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70 Jahre MagnumSportfotografie
Arnold Schwarzenegger, 1977 MAI 2017 € 3,50
MAGNUM
FORCE 70 JAHRE SPORT-FOTOGRAFIE 1947 gründeten die Fotografen Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, William Vandivert, George Rodger und David Seymour (alias Chim) in New York eine Fotoagentur, und weil dabei (angeblich) eine 1½-Liter-Champagnerflasche im Spiel war, gaben sie ihrer Agentur den Namen Magnum. Gegründet als Kooperative, um in Sachen Qualität und Honorare souveräner gegenüber Kunden auftreten zu können, entwickelte sich Magnum dank seiner kreativen Mitglieder zur Messlatte der Pressefotografie – in jedem Bereich des Genres. Im Red Bulletin, das künftig mit Magnum kooperieren wird, zeigen wir die besten Sport-Beispiele aus siebzig Jahren Visual Storytelling.
Text: Robert Sperl
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THE RED BULLETIN
MICHAEL SCHUMACHER Peter Marlow, 2001
Die Melancholie eines dreifachen Weltmeisters: Michael Schumacher entspannt sich im Zuge von Testfahrten in Mugello, Italien, in seinem Wohnmobil. Peter Marlow gelang hier, was nur exzellente Fotografen beherrschen: Er machte sich quasi unsichtbar – und das Foto zum Gemälde.
THE RED BULLETIN
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WASSERSPRINGER IN SANT’ELIA
Ferdinando Scianna, 1982
Der Sizilianer Scianna war eine rare Doppelbegabung, sowohl brillanter Schreiber als auch begabter Fotograf. Als Meister des Moments lässt er auch Inszenierungen aussehen wie Produkte des Zufalls – wie hier in Sant’Elia nahe Siracusa, Sizilien.
ARNOLD SCHWARZENEGGER Elliott Erwitt, 1977
Aufgewachsen in Paris und Mailand, 1939 in die USA emigriert, hatte Elliott Erwitt bereits mit Stars wie Marilyn Monroe gearbeitet (und Bob Dylan noch vor sich), als er Arnold Schwarzenegger fotografierte. Ebenfalls Emigrant, war Schwarzenegger damals als Bodybuilder bereits eine BerĂźhmtheit.
THE RED BULLETIN
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RUGBY-TRAINING John Vink, 1999
Fabrikarbeiter, Marktfahrer, Bauern: Das Rugby-Team der südfranzösischen Kleinstadt Villefranche-de-Lauragais setzt sich aus Amateuren zusammen. Ehrgeizig, aber ohne Tagesfreizeit, weshalb die Sportler nur abends trainieren können. Geübt wird dann bis spät in die Nacht, oft bis zur völligen Erschöpfung.
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TOUR DE FRANCE Harry Gruyaert, 1982 Bekannt wurde Harry Gruyaert mit Reportagen über Marokko, Indien und Ägypten. Als gebürtiger Belgier hatte er jedoch auch stets ein emotionales Nahe verhältnis zum Radsport und damit zur Tour de France. Dort waren es nicht nur die Stars, die ihn faszinierten, sondern auch Nebendarsteller wie der Öster reicher Harald Maier, der im Foto oben in voller Fahrt zeitsparend verarztet wird, oder skurrile Episoden wie der Sitzstreik auf der 12. Etappe, ebenfalls 1982.
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THE RED BULLETIN
IM VÉLODROME D’HIVER Henri Cartier-Bresson, 1957
Der Mitbegründer von Magnum, das Genie der Schwarzweiß fotografie, setzte jahrzehntelang Maßstäbe. Sein Credo: sich auf leisen Sohlen, quasi stumm, annähern – ein Wort kann alles verderben – und den entscheidenden Augenblick einfangen. So wie hier in der Pause beim Sechstagerennen in Paris.
MUHAMMAD ALI Abbas Attar, 1974 (oben), Thomas Höpker, 1966 (unten) Zwei Ansichten des besten Boxers aller Zeiten. Oben in Kinshasa vor seinem epischen Kampf gegen George Foreman, dem „Rumble in the Jungle“ – schier unverwundbar, unbewegt, unbeeindruckt von der internationalen Presse. Unten in London, beim Besuch von Dreharbeiten, von einer nervösen Biene irritiert – empfindsam, verschreckt, ja ängstlich. Dabei hatte Ali auf seinen seidenen Bademantel, mit dem er den Ring betrat, den Spruch „Float like a butterfly, sting like a bee“ aufsticken lassen.
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THE RED BULLETIN
CASSIUS CLAY
Philippe Halsman, 1963
101 Covermotive des berühmten „Life“-Magazins stammen von dem amerikanischen Fotografen, dazu herausragende Porträts von Dalí, Einstein oder Chagall. Das schafft nur, wer wie Halsman stets tiefer blickte: „In jedem Gesicht versteckt sich das Geheimnis eines anderen Menschen.“ Als Halsman den jungen Box-Profi und Olympiasieger von 1960 in New York fotografierte, hieß der noch Cassius Clay, ließ aber bereits sein zweites Gesicht erahnen: das des unumstrittenen Weltmeisters.
THE RED BULLETIN
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MEXIKANISCHES RINGEN Alex Webb, 1978
Der Amerikaner Webb sieht sich als Straßenfotograf: Das heißt leben mit permanenten Konflikten und Konfrontationen, während du deinem inneren Kompass folgst. Bisweilen sucht er auch die Auseinandersetzung u nter einem Dach, wie hier beim „Lucha libre“.
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DER BOXER
Peter Marlow, 1996 Ihre Kämpfe finden im Rampenlicht statt, doch im Training tauchen die Boxer ab in die triste Atmosphäre der Gyms, wo es nach Schweiß riecht und nach geplatzten Träumen. Hier „Prince“ Naseem Hamed, damals WBO-Weltmeister im Federgewicht, bei einem Adidas-Werbedreh, in New York.
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THE RED BULLETIN
MARADONA John Vink, 1986 Argentinien wurde 1986 Fußball-Weltmeister, mit einem 3:2 im Endspiel gegen Deutschland. Für John Vink steht Argentiniens Nummer 10, Diego Maradona, sinnbildlich für den Erfolg: zum einen durch sein spielerisches Genie, zum anderen durch ein schlitzohrig gegen England erzieltes Tor. Die Hand Gottes sei dabei im Spiel gewesen, beteuerte Maradona hinterher, und der WM-Titel adelte seinen Betrug.
EN GARDE! Christopher Anderson, 2015 Der gebürtige Kanadier Christopher Anderson wurde durch seine Fotos aus den Kriegsgebieten dieser Welt bekannt. Da war es gewiss eine erfreuliche Alternative, einmal in der ältesten Fechtschule in Paris arbeiten zu dürfen, in der Salle d’Armes Coudurier (nahe Notre-Dame). Auch hier werden Kämpfe mit äußerster Vehemenz ausgetragen, jedoch nach streng einzuhaltenden Regeln.
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FUSSBALL Abbas Attar, 1976 (oben), Harry Gruyaert, 1998 (unten) Warum Fußball das faszinierendste und weltumspannendste aller Spiele ist? Zwei Fotos mögen als nonverbale Antwort genügen. Ob in den Untiefen eines regengetränkten Spielfelds in Guapi, an Kolumbiens Pazifikküste, oder der roten Erde auf dem Trainingsplatz von Canon Sportif de Yaoundé, Kamerun: Windschiefe Tore zur Orientierung, ein Ball und der Ehrgeiz der Spieler reichen aus, um ein wahres Feuer der Begeisterung zu entfachen.
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THE RED BULLETIN
MAGNUM FORCE 70 JAHRE SPORTFOTOGRAFIE
ROBERT CAPA/INTERNATIONAL CENTER OF PHOTOGRAPHY/MAGNUM PHOTOS,RENE BURRI/MAGNUM PHOTOS, HELGE KIRCHBERGER PHOTOGRAPHY/RED BULL HANGAR-7
A
ls die Fotoagentur Magnum im Frühjahr 1947 bei einem Mittag essen im New Yorker Museum of Modern Art gegründet wurde, hatten ihre Gründungsväter mit Sport wenig im Sinn. Robert Capa, William Vandivert, David Seymour, genannt „Chim“, George Rodger und Henri Cartier Cartier Bresson waren Kriegsberichterstatter ge wesen. Nun trieb sie an, die Neugier der Menschen nach anderen Dingen als den Schrecken des Krieges zu befriedigen. Eine Mischung aus Reportern und Künstlern, waren MagnumFotografen auf der Suche nach ungewöhnlichen Formaten. Sie fühlten sich dabei nur der höchsten Qualität verpflichtet: Bis heute haben sich nur knapp 100 Fotografen für eine Mitarbeit bei Magnum qualifiziert. Oft war ihre Arbeit ein Aufbegehren gegen den Mainstream, den die Magazine, Illustrierten und Zeitschriften der dama ligen Zeit vorgaben. Da war es doppelt sinnvoll, dass Magnum sich nicht nur als künstlerische Instanz etablierte, sondern auch als wirtschaftliches Konstrukt – die Mitglieder leisteten Beiträge, die allen zugutekamen –, was für die notwendige Unabhängigkeit gegenüber Kunden sorgte. Auch wenn sportliche Themen speziell in der Gründerzeit nahezu keine Rolle spielten: Wenn ein Robert Capa oder ein Henri Cartier CartierBresson sich in diesem Bereich äußerten, ließ sich ihre Meister Meister schaft nicht verbergen. Capas Aufnahmen von Ringern in Georgien von 1947 waren etwa so eine fabelhafte Fingerübung. In welchem Ansehen Capa damals stand, belegt folgende Tatsache: Der Autor einer RusslandReportage im „Ladies’ Home Journal“, der Pulitzer Pulitzer und spätere Nobel preisträger John Steinbeck, wurde damals mit 3000 Dollar honoriert. Capa bekam 20.000 Dollar. (Ein Mittelklasseauto kostete zu der Zeit rund 1500 Dollar.)
THE RED BULLETIN
Magnum-Fotografen als Miterfinder einer Sprache, die jedes Auge versteht: James Dean von Dennis Stock (o.), „D-Day“ von Robert Capa (Mitte), Ché Guevara von René Burri (u.). Und: der Katalog zur Jubiläums-Ausstellung.
Fachlich war es für die MagnumFoto grafen problemlos, sich im Genre Sport zurechtzufinden. Capas berühmtes Credo „Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nahe genug dran“ galt zynischerweise für Aufnahmen unter feindlichem Feuer ebenso wie für Pferde rennen, Ringkämpfe und Baseballspiele. Auch das Handwerkszeug für den Ein satz im Schützengraben hatte eine ähn liche Qualität wie für die Arbeit an der Laufbahn: kleine, schnell bedienbare Fotokameras und sensibles Filmmaterial. Und wenn Cartier CartierBresson in seinem 1952 erschienenen Buch „Images à la sau vette““ („Bilder im Vorübergehen“) von der Pflicht des Fotografen spricht, stets bleibende Eindrücke von flüchtigen Ereig nissen zu kreieren, trifft er exakt den ent scheidenden Punkt der Sportfotografie bei Magnum: Ziel war nicht, eine Aktion
bloß einzufrieren, damit der Betrachter diesen Moment noch einmal „konsumie ren“ konnte. Es ging darum, eine Aktion regelrecht zu entschlüsseln. Doch der noch viel wichtigere Punkt war: MagnumFotografen waren auch im Genre Sport grandiose Geschichten erzähler. Ihre Fotos sind nicht der Zucker Zucker guss, sondern die Torte. Ein einziges Bild mit seiner Vielzahl an Details, Phrasen, Schattierungen und Zwischentönen reicht aus, um eine zweite, dritte, ja vierte Ebene eines Ereignisses herauszuschälen, welche die Phantasie des Betrachters erst anregten und ihm halfen, ein Ereignis zu Ende zu denken. MagnumFotografen nahmen Sport stets als eine spezielle Herausforderung an, so zum Beispiel Jonas Bendiksen. Der reißt sich im Winter oft von seiner Arbeit als Dokumentarfotograf los, um beim Ski fahren spezielle Motive einzufangen. Etwa 2014, als er mit Freeskier Henrik Windstedt unterwegs war und danach schwärmte: „Die interessantesten Momente für mich sind die, wenn Kunst auf Sport trifft.“ MagnumFotografen sind auch bereit, mehr Mühe zu investieren und geduldig auf den rechten Moment zu warten. Thomas Höpker, dem wir einige der eindringlichsten MuhammadAliBilder verdanken, begleitete den Boxer fast drei ßig Jahre lang. Höpkers Ziel war, irgend wann unsichtbar zu sein: Erst dann war der verschlossene Ali zu enträtseln. Höpkers Vorbild war wohl Magnum Kollegin Inge Morath. Die geradezu in die Haut von Marilyn Monroe schlüpfte, um 1960 auf dem Filmset von „The Misfits“ an deren wahres Ich heranzukommen. „Die Monroe beherrschte alle Tricks, um zu posieren und sich zu verstellen“, erzählte Morath. Doch irgendwann kam ihr Moment. magnumphotos.com
MAGNUM ZU GAST IM SALZBURGER HANGAR-7
Die Ausstellung „70 Jahre Sportfotografie“ wird von 5. April bis 1. Mai bei freiem Eintritt im architektonisch einzigartigen Hangar-7 zu sehen sein, der eine Sammlung von historischen Flugzeugen der Flying Bulls sowie Formel-1-Rennwagen beherbergt. Der Hangar-7 bietet aber nicht nur Raum für Kunstausstellungen, sondern ist mit seinem Restaurant „Ikarus“, zwei Bars, einer Outdoor Lounge und einem Café auch ein Treffpunkt für (kunstliebhabende) Genießer. hangar-7.com
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