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The Red Bulletin AT 12/22

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ÖSTERREICH DEZEMBER 2022 € 3,50

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

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Eli Preiss und ihr sanfter Kampf gegen die MusikMachos

POETIN DES RAP

A N N E H AT H AWAY / N O A H O K A F O R / M I L E Y C Y R U S / R O B B I E W I L L I A M S / N A D I N E WA L L N E R


Elegance is an attitude Mikaela Shiffrin


LONGINES SPIRIT


E DI TO R I A L

WILLKOMMEN

SO SANFT GEHT RAP

Pierre Frolla ist ein monegassischer Freitaucher und dreifacher Weltrekordhalter. Das Feature über seine feuchtfröhlichen Dates mit Walen, Krokodilen und Haien: ab Seite 50.

EDELFEDER TRIFFT AUF RAP Die weltreisende Bestseller-Autorin Waltraud Hable, aktuell in Asien unterwegs, hat Eli Preiss zum Interview getroffen: Seite 42.

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Freeride-Neuheiten für unberührte Powder-Hänge – vier Athleten präsentieren ihre Tipps abseits der Piste ab Seite 85.

Gute Unterhaltung mit dem neuen The Red Bulletin! Die Redaktion

KINDERGEBURTSTAG?! Der ewige Teen-Star Miley Cyrus wird 30. Ihr bewegtes Leben in Zahlen auf Seite 16. 4

THE RED BULLETIN

PHILIPP MUELLER (COVER), HAMILTON, PICTUREDESK.COM, PATRICIA WEISSKIRCHNER

BERUF: FISCH

Ich, ich, ich – gar nicht so leicht, sich selbst ganz entspannt zu akzeptieren, ohne zum hemmungslosen Ego zu werden. Doch genau das kann die 24-jährige Wiener Deutsch-Rapperin Eli Preiss: Sie beschäftigt sich in ihren Texten mit all ihren inneren Widersprüchen und Gemütsschwankungen – und ihrer Rolle als Frau in der Gesellschaft. „Meine ­Superpower ist Empathie“, v­ errät sie. Als empathisch und absolut kolle­gial gilt auch FC Red Bull Salzburg-Stürmer Noah Okafor. Nur mit Tor­hütern hat er kein Mitgefühl – sondern seinen Spaß: Harte Arbeit sei natürlich wichtig, sagt er. „Aber du musst dir immer den Spaß bewahren, dann stehen dir alle Chancen offen“, ­philosophiert der 22-Jährige. Ankick auf Seite 58. Oscar-Preisträgerin Anne Hathaway wiederum postuliert auf Seite 38, dass jede unserer Empfindungen ein Gast ist, den wir respektvoll behandeln sollen. Lassen wir also auf den kommenden Seiten Freude einkehren!


STEIRER Herz

KEIN WUNDER BEI DEM WASSER. Dass die älteste Heilwasserquelle der Steiermark für die gute Laune der Steirer allein verantwortlich ist, mag etwas übertrieben sein. Natürlich ist es auch das viele Grün, die liebliche Landschaft. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass schon die Kelten sich an dem Wasser mit seiner einzigartigen Mineralzusammensetzung und Lithium erfrischt haben. Abgesehen von ihren Riten und Bräuchen sollen sie ja auch ein Volk von Frohsinn gewesen sein.

THALHEIM QUELL STEIRISCHER LEBENSFREUDE.


I N H A LT The Red Bulletin im Dezember 2022

58 DER AUFSTIEG Noah Okafor von FC Red Bull Salzburg und sein unaufhaltsamer Zug zum Tor

TAUCHEN

50 H AI, WIE GEHT’S? 42 AUF DIE WEICHE TOUR

Eli Preiss hat dem DeutschRap eine neue Rich­tung gegeben – mit sensiblen Tönen, voll am Punkt.

PORTFOLIO

24 HEISS AUF WEISS

Abenteuer-Fotograf Adam Clark und seine besten Freeski-Schnappschüsse

MUSIK

36 ROBBIE WILLIAMS

Das Ex-Boyband-Mitglied ­­feiert 25 Jahre Solokarriere – und wird Luxushotelier.

FILM

38 ANNE HATHAWAY

Die amerikanische OscarPreisträgerin verrät, wie sie ­mit Emotionen umgeht.

KINO

40 ROLAND EMMERICH

Der „Independence Day“Regisseur macht Mozarts „Zauberflöte“ zum Blockbuster.

10 GALLERY 16 ZAHLEN, BITTE! 18 FUNDSTÜCK

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Pierre Frolla tanzt mit den Walen und streichelt die Haie.

FUSSBALL

58 STÜRMISCHE ZEITEN

Wie Noah Okafor, Shootingstar von Red Bull Salzburg, zum Schlüsselspieler reifte

GUIDE

Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen 69 REISEN. Ein Motorrad-Trip durch die wilde Romantik Albaniens 74 P LAYLIST. Was Texas-Frontfrau Sharleen Spiteri privat auflegt

36 DER UMSTIEG Im Frühherbst seiner Karriere möchte Robbie Williams nun Hotelier werden. PETER RIGAUD, LEO BARON/SONY MUSIC, GREG LECOEUR, ADAM CLARK

COVERSTORY

76 L ESESTOFF. Autor Jay Kristoff im absurden „Reich der Vampire“ 78 TIPPS & TRENDS. Mit besten Empfehlungen der Redaktion! 80 BIOHACKING. So stärkst du mit dem Handy dein Hirn. 82 KALENDER. Events für den Herbst 85 WINTERSPORT. Die besten ­Freeride-Spots des Landes 92 B OULEVARD DER HELDEN. Michael Köhlmeier über die Wiener Physikerin Lise Meitner

20 DAS PHILOSOPHEN-INTERVIEW 22 MEIN ERSTES MAL

96 IMPRESSUM 98 CARTOON

50 DER ABSTIEG Die Karriereleiter des Tauchers Pierre Frolla führt runter – ganz, ganz runter …

THE RED BULLETIN


85 MACH DIE WOLKE! Winterglück abseits der Pisten –wir liefern die besten Tipps der Freeride-Profis.

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BREITLING BOUTIQUE KOHLMARKT 3

VIENNA


The all star squad Giannis Antetokounmpo Chloe Kim Erling Haaland


BOGOTÁ, KOLUMBIEN

Die Welt steht kopf

KEVIN MOLANO/RED BULL ILLUME

Es hatte den ganzen Nachmittag ge­ regnet. Doch kurz vor Sonnenuntergang riss es auf, und plötzlich war der Platz in der kolumbianischen Hauptstadt in magisches Licht gehüllt. Und dazu noch die malerischen Lacken! Wenn du da als Fotograf die Gunst des Augenblicks nutzt, dann gelingt ein Bild nicht von dieser Welt: Skateboarder Luis Molano taucht ab in ein Paralleluniversum oder so. Es gibt aber eine ganz einfache Er­ klärung für das paranormale Phänomen: Drehen Sie das Heft einfach um. kevinmolanoph.com; redbullillume.com

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KENTARO MATSUDA/RED BULL CONTENT POOL


CHITOSE, JAPAN

DrehMoment Auf dem Shikotsu-See in der japanischen Kleinstadt Chitose südlich von Sapporo findet jedes Jahr ein Eis-Festival statt. Da geht es um all die schönen Sachen, die man mit Wasser in diesem Aggregat­ zustand anstellen kann, zum Beispiel Eis‑Skulpturen bauen oder Schlittschuh­ laufen. Man kann freilich auch einen Salto mit dem Fahrrad hinlegen, der aussieht wie gemalt. Dazu müsste man allerdings ein Trick-Biker wie Tomomi Nishikubo sein. Instagram: @kentarawmatsuda; redbullillume.com THE RED BULLETIN

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REVELSTOKE, KANADA

Alarmstufe Infrarot

DANIEL STEWART/RED BULL ILLUME

Die Sutherland Falls im kanadischen Teil der Rocky Mountains sind ein Sehnsuchtsziel für erfahrene Kajakfahrer – wie in ­diesem Fall den Kanadier Benny Clark: Wer den wilden Ritt über den 14 Meter hohen Wasserfall bewältigt, kann sich mit Recht zu den Meistern dieses Sports zählen. Und wer von so einer Aktion ein meisterhaftes Foto machen will, der lässt sich an dem schon Millionen Mal fotografierten Punkt etwas Besonderes einfallen: Daniel Stewart zum Beispiel griff zur Infrarotkamera. danielstewartphoto.com; redbullillume.com

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Z A HL EN, BI T T E!

MILEY CYRUS

Hannah Moneytana Disney-Kinderstar, freizügiges Covergirl, schwerreiche Pop-Queen: Miley Cyrus zelebriert am 23. November ihren Dreißiger – 182 Millionen Fans und ein Glücksschwein feiern mit.

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2008

änderte sie ihren Vornamen offiziell von Destiny Hope zu Miley Ray – Miley ist die Kurzform ihres S ­ pitznamens Smiley.

Jahre alt war Miley bei ­ihrem Kino-Debüt in Tim Burtons „Big Fish“; davor war sie in der ­TV-Serie „Doc“ zu sehen.

Episoden der Disney-TV-Serie „Hannah Montana“ legten von 2006 bis 2011 den Grundstein für Mileys Weltkarriere.

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Millionen Dollar hat Miley bis zu ihrem 18. Geburtstag verdient.

Monate war Miley mit dem Schauspieler Liam Hemsworth verheiratet, mit dem sie 2010 den Film „The Last Song“ gedreht hatte.

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Hektar groß war die Farm bei Nashville, Tennessee, auf der sie mit fünf ­Geschwistern aufwuchs.

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Grammys gewann ihre Patentante Dolly Parton („Jolene“), Miley hat noch keinen.

181,75

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Accessoires umfasst eine rein vegane Produktpalette, die Miley 2018 gemeinsam mit der Modemarke Converse auf den Markt brachte.

Millionen Fans folgen Miley auf Instagram – Rang 20 im weltweiten Follower-Ranking.

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CLAUDIA MEITERT

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Wochen führte „Some Gave All“ (mit dem Hit „Achy Breaky Heart“) von Papa Billy Ray Cyrus 1992 die US-Charts an – bis heute ­Rekord für ein Debüt-Album.

GETTY IMAGES (2), PICTUREDESK.COM (2)

200

HANNES KROPIK

ihrer sechs ver­öffentlichten Studio-Alben erreichten Platz 1 in den U ­ S-Charts.

Hunde, drei Katzen, zwei Pferde und ein Hausschwein namens Puddles besitzt die tierliebende Miley derzeit.

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F U ND ST Ü CK

Der Schweizer Schieds­ richter Gottfried „Gotti“ Dienst (1919–1998) pfiff das Fußball-WM-Finale 1966 zwischen England und Deutschland.

FINAL-PFEIFE DER WM 1966

Der Triller von Wembley Ein Pfiff wird zum Mysterium – und macht England zum bis heute umstrittenen Fußball-Weltmeister.

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PICTUREDESK.COM, SPORTMUSEUM SCHWEIZ

30. Juli 1966, Finale der Fußball-WM im Wembley-Stadion. Gastgeber England trifft auf Deutschland. 2:2 – Verlängerung: Der Ball donnert an die deutsche Torlatte, von da auf die Torlinie. Auf? Vor? Hinter? Bis heute ein Mysterium. Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst jedenfalls entscheidet nach Rücksprache mit dem russischen (nicht fremdsprachigen!) Linienrichter auf Tor. Und manifestiert dies mit einem Pfi≠ aus seiner verchromten „ACME Thunderer“-Pfeife, die heute im Besitz eines privaten Sammlers ist und nun erstmals in ­Manuel Neukirchners neuem Buch „Deutschland, dein Fußball!“ (Edel Sports) „ausgestellt“ ist. PS: Deutschland ist demoralisiert, verliert mit 2:4. Abpfiff. Gut 50 Jahre vor dem Videobeweis.

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DAS F I K T IVE PHILO S O PHEN -IN T ERV IE W

SOKRATES SAGT:

„Auch Gedankenmüll muss in die Tonne“

Na ja, wenn ich mir überlege, wie vie­le Leute da auf engstem Raum ge­lebt haben, dann nehme ich ein­mal an, dass es nicht so richtig sau­ber war. Zumal ihr ja auch noch Esel und andere Tiere hattet. Stimmt genau. In manchen Ecken hat’s bei uns ziemlich gemuffelt. Aber verglichen mit dem, was ich bei euch beobachte, war das harmlos. Immerhin gab’s bei uns kein Plastik, keine Chemie, keine alten Batterien, Autoreifen, Industriemüll. So gese­ hen war das ­Leben in der Stadt noch einigermaßen erträglich. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass meine Mitbürger etwas konsequenter ihren Müll entsorgen.

Aber das ist nicht so einfach. Menschen ändern ihre Gewohnheiten nicht so schnell. Ich glaube, niemand hat das so schmerzlich erfahren wie ich. Immer wenn ich andere auf ihren Gedanken­ müll aufmerksam gemacht habe, wurde ich ange­ feindet. Dabei – und das ist die Ironie daran – war dieser Kram, den sie mir auftischten, oft gar nicht ihrer. Ihre Glaubenssätze hatten sie irgendwo aufgeschnappt oder sich von irgendeinem Politiker, Promi oder Influencer aufschwatzen lassen: Sperrmüll, von dem sie glau­ ben, er sei auf ihrem eigenen Mist gewachsen, und den sie deshalb mit Zähnen und Klauen verteidigten.

Was kann man tun, um Menschen zum Müllentsorgen zu bewegen? Die Wundermittel heißen Denken und Fragen. Man braucht jemanden, „Räumt im Kopf der einem den Spiegel vorhält und auf – dann werden einem klarmacht, wie man tickt. Und der einen an der Hand nimmt und auch eure Städte auf den Gedankenmüll aufmerksam macht – der einem hilft, überhaupt sauber.“ zu sehen, was da für ein Dreck Mitbürger? In Athen war das doch Sklavenarbeit? rum­liegt. Dafür kann es übrigens sehr hilfreich sein, Vergiss die Sklaven! Davon rede ich nicht. Ich rede ­draußen anzufangen. Augen auf, Müll wahrnehmen, von dem Müll, den ihr unter eurer Schädeldecke rum­ auflesen, in den Sack stecken und anständig ent­ schleppt – den Gedankenmüll, der euer Hirn benebelt. sorgen! Eine gute Übung. Denn wenn du den Müll Denn weißt du was: Solange eure Köpfe nicht auf­ da draußen siehst und wegschaffst, wirst du mit der geräumt sind, werdet ihr auch mit all dem Müll nicht Zeit sensibler für den Müll da drinnen (deutet auf klarkommen, den ihr inzwischen draußen angehäuft ­seinen Kopf). Also los, räumen wir auf! habt. „Denn was innen, das ist außen“, hat einer eurer Klassiker (Goethe, Anm. d. Red.) gesagt. Recht hat er! SOKRATES (469–399 v. Ch.) gilt als die Galionsfigur der europäiWenn ihr euren Mentalmüll nicht rausschafft, ­werdet schen Philosophie. Sein großes Anliegen war es, seine Athener ihr auch euren Restmüll nicht entsorgen. Mitbürger zum selbständigen Denken zu animieren und nicht Geben Sie doch einmal ein Beispiel für diesen ­„Mentalmüll“. Das sind Sätze, mein Freund. Sätze, die man selten ausspricht, die aber im Hinterstübchen ihr Unwesen treiben. Sätze wie „Ich mach, was mir Spaß macht“, „Ist mir doch egal, was die Leute denken“, „Hey, noch einen Skilift! Business geht vor Umwelt“. Oder, ganz perfide: „Ach komm, das haben wir immer so

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einfach auf das Gerede der Menge zu vertrauen. Damit machte er sich viele Feinde, die einen Prozess gegen ihn anstrengten, an dessen Ende Sokrates zum Tode verurteilt wurde. Doch sein kritischer Geist lebte weiter. Vor allem in seinem Schüler Platon, der mit seinen Dialogen Sokrates ein Denkmal setzte.

CHRISTOPH QUARCH, 58, ist deutscher Philosoph, Gründer der Neuen Platonischen Akademie (akademie-3.org) und Autor zahlreicher philosophischer Bücher. Zuletzt erschien „Kann ich? Darf ich? Soll ich? Philosophische Antworten auf alltägliche Fragen“, legenda Q, 2021.

THE RED BULLETIN

YANNICK DE LA PÊCHE

the red bulletin: Herr Sokrates, war Athen zu ­Ihrer Zeit eigentlich auch schon so versifft? sokrates: Was meinst du wohl, mein Freund?

gemacht. Ist bisher noch immer gut gegangen.“ Aber das ist Müüüllllll! Bullshit, wie ihr sagt. In die Tonne und raus damit! Sonst erstickt ihr irgendwann noch in eurem Gedankenkompost.

DR. CHRISTOPH QUARCH

Öko liegt im Trend. Nicht nur, dass uns immer mehr junge Leute immer lauter ins Gewissen reden – auch Politik und Wirtschaft machen zunehmend Ernst mit Umweltschutz. Trotzdem sieht es in manchen Städten übel aus: Müll, Dreck, Abgase. Warum lassen wir uns noch immer so gehen? ­Darüber spricht der Philosoph Christoph Quarch im fiktiven Interview mit Europas Meisterdenker Sokrates.


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M EIN ERST ES M A L

TONI PALZER

„Schmerz, Tränen – und dann der Triumph“ Toni Palzer war einer der besten Skibergsteiger der Welt. Dann wechselte er in den Radrennsport: Hier erzählt er von seiner ersten großen Tour. Sie wurde zur Tortur. Als Skibergsteiger holte der 29-jährige Toni Palzer mehrere WM-Titel und war auch als Bergläufer höchst erfolgreich. Dann wagte der sympathische Bursche aus Berchtesgaden etwas, was sich nur ganz wenige Top-Athleten trauen: Am Gipfel seiner Bergsport-Karriere wechselte er 2021 einfach die Sportart – und ist seither für das erfolgreiche Team Borahansgrohe als Radrennfahrer unterwegs. Die Wandlung vom routinierten Profi in einer Sportart zum Anfänger in einer anderen war nicht einfach. Vor welche Herausforderungen ihn sein erstes großes Rennen stellte und was er aus diesem ersten Mal lernte, erzählt Toni hier.

dir einfach wurscht sein!‘ Wurscht war es mir eh, aber es hat einfach sauweh getan! Radrennfahrer sind schon brutal harte Hunde, die auch mit Schmerzen weiterkämpfen, weil man ja immer noch eine Unterstützung fürs Team ist. Man darf einfach nie aufhören, in die Pedale zu treten, dann kommt man schon irgendwie durch. Am ersten Ruhetag habe ich geflennt, und auch den Zieleinlauf konnte ich gar nicht richtig genießen, weil ich einfach so kaputt war: Ich hatte Wassereinlagerungen und ein extrem schlechtes Blutbild. Aber immerhin hatte ich nach nur fünf Monaten in diesem Sport eine Grand Tour beendet!

Trotz der Qualen war dieses Toni Palzer „Mit 20 Jahren bin ich Profi im Rennen ein Triumph für mich, Mein erstes Mal – der Podcast denn es hat ja niemand gewusst, Skibergsteigen geworden und ob ich den Umstieg aufs Radhabe das dann auch acht Jahre rennfahren überhaupt schaffen durchgezogen. Aber nach sechs würde. Motivierend war für Jahren hab ich gemerkt, dass ich mich ein Gespräch mit meiner ziemlich gleichgültig geworden „Wenn du auf deinem Freundin Sonja, die meinte: bin. Nicht gegenüber dem Sport, vorgezeichneten Weg ‚Du musst diesen Umstieg pro­sondern was die Routine des bieren, weil ein Blinder sieht, Weltcups angeht. Ich habe genicht glücklich bist, spürt, dass ich eine Veränderung dass dir Skibergsteigen nicht probier einen neuen, brauche. Gleichzeitig hat mich mehr so Spaß macht wie früher.‘ der Profi-Radsport schon immer Daran habe ich mich festgeder dich fordert.“ halten: Ein Mensch braucht interessiert – und letztendlich Radprofi Toni Palzer weiß Veränderung und muss geforwurde ich von Ralph Denk in um den Wert des Loslassens. dert sein. Wenn du auf dem vorsein Team Bora-hansgrohe ein­ gezeichneten Weg zum Erfolg geladen. Was für eine Ehre! nicht das Gefühl hast, zu wachsen, gehe lieber das Meine erste große Herausforderung war die berühmte Rundfahrt Vuelta a España. Dabei fährt man Risiko ein und probier den neuen Weg, der dich reizt.“ richtig lang und hart Rad – drei Wochen lang, mehr als 3000 Kilometer. Eine absolute Grenzerfahrung für mich. Meine Performance war so schwach, dass mir Fahrer aus anderen Teams zuriefen: ‚Alter, was tust du eigentlich da?!‘ Und gegen Ende des Rennens wunderten sich andere: ‚Toni? Du bist immer noch „MEIN ERSTES MAL“ IST DIE RED BULLETIN-PODCAST-SERIE, dabei?‘ in der Athleten über ihre Anfänge sprechen. Die Folge mit Toni Palzer, Am sechsten Tag bin ich gestürzt und habe einen in der er erzählt, wie er zum besten Skibergsteiger Deutschlands wurde halben Quadratmeter Haut verloren, woraufhin mein und dann von einer Sportart zur anderen wechselte, gibt’s im Podcast von The Red Bulletin – auf Spotify und auf redbulletin.com/podcast Kollege Felix Großschartner meinte: ‚Toni, des muss

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THE RED BULLETIN

HELGE ROESKE/RED BULL CONTENT POOL

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© FISCHER

DEIN WINTER DEIN MOMENT


P O RT FO L IO

Solarenergie Valle Nevado, Chile, 2013

Seit 15 Jahren ist Clark auf der Suche nach dem, was er „endlosen Winter“ nennt – und bereist dafür auch die südliche Hemisphäre. Hier inszeniert er seinen Freund und SkiProfi Carston Oliver in Valle Nevado, einer Region im Herzen der Anden.

Heiß auf Weiß Für Adam Clark, 43, ist die Erde ein Schneeball. Der Abenteuer-Fotograf jagt nach den imposantesten Freeski-Fotos. Immer und überall. Denn stets ist ­irgendwo Winter. Hier sind seine besten Shots. Text NORA O’DONNELL

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Pulverblitz

British Columbia, Kanada, 2017 „Das Schöne an meiner Arbeit: Ich habe Freunde auf der ganzen Welt gefunden“, sagt Clark. Hier hat er sich den norwegischen Profi-Ski­ fahrer Stian Hagen bei einem Backcountry-Trip in den Selkirk Mountains vorgenommen.


P O RT FO L IO

Faltenlook

Haines, Alaska, 2009 Um die Big-Mountain-Skifahrer Dana Flahr und Seth Morrison zu filmen, drehte Clark aus einem Hubschrauber. „Die Beschaffenheit der vereisten Natur hat mich an die Oberfläche von Riffel-Chips erinnert“, sagt Clark. Knister, knaster, kaaalt! THE RED BULLETIN

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Flugwetter

British Columbia, Kanada, 2017 Der italienische Freeskier und Red Bull-Athlet Markus Eder nimmt eine von Bäumen gesäumte Abfahrt nahe der Retallack Lodge in Angriff. „Markus bei der Arbeit zu sehen war ein riesiger Kick“, sagt Clark. Kick – und klick!


P O RT FO L IO

„Kalt, warm, hell, dunkel – die Menschen sollen fühlen, wie’s da draußen ist.“ Adam Clark

Lichtblick

Cooke City, Montana, 2021 „Die meiste Zeit jagte ich nach Action-Fotos, nun will ich ein Gefühl dafür ­ver­mitteln, wie es ist, da draußen zu stehen“, sagt Clark, der hier den Freeride-WorldTour-Champion von 2020, Isaac Freeland, ablichtete. Mit Betonung auf Licht!

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P O RT FO L IO

Geisterfahrt

Nevados de Chillán, Chile, 2014 In Südamerika ist der Wind wankelmütig – er kommt und geht ganz plötzlich. „Auf diesen Moment warteten wir einen ganzen Nachmittag“, sagt Clark über das Bild des kanadischen Skifahrers Austin Ross.

„Pulverschnee ist wie Sand – wenn der Wind weht, bekommt er Flügel.“ Adam Clark


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P O RT FO L IO

„Manchmal geht es nur um das Eine: Spaß an einem dunklen, wolkenverhangenen Tag.“ Adam Clark

Kältewelle

Cooke City, Montana, 2021 „An manchen Tagen gibt es keinen konkreten Plan“, sagt Clark über diese Aufnahme des US-Skifahrers Sawyer Thomas. „Wir sind einfach herum­gewandert, bis wir spannende Kulissen fanden“, sagt Clark. Gustiert – gefunden.

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Schlussrunde

Wasatch-Kette, Utah, 2019

„Ich liebe meine Heimat“, sagt Clark über Utah. Hier fängt er seinen Landsmann Marcus Caston bei der letzten Abfahrt des Tages ein. Erst drückte er ab, dann schoss er erneut: auf Skiern 1,2 Kilometer talwärts.


Wattewolke

Wasatch-Kette, Utah, 2019

„Manchmal übernimmt der Schnee meine Arbeit“, sagt Clark. Der Schnee – und Profi-Skifahrer Pep Fujas, der sich in eine Wolke aus flauschigem Pulverschnee hüllt.


P O RT FO L IO

Gipfelglut

Lofoten, Norwegen, 2015 „Das ist einer der fünf schönsten Sonnenuntergänge meines Lebens“, sagt Clark. Hier sehen die Ski-Profis Stian Hagen und Christina Lustenberger auf gipfelumrahmte Fjorde hinunter. Das Panorama lässt tief blicken.

FOTOGRAF

ADAM CLARK

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Aufgewachsen in Salt Lake City, Utah, verliebte sich Adam Clark schon als Kind in den Skisport. Eine AlaskaReise in der Highschool machte aus dieser Liebe dann eine Be­ziehung fürs Leben: Hobby­fotografen schenkten ihm seine erste Kamera, und bald begann er, Fotos von seinen Freunden im Schnee zu machen. Es dauerte nicht lange, bis seine Arbeiten ver­öffent­ licht wurden, und Adam erkannte, dass er seinen Lebensunterhalt als Fotograf verdienen konnte – als „Ski-Vagabund“, der um die ganze Welt fliegt, immer auf der Jagd nach dem Schnee.

Mittlerweile ist der 43-Jährige zwar etwas sess­hafter. Aber ganz egal, wo er sich befindet – seine Arbeit (und seine Kamera) ist darauf fokussiert, immer wieder diese Liebe zur Natur einzufangen. Die Liebe von Adam, dem kleinen Jungen. „Ich versuche, ein authen­ tisches Gefühl dafür zu vermitteln, wie es ist, an einem bestimmten Ort zu sein, Skifahrer zu sein – oder einfach nur draußen“, sagt Clark. Instagram: @acpictures

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Musik

Robbie Williams ist nicht Billie Eilish, nicht Taylor Swift. „Pop ist die Welt der Jungen“, sagt die Ikone kokett, feiert 25 Jahre Solokarriere – und wird nun Luxushotelier! Interview MARCEL ANDERS

Wir sprechen mit Robbie Williams mitten im Urlaub: drei Wochen Südfrankreich mit Ehefrau Ayda Field und den vier Kindern. Doch so richtig entspannen kann sich der 48-jährige Sänger nicht. Statt mit der Familie am Strand zu spielen, gibt er Interviews zu seinem neuen Album „XXV“, einer Best-of-Sammlung mit orchestralen Fassungen seiner größten Hits wie „Kids“ oder „Angels“ anlässlich seines Dienstjubiläums: 25 Jahre ist es her, dass sich der Brite von Take That lossagte und mit einem eigenen Album als Solokünstler durchstartete. Beim Talk auf der Couch seiner Ferienwohnung bei Nizza trägt Robbie Williams offenes Hemd zu weißer Leinenhose – und gibt sich auch sonst überraschend offenherzig. the red bulletin: Was ist das für ein Gefühl, auf 25 Jahre als Popstar zurückzublicken? Robbie Williams: Es ist in erster Linie ein Gefühl der Erleichterung. Einfach weil ich ein Mensch bin, der wahnsinnig viel will und sich nicht mit dem begnügt, was er hat. Wäre mir diese Karriere versagt geblieben, wäre ich heute am Boden zerstört. Sie als großer Fußballfan – mit welchem Verein würden Sie Ihre Karriere vergleichen? Mit Everton. Ich bin noch in der höchsten englischen Spielklasse, aber mir fehlen die ganz großen Erfolge, und ich brauche Hilfe. (Lacht.)

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Sie sehen sich also nicht mehr in der Champions League in Konkurrenz mit den Billie Eilishs und Taylor Swifts dieser Welt? Richtig. Mir fehlt der Sauerstoff, um da mithalten zu können. Das ist eben so, wenn man älter wird. Popmusik ist die Welt der jungen Leute. Mein einziger Vorteil ist, dass mein Publikum noch physische Tonträger kauft. Sie verdienen also noch Geld mit dem Verkauf von CDs? In der Tat. Und dafür bin ich dankbar. Vor ein paar Jahren hatte ich einen Weihnachtssong als Stream veröffentlicht. Ich rief den Typen an, mit dem ich ihn geschrieben hatte, und wollte wissen, wie er läuft. Seine Antwort war: „Oh, fantastisch – zwölf Millionen Streams.“ Ich dachte: „Wow, das klingt ja toll.“ Dann habe ich nachgerechnet und stellte fest, dass das etwa 6000 britischen Pfund entsprach. Das sagt alles über die heutige Musikindustrie. Klingt nach Ausbeutung … Und wie! Aber das sind nun mal die aktuellen Gegebenheiten. Insofern schätze ich mich sehr glücklich, dass ich noch das alte Musikgeschäft ­kenne; dass ich einer der Letzten war, die erleben durften, was es hieß, ein richtiger Popstar zu sein. Mittlerweile malen Sie auch viel. Im Mai hatten Sie Ihre erste Vernissage. Wie ist sie gelaufen? Es war wahnsinnig aufregend, ein großer Spaß. Ich finde Kunst sexy, und mich damit zu befassen ist gut für meine mentale Gesundheit.

Wie dürfen wir uns Sie beim Malen vorstellen? Das dauert den ganzen Tag. Da schließe ich mich mit meinem Kumpel Ed (Innenarchitekt Ed Godrich; Anm.) in meiner Garage ein, wir hören Rave-Musik und verlieren uns in der Kreativität. Planen Sie weitere Ausstellungen Ihrer Kunst? Definitiv. Und ich habe noch eine Menge anderer Sachen vor – zum Beispiel ein Hotel zu bauen. Da will ich auch die Inneneinrichtung über­ nehmen, das gastronomische Konzept entwickeln und das Entertainment-Programm zusammenstellen. Und wo soll das Hotel stehen? In Dubai – dem gefragtesten touris­ tischen Reiseziel der Welt. Erzählen Sie mehr. Mein Plan ist, die Kultur der britischen Arbeiterklasse der Siebziger­ jahre zu adaptieren und chic zu gestalten. Ich möchte das, was ich in meiner Kindheit an Orten wie Blackpool, Skegness, Scarborough oder Bridlington (bekannte Badeorte an Englands West- und Ostküste; Anm.) erlebt habe, neu aufleben lassen – eben die Tradition der Piers und solch monumentaler Gebäude wie des Blackpool Tower. Das sind Sachen, an die sich Millionen von Engländern noch gerne erinnern. Daran möchte ich anknüpfen – und zwar so luxuriös, dass es auch anspruchs­vollen Urlaubern gefällt. Robbie Williams spielt am 17. März 2023 in der Wiener Stadthalle. Mehr Infos und Tourdaten: robbiewilliams.com

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LEO BARON/SONY MUSIC

Fünf-Sterne-Star

Da ich das Glück hatte, die Karriere zu erleben, die ich erlebt habe, kann ich auch einfach mal Dinge tun, die nichts mit Musik zu tun haben.


„Ich bin wie der FC Everton – erste Liga, aber aktuell keine Titel.“ Robbie Williams, 48, über seinen Status als gereiftes Sexsymbol

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Film

Hotel im Herzen Vor der Kamera ist Anne Hathaway – nun mit „Armageddon Time“ in den Kinos – für die große Emotion zuständig. Wie sie privat mit Gefühlen umgeht? „Wie mit netten Gästen.“ Interview RÜDIGER STURM

Foto DAN MARTENSEN/TRUNK ARCHIVE

Anne Hathaway ist für überlebensgroße Emotionen bekannt. Die 39-Jährige gewann einen Oscar für ihr intensives Porträt einer leid­ geprüften Frau in „Les Misérables“; in „Brokeback Mountain“ spielte sie die Gattin eines schwulen Cowboys; und in „Der Teufel trägt Prada“ versuchte sie, mit einer tyrannischen Chefin klarzukommen. Dazu passt auch ihre aktuelle Rolle in „Arma­ geddon Time“, dem Porträt einer New Yorker Familie in den 1980erJahren. Und gerade aus diesem Grund hat sie eine klare Idee davon, wie wir mit unseren Emotionen um­ gehen sollen – und welches Gefühl die Lösung aller Probleme ist. the red bulletin: In Ihrem neuen Film „Armageddon Time“ spielen Sie eine Frau, die sich als Mutter zu bewähren versucht. Was haben Sie eigentlich selbst von Ihren Kindern gelernt? anne hathaway: Letztlich besteht dieser Lernprozess darin, dass ich zuschaue, wie sich das Gehirn und das Bewusstsein meiner Kinder entwickeln. Das gelingt nur, wenn du es auf sanfte Weise geschehen lässt, das heißt, wenn du deine ­Kinder respektierst und liebst. Ich dagegen habe mir selbst immer Druck gemacht und war extrem streng mit mir. Durch meine Kinder habe ich eben verstanden, dass dies nicht der richtige Weg ist. Du musst dich durch deine Liebe zu dir selbst moti-

vieren und dich so akzeptieren, wie du bist. Seit ich das geschafft habe, bin ich viel glücklicher. Mir ist mein Herz regelrecht aufgegangen. Das heißt, man soll die Dinge ­einfach geschehen lassen? Genau. Ich habe mir früher immer gedacht, dass ich stets bestimmte Aufgaben erfüllen muss: Ich muss richtig meditieren, ich muss ein opti­ males Smoothie-Rezept hinbekommen und so weiter. Das heißt, alles hängt von meinen Aktivitäten ab. Aber in Ihrem Job und im Alltag müssen Sie doch aktiv werden – nichts kommt von selbst. Das Entscheidende schon, und das ist die Liebe. Auf sie allein kommt es an. Letztlich ist sie die Lösung aller Dinge. Das klingt sehr idealistisch. Ich weiß, ich klinge wie eine absolute Positivdenkerin. Aber Liebe ist die Antwort – seit Ewigkeiten. Denn sie ist die bestmögliche Art, wie wir miteinander umgehen können. Sie hilft uns, mit Menschen klar­ zukommen, mit denen wir nicht einer Meinung sind. Und wenn wir eine Generation erziehen, die versteht, dass wir gütig miteinander umgehen sollen, dann werden wir in einer fantastischen Welt leben. Ich ver­suche mit gutem Beispiel voranzu­gehen und frage mich ­ständig, ob ich die Art von Mensch bin, der ich sein möchte.

James Gray, der Regisseur von „Arma­geddon Time“, hat mir im ­Vieraugengespräch etwas ganz Wundervolles gesagt: „Als Elternteil kannst du nichts Großartigeres erleben, als wenn dir deine Kinder sagen, dass du einen Fehler gemacht hast.“ Mehr möchte ich dazu nicht sagen, denn die Erziehung meiner Söhne dauert noch an. Die beiden sind ja noch klein, gerade einmal drei und sechs Jahre alt. Wie gehen Sie mit negativen ­Gefühlen um? Oder bleiben Sie von denen verschont? Ich habe natürlich meine Fehler wie wir alle. Zumindest habe ich aber das Glück, dass ich dank meiner Familie auf dem Boden der Tat­ sachen geblieben bin. Das macht es für mich auch leichter, meine Ängste und Sorgen in den Griff zu bekommen. Es wäre falsch, wenn ich diese Gefühle verleugnen würde. Der persische Dichter Rumi hat das sehr gut beschrieben. Er meinte, dass jede unserer Empfindungen ein Gast ist, den wir beherbergen und respektvoll behandeln sollen, egal ob er Freud oder Leid bringt. Denn gerade weil sie eben nur Gäste sind, werden sie nur begrenzte Zeit bei uns bleiben. Möchten Sie positive Erfah­rungen nicht einfach festhalten? Wie war es zum Beispiel, nachdem Sie den Oscar gewonnen hatten? Ich habe diesen Moment genossen, aber danach wollte ich das alles wieder vergessen. Deshalb habe ich die Statuette ganz unten in mein Regal gestellt. Doch Schritt für Schritt habe ich sie nach oben gerückt. Ich habe mit der Zeit gelernt, dass ich diese Erfahrung anerkennen muss – denn sie hat mir die Chance ge­ geben, mich neu zu erfinden. Und dieser Prozess dauert bis heute an. „Armageddon Time“ (dt. „Zeiten des Umbruchs“) mit Anne Hathaway und Anthony Hopkins – ab 24. November in den Kinos.

Wann wissen Sie, dass Sie als ­Mutter erfolgreich sind? 38

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„Meinen Oscar habe ich erst genossen und dann ­vergessen.“ Hollywoodstar Anne Hathaway, 39, über die Emotionen des Erfolgs

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Kino

Eigentlich ist Star-Regisseur Roland Emmerich für dröhnende Weltuntergangs-Spektakel zuständig. Nun will er die Welt mit Mozarts „Zauberflöte“ sensibilisieren. Interview RÜDIGER STURM

Roland Emmerich ist einer der größten Exportschlager Deutschlands. Mit Filmen wie „Independence Day“, „The Day After Tomorrow“ oder „2012“ hat sich der gebürtige Stuttgarter in Hollywood vor allem als ­Regisseur von Katastrophenfilmen ­einen Namen gemacht. Als Produzent schlägt der 67-Jährige ruhigere Töne an: mit dem Kinofilm „The Magic ­Flute – Das Vermächtnis der Zauberflöte“, einer Hommage an Wolfgang Amadeus Mozarts und Emanuel ­Schikaneders Opernklassiker. the red bulletin: Warum produzieren Sie im Jahr 2022 die Kino-Adaption einer rund 230 Jahre alten Oper? Roland Emmerich: Weil die Leute immer weniger in die Oper gehen und ich Mozarts Meisterwerk einem breiten Publikum näher­bringen möchte. Es ist unglaublich, was ein menschlicher Geist da hervor­ gebracht hat! Die „Zauberflöte“ ist ein Feuerwerk der Fantasie. Geben Sie uns doch einen Tipp, wie man die befeuert. Die treibende Kraft sind Bücher. Ich hab schon früher irre viel gelesen. Welches empfehlen Sie aktuell? Den Roman „Der ewige Krieg“ von Joe Haldeman. Er handelt von einem Krieg, der aus dem Nichts entsteht und Tausende von Jahren andauert; und am Ende stellt sich heraus: Es war nur ein Missverständnis.

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Wie entdecken Sie Ihre Bücher? Ich gehe ins Internet und recherchiere. Prompt stellt sich eine Liste von Büchern zusammen, und ich lade die einfach auf meinen Kindle. Auf Social Media wird man mit medialen Inhalten regelrecht bombardiert. Haben Sie die Befürchtung, dass jüngere Menschen nicht mehr die Aufmerksamkeitsspanne für Bücher haben? Ja, die habe ich. Viele haben nicht mehr die Geduld, sich da hinein­ zuversetzen und eine ganze Buch­ reihe­zu lesen. Ich sehe das auch an meinem jungen Ehemann (Omar de Soto ist 33 Jahre jünger; Anm.). Der ist ständig am Swipen. Und wie ist das bei Ihnen? Ich habe mich einfach dagegen abgeschottet. Ich habe weder Facebook, TikTok noch Instagram, und diese Auslassung ist beruhigend. Ich bin zwar viel im Netz unterwegs, aber hauptsächlich bei der Recherche für Stoffe, die mich interessieren. Wenn ich mich beruhigen will, ­spiele ich mit meinen Hunden. Wie kann man die Fantasie der ­Digital Natives beflügeln? Ein Film wie „Das Vermächtnis der Zauberflöte“ ist ein Versuch. Es ist wichtig, dass man den Leuten Kunstwerke der Musikgeschichte nahebringt.

Im Film spielen Mentoren eine große Rolle. Wie wichtig sind sie im wahren Leben? Ich glaube schon, dass sie wichtig sind. Bei mir war das zum Beispiel der kürzlich verstorbene Regisseur Wolfgang Petersen. Es darf nur nicht zu diktatorisch zugehen. Wenn dir jemand einen Rat gibt, dann musst du ja oder nein sagen können. Im aktuellen Film gibt es auch einen Schuldirektor, der kategorisch sagt: „Das gibt es bei mir nicht“, bis er eines Besseren belehrt wird. Das ist die falsche Herangehensweise. Wie waren Ihre eigenen ­Erfahrungen mit der Schule? Ich habe mich aufgeregt, dass ich da hinmusste. Im Gymnasium habe ich mir einen Sport daraus gemacht, dass ich der Typ mit den meisten Fehlstunden war. Zum Beispiel, indem ich Unterschriften auf Entschuldigungen gefälscht habe – alle Techniken habe ich eingesetzt. Ich hatte weder irgendwelche Bücher, noch hatte ich einen Schulranzen in irgendeiner Form. Dass ich Abitur habe, ist heute noch ein Wunder für mich. „The Magic Flute – Das Vermächtnis der Zauberflöte“ läuft ab 17. November im Kino. Info: tobis.de

Wenn Sie Kinder hätten – was würden Sie konkret tun? Innerhalb der Familie könnten sie machen, was sie wollen. Es ist THE RED BULLETIN

LAGOS CID MANUEL/PARIS MATCH/CONTOUR

Flöte statt Tröte

­ ichtig, ihnen die Freiheit zu geben, w eigene Entscheidungen zu treffen. Wir haben eine Gesellschaft, wo alle überall dreinreden. Ein Ehepaar aus meinem engsten Freundeskreis hat zwei Kinder, bei denen es sich ­ständig einmischt. Es ist unglaublich! Ich sage dann: „Könnt ihr sie mal in Ruhe lassen und nicht an­ rufen? Nehmt euch zurück und lasst sie ihr Ding machen!“ Ich stamme ja noch aus einer Generation, wo kaum dreingeredet wurde. Ich habe mir alles selbst aufbauen müssen.


„Bücher? Auch mein junger Ehemann ist immer nur am Swipen.“ Roland Emmerich, 67, über den ganz privaten Generationskonflikt

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AUF DIE WEICHE TOUR

Die Wienerin ELI PREISS, 24, rappt sich mit Texten über weibliche Selbstbestimmung ins Rampenlicht. Und hat damit eine neue Richtung des Deutsch-Rap aufgetan, die mit Gefühlen statt Testosteron arbeitet. Deutsch-Rap-Queen: Eli Preiss gibt der Musikrichtung ein neues Profil.

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Text WALTRAUD HABLE Fotos PHILIPP MUELLER

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Musik

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li Preiss ist eine, bei der man hinschaut. Nicht nur auf der Bühne. Sie fällt auf, wenn sie nur ganz normal die Straße entlanggeht. Das mag auch an ihren 1,82 Metern liegen und an der blonden, wilden Lockenmähne, die in alle Richtungen springt. Aber vor allem liegt es an ihrem Blick. Er sagt: Ich bin da. Ich weiß, was ich will. Leg dich nicht mit mir an. Gerade Letztgenanntes kommt aber nicht bedroh­­lich daher. Sondern auf eine sanfte Art. Eine ähnliche Präsenz hat Elisabeth Preiss auch in der Musikwelt: Kritiker feiern die 24-jährige Wienerin mit bulgarischen Wurzeln als Shootingstar der Deutsch-Rap-Szene. Und als jemanden, der gekommen ist, um zu bleiben. Donau­ inselfest. Frequency Festival. Dazu das im Juni erschienene Debütalbum „LVL UP“, das an den Gesetzen des Genres rüttelt. Ja, Preiss rappt. Sie flucht mitunter auch in ihren Texten, doch niemals so, dass Zensoren Schnappatmung kriegen. In ihren Songs, von 2000er-Hip-Hop, Pop und House Beats inspiriert, thematisiert sie vielmehr die Wirren des Erwachsen­ werdens und weibliche Selbstbestimmung. Im Video zum Song „Princess Peach“ etwa lässt sie eine Frau am Red Bull Ring in Spielberg rennfahren, obwohl es keine Frauen-Formel-1 gibt. Eine andere Nummer ist ihrer Mutter gewidmet, „weil sie an mich geglaubt hat, als ich nicht mal selbst an mich geglaubt habe“. Die neue Generation von Deutsch-Rap wird von anderen Realitäten und Werten geprägt, und Eli spielt in dieser neuen Welle eine bedeutende Rolle. Preiss, die Philosophie studiert – „ich mache hin und wieder eine Prüfung, weil mich das Fach interessiert“ – weiß ihre Worte geschickt einzusetzen. „Ich will gar nicht die harsche Stimme sein oder zu stark polarisieren“, sagt sie. „Denn was bringt es, wenn die Leute nur über ein paar meiner Worte diskutieren, aber dann nicht mehr hören, was ich ­eigentlich sagen will?“

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„Das Wort ‚Bitch‘ finde ich nicht schlimm oder degradierend – wenn Frauen es verwenden.“ Eli Preiss über feine Nuancen im Sprachrepertoire des Rap


Musik

the red bulletin: Eli, wie stehst du zu den teilweise sehr harten, sexistischen Texten von Deutsch-Rappern? eli preiss: Ich glaube, einzelne Worte sind nie das Problem, sondern der Kon­ text ist es. Wie wird etwa die Frau dar­ gestellt? Ist sie immer nur Sexobjekt? Wird sie als etwas Nicht-Menschliches oder Nicht-Wertvolles beschrieben? Das Wort „Bitch“ finde ich an sich nicht schlimm oder degradierend. Es kann auch selbstbewusst und selbstbestimmt rüberkommen, wenn es etwa Frauen selbst verwenden. Wenn ein Rapper in seinen Texten sagt: „Meine Bitch, die ist süß und schlau, die hat studiert“, dann ist Bitch okay, weil klar wird: Die Person, die besungen wird, ist nicht nur ein Ob­ jekt, der mag sie wirklich. Man hört, du versuchst Rap-Kollegen auch für ihre Wortwahl zu sensibilisieren. Wie kann man sich das vor­ stellen? Na ja, im Rap wird viel über Sex aus der männlichen Perspektive geredet, von ­wegen: „Ich fi*** sie“. Ich sage dann: „Hey, warum versuchst du es nicht mal mit ‚Wir f*****‘?“ Oder: ‚Wir machen das und das?‘“ Das kommt gleich weniger so rüber, als hättest du dich ihr auf­ gezwungen. (Lacht.) Werden die Inputs angenommen? Es entsteht zumindest ein Gespräch. Selbst wenn jemand nicht den Text ­ändert, bewirkt es irgendwas im Kopf. So, wie ich junge Frauen inspirieren und bestärken will, gebe ich hoffentlich auch ein paar Jungs Ideen mit, und vielleicht öffne ich ein paar von ihnen auch die Augen. Man merkt, dass Eli Preiss sich nicht erst seit gestern Gedanken über Sexismus macht – oder sich hat machen müssen. Wenn man als junges Mädchen größen­ technisch alle überragt, wird man wesent­ lich früher als erwachsene Frau einge­ stuft, sagt sie. „Ich war elf oder zwölf, als mir die cusam erstenvitBauarbeiter Itiusdae incitatem nachgepfiffen et vento officab orehendist. haben. Cat Calling habe ich ständig er­ lebt. Anfangs schaut man noch zu Boden und traut sich nicht, was zu sagen, aber THE RED BULLETIN

wenn das Ganze halt zum zwanzigsten Mal passiert, lässt man sich das irgend­ wann nicht mehr gefallen und redet da­ gegen.“ Diese frühe Auseinandersetz­ung und auch ein paar unangenehme Momen­ te beim Modeln – Preiss war für kleine Jobs in Mailand – haben dazu geführt, dass sie heute Situationen, in denen sie den Respekt des Gegenübers vermisst, schneller eskalieren lässt. Neulich erst musste ein Schaffner im Zug dran glau­ ben. Er titulierte Eli Preiss bei einer Fahr­ kartenkontrolle als „Fräulein“. „Sein Ton­ fall war sehr unhöflich. Und Fräulein ist einfach ein fürchterlich antiquiertes Wort, das Frauen auch klein macht. Also habe ich ihn Männlein ge­nannt – und mich dann sicherlich etwas im Ton ver­ griffen. Aber letztlich hat mir das ganze Abteil zugestimmt, dass die Art, wie der Schaffner generell mit mir geredet hat, unangebracht war.“

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enauso, wie ihre Schlagfertig­ keit sich nicht über Nacht eingestellt hat, verhält es sich auch mit ihrem Erfolg. Eli Preiss ist keine YouTubeSensation, keine schnelle Aufsteigerin. Die Tochter eines Österreichers und einer Bulga­ rin – die Beziehung der Eltern ging früh in die Brüche, Eli wuchs erst im Kärntner St. Martin-Waidmannsdorf, einem Stadt­ teil von Klagenfurt, und dann in Wien auf – zeigte zwar früh Talent für Bewe­ gung und Musik: Singen, Gitarrespielen, Tanzen. Aber dass sie tatsächlich heute im Musikbiz mitmischen kann, war ein

„Der Herr Schaffner sagte Fräulein zu mir – da habe ich ihn Männlein genannt.“ Eli Preiss über einen unfreundlichen Kontrollor im ratternden Zug des Lebens

langer Prozess. Einer, an dem ihre Mut­ ter und ihre um fünfzehn Jahre ältere Schwester nicht ganz unbeteiligt waren. „Meine Mama hat in ihrer Jugend gesun­ gen und auch ein bisschen geschauspie­ lert, konnte diesen Weg aber letztlich nicht verfolgen, weil das im kommunis­ tischen Bulgarien schwierig war und sie was ‚Gescheites‘ lernen sollte. Für mich war sie der beste Coach: Sie hat mich ­immer angetrieben: ‚Komm, du kannst das. Du bist viel besser als die anderen. Trau dich.‘“ Die Schwester wiederum war für die Prägung des Musikgeschmacks zuständig. „Ich habe durch sie schon im ­Alter von sechs Jahren den ersten Rap ge­ hört“, lacht Eli. Im Kinderzimmer liefen – neben Justin Timberlake und Christina Aguilera – auch Eminem, Snoop Dogg, Nate Dogg, Black Eyed Peas. „Ich habe früh Rap gehört und nichts verstanden. Wenn es sexistisch oder voll Gewalt war, hat mir der Song zwar gefallen, aber ich habe das irgendwie trotzdem gespürt und als verboten empfunden.“ 45


Musik

M

it dreizehn dann die Teilnahme bei der ORF-Castingshow „Kiddy Contest“. Englische Popnummern auf Deutsch singen. Happy-Peppi-Auftritte vor Jury und Publikum. Eine Erfahrung, die man machen kann, aber nicht muss – wie Eli heute freimütig zugibt. „Ich dachte: Vielleicht ist das ein Weg, um in die Branche reinzukommen. Doch ich habe schon beim Machen gecheckt: Das ist es nicht.“ Auch weil Preiss, die zweisprachig aufwuchs und sich selten wo zugehörig fühlte, mit Depressionen zu kämpfen hatte. Die Zeit zwischen dreizehn und siebzehn war von Zerrissenheit und ­Lethargie geprägt, und zwar über den normalen Weltschmerz einer Pubertät hinaus. Ein Arzt wollte in der inneren Unruhe auch Anzeichen für ADHS erkennen. „Zu dieser Zeit habe ich kaum etwas Produktives oder Kreatives geschafft. Ich habe viel Zeit mit meinem Gameboy verbracht, bin in Videospiele abgetaucht. Bei ‚Die Sims‘ oder ‚Minecraft‘ konnte ich meine eigenen Entscheidungen treffen, im virtuellen Raum bieten sich unzählige Möglichkeiten, wie man ein Leben führen kann.“ Möglichkeiten, die sie im echten Leben nicht sah. Noch nicht. Jedenfalls: Nach Ausflügen ins Musical-Fach – sie hasste es, ein kleines Rädchen in einer Gruppe zu sein – beschränkte sie sich irgendwann auf das Hochladen von Cover-Versionen auf You­Tube. Eli Preiss tut sich seit ihrer Kindheit schwer mit Autoritäten. Es geht sogar die Geschichte um, dass sie einmal aus dem Kindergarten ausbüxte, weil sie sich von den Betreuern in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlte. Daher lieber YouTube. Allein. Bis die ersten Anfragen von Produzenten kamen. Und ihr zu dämmern begann: Man muss nichts covern. Nichts kopieren. Nichts nachmachen. Man kann auch sein eigenes Ding durchziehen. Und sein eigener Boss sein. Diese Erkenntnis veränderte alles. Und je länger Eli Preiss im Alleingang Musik macht, desto mehr Ehrlichkeit und Emotionen lässt sie zu. Ihre Texte handeln von der Akzeptanz des eigenen Ichs. Vom Fühlen in einer Welt, in der 46

man mitunter das Gefühl für sich selbst verliert. Sie hat Bücher zum Thema Selbst­entwicklung auf dem Nachttisch liegen. Jüngst hat sie etwa „Your Head Is a Houseboat“ von Campbell Walker ge­ lesen, das als eines der wichtigsten Werke für mentale Gesundheit für die Generation der Zwanzig- bis Dreißigjährigen gilt. Es verspricht, Klarheit im Chaos zu finden. Diese Klarheit sucht Eli auch in der Meditation und in binauralen Beats: Auf die unterschiedlich getakteten Frequenzen, die dem Gehirn beim Entspannen helfen sollen, hat eine Freundin sie gebracht. Die Meditations-App „Calm“ sieht Eli bisweilen sogar als Lebensretter.

„Ich hatte tiefe Lows und über­ triebene Highs. Mit Meditation balancierte ich das aus.“ Eli Preiss und ihr Stabilitäts­faktor bei Stimmungsschwankungen

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*Zink, Vitamin C und Vitamin D tragen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Vitamin D trägt zur Erhaltung einer normalen Muskelfunktion bei. Calcium trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei. Eisen trägt zu einer normalen Bildung von roten Blutkörperchen bei.


Musik

Warum die Sache mit der Meditation? Weil ich lange diese übertriebenen Highs und tiefen Lows hatte. Ich war nie so richtig im Gleichgewicht, habe alles viel zu intensiv empfunden. Meine erste deutsche EP habe ich nicht ohne Grund „Moodswings“ genannt. Mit Meditation konnte ich mich mehr ausbalancieren. Auf deiner Reise zu dir selbst, was ­waren bisher wichtige Erkenntnisse? Dass wir oft Dinge tun, die wir eigentlich gar nicht wollen – für Menschen, die wir nicht einmal richtig mögen. Wir tun diese Dinge aus der Unannehmlichkeit heraus, Nein zu sagen und andere zu verletzen. Aber je länger wir in diesem Muster festhängen, desto öfter findet man sich in ­Situationen wieder, in denen man eigentlich nie sein wollte. Mein Produzent ­Melik, der ein Mentor für mich ist, hat mir das vor Augen geführt. Am Anfang

„Hätte ich eine Superpower, wie man sie aus Videospielen kennt: Meine wäre Empathie.“ Eli Preiss über innere Kräfte für den Alltagsgebrauch

meiner Karriere habe ich nebenher in ­einem Bekleidungsgeschäft gearbeitet, obwohl mir das keinen Spaß machte. Ich war in einer Beziehung, die meine Musik nicht wirklich unterstützt hat. Ich war ein People Pleaser. Bis mir bewusst wurde: Es tut vielleicht kurz weh, Nein zu sagen oder auf eine vermeintliche Sicherheit zu verzichten. Aber unterbricht man den Kreislauf und macht das, was für einen stimmig ist und sich richtig anfühlt, dann kommen viele Steine ins Rollen.

Was hat es für dich ins Rollen gebracht? Ich habe meine damalige Beziehung beendet und meinen Job gekündigt. Natürlich war das alles schmerzhaft. Aber die Erfahrung hat mir gezeigt, dass man vom Leben immer eine Belohnung zurückkriegt. Weil man etwa plötzlich das Geld gar nicht mehr braucht. Oder man mehr Zeit im Studio verbringen kann. Oder ­jemand anruft und sagt: „Hey, ich habe einen Job für dich.“ Ich glaube, das läuft alles ein bisschen „göttlicher“ und spiritueller ab, als man sich das vielleicht vorstellen mag. Unsere rationalen Gedanken lassen nicht gerne zu, dass es da etwas geben kann, das uns zeigt, dass es richtig ist. Aber wenn man wirklich für sich einsteht und auch mal Nein sagt, dann kommen positive Sachen zurück.

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ieses Nein-Sagen gilt für Eli Preiss nicht nur anderen, sondern auch sich selbst gegenüber. Kurz vor Ende des Interviews, als wir uns schon verabschieden, sagt sie plötzlich: „Weißt du, wir alle haben immer dieses Streben nach Glück. Man möchte immer das nächste Ziel er­reichen. Ich wollte etwa neulich einen Song fertig schreiben. Aber es hat nicht funktioniert. Und ich war kurz ­davor, mich fertigzumachen – bis mir eingefallen ist: Nein, ich muss da jetzt durch diese Phase. Wenn das eine gerade nicht klappt, dann klappt eben etwas anderes.“ Also heißt Nein auch, Empathie für sich selbst zu haben?“ Eli Preiss nickt. „Ja. Empathie braucht es in allem. Hätte ich eine Superpower, wie man sie in ­Videospielen hat, wäre meine Super­ power Empathie.“ Mehr zu Eli Preiss auf Instagram: @elipreiss911 YouTube: Eli Preiss; universalmusic.at

Selbstbewusst, selbstbestimmt – aber ganz ohne Aggression: Eli Preiss beim The Red Bulletin-Shooting

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Styling SAMMY ZAYED/TATENDRANG Schwarzer Anzug in Denim-Optik BALENCIAGA Gelber Anzug COPERNI/STEFFL Visor und weißes Ledertop UNI by IVY Sonnenbrille CAZAL/MISTER SPEX Schuhe DOC MARTENS THE RED BULLETIN


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Tauchen

FRED BUYLE

Tiefen-Gipfel: Am Riff Aliwal Shoal vor S ­ üdafrika ließ sich ­Pierre Frolla 2007 mit diesem T ­ igerhai fotografieren, um auf die Bedrohung der Spezies auf­merksam zu machen.

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HAI, WIE GEHT’S?

Er tanzt mit den Walen, streichelt die Haie und hing am Tag seines Heiratsantrags mit einem Krokodil ab. PIERRE FROLLA, 47, betaucht die Ozeane ohne Sauerstoff-Flasche: Seine Welt ist atemberaubend. Text TOM GUISE, SASKIA JUNGNIKL-GOSSY


Tauchen Abtauchen, um sich selbst zu finden: Pierre Frolla vor der Küste seiner Heimat Monaco

Im Jahr 2004 verschob Pierre Frolla die Grenzen des Apnoetauchens – und zwar nach unten: Der gebürtige Monegasse tauchte mit nur einem einzigen Atemzug 123 Meter ab und brach damit den damaligen Tiefenweltrekord in der Disziplin Variable Weight (Abstieg mithilfe eines Gewichts, dessen Masse der Taucher selbst bestimmt). Apnoetaucher kommen ohne Atemgeräte aus, sie arbeiten mit speziellen Atemtechniken, um während des Tauchens wenig Sauerstoff zu ver­brauchen. Das erfordert höchste Konzentration und Körperbeherrschung. Frolla ist ein Pionier dieses Extremsports – und setzte dabei neue Standards für die Sicherheit im Wasser: Der heute ­47-Jährige teilt seine Erfahrungen in Filmen wie seinem jüngsten Dokumentarfilm „On a Long Breath“ oder seinem Buch ­„Océans: face à face“, für das er unter W ­ asser Wale, Haie und Krokodile besuchte, um Bewusstsein für Naturschutz zu schaffen. Heute leitet Frolla in seiner Heimat Monaco eine der größten Tauchschulen der Welt und gibt seine Philosophie an ­andere weiter. „In die tiefsten Ozeane hinab­zusteigen half mir zu verstehen, wer ich war, wer ich werden konnte – und mir selbst zu ­be­weisen, dass ich zu viel mehr fähig war“, sagt er. Hier die Lebens­geschichte eines Mannes mit T ­ iefgang – ­erzählt von ihm selbst.

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DER ANFANG Warum ich meinen Körper umprogrammierte „Es war wunderbar, in Monaco­ aufzuwachsen. Dort gibt es das Meer und die Möglichkeit, jeden Tag zu schwimmen, und es gibt die Berge, man kann also am Morgen hundert Meter tief tauchen und ein paar Stunden später aus 2000 Meter Höhe die Skipisten hinunterbrettern. Als ich das erste Mal bewusst geschwommen bin, war ich knapp fünf Jahre alt, an einem wilden Strand an der Ostgrenze Monacos namens Cabbé. Aber erst mit zwanzig habe ich Apnoe zu meinem Lieblingssport gemacht – nachdem ich mir 1995 bei den Judo-Welt­ meisterschaften in Chiba, östlich von Tokio, die Schulter gebro-

chen hatte. Ich hatte zuvor hart trainiert und war sehr enttäuscht. Doch anstatt mich operieren zu lassen, entschied ich mich für ein Training mit Apnoetauchen und vor allem mit Schwimmen, um meine Schulter zu kurieren. Damals war mein Körper auf Kämpfen programmiert – aber beim Freitauchen darf man sich nicht wehren, man muss eins mit dem Wasser werden. Es bringt nichts, gegen das Element anzukämpfen. Beim Apnoetauchen kann man nicht wie beim Schwimmen aufhören, wenn man zu schnell war, oder wie beim Radfahren absteigen, wenn die Oberschenkel schmerzen. Wenn wir auf dem Meeresgrund zurückbleiben, sind wir tot. Es gibt keine Möglichkeit zu entkommen. Wenn wir atmen wollen, müssen wir nach oben kommen. Ich wollte immer über meine Grenzen hinausgehen. Um mir selbst stets aufs Neue THE RED BULLETIN

GIL ZETBASE, GREG LECOEUR, FRED BUYLE

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Oben: Frolla schwimmt vor der Küste Kubas mit ­einem Krokodil spazieren. Am selben Tag hielt er um die Hand seiner Frau an. THE RED BULLETIN

Unterwasser-Agent Frolla: 2006 tauchte er auf den Bahamas zum Wrack eines DC3-Flugzeugs, das für einen James-Bond-Film eingesetzt worden war.

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Tauchen

DIE ANGST Aber dann zog der Raubfisch die Flossen ein „Als ich klein war, hatte ich schreckliche Angst vor Haien. Gleichzeitig war ich davon überzeugt, eines Tages TauchChampion zu werden, also lebte ich lange einen täglichen Wider­ spruch: Ich tauchte jeden Tag beglückt in die Tiefen der Ozeane – immer mit der Befürchtung, einem Hai zu begegnen. Mit sech­ zehn flog ich dann ans andere Ende der Welt, um mit Haien zu schwimmen. Als ich meinen ers­ ten Hai sah, einen riesigen gelben Zitronenhai, war ich verblüfft – als das Tier mich sah, drehte es um und floh. Er war es, der sich fürchtete, nicht ich. Da verstand ich, dass wir nur vor einer Sache Angst haben: vor dem Unbe­ kannten. Wenn das Unbekannte zum Bekannten wird, h ­ aben wir keine Angst mehr davor. Und ich verstand, dass der Hai keine be­drohliche, sondern eine be­ drohte Spezies ist.“ (Im Jahr 2012 schwamm Frolla im Rahmen einer Aus­stellung mit dem Titel „Die Haie sollen leben!“ gemeinsam mit 25 Haien eine Dreiviertelstunde lang in einem Becken. Er wollte auf die Friedfertigkeit der Tiere und ihre Bedrohung vor dem Aussterben aufmerksam machen; Anm.) „Beim Apnoetauchen darf man keine Angst haben. Angst nährt Zweifel, Zweifel nähren Fehler, und Fehler nähren das Versagen. Ein Fehler in mehr als 100 Meter Tiefe ist kein Miss­ erfolg, sondern das todsichere Ende.“

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„Es ist schon sehr speziell, am Grund des Meeres zu sein. Wenn ich tauche, Meter für Meter, spüre ich die Dinge auf eine immer ­ex­tremere Weise. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll, aber es entwickelt sich echtes Wissen über unsere Empfindungen: Wie viele Sekunden du schon unter Wasser bist, wie viel Akkulaufzeit du noch hast – ein Apnoetauch­ gang in großer Tiefe bedeutet, sich enormem Druck auszusetzen. Er bedeutet Demut, Selbstauf­ opferung und Akzeptanz. Es b­esteht ein Unterschied zwischen einer Apnoe, bei der wir den Atem so lange wie möglich anhalten, und einem Sauerstoffmangel.

Das ist ein chemischer Vorgang. Wenn nicht genug Sauerstoff im Körper vorhanden ist, stirbt man. Doch bevor das passiert, kann man die Luft lange anhalten und den Sauerstoff verbrauchen, den man in die Lungen geatmet hat. Damit können wir länger über­ leben, als wir denken. 2003 wollte ich auf 114 Meter tauchen, um meinen Körper an den Druck zu gewöhnen. Das Echolot zeigte bei 120 Metern einen flachen Grund an, sodass scheinbar k ­ eine Gefahr bestand – aber dann, bei 104 Metern, versank ich in einem Schlammhügel. Das Wasser war schwarz, ich konnte nichts sehen, steckte bis zu den Knien fest und brauchte fast 20 Sekunden, um mich zu befreien. Ich dachte, ich würde auf dem Grund b ­ leiben. In der Zeit danach haben wir neue Sicherheitsvorkehrungen eingeführt und unsere Über­ wachung verbessert.“

Oben: Apnoetaucher Frolla orientiert sich an einem Seil, an dem er sich in die Tiefe zieht. Wichtig beim Auftauchen (unteres Bild) ist, dass es nicht zu schnell passiert. ­Andernfalls droht Dekompression – der Druckabfall erzeugt Gasbläschen im Körper.

ALEXIS ROSENFELD, ROBERT MARGAILLAN

zu beweisen, dass ich zu viel mehr fähig bin, als ich mir noch am selben Morgen beim Aufstehen vorgestellt habe. Ich will immer besser ins Bett gehen, als ich am Morgen aufgestanden bin.“

DIE TIEFE Ein Rausch zwischen Demut und Akzeptanz


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ES MUSS WOHL AM WASSER LIEGEN, dass das Thalheimer Ahorn-Zitronen Kracherl soviel Fröhlichkeit verbreitet. Die süßliche Note des Ahorns, die feine Säure der Zitrone und wenig Zucker machen allein noch kein Thalheim Kracherl. Man muss schon ein ganz besonderes Wasser haben, um einen Schuss guter Laune ins Glas zu bringen. Aus der ältesten Heilwasserquelle der Steiermark entspringt ein Tropfen mit einzigartig positiver Wirkung. Schon die Kelten erfrischten sich an diesem Brunnen. Kracherl haben diese sicherlich noch nicht gekannt, aber ein Volk von Frohsinn sollen sie schon damals gewesen sein.

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Tauchen

ein neues Ziel, das ich danach er­reichen will – aber Sicherheit ist das Wichtigste. Es gibt das Sprichwort: ‚Es geht runter, wer will, es geht wieder hoch, wer kann.‘ Am Ende ist es einfacher, abzusteigen, als aufzusteigen. Jeder kann bis auf den Grund gehen, aber ist man schlecht ­vorbereitet, kommt man viel­ leicht nie wieder lebend hinauf.“

PIERRE FROLLA

wurde am 14. Februar 1975 in Monaco geboren. Die Nähe zum Meer p ­ rägte ihn von klein auf: Sein Vater, ein Meister im Speerfischen, vermittelte ihm das Verständnis für Unterwasserleben und Naturschutz. Frolla stellte vier Welt­rekorde im Freitauchen auf, heute leitet er Tauchschulen für Kinder, wo sie vor allem einen respektvollen Umgang mit der Natur lernen sollen.

DIE REKORDE Im Moment des Triumphs bist du völlig alleine „Mein inoffiziell tiefster Tauch­ gang war 132 Meter, mein offizi­ eller Rekord liegt bei 123 Meter Tiefe. Wenn man zum ersten Mal einen Rekord bricht, ist das ein ganz besonderes Gefühl. Man bereitet sich intensiv darauf vor; jede Sekunde, jede Minute, jeden Meter im Training denkt man daran. Die Vorbereitung eines ­Rekords dauert zwischen 56

sechs und neun Monate, zwei bis drei Trainingseinheiten pro Tag, sechsmal pro Woche. Mein Trainer hat einmal zu mir gesagt: ‚Wenn du eines Tages Welt­meister bist, wirst du auf dem Gipfel eines Berges stehen und die ganze Welt sehen. Aber du wirst allein sein. Das ist der Moment, in dem du entscheiden musst, was du tun willst und wie du es tun willst.‘ Wobei – meine G ­ ipfel, meine H ­ öhepunkte liegen in der Tiefe. Die größte Moti­vation während eines Wettkampfs ist, meine e­ igenen Grenzen zu er­rei­ chen, ohne sie zu überschreiten. Ich schaffe so neue Grenzen und

„Meine Frau und ich haben 2015 unter Wasser geheiratet. Es war wunderschön, 70 Gäste, alle an unserer Seite – einfach verrückt. Meine Frau war stolz, weil sie ein Jahr zuvor noch nicht in der Lage war, einen sogenannten Aus­ gleich zu schaffen, also Luft aus dem Rachen in das Mittelohr zu drücken, um den schmerz­haften Druck zu verringern. Sie hat hart gearbeitet, um tauchen zu lernen – und als sie es geschafft hatte, habe ich sie gebeten, mich unter Wasser zu heiraten. Fürst Albert II. von Monaco war Trau­ zeuge bei der Hochzeit. Er ist ein sehr guter Taucher – und ein bemerkenswerter Schüler. Ich habe praktisch jeden Ozean der Welt bereist, und ich bin an die entlegensten Orte ge­ kommen. Jede Expedition bietet unglaub­liche Möglichkeiten und unvergessliche Begegnungen. Am wichtigsten sind für mich Reisen, die Begegnungen mit Meer und Menschen verbinden. Mit Kroko­dilen zu schwimmen ist einmalig, Weiße Haie zu streicheln fast u ­ nwirklich, mit einer Gruppe von Pottwalen zu tanzen unbeschreiblich – aber wenn es keinen menschlichen Wert darin gibt, haben die Dinge weniger Würze.“

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Sein Ziel bleibt das Spiel Er war acht, als er beim ersten Training vom Platz flog – weil er keine Fußballschuhe hatte. Heute ist NOAH OKAFOR 22 und der Shootingstar des FC Red Bull Salzburg. Wie er das schaffte? Er bekniete den Vater, stürmte ein Sportgeschäft. Und stand schon zum Trainingsmatch wieder am Platz. „Ich bin zielstrebig“, sagt er. Text ALEXANDER NEUMANN-DELBARRE

Fotos PETER RIGAUD


ROSAROTER BULLE

Sanfter Blick, aber eiskalt vor dem Tor: Noah Okafor beim Foto­shooting in der Red Bull Arena in Salzburg.

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Fußball

N

Noah Arinze Okafor hat in seiner Karriere nie viele Einladungen gebraucht. Auch die von Francesco Acerbi nimmt er umstandslos an. Der italienische Verteidiger lässt ihm auf der linken Mittelfeldseite für einen Moment zu viel Raum. Okafor nutzt seine Chance sofort. Den Ball am Fuß sprintet er vor den Zuschauern in Roms Stadio Olimpico die linke Außenbahn entlang, lässt seinen Gegenspieler stehen, als habe der Blei statt Stollen an den Schuhen, und legt den Ball perfekt zurück auf Silvan Widmer. Schuss, Kreuz­eck, was für ein Treffer. Es ist das 1:0 im WM-Quali­ fikationsspiel der Schweiz gegen Italien – das Tor, das im November 2021 den Weg unserer Nachbarn zur WM ebnet. Und eine Aktion, die für viele Fußballfans wohl vor allem eines bestätigt: Okafors außergewöhnliches Talent. Für ihn selbst aber belegt sie etwas anderes: dass sich all das zusätzliche Sprinttraining gelohnt hat. Noah Okafor, 22, ist der Shootingstar des FC Red Bull Salzburg. In der vergangenen Saison stieg der Stürmer bei Öster­ reichs Serienmeister zum Leistungsträger auf, erzielte elf Tore auf dem Weg zum Double-Gewinn, debütierte eindrucksvoll in der Champions League und trug bei seinen ersten Startelf-Auftritten im Schweizer Nationalteam so maßgeblich zur WM-Qualifikation bei. Von einem Spieler, der immer über enormes Potenzial verfügte, ist Noah Okafor zu einem Spieler geworden, der es auch entfaltet. Ein großer Schritt. Und kein leichter. Aber im Grunde hat er ihn schon sein Leben lang geübt. Denn zwei Dinge wusste er früh: dass er mehr

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Talent hat als die meisten anderen. Und dass das nicht reichen wird. Also begann er schon als Kind, etwas Wichtiges hinzuzulernen: was es neben dem Talent braucht, um erfolgreich zu sein.

Karrierekick im Schuh-Shop

Es gibt eine schöne Anekdote über den Tag, an dem Noah Okafor zum ersten Mal beim Fußballtraining des FC Arisdorf, nahe Basel, aufkreuzte. Er war acht Jahre alt und hatte weder Hallenschuhe noch Schienbeinschoner dabei. So könne er leider nicht mitspielen, erklärte ihm der Trainer. Also ging Noah heim, überredete seinen Vater, sofort mit ihm ins Sport­geschäft zu fahren, und stand bereits eine Stunde später mit Schuhen und Schonern wieder vor dem Coach. Der ließ ihn beim Abschluss-Spielchen noch mitmachen. Und danach wusste der Trainer sofort: Dieser Junge ist etwas ganz Besonderes. Okafor lächelt, als es um diese Geschichte geht. Er sitzt zu Hause in Salzburg, schwarzes Baseballcap, weißes Sweatshirt, tiefenentspannte Körperhaltung. „Diese Charaktereigenschaft“, sagt er, „hatte ich schon immer: Wenn ich etwas wollte, dann wollte ich es ganz und unbedingt.“

Nach nur einem halben Jahr bei Arisdorf bekommt er vom FC Basel eine Einladung zum Probetraining. Er überzeugt sofort, wechselt in Basels U9, verbringt jedes Wochenende mit Fußball, reist mit seinem Team zu ersten internationalen Turnieren. Das ist für ihn anfangs vor ­allem eines: ein einziger großer Spaß. Mit etwa dreizehn Jahren aber ändert sich etwas: „Du kommst dann in ein Alter, in dem du merkst: Okay, es geht in die richtige Richtung. Leute sagen dir, du hast das Potenzial, Profi zu werden. Und dann musst du dich entscheiden: Willst du diesen Weg wirklich gehen? Dann musst du auch dafür arbeiten.“ Beim Interview zeigt er uns eine Seite von sich, die ganz anders wirkt als der Noah, der im Stadion vor Freude explodiert, nachdem er in der Cham­ pions League ein Tor geschossen hat, das bei den Fans auf den Tribünen und am nächsten Tag auch in der Presse in ganz Europa einen Sturm der Begeisterung entfacht. Er hält jeweils kurz inne, bevor er eine Frage beantwortet, wählt seine Worte mit einer Mischung aus ­respektvoller Zurückhaltung und herz­ licher Ehrlichkeit. Mit vierzehn trainiert er täglich, manchmal zweimal am Tag. Zusätzlich arbeitet er allein an sich. Und das intensiv. Extra-Runden am Strand in den Ferien also? „In die Ferien fuhr ich teilweise gar nicht. Ich blieb zu Hause und trainierte.“

„So war es schon immer: Wenn ich etwas wollte, dann wollte ich es unbedingt.“ Noah Okafor über den wichtigsten Mosaikstein seines Erfolgs – neben dem Talent

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BALL UND BETON

Sinnbild: Noah jongliert in der Stadion-Garage. Auf dem Feld knackt er fast jeden Abwehr-Beton.

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DOPPELT STARK

Noah, der Spieler: bissig und aggressiv. Noah, der Mensch: zurück­ haltend und herzlich

Zu schnell zu groß! Die Karriere stand an der Kippe, als er ganz plötzlich wuchs.


Fußball

„Partys und Bier? Ich begnügte mich mit Pizza und blieb beim Mineralwasser.“ Noah Okafor über die winzigen Sünden einer alkoholfreien Jugend

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Fußball

Als er fünfzehn ist, zieht Noah Okafor­ ins Jugend-Wohnhaus des FC Basel. Andere Burschen gehen jetzt auf Partys, trinken ihr erstes Bier. Noah gönnt sich gelegentlich eine Pizza und bleibt beim Mineralwasser. „Natürlich fiel mir das manchmal schwer. Ich habe es auch nicht immer durchgehalten, da bin ich ehrlich. Aber meine Eltern haben mich im rich­tigen Moment immer wieder auf das hingewiesen, was nötig ist, um etwas zu erreichen: Du musst verzichten können, Vollgas geben, dich verbessern wollen.“ Noah Okafors Mutter stammt aus der Schweiz. Sein Vater wuchs in großer Armut in Nigeria auf, kam als junger Mann nach Europa und über Wien und München schließlich nach Basel, wo er Noahs Mutter kennenlernte. Um die fünf gemeinsamen Kinder zu ernähren, arbeitete er in einer Autowerkstatt. Waren die Geschichte seines Vaters und der Gedanke daran, was seine Eltern alles taten, um ihm die Chance auf den Profi-Fußball zu ermöglichen, eine zusätzliche Motivation für Noah? „Ja, ich glaube, das war ein sehr großer Teil. Ich wusste, mein Vater hatte es nicht einfach. Ab einem gewissen Alter kriegst du das ja mit. Ich bin glücklich, dass er es jetzt leichter hat. Und dankbar, dass er und meine Mutter mich immer angetrieben haben, meine Ziele zu erreichen.“ Dass er sich als junger Spieler hin und wieder diskriminierende Kommentare wegen seiner Hautfarbe anhören musste, davon ließ sich Noah Okafor nicht lange irritieren. „Es gab Sprüche, von Gegenspielern, von Zuschauern, von irgendwelchen fremden Leuten. Da denkst du dann schon mal drüber nach und fragst dich: Warum ist das so? Aber ich wusste, dass das viel mit Neid und Missgunst zu tun hat. Insofern habe ich mich nicht allzu sehr damit beschäftigt.“

Im Angesicht der Angst

Vor deutlich größere Probleme stellt ihn etwas anderes. Mit fünfzehn wächst er binnen eines Jahres um zehn Zenti­meter. Sein Körper ist überlastet, das Schambein entzündet sich, der Arzt ver­ordnet ihm ein halbes Jahr Fußball-Pause. Es ist die

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„Diskriminierung durch Spieler, Fans, Fremde: Das hat mit Neid zu tun ...“ Noah Okafor über herabwürdigende Kommentare zu seiner Hautfarbe

NOAH OKAFOR

Am 24. Mai 2000 als Sohn einer Schwei­ zerin und eines Nige­ rianers in Binningen, Schweiz, geboren, führte ihn seine Kar­ riere vom FC Arisdorf zum FC Basel, wo er mit 18 Jahren in der Super League debü­ tierte. Anfang 2020 wechselt er zum FC Red Bull Salzburg: Hier wurde er seither ­dreimal Meister und dreimal Cupsieger. 2019 wurde er zum ersten Mal ins Schweizer National­ team einberufen.

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erste große Krise seiner Karriere. Sechs Monate lang darf er nicht Fußball spielen, danach braucht er drei weitere, um wieder fit auf dem Platz zu stehen. In dieser Zeit helfen ihm seine Familie, sein Trainer – und ein Mental-Coach. „Er hat mich beruhigt, mir Tipps ge­ geben, um besser mit meinem Ärger und meinen Ängsten umzugehen. Und er hat mir klar­gemacht, dass Ups and Downs nun mal zu einer Karriere dazugehören. Das hat mich weitergebracht.“ Und letztlich hat sich auch die ganze Krise als nützliche Erfahrung erwiesen: „Als ich sie gemeistert hatte, wusste ich endgültig: Wenn ich ein bisschen Glück habe und von gröberen Verletzungen weitgehend verschont bleibe, dann werde ich jetzt auch Profi.“ Gut zwei Jahre später, am 28. Juli 2018, steht Noah im Stade de la Mala­dière in Neuenburg und tritt im Trikot des FC Basel gegen Xamax Neuchâtel an. Es ist sein erster StartelfEinsatz und sein zweites Erstliga-Spiel überhaupt. In der 64. Minute kommt er rechts im Strafraum frei an den Ball und schiebt ihn überlegt ins lange ­linke Eck. Tor beim Startelf-Debüt in der Liga. Wie gesagt, er braucht nicht viele Einladungen. Nur die von ausländischen Vereinen­ schlägt er anfangs aus. Klubs aus Deutschland und England locken ihn früh. Doch er bleibt in Basel. „Ich habe mich dort wohlgefühlt. Das ist für einen jungen Spieler extrem wichtig. Und ich wollte meine Karriere Stück für Stück aufbauen, dafür musst du Geduld ­haben.“ Erst im Jänner 2020 verlässt

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SPRINT-RAKETE

Okafor im Dress des FC Red Bull Salzburg in der Champions-League-Partie gegen AC Milan Anfang September

DER ABSCHLUSS

GETTY IMAGES

FC Red Bull Salzburg gegen AC Milan, 28. Minute: Noah Okafor trifft zur Führung ins rechte untere Eck.

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Fußball

er seinen Heimatverein und wechselt zum FC Red Bull Salzburg. Ein nach­ vollziehbarer Schritt. Sadio Mané, Erling Haaland – auch sie entwickelten sich in Salzburg entscheidend weiter. Für Noah aber läuft es dort zunächst nicht.

„Meine Eltern halfen, obwohl es schwer war: Das motivierte mich.“ Noah Okafor wuchs in bescheidenen Verhältnissen mit vier Geschwistern auf.

Sonderschicht zum Erfolg

Er braucht eine Weile, um sich an das neue Umfeld zu gewöhnen. Zum ersten Mal lebt er ohne seine Familie in einem anderen Land. Pandemie, Lockdowns und kleine Verletzungen machen die Sache nicht leichter. Auch an den speziellen „Red Bull-Fußball“ – temporeich, intensiv, taktisch anspruchsvoll – muss er sich erst anpassen. In zusätzlichen Einzelschichten arbeitet er an Spritzigkeit und Tempo. Zudem stellt er seine Ernährung um, achtet noch mehr auf seinen Körper, auf Regenerationszeiten, Schlaf. „Je höher du kommst, desto härter musst du arbei­ ten“, stellt er fest. Aber auch, dass sich der Aufwand immer wieder lohnt. Die starke Vorarbeit im Nationalteam-Dress gegen Italien, sein Tor in der WM-Quali gegen Bulgarien, seine drei Treffer in der Gruppenphase der Champions League, die Salzburg erstmals den Weg ins Achtel­ finale ebneten: nur einige der Highlights seiner Durchbruch-Saison 2021/22. „Er ist sehr gereift und ein richtiger Profi geworden“, sagt Salzburgs Sport­ direktor Christoph Freund über Okafor. „Er hat sich zu einem Schlüsselspieler für uns entwickelt.“ Das beweist er auch in der laufenden Saison: In der Liga ­sammelt er reihenweise Scorer­punkte, in der Champions League traf er gleich in den ersten drei Spielen wieder, mit ­einer brillanten Einzelaktion gegen den AC Mailand, einem Traumtreffer gegen Chelsea, dem Siegestor gegen Dinamo ­Zagreb. Und das war erst der Anfang. Ob er die Rolle eines Schlüsselspielers auch für die Schweiz bei der WM in Katar spielen kann? Dem Team jedenfalls traut er viel zu. „Wir sind eine gut ein­ gespielte Mannschaft. Wenn jeder für jeden kämpft, können wir weit kommen, davon bin ich überzeugt.“ Und auch seine persönlichen Karriereziele setzt er sich selbstbewusst: „Ich möchte in einer Top-Liga Meister werden, die Champions League gewinnen und der beste Spieler

AUSBLICK

Noah Okafors persön­ licher Karriereplan: die Champions League ­ge­winnen, bester Spieler der Schweiz werden

der Schweiz werden.“ Aus dem Jungen, der einst ohne Schuhe zum Training kam, ist ein Profi geworden, der alles hat, um es weit nach oben zu schaffen. Ob es eine Essenz dessen gebe, was er auf seinem bisherigen Weg gelernt hat, einen Rat, den er geben würde? Er überlegt kurz. „Talent ist wichtig“, sagt er dann. „Harte Arbeit auch. Aber du musst dir auch immer den Spaß bewahren an dem, was du tust. Dann stehen dir viele Chancen offen.“ Chancen und Tore. Instagram: @noah.arinze Noah Okafor trägt ein Outfit aus der AlphaTauri Autumn/Winter ’22 Collection.

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GUIDE Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen

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Albanien und Asphalt? No way! Ein Bike-Trip durch die Wildromantik Südosteuropas

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GUIDE Reisen

„1300 Kilometer, der Großteil davon offroad – und sieben Tage durch unglaublich schöne Landschaft …“ Guide Jennifer Huntley, 53, über die BMW GS Trophy durch Albanien – das Bike-Abenteuer kann auch unabhängig vom Wettbewerb gebucht werden.

V

or 25 Jahren sollten 750 Pfund das Leben von Jennifer Huntley umkrempeln: Diesen Betrag drückte die Britin dem Verkäufer einer alten BMW R80 GS in die Hand. Ein knorriges Bike mit robustem Ruf, Typus Harte-Männer-Motorrad. „Ich mochte, wie es aussah, es versprach Abenteuer“, sagt die Zahntechnikerin, die ein verlässliches Bike für ihren Arbeitsweg gesucht hatte. Ein Vierteljahrhundert später sitzt Jenny wieder auf einer BMW GS – und zwar auf der aktuellen mit 1250 Kubikzentimeter Hubraum, sieben elektronischen Fahrmodi und automatischer Fahrwerksverstellung. Auch heute fährt sie mit dem Motorrad zur Arbeit – oder besser gesagt: Sie arbeitet vom Sattel aus, als Guide bei der BMW GS Trophy durch Albanien (siehe Grafik: rechte Seite). Der Untergrund: Straßen, die ­ursprünglich von den Römern errichtet und seither allem Anschein nach nicht mehr erneuert wurden. Schlag­ löcher? Ein Kennzeichen guter Straßen. Denn ist es nur ein Pfad mit losen Steinen, der auf Jennys Gruppe wartet.

Aus der Zeit gefallen Die BMW GS Trophy, deren Kurs auch von „Normalos“ in Angriff genommen werden kann, ist ein Bewerb für die besten Fahrer der Welt, die sich in Vorausscheidungen für das Abenteuer qualifizieren müssen. Für fünfzehn Männer- und sechs DamenTeams geht es dann in sieben Etappen durch ein Land, das zwar in Europa liegt, aber völlig aus der Zeit gefallen scheint. Nicht nur die Straßen sind abenteuerlich, auch die Lebensbedingungen. In den Dörfern, durch die Jennys Strecke führt, sieht man Bauern, die mit ihrem Pferd pflügen wie vor hunderten Jahren. Kinder, die auf 70

Idyll mit Hängebrücke: Die malerischen Bergtäler entlang der albanisch-griechischen Grenze erfordern viel Fahrgefühl.

Weg aus dem Dreck: Eine 250 Kilo schwere BMW GS wird in ­Teamwork befreit.

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Das Startareal der BMW GS Trophy in Karpen (oben), Teilnehmer nach dem Einlauf im Ziel (Mitte), Zeltlager am Rande der Route (unten)

Eseln zur Schule reiten, Bäuerinnen, die am Straßenrand Gemüse anpreisen. Was es nicht gibt: Kinder, die auf Smartphones starren. Lieber stehen sie vor den Häusern und jubeln den staubigen Gestalten auf ihren verdreckten Motorrädern zu.

Präzision & Lockerheit

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GETTY PREMIUM

Gut zu wissen Albanien

Anreise Mit dem Flugzeug: Vom Tirana International Airport gibt es täglich gute Verbindungen in etliche europäische Städte.

Tirana Karpen

Lin

Berat

Mit dem Auto oder Motorrad: Idyllisch, aber verkehrsreich ist die Anreise Himarë Farma Sotira über die kroatische Küsten­ straße. Auch nicht viel schneller: der Weg über Ungarn, Serbien und Montenegro. THE RED BULLETIN

Motorrad-Abenteuer in Albanien GUT EINPACKEN Wegen der schlechten Straßen empfiehlt sich ein Adventure-Bike mit O≠road-­ Bereifung. Das Wetter kann von mild an der Küste bis bitterkalt in den Bergen sein, daher unbedingt an Regen- und Thermokleidung denken! SELBER MITMACHEN Die Route der Internationalen GS Trophy kann man mit Leih-GS, Guides und Gepäcktransport nach­fahren. Sie führt von Karpen nahe Tirana über ­Berat, Lin, südlich nach Farma Sotira und ­Himarë wieder retour nach Karpen. Team und Organisation entsprechen da­ bei im Wesentlichen dem großen Vorbild. followthetrails.net

Selbst unter den schlechten Straßen muss es ein paar besonders schlechte geben. Vor genau so einem Stück steht die Gruppe jetzt. Guides, Marshalls genannt, führen die Teams an. Sie geben das Tempo vor, sorgen für die Navigation und helfen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, wenn er sich dort verfangen hat. Jenny selbst ist deutlich unter 1,70 Meter groß, die BMW GS ist ein mächtiges Bike, über 250 Kilo schwer. Mit Gewalt geht hier gar nichts, nur mit Technik. Das müssen auch die Männer der Gruppe einsehen, als sie Jenny dabei beobachten, wie sie spielerisch und leise einen Steilhang aus Geröll hinaufturnt. „Blick nach vorn, Arme locker, den Lenker führen, aber nicht verkrampfen“, rät sie. „Lasst das Bike seine Arbeit tun.“ Dank des sehr tiefen Schwerpunkts 71


GUIDE Reisen

Furten gehören zum Streckenalltag – hier Sara Sanchez aus Mexiko bei einer Flussdurchquerung.

Die BMW GS Trophy ist kein Rennen. Die Wertung ergibt sich aus Sonder­ prüfungen entlang der Route: ein Trial-­ Bewerb, bei dem ein schwieriger Parcours auf Zeit bewältigt werden muss, ohne ­einen Fuß auf den Boden zu setzen, ein Quiz oder die Orientierung im Gelände per GPS. D ­ azwischen wird frei gefahren. So haben die Teilnehmer die Chance, die eindrück­liche Landschaft Albaniens aufzusaugen. Es gibt Bergflanken, die könnten in einem amerikanischen Nationalpark stehen. Kulturlandschaften, der Umwelt mühsam per Handarbeit abgetrotzt, die an die ­Toskana erinnern. Waldstücke wie an der Côte d’Azur. Albanien riecht nach Akazien, nach wilder Pfefferminze und hie und da auch nach Verbranntem, wenn die Bauern im Herbst mit der Brand­ rodung beginnen. Es gibt so viel zu 72

„Kunden? Hier sind wir alle Kumpels.“ Motorrad-Guide Jennifer Huntley über den Reiz ihres Jobs

in Jennys Windschatten wieder einmal vor einem besonders miserablen Stück steht und weiß: Wenn sie sagt, dass es befahrbar ist, dann ist es das auch.

Wald, See, Meer Und schon geht es wieder weiter. Vorbei an der Burg von Berat, einer imposanten Anlage aus osmanischer Zeit. Über Römerpfade durch den Nationalpark GërmenjShelegur, ein endloses Waldgebiet. Entlang des Ohridsees an der Grenze zu Nordmazedonien. Und dann auch ans Meer: Bei Kavaja hat sich ein Campingplatz-Besitzer eine kleine Insel gebaggert, mit einem langen Holzsteg, um den Sonnenuntergang voll genießen zu können. Als die Teilnehmer der BMW GS ­Trophy nach sieben Tagen und 1300 Kilometern das Ziel erreicht haben, ist Jennys Arbeitswoche ebenfalls zu Ende. Was sie von diesem Trip mitgenommen hat? „Es ist die Kameradschaft unter Motorradfahrern, die Abenteuer wie dieses so speziell macht“, sagt sie. Kaum vorstellbar, was sie versäumt hätte ohne die 750 Pfund vor 25 Jahren – als sie sich ein Motorrad für ihren Weg in die Arbeit kaufte. Mehr Infos: bmw-motorrad.de THE RED BULLETIN

WERNER JESSNER

Toskana am Balkan

schauen und zu entdecken, dass mehr als 200 Kilo­meter im Sattel pro Tag zu viel wären. Die Teilnehmer sind dafür trotzdem täglich rund zehn Stunden unterwegs, so niedrig ist der Schnitt auf den Straßen, von denen man vorab nur weiß, dass sie schlecht sein werden. Wie schlecht, sieht man dann, wenn man

BMW GROUP, WWW.MARKUS-JAHN.COM

und des massiven Drehmoments schafft die BMW R 1250 GS auch Gelände, das vermeintlich jenseits ihrer Kernkompetenz liegt. Selbst wenn die Drehzahl auf Leerlauf-Niveau abfällt, tuckert der Boxermotor brav den Berg hinauf.


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Magie der Harmonie

Hier präsentiert Sharleen Spiteri, die Sängerin der Band Texas, jene vier Songs, die ihr Leben und ihre Musik nachhaltig prägten.

THE BEATLES

MARVIN GAYE UND TAMMI TERRELL

BOB MARLEY

THE RONETTES

HELP (1965)

YOU’RE ALL I NEED TO GET BY (1968)

STIR IT UP (1973)

BREAKIN’ UP (1964)

„Wenn du wirklich etwas über Harmonien lernen willst, würde ich hier beginnen. Die Klarheit des Gesangs ist einfach phänomenal und die Produktion total am Punkt. Es gibt eine wirklich gute, absolut klare Aufnahme aus der legendären BBCUnterhaltungssendung ‚The Old Grey Whistle Test‘, die Bob mit Peter Tosh und Bunny Wailer als Backgroundsängern gemacht hat. Fantastisch!“

„The Ronettes haben ein punkiges Element, das ich immer geliebt habe. Es ist zwar nicht alles sauber und schön, aber es gibt eine Rauheit und eine Art Stampfen in der Musik, was mir immer gefallen hat. Die von Phil Spector geschaffene Produktion ist wirklich außergewöhnlich, und wenn du eine Meisterklasse in Sachen ‚Aaaahs‘ haben willst, hör dir den Mittelteil genauer an.“

„Was wirklich ungewöhnlich ist: die Tatsache, dass die Gegenmelodie noch vor dem Leadgesang einsetzt. Außerdem gibt es da ein ganz spezielles, unerklärliches Detail, das nur Bands aus Liverpool beherrschen. Es ist nicht der Akzent, nicht die Diktion, sondern die Art und Weise, wie sie ihre Harmonien setzen – das gibt es nur an der Merseyside, das ist kaum zu imitieren.“

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„Marvin und Tammi sind für mich die ultimative Combo. Der Klang ihrer Stimmen zusammen ist die reinste Wonne. Die Harmonien der beiden haben eine Wärme und einen hypnotischen Klang, den kaum wer hin­ bekommt. Man könnte die größten Stars der Welt zu einem Duett verpflichten, aber wenn ihre Stimmen nicht harmonieren, ist es sinnlos.“

THE RED BULLETIN

WILL LAVIN

Der QR-Code führt zur PodcastPlaylist mit Sharleen Spiteri auf Spotify. texas.uk.com

JULIAN BROAD

Sharleen Spiteri weiß ganz genau, wie man große Platten macht. Die schottische Singer-Songwriterin, die in den 1980er-Jahren als Sängerin von Texas auf der Bildfläche erschien, hat eine ganze Diskografie voll davon. Die Single „Say What You Want“ aus dem Jahr 1997 begründete den Erfolg ihres von der Kritik gefeierten vierten Albums „White on Blonde“. Weitere Hits folgten – wie auch ein GreatestHits-Album mit ihrer Glasgower Band Texas, das sich mehr als zwei Millionen Mal verkauft hat. Spiteri ist für ihre akribische Liebe zum Detail bekannt. „Wenn ich über Musik spreche, kann ich richtig nerdy werden“, sagt sie. „Als Kind habe ich mich stundenlang im Schlafzimmer eingeschlossen und Platten gehört, die Lieder richtiggehend seziert.“ Dabei fand Sharleen ihre vier All-Time-Lieblingssongs. Und die perfekten Harmonien.


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GUIDE Lesestoff

Literarisches Vollblut Der australische Bestsellerautor Jay Kristoff zündet in seinem „Reich der Vampire“ ein fulminantes Fantasy-Feuerwerk. Text JAKOB HÜBNER

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eit Bram Stoker im Jahr 1897 seinem ­legendären Graf Dracula den Sargdeckel öffnete, zählen Vampire zum Stammpersonal der Gruselliteratur. Allerdings meinte es die intellektuelle Evolution nicht sonderlich gut mit dem Genre. Die dunkle Erotik driftete zunehmend ins Reich der Schmonzette ab, für echtes Grauen sorgt bei den allermeisten Vampirromanen vor allem das literarische N ­ iveau.

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Selbst i­nternationale Megaseller wie der „Chronik der Vampire“-Zyklus von A ­ nne Rice (rund 100 Millionen verkaufte Exemplare) oder Stephenie Meyers „Twilight“Tetralogie (155 Millionen) eignen sich allenfalls für schwüle Nächte am Ponyhof, richtig gutes Zeug wie Stephen Kings Frühwerk „Brennen muss ­Salem“ oder die „Passage“Trilogie von Justin Cronin sind in diesem Genre hin­ gegen absolute Mangelware.

Es war daher ziemlich überraschend, als der aus­ tralische Bestsellerautor Jay Kristoff, 48, Ende 2019 ­ankündigte, sein nächstes ­Romanprojekt der blut­ saugenden Zunft zu widmen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Kristoff gerade seine „Never­ night“-Trilogie abgeschlossen, die ­einen Preis nach dem ­anderen abräumte und zum Allerbesten gehört, was die sogenannte Adult Fantasy in den letzten Jahren hervor­ gebracht hat. Noch über­ raschender war, dass Kristoff seine neue, ebenso als Trilogie konzipierte Reihe formal an „Interview mit einem Vampir“, den erfolgreichsten (mit Brad Pitt und Tom Cruise verfilmten) Roman der vorhin THE RED BULLETIN

VINZ SCHWARZBAUER

ACTION-FANTASY


„Das Reich der Vampire“, Kapitel 1, erster Absatz Man schrieb das 27. Jahr des Tagestods im Reich des Ewigen Königs, und sein Mörder wartete darauf zu sterben. Er hielt an einem schmalen Fenster Wache und wartete ungeduldig auf sein Ende. Die tätowierten Hände, befleckt mit getrocknetem Blut und Asche so bleich wie Sternenlicht, hielt er hinter dem Rücken ineinander verschränkt. Sein Zimmer befand sich hoch oben in einem einsamen Turm, von schlaflosen Bergwinden geküsst. Die Tür war eisenbeschlagen, schwer, geheimnis­ gleich verschlossen. Von seinem Ausguck beobachtete der Königsmörder, wie die Sonne ihrer unverdienten Ruhe ent­ gegensank, und fragte sich, wie die Hölle schmecken mochte.

­ rwähnten „Chronik der Vame pire“, anlehnte – und damit ­eine hinterhältige Fährte legte. Denn „Das Reich der Vampire: A Tale of Blood and Darkness“ ist definitiv nichts für schwüle Nächte am Ponyhof. In einer Zelle hoch oben im Turm eines düsteren Château sitzen sich der Marquis JeanFrançois vom Blut Chastain und der Chevalier Gabriel de León gegenüber. Der eine ist ein Vampir, der andere ein Vampirjäger. Der Vampir, ein Chronist von königlichen ­Gnaden, „bittet“ den gefangenen Vampirjäger, ihm seine Lebensgeschichte zu erzählen. Der holt tief Luft, und dann legt Jay Kristoff los. Als Rahmenhandlung ­breitet Kristoff einen apokalyptischen Schleier über ein ­mittelalterlich angehauchtes Fantasy-Setting. Im Reich ­Elidaen ist vor 27 Jahren die Sonne untergegangen, selbst untertags herrscht nur diffuses Restlicht. Pflanzen, Tiere und Menschen vegetieren in dieser bleichen Welt dahin, während die lichtscheuen Vampire zum Festschmaus ausrücken und immer weitere Teile des Landes unter ihre Herrschaft bringen. Eine der letzten Bastionen gegen den Ansturm der Untoten ist San Michon, der Orden der Silberwächter. Diese heilige Bruderschaft sucht und rekrutiert im THE RED BULLETIN

ganzen Reich junge Männer, die als Halbblüter geboren wurden und über besondere Kräfte verfügen, um sie gnadenlos zu Elitekämpfern zu drillen. So gelangt auch Gabriel de León nach San Michon, ein junger Bursche, der nicht ahnt, dass er zur größten ­Legende des Ordens werden wird – und zur letzten Hoffnung einer sterbenden Welt. Kristoff ist ein begnadeter Erzähler, der dem Trivialen ­literarisch die Stirn bietet. „Das Reich der Vampire“ ist derb, brutal, dreckig, witzig, zynisch, erotisch, romantisch und abartig spannend. Mit diesem fantastischen 1000Seiten-Ziegel übertrifft er sich selbst ganz locker. Und das ist erst der Auftakt.

JAY KRISTOFF „Das Reich der Vampire: A Tale of Blood and Darkness“ Deutsch von Kirsten Borchardt Fischer Tor

BUCHTIPPS

Kult-Häppchen Fantastische Erzählungen: vier große Namen in kleinen Portionen

GEORGE R. R. MARTIN Während der fast 30 Jahre, die der Fantasy-Großmeister George R. R. Martin nun schon an seinem fulminanten Welterfolg „Das Lied von Eis und Feuer“ – besser bekannt als „Game of Thrones“ – arbeitet, fand er auch immer wieder Zeit, um die eine oder andere Kurzgeschichte aus Westeros einzustreuen. Drei davon sind in diesem Band auf Deutsch erschienen. Ein Muss für alle Fans. „Das Urteil der Sieben“ Penhaligon

JOE ABERCROMBIE Der „Klingen“-Zyklus von Joe Abercrombie ist die beste ­literarische Dark-FantasyReihe der Gegenwart. In diesem Add-on, das fälschlicherweise gern als Teil 7 der Serie angepriesen wird, serviert der britische Ausnahmekönner dreizehn Kurzgeschichten aus dem Klingen-Universum, die freilich nicht die enorme Wucht seiner Romane ent­ wickeln, sich aber vorzüglich als Appetizer eignen. „Schattenklingen“ Heyne

TERRY PRATCHETT Sir Terence David John Pratchett (1948–2015) ist Kult. Seine zutiefst geistreichen und sagenhaft komischen „Scheibenwelt“-Romane, die sich weltweit rund 85 Millionen Mal verkauft haben, ­beschäftigen bis heute nicht nur Literaturkritiker, sondern auch Philosophen. Dieser neue Band versammelt siebzehn bisher unveröffentlichte Kurzgeschichten aus den ­Anfängen seines Schaffens. „Der zerstreute ­Zeitreisende“ Piper

ANDRZEJ SAPKOWSKI The ­Witcher wurde dank Game-Adaption und NetflixSerie zu einer der erfolgreichsten Fantasy-Figuren der jüngeren Vergangenheit. Die Vorlage für diesen Erfolg ­lieferte der polnische Schriftsteller Andrzej Sapkowski mit seiner großartigen „GeraltSaga“, deren literarische Klasse auch in dieser Anthologie aufblitzt, die acht, zum Teil bereits zuvor veröffentlichte Erzählungen enthält. „Etwas endet, etwas beginnt“ dtv

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WIR SIND FEIGE! RED BULL WINTER EDITION Eisklettern, Snowkiten, Ski­ fliegen – oder Rodeln? Egal ­wobei du dir dein Adrenalin holst, die Limited Edition von Red Bull darf dabei nicht fehlen. Diesen Winter verleiht uns ­Feige-Apfel mit einem leichten Hauch von Karamell und ­winterlichen Gewürz­noten ­Flügel. redbull.com

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KUNST, DIE MAN TRINKEN KANN ARTWORK METAMORPHOSIS Camillo Stepanek ist für seine Pop Art Nouveau bekannt. Sein Werk „Metamorphosis“ – Goldblätter auf Holz – hängt bei Ex-Teamkapitän Christian Fuchs in New York. Nun arbeitet der 35-Jährige mit Birkenholz, das er in die Cuvée von Winzer Josef Stadler legt. popartnouveau.com

VERLOCKEND MÜHLBAUER-MÜTZE EMI Wenn’s dir den Schnee um die Ohren bläst und du zu­ verlässig einen warmen Kopf behalten möchtest, bist du bei der über 100 Jahre alten Hutmanufaktur genau richtig. Model Emi besteht aus Sherpawolle, einem klein gelockten, weichen Webfell aus Wolle. muehlbauer.at

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GUIDE Tipps & Trends INNERE WERTE BLACK HOLE MINI MLC 26L Ein Kleinformat mit ganz viel Platz: Im handgepäckstaug­ lichen Softkoffer bleibt deine Kleidung dank einer Netz­ abdeckung schön gestapelt, das Elektronikfach kann bei der Sicherheitskontrolle ­komplett aufgeklappt werden, und den Rest packt er auch leicht – und geordnet. patagonia.com

EXTREM ROBUST Besonders nässe­ abweisend, abriebfest und aus RecyclingMaterialien

Richtig gutes Zeug Ein Hut wie ein Winterveilchen, eine Box mit diskreter Power – und ein Buch, das viele ins Rollen bringt. Text MARIELLA REITHOFFER

LITTLE BLACK BOX VITRA MEHRFACHSTECKER AMPI Geschlossen ist Ampi ein wohlproportioniertes Objekt, das mit seinen Reizen geizt. Legt man ein Smartphone auf, elektrifiziert es den Arbeitsplatznomaden – und lädt. ­Geöffnet gibt es fünf Anschlüsse preis: je zweimal Strom und USB-A sowie einmal USB-C. vitra.com

THE RED BULLETIN

VATER-ROLLER IN ORDNUNG Schwarz passt nicht ins Homeo∞ce-­ Farb­konzept? Ampi gibt es auch in softem Grau.

„LITTLE SKATE RATS – DAS GEHEIMNIS“ Am Skateboard und im „Titus“, dem Skate-Laden seines Vaters, aufgewachsen, gibt Zweifach-Papa Julius Dittmann sein Wissen nun an die nächste Generation weiter: Sein ­Geheimnis für die ersten Rollversuche? Das müsst ihr schon selbst herausfinden! littleskaterats.com

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GUIDE Biohacking GEDÄCHTNISTRAINING

Handy hilft Hirn Profi-Biohacker Andreas Breitfeld verrät uns jeden Monat einen Trick, der dein Leben verbessert. Dieses Mal: wie Fotografieren dein Erinnerungsvermögen stärkt.

Der Klick-Trick Fortgeschrittene prägen sich Bilder, ­Motive und Erinnerungen ein, ohne dafür eine Kamera zu Hilfe zu nehmen. Auch ein Augenblinzeln statt des echten Kameraklicks hilft unserem Gedächtnis auf die Sprünge. Ein Supertrick für alle, die es mit Black Jack oder Memory ernst meinen.

Unser Gedächtnis funktioniert vor allem visuell. Wir können es wirkungsvoll unterstützen, indem wir tatsächlich ein Foto der Szene machen, die wir uns merken wollen. Also: Handy raus!

Das gilt unglücklicherweise nicht für Kapitel des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches, Werke der altgriechischen Dichtkunst oder die Samstag-Einkaufsliste. Aber immerhin für alles, was wir innerhalb von 90 Sekunden erfassen können. Also Urlaubserinnerungen, Essens-Ein­ 80

Fortgeschrittene schaffen den Trick ­übrigens auch ohne Kamera: Es genügt, wenn du tatsächlich konzentriert daran denkst, ein Foto der Szene zu machen, eventuell sogar zwinkerst, um eine Art Auslöser-Effekt zu erzielen. Meine Töchter halten mich im Memory für beinahe unbezwingbar, nur mein dauerndes ­nervöses Zwinkern kommt ihnen irgendwie komisch vor …

ANDREAS BREITFELD, 49, ist Deutschlands bekanntester Bio­hacker. Er forscht in seinem speziellen Lab in München. BIOHACKING umfasst, ver­einfacht gesagt, alles, was Menschen eigenverantwortlich tun können, um Gesundheit, Lebensqualität und Langlebigkeit zu verbessern.

DIE BIOHACKING-PRAXIS Der Performance-Lifestyle-Podast für alle, die mehr über Biohacking (und sich selbst) erfahren wollen. QR-Code scannen und reinhören. THE RED BULLETIN

SASCHA BIERL

Fotos für Fortgeschrittene

ANDREAS BREITFELD

90 Sekunden für die Ewigkeit

ladungen oder auch das Outfit, das die Partnerin oder der Partner zum zehnten Hochzeitstag getragen hat. (Freu dich auf die Reaktion, wenn du am elften Hochzeitstag noch davon schwärmst!)

PRIVAT

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ir alle kennen die Menschen, die in Restaurants, sobald ihr Essen serviert wird, Messer und Gabel liegen lassen – und zuerst mal in zittriger Erregung zum Handy greifen, um das Kalbsschnitzel und den Shiitake-Wok fotografisch zu konservieren. Mach dich über diese Leute nicht lustig, denn sie tun etwas sehr Cleveres: Sie intensivieren ihre Erinnerung an das Festmahl. Tatsächlich gibt es mehrere Studien, die belegen: Unser Gedächtnis verbessert sich signifikant, wenn wir das, was wir in Erinnerung behalten möchten, fotografieren.


DAS JAHRESABO

12 The Red Bulletin Ausgaben

FÜR NUR €25,90

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GUIDE Kalender

Seit Oktober 50 SHADES OF SCHMÄH

und 11. Dezember SKI CLASSICS IN BAD GASTEIN Die Ski-Classics-Saison beginnt mit dem Prolog in Sportgastein, umgeben vom pittoresken Nationalpark Hohe Tauern. Die Gastein Classics mit 15 und 35 Kilometern Länge auf 1600 Meter Seehöhe sind der perfekte Auftakt der Rennsaison. Sowohl die 35 Pro-­ Teams als auch Langlauf-Hobbysportler werden sich auf der Höhenloipe im Süden des Gasteinertals begeistert messen. Mehr Infos dazu: gastein.com/gasteinclassics

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bis 20. November DER BERG RUFT!

Zum Start der SkitourenSaison findet am Kitzsteinhorn das Berg­ welten Skitouren-Testival presented by Garmin statt. Das ist die Gelegenheit für eine erste Skitour gemeinsam mit den Bergführern der ­Naturfreunde. Parallel dazu wird das neueste Mate­rial getestet und das Lawinen-Know-how für den Winter aufgefrischt und verbessert. bergwelten.com/lp/ skitouren-testival-2022 82

18 bis 20. November FLIRRENDE HITZE, HEISSES FINISH Finale in der Formel 1 – ServusTV zeigt das letzte Rennen der ­Saison 2022 live aus Abu Dhabi: alle Trainingssessions, das ­Qualifying und das Rennen. Als Experten sind Nico Hülkenberg, Christian Klien und Mathias Lauda im Einsatz.

Dezember RED BULL DANCE YOUR STYLE Die Weltelite der StreetDance-Kultur tritt beim Red Bull Dance Your Style World Final in Johannesburg, Südafrika, an. Acht der sechzehn Spots sind mit Wildcards besetzt, die anderen acht gehen an die Besten der Pre-Finals. Den Live­stream findest du auf redbulldanceyourstyle.com THE RED BULLETIN

RONNY KATSCH, PHILIP PLATZER/RED BULL CONTENT POOL, STEFAN GERGELY, MATTHIAS HESCHL/RED BULL CONTENT POOL

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Stimmenimitator und Kabarettist Alex Kristan ist 50 geworden – oder, wie der Optimist in ihm sagt: „Das erste Lebensdrittel ist vorbei.“ Und weil der Tatendurst ­immer noch größer ist als der nächtliche Harndrang, nimmt er seinen „Runden“ zum Anlass, sich mit einem neuen Soloprogramm zu beschenken. alexkristan.at


VON ALPEN DAS BESTE 408 PISTENKILOMETER INKLUSIVE GLETSCHERSKIGEBIET

Gletscher, Berg und See. Entdecken Sie einen der größten Skiräume Österreichs mit TOP Schneequalität. Das Familienskigebiet Schmittenhöhe mit einzigartigem Alpenseepanorama sowie Ski-In Ski-Out direkt auf den Gletscher Kitzsteinhorn. www.zellamsee-kaprun.com/winter


GUIDE Wintersport Freeskierin Sandra Lahnsteiner genießt den Powder abseits der Piste.

CHRISTOPH OBERSCHNEIDER

Hier schneit es Abenteuer

Find your own way im Tiefschnee – Freeride-Profis verraten ihre liebsten Spots abseits der Pisten. Plus: das beste Equipment. Text NINA KALTENBÖCK

ZELL AM SEE-KAPRUN / LECH ZÜRS AM ARLBERG / SPORTGASTEIN

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GUIDE Wintersport Faszinierende Tiefschnee­ hänge am ­Kitzsteinhorn

ZELL AM SEE-KAPRUN

Weiße Legende Auf fünf Feeride-Routen durch den federleichten Powder cruisen – zwischen Gletscher, Berg und See am schneesicheren Kitzsteinhorn.

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KITZSTEINHORN, ZELL AM SEE KAPRUN TOURISMUS, SYO VAN VLIET/RED BULL CONTENT POOL

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er schon einmal am Ende einer Abfahrt im staubenden Pulverschnee atemlos auf seine Line zurückblickte, ist spätestens zu dem Zeitpunkt der F ­ aszination des Freeridens verfallen: der absoluten Freiheit, sich ins unendliche Weiß zu stürzen. Passionierte Wintersportler genießen bereits im Oktober den frühen Saisonstart in Salzburgs einzigem Gletscherskigebiet am Kitzsteinhorn, wo auch „Safety first“ das Motto ist. Das Skigebiet ist für seine genialen Pistenverhältnisse berühmt, die auch internationale Ski-Teams nutzen – aber auch für seine Snowparks und unberührten Tiefschneehänge. Freerider schätzen nicht nur den Powder, sondern auch die fünf ausgeschilderten Routen (X1 „Ice Age“, X2 „Westside Story“, X3 „Left Wing“, X4 „Jump Run“ und X5 „Pipe Line“): Die „Freeride I­ nfo Base“ und die „Info Points“ am Einstieg der Routen geben wichtige Tipps zur Sicherheit im Gelände und klären über die aktuelle Lawinenwarnstufe auf.

Jeden Montag von Dezember 2022 bis April 2023 erleben Schnee-Aficionados im Rahmen der „Free­ ride Mondays“ am Kitzsteinhorn die Faszination des Freeridens – mit Fahrtechnik- und Sicherheitstipps von den Profis. Mitmachen können alle Skifahrer und Snowboarder ab 13 Jahren. Von 9. bis 12. März 2023 richtet sich das „Freeride Glacier Camp“ in Zell am See-Kaprun an alle Free­ rider, die ihren Erfahrungshorizont erweitern wollen. Mit zwei ortskundigen Guides – staatlich geprüften Skiführern von Freeride Experience – geht es ins hochalpine Gelände. Mehr Infos unter: zellamsee-kaprun.com

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„Spiegeleier mit Speck – und dann bin ich am Berg oben!“

Matěj Švancer Freeskier aus Kaprun, der auch den Powder schätzt Mein perfekter Wintertag Ich mach mir Spiegeleier mit Speck und bin dann um 10 Uhr am Berg oben. Wenn der Schnee schön weich ist, filme ich besonders gerne. Um 13 Uhr esse ich die Jause meiner ­Mama, fahr um 16 Uhr vom Berg runter und geh dann mit Freunden Skateboard fahren. Mein größter Freeski/ Freeride-­Erfolg … … waren die X Games. Die schönste Route am Kitzsteinhorn … … ist der Maurer Gletscher, da gibt es den feinsten Tiefschnee. Als ich noch Alpinski gefahren bin, war es die Saulochalm am Maiskogel. Die ausgeschilderten Routen X1 bis X5 sind auch sehr fein zu fahren!

Nachtblick vom Mitterberg auf den Zeller See

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Mein Geheimtipp im Snowpark ­So lange bleiben, bis ­alle ­anderen gegangen sind. Da kann man in 30 Minuten so viele Runden machen wie sonst am ganzen Tag. Das sind die besten Laps, die man überhaupt fahren kann! Instagram: @matej_unicorn

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GUIDE Wintersport

LECH ZÜRS AM ARLBERG

Wie im Flug! Off-Pisten in der Tiefschneewelt von Lech Zürs am Arlberg in Begleitung von Skiguides und – auf Wunsch – auch mit Anflug per Heli.

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ben: blauer Himmel und Sonne. Und vorne: ­unberührter Tiefschnee. Jetzt das Gewicht leicht verlagern und: Go! Mit seiner Schneesicherheit und über 200 Kilometern hochalpinen Tiefschnee­ abfahrten ist Lech Zürs ein ideales Gebiet für aus­ gedehntes Off-Piste-Vergnügen. Freerider finden am Arlberg gigantische Auswahlmöglichkeiten. Ein besonderes Highlight ist für viele das Heli-Skiing – am besten vormittags im Hochwinter in den Monaten Jänner, Februar und März. Ein Einkehrtipp nach dem Tiefschnee-Abenteuer ist die Älpele-Hütte im Zuger­ tal. Oder man nimmt die Zugerbergbahn zur Balm­alp mit einem 360-Grad-Rundumblick – auch auf den beliebten Berg Mehlsack. Alternativ geht es mit der Trittkopfbahn auf über 2200 Meter mit f­ olgendem Abfahrtsgenuss über die Nadel ­hinunter zum Flexen­ pass oder über die Nadel und das Höll­tobel nach ­Stuben. Eine urig-gemütliche Einkehrmöglichkeit gibt es im Flexenhäusl am Flexenpass oder im Fuxbau in Stuben. Auch die Abfahrt von der Muggen­gratBerg­station über „Guggis Sattel“ nach Zürs ist ­wunderschön. So geht Winter! Infos: lechzuers.com

Max Hitzig Der 19-jährige Freerider holte mit einem Backflip seinen Premierensieg. Mein größter E ­ rfolg ­Natürlich bin ich auf den Sieg bei der Freeride World Tour in Fieberbrunn mächtig stolz, aber dass ich es geschafft habe, professioneller Free­ rider zu werden, zählt für mich als größter Erfolg.

Nach einem Powder-Tag … … sortiere ich die Aufnahmen des zurückliegenden Tages während einer gemütlichen Runde auf dem Hometrainer. Der schönste Hang ­Ich wohne im Montafon und habe hier auch ein perfektes Skigebiet zum Freeriden. Meine Empfehlung ­Ein passender Skischuh ist das A und O für einen langen Tag auf der Piste. Instagram: @maxhitzig

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K2 MINDBENDER

Der Vorarlberger Max Hitzig schwört auf seine K2. Hier der Mindbender 106C W für Damen, ­unser Lieblingsmodell, das mit allen Bedin­ gungen fertig wird. 599,95 €; k2snow.com

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Max Hitzig liebt hochalpine Tiefschnee­ abfahrten in ­Vorarlberg und der Schweiz.

Test, Test, eins, zwo … Europas größtes Test-Event geht in die neunte Runde. 50 Aussteller zeigen die Produkte der Saison 2023/24.

„Ich mag Powder, in den man wie in ein weiches Wattekissen springt.“

Zweifache Freeride-Weltmeisterin aus dem Ländle Mein perfekter Wintertag Wenn es in kurzer Zeit richtig viel lockeren Schnee herschmeißt und der Powderspray bis über den Kopf reicht, bis zum totalen Whiteout! Das ist ein nahtloses Weiß zwischen Piste und ­Horizont. Ich mag Powder, in den man wie in ein weiches Wattekissen springt. Unterwegs bin ich oft mit den Jungs oder mit dem Boss von der Skibase Werkstatt, mit Einheimischen oder denen, die sich sonst noch dafür entschieden haben, den Arlberg als Homebase zu wählen. Mein größter Freeride-­Erfolg ­Die Weltmeistertitel auf der Freeride World Tour (FWT) 2013 und 2014, die Befahrung der Ostwand des Mount Cook  / Aoraki in Neuseeland, einige anspruchsvolle Be­ fahrungen in den Alpen (Courmayeur, ­Dolomiten usw.) und ein, zwei spannende Freeride ­Lines direkt hinter meinem Haus am Arlberg. Nach einem Powder-Tag … … gönne ich mir ein Red Bull in der Skibase in Wald am ­Arlberg. Dort lass ich mir

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meine Ski montieren und ­genehmige ihnen oft auch ein Service. Manchmal aber auch eine Kletter- und Boulder­ session in der Klimmerei oder im Steinblock! Der schönste Hang ­Wenn es frisch geschneit hat: die Gamsroute in Zürs und in querender Verlängerung die Höll! Die Höll ist sicher nur für den erfahrenen Free­ rider geeignet. Das Gelände ist technisch anspruchsvoll. Nicht vergessen: Safety-­ Ausrüstung (LVS/Lawinen­ verschüttetensuchgerät, Schaufel, Sonde, Lawinen­ airbag); Lawinenlagebericht checken; planen, beurteilen und smart entscheiden! Mein Geheimtipp ­Die Bäckerei Albrecht in ­Klösterle am Arlberg. Camps Beim Nadine Wallner O≠lines Camp suche ich neue Free­ ride-Talente. Es findet kosten­ los am Arlberg in meinen Heimatbergen statt, und Mädels und Jungs im Alter von 16 bis 20 Jahren dürfen sich­bewerben. Die Veranstaltung geht über drei Tage, in denen wir das theoretische Wissen ­sowie die praktischen Skills coachen. Infos auf: redbull.com/at-de/events/ nadine-wallner-offlines Instagram: @nadinewallner

4. & 5. MÄRZ WARTH-SCHRÖCKEN AM ARLBERG Die Region gilt als naturschneereichstes Skigebiet der Alpen, das mit seinen Nordhängen sowie der Höhenlage und einer Schnee­ sicherheit bis ins späte Frühjahr ein würdiger Tourstopp für das Freeride Testival 2023 ist.

ANTON THORIN, MIRJA GEH/RED BULL CONTENT POOL, SAALBACH.COM/MORITZ ABLINGER

Nadine Wallner

11. & 12. FEBRUAR STUBAIER GLETSCHER Mit Schneesicherheit, Variantenvielfalt und zahlreichen FreerideMöglichkeiten zählt der Stubaier Gletscher zu den besten FreerideDestinationen in Tirol. Es warten beim Freeride Testival 13 Runs dar­ auf, mit dem neuesten Equipment erobert zu werden.

11. & 12. MÄRZ SAALBACH Der dritte Tourstopp findet in Saalbach statt. Im „Home of lässig“ vereinen sich Runs mit der Kulisse der Kitzbüheler Alpen. Nicht umsonst gastiert die Freeride World Tour im Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn.

Sunny side up in Saalbach Hinter­ glemm Leogang Fieberbrunn

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GUIDE Wintersport

raturen und eine Handvoll ­guter Freunde, mit denen ich den ganzen Tag in Sport­ gastein lässige Freeride-­ Abfahrten mache – bevor wir bei Otto im Valeriehaus den Tag bei Burger, Kasnocken und Schwarzbeernocken ­ausklingen lassen. Mein größter Freeride-Erfolg ­Dass ich an genialen Plätzen und auf sechs Kontinenten zum Freeriden und für meine Filmprojekte unterwegs bin, mit meinen @shadesofwinterFilmen und -Camps (Signa­ ture Freeride von 26. bis 29. 1. und New Freeride und Touring von 9. bis 12. 2. in Gastein).

Blauer Himmel, perfekte Bedingungen: Sandra Lahnsteiner in Sportgastein

SPORTGASTEIN

Ganz hoch hinaus Ein Glücksgarant ist das höchstgelegene Ski­ gebiet in Ski amadé mit seinen 2650 Metern und Traum-Panorama auf die Hohen Tauern.

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u empfehlen sind die Skirouten Golden Powder, Golden Rush und Golden Ride, mit denen man das sportlichste Skigebiet von Gastein abseits der Piste entdeckt. Worauf Freeskierin Sandra Lahnsteiner schwört: „Vor der letzten Abfahrt von der Bergstation der Gondel die wenigen Höhenmeter zum Gipfelkreuz des Kreuzkogels aufsteigen. Nicht wegen der paar Powderschwünge, sondern wegen des 360-Grad-Panoramas: Der Blick auf die Drei­ tausender des Nationalparks Hohe Tauern und ins Gasteinertal ist ein Erlebnis – gerade am Tagesende, wenn die Sonne tief steht. Ein Muss für SportgasteinLiebhaber!“ Infos: skigastein.com

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Sandra Lahnsteiner Freeskierin und Film­ produzentin aus dem Salzburger Land Mein perfekter Wintertag Es ist 8.30 Uhr, wir sind die Ersten an der Talstation der Sportgasteiner Goldberg­ bahn. 30 Zentimeter frischer Powder, Sonnenschein, eine stabile Schneedecke (geringe Lawinengefahr), kalte Tempe­

Der schönste Hang ­Die NORD in Sportgastein, ein absoluter Freeride-Klassi­ ker. Sportgastein ist für mich faszinierend, weil man mit der Gondel auf den Kreuzko­ gel kommt, von dem man in alle Himmelsrichtungen ab­ fahren kann. Achtung, auch wenn die NORD direkt von der Bergstation der Gondel er­ reichbar ist und für jeden ein­ sehbar ist – die Nordabfahrt ist keine gesicherte Variante, man bewegt sich im freien Skiraum und muss unbedingt die nötige Ausrüstung (LVSGerät, Schaufel, Sonde) mit­ haben und mit Leuten unter­ wegs sein, die im Notfall wissen, was zu tun ist. Instagram: @sandralahnsteiner

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CHRISTOPH OBERSCHNEIDER, HENRIK TRYGG

Nach einem Powder-Tag … … gönne ich mir Yoga daheim, um die Hüftbeuger wieder aufzumachen.


GUIDE Freeride Gear

MILO

Der wasserdichte Action Communicator ist ein neuartiges Walkie-Talkie mit einer klaren Audioqualität – selbst bei Wind und Lärm. 229 €; okmilo.com

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Dieser multifunktionale vegane ISPO Award Handschuh entstand in Kooperation mit dem Fair-Fashion-Label Bleed Clothing. 89,99 €; zanier.com

Ein Meisterwerk made in Finnland mit bis zu 170 Stunden GPS-Akkulaufzeit und Blut­ sauerstoffmessung. Dünn, aber robust! Ab 569 €; suunto.com

THE NORTH FACE DRAGLINE JACKE

Wasser- und winddicht und atmungsaktiv, aus recyceltem Material, von Boarder Cole Navin designt. 435 €; thenorthface.at

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Der Schuh für Piste und Backcountry überzeugt mit perfekter Kraftübertragung und Reaktionsfähigkeit. 1600-Gramm-Komfort! 700 €; head.com

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Bestens gerüstet Acht Dinge, die Feerider neben flu∞gem Schnee und gutem Wetter im Tiefschnee warm halten und beschützen.

SCOTT PATROL E2

Ultimativer Freeski-Lawinenrucksack mit dem Alpride E2 Airbag System, einem der leichtesten auf dem Markt. 1099,95 €; scott-sports.com

FREERIDE-HELM BANFF MIPS

Hybrider Schalenaufbau mit dem Sicherheitsfeature MIPS. Dazu ist er flächig belüftet und komfortabel. 199,95 €; alpina-sports.com

LOFOTEN ANORAK

Der hochwertige Anorak besteht aus recyceltem Gore-Tex ProMaterial und bietet mit seinem Parka-Design besten FreerideSchutz. 849 €; norrona.com

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B O U L E VARD DER HEL DEN

LISE MEITNER

DIE HEILIGE RATIONALITÄT Serie: MICHAEL KÖHLMEIER erzählt die außergewöhnlichen Geschichten inspirierender Figuren – faktentreu, aber mit literarischer Freiheit. Folge 31: die Wiener Physikerin, die als Erste die Kernspaltung berechnete.

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ie Geschichte kann ein Schalk ferner war, wollte Otto Hahn darüber sein, manchmal ein bösartiger, nicht diskutieren. Er berief sich auf die und manchmal stellt sich eine Zweckfreiheit der Wissenschaft, auf die Bösartigkeit im Nachhinein als Unschuld der Wissenschaft. Nun wäre eine – wenn wir schon schwur­ er gern nicht allein unter der dunklen beln, dann gleich theologisch –, als eine Wolke gestanden. Die Geschichte ist ein Gnade heraus. Dies ist die himmelschrei­ Schalk. Lise Meitner blieb es weitgehend MICHAEL KÖHLMEIER ende Ungerechtigkeit: Lise Meitner, eine erspart, sich rechtfertigen zu müssen. Der Vorarlberger der bedeutendsten Physikerinnen des Bestsellerautor gilt ine Frau wie Lise Meitner würde 20. Jahrhunderts, wurde nicht mit der als bester Erzähler deutscher Zunge. man heute als cool und taff bezeich­ Aufmerksamkeit gewürdigt, die ihr und Zuletzt erschienen: nen. Nichts schien sie aus der Ruhe ihrer Arbeit zustünde. Sie hat die Voraus­ der Roman „Matou“, setzungen – und auch die Folgen! – der bringen zu können, und mit Ruhe sind 960 Seiten, Kernspaltung berechnet, hat gemeinsam Konzentration und straffe Trennung von Hanser Verlag. mit Otto Hahn die ersten erfolgreichen Wesentlichem und Unwesentlichem ge­ meint. Als junge Frau war sie überzeugt, Experimente auf diesem Gebiet durch­ jedes Problem, wenn man nur kräftig wolle und geführt. Die Lorbeeren wurden dem Kollegen ums wenn man genügend informiert sei, lasse sich ratio­ Haupt gewunden: Otto Hahn erhielt für diese Ent­ nal lösen. Auch wenn einer unverständlicherweise deckung 1944 den Nobelpreis. Es heißt, wenn er mit nicht will, könne er mit rationalen Argumenten Freunden zusammengesessen sei, habe er durch­aus überzeugt werden. Dass Frauen nicht nur nicht zum immer darauf hingewiesen, dass er nicht allein … Studium an einer Universität, sondern nicht einmal und so weiter. In der Öffentlichkeit, besonders in zur Reifeprüfung an einem Gymnasium zugelassen der deutschen, die damals eine nationalsozialisti­ sche Öffentlichkeit war, hat er den Namen seiner waren, hielt sie für einen Unsinn – aber für einen Kollegin, mit der er eng befreundet war – gewesen Unsinn, der mit Geduld und Argumenten beseitigt war –, nicht erwähnt. Lise Meitner war Jüdin, und werden könne. Sie behielt recht. 1899 öffnete die zu dieser Zeit befand sie sich bereits im Exil, erst Universität Wien auch für junge Frauen ihre Tore. in Schweden, später in England. Da war Lise bereits einundzwanzig Jahre alt. In Wo aber waltet hier die Gnade? Spätestens seit ­Rekordtempo holte sie die Matura nach. Der Unsinn die Atombomben über den japanischen Städten hatte sie gut drei Jahre ihres Lebens gekostet. ­Hiroshima und Nagasaki abgeworfen worden waren, Sie studierte Physik und Mathematik, das Physi­ kalische Institut nahe der Universität in Wien war schwebte über dem Ruhm des Otto Hahn eine düs­ für sie, wie sie später einmal sagte, mehr Heimat als tere Wolke. Im Unterschied zu Albert Einstein, der jeder andere Ort, an dem sie je gelebt hatte. Der be­ sich seiner Verantwortung für diese mensch­heits­ rühmte Ludwig Boltzmann lehrte damals wieder in zerstörende Waffe immer bewusst war und auch Wien, einen Lehrauftrag in Berlin hatte er zuvor aus ­darüber sprach, obwohl seine Beteiligung ungleich

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MICHAEL KÖHLMEIER

BELICTA CASTELBARCO, CLAUDIA MEITERT

PICTUREDESK.COM (2)

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BO UL EVAR D DE R HE L D E N

gesundheitlichen Gründen abgelehnt. Boltzmann erkannte die Begabung von Lise Meitner, er wurde ihr Mentor – er selbst sagte, auch ihr Freund. Sie hielt Distanz, wie zu allen ihren Kollegen – Kollegin­ nen gab es damals keine. Auch die zwischenmensch­ lichen Beziehungen, daran glaubte sie damals, seien auf rationalen Faktoren aufgebaut, in positiven Fäl­ len bewegen sie sich auf einer Skala von Liebe bis Respekt. Die negativen Fälle inter­es­sierten sie nicht – sie meinte, es liege in ihrer Macht, ihnen aus dem Weg zu gehen. Über die Liebe wusste die junge Frau noch gar nichts, der Respekt bemaß sich an der Ar­ beit und der Ernsthaftigkeit ihres Gegenübers, und hier gab sie Professor Boltzmann die Note Sehr gut.

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ise Meitner war in einer liberalen Familie auf­ gewachsen, ihr Vater, Philipp Meitner, war ein sehr erfolgreicher Rechtsanwalt – und zudem ein weltberühmter Schachspieler. Seine sogenannte „unsterbliche Remispartie“ gegen Carl Hamppe wird bis heute in klassischen Schachbüchern diskutiert. Die Religion spielte im Leben der Familie keine Rol­ le, als junge Frau konvertierte Lise zum Protestantis­ mus – hauptsächlich, um einer Diskriminierung als Jüdin auszuweichen. Es gab keine finanziellen Sor­ gen. Das Leben, das private ebenso wie die große Politik, schien am Beginn des neuen Jahrhunderts geregelt. Die Welt stand offen für den, der darin ­eine Rolle spielen wollte. Man konnte, wie Stefan Zweig schrieb, von Schweden bis zum Schwarzen Meer fahren, ohne einmal den Pass vorzeigen zu müssen. Die Familie war der Überzeugung, alles ist gut, alles wird besser. Tochter Lise lieferte dafür den Beweis. Sie war eine der ersten Frauen an der Uni­ versität gewesen und nun die einzige am Institut, Professor Boltzmann schätzte sie mehr als alle ­an­deren. Dass Frauen immer noch benachteiligt ­waren, das nannte er – wie seine Schülerin – einen ­Unsinn, und wie seine Schülerin glaubte er, mit ­Geduld und Vertrauen in die rationalen Kräfte des Menschen werde dieser Unsinn sich bald erledigen. Und dann geschah das Unvorstellbare: Ludwig Boltzmann nahm sich das Leben. Während eines ­Genesungsurlaubs in Duino an der Adria erhängte er sich. Für Lise brach eine Welt zusammen. Dieser Mann, der ihr, wie sie sich erinnern sollte, „die Schönheit der theoretischen Physik“ gezeigt hatte, die doch nichts anderes sei als die Schönheit der

Lise Meitner war vor dem Ersten Weltkrieg eine der ersten Frauen an der Universität.

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Schöpfung, gleich ob es einen Schöpfer gebe oder nicht; dieser Mann war nicht nur ein Vorbild ge­ wesen, nicht nur ein Lehrer, der damals als Einziger ihre außerordentliche rationale Begabung erkannt hatte: Sie hatte ihm vertraut. Sie hatte ihm ihr Leben anvertraut. Denn ihr Leben, das war die Forschung am Kleinsten, und die hatte sie am Institut von Pro­ fessor Boltzmann leisten können. Und: Sie hatte ­diesen Mann geliebt. Sie wusste, dass er krank war, dass er unter tatsächlich unheimlichen Gemüts­ schwankungen litt. Dennoch: Sie hatte ihn für un­ verwundbar gehalten, für einen unzerstörbaren Fels in der Wissenschaft – und in ihrem Leben. Lise Meitner war achtundzwanzig Jahre alt. Nun hatte sie die Erfahrung gemacht, der Mensch und die Welt sind filigran, sie können zerbrechen. Sie können zerstört werden. Und bald würden die Welt und die Menschen ­zerstört werden. Lise zog nach Berlin, dort lehrte der Physiker Max Planck, dessen Vorlesungen sie ­besuchte – illegal, denn in Preußen waren Frauen noch bis 1909 nicht an Universitäten zugelassen. ­Lise besorgte sich einen Herrenanzug, band sich e­ ine Krawatte um und setzte sich einen Hut auf. Die Kom­ militonen und auch Professor Planck wussten Be­ scheid, inzwischen hatte sich die junge Frau einen Ruf als vorzügliche Wissenschaftlerin er­worben, außer­dem wurde die Verkleidung als ein „Akt des guten Willens“ gewürdigt – was Lise wie­derum als schäbige Kleinkariertheit bezeichnete. Während ­einer Vorlesung lernte sie den Chemiker Otto Hahn kennen. Mit ihm sollte sie ein Vierteljahrhundert in gleichberechtigter Weise zusammenarbeiten.

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m August 1914 brach der Krieg aus, der später als Erster Weltkrieg bezeichnet wurde. Die an­ fängliche Begeisterung, besonders unter den ­jungen Menschen, Frauen genauso wie Männern, kann von einem heutigen Standpunkt aus nur ­gespenstisch genannt werden. Klar denkende Köpfe wie Thomas Mann oder Kurt Tucholsky, aber auch die Philosophin Edith Stein, die später heiliggespro­ chen wurde, ließen sich vom Todestrubel erfassen; so auch Lise Meitner. Sie bewarb sich für die Front und wurde in einem Lazarett im Osten als Röntgen­ schwester in der österreichischen Armee eingesetzt. Nach zwei Jahren, in denen sie das Grauen kennen­ gelernt hatte, kehrte sie desillusioniert nach Berlin zurück. Nun glaubte sie nicht mehr daran, dass menschliches Denken und Tun allein mithilfe der Rationalität in gute Bahnen gelenkt werden ­könnten. Die Wissenschaft schien ihr eine selige Insel zu sein, auf der nur der reine Geist regierte. Und der reine Geist, was konnte damit anderes gemeint sein als eben Rationalität? Wissenschaft war doch aus­ schließlich an Erkenntnis interessiert! Sie war

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Die Vorlesungen des Physikers Max Planck in Berlin besuchte sie illegal. unschuldig, unbefleckt von Politik und Machtinter­ essen. Daran wollte Lise Meitner glauben. Es ist eine bittere Ironie, dass gerade sie, zusammen mit ande­ ren Wissenschaftlern – Otto Hahn, Fritz Straßmann, ­Otto Frisch –, den Gegenbeweis zu dieser naiv opti­ mistischen These lieferte. 1926 wurde Lise Meitner als erster Frau ein Lehr­ stuhl an einer deutschen Universität angeboten, sie wurde Professorin für experimentelle Kernphysik in Berlin. Ja, sie war naiv, politisch naiv. Über die Antrittsrede von Adolf Hitler als Reichskanzler 1933 sagte sie, die habe doch „sehr moderat geklungen, taktvoll und versöhnlich“. Im selben Jahr wurde ihr die Lehrbefugnis entzogen. Sie war Jüdin – ob zum Protestantismus übergetreten, ob hochkarätige

Wissenschaftlerin oder nicht, das war den Nazis egal. Bald emigrierte sie nach Schweden und schließlich nach England. Nach dem Krieg, dem zweiten, leitete Lise ­Meitner die kernphysikalische Abteilung an der Technischen Hochschule in Stockholm. Ihr Werk wurde mit ungezählten Auszeichnungen geehrt, achtundvierzigmal war sie für den Nobelpreis vor­ geschlagen. Auch mit Otto Hahn versöhnte sie sich. Sie forschte weiter bis zu ihrem Tod. Ihr Interesse galt nun der friedlichen Nutzung der Kernkraft. Sie übersiedelte nach Cambridge, dort starb sie im Alter von 89 Jahren.

Michael Köhlmeiers Geschichten gibt es auch zum Anhören im Podcast-Kanal von The Red Bulletin. Zu finden auf allen gängigen Plattformen wie Spotify, auf redbulletin.com/podcast oder einfach den QR-Code scannen.

Entgeltliche Einschaltung

Hey, es stresst so, wie du Frauen anmachst. Informationen zum Beratungsangebot und Gewaltprävention unter

mannsprichtsan.at


IMPRESSUM

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Aktuell erscheint The Red Bulletin in sechs Ländern. Für die brandneue England-­ Ausgabe treffen unsere Kolleginnen und Kollegen Trent Alexander-Arnold. Der 24-jährige Fußballstar vom FC Liverpool unterstützt mit seinem Projekt junge Fotografen auf ihrer kreativen Reise – und ­erzählt uns davon. Mehr Geschichten abseits des Alltäglichen findest du auf: ­redbulletin.com

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Herausgeber Andreas Kornhofer Chefredakteur Andreas Rottenschlager Creative Direction Erik Turek (Ltg.), Kasimir Reimann Art Direction Marion Bernert-Thomann, Miles English, Tara Thompson Textchefs David Pesendorfer, Andreas Wollinger Grafik Martina de Carvalho-Hutter, Kevin Faustmann-Goll, Cornelia Gleichweit Fotoredaktion Eva Kerschbaum (Ltg.), Marion Batty (Stv.), Susie Forman, Tahira Mirza, Rudi Übelhör Digitalredaktion Christian Eberle-Abasolo (Ltg.), Lou Boyd, MarieMaxime Dricot, Melissa Gordon, Lisa Hechenberger, Elena Rodríguez Angelina, Benjamin Wolf Editor in Chief Global Content Tom Guise Head of Audio Florian Obkircher Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Publishing Management Sara Car-Varming (Ltg.), Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Melissa Stutz, Julian Vater Head of Media Sales & Partnerships Lukas Scharmbacher Head of Co-Publishing Susanne Degn-Pfleger Editorial Director Alexander Müller-Macheck Projektmanagement Co-Publishing, B2B-Marketing & Communication Katrin Sigl (Ltg.), Katrin Dollenz, Michaela Kroboth, Teresa Kronreif (B2B), Eva Pech, Valentina Pierer, Stefan Portenkirchner (Communication), Jennifer Silberschneider, Sophia Wahl Creative Services Verena Schörkhuber-Zöhrer (Ltg.), Sara Wonka, Tanja Zimmermann, Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart Commercial Management Co-Publishing Alexandra Ita Editorial Co-Publishing Raffael Fritz (Ltg.), Gundi Bittermann, Michael Hufnagl, Alexander Klein, Irene Olorode, Mariella Reithoffer, Wolfgang Wieser Executive Creative Director Markus Kietreiber Senior Manager Creative Elisabeth Kopanz Art Direction Commercial & Co-Publishing Peter Knehtl (Ltg.), Luana Baumann-Fonseca, Silvia Druml-Shams, Erwin Edtmayer, Simone Fischer, Andreea Gschwandtner, Lisa Jeschko, Araksya Manukjan, Carina Schaittenberger, Julia Schinzel, Florian Solly, Sophie Weidinger, Stephan Zenz Head of Direct to Consumer Business Peter Schiffer Direct to Consumer Business Marija Althajm, Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar (Abo) Retail & Special Projects Manager Klaus Pleninger Anzeigenservice Manuela Brandstätter, Monika Spitaler Herstellung & Produktion Veronika Felder (Ltg.), Martin Brandhofer, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailović, Sandra Maiko Krutz, Josef Mühlbacher Finanzen Mariia Gerutska (Ltg.), Elisabeth Maier MIT Christoph Kocsisek, Michael Thaler IT Service Desk Maximilian Auerbach Operations Alice Gafitanu, Melanie Grasserbauer, Alexander Peham, Thomas Platzer, Raphaela Pucher Projekt Management Dominik Debriacher Assistant to General Management Sandra Artacker Geschäftsführung Red Bull Media House Publishing Andreas Kornhofer, Stefan Ebner Verlagsanschrift Am Grünen Prater 3, A-1020 Wien Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-LepperdingerStraße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Dietmar Otti, Christopher Reindl, Marcus Weber

THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838 Länderredaktion Nina Kaltenböck Lektorat Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek, Belinda Mautner, Klaus Peham, Vera Pink Publishing Management Bernhard Schmied Media Sales & Partnerships Thomas Hutterer (Markenlead), Michael Baidinger, Maggie Childs, Franz Fellner, Ines Gruber, Moritz Philipp Haaf, Wolfgang Kröll, Gabriele Matijevic-Beisteiner, Alfred Vrej Minassian, Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher, Jennifer Sabejew, Johannes Wahrmann-Schär, Ellen Wittmann-Sochor, Nicole Umsait, Ute Wolker, C ­ hristian Wörndle, Sabine Zölß Sales Operations & Development Anna Schönauer (Ltg.), David Mühlbacher Abo Abopreis: 25,90 EUR, 12 Ausgaben/ Jahr, getredbulletin.com, abo@redbulletin.at Druck Quad/Graphics Europe Sp. z o. o., Pułtuska 120, 07-200 Wyszków, Polen Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz Informationen zum Medien­inhaber sind ständig und unmittelbar unter folgender Web-Adresse auffindbar: redbull.com/im/de_AT Redaktionsadresse Am Grünen Prater 3, A-1020 Wien Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Kontakt redaktion@at.redbulletin.com

THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Länderredaktion Maximilian Reich Lektorat siehe entsprechenden Eintrag bei Österreich Country Project Management Lisa Masten Media Sales & Partnerships Thomas Hutterer (Markenlead), Michael Baidinger, Maggie Childs, Franz Fellner, Ines Gruber, Moritz Philipp Haaf, Wolfgang Kröll, Gabriele Matijevic-Beisteiner, Alfred Vrej Minassian, Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher, Jennifer Sabejew, Johannes Wahrmann-Schär, Ellen Wittmann-Sochor, Nicole Umsait, Ute Wolker, C ­ hristian Wörndle, Sabine Zölß

THE RED BULLETIN Frankreich, ISSN 2225-4722 Länderredaktion Pierre-Henri Camy Country Coordinator Christine Vitel Country Project Management Alexis Bulteau

THE RED BULLETIN Großbritannien, ISSN 2308-5894 Länderredaktion Ruth McLeod Lektorat Davydd Chong Publishing Management Ollie Stretton Media Sales Mark Bishop, mark.bishop@redbull.com

THE RED BULLETIN Schweiz, ISSN 2308-5886 Länderredaktion Stefania Telesca Lektorat siehe entsprechenden Eintrag bei Österreich Country Project Management Meike Koch Media Sales & Brand Partnerships Christian Bürgi (Ltg.), christian.buergi@redbull.com Marcel Bannwart, marcel.bannwart@redbull.com Jessica Pünchera, jessica.puenchera@redbull.com Michael Wipraechtiger, michael.wipraechtiger@redbull.com Goldbach Publishing Marco Nicoli, marco.nicoli@goldbach.com

THE RED BULLETIN USA, ISSN 2308-586X Länderredaktion Peter Flax, Nora O’Donnell Lektorat Catherine Auer, David Caplan Publishing Management Branden Peters Media Sales Todd Peters, todd.peters@redbull.com Dave Szych, dave.szych@redbull.com Tanya Foster, tanya.foster@redbull.com

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Wir sprechen mit zwölf Expert:innen über die Herausforderung, umweltfreundlich zu essen, zu reisen oder einzukaufen – und welche Fragen uns dabei helfen können, sie zu bewältigen.

Fairsuchen wir’s mal! Die neue Podcast-Staffel der Innovator Sessions ist grün hinter den Ohren – jedenfalls, was nachhaltiges Leben betrifft.

Ab dem 24. 10. überall, wo’s Podcasts gibt.


NICOLAS MAHLER

NIC OL AS M A HL ERS SPI T ZF ED ERL ICHES CHA R A K T ER-K A BINE T T

Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 13. Dezember 2022.

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STEIRER laune

KEIN WUNDER BEI DEM WASSER. Dass die älteste Heilwasserquelle der Steiermark für die gute Laune der Steirer allein verantwortlich ist, mag etwas übertrieben sein. Natürlich ist es auch das viele Grün, die liebliche Landschaft. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass schon die Kelten sich an dem Wasser mit seiner einzigartigen Mineralzusammensetzung und Lithium erfrischt haben. Abgesehen von ihren Riten und Bräuchen sollen sie ja auch ein Volk von Frohsinn gewesen sein.

THALHEIM QUELL STEIRISCHER LEBENSFREUDE.


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