SCHWEIZ DEZEMBER 2021 CHF 3.80
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Was treibt einen Menschen dazu an, Großartiges zu leisten. Es mit dem Unbekannten aufzunehmen, etwas Neues zu wagen und vor nichts zurückzuschrecken? Es ist die Willenskraft, die auch TUDOR hervorbrachte. Es ist die Energie, für die jede Armbanduhr von TUDOR steht. Das Leben mancher Menschen wird von Kompromissen bestimmt. Andere sind bereit, ein Leben lang etwas zu wagen.
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WILLKOMMEN
MUT ZUM TRÄUMEN
Loredana, hier während einer Studio-Session mit Produzent Reezy, wagt sich auf musika lisches Neuland: Im Rahmen von «Red Bull Symphonic» tritt sie im November mit einem ganzen Orchester auf. Ab Seite 38.
FELIX KRÜGER (COVER), DIESER BOBBY, CHRIS FIGENSHAU
OLE HÄNTZSCHEL
RAP TRIFFT KLASSIK
Sie habe schon als Kind gewusst, dass sie eines Tages berühmt sein würde, sagt Rapperin Loredana, 26, wenn sie über ihren kometenhaften Aufstieg spricht. Vor gerade einmal drei Jahren ver öffentlichte sie ihren ersten Track, heute ist sie die bekannteste Frau in der Welt des Deutschrap (ab Seite 38). Das Wichtigste im Leben sei, Träume zu haben und daran zu glauben, sagt auch Graffitikünstler Fabian Florin, 38: «Ich träumte davon, ausser ordentliche Sachen zu machen», er zählt er auf Seite 36. Das rettete ihn aus einer Krise – heute ist er einer der gefragtesten Street Artists der Schweiz. Auch Aben teurer Yann Scussel, 21, träumt: von sauberen Seen und Meeren. Um auf das Problem des allgegenwärtigen Plastikmülls aufmerksam zu machen, liess er sich wie eine weggeworfene Flasche die eiskalte Rhone hinunter treiben. Die ganze Geschichte: ab Seite 44. Gute Unterhaltung mit der neuen Ausgabe von The Red Bulletin! Die Redaktion
WER BIETET MEHR?
410 Millionen Euro beträgt der Marktwert des E-Sports-Teams «TSM», etwa so viel wie jener des Fussball-Spitzenklubs Ajax Amsterdam. Mehr verblüffendes E-Sports-Wissen: ab Seite 50.
THE RED BULLETIN
EINZIGARTIGE AUSSICHTEN
Jimmy Chin ist nicht nur Fotograf, sondern auch Kletterer. Das schenkt uns atem beraubende Bilder. Ab Seite 20.
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Weltmeisterschaften gewann der argentinische Segler Santiago Lange. Sein Ritual vor wichtigen Ent scheidungen verrät er uns auf Seite 14.
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I N H A LT The Red Bulletin im Dezember 2021
E-SPORTS
50 WAS WIRD HIER GESPIELT?
COVERSTORY
38 SELFMADE WOMAN Sie kam aus dem Nichts und katapultierte sich in den Olymp des Deutschraps: der steile Aufstieg von Loredana.
E-Sports-Trainer Fabian Lohmann erklärt, wie die Welt der Computer-Athleten funktioniert.
50 KEINE KONKURRENZ Fabian Lohmann ist der beste E-Sports-Trainer Europas.
BIKE LIFE
60 H OCH DIE RÄDER!
Amerikanische Wheelie-Artis ten erobern auf ihren Rädern die Strassen von New York.
PORTFOLIO
20 HOHE SCHULE
FILM
32 SCHLÜSSEL ZUM GLÜCK
Schauspieler Benedict Cum berbatch über die Kunst, Kühe und Kummer zu vertreiben.
MOTORSPORT
34 FAMILIENSACHE
Die Drift-Könige Joe und Elias Hountondji sind Brüder – und Rivalen auf der Strecke.
KUNST
36 M UT ZUM TRÄUMEN
Graffiti-Artist Fabian «Bane» Florin besiegte die Sucht und lebt heute von seiner Kunst.
GUIDE
Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen 71 REISEN. Freeski-Ass Mathilde Gremaud zeigt uns ihre Lieblingsspots in Saas-Fee. 76 G AMING. «Riders Republic» – Extremsport für zu Hause 77 GAMING GEAR. Das Kultspiel «Pong» ist wieder da
80 T IPPS & TRENDS. Mit besten Empfehlungen der Redaktion. 82 UHREN. So viel Freude kann der Blick aufs Handgelenk machen. 90 S WATCH. Zu Besuch bei den zwei kreativen Masterminds hinter der Schweizer Kultmarke
Warum sich der Genfer Yann Scussel wie eine Flasche die Rhone hinuntertreiben liess.
92 BOULEVARD DER HELDEN. Michael Köhlmeier erzählt die Geschichte einer schönen Spionin.
6 GALLERY 12 ZAHLEN, BITTE! 14 FUNDSTÜCK
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KEINE HILFE Loredana hat es ganz allein in den Olymp des Deutschraps geschafft.
78 L ESESTOFF. So geht Epos: Brandon Sandersons epische FantasyReihe «Sturmlicht-Chroniken»
ABENTEUER
44 A LLES FLIESST
38 NORMAN KONRAD, FELIX KRÜGER, DOM DAHER, JIMMY CHIN
Fotograf, Kletterer, Abenteu rer: Jimmy Chins schwindel erregendes Fotoalbum.
16 DAS PHILOSOPHEN-INTERVIEW 18 MEIN ERSTES MAL
96 IMPRESSUM 98 CARTOON
44 KEIN WEICHEI Abenteurer Yann Scussel liess sich die eiskalte Rhone hinuntertreiben.
THE RED BULLETIN
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ÜBERIRDISCH US-Fotograf Jimmy Chin nimmt uns mit an Orte, die sonst nur ganz wenige zu sehen bekommen.
THE RED BULLETIN
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MÜNCHEN, DEUTSCHLAND
AXEL GUNDERMANN/RED BULL ILLUME
Schwerkraft? Nein, danke! Was will uns dieses Bild sagen? Dass für versierte Mountainbiker wie Christian Lubowski die Gesetze der Schwerkraft ausser Kraft g esetzt sind? Dass exzellente Fotografen wie Axel Gundermann bei praktisch jedem Wetter perfekt ausgeleuchtete Fotos hinkriegen? Oder dass einige Radwege noch immer recht gedankenlos aufgepinselt werden? Egal. Die Aufnahme schaffte es jedenfalls ins Semifinale beim Fotowettbewerb Red Bull Illume. Instagram: @yearroundmunich
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FRANZÖSISCHPOLYNESIEN
Wasserballett In der Südsee rund um Französisch- Polynesien wimmelt es geradezu vor Lebewesen: Es gibt hier mehr als tausend Fischspezies, elf verschiedene Arten Delfine, nicht zu vergessen den Buckelwal. Weit weniger oft anzutreffen ist die Freitaucherin Marianne Aventurier, 43. Aber man muss sagen: In Sachen Eleganz und Anmut kann sie sich mit den Wasserbewohnern durchaus messen. Instagram: @alexvoyer_fisheye
DAVYDD CHONG ALEX VOYER/RED BULL ILLUME, ALBAN GUERRY-SUIRE/RED BULL ILLUME
LA PLAGNE, FRANKREICH
Schneekönig Eine jungfräuliche Piste mit frisch gefallenem Neuschnee ist für einen Skifahrer ähnlich unwiderstehlich wie frisch gegossener Zement für ein aufgewecktes Kind. Obwohl Foto graf Alban Guerry-Suire die Stelle gut kannte, hatte er sie nie zuvor in so einem unberührten Zustand gesehen. Freeskier Anthony Robert nahm dann die Zerstörung der weissen Pracht entsprechend lust voll vor, natürlich mit Luftsprung. Instagram: @_stonecat
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AVERSTAL, SCHWEIZ
Hard Rock
HANNES TELL/RED BULL ILLUME
DAVYDD CHONG
Erstbegehungen extrem schwieriger Boulder sind die Spezialität des Schweizers Giani Clement, 38. Hier s ehen wir ihn auf der von ihm erstmals im August begangenen Route «Stil vor Talent» an einem Gneisfelsen im Boulder-Paradies Magic Wood im Averstal, Schwierigkeitsgrad 8c+. Der deutsche Fotograf Hannes Tell wollte den Zauber des Aufstiegs f esthalten und hat ihn in 20 Aufnahmen dokumentiert: «Die Schönheit und die Logik dieser Linie sind beeindruckend», sagt er. hannestell.de
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Z AHL EN, BI T T E!
COOLE REKORDE
Hauptsache flockig Von der tiefsten je gemessenen Temperatur über den grössten Schneemann bis zum Geschwindigkeitsrekord auf Skiern: Hier sind Bestmarken, die es nur im Winter gibt.
Meter hoch war der grösste Schneemann aller Zeiten. «Riesi» wurde 2020 im Skigebiet Riesneralm errichtet.
11,81
Meter Schneehöhe wurden 1927 auf dem japanischen Mount Ibuki gemessen – das ist bis heute Weltrekord.
752
Kilometer lang ist der Wapusk Trail im Norden Kanadas. Die Strasse aus Schnee und Eis wird jedes Jahr neu errichtet.
–89,2
Grad Celsius wurden im Juli 1983 in der Antarktis gemessen. Auf der Nordhalbkugel liegt der Rekord bei –69,6 °C, aufgestellt 1991 in Grönland.
2833
Athleten nahmen 2018 an den Olympischen Winterspielen in Korea teil.
10
Nepalesen erreichten im Januar 2021 den Gipfel des 8611 Meter hohen K2. Damit wurden alle Achttausender auch im Winter bestiegen.
12,9
Meter Innendurchmesser hatte der bisher grösste Iglu. Er wurde 2016 in Zermatt aus rund 1400 Schneeziegeln gebaut.
23.486
Höhenmeter auf Skiern bewältigte der Spanier Kilian Jornet 2019 in 24 Stunden: Weltrekord.
1.000.000.000.000.000.000
(eine Trillion) Wassermoleküle enthält, grob geschätzt, eine einzige Schneeflocke.
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THE RED BULLETIN
HANNES KROPIK
38,04
Meter Schnee fielen im Winter 1998/99 im US-Skiresort Mt. Baker im US-Bundesstaat Washington.
CLAUDIA MEITERT
km/h ist die höchste je auf Skiern gefahrene Geschwindigkeit (Ivan Origone, ITA).
28,96
GETTY IMAGES, PICTUREDESK.COM
254,958
4059
Schneekugeln brachten die Chinesin Wendy Suen ins Guinness-Buch der Rekorde.
F U ND ST Ü CK
SANTIAGO LANGE
Mate-Nachhilfe Mate-Trinkbecher des vierfachen Segelweltmeisters und Olympiasiegers Santiago Lange, 2021
GIANFRANCO TRIPODO
«Wenn ich eine wichtige Entscheidung fällen oder über etwas Komplexes nachdenken muss, dann setze ich mich in der Früh hin, trinke in Ruhe meinen Mate-Tee und denke die Sache durch», sagt Santiago «Santi» Lange. Für einen Argentinier ist so ein Ritual nicht ungewöhnlich. In Südamerika ist der Genuss der aufgegossenen Blätter des Mate-Strauchs mindestens so verbreitet wie bei uns der Morgenkaffee, Mate wurde schon von den Ureinwohnern wegen seiner anregenden Wirkung geschätzt. Zum Ritual gehört auch der spezielle Mate-Becher mit Metall-Trinkhalm («bombilla»).
Santi Lange, 60, ist seit fünf Jahrzehnten erfolgreich auf Segelbooten unterwegs.
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THE RED BULLETIN
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DAS F IK T IV E PHILO S O PHEN- IN T ERV IE W
JEAN-JACQUES ROUSSEAU SAGT:
«Wer frei sein will, sollte zu Fuss gehen»
the red bulletin: Herr Rousseau, Sie haben sich viele Gedanken darüber gemacht, was Freiheit eigentlich wirklich bedeutet. Heutzutage versprechen sich eine Menge Menschen Freiheit davon, im Wohnmobil durch die Welt zu reisen. Können Sie diesen Wunsch nachvollziehen? jean-jacques rousseau: Gewiss, Machen Sie so etwas? mein Herr, den Wunsch nach Freiheit Aber sicher! Immer, wenn ich einen kann ich gut verstehen. Nicht zufällig klaren Gedanken fassen will, verlasse beginnt mein berühmtestes Buch ich die Komfortzone meiner vier mit den Worten: «Der Mensch ist Wände und gehe nach draussen. «Mit dem frei geboren, doch überall liegt er Dann lausche ich darauf, was mir Wohnmobil streift in Ketten.» Und dabei dachte ich die Natur zu sagen hat. Würde ich man keineswegs die nicht nur an die Ketten der feudaim Wohnmobil durch die Gegend listischen Gesellschaftsordnung, die fahren, begegnete ich immer Ketten ab, sondern zu meiner Zeit so viele Menschen nur mir selbst – sogar, wenn ich legt sich neue, in Knechtschaft hielten und die zu irgendwo am Nordkap parken unsichtbare an.» sprengen das Anliegen der Revowürde. lutionäre von 1789 war, die sich auf mich beriefen. Nein, mehr noch dachte ich an die Aber Sie könnten dann doch aussteigen und einen Spaziergang machen? Ketten, die sich die Menschen mit ihren Konventionen Vergessen Sie’s, mein Freund. Bei einem Spaziergang und Gewohnheiten selbst schmieden. Wer immer diese Ketten abstreifen will, wird meinen Segen haben. um seinen Camper hat noch keiner seine wirkliche Freiheit gefunden. Solange er an das gebunden bleibt, Verstehe, Sie sind ein Freund aller Aussteiger und was er besitzt, liegt der Mensch in Ketten – oder steckt Individualisten. Aber wie steht es mit Caravaning, im goldenen Käfig seines Wohnmobils. Und je weniger also dem Reisen im Wohnmobil: Wäre das Ihr Ding? er das weiss, desto unfreier ist er. Ganz sicher nicht. Denn wenn ich diese Art des Reisens näherhin betrachte, scheint sie mir denen, die sich ihr JEAN-JACQUES ROUSSEAU (1712–1778) war einer der meist ergeben, keineswegs die Ketten abzustreifen, sondern verfolgten Männer Europas. Egal was er schrieb: Die Gelehrtenihnen vielmehr neue, unsichtbare Ketten anzulegen. welt, die Obrigkeit und die Kirche waren gegen ihn. Deshalb war er zeit seines Lebens auf Wanderschaft. Frieden war ihm immer Denn sie sind gebunden an die Strassen und Plätze, nur für befristete Perioden gegönnt, etwa für die Zeit, die er für die ihre komischen Fahrzeuge geeignet sind. Das mit seiner Frau auf einem Bergbauernhof in Südfrankreich verschränkt ihre Freiheit ausserordentlich ein. Wenn man brachte. Dort konnte er das naturverbundene Leben führen, sich frei in der Welt bewegen will, dann sollte man zu nach dem er sich immer gesehnt hatte. Fuss gehen. So wie es die Menschen taten, b evor ihre CHRISTOPH QUARCH, 57, ist deutscher Philosoph, Gründer der zivilisatorische Irrfahrt begann. Aber Herr Rousseau, bedenken Sie, wie bequem es ist, in einem Wohnmobil zu reisen. Erinnern 16
Neuen Platonischen Akademie (akademie-3.org) und Autor zahlreicher philosophischer Bücher, zuletzt: «Kann ich? Darf ich? Soll ich? Philosophische Antworten auf alltägliche Fragen», legenda Q 2021.
THE RED BULLETIN
BENE ROHLMANN
Sie sich doch nur an die schäbigen Spelunken des 18. Jahrhunderts, in denen Sie absteigen mussten … Jaja, so denkt ihr Bürger der modernen Welt – und merkt gar nicht, was für einen Unsinn ihr verzapft. Bequemlichkeit, mein Herr, ist aller Freiheit Tod. Freiheit heisst, sich aller Bequemlichkeit zu entäussern: den ganzen materiellen und mentalen Kram zurückzulassen, den man über die Jahre angehäuft hat – all das Zeug, was du vermeintlich mit dir führen musst, all die Konzepte davon, was du angeblich gesehen haben musst. Weg damit! Je weniger du bei dir hast, desto besser. Zieh die Schuhe aus und geh in den Wald, dann bist du frei.
DR. CHRISTOPH QUARCH
Fast jeder träumt von der grossen Freiheit. Etwa davon, mit dem Wohnmobil die Welt zu entdecken. Mit dem Thema Freiheit kennt sich der in Genf geborene Aufklärungsphilosoph Jean-Jacques Rousseau bestens aus. Im fiktiven Gespräch mit dem deutschen Philosophen Christoph Quarch verrät er, wie man als Reisender wirklich frei sein kann.
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M EIN ERST ES M A L
ANJA BLACHA
«Mein Reise-Guide sagte: Anja, du bist verrückt!» Von 2015 bis 2017 stieg Anja Blacha – als bislang jüngste Deutsche – auf den höchsten Gipfel jedes Kontinents. Dabei hatte sie erst vier Jahre zuvor mit dem Bergsteigen angefangen. Uns erzählt die Abenteurerin von dem Peru-Trip, der ihre Wanderlust weckte. war so beeindruckend, dass ich mir damals schwor, die Timberlands nicht verstauben zu lassen. Vier Jahre später hatte ich dann die Seven Summits, den jeweils höchsten Berg jedes Kontinents, geschafft – als jüngste Deutsche überhaupt. Ob ich es bereue, nicht schon früher mit dem Bergsteigen begonnen zu haben? Nein. Denn mein Beispiel zeigt: Unsere Vergangenheit muss nicht bestimmen, was wir in unserer Zukunft erreichen können.
Ich habe das Klettern spät entdeckt, und das war vielleicht sogar gut so. Ich lebe heute in der Schweiz, da gibt es Kletterer, die sind technisch unendlich ver«Meine ersten Bergschuhe waren sierter als ich, die kommen die eigentlich gar keine wirklichen 0:00 –48:53 Eiger-Nordwand in Rekordzeit Bergschuhe, das waren MultiAnja Blacha funktionsstiefel der Marke Timhoch – und doch wagen sie sich Mein erstes Mal – der Podcast berland, von denen ich beim nicht an die grossen Berge heran. Kaufen dachte: Damit kann ich Weil sie ständig vor Augen haben, durch die Altstadt schlendern, welche Skills ihnen vielleicht aber auch wandern gehen. Pernoch fehlen, anstatt das grosse «Ich habe das Klettern Ziel anzugehen. Und so kann es fekt auch für die anstehende Peru-Reise mit meiner Schwester. spät entdeckt, und das sein, dass ich vielleicht auch stegeblieben wäre in diesem Ich bin in Bielefeld aufgewar vielleicht gut so.» cken wachsen. Berge gibt es da nicht. ‹Ich muss noch lernen›-Zyklus, Meine gesamte Jugend war von hätte ich früher oder in einem Rekord-Frau Anja Blacha hat ihre erste Bergtour erst mit 23 gemacht. Strandurlauben und Städtetrips bestimmten Umfeld begonnen. geprägt. In Peru hab ich dann Ich habe mit dem Bergsteigen zum ersten Mal einen Vulkan gesehen – mit 23. Auf aus Spass angefangen, aus Neugier, etwas Neues für einem Berg war ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie, mich entdecken zu wollen. Es war einfach Teil meiner aber ich wollte unbedingt rauf. Das Problem: Allein Reiselust. Und genau diese Ungezwungenheit war konnte man da nicht hoch, und das Ticket für unsere mein grosser Vorteil.» Weiterreise am nächsten Tag war schon gebucht. ‹Ihr seid verrückt, wenn ihr da jetzt in einer Nacht und «MEIN ERSTES MAL» IST DIE RED BULLETIN-PODCAST-SERIE, in einem halben Tag raufwollt›, sagten uns die Guides. in der Heldinnen über ihre Anfänge sprechen. Die Folge mit Anja Blacha, in der sie auch verrät, warum Geklappt hat es am Ende doch: vom Meeresspiegel Excel-Tabellen für ihre Expeditionen wichrauf auf 5800 Höhenmeter. Oben war ich so fertig, dass tiger sind als mächtige Muskeln, gibt’s ich den Ausblick gar nicht richtig geniessen konnte. im Podcast-Kanal von The Aber ich war so angefixt vom Spass, den wir beim Red Bulletin. Zu finden auf Aufstieg hatten, und vom Glück, das Ziel erreicht zu allen gängigen Plattformen haben. Noch im gleichen Urlaub nahmen wir uns auch wie Spotify und auf redbulletin.com/podcast noch den Machu Picchu vor. Dieses erste Mal Trekking
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ANJA BLACHA
Anja Blacha liebt die ganz grossen Herausforderungen: Mit 27 war sie als jüngste deutsche Kletterin auf dem Mount Everest, bis heute ist sie die einzige Deutsche, die den K2 bezwungen hat. Voriges Jahr schaffte sie es als erste Frau auf Langlaufski von der Küste der Antarktis bis zum Südpol. 1400 Kilometer in 58 Tagen. Ihren 100-KiloSchlitten zog sie dabei selbst. Dabei ist ihr die Lust am Extremen nicht in die Wiege gelegt worden. Ihre erste Bergtour absolvierte sie 2013, nur vier Jahre bevor sie den höchsten Berg der Welt bestieg. Hier spricht die 31-Jährige unter anderem von diesem Erweckungsmoment.
«ICH BIN EIN ABSOLUTER FAN VON MEINEM MAZDA2: E R B R I N G T M I R F A H R S PA S S M I T SCHICKEM DESIGN.» L E N A W. A U S N I E D E R L E N Z
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Hohe Schule
Der Amerikaner Jimmy Chin brilliert nicht nur als Fotograf und Filmemacher, sondern auch als Abenteurer, Kletterer und Extremskifahrer. Diese Mehrfachbegabung beschert uns Bilder, die kaum jemand sonst hinkriegen würde. Text ANDREAS WOLLINGER
Frei wie die Vögel
Yosemite-Nationalpark, 2009
Jimmy Chin begann als Teenager im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien mit dem Klettern. 2009 kehrte er zurück, um die örtliche Kletterkultur zu dokumentieren. Im Bild: BASE-Jumper nützen eine Granitwand zum Absprung.
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Durch die Wand YosemiteNationalpark, 2015
Im Januar 2015 gelang es Kevin Jorgeson (vorne) und Tommy Caldwell erstmals, die 1000 Meter hohe «Dawn Wall»-Route am Granitfelsen El Capitan zu bezwingen, was vorher für unmöglich gehalten worden war. Jimmy Chin begleitete die beiden Pioniere auf ihrem 19 Tage langen Weg durch die Wand. Hier sehen wir sie in ihrem Hängezelt.
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Eis-Eiliger
Mount Everest, 2004 Wenn sich ein Team aus Weltklasse-Bergsteigern anschickt, auf das Dach der Welt zu steigen, wird natürlich auch einer gebraucht, der angemessen ansprechendes Bild material von der Expedi tion liefern kann. Der Auftrag sollte der erste von zwei Mount-EverestGipfelsiegen Jimmy Chins werden. Im Bild: Expedi tionsteilnehmer David Breashears klettert über den Khumbu-Eisfall.
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Wüste Felstürme
Ennedi-Wüste, Tschad, 2010
Top of the World New York City, 2016
Hier sehen wir Jamison Walsh, einen von zwei Spezialisten, die die jährliche Inspektion der Antenne an der Spitze des One World Trade Center durchführen dürfen. Jimmy Chin stand übrigens auf einer Leiter schräg über Walsh – er wählte allerdings eine Perspektive, die aussieht wie ein guter Zaubertrick.
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Am südlichen Rand der Sahara haben Zeit und Wind skurrile Sandsteingebilde wie diesen Bogen in die dortige EnnediWüste gestellt. Dass so etwas auf Kletterer geradezu unwiderstehlich wirkt, versteht sich von selbst. James Pearson und Mark Synnott steigen auf, Jimmy Chin drückt ab.
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Das höchste Ziel Tibet, 2003
US-Snowboarder Stephen Koch wollte die Seven Summits, die höchsten Berge aller Kontinente, mit dem Snowboard abfahren. Hier klettert er auf einen Eisturm am Rongbuk-Gletscher auf der Nordseite des Everest. Später kamen Koch und Fotograf Chin in einer monströsen Lawine fast um. «Das erinnerte uns an das höchste Ziel jedes Kletterers», sagt Chin, «nämlich heil wieder heimzukommen.»
Es ist vollbracht YosemiteNationalpark, 2017
Nach drei Stunden und 56 Minuten hat der Amerikaner Alex Honnold das Unmögliche ge schafft: Er hat die knapp 1000 Meter des Granit felsens El Capitan ohne jede Sicherung (free solo) über die Route «Free rider» bewältigt, Jimmy Chin hält den Augenblick des Triumphs fest. Chins Film über das Abenteuer, «Free Solo», bekam 2019 den Oscar.
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Jimmy Chin mit der Kamera und beim Klettern (u.): eine Doppelbegabung, die uns die unwegsamsten Gegenden der Welt näherbringt.
DER FOTOGRAF
Der heute 48-jährige Sohn chinesischer Flüchtlinge, geboren und aufgewachsen im US-Bundesstaat Minnesota, hatte schon früh einen starken Hang zum Abenteuer. «Ich habe einfach eine starke Neugier in mir», erklärt er, «den Drang, die Welt zu erforschen. Und dabei mein kreatives Potenzial zu entdecken.» Gut, kaum jemand lebt seinen Entdeckergeist so extrem aus wie Jimmy. Er hat ein paar der höchsten Berge in aller Welt bezwungen, darunter zweimal den Mount Everest. 2006 war er unter den ersten Amerikanern, die mit Skiern vom Dach der Welt abfuhren. Zweimal kam er unter einer Lawine fast ums Leben. Als Fotograf und Filmemacher stellte sich Jimmy Chin 30
freilich mindestens so geschickt an wie als Kletterer, was ihn zum Chronisten der entlegensten Weltgegenden machte. Und zum Oscar-Preisträger: Der Film «Free Solo», bei dem er mit seiner Frau Elizabeth Chai Vasarhelyi Regie führte und der den US-Freikletterer Alex Honnold bei dessen Husarenstück auf den El Capitan im Yosemite-National park begleitete, wurde 2019 als beste Dokumentation prämiert.
Alle Bilder aus dem Buch «There and Back: Photographs from the Edge» von Jimmy Chin. Erschienen 2021 im Verlag Ten Speed Press, einem Tochterunternehmen der Penguin Random House LLC.
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CHRIS FIGENSHAU/PANAREI, CHEYENE LEMPE
JIMMY CHIN
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WHAT ARE YOU BUILDING FOR?
Film
kastriert in seinem neuen Film ein Rind. Weil er muss. Privat? Ist er super soft. Und demnächst Buddhist. Interview RÜDIGER STURM
Ein Hubschrauber donnert vorbei, im Hintergrund klimpert ein Pianist, aber Benedict Cumberbatch bleibt beim Interview auf der Terrasse des venezianischen Hotels Excelsior cool und spricht konzentriert und mit un erschütterlicher Ruhe. Das mag daran liegen, dass der 45-Jährige in seinen Rollen schon wesentlich intensivere Herausforderungen gemeistert hat. Auch in dem Cowboy-Drama «The Power of the Dog» (auf Netflix) lässt er sich auf physische Strapazen und aufreibende Psychoduelle ein. Viel leicht hat es aber auch damit zu tun, dass er für seine mentale Ruhe eine ganze Menge unternimmt. the red bulletin: Herr Cumber batch, Ihre Rolle in «The Power of the Dog» scheint nicht gerade gemütlich gewesen zu sein. BENEDICT CUMBERBATCH: Ich verstehe das als Kompliment. Ich will Jobs, die mir das Ungewohnte bieten. Nur so kann ich dabei Spass haben. Das dürfte auch für das Pu blikum interessanter sein, als wenn ich immer das Gleiche mache. Sie müssen in dem Film den Job eines Cowboys erledigen: reiten, Rinder zusammentreiben und kastrieren. Haben Sie dabei etwas gelernt, was Sie im Alltag brau chen können?
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Ja, ich kann jetzt mit Kühen um gehen. Kürzlich waren wir im Urlaub und spazierten auf einem Pfad zum Strand, als uns Leute mit angst erfüllten Gesichtern entgegenrann ten. Der Pfad war von einer Gruppe Kühe blockiert. Dank meiner neuen Kenntnisse konnte ich sie wegtreiben – natürlich sanfter als im Film. Also ist der knallharte Macho bei Ihnen nur gespielt? Wir leben in anderen Zeiten als früher. Heute willst du mit anderen Menschen mitfühlen, ihren Blick winkel verstehen. Es ist doch so viel schöner, wenn du die Gemein samkeit mit anderen Menschen spüren kannst. Dazu gehört auch, dass du diese toxische Männlichkeit bekämpfst. Wann immer dir Chau vinismus begegnet, solltest du ihn beim Namen nennen und dagegen auftreten. Sie wirken sehr fortschrittlich. Wie haben Sie Ihr Weltbild ent wickelt? Mir hilft Meditation sehr. Das ist ein Instrument, mit dem du die Stille in dir spüren kannst. Sie befreit dich vorübergehend von deinen Gedan ken und gibt dir die Möglichkeit, dich komplett zu entspannen. Das ist ideal, um Stress abzustreifen.
Ist das nicht eine ziemlich pessimistische Weltsicht? Das hängt davon ab, was man unter Leiden versteht. Viele denken, das ist der Schmerz, wenn man einen Unfall hat oder Gewalt erfährt. Aber eigentlich ist dieses Leiden nur Anspannung. Und die entsteht oft, weil wir mit den Veränderungen des Lebens nicht klarkommen. Das Leben ist ständig im Fluss, was wir mit all unseren Sinnen wahrnehmen. Wenn wir das akzeptieren, können wir uns von unseren Schmerzen befreien. Wir müssen begreifen, dass alles im Leben vergeht. Was aufsteigt, fällt, und was fällt, steigt wieder auf. Liegt in dieser Erkenntnis auch der Schlüssel zum Glück? Der Schlüssel zum Glück ist, dass du gar nicht erst danach suchst. Und auch nicht die Frage stellst, wo es liegt. Wenn du ihm hinterherjagst, kannst du es nicht finden. Erlebe einfach nur das Sein. In jedem be liebigen Moment. Das ist die Wahr heit. Oder man könnte sagen, der Topf Gold befindet sich am Ende des Regenbogens. Haben Sie eigentlich auch schon Unglück erlebt? Ich war dieses Jahr beim Finale der Fussball-EM im Wembley-Stadion (England verlor 3:4 im Elfmeter schiessen gegen Italien; Anm). Muss ich noch mehr sagen? «The Power of the Dog»: ab 1. Dezember bei Netflix
Wie oft meditieren Sie? Ich versuche, es einmal täglich zu tun, normalerweise am Morgen. Aber es hilft mir auch, mich zu be ruhigen, bevor ich schlafen gehe. THE RED BULLETIN
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Benedict Cumberbatch
Abgesehen vom Meditieren interessieren Sie sich angeblich auch für den Buddhismus. Für die Buddhisten ist das Leben Leiden. Stimmen Sie dem zu? Ja, unbedingt.
«EM - Finale. WembleyStadion. Muss ich noch mehr sagen?!» Benedict Cumberbatch, 45, über tiefes Unglück, das er mit östlichen Weisheiten lindert
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Motorsport
sind Brüder und Rivalen auf der Rennstrecke. Und heizen als «Red Bull Driftbrothers» mit 1040 PS durch die Kurven. Was das mit ihrer Beziehung macht, erzählen sie hier. Text WERNER JESSNER
Driften ist die einzige RennstreckenMotorsportart, bei der es Punkterichter gibt. Ermittelt wird dabei, wer sein Fahrzeug am absoluten Limit am besten beherrscht. Vier Kriterien werden bewertet: Geschwindigkeit, Driftwinkel, Fahrlinie und Style. Zuerst allein, dann im K.-o.-System Mann gegen Mann. Macht der Vordermann einen Fehler, hat der Hintermann ein Problem. Deswegen muss man sich strategisch auf jeden Gegner und dessen Auto einstellen. Je besser man den anderen Fahrer einschätzen kann, desto aggressiver kann man ihn verfolgen, ohne zu riskieren, dass das Auto nachher zerbeult ist. Seit über zehn Jahren betreiben Elias und Joe Hountondji ihren Sport und haben sich gemeinsam an die Weltspitze gekämpft. Ein Doppel-Interview über Geschwisterliebe und -rivalität. the red bulletin: Ihr übt beide denselben Sport aus. Macht ihr euch dabei auch besser? elias: Wir sind völlig verschiedene Typen. Ich gehe Dingen gerne auf den Grund, während Joe vieles aus dem Bauch macht. Diese unterschiedlichen Ansätze helfen uns, wenn wir auf neue Strecken kommen. Ich versuche mir die sinnvollste
Linie analytisch zu erarbeiten. Dann schaue ich, wie Joe es macht. joe: Wir haben zwei Toolsets – das eigene und das des Bruders. Ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Und wenn ihr in der K.-o.-Phase aufeinandertrefft? joe: Da freut man sich. Da geht es nicht darum, dem anderen zu beweisen, dass man besser ist, sondern es ist cool, weil das ein geiler Battle wird. Da kann man ans Limit gehen, weil man sicher ist, dass der andere keine schmutzigen Tricks auspackt. elias: Wenn ich gegen Joe fahre, habe ich in meinem Kopf mehr Kapazitäten frei, um mich nur aufs Fahren zu konzentrieren. Daher fahre ich gegen ihn auch immer am besten. Bei anderen Fahrern riskiert man nicht immer alles. Bei ihm habe ich totales Vertrauen. Daher waren unsere Battles immer toll. Ist ein Sieg gegen den Bruder etwas Besonderes? joe: Das Fahren ist besonders. Daher treffe ich am liebsten erst im Finale auf Eli. Da soll einmal er gewinnen, das andere Mal ich. Das wäre der Idealzustand. elias: Das Gute, wenn wir gegen einander fahren: Am Ende ist immer einer von uns eine Runde weiter. Habt ihr euch als Kinder schon so gut verstanden wie heute? elias: Joe ist fünf Jahre älter als ich. Er war lange Zeit mein Vorbild.
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Ihr habt in den letzten Jahren viel gearbeitet und zusammen mit BMW M ein komplett neues Auto entwickelt. Gab es da nie Zoff zwischen euch? joe: Die letzten Jahre waren hart. Da ist Reibung aufgekommen, definitiv. Wir mussten uns zusammenraufen, um unsere Qualitäten als Brüderpaar zu erhalten. Druck, Risiko, unsere unterschiedlichen Charaktere: Das hat zwischendurch ziemlich durchgeschlagen. Wie habt ihr das gelöst? elias: Miteinander reden. Im Alltagswahnsinn hat manchmal Raum gefehlt, um diese Gespräche zu führen. joe: Unser Vater ist ein toller Mediator. Wären die Driftbrothers für euch ohne den anderen vorstellbar? elias: Wenn ich es nicht mit Joe mache, dann mit niemandem. joe: Meine Rede.
Joe und Elias Hountondji in ihren neuen, 1040 PS starken BMW M4 Drift Builds
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SEBASTIAN MARKO/LIMEXIMAGES
Elias und Joe Hountondji
Durch den Altersunterschied haben wir nicht so viel gemeinsam gemacht, da sind die Interessen einfach zu unterschiedlich. Das Driften hat uns zusammengeschweisst. joe: Eli wollte den Dingen immer auf den Grund gehen, gerade in technischen Belangen. Das bedeu tete: Er hat zum Beispiel meine ferngesteuerten Autos zerlegt. Das Zusammenbauen hat er erst viel später erlernt (lacht). Das barg einige Zeit Konfliktpotenzial.
«Das Gute, wenn wir gegeneinander fahren: Einer von uns kommt immer weiter.» Drift-Sportler Elias Hountondji (re.), 35, über die entspannte Konkurrenz zu Bruder Joe, 41
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Kunst
Fabian «Bane» Florin hat es geschafft, eine 14 Jahre dauernde Sucht zu besiegen. Heute ist er einer der erfolgreichsten Graffitikünstler der Schweiz. Was ihn gerettet hat? Er glaubte an seinen Traum. Interview STEFANIA TELESCA Foto LUKAS MAEDER
«Das Gefängnis war für mich wie ein 3-Sterne-Hotel. Ich hatte etwas zu essen, es war warm, und ich hatte eine Pause von der Strasse.» Fabian Florin, 38, sitzt an einem frühen Samstagmorgen in seinem Atelier in Chur und erzählt seine Geschichte. Seit der Haft vor mehr als zehn Jahren hat sich sein Leben grundlegend verändert. Seine Erinnerungen hingegen teilt er gern, auch wenn er dabei immer wieder innehalten muss. «Es ist eine Art Präventionsarbeit, die ich mache. Und wenn sie nur hilft, ein einziges Leben zu retten.» Kurz und schmerzhaft: Mit vierzehn rutscht der Churer in die Drogensucht ab. Er konsumiert alles, was es auf der Strasse gibt. Dann: Beschaffungskriminalität, Dealen, Überleben: «Bane», wie sich der Künstler heute nennt, schläft regelmässig in Tiefgaragen. Vierzehn Jahre lang ist die Sucht sein einziger Lebensinhalt. Ungezählte Versuche eines Entzugs scheitern, immer wieder bringt ihn sein «Lifestyle» hinter Gitter. Mit Ende zwanzig der Tiefpunkt: «Ich hatte wirklich keine Lust mehr auf dieses Leben. Dazu drohte mir eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren.» Er entscheidet sich für eine Langzeittherapie. Zwei Monate dauert der harte Entzug, zwei Jahre die Therapie. Während dieser Zeit beginnt Fabian wieder zu sprayen.
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Füllung der inneren Leere
Die Wende glückt, als er an einem Graffiticontest teilnimmt und diesen gewinnt. «Ich erinnere mich gut an diesen Tag. Ich habe einen Fisch gesprayt», sagt er lächelnd. Er wisse nicht einmal mehr, was der Preis war. «Der eigentliche Gewinn lag ganz woanders. Dieser Contest gab mir einen Lebensinhalt, eine Per spektive, ein Ziel.» Er habe plötzlich daran geglaubt, etwas Grossartiges erreichen zu können. Schon als Teenager hatte er in einem Hip-Hop-Magazin die Welt der Graffitis entdeckt. «Das war das erste Mal in meinem Leben, dass mich etwas so faszinierte.» Er sei schon immer ein Träumer gewesen. «Ich träumte davon, ausserordentliche Sachen zu machen. Irgendwo in mir drin kannte ich schon das Leben, das ich heute habe.» Auch während der Jahre der Sucht habe in ihm ein kleines «Flämmchen» g ebrannt, das nie erloschen sei: «Nenne es Hoffnung, nenne es Überlebenswille. Aber dieses Flämmchen hat es in diesem Moment geschafft, den Unterschied zu machen.» Das Wichtigste im Leben sei es, Träume zu haben. «Ich habe einen für morgen, einen für nächste Woche, ich habe viele kleine und grosse Träume und hole mir auch immer neue.» Seine Träume ersetzten die Leere, die nach dem Entzug entstand. «Ich fragte mich damals: Wer bin ich überhaupt?» Die innere
Leere zu füllen sei für alle Menschen wichtig. Gerade wenn man in einer schwierigen Lebenssituation steckt: «Wichtig ist, dass man Neues ausprobiert.» Dafür müsse man zwingend raus aus der eigenen Komfortzone. Bane hat vor drei Jahren das «Street Art Festival Chur» ins Leben gerufen und auch einen Analogfotografieverein gegründet. Inzwischen gehört er zu den erfolgreichsten Streetart-Künstlern in der Schweiz. Seit elf Jahren ist er selbständig und sprayt im In- und Ausland. Umsetzen kann er etwa 20 Prozent der zahlreichen Anfragen, die ihn er reichen. Bekommt er einen grossen Auftrag, kollaboriert er gerne mit anderen Künstlern: «Wir teilen uns die Gage und sind füreinander da.» Und was bedeutet der Künstler name «Bane»? Das, sagt Fabian, heisst «Fluch». Er will niemals zu seinem früheren Leben zurück, aber auch niemals vergessen, woher er gekommen ist. Regelmässig besucht er Schulen und erzählt von seinem Weg. Für die Drogenprävention – aber auch, um den Jungen zu zeigen, dass sie alles erreichen können. Als wir mit Bane durch Chur spazieren, um seine Kunstwerke anzuschauen, wird er von allen Seiten angesprochen und angelächelt. Manche sagen Danke. Dafür, dass er der Stadt Chur Farbe gibt. Ver mutlich aber auch, weil er mit seiner Geschichte viele berührt. «Damit habe ich nicht gerechnet. Ich wollte doch nur grosse Wände anmalen.» Fabian «Bane» Florins Murals zieren Wände im In- und Ausland. Verfolge seinen Weg auf Instagram: @ fabian_bane_florin Weitere Infos unter: fabianflorin.ch
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«In mir brannte ein Flämmchen. Das hat mich gerettet.» Künstler Fabian «Bane» Florin, 38, vor einem seiner Werke in Chur
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Deutschrap
A N A D E R E O L FMAD N L A E S WOM n ze h n o te v a m i l i e . s g n f s jü nderer perin a d Rap wa lt wa r S i e i n e r E i n r ö s s te r e r z ä h rn e ie d ie g iz . H ie ch nach e d e i Ki n i s t s r S c hw m a n s i e j e t z t e t e de Heu , wi arum s ös ist. A N v EDA t. Und w al ner E WAAKR R O N M L ÜGE t AN m p f r s te n Tex ELIX KR ä k e n os F Fo t obe zu m
SCHAU MIR IN DIE AUGEN!
Loredana, 26, beim Red Bulletin-Covershooting in Berlin. Auch in Deutschland ist sie mittlerweile ein Rap-Superstar.
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Loredanas Jugend: Kontrolle, aber keine Angst
ie ist müde. Vor zwei Tagen erst ist Loredana im Auto aus der Schweiz nach Deutschland gefahren, um im Studio ein paar Aufnahmen zu machen, nur um am gleichen Tag wieder die Rückfahrt anzutreten. Nun sitzt sie schon wieder in Berlin, diesmal in einem Fotostudio, und wird für das Red Bulletin-Shooting gestylt. 16-Stunden-Tage. Aber, sagt sie mit ihrer Stimme, die noch eine Spur rauer erscheint als sowieso schon, ihre Laune sei gut – immer. Wie könnte es auch anders sein. Erst gute drei Jahre ist es her, dass Loredana ihren ersten Track veröffentlichte. Das Rap-Stück «Sonnenbrille» erschien im Juni 2018, wurde aus dem Stand ein Hit und machte sie berühmt. Seither ist sie in der Schweiz ein Streaming-Phänomen – und nicht nur dort. Ihre «King Lori-Tour» sollte sie 2020 von Zürich über Köln bis nach Leipzig führen, so gut wie alle ihre Konzerte waren entweder ausverkauft oder wurden wegen der unerwarteten Nachfrage in grössere Hallen verlegt (bis die Tour an Corona scheiterte).
Nun wagt sich Loredana auf musikalisches Neuland. Im November wird sie im KKL (Kultur- und Kongress zentrum) ihrer Heimatstadt Luzern im Rahmen von «Red Bull Symphonic» zwei Konzerte geben – mit einem ganzen Orchester in ihrem Rücken. Es ist ihre erste Berührung mit klassischer Musik, das Projekt und die Abende werden von einem DokumentarfilmTeam begleitet, darüber hinaus wird ein Album aufgenommen. Normalerweise sei sie vor Auftritten nicht besonders aufgeregt, aber in dem Fall habe sie schon jetzt ein Kribbeln im Bauch. «Meine Stimme wird in diesem Moment ganz im Mittelpunkt stehen. Wir spielen live, wenn ich da einen Fehler mache, betrifft der 50 andere Leute.» Lange deutete nichts darauf hin, dass aus Lore dana Zefi, 1995 geboren und aufgewachsen in einem Vorort von Luzern, einmal einer der grössten Musik stars im deutschsprachigen Raum werden würde. Als jüngstes von zehn Kindern eines aus Albanien ein gewanderten Fabrikarbeiters und einer Gelegenheitsjobberin wurde sie von ihren Brüdern mit zum Fussball genommen, hatte immer jemanden zum Spielen
t e t e i r b e d ia , e v e i l i cial M m a F I h r e da na S o e h n is t. L o r e i e ach tz i h r bis s te folgen Fans. Heu Millionen dr ei
LÄSSIG ZUGEKNÖPFT
Loredana setzt auf einen legeren Kleidungsstil: «Meine Persönlichkeit soll im Vordergrund stehen», sagt sie. «Ich bin nicht berühmt geworden, weil ich sexy aussehe.»
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Deutschrap
« K la Kr i b b r sp ü r e i c diese eln: Wen h ein Fehle r Bühne n ich au d e r 5 r mache e i ne n f 0 L e u , b e tr te . » i f f t und wuchs mit ständigem Hip-Hop-Soundtrack auf, Tupac Shakur vor allem. Sie sagt, sie habe ihren Brüdern ihr Selbstbewusstsein und ihre Angstfreiheit zu verdanken. Aber als Nesthäkchen-Mädchen wurde sie von den älteren Geschwistern richtig gehend bewacht und zum Beispiel zur Schule ge fahren – angeblich, um sie vor schlechten Einflüssen zu schützen. «Man hat mich einfach 24 Stunden kontrolliert», stellt sie rückblickend ungerührt fest. Aber es habe funktioniert. Sie trinke bis heute nicht, und, von Zigaretten abgesehen, interessierten sie auch Drogen nicht. Zur familiären Überwachung gehörte auch, dass sie bis zum Alter von achtzehn keine Social-MediaAccounts haben durfte. Doch als sie es dann durfte, ging sie in die Vollen. Sie habe immer die Gewissheit besessen, dass sie mal berühmt werde, sagt Loredana. «Mit dreizehn habe ich zu einem meiner Brüder gesagt: Ich glaube, ich werde rappen.» Die Schule brach sie nach der neunten Klasse genauso ab wie die Ausbildung zur Kauffrau. Irgendwann drehte sie Lip-Sync-Videos von Stücken bekannter Rapper und lud sie auf YouTube hoch. Sie lernte den albanischen Rapper THE RED BULLETIN
BOSS LADY
Warum Loredana 16 Stunden pro Tag arbeitet? «Damit meine Tochter ein schönes Leben führen kann.»
Mozzik kennen und kam mit ihm zusammen, sie ging mit dem Produzenten Macloud ins Studio, nahm ihren ersten Track auf und stellte einen kleinen Ausschnitt davon ins Netz. «Die Leute sind durch gedreht.» Allein in den ersten zwei Wochen sammelte das Video auf der Plattform 13 Millionen Aufrufe. Auf Instagram hat Loredana heute drei Millionen Follower. Als Mitte 2019 mittlerweile fallengelassene Betrugsvorwürfe gegen sie aufkamen, war ihr Name in der Schweiz der meistgesuchte Begriff auf Google.
Sie ist verletzlicher, als sie sich gibt
Während sie sich in der Öffentlichkeit kühl gibt, stellt sie sich im Gespräch mit ihrem Spitznamen Lori vor, ist offen und zugänglich. «Ich bin draussen kälter als drinnen», sagt sie. Das sei ihr Schutz mechanismus. Die Leute sollen nicht wissen, was sie verletzen könnte. «Die Sonnenbrille schützt meine Identität / Sie fragen mich, woher, sie ist von Fendi / Die Hände voller Cash, kann nicht ans Handy gehen», heisst es in ihrem Debüt-Stück. «Sonnenbrille» stammt aus ihrer Feder, statt auf ein naheliegendes Feature einer anderen Rapperin oder eines anderen Rappers wie Mozzik setzte sie auf ihren Solo-Auftritt. «Ich wollte mir beweisen,
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UNTER DIE HAUT
Das Tattoo «Hana» auf ihrem rechten Unterarm ist Loredanas Tochter gewidmet. Ein anderes ist ihr aber wichtiger, wie sie im Interview gesteht.
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dass ich es allein kann. Und dass die Leute das Stück wegen mir hören, nicht wegen jemand anders. Ich wollte, dass klar ist: Keiner hat mich gross gemacht.» Es ist diese Eigenständigkeit, der Loredana ihren Erfolg zu verdanken hat. Sie setzt auf ihre eigene Leistung, nicht auf die Liebesdienste anderer. Dazu gehört auch, dass sie die längste Zeit darauf ver zichtete, einen bestimmten Look zu bedienen. Sie habe immer ihre Persönlichkeit in den Vordergrund gestellt. «Ich bin nicht berühmt geworden, weil ich heiss aussehe.» Obwohl sie gern Kleider trage und sich auch gern sexy zeige, habe sie auf einen coolen, eher angezogenen Stil gesetzt. Oversize-Sweatshirts, lange Hosen. Jetzt, da sie es geschafft habe, ändere sich das. «Langsam, langsam zeige ich auch meine frauliche Seite.» Ende 2018 kam ihre und Mozziks gemeinsame Tochter Hana auf die Welt. Das Muttersein be zeichnet Loredana als «das schönste und schlimmste Gefühl zugleich». Schön sei es, weil sie mit dem Kind eine enge Bezugsperson in ihrem Leben habe. Schlimm, weil sich damit auch eine existenzielle Angst um diese Person eingestellt habe. Seit der Trennung von Mozzik, der seither wieder in Albanien lebt, ist Loredana Alleinerzieherin. Sie habe «hundertprozentig» das Gefühl, ihrer Tochter etwas bieten zu müssen, und dabei keine Sorge, das Kind zu verwöhnen. «Ich arbeite, damit meine Tochter ein schönes Leben führen kann.»
, n e s i e w e b l l te a l l e i n o w « I c h i c h e s i e L e u te da s s . D a s s d eg e n m i r kann Stück w klar ist: t da s n . D a s s r m i r ha » h ö r e e r a us s e e m a c h t. Kein gross g mich THE RED BULLETIN
Die Botschaft auf dem Rücken
Die Betonung von Geld und Luxus war nicht immer das Markenzeichen des Hip-Hop. Als die Subkultur in den 1970er-Jahren in der Bronx, einem übel beleumundeten Stadtteil von New York entstand, drehte sich alles um improvisierte Partys, DJs, Beat boxing und Breakdance. Ende der 1980er dann betrat die Figur des Gangsta-Rappers die Bühne. Seine Darsteller wie etwa der schon erwähnte Tupac Shakur (Rapperinnen gab es damals noch so gut wie keine) verkörperten zwei Entwicklungen der Zeit: den aufkommenden Neoliberalismus und die Crack-Epidemie. Beide verbinden zwei Prinzipien: ehrgeiziges Unternehmertum und schnelles Geld. Erst als Hip-Hop in den 1990ern in den Mainstream und damit auch in nichtschwarze und europäische Lebenswelten einzog, sorgte das auch für Reichtum bei den Rappern. Ganz im Sinne der uramerikani schen Erzählung vom Aufsteiger, der aus dem Nichts kommt, werden seither Statussymbole wie Autos, Schmuck und Pelzmäntel möglichst eindrucksvoll zur Schau gestellt. War der Reichtum in Form von Fendi-Sonnen brille, Cartier-Ringen und Stapeln von Geldscheinen in «Sonnenbrille» noch eine Erfindung, hat es Lore dana gut drei Jahre später geschafft. Der Name ihres aktuellen, wieder gemeinsam mit ihrem Ex Mozzik aufgenommenen Albums «No Rich Parents» bezieht sich darauf, dass sie sich beide alles allein aufgebaut haben, ohne finanzielle Unterstützung von zu Hause. Ihre Eltern seien nicht reich gewesen, «wir haben unsere Eltern reich gemacht». Das für sie wichtigste unter den ungezählten Tattoos überall auf ihrem Körper, erzählt Loredana dann auch, sei nicht etwa der Name ihrer Tochter auf dem rechten Unterarm, sondern das auf ihrem Rücken. «Selfmade Millionaire» steht da. «Wenn ich mich umdrehe und weggehe, muss der andere das lesen. Der hat vielleicht schon gedacht: ‹Wer glaubt die, dass sie ist?›», erklärt sie die Bedeutung des Schriftzugs. «Ich bin es einfach selber geworden.» Am 24. und 25. November tritt Loredana im Rahmen von «Red Bull Symphonic» im KKL (Kultur- und Kongresszentrum Luzern) auf. Alle Infos zum Event und Karten unter: redbull.com/symphonic STYLING: TIM HEYDUCK / SHOTVIEW MAKE-UP: SELLMA KASUMOVIQ HAIR: KACI MANTEL UND HOSE: AILEEN KLEIN WESTE: STYLIST’S OWN SCHUHE: PRADA (LOREDANA)
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Abenteuer
ALLES FLIESST Der Abenteurer YANN SCUSSEL, 21, will etwas gegen die Flut an Plastikmüll tun. Also lässt er sich die Rhone entlang einmal quer durch die Schweiz treiben – wie eine weggeworfene Plastikflasche. Seine 29 Stunden im eiskalten Wasser sollten Wirkung zeigen. Text ALEXANDER NEUMANN-DELBARRE Fotos DOM DAHER
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TREIBGUT MENSCH
Umweltaktivist Yann Scussel auf s einem Hydrospeed-Board im Schweizer Fluss abschnitt der Rhone. Die Wassertemperatur beträgt hier höchstens acht Grad.
Abenteuer
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ie Sonne ist eben erst aufgegangen, als Yann Scussel hoch oben am Rhone gletscher in das eisige Wasser steigt. Die Kälte schnürt ihm fast den Atem ab. Hektisch schnappt er nach Luft, während er in den kleinen türkisfarbenen Schmelz wassersee hineinsinkt, der sich hier am unteren Ende des Rhonegletschers zwi schen Schnee und Felsen gebildet hat. Mit den Armen umklammert Yann sein Hydrospeed-Board, auf dem Rücken trägt er 20 Kilo Gepäck, am Körper einen Neo prenanzug, fünf Millimeter dick und doch viel zu dünn. Schon nach wenigen Minuten sind Yanns Füsse und Hände so gefroren, dass er sie nicht mehr spürt. Dabei hat sein Abenteuer noch gar nicht richtig begonnen. Knapp 160 Kilometer weit will er sich von der Rhone tragen lassen. Vom Ursprung des Flusses, hier oben auf 2250 Metern in den Walliser Alpen, bis nach Bouveret, wo er in den Genfersee mündet. 160 Kilometer durch Strom schnellen, idyllische Täler, Industrie gebiete – und durch die Nacht. Rund 30 Stunden im eisigen Wasser. Vielleicht mehr, so genau weiss das keiner. Denn das, was Yann vorhat, hat vor ihm noch keiner gewagt. Die Rhone ist anfangs nicht mehr als ein Wildwasserbach, der aus dem Gletschersee entspringt. Etwa eine halbe Stunde lang gleitet Yann mit seinem Begleiter Claude-Alain Gailland, einem erfahrenen Bergführer und HydrospeedSpezialisten, relativ entspannt auf dem drei Grad kalten Wasser dahin – dann beginnen die Stromschnellen. 46
BOTSCHAFTER
Scussels Abenteuer sollen aufklären. Als Achtzehnjähriger tauchte er etwa mit Tigerhaien und widerlegte so falsche Mythen über diese Tiere.
Auf den ersten 60 Kilometern rauscht die Rhone hunderte Höhenmeter ins Tal hinab. Den Oberkörper auf dem Hydro speed, die Beine im oft flachen Wasser, rauscht Yann mit. Immer wieder schlägt er mit den Knien gegen Felsen, manch mal so heftig, dass er fürchtet, sich e twas gebrochen zu haben. Den Kopf nur knapp über der Wasseroberfläche, sieht er Felsen oder Baumstämme oft nur spät, mehrmals schiesst er über kleine Wasser fälle, Kopf voraus, nur das Hydrospeed- Board als Schutz. Die Rhone reisst ihn mit, als wäre er nicht mehr als ein Stück Plastik. Und genau um diese Metapher, um dieses Bild, geht es Yann bei der ganzen Sache.
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SCHWEIZ Rhone gletscher
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KANTON WALLIS
YANNS ROUTE: 160 Kilometer weit liess
sich Aktivist Scussel die Rhone hinuntertreiben, vom Rhonegletscher bis zum Genfersee. THE RED BULLETIN
«Um drei Uhr früh begann ich zu halluzinieren. Ich sah Krokodile in den Fluss kriechen.» Der junge Schweizer, 21 Jahre, breites Kreuz, noch breiteres Lächeln, unter nimmt seit Jahren immer wieder Expedi tionen, die er unter einem Motto zusam menfasst: «Adventures with Conscience» – Abenteuer mit Gewissen. «Ich möchte mit meinen Unternehmungen immer auch eine Botschaft vermitteln», sagt er im Videointerview. «Das ist mir sehr wichtig.» Als Achtzehnjähriger tauchte Yann auf den Bahamas mit Tigerhaien und drehte eine Doku, in der er einige der Mythen über sie widerlegte. Mit neun zehn schwamm er in der Türkei durch die Dardanellen von Europa nach Asien, um eine Krebsstiftung zu unterstützen. Und mit zwanzig wollte er den Kilima ndscharo besteigen, um auf die Arbeits bedingungen der Träger dort aufmerk sam zu machen. Doch kurz bevor es losgehen sollte, kam die Pandemie da zwischen. Weil das Kamerateam, das ihn nach Afrika begleiten sollte, nun aber schon mal in Genf war, beschlossen er und die Kollegen spontan, ein anderes, zunächst klein angedachtes Projekt anzugehen: Sie wollten den Plastikmüll im Genfersee dokumentieren.
Dann machte es Klick. Die Idee für das Projekt «La Grande Descente» – der grosse Abstieg – war geboren. Er würde sich wie ein Stück Plastik die Rhone hin abtragen lassen und mit dem Kamera team eine Kurz-Doku daraus machen, die den Plastikwahnsinn zum Inhalt hat. Yann kontaktierte also Claude-Alain Gailland, der bereits mit Profi-Aben teurern wie Mike Horn gearbeitet hat und das Rhonetal extrem gut kennt. Die Sache sei schwierig, aber machbar, sagte er. Schnell stellte sich auch heraus, dass im Mai der perfekte Zeitpunkt für das Projekt wäre, weil die Rhone dank der Schneeschmelze viel Wasser führt. Yann sah sich Karten an, machte mit seinem Team Erkundungsbesuche an der Rhone und sich selbst ein wenig mit dem Hydro speed-Board vertraut. Und dann, nur drei Wochen nachdem die Idee geboren worden war, stieg Yann mit Claude-Alain ins eisige Wasser am Rhonegletscher. Für die ersten 60 Kilometer brauchen sie etwa zwölf Stunden. Die Strom schnellen sind heftig, manche schlicht nicht manövrierbar. Immer wieder
müssen Yann und Claude-Alain aus dem Wasser steigen und einzelne Passagen am Ufer zurücklegen. Weil sich gegen Ende der ersten 60 Kilometer ein Damm befindet, schleppen sie sich und ihr Ge päck etwa zehn Kilometer weit am Fluss entlang. Sie freuen sich, als sie wieder ins nun etwas ruhigere Wasser der Rhone steigen können. Doch nun steht ihnen schon die nächste Herausforderung be vor: eine Nacht auf dem Fluss.
Nachts trieben Yann und sein Partner schweigend vor sich hin
Als die Sonne untergeht, verschwindet mit ihr auch die letzte Wärmequelle für Yann. Im kalten, nassen Neopren anzug treibt er auf dem Hydrospeed durch die einsetzende Dunkelheit. «Als es Nacht wurde, war die Stimmung sehr speziell», sagt Yann. «Anfangs, in den Stromschnellen, sprachen Claude-Alain und ich noch viel, aber jetzt trieben wir schweigend vor uns hin.» Bald ist es so dunkel, dass sie nur noch sehen, was im Lichtkegel ihrer Stirnlampen auftaucht, und so kalt, dass es unerträglich wird.
IM DUNKELN
Der Lichtkegel von Scussels Stirn lampe im Ortsgebiet von Sitten, dem einzig erleuchteten Stück Weg auf der Nachtstrecke der Flussfahrt.
NICOLAS RIGHETTI
Die Menge an Plastik im Genfersee schockierte Yann
Schon lange ging Yann eine Statistik nicht aus dem Kopf: 14.000 Tonnen Plastik abfall landen jedes Jahr in der Schweizer Natur, allein 50 Tonnen davon im Genfer see. Um diese Zahlen mit Bildern zu ver deutlichen, gingen Yann und das Film team an der Rhonemündung tauchen und filmten die Verschmutzung vor Ort. «Wie wäre es, wenn wir uns wie eine weg geworfene Flasche ein paar hundert Meter auf der Rhone in den See hinein tragen lassen?», schlug jemand aus dem Filmteam plötzlich vor. Yann sah ihn an. THE RED BULLETIN
MUT VS. RISIKO An extrem gefähr lichen Stellen muss Yann (links im Bild) kurz aus dem Was ser steigen und an Land weiter.
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HARTER UNTERGRUND
«Wenn das Zittern aufhört, wird es bedenklich. Dann droht die Unterkühlung.» 48
«Solange du zitterst, ist alles okay», sagt Yann, «dein Körper versucht damit ja, Wärme zu produzieren. Bedenklich wird es, wenn das Zittern aufhört.» Dann näm lich droht eine ernsthafte Unterkühlung, die sogar zum Bewusstseinsverlust füh ren kann. Als es bei Yann so weit ist, müssen sie aus dem Wasser. Sie gehen 15 Minuten, um sich aufzuwärmen, dann
steigen sie wieder für 45 Minuten ins Wasser. Es ist ein Rhythmus, den sie die ganze Nacht über beibehalten. Hin und wieder essen sie etwas; eine echte Pause, um sich auszuruhen oder gar 15 Minuten zu schlafen, legen sie nicht ein. Zu gross ist Yanns Angst, nachher nicht mehr auf stehen und ins Wasser steigen zu können. Dann gleiten sie durch das nächtliche THE RED BULLETIN
LOUIS NAUCHE
Immer wieder schlug Scussel an solchen Stellen gegen Felsen im Flussbett. Manchmal so hart, dass er dachte, sich etwas gebrochen zu haben.
Abenteuer
«Früher wollten Abenteurer nur ihre Flagge auf dem Gipfel hissen. Diese Zeiten sind vorbei.» Sitten, die Lichter der 35.000-Einwohner- Stadt leuchten, spiegeln sich im Wasser, es ist das einzige einigermassen hell erleuchtete Stück Weg der ganzen Nacht. Dann herrscht wieder völlige Finsternis. Immer wieder blickt Yann auf die Uhr. Die Sekunden kriechen. Gegen drei Uhr morgens etwa ist er so erschöpft, dass er eine Halluzination hat. «Ich dachte plötzlich, hinter mir sei ein Krokodil vom Ufer in den Fluss gekrochen und verfolge mich. Es war verrückt. Ich wusste, dass das gar nicht sein konnte, und
CO-PILOT
Claude-Alain Gailland, hier links im Bild, kennt das Rhonetal extrem gut. Er begleitete den jungen Genfer Yann Scussel bei seinem Abenteuer.
GLÜCK UND UNGLÜCK
Yann bei der nkunft am Ufer A des Genfersees – Plastikmüll, wohin das Auge fällt
THE RED BULLETIN
brauchte dennoch eine Weile, um mir klarzumachen, dass ich halluzinierte.» Woran Yann sich in diesen Stunden festhält? «Ich dachte an die grosse Sache, die ich mit dieser Aktion transportieren wollte: auf den Plastikmüll aufmerksam zu machen, auf die Verschmutzung der Seen und Meere.»
Wenn sich Scussel etwas in den Kopf setzt, gibt er nicht nach
Das Wasser ist schon seit der Kindheit Yanns Element. Als kleiner Junge fährt er mit seinem Grossvater, der in Portugal lebt, frühmorgens zum Fischen aufs Meer hinaus. «Mich hat damals schon immer fasziniert, wie das Leben unter der Wasseroberfläche wohl aussieht.» Als Teenager nimmt er an Schwimm wettkämpfen teil, spielt Wasserball, sieht gerne Umwelt-Dokumentationen an – und beschliesst mit siebzehn, selbst eine zu drehen. Für sein Schulabschlussprojekt möchte er auf die Fidschi-Inseln reisen, dort bei einer NGO mitarbeiten, die sich für den Schutz der Haie einsetzt – und mit den Tieren tauchen. Weil ihm
das Geld dafür fehlt, macht er sich auf Sponsorensuche und findet nach vielen Rückschlägen tatsächlich welche. Wenn du deine Ziele erreichen willst, brauchst du Durchhaltevermögen – das lernt Yann schon damals. Als über dem eisigen Wasser der Rhone endlich die Sonne aufgeht, kehrt in Yanns durchgefrorenen Körper etwas Energie zurück. Er muss noch immer mehrere Dutzend Kilometer zurücklegen, aber er hat die Stromschnellen überstanden. Und die Nacht. «Die härteste meines L ebens», wie er sagt.
Das nächste Abenteuer mit Botschaft ist bereits geplant
Kilometer für Kilometer nähert er sich nun dem Genfersee. Das Wasser der Rhone, oben am Ursprung klar und sauber, trägt zunehmend mehr Schlamm und Müll mit sich. Als Yann nach 29 Sunden schliesslich in den Genfersee hineingespült wird – das Seewasser erscheint ihm warm wie in einer Badewanne – und am Ufer ankommt, ist er glücklich und erschrocken zugleich: Überall liegt Plastikmüll. Ein auf deprimierende Weise perfekter Ort für das Ende einer symbolhaften Reise. Rund 4000-mal wurde Yanns Kurzfilm über den Rhone-Trip mittlerweile auf YouTube angeklickt. Die Aktion zeigt Wirkung. Und das macht ihm Mut, auch das Kilimandscharo-Projekt weiterzu verfolgen. Neben seinem Studium der Internationalen Beziehungen, das er in Genf absolviert, arbeitet er weiterhin daran. Mittlerweile hat er es etwas erweitert: Neben dem höchsten Berg Afrikas will er auch den Mont Blanc und das Matterhorn besteigen, jeweils völlig auto nom, also ohne fremde Hilfe, und ohne Müll zu hinterlassen. Er möchte damit Menschen dafür sensibilisieren, welche sozialen und ökologischen Folgen es hat, wenn sie im Gebirge unterwegs sind, und zeigen, dass es auch anders geht. «Die Zeit der Abenteurer, die einen Gipfel bestiegen, nur um dort oben ihre Flagge hineinzustecken, ist meiner Meinung nach vorbei», sagt Yann. «Wenn ich eine Expedition mache, dann möchte ich dem Ort, den ich besuche, etwas zurückgeben. Zum Beispiel, indem ich auf eines der Probleme dort aufmerksam mache. Beides gehört für mich zusammen.» Video «La Grande Descente»: Yanns abenteuerliche Reise in der Kurzdokumentation – QR-Code scannen
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TEAM-MEETING
E-Sports-Trainer Fabian Lohmann mit den Pappfiguren seiner «League of Legends»Mannschaft in Berlin.
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THE RED BULLETIN
E-Sports
Was wird hier gespielt, Herr Lohmann?
FABIAN LOHMANN, 25, ist Europas erfolgreichster E-Sports-Trainer. Hier gibt er uns einen Crashkurs über die Welt der Profi-Gamer: über MillionenPreisgelder, Shitstorms aus China und Stars, die mit 25 in Rente gehen. Text MARC BAUMANN Fotos NORMAN KONRAD THE RED BULLETIN
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Warum ist ausgerechnet das Echtzeit-Strategiespiel «League of Legends» bei E-Sports-Turnieren das beliebteste Game der Welt?
ERFOLGSCOACH
Lohmann im Pokalraum des Hauptquartiers seines E-Sports-Teams G2 in Berlin
E-Sports
boomt, weltweit und auch in der Schweiz. Die Spieler messen sich in Sportsimulationen, aber auch in Egoshootern wie «Call of Duty» oder «CounterStrike». Das bei weitem beliebteste Wettbewerbsspiel ist allerdings das Echtzeit-Strategiespiel «League of Legends» («LoL»). Nur um die Dimensionen einmal zu verdeutlichen: Ein Startplatz in der höchsten europäischen «LoL»-Liga w urde kürzlich um 25 Millionen Euro verkauft. E-Sports ist nicht nur für Spieler attraktiv, es zieht auch immer mehr Zuschauer an: Inzwischen füllen die Turniere auch die grössten Stadien. Die grosse Masse der Fans schaut aber auf dem Online-Streaming-Dienst Twitch oder via YouTube zu. Während viele Top-Teams und Superstars in Asien daheim sind, ist bei den E-Sports-Trainern ein Deutscher an der Weltspitze vertreten: Fabian Lohmann, 25, Kampf name «GrabbZ», aus Wolfsburg, kam mit seiner Mannschaft G2, formiert aus europäischen Top-Spielern, 2019 bis ins WM‑Finale von «League of Legends». Wir haben uns von ihm die Welt von E-Sports erklären lassen. 52
Im Mai feierte «League of Legends» («LoL») einen Zuschauerrekord bei Twitch: Die User streamten das Spiel mehr als 174 Millionen Stunden. Dabei ist die Spielidee von «LoL» gar nicht so originell: Zwei Teams mit je fünf Spielern treten gegeneinander an. Jetzt, zwölf Jahre nach der Markteinführung, ist die Beliebtheit des Online-Multiplayer-Games immer noch ungebrochen. Im Gegenteil: Sie wächst sogar noch. Warum? «LoL» ist einfach zu spielen, aber schwer zu meistern. Es gibt 150 Helden zur Auswahl: Jeder von ihnen hat unterschiedliche Fähig keiten, Stärken und Schwächen – nicht einmal ein Profitrainer wie Fabian «GrabbZ» Lohmann kann sich die Eigenschaften aller Figuren merken, wie er gerne zugibt. Die ultimative Herausforderung besteht jedoch darin, dass die Entwickler von Riot Games, Erfinder von «LoL» und in L. A. beheimatet, alle zwei Wochen ein Update («Patch») herausbringen, das das Spiel jedesmal stark verändert. So, als würde der Fussballweltverband beschliessen, dass Kopfballtore plötzlich doppelt zählen. «Wir hatten bis Mitte 2020 einen sehr aggressiven Spielstil, ich wusste damals genau, welche Helden wir wählen mussten. Dann kam ein Patch, mit dem die Entwickler entschieden, dass dieser offensive Stil deutlich schwieriger zu spielen ist – und wir mussten uns total um stellen», e rinnert sich Lohmann. THE RED BULLETIN
E-Sports
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Was müssen HobbyGamer mitbringen, um unter 100 Millionen aktiven Spielern zur Weltelite aufzusteigen? Wer wirklich sein Geld mit E-Sports verdienen möchte, muss schnell sein, vor dem Bildschirm wie im Leben: Mit 17 Jahren darf man Profi werden, mit Mitte 20 enden die meisten Karrieren schon wieder. Der Weg zur Spitze sieht bei «LoL» zum Beispiel so aus: Erst einmal gilt es, sich auf Level 30 hochzuspielen, um überhaupt Ranglistenspiele machen zu können. Und dann reiht man sich in eine sehr lange Schlange ein: «Wir haben fünf Millionen Ranglistenspieler in Europa, davon werden vielleicht 50 Profi», sagt Fabian Lohmann. Trotzdem sind Hunderttausende bereit, jeden Tag bis zu zwölf Stunden zu spielen, um richtig, richtig gut zu werden. Bis die Profimannschaften auf einen Spieler aufmerksam werden, muss der in der Rangliste in den niedrigen dreistelligen Bereich hinaufklettern. Lohmann: «Unsere Mannschaft G2 trainiert 12, 13, 14 Stunden – jeden Tag.» Und die «LoL»-Saison ist lang, elf Monate am Stück. Unter den Millionen Ranglisten- Spielern sind nur – geschätzt – tausend Frauen, so Lohmann. «Aber es kommen immer mehr Frauen dazu. Die Türen stehen ihnen offen, sofern sie bereit sind, den exzessiven ‹LoL›- Lebensstil zu führen.»
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Kochen, Fitness, Stress: Wie wird man eigentlich E-Sports-Trainer?
«Bei Videospielen habe ich zwei linke Hände», sagt Fabian Lohmann. Im Jahr 2010, im Alter von 14 Jahren, spielte er erstmals «LoL», «ich war spät dran als E-Sportler». Gleichzeitig aber hatte er einen guten Zeitpunkt erwischt, um in die noch junge Szene hineinzurutschen: Ein paar Jahre später arbeitete Lohmann neben dem BWL-Studium als Analyst für «LoL»-Teams. Die dynamische, junge E‑Sports-Szene begeisterte ihn mehr als das theoretischere Studium. Im Februar 2016, mit knapp zwanzig, wurde er erstmals Cheftrainer. Fabian Lohmanns grosse Stärken sind Motivation und Stressmanagement. «Früher habe ich jede Niederlage öffentlich auf meine Kappe genommen, um das Team zusammenzu halten», erzählt Lohmann. 50 Prozent seines Jobs seien Psychologie, 20 Prozent Organisatorisches und 30 Prozent taktisches Arbeiten am Spiel. Ausserdem muss er am Ende seiner randvollen Arbeitstage noch schauen, was die koreanische oder chinesische Liga so treiben. GrabbZ leitet auch ein Team von mehreren Analysten, einem Fitnesstrainer und einem sehr gesundheitsbewussten Koch – man muss ja nicht jedes E-Sportler- Klischee erfüllen.
Lohmanns Spieler wissen oft nicht, was sie gestern gegessen haben – können aber drei Jahre alte Partien analysieren. THE RED BULLETIN
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Wie formt man aus chaotischen Charakterköpfen ein eingeschworenes E-Sports-Team? Im Wettbewerb agieren seine Spieler messerscharf analytisch, brillieren mit hohem mathematischem Verständnis, berechnen blitzschnell Schadenspunkte und richten ihre Taktik danach aus. «Aber wo sie ihr Handy wieder haben liegen lassen, ist dann als Information nicht mehr gespeichert», erzählt Fabian Lohmann lachend. Seine Spieler wissen oft nicht, was sie gestern gegessen haben, aber sie können dir sagen, wie vor drei Jahren eine unwichtige «LoL»-Partie abgelaufen ist. Als Fabian Lohmann vor fünf Jahren als Coach anfing, hatte der ehemalige Landesliga-Fussballer ein ganz klares Bild davon, wie ein Trainer sein sollte – «aber das hat sich dann gleich er ledigt, weil E-Sportler andere Bedürfnisse und Vorstellungen haben als Fussballer». Er merkte ausserdem, dass seine sehr deutsche Vorstellung von Disziplin weder modern noch umsetzbar ist in E-Sports – mit Spielern aus Slowenien, Polen, Dänemark oder Schweden. Der erste Schritt war, zu verstehen, warum seine Spieler manche Dinge so und nicht anders haben wollten, und um diese Erkenntnisse herum funktionierende Strukturen zu schaffen. «Für die einen Spieler ist ein strukturierter Tagesablauf sehr wichtig, für andere ist so was eher schlecht. Da muss ich als Trainer herausfinden, wie ich diese Wünsche unter einen Hut bringen kann.» Lohmanns Leit faden geht so: Vertrauen schaffen, offen über alles reden können, kon stant sein in Entscheidungen und berechenbar bleiben.
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E-Sports
Zocken nach Zahlen Herzrasen wie im Formel-1-Cockpit, Marktwerte wie Top-Fussballer, eine Gaming-Community fast so gross wie Japan: Hier sind die Fakten zum E-Sports-Boom.
IMMER MEHR ZUSCHAUER 5,41 Millionen Menschen verfolgten 2021 vor ihren Bildschirmen die erste Final runde der «Free Fire World Series», ein Turnier in einem mobilen Game aus der Adventure-Abteilung. Kein E-Sports-Event hatte bis dahin mehr Zuschauer. Zwei Jahre vorher war es gerade einmal die Hälfte gewesen (2.016.157).
LAND DER SPIELER 115 Millionen Menschen spielen «League of Legends». Würden sie alle in einem Land wohnen, bildeten sie die zwölftgrösste Nation der Welt.
Platz 1 China 1.434 Mio. 54
Platz 3 USA 331 Mio.
Platz 9 Russland 146 Mio.
Platz 11 Japan 126 Mio.
Platz 12 «League of Legends»Spieler 115 Mio.
Platz 17 Deutschland 84 Mio.
Platz 96 Österreich 9 Mio.
Platz 99 Schweiz 8,7 Mio.
THE RED BULLETIN
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MONUMENTALE MARKTWERTE 410 Millionen Euro beträgt der Marktwert des E-Sports-Teams «TSM» – etwa so viel wie jener des europäischen Fussball-Topklubs Ajax Amsterdam.
BLITZARTIGE REAKTIONEN Erst wirkt der Wert gering: Die Reaktionszeit von E-Sportlern ist nur 21 Millisekunden kürzer als bei Normalsterblichen – so viel Zeit braucht ein Airbag, um sich aufzublasen. Aber im Spiel unterscheidet genau das zwischen Weltklasse und Amateuren.
HERZKLOPFEN
OLE HÄNTZSCHEL
Bis zu 180-mal pro Minute schlägt das Herz eines E‑Sportlers im Spiel – so eine Studie der Deutschen Sport hochschule Köln über Strategie-Spieler. Auf so einen Wert kommen Formel-1-Fahrer, wenn sie auf die erste Kurve zurasen.
FLIEGENDE FINGER
DAVID MAYER
Bis zu 600 Finger bewegungen pro Minute führen E-Sportler während der Kämpfe bei Real-Time-Strategie spielen an der Maus, am Controller oder am Keyboard aus.
THE RED BULLETIN
PRÄCHTIGE PREISGELDER 13,18 Millionen Euro kassierte das E-Sports-Team «OG» 2019 für einen Turniersieg im MultiplayerOnline-Game «DOTA 2». Zum Vergleich: TennisAss Novak Djokovic bekam für seinen Wimbledon- Sieg im selben Jahr 2,73 Millionen Euro.
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Busfahrt im Gucci-Bademantel: Wie ticken Stars in E-Sports?
E-Sports-Superstars sind nicht so reich wie junge Profifussballer, die mit achtzehn oder neunzehn oft bereits Multimillionäre sind. Aber die besten Spieler bei «League of Legends» bekommen ein Gehalt, das sich viele Menschen wünschen würden. Teilweise sechsstellig im Jahr. Lohmann: «Wenn ich merke, dass ein Spieler unnötigen Luxus kauft, dann rede ich mit ihm. Mein Team ist da sehr vernünftig, gleich mehrere haben sich Häuser oder Wohnungen gekauft, die Eltern achten da drauf», sagt Lohmann. Aber klar, ein bisschen Protzen kommt schon einmal vor – zwei Spieler haben sich etwa zum Spass Gucci-Bademäntel für 5000 Euro das Stück gekauft. Es gab dann ein Foto von den beiden, wie sie im Bademantel aus dem Teambus steigen – ein grosser Spass! Lohmanns bekanntester Spieler hat eine halbe Million Follower auf Twitter. Die Leute in E-Sports definieren sich sehr über den Erfolg in sozialen Medien und auf Streamingdiensten wie Twitch. Aber nur viele Follower zu haben und wenig Leistung zu zeigen geht in E-Sports nicht: «Die Fans lassen einen sonst schnell fallen», weiss Lohmann. Nachsatz: «Superstars sind auch die besten Spieler, weil sie für besondere Momente sorgen.» Und: Sie kennen ihren Wert. «Früher war ich bei schwächeren Teams, da konnte ich sagen: ‹Verbessert euch, oder ihr spielt nicht mehr›», sagt GrabbZ. «Jetzt arbeite ich mit fünf Stars, die genau wissen, dass man sie nicht so leicht austauschen kann.» 56
Warum sind Chinesen, Südkoreaner und Japaner in E-Sports überlegen? In China und Korea trainieren die Profis 16 Stunden am Tag, das ist dort die Erwartungshaltung. «Es gibt kultu rell grosse Unterschiede bei E-Sports – in Asien wird sehr autoritär gearbeitet, die haben ja schon als Schüler viel mehr Leistungsdruck», meint Fabian Lohmann. «Ich kann von meinen Spielern nicht verlangen, den knallharten asiatischen Weg zu gehen.» Kleiner Einschub: In China hat die Regierung vor kurzem autoritär eingegriffen. Unter 18-Jährige dürfen künftig nicht mehr als drei Stunden pro Woche Computer spielen, was die E-Sports-Szene hart treffen wird. «Wir Europäer werden von den Asiaten ‹die Künstler› genannt, weil wir Konventionen nicht so ernst nehmen und unser eigenes Ding machen», sagt GrabbZ. In Turnieren sind die Europäer anfangs hinten. Aber weil sie nicht ganz so hart trainieren, haben sie noch Reserven, um sich im Turnier zu steigern. Darum war die Verblüffung der Koreaner gross, als sie erstmals gegen Europäer verloren. Lohmann weiss noch, wie Superstar Lee «Faker» Sang-hyeok bei einem Turnier an ihm vorbeigelaufen ist. «Ich merkte: Der weiss gar nicht, wer wir sind. Seit wir gegen sein Team gewonnen haben, ist sein Lächeln anders – er nimmt uns jetzt ernst.»
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Wie gehen E-Sportler mit Shitstorms um? Wenn GrabbZ und sein Team ein Spiel verlieren, müssen sie nicht fürchten, am nächsten Tag in der «Bild»-Zeitung in der Luft zerrissen zu werden. Klassische Medien berichten selten über E-Sports. Feedback bekommen die E-Sportler auf Reddit, Twitch und Twitter. Vor allem Lob und Unterstützung. Aber auch das Gegenteil davon: Lohmann hatte einen Spieler, der im Spass sagte, die Chinesen würden unter sich ihre Strategien absprechen – «und dann haben ihm über Nacht 20.000 Chinesen auf Twitter ein paar nicht so nette Kommentare dagelassen». Das muss er seinen jungen Spielern ebenfalls beibringen: souverän durch einen Shitstorm zu segeln. Lohmanns Tipp für alle, die Ärger im Netz haben: relativieren, was wirklich passiert. «Man weiss ja, wie ein paar Leute die Anonymität nutzen, um Dampf rauszulassen.»
Vorsicht bei Scherzen über Gegner: Über Nacht antworten 20.000 chinesische Fans auf Twitter. THE RED BULLETIN
Das Paradies in allen Jahreszeiten…
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ie Alaïa Bay liegt im Herzen der Schweizer Alpen und ist das erste Surfbecken in Kontinentaleuropa. Es ist wahrscheinlich der spektakulärste Surfspot egal für welchen Level.
Sion - Valais W W W . A L A I A B A Y . C H
Für das Surfen im Winter bieten wir die richtige Ausrüstung und mit der Bewegung im Wasser riskiert man auch nicht sich zu erkälten. Nach der Session gibt es eine heisse Dusche und danach eine warme Mahlzeit mit einem erfrischenden Bier. Adam Bonvin Gründer von Alaïa
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Was kann der Fussball von E-Sports lernen? Der Weltfussballverband schaut ge nau auf die E-Sports-Szene, denn das reale Spiel verliert in der Zielgruppe der 15- bis 21-Jährigen beständig Zuschauer an E-Sports. Einen Macht wechsel in der Zuschauergunst sieht Fabian Lohmann aber (noch) nicht: «Es mag einzelne Spiele geben, wo die Zuschauerzahlen in E-Sports an die eines Fussball-Bundesligaspiels herankommen. Aber es wäre ver messen zu glauben, dass E-Sports auf Augenhöhe mit Fussball oder American Football ist.» Viele ältere Menschen, gerade in Deutschland, sind noch nicht so firm in der digitalen Welt, dass sie E-Sports auf dem Schirm hätten. «Es gibt aber tatsächlich schon E-Sports-Fans, die schon so lange dabei sind, dass sie mit ihren Kindern Partien oder Tur niere schauen – das finde ich ultra süss», sagt Fabian Lohmann.
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50 Prozent seines Jobs, sagt E-Sports-Trainer Lohmann, bestehen aus Psychologie.
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Warum gehen die meisten E-Sportler schon mit Mitte 20 in Rente? Einer Studie zufolge nimmt die Re aktionsfähigkeit bei Männern erst mit 30 Jahren ab, so lange könnte man theoretisch als E-Sports-Profi an der Weltspitze mithalten. Aber der Lebens stil ist fordernd: Viele Spieler sagen mit 25, 26 Jahren, sie wollen nicht mehr 14 Stunden am Tag – jeden Tag! – ein Computerspiel spielen. Schliess lich verpasst man als E-Sports-Profi einiges, was Gleichaltrige als Teen ager oder mit Anfang zwanzig er leben und ausprobieren. 58
Würden Spieler auch einen Coach akzeptieren, der 40 oder 50 Jahre alt ist? «Ich denke, das einzige Problem wäre, dass die Schere der emotionalen Reife zu gross wird. Dass man als Trainer irgendwann zu alt ist, um die Spieler zu verstehen.» Fabian Lohmann bereitet sein Team auch auf das Leben nach der eher kurzen Karriere vor und ermuntert sie, Eigeninitiative zu entwickeln: «Nutzt Sponsorentermine, zeigt euch in der Öffentlichkeit.» Influencer zeigten ja, dass viele Follower ein Standbein für später sein können. Viele Ex-Spieler bleiben in E-Sports, werden Trainer, Kommentatoren, betreiben eigene Streams. Andere Spieler suchen bewusst den Bruch, machen die Schule fertig, studieren oder wollen endlich die Welt sehen.
In welcher Hinsicht sich traditionelle Sportarten – vor allem der Profi fussball – von E-Sports eine Scheibe abschneiden könnten, ist die Nähe zum Fan. Auf Twitter können E-SportsFans etwa jeden Spieler anschreiben und haben eine reelle Chance, eine Antwort zu bekommen. Vorbildlich auch die digitalen «Ask me anything»- Fragerunden für Fans, bei denen man wirklich etwas von den Profis erfährt – und nicht nur einstudierte Floskeln. Den Reiz eines mit echten Fans ge füllten Stadions hat Fabian Lohmann aber auch am eigenen Leib erfahren: «2019 haben wir den koreanischen Meister im WM-Halbfinale in einer Stierkampfarena in Spanien besiegt, da war eine Atmosphäre wie beim Fussball, Fangesänge inklusive. Und nach den Presseterminen haben immer noch tausende Fans auf uns gewartet.» E-Sports-Coach Fabian Lohmann beim Training über die Schulter schauen? Scanne den QR-Code für unsere Video-Doku. THE RED BULLETIN
FLÜÜÜGEL FÜR DEN WINTER.
MIT DEM GESCHMACK VON GRANATAPFEL.
NEU
BELEBT GEIST UND KÖRPER.
Hoch die Räder! In New York erkämpfen sich Wheelie-Artisten auf ihren Bikes einen Platz in der City. In der Szene zählen Tricks, Respekt und eine ganz eigene Form von Freiheit. Fotos BEN FRANKE
Bike Life
STRASSEN-KÜNSTLER
Bike-Trickser Jae Milez im ashington Square Park in ManW hattan. Der New Yorker beherrscht den szenetypischen «Wheelie» sogar ohne Vorderrad.
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«Ich habe schon verfeindete GangMitglieder gesehen, die nebeneinander Tricks vorzeigen. Unsere Bike‑Kultur ist ein positives Ventil.» JAE MILEZ
Bike Life
AUSRITT VOR DER SKYLINE
New Yorks Bike-Life-Enthusiasten bei einer ihrer Gruppenfahrten, hier über die Brooklyn Bridge
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Bike Life
HIER KOMME ICH!
Trick-Session in Chinatown: Bike-Life-Fahrer El Arte springt über seinen Kumpel Luis Banks.
STIL-IKONE Bike-Artist Obloxkz wuchs in der Bronx auf. Heute folgen ihm 18.000 Fans auf Instagram. Hier zeigt er seinen Lieblingstrick in Manhattan.
«Als ich die ersten WheelieFahrer sah, wusste ich, das ist mein Ding.» CURLY, TRICK-FAHRERIN
IM GLEICHGEWICHT «Immer mehr Frauen sind in der Szene am Start», sagt Trick-Fahrerin Curly, die hier einen eleganten Wheelie zeigt. THE RED BULLETIN
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Bike Life
GEMEINSAM STARK Die Regeln der Bike-Life-Szene sind einfach: Wer ein Rad hat und andere respektiert, ist dabei. Hier trifft sich die Gruppe zum Ausritt in Downtown Manhattan.
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ae Milez braucht auf seinem Bike kein Vorder rad. Er fährt sowieso ausschliesslich auf dem Hinterrad, also hat er es gleich ganz abmontiert. Wenn der 23-Jährige mit den schwarzen Rastazöpfchen seine Lenkstange hochzieht, schlängelt er sich mühelos durch den dichten Verkehr Man hattans. Wheelie ohne Pause – und auch ohne Alternative. Ganz easy. Denn auf dem Hinterrad ist Jae Milez in seinem Element. Der «Wheelie», also das Balancieren auf dem Hinterrad des Bikes, ist Erken nungszeichen und Ehrensache zugleich in der «Bike Life»-Szene von New York. Unter dem Begriff ist in den vergange nen Jahren eine neue urbane Subkultur entstanden. Meist sind es Jugendliche of color, die das Tricksen auf dem Rad für sich entdeckt haben: nicht in erster Linie als umweltfreundliche Art, von A nach B zu kommen, sondern als Ausdrucks form und Lifestyle, um in der öffent 66
lichen Wahrnehmung Aufmerksamkeit zu erregen – und um einen Platz in der City einzufordern. New York ist nur eine von vielen US-Metropolen, die derzeit diese Nischenkultur erleben. In Newark, Boston, Philadelphia, Oakland oder Los Angeles spielt sich das Gleiche ab. Wenn Jae Milez mit seinen Freunden die Strassen zwischen der Bronx und der Wall Street unsicher macht, erregt das zuverlässig Aufsehen. Erstens, weil sie so viele sind. Die Schwärme, in denen die Radler bei ihren «Mass Rides» in der Stadt auftreten, können sich schon mal über drei Blocks erstrecken. Zweitens, weil die Bike-Life-Grup pen eine ganze Palette von Tricks drauf haben: Da werden Pedale, Sättel und Lenkstangen spielerisch in akrobatische Figuren eingebaut, da schleifen Hände am Boden, und immer ist das Vorderrad in der Luft. Meist stacheln sich die Fahrer gegenseitig zu immer neuen Höchst leistungen an. Die Bike-Life-Szene lebt von Individualisten, die aber den gegen seitigen Support hochhalten.
Klar erregen die Biker-Gruppen Aufsehen. Ihre Schwärme erstrecken sich oft über drei Blocks. THE RED BULLETIN
Bike Life
»People judge us on what they see. I just wish they respected us like BMX riders” OBLOXKZ
GRUPPENFOTO Bike-Life-Fahrer Obloxkz (Mitte) mit vier seiner Kumpels im Abendlicht Manhattans: Besonders für Schwarze Jugendliche geht es in der Szene auch um Sichtbarkeit.
Aber warum wurde ausgerechnet das Fahrrad zum Ausdrucksmittel? Das habe mit der weitgehend elitären Geschichte des Sportradelns in den USA zu tun, meint die amerikanische Stadt-Architektin und Bloggerin Taz Khatri: «Radfahrclubs haben Afroamerikaner, Amerikaner mit asiatischen Wurzeln sowie Arme und Ureinwohner die längste Zeit aus geschlossen.» Jetzt sorgt Bike Life für ein starkes Gemeinschaftsgefühl in der Community. «Bikes vereinen alle», sagt Jae Milez. «Ich habe schon Mitglieder verfeindeter Gangs gesehen, die nebeneinander Tricks zeigen, nur wegen der Freude am Biken. Das ist ein absolut positives Ventil.» Sein Kollege mit dem Künstlernamen Obloxkz, gern auch O genannt, ebenfalls aus der Bronx und seit vier Jahren mit von der Partie, meint: «Für mich bedeutet Biken Gemeinschaft und Familie. So drücken wir uns aus.» O hat es ausdruckstechnisch inzwischen zu einer derartigen Meisterschaft gebracht, dass ihm 18.000 Fans auf Instagram folgen. 68
Seit drei Jahren hat er einen Sponsor – ein auf Street Bikes spezialisiertes Unternehmen aus Los Angeles. Obwohl bis jetzt Männer die Bike-LifeKultur ganz klar dominieren, haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr Frauen der Bewegung angeschlossen, was ihr deutlich mehr Style und Flair verleiht. Die New Yorkerin Curly ist ein gutes Beispiel: 2017 hing sie gerade vor ihrem Block an der Lower East Side herum, als ein paar junge Männer mit den Vorderrädern hoch in der Luft vorbeicruisten. «Das war eine Schicksalsbegegnung», erinnert sich Curly. «Jetzt konzentriere ich mich ganz auf meine Tricks.» Zugegeben, ganz einfach ist das nicht. Normalerweise dauert es zwei, drei Monate, bis man den Wheelie sicher beherrscht. «Zuerst fand ich mich nur peinlich, also habe ich allein auf einem Parkplatz geübt», erzählt Curly. Aber der Support aus der Gruppe überzeugte sie dann doch. Mittlerweile balanciert sie ziemlich selbstbewusst auf dem Hinterrad durch ihre Stadt.
«Für mich bedeutet Biken Familie und Gemeinschaft. So drücken wir uns aus.» OBLOXKZ, TRICK-FAHRER
WHEELIE-HELDEN
Für die Film-Doku zu New Yorks «Bike Life»-Kultur einfach den Code scannen. THE RED BULLETIN
GUIDE Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen
SIE HEBT AB
DOM DAHER/RED BULL CONTENT POOL
X-Games-Siegerin Mathilde Gremaud verrät ihre InsiderTipps für Saas-Fee.
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Heimvorteil: Freeskierin Gremaud schrieb in Saas-Fee Geschichte.
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um ersten Mal stand ich mit zwei Jahren auf Ski. Ich komme aus Fribourg, und dort gab es keine Kicker zum Springen oder Halfpipes zum Vorführen irgendwelcher Tricks. Was es aber gab, war eine Menge toll kühner Jungs, mit denen ich meinen Mut auf selbst gebauten Schanzen, auf dem Trampolin und beim Skate boarden trainierte. Meinen ersten Wett bewerb absolvierte ich mit dreizehn. Mit siebzehn gewann ich meine erste Goldmedaille beim Big Air der X Games, auf die dann weitere Siege folgten, auch im Weltcup. Meinen bis jetzt glorreichsten Moment erlebte ich aber in Saas-Fee. Vor einem Jahr habe ich dort beim Training als erste Frau einen besonders spektakulären Trick geschafft: den Switch Double Cork 1440, eine rückwärts angefahrene Vier fach-Rotation, die auch verkehrt gelan det wird. Wann immer ich in Saas-Fee trainiere und der Himmel so blitzblau ist wie an jenem Tag, fühle ich mich an diesen Moment zurückversetzt.
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«Saas-Fee hat mir meinen bis jetzt glorreichsten Moment geschenkt: Ich habe hier als erste Frau den Switch Double Cork 1440 geschafft.» Mathilde Gremaud, 21, Freestyle-Skifahrerin
Das Dorf ist schön ruhig, weil es keinen Autolärm gibt. Das Dorf Saas-Fee ist sehr alt und sehr hübsch mit seinen verwinkelten Gassen. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren sind seit Jahrzehnten verboten, nur Elektro fahrzeuge sind zugelassen. Die meisten gehen aber zu Fuss oder sind mit V elos unterwegs. Deshalb ist es auch so schön ruhig. Saas-Fee liegt am Eingang eines V-förmigen Tals, das sich weiter hinten zu einem U-Tal weitet. Vom Gletscher aus eröffnet sich ein Panoramablick über die Walliser Alpen. Am liebsten mag ich den Anblick des Allalin (4027 m), der eine wunderschöne Kuppe aus Schnee und Eis hat.
Freestyle-Action: Mathilde in der Halfpipe … THE RED BULLETIN
GUIDE Reisen
Zürich Bern
Schweiz Visp
KANTON WALLIS
Saas-Fee
Anreise Mit dem Auto: Saas-Fee liegt dreieinhalb Autostunden von Zürich entfernt. Von Genf ist man drei Stunden unterwegs. Parkieren kann man auf dem grossen Parkplatz beim Dorfeingang. Mit der Bahn: Ab den Flughäfen Zürich, Genf, Basel und Mailand dauert die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrs mitteln etwa drei Stunden. Zwischen Visp und Saas-Fee verkehren Busse im Halbstunden-Takt.
Hotspot der Freestyle-Szene: Mathilde landet einen Sprung in der Quarterpipe.
… und gut drauf auf der Piste im Snowpark THE RED BULLETIN
DOM DAHER/RED BULL CONTENT POOL (3), LORENZ RICHARD/RED BULL CONTENT POOL (2)
SIMON SCHREYER
Infos unter: saas-fee.ch
Bank-Pause: Mathilde in den Gassen von Saas-Fee
Gut zu wissen Gut essen und trinken könnt ihr im Restaurant Skihütte neben dem Hotel Burgener – die haben auch eine be heizte Terrasse. Hier komme ich oft auf einen Drink her. G egenüber befindet sich die ausgezeichnete Pizzeria Boccalino, die täglich von 11.30 bis 21 Uhr geöffnet hat. Für sportliche Unterhaltung sei der Sportplatz Kalbermatten empfohlen – mit Tennisplatz, Skatepark und Driving Range. Weiters gibt es in der Region Saas-Fee/Saastal drei Minigolfanlagen. Die Umgebung ist auch ein echtes Paradies für Mountainbiker und Wanderer.
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GUIDE Reisen
Der Snowpark ist der Hotspot der Schweizer Szene.
«Respekt ist wichtig: Hier wartet man mit Profis gemeinsam vor den Kickern.» Mathilde Gremaud
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Ich komme regelmässig nach Saas-Fee, um im Sommer und Herbst mit dem Schweizer Freestyle-Nationalteam zu trainieren. Der Snowpark dort ist der Hotspot unserer Szene und bietet mir nicht weniger als das Optimum: Die Anfahrten zu den Kickern sind steil und die Ausläufe lang. Die Bedingungen für unseren Sport sind auf diesen Obs tacles perfekt. Für alle Amateure bietet der Snowpark auch die unbezahlbare Gelegenheit, den Profis aus nächster Nähe zusehen und sich einiges ab schauen zu können. Im Winter gibt es hier in Saas-Fee einen eigenen Snowpark weiter unten im Tal, der Park auf dem Gletscher ist nur im Sommer und Herbst in Betrieb. Er bietet Rails und ab Oktober auch eine Quarterpipe. Darüber hinaus gibt es
zwei grosse sowie einen mittelgrossen Kicker, der sich vor allem für einfache Tricks eignet. Pros und Mid-Level-Freeskier nützen die Kicker übrigens gemeinsam. Alle warten respektvoll, bis sie an der Reihe sind, egal ob Profi oder nicht. Mein Tipp: Als absoluter Anfänger würde ich zuerst auf selbst geschaufelten Schanzen üben, Erfahrung sammeln und erst dann in den Snowpark wechseln. Auf den kleinen Schanzen haben wir schliesslich alle unser Lehrgeld gezahlt. Das gehört zur Reise dazu! Mehr über Mathilde: mathildegremaud.ch Instagram: @mathilde_gremaud, @saasfee Infos und Preise: saas-fee.ch THE RED BULLETIN
DOM DAHER/RED BULL CONTENT POOL (2), LORENZ RICHARD/RED BULL CONTENT POOL SIMON SCHREYER
Mathilde auf den Rails im Snow park Saas-Fee, im Hintergrund ist das Allalinhorn zu sehen.
GUIDE Gaming Fast wie in echt: In «Riders Republic» erkunden Spieler auf Bikes oder im Wingsuit hyperreale Welten.
und sogar mit dem Snowmobil erforschen. Im MultiplayerModus sind zudem auch Wettkämpfe möglich.
Fühlt sich an wie echt Die Entwickler des Videospielherstellers Ubisoft haben die jeweiligen Landschaften mit ihrer Flora und Fauna sowie die Bodenbeschaffenheit unheimlich realistisch hinbekommen. Dazu gibt es Gerät und Ausrüstung von angesagten Marken wie Santa Cruz, Specialized oder YT. Unterm Strich: ein gigantischer digi taler Spielplatz für (virtuelle) Adrenalin-Jünger.
Atmen wie die Profis
In diesem Ubisoft-Game wirst du Action-Sportler. Mit Herzrasen, aber ohne Risiko. Nur eine Handvoll Mountain biker – heuer sind es 15 – darf jedes Jahr am Red Bull Rampage teilnehmen. Mit gutem Grund: Die meisten Sportler wären mit den Anforderungen des legendären MountainbikeFreeride-Events heillos überfordert. Die Fahrer stürzen sich von einer winzigen Plattform in 240 Meter Höhe fast senkrecht über die Felsen des Zion-Nationalparks im USBundesstaat Utah. Ausserdem gibt es keinen fixen Kurs. Die Teilnehmer «schnitzen» sich ihre Strecke mit Schaufeln und Hacken selbst aus dem Sandstein. Entsprechend spektakulär ist die Veranstaltung für Zuschauer: Legendär ist etwa der 18-Meter-No-Hander-Jump 76
von Kyle Strait aus dem Jahr 2013 oder Nicholi Rogatkins Sturz von einen neun Meter hohen Felsen im Jahr 2015, nach dem er sich abputzte und seinen Lauf ungerührt fortsetzte.
«Es ist, als würdest du beim Red Bull Rampage fahren.» Rémi Salomon, Videospiel-Designer
Ab in den Nationalpark Selbst teilnehmen? Nicht mal dran denken: Selbst für die meisten Profis ist das Red Bull Rampage eine Spur zu steil. Doch nun können wir alle die Erfahrung machen, wie es sich anfühlt, in Utah am Start zu stehen: Im neuen SportGame «Riders Republic» kann Red Bull Rampage nachgespielt werden – und das ist nur ein Abenteuer in der virtuellen Extremsport-Welt. Neben Zion können sechs weitere US-Nationalparks ausgewählt werden – Yosemite, Bryce Canyon, Grand Teton, Canyonlands, Sequoia und Mammoth Mountain –, wobei die Spieler die Gegend nach Lust und Laune mit dem Bike, per Ski oder Snowboard, in Wingsuits
Positiver Stress Die grösste Schwierigkeit sei es gewesen, sagt Salomon, die Art Anspannung beim Spieler zu erzeugen, die so eine Erfahrung erst prickelnd macht. «Wir haben die StressSituationen ganz genau analysiert», erklärt der Entwickler. Das Ziel: «Obwohl das Spiel natürlich komplett ungefährlich ist, soll es sich doch gefährlich anfühlen.» «Riders Republic» ist seit Oktober für PS4, PS5, Xbox One und S eries X/S, Google Stadia und Microsoft Windows erhältlich. ubisoft.com THE RED BULLETIN
STU KENNY
Spielplatz extrem
UBISOFT ANNECY
«RIDERS REPUBLIC»
Um die Atmosphäre beim Red Bull Rampage zu simulieren, griffen die Programmierer auf Aufnahmen von Helmkameras der Teilnehmer zurück. «Das war ein unglaubliches Werkzeug», sagt Spieldesigner Rémi Salomon. «Wir haben das Atmen und die Reifen geräusche da herausgenommen, um das richtige ‹game feel› zu generieren. Es ist, als würdest du wirklich beim Rampage fahren.»
GUIDE Gaming Gear KONSOLE
Ping-Pong Zwei Striche als Schläger, ein hinund hersausender Punkt als Ball: «Pong», Mitte der 1970er die Mutter aller Videospiele, ist zurück: als witzige Retro-Version für unterwegs. Premiere feierte «Pong» am 29. November 1972 in der Kneipe «Andy Capp’s Tavern» im kalifornischen Sunnyvale: Ein gelber Kasten mit der Aufschrift «Pong» und einem Bildschirm, aufgestellt neben dem Flipperautomaten, erregte die Aufmerksamkeit der mehrheitlich Bier trinkenden und Billard spielenden Gäste. Die schlichte Grafik und den simplen Spielablauf – ein Punkt springt zwischen zwei Linien hin und her und simuliert ein Tennis- oder Tischtennismatch – hatte Allan Alcorn von der Firma Atari ent wickelt. Das Spiel sollte ein derartiges Suchtpotenzial entwickeln, dass in den USA bald mehr als 35.000 Automaten aufgestellt waren. Eine Version für daheim – eine der ältesten Spielkonsolen überhaupt – kam 1975 auf den Markt. Jetzt, fast ein halbes Jahrhundert später, lässt sich das Originalspiel wiederentdecken – in Form der Handheld- Konsole Atari Mini PONG Jr. Zu spielen allein oder zu zweit, aufgepeppt mit RetroSoundeffekten und kultiger Grafik auf 30-Zentimeter-Flüssigkristall bildschirmen.
Genau wie der ursprüng liche Spiel-Automat hat der Atari Mini PONG Jr. drehbare Steuerköpfe, um den «Schläger» nach links und rechts zu steuern.
TOM GUISE
arcade1up.com
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GUIDE Lesestoff
Der Weltenmeister So geht Epos: In seinen gefeierten «Sturmlicht-Chroniken» schöpft der US-amerikanische Starautor Brandon Sanderson aus dem Vollen. Text JAKOB HÜBNER
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ie gewaltigste Fantasy- Saga unserer Zeit von Brandon Sanderson, dem J. R. R. Tolkien des 21. Jahrhunderts»: Dass auf Buchrücken gerne dick aufgetragen wird, ist nichts Neues. Ebenso wenig wie der Vergleich mit dem Genre-Urvater Tolkien («Der Herr der Ringe»), der stets schnell zur Hand ist, sobald ein Fantasy-Werk mit einer gewissen Opulenz daherkommt. Was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass die «Sturmlicht-
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Chroniken» des US-amerika nischen Bestsellerautors Brandon Sanderson tatsächlich ein faszinierendes Roman projekt darstellen, das die Grenzen der phantastischen Literatur neu absteckt. Am Beginn eines episch angelegten Fantasy-Zyklus steht immer die Schöpfung einer eigenständigen Welt – weiss Gott kein einfacher Job. Denn das Schlimmste, was einer Geschichte der sogenannten High Fantasy passieren kann, ist, dass ihr im Eifer
des Gefechts das tragende Fundament wegbricht. Ohne entsprechende Erdung fahren selbst Genieblitze ins Leere, eine Fantasiewelt, die in sich nicht schlüssig ist, ist intellektuell ungeniessbar. Diesen Grundsatz hat sich Brandon Sanderson, 1975 in Nebraska geboren, offenbar mit einem fetten Edding rot eingeringelt. Bereits für seine erste, mehrfach preisgekrönte «Mistborn»-Trilogie (deutsch: «Nebelgeboren») entwickelte er ein komplexes magisches Konzept, das zunächst einmal so wirkt, als hätte ein Biochemiker zu tief in die Eprouvette geschaut: die Allomantie. Stark verkürzt handelt es sich dabei um ein System aus 16 Metallen bzw. Legierungen, THE RED BULLETIN
VINZ SCHWARZBAUER
HIGH FANTASY
Sandersons Gesetze der Magie
Nach diesen vier Maximen schreibt der Autor seine Bestseller Erstes Gesetz: «Die Fähigkeit eines Autors, Probleme mithilfe von Magie zu lösen, ist direkt proportional zum Verständnis des Lesers für diese Magie.» Zweites Gesetz: «Schwächen > Kräfte.»
BUCHTIPPS
Erlesene Meterware Phantastisches für alle, die in den nächsten Jahren noch nicht allzu viel vorhaben
Drittes Gesetz: «Erweitere, was du hast, bevor du etwas Neues hinzufügst.» Abgerundet werden die drei (in Anlehnung an die Roboter gesetze von Isaac Asimov) durch das nullte Gesetz: «Tendiere im Zweifel in Richtung des Grossartigen!»
deren Einnahme bestimmten Menschen besondere körperliche oder geistige Fähigkeiten verleiht. Sanderson zieht diese literarische Zirkusnummer mit derart zwingender Stringenz durch, dass sie ihn direkt auf die «New York Times»-Bestsellerliste katapultierte. Dar über hinaus wurde er von der Witwe des 2007 verstorbenen Robert Jordan dazu eingeladen, dessen «Rad der Zeit» zu Ende zu drehen – und das ist immerhin der umfangreichste Romanzyklus der Literaturgeschichte. Kurzum: Mit den Nebelgeborenen ward auch ein neuer Fantasy-Star geboren. Im Jahr 2010 stellte Sanderson unter dem Titel «The Way of Kings» den ersten Roman seiner «SturmlichtChroniken» ins Regal – einen ehrfurchtgebietenden 1000Seiten-Ziegel, der in der deutschen Übersetzung aus haptischer Notwendigkeit in zwei Bände geteilt wurde: «Der Weg der Könige» und «Der Pfad der Winde». Im Vergleich zu dem, was Sanderson hier auftischt, erscheint alles Bisherige wie ein Amuse-Gueule. Denn um dieses auf zehn Bände (deutsch also zwanzig) ausgelegte Mammutwerk artgerecht zu unterfüttern, entwirft Sanderson eine fiktive Welt, deren beispiellose Komplexität sich nicht nur über mehrere Kon tinente und Völker erstreckt, sondern diese auch – von THE RED BULLETIN
Gesellschaft und Politik bis hin zu Religion und Magie – voll ausstattet. Das gab es in dieser Dimension noch nie. Wie es sich für ein anständiges Fantasy-Epos mit einem ordentlichen Schuss Action geziemt, ist diese Welt aber natürlich von zerstörerischem Chaos und finsteren Mächten bedroht, denen sich drei Helden – ein Soldat, ein Visionär und eine Wissenschaftlerin – entgegenstellen. Für alle, bei denen jetzt die Klischee-Sirenen losheulen, darf Entwarnung gegeben werden. Sanderson hat diese Welt nicht erschaffen, um sie sich dann von eindimen sionalen Charakteren platt treten zu lassen. Im Gegenteil: Er gönnt all seinen Figuren Raum und Zeit, um zunehmend Tiefenschärfe zu entwickeln – und an Raum und Zeit mangelt es den SturmlichtChroniken», von denen bisher acht Bände auf Deutsch erschienen sind, wahrlich nicht.
BRANDON SANDERSON «Die Sturmlicht-Chroniken» Deutsch von Michael Siefener Heyne
BRENT WEEKS Wo Schatten ist, ist bekanntlich auch Licht: Eigentlich wollte US-Autor Brent Weeks seiner erfolgreichen, düsteren «Schatten»-Tri logie als Gegenstück eine etwas heiterere «Licht»- Trilogie gegenüberstellen. Geworden sind es sieben Bände. Sehr zur Freude der Leser, denn hier treffen grossartige Charaktere auf ein sagenhaft schräges Magie-System, das sich aus Spektralfarben nährt. «Licht-Saga» (Blanvalet)
PETER V. BRETT Warte, bis es dunkel wird! Der «Dämonen-Zyklus» von Peter V. Brett ist wenig überraschend nichts für die belletristische Happy Hour. Deshalb heisst’s ja Dark Fantasy. Dennoch beweist diese (aktuell) siebenteilige, mit mehreren Roman-Trabanten aufge fettete Kultserie eindrucksvoll, dass man auch an der Schnittstelle zwischen Horror und Phantastik erzählerisch punkten kann. «Dämonen-Zyklus» (Heyne)
STEVEN ERIKSON Olymp? Vergiss den Hügel! Für sein «Spiel der Götter» hat der kanadische Anthropologe Steven Erikson einen so komplexen mythologischen Pantheon erschaffen, dass selbst die griechischen Götter vor Neid erblassen. Doch Vorsicht: Das ist unverschnittener Genre- Stoff, den man reinen Gewissens nur echten Fantasy-Freaks unter die Nase reiben sollte. Aktuell halten wir bei Band 19. «Das Spiel der Götter» (Blanvalet)
DAVID HAIR Die Grundidee ist genial. Eine Brücke unter der Ozean oberfläche, die sich nur alle zwölf Jahre aus der Flut erhebt und eine Verbindung zwischen zwei Kontinenten freigibt – die dieses Zeit fenster freilich hauptsächlich dazu nutzen, um sich gegenseitig die Schädel einzu schlagen. Die schlau inszenierte Erfolgsserie des neuseeländischen Autors David Hair umfasst derzeit acht Bücher. «Die Brücke der Gezeiten» (Penhaligon)
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DA BIST DU VOLL IM BILD
WIE MAN EINEN DUFT ZÄHMT
FRIDA-KAHLO-AUSSTELLLUNG IN ZÜRICH
BURBERRY HERO
Hinein in die Gemälde und in das Leben der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo – 360-Grad-Rundum projektionen in der Lichthalle Maag machen’s möglich. Bis zum 2. Januar 2022. vivafridakahlo.ch
EINTAUCHEN! Die Bilder von Frida Kahlo füllen den Raum.
Ein Pferd, eine Küste, ein Mann – starke Inspirationen, denen Burberry den ersten Duft seines Chefkreativen Riccardo Tisci verdankt. Wir geniessen der Abenteuer Zähmung tropfenweise. burberry.com
Richtig gutes Zeug
SCHWARZE SCHÖNHEIT TUDOR BLACK BAY CERAMIC Diese Uhr macht ihrem Namen alle Ehre: Selbst ihr Werk ist tiefschwarz. Und es ist der erste «Master Chronometer» der Marke, heisst: Sie erfüllt – per Test bestätigt – höchste Standards bei Präzision, Magnetfeldresistenz und Gangreserve. tudorwatch.com
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FÜR DIE SPITZE GEMACHT THE NORTH FACE HIMALAYAN-DAUNENJACKE Diese Herrenjacke kombiniert eine bauschige RetroOptik mit zahlreichen innovativen Tech-Details und eignet sich für Alpinisten und Abenteurer ebenso wie für Kosmopoliten und Pendler. thenorthface.ch
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ANDY JUCHLI, BURBERRY, TUDOR, NORTHFACE, SIMON HABEGGER, FREITAG, DROEMER, BALLY, MANSWORLD
Wiedergeborene Airbags und der wilde Duft von Abenteuer: die Empfehlungen der Redaktion. Text WOLFGANG WIESER
GUIDE Tipps & Trends
HORROR MIT MUSIK ROMAN «PLAYLIST» (DROEMER, CHF 26.80) Sebastian Fitzeks neuer Thriller (soeben erschienen) dreht sich um eine Playlist. Der Clou: Bekannte Musiker wie Kool Savas haben unveröffentlichte Songs zum Download beigesteuert. fitzek-playlist.de
DAS ABENTEUER WARTET BALLY NOKOR Ein Schuh, der auch Professor Indiana «Indy» Jones gefallen würde – feinstes Leder, trittfeste Sohle, bestens geeignet für aufregende Abenteuer inklusive wenig erfreulicher Schlangen-Begegnung. bally.eu
MAN LEBT NUR ZWEIMAL FREITAG F707 STRATOS Dass Lkw-Planen gut aussehen, wissen wir dank des Recyclings der Schweizer Firma Freitag seit vielen Jahren. Jetzt feiern auch Airbags ein zweites Leben: als schicker Rucksack «F707 Stratos». freitag.ch
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WANN IST MAN EIN MANN? KLAPPE! Das Aussenfach des Rucksacks besteht aus Lkw-Plane.
MAN’S WORLD ZÜRICH 2022 Ob Gin, Kaffee, Motoren oder Bartprodukte: Nach einjährigem Unterbruch findet die Man’s World wieder statt – von 27. bis 30. Januar 2022 in der neuen Halle 550 in Zürich-Oerlikon. mansworld.com
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ALLES GUTE ZUM FÜNFZIGER
AUSFLUG INS GRÜNE Das handgefertigte Zifferblatt entspannt die Augen mit Schilfgrün. Die SeaQ von Glashütte Original kommt mit Edelstahlgehäuse und -band, Durchmesser: 39,5 mm. 10.000 CHF. glashuetteoriginal.com
GUIDE Uhren
NIMM DIR ZEIT! Auch wenn Smartphones die Zeit genauso anzeigen: Jeder Blick aufs Handgelenk macht Freude. Hier schon einmal ein Vorgeschmack darauf. Fotos KLAUS PICHLER Text WOLFGANG WIESER
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AUTOSCHLÜSSEL: OLDTIMER-GUIDE.AT/CHRISTIAN SCHAMBUREK
Zum runden Geburtstag legt Tudor die Black Bay Chrono neu auf: mit 41-mm-Edelstahlgehäuse und opalfarbenem Zifferblatt. 4950 CHF. tudorwatch.com
GRAUE EMINENZ Kennzeichen der Luminor Marina von Panerai ist ihr ikonischer Kronenschutz. Sehr schick: Die Ziffern leuchten grau auf weissem Grund. 8000 CHF. panerai.com
PATENTE ELEGANZ Omegas erste Uhr, deren Gehäuse aus patentiertem Bronze-Gold besteht. Absolut elegant, dieses Seamaster- Modell. 11.500 CHF. omegawatches.com
DIE NATUR DER UHR Für Outdoor-Fans: Die Aquaracer von TAG Heuer ist die Uhr für alle, die es gerne ein bisschen härter haben. 2950 CHF. tagheuer.com
GUIDE Uhren
ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT Mido Multifort Patrimony: Retro-Charme trifft auf neueste Technologie – so haben wir es gern! 790 CHF. midowatches.com
DAS ABENTEUER KANN KOMMEN Hamilton Khaki Aviation X-Wind: Zifferblatt im Camouflage- Look, dazu ein Khaki-Armband – Zeit für Abenteuer oder so. 2095 CHF. hamiltonwatch.com
DURCHBLICK IM QUADRAT Rado Open Heart: Diese Uhr gewährt Einblick in ihr Innerstes – ein wunder schönes Automatikwerk. 2300 CHF. rado.com
EINFACH ABTAUCHEN Die Certina DS Action Diver erfüllt alle Ansprüche, die wir an eine Taucheruhr stellen. 750 CHF. certina.com
SETSTYLING: NADINE GURTNER/MAKING OF
SONNENSCHLIFF-FINISH: BEI DIESER UHR IST DIE ZEIT SELBST BEI SCHLECHTEM LICHT NOCH ABLESBAR.
FANG DAS LICHT! Horizontale Linien mit Sonnenschliff- Finish streuen das einfallende Licht über die gesamte Ober fläche der Uhr. Das Ergebnis: Die Alpiner4 Automatic ist auch bei schlechtem Licht noch perfekt abzu lesen. 1450 CHF. alpinawatches.com
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GUIDE Uhren
WUNDERBARE LEICHTIGKEIT Die Longines Spirit führt uns ins Titan- Zeitalter – sie wird damit leichter, wirkt am Handgelenk geradezu luftig und ist dank Silizium spiralfeder anti magnetisch, was hohe Genauigkeit garantiert. 2500 CHF. longines.com
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AUF DEM SPRUNG IN DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT? FREE
Wie Sie alle Hürden meistern:
A
www.wingfinder.com
S
SE
SS
MENT
RED BULL VERLEIHT FLÜÜÜGEL.
GUIDE Uhren
FRIEDE SEI MIT EUCH «Come in Peace» heisst dieses Modell aus der Serie Big Bold Planets von Swatch. Wir finden: Für solche Botschaften ist immer Zeit! 140 CHF. swatch.com
CHECKT DEIN LEBEN Die Garmin Enduro weiss, wie es bei dir läuft – mit Solarkraft und smarten Features für die Vitalfunktio nen. 879.90 CHF. garmin.com
SCHUTZENGEL
WAS DAS HERZ BEGEHRT: SMARTE UHREN WISSEN, WAS DU BRAUCHST – EGAL OB DU ENTSPANNT BIST ODER GESTRESST. 88
Diese Citizen (BN2040-17X) bewahrt dich bei Tauchgängen vor Fehlern. Schaltet sich ein, sobald Licht auf das Titanium-Ge häuse fällt. 895 CHF. citizenwatch.com
SONNENKIND Die Tissot T-Touch Connected Solar ist mit allen gängigen mobilen Betriebs systemen kompatibel. Tankt Sonnenenergie. 995 CHF. tissotwatches.com
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GUIDE Swatch
Bernardo Tribolet (li.), Swatch Vice President Marketing, Carlo Giordanetti, Creative Director: zwei Herren, die Spass an Uhren haben
INTERVIEW
Swatch-Uhren haben unsere Wahrnehmung von Zeit verändert – sie sind innovativ, künstlerisch angehaucht und trotzdem erschwinglich. Ein Interview mit zwei kreativen Masterminds der Marke – über Erfindergeist und Konditoren als Berater. Text WOLFGANG WIESER
Süsse Inspiration: Swatch-Modell Caramellissima
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«Beginnen wir mit der Cara mellissima», sagt Carlo Gior danetti. Klingt irgendwie süss, sieht auch so aus, tickt aber und schmeckt bestenfalls nach Plastik. Die Damenuhr hat ein rosa 25-Millimeter-Ge häuse und ein Armband aus bunten Perlen, die uns unwei gerlich an Süssigkeiten denken lassen. «Es war eine Saison der Pastellfarben, voll süsser Dinge. Wir hatten dafür eine Geschichte entwickelt, die von Gebäck inspiriert war – und wir arbeiteten dafür tatsäch lich mit einem Konditor aus Zürich zusammen. Auch an die Entstehung der Red Shore
erinnere ich mich gern, weil sie viel mit Freiheit zu tun hat – hier kam unser Swatch Lab ins Spiel. Wenn es einen Ort gibt, an dem man Ideen ver wirklichen kann, dann ist das Lab definitiv einer. Nach lan gen Diskussionen waren wir so weit, dass wir alle dachten, dieser verschwommene Effekt hätte tatsächlich einen emoti onalen Wert, sodass wir eine Geschichte darüber erzählen könnten. Ausserdem steckt viel Ironie drin: auf der einen Seite die Liebe der Schweizer zur Präzision und die schein bare Unschärfe dieser Uhr auf der anderen. Bei der Unavoid able hatten wir einfach Lust auf Provokation – und deshalb verpassten wir ihr eine kleine Komplikation, eine Petite Se conde (einen separaten, klei nen Sekundenzeiger, Anm.). Eine Komplikation ist eigent THE RED BULLETIN
SWATCH
Lust auf Provokation
Unavoidable: Mechanische Uhr mit «Petite Seconde»
lich die Spezialität der tradi tionellen Uhrmacherkunst, so was ist für gewöhnlich teuer und aufwendig. Die Provoka tion bestand deshalb darin, da für zu sorgen, dass dieses Mo dell aus der Reihe «Sistem51» mit einem Preis ab 150 Fran ken trotzdem erschwinglich blieb. Caramellissima, Red Shore und Unavoidable: drei von knapp 10.000 Modellen aus 38 Jahren Swatch-Ge schichte. Creative Director Carlo Giordanetti ist seit vie len Jahren (mit Abstechern zu Montblanc und Piaggio) für Swatch tätig, er gründete das hauseigene Design Lab und ist CEO des Swatch Art Peace Hotels in Shanghai. Wir trafen ihn und Vice President Marketing Bernardo Tribolet im Swatch Headquarter in Biel, eine Stunde von Zürich entfernt – zu einem Gespräch über eine Welt, die den Zeit geist atmet. the red bulletin: Es gibt fast 10.000 verschiedene Swatch-Modelle. Wer hat sich die alle ausgedacht? carlo giordanetti: Das ge schieht in Teamarbeit. Seit 1998 gibt es im Inneren des Unternehmens so etwas wie eine Blase, das Swatch Lab – die Idee wurde in Mailand ge boren, wuchs in den USA auf, hatte eine erste echte Heimat in Zürich und fand schliesslich ihr endgültiges Zuhause in Biel. Diese Blase lebt – wie ein
«Unser Labor in Biel lebt wie ein Organismus, eine Zelle.» Carlo Giordanetti, Swatch-Manager THE RED BULLETIN
Organismus, wie eine Zelle. Es gibt eine zehnköpfige Kern truppe, die sehr schnell die täglichen Anforderungen be wältigt. Und dann stossen, ganz nach Bedarf, Menschen dazu, die ihre speziellen Bei träge leisten. Wir sind sehr lebendig und haben ständig Appetit auf Neues. Aktuell gibt es rund tausend Modelle zu kaufen. Ist das nicht ein bisschen über trieben? giordanetti: Tausend Model le gibt es nur online, in den Shops sind es durchschnitt lich 220. Einige Uhren gibt es schon seit Ewigkeiten – auf die werden wir nie verzichten, weil es so wäre, als würde man jemandem einen Arm ab schneiden … bernardo tribolet: … unse re Uhren erweitern gewisser massen deine Persönlichkeit. Heute hatte ich zum Beispiel das Gefühl, dass ich einen Funken Orange brauche, um dem Tag Schwung zu ver leihen. Wir entwerfen, um be stimmte Gefühle zu wecken. Es gibt auf der ganzen Welt so viele Emotionen, für die man entwerfen kann. Der französische Werbeguru Jacques Séguéla meinte, dass es zwar wichtig ist, dass sich ein Produkt verkauft; dass es aber noch wichtiger ist, die Marke unsterblich zu
machen, i ndem man dem Produkt eine Seele gibt. giordanetti: Eine Swatch hat Seele, wenn sie Persönlichkeit hat – für mich ist das eine Swatch, in der du dich wieder findest. tribolet: Du schnappst dir eine 20 Jahre alte Swatch, und auf einmal erlebst du all die Momente von damals wieder. Es ist, als würdest du Musik von a-ha hören oder von Span dau Ballet. In vielen Fällen stehen sie für bestimmte Mo mente deines Lebens. Und das macht ihre Seele aus. Woher kam die Liebe von Swatch zur Kunst? Es gab schon 1985 eine Kooperation mit Kiki Picasso … giordanetti: Die Idee hatte Herr Hayek selbst (Swatch- Gründer Nicolas Hayek; Anm.).
Die Red Shore: Farben als emotionaler Effekt
«Wir entwerfen Uhren, um bestimmte Gefühle zu wecken.» Bernardo Tribolet, Swatch-Manager
Plastik ging damals gar nicht. Also fragte er sich, wie man das Material aufwerten kann. Die Antwort lautete: indem man mit Künstlern zusammen arbeitet. Die Künstler lieben es, dass ihre Werke Teil des Lebens ihrer Träger werden. Über die «Sistem51 Irony» heisst es, dass sie Premium- Qualität und Premium- Design ohne den Premium- Preis bietet. Erstens: Wie geht das? Zweitens: Was soll ich mir als Käufer einer echten Premium-Uhr denken, wenn ich das lese? giordanetti: Das war eine ebenso smarte wie verrückte Idee. Es war eine echte Inno vation, eine mechanische Uhr aus 51 Teilen zu schaffen, die von einer einzigen Schraube zusammengehalten werden. tribolet: Natürlich steckt dahinter immer auch ein biss chen Lust an der Provokation. Für manche in der Branche war es ein Schock. Du kennst sicher die Flymagic (antimag netische Spiralfeder, rück wärts laufender Sekundenzei ger, 2019 präsentiert; Anm.): In gewisser Weise zeigt so eine Uhr, dass wir alles Wissen ha ben, das dafür nötig ist. Dass wir tun können, was wir wollen. Die Flymagic war definitiv ein Stück Uhrmacherkunst – das wäre sie auch für eine andere Marke gewesen. Tatsächlich aber war es Swatch, die diese Uhr herausgebracht hat. 91
B O U L E VARD DER HEL DEN
MATA HARI
TRIUMPH DER EINBILDUNGSKRAFT
Serie: MICHAEL KÖHLMEIER erzählt die aussergewöhnlichen Geschichten inspirierender Figuren – faktentreu, aber mit literarischer Freiheit. Folge 6: Eine geheimnisvolle Spionin, die ihren Mythos selbst erfand.
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BENE ROHLMANN, CLAUDIA MEITERT
GETTY IMAGES (4)
E
MICHAEL KÖHLMEIER
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ochstaplerinnen – kennt jemand Was aber waren ihre Heldentaten? eine? Wir sind gewohnt, die An Antwort: Sie hat keine Heldentaten voll bracht. Ihre einzige «Heldentat» war, sich geberei in grossem Stil von Män nern vorgeführt zu bekommen. ein triumphales Image zu bauen. Wer war Und dann erscheint eine Frau, die diese Frau? Wer war sie wirklich? stellt sie alle in den Schatten, sogar ihren igentlich hiess sie Margaretha Geer Nachruf scheint sie noch zu manipulieren: truida Zelle. Sie stammte nicht aus Mata Hari, die schöne Agentin, die exzen MICHAEL KÖHLMEIER Der Vorarlberger Indien oder einem anderen exotischen trische Tänzerin, die Doppelagentin gar – Bestsellerautor gilt Land, wie viele glaubten und glauben woll eine geheimnisvolle Frau, der man zutraute, als bester Erzähler ten und glauben sollten, sondern aus Leeu den Verlauf, wenn nicht gar den Ausgang deutscher Zunge. warden in Holland, dort wurde sie 1876 des Ersten Weltkriegs beeinflusst zu haben. Zuletzt erschienen: geboren. Ihr Vater war Hutmacher und Lügen halten sich in der Geschichte der Roman «Matou», muss eine ebenso exzentrische Persönlich nicht. Heisst es. Irgendwann werden sie 960 Seiten, Hanser Verlag. keit gewesen sein wie seine Tochter später, aufgedeckt, und bald wird vergessen, was reich und einflussreich war er, durchaus sie uns eigentlich erzählen wollten. Bei auch angesehen und immer wieder zu theatralischen Mata Hari ist es umgekehrt: Die Wahrheit über sie und Spässen aufgelegt. Sein Töchterchen, liebevoll «Grietje» ihre Taten war von Anfang an bekannt, war immer genannt, fügte er in seine grossspurig theatralischen bekannt; aber die Wahrheit wurde vergessen, der Auftritte ein, zum Beispiel, als er die Dreijährige Mythos, die Legende hielt stand. Der melodramatische in einer kleinen, extra angefertigten goldbemalten Wunsch, eine schöne, begehrenswerte, hingebungs volle, zugleich raffinierte, mit aller List und Hinter Kutsche von zwei weissen Ziegen durch die Strassen list begabte Frau hält in gefährlicher Zeit die Politik ziehen liess, nur um den Bürgern zu beweisen, dass eines ganzen Kontinents in Atem, dirigiert die hart kein anderer Vater erstens sein Kind so sehr liebt und gesottensten Männer, schreibt Geschichte – dieser verwöhnt, zweitens – eigentlich erstens –, dass kein Wunsch hat die Realität besiegt: Mata Hari wurde anderer Mann sich solchen Luxus leisten kann. Dem zu einer dunklen Heldin. Kindchen scheint es gefallen zu haben. Als erwachsene Bücher wurden über sie geschrieben, Theaterstücke, Frau noch erinnert sie sich immer wieder an diesen ein Ballett wurde choreographiert, viele Lieder wurden Sonntagnachmittag, und sie teilt ihre Erinnerungen komponiert und getextet, Filme gedreht – wenigstens ihrem Publikum mit – dann spielt die Szene einmal in Indien, aus den Ziegen werden Elefanten, ein ander zehn, der bekannteste 1931 mit Greta Garbo in der mal wird sie von Affen in einer Sänfte getragen. Oscar Hauptrolle, 1964 wurde sie in einem französischen Wilde sagte einmal, wir lieben Männer mit Zukunft Film von Jeanne Moreau verkörpert, der vorläufig und Frauen mit Vergangenheit, schon mit siebzehn letzte Film kam 2017 in die Kinos. Sogar eine Spiri Jahren inszenierte sich Margaretha Geertruida als tuose trägt ihren Namen, ein Videospiel ebenfalls.
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B OU L EVAR D DE R HE L D E N
geheimnisvolle Frau, deren Vergangenheit hinter einem Schleier aus Melancholie und Melodram nur erraten werden konnte. Schauspielerin möchte sie werden, Tänzerin, Sängerin. Ihr Vater spendiert aufwendige Ausbildungen, sie spricht fünf Sprachen, trainiert sich in allen Sprachen, auch in der Muttersprache, einen Akzent an, der die Fantasie ihrer Zuhörer beflügeln soll, in Wahrheit stamme sie von irgendwo ganz anders her. Talent zur Schauspielerei hat sie wenig, auch nicht viel, um zu singen und zu tanzen. Aber das scheint keine Rolle gespielt zu haben. Sie war die Meisterin des Als-ob. Eine Meisterin des Konjunktivs – so kann man es auch ausdrücken. Wenn sie sang, tat sie, als ob sie zwar keine Sängerin sei, eine innere Not, ein rätselhaftes Schicksal aber dränge sie zum Singen, zum Ausdruck. Keinen perfekten, aber seelenlosen Belcanto gab sie, sondern den undurchdringlichen Abgrund. Nach Abgründen waren die Menschen damals geradezu verrückt. Ohne diese ganz Europa in ihren Bann ziehende Sehnsucht nach der Katastrophe wäre der Erste Weltkrieg nicht zu erklären. Sie heiratet einen holländischen Kolonialoffizier, bringt einen Sohn zur Welt, da ist sie erst neunzehn, ein Jahr später eine Tochter, zieht mit ihrem Mann nach Java, wo die Familie fünf Jahre lebt. Ihr Sohn stirbt im Alter von zwei Jahren unter ungeklärten Umständen, die Ehe zerbricht an dieser Tragödie. Die Familie kehrt nach Europa zurück, Margaretha Geer truida und ihr Mann lassen sich scheiden. Die Tochter wird dem Mann zugesprochen, die Mutter habe kein grosses Interesse an dem Kind gezeigt.
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it neunundzwanzig erst startet Margaretha Geer truida ihre eigentliche Karriere, sie zieht allein nach Paris, entwirft sich ein neues Leben, eine neue Vergangenheit. Sie nennt sich Mata Hari. Das ist malaiisch und heisst «Auge des Morgens» oder «Auf gehende Sonne». Geschickt verbreitet sie das Gerücht, sie sei die Tochter eines orientalischen Herrschers. Ihr Aussehen konnte das bestätigen. Sie hat dunkles Haar und einen olivbraunen Teint. Schminke erledigt den Rest. Alles belässt sie im Ungefähren. Wenn ihr ein Reporter Widersprüche in ihrer Biografie nachweist, schaut sie ihn lange mit ihren dunklen Augen an, so lange, bis er ihren Blick nicht mehr aushält. Sie kann gut reden, noch besser kann sie schweigen. Ihre Auftritte als Tänzerin beginnt sie mit dem Satz: «Shiva, ich tanze ihn für dich, den Bajaderentanz.» Eine Bajadere ist eine indische Tempeltänzerin,
«Als Doppelagentin bekommt Mata Hari Geld von den Deutschen und den Franzosen.» 94
deren Aufgabe in erster Linie nicht darin bestand, in einem europäischen Sinn gut zu tanzen, sondern so zu tanzen, dass die Aufmerksamkeit Shivas erregt wurde. Wer weiss schon, welche Körperbewegungen einen Gott erregen? Die Besucher der entsprechenden Etablissements waren entzückt, zumal Mata Hari beim Tanzen einen Schleier nach dem anderen fallen liess, bis sie schliesslich nackt war – alles zu Ehren des Gottes. Die Belle Époque liebte das Extrem, das Aussergewöhnliche, das Laszive, das Ruchlose, den Rausch. Sie reist nach Berlin, wo sich neue Möglichkeiten auftun, in Berlin spielt das Leben. Es gelingt ihr, Kontakte zu Politikern und hohen Militärs zu knüpfen. Sie streut das Gerücht, sie habe mit dem Kronprinzen, dem Sohn von Kaiser Wilhelm II., ein Verhältnis. Alles Lüge. Verhängnisvolle Lüge. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist Mata Hari bereits achtunddreissig Jahre alt. Sie weiss, sie hat nichts erreicht in ihrem Leben. Alles, was sie ist, ist Schein. Sie hatte zahlreiche Geliebte, aber keine Liebe, sie hat die Männer nur ausgenutzt für ihre sogenannte Karriere, und diese Karriere bestand darin, sich einen Ruf als eine aussergewöhnliche Frau zu verschaffen, wobei niemand sagen konnte, auf welchen Qualitäten dieser Ruf eigentlich fusste. Nur einmal bewarb sie sich bei einem seriösen Theater in Berlin, der Intendant war ausser sich vor Freude, dass die berühmte Mata Hari an seinem Haus spielen wollte, und war nach dem Vorsprechen erschüttert. Nie habe er eine talentlosere Schauspielerin erlebt.
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ei einem Empfang lernt sie den Presseattaché der deutschen Botschaft in Den Haag, einen gewissen Carl H. Cramer, kennen. Die beiden werden heim lich ein Paar. Cramer ist nicht nur bei der deutschen Botschaft angestellt, er ist auch Agent des militärischen Nachrichtendienstes des Deutschen Reiches. Offen und ohne Umschweife fragt er seine Geliebte, ob sie für ihn in Frankreich spionieren wolle. Auch Cramer überschätzt Mata Hari, er meint, sie habe Zugang zu den höchsten Kreisen von Militär und Politik. Eben diesen Eindruck hat sie ihm vermittelt, indem sie geschickt Gerüchte so platzierte, als stammten sie aus wohlinformierten Kreisen. Mata Hari, die sich nie ernsthafte Gedanken gemacht hatte über Politik und den Krieg, wertet das Angebot als Möglichkeit, sich auch in ihrem Alter noch interessant zu machen. Sie stimmt zu und liefert. Was sie liefert, ist letztlich ohne Belang, aber man wird auf sie aufmerksam. Ein anderer Liebhaber, ein gewisser Georges Ladoux, seinerseits Chef der französischen Spionageabwehr, fragt sie, er ebenso ohne Umschweife, ob sie sich vorstellen könne, auch für die Franzosen zu arbeiten – als Doppelagentin. Mata Hari bekommt Geld, von den Deutschen, von den Franzosen. Endlich kann sie ihren Lebensstil, den sie vor dem Krieg gewohnt war, wieder aufnehmen. Sie kommt sich wichtig vor. Sie interessiert sich für den Krieg nur, insofern er ihre Karriere hemmt oder fördert. In welche Gefahr sie sich begibt, ahnt sie
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«In welche Gefahr sie sich begibt, ahnt sie nicht einmal.» nicht einmal. Es war ihr mit List, Erotik und der Gabe, überzeugend zu lügen, gelungen, von sich das Image einer wichtigen Persönlichkeit zu erzeugen. Nun nahm man sie wichtig.
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er französische Geheimdienst kommt zur Auf fassung, Mata Hari, die deutsche Agentin H 21, die vorgab, als Doppelagentin zugleich für Frank reich zu spionieren, sei in Wahrheit eine raffinierte und gefährliche Dreifachagentin im Dienst des deutschen Kaisers. Ihr Verhältnis mit dem Kronprinzen – das in Wahrheit nie bestand – wird in den entsprechenden Berichten belastend angeführt. Vor einem französischen Militärtribunal findet der Prozess statt, Mata Hari wird zum Tode verurteilt. Am 15. Oktober 1917 wird sie auf Schloss Vincennes nahe Paris hingerichtet. Auch in den letzten Minuten ihres Lebens gibt sie die Rolle ihres Lebens nicht auf – die
rätselhafte Frau mit der melodramatischen Vergan genheit, die auch angesichts der Gewehrmündungen die Männer in Erregung versetzen konnte. Der Kommandant des 26. französischen Jäger bataillons berichtet: «Ihr Auftreten war von unglaub lichem Stolz und, fast möchte ich sagen, ein wenig theatralisch. Sie umarmte ihren Verteidiger und schickte viele Abschiedskusshände in die Richtung, wo viele offizielle Persönlichkeiten standen. In dem Augenblick, da ich meinen Degen hob, um ‹Feuer!› zu kommandieren, sah sie mir fest ins Auge und sagte mit ruhiger dunkler Stimme: ‹Ich danke Ihnen, mein Herr›.»
Michael Köhlmeiers Geschichten gibt es auch zum Anhören im Podcast-Kanal von The Red Bulletin. Zu finden auf allen gängigen Plattformen wie Spotify, auf redbulletin.com/podcast oder einfach den QR-Code scannen.
BEYOND THE ORDINARY theredbulletin.com
LITTLE SHAO / RED BULL CONTENT POOL
IMPRESSUM
THE RED BULLETIN WELTWEIT
Aktuell erscheint The Red Bulletin in sechs Ländern. Das Cover unserer britischen Ausgabe zeigt in diesem Monat den BMX-Star Sebastian «Bas» Keep, der mit seinem Bike die physikalischen Gesetze aufzuheben scheint. Unbedingt nachlesen – aber bitte lieber nicht nachmachen! Mehr Geschichten abseits des Alltäglichen findest du auf: redbulletin.com
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Gesamtleitung Alexander Müller-Macheck, Sara Car-Varming (Stv.) Chefredaktion Andreas Rottenschlager, Andreas Wollinger (Stv.) Creative Direction Erik Turek, Kasimir Reimann (Stv.) Art Direction Marion Bernert-Thomann, Miles English, Tara Thompson Grafik Martina de Carvalho -Hutter, Kevin Faustmann-Goll, Cornelia Gleichweit Fotoredaktion Eva Kerschbaum (Ltg.), Marion Batty (Stv.), Susie Forman, Tahira Mirza, Rudi Übelhör Digitalredaktion Christian Eberle-Abasolo (Ltg.), Marie-Maxime Dricot, Melissa Gordon, Lisa Hechenberger, Elena Rodríguez Angelina Head of Audio Florian Obkircher Special Projects Arek Piatek Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Publishing Management Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Melissa Stutz, Anna Wilczek Managing Director Stefan Ebner Head of Media Sales & Partnerships Lukas Scharmbacher Head of Co-Publishing Susanne Degn-Pfleger Projektmanagement Co-Publishing, B2B-Marketing & Communication Katrin Sigl (Ltg.), Mathias Blaha, Katrin Dollenz, Thomas Hammerschmied, Teresa Kronreif (B2B), Eva Pech, Valentina Pierer, Stefan Portenkirchner (Communication), Jennifer Silberschneider Creative Services Verena Schörkhuber-Zöhrer (Ltg.), Sara Wonka, Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart Commercial Management Co-Publishing Alexandra Ita Editorial Co-Publishing Raffael Fritz (Ltg.), Gundi Bittermann, Mariella Reithoffer, Wolfgang Wieser Executive Creative Director Markus Kietreiber Senior Manager Creative Elisabeth Kopanz Art Direction Commercial & Co-Publishing Peter Knehtl (Ltg.), Luana Baumann-Fonseca, Erwin Edtmayer, Simone Fischer, Martina Maier, Andreea Gschwandtner, Carina Schaittenberger, Alexandra Schendl, Julia Schinzel, Florian Solly, Dominik Uhl, Sophie Weidinger, Stephan Zenz Abo & Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Marija Althajm, Nicole Glaser, Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar Anzeigenservice Manuela Brandstätter, Monika Spitaler Herstellung & Produktion Veronika Felder (Ltg.), Friedrich Indich, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailović, Sandra Maiko Krutz, Josef Mühlbacher Finanzen Mariia Gerutska (Ltg.), Klaus Pleninger MIT Christoph Kocsisek, Michael Thaler IT Service Desk Maximilian Auerbach Operations Alice Gafitanu, Melanie Grasserbauer, Alexander Peham, Thomas Platzer Projekt Management Dominik Debriacher, Gabriela-Teresa Humer Assistant to General Management Sandra Artacker Herausgeber & Geschäftsführer Andreas Kornhofer Verlagsanschrift Am Grünen Prater 3, A-1020 Wien Telefon +43 1 90221 -0 Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-LepperdingerStrasse 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Dietmar Otti, Christopher Reindl, Marcus Weber
THE RED BULLETIN Schweiz, ISSN 2308-5886 Länderredaktion Stefania Telesca Lektorat Hans Fleissner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek, Belinda Mautner, Klaus Peham, Vera Pink Country Project Management Meike Koch Media Sales & Brand Partnerships Christian Bürgi (Ltg.), christian.buergi@redbull.com Marcel Bannwart, marcel.bannwart@redbull.com Jessica Pünchera, jessica.puenchera@redbull.com Goldbach Publishing Marco Nicoli, marco.nicoli@goldbach.com Abo The Red Bulletin Leserservice, Postfach, CH-6002 Luzern, +41 41 329 22 00, abo@ch.redbulletin.com Druck Quad/Graphics Europe Sp. z o. o., Pułtuska 120, 07-200 Wyszków, Polen
THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Länderredaktion David Mayer, Maximilian Reich Lektorat siehe entsprechenden Eintrag bei der Schweiz Country Project Management Nina Hahn Media Sales & Partnerships Thomas Hutterer (Markenlead), Alfred Vrej Minassian, Franz Fellner, Ines Gruber, Thomas Gubier, Daniela Güpner, Wolfgang Kröll, Gabriele Matijevic-Beisteiner, Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher, Jennifer Sabejew, Johannes Wahrmann-Schär, Ellen WittmannSochor, Ute Wolker, Christian Wörndle, Sabine Zölss
THE RED BULLETIN Frankreich, ISSN 2225-4722 Länderredaktion Pierre-Henri Camy Country Coordinator Christine Vitel Country Project Management Alexis Bulteau
THE RED BULLETIN Grossbritannien, ISSN 2308-5894 Länderredaktion Tom Guise (Ltg.), Lou Boyd Lektorat Davydd Chong Publishing Management Ollie Stretton Media Sales Mark Bishop, mark.bishop@redbull.com
THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838 Länderredaktion Wolfgang Wieser Lektorat siehe entsprechenden Eintrag bei der Schweiz Publishing Management Bernhard Schmied Media Sales & Partnerships Thomas Hutterer (Markenlead), Alfred Vrej Minassian, Franz Fellner, Ines Gruber, Thomas Gubier, Daniela Güpner, Wolfgang Kröll, Gabriele Matijevic-Beisteiner, Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher, Jennifer Sabejew, Johannes Wahrmann-Schär, Ellen WittmannSochor, Ute Wolker, Christian Wörndle, Sabine Zölss Sales Operations & Development Anna Schönauer (Ltg.), David Mühlbacher
THE RED BULLETIN USA, ISSN 2308-586X Länderredaktion Peter Flax (Ltg.), Nora O’Donnell Lektorat David Caplan Publishing Management Branden Peters Media Sales Todd Peters, todd.peters@redbull.com Dave Szych, dave.szych@redbull.com Tanya Foster, tanya.foster@redbull.com
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Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 12. Dezember 2021.
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