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The Red Bulletin AT 03/26

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DIE WELT VON KTM

BESUCHE DAS KTM MUSEUM

Entdecke das KTM Museum im Zentrum von Mattighofen und erlebe die Geschichten hinter den Siegen, Technologien und Helden der Marke.

Felix Krüger

fotografiert Größen der Popkultur für Magazine wie „GQ“ und „L’Officiel Hommes“ – und setzt dabei auf einen einzigartigen SnapshotStil. Für uns begleitete er Fitness-Creatorin Anna Engelschall einen Tag lang durch Lissabon. Ab Seite 34

Barbara Kaudelka

dreht, podcastet, schreibt, spricht, moderiert – und sammelt Schreibmaschinen, und das maßlos. Die Schauspielerin und Synchronsprecherin betreut für The Red Bulletin die Formate Support Squad (Seite 14) und Summer Gear (Seite 94).

Chris Eberle-Abasolo war früher Fußballer. Wenn ihm damals auch der letzte Ehrgeiz fehlte, darf er sich nun als Journalist mit Profis wie Christoph Baumgartner und Alex Schlager duellieren. Für uns hat er die Coverstory geschrieben und das Feature mit Neymar Jr. und Co. Ab Seite 47

The Red Bulletin ist im Fußballfieber und feiert mit sieben Storys Österreichs erste WM-Teilnahme seit 28 Jahren, zu lesen ab Seite 47. Als Bonustrack gibt’s dazu einen doppelseitigen Cartoon mit elf unvergesslichen WMSzenen. Findet ihr all die ikonischen Fußball-Momente im Wimmelbild? Sehr gut! Die WM kann kommen. Bereits so richtig durchgestartet ist Emma Felbermayr, eine der schnellsten Fahrerinnen in der F1 Academy. Die 19-jährige Welserin gewann schon das Hauptrennen in Shanghai und führt das Feld der heurigen Saison an. Ab Seite 76 erzählt sie, wie sie den Rennwagen „erfühlen“ will. Bei Gefühlen kennt sich auch Schauspielerin Elle Fanning aus: Ab Seite 18 erfahren wir, wie sie sich erfolgreich gegen Perfektion wehrt. Probleme gibt’s!

Viel Freude mit dieser Ausgabe, die Redaktion

Radrennfahren

Remco Evenepoel und Florian Lipowitz. Der eine explosiv, der andere schüchtern. Beide wollen im selben Team die Tour de France gewinnen.

Business Woman und Fitness-Creatorin: Die Grazerin Anna Engelschall zeigt uns ihren Alltag in Lissabon.

Mit ihren Videos trainieren

Millionen. Anna Engelschall geht es nicht um Perfektion, sondern um ein gutes Leben.

Fußball

Wie Alex Schlager, Christoph Baumgartner und Konrad Laimer beim Fußball-Highlight des Jahres punkten möchten.

Formel 1 Arvids

Aufstieg

Von der Formel 4 in die Formel 1 binnen vier Jahren – das Porträt eines außergewöhnlichen 18-jährigen Rennfahrers.

F1 Academy Leben im Turbo 76

Emma Felbermayr, 19, ist im Rahmenprogramm der Formel 1 die schnellste Frau. Wie hat es die Welserin in die Frauen-Rennserie geschafft?

83 Reise

Musik

Mindgame

Fitness

Streaming

Summer Supply

Events 103 Impressum

Kolumne 106 Schlussminute

Vom Kartsport in die Königsklasse: Arvid Lindblad, das F1-Ausnahmetalent

Austin, Texas, USA Rodeo Acosta

Der spektakuläre „Circuit of the Americas“ gilt als eine der aufregendsten Strecken im MotoGP-Kalender – ein Track, auf dem Fahrer mit viel Mut belohnt werden. Eine Strecke, wie gemacht für Pedro Acosta, der in seiner erst dritten MotoGP-Saison bereits regelmäßig Gast auf dem Siegespodest ist und seine KTM RC16 auf dem 5,5 Kilometer langen Kurs so zu bändigen wusste, dass abgebrühten texanischen Rodeo-Reitern der Mund offen blieb. Platz drei für ihn. Yippie! Hier geht es zu MotoGP-Tickets:

Nazaré, Portugal

Sturm und Drang

Es war die erste Saison überhaupt einer Österreicherin im Big-Wave-Mekka Nazaré. Und das unter erschwerten Bedingungen: Nach zwei Knieoperationen musste Christina Gindl ihren Körper erst neu austesten, bevor sie sich in die Riesenwellen stürzte. Problem Nummer zwei: Diesen Winter wurde die portugiesische Küste von besonders heftigen Stürmen heimgesucht. Christina nutzte die Zeit, um an ihrer ersten Surf-Doku zu arbeiten (Start: Juli 2026). Der Titel: „She in Storms“. Wie passend. @christinagindl

San Francisco, Kalifornien Alles aus Liebe

Als er 19 war, beendete eine Knöchelverletzung seinen Traum, Pro-Skater zu werden. Also sattelte Nico Hiraga auf seine zweite Leidenschaft um, die Schauspielerei. Seitdem ist der jetzt 28-Jährige in rund einem Dutzend Rom-Coms aufgetreten. Die Liebe zum Skaten ist ihm aber geblieben: Noch immer brettert Nico die Hügel seiner Heimat San Francisco hinunter – wenn er nicht gerade einen Switch Crooked Grind wagt wie auf unserem Bild. Dabei wird die Nose des Bretts in verkehrter Fußstellung auf einer Kante fixiert. redbull.com

Lebens

Death Valley, Kalifornien, USA Run seines

Der Berliner Ultramarathonläufer Arda Saatçi läuft durch das Tal des Todes. Am Ende seiner Red Bull Cyborg Season hat er Geschichte geschrieben, als er nach 604,6 Kilometern, 123 Stunden und unglaublichen Strapazen (Schlafentzug, Halluzinationen, Hitze, fast 6000 Höhenmeter) sein Ziel erreicht, den Santa Monica Pier in Los Angeles. Die anvisierte Zeit von 96 Stunden hat Arda überschritten, aber er hat etwas Größeres gezeigt: dass Weitermachen immer lohnt – und dass dich deine Community trägt. Millionen Menschen verfolgten Ardas Lauf, feuerten ihn an –und schufen so eine kollektive Erinnerung.

YouTube: @ardasaatci1357; Insta: @ardasaatci

Scanne den QR-Code für mehr Infos:

1839

Hallo, Sommer!

In den längsten Tag des Jahres reinfeiern – das kannst du bei Red Bull Midsummer am 20. Juni in Wien. 3000 Menschen werden dabei sein!

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Metropolen, ein Gedanke: Red Bull Midsummer findet gleichzeitig in Wien, Berlin, London, Tokio, Mumbai, New York und Los Angeles statt. Alle feiern unter der Midsummer-Sonne, verbunden über Live-Video-Streams.

16:04:42

ist es am längsten Tag des Jahres in Wien hell – also 16 Stunden, 4 Minuten und 42 Sekunden. Ab dann werden die Tage wieder kürzer!

28

Stunden feiern wir bei Red Bull Midsummer weltweit – vom ersten Beat in Tokio bis zum Sunset-Headliner in Los Angeles. Fette Party!

655.923.573

Streams auf Spotify landete der Hit „Losing It“ des australischen DJs und Musikproduzenten FISHER, der in Wien Sunset-Headliner sein wird.

eröffnete die Galopprennbahn Freudenau im östlichen Teil des Praters im 2. Wiener Gemeindebezirk. Hier steigt Red Bull Midsummer am 20. Juni von 10 bis 23 Uhr.

23, 4

Grad ist die Erdachse geneigt – deshalb erleben wir Jahreszeiten, längste und kürzeste Tage. Ohne diese Schieflage gäbe es keine Golden Hour und keinen Midsummer.

2019

wurde Tokimonsta als erste asiatisch-amerikanische Produzentin für einen „Best Dance/Electronic Album“-Grammy nominiert. Sie ist Headlinerin beim Event in L.A.

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Meter Durchmesser hat die überdimensionale Sonne, die in der Wiener Freudenau auf der Midsummer-Bühne aufgebaut wird.

183

Tage liegen zwischen dem längsten und dem kürzesten Tag. Bei Red Bull Midsummer kannst du dir selbst im Post Office als Erinnerung an die Party eine Postkarte schicken, die dann genau am 21. Dezember (dem kürzesten Tag) zugestellt wird.

und Tickets:

Feier deine Crowd!

Schauspielerin und Musikerin

Maya Hawke hat sich in Hollywood längst einen eigenen Namen gemacht. Wir analysieren ihr persönliches Netzwerk.

FAMILIE

Uma Thurman

Ethan Hawke

Stolze Eltern

Mit Mama Uma drehte sie „The Kill Room“, Ethan führte Regie bei „Wildcat“ mit Maya in der Hauptrolle. Fun Fact: Maya verehrt Taylor Swift und machte ihren Dad zum Swiftie.

Christian Lee Hutson

Ehemann und Musiker

Quentin Tarantino Regie-Legende

Unter seiner Direktive stand Maya für den GoldenGlobe-prämierten Film „Once Upon a Time in Hollywood“ vor der Kamera. Sie kennt Tarantino schon ihr ganzes Leben lang, Uma Thurman war einst seine Muse.

From friends to lovers: Hutson arbeitete mit Maya an ihren Alben „Moss“ und „Chaos Angel“. Aus dem kreativen Duo wurde mehr: Am Valentinstag 2026 läuteten die Hochzeitsglocken in New York.

Levon Hawke

Bruder und Best Buddy Musik und Schauspiel –das Talent liegt in der Familie! Die Geschwister gaben bereits gemeinsame Konzerte.

Levon war u. a. in „Marty Supreme“ neben Timothée Chalamet zu sehen.

Maya Hawke

Sofia Coppola Regisseurin

Ein Werbedreh für Calvin Klein brachte die beiden zusammen. Coppola führte Regie und war von Maya begeistert. Jahre später engagierte Sofias Nichte Gia den Jungstar für ihren Film „Mainstream“.

ARBEIT

Sadie Sink

Co-Star und Ex-WG-Kollegin Mit ihrer „Stranger Things“Kollegin verbindet Maya eine enge Freundschaft. Während der Dreharbeiten lebten sie sogar zusammen. Sadie war auch auf Mayas Hochzeit.

Zunächst als Model tätig, fasste Maya, 27, bald auch als Schauspielerin Fuß. Der Durchbruch gelang ihr als Rockin’ Robin in „Stranger Things“. Neben Schauspiel ist Musik ihre Passion; im Mai erschien Mayas viertes Album „Maitreya Corso“, US-Tour inklusive. 2026 wird busy: An der Seite von Lewis Pullmann ist sie in der Rom-Com „Wishful Thinking“ zu sehen und im November im Kinofilm „Die Tribute von Panem: Sunrise on the Reaping“. Insta: @maya_hawke

BFF

Echte Leuchte

Dieser Smart Brick denkt beim Spielen mit: Das Teil hat immer passende Sounds und Farben parat. TechChecker Kirafin baut schon mal vor.

Das Ding

Per Sensor reagiert der Smart Brick von Lego auf Bewegungen und seine Umgebung, über Tags auf konkrete Teile. So erkennt er bestimmte Figuren und kann via Lautsprecher und LEDs passende Töne und Lichteffekte generieren – zum Beispiel die Sirene und das Blaulicht eines Feuerwehr-Trucks.

Der Hype

Kirafin heißt bürgerlich Jonas Willbold, ist 31 und unterhält seine 1,3 Millionen Follower auf TikTok mit ComedyFormaten. Nebenbei folgt er seiner Faszination für Tech-Produkte und -Trends. Für uns nimmt er aktuelle Hypes unter die Lupe.

Der Check

War das Thema auf der TechMesse CES in Las Vegas. (Anm.: Aktuell in Österreich nur online erhältlich.) Videos auf TikTok performen überragend, erfolgreichster Post mit acht Millionen Views von „Beyond the Brick“.

Für mich bringt der Smart Brick eine neue Ebene ins Klemmbaustein-Game. Mit 70 Euro für das günstigste Set ist der Preis auch in Ordnung. Schlechte Nachrichten für Weltraum-Muffel: Seine interaktiven Funktionen kann der Stein bisher nur mit „Star Wars“-Sets ausspielen.

MUST-HAVE-FAKTOR

Perfekt für … … Lego-Techies, die sich bereit fühlen für eine neue Dimension.

Ungeeignet für … … Lego-Traditionalisten, für die ein Stein gefälligst ein Stein bleiben sollte.

THE COO LER B RA ND

Elle Fanning

hat sich vom Kinderstar zur Schauspielgröße entwickelt. Ihr Rezept: Sie umgibt sich mit den richtigen Menschen, folgt ihren Leidenschaften – und nimmt täglich ein Bad.

Text Rüdiger Sturm

Elle Fannings Jahre als Teenager waren nicht die einfachsten: „Ich bin schnell gewachsen. Deshalb hatte ich niedrigen Blutdruck und fiel dauernd in Ohnmacht. Ich dachte mir: Wenn man sich eines Tages an mich erinnert, dann wird man nur daran denken“, meint die 28-Jährige mit einem Lachen.

Man kann die Sache natürlich auch anders sehen und sich an Elle Fanning wegen ihrer Rolle als Katharina die Große in der Historienserie „The Great“ oder als Schauspielerin Rachel im (in diesem Jahr mit einem Oscar ausgezeichneten) Film „Sentimental Value“ erinnern. Oder aber für ihren Part in der neuen Apple-TVSerie „Only Margo“, in der sie sich als Schwangere mit skurrilen Jobs durchschlägt. Vielleicht wird man sich aber auch deshalb an sie erinnern, weil Fanning sowohl als Mensch wie auch als Charakterdarstellerin einen weiten Weg gegangen ist.

Eintauchen in die Fantasie

Dabei waren die Umstände alles andere als einfach. Denn die in Georgia geborene Fanning wurde im Scheinwerferlicht der Kameras groß. Schon als Dreijährige war sie neben Sean Penn im Drama „Ich bin Sam“ zu sehen. Es folgte eine ganze Reihe großer Filme, von „Babel“ bis „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, bis sie –zwölfjährig – 2010 mit Sofia Coppolas „Somewhere“ endgültig ihren Durchbruch feierte.

Diese frühe Karriere hatte viel mit ihrer vier Jahre älteren Schwester Dakota zu tun, die als Kinderdarstellerin in Filmen wie „Mann unter Feuer“ für Furore sorgte. „Ich dachte mir: Das möchte ich auch ausprobieren. Und wenn du dann in einer Welt bist, wo du dich verkleiden

On point

Geboren 1998 in Conyers, Georgia; spielte als Kind mehrfach die jüngere Version ihrer Schwester Dakota; verpasste 2016 ihren Abschlussball, um an einer Filmpremiere in Cannes teilzunehmen; vier ihrer Filme waren bereits für einen Oscar als „bester Film“ nominiert

und spielen kannst, merkst du, dass es nichts Schöneres gibt. Du lebst in deiner Fantasie und kannst etwas erscha en.“

Doch während andere Kinderstars bald wieder in der Versenkung verschwinden, konnte sich Elle Fanning ihren Traum erfüllen. Ein entscheidender Faktor dabei: ihre Mutter Hannah Joy Arrington: „Sie hat die Träume von meiner Schwester und mir gefördert, indem sie ihre eigenen zurückgestellt hat.“ Aber sie machte den Töchtern keine falschen Illusionen: „Sie hat mir erklärt, dass das Leben voller Enttäuschungen ist. Aber die Frage ist: Wie gehst du damit um? Lässt du’s zu, dass dich das kaputt macht, oder kommst du wieder auf die Beine?“

Und wie kommt man auf die Beine?

Fannings Antwort: „Du musst deiner Leidenschaft folgen und einfach weitermachen, egal wie.“ Genau das war auch ein wichtiger Faktor in ihrem Entwicklungsprozess. Aber es gab noch eine weitere wichtige Erkenntnis. Die vermittelte ihr Nicole Kidman, mit der sie vor zehn Jahren für „Die Verführten“ zum ersten Mal vor der Kamera stand und die auch in „Only Margo“ ihre Partnerin war: „Sie meinte zu mir: ‚Du musst dir deine Crowd suchen.‘“ Das heißt: „Du musst dich mit Menschen umgeben, die dich ehrlich unterstützen. Speziell in dieser Branche gibt es Leute, die dich aus den falschen Gründen lieben oder aus den falschen

Gründen mit dir zusammen sein wollen. Schütze dich und lerne dich selbst kennen, dann findest du die richtigen.“

Das hat in Elles Leben für Stabilität gesorgt: „Ich entwickle mich ständig weiter, denn ich habe einen festen Kern von Menschen, der mich umgibt – das sind meine Familie, das sind Freunde, die ich seit Ewigkeiten kenne, und natürlich auch meine Schwester, die für mich ein Vorbild ist. Sie haben mir geholfen, meine Stärke in mir selbst zu finden. Dieses Gefühl bekomme ich auch, wenn ich mit anderen Kreativen zusammen bin. Das feuert die Leidenschaft an. Und wenn du dann mal Phasen von Schwächen und Zweifel hast, kommst du leichter darüber hinweg, wenn du deiner Passion treu bleibst.“

Adieu der perfekten Welt

Mit ihrer Haltung lässt sich Elle Fanning nicht von oberflächlichen Vorstellungen beirren: „Heutzutage haben die Menschen so viele Vorurteile, was besonders durch die sozialen Medien verschärft wird. Denn die drängen dir die ganzen Vergleiche mit anderen Leuten auf. Du schaust dir diese Bilder an, auf denen jeder perfekt rüberkommen will. Aber wir leben nicht in einer perfekten Welt. Keiner kann perfekt sein.“ Elle Fanning bleibt sich lieber selbst treu: „Ich will nicht in eine Schublade gepackt werden, sondern als Schauspielerin alles ausprobieren.“ Mit ihrer Leidenschaft kann sie, wie sie zugibt, schon mal frustriert sein. Aber sie behält trotzdem die Kontrolle: „Ich habe keine Wutausbrüche, schon gar nicht bei der Arbeit.“

Um ihre Batterien aufzuladen, nimmt sie am liebsten ein Bad – und zwar jeden Abend: „Ich mache das, seit ich klein bin. Das beruhigt mich enorm, und gleichzeitig ist das ein Freiraum, wo ich nachdenken kann.“ Und wenn Fanning an die Zukunft denkt, wie wird und will sie sich weiterentwickeln? „Ich möchte nicht von dem abweichen, woran ich glaube. Ich will meinen persönlichen Blickwinkel auf die Welt haben. Und für den möchte ich mich nicht entschuldigen müssen.“

Instagram: @ellefanning Derzeit ist sie in der Serie „Only Margo“ auf Apple TV zu sehen.

„Enttäuschungen gehören zum Leben. Am besten einfach weitermachen, egal wie.“
Ratschläge wie diesen bekamen Elle und Dakota Fanning von ihrer Mutter.

Christiane Kienl

überquerte den Atlantik in 43 Tagen. Als erste Österreicherin kam die Ruderin beim World’s Toughest

Row ins Ziel – und fand auf hoher See endlich Gelassenheit.

Christiane Kienl ist keine Draufgängerin. Sie ist die Person, die beim Klettern jeden Knoten dreimal kontrolliert. Die auf hohe Berge, aber immer auf Nummer sicher geht. Und die auch als Ingenieurin nichts dem Zufall überlässt. Trotzdem setzt sich die 37-Jährige im vergangenen Dezember in ein Ruderboot, um darin den Atlantik zu überqueren. Ungefähr 5000 Kilometer will sie mit ihrem Team O!shoare beim World’s Toughest Row zurücklegen. Von Spanien in die Karibik. Mitten ins Ungewisse. Zwei Jahre hat sie sich akribisch vorbereitet. Wind und Wetter, aber auch Glück bestimmen, wo es langgeht –nicht sie.

Wie zum Beweis bereitet Christiane und ihren Co-Ruderinnen Clara Düntsch, Jana Golz und Jana Stahl zu Beginn eine Sache Bauchweh: das Essen. Ausgerechnet! Es ist ganz wesentlich für den Erfolg der Frauen, die beim Rudern enorme Energiemengen verbrennen. Zum Ausgleich braucht jede pro Tag 4000 Kilokalorien. Christiane hat sich genau überlegt, welchen Proviant sie einpackt.

Der Switch im Kopf

Doch am Atlantik schmeckt plötzlich alles anders. Nicht gut. Ist es die salzige Luft? „Das war so frustrierend“, sagt sie. „Ich sitze auf einer Million Kalorien, aber will nichts davon essen.“ Zehn Tage lang kriegt sie nur Brot und getrocknete Wurst runter. So scha! t sie es niemals ins Ziel. Ohne Supermarkt in Sicht bleibt ihr nur eins: sich zu zwingen. Christiane hat ihre Limits in der Vergangenheit immer wieder ausgetestet. Bei mehrtägigen Bergtouren in den Alpen oder als sie den höchsten Berg Salzburgs, den Großvenediger, bestieg. Die Fahrt über den Atlantik ist aber eine ganz andere Num-

On point

Kommt aus Schwechat; lebt in Graz; arbeitet als Maschinenbauingenieurin; rudert seit sie 2015 in Cambridge gewohnt hat; zurück an Land ging sie als Erstes unter die Dusche und dann zum Buffet mit dem frischen Obst und Salat

mer. In den zwei Jahren Vorbereitung lernen sie und ihre Mitstreiterinnen, zu navigieren, einen Venenzugang zu legen, es gibt sogar ein Überlebenstraining mit Hubschrauberbergung. Doch am wichtigsten ist für Christiane die mentale Vorbereitung: „Der Switch im Kopf muss funktionieren. Von ‚Ich hab jetzt eine Woche Fun‘ auf ‚Das ist jetzt sechs Wochen lang mein Alltag‘.“

Als sie ins Boot steigt, nimmt sie viel Selbstvertrauen mit. Sie weiß, die Atlantiküberquerung wird ihr die eigenen Grenzen aufzeigen. Körperlich klappt es gut, und auch mental hält sie sich über Wasser. „Ich bin zu viel mehr fähig, als ich gedacht habe“, sagt die Schwechaterin. Das zeigt sich vor allem in Momenten, die sich nicht kontrollieren lassen.

Die Frauen sind ein paar Wochen unterwegs, als eine Flaute sie ausbremst. Weit und breit keine Spur von Wind. „Als würde man durch Beton rudern“, so beschreibt Christiane das Gefühl. Das Tempo ist niedrig. Die Laune sinkt. Die Frage, wie es jetzt weitergeht, hängt in der Luft. Für Christiane gibt es nur eine Lösung: Sie müssen den einstudierten Rhythmus brechen. Bis dahin haben sie jeweils zu zweit abwechselnd zwei Stunden gerudert, zwei Stunden geschlafen. Genau so haben sie es zwei Jahre lang trainiert. Aber das reicht jetzt nicht mehr. Es gibt noch einen dritten Ruderplatz

im Boot, der für Notfälle reserviert ist. Christiane, die spürt, dass sie gefährlich nahe an einem Kipppunkt sind, setzt sich drauf und rudert mit. Obwohl sie gar nicht dran ist. Ab da verlängert jede ihre Schicht, und die vier Frauen rudern häufiger im Trio. So geht auch ohne Wind endlich wieder was weiter.

Das Schwanken in den Beinen Am 27. Jänner 2026 erreichen Christiane und ihr Team den Hafen von Antigua: nach 43 Tagen, 9 Stunden und 15 Minuten. Als sie zum ersten Mal wieder festen Boden unter den Füßen hat, kommt sie gehörig ins Schwanken, so ungewohnt ist der stabile Untergrund für ihre Beine. Sie kriegt vom Stehen Rückenschmerzen, weil sie vom ständigen Sitzen so gut wie keine Bauchmuskeln mehr hat. Aber immerhin kann sich Kienl noch aufrecht bewegen. Viele andere Ruderer können das nach dem Rennen nicht mehr.

Christiane hat, wie so oft, vorgesorgt: Dehnen war eine ihrer wichtigsten Routinen. Nichts Neues für die Sportlerin. Als Kind und Jugendliche nimmt sie als Kunstturnerin an Wettkämpfen in Österreich teil. Als sie 2015 für ihr Doktoratsstudium nach Cambridge zieht, beginnt Christiane mit dem Rudern. Bald trainiert sie sechs Tage pro Woche, an vielen Tagen sogar mehrmals. „Ich war sofort in der Ruder-Bubble“, sagt sie. Als Teil eines College-Teams nimmt sie an Wettbewerben teil, zwei Mal sogar am „Head of the River Race“, einem Langstrecken-Ruder rennen auf der Themse in London.

Doch das Rennen ihres Lebens ist die Fahrt über den Atlantik. Ihr Highlight: Silvester, da ist sie seit 17 Tagen unterwegs. Christiane kann an diesem Tag zum ersten Mal ins Wasser springen und ist überwältigt: „Zu wissen, dass es unter mir 5000 Meter runtergeht, und dabei in dieses tiefe, glitzernde Blau zu schauen, war einfach nur schön.“ Für ein Mal rückt das Vorwärtskommen in den Hintergrund. Christiane, die das Ruder sonst fest in der Hand haben will, staunt – und lässt sich treiben. Ein neues Gefühl für sie. Manchmal tut sich in der Mitte des Atlantiks eben eine neue Perspektive auf.

Instagram: @offshoare

„Ich saß auf einer Million Kilokalorien, aber wollte nichts essen – bis ich den Switch im Kopf hingekriegt habe.“
sich auf hoher
Christiane Kienl ernährte
See zehn Tage von Brot mit Wurst.

Ely Oaks

kennt deinen Musikgeschmack besser als du selbst. Ein natürliches Talent? Nein, sagt der Elektronik-DJ aus Kitzbühel: ein Skill, den er sich selbst angeeignet hat.

In den USA feiert die Crowd „7 in the Club“, einen Track, der normalerweise nicht recht zünden will. Dafür langweilt sie sich bei Ely Oaks Streaming-Superhit „Running Around“. „Borderline“ wiederum geht überall ab außer in Australien, dort eskaliert die Stimmung dafür bei Kylie-Minogue-Remixes. Weitere Geschäftsgeheimnisse: Ist die Crowd über 25, spielt Ely Songs länger aus. Ist sie jünger, braucht es mehr Rhythmuswechsel.

Ely Oaks, der Amadeus-nominierte DJ-Shooting-Star aus Tirol, den Remixes für Dove Cameron, Khalid und Rudimental sowie Kollaborationen mit Alok oder Timmy Trumpet sowie seine Originals „Running Around“ und „Borderline“ bekannt gemacht haben, weiß genau, was sich sein Publikum wünscht. „Der Job von DJs oder generell von Musikscha enden hat sich in den letzten paar Jahren radikal verändert“, sagt der Dreißigjährige. „Du kannst heute nicht mehr auf die Loyalität deiner Fans ho en, nur weil sie deinen letzten Hit gemocht haben. Stattdessen beginnst du mit jedem neuen TikTokVideo und mit jeder neuen Clubnacht bei null.“

Harte Schule in Kitz

Ely Oaks – bürgerlich Elias Grauß – lernte die Fähigkeit, Stimmungen zu erspüren, von der Pike auf, und zwar als Resident DJ in diversen Clubs in und um Kitzbühel, wo er parallel zum Wirtschaftsinformatikstudium durch die harte Schule allnächtlicher Zwölf-Stunden-Schichten ging. „Als DJ musst du die ganze Nacht lang intuitiv auf die Vibes des Publikums reagieren. Sind die Leute bereit für den Drop? Oder baue ich noch mehr Spannung mit dem melodiösen Teil auf? Kommt mein Set an, oder muss ich improvisieren?“

On point

Geboren am 9. Februar 1996; lebt in Berlin; kommt aus Kitzbühel; ist fanatischer Formel-1-Nerd; bedient Turntables virtuos; verzweifelt aber beim Aufbauen von Fertigregalen; tourte 2026 durch Australien und die USA

Als unbekannter Nachwuchs-DJ trainierte sich Oaks so eine wertvolle Superkraft an: die Kunst, einen Raum voller Menschen zu lesen. „Jede Fehlentscheidung von damals hilft mir heute, bessere Shows zu machen.“

Erfolg ist interaktiv

Geräuschpegel, Körpersprache, Blickkontakt, Fokus: Diese Faktoren entscheiden nicht nur, wie episch eine Partynacht wird. Sie helfen auch dabei, eine Präsentation oder ein Business-Meeting zum Erlebnis zu machen. „Wenn du dein Handwerk beherrschst, kannst du flexibel auf die Reaktionen deines Publikums eingehen“, sagt Ely. Am Mischpult bedeutet das zum Beispiel, mehr oder weniger Vocals ins Set zu mixen.

Hilfreich dabei ist eine fundierte Vorbereitung, zum Beispiel smarte Joker im Ärmel zu haben. „Einen persönlichen Bezug zum Publikum herzustellen, ist nicht nur ein Zeichen des Respekts, es kann auch ein super Icebreaker sein.“ Darum baut Ely bei vielen seiner Shows Samples lokaler Artists in sein vorbereitetes Set ein. „Wenn etwa eine Crowd in Prag die Vocals von Viktor Sheen hört, dem bekanntesten Rapper Tschechiens, geht die Stimmung sofort durch die Decke.“

Um die Antennen für die Stimmung im Raum empfangsbereit zu halten, pflegt Ely Oaks einen in der Clubkultur eher exotischen Lifestyle. „Ich rauche nicht,

ich trinke nicht, ich nehme keine Drogen. Und weil das alle wissen, kriege ich weder etwas angeboten, noch bekomme ich bei anderen etwas davon mit“, sagt er. Die Entscheidung, abstinent zu sein, verlief schleichend und entwickelte sich eher praktisch als dogmatisch: „Wenn ich im Jahr an hundert Tagen auflege und danach noch mal hundert Tage Hangover habe, fehlen mir doppelt so viele Tage, an denen ich produktiv arbeiten könnte.“

Resonanzraum TikTok

Ist Ely nicht auf Tour, arbeitet er daheim in Berlin seine To-dos ab. „Am Vormittag streiche ich Organisatorisches von der Liste, ab zwölf darf ich kreativ sein.“ Als Inspiration für neue Songs hilft ihm das Feedback von Fans und Kollegen. Die eigenen Spotify-Likes dienen als Ideendatenbank „oder wenn mir ein bestimmter Sound schon ein paar Tage durch den Kopf geht“. Sein wichtigster Resonanzraum sind aber die Reaktionen, die er in den sozialen Medien bekommt. „Elektronische Musik ist heute extrem TikTokdriven, praktisch alle in den Charts erfolgreichen Songs gingen davor auf TikTok viral“, sagt Ely, der zu Studienzeiten auch schon selbst Apps programmierte. Doch bleibt zwischen durchgetakteten Arbeitstagen, nüchternen Hochleistungsnächten und TikTok-Erfolgsdruck nicht der Spaß auf der Strecke? „Im Gegenteil. Ich höre oft, dass ich an den Decks besonders energiegeladen bin und zur Musik viel mehr abgehe als andere DJs.“ Dass ihm auf TikTok fast eine Million Fans folgen und seine Songs schon 800 Millionen Mal gestreamt wurden, liegt wohl nicht nur an Elys Gespür für die Crowds. Sondern auch daran, dass sein innerer Algorithmus ganz ähnlich tickt wie jener der Fans auf der anderen Seite des Mischpults.

Instagram: @elyoaks Ely spielt bei Red Bull Directions (X-Jam) am 28. Juni und am 9. Juli beim Electric Love Festival am Salzburgring.

„Du beginnst mit jedem TikTokVideo und mit jeder Clubnacht bei null.“
Ely Oaks hat den Ruf, an den Turntables so richtig abzugehen.

Zwei wie Eis und Feuer

Remco Evenepoel und Florian Lipowitz. Der eine explosiv, der andere schüchtern. Beide wollen im selben Team die Tour de France gewinnen. Wie das gehen soll? Die Geschichte einer Annäherung.

Am Vulkan Der Belgier Remco Evenepoel und der Deutsche Florian Lipowitz sind die Doppelspitze von Red Bull – BORA – hansgrohe: Auf dem Teide in Teneriffa trainieren die beiden zum ersten Mal zusammen.

Text Christof Gertsch Fotos Maximilian Fries

Ende

Februar, Teide, Teneriffa. Remco Evenepoel, 26, und Florian Lipowitz, 25, fahren zum ersten Mal wirklich zusammen. Zweieinhalb Stunden sind geplant. Achtzig Kilometer, rauf und runter, von der Sonne in den Nebel und zurück. Nach zehn Minuten fangen sie an zu reden – über Stürze, Rennen, die Tour-de-France-Strecke im Juli. Obwohl sie sich noch gar nicht richtig kennen. Aus zweieinhalb Stunden werden drei. Dreieinhalb. Sie fahren einfach weiter und vergessen die Zeit.

Auf Kurs

Die Höhe produziert rote Blutkörperchen, deswegen trainieren viele Radsportler am 3715 Meter hohen Teide: auch Remco Evenepoel (re.) und Florian Lipowitz. Sie verbringen hier zwanzig Tage.

Ein Stück Perfektion

Florian Lipowitz ist introvertiert, Remco Evenepoel liebt das Scheinwerferlicht. Beim Mannschaftszeitfahren müssen sie aber zusammen und vor allem im Team funktionieren. Hier trainiert Red Bull – BORA –hansgrohe auf Mallorca.

Die Tour de France 2026 beginnt nicht mit einer normalen Etappe. Sie beginnt am 4. Juli in Barcelona mit einem Mannschaftszeitfahren –einer Disziplin, die im modernen Radsport fast anachronistisch wirkt. Nicht der stärkste Fahrer gewinnt, sondern das stärkste Team. Acht Fahrer, aber eine Zeit. Wenn einer zu stark zieht, zerreißt es die Kette hinter ihm. Wenn einer zu langsam ist, bremst er die anderen. Für das Team Red Bull – BORA – hansgrohe, das mit dem Belgier Remco Evenepoel, dem besten Zeitfahrer der Welt, und dem Deutschen Florian Lipowitz als Doppelspitze in die Tour startet, ist das eine Chance. Und genau deshalb fanden sich die beiden schon Ende Jänner auf Mallorca ein: um zu sehen, ob das, was im Windkanal getestet wurde und in der Theorie so elegant aussieht, auch in echt funktioniert. Es funktionierte. Vier Sekunden vor dem Team Movistar gewannen sie das Mannschaftszeitfahren beim Vorbereitungsrennen Trofeo Ses Salines. Evenepoel, der Explosive, brach den Wind – 90 Sekunden lang, bei 500 bis 520 Watt, weit über der dauerhaften Schmerzgrenze. Lipowitz, der „Diesel“, hielt das Tempo, gleichmäßig, gnadenlos. Feuer und Eis, ein kleines Stückchen Perfektion. Dabei kannten sie sich damals noch kaum. Wie soll das gehen – zwei Fahrer im gleichen Team, die dasselbe wollen: die Tour de France gewinnen?

Der eine bricht den Wind, der andere hält das Tempo. Im Team sind sie unschlagbar.

Der stille Beobachter Florian Lipowitz im Teambus. Der Mann, der am liebsten unbemerkt bleibt – und dessen größte Stärke genau das ist.

Der Pakt

Ein Handschlag, der mehr sagt als jede Pressekonferenz. „Ob ich es bin oder Remco – mir ist das egal“, sagt Lipowitz (li.). „Solange einer auf dem Podium steht.“

Nach dem Sturm Klatschnass, erschöpft, zufrieden. Florian Lipowitz nach einem Rennen – der Moment, bevor der Medienzirkus beginnt und er am liebsten unsichtbar wäre.

„Privat ist Florian offen, direkt, fast ungebremst.“
Evenepoel über Lipowitz
„Remco ist ein Blitzableiter. So kann ich in Ruhe arbeiten.“
Lipowitz über Evenepoel

In die Sonne Im Hotelkeller, bevor es losgeht: Evenepoel auf dem Roller, später mit Lipowitz auf der Matte als Vorbereitung für die stundenlange Arbeit im Wind. Links durchdringen beide den Nebel am Teide.

Einen Monat später, auf dem Teide. Der Vulkan auf 3715 Metern ist der Altar des modernen Radsports. Hier werden Opfer gebracht – Wochen ohne Familie, Tage in karger Isolation, Stunden im Sattel auf leeren Magen. In der Hoffnung, dass es sich im Juli auszahlt. Die Höhe produziert rote Blutkörperchen, natürliches BlutTuning, ganz legal und sehr wirksam. Die Trainingslager wurden bewusst so organisiert, dass sie sich überschneiden, damit die beiden einander kennenlernen. Wirklich kennenlernen. Das erste Mal begegnen sie sich im Hotelkeller, dann fahren sie zusammen los. Sie reden über alte Stürze, vergangene Rennen, die Strecke im Juli – und vergessen die Zeit. „Florian ist privat ein völlig anderer Mensch als in der Gruppe“, sagt Evenepoel hinterher, sichtlich überrascht. „Offener. Direkter. Fast ungebremst.“

Blitzableiter und Diesel

Doppelspitzen im Radsport sind eine heikle Angelegenheit. Vierfacher Weltmeister, zweifacher Olympiasieger, Gewinner der Spanienrundfahrt – nur ein Auszug aus Evenepoels Palmarès. Lipowitz, der beim Tour-Debüt 2025 sofort Dritter wurde, könnte sich bedroht fühlen. Tut er nicht. „Für mich ist Remco ein Blitzableiter“, sagt er. „Er zieht das Scheinwerferlicht auf sich – und lässt mich in Ruhe arbeiten.“ Evenepoel seinerseits sieht in Lipowitz den perfekten Partner. Er selbst müsse zu 110 Prozent in Form sein, um eine dreiwöchige Tour zu gewinnen. Lipowitz sei ein „Diesel“ – einer, der bei 90, 95 Prozent immer noch vorne dabei ist. „Natürlich werde ich zurückstehen, wenn Florian die besseren Beine hat“, sagt Evenepoel. „Das war nie eine Frage.“

Dass er das ernst meint, zeigte sich Ende März bei der Katalonien-Rundfahrt, direkt nach dem Trainingslager auf dem Teide. Auf der Königsetappe ist Lipowitz besser, lässt Evenepoel hinter sich. Am nächsten Tag rast der Belgier halsbrecherisch die technische Abfahrt hinunter, arbeitet im Flachstück unermüdlich – und hilft Lipowitz damit aufs Podium. „Remco hat mir einen Riesendienst erwiesen“, sagt Lipowitz danach. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.“

Am 4. Juli rollen sie in Barcelona von der Startrampe. Und diesmal, wenn die Scheibenräder zu surren beginnen, kennen sie einander.

Instagram: @remco.ev; @lipo.fl

Mit ihren Videos trainieren Millionen. Weil es für die Grazerin Anna Engelschall nicht um Perfektion geht – sondern um ein gutes Leben.

Text Tobas Moorstedt Fotos Felix Krüger

Auf der Matte: Als @growingannanas zählt Anna zu den populärsten Fitness-Creatorinnen weltweit – vor allem wegen ihrer Workouts.

Achtsam, menschlich, mit Humor: Anna möchte ihren

Followern Stärke schenken. Unser Autor begleitet die Fitness-Creatorin durch ihre Wahlheimat Lissabon und bei der Frage: Wie bleibst du dir treu, wenn der Algorithmus andere Ideale hat als du?

Super Bowl à la Anna: Zum Frühstück gibt’s eine Joghurt-Bowl und Notizen, wie der Rest des Tages ablaufen soll.

HOCHFAHREN

Ein Tag, der viel Action und Bewegung beinhaltet, der manche Überraschung bereithält und Nachrichten aus der ganzen Welt bringen wird, beginnt am besten: ganz ruhig. Und still. Und weit entfernt von dem leuchtenden Smartphone-Bildschirm, der nach Aufmerksamkeit schreit. Die Fenster-Rollläden im Apartment in Lissabon fahren quietschend hoch: 200 Meter entfernt fließt der Tejo in den großen, weiten Atlantik. Später am Tag wird der Fluss noch eine wichtige Funktion haben, aber jetzt ist er erst einmal: schön.

Um neun Uhr sitzt Anna Engelschall auf der Couch, ignoriert ihr Smartphone für mindestens weitere 60 Minuten und schreibt in ihr Journal. Der Plan für die nächsten Schritte ihres digitalen Fitnessimperiums entsteht auf Papier: In kleiner, präziser Handschrift notiert sie die Tasks des Tages – zwei Videoschnitte abnehmen, Trainingsplan für den kommenden Monat aufstellen, Gehälter anweisen. Die Liste wird immer länger, in unterschiedlichen Farben, aber sie achtet dar-

Persönliches einzuplanen. „Es ist wichtig, sich selbst Raum zu geben.“ Und: „Wenn man es aufschreibt, dann passiert es auch.“

Diesen Satz hat Anna Engelschall, 30 Jahre, von einem berühmten Landsmann gelernt: Arnold Schwarzenegger. Sie kommt wie Mr. Universe aus der Steiermark, nicht aus Thal, sondern aus Graz, und denkt gerne groß – knapp acht Millionen YouTube-Follower, eine eigene App, Millionen-Reichweiten auf Instagram und TikTok. Die 1,60 Meter große Österreicherin ist einer der wichtigsten

Player auf dem Online-Fitnessmarkt, der pro Jahr um 27 Prozent wächst – und laut Prognosen bis 2030 knapp 100 Milliarden Euro weltweit ausmachen wird. Sie hat sozusagen eine Maschine gebaut, die Menschen auf der ganzen Welt in Bewegung versetzt. Wenn man ihr einen Tag lang folgt, versteht man, wie diese Maschine programmiert wird, was sie am Laufen hält – und was Anna jeden Tag leistet, damit sie nicht überhitzt.

MODE -SWITCH

Was die Welt als 25-MinutenWorkout sieht – Engelschall in bunter Gym Wear, gute Attitude, treibender Beat –, ist das Ergebnis einer tagelangen Produktion: Vier Stunden Planung, Übungsauswahl, Reihenfolge, Intensitätskurve. Eine Stunde für die Musik. Etwas Zeit für Make-up. Dann der Dreh selbst. Schnitt, Unter-

Leben aus der Tasche: Bevor Anna ihre Wohnung verlässt, um ihr nächstes Video zu drehen, packt sie ihren Kamera-Backpack.

titel, Abnahmeschleifen –eine Excel-Tabelle führt jedes Video durch verschiedene Stages, bis hin zur chinesischen Sprachversion. Mindestens ein fertiges Workout pro Woche muss raus.

Jetzt, um halb elf, wird Anna stiller und fokussierter. „Eigentlich denkt man immer über Content nach. Es gibt keine freie Minute.“ Sie packt die Sporttasche, die Kameratasche, bestellt ein Uber. Ein Blick aus dem Fenster –passt das Wetter zum Plan? Dunkle Wolken schieben sich über den Frühlingstag. Auch wenn man es den Videos nicht ansieht: Der Druck ist da. „Was ich mache, ist wichtig“, sagt sie, „die Menschen da draußen wollen weiterkommen. Sie brauchen mich.“

Dieses Leuchten: Anna dreht gern draußen. Für die Abwechslung und fürs tolle Licht wie hier am Tejo.

Momente, in denen Anna keuchen oder lachen muss, liebt ihre Community besonders:
„ Dann sehen sie, dass ich keine KI bin.“

RECORDING

Die Kamera ist ganz nah dran an Anna. Sie sitzt auf einer Yogamatte auf einer Hafenmole, macht Squats, Planks, Mountain Climbers. Außerhalb des Bildausschnitts stehen abgerockte Lagerhäuser neben moderner Architektur, auf dem Hügel leuchten die historischen Paläste, und Möwenschwärme tanzen über dem Tejo. Das Publikum sieht nichts davon. Nur Anna am Wasser. Einmal schiebt sich ein Containerschiff durchs Bild. Engelschall dreht nicht gerne im Studio.

„Ich will die Leute in meine Welt mitnehmen“, erklärt sie. Kein Team, kein Kameramann, kein Regisseur. Nur sie, das Stativ und die Matte. Ab und zu ein Blick direkt in die

Linse. Am liebsten filmt sie alles in einem Take. Wenn der Wind das Stativ umwirft: Restart. Wenn die Sonne hinter einer Wolke verschwindet und der Weißabgleich nicht mehr stimmt: Restart. Aber die Energie ist nicht endlos. „Ich muss mir den Perfektionismus abtrainieren“, sagt Anna. Denn ausgerechnet die Momente, die sie am liebsten rausschneiden würde, liebt ihre Community am meisten: Wenn sie selbst eine Pause braucht, weil das Workout brutal ist. Schwitzen, Schnaufen, Lachanfälle. „Dann sehen sie, dass ich keine KI bin.“

Ready, go: Ihre Videos nimmt Anna allein auf. Sie dreht jedes Workout am Stück, ohne Unterbrechung.

LET’S EAT!

Eigentlich ist Anna immer am Essen oder am Essen-Zubereiten. Kleine Date Balls, Reiswaffeln zwischendurch, „weil nichts schlimmer ist, als während einer Filmsession in den Unterzucker zu kommen“. Jetzt ist die Szene im Kasten, und sie freut sich auf ein echtes Essen. Im Lieblingscafé Comoba in Lissabon bestellt sie Fisch-Tacos mit Dorade, Kohlgemüse, Avocado und grüner Mandelsauce. Die Farben, die Textur, die Kultur: „Essen ist so toll!“ Auf Instagram postet sie „What I eat in a day“-Videos: Frühstücksbowls, Snacks, Ei und Gemüse, Dinner – und ein Riesenkübel Eiscreme beim Serienschauen. Die Kommentare: „I love you“, „Wo krieg ich die Hosen her?“, „Warum bist du so schlank, wenn du Eiscreme isst?“

Zum Thema Essen gibt es die meisten kritischen Kommentare, erzählt sie. Falsche Produkte, zu viel, zu wenig. Anna beantwortet so viele DMs

wie möglich – manchmal auch auf Spaziergängen, per Voice Message. „Ich will für meine Community da sein“, sagt sie. Immer wieder kommen junge Frauen zu Events, die Support brauchen. Sie nimmt sich Zeit, tauscht sich aus. „Es zeigt mir, wie viel Verantwortung ich habe“, sagt sie. „Und was ein einziger Satz bewirken kann. Im Guten wie im Schlechten.“

Teamsport: Im Hintergrund unterstützen Anna verschiedene Mitarbeiterinnen. Im Bild: Producerin Leonor.

ALL HANDS ON DECK

Gestärkt vom Lunch klappt Anna den Laptop auf. Der erste Blick gilt nicht der Inbox oder dem Social Feed, sondern der Datenauswertung von YouTube Studio: grüne Pfeile, die nach oben zeigen. Das System kommentiert: „Looking good!“ Sie sucht immer nach dem Marker „1 of 10“ – bedeutet: Das jüngste Video hat die beste Performance der letzten zehn Uploads. Check. „Immer ein kleiner Sieg“, sagt Anna. Nach geschätzt mehr als 500 hochgeladenen Videos hat sie mittlerweile ein gutes Bauchgefühl entwickelt. „Manchmal weiß ich, dass ein Workout nicht performt. Meistens sind es Arm-Übungen“, sagt sie, „aber das ist mir dann egal, die Leute müssen auch was für den Oberkörper tun.“ Trainingsplan sticht Algorithmus.

In Tabellen und Kurven kann Anna, die als Software-Ingenieurin gearbeitet hat, genau sehen, an welchen Stellen Zuschauer abgesprungen sind. Ihre

IT-Skills helfen ihr noch heute: „YouTube ist ganz schön nerdig.“ Je mehr Watchtime ein Video sammelt, desto relevanter stuft der Algorithmus es ein. WorkoutVideos haben dabei einen Vorteil, sagt sie: Wenn die Leute das ganze Training mitmachen, pusht ihre Motivation nicht nur sie selbst, sondern auch den Content. Win-win. In den letzten drei Minuten allerdings gibt es immer einen ZuschauerDrop – weil die Leute die Stretching- und Cooldown-Übungen weglassen. „Leider unvernünftig“, sagt Anna lachend, „aber ich gebe nicht auf.“

BildschirmZeit: Im Café analysiert Anna die Zahlen ihrer aktuellen Videos – und spricht mit ihrem Team.

An Annas YouTube-Daten lässt sich besser ablesen als an jedem FitnessRatgeber, wie Menschen sich bewegen wollen. Im Jahr 2020, zu Beginn der Pandemie, sammelte ein CrossFit-Video, „in dem ich mich einfach gekillt habe“, über Nacht hunderttausende Klicks. „Weil alle im Lockdown festsaßen, wollten sie sich spüren“, erinnert sie sich. Sie war damals eine der wenigen CrossFit-Creatorinnen auf YouTube. Das Learning: Wirklich viral geht ein Video, wenn man anbietet, was Menschen brauchen – am besten als Erste. Einfach ist das nicht, und „seitdem ist der Fitnessmarkt viel softer und achtsamer geworden“. Japanese Walking statt HIIT. Dass ihre Marke das nachhaltige Wachsen im Namen trägt, zeigt gute Intuition.

@growingannanas: Aus einem Instagram-Handle ist ein kleiner Konzern geworden. Fitness-App, Werbekampagnen, Events und ein knappes Dutzend Kanäle, von Instagram und TikTok über WhatsApp bis Discord. Das sechsköpfige Team sitzt in Berlin, Dinslaken, Lissabon, Prag. Am Nachmittag schalten sie sich oft zusammen – an diesem Tag sind Videographer Matvey und Producerin Leonor vor Ort, weil am nächsten Tag ein Event ansteht. Leonor, 24, hat während der Filmschule in Berlin mit Annas Videos trainiert, bevor sie 2024 zum Team stieß – die eigene Community als Talent-Pool. Vor einigen Monaten haben sie einen zweiten YouTube-Kanal gestartet –@annaengelschall –, auf dem Anna Vlogs aus ihrem Leben postet: Umzug, neuer Freund, aber auch Themen wie Magersucht und Schönheitswahn. „Viele Geschichten basieren auf Nachrichten von Followern“, sagt Leonor. „Sie sollen sich gesehen fühlen.“

LET’S GROW

Erleb Anna als Host der Grow Games:

Beim High-IntensityFitnessrennen begleitete sie Creator durch immer härtere Challenges. Jetzt anschauen:

DIE MISSION

In einem dieser Videos steht Engelschall vor dem Spiegel und sagt: „Jeder fühlt sich mal fett.“ Kein Make-up. Kein Filter. „Jeder ist mal schwach.“ Das ist nicht die ausgeglichene, superfitte Anna, das Idealbild aus den Workout-Videos. Das ist ein Mensch mit Geschichte. Mit neunzehn wog sie nur noch 39 Kilo, hasste ihren Körper und sah Sport lange nur als Mittel zum Zweck – um Kalorien zu verbrennen. Endlose Laufrunden. „Wie ein Roboter.“ Bis sie fast verschwunden war.

Dieser Content ist ihr so wichtig wie die Squats und Climbers am Hafen, erzählt sie nach dem Team-Call. Anna Engelschall ist eine Nachfolgerin von Jane Fonda, die in den 1980ern den Aerobic-Boom auslöste und Fitnessstudios für Frauen eroberte. „Shape your Body“, befahl gut zehn Jahre später Cindy Crawford in ihrem Fitness-Blockbuster. Die erste Creatorin, Kayla Itsines, nannte ihren Bestseller „Bikini Body Guide“. Das Ziel war immer dasselbe – ein Körper, der einer Vorlage entspricht. Schlank. Sexy. Oder „stark“, was besser klingt, aber auch Druck aufbaut. Anna dagegen sagt: „Ich möchte, dass meine Follower gesund

Step by step: Nachmittags nimmt sich Anna Zeit für die Dinge des Alltags. Und für sich.

sind.“ Das Instagram-Fitnessstudio ist ein hartes Pflaster. Anna kann so positiv sein, wie sie will – ihre Videos erscheinen zwischen unrealistischen KI-Clickbaits und Scammern, die Peptide vom Schwarzmarkt verkaufen. Wie bleibt man sich selbst treu, wenn der Algorithmus andere Dinge belohnt?

Engelschall postet keine Vorher-/Nachher-Storys, die so tun, als gäbe es ein unfehlbares Rezept für den perfekten Körper – und als wäre es deine Schuld, wenn es nicht klappt. Sie beschäftigt sich mit Essen und postet gerne Bilder vom Food-Shopping in Lissabon – aber keine festen Diät- und Ernährungspläne. „Ich möchte keinen Druck aufbauen“, erklärt

sie. „Ich wünsche mir, dass meine Follower gesund sind – und dass sie wissen, dass sie alles scha en können.“

Das klingt o ener und positiver als das alte Fitness-Versprechen – und die Geschäftsfrau in ihr sieht die Chance zur Diversifizierung. „Fitness ist so körperfixiert“, meint sie. Gerade macht sie sich viele Gedanken um Themen wie Mindset, Planung, Essen, Arbeiten, Familie. Einfach ein gutes Leben.

All dressed up: In ihren Videos liebt Anna Abwechslung, auch bei ihren Outfits – hier etwa mit lässig gebundener Krawatte.

„ Die Reaktionen der Community zeigen mir, was ein einziger Satz bewirken kann –im Guten wie im Schlechten.“

DAS LEBEN IST SCHÖN

In einem Park beobachtet Anna zwei Frauen um die fünfzig, die Intervall-Sprints zwischen zwei Palmen machen.

„Spannend, wie unterschiedlich Menschen in verschiedenen Ländern trainieren“, kommentiert Anna. Sie hat ihre Wohnung in Berlin aufgegeben und will von Stadt zu Stadt ziehen, um mehr Input zu kriegen. Einen 9-to-5-Job kann sie sich nicht mehr vorstellen.

„Ich liebe die Freiheit, mein

eigenes Produkt zu sein.“ Das Schlimmste wäre, wenn sich das Gefühl einstellt, das Fitness-Ding durchgespielt zu haben. „Ich brauche immer neue Ziele.“

Radfahrer, Jogger, Menschen mit Skimboards am Tejo-Ufer –oft schnürt sie am Nach mittag selbst die Laufschuhe und macht Intervall-Sprints am Flussufer oder in den steilen Gassen der Altstadt. Lissabon ist eine aktive Stadt, die

Studios sind voll. Anna erzählt von ihrer Theorie, dass Städte am Meer sportlicher sind als Metropolen im Landesinneren. Mehr Platz, Licht und Luft. Ein guter erster Stopp für die Welttournee von @growingannanas. „Es ist so bunt und hell“, meint Anna. Ein Grund, warum viele Creator ausbrennen: Sie haben nur noch Klickzahlen und Business-Needs im Kopf. „Ich wäre sehr unglücklich, wenn ich die Vlogs nicht machen könnte.“

„Schlimm wäre

das Gefühl, das Fitness-Ding durchgespielt zu haben. Ich brauche immer neue Ziele.“

Bestens aufgelegt: Gerade lernt Anna, eigene Tracks zu bauen – für ihre Fitness-Videos und für den Spaß.

COOLDOWN

Die Straßen von Lissabon sind immer noch voll. Aber im Netz wird es langsam ruhiger – weniger Mails, weniger DMs, ein bisschen mehr Luft. Anna und ihr Freund Adrien haben sich an den Rhythmus der Stadt angepasst, essen erst um zehn. Danach wird wieder trainiert. Aber nicht die Muskeln. „Ich will etwas lernen“, sagt sie. Seit einigen Monaten geben ihr zwei Berliner DJs Unterricht im Auflegen. „Tanzen ist nicht meine Stärke, vielleicht bringe ich andere in Bewegung.“ Latin House, ein bisschen Berlin Techno. Das hat einerseits Geschäftsgründe –„generische Musik hat auf YouTube keine Chance mehr“, meint sie, und ihre Workout-Videos laufen inzwischen zu eigenen Mixes. Andererseits ist es ein kleines Abenteuer.

Am nächsten Tag wird sie auf der Praça do Comércio bei einem Workout Event ein paar hundert Fans tre en. „Es fasziniert mich, wie sich die Menschen verbinden“, erzählt sie. Dass sich lokale WhatsApp - Gruppen bilden, dass Fremde gemeinsam trainieren und sich danach verabreden: „Das hat nichts mehr mit mir zu tun. Die Verbindungen sind echt.“

Auf dem Lissaboner Prachtplatz führt sie ihre Übungen zum ersten Mal zu ihrem eigenen Mix auf. „Ich bin wahnsinnig nervös“, gesteht Anna.

Ist das nicht toll?

BEFLÜÜÜGELT DURCH DEN SOMMER.

AUCH IN SUGARFREE

Sudachi-Lime

Nach 28 Jahren ist Österreich wieder bei einer Fußball-WM. Zum Aufwärmen erzählen uns Spieler, Trainer und Experten, wie man Rückschläge pariert, Druck lieben lernt und mentale Superkräfte aktiviert. Plus: das Chicken-Wings-Leibgericht eines ÖFB-Stars.

Alexander Schlager:

Die Nummer 1

Seite 48

Christoph Baumgartner:

Der Überflieger

Seite 52

Konrad Laimer: Der komplette Kicker

Seite 54

Ralf Rangnick: Der Dirigent (feat. Paul Pizzera)

Seite 55

Janko, Prödl, Fjørtoft: Experten-Dreierkette

Seite 56

Marcel Sabitzer: Fußball-Leckerbissen

Seite 58

Neymar Jr., Davies & Co: Mentalitätsmonster

Seite 60

Fußball-Ikonen: 11 kultige WM-Momente im Wimmelbild

Zum Heraustrennen

Helden-TATEN Zeit für

Text Christian Eberle-Abasolo Illustrationen Ben Tallon

Schlager-Parade

Alexander Schlager, 30, ist die Nummer 1 beim FC Red Bull Salzburg und im österreichischen Fußball-Nationalteam. Dorthin gebracht haben ihn Golfschwünge, Leichtathleten und die Einsicht, dass der härteste Gegner immer du selbst bist.

Es gibt österreichische Fußballer-Karrieren, die verlaufen linear: Man spielt in den Jugendteams eines Vereins, schafft irgendwann den Sprung in die erste Mannschaft und wechselt bei guter Leistung ins Ausland. Und dann gibt es den Weg von Alexander Schlager. Der heute Dreißigjährige wurde in der Red Bull Akademie ausgebildet, gab aber nach Leihen in Grödig und Leipzig sowie Stationen beim Wiener Klub FAC und dem LASK erst 2023 sein Debüt in Salzburg. Hinter ihm liegen Momente des Zweifelns nach einem Kreuzbandriss, vor ihm die Erfüllung seines WM-Traums. Denn manchmal funktioniert Fußball am besten, wenn man nicht an Fußball denkt.

the red bulletin: Wer nur auf deine letzten Jahre blickt, sieht eine klassische Erfolgsstory. Dabei hätte 2016 alles anders kommen können. In einem Interview hast du erwähnt, dass du sogar schon Stellenanzeigen durchgeschaut hast. Warum bist du beim Beruf Fußballprofi geblieben? ale,ander ­.hlager: Ich sehe mich gar nicht so sehr als Fußballprofi oder als Torhüter, sondern vielmehr als Athlet, als Sportler. Ich liebe es, zu trainieren. Ich liebe es, an meinem Körper zu arbeiten. Diese Liebe zum Training hat mich über alle schwierigen Situationen getragen. Das war ein Schlüssel, dranzubleiben, als ich begriffen habe, dass ich es nur für mich mache.

Aber du spielst auch für ein Team. Schon. Aber ob ich spiele oder nicht, entscheidet am Ende immer der Trainer. Mir wurde klar: Wenn ich mich auf das vor meiner Brust konzentriere und einfach ich bin, passiert der Rest von allein. Man kann nichts erzwingen, sondern muss im Hier und Jetzt bleiben. Nicht so sehr ans Ziel denken, sondern die Reise genießen.

Das erinnert schon an Stoizismus: Selbstbeherrschung. Sein Los in der Welt akzeptieren. Ich verbringe viel Zeit damit, zu reflektieren, was ich habe und was ich alles machen kann. Dabei hilft es mir, mich zu erinnern, wie ich aufgewachsen bin. Ich hatte keine schlechte Kindheit, aber wir waren vier Geschwister. Meine Eltern sind gefühlt den ganzen Tag und die ganze Nacht arbeiten gegangen, nur damit für uns alles passt. Deshalb bin ich mir bewusst, dass mein Leben nicht normal ist. Ich liebe den Fußball und bin einfach dankbar, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Und diese Einstellung bewahre ich mir auch in Phasen, in denen es mal nicht passt.

Kritiker könnten in diesen Worten mangelnden Ehrgeiz erkennen. Ich bin sehr ehrgeizig und war bis vor einigen Jahren sogar überehrgeizig.

Alexander Schlager hält als Torwart die Bälle fest, hat aber gelernt, seine Karriere lockerer zu nehmen. Ausgleich zum Fußball findet er auf dem Golfplatz (Handicap 54) oder beim Lesen. Letztes Buch: „Eleven Rings“ von Basketball-Erfolgscoach Phil Jackson.

Lautsprecher: Alex Schlager kommentiert auf dem Platz und abseits davon. „Das gehört zum Fußball dazu.“

„Das Gefühl im Stadion ist unglaublich. Da weißt du schnell, wofür du den ganzen Aufwand betreibst.“
„Ich zweifle oder bin angespannt:
Jeden Tag führe ich ein Match mit mir selbst. Und ich liebe es.“

An Schlagers Toilettetasche prangt der MiniWM-Pokal, ein Geschenk von Ralf Rangnick.

Was ist Überehrgeiz?

Wenn du dir selbst zu viel Druck auflegst. Immer noch mehr machen willst, obwohl du im Training bereits am körperlichen und mentalen Maximum agierst. Dabei führt das zum genauen Gegenteil. Du verkrampfst und kannst dich nicht mehr auf das Wesentliche konzentrieren. Ich will nicht sagen, dass mir das heute immer perfekt gelingt, aber ich habe gelernt, mein Ego zu kontrollieren.

Wie?

Oliver Glasner, mein Trainer beim LASK, hat ein Zitat gebraucht, das ich nie vergessen werde: „Wenn es dir nicht gut geht, musst du es dir gut gehen lassen.“ Nach diesem Prinzip arbeite ich. Wenn ich mit meinen Leistungen unzufrieden bin und krampfhaft nach Lösungen zu suchen beginne, nehme ich mir die Zeit und tu mir etwas Gutes.

Zum Beispiel?

Ich gehe mit der Family einen Burger essen, trink mal ein Bier zum Abendessen oder spiele eine Runde Golf. Egal was, es darf nur nichts mit dem Thema an sich zu tun haben.

Unter Oliver Glasner warst du auch ein Jahr lang Ersatz, hast nur ein Bundesliga-Spiel gemacht. Wie hast du da Fokus und Freude bewahrt? Indem ich begriffen habe, dass ich diesen Job nur für ein paar Jahre ausüben kann und die Zeit besser genieße – gemeinsam mit meinen Teamkollegen. Denn das ist das Schöne am Fußball: Ich teile die Kabine mit 25 anderen. Und dort verspüre ich mindestens einmal am Tag dieses besondere Gefühl, warum ich das alles mache. Um das Besondere an dem Sport zu erleben. Um gemeinsam etwas zu erreichen. Ganz egal, ob ich spiele oder nicht.

Also kein Ellbogen-Ausfahren? Keine Genugtuung, wenn du spielst?

Überhaupt nicht. Ich muss niemandem etwas beweisen, außer mir selbst. Fußball löst etwas in dir aus: Da ist Anspannung, Selbstzweifel, ein Gefühl der Unbesiegbarkeit, dann wieder ein Rückschlag, der dich zurück auf den Boden holt. Dieses Match mit mir selbst führe ich jeden Tag. Und das liebe ich. Der Druck, den du dabei verspürst, kommt eigentlich nur von dir, nicht von der Mannschaft, nicht vom Trainer. Du stellst Ansprüche, weil du weißt, was du kannst, weil du dich weiterentwickeln willst. Du kämpfst ständig mit dir selbst.

Und gar nicht so sehr um den einen Platz im Tor. Siehst du dich als Nummer 1 im ÖFB-Team?

Ich glaube, ich habe eine gute WM-Quali gespielt. Auch in Situationen, wo schon ordentlich Dampf im Kessel war. Aber mir ist klar, dass der Kampf um den Platz im Tor sehr eng ist. Für mich ist es so oder so jedes Mal eine Ehre, beim Nationalteam dabei sein zu dürfen.

Weil du auch weißt, wie es ist, zuschauen zu müssen. Wie frustrierend war deine Knieverletzung vor der EM 2024?

Es ist schon zach, wenn dir das weggenommen wird, worauf du dich so lange vorbereitet hast. Vor allem im Fußball, wo der Zeitraum eben begrenzt ist. Dann habe ich mich gefragt: Wie machen das Leichtathleten, die sich vier Jahre auf Olympia vorbereiten? Wie geht es jemandem, der sich zwei Tage vor den Spielen verletzt? Durch diese Gedanken und die Beschäftigung mit dem Thema habe ich mich selbst aus dem Loch rausgeholt.

Wo hast du Antworten auf deine Fragen bekommen?

Im Athlete Performance Center von Red Bull während der Reha. Dort triffst du auf Sportler und Trainer aus anderen Sportarten, die neue Blickwinkel aufzeigen. Da gibt es kein „Ach, du Armer!“. Da heißt es: Die Situation ist so, die lässt sich nicht ändern, verschwenden wir keine Gedanken mehr daran! Also bin ich raus aus der reinen Fußballathletik, habe mich mit anderen unterhalten und neue Trainingsmethoden ausprobiert.

Mit Erfolg. In der WM-Quali warst du in den entscheidenden Spielen nicht nur fit, sondern auch gesetzt.

Das Gefühl, ein Länderspiel zu spielen, ist unglaublich. Umso mehr nach all dem, was passiert ist. Da weißt du, wofür du den ganzen Aufwand, die ganze körperliche und mentale Arbeit in Kauf nimmst.

Einen mentalen Push gab es auch von Ralf Rangnick, der euch Spielern einen Glücksbringer in Form eines kleinen WM-Pokals geschenkt hat. Das war richtig cool. Den hat jeder immer dabei. Ich trage meinen am Toilettetascherl, so sehe ich ihn jeden Tag. Manchmal hast du nicht gut geschlafen oder bist erschöpft. Dann schwingt dir der Pokal entgegen, und das macht etwas mit dir.

Instagram: @schlager_alex

„Du nachmusst dem Höchsten streben“

Christoph Baumgartner spielte bei RB Leipzig seine bisher beste Saison. Jetzt hat er bei der WM viel vor – weil er gerne träumt und dann an Marcel Hirscher denkt.

6,3 Sekunden. So lange dauerte es, bis Christoph Baumgartner im Spiel Österreich gegen die Slowakei im März 2024 getro en hat. Das schnellste Tor der Länderspiel-Geschichte. Gute zwei Jahre brauchte es hingegen, bis der Niederösterreicher bei RB Leipzig endlich jene Rolle spielte, die er schon seit Jahren im ÖFB-Team innehat.

„Ich wollte mehr, war nicht zufrieden mit meiner Leistung in den ersten zwei Saisonen“, gibt der 26-Jährige zu. Auch, weil er sich in der Einsatzzeit, die er bekommen hat, oft zu viel Druck auferlegt hat. „Wenn ich gespielt habe, hatte ich manchmal das Gefühl, ich muss jetzt abliefern, muss ein Tor schießen, sonst habe ich meine Chance nicht genutzt.“ Geklappt hat das so richtig erst 2025/26. Mit 22 Scorerpunkten (bei Redaktionsschluss: 13 Tore, 9 Assists) zählt Baumgartner zu den gefährlichsten O ensivspielern der Bundesliga.

Hilfe in Rot-Weiß-Rot

Dass er in den Monaten als Ersatzspieler nicht ins Zweifeln kam, ist auch Österreich zu verdanken. „Das Nationalteam hat mir in schwierigen Phasen geholfen. Dort habe ich gezeigt, was ich kann. Das Potenzial war ja da. Jetzt scha e ich es, genau das auch im Club abzurufen.“

Dabei sind Tore und Torvorlagen nur die sichtbarsten Indikatoren für Baumgartners Leistungs-Explosion. Eine seiner großen Stärken, das Anlaufen der Gegner,

lässt sich bei weitem nicht so einfach messen. „Mir sind auch andere Dinge für eine gute Leistung sehr, sehr wichtig: Wie scha e ich es, meine Mannschaft zu unterstützen, was leiste ich konkret im Spiel, wie kann ich da das Pressing strukturieren, wie viel Energie bringe ich ins Team?“

Baumgartner ist in Leipzig zum Führungsspieler gereift, blickt schon auf acht Bundesliga-Saisonen zurück, trug im April erstmals die Kapitänsbinde. Im ÖFBTeam zählt er seit 2020 zum Stamm. Dort passt er nicht nur aufgrund seiner Pressingstärke perfekt ins System von Ralf Rangnick, er entwickelte sich unter dem Deutschen zu einem Torgaranten und damit zum Ho nungsträger.

„Vor der letzten EM hat es eine Phase gegeben, in der ich fünf Spiele in Folge getro en habe. Da war klar, dass der Anspruch an mich steigt, auch weil ich im Team einen Tick o ensiver als in Leipzig

spiele.“ Teamkollege Michael Gregoritsch attestierte vor dem EM-Spiel gegen Polen gar mögliche Rückenschmerzen, weil Baumgartner die Last eines ganzen Landes tragen müsse. Doch dieser hielt dem Druck stand – er traf beim 3:1-Sieg zum 2:1 – und ist dafür dankbar: „Druck ist ein Privileg, ein Zeichen dafür, dass du dir vorher etwas erarbeitet hast. Hätte ich vor der EM keine gute Phase gehabt, wären die Erwartungen an mich andere gewesen.“ Entscheidend sei, sich „von dem Ganzen nicht erdrücken zu lassen. Dass ich mir das erarbeitet habe, muss ich mir immer wieder einprägen, um Druck in positive Energie umzuwandeln.“

Maximaler Einsatz

Wie das genau funktioniert, macht Baumgartner am Beispiel Skisport klar: „Wenn Marcel Hirscher im Slalom als Letzter bei der WM startet, lastet ein immenser Druck auf ihm. Aber das ist absolut positiv, weil es bedeutet, dass er einen guten ersten Durchgang gefahren ist. Hätte er im ersten Lauf nicht performt, wäre der Druck deutlich geringer. Wenn er es sich aussuchen könnte, würde er jedoch jedes Mal die erste Situation und damit den Druck wählen.“

Diesem Mindset folgend, verteidigt Baumgartner auch die gestiegene Erwartungshaltung an das ÖFB-Team bei der WM 2026, selbst für das Duell mit dem amtierenden Weltmeister. „Wir haben Italien geschlagen, haben Deutschland geschlagen. Ich bin mir sicher, dass wir an einem perfekten Tag auch Argentinien schlagen können.“

Generell müsse man sich für eine erfolgreiche WM in jedem Spiel, in jedem Training „bewusst sein, dass wir an unser Leistungsmaximum kommen müssen. Dann ist alles möglich“, sagt Christoph Baumgartner. Selbst der WM-Titel? „Du musst nach dem Höchsten streben. Nur so kannst du dich ans Limit pushen. Und wenn wir Spieler und die Fans nicht daran glauben oder davon träumen, kann das gar nicht Realität werden.“

„Wir haben gegen Italien und Deutschland gewonnen. Wir können auch Argentinien schlagen.“

Christoph Baumgartner

26, hat bei RB Leipzig in der abgelaufenen Saison einen gewaltigen Sprung gemacht und war einer der torgefährlichsten Spieler der Liga. Abgehoben wirkt er dennoch nie. Als Lehrerkind unterstützt er u. a. ein Schulprojekt in Uganda. Insta: @baumi_14

Auf ihn kann man

Konrad Laimer ist der komplette Fußballer. Zu hoch gelobt? Nein. Denn diese Zahlen lügen nicht.

90,5

Prozent angekommene Pässe in der Champions League zeigen, dass Laimer nicht nur Bälle erobert, sondern diese auch im Team hält. 44-mal spielte er ins Angriffsdrittel. Rangnick: „In diesem Bereich hat er sich noch mal enorm verbessert.“

3

Lungen sind – so will es das Gerücht – verantwortlich für Laimers Laufstärke. Wichtiger sei laut Rangnick, einem seiner frühesten Förderer, aber sein Herz: „Er ist nicht nur ein hochprofessioneller Fußballer, sondern auch ein toller und bodenständiger Mensch.“

34,6

km/h erreichte Laimer in dieser Saison. Was ihn unter anderen TopSprintern hervorhebt: Er läuft nicht nur schnell, sondern auch viel (bis zu 12,5 Kilometer pro Spiel). Diese Kombi mache ihn laut Ralf Rangnick zu „einem der besten Umschaltspieler, die es gibt“.

675

Minuten absolvierte Laimer in der WM-Qualifikation, bei allen Partien war er von Beginn an dabei. Rangnick nennt ihn „ein Geschenk für jeden Trainer“ und wechselte ihn nur gegen San Marino zur Pause aus. Spielstand zu diesem Zeitpunkt: 4:0.

Konrad Laimer

29, gelang bei Red Bull Salzburg der Durchbruch. Über RB Leipzig kam er zum FC Bayern München. Er ist dreifacher österreichischer Meister, zweifacher deutscher Meister und einfacher Vater. Insta: @konradlaimer

Musiker Paul Pizzera weiß, was gespielt wird: Hier ist seine Hymne auf ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick

Professor Ralf und die Rolle des Dirigenten

Es gibt Trainer, die wirken wie Animateure in teuren Sneakers. Viel Energie, viel Gestik, viel „Männer, jetzt Vollgas!“. Und dann gibt es Ralf Rangnick. Bei ihm hat man das Gefühl, dass er nicht einfach Fußball trainiert, sondern ein gutes Orchester dirigiert. Jeder weiß, wann er laut sein muss, wann leise, wann er nach vorne muss, wann zurück. Und das Erstaunliche ist: Es schaut bei ihm nie nach Zufall aus. Sondern nach Plan. Nach einem sehr gescheiten Plan.

Paul Pizzera

Der Spitzname „Professor“ ist bei anderen oft ein kleiner Seitenhieb. Bei Rangnick ist er eher eine nüchterne Berufsbezeichnung ohne Uni-Stempel. Der Mann erklärt Fußball so, dass man nach fünf Minuten das Gefühl hat: Natürlich, genau so muss das sein. Räume schließen, Räume öffnen, im richtigen Moment Druck machen, im richtigen Moment den Ball laufen lassen. Plötzlich klingt etwas, das vorher wie eine Geheimwissenschaft gewirkt hat, logisch. So logisch, dass man sich fragt, warum nicht schon früher jemand so klar darüber gesprochen hat.

Was ihn dabei so besonders macht: Er trägt seine Bildung nicht wie eine Auszeichnung vor sich her. Er ist keiner, der im Raum steht und dauernd beweisen muss, wie viel er weiß. Er weiß es einfach. Und er verbindet dieses Wissen mit einem offenen Blick auf Menschen. Rangnick schaut nicht bloß auf den linken Fuß, die Sprintwerte oder die Passquote. Er schaut auf den ganzen Menschen. Auf den Charakter, die Haltung, die Rolle in der Gruppe. Er versteht, dass eine Mannschaft keine Maschine ist, sondern eher wie eine gute Band: Der Sänger allein macht noch kein Konzert. Erst wenn Schlagzeug, Bass, Gitarre und die stilleren Typen im Hintergrund zusammenspielen, wird daraus etwas, das trägt.

Und genau dieses Gefühl für das Gefüge zeigt sich auch daran, dass er einen wie David Alaba nicht einfach wegen seiner Verletzung zu Hause lässt, sondern als playing captain mitnimmt – als jemanden, der als Charakter für das Team sehr wichtig ist.

Vielleicht taugt er mir auch deshalb so, weil er diesen seltenen Mix hat: hohe Ansprüche, aber kein Herabblicken. Er fordert viel, ohne die Leute klein zu machen. Er redet nicht so, als wäre Fußball eine Strafe für jene, die noch nicht alles begriffen haben. Sondern wie eine Einladung, gemeinsam besser zu werden. Das ist nicht nur modern, das ist auch menschlich. Und im besten Sinn inklusiv. Da geht es nicht darum, wer der Lauteste ist oder wer am schönsten jubelt. Da geht es darum, dass jeder eingebunden ist, jeder mitdenkt, jeder gebraucht wird.

Und genau deshalb macht diese Nationalmannschaft im Moment so viel Freude. Man schaut ihr zu und merkt: Das ist kein loses Sammelsurium talentierter Einzelspieler, die zufällig dieselben Farben tragen. Das ist eine Mannschaft. Eine richtige. Eine, die gemeinsam arbeitet, gemeinsam verteidigt, gemeinsam angreift. Wenn Österreich unter Rangnick presst, dann wirkt das

37, stürmte als Grazer früher die Tribüne des SK Sturm, später als Teil von Pizzera & Jaus bzw. AUT of Orda die Charts. 2024 bekam er vom ÖFB-Team um Ralf Rangnick den Auftrag, einen EMSong zu schreiben.

Ralf Rangnick

67, steht musikalisch auf Balladen, sportlich auf Tempo-Fußball. Der Schwabe ist nach Stopps u.a. bei Ulm, Hoffenheim und RB Leipzig seit 2022 Österreichs Teamchef.

nicht wie hektisches Hinterherrennen. Eher wie eine automatische Schiebetür: Sobald sich irgendwo eine Lücke auftut, ist sie im nächsten Moment schon wieder zu. Und wenn der Ball gewonnen wird, geht es nach vorne, zackig und entschlossen, als hätten alle denselben Gedanken zur selben Sekunde.

Das macht als Zuschauer einen Riesenspaß. Weil man genau spürt: Da steckt Mut drin. Da will nicht einer bloß irgendwie überleben. Da will eine Mannschaft das Spiel gestalten. Und das ist für ein Land wie Österreich schon etwas sehr Schönes. Wir sind ja manchmal Weltmeister im vorsichtigen Schauen, im skeptischen Nicken, im „Schau ma mal“. Dieses Team aber spielt nicht wie ein „Schau ma mal“. Es spielt wie ein „Jetzt probieren wir’s“. Mit Ordnung, aber ohne Angst. Mit Respekt, aber ohne Unterwürfigkeit. Und das ist auch ein Verdienst des Trainers.

Rangnick hat dem Team nicht nur Struktur gegeben, sondern auch Haltung. Er hat aus einzelnen guten Spielern eine gemeinsame Idee geformt. Das ist vielleicht überhaupt seine größte Stärke. Er baut nicht nur Taktik, er baut Überzeugung. Und Überzeugung ist im Fußball oft der Unterschied zwischen einer Mannschaft, die nur rennt, und einer, die weiß, warum sie rennt.

Ich mag auch, dass bei ihm nie das Gefühl entsteht, er wolle der Hauptdarsteller sein. Es gibt Trainer, die stehen am Rand wie Solisten, die auf ihren Applaus warten. Rangnick wirkt eher wie einer, der das Flutlicht auf die Mannschaft richtet. Der Rahmen ist wichtig, aber im Bild sollen die Spieler glänzen. Das sagt viel über ihn. Über seine Souveränität. Und auch über seine Größe.

Und wenn man sich anschaut, wie etwa ein Projekt wie der EM-Song „hoch gwimmas (n)imma“ entstanden ist, dann passt das ins Bild: eine Zusammenarbeit, die auf Augenhöhe passiert, wertschätzend, entspannt – und genau deshalb funktioniert.

„…

und dann ist alles möglich!“

Was bringt die WM? Für das ÖFB-Team und für Zuschauer zu Hause? Ein Anstoß vom ServusTV-Expertenteam.

Wer selbst schon bei einer WM in den USA aufgelaufen ist (Jan Åge Fjørtoft), Cristiano Ronaldo erfolgreich vom Toreschießen abgehalten hat (Sebastian Prödl) oder zu den besten Torschützen seines Landes zählt (Marc Janko), hat sich das Upgrade von „Ex-Fußballer“ auf „Fußball-Experte“ redlich verdient.

ServusTV hat dieses illustre Trio für sein Expertenteam der WM 2026, dem auch noch Florian Klein, Martin Harnik und Ste en Freund angehören, verpflichtet. Für uns geben Fjørtoft, Prödl und Janko exklusive Einschätzungen und damit zugleich einen Vorgeschmack auf das, was ServusTV-Zuseherinnen und -Zuseher während der WM erwartet: 52 LiveSpiele, darunter Österreich gegen Argentinien, und geballtes Fachwissen.

Die erste WM-Erinnerung

Am Anfang war der Fernseher: Wo Fußball-Liebe ihren Ursprung nahm.

Jan Åge Fjørtoft, 59

„Das weiß ich genau, denn es ist überhaupt meine erste Fußballerinnerung: das WM-Finale 1974 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Holland. Deren orangefarbene Trikots haben einen großen Eindruck gemacht auf einen Siebenjährigen – besonders die Nummer 14, Johan Cruyff. Ich habe gelernt, dass am Ende immer Deutschland gewinnt. Aber 2026 nicht!“

Marc Janko, 42

„Meine ersten Erinnerungen an eine WM stammen von der 1990 in Italien. Österreich war ja dabei, und ich durfte viele Spiele im Urlaub in Kärnten schauen. Vor allem ist mir die fantastische Stimmung in Erinnerung geblieben. Alle sind irgendwo vor dem Fernseher gestanden, die Stadien waren voll, die Leute waren euphorisiert. Das hat mich richtig angesteckt. Italien hat in mir, wie bei vielen wahrscheinlich auch, die Liebe zu diesem Sport entfacht.“

Sebastian Prödl, 38

„Als damaliger Spieler von Sturm Graz ist es natürlich das Tor von Ivo Vastic bei der WM 1998. An 1994 kann ich mich vage erinnern, hauptsächlich an das Sammeln von PaniniStickern. Aber das war mehr Kinder-Beschäftigung als echter Fanatismus. 1998 war es ganz anders. Ich habe mit meinen Freunden vor dem Fernseher gelitten, mitgefühlt, aufgeatmet, gejubelt! Da wurde mir klar: Das ist die österreichische Nationalmannschaft.“

1990 gelang Österreich der letzte WM-Sieg: 2:1 vs. USA. Bild: Manfred Linzmaier beim 0:1 gegen Gastgeber Italien.

1998: Österreichs letzter WM-Auftritt war geprägt von späten Toren. Bild: Jubel um Ivo Vastic nach dem 1:1 vs. Chile.

Dank der EM-Teilnahmen heute Öster-reicher an Erfahrung

Bild: Marcel Sabitzer beim 3:2 gegen die Niederlande 2024.

DIE FAVORITEN

Das dreifache Frankreich, alte Bekannte und (jetzt nicht mehr) Geheimtipps.

Fjørtoft: „Frankreich könnte sicher mit drei Mannschaften dort spielen. Und alle würden Favoriten sein. Dazu kommen die üblichen Verdächtigen: Spanien mit seiner Fußballkultur, England, das bei den letzten Turnieren immer gut dabei war, Argentinien mit Messi. Und auch Brasilien mit Trainer Ancelotti sollte man nicht unterschätzen. Ich möchte zudem betonen, dass ich bewusst nicht Deutschland sage.“ (Lacht.)

Prödl: „Das ist schwer einzuschätzen, weil die Spieler einer so großen Belastung ausgesetzt sind. Angesichts der hohen Temperaturen bei der WM werden nicht unbedingt die Besten, son-

ÖSTERREICHS CHANCEN

Wieso das ÖFB-Team Vorteile hat und sich ein Experte lieber nicht festlegt.

Fjørtoft: „Ralf Rangnick hat eine Truppe zusammengestellt, die bei einem Turnier bereits gezeigt hat, was sie kann. Das ist der große Unterschied etwa zu Norwegen, das seit 2000 bei keinem Großereignis dabei war. Wenn die österreichischen Schlüsselspieler fit sind und Team wieder so eine Leidenschaft wie bei der EM 2024 zeigt, dann ist dank dieser Erfahrung alles möglich.“

dern die Erholtesten und Fittesten gewinnen. Natürlich gibt es Teams mit einer unglaublichen Breite im Kader – allen voran Frankreich. Aber viele Top-Spieler hatten wegen der Klub-WM und Co gefühlt zwei Jahre keinen Urlaub mehr. Ich schätze, dass die Nordafrikaner – also Marokko und Algerien – sehr gut performen werden.“

Janko: „Ich glaube, dass die Spanier gute Karten haben. Diese Mannschaft gefällt mir sehr gut, auch weil sie sich als solche präsentiert und nicht als ein Sammelsurium von Einzelkönnern. Frankreich muss man immer dazuzählen. Hier hat es Deschamps geschafft, aus all den großen Namen ein Team zu formen. Nicht immer, aber sehr, sehr oft. Eine Kategorie darunter sehe ich dann Argentinien und Brasilien. Und Japan könnte ein richtiges ‚Dark Horse‘ sein, also ein Geheimfavorit.“

Prödl: „In den letzten Jahren hat das Team ein Gefühl von Erfolgshunger, von Erfolgsverständnis geschaffen. Es ist also normal, dass alle, auch ich, große Hoffnungen hegen. Einen rot-weiß-roten WM-Sieg zu sehen, würde mich freuen –beim letzten (1990; Anm.) war ich zu klein. Das ist das Mindestziel. Alles darüber hinaus, ob Achtelfinale, Viertelfinale oder was auch immer, traue ich mich nicht zu prophezeien. Ich habe ein einziges Mal in meinem Leben eine Sportwette abgegeben –um drei Euro mit 16 Jahren –, und die ging verloren.“

Janko: „Ich sage das aus freien Stücken und meine es ganz ehrlich: Unsere Jungs werden auf jeden Fall die Gruppenphase überstehen. Und ich glaube, dass wir das Potenzial haben, bei gutem Turnierverlauf, mit ein bisschen Losglück und wenn wir den ganz großen Nationen ausweichen, bis ins Viertelfinale zu kommen.“

Wir panieren nicht nur die Gegner

Marcel Sabitzers Leibgericht und was Zwei-Hauben-Koch Fritz Grampelhuber darüber denkt.

Marcel Sabitzer ist ein echter Flügelspieler. Damit ist allerdings nicht die Position des 32-Jährigen im Nationalteam gemeint, sondern eine kulinarische Vorliebe. Der Mittelfeldmann steht auf Chicken Wings und damit auf ein Gericht, das für Köche maximal Regionalliga-Niveau hat. Dabei gehen die Ursprünge von Sabitzers Wings-Vorliebe auf die Champions League zurück, wie ÖFB-Teamkoch Fritz Grampelhuber in seinem Buch „Fritz, was gibt’s?“ erzählt.

Champions Wings

Sabitzer, damals beim FC Bayern unter Vertrag, wollte vor einem ÖFB-Einsatz Chicken Wings genießen, wie es in München vor einem Champions-League-Auswärtsspiel. Brauch ist. Also war ZweiHauben-Koch Grampelhuber gefordert. Er nahm die Wings in sein Repertoire und lernte dabei, dass man auch bei einem so simplen Gericht richtig viel falsch machen kann. Sein Lehrmeister: Sabitzer. „Der kann über sämtliche Facetten von Knusprigkeit oder die richtige Schärfe in einer Ausführlichkeit philosophieren wie andere über den Sinn des Lebens“, erläutert der Koch. Grampelhuber weiter: „Ich hasse es, die Dinger zu machen.“ Mittlerweile ist er sogar ein „bisserl traumatisiert“ –

Marcel Sabitzer 32, steht seit 2012 im Kader des ÖFB-Teams und sitzt dort beim Essen am „Spezialistentisch“ mit den weiteren „Häuptlingen“ David Alaba und Marko Arnautovic.

nicht zuletzt wegen einer von Sabitzer verschmähten Variation mit Flügerln von Stubenküken. Dennoch macht er für Marcel Sabitzer immer wieder Ausnahmen, wie hier abgebildet mit Wasabi-Coleslaw und Avocado-Pommes. Der Grund ist klar: „Wenn einer bald sein

hundertstes Länderspiel gemacht haben wird und auf seiner sportlichen Visitenkarte Rapid, Red Bull Salzburg, RB Leipzig, Bayern München, Manchester United und Borussia Dortmund stehen hat, dann steht ihm ein Sonderstatus zu – und Hühnerflügerl.“

Hier erfahrt ihr mehr zu den Lieblingsgerichten der ÖFB-Kicker: „Fritz, was gibt’s?“, Servus Verlag, 192 Seiten, € 35

Der Code zum Erfolg

NICO WILLIAMS, RICHARD RÍOS, NEYMAR JR., ALPHONSO DAVIES, MEMPHIS DEPAY

Ein breites Lächeln, brasilianische Vibes, harte Kritik oder ein Straßenmatch mit alten Kumpels: Woher diese fünf WeltklasseFußballer ihre Energie nehmen.

Text Christian Eberle-Abasolo
Grenzenloser Einsatz: Alphonso Davies, 25, im Spiel Kanada vs. Mexiko drei Tage vor seinem Kreuzbandriss im März 2025.

Nico Williams

Wieso der Spanier am liebsten auch heute noch mit den Kumpels aus seinem Viertel kickt. Der Lokalpatriot

Von 2008 bis 2012 dominierte Spanien mit zwei EM- und einem WM-Titel die Fußballwelt, und das dank brillanter Akademiespieler und ihres Kurzpassspiels Tiqui-Taca. Es folgten zehn Jahre der Ernüchterung, ehe eine neue Generation der einstigen Erfolgsformel ein Upgrade verpasste.

Kollektiver Ballbesitz-Fußball wurde mit individuellen Dribblings und Sturmläufen ergänzt. Das Ergebnis: Spektakel, Tore und der Triumph bei der EURO 2024. Dieses „neue Spanien“ wird von zwei Spielern ganz besonders geprägt: Lamine Yamal, 18, und Nico Williams, 23. „Wir sind Kinder der Straße, Kinder unserer Viertel“, sagt Williams, „wir bringen den Straßenfußball in die Nationalmannschaft.“

Nico Williams wuchs als Kind ghanaischer Einwanderer in Pamplona auf, ehe er seinem Bruder Iñaki in die Fußballakademie von Athletic Bilbao folgte. Sein Heimatviertel Buztintxuri hat der Flügelspieler gedanklich aber nie verlassen: „Jedes Mal, wenn ich auf den Platz gehe, habe ich mein Viertel im Kopf. Ich bin immer noch der Junge, der auf dem Platz hinter der Kirche gekickt hat.“

Dort sei er „durch ständige Tritte abgehärtet“ worden und habe seinen Stil entwickelt.

Noch heute zieht es Nico oft nach Buztintxuri zurück, wo ihn neben seinen alten Freunden auch viele Migrantenkinder an die eigene Jugend erinnern. Die Postleitzahl des Viertels trägt er als Tattoo am Oberarm. „Ich weiß, dass viele Kinder in mir ein Vorbild sehen. Ich spiele auch für sie.“

2026 hat Nico Williams sein eigenes 4-gegen-4-Turnier für Stadtviertel ausgerufen. Infos und Videos: redbull.com/reydelbarrio

Stets mit beiden Beinen am Boden geblieben: Nico Williams, 23, früher Straßenkicker in Pamplona, heute einer der begehrtesten Fußballer der Welt

Richard R íos

Wie Futsal für den Kolumbianer vom Ausweg zum Karrieresprung wurde.

Der Anpassungsfähige

Zu klein, zu fragil, zu schwach: So urteilten Trainer über den jungen Richard Ríos. Heute hat er mit 1,85 Meter nicht nur Gardemaße erreicht, sondern auch Weltniveau. Dabei ging Ríos bis 2018 noch in einer anderen Disziplin ans Werk.

Nachdem ihm der klassische Weg Richtung Profifußballer verstellt wurde, landete Ríos beim Futsal, der in Südamerika populären Hallenfußballvariante. Auf dem wortwörtlich harten Boden der Realität („Von professionell waren wir weit entfernt“) angekommen, lernte er sich durchzusetzen: gegen körperlich überlegene Gegner, kritische Stimmen und die Beengtheit des Sports – ein Futsal-Feld misst weniger als ein Drittel eines regulären Rasenplatzes.

Das Ergebnis: ein Fußballer mit purer Willenskraft. „Ich bin ein Kämpfer, gebe keinen Ball verloren und muss gewinnen, egal worum es geht“, beschreibt sich Ríos selbst. Die geschärften Fähigkeiten blieben nicht lange unbemerkt. Als Teil der nationalen Futsal-Auswahl nahm Ríos 2018 an der südamerikanischen U20 -Meisterschaft teil und bekam danach ein Angebot – von Topklub Flamengo, für die Fußball-Division, wohlgemerkt.

Was den Scouts aufgefallen ist, sind jene Attribute, von denen Ríos noch heute zehrt und die er seinem

Karriere-Umweg verdankt: „Wenn es kaum Platz gibt und kaum Zeit, Entscheidungen zu treffen, kommt der FutsalSpieler in mir heraus“, erklärt Ríos. „Kurze Pässe, Dribblings, auf den Ball steigen.“ Aber führt die langjährige Absenz auf großen Feldern nicht zu Schwächen? „Ich musste einiges lernen: weite Pässe, diagonale Räume, Abseits. Aber ich bringe das auf den Platz, was ich beim Futsal gelernt habe. Und das ist auch der Wille, mich täglich weiter zu verbessern.“

Die Gen Z trägt seine Frisur, er selbst nach Jahren im Futsal heute mit Stolz das Teamtrikot Kolumbiens: Richard Ríos, 26

HÖCHSTES NIVEAU

In ihrem neuesten Projekt mit Red Bull stellen sich Ausnahmefußballer Ausnahmesituationen. Endrick, Richard Ríos, Neymar Jr. und FußballFreestyler Séan Garnier mussten etwa den Ball in der Luft hin und her passen, während ihr Plateau auf bis zu 15 Meter Höhe anwuchs. Alle Folgen gibt es auf dem YouTube-Kanal von Red Bull.

NEYMAR JR.

Warum Brasiliens Superstar die Kritik an ihm als Treibstoff nutzt.

Der Medienzar

Über zwanzig Jahre steht Neymar Jr. schon im Fokus der Fußballwelt: Teenager-Sensation bei Santos, Champions-League-Sieger beim FC Barcelona, teuerster Transfer aller Zeiten bei Paris Saint-Germain, Rekordtorschütze für Brasilien.

Es gibt nur wenige Fußballer, über die in den vergangenen Jahren so viel gesprochen wurde wie über Neymar Jr. Für viele ist er einer der Größten dieser Zeit, für andere ein Showman, dem am Platz die Effizienz fehlt. Eine PartyDiva ohne Arbeitsethos. Ein Söldner, der mit dem Fußball längst abgeschlossen hat. Wer Neymar Jr. wirklich ist, beantwortet er nun selbst. In der Reality-Serie „Neymar Jr. Full Access“ übernimmt er das Sprechen, gibt tiefe Einblicke in sein Leben und zeigt, dass sein Weg noch lange nicht zu Ende ist.

„Wer Profifußballer wird, hat einen hohen Preis zu zahlen“, sagt er da etwa während der Physiotherapie in die Kamera. Und damit sind nicht die 46 Verletzungen gemeint, die zu einem großen Teil auf gegnerische Attacken zurückzuführen sind. So wurde er allein zwischen 2016 und 2022 ganze 1040-mal gefoult

– über 200-mal öfter als der Zweitplatzierte in diesem Ranking, Lionel Messi. Neymar Jr. meint damit Hater, kritische Medien und den ständigen Druck der Öffentlichkeit. „Die Leute hauen nach jedem Fehler sofort auf dich drauf. Sie verstehen nicht, dass ich auch nur ein Mensch bin.“

Neymars Worte sollte man nicht als Jammern verstehen, sondern als nüchterne Analyse: Schließlich nutzt der Offensivspieler alles, was über ihn gesagt wird – ob gut oder schlecht –, „als Treibstoff“. Und auch nach 25 offiziellen Titeln und unzähligen Auszeichnungen will Neymar Jr. eigentlich nur eines: Fußball spielen. Für seinen Herzensklub Santos und die Seleçao. „Ich weiß um meine Qualitäten“, sagt er, „und kann dem Team helfen.“ Dafür ist er zurück nach Brasilien gewechselt, dafür pendelt er täglich stunden-

lang zwischen Kraftkammer, Massagebank und Fußballplatz. Spielt er einmal nicht, dominiert er dennoch die Schlagzeilen. „Vor Brasiliens Kadernominierung im März fiel mein Name etwa eine Trillion Mal“, sagt Neymar Jr. und lacht. Kein Problem für ihn: Er ist die Aufmerksamkeit gewohnt.

Die Neymar Jr. YouTubeSerie läuft auf Red Bull TV und auch auf Neymar Jr.s YouTube-Kanal.

Mittelpunkt des Medienzirkus: Neymar Jr., 34, checkt im Teambus sein Handy, davor warten Tausende Fans auf ihn.

Alphonso Davies

Warum den Kanadier in guten wie in schlechten Zeiten ein breites Lächeln begleitet. Der Strahlemann

Vom Flüchtlingscamp in Afrika zum Hoffnungsträger. Vom Krankenbett zurück auf die Champions-League-Bühne.

Alphonso Davies hat mit 25 Jahren schon viel durchgemacht. Eines ist ihm aber stets geblieben: sein Lächeln.

„Er hatte eine Energie, die durch die Decke ging, und dabei immer dieses Lächeln auf dem Gesicht“, erzählt Craig Dalrymple, Akademieleiter der Vancouver Whitecaps, über den jungen Davies. Mit 14 Jahren sticht dieser deutlich hervor: schnell, körperlich stark und erstaunlich reif. „Ich musste auf meine zwei kleinen Geschwister aufpassen, da meine Eltern jeweils zwei Jobs hatten“, sagt Davies und ergänzt: „Ich war immer der in der Familie, der alle aufgemuntert hat.“

So schnell Davies auf dem Feld ist (sein Sprintrekord liegt bei 36,51 km/h), so schnell nahm auch seine Karriere Fahrt auf: Profivertrag in Vancouver mit 15, Durchbruch in der amerikanischen Liga, Wechsel zum FC Bayern mit nur 17 Jahren und dann, 2020, nur zwei Jahre später, der Champions-League-Sieg – als Stammspieler und erster Kanadier überhaupt. „Diese Trophäe mit 19 in die Luft zu stemmen, war irre“, sagt Davies. „Ich habe vor lauter Freude zwei Tage lang nicht geschlafen.“

Mit dem für viele weltweit besten Linksverteidiger in den eigenen Reihen stiegen auch die Erwartungen an das kanadische Team. 2022 konnte man sich erstmals seit 36 Jahren wieder für eine WM-Endrunde qualifizieren und dort erstmals ein Tor erzielen. Der Schütze: Alphonso Davies. Vier Jahre später wartet mit der Heim-WM eine noch größere Herausforderung, auch für Davies. Ein Kreuzbandriss im März 2025 führte dazu, dass „all meine Energie wie weggeflogen war. Aber dann habe ich gesagt: Ich kann entweder hier sitzen und trauern – oder ein Lächeln aufsetzen und mich durchkämpfen.“

13 Monate später stand Davies im Champions-LeagueHalbfinale in der Startelf.

Mit neuer Energie: Alphonso Davies, 25, ist wieder fit. Nun führt der Bayern-Star Team Kanada bei seiner „WM dahoam“ an.

HIER WIMMELT ES VON LEGENDEN

Was wir in der Zeit, in der Österreich nicht bei der WM dabei war, verpasst haben?

Ganz schön viel! Finde die elf ikonischen Momente, die wir in unserem Wimmelbild versteckt haben.

Text Christian Eberle-Abasolo

Illustration Team Rottensteiner

Wir feiern menschliche Kreativität

Auflösung

Genialer Winkelzug

Um vom Gerede über seine Verletzungen abzulenken, rasiert sich Brasiliens Ronaldo alle Haare bis auf ein Dreieck über der Stirn ab. Pythagoras jubelt, die Mütter der Kinder, die’s ihm nachahmen, weniger. 2021 entschuldigt sich der WM-Torschützenkönig dafür.

Ein Mann sieht rot & Rot

2014

Biss zum nächsten Mal

Über der Gürtellinie

Im Finale tritt Europameister Spanien mit breiter Brust auf. Das gefällt den Holländern und vor allem Nigel de Jong nicht, also tritt er gegen selbige von Xabi Alonso.

Uruguays Stürmer Luis Suárez beißt gegen Italien Ver teidiger Giorgio Chiellini in die Schulter und wird daraufhin vier Monate gesperrt. Kurios, dass es die Italiener schlimmer trifft: Es war ihr bis dato letztes WM-Spiel.

2014

Holländer

Im Finale zwischen Frankreich und Italien setzt Zinédine Zidane den ihn provozierenden Marco Materazzi per Kopfstoß auf den Hosenboden – und die folgende Rote Karte seiner Karriere ein unrühmliches Ende.

Robin van Persie versenkt im Spiel Niederlande gegen Spanien eine Flanke per Flugkopfball zum 1:1. Am Ende ist der amtierende Weltmeister (Spanien) mit 1:5 untergegangen.

2010

Neuer und ein alter Hut

Der Kärntner Illustrator Robert Rottensteiner zeichnet jeden Tag – seit über 60 Jahren. Sein Spezialgebiet: Wimmelbilder. Scanne den QR-Code und schau dir an, wie er unser Fußball-Gewusel Strich für Strich zum Leben erweckt – ganz ohne KI.

Der Schuss von England-Star Frank Lampard geht von der Latte über die Linie, doch der Schiedsrichter gibt das Tor nicht. Manuel Neuer fängt und freut sich über Deutschlands späte Rache für das 1966 (höchstwahrscheinlich) falsch gewertete Wembley-Tor.

2022

Drehung, Samba, Ausfallschritt

Brasiliens Richarlison erzielt per Seitfallzieher das für viele schönste Tor der WM. Seine Mitspieler bejubeln jeden Treffer mit einem Tänzchen. Das kostet Kraft. Und im Viertelfinale gegen Kroatien letztlich den Sieg.

Offene Ohren, offene Rechnung

vereidigt

Erst verteidigt, dann

US-Torhüter Tim Howard pariert gegen Belgien 16 Schüsse (WM-Rekord) und wird zum US-Verteidigungsminister ernannt –wenn auch nur für kurze Zeit auf Wikipedia.

2018

CR7 lässt seine Muskeln spielen

In einem Fußball-Krimi trifft Portugals Cristiano Ronaldo gegen Spanien dreimal, zuletzt per Freistoß zum 3:3. Gespannt waren da nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Oberschenkel.

Argentiniens Lionel Messi bejubelt gegen die Niederlande ein Tor im Stil seines Idols Juan Román Riquelme. Der war einst bei Barcelona von Trainer Louis van Gaal, nun Coach der Holländer, kritisiert worden. Unerhört!

2022

Keeper mit Knall

Argentiniens Emiliano Martínez lässt Kritik an seinem obszönen Jubel mit der Trophäe für den besten Torhüter des Turniers ebenso abprallen wie davor den Schuss von Frankreichs Stürmer Randal Kolo Muani in der 123. Minute des Finales.

Memphis Depay

Wie der holländische Top-Torjäger von brasilianischen Vibes inspiriert wird.

Der Pilger

Als der vereinslose 30-jährige Memphis Depay 2024 nach Brasilien wechselte, sahen viele nur einen weiteren Fußballer, der seine Karriere ausklingen lässt. Zwei Jahre und drei Titel später wirkt der Stürmer wie neugeboren. Mal wieder.

Um Memphis Depays Karriere zu beschreiben, greift man am besten auf das Bild einer Achterbahnfahrt zurück: Nach dem Durchbruch bei PSV Eindhoven kam „der Albtraum“ (© Memphis) Manchester United, dem Wiedererstarken bei Olympique Lyonnais folgten eineinhalb durchwachsene Jahre beim FC Barcelona. Und nach einer verletzungsgeplagten Saison bei Atlético Madrid stürmte Memphis mit Oranje bei der EURO 2024 bis ins Halbfinale.

Von diesem Erfolg gestärkt – die Nationalmannschaft ist für ihn „wie ein warmes Bad“ –, nahm Memphis ein Angebot von Corinthians aus São Paulo an und schockte damit Fans und Experten. „Ich wollte zu den Wurzeln des echten Fußballs. Kinder, auch in Europa, bewundern die Brasilianer dafür, wie sie spielen“, sagte Memphis bei seiner Präsentation. „Es ist das Mekka des Fußballs.“

Memphis und Mekka, das passt. Der Angreifer tritt selbstbewusst auf, trifft, assistiert und spielt dabei laut Beobachtern „brasilianischer als die Brasilianer“. Auch abseits des Platzes lässt sich Memphis auf die neue Kultur ein: Essen, Lifestyle – und natürlich die Musik. Die Favelas besuchte er nicht nur, der Musikbesessene widmete ihnen sogar einen RapSong. Denn trotz der sportlichen Erfolge – Cup, Supercup und São-Paulo-Meisterschaft – war für Memphis von Beginn an klar: „Der Grund, warum ich hier bin, ist größer als Fußball.“

Ghanaische Wurzeln, niederländischer Pass, brasilianisches Lebensgefühl: Memphis Depay, 32, Weltbürger.

ARVIDS AUFSTIEG

Seine Karriere begann mit endlosen Zugfahrten und Chapatis aus dem Kofferraum: Wie aus Arvid Lindblad, Spross einer schwedisch-indischenglischen Familie, eine der größten Hoffnungen der Formel 1 wurde.

Text Justin Hynes Übersetzung Werner Jessner Fotos Elliott Morgan

Der Brite Arvid Lindblad, 18, startet 2026 für die Visa Cash App Racing Bulls.

Die Großeltern indisch, der Vater schwedisch, die Lizenz britisch: Das ist Arvid.

Arvid Lindblad geht durch die Boxengasse zur Startlinie. In 16 Minuten startet der Große Preis von Australien, und der 18-Jährige muss für die Nationalhymne in der Mitte in der ersten Reihe stehen. Als die Musikerin Kita Alexander „Advance Australia Fair“ anstimmt, wird Arvid von Nico Hülkenberg auf der einen und Lewis Hamilton auf der anderen Seite flankiert. Er blickt zu Boden und wird sich der Bedeutung des Moments bewusst. „Ein Schild mit dem Namen Arvid Lindblad, direkt darüber das F1-Logo. Ich wurde fast emotional: Wow, das bin ich, ich bin hier! Endlich ist es wahr.“

Die Reise hatte 15 Jahre zuvor begonnen. „Ich war dreieinhalb, mein Vater sass auf dem Sofa und schaute Formel 1, ich setzte mich neben ihn und war hin und weg. Das muss 2011 gewesen sein, also waren es Seb Vettel, Jenson Button und Lewis Hamilton. Ich dachte nur: ‚Wow, das ist so cool.‘ Ich fragte meinen Vater: ‚Kann ich das später auch einmal machen?‘“

Eltern kennen das: In der einen Woche wollen ihre Kinder Polizist werden, in der nächsten Arzt, Pilot oder Astronaut. Lindblad blieb bei Rennfahrer. Im Jahr darauf nahm ihn sein schwedischer Vater Stefan, der in seiner Jugend Motocross gefahren war, erstmals zum Grand Prix von Großbritan nien in Silverstone mit. Das war Schritt zwei auf dem Weg, der 2026 auf dem Grid in Melbourne seinen bisherigen Höhepunkt finden sollte.

Erster Schritt in die Praxis: Stefan scha te seinem Sohn ein Kart an. „Als ich das erste Mal auf der Strecke war, wollte ich nicht mehr weg. Jedes Mal, wenn ich im Kart saß, dachte ich an die Formel 1“, sagt Lindblad. Die Wochenenden wurden zu Ausflügen zu den Strecken in der Nähe des heimatlichen Hauses in Virginia

Water, Surrey. Die Destinationen lauteten Sandown in Esher, Bayford Meadows in Kent und Rye House in Hertfordshire, „wo Lewis angefangen hat“.

„Für mich war es nie nur ein Hobby“, sagt Arvid. „Vielleicht hat das mein Vater so gesehen, weil er gemerkt hat, wie viel Spaß ich hatte. Aber ich stellte mir auch immer die Frage: ‚Wie kann ich besser werden? Wie kann ich dazulernen?‘“

Vorübergehend zog die Familie nach Norden, genauer nach Bolton, zu Arvids indischen Großeltern mütterlicherseits. Heimstrecke wurde Hooton Park, eine kleine, unscheinbare Kartbahn fünfundvierzig Minuten entfernt, am Ufer des Flusses Mersey in der Nähe von Liverpool gelegen. „Das war der Sommer, der alles veränderte“, erinnert sich Arvid. „Mein Vater und ich fuhren jeden zweiten Tag hin. Ich habe trainiert und es geliebt.

In den ersten vier Rennen in der heurigen Saison holte Arvid bereits vier WM-Punkte.

„Ich komme aus einem multikulturellen und multireligiösen Umfeld ...

Meine Großeltern kamen und brachten indisches Essen. In den Pausen habe ich Nanis Rajma, ein Kidneybohnen-Curry, und dazu Chapatis, das Fladenbrot, hinten im Auto gegessen.“

Arvid Lindblad ist stolz auf seine Herkunft. „Ich komme aus einem multikulturellen, multireligiösen Umfeld, und das hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Meine anderen Großeltern leben immer noch in Schweden, in Knivsta, wo mein Vater aufgewachsen ist. Wir haben sie jedes Jahr besucht. Und wir haben viel Zeit mit Mamas Eltern in Bolton verbracht. All das waren wichtige Teile meiner Erziehung. Diese Werte –harte Arbeit, Bescheidenheit, immer sein Bestes zu geben –, die alle drei Kulturen verbinden, haben mich geprägt.“

Eins nach dem anderen Im Lauf der Zeit wurde die Konkurrenz härter. Ein probater Weg, um sich im Kartsport nach vorn zu boxen, ist finanzieller Einsatz: Ein besserer Motor bringt fast automatisch bessere Ergebnisse. Doch Stefan Lindblad ging einen anderen Weg: Sein Sohn sollte lernen, das Maximum aus unterlegenem Material herauszuholen. Dazu kam ein Glücksfall: Mit Oliver Rowland trat ein Mann auf den Plan, der 2015 auf dem Weg zum Formel-Renault-3.5Titel war und heute amtierender FIA Formula-E-Champion ist.

Auf der Suche nach der nächsten Sprosse auf der Karriereleiter waren die Lindblads nämlich an die Racing Steps

Foundation herangetreten, eine Organisation, die britischen Talenten den Aufstieg in der Motorsportwelt erleichtern sollte. Rowland, selbst Alumnus, wollte helfen – und es sollte eine der prägendsten Beziehungen in Lindblads Karriere werden. Aus gelegentlichen Ratschlägen wurde regelmäßiges Coaching – und dann gebar Rowland die Idee eines gemeinsamen Kart-Teams.

„Bevor wir uns versahen, hatten wir einen Sprinter-Van mit Aufstellzelt. Ollie, mein Mechaniker Alex Tee und ich tingelten damit durchs Land und lernten richtig

viel“, erzählt Lindblad. Die Karriere nahm Fahrt auf und weckte das Interesse einer weiteren entscheidenden Person: Helmut Marko. Dem damaligen Chef des Red Bull-Nachwuchsprogramms gefielen Lindblads Leistungen, und er bot ihm einen Platz an.

Neue, vielversprechende Wege taten sich für Arvid auf – vorausgesetzt, er erreichte Zwischenziele, gewann Renn=en und holte Titel. „Es war aufregend“, sagt er. „Helmut hatte Sebastian Vettel und Max Verstappen in die F1 gebracht, und nun glaubte er an mich. Welche Chance, meinen Traum zu verwirklichen! ExtraDruck fühlte ich nicht: Ich selbst wollte Leistung bringen, weil mein Ziel die F1 war.“ Arvid war als Teenie in einem sehr erwachsenen Geschäft gelandet. Die Tage mit Rajma und Chapatis aus dem Ko!erraum waren vorbei.

...

und das hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute

bin.“

Lernkurve de luxe „Rennfahren zwang mich, rasch erwachsen zu werden“, sagt er. „Schon im Alter von neun, zehn Jahren bin ich mit dem Zug durch ganz Großbritannien gereist und, sobald ich konnte, allein geflogen. Das zwingt zur Selbständigkeit. Aber es gab auch Phasen, die wenig Spaß gemacht haben. Familienleben und soziales Umfeld haben gelitten, die Schule ebenso. Es gab eine Zeit, in der ich von der Rennstrecke nach Hause kam und einfach nur mit Freunden abhängen wollte. Ich war vierzehn oder fünfzehn, als ich bemerkte: ‚Ich weiß eigentlich gar nicht, wem ich schreiben soll.‘ Heute habe ich zum ersten

Mal wirklich gute Freunde: Da sind ein oder zwei Jungs, die ich anrufen und mit denen ich über alles reden und lachen kann. Sie sind für mich als Mensch da.“

Sportlich ging es weiter bergauf. Lindblad wechselte vom Kart in sein erstes Rennauto, wurde prompt Dritter in der italienischen F4 und gewann seine Kategorie beim legendären Macau Grand Prix. Dann stieg er in die internationale F3 auf, fuhr im Vorprogramm der F1, gewann gleich bei seinem Debüt in Bahrain – eine Premiere in der Serie – sowie beide Heimrennen in Silverstone. Endergebnis: Platz 4 in der Meisterschaft. Arvid schien unaufhaltsam. Doch dann kam die Formel 2.

Gute Figur: Arvid beim Shoot für The Red Bulletin in London

Rückblickend sagt er: „Die Formel 2 war eines der härtesten Jahre überhaupt. Es gab viele Fragen, auf die ich nie wirklich eine Antwort fand.“ Seine Form schwankte. Zwar gewann er in Dschidda mit 17 Jahren und 254 Tagen als Jüngster der Geschichte in dieser Kategorie und siegte in Barcelona erneut. Aber es gab auch Kollisionen, Disqualifikationen und Strafen. An manchen Wochenenden sah er wie ein künftiger Star aus, an anderen lief gar nichts. Er war 17 Jahre alt, hatte ein Jahr F4 und ein Jahr F3 hinter sich und versuchte, in einer Kategorie zu bestehen, in der Erfahrung die halbe Miete ist.

„Ich hatte Schwierigkeiten, mich gut ins Team einzuarbeiten“, sagt er. „Es lief nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte, und ich verkrampfte mental. Wenn alles zusammenpasste, war ich schnell, aber da ich so rasch aufgestiegen war, gab es Lücken, Dinge, die ich noch nicht erlebt hatte. So musste es fast zwangsläufig zu Phasen kommen, in denen es gar nicht gut lief.“

Hatte man dem jungen Mann zu viel zugemutet? Seine Mentoren im Red Bull Junior-Programm sahen das anders. Als Isack Hadjar nach nur einer Saison bei den Visa Cash App Racing Bulls zu Red Bull Racing wechselte, wurde beim designierten Nachwuchsteam ein Platz frei. Die Formel 1 winkte! Die entscheidende Frage war, ob und wie Lindblad die Höhen und Tiefen seiner Rookie-Saison in der F2 verarbeitet haben würde. War er reif genug für die größte Bühne im Motorsport?

„Das Sprichwort mag alt sein, aber es stimmt: Aus schwierigen Tagen lernt man mehr als aus guten“, sagt er. „Ich habe aus dem letzten Jahr viel mitgenommen, kenne meine Bedürfnisse besser und weiß, wie ich die Rennwochenenden angehen muss.“ Der Sprung von der F2 in die F1 ist gewaltig. Während ein Pilot in der F2 in der Regel mit 15 bis 20 Leuten arbeitet, mit einem Ingenieur spricht, technisch nur beschränkt Einfluss nehmen kann und ein Auto mit etwas mehr als 600 PS fährt,

Willkommen in der F1: Die Fans haben Arvid schon ins Herz geschlossen.

explodiert in der Formel 1 jeder einzelne Faktor: 60 Leute umschwirren dich und dein Auto, dazu kommt Personal für Marketing, Kommunikation und Hospitality. Die Möglichkeiten, das Auto abzustimmen, sind dramatisch höher, desgleichen die Motorleistung. Allein auf dem Lenkrad befinden sich fast 50 Schalter, Drehregler, Kippschalter, Tasten und Wippen; und jeder einzelne hat eine Funktion. Es ist, als würde man einen Taschenrechner gegen einen Supercomputer tauschen, einen Doppeldecker gegen eine Rakete. „Aufregend, überwältigend … völlig anders als alles, was ich gewohnt war“, beschreibt Lindblad den Umstieg. „Es fühlte sich wie eine andere Sportart an.“

Und gleich Vollgas

Wie sehr sich auch sein Leben verändert hatte, wurde ihm bei den Pre-Season-Tests in Bahrain bewusst. „Ich saß bei meiner ersten Pressekonferenz – noch vor meinem ersten Rennen –, und der Raum war voll. Bislang war ich eher eine schwache Handvoll Journalisten gewohnt. Da dachte ich nur: ‚Wow, okay.‘“

Rennfahrer klappen das Visier zu und blenden die Geräusche von außen aus.

Genau das tat Lindblad. Bei seinem F1Debüt in Melbourne vertraute er auf das, worauf ihn die frühen Morgenstunden im Hooton Park und die ewigen Runden mit unterlegenen Karts vorbereitet hatten. „Sobald die Ampeln ausgingen, nutzte ich jede Lücke, die ich finden konnte, und stürzte mich ins Getümmel. Ich schob mich zwischen Lando Norris und Lewis Hamilton, und bevor ich mich versah, lag ich auf Position 4. Später kämpfte ich mit Isack und Lewis Rad an Rad“, sagt er, immer noch ein wenig überwältigt, denn: „Lewis war ein wichtiger Grund, warum ich mich in diesen Sport verliebt habe.“

Seinen ersten Grand Prix beendete er auf Platz 8 und war somit der jüngste Brite, der je F1-Punkte sammeln konnte. Nach seinen Duellen gegen die Weltmeister Norris und Hamilton bezeichnete ihn die Presse als „furchtlos“. Zu Recht? „Ich habe enormen Respekt vor verdienten Fahrern wie Max, Lewis oder Fernando. Aber werde ich sie auf der Strecke anders behandeln? Nein. Ich werde hart, aber

„Als würde man einen Doppeldecker gegen eine Rakete tauschen: So fühlt man sich in der Formel 1.“

fair gegen jeden fahren. Und wenn sich eine Chance bietet, werde ich sie nutzen.“

Seine ersten Monate in der F1 sind erst der Beginn einer weiterhin steilen Lernkurve. „In Japan bin ich von Platz 10 gestartet und lag am Ende der ersten Runde auf Platz 8. Ich war fast ein bisschen überfordert, in dem Sinne, dass ich weiter vorn liege, als ich sollte. Hinter mir sind schnellere Autos; ich versuche, meine Position zu verteidigen. Das ist mental anstrengend.“

Wieder etwas, das er lernen muss, ein weiterer Schritt auf dem Weg. Das ist Arvid Lindblads neue Welt – aber es ist auch eine, die er sehr gut kennt, denn sonst wäre er nicht da, wo er heute ist. „Motorsport ist seltsam“, sagt er und

lächelt. „Man arbeitet, um den nächsten Schritt zu tun, doch sobald der getan ist, fängt man wieder ‚unten‘ an.“

Wann immer aktuell Hürden auftauchen – was im (zwei)wöchentlichen Match gegen die Besten der Welt zwangsläufig der Fall sein wird –, kann er sich jenen Moment in Melbourne vergegenwärtigen, die Startaufstellung, das Schild mit seinem Namen darauf – „Arvid Lindblad, F1-Pilot“ – und sich vorsagen: „Ich konzentriere mich auf mich selbst und auf das, was ich beeinflussen kann. Ich weiß nicht, was die kommenden Monate bringen werden, aber ich freue mich darauf. Ich lebe meinen Traum.“

Insta: @arvid.lindblad, Formel-1-Grand-Prix am Red Bull Ring von 26. bis 28. Juni 2026

Gut unterwegs: Der 18-jährige Arvid Lindblad ist der jüngste Brite, der je F1-Punkte sammeln konnte.

Schon ihr Großvater und Vater waren

Größen im Motorsport:

Jetzt ist Emma Felbermayr dran.

DIE GIBT GAS

Die F1 Academy ist exklusiv für schnelle Frauen reserviert. Ganz vorn an der Spitze steht eine 19-jährige aus Wels: AudiWerksfahrerin Emma Felbermayr.

Text Werner Jessner

Manche Chancen kommen gut getarnt des Weges. Als sich vor zwei Jahren auf dem Insta-Account von Emma Felbermayr ein gewisser „Allan McNish“ mit einem gar zu verlockend klingenden Angebot meldete, dachte sie an einen Hoax, denn immerhin ist der echte McNish Ex-F1Pilot, dreifacher Sieger der 24 Stunden von Le Mans, absolute Audi-Ikone (und wurde vor wenigen Wochen zum Renndirektor des F1-Teams bestellt). „Was ich zurückgeschrieben habe, war vielleicht nicht sonderlich freundlich: Er möge sich doch bitte schön an meinen Vater wenden.“ Stellte sich heraus, dass es tatsächlich der echte McNish war: Er war durch ihre nationalen und überregionalen KartErfolge auf die damalige Gymnasiastin aufmerksam geworden.

McNish lud die Welserin zu einem Shootout nach Wales ein, an dessen Ende ein Platz in der 2023 gegründeten FIA F1 Academy winkte, der prestigeträchtigen Rennserie ausschließlich für Frauen. Sie findet im Rahmen ausgewählter Formel-1-Rennen statt, immer mit zwei Läufen pro Wochenende. Die Stationen heißen zum Beispiel Las Vegas, Miami oder Montréal. In Kanada feierte Debü-

tantin Emma, die das Shootout um den begehrten Platz bei Audi (damals noch Kick Sauber) tatsächlich gewonnen hatte, 2025 ihren ersten Sieg und belegte in ihrer Premieren-Saison Platz zehn in der Gesamtwertung. Diesen Schwung nahm die inzwischen 19-Jährige in die Meisterschaft 2026 mit, gewann ihr nächstes Rennen in Shanghai und kam so als Meisterschaftsführende auf ihre Lieblingsstrecke Montréal.

Den Stellenwert der F1 Academy kann man hierzulande vielleicht nicht so ganz wertschätzen, weil es mit Zandvoort und Silverstone nur zwei europäische Rennwochenenden gibt. In Amerika, vor allem in Las Vegas, sei das ganz anders, erzählt Emma: „Ich war total überrascht. Da war unser Fahrerlager selbst während des F1-Qualifyings rappelvoll. Überall Fans, auch kleine Kinder und Mädchen in Renn-Overalls, die Autogramme wollten. Das hat sich sehr gut angefühlt.“ Auch, dass ihr Lewis Hamilton nach dem Sieg in Montréal persönlich gratulierte oder dass sie sich mit ihrem Audi-Teamkollegen Gabriel Bortoleto und dessen FahrerCoach regelmäßig austauschen kann: „Da geht es um Brems- und Einlenkpunkte,

aber auch um generelle Tipps, wie man sich verbessern kann.“ Dazu hilft die Nähe ihres F1 Academy-Teams zum „großen“ Audi-Team in der F1: „Wir teilen uns die Hospitality, ich bekomme Unterstützung bei Fitness, Ernährung und vielen Dingen abseits des schieren Racings. An den gemeinsamen Rennwochenenden kann ich jederzeit rüberkommen und die Rennen direkt aus der Box verfolgen. Das ist schon sehr cool!“

Menschen mit so viel Erfahrung an der Seite zu haben, hilft der Racing-Lernkurve: Emma hat letzten Sommer die Matura abgelegt, um nun Wirtschaft studieren zu können – soweit es der Terminkalender eines De-facto-Profis eben zulässt. Es war ein rascher Aufstieg – zumindest von außen betrachtet.

Aber eigentlich beginnt diese Geschichte bereits vor über einem Jahrzehnt. Emma stand am Anfang der Volksschule, als sie ihren Vater bat, doch auch einmal ein Kart probieren zu dürfen, genau wie ihr Bruder. Beim Namen Felbermayr stutzen Insider gleich doppelt, waren Horst senior und junior doch jahrzehntelang fixe Größen, vor allem im Langstreckensport. Die blauen Felbermayr-Porsche, gelenkt von ihrem 2020 verstorbenen Großvater sowie ihrem gleichnamigen Papa, sah man überall zwischen Le Mans, Sebring und dem Nürburgring. Auch Emmas um zwei Jahre älterer Bruder Horst Felix sowie ihr Freund sind Rennfahrer. „Dass ich in diesem Umfeld aufgewachsen bin, hat es leichter gemacht, als Frau im Rennsport Fuß zu fassen.“

Zu Beginn ihrer Karriere im Kart war Emma oft das einzige Mädchen, und selten waren mehr als drei unter all den Buben am Start. Als sie letzte Saison

Links oben: Grundausbildung im Kart. Gegner u. a.: Arvid Lindblad.

Links Mitte: PremierenSieg in der F1 Academy in Montréal 2025.

Links unten: Nach dem Shanghai-Triumph führt Emma in der Gesamtwertung.

Rechts oben: Die Rennen der F1 Academy finden auf drei Kontinenten statt. Foto hier: China.

Rechts unten: Alle Fahrerinnen sitzen in identischen F4-Monoposti mit 174 PS.

Emmas F4-Bolide

VierzylinderTurbomotor mit 174 PS

240 km/h

Sequentielles SechsGang-Getriebe, vom Lenkrad aus geschalten Topspeed

Carbon-Chassis mit Halo über dem Cockpit einheitliche

Pirelli-Reifen

0 auf 100 km/h in 3,6 Sekunden

wieder auf einer Kartbahn vorbeikam, entdeckte sie eine Veränderung: „Plötzlich waren viel mehr Mädchen und Frauen im Fahrerlager!“ Ein Umstand, den sie auch auf die F1 Academy zurückführt: Heute gibt es eine realistische Chance, als Frau Karriere im Motorsport zu machen, eine Perspektive. War es früher fast unmöglich, gibt es heute eine professionelle Bühne, Medienpräsenz, geordnete Strukturen und so bessere Möglichkeiten, Sponsoren aufzutreiben. „Wir haben die Chance, uns zu beweisen – genauso wie die Jungs. Für Mädchen ist die F1 Academy ein Karriereziel, der nächste Schritt.“

Angedockt an die F1

In diesem Zusammenhang gebührt Susie Wol! großes Verdienst, die vor ihrer Hochzeit mit dem Mercedes-Teamchef Toto Wol! als Susie Stoddart jahrelang in der Deutschen Tourenwagen Masters DTM erfolgreich war. Sie ist bis heute die letzte Frau, die in einem F1-Auto zu Testfahrten eingeladen wurde (Williams) und heute die Chefin der F1 Academy. Wenig überraschend hält Emma große Stücke auf die gebürtige Schottin: „Sie ist zu den F1-Teams gegangen und hat deren Interesse an der F1 Academy geweckt. Anfangs ging die Vereinbarung über zwei Jahre, jetzt wurde sie verlängert. Das ist ein Zeichen dafür, dass die F1 Interesse an unserer Serie hat. Susie weiß, was es braucht, um vorwärtszukommen. Cool, dass wir so eine tolle Frau als SerienChefin haben!“

Die Atmosphäre im Fahrerlager der F1 Academy würde sich nicht grundsätzlich von anderen unterscheiden, meint Emma: „Mit manchen Konkurrentinnen versteht man sich besser, mit anderen weniger. Aber auf der Strecke schenkt man sich nichts.“ Dabei sind die Fahrerinnen

nicht die einzigen Frauen, die über Wohl und Wehe des Wochenendes entscheiden: Emma Felbermayr hat mit Emma Duncan eine Frau als Teamchefin, außerdem arbeiten zwei Mechanikerinnen an ihrem Auto. Nur die Techniker sind aktuell durch die Bank Männer.

Ob junge Frauen anders fahren als ihre gleichaltrigen männlichen Kollegen? Emma verneint: „Ich würde sagen, das ist personen-, nicht geschlechtsbezogen. Ein Max Verstappen sticht in jede Lücke. Mein Fahrstil ist mittlerweile etwas ruhiger geworden als früher – auch weil ich meine Chancen in der Meisterschaft nicht durch ein unüberlegtes Manöver oder Ausfälle riskieren will.“

Was sie antreibe, sei das Fahren am Limit, das Auto zu spüren, schneller zu werden, sich zu verbessern, sagt Emma, und man spürt ihren Enthusiasmus bei der Beschreibung ihrer Arbeit im Auto. Die Autos in der F1 Academy sind bei allen Teams baugleich und entsprechen im Wesentlichen jenen der Formel 4. Der Umstieg vom Kart in den Monoposto-Rennwagen sei ihr nicht einfach gefallen, erzählt sie. Die Technik zu verstehen und eine gemeinsame Sprache mit ihrem Team zu entwickeln, das sei Arbeit gewesen: zu erfühlen, was sie vom Auto

benötigt, um schneller zu werden, und das gemeinsam mit dem Team in Set-upÄnderungen umzusetzen, ist etwas, das jeder Rennfahrer, jede Rennfahrerin lernen muss.

Das stärkste Gerät, das Emma bislang auf der Rennstrecke bewegen durfte, war ein Porsche 911 GT3 Cup mit 510 PS bei einem Track Day auf dem Red Bull Ring, „ein tolles Erlebnis, auch wenn man mit einem fremden Auto natürlich nicht ans letzte Limit geht“. Ähnlich rational auch ihr Zugang zur Geschwindigkeit im Alltag: „Als Kind bin ich sehr gerne Ski gefahren – Hauptsache schnell, wie die gesamte Familie. Heute bin ich vorsichtiger, weil ich mich vor einer wichtigen Saison nicht verletzen will.“

Das Ziel für 2026 sei klar: „Die F1 Academy gewinnen.“ Und dann? Dann stehen mehrere Karrierepfade in Serien für alle Geschlechter o!en, wie Formel Regional, GP3 oder spanische Formel 3. Denn eines sei klar, sagt Felbermayr: „Die F1 Academy ist kein Endziel, sondern ein Sprungbrett nach weiter oben“ – eines, das es so erst seit eineinhalb Jahren gibt.

Was Opa Horst wohl dazu sagen würde? „Ich bin überzeugt, dass er stolz darauf wäre, dass seine Enkelin die Familientradition fortführt.“ Wohin diese Emma Felbermayr noch führen mag, steht in den Sternen. „Immerhin habe ich Arvid Lindblad 2022 in einem Lauf in Misano bereits geschlagen: Er wurde damals Sechster, ich Fünfte.“ Vielleicht tri! t man einander ja eines Tages auf der Strecke wieder.

„Ich bin überzeugt, dass mein Opa stolz darauf wäre, dass seine Enkelin
fortführt.“

Horst Felbermayr senior gab mit 60 sein Debüt beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

DAS JAHRESABO

Reise / Musik / Mindgame / Fitness / Streaming / Gear / Events

ABENTEUER

Mit dem Kajak durch Xochimilco

RAUS AUS DER STADT

Eine Reise in die Vergangenheit: Mit dem Kajak lassen sich in Mexiko City die Kanäle von Xochimilco erkunden – ein Netz schwimmender Gärten aus der Zeit der Azteken. Heute ist es ein Naturparadies und Heimat einer neuen Bewegung.

ERNTE: Kleinbauern auf den Chinampas, Xochimilcos schwimmenden Farmen.

Über dem dröhnenden Bass eines Clubs im Viertel Juárez, einem der pulsierendsten Teile von Mexiko-Stadt, brülle ich meinem Kollegen Miguel ins Ohr: „Sootschi-mil-koo!“ Mein Spanisch ist miserabel, und es dauert mehrere Versuche, bis er versteht. „Ah, Xochimilco!“ Auf Nahuatl, einer uto-aztekischen Sprache, bedeutet der Begriff „Der Ort, wo die Blumen wachsen“. Miguel rümpft die Nase. „Dort sind doch nur Tequila trinkende Touristen. Wenn ich du wäre, würde ich da nicht hinfahren.“

Obwohl Xochimilco am südlichen Ende von Mexiko-Stadt liegt, haben viele Einheimische diese geheimnisvollen Feuchtgebiete noch nie besucht. Um dorthin zu gelangen, muss man eine Trajinera mieten – eines der bunten, traditionellen Holzboote – oder ein Kajak. Nur so lässt sich das UNESCO-geschützte Naturreservat erkunden. Es ist nicht nur ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel, sondern auch der letzte Lebensraum des wild lebenden Axolotl, eines urtümlich anmutenden Schwanzlurchs. Vor allem aber überlebt hier ein geschätzt dreitausend Jahre altes schwimmendes Agrarsystem, das von den Azteken perfektioniert wurde – das heute aber vom Aussterben bedroht ist.

Im Labyrinth der Kanäle

Es ist noch stockdunkel, und die Kälte lässt meine Hände erstarren, als ich mit meiner Freundin, der Fotografin Bénédicte Desrus, in unser Kajak steige. Die aufgehende Sonne färbt den Horizont später orangefarben, während die geisterhafte Silhouette unseres Bootes durch den Nebel gleitet. Unser Ziel: die schwimmende Farm von Arca Tierra, einem Projekt für regenerative Landwirtschaft. Rund fünfzig Kleinbauern aus der Region arbeiten dort, beliefern die besten

Imogen Lepere ist eine britische Reisejournalistin mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Ehemals MexikoKorrespondentin, lebt sie heute in Devon.

KREISLAUF: Auf den Chinampas bauen Landwirte Gemüse an (o. re.), das etwa im Baldío, Mexikos erstem Zero-Waste-Restaurant, verarbeitet wird (u. re.). Mitbegründet wurde es von Douglas McMaster (u. li.). Oben links: Blick auf Xochimilco.

„In Xochimilco gibt es das ganze Jahr über Wasser, und der Boden gilt als der fruchtbarste Mexikos.“

ABLEGEN: Traditionelle Trajineras zur Erkundung von Xochimilco.

Restaurants der Stadt und bieten Kajaktouren an – eine wunderbare Möglichkeit für Naturliebhaber, diesen weniger bekannten Teil Mexikos zu entdecken.

Als ich an Land springe, schlägt mir der Geruch von verbranntem Holz und schwefelhaltiger vulkanischer Erde entgegen. Lucio Usobiaga, der gemeinsam mit seinem Bruder Pablo Arca Tierra gegründet hat, geht mit festem Schritt voran, den Blick nach vorne gerichtet. Er führt uns über die Farm und erklärt, dass die „Felder“ aus verflochtenen Weidenwurzeln bestehen, die sich zu Inseln formen und mit Schlamm vom Seegrund bedeckt sind – daher auch der Geruch.

„Zu seiner Blütezeit ernährte Xochimilco fast im Alleingang Tenochtitlán, die aztekische Hauptstadt“, erzählt er. „Hier gibt es das ganze Jahr über Wasser, und der Boden zählt zu den fruchtbarsten Mexikos. Xochimilco ist eines der wenigen

„Die Städter begreifen nicht, welches Juwel sie hier direkt vor der Haustür haben.“

NATURPHÄNOMEN: Auf den Trajineras von Xochimilco steigt einem der Geruch von Schwefel in die Nase: Die Felder bestehen nämlich aus verflochtenen Weidenwurzeln, die mit Seeschlamm bedeckt sind.

und unbekannteren Beispiele weltweit für ein Agrarsystem, das aktiv die Biodiversität seines Ökosystems erhöht.“ Doch dieses Gleichgewicht ist bedroht. Die städtische Expansion erstickt die Chinampas, die schwimmenden Farmen. Heute werden schätzungsweise nur noch 2,5 Prozent der Chinampas landwirtschaftlich genutzt, vorwiegend zum Anbau von Gemüse und Kräutern.

Zugang zu den Märkten

Das zeigt sich auch bei Cutberto Bermúdez, einem der fünf lokalen Bauern, mit denen Arca Tierra zusammenarbeitet. Als unser Boot anlegt, hält er seinen riesigen

Anreise und erleben

Wer Xochimilco wirklich erleben will, sollte früh aufbrechen. Mit dem Kajak lässt sich das verzweigte Kanalsystem in aller Stille erkunden. Einige Anbieter kombinieren Touren mit Einblicken in den Anbau mittels der traditionellen Chinampas sowie die lokale Küche.

Von Mexiko-Stadt erreicht man Xochimilco in rund einer Stunde. Am einfachsten ist die Anfahrt per Taxi, alternativ verkehren auch öffentliche Verkehrsmittel.

Pitbull zurück, der auf uns zustürmt. Mit Gummistiefeln und Cowboyhut verkörpert er auf frappante Weise das Klischee des mexikanischen Bauern: „Wohin ich auch schaue – überall Tequila-Bars und Korruption“, sagt er kopfschüttelnd. „Die Städter begreifen nicht, welches Juwel sie direkt vor der Haustür haben. Wir müssen kämpfen, um es zu bewahren.“

Um den Kleinbauern den Zugang zu urbanen Märkten zu erleichtern, eröffneten Lucio und Pablo Usobiaga 2024 das Restaurant Baldío – ein Zero-Waste-Projekt, inspiriert vom Londoner Restaurant Silo des Kochs Douglas McMaster. Sie setzen auf kurze Lieferketten, Fermentation und technologische Präzision, um nichts zu verschwenden. Später, im hippen Viertel La Condesa: Es ist Freitagabend, und im Baldío, kürzlich mit einem Grünen Michelin-Stern ausgezeichnet, herrscht reges Treiben. Hinter der Bar mischt Karen Villagómez den Signature-Cocktail des Hauses: aus Pox, einem traditionellen mexikanischen Schnaps, und Maislikör. Ich sitze auf einem Hocker vor der of fenen Küche und sehe staunend den Köchen zu, wie sie kleine Karotten auf einem Bett aus Pipián-Sauce und schwarzem Knoblauch anrichten. Ein Erlebnis wie aus einer anderen Galaxie. Doch draußen, nur wenige Kilometer entfernt, treiben die „schwimmenden Felder“ von Xochimilco weiter im Wasser.

Instagram: @therealimogenlepere

DANKE FÜR DEINEN BEITRAG.

TRÄNEN IM

Gitarrist and Songwriter

Buck Meek von den

New Yorker Folk-Helden Big Thief über vier Tracks, die seine Musik prägten.

Alexander Buckley „Buck“ Meek stammt aus der Kleinstadt Wimberley in Texas und wuchs damit auf, mit lokalen Bluesmusikern zu jammen. Er besuchte das Berklee College of Music in Boston, wo er seine zukünftige Partnerin, die Sängerin und Gitarristin Adrianne Lenker, kennenlernte. Im Jahr 2013 begannen die beiden gemeinsam aufzutreten, und zwei Jahre später gründeten sie mit dem Bassisten Max Oleartchik die Band Big Thief. Später kam noch James Krivchenia am Schlagzeug hinzu. Nun spielt die von Fans und Kritikern gefeierte Indie-Band eine ausgedehnte Europa- und US-Tour, um ihr neuestes Album „Double Infinity“ zu promoten. Im Red Bulletin stellt der 38-jährige Gitarrist, Songwriter und selbst ernannte Workaholic vier Titel vor, die sein Schaffen beeinflusst haben. Und switcht dabei zwischen Soul und World Music.

bigthief.net; buckmeekmusic.com Big Thief sind live am 15. Juni in München und am 16. Juni in Hamburg zu sehen.

Otis Redding (Sittin’ on) The Dock of the Bay (1968)

„Als ich klein war, verbrachte ich jeden Freitag bei meiner Großmutter. Sie spielte immer dieses Lied und tanzte dazu mit mir. Das war eine meiner ersten musikalischen Erfahrungen. Steve Cropper, der hier mitspielt, ist einer meiner Lieblingsgitarristen geworden. Er ist mein Held.“

Taraf de Haïdouks

A La Turk (2001)

„Diese rumänische Band ist unglaublich. Sie steigert immer weiter ihr Tempo, bis man fürchtet, ihre Hände würden abfliegen. Ich war beeindruckt, als ich erlebt habe, wie sie sich in Trance versetzen. ‚A La Turk‘ ist mein Lieblingssong. Ich denke immer an diese Nummer, wenn ich selbst Musik mache.“

The Soul Stirrers Nearer to Thee (1955)

„Für meinen ersten Job lieferte ich mit einem Auto Gebäck in Manhattan aus. Einmal lief dieses Lied im Radio. Die Spiritualität in der Stimme von Sam Cooke rührte mich. Ich hielt an, setzte mich an den Straßenrand und weinte. Seitdem denke ich bewusster darüber nach, warum ich Songs schreibe.“

Lucinda Williams Metal Firecracker (1998)

„Früher habe ich versucht, möglichst poetische Lieder zu schreiben. Dann hörte ich diesen Song, der brutal ehrlich ist. Er bewegt, weil er so nachvollziehbar ist – einfach ein hammermäßiger Trennungssong. Er hat mich dazu gebracht, offen und aus dem Bauch heraus zu schreiben.“

Buck Meek, 38, lebt heute mit seiner zweiten Frau in Los Angeles. Er veröffentlichte kürzlich sein viertes Soloalbum: „The Mirror“.

Zitrus in Balance

Florale Leichtigkeit trifft auf klare Frische: Der Sudachi Fizz kombiniert Jasmintee, spritzige Limette und feine Vanille mit der lebendigen Zitrusnote der Red Bull Summer Edition mit dem Geschmack Sudachi-Lime.

Sudachi Fizz

Du brauchst

125 ml Red Bull Summer Edition

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70 ml kalten Jasmin-Grüntee

2 ml Vanillesirup

15 ml frischen Limettensaft Gurke zum Andrücken

Zubereitung

Nimm ein Highball-Glas und gib eine frische Gurkenscheibe hinein. Drück sie leicht an, damit sich die Aromen entfalten. Füg Limettensaft, Vanillesirup und Jasmintee hinzu. Kurz verrühren. Füll das Glas mit Eiswürfeln und gieß vorsichtig die Red Bull Summer Edition dazu, damit die Kohlensäure erhalten bleibt. Rühr den Drink kurz um – und gönn ihn dir!

PATRICK BALANGE entwickelt Gastronomiekonzepte und kreiert mit seiner CocktailcateringFirma Bargeflüster Drinks mit klarer Handschrift.

„Zitrus, Tee, Gurke – jede Nuance bleibt hier spürbar.“

FINDE DEINEN

Willkommen zu einer RätselChallenge, die deine mentale Fitness trainiert. Folge 8: Chaos an der Gepäckausgabe.

DIE AUFGABE

Oh no! Die Koffer sind nicht nur alle auf einem Haufen gelandet, sie sehen sich auch noch zum Verwechseln ähnlich. Zum Glück erinnerst du dich an entscheidende Details deines Modells. Findest du es?

Scan den QR-Code, um zur Lösung des Rätsels zu gelangen.

FITNESS/ WIDERSTAND ERWÜNSCHT

Im Wiener Studio FS8 Nordbahn wird Reformer Pilates neu gedacht: systematisch, strukturiert, mit technischem Support und jeder Menge Abwechslung.

In den letzten Jahren sind Reformer-Pilates-Studios vielerorts regelrecht aus dem Boden geschossen. Warum, wird spätestens nach dem ersten Besuch klar – allerspätestens nach dem ersten Muskelkater. Das effektive Ganzkörpertraining auf der beweglichen Trainingsmaschine mit unterschiedlichen Widerständen, dem sogenannten Reformer, stärkt nämlich nicht nur gezielt die Tiefenmuskulatur, sondern verbessert zugleich die Mobilität, (Core-)

DOPPELT EFFEKTIV Viele Übungen stärken und dehnen zugleich. Coach Krisztina F loidl (links) hilft bei der Ausführung.

Stabilität und das eigene Körpergefühl. Im neu eröffneten Studio FS8 Nordbahn im zweiten Bezirk geht man noch weiter. „Wir haben auf alles Überflüssige verzichtet“, erklärt Head Coach Krisztina Floidl. „Bei uns ist der Fokus auf Krafttraining noch stärker als im traditionellen Pilates, was die Workouts dynamischer und ergebnisorientierter macht.“

Jede Klasse wird von einem Coach geleitet, zusätzlich unterstützen sechs Screens im Raum den Trainingsfluss. Auf ihnen sind die Übungen jeweils zu sehen. Egal ob Pilates-Profi oder völliger Neuanfänger, bei den mindestens dreißig angebotenen Kursen pro Woche kann jeder mitmachen, betont Krisztina: „Niemand muss nervös sein, Vorkenntnisse sind nicht nötig. Einfach herkommen und Spaß haben.“ Einzige Voraussetzung: Stoppersocken. Aber selbst die kann man vor Ort kaufen.

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Intro-Angebot: fünf Klassen um 69 Euro, einzulösen innerhalb von 30 Tagen

Recovery mit Kryotherapie

Cristiano Ronaldo hat eine, Novak Djokovic arbeitet damit, die Mannschaften von Manchester United und RB Leipzig schwören auch darauf: Cold Chambers. Wem nach dem Training schnelle Regeneration wichtig ist, der setzt am besten auf eine dreiminütige GanzkörperKältetherapie bei Temperaturen von bis zu minus 110 Grad. Das Park Hyatt Vienna hat eine ganz neue Kryokammer installiert, sie ist um 25 Grad kälter als vergleichbare Kammern. PAMA Cryo im Park Hyatt, Am Hof 2, 1010 Wien, täglich von 9 bis 21 Uhr

Bei minus 110 Grad die Muskeln regenerieren – zu buchen unter pamacryo.com

Sitzfleisch

Wie weit kann man noch gehen, wenn der Körper längst aufhören will? Ultracycling-Profi Christoph Strasser und Crew-Mitglied Florian Kraschitzer reden über Grenzerfahrungen auf dem Rad, 24 -StundenRides und mehrtägige Extremrennen. Ein Podcast über Training, Taktik und die Frage, wann man weiterfährt – und wann nicht.

Sport & Kontext

Profisport trifft Realität: In sechs Episoden geht es um Themen wie Angst, Alter oder das Leben nach der Karriere. Zum Auftakt sprechen Rennradprofi Marco Haller und Influencerin Julia Schuler über Leistungsdruck und sportliche Selbstinszenierung in sozialen Medien. Nachdenklich und nah dran.

STREAMING/ MEHR

ALS SPORT

Es geht ans Limit: Diese Podcasts und Serien erzählen von Druck, Entscheidungen und was passiert, wenn man seine Grenzen austestet.

Watch-Tipps

Ronaldinho: The One and Only Der brasilianische FußballMagier Ronaldinho prägte den Sport wie kaum ein anderer. Die Doku-Serie erzählt seinen Weg von den Straßen Brasiliens bis an die Weltspitze. (Netflix)

Die Flieger Fliegendes Museum: Im Hangar-7 am Salzburger Flughafen stehen die legendären Maschinen der Flying Bulls. Die Doku zeigt Piloten und Techniker bei ihren Airshows. (ServusTV On)

Stärke beginnt im Kopf

Mentale Power, Leistungsdruck und persönliche Entwicklung: In den aktuellen Folgen werden psychologische Muster, Selbstvertrauen oder die Überwindung von Ängsten im Alltag und im Leistungssport besprochen. Anstelle des Trainings steht der Kopf im Mittelpunkt, praxisnah und direkt anwendbar.

Tour de France: Unchained Zwischen Teamtaktik und Erschöpfung: Die Serie begleitet Fahrer beim legendärsten Radrennen der Welt und zeigt den schmalen Grat zwischen Erfolg und Einbruch. (Netflix)

KTM REVELATOR ALTO PRIME STABIL

Dieses High-End-Carbon-Rennrad besticht durch Aerodynamik und dynamische Klettereigenschaften. Mit nur 7,7 Kilo Gesamtgewicht meistert es Speed-Rennen ebenso souverän wie lange Alpenetappen. KTM, € 4.499; ktm-bikes.at

GRIFFBEREIT

Das Rapha Damen Core Jersey besteht aus recyceltem Garn, die elastischen Fasern punkten mit optimalem Feuchtigkeitsmanagement. Die GripGrab Ride Summer Gloves sind perfekt gepolstert. Rapha Trikot um € 89,95, GripGrab Gloves um € 35,95; beides bei zalando.at

ZALANDO CYCLING GEAR

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Diese App-gesteuerte wasserfeste Drohne überzeugt mit 55 km/h Topspeed und EchtzeitVideoübertragung. Zehn Modi passen sich deiner Sportart an – ob du die perfekte Welle surfst oder im Kajak dahingleitest, die Cam folgt dir automatisch. Der Controller am Oberarm hält dir die Hände frei. HoverAir, ab ! 1.299; eu.hoverair.com

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Aerodynamisch und atmungsaktiv, begleitet dich das Trikot durch sommerliche Rennphasen. Das Modell kommt ohne Reißverschluss aus und sorgt dafür, dass du selbst auf Bergetappen cool bleibst. Pas Normal Studios, ! 200; pasnormalstudios.com

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SPEEDO FASTSKIN SPEEDSOCKET GOLDIG

Upgrade-Version des SpeedoKlassikers: verspiegelte, hydroskopische Gläser für optimierte Sicht, AntifogBeschichtung, verstellbarer Nasensteg und doppeltes Silikonband. Das sitzt! Speedo, ! 47; speedo.com

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Das „Powervizn Lens System“ sorgt für Durchblick: Auf Gelände und Lichtverhältnisse abgestimmte Gläser optimieren Kontraste und Tiefenwahrnehmung. Adidas, € 155; adidas.com

SPECIALIZED GRAVELBIKE DIVERGE 4 VIELSEITIG

Rennerprobt und geländetauglich. Die FutureShock-Technologie bietet effektive Dämpfung und Fahrkontrolle, selbst auf ruppigem Untergrund. Specialized, € 7.999; specialized.com

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Style meets Funktionalität: Der Frottee-Triangel-Bikini sorgt mit herausnehmbaren Cups, Flexi-Trägern und Hosenbändchen für individuellen Halt und Tragekomfort, die Shorts sind aus schnell trocknendem Stoff. Arena, Bikini um € 55, Shorts um € 40; arenasport.com

ARENA BEACHWEAR FUNKY

SOUNDBOKS MIX

PORTABLE SPEAKER FLEX(IBEL)

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Das Protein-Powerhouse von NÖM liefert 35 Gramm Eiweiß pro Flasche, kommt ohne Zuckerzusatz aus, ist fettarm und laktosefrei. Ungekühlt haltbar, ist es der makrofreundliche Trainings-Buddy für unterwegs. NÖM, € 2,29; noem.at

Die kulinarischen Geheimnisse von Österreichs Nationalteam

Dieses außergewöhnliche Kochbuch verbindet die Welt des Fußballs mit der Freude am Kochen: Denn Fritz Grampelhuber, langjähriger Koch der österreichischen Nationalmannschaft, teilt sein exklusives Wissen um die Lieblingsgerichte von Spielern wie David Alaba, Marko Arnautovic, Christoph Baumgartner oder Marcel Sabitzer.

FOTO : Foto: Chris Singer, Symbolbild. Ball nicht Bestandteil des Angebots.

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Ab jetzt im Handel erhältlich!

EVENTS/ GO SUMMER DAYS

Festivalfieber, schweißtreibende Skate-Contests, glühende Motoren in der Formel 1 und der MotoGP: Dieser Sommer wird heiß. Bist du bereit?

20.

Juni

Red Bull LEDGEnds

Beim Street-Skateboarden zählen Tricks auf einer Ledge zur technischen Königsklasse. Wenn Skater wie Michael Heindl (im Bild oben) auf den Kanten von Betonwänden oder speziellen Obstacles sliden oder grinden, dann brauchen sie Timing, Präzision und Balance. Der Skatecontest Red Bull LEDGEnds versammelt die Spezialisten dieser Disziplin am 20. Juni am Marktplatz in Innsbruck. Im Rahmen der Go Skateboarding Days treffen sich internationale Stars wie Jake Wooten und Torey Pudwill sowie heimische Nachwuchstalente wie Levi Löffelberger, Marco Kada und Julia Placek. Außerdem können sich Skateboarder auch vor Ort anmelden. Überzeugen sie die Jury mit Style, Technik und innovativen Tricks, ziehen sie ins Semifinale ein. Auch Skaterinnen sind in Innsbruck an Bord des Contests.

Auch Profi-Skater Torey Pudwill kommt zum Le(d)gendentreff.

20.

bis 22. August

Festival

Good News: Das FM4 Frequency Festival bleibt bis 2032 in St. Pölten. Auch diesen Sommer zelebrieren am Areal VAZ St. Pölten zahlreiche Acts die Vielfalt der Popmusik. Am Line-up stehen spannende female Artists wie Lorde, Zara Larsson, Ikkimel, Noga Erez und Esther Graf –sowie die Herren Sido, Kraftklub, Paul Kalkbrenner und Ski Aggu. Am 20. August macht James Hype (im Bild), der aktuell gefragteste britische DJ im Bereich House/TechHouse, richtig gute Laune und bringt euch ordentlich zum Dancen.

27.

Juni

Red Bull

Cliff Diving

Klippenspringen mit Hochkultur! Bei der Red Bull Cliff Diving World Series 2026 in Dänemark stürzen sich die weltbesten Cliff Diver vom Dach des Kopenhagener Opernhauses. Die Sprung-Plattformen der Herren (in 27 Meter Höhe) und der Damen (in 21 Meter Höhe) sind an das freitragende Dach montiert. Wer dort oben steht, erlebt nicht nur Nordwind und Nervenkitzel, sondern auch das unbedingt sehenswerte Panorama des Hafens und der umliegenden Hauptstadt Kopenhagen. Red Bull TV zeigt die Cliff-Diving-Action am Samstag, den 27. Juni, ab 15 Uhr.

20. Juli

Best Of – Die Clipshow mit

Diese TV-Show zeigt das Beste aus der Welt von Red Bull: spektakuläre Actionclips, Sportmomente und Kultur-Highlights. BMX-Profi Senad Grosic und Fitness Creatorin Imke Salander führen humorvoll durch die Clips. Sie liefern Insights und treten in Studio-Challenges gegen ihre Gäste an. Zu erwarten ist ein Mix aus Adrenalin, Style und SzeneKultur. Alle zwei Wochen bei ServusTV und ServusTV On.

August

Red Bull Reshuffle

„Fortnite“-Fans, aufgepasst: Am 15. August kommen die besten Spieler des angesagten Battle Royales ins Austria Center Wien. Das Red Bull Reshuffle wird Österreichs bisher größtes Einzel-eSports-Event – und zugleich das weltweit größte Red Bull-„Fortnite“-Event. Rund 1200 Zuschauer können live mitfiebern, wenn 40 der weltweit besten „Fortnite“-Profis als Duos gegeneinander antreten. Fix am Start: der Norweger MrSavage, mit über 15 Millionen Followern einer der bekanntesten „Fortnite“-Gamer weltweit (rechts im Bild neben Vadeal), und der Brite Kyle „Mongraal“ Jackson, der seit dem Alter von 13 Jahren für seine Zielgenauigkeit als Profi-Gamer bekannt ist. Der Twist des Turniers: Jede Runde wechselt der Duo-Partner. In einer individuellen Gesamtwertung wird der beste Teammate des Turniers gesucht. Gehostet wird das Event vom gebürtigen Wiener Amar, dem „Papa der Szene“ und früheren „Fortnite“-Europameister. Alle Infos und Tickets auf redbull.com/reshuffle

12.

Juni bis 11. Oktober Festival La

So British! Unter diesem Motto steht das Festival La Gacilly-Baden Photo 2026. Eine sieben Kilometer lange Open-Air-Galerie zeigt rund 1500 Bilder britischer Fotografen und Kamerakünstlerinnen. In den Parks, Gärten und der Altstadt von Baden bei Wien illustrieren sie die gemeinsame Geschichte von Europa und Großbritannien, die sowohl von Missverständnissen als auch von Bewunderung geprägt ist. Gewidmet ist das Festival der britischen Forscherin Jane Goodall und ihrem Landsmann, dem Fotografen Martin Parr.

28.

Juni

Red Bull

Cerro Abajo

Sightseeing im vertikalen Schnelldurchlauf: Beim Red Bull Cerro Abajo brettern Downhill-Mountainbiker durch epische Stadtkulissen. Bereits zum dritten Mal führt die spektakuläre Rennserie ins italienische Genua. In der „Superba“ führt die 2,2 Kilometer lange Route über 279 Höhenmeter „vom Berg zum Meer“, also vom Monte Peralto zum Largo della Zecca. Dabei kurven die Downhill-Rider durch enge Altstadtgassen und springen über jahrhundertealte Treppen. Neben natürlichen Hindernissen müssen sie auch künstliche Fallgruben bewältigen. Am 28. Juni live auf Red Bull TV.

Hip-Hop, House, Popping, Waacking, Dancehall oder Krumping: Die Red Bull Dance Your Style Tour vereint frei wählbare Tanzstile mit Showcases, Community-Workshops und Qualifiers. Ab Juni touren die Tänzer und Tänzerinnen für drei Wochen durch die Schweiz, Deutschland und Österreich. Den Höhepunkt hierzulande bildet der Red Bull Dance Your Style Qualifier am 4. Juli in Salzburg. Dort erhalten auch frische Talente die Chance, ihren Tanzschein für das Österreich-Finale in Wien zu lösen. Denn am 28. August 2026 lädt das Red Bull Dance Your Style National Final zum Tanz bei der Gloriette in Schönbrunn. Dort ist neben Technik und Stil auch die Lust an der Improvisation gefragt. Denn nur der DJ weiß, welche Musik den nächsten Ton auf der Tanzfläche angibt. Und: Statt einer Expertenjury entscheidet die Crowd, wer Österreich beim Red Bull Dance Your Style World Final im Oktober in Zürich vertreten darf. Tickets gibt’s hier: redbull.com/danceyourstyleaustria

18.

und 19. Juli

MotoGP in

Kompakt, eng, kurvig: Der MotoGP am Sachsenring bietet kaum Raum, um Vollgas zu fahren. Dennoch scheint sich Marc Márquez, König der Schräglage, hier daheim zu fühlen. Von dreizehn Antritten konnte der Spanier immerhin zwölf gewinnen. Gelingt heuer Nummer 13? Oder krönt sich sein Landsmann Pedro Acosta (im Bild) zum King of the Ring von Deutschland? ServusTV und ServusTV On übertragen live: Qualifying und Sprint am 11. Juli, das Rennen am 12. Juli.

26. bis 28. Juni

Formel-1Grand-Prix

Ring frei für das große Formel-1Spektakel in der Steiermark. Wegen seiner erstklassigen Bedingungen zählt der Red Bull Ring bei Teams und Fahrern zu den beliebtesten Strecken in Europa. Auch Zuschauer schätzen die Umgebung und die gute Sicht auf das Asphaltband. Die niederländischen Fans von Fünffach-Sieger Max Verstappen sind längst Stammgäste am Spielberg im Murtal. Für alle daheim auf der Couch: ServusTV und ServusTV On zeigen die Trainings (26. Juni), das Qualifying (27. Juni) und das Rennen um den Großen Preis von Österreich (28. Juni) live.

Juni × Cobenzl

Zum dritten Mal lädt Büroschluss zum Afterwork-Event am Weitsicht Cobenzl ein – hoch über den Dächern Wiens. Das beliebte Ausflugsziel verwandelt sich für einen Sommerabend zum Szene-Hot-Spot. Auf drei Dancefloors wird bis in die Nacht bei besten Beats der Feierabend zelebriert. Acht Bars und verschiedene Foodtrucks sorgen dabei für kulinarische Vielfalt, von Streetfood-Klassikern bis hin zu vegetarischen Highlights, von kühlen Drinks bis hin zu ausgewählten guten Tropfen von Wein & Co.

Juli

In der Sendung „Sascha Huber vs.“ trifft sich der bekannte Fitness-Creator zum Kräftemessen mit bekannten Sportstars. Nun lädt der Salzburger im Rahmen der Red Bull Secret Workout Tour seine österreichische Community zum gemeinsamen Training ein. Bei über 688.000 Instagram-Followern dürften unendlich viele Endorphine in der Luft liegen. Auch Special Guests werden dabei sein. Die vier Tourstopps: am 29. Juli in Salzburg, am 1. August in Tirol, am 4. August in Kärnten und am 7. August in Oberösterreich. FitnessFans bewerben sich auf redbull.com/secretworkout und erfahren im Juli genauere Infos zu den Locations – nur so viel: Sie sind abseits des Alltäglichen!

Weitere Events im Juni & Juli

19.– 21. Juni

Go Skateboarding Days in Innsbruck

20. Juni

Track Night Vienna

21. Juni

Mondsee 5 Seen

Radmarathon

26. & 27. Juni

Veitscher Skytrail

28. Juni

Challenge Family Kaiserwinkl-Walchsee

4. Juli

Beat the City in Innsbruck

4. Juli

Montafon Totale Trail

4. Juli

Traunsee Bergmarathon

11.– 18. Juli

Krone Erzberg

Adventure Days

24.– 26. Juli

Trumer Triathlon

18. und 19. Juli

Premier Padel

Málaga P1

Premier Padel ist die offizielle Welttour und Aushängeschild des internationalen Padel-Tennis. Ein P1-Event bringt – nach einem Major-Turnier – die zweitmeisten Punkte auf dieser Tour. Wer am fleißigsten Punkte sammelt, spielt im großen Tour-Finale um die Padel-Championship. Beim P1 in Málaga ist beste Stimmung garantiert, denn Spanien hat zahlreiche Padel-Weltmeistertitel gewonnen. Wen wundert’s, das Land hat auch die größten Talente der Welt hervorgebracht. Eines von ihnen ist Alejandro Galán, langjährige Nummer 1 (im Bild rechts). Von 13. bis 19. Juli überträgt Red Bull TV exklusiv alle Spiele vom Viertelfinale bis zum Finale. Die Spiele davor sind auf dem YouTube-Kanal von Premier Padel zu sehen.

Juli bis 7. August

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Meike Koch

DIE FUSION AUS EISTEE UND LIMO IN 3 SORTEN.

Hier schreibt unser Kolumnist

Marcel Hirscher über sein ganz persönliches Sport-Jahr.

Gut drauf sein? Ist Kopfsache

Als Sportler kriege ich manchmal Mindset-Fragen gestellt. Kürzlich die wichtigste unserer Tage: Wie bleibt man positiv in herausfordernden Zeiten? Positivität ist Sto für ein ganzes Leben: immer das richtige Ziel, aber nie ein bleibender Zustand.

In unserer Welt kreist vieles um persönliche Befindlichkeiten – mit Risiko für Drehschwindel: Zwischen Dauererregung und Dauerpositivität sicheren Stand zu finden, ist ein Balanceakt. Irgendwie will es mit „Good Vibes Only“ nicht so recht klappen: Der Optimismus scheint eher

AUSNAHMEATHLET

Als Slalom- und Riesentorlaufspezialist und sechsfacher „Sportler des Jahres“ hat der Salzburger Skirennfahrer Marcel Hirscher, 37, mit acht Gesamtweltcupsiegen in Folge die Geschichte des alpinen Skisports neu geschrieben. Hier geht es zu Marcels InstagramAccount:

weniger zu werden statt mehr. Was sagt uns das? Dass wir Positivität anders verstehen und unseren Allmachtsanspruch an sie überdenken müssen. Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis: Positivität lässt sich nicht erzwingen. Nur üben. Als Lebensprinzip ist sie immer ein erstrebenswertes Ziel. Sie aber als Dauerzustand von sich und anderen zu verlangen, ist eine Illusion. Immer gut drauf zu sein, ist keine artgerechte Haltung – ambivalente Gefühle gehören zum Leben. Sie angemessen auszudrücken, anstatt sie angefressen wegzudrücken, macht menschlich. Woran wir erkennen, dass wir ehrlich miteinander umgehen? Wenn auf die Frage „Wie geht’s?“ echte Antworten kommen anstelle von „Danke, total super!“ und einem gefakten Plastiklächeln.

Ob uns das gefällt oder nicht: Nicht einmal die Positivität ist nur positiv. Zwanghaft Buddha des Alltags spielen macht Stress. Und Stress macht schlechte Stimmung. Wahrhaftigkeit mit fanatischem Schönreden zu überkleistern, bringt also nichts. Im Gegenteil, die Psychologie verwendet für das „Good Vibe“-Gepose den Ausdruck Toxic Positivity. Weshalb dem Mantra „Positive Thinking“ in den USA längst „Positive Stinking“ gegenübergestellt wird. Die universelle Wahrheit: Ein Hundstrümmerl bleibt ein Hundstrümmerl –auch wenn man Schlagobers draufsprüht.

Zwischendurch einmal nicht so gut drauf zu sein, ist übrigens kein Grund, schlecht drauf zu sein. Wenn das passiert, passiert ja in Wahrheit nicht viel. Obacht jedoch vor Warum-Schleifen und psychologischen Deutungen: Sie liefern Begründungen für inneren Blues, aber keine fröhlichere Melodie. Sorgenvolle Argumente gegen eine positive Grundeinstellung im Leben finden sich immer. Kriege, Krisen, Katastrophen – wir kennen das auswendig. Einerseits, weil die Welt tatsächlich gerade an zu vielen Fronten kämpft, was uns berechtigt betro!en macht. Andererseits, weil wir Medien wie Gedächtnistraining für Betro!enheit nutzen. Bad News sind keine Good News für die Psychohygiene: Jedes Mal, wenn der Drohnenangri! aus den Nachrichten in unserem Kopf einschlägt, löst er dort die kleinste Alarmanlage der Welt aus. Die Amygdala, eine Hirnstruktur, die aussieht wie ein Gummibärchen, schützt unser Überleben und erledigt diesen Job

„Sport ist der zuverlässigste Stimmungsaufheller, den ich kenne. Schon nach wenigen Minuten lösen sich Hänger auf – selbst am Ergometer.“

professionell. Sie macht sich einen Mechanismus unseres Denkens zunutze, der Negativity Bias genannt wird: Wir nehmen negative Ereignisse stärker wahr, gewichten sie höher und merken sie uns länger als positive. Nicht weil wir notorische Sorgenmacher, Problemewälzer und Dramaschieber wären – es ist ein evolutionsbiologisches Schutzprogramm. Gut zu wissen: So betrachtet ist Positivität mentales Ausdauertraining in der Gegenstromanlage der Vorsicht. Und wir können gelassen mit Stimmungen umgehen.

Alles Kopfsache also? Irgendwie schon. Worauf wir unsere Aufmerksamkeit fokussieren, ist kein Schicksal, sondern eine Wahl. Mit Medieninhalten ist es wie mit Nahrung: Nicht alles, was wir zu uns nehmen, verdauen wir auch gut. Sport ist der zuverlässigste Stimmungsaufheller, den ich kenne. Mich freut es nicht immer, bei Schönwetter drinnen Stunden am Ergometer zu verbringen – aber: Wen interessiert das? Nicht einmal mich selbst! Nach Minuten lösen sich mentale Hänger auf. Schlecht drauf sein kann man überhaupt nur vor sportlicher Aktivität oder stattdessen. Währenddessen und danach klappt das nie, da sind zu viele gute Hormone im Kreisverkehr.

Selbst Sport zu schauen bewegt innerlich positiv. Je unsicherer die Zeiten sind, desto größer ist unser Bedürfnis nach Momenten, die Halt geben. Nach Ritualen geteilter Erfahrung. Nach Rückzugsräumen vom Alltag. Sport scha! t sie. Da kommt jetzt viel Gutes auf uns zu: FußballWM, Tour de France, Formel 1 als willkommene Farbkontraste im grauen Weltgeschehen. Sport ist ein Optimist: Er lehrt Lektionen der Ho!nung, die alle verstehen. Er lebt vom Gegeneinander und bleibt trotzdem immer ein Miteinander. Im Spiel gelingt, was anderswo oft scheitert: Verständigung – auf klare Werte, klare Regeln, klare Rollen. Am Ende steht ein Ergebnis, das für alle gilt; Deutungshoheit und Konjunktiv sind keine Kategorien. Schon das allein stimmt positiv.

Darüber hinaus zahlt alles, was mit Selbstliebe, Selbstfürsorge und Selbstverantwortung zu tun hat, auf ein positives Mindset ein. Erholsamer Schlaf. Gesunde Ernährung. Liebevolle Beziehungen. Wir haben Besseres zu tun als zu grübeln oder uns selbst zu bemitleiden. Bei kleinen Störungszonen im Kopf reicht es oft aus, kurz auf Durchzug zu schalten. Dann drehen wir uns nicht um unsere persönliche Befindlichkeit und finden schnell sicheren Stand. Viktor Frankl hatte dafür einen einfachen Satz: „Man muss sich nicht alles von sich gefallen lassen.“

9 Fragen an Emma

Niemand erklärt Schweizerdeutsch so wie sie: Die 22-jährige Content-Creatorin begeistert als @wemmse über eine Million Follower mit ihrer Schlagfertigkeit.

Deine Followerzahlen gingen kürzlich durch die Decke. Warum?

Die Welt ist anscheinend fasziniert von unserem Schweizerhochdeutsch! Ich hoffe natürlich, dass es mit meiner Art zusammenhängt, wie ich unsere Sprache erkläre – aber wer weiß

Emma ist angehende Lehrerin und gibt gerne Einblicke in ihren Schulalltag. Damit wurde sie auf Instagram und TikTok zum Star: @wemmse

Was denken Leute über dich, das gar nicht stimmt? Dass ich aus reichem Elternhaus stamme.

Wie beschreibst du in drei Worten, was du auf Social Media machst?

Selbstironie, Humor, Ehrlichkeit.

Hast du ein Role Model?

Ein richtiges Vorbild nicht, aber Creatorinnen wie Emma Chamberlain oder Madeline Argy finde ich aufgrund ihrer Authentizität sehr inspirierend.

Welche Lüge erzählst du dir selbst regelmäßig?

„Nur noch einmal scrollen, dann lege ich das Handy weg.“

Wie würdest du dein aktuelles Kapitel im Leben betiteln?

„Als alles aus den Fugen geriet“.

Welcher Snack beschreibt deine Persönlichkeit?

Lakritze – die einen lieben sie, andere hassen sie. Aber die Supporter sind da sehr loyal!

Welche Kleinigkeit kann dir sofort den Tag ruinieren? Welche nicht? Wenn mein Hund mich draußen blamiert. Zehen anschlagen. Ellbogen anschlagen. Fettige Haare. Menschen im ÖV ohne Kopfhörer.

Welche Frage wird dir am häufigsten gestellt?

„Wie hast du mit Social Media angefangen?“ Meine Antwort darauf: „Mir war langweilig im Lockdown. Du nimmst ein Video auf und postest es, ist recht simpel.“

Die nächste Ausgabe von THE RED BULLETIN erscheint am 11. August 2026.

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