Fans gibt es übrigens ein weiteres Highlight: das 3 × 3 KTC Turnier in Biel auf der Place Joran von 12. bis 14. Juni. swiss.basketball/3x3/swiss-tour

14.

bis 16. Mai

Fantasy Basel

The Swiss Comic Con ist die grösste Popkultur-Convention der Schweiz. In den Hallen der Messe Basel treffen sich Fans von Filmen, Serien, Gaming, Anime, Manga, Cosplay, Science-Fiction und Fantasy. Es gibt internationale Stargäste, Panels, eine Artist Alley, eSportsTurniere, Workshops, Ausstellungen und Wettbewerbe für Cosplayerinnen und -player. fantasybasel.ch

16.

Mai und

20. Juni

Red Bull Dance Your Style

22. bis 24. Mai

World Climbing Series Bern 2026

Bern wird zum Hotspot der internationalen Kletterszene: Die World Climbing Series bringt die besten Boulder-Athletinnen und -Athleten der Welt in die Festhalle Bern. Dort treffen Präzision, Kraft und Nervenstärke auf packende Duelle, spektakuläre Moves und eine Atmosphäre, die so richtig unter die Haut geht und niemanden kaltlässt. climbingworldcupbern.ch

Wenn die besten Tänzerinnen und Tänzer des Landes in StreetDance-Battles gegeneinander antreten, die DJs die Menge mit zeitlosen Bangers und aktuellen Sounds zum Beben bringen und das Publikum zur Jury wird … dann bedeutet das: Red Bull Dance Your Style Switzerland ist zurück! Unterstütze die Talents und sei bei den ersten Qualifikationsrunden in Solothurn und in Lausanne dabei – der Eintritt ist kostenfrei.

4.

Juli Last Rider Standing

Beim Bike Kingdom geht es um Ausdauer, Taktik und Geschwindigkeit. Dabei treten Duos «gegen» die Rothorn-Gondelbahn in Lenzerheide an: Wer die Gondel verpasst, scheidet aus. Jede Runde wird anstrengender, jede Abfahrt schneller. Nur wer clever wählt, sprintet und die Nerven behält, gewinnt. Wer wird der letzte Rider? bikekingdom.ch

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Chefredakteur

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AURA EVENT SAAL

Hier schreiben Schweizer Literaturtalente über Themen, die sie bewegen – und liefern ihren positiven Spin dazu.

Gregor Stäheli über einen Unfall, der harmlos, aber unvergesslich war

Kennt ihr diese Menschen, die ihr Fahrrad behandeln, als wäre es ihr bester Freund? Diejenigen, die ihrem Bike mehr Pfege und Aufmerksamkeit schenken als ihren Zimmerpfanzen, dem Hamster oder gar dem Lebenspartner?

So ein Mensch bin ich nicht. Mein einziges Zweirad ist japanisch und motorisiert. Abgesehen davon trift man mich viel eher auf dem Trottoir, im Tram oder Bus. Mit Fahrrädern verbinde ich allerdings meine Kindheit. Diese fand zu grossen Teilen auf dem Sattel statt. Sei das auf dem Spielplatz, dem Schulweg oder der Rückkehr nach Hause spätnachts nach einer Party. Die Damenräder unserer Mütter waren sozusagen unsere Nachtbusse, bevor es Nachtbusse gab. Sie waren schwer und fuhren schwerfällig, dafür waren sie retro. Und das war alles, was zählte.

Meine erste Erinnerung ans Fahrradfahren ist die eines Unfalls. Keine Angst, ich rede nicht von einem lebensverändernden Schicksalsschlag –dafür bin ich sehr dankbar. Das ist keine dieser tragischen Hintergrundgeschichten, bei denen sich die Produzenten einer Castingshow die Hände reiben würden. Es war ein harmloser, fast schon langweiliger Zusammenstoss. Trotzdem erinnere ich mich, als wäre es gestern gewesen:

Mein Primarschulfreund Steven und ich fuhren oft und gerne mit unseren Fahrrädern rum. Das war noch vor der Damenrad-Pubertät, in der Mountainbike-Kindheit. Wir hatten beide ein solches. Die Farben waren knallig bunt, und jede erdenkliche Stange war gefedert. Das war natürlich absolut notwendig für das Leben im geteerten Vorort. So haben wir das zumindest auf der Weihnachts-Wunschliste unseren Eltern verkauft. Steven wohnte in einer dieser Sackgassensiedlungen, bei denen alle Häuser gleich aussehen, sodass die Bewohner ihre Individualität im Design des Vorgartens austoben müssen. Die Siedlung hatte einen grossen Vorplatz, und dort verbrachten wir viel Zeit.

Eines Nachmittags fuhren wir dort im Kreis für den blossen Zweck, herauszufnden, wie schnell man im Kreis fahren kann. Alles für die Wissenschaft! Natürlich traten wir in entgegengesetzter Richtung in die Pedale, das erzeugte mehr Adrenalin. Es geschah das Unvermeidbare:

Wir prallten frontal zusammen und fogen weit durch die Lüfte. Ein Stunt wie kein anderer. Die Welt hielt den Atem an, und Stuntman Evel Knievel drehte sich irgendwo in Florida im Bett um. So kam es uns zumindest vor. In Wahrheit dauerte der Aufprall Sekundenbruchteile und sah vermutlich eher dämlich als cool aus.

Kennt ihr den Moment, wenn ein Kleinkind von der Schaukel fällt und zuerst gespannt auf die Mutter schaut, um dann zu entscheiden, ob es weinen soll? So ähnlich war das bei uns. Nachdem wir unfreiwillig von der Schwerkraft auf dem Asphalt hingesetzt wurden, schaute mich Steven an. Ich schaute Steven an. Eine vorbeigehende alte Frau mit Einkaufswagen schaute uns beide an. In dem Moment konnten wir uns nicht mehr halten. Schock und Schmerz wandelten sich in grosses Gelächter. Die alte Frau schüttelte den Kopf und lief weiter.

Dieser banale Zusammenstoss wurde zum Running Gag für die kommenden Jahre. «Weisst du noch …», «und die alte Frau …». Ein Vorfall als Eisbrecher für jedes Wiedersehen. Es reichte eine Geste von zwei zusammenprallenden Fäusten, und mindestens ein Schmunzeln war garantiert. Mit jeder erneuten Erzählung wurde die Geschichte spektakulärer, wie das mit Kindheitserinnerungen halt so ist. Der Aufprall wurde heftiger, der Flug weiter und der Blick der alten Frau schräger. Und so wandelte sich ein nichtiges Ereignis zu einer ewigen Erinnerung.

In der rosaroten Retrospektive scheinen Freundschaften früher irgendwie tiefer gewesen zu sein als heutzutage. Wahrscheinlich liegt das daran, dass der Tag mehr Stunden hatte. Wir erlebten etliche Nachmittage zusammen. Heute reicht es maximal für ein Feierabendbier – ausser man ist bereits verabredet, muss auf die Kinder aufpassen oder ist einfach viel zu müde.

In solchen Momenten wünsche ich mir einen Steven zurück. Und mit ihm die Nachmittage. Dabei wäre es so einfach, solche Sandkastenfreundschaften heute wieder aufleben zu lassen. Es bräuchte nicht viel, würde aber vermutlich auf Unverständnis stossen. Stellt euch den Blick meines Nachbarn vor, wenn ich nächsten Mittwoch bei ihm klingle und frage, ob er zum Spielen rauskommt. Wir haben bis heute noch nie ein Wort geredet, aber ich habe zwei Skateboards dabei und wir könnten auf dem Besucherparkplatz ein paar Stunden Ollies üben. Wie schräg würde wohl mein Arbeitskollege schauen, wenn ich ihn zur Übernachtungsparty einlade. Er soll Chips und M&M’s mitbringen, PlayStation 2 und die „Matrix“­DVD habe ich.

«Steven schaute mich an. Ich schaute Steven an. Eine vorbeigehende alte Frau mit Einkaufswagen schaute uns beide an. Wir konnten uns nicht mehr halten. Der Schock wandelte sich in grosses Gelächter.»

Heute erwische ich mich oft dabei, etwas zu lange in Nostalgie zu baden. So lange, dass bereits das Herz etwas schrumpelig wird. Es ist verlockend, an die Einfachheit des Damals zu denken. Wahrscheinlich ein Schutzmechanismus, um sich nicht mit der Verrücktheit des Jetzt auseinandersetzen zu müssen. Mit jeder erneuten Erinnerung wird die Kindheit spektakulärer. Die Abenteuer wirken fantastischer, die Jahre scheinen länger gewesen zu sein als die heutigen, und die negativen Erfahrungen verblassen. Die Welt drehte sich halt noch in kleinerem Radius. An einem Nachmittag beispielsweise war es ein Radius von circa vier Metern auf dem Vorplatz einer Vorstadtsiedlung.

Steven und ich drehen übrigens keine gemeinsamen Runden mehr. Erst waren wir in unterschiedlichen Klassen, dann auf unterschiedlichen Schulen und mittlerweile leben wir in unterschiedlichen Städten. Wir haben uns bestimmt fast zwanzig Jahre nicht mehr gesehen oder gehört. Aber ich bin mir sicher, würden wir uns begegnen, würde dieser Bike­Stunt von damals in den ersten Minuten erwähnt werden und damit fast zwei Jahrzehnte verpasste Lebensabschnitte überbrücken. Quasi als Jumpstarter für eine stillgelegte Freundschaft. Und es wäre wieder wie damals, ein bisschen zumindest.

Es gibt die grossen Freundschaften, die viel Pfege benötigen, dafür aber ewig halten – wie bei einem Fahrradliebhaber mit seinem stolzen Bike. Dann gibt es Freundschaften, die überleben nur kurz, etwa so wie ein neues Gravelbike am Zürcher Hauptbahnhof. Doch was man nicht vergessen darf: Es gibt noch eine dritte Gruppe. Die Freundschaften, die auch nach Jahren der Vergessenheit funktionieren würden. Ich bin mir sicher, selbst am HB gibt es ein Fahrrad, das seit Jahren dort steht – auf wundersame Weise unberührt. Vielleicht ist nach den Jahren etwas Luft aus den Reifen und die Schaltung etwas eingerostet. Aber nach ein paar Runden würde es sich irgendwie trotzdem wieder anfühlen wie früher.

GREGOR STÄHELI ist Comedian und unterhält sein Publikum auf Standup­ und PoetrySlam­Bühnen sowie online. Aktuell tourt er mit seinem ersten Soloprogramm «Out of Office». Darin geht er mit allen möglichen Absurditäten des Arbeitsalltags ins Gericht. gregorstaeheli.ch

10 Fragen an

Franjo von

Allmen

hat in Milano Cortina drei Mal Gold geholt. Doch der Ski-Star ist genauso gern auf zwei Rädern wie auf zwei Brettern unterwegs. Weil es Adrenalin bringt!

Angenehmster Begleiter unter den Skiteam-Kollegen?

Lars Rösti. Im Sommer fahren wir gemeinsam häufig Rennrad.

VIELSEITIG. Rennvelo, Trailbike, Motocross – Franjo, 24, braucht auch abseits der Piste Action. @franjo_v_allmen

Was trainierst du beim Biken mehr:

Körper oder Kopf?

Auf dem Rennrad eher den Körper. Mountainbiken gehe ich, um den Kopf zu durchlüften – und Spass mit Kollegen zu haben.

Wenn du wählen müsstest: Töff oder Bike?

Töff. Damit kommt man weiter (lacht). Aber beides macht Spass und bringt Adrenalin. Mit guter Ausdauer oder dem Enduro-Bike kommt man auch mit dem Velo ziemlich weit.

Gibt es Sachen, die du auf zwei Rädern machst und nicht postest, weil du dann Stress bekommen würdest? Nein. Natürlich nicht!

Hast du zuerst Ski- oder Velofahren gelernt?

Skifahren. Ich war zwei oder drei Jahre alt. Auf dem Rad habe ich relativ lange Stützräder gebraucht.

Mit welchem Bike bist du diese Saison unterwegs?

Mit dem Thömus Oberrider, einem leichten Trailbike mit hochwertigen Komponenten. Das neue Enduro durfte ich auch schon testen. Es ist etwas schwerer, was mehr Stabilität gibt.

Was darf an einem perfekten Bike-Tag nicht fehlen?

Kollegen, mit denen man auch über Dinge reden kann, die nichts mit Velo- oder Skifahren zu tun haben. Guter Espresso. Und ein Feierabendbier.

ich Slipknot Das tätscht!

Wenn du auf dem Rad erkannt wirst – gibst du Autogramme, oder fährst du schneller?

Wenn ich denn einen Stift dabei habe, Autogramme.

Schon ein Geniesser. Ich gebe aber auch gern Gas.

Hörst du Musik beim Biken? Ja, wenn ich mich auf dem Rennrad pushen will, höre

Neuer Citroën C5 Aircross

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