ÖSTERREICH DEZEMBER 2021 € 3,50
ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN
QUEEN SNOW of
Wie Anna Gasser die Snowboard-Welt verzaubert Ein Wintermärchen von Schriftstellerin Doris Knecht
Benedict Cumberbatch / Aksel Lund Svindal / Henriette Confurius / Michael Köhlmeier
Die Ibiza Affäre
The Suicide Squad
UEFA Champions League
Drück lieber den richtigen Knopf. Erlebe die besten Serien, die größten Hollywood-Blockbuster und den ganzen Live-Sport. Einfach alles, was du liebst, auf Knopfdruck.
© sky.at/bildnachweis
E D I TO R I A L
WILLKOMMEN
FILMREIF IN DEN WINTER Anna Gasser hat beschlossen, sich diesen Winter nur einer einzigen Sache zu widmen: dem Snowboarden. Im Vorjahr, so erzählte sie uns, habe sie viele, fast zu viele Projekte verfolgt (eines davon ist übrigens der wunderbare Film „The Spark Within“). In der Olympia-Saison will die Frau, die das Snowboarden revolutioniert hat, ganz und gar fokussiert bleiben. Für uns hat sie sich dennoch Zeit genommen. Das große Anna-Porträt von Bestsellerautorin Doris Knecht: ab Seite 52. Aksel Lund Svindal, ebenfalls mit einem Film am Start (der Doku „Aksel“), ist auf den ersten Blick scheinbar das Gegenteil. Der Ski-Held außer Dienst und Start- up-Investor ist ordentlich im „Pensionsstress“. Aber auch er ist in Wahrheit fokussiert: auf alles, was neu und spannend ist (ab Seite 40). Könnte auch das Motto für dieses Heft sein.
MATTHIAS HESCHL (COVER), CORINNE RUSCH, HERIBERT CORN
VERWANDLUNG
Wie sieht eine Queen of Snow aus? Eine Frage, auf die Bühnenbildnerin Katharina Heistinger (ganz oben, re.) eine Antwort hatte. Fotografin Corinne Rusch (unteres Bild, li.) setzte die könig liche Anna Gasser dann ins Bild. Ab Seite 52.
Gute Unterhaltung mit der neuen Ausgabe von The Red Bulletin! Die Redaktion
WER BIETET MEHR?
410 Millionen Euro beträgt der Marktwert des E-Sports-Teams „TSM“, etwa so viel wie jener des Fußball-Spitzenklubs Ajax Amsterdam. Verblüffendes E-Sports-Wissen: ab Seite 42.
THE RED BULLETIN
DORIS KNECHT
hat mit „Die Nachricht“ (Hanser) erst unlängst einen neuen Roman geschrieben. Ihr Porträt über Snowboard-Queen Anna Gasser: ab Seite 52.
38
Meter und vier Zentimeter maß der größte je gebaute Schneemann. Noch mehr coole Rekorde zum Winter gibt es auf Seite 12.
410
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I N H A LT The Red Bulletin im Dezember 2021
42 KEINE KONKURRENZ Fabian Lohmann ist der erfolgreichste E-Sports-Trainer Europas.
COVERSTORY
52 QUEEN OF SNOW
Anna Gasser, 30, erweitert die Grenzen des Snowboardens. Die Schriftstellerin Doris Knecht hat ein literarisches Porträt über sie verfasst.
E-SPORTS
42 WIE TICKEN DIE BLOSS? Der erfolgreichste E-Sports- Trainer Europas erklärt, was die boomende Szene bewegt.
SEGELN
64 SANTIS GRÖSSTER SIEG Santiago Lange, 60, besiegte vor seiner letzten OlympiaGoldmedaille sogar den Tod.
PORTFOLIO
20 WELCOME ON BOARD
Carlos Blanchard, 38, ver wandelt das Lebensgefühl der Snowboarder in lässige Fotos.
FILM
36 PRIVAT GANZ ZART
GUIDE
Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen
Schauspiel-Superstar Benedict Cumberbatch begeistert sich für fernöstliche Lehren.
81 REISEN. Mit Wildwasser-Profi Aniol Serrasolses einen Fluss in Patagonien in Südchile befahren
SERIEN
86 T IPPS & TRENDS. Die Emp fehlungen der Redaktion. Dieses Mal: Der Winter kann kommen!
38 DIE NATUR DES ERFOLGS Warum der Berliner NetflixStar Henriette Confurius gern in Eiswasser badet.
92 W INTERSP ORT. Drei feine Ausflugsziele in Österreich
Ex-Ski-Ass Aksel Lund Svindal steigt in die Start up-Szene ein und rettet vielleicht die Welt.
100 BOULEVARD DER HELDEN. Egon Zimmermann: warum sogar Ski-Weltmeister zum Gewinnen ein bisschen Glück brauchen
6 GALLERY 12 ZAHLEN, BITTE! 14 FUNDSTÜCK
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KEINE URSACHE Benedict Cumberbatch entdeckt als Cowboy die Welt neu.
90 K ALENDER. Events, die man keinesfalls versäumen sollte
WIRTSCHAFT
40 VON WEGEN RUHESTAND
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16 DAS PHILOSOPHEN-INTERVIEW 18 MEIN ERSTES MAL
104 IMPRESSUM 106 CARTOON
81 KEINE ANGST Mit Profi-Paddler Aniol Serrasolses Patagonien vom Kajak aus erleben
THE RED BULLETIN
NORMAN KONRAD, CHARLIE CLIFT/BAFTA/CAMERA PRESS/PICTUREDESK.COM, @MATIASMONDACAPHOTO, CARLOS BLANCHARD
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GUTES AUGE Der Spanier Carlos Blanchard macht Snowboard-Fotos mit Gefühl – wie hier am Arlberg. Mehr von dem Stoff: im Portfolio
THE RED BULLETIN
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MÜNCHEN, DEUTSCHLAND
AXEL GUNDERMANN/RED BULL ILLUME
Schwerkraft? Nein, danke! Was will uns dieses Bild sagen? Dass für versierte Mountainbiker wie Christian Lubowski die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft g esetzt sind? Dass exzellente Fotografen wie Axel Gundermann bei praktisch jedem Wetter perfekt ausgeleuchtete Fotos hinkriegen? Oder dass einige Radwege noch immer recht gedankenlos aufgepinselt werden? Egal. Die Aufnahme schaffte es jedenfalls ins Semifinale beim Fotowettbewerb Red Bull Illume. Instagram: @yearroundmunich
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FRANZÖSISCHPOLYNESIEN
Wasserballett In der Südsee rund um Französisch- Polynesien wimmelt es geradezu vor Lebewesen: Es gibt hier mehr als tausend Fischspezies, elf verschiedene Arten Delfine, nicht zu vergesssen den Buckelwal. Weit weniger oft anzutreffen ist die Freitaucherin Marianne Aventurier, 43. Aber man muss sagen: In Sachen Eleganz und Anmut kann sie sich mit den Wasserbewohnern durchaus messen. Instagram: @alexvoyer_fisheye
DAVYDD CHONG ALEX VOYER/RED BULL ILLUME, ALBAN GUERRY-SUIRE/RED BULL ILLUME
LA PLAGNE, FRANKREICH
Schneetreiben Eine jungfräuliche Piste mit frisch gefallenem Neuschnee ist für einen Skifahrer ähnlich unwiderstehlich wie frisch gegossener Zement für ein aufgewecktes Kind. Obwohl Foto graf Alban Guerry-Suire die Stelle gut kannte, hatte er sie nie zuvor in so einem unberührten Zustand gesehen. Freeskier Anthony Robert nahm dann die Zerstörung der weißen Pracht entsprechend lust voll vor, natürlich mit Luftsprung. Instagram: @_stonecat
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AVERSTAL, SCHWEIZ
Hard Rock
HANNES TELL/RED BULL ILLUME
DAVYDD CHONG
Erstbegehungen extrem schwieriger Boulder sind die Spezialität des Schweizers Giani Clement, 38. Hier sehen wir ihn auf der von ihm erstmals im August begangenen Route „Stil vor Talent“ an einem Gneisfelsen im Boulder-Paradies Magic Wood im Averstal, Schwierigkeitsgrad 8c+. Der deutsche Fotograf Hannes Tell wollte den Zauber des Aufstiegs festhalten und hat ihn in 20 Aufnahmen dokumentiert: „Die Schönheit und die Logik dieser Linie sind beeindruckend“, sagt er. hannestell.de
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Z AHL EN, BI T T E!
COOLE REKORDE
Hauptsache flockig Von der tiefsten je gemessenen Temperatur über den größten Schneemann bis zum Geschwindigkeitsrekord auf Skiern: Hier sind Bestmarken, die es nur im Winter gibt.
Meter hoch war der größte Schneemann aller Zeiten. „Riesi“ wurde 2020 im steirischen Skigebiet Riesneralm errichtet.
11,81
Meter Schneehöhe wurden 1927 auf dem japanischen Mount Ibuki gemessen – das ist bis heute Weltrekord.
752
Kilometer lang ist der Wapusk Trail im Norden Kanadas. Die Straße aus Schnee und Eis wird jedes Jahr neu errichtet.
–89,2
Grad Celsius wurden im Juli 1983 in der Antarktis gemessen. Auf der Nordhalbkugel liegt der Rekord bei –69,6 °C, aufgestellt 1991 in Grönland.
2833
Athleten nahmen 2018 an den Olympischen Winterspielen in Korea teil.
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Nepalesen erreichten im Jänner 2021 den Gipfel des 8611 Meter hohen K2. Damit wurden alle Achttausender auch im Winter bestiegen.
12,9
Meter Innendurchmesser hatte der bisher größte Iglu. Er wurde 2016 in Zermatt aus rund 1400 Schnee ziegeln gebaut.
23.486
Höhenmeter auf Skiern bewältigte der Spanier Kilian Jornet 2019 in 24 Stunden: Weltrekord.
1.000.000.000.000.000.000
(eine Trillion) Wassermoleküle enthält, grob geschätzt, eine einzige Schneeflocke.
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THE RED BULLETIN
HANNES KROPIK
38,04
Meter Schnee fielen im Winter 1998/99 im US-Skiresort Mt. Baker im US-Bundesstaat Washington.
CLAUDIA MEITERT
km/h ist die höchste je auf Skiern gefahrene Geschwindigkeit (Ivan Origone, ITA).
28,96
GETTY IMAGES, PICTUREDESK.COM
254,958
4059
Schneekugeln brachten die Chinesin Wendy Suen ins Guinness-Buch der Rekorde.
Elegance is an attitude Regé-Jean Page
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The Longines Legend Diver Watch
F U ND ST Ü CK
Der Tiroler Gregor Schlierenzauer, 31, verkündete im Sep tember 2021 nach unerreichten 53 Welt cupsiegen sein Karriereende.
GREGOR SCHLIERENZAUER
Der Sprungski, mit dem der bislang erfolgreichste Skispringer 2006 den ersten Weltcupsieg errang Bevor ihr fragt: Das Wort „Eagle“ auf dem Ski hat nicht etwa Gregor mit der Nagelfeile eingeritzt. Es war das damalige Design der Skifirma. Obwohl: Es hätte schon so sein können. Schlierenzauer war damals sechzehn, und alles ging fast wie von selbst. Am 3. Dezember 2006 gelang ihm im norwegischen Lillehammer prompt der erste Sieg im Weltcup. „Interessant ist, dass ich mich an diesen Tag bis heute in jedem Detail erinnere“, sagt Gregor, „bis hin zum Geruch.“ Und wie riecht der Sieg? „Nach dem Holz und dem offenen Kamin des Hotels. Und nach norwegischem Putzmittel.“
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THE RED BULLETIN
CARLOS BLANCHARD, PICTUREDESK.COM
Meine ersten Sieger-Latten
DAS F IK T IV E PHILO S O PHEN- IN T ERV IE W
PLATON SAGT:
„Lasst es rocken, Leute!“
„Egal ob Mozart, Beethoven oder Nirvana: Musik wirkt wie eine Massage für die Seele.“
Wer wollte das bestreiten? Aber die Frage ging doch eher dahin, ob Sie auch gesungen oder ein Musikinstrument gespielt haben. Ah, ich verstehe! Ja, wie alle Jüng linge zu meiner Zeit habe ich die Leier zu spielen gelernt. Doch wie es in Ihrer Welt auch zu geschehen pflegt, habe ich im fortgeschrittenen Alter diese Kunst vernachlässigt. Was ich bedaure, denn das Spiel der Leier ist eigentlich nichts anderes als die Fortsetzung der Philosophie mit anderen Mitteln. Ich fürchte, das müssen Sie uns erklären. Schauen Sie: Worum geht es in der Philosophie? Der Name verrät es: um die Liebe, philía, zur Weisheit, sophía. Weisheit aber ist die Kunst des guten Lebens. Und was ist das gute Leben? Nun, das gute Leben ist ein stimmiges Leben, ein Leben im Einklang, eine Harmonie und eine Symphonie. Ein gutes Leben zu führen erfordert die Kompetenz eines Komponisten oder Dirigenten, der das Orchester all Ihrer Affekte, Emotionen, Gedanken, Wünsche und so weiter so zu einander ins Verhältnis setzt, dass eine schöne und stimmige Melodie dabei entsteht. Und nichts anderes 16
Gilt das nur für das Selbermusizieren oder auch für das Musikhören? Auch für das Hören. Ein schönes Konzert wirkt wie eine Massage für Ihre Seele – und üb rigens auch auf Ihren Leib. Würde ich in Ihrer Welt leben, ich käme wohl kaum mehr zum Denken, weil ich rund um die Uhr nur noch klassische Musik hören würde, um mich von ihr in gute Stimmung versetzen zu lassen. Mozart, Bach, Beethoven – beim Apollon, so stelle ich mir die Insel der Seligen vor … Okay – aber was halten Sie von anderen Musikstilen? Zum Beispiel von Rockmusik? Rockmusik! Ah, Sie meinen diesen rhythmischen, ekstatischen, diony sischen Lärm. Finde ich auch gut. Ist zwar etwas laut und manchmal auch ein bisschen nervig. Aber zuweilen höre ich mir hier in der Ewigkeit auch Nirvana an. Ich mag es, wenn die E-Gitarren wimmern.
Aber wie passt denn das zu Ihrer Begeisterung für klassische Musik? Alles passt zusammen, mein Freund. Die große Musik des harmonischen Lebens fügt auch das zusammen, was dem ungeübten Ohr nicht gut zu passen scheint. Aber gerade darin liegt die Meisterschaft der Lebens kunst. Nichts ausschließen, alles ins Lied des Lebens einflechten. Darum: Lasst es rocken, Leute! PLATON (428–348 v. Chr.) ist der wohl einflussreichste Philosoph der europäischen Kultur. Seine vollständig erhaltenen Dialoge verraten nicht nur eine hohe literarische Begabung, sondern auch die Fähigkeit, die ganze Weisheit der griechischen Antike zu einer Philosophie zusammenzufassen. Die von ihm gegründete Athener Akademie war knapp tausend Jahre lang das intellektuelle Zentrum der alten Welt. CHRISTOPH QUARCH, 57, ist deutscher Philosoph, Gründer der Neuen Platonischen Akademie (akademie-3.org) und Autor zahlreicher philosophischer Bücher, u. a. „Platon und die Folgen“, Metzler Verlag 2019. THE RED BULLETIN
BENE ROHLMANN
the red bulletin: Herr Platon, haben Sie zu Lebzeiten eigentlich auch musiziert? platon: Nun ja, wissen Sie, bei uns Griechen hatte das Wort „Musik“ eine umfassendere Bedeutung als in Ihrer Sprache. Als Musik galt uns alles, was von den Musen gewirkt war – und dazu gehörten auch die Poesie, der Tanz und selbstverständ lich auch die Philosophie. Deshalb befand sich die von mir gegründete Akademie in einem Heiligtum der Musen. Und als Philosoph, so will ich meinen, habe ich doch wohl ganz respektabel musiziert.
tun Sie, wenn Sie ein Musikinstrument spielen. Musi zieren weist den Menschen deshalb einen geraden Weg zum guten Leben.
DR. CHRISTOPH QUARCH
In den vergangenen eineinhalb Jahren haben viele Menschen vor allem die Musik vermisst. Keine Konzerte, aber auch kein gemeinsames Singen, weder im Chor noch in der Südkurve. Der griechische Philosoph Platon hat sich eingehend Gedanken über die Musik gemacht. In unserem fiktiven Interview mit dem Philosophen Christoph Quarch erklärt er, warum sie für uns so wichtig ist.
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M EIN ERST ES M A L
SEBASTIAN FITZEK
„Langeweile ist wichtig für unsere Kreativität“
Er ist der erfolgreichste deutsche Schriftsteller der Das war nicht etwa Wunschdenken, dass meine Gegenwart: Über zwölf Millionen verkaufte Bücher, Freundin da nicht wieder rauskommt, sondern meine 25 Bestseller, die in 24 Sprachen übersetzt wurden, allererste Thriller-Idee. Ich fand diese ‚Was wäre, 2016 bekam er den Europäischen Preis für Kriminal wenn …?‘-Frage total faszinierend. Davon ausgehend literatur. Was Sebastian Fitzeks fing ich an, über Figur und Hand lung nachzudenken. Dann nahm Thriller so attraktiv macht? Sie die Geschichte immer mehr beginnen mit einer vertrauten Form an, und ich brachte sie zu Alltagssituation: Der Protagonist Papier. Der Prolog meines ersten steht zum Beispiel an der Ampel Romans ist fast identisch: Ein oder bekommt ein Paket zu Mädchen verschwindet aus dem gestellt. Dann passiert etwas – Behandlungszimmer des Arztes. ein kurzer Störimpuls, der das Man will dem Vater, der gewartet Leben der Hauptfigur aus der hat, weismachen, sie sei da gar Bahn wirft –, und für den Leser nicht erst reingegangen. So beginnt eine wilde Achterbahn fahrt. beginnt seine Suche nach ihr. Im Gespräch erzählt der 50-jährige Berliner, wie ihm Bis heute inspirieren mich All tagssituationen am meisten. im Jahr 2000, als er beim Radio Neulich hatte ich eine Lesung arbeitete und noch längst nicht 0:00 –42:36 in Berlin. Als ich auf der Bühne daran dachte, Schriftsteller zu Sebastian Fitzek saß mit meinem Buch, dachte ich werden, das erste Mal die Idee Mein erstes Mal – der Podcast beim Aufschlagen: Was wäre, für einen Roman kam. Das dazu gehörige Buch erschien sechs wenn da jetzt etwas ganz anderes Jahre später unter dem Titel drinnen stünde? Wenn die etwas „Die Therapie“ und verkaufte anderes gedruckt hätten? War „Wie wäre es, wenn sich acht Millionen Mal. natürlich nicht der Fall, aber es sind solche Drehs, ganz kleine plötzlich ein Mensch „Ich begleitete meine damalige rritationen, die ich bewusst in verschwinden würde?“ IAlltagssituationen Freundin zum Orthopäden. einbaue, um Nachdem sie aufgerufen worden meine Kreativität anzukurbeln. Thriller-Autor Sebastian Fitzek wirft gern den Alltag seiner Figuren über den Haufen. war, saß ich in dem Warte Weil sich aus solchen Gedanken zimmer – eingeklemmt zwischen zwangsläufig weitere Fragen anderen Wartenden, die alle in etwas veralteten Zeit ergeben: Was stünde denn da drinnen? Wer ist schriften blätterten. Nach einer Dreiviertelstunde, der Schriftsteller, der statt mir auf der Bühne sitzt? die sich wie zwei Stunden anfühlte, dachte ich mir: Eine Idee führt zur nächsten – und mit etwas Glück Wo ist die denn? Ich wusste nicht, dass es ein zweites sitzt man irgendwann vor einem neuen Roman.“ Wartezimmer gab, in dem meine Freundin vor der Behandlung noch einmal zwischengeparkt wurde. „MEIN ERSTES MAL“ IST DIE RED BULLETIN-PODCAST-SERIE, Und irgendwann dachte ich mir, um mir die Zeit in der Heldinnen und Helden über ihre Anfänge sprechen. Die Folge mit Sebastian Fitzek, dessen zu vertreiben – denn Langeweile ist ganz wichtig für neuer Roman „Playlist“ gerade er unsere Kreativität –, was wäre eigentlich, wenn alle schienen ist, gibt’s im Podcast-Kanal Mitwartenden sagen würden: ‚Auf wen warten Sie? von The Red Bulletin. Auf Ihre Freundin? Sie sind doch allein gekommen.‘ Zu finden auf allen Und die Assistentin am Empfang würde sagen: ‚Nö, gängigen Plattformen für diesen Namen haben wir keinen Termin heute wie Spotify und auf redbulletin.com/podcast und auch sicher niemanden aufgerufen.‘
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MARCUS HÖHN
Hier erzählt Deutschlands Thriller-König, wie ihn ein Arztbesuch zu seinem ersten Roman inspirierte – und wie du deine eigenen Ideen mit Gedankenspielen beflügelst.
Make Your Body Smile. immun PLUS MIT VITAMIN C + D & ZINK*
*Zink, Vitamin C & D tragen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Empfohlene Verzehrseinheit: ein Glas (250 mL) pro Tag. Ganz allgemein empfehlen wir eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise.
P O RT FO L IO
TALKIN’ ’BOUT MY GENERATION Planung? Vergiss es! Drück drauf, wenn alles passt. Wie der Spanier CARLOS BLANCHARD, 38, das Lebensgefühl der Snowboarder in lässige Fotos verwandelt. Protokoll ANDREAS WOLLINGER
„Das ist eines meiner aktuellen Lieblingsbilder, weil es alles zeigt, was ich an unserem Sport so mag: Dynamik, Feeling und jede Menge Spaß.“ Airolo, Schweiz, 2018
Der deutsche Snowboarder Elias Elhardt fetzt über eine Schneekuppe. Das Foto entstand bei Dreharbeiten zu Elhardts erstem Filmprojekt „Contraddiction“.
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THE RED BULLETIN
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„Wenn du mit Typen wie Elias Elhardt unterwegs bist, weißt du, dass es spontan und lustig wird. Alles andere ergibt sich von selbst. Planung ist ohnehin überbewertet.“
Lofoten, Norwegen, 2018
Elias in der Luft bei einem Frontside 720, einer zweifachen Drehung um die Hochachse
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„In diesem abgelegenen Resort mussten wir zum Abendessen zu Fuß gehen. Alex Tank nahm sein Board, um schneller da zu sein – für mich zeigt das Bild die Ausgesetztheit des Menschen in der Natur.“ Brezovica, Kosovo, 2019
Der deutsche Snowboarder Alex Tank stapft aus dem Hotel in den Schneesturm – Sekunden bevor er anschnallt.
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„Als ich dieses Bild aufnahm, hatte es minus 25 Grad. Ich hatte schon Angst um meine Kamera.“
Pyhä, Finnland, 2021
Die Niederländerin Lisa Bunschoten bei einem Boardercross-Rennen. Das Bild stammt aus Carlos Blanchards Buch „Dreams“ über para lympische Snowboarder.
„Eine Splitboard-Tour zu so einem Aussichtspunkt kann anstrengend sein. Aber die Aussicht war sie allemal wert.“ Lofoten, Norwegen, 2018
Ein Bergrücken auf der Inselgruppe der Lofoten. An manchen Stellen ragen die steinernen Giganten bis zu 1200 Meter hoch aus dem Meer. Splitboards lassen sich für den Aufstieg auseinandernehmen, was Snowboardern Skitouren ermöglicht.
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„Das ist Knut Eliassen, das kreative Hirn des SnowboardTeams Nitro. An diesem Tag suchten wir bei Regen eine interessante Location. Knut ist so voller Energie, dass er selbst bei der Kälte kein T-Shirt braucht.“ Lofoten, Norwegen, 2018
Snowboard-Marketing-Manager Knut Eliassen posiert für ein Porträt. Fotograf Blanchard sagt: „Seine Quirligkeit ist ansteckend.“
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„Spannender als die Gesichter der Teilnehmer fand ich hier die mit Tape an die Beine geklebten Startnummern.“
Mount Baker, Washington (Staat), USA, 2019 Teilnehmer am Start des „Legendary Banked Slalom“. Das Rennen wird seit 1985 durchgeführt und gilt als Mekka für Snowboarder.
Titel
Ort, Datum
„Faccullentio. Ita pro dolore doloraectur? Bearum et eatiusa antecea arum nullaccus, sus. Rum ducia venis magnihit utemFaccullentio. Ita pro dolore doloraectur? Bearum et eatiusa antecea arum nullaccus, sus. Rum ducia venis magnihit utem vitionsequi doluptas niandel et anda venihil latur, cum que nus vitionsequi doluptas niandel et anda venihil latur, cum que nus“
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„Mach es für die Show, heißt es. Wenn einer der besten Snowboarder der Welt loslegt, steht er wie hier sofort im Mittelpunkt.“ Brezovica, Kosovo, 2019
Elias Elhardt entzückt das Publikum mit einem Sprung vom Dach der Hütte (rechts im Bild).
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„Was man hier nicht sieht: Lisa Bunschoten trägt eine Prothese unterhalb des linken Knies. Das verändert ihre Bewegung, nicht aber das Tempo und den Hunger nach Erfolg.“ Flachauwinkl, Österreich, 2020 Die paralympische Snowboarderin Lisa Bunschoten aus den Niederlanden bei einem Trainingslauf
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„Das habe ich nach einem langen Tag beim letzten Licht aufgenommen. Was kann man mehr verlangen als so einen Sonnenuntergang an einem derart fantastischen Ort?“ Nationalpark Torres del Paine, Chile, 2017
Bergsilhouette mit Wolkenhintergrund. Blanchards Glück: Das Foto war das allerletzte einer Filmrolle.
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„Ich liebe es, Menschen in einem unvorbereiteten Moment zu erwischen. Man sieht dann mehr von ihrer Persönlichkeit.“ Kitzsteinhorn, Österreich, 2018
US-Snowboarderin Hailey Langland kurz nach einem Shooting auf dem Parkplatz, noch ganz in Konzentration gefangen
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„Ein Bild, das meinen Zugang zu Fotografie erklärt. Klar ist die Gegend schön – aber alles, was am Ende zählt, ist die Action.“
Lofoten, Norwegen, 2018
Elias Elhardt bei einem Sprung nah am Wasser vor der malerischen Kulisse der Kapelle von Sildpollnes
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DER FOTOGRAF
CARLOS BLANCHARD Das Talent zum Fotografieren liegt bei Carlos Blanchard in der Familie: Schon sein Großvater und Vater waren passionierte Lichtbildner. Bereits als Jugendlicher begeisterte er sich dank der vom Großvater überlassenen Nikon-Kamera
Snowboard-Fotokünstler Blanchard im Nationalpark Torres del Paine, Chile
für diese Ausdrucksform. Trotzdem fand Carlos, geboren im spanischen Saragossa, mit Anfang zwanzig erst relativ spät zu seiner Berufung. In der Folge erhielt er eine gediegene Ausbildung und etablierte sich als Snowboard-Fotograf. Als er vor zehn Jahren nach Innsbruck über siedelte, hob seine Karriere richtig ab. Der heute 38-Jährige ist immer bestrebt, seinen eigenen, unverwechselbaren Stil zu etablieren und ein gutes Auge für oft übersehene Details zu ent wickeln, die ein Foto erst jene Geschichten erzählen lassen, die uns inspirieren. „Ich glaube an die Kommunikation zwischen der Realität und der Vorstellungskraft“, sagt Carlos. „Ich möchte den Betrachter weder verstören noch beeinflussen, ich will nur meine Freude an der Suche nach und dem Einfangen von speziellen Momenten teilen.“ carlosblanchard.com
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Film
kastriert in seinem neuen Film ein Rind. Weil er muss. Privat? Ist er super soft. Und demnächst Buddhist. Interview RÜDIGER STURM
Ein Hubschrauber donnert vorbei, im Hintergrund klimpert ein Pianist, aber Benedict Cumberbatch bleibt beim Interview auf der Terrasse des venezianischen Hotels Excelsior cool und spricht konzentriert und mit unerschütterlicher Ruhe. Das mag daran liegen, dass der 45-Jährige in seinen Rollen schon wesentlich intensivere Herausforderungen gemeistert hat. Auch in dem Cowboy-Drama „The Power of the Dog“ (auf Netflix) lässt er sich auf physische Strapazen und aufreibende Psychoduelle ein. Vielleicht hat es aber auch damit zu tun, dass er für seine mentale Ruhe eine ganze Menge unternimmt. the red bulletin: Herr Cumber batch, Ihre Rolle in „The Power of the Dog“ scheint nicht gerade gemütlich gewesen zu sein. BENEDICT CUMBERBATCH: Ich verstehe das als Kompliment. Ich will Jobs, die mir das Ungewohnte bieten. Nur so kann ich dabei Spaß haben. Das dürfte auch für das Publikum interessanter sein, als wenn ich immer das Gleiche mache. Sie müssen in dem Film den Job eines Cowboys erledigen: reiten, Rinder zusammentreiben und kastrieren. Haben Sie dabei etwas gelernt, was Sie im Alltag brau chen können?
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Ja, ich kann jetzt mit Kühen um gehen. Kürzlich waren wir im Urlaub und spazierten auf einem Pfad zum Strand, als uns Leute mit angsterfüllten Gesichtern entgegenrannten. Der Pfad war von einer Gruppe Kühe blockiert. Dank meiner neuen Kenntnisse konnte ich sie wegtreiben – natürlich sanfter als im Film. Also ist der knallharte Macho bei Ihnen nur gespielt? Wir leben in anderen Zeiten als früher. Heute willst du mit anderen Menschen mitfühlen, ihren Blickwinkel verstehen. Es ist doch so viel schöner, wenn du die Gemeinsamkeit mit anderen Menschen spüren kannst. Dazu gehört auch, dass du diese toxische Männlichkeit bekämpfst. Wann immer dir Chauvinismus begegnet, solltest du ihn beim Namen nennen und dagegen auftreten. Sie wirken sehr fortschrittlich. Wie haben Sie Ihr Weltbild ent wickelt? Mir hilft Meditation sehr. Das ist ein Instrument, mit dem du die Stille in dir spüren kannst. Sie befreit dich vorübergehend von deinen Gedanken und gibt dir die Möglichkeit, dich komplett zu entspannen. Das ist ideal, um Stress abzustreifen.
Ist das nicht eine ziemlich pessimistische Weltsicht? Das hängt davon ab, was man unter Leiden versteht. Viele denken, das ist der Schmerz, wenn man einen Unfall hat oder Gewalt erfährt. Aber eigentlich ist dieses Leiden nur Anspannung. Und die entsteht oft, weil wir mit den Veränderungen des Lebens nicht klarkommen. Das Leben ist ständig im Fluss, was wir mit all unseren Sinnen wahrnehmen. Wenn wir das akzeptieren, können wir uns von unseren Schmerzen befreien. Wir müssen begreifen, dass alles im Leben vergeht. Was aufsteigt, fällt, und was fällt, steigt wieder auf. Liegt in dieser Erkenntnis auch der Schlüssel zum Glück? Der Schlüssel zum Glück ist, dass du gar nicht erst danach suchst. Und auch nicht die Frage stellst, wo es liegt. Wenn du ihm hinterherjagst, kannst du es nicht finden. Erlebe einfach nur das Sein. In jedem be liebigen Moment. Das ist die Wahrheit. Oder man könnte sagen, der Topf Gold befindet sich am Ende des Regenbogens. Haben Sie eigentlich auch schon Unglück erlebt? Ich war dieses Jahr beim Finale der Fußball-EM im Wembley-Stadion (England verlor 3:4 im Elfmeter schießen gegen Italien; Anm). Muss ich noch mehr sagen? „The Power of the Dog“: ab 1. Dezember bei Netflix
Wie oft meditieren Sie? Ich versuche, es einmal täglich zu tun, normalerweise am Morgen. Aber es hilft mir auch, mich zu be ruhigen, bevor ich schlafen gehe. THE RED BULLETIN
CHARLIE CLIFT/BAFTA/CAMERA PRESS/PICTUREDESK.COM
Benedict Cumberbatch
Abgesehen vom Meditieren interessieren Sie sich angeblich auch für den Buddhismus. Für die Buddhisten ist das Leben Leiden. Stimmen Sie dem zu? Ja, unbedingt.
„EM - Finale. WembleyStadion. Muss ich noch mehr sagen?!“ Benedict Cumberbatch, 45, über tiefes Unglück, das er mit östlichen Weisheiten lindert
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Serien
sagt: „Nur in der Natur entdeckst du dein volles Potenzial.“ Deshalb badet der Berliner Netflix-Star in Eiswasser, melkt Kühe und wandert allein durch Georgien. Interview RÜDIGER STURM
Nein, auf dieses Wortspiel wollen wir nicht verzichten: 2021 war für die Berliner Schauspielerin Henriette Confurius ein furioses Jahr. Sie war – und ist – in der Netflix-Serie „Tribes of Europa“ ebenso zu sehen wie in zwei mehrfach ausgezeichneten Kinofilmen: Sowohl im Drama „Das Mädchen und die Spinne“ als auch in der Bestseller-Verfilmung „Generation Beziehungsunfähig“ spielt sie eine Hauptrolle. Die Kraft, die sie für ihr Spiel braucht, holt sie sich in der Natur. Im Gespräch erklärt sie, wie ihr diese Erfahrungen geholfen haben, ihr Potenzial auszuschöpfen. the red bulletin: Ein Blick zurück – deine beiden Filme sind dieses Jahr beinahe gleichzeitig gestartet. Gibt es einen gemeinsamen Nenner? Henriette Confurius: Vielleicht die Angst, Gefühle zuzulassen und sie dann ehrlich auszudrücken. Und auch die Angst vor dem Schmerz des Verlassenwerdens. Was ist deine Erfahrung? Kann man solche Ängste überwinden? Ängste sind ja prinzipiell nichts Schlechtes. Angst kann auch ein Antrieb sein. Ein Problem wird sie nur, wenn sie einen davon abhält, das Leben zu führen, das man führen will.
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Wie hast du herausgefunden, welches Leben du führen willst? Eine wichtige Erfahrung war, dass ich mit siebzehn ein Jahr auf einer Farm in Irland gelebt habe. Ich hatte mit zehn mit dem Schauspielen ange fangen und wollte nicht mehr weiter machen. Die Schule hatte ich auch abgebrochen – so habe ich mir eine Pause von meinem Leben genommen. Was hat das mit dir gemacht? Ich habe mich besser kennengelernt – und gemerkt, was mir guttut: frühes Aufstehen, eine feste Struktur und körperliche Arbeit – wie Kühe melken. Viele Menschen wissen gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, physisch zu arbeiten. Aber du melkst ja auch nicht mehr jeden Tag Kühe. Nein, aber ich stehe noch immer früh auf, um den Sonnenaufgang zu erleben. Im Alltag hinterfragt man vieles, und das löst ein Grundrauschen an Sorgen und Stress aus. Das verschwindet in solchen Momenten. Wenn ich früh genug draußen war und frische Luft hatte, dann befinde ich mich in einem Rhythmus, der zu mir passt. Eine ganz ähnliche Wirkung hat es, wenn ich durch den Wald gehe oder am Meer sitze.
Woher hast du diese Sicherheit genommen? Ich muss zugeben, dass da ein bisschen Naivität dabei war. Aber ich bin jemand, der sich in vermeintlich gefährlichen Situationen sicher fühlen kann. Ich glaube, speziell aus meinen Naturerfahrungen habe ich gelernt, mit meinen Ängsten umzugehen. Vieles ist Kopfsache. Wie hast du das gelernt? Mit Eisbaden zum Beispiel. Normalerweise löst die Vorstellung von eiskaltem Wasser Angst aus, zum Beispiel vor dem Krankwerden. Wir denken, wir sind da in Gefahr. Aber du darfst deine Empfindungen nicht bewerten. Das ist wie in einer Meditation – du beobachtest nur. Und sagst dir: Das ist Kälte, und sie macht das und das mit meinem Körper. Mein Herzschlag wird erst sehr, sehr schnell und dann plötzlich sehr langsam. Die Farben, die ich sehe, verändern sich. Das, was ich höre, verändert sich, und auch mein Zeitgefühl. Ein ähnliches Beispiel habe ich beim Dreh zu „Das Mädchen und die Spinne“ erlebt, als ich eine Spinne über meine Hand laufen lassen musste. Zuerst hat sich der Körper aus spontanem Ekel heraus verkrampft, aber dann habe ich ihr einfach nur zugeschaut und alles geschehen lassen, schon war ich ruhig. Henriette Confurius ansehen: Die erste Staffel von „Tribes of Europa“ läuft auf Netflix.
Was war bis jetzt deine intensivste Naturerfahrung? Ich bin vor etwa sechs Jahren einen Monat lang durch Georgien gewandert – und zwar ohne wirklich gut THE RED BULLETIN
MATHIAS BOTHOR/PHOTOSELECTION
Henriette Confurius
Karten lesen zu können. Einmal war ich zwei Tage durchgehend in der Natur unterwegs, ohne einen Menschen zu treffen. Aber ich habe nicht daran gedacht, dass mir etwas passieren könnte. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass ich schon jemandem begegnen werde.
„Ich konnte nicht mal Karten lesen. Ich ging einfach los.“ Schauspielerin Henriette Confurius, 30, marschierte einen Monat lang durch Georgien.
THE RED BULLETIN
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Wirtschaft
Aksel Lund Svindal wäre die ultimative Challenge am Heiratsmarkt: Der Norweger ist nicht nur Ski-Ass, Olympionike und Charismatiker – jetzt rettet der Kerl auch noch die Welt! Interview HANNES KROPIK Foto RAINER HOSCH
Aksel Lund Svindal, 38, beendete seine Rennfahrer-Karriere 2019 würdig – mit WM-Silber in der Abfahrt. Doch der zweifache Olympiasieger, fünffache Weltmeister und zwei fache Gesamtweltcupsieger hat nach seiner aktiven Zeit fast noch mehr Stress als zuvor. Nach der 2020 veröffentlichten Autobiografie „Größer als ich“ kommt nun auch sein Film „Aksel“ in die Kinos. „Ursprünglich wollte ich in der Ski-Pension ein ruhiges, beschauliches Leben führen“, sagt er. „Ich hatte sogar Angst, dass zu wenig los sein könnte. Ich gebe zu: Da habe ich mich getäuscht.“ THE RED BULLETIN: In deiner Autobiografie erklärst du, dass du als Abfahrer in Gedanken immer vierzig Meter vor deinem Körper warst, um rechtzeitig auf Gefahren reagieren zu können. AKSEL LUND SVINDAL: So ist es. Dieses vorausschauende Denken wurde durch meine Skikarriere geschärft. Wenn ich heute beim Radfahren mit Freunden in eine unerwartete Situa tion komme und schnell eine Alternative finden muss, schaltet mein Hirn in den Analysemodus. Wenn ich mich dann umdrehe, sehe ich, dass ich ihnen mehrere hundert Meter abgenommen habe. Ich kalkuliere Risiken schneller als andere und treffe rascher Entscheidungen.
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Als Rennfahrer wusstest du, dass Niederlagen unvermeidlich sind. Sind dir die finanziellen Risiken in deinem neuen Leben als Investor genauso bewusst? Mir ist klar, dass ich nach falschen Entscheidungen Lehrgeld bezahlen werde. Diese Verluste sehe ich jedoch als Investition in meine Ausbildung. Zum Glück habe ich als Skifahrer so viel Geld verdient, dass ich mir Risiken leisten kann. Du bist schon 2014 bei Douchebag, der hippen SporttaschenFirma deines Ski-Kumpels Jon Olsson eingestiegen, besitzt ein Hotel und investierst in zahlreiche Start-ups – nach welchen Kriterien gehst du da vor? Am wichtigsten ist, dass ich selbst verstehe, worum es geht. Und wenn ich es nicht verstehe, frage ich Menschen, die sich auskennen. Mein Bekanntheitsgrad hilft mir dabei: Wenn ich jemanden kennenlernen möchte, zum Beispiel Norwegens führendeExperten auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass wir uns auf eine Tasse Kaffee treffen. Was fasziniert dich an der Hightech-Welt und ihren Vorreitern? Ich habe mich schon während meiner Skikarriere damit beschäftigt; 2014 habe ich eine Verletzungs pause genützt, um im Silicon Valley Leute von Google und Facebook
zu treffen. Wir haben auf der Erde so viele P robleme, die wir mithilfe technologischer Entwicklungen lösen müssen. Wir wissen, dass wir morgen nicht mehr so leben können, wie wir es gestern getan haben. Unsere Zukunft hängt davon ab, welche Lösungen uns jetzt einfallen. Du bist Partner in der InvestmentGruppe Norselab. An welchen Lösungen arbeitest du konkret? Wir halten verschiedenste Beteili gungen an Start-ups. Etwa bei DoMore Diagnostics – die haben einen Algorithmus entwickelt, mit dem eine Maschine Krebs genauer diagnostizieren kann als die besten Ärzte. Und mit meiner eigenen Firma Airthings beschäftige ich mich intensiv mit Luftqualität in geschlossenen Räumen. Rund um Corona ist das leider sehr aktuell geworden. Wie man auch in deiner Doku „ Aksel“ sieht, hast du im Lauf deiner Karriere viele schwere Verletzungen erlitten – beeinträch tigen sie dein Leben heute noch? In meiner letzten Saison waren die Schmerzen im rechten Knie so stark, dass ich Stiegen seitwärts hinuntersteigen musste. Heute geht es mir wesentlich besser, ich habe zehn Kilo Muskelmasse abgenommen. Leider kann ich nicht mehr so gut laufen und muss mich beim Fußball- oder Tennisspielen sehr zurückhalten. Skifahren geht noch? Ich gehe wahnsinnig gerne Ski fahren. Leider ist das aber das Allerschlechteste für mein Knie. Ich fahre jetzt also nur noch am Vormittag und setze mich dann an den Com puter. Arbeit habe ich ja genug. Mehr über Aksels Arbeit: norselab.com, airthings.com Die Doku „Aksel“ ist ab 12. November in den Kinos.
THE RED BULLETIN
„Ruhige Kugel in der Ski-Rente? Mann, da habe ich mich getäuscht.“ Aksel Lund Svindal, 38, über seine Arbeit mit Start-ups, die unsere Zukunft sichern
THE RED BULLETIN
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TEAM-MEETING
E-Sports-Trainer Fabian Lohmann, 25, mit den Papp figuren seiner Profi-Gamer in Berlin. Sein Team brilliert im Echtzeit-Strategie-Spiel „League of Legends“.
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THE RED BULLETIN
E-Sports
Was wird hier gespielt, Herr Lohmann?
Wie tickt die Welt des E-Sports? FABIAN LOHMANN hat es uns verraten. Europas erfolgreichster „League of Legends“-Trainer über MillionenPreisgelder, Shitstorms aus China und Stars, die mit 25 in Pension gehen. Text MARC BAUMANN Fotos NORMAN KONRAD THE RED BULLETIN
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Warum ist ausgerechnet das Echtzeit-Strategiespiel „League of Legends“ bei E-Sports-Turnieren das beliebteste Game der Welt?
ERFOLGSCOACH
Lohmann im Pokalraum des Hauptquartiers seines E-Sports-Teams G2 in Berlin
E-Sports
boomt, weltweit und auch in Österreich. Die Spieler messen sich in Sportsimulationen, aber auch in Egoshootern wie „Call of Duty“ oder „CounterStrike“. Das bei weitem beliebteste Wettbewerbsspiel ist allerdings das Echtzeit-Strategiespiel „League of Legends“ („LoL“). Nur um die Dimensionen einmal zu verdeutlichen: Ein Startplatz in der höchsten europäischen „LoL“-Liga w urde kürzlich um 25 Millionen Euro verkauft. E-Sports ist nicht nur für Spieler attraktiv, es zieht auch immer mehr Zuschauer an: Inzwischen füllen die Turniere auch die größten Stadien. Die große Masse der Fans schaut aber auf dem Online-Streaming-Dienst Twitch oder via YouTube zu. Während viele Top-Teams und Superstars in Asien daheim sind, ist bei den E-Sports-Trainern ein Deutscher in der Weltspitze vertreten: Fabian Lohmann, 25, Kampf name „GrabbZ“, aus Wolfsburg, kam mit seiner Mannschaft G2, formiert aus europäischen Top-Spielern, 2019 bis ins WM‑Finale von „League of Legends“. Wir haben uns von ihm die Welt von E-Sports erklären lassen. 44
Im Mai feierte „League of Legends“ („LoL“) einen Zuschauerrekord bei Twitch: Die User streamten das Spiel mehr als 174 Millionen Stunden. Dabei ist die Spielidee von „LoL“ gar nicht so originell: Zwei Teams mit je fünf Spielern treten gegeneinander an. Jetzt, zwölf Jahre nach der Markteinführung, ist die Beliebtheit des Online-Multiplayer-Games immer noch ungebrochen. Im Gegenteil: Sie wächst sogar noch. Warum? „LoL“ ist einfach zu spielen, aber schwer zu meistern. Es gibt 150 Helden zur Auswahl: Jeder von ihnen hat unterschiedliche Fähig keiten, Stärken und Schwächen – nicht einmal ein Profitrainer wie Fabian „GrabbZ“ Lohmann kann sich die Eigenschaften aller Figuren merken, wie er gerne zugibt. Die ultimative Herausforderung besteht jedoch darin, dass die Entwickler von Riot Games, Erfinder von „LoL“ und in L. A. beheimatet, alle zwei Wochen ein Update („Patch“) herausbringen, das das Spiel jedesmal stark verändert. So, als würde der Fußballweltverband beschließen, dass Kopfballtore plötzlich doppelt zählen. „Wir hatten bis Mitte 2020 einen sehr aggressiven Spielstil, ich wusste damals genau, welche Helden wir wählen mussten. Dann kam ein Patch, mit dem die Entwickler entschieden, dass dieser sehr offensive Stil deutlich schwieriger zu spielen ist – und wir mussten uns total um stellen“, e rinnert sich Lohmann. THE RED BULLETIN
E-Sports
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Was müssen HobbyGamer mitbringen, um unter 100 Millionen aktiven Spielern zur Weltelite aufzusteigen? Wer wirklich sein Geld mit E-Sports verdienen möchte, muss schnell sein, vor dem Bildschirm wie im Leben: Mit 17 Jahren darf man Profi werden, mit Mitte 20 enden die meisten Karrieren schon wieder. Der Weg zur Spitze sieht bei „LoL“ zum Beispiel so aus: Erst einmal gilt es, sich auf Level 30 hochzuspielen, um überhaupt Ranglistenspiele machen zu können. Und dann reiht man sich in eine sehr lange Schlange ein: „Wir haben fünf Millionen Ranglistenspieler in Europa, davon werden vielleicht 50 Profi“, sagt Fabian Lohmann. Trotzdem sind Hunderttausende bereit, jeden Tag bis zu zwölf Stunden zu spielen, um richtig, richtig gut zu werden. Bis die Profimannschaften auf einen Spieler aufmerksam werden, muss der in der Rangliste in den niedrigen dreistelligen Bereich hinaufklettern. Lohmann: „Unsere Mannschaft G2 trainiert 12, 13, 14 Stunden – jeden Tag.“ Und die „LoL“-Saison ist lang, elf Monate am Stück. Unter den Millionen Ranglisten- Spielern sind nur – geschätzt – tausend Frauen, so Lohmann. „Aber es kommen immer mehr Frauen dazu. Die Türen stehen ihnen offen, sofern sie bereit sind, den exzessiven ‚LoL‘- Lebensstil zu führen.“
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Kochen, Fitness, Stress: Wie wird man eigentlich E-Sports-Trainer?
„Bei Videospielen habe ich zwei linke Hände“, sagt Fabian Lohmann. Im Jahr 2010, im Alter von 14 Jahren, spielte er erstmals „LoL“, „ich war spät dran als E-Sportler“. Gleichzeitig aber hatte er einen guten Zeitpunkt erwischt, um in die noch junge Szene hineinzurutschen: Ein paar Jahre später arbeitete Lohmann neben dem BWL-Studium als Analyst für ‚LoL‘-Teams. Die dynamische, junge E‑Sports-Szene begeisterte ihn mehr als das theoretischere Studium. Im Februar 2016, mit knapp zwanzig, wurde er erstmals Cheftrainer. Fabian Lohmanns große Stärken sind Motivation und Stressmanagement. „Früher habe ich jede Niederlage öffentlich auf meine Kappe genommen, um das Team zusammenzu halten“, erzählt Lohmann. 50 Prozent seines Jobs seien Psychologie, 20 Prozent Organisatorisches und 30 Prozent taktisches Arbeiten am Spiel. Außerdem muss er am Ende seiner randvollen Arbeitstage noch schauen, was die koreanische oder chinesische Liga so treiben. GrabbZ leitet auch ein Team von mehreren Analysten, einem Fitnesstrainer und einem sehr gesundheitsbewussten Koch – man muss ja nicht jedes E-Sportler- Klischee erfüllen.
Lohmanns Spieler wissen oft nicht, was sie gestern gegessen haben – können aber drei Jahre alte Partien analysieren. THE RED BULLETIN
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Wie formt man aus chaotischen Charakterköpfen ein eingeschworenes E-Sports-Team? Im Wettbewerb agieren seine Spieler messerscharf analytisch, brillieren mit hohem mathematischem Verständnis, berechnen blitzschnell Schadenspunkte und richten ihre Taktik danach aus. „Aber wo sie ihr Handy wieder haben liegen lassen, ist dann als Information nicht mehr gespeichert“, erzählt Fabian Lohmann lachend. Seine Spieler wissen oft nicht, was sie gestern gegessen haben, aber sie können dir sagen, wie vor drei Jahren eine unwichtige „LoL“-Partie abgelaufen ist. Als Fabian Lohmann vor fünf Jahren als Coach anfing, hatte der ehemalige Landesliga-Fußballer ein ganz klares Bild davon, wie ein Trainer sein sollte – „aber das hat sich dann gleich er ledigt, weil E-Sportler andere Bedürfnisse und Vorstellungen haben als Fußballer“. Er merkte außerdem, dass seine sehr deutsche Vorstellung von Disziplin weder modern noch umsetzbar ist in E-Sports – mit Spielern aus Slowenien, Polen, Dänemark oder Schweden. Der erste Schritt war, zu verstehen, warum seine Spieler manche Dinge so und nicht anders haben wollten, und um diese Erkenntnisse herum funktionierende Strukturen zu schaffen. „Für die einen Spieler ist ein strukturierter Tagesablauf sehr wichtig, für andere ist so was eher schlecht. Da muss ich als Trainer herausfinden, wie ich diese Wünsche unter einen Hut bringen kann.“ Lohmanns Leit faden geht so: Vertrauen schaffen, offen über alles reden können, kon stant sein in Entscheidungen und berechenbar bleiben.
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E-Sports
Zocken nach Zahlen Herzrasen wie im Formel-1-Cockpit, Marktwerte wie Top-Fußballer, eine Gaming-Community fast so groß wie Japan: Hier sind die Fakten zum E-Sports-Boom.
IMMER MEHR ZUSCHAUER 5,41 Millionen Menschen verfolgten 2021 vor ihren Bildschirmen die erste Final runde der „Free Fire World Series“, ein Turnier in einem mobilen Game aus der Adventure-Abteilung. Kein E-Sports-Event hatte bis dahin mehr Zuschauer. Zwei Jahre vorher war es gerade einmal die Hälfte gewesen (2.016.157).
LAND DER SPIELER 115 Millionen Menschen spielen „League of Legends“. Würden sie alle in einem Land wohnen, bildeten sie die zwölftgrößte Nation der Welt.
Platz 1 China 1434 Mio. 46
Platz 3 USA 331 Mio.
Platz 9 Russland 146 Mio.
Platz 11 Japan 126 Mio.
Platz 12 „League of Legends“Spieler 115 Mio.
Platz 17 Deutschland 84 Mio.
Platz 96 Österreich 9 Mio.
Platz 99 Schweiz 8,7 Mio.
THE RED BULLETIN
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MONUMENTALE MARKTWERTE 410 Millionen Euro beträgt der Marktwert des E-Sports-Teams „TSM“ – etwa so viel wie jener des europäischen Fußball-Topklubs Ajax Amsterdam.
BLITZARTIGE REAKTIONEN Erst wirkt der Wert gering: Die Reaktionszeit von E-Sportlern ist nur 21 Millisekunden kürzer als bei Normalsterblichen – so viel Zeit braucht ein Airbag, um sich aufzublasen. Aber im Spiel unterscheidet genau das zwischen Weltklasse und Amateuren.
HERZKLOPFEN
OLE HÄNTZSCHEL
Bis zu 180-mal pro Minute schlägt das Herz eines E‑Sportlers im Spiel – so eine Studie der Deutschen Sport hochschule Köln über Strategie-Spieler. Auf so einen Wert kommen Formel-1-Fahrer, wenn sie auf die erste Kurve zurasen.
FLIEGENDE FINGER
DAVID MAYER
Bis zu 600 Finger bewegungen pro Minute führen E-Sportler während der Kämpfe bei Real-Time-Strategie spielen an der Maus, am Controller oder am Keyboard aus.
THE RED BULLETIN
PRÄCHTIGE PREISGELDER 13,18 Millionen Euro kassierte das E-Sports-Team „OG“ 2019 für einen Turniersieg im MultiplayerOnline-Game „DOTA 2“. Zum Vergleich: TennisAss Novak Djokovic bekam für seinen Wimbledon- Sieg im selben Jahr 2,73 Millionen Euro.
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E-Sports
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Busfahrt im Gucci-Bademantel: Wie ticken Stars in E-Sports?
E-Sports-Superstars sind nicht so reich wie junge Profifußballer, die mit achtzehn oder neunzehn oft bereits Multimillionäre sind. Aber die besten Spieler bei „League of Legends“ bekommen ein Gehalt, das sich viele Menschen wünschen würden. Teilweise sechsstellig im Jahr. Lohmann: „Wenn ich merke, dass ein Spieler unnötigen Luxus kauft, dann rede ich mit ihm. Mein Team ist da sehr vernünftig, gleich mehrere haben sich Häuser oder Wohnungen gekauft, die Eltern achten da drauf“, sagt Lohmann. Aber klar, ein bisschen Protzen kommt schon einmal vor – zwei Spieler haben sich etwa zum Spaß GucciBademäntel für 5000 Euro das Stück gekauft. Es gab dann ein Foto von den beiden, wie sie im Bademantel aus dem Teambus steigen – ein großer Spaß! Lohmanns bekanntester Spieler hat eine halbe M illion Follower auf Twitter. Die Leute in E-Sports definieren sich sehr über den Erfolg in sozialen Medien und auf Streamingdiensten wie Twitch. Aber nur viele Follower zu haben und wenig Leistung zu zeigen geht in E-Sports nicht: „Die Fans lassen einen sonst schnell fallen“, weiß Lohmann. Nachsatz: „Superstars sind auch die besten Spieler, weil sie für besondere Momente sorgen.“ Und: Sie kennen ihren Wert. „Früher war ich bei schwächeren Teams, da konnte ich sagen: ‚Verbessert euch, oder ihr spielt nicht mehr‘“, sagt GrabbZ. „Jetzt arbeite ich mit fünf Stars, die genau wissen, dass man sie nicht so leicht austauschen kann.“ 48
Warum sind Chinesen, Südkoreaner und Japaner in E-Sports überlegen? In China und Korea trainieren die Profis 16 Stunden am Tag, das ist dort die Erwartungshaltung. „Es gibt kultu rell große Unterschiede bei E-Sports – in Asien wird sehr autoritär gearbeitet, die haben ja schon als Schüler viel mehr Leistungsdruck“, meint Fabian Lohmann. „Ich kann von meinen Spielern nicht verlangen, den knallharten asiatischen Weg zu gehen.“ Kleiner Einschub: In China hat die Regierung vor kurzem autoritär eingegriffen. Unter 18-Jährige dürfen künftig nicht mehr als drei Stunden pro Woche Computer spielen, was die E-Sports-Szene hart treffen wird. „Wir Europäer werden von den Asiaten ‚die Künstler‘ genannt, weil wir Konventionen nicht so ernst nehmen und unser eigenes Ding machen“, sagt GrabbZ. In Turnieren sind die Euro päer anfangs hinten. Aber weil sie nicht ganz so hart trainieren, haben sie dann noch Reserven, um sich im Turnier zu steigern. Darum war die Verblüffung der Koreaner groß, als sie erstmals gegen Europäer verloren. Lohmann weiß noch, wie Superstar Lee „Faker“ Sang-hyeok bei einem Turnier an ihm vorbeigelaufen ist. „Ich merkte: Der weiß gar nicht, wer wir sind. Seit wir gegen sein Team gewonnen haben, ist sein Lächeln anders – er nimmt uns jetzt ernst.“
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Wie gehen E-Sportler mit Shitstorms um? Wenn GrabbZ und sein Team ein Spiel verlieren, müssen sie nicht fürchten, am nächsten Tag in der „Bild“-Zeitung in der Luft zerrissen zu werden. Klassische Medien berichten selten über E-Sports. Feedback bekommen die E‑Sportler auf Reddit, Twitch und Twitter. Vor allem Lob und Unter stützung. Aber auch das Gegenteil davon: Lohmann hatte e inen Spieler, der im Spaß sagte, die Chinesen würden unter sich ihre Strategien absprechen – „und dann haben ihm über Nacht 20.000 Chinesen auf Twitter ein paar nicht so nette Kommentare dagelassen“. Das muss er seinen jungen Spielern ebenfalls beibringen: souverän durch einen Shitstorm zu segeln. Lohmanns Tipp für alle, die Ärger im Netz haben: relativieren, was wirklich passiert. „Man weiß ja, wie ein paar Leute die Anonymität nutzen, um Dampf rauszulassen.“
Vorsicht bei Scherzen über Gegner: Über Nacht antworten 20.000 chinesische Fans auf Twitter. THE RED BULLETIN
Nachhaltig handeln bedeutet, mit Ressourcen so verantwortungsvoll umzugehen, dass wir auch morgen noch gut leben können. Und das müssen wir heute anpacken. Die neue OMV forscht schon jetzt an mechanischen und chemischen Recycling-Lösungen für morgen und investiert in innovative Projekte wie ReOil®. Damit verwandeln wir Plastikmüll zurück in einen hochwertigen Rohstoff und fördern eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft. Und das ist nur eines unserer Recycling-Projekte. Denn wir wollen dazu beitragen, den Großteil der Kunststoffabfälle in Österreich zurück in wertvolle Rohstoffe zu verwandeln und so CO2 einzusparen. Mehr dazu: omv.com/neue-omv
E-Sports
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Was könnte der Fußball von E-Sports lernen? Der Weltfußballverband schaut ge nau auf die E-Sports-Szene, denn das reale Spiel verliert in der Zielgruppe der 15- bis 21-Jährigen beständig Zuschauer an E-Sports. Einen Macht wechsel in der Zuschauergunst sieht Fabian Lohmann aber nicht: „Es mag einzelne Spiele geben, wo die Zuschauerzahlen in E-Sports an die eines Fußball-Bundesligaspiels her ankommen. Aber es wäre vermessen zu glauben, dass E-Sports auf Augen höhe mit Fußball oder American Football ist.“ Viele ältere Menschen, gerade in Deutschland, sind noch nicht so firm in der digitalen Welt, dass sie E-Sports auf dem Schirm hätten. „Es gibt aber tatsächlich schon E-Sports-Fans, die schon so lange dabei sind, dass sie mit ihren Kindern Partien oder Tur niere schauen – das finde ich ultra süß“, sagt Fabian Lohmann.
ALLES IM GRIFF
50 Prozent seines Jobs, sagt E-Sports-Trainer Lohmann, bestehen aus Psychologie.
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Warum gehen die meisten E-Sportler schon mit Mitte 20 in Pension? Einer Studie zufolge nimmt die Re aktionsfähigkeit bei Männern erst mit 30 Jahren ab, so lange könnte man theoretisch als E-Sports-Profi an der Weltspitze mithalten. Aber der Lebens stil ist fordernd: Viele Spieler sagen mit 25, 26 Jahren, sie wollen nicht mehr 14 Stunden am Tag – jeden Tag! – ein Computerspiel spielen. Schließlich verpasst man als E-SportsProfi einiges, was Gleichaltrige als Teenager oder mit Anfang zwanzig erleben und ausprobieren. 50
Würden Spieler auch einen Coach akzeptieren, der 40 oder 50 Jahre alt ist? „Ich denke, das einzige Problem wäre, dass die Schere der emotio nalen Reife zu groß wird. Dass man als Trainer irgendwann zu alt ist, um die Spieler zu verstehen.“ Fabian Lohmann bereitet sein Team auch auf das Leben nach der eher kurzen Karriere vor und ermuntert sie, Eigeninitiative zu entwickeln: „Nutzt Sponsorentermine, zeigt euch in der Öffentlichkeit.“ Influencer zeigten ja, dass viele Follower ein Standbein für später sein können. Viele Ex-Spieler bleiben in E-Sports, werden Trainer, Kommentatoren, betreiben eigene Streams. Andere Spieler suchen bewusst den Bruch, machen die Schule fertig, studieren oder wollen endlich die Welt sehen.
In welcher Hinsicht sich traditionelle Sportarten – vor allem der Profi fußball – von E-Sports eine Scheibe abschneiden könnten, ist die Nähe zum Fan. Auf Twitter können E-SportsFans etwa jeden Spieler anschreiben und haben eine reelle Chance, Antwort zu bekommen. Vorbildlich auch die digitalen „Ask me anything“-Frage runden für Fans, bei denen man wirk lich etwas von den Profis erfährt – und nicht einstudierte Floskeln. Den Reiz eines mit echten Fans ge füllten Stadions hat Fabian Lohmann aber auch am eigenen Leib erfahren: „2019 haben wir den koreanischen Meister im WM-Halbfinale in einer Stierkampfarena in Spanien besiegt, da war eine Atmosphäre wie beim Fußball, Fangesänge inklusive. Und nach den Presseterminen haben immer noch tausende Fans auf uns gewartet.“ E-Sports-Coach Fabian Lohmann beim Training über die Schulter schauen? Scanne den QR-Code für unsere Video-Doku. THE RED BULLETIN
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Mehr erfahren auf audi.at Stromverbrauch kombiniert in kWh/100 km: 17,0 – 21,3 (WLTP); CO₂-Emissionen kombiniert in g/km: 0. Angaben zu Stromverbrauch und CO₂-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit von der gewählten Ausstattung des Fahrzeugs. Stand 09/2021. Symbolfoto.
Die Kärntnerin ANNA GASSER, 30, ist die Königin unter den Snowboardern. Dennoch hat sie noch immer nicht genug vom Besserwerden.
SANI ALIBABIC
Schriftstellerin Doris Knecht hat für The Red Bulletin ein literarisches Porträt verfasst: Es ist die Geschichte einer Frau, die niemals aufgibt.
Snowboarden
A N NA GA SSE R
Queen of Snow Ein Wintermärchen Von Doris Knecht Die Königin trägt keine Krone; sie trägt eine dicke Wollhaube auf ihrem langen blonden Haar: Haare in der Farbe eines Weizenfeldes in der Hitze des Sommers, sie schauen unter der Krone hervor, manch mal zu schlampigen Zöpfen geflochten. Die Königin sieht aus wie eine Prinzessin: Aber Vorsicht, das täuscht. Die Königin ist ein Sommerkind, geboren im August. Sie ver brachte ihre Kindheit im Süden des Landes, es sei eine gute, idyllische Kindheit gewesen. Sie erzählt von schönen Momenten und Erinnerun gen, ihre Lieblingsfilme handelten von anderen kleinen Mädchen auf grünen Bergen und in klirrender Kälte: Heidi und Elsa, die Eisprinzes sin. Sie erzählt von intensivem Familienzusammenhalt und davon, dass ihre Eltern ihr Chips verboten; und das Moped, das sie sich mit sech zehn wünschte und auf das sie bis zu ihrem 25. Geburtstag warten musste. Die Königin wuchs auf in einem grünen Tal, in mildem Klima, an einem sommerwarmen See, der sich in ihren Augen zu spiegeln scheint. Wenn sie nicht gerade durch ihr Königreich aus schneebedeckten Bergen ridet, zieht sie sich dorthin zurück, in ihr Etagenschloss, das viel Sonne hereinlässt und dessen Möblierung mit ihrem Haar har moniert. Es hat einen großen Balkon, dessen gläserne Balustrade den Blick über Millstatt durchlässt, auf den See und die bewaldeten Hügel 53
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dahinter, auf das Blau des Himmels. Manchmal kommt die Schwester der Königin auf Besuch, dann stemmen und schwingen sie sich auf dem Balkon in die Luft, gegenseitig, die eine auf der anderen, wie Akrobatinnen im Zirkus, und mit einer solchen Kraft, dass man es mit der Angst zu tun bekommt, es würde eine der Frauen vom Balkon katapultieren. Sie sagen, es sei Yoga; okay. Es gibt Bildchroniken davon, auf dem königlichen Instagram-Account, auf dem überhaupt sehr viel Atemberaubendes zu sehen ist, vieles davon ungeeignet für schwache Nerven.
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Denn Anna Gasser, die Königin, regiert ihr Reich nicht mit einem Zepter, sondern mit einem Brett aus dünnem, gebogenem, bunt be maltem Holz und mit der Kraft ihres schmalen, zähen Körpers, dessen durchtrainierte Muskulösität unter den vielen Schichten der könig lichen Gewänder verborgen bleibt, außer sommers, wenn sie in die glatte Oberfläche des Sees taucht, manchmal hoch von einem Baumstamm, der über das Wasser ragt, weil die Königin einfach gerne in der Luft ist. * Die Königin hat Vertraute, auf die sie sich verlässt: ihre Mutter, die ihr vor jedem Kampf ein goldenes Armketterl mit einem Glücksbringer schenkt, den die Königin immer trägt, ihr Vater, ihre Schwester Eva, ihr Manager Sani Alibabic, ein paar enge Freunde. Es gibt auch einen König mit hellen Augen und rötlichen Locken, die unter seiner Strickkrone hervorringeln. Der König heißt Clemens Millauer, und er ist immer an der Seite seiner Königin, und, das sieht man, er liebt, be wundert und verehrt sie. Und er sorgt dafür, dass die Welt in Berichten und Bildern von ihrem Wirken erfährt: Er verfolgt die Königin mit seiner Videokamera auf Schritt und Tritt. Was nicht einfach ist und nicht jeder kann, denn die Königin ist unglaublich schnell, unvorstellbar wendig, sie kennt viele Tricks, und sie kann fliegen. Wer an ihrer CORINNE RUSCH
Seite bleiben will, sollte das besser auch können. Der König kann es, und deswegen kann man den Moment, den die Königin als den einen in ihrem Leben beschreibt, an dem sie am liebsten zurückdenkt, immer
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THE RED BULLETIN
Snowboarden Anna Gasser
„Die Königin ist unglaublich schnell, sie kennt viele Tricks, und sie kann fliegen.“ Anna Gasser als Queen of Snow – fotografiert für The Red Bulletin von Corinne Rusch in einer Inszenierung von Bühnenbildnerin Katharina Heistinger und Make-up-Artistin Sophie Kaspar. Wer jetzt umblättert, sieht sie so wie nie zuvor.
Snowboarden
wieder anschauen: im Internet und jetzt auch in „The
te, bis sie die Stärkste war, die Beste war, die Zähste, die
Spark Within“, dem Film über die Königin, der dem
Mutigste, die, die das Gold eroberte. Eine, die neue
nächst zu sehen ist. Es ist der Moment, in dem die Kö
Standards setzte in den Kämpfen, eine Stehaufprinzes
nigin ihren ersten Triple Underflip schaffte, und den
sin, angetrieben von einer Kraft, die schwer zu besiegen
ersten, den je eine Frau geschafft hat, sie beschloss ganz
ist: dem unbändigen Willen, stetig besser zu werden,
plötzlich, dass es nun so weit sei, und machte es einfach,
immer, wie sie sagt, das Beste rauszuholen, immer noch
und zum Glück war der König da mit seiner Kamera. Es
ein bisschen mehr. Es ist eine Kraft, die die Kapitulation
ist ein beeindruckender Moment, und es ist auch schön,
nicht kennt, das Aufgeben, das Verharren im Mittel
dabei zuzuhören, wie ekstatisch der König in dem Film
maß, das Ausruhen im good enough. Die Königin ist
diesen einzigartigen Sieg seiner Königin feiert.
Perfektionistin, sie gibt sich nicht mit dem Zweitbesten
Daneben gibt es noch einen Zauberer, der der
zufrieden. Das brachte ihr erst den Respekt der anderen
Königin hilft, runterzukommen, abzuschalten, sich vor
Kriegerinnen ein, dann den der Männer, jetzt sprechen
übergehend auszuklinken aus dem Stress und der An
sie alle von der Königin mit Bewunderung und einer
spannung, den ihre Regentschaft mit sich bringt. Der
gewissen Ehrfurcht. Es fällt auch oft das Wort „crazy“.
Zauberer heißt Harry Potter und spricht zu ihr aus ih
Sie selber will sich nicht verrückt nennen, sagt die
ren Kopfhörern.
Königin, sondern so, wie es viele andere tun: mutig,
* Die Königin hat ihren Thron, ihr Reich nicht von einem
furchtlos und fokussiert. Fokussiert: Das Wort be
Königvater ererbt oder mit einem Prinzen angeheiratet.
Denn in diesem Sport bekommt man nichts um
Die Königin fing schon als Kind an, sich auf den Thron
sonst, und man wird nicht auf Rosen gebettet, auch die
vorzubereiten: Sie sprang von hohen Brettern in den
Königin schlief im Auto, zwischen den Kämpfen. Sie
See, sie turnte in Wettkämpfen, schwang sich schon als
wurde verwundet, sie hat geblutet, sie hat sich blau ge
kleines Mädchen furchtlos in die Luft. Sie hat sich den
hauen, sie hat sich Knochen gebrochen; wenn auch über
Thron erobert, in vielen Kämpfen, von denen sie einige
raschend viel seltener, als man glauben würde, wenn
verlor und viele gewann, immer öfter, immer mehr,
man ihr in den Videos in „The Spark Within“ beim
und in denen sie schließlich auch die siegreichsten,
Stürzen zusieht und beim Fallen.
stärksten, zähesten Kriegerinnen und Krieger bezwang
Wie es sie in dem Film hinprackt, wieder und wie
und besiegte. Sie nennen sie einen Warrior: Anna the
der und wieder, das ist alles andere als königlich. Das ist
Warrior.
nicht so ein bisschen umfallen. Das ist: wirklich aus der
Die blonde, seeäugige, rotwangige Prinzessin, das
Luft, aus hoher Höhe, buchstäblich ungespitzt auf die
süße, blonde Mädchen, das aus dem Süden kam, die
Piste knallen. Man sieht, wie sie voll auf die Schnauze
kleine Turnerin: Sie wurde erst belächelt, nicht ernst
fliegt, man sieht, wie sie aufsteht, wieder springt, wieder
genommen, unterschätzt, nicht als Konkurrenz gesehen.
auf die Schnauze fliegt, wie sie wieder aufsteht, wie sie
Bis sie nicht mehr zu übersehen, nicht mehr zu igno
es mit blutiger Nase noch einmal macht.
rieren war: wie sie nach jedem noch so brutalen Sturz
Es gibt ein Video, da sieht man die junge Königin
wieder aufstand und es wieder versuchte, noch einmal,
in einen steilen Tiefschneehang stürzen, nach einem
und noch einmal. Bis sie es konnte, bis sie es beherrsch
Sprung über eine Schanze, die aussieht, als sei sie aus
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THE RED BULLETIN
CORINNE RUSCH
schreibt die Königin am besten.
„Sie wurde belächelt, nicht ernst genommen, unterschätzt – bis sie nicht mehr zu übersehen war.“ Die Königin im Spiegel – Anna Gasser beim Shooting in Wien
„Sie ist rücksichtslos gegen sich selbst, extrem disziplinert, ohne Angst vor der Gefahr.“ Anna Gasser zeigt beim Spring Battle 2021 in Flachauwinkl einen „Cab Double 1080 Frontside Grab“. Den Event hat sie übrigens gewonnen.
Schneeziegeln selbst gebastelt worden. Man hört sie Scheiße! rufen, nein: SCHEISSEEEE, auf ihre weiche kärntnerische Art, und auch nicht zornig oder frustriert, es ist eher so ein sonniger Oje-Tonfall. Dann steigt sie durch den Tiefschnee wieder auf. Sie sei „relativ schmerzresistent“, sagt Anna Gasser. Man glaubt es, anders wäre es schwer zu erklären, wie sie es schafft, sich wieder und wieder sich von einer Schanze zu schwingen und etwas zu probieren, das im besten Fall irgendwann eine Weltsensation wird, aber jetzt gleich wahrscheinlich mit einem harten Aufprall im Schnee enden wird, mit verdrehten Extremitäten, geprellten Knochen, Hämatomen. * Die Königin hat offenbar extrem stabile Knochen, nur zwei Mal hat sie sich etwas gebrochen: Ihr Handgelenk und ihren Talus, den kurzen Knochen zwischen Fuß und Bein, das war, wie Gasser sagt, ihre langwierigste Verletzung. Die Verletzung, die sie beinahe gestoppt hätte, sie um ein Haar in den Rollstuhl gezwungen hätte, war ein bei einem Sturz verschobener Halswirbel, der ihr, wie sie erzählt, Lähmungs erscheinungen bescherte, und fast hätte sie kapitulieren müssen, ihre Karriere beenden. Aber die Königin heilte, und sie machte weiter. Sie stand wieder auf, sie kämpfte weiter. Sie ist rücksichtslos gegen sich
Snowboarden
SANI ALIBABIC
Der Sprung, mit dem Anna in neue Dimensionen vorstieß: Knapp zwei Jahre nachdem sie erstmals den „Cab Triple Underflip“ geschafft hatte, wiederholte sie den spektakulären Sprung am Ort seiner Premiere – beim Trainigscamp „Prime Park Session“ am Stubaier Gletscher.
Ein „Backside 180 Melon Grab“ bei Sonnenaufgang. Der Jump, also die Schanze, wurde in Zusammenarbeit von ÖSV und Kaunertaler Gletscherbahnen auf dem Kaunertaler Gletscher errichtet, um während des Lockdowns im Mai 2020 Trainingsmöglichkeiten zu schaffen.
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Anna Gasser
„Ich werde in zehn Jahren immer noch das machen, was mich glücklich macht, und am Snowboard stehen.“ Anna auf die Frage, was sie in zehn Jahren in der ersten Stunde nach dem Aufstehen machen wird.
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Snowboarden
selbst, extrem diszipliniert, ohne Angst vor der Gefahr,
fokussiert. Sie trainiert hart, fast täglich, vielleicht noch
ohne Mitleid für sich. Wenn sie trotzdem wütet, manch
härter als früher. Sie will weiterhin einfach das Beste
mal weint, zürnt, bei Stürzen, bei neuen Verwundun
rausholen.
gen, dann aus Sorge darüber, dass dieser Sturz, diese
Die Königin ist vor ein paar Wochen dreißig ge
Verletzung sie am weiteren Training hindern könnte,
worden, aber sie ist nicht fertig damit, noch besser zu
daran, das zu tun, was sie in ihrem Leben am liebsten
werden. Sie hat in ihrem Sport so gut wie alles erreicht,
tut und immer weiter tun will: snowboarden. Durch
und sie ist noch lange nicht am Ende. „Das große Ziel ist
die Luft fliegen, denn ja, wie fliegen fühle es sich mit
schon noch einmal Olympia“, sagt sie: Im Februar finden
unter tatsächlich an, „unbeschreiblich, schon fast wie
in Peking die Olympischen Winterspiele statt, sie sagt,
ein Rausch“.
sie hoffe natürlich wieder auf eine Medaille, auch wenn
* So geht das Märchen von der Königin, der Queen of
sie da nicht wie bei den letzten Winterspielen als Top-
Snow. Das Besondere an diesem Märchen: Es ist keins.
alle anderen, mit all den auf sie gerichteten Augen und
Man muss nichts erfinden, nichts dazudichten. Es ist
Erwartungen. Damals, 2018 in Korea, fuhr sie mit olym
höchstens so, dass man Anna Gasser nicht einmal im
pischem Gold heim, es ist der andere beste Moment in
Märchen zu fassen bekommt: eine junge Frau, die sich bis
ihrem Leben. Jetzt sei das Favoritinnen-Feld größer ge
zu zehn Meter hoch in die Luft schrauben und 35 Meter
worden, das nehme Druck raus, sagt die Königin. Glaubt
weit springen kann, die Goldmedaillen sammelt und
man ihr nicht ganz. Es ist klar, wo sie hinwill, an die
Firsts – Sprünge, die keine Frau vor ihr wagte und
Spitze wie immer, sie will das Gold erobern, und dafür
schaffte. Und von denen sie noch mehr schaffen will,
wird sie alles geben und alles riskieren.
Favoritin hinfahre, mit diesem riesigen Vorsprung auf
man werde sehen, denn natürlich gäbe es noch „den ei
Deswegen überrascht auch nicht die Antwort auf
nen oder anderen Trick, den ich gerne meistern würde“.
die Frage, wo sie sich in zehn Jahren sieht, in der ersten
Dabei die erste Frau zu sein sei immer was Besonderes.
Stunde nach dem Aufstehen. Nicht auf der Fahrt in ein
Es ist auch ein Märchen über das Scheitern, wieder
Büro, nicht auf dem Weg in Kindergarten oder Schule,
und wieder. Und das Trotzdem-nicht-Aufgeben. Und das
mit links und rechts einem Kind an der Hand, „ich wer
Nochmalscheitern, mitunter vor hunderten, tausenden
de“, sagt die Königin, „immer noch das tun, was mich
Zusehern. Und wieder aufstehen und es noch mal ver
glücklich macht, und am Snowboard stehen. Die erste
suchen, mit der Möglichkeit, erneut zu scheitern.
Stunde nach dem Aufstehen wird wahrscheinlich nicht
* Die Königin weiß, was sie will. Sie trainiert, muss sich
viel anders aussehen als heute.“
um ihre Sachen kümmern, sie will sich auch, sagte sie,
so schnell nicht aufgeben. Sie wird sich in die Luft
wenn man mit ihr spricht, nicht mehr so verzetteln.
schrauben, einmal, zweimal, vielleicht dreimal, mit
Sie hat zu viel gemacht im letzten Jahr, zu viele unter
ihrem Brett unter den Füßen, sie wird fliegen, sie wird
schiedliche Dinge, sie will das jetzt nicht mehr. Ihre
weiterfliegen.
Die Königin wird ihr Reich aus Bergen und Schnee
Haare fallen ihr ins Gesicht, während sie spricht, sie lächelt, sie ist freundlich und unkompliziert. Aber sie war in der Schweiz, in Saas-Fee, ganz auf ihr Training THE RED BULLETIN
Mehr aus Annas wunderbarer Welt: anna-gasser.com, @annagassersnow
61
Snowboarden Anna Gasser
Anna bei einem „Nose Press“ am Stubaier Gletscher
Gold-Anna bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang, Südkorea
Anna Gasser Best of Karriere
Es ist einer von vielen Höhepunkten in einer beeindruckenden Karriere. Anna Gasser ist Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Goldmedaillengewin nerin bei den X Games. Aktuell bereitet sich die Kärntnerin intensiv auf die Olympischen Spiele in Peking vor.
Heimatbewusste Weltenbürgerin: Anna mit öster reichischer Fahne
62
„ANNA GASSER – THE SPARK WITHIN“
Revolution von oben
Ein Film über Anna und wie sie die Welt des Snowboardens verändert hat
W
ir verraten hier nicht, welche Gänsehautmomente „The Spark Within“ („Der Funke in dir“) birgt, wie nahe wir Anna Gasser, 30, in diesem eindringlichen Porträt kommen und welche überraschenden Details enthüllt werden. Was wir hier aber vorab verraten, vor allem für alle, die mit der Welt des Snowboardens nicht völlig vertraut sind, ist die Rolle, die Anna Gasser in dieser speziellen Welt spielt. Anna hat diese Welt, in der das Höher, Weiter und Spektakulärer von entscheidender Bedeutung ist, revo lutioniert. Und zwar ohne große Worte – einfach, indem sie, unbeküm mert von jedem Drumherum, getan hat, was sie tun musste, weil Snow boarden ihr Leben ist: „Nichts anderes gibt mir dieses besondere Gefühl.“ Eine ihrer Konkurrentinnen, die Kanadierin Spencer O’Brien, 33, bringt es in „The Spark Within“ auf den Punkt: „Sie hat unseren Sport verändert. Es ging mit einem Mal nicht mehr darum, zu sagen, der Sprung war gut für eine Frau, sondern der Sprung war gut für einen Snowboarder.“ Und der sloweni sche Snowboarder Marko Grlic, 38,
sagt: „Anna schafft dieselben Tricks, die auch die Männer machen.“ Tatsächlich hat Anna Gasser Sprünge geschafft (Mini-Spoiler: Ja, sie sind alle im Film zu sehen), die vor ihr keiner Frau gelungen waren. Und sie hat so dafür gesorgt, dass sie und ihre Kolle ginnen so wahrgenommen werden, wie sie es verdienen – auf Augenhöhe. Wenn Anna springt, nimmt sie übri gens nur Anfang und Ende wahr. Was dazwischen – also in der Luft – passiert ist, weiß sie erst, wenn sie das Video gesehen hat. Weil sie in diesen wenigen Augenblicken in ihrer ganz eigenen Welt ist – der Film bringt sie uns näher.
„The Spark Within“ ist ab 16. November zu sehen. redbull.com/ annagasser THE RED BULLETIN
SANI ALIBABIC
Am 13. November 2018 steht Anna Gasser am Stubaier Gletscher einen Sprung, den zuvor noch nie eine Frau geschafft hat: einen „Cab Triple Underflip“ – etwas vereinfacht erklärt: einen drei fachen Rückwärtssalto, inklusive einer Drehung um 180 Grad.
FLÜÜÜGEL FÜR JEDEN GESCHMACK.
NEU
NEU
Segeln
Santiagos größter Sieg Drei Olympia-Medaillen, vier WM-Titel, ein halbes Jahrhundert auf dem Wasser: Der argentinische Segler SANTIAGO LANGE, 60, ist ein Vorbild in Sachen Kampfgeist. Ein Jahr vor seiner letzten Goldmedaille hat er auch den Tod besiegt. Text ALEXANDER NEUMANN-DELBARRE Fotos GIANFRANCO TRIPODO
VOLLE KRAFT VORAUS
Santiago und seine SegelPartnerin Cecilia Carranza (hinter ihm) beim Training auf ihrem Katamaran im Mittelmeer vor Barcelona.
65
HINTERANSICHT
Von seinem Boot aus sah unser Fotograf den Katamaran von Santi und Cecilia wie die meisten ihrer Gegner: von hinten.
Segeln
„Wenn ich in ein Boot steige, geschieht genau das: Alles fällt von mir ab. Ich lebe ganz in der Gegenwart.“
D
as Beeindruckendste ist nicht die irre Geschwindigkeit, mit der Santiago Lange an der Seite seiner Segelpartnerin Cecilia Carranza über das Meer vor Barcelona rauscht. Gut 20 Knoten, das sind fast 40 km/h, erreichen sie, und was das hier draußen bedeutet, versteht man erst, wenn man im Motorboot hinterherrast. Das Beeindruckendste ist auch nicht der Lärm, der anschwillt, das Flattern, Peitschen und Schlagen, wenn ihr Katamaran, mehr Hengst als Boot, Tempo aufnimmt und über Wellen und Gischt jagt. Das Beeindruckendste ist noch nicht mal, dass Santiago, im Trapez über dem Wasser hängend und tausend Dinge gleichzeitig steuernd, nebenher auch noch den Wind liest. Das Beeindruckendste ist: Santiago sieht bei all dem seelenruhig aus. Als sei er völlig bei sich, als gehe er ganz in dem auf, was er tut. Das ist es wohl, was Psychologen Flow nennen. Logisch: Nach sieben Olympia-Teilnahmen und drei Medaillen, nach zig Weltmeisterschaften und vier WM-Titeln, nach Extrem-Erfahrungen bei America’s Cup und Ocean Race, nach mehr als fünf Jahrzehnten auf dem Wasser, kann man sich auf einem rasenden Katamaran schon mal im Flow fühlen. Nur: Im Fall von Santiago Lange war es eher andersrum. Erst war da der Flow, dann kamen Erfahrung und Erfolg. 67
Segeln
Ein paar Stunden vor dem Training auf dem Meer sitzt Santiago – Jeans, Sneakers, Baseballcap – in einem Lokal am kleinen Yachthafen neben dem Barcelona International Sailing Center. Dass er fast sechzig Jahre alt ist (inzwischen ist er sechzig), darauf d euten höchstens ein paar Fältchen in seinem Gesicht hin. Seine Körperspannung, seine Energie – all das lässt ihn viel jünger wirken.
Zu Hause ging es früher streng zu, auf dem Wasser war Santiago frei
Am Nebentisch trinken Fischer ihr mittägliches Feierabendbier, Santiago bestellt Cappuccino, dann beginnt er zu erzählen. Über ein Leben voller Höhen, wie dem Goldtriumph in Rio 2016, und Tiefen, wie seine Krebserkrankung im Jahr davor, und über Erfahrungen, die ihn viel gelehrt haben. Dass man vor allem Freiheit braucht, um zu lernen, zum Beispiel. Dass es ein großes Glück ist, eine Passion zu haben. Und: dass ein Tisch nicht immer vier Beine haben muss. Seit einigen Jahren schon verbringt Santiago die Sommerhälfte des Jahres in Cabrera, einem Dorf nahe Barcelona. Aufgewachsen ist er aber in San Isidro, einem idyllischen Vorort von Buenos Aires, gelegen an der gigantischen Meeresbucht, die den etwas irreführenden Namen Rio de la Plata trägt. Sie wird früh zu Santiagos Abenteuerspielplatz. Zu Hause geht es streng zu, draußen auf dem Wasser ist er frei. „Am Freitag nach der Schule fuhr ich zum Segelclub und kam Sonntagabend wieder heim“, erzählt er. „Ich liebte es schon immer, draußen auf dem Meer zu sein. Heute ist oft davon die Rede, wie wichtig es sei, im Hier und Jetzt zu leben. Wenn ich in ein Boot steige, geschieht genau das. Alles fällt von mir ab. Ich lebe ganz in der Gegenwart. So war das schon immer.“ Mit seinem Kumpel Martin erkundet er in jeder freien Stunde segelnd den Rio 68
OH, CAPTAIN!
An Bord überzeugt Santiago mit Weitblick. Hier posiert er für uns im Parc del Fòrum von Barcelona.
Die 80er-Jahre sind eine aufregende Zeit für ihn. Santiago lebt in einem besetzten Haus in Southampton. Im Sommer reist er, obwohl fast pleite, zu Segelwettbewerben durch Europa. de la Plata. Sie sind noch Kinder, machen Fehler, geraten in Gefahr, aber sie können sich nichts Schöneres vorstellen. Wie Abenteurer fühlen sie sich, und mit jedem Abenteuer lernen sie dazu. „Wir hatten das Privileg, allein gelassen zu werden. Und das ist die beste Art, etwas
zu lernen, glaube ich: Fang einfach an, mach deine eigenen Erfahrungen und Fehler. Vom Wissen anderer kannst du später immer noch lernen. Und das gilt nicht nur fürs Segeln.“ Mit Martin hat er einen Freund, der talentierter ist als er selbst. Auch das ein THE RED BULLETIN
Eine Legende nimmt Fahrt auf
„Damals verstand ich eines“, sagt Santiago, „wenn ich meine Träume für ein normales Leben aufgebe, werde ich nicht glücklich.“ großes Glück. Martin wird für ihn Weggefährte und Konkurrent zugleich. Von ihm lernt er, besser zu segeln – und härter zu arbeiten. Bei den Jugendmeisterschaften 1976 gewinnt Santiago seinen ersten nationalen Titel in Argentinien – im Optimist, einem Ein-Mann-Segelboot. Bis heute ist das einer seiner schönsten Triumphe: Santiago ist damals 15 Jahre alt und lernt zwei Lektionen: Mit Willen und Köpfchen lässt sich vieles schaffen. Und die Zufriedenheit, ein Ziel zu er reichen, fühlt sich fantastisch an.
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Wilde Jahre in England
Santiago weiß früh, was seine Passion ist: segeln, an Wettkämpfen teilnehmen, besser werden. Die Frage, die ihn lange beschäftigt, ist jedoch: Wie konsequent folge ich ihr? Zunächst läuft alles auf einen Kompromiss hinaus. Da sein Vater darauf pocht, dass er ein Studium ab solviert, zieht er Anfang der 1980er-Jahre nach England und studiert in South ampton Schiffsbau. Es ist eine aufregende Zeit, er lebt in einem besetzten Haus, reist im Sommer, wiewohl fast pleite, zu Segelwettbewerben durch Europa, sperrt sich im Winter zum Lernen ein. Ein Spagat, den er nach dem Studium fortsetzt: Tagsüber arbeitet er in einem Schiffsbauatelier in Buenos Aires, abends trainiert er für die 1985 in Argentinien stattfindende Weltmeisterschaft in der Snipe-Klasse, bei der er seinen ersten WM-Titel holt. Bald kommt zu den Polen Leistungssport und Arbeit noch ein dritter hinzu: die eigene Familie. Santiago heiratet, wird Vater, lebt nun ein Leben in drei Rollen: Er versucht seine beruf liche Karriere, das Familienleben mit bald vier Kindern und die Teilnahme an Olympia 1988 in Seoul („Danach wusste ich, dass ich das Potenzial habe, eine Medaille zu gewinnen“) und 1996 in Atlanta (wo er nach Platz neun im Laser enttäuscht ist) unter einen Hut zu bekommen. Es sind zu viele Rollen. THE RED BULLETIN
Nach der Scheidung verspricht er sich, seiner Berufung zu folgen
Seiner Frau und der Familie zuliebe gibt er das Segeln auf, nimmt einen Job im Vertrieb von Tiefkühlprodukten an, sitzt im Büro statt im Boot. Lange hält er das nicht aus. Die Ehe scheitert, die Trennung von den Kindern bricht ihm das Herz. Doch es ist auch ein Neu anfang. In der kommenden Lebensphase, das verspricht er sich, soll nichts seine Berufung als Segler aufhalten. „Damals verstand ich eines“, sagt Santiago am Hafen in Barcelona, „wenn ich meine Träume aufgebe für ein ‚normales‘ Leben, werde ich nicht glücklich sein; und die Menschen um mich herum in der Folge auch nicht. Heute glaube ich, das ist die wichtigste Lehre, die ich meinen Söhnen mitgeben kann: Sei frei, finde deine Passion und folge ihr. Einer Sache musst du dir dabei aber bewusst sein: Wenn du deiner Leidenschaft folgst, ist dein Leben wie ein Tisch mit nur drei Beinen – es ist nicht perfekt ausbalanciert. Das ist der Preis, den du zahlst. Den musst du akzeptieren.“
Die größten Erfolge von Santiago Lange im Überblick
1976
Erster Rückenwind: Bei den Jugendmeisterschaften in Argentinien gewinnt er im Ein-Mann-Segelboot.
1983
Theoretisch gut: In England schließt er sein Schiffbau-Studium ab.
1985
Praktisch noch besser: In der Bootsklasse Snipe holt er in Argentinien seinen ersten WM-Titel.
1986
Familienglück: Santi heiratet seine Verlobte Silvina. Insgesamt bekommen sie vier Söhne. Yago und Klaus werden ebenfalls olympische Segler.
Auf dem Höhepunkt seiner Karriere: auf zu neuen Abenteuern!
Bei den Olympischen Spielen im Jahr 2000 in Sydney tritt Santiago Lange in der schnelleren Tornado-Klasse an. Mit seinem Partner verpasst er auf dem Katamaran einen Medaillenplatz, aber er ist sicher, nun das richtige Boot für sich gefunden zu haben. Und tatsächlich: 2004 in Athen gewinnt er Bronze, seine erste olympische Medaille. Vier Jahre später, 2008 in Peking, wiederholt er diesen Erfolg sogar. Mit mittlerweile 46 Jahren glaubt er den Höhepunkt seiner olympischen Laufbahn erreicht zu haben – und beschließt, sich von den Spielen zurückzuziehen. Schließlich gibt es in der Welt des Segelns noch eine Reihe weiterer spannender Heraus forderungen.
Alle an Bord: Santiago (re.) 2004 in Athen mit seinen Söhnen Yago, Klaus und den Zwillingen Theo und Borja (v. li.)
2004
Edles Metall: In Athen holt er in der Bootsklasse Tornado seine erste Olympia-Medaille (Bronze).
Segeln
2008
Treppchen zum Zweiten: In Peking tritt Santiago erneut in der Bootsklasse Tornado an – und holt wieder die Bronzemedaille.
2013
Große Fahrt: Als Crew-Mitglied bei Team „Artemis“ nimmt er am legendären America’s Cup teil.
2016
LANDGANG Nach knapp zwei Stunden im Meer ziehen Santiago und Cecilia den Katamaran aus dem Wasser.
70
darauf bei einem persönlichen Treffen fragt: „Wie wäre es, wenn wir zusammen anträten?“
Erst kann Santiago die Diagnose Lungenkrebs nicht glauben
Santiago weiß, dass ihm in seinem Alter nun eine riesige Herausforderung bevor steht. Wie groß sie tatsächlich wird, ahnt er nicht. Das Training mit Cecilia für Olympia läuft bereits, als die Ärzte bei ihm 2015 einen Knoten in der Lunge finden. Er kann es kaum glauben und lange nicht akzeptieren. Er hat sein Leben lang Sport gemacht, an der frischen Meeresluft ge lebt – und soll nun Lungenkrebs haben? Doch der Rat der Ärzte ist klar. Er muss operiert werden. Im September 2015 ent nehmen sie ihm in einer siebenstündigen Operation 80 Prozent seiner linken Lunge.
Mit Judoka Paula Pareto bei den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires 2018
2021
Große Ehre: Zusammen mit Cecilia Carranza darf er bei den Olym pischen Spielen in Tokio die Fahne für das argentinische Team tragen.
Das Ocean Race führt Santiago einmal rund um die Welt. Kaum Schlaf, heftige Stürme: Er nennt das „eine großartige Herausforderung“.
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Schon 2005 arbeitet er erstmals bei einem Team mit, das am renommierten America’s Cup teilnimmt, der Formel 1 des professionellen Segelns. 2008, kurz nach den Spielen von Peking, tritt er – zum zweiten Mal nach 2001 – auch wie der beim dritten großen Wettstreit des Segelsports an: dem Ocean Race, einem monatelangen Rennen um die Welt. Kaum Schlaf, Stürme, ständige Lebens gefahr. „Das Ocean Race steht vor allem für die abenteuerliche Seite des Sports“, sagt Santiago. „Eine großartige Heraus forderung. Genauso wie der America’s Cup, bei dem es vor allem um Techno logie und Management geht. Die Essenz des Sports aber, das sind für mich die Olympischen Spiele.“ Dass er eines Tages zu ihnen zurückkehren wird, erwartet er dennoch nicht. Bis ihn 2012 eine E-Mail erreicht. „Hallo Santi, ich hoffe, es geht dir gut. Kommst du in den nächsten Monaten nach Buenos Aires?“, schreibt ihm die damals 25-jährige argentinische Seglerin Cecilia Carranza. Bei den Spielen in Rio 2016 soll erstmals ein Wettbewerb in der Bootsklasse „Nacra 17“, einem schnellen Katamaran, stattfinden, die Teams be stehen aus einer Frau und einem Mann. Cecilia möchte in dieser Klasse antreten und Santiagos Rat für die Planung ein holen. Sie ist überrascht, als er sie bald
Comeback: Nach überstandener Krebs-OP gewinnt er mit Cecilia Carranza Olympia-Gold in Rio.
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AUF EIN WORT
Santiago (li.), C ecilia und Trainer Juan de la Fuente bei der Besprechung des nächsten Trainings
Die Ärzte versprechen ihm, er werde seine volle Lungenkapazität wiedererlangen. Doch Santiago ist skeptisch. Er liegt im Krankenhausbett, pustet in ein Trainings gerät für seine Lunge – drei kleine Bäll chen soll er mit der Kraft seines Atems in der Luft halten – und denkt an die Olympischen Spiele, die in nicht einmal einem Jahr beginnen. „Ein Athlet zu sein, ein Segler, das half mir in dieser Zeit ungemein“, sagt Santiago. „Erstens trainierst du als Sport ler dein Leben lang, Widerstände zu überwinden. Zweitens hast du als Segler gelernt, die Natur zu akzeptieren – du weißt, es geschehen Dinge, die du nicht kontrollieren kannst. Und drittens war der Wunsch, in Rio dabei zu sein, eine riesige Motivation.“ Neun Monate nach seiner Operation gewinnt Santiago mit Cecilia die Goldmedaille in Rio. Es ist der größte sportliche Erfolg seiner Karriere. „Ich habe mich oft gefragt, warum es gerade in Rio mit Gold geklappt hat. Die Antwort, die ich darauf finde, ist: Wir 72
hatten diesen besonderen Willen und Glauben. Wir gingen als Team durch sehr harte Zeiten, das gab uns Kraft und mach te uns zu einer Einheit. Wir wussten: Wir können jeden Gipfel besteigen.“ Dass es bei den Spielen in Tokio im Sommer nur Platz 7 geworden ist, findet er „schmerzhaft“, wie er sagt. Etwas Trost findet er darin, dass er und Cecilia immerhin das finale Medaillenrennen gewannen. Auch wenn dieser Sieg ihnen im Gesamtergebnis nicht mehr zum er hofften Platz auf dem Treppchen verhalf, sei es „keine kleine Sache“ gewesen.
Die achten Olympischen Spiele? Nicht ausgeschlossen …
Wie es nun weitergeht? Santiago weiß es noch nicht. Er kann sich nun, mit sechzig, vieles vorstellen. Sein Leben stärker aus zubalancieren, „den Tisch etwas mehr auf vier Beine zu stellen“, wie er sagt. Aber auch, noch einmal an Olympia teilzu nehmen. Die Motivation ist weiterhin da. „Ich liebe den Wettbewerb“, sagt Santiago,
„und ich genieße es, Arbeit in etwas zu stecken, um besser darin zu werden. Auch weil mir das die Chance gibt, noch glück licher zu sein, wenn es zum Erfolg führt. Und diese großen Emotionen, die mir der Sport schenkt – Freude, Adrenalin, auch Frustration –, sind ein wesentlicher Teil meines Antriebs.“ Und dann ist da natür lich noch diese andere Sache: „Ich spüre heute draußen auf dem Meer noch immer das Gleiche wie damals als Kind“, sagt Santiago. „Das Gefühl, ganz bei mir zu sein und den Moment zu genießen.“
„Wind: Meine Triumphe, meine Gedanken, mein Leben“: Unter diesem Titel erzählt Santiago Lange seine inspirierende Lebens geschichte. Pantauro Verlag, 24 € Erlebe Santiago Lange im Gespräch in Barcelona. Einfach QR-Code scannen! THE RED BULLETIN
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„Die Einheimischen nennen das Land ‚die Gegend, die Gott gemalt hat‘, und da ist absolut was dran.“ Kajak-Profi Aniol Serrasolses, 30, über seine Wahlheimat am chilenischen Fluss Futaleufú
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er an den Río Futaleufú reist, erlebt ein Paradies. Und Wildwasser-Fans wähnen sich am südlichsten Zipfel Südamerikas, 75 Kilometer östlich der berühmten Fernstraße „Carretera Austral“ und hart an der Grenze zu Argentinien, überhaupt im Himmel. Es gibt wohl nur wenige Flecken auf der Welt, an denen man sich so dringend ein Boot und ein Paddel wünscht. Und ganz viel Zeit, um die Stromschnellen zu erkunden. Einer hat das gründlich gemacht, ist an den Futaleufú(„großer Fluss“) ausgewandert und hat sogar sein Haus dort gebaut: Der gebürtige Spanier Aniol Serrasolses lebt in Patagonien und zeigt sein Zuhause den Gästen auf dem Trip der Reise-Plattform Destination Red Bull (das gesamte Programm: Hinweis auf S. 84). Aniol als einen der besten Kajakfahrer der Welt zu bezeichnen wird dem Dreißigjährigen kaum gerecht. Klar hat er alle wichtigen Szene-Bewerbe gewonnen, aber mehr noch: Er ist ein Pionier. Einer, der Erstbefahrungen wagt, die anderen eine Nummer zu groß sind, wie zum Beispiel die Keyhole Falls in Kanada.
Generationen von Athleten waren vor ihm an dieser Stelle gestanden und hatten d avon geträumt, den 35 Meter hohen Wasserfall zu befahren. Einer hat es dann durchgezogen: Aniol selbst. Über seine aktuelle Heimat sagt er: „Der Futaleufú macht einen anderen Menschen aus dir. Ich war 2009 zum ersten Mal hier. Seither ist die Zeit für mich stehen geblieben. So wie hier muss es in Europa früher einmal gewesen sein: ungeteerte Straßen, entspannte Menschen, uralte Bäume. Die Einheimischen nennen das Land ‚die Gegend, die Gott gemalt hat‘.“
Entlang der Lebensader
Manche Stellen des Futaleufú erreicht man nur zu Fuß. „Sie sind es wert“, sagt der Reise-Guide.
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Der Futaleufú ist die Lebensader der Region. Die patagonische Art zu leben hat sich hier dem Tempo des Flusses angepasst, so scheint es. Beständig zieht er dahin, Überraschungen gibt es kaum. Das prädestiniert ihn fürs Kajakfahren. Klar gibt es aufregendere Passagen und
ruhigere, aber das ist ja auch im Leben nicht anders. Aniol: „Ich empfehle, Futaleufú mehr als Abenteuer- denn als Sporturlaub zu sehen. Dazu gehört auch, sich auf die Einheimischen einzulassen. Wir werden Menschen treffen, die viel von Chile erzählen können.“ Der Reichtum der Region ist die Schönheit der Natur – und ihre Vielfalt. In einer Weltgegend ohne Flughafen ums Eck fällt es leicht, Gas rauszunehmen und tatsächlich anzukommen, wenn man endlich angekommen ist. Kein Highspeed-Internet, keine gesichtslosen Restaurantketten. Stattdessen: selbst gefangene Fische, am offenen Feuer zubereitet. Oder ein Asado, die patagonische Version eines Grillabends. Schlafen in urigen Hütten bei offenem Fenster, und draußen rauscht der Fluss. Die Destina tion Red Bull-Reise mit Aniol Serrasolses geht zurück an den Ursprung mensch licher Bedürfnisse und Wünsche. Was es vor Ort noch braucht, um glücklich und THE RED BULLETIN
GUIDE Reisen
Chile
Santiago Buenos Aires
Argentinien
Punta Arenas
Reisebegleiter und Wasser-Artist: Aniol Serrasolses ist einer der weltbesten Kajakfahrer.
Zusatz-Tipp: Carretera Austral Unterwegs entlang Südamerikas Kult-Fernstraße GESCHICHTE Der Bau der 1350 Kilometer langen Straße in Chile geht auf Diktator Pinochet zurück. Die „südliche Landstraße“, so die Übersetzung, sollte Teile Chiles auf dem Landweg erreichbar machen, die davor auf Fähren angewiesen waren. Derzeit endet sie im Dorf Villa O’Higgins. Weitere 935 Kilometer sollen dazukommen – bis zur Magellan-Region in der Antarktis.
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WERNER JESSNER
TOURISMUS Außer bei Kajakfahrern ist die Gegend unter Motorradfahrern als Offroadpiste beliebt. Enduro-Piloten schwärmen von der abwechslungsreichen Landschaft und freuen sich, dass der Großteil der Piste noch immer nicht asphaltiert ist. Seen entlang der Route laden zu erfrischenden Zwischenstopps. Je südlicher, desto mehr Fjorde durchschneiden die Landschaft.
Der Fluss Futaleufú hat auch ruhige Abschnitte, wie hier im Bild. Voraussetzung, um auf der Kajak-Reise Spaß zu haben: Könnensstufe 3 bis 4 auf der fünfteiligen Wildwasser-Skala. THE RED BULLETIN
ANREISE Der nächstgelegene Flughafen ist Puerto Montt im Süden Chiles. Er wird von drei regionalen Fluglinien angeflogen. Alternative: mit Auto, Campervan oder Motorrad über die Carrera Panamericana von Santiago de Chile Richtung Süden und das Abenteuer schon in der chile nischen Hauptstadt beginnen lassen.
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GUIDE Reisen
Kajak-Gruppe mit Guide: Aniol Serrasolses (2. v. re.) bittet im Jänner 2023 zum Natur- und Kajak-Erlebnis an den Futaleufú nach Chile.
Entschleunigt am Ufer Auch die Unterkunft auf dieser Destination Red Bull-Reise spiegelt den naturbelassenen Charakter wider. Aniol: „Der Platz, an dem wir wohnen werden, heißt ‚cara del Indio‘, was man mit ‚Indianerantlitz‘ übersetzen kann. Wer das Gesicht einmal in der Felswand gefunden hat, weiß genau, was gemeint ist. Die Wand sieht tatsächlich aus wie ein natürlicher Mount Rushmore. Es ist eindeutig das Gesicht eines Ureinwohners, das über den Ort wacht.“ Natürlich hätte Aniol seine Gäste auch im recht beschaulichen Ort Futaleufú selbst in einem Hotel unterbringen können, aber das würde das Erlebnis bloß verwässern: „In unseren Holzhäusern sind wir nur wenige Meter vom Futaleufú entfernt. Das ist einerseits natürlich praktisch, andererseits schafft es eine intensivere Verbindung zum Fluss.“ Auf der Reise ans andere Ende der Welt geht
„Wir werden Plätze sehen, die man ein Leben lang nicht mehr vergisst.“
es auch darum, sich selbst zu verlieren – um dann zu sich zu finden. Aniol: „Klar werden wir jeden Tag im Kajak sitzen und den Fluss befahren. Aber wir werden auch Orte erleben, die nur zu Fuß erreichbar sind und die man ein Leben lang nicht mehr vergisst. Und es wird Momente geben, an denen wir einfach nur am Ufer sitzen und auf den Futaleufú schauen.“ Perfekte Bedingungen für das Kajak, unberührte Landschaft, ehrliche Gastfreundschaft und eine Umgebung, die ganz von selbst entschleunigt: Klingt nach guten Zutaten für eine Reise ans andere Ende der Welt. Oder um ein altes patagonisches Sprichwort zu bemühen: „Zeit verliert der, der sich beeilt.“ Diese Destination Red Bull-Reise von 6. bis 14. Jänner 2023 ist ab sofort buchbar. Infos: destination.redbull.com
AUSGABE 4 SAISON 2022/23
Aniol Serrasolses hat den Futaleufú zu seinem Zuhause gemacht. DANIEL BÆKKEGÅRD Mit Dänemarks Ironman ins Gute-LauneTriathlon-Camp auf Fuerteventura
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18.10.2021 15:31:35
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zufrieden zu sein? Einen Neoprenanzug – wegen der durchschnittlich 20 Grad Außentemperatur im südamerikanischen Hochsommer, also im Jänner. Der Fluss ist selbstredend entsprechend kühler. Generell ist Patagonien eine Weltregion, in der es jedes erdenkliche Wetter gibt, und zwar an ein und demselben Tag.
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Das Bike-Brettspiel für lange Winterabende: Mit den Radstars Vali Höll und Fabio Wibmer musst du dich auf Austro-Trails beweisen. Unterhaltsam und informativ. mandulis.at
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saalbach.com
GUIDE Kalender
19 17 bis 20. November TREFFPUNKT STUBAI: WELTCUP-AUFTAKT DER FREESKIER
Beim Red Bull WG Clash wird anhand von 80 Challenges die beste WG unter Studierenden aus Österreich und Deutschland gekürt. Die Bewerbungsphase läuft noch bis 19. November, eine Woche später geht’s los. redbull.com/wgclash
Die Freeski-Weltelite startet in einem der größten Snowparks weltweit in die Saison. Der FIS Freeski Weltcup gastiert zum fünften Mal am Stubaier Gletscher auf 3100 Metern, direkt am Gaisskarferner. Erwartet werden Athletinnen und Athleten aus 20 Nationen. Am Mittwoch und Donnerstag findet zwischen 10 und 14 Uhr das Training statt, am Freitag gibt es ab 9 Uhr die Qualifikation, das Grande Finale steigt am Samstag ab 9.50 Uhr. Alle Infos: stubaier-gletscher.com
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Dezember RED BULL DANCE YOUR STYLE WORLD FINAL
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Nach der Premiere in Paris vor zwei Jahren treffen die besten Streetdance-Tänzer der Welt im südafrikanischen Johannesburg aufeinander. In direkten Battles werden beim „Red Bull Dance Your Style F inal“ die Sieger gekürt. Getanzt wird zu Mainstream-Hits. Wer gewinnt, entscheidet nicht eine Jury, sondern das Publikum. redbull. com/danceyourstyle
Ein extremes Rauf für einen Skibergsteiger und einen Mountainbiker, ein extremes Runter für einen Paragleiter und einen Skifahrer. Nur wer die 4 × 430 Höhenmeter vereint bewältigt, gewinnt beim „Rise & Fall“ in Mayrhofen im Zillertal. riseandfall.at
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Dezember RISE & FALL: VIER GEWINNT
Tänzer Jaekwon beim Dance Your Style in Wien
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ANDREAS VIGL, ULRICH AYDT/RED BULL CONTENT POOL, ALEXANDER SCHWARZ/RED BULL CONTENT POOL, RISEANDFALL/TOM KLOCKER
November HÄRTETEST
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GUIDE Wintersport
Schnee, juchhe! Es hat geschneit, und was jetzt? Nichts wie rein ins Vergnügen! Drei ausgesuchte AusflugsTipps von Profis: sanfte Skitouren in Saalbach, Langlaufen in Tirol, Freeriden in Zell am See.
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SAALBACH.COM/MORITZ AIBLINGER
Skiführerin Sabine Schipflinger in ihrem Revier: Powdern im Ski circus Saalbach
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GUIDE Wintersport
Skitouren mit Liftunterstützung schonen Kräfte und das Zeitbudget. In Saalbach-Hinterglemm gelten sie als krönender Abschluss nach einem lässigen Tag auf der Piste. Easy Touring ist eine feine Sache, sagt Sabine Schipflinger. Die 34-jährige Salzburgerin aus der Nachbargemeinde Viehhofen kennt den Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn seit frühester Kindheit, im Winter arbeitet sie hier als Skiführerin. „Mit Liftunterstützung gelingt der Einstieg ins Gelände ganz einfach. Du musst nicht den ganzen Tag unterwegs sein, um in den Genuss des Tourengehens zu kommen.“ Gerade in Saalbach bietet das abwechslungsreiche Gelände in Kombination mit einem Angebot von 70 Seilbahnen und Liften eine Vielzahl an Möglichkeiten, das Tourengehen für sich zu entdecken. „Eine sehr schöne, aber anspruchsvolle Tour“, erzählt Sabine, „führt von der Bergstation der Z wölferkogelbahn hinauf auf den Hohen Penhab.“ Für die knapp 200 Höhenmeter mit einer Steigung von rund 30 Grad müssen geübte Tourengeher nicht viel mehr als eine Stunde einplanen. Neben einer soliden Kondition sind gewisse tech
„Wenn du weißt, wo du suchen musst, findest du immer unverspurte Hänge.“ Sabine Schipflinger, 34, Skiführerin
Saalbach bei Nacht: Spaß im freien Gelände
Ausrüstung, Handy) dabeihaben. Trotzdem bleibt immer ein Restrisiko. Umso wichtiger ist es, sich über die aktuelle Lawinengefahr zu informieren.“ Spricht man im Skicircus von „Easy Touring“, ist etwa von einer Route von der Bernkogelbahn in Saalbach h inauf auf den 1740 Meter hohen Bernkogel die Rede. Von der Bergstation führt der Weg östlich zur Amsel-Abfahrt in Richtung Spielberghaus (1311 Meter), sagt die studierte Sportwissenschaftlerin. „Du querst praktisch einen breiten Hügel. Wenn die Schneebedingungen passen, brauchst du nicht einmal Felle an deinen Skiern.“ Für das „Home of Lässig“, als das Saalbach-Hinterglemm sich bezeichnet, spricht, „dass das Gelände hier sanfter als im hochalpinen Bereich ist. Und wenn du weißt, wo du suchen musst, findest du immer wieder unverspurte Hänge.“
Wien
Saalbach- Hinterglemm
ÖSTERREICH SALZBURG
DIE REGION
Sabine Schipflinger auf der Piste: Der Umstieg ins Unverspurte ist ganz leicht.
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Der Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn bietet in Salzburg und Tirol g renzüberschreitendes Pistenvergnügen: 70 moderne Seilbahnund Liftanlagen und 270 Abfahrtskilometer – davon 140 blaue, 112 rote und 18 schwarze. Mit der A lpin Card, die auch die Skigebiete Schmitten und Kitzsteinhorn umfasst, erweitert sich der Genuss auf 121 Bahnen und 408 Pistenkilometer.
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HANNES KROPIK
Auf die sanfte Tour
nische Fähigkeiten – etwa sicher Spitzkehren gehen zu können – in diesem Gelände dennoch Voraussetzung. Speziell, weil der gesamte Aufstieg kompakt und windverweht sein kann. „Du musst auf jeden Fall trittsicher sein. Bei Neuschnee kannst du aber gut stapfen oder den ansteigenden schmalen Rücken auch mit Tourenski super bewältigen.“ Eine einfachere Alternative führt Rookies von Hinterglemm mit der Westgipfelbahn zum 2096 Meter hohen Westgipfel des Schattbergs und nach kurzer Abfahrt über einen breiteren Rücken in Richtung Stemmerkogel (2123 Meter). „Wichtig ist: nie allein ins freie Gelände gehen! Außerdem sollte man immer eine komplette Notfallausrüstung (LVS, Schaufel, Sonde, Biwaksack, Erste-Hilfe-
SAALBACH.COM/MORITZ AIBLINGER (3), CHRISTIAN WOECKINGER
SAALBACH-HINTERGLEMM
Spuren ziehen: Tiefschneehänge findet man im Skicircus Saalbach überall.
DIE 10 BESTEN TIPPS
1
Einkehrschwung Im Skicircus gibt es mehr als 60 gemütliche Hütten – von urig bis hip.
2
Höhenflug Im Freeride Park an der Muldenbahn in Leogang treffen einander zwei Trendsportarten: Freerider und Freestyler nutzen gemeinsam künstlich angelegte Hindernisse im Tiefschnee. saalbach.com/de/service/ infrastruktur/ freeridepark_a_1692
THE RED BULLETIN
3
Um die Wette Bei der 24. Mountain Attack am 14. Jänner versuchen mehr als 1000 Skibergsteiger aus aller Welt, sechs Gipfel und 3000 Höhenmeter so flott wie möglich zu meistern. mountain-attack.at
4
Freeride-Weltklasse Zwischen 15. und 20. März g astiert die Freeride World Tour am Fieberbrunner Wildseeloder. freerideworldtour.com/ events
5
Bitte lächeln! An besonders schönen Aussichtspunkten mit traumhafter Bergkulisse liefern Photopoints – ausgelöst von der Liftkarte – perfekte Selfies. saalbach.com/photopoint
6
Ski in, Ski out Herbergssuche leicht gemacht: Unterkünfte in Gehweite zur nächsten Liftstation oder Skipiste sind auf der Booking-Seite durch Gondel- oder Skifahrer-Icons gekennzeichnet. saalbach.com/ saalbach-booking
7
Gut zu Fuß Keine Lust auf Action? Kein Problem! Im Skicircus gibt es 140 Kilometer Winterwanderwege und täglich zwei kostenlose geführte Wanderungen. saalbach.com/de/winter/ wintersonne-aktiv/inter aktive-winterwanderkarte
8
Film ab! Auf den SkiMovie-Pisten in Hinterglemm und Leogang werden Hobby-Racer dank professionell produzierter Videos zu Leinwandhelden. saalbach.com/de/service/ infrastruktur/skimoviepiste_a_1695
9
Saalbach immer dabei Die Saalbacher MobileApp bietet neben anderen Innovationen einen NotfallButton, der Hilfsmannschaften die genaue GPS-Position anzeigt.
10
LVS: check! Für Freerider gibt es im Skicircus LVS-Checkpoints, am Schattberggipfel und Zillstattlift Testfelder für Lawinenverschütteten suchgeräte.
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GUIDE Wintersport
TIROL
Langlaufen ganz klassisch: unterwegs auf einer Loipe in Neuleutasch
Glückshormone auf der Loipe Der ehemalige Langlaufprofi Martin Tauber kennt das Tirol-Gefühl: diese unglaubliche Euphorie, wenn er auf der Loipe durchstartet. Raus aus dem Haus, auf die Langlaufski und los geht’s. Martin Tauber, 45, ehe maliger Staatsmeister und Olympia teilnehmer, war schon als Kind vom Langlaufen in Tirol begeistert. S eine Eltern wohnten direkt neben der Piste. „Damals war ich mit meinen Großeltern viel in der Gegend um Seefeld unter wegs“, erzählt er. „Mittlerweile finden meine e igenen Kinder, die zwei und fünf sind, Langlaufen sogar cooler als Ski fahren.“ Warum das? „Du kannst dich viel besser auspowern. In 45 Minuten alles geben, bis dir die Zunge raushängt. Glückshormone schießen eher auf der Loipe ein, während es beim Skifahren um den Adrenalinkick geht.“ Tauber weiß, wovon er redet. Als Lehrer der Langlaufschule „Cross Coun try Academy“ in Seefeld hat er inter nationale Gäste, die in der Großstadt zum Boxen gehen oder ins CrossFit- Training. Und dann bei ihm das Lang laufen e ntdecken. Langlaufen verbindet Generationen. Die Vibes stimmen für Jung und Alt, wenn man die atemberau bende Landschaft von Tirol durchquert, vorbei an zugefrorenen Bächen und schattigen Wäldern, hinauf auf sonnige Hochplateaus: Da wird der Kopf frei und leicht. Entschleunigen und Durchstarten muss kein Widerspruch sein. „Dazu kommt, dass die Schneelage in Tirol großartig ist“, sagt Tauber. „Selbst kleine Gemeinden haben die passenden Pistenraupen für jede Loipe. Die Zeiten, in denen man durch Tiefschnee gestapft ist, sind längst vorbei.“ Außerdem lässt sich Langlaufen individuell timen und mit a nderen Sportarten verbinden. Ob zum Sonnenaufgang oder nach einem Tag auf der Piste, die Langlaufski sind schnell angeschnallt. „Viele Urlauber gehen abends noch mal raus, um ein ideales Workout zu haben. Man schläft danach super“, verspricht Tauber.
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Wien
ÖSTERREICH TIROL
DIE REGION Tirol ist ein Langlauf-Paradies: mit 4000 Kilometern bestens präparierten Loipen, teilweise auf mehr als 2500 Meter Seehöhe. Aber auch barrierefreier Schlittenlanglauf wird a ngeboten: Paralympics- Weltmeister Oliver Anthofer kontrolliert regelmäßig die Pisten.
Therme der Extraklasse: der Aqua Dome
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DIE 10 BESTEN TIPPS
1
„Du kannst dich besser auspowern – in 45 Minuten alles geben.“ Martin Tauber, 45, Langläufer
Wellness im Ufo Der Aqua Dome ist der schrägste Ort im Ötztal, um runterzukommen: eine Therme der Extraklasse. aqua-dome.at
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Perfekter Chic Das Tannheimer Tal ist perfekt für Langlaufanfänger, die am Abend Wellness in schickem Ambiente suchen. haldensee-hotel.com
3
Speisen auf höchstem Niveau Fine Dining auf 3048 Metern: Das Restaurant Ice Q in Sölden spielt auch im JamesBond-Film „Spectre“ eine Rolle. iceq.at
4
Luxuriös entspannen Der größte Spa-Bereich der Alpen: 5300 Quadrat meter Wohlbefinden im luxuriösen Interalpen-Hotel bei Seefeld. Dazu gibt es einen atemberaubenden Blick auf Wetterstein und Karwendel. interalpen.com
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Cool im Kajak Bei klirrender Kälte einsam auf dem See paddeln: Die Kanuschule Kitzalp bietet Winter-Kajak-Touren an. kanuschule-kitzalp.at
STEPHAN ESLER, AQUA DOME, TIROL WERBUNG/RAMON HAINDL KARIN CERNY
LOIPEN-KNIGGE Vom Anfänger zum Profi in drei Routen: Blau Eine ideale Einstiegsdroge: Auf der Schneerosentalloipe in den Kitzbüheler Alpen geht es an urigen Höfen vorbei, die Strecke hat alles, was man zum Üben braucht: von leichten Stücken bergauf bis zu einer malerischen Streckenführung an einem Bach entlang. Rot 800 Höhenmeter im strahlenden Sonnenschein: Die Grenzlandloipe in Osttirol ist
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Trainieren mit Profis Langlaufen trainieren mit Profis? Das Biathlon zentrum Obertilliach macht’s möglich. biathlon-obertilliach.com
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Weltcup im Anmarsch Ende Jänner findet in Seefeld der Weltcup der Nordischen Kombination statt. weltcup-seefeld.com
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Top-Langlauf-Event Den Wilden Kaiser entlang: Der internationale Tiroler Koasalauf ist einer der bekanntesten heimischen Langlauf-Events. koasalauf.at
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Schnee von morgen Die etwas andere Ski hütte: ein Kubus, der wie ein Schneekristall aussieht und (beinahe) wie die Hauptstadt Äthiopiens heißt. addis-abebar.at
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Abtauchen Das traditionelle Aigner Badl gibt es seit 1772, in Lärchenwannen kommt Wasser von der Heilquelle. Ideal, um Muskelkater zu verhindern. aigner-badl.at
51 Kilometer lang und überzeugt mit ihrem abwechslungsreichen Streckenprofil. Am Kartitscher Sattel braucht man Kondition, dafür ist aber auch der Ausblick grandios. Es gibt mehrere Umkehrmöglichkeiten, um die Länge individuell zu gestalten. Schwarz Die Weltcup-Loipe Seefeld gehört zu den anspruchsvollsten Loipen der Region. Es gibt fordernde Anstiege, aber auch eine prachtvolle Aussicht als B elohnung.
Kajakfahren am Achensee: im Winter besonders cool
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GUIDE Wintersport
ZELL AM SEE-KAPRUN
Freiheit im unendlichen Weiß Freeriden – auf der Suche nach der perfekten Linie. Für Skilehrerin Guggi Pressl gibt es nichts Schöneres, als vom Kitzsteinhorn in den Sonnen aufgang zu starten.
Ski weisen den Weg: ein traumhafter Tag am Ronachkopf.
Blick vom Mitterberg: Zell am See bei Einbruch der Dämmerung
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Zell am SeeKaprun
ÖSTERREICH SALZBURG
DIE REGION Wo es flott bergauf geht: 121 Seilbahn- und Liftanlagen können mit der Ski Alpin Card genutzt werden, gemeinsam mit dem Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn stehen 408 Pistenkilometer zur Verfügung.
zu vergleichen. Man muss kreativ sein. Genau diesen Umstand lieben die Free rider. Mittlerweile ist Freeriden auf Skiern einfacher und breitenwirksamer geworden – auch, was die Sicherheit betrifft. „Beim Autofahren schnallt man sich ja auch an“, sagt Pressl, die immer die richtige Ausrüstung dabeihat: einen Helm, einen ABS-Rucksack (ein Airbag für den Fall eines Lawinenabgangs) mit LVS (auch Lawinenpieps genannt) und eine Lawinenschaufel. Außerdem ein gepackt: ein Speckbrot und Tee für die Jause am Berg. Ein Schluck noch, bevor es zurück ins Tal geht. „Wenn die Lifte geschlossen sind, es ganz ruhig wird und die Sonne untergeht: Das ist kitschig, aber schon auch extrem cool.“
THE RED BULLETIN
KARIN CERNY
richtig auszukosten. Das Kitzsteinhorn gilt als Dorado der Freeride-Szene, die Schneebedingungen sind am Gletscher den ganzen Winter über ideal, fünf unterschiedliche Routen stehen zur Wahl. „Zu jeder Tageszeit ist der Schnee anders, es ist eine Herausforderung, die perfekte Linie zu finden“, sagt Pressl. „Die Natur gibt den Weg vor, du bleibst total wach, weil du nie weißt, was dich erwartet.“ An manchen Stellen ist der Schnee fluffig, an anderen hart oder matschig. Mit präparierten Pisten ist das nicht
ZELL AM SEE - KAPRUN TOURISMUS, KITZSTEINHORN
Wie beschreibt man den ultimativen Kick? „Ich liebe dieses Gefühl, wenn es ‚pffft‘ macht“, sagt Gudrun Pressl, die alle nur Guggi nennen. Die 45-Jährige ist überzeugte Freeriderin und arbeitet als Skilehrerin in Kaprun. „Du startest los und bist für ein paar Momente blind, weil überall nur mehr Schnee ist.“ Näher an der Natur als beim Skifahren oder Snowboarden im freien Gelände ist man selten. Keine vorgegebene Route, keine fremden Spuren im Schnee. Die absolute Freiheit, sich ins unendliche Weiß zu stürzen. Oft startet Guggi in den Tag, wenn es noch dunkel ist – nur, um den Sonnenaufgang am Kitzsteinhorn zu erleben. „Alles, was dich stresst, ist plötzlich weg. Du bist total im Moment und entscheidest, wo es langgeht.“ Manchmal schnallt sie sich Felle unter die Ski und geht noch ein Stück den Berg hinauf; dorthin, wo es keine Lifte mehr gibt. Um die Exklusivität so
… und wenn der Schnee staubt: Freeriden am Kitzsteinhorn
DIE 10 BESTEN TIPPS
1
Vergnügt springen Jump! Fun in den Snowparks und der Super pipe am Kitzsteinhorn. kitzsteinhorn.at
„Alles, was dich stresst, ist plötzlich weg – und du bist total im Moment.“ Guggi Pressl, 45, Skilehrerin
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Schwarz sehen Die 4150 Meter lange Trass Abfahrt mit Start auf der Schmittenhöhe (1965 m) ist nicht nur die längste schwarze Piste Salzburgs, sie hat auch ein Gefälle von bis zu 70 Prozent. schmitten.at
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Frühsport Zum Sonnenaufgang mit der Schmittenhöhebahn auf den Gipfel und dann zum Brunch in die Hütte mit der Ski ’n’ Brunch-Tour. schmitten.at
THE RED BULLETIN
4
Gipfel erobern Geführte Tour auf den Tristkogel (2642 m), Abfahrt in Naturschnee. zellamsee-kaprun.com
5
Weitblick Sensationelle Aussicht und regionale Schmankerl im Berggasthaus Franzl auf der Schmittenhöhe genießen. schmitten.at
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Grillen unter Sternen Einmal was anderes: ein nächtliches BBQ auf dem Kitzsteinhorn. kitzsteinhorn.at
7
Gletscher erleben Wer an der „ExplorerTour“ am Kitzsteinhorn teilnimmt, erkundet vier Klimazonen an einem Tag. kitzsteinhorn.at
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Entspannung pur Ausspannen im Tauern Spa im Nationalpark mit einer 20.000 m² großen Wasser welt mit 12 Pools, 10 Saunen und Dampfbädern. tauernspakaprun.com
9
Großglockner bestaunen Den besten Blick auf Öster reichs höchsten Berg gibt es vom „Top of Salzburg“, dem höchsten erreichbaren Punkt in der Gipfelwelt (3029 m). kitzsteinhorn.at
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Auf leisen Sohlen Eine Schneeschuh wanderung zum Plettsaukopf auf der Schmittenhöhe – mit Ausblick auf die Drei tausender der Hohen Tauern. schmitten.at
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B O U L E VARD DER HEL DEN
EGON ZIMMERMANN
DAS PECH DES SIEGERS
Serie: MICHAEL KÖHLMEIER erzählt die außergewöhnlichen Geschichten inspirierender Figuren – faktentreu, aber mit literarischer Freiheit. Folge 19: Warum auch Ski-Weltmeister zum Gewinnen Glück brauchen.
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BENE ROHLMANN, CLAUDIA MEITERT MICHAEL KÖHLMEIER
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gon Zimmermann – Weltmeister Du, jetzt ist einer schneller gefahren als du, das war der Edy Bruggmann. im Riesentorlauf 1962, Gold im Und ich frage: Wer? Wer ist der Edy Abfahrtslauf bei den Olympischen Bruggmann? Von wo ist der? Habe ich Spielen 1964 in Innsbruck – noch nie gehört. Sagt er: ein Schweizer. erzählte, und ich habe ihm gern zugehört. „Wenn ein Mensch bereit Das war hart. Aber es war gerecht. Der ist zu kämpfen“, sagte er, „dann vergisst Edy hat einen guten Kampf geliefert. er alles andere um sich herum. Ich glau Wenn einer besser fährt, dann muss MICHAEL KÖHLMEIER be, er vergisst s ogar, dass er kämpft. Der Vorarlberger man das anerkennen. Es ist bitter. Aber Bestsellerautor gilt Den Erfolg bekommt man zuerst gar man spürt etwas Großes in sich wach als bester Erzähler sen, wenn man zu ihm hingeht und nicht richtig mit, weil man sich so sehr deutscher Zunge. die Hand ausstreckt, du musst sie weit auf ihn konzentriert. Da schaut man Zuletzt erschienen: ausstrecken, nicht knapp am Körper, knapp daneben vorbei. Das ist meine der Roman „Matou“, das wäre geizig, und dann sagst du: Erfahrung. Zuerst ist der Sieg ja nur 960 Seiten, Hanser Verlag. Gratuliere, Edy Bruggmann, du warst im Kopf, als Einbildung, als Hoffnung, heute besser als ich. Das tut gut, beiden. dort bleibt er noch eine Weile hängen, als Schlimm ist es nur, wenn man verliert, nicht, weil Einbildung, als Hoffnung. Weißt du, was ich meine?“ man schlechter gefahren ist als ein anderer, sondern Ich traf ihn in seinem Hotel in Lech. Ein schöner wegen eines Zufalls.“ Mann, drahtig, ein Kopf wie ein Kämpfer, immer noch. Das war vor über zehn Jahren. Egon Zimmer mann war siebzig. Und ein Kämpfer war er. Immer mmer wenn ich Egon Zimmermann traf – drei oder vier Mal besuchte ich ihn –, kam er bald noch. auf die Olympischen Spiele 1964 in Innsbruck „Nein, ich weiß nicht genau, was Sie meinen“, zu sprechen. Ich sagte ihm, dass er unser Idol ge sagte ich. Er duzte mich, ich ihn nicht. Als Kind war wesen sei. Alle Buben, die ich kannte, spielten Egon ich so über alle Maßen begeistert von ihm gewesen, Zimmermann, wenn sie mit den Skiern über irgend dass ich auch nach so langer Zeit ein Du nicht zu einen Hang rutschten. Dieser Mann hat uns inspi stande brachte. riert. Er aber konnte sich nicht freuen. Der goldene „Mit der Niederlage ist es viel komplizierter“, Sieger im Abfahrtslauf hatte diese Olympischen fuhr er fort. „Ein Beispiel: ein anderes Rennen. Spiele in traumatischer Erinnerung. Irgendeines. Ich weiß nicht mehr. Lange her. Da Nach einer langen Pause fing er wieder an: „Ich war der Edy Bruggmann. Ich meine, wer war der! habe oft darüber nachgedacht, ob man da nicht Das war, bevor er in Sapporo die Silbermedaille eine Sonderregelung treffen sollte. Ich weiß nicht, im Riesentorlauf gewonnen hat. Der war niemand. was für eine Sonderregelung, irgendetwas eben. Der hat die Startnummer 38 oder 40 gehabt. Da ist Man muss grundsätzliche Überlegungen anstellen. bei den hinteren Startnummern die Piste immer Es handelt sich doch um Wettbewerbe. Die Frage schneller geworden, es hat eine leichte Wanne lautet doch: Wer ist der Beste? Und nicht: Wer hat gegeben, und da fährt er Bestzeit. Ich war schon am meisten Glück? Sicher ist immer etwas Glück beim Essen. Kommt der Trainer herein und sagt:
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mit dabei, wenn einer gewinnt. Vor allem heute, wo es ja um Tausendstelsekunden geht. Das Glück macht mir auch nicht so große Sorgen, nein. Glück soll einer h aben! Ich wünsche jedem Glück. Aber Pech – wie steht es mit dem Pech? Wie definiert sich Pech eigentlich? Diese Frage stellt sich ja niemand. Aber man sollte sich diese Frage stellen. Diese Frage betrifft ja nicht nur den Sport.“
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gon Zimmermann wurde 1939 geboren, er ist zehn Jahre älter als ich, nicht mehr. Ich habe ihn kennengelernt, als ich ein Buch mit Ge schichten über den Arlberg schrieb – „Die Leute von Lech“ –, eine Sammlung von Erzählungen. Vorbild war Gottfried Kellers „Die Leute von Seldwyla“. „Wie definieren Sie Pech?“, fragte ich. „Unschuld“, antwortete er. „Pech ist Unschuld. Wenn einer bei einem Rennen Pech hat und er ist eigentlich der Beste, der wird trotzdem niemals gewinnen können. Und das, da wirst du mir recht geben, verzerrt den Wettbewerb. Da war der Riesen slalom 1964, diese verdammten Olympischen Spiele in Innsbruck. Darf ich so bitter sein? Du musst mir sagen, ob ich darf. Ich wusste, ich war der Beste. Ich hatte bereits die Goldene in der Abfahrt. Von der ihr so begeistert gewesen seid. Ich war stark und zuver sichtlich. Heute würde man sagen, ich war mental super drauf. Alles hat gestimmt. Ich war der Favorit. Ich war besser auf den Riesentorlauf trainiert als auf die Abfahrt. Mein schlimmster Feind hätte sagen müssen: Diesmal ja, diesmal ist der Egon Zimmer mann der Beste. Man hätte nicht einmal eine Wette abgeschlossen, so sicher war, dass ich den Riesen torlauf gewinnen werde. Und dann – ich hatte Pech. Einfach Pech. Eingefädelt. Nun könnte ein Schlauer kommen und sagen: Eingefädelt, das ist nicht Pech, das ist mangelndes Können. Ganz meine Meinung. Bin ich damit einverstanden, zu neunundneunzig Prozent. Aber man muss – und das gilt für den Ski sport genauso wie für alle anderen Bereiche des Lebens –, man muss sich jeden Fall genau anschauen. Was heißt ‚eingefädelt‘? Definition bitte!“ „Sagen Sie es mir.“ „Einfädeln heißt jedes Mal etwas anderes. Seit fast fünfzig Jahren denke ich immer wieder darüber nach. Ich sehe die Situation noch immer glasklar vor mir. Ich treffe mit der Spitze des rechten Skis genau auf die Torstange. Ich treffe haargenau auf die Mitte. Wenn die Skispitze ein Messer gewesen wäre, hätte ich die Torstange aufgespießt. Aber eine Skispitze ist kein Messer. Ich zeichne dir das auf. Schau her!“
„Trifft die Skispitze die Entscheidung, in welche Richtung sie ausweicht?“
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Er ging zur Rezeption und ließ sich von der Empfangsdame ein Blatt Papier und einen Bleistift geben. „Das ist die Skispitze, und hier ist die Torstange. Ich führe die beiden zusammen. Was geschieht? Die Skispitze wird nach einer Seite ausweichen. Sie kann gar nicht anders. Entweder wird sie nach rechts oder nach links ausweichen. Trifft die Ski spitze die Entscheidung? Weicht sie nach links aus, ist alles in Ordnung. Die Torstange fällt um, oder sie fällt nicht einmal um. Wahrscheinlich bewegt sie sich nicht einmal. Jeder Zuschauer wird hinterher sagen: Nein, ich habe nichts gesehen, vielleicht hat er die Stange berührt, aber ich habe nichts gesehen. Auf Deutsch: Es spielt keine Rolle. Weicht die Ski spitze allerdings nach rechts aus, ist alles verloren. Aus der Traum. Eingefädelt. Disqualifiziert. Aus. Aus. Aus! Wovon hängt es ab? Wer kann das sagen? Vielleicht haben die Dinge Verstand und Seele wie wir Menschen. Wer kann darauf wetten, dass es nicht so ist? Dann hätte mir die Skispitze an jenem Tag bewusst einen Streich gespielt. Dann müsste ich sagen: Schau her, ich habe einen Feind, und dieser Feind ist mein rechter Ski.“ „Diese Version“, sagte ich vorsichtig, „kommt mir, verzeihen Sie, sehr unwahrscheinlich vor.“ „Ich gebe dir recht. Mir kommt diese Version auch unwahrscheinlich vor. Aber es gibt Leute, die sind davon überzeugt. Nicht nur einer. Ich habe die Geschichte jemandem erzählt, der hat zu mir gesagt: Rühr nie wieder einen Ski an! Die Skier ruinieren dich. Die hassen dich. Ich sage: Bullshit!“ „Und welche Version ist die richtige?“
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or zehn Jahren noch“, sagte Zimmermann, „hat man die Schulter gezuckt und gesagt, das wird man nie herausfinden, und es ist auch egal, warum so eine dumme Skispitze nach links oder nach rechts ausweicht. Oder man hat mich überhaupt ausgelacht, wenn ich das Thema darauf gebracht habe. Heute ist das anders. Ich habe irgendwann wieder einmal diese Geschichte erzählt, es war in so einer Runde, lauter Kapazi täten, Universitätsprofessoren waren dabei, wir sind zusammengesessen noch spät in der Nacht, gute Gäste, sehr hohes Niveau, sehr liebe Gäste, die sich bei mir in meinem Hotel wie zu Hause fühlten, da erzählte ich die Geschichte, und da sagte einer dieser Universitätsprofessoren: Das ist höchst inter essant, Herr Zimmermann, mit solchen Fragen be schäftigt sich die neueste der neuen Wissenschaften. Chaostheorie – die beschäftigt sich genau mit sol chen Fragen. Und jetzt ohne Witz: Da kann heraus kommen – wissenschaftlich berechnet! –, dass der Grund, warum damals meine Skispitze nach rechts und nicht nach links ausgewichen ist, vielleicht der ist, dass sich in China genau in diesem Augenblick ein Schmetterling von einer Blume erhoben hat. – Das glaubst du nicht?“ „Doch, doch.“
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„Die wenigsten Menschen sind Verlierer. Die meisten haben einfach nur Pech.“
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der dass an genau dieser Stelle der Piste eine Schneeflocke mehr oder eine Schneeflocke weniger gelegen ist. Damals, 1964 in Innsbruck, hätte jeder über solche Überlegungen gelacht. Jetzt lachen nur noch die Dummen darüber – das hat eben dieser Universitätsprofessor gesagt. Ich hätte den R iesenslalom gewinnen können. Das wusste ich, und das weiß ich immer noch. Und in einer gerechten Welt habe ich ihn gewonnen. Derselbe Professor hielt uns an diesem Abend einen Vortrag. Über Parallelwelten. Höchst interessant! Dass sich bei jeder Entscheidung in der Welt die Welt aufspaltet – eben zum Beispiel in rechts und in links. Wir, du und ich, wir leben in der rechten Welt, in der meine Skispitze nach rechts gerutscht ist und ich disqualifiziert wurde. Aber es gibt auch die linke Welt, dort habe ich gewonnen.“ „Das will ich gern glauben“, sagte ich.
Darauf ging er nicht ein. „Ich will jetzt nicht sagen, man soll meinen Fall wieder aufrollen und die Forschungsergebnisse der Chaostheorie berücksichtigen, dass also das Rennen rückwirkend annulliert wird – so weit möchte ich nicht gehen. Ich möchte aber anregen, sich zu überlegen, ob man in Zukunft, eben auf wissenschaftlicher Basis, zu Sieg und Niederlage noch ein Drittes, nämlich so etwas wie Unentschieden oder Chaotisch oder Schicksal, hinzufügen soll. Denn nur die wenigsten Menschen sind Sieger, und nur die wenigsten sind Verlierer. Die meisten haben einfach nur Pech.“ Am 23. August 2019 starb Egon Zimmermann. Er wurde achtzig Jahre alt.
Michael Köhlmeiers Geschichten gibt es, von ihm selbst gelesen, auch zum Anhören im Podcast-Kanal von The Red Bulletin. Zu finden auf allen gängigen Plattformen wie Spotify und auf redbulletin.com/podcast. Oder einfach den QR-Code scannen.
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NICOLAS MAHLER
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Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 14. Dezember 2021.
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