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The Red Bulletin AT 12/20

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ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

VOM SHERPA ZUM CHAMPION

DER SCHNELLSTE BERGSTEIGER DER WELT Nims Purja bezwang alle 14 Achttausender. In nur sechs Monaten.

HÜTER DER KORALLEN

WIE JUNGE SURFER EIN NATURPARADIES RETTEN

FORMEL FROST

MINUS 48 GRAD: IM FAHRERSITZ BEIM RENNEN DER KÄLTE-REKORDE

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Natural born climber: Nims Purja, 38, führte ein rein nepalesisches Team an und unterbot den bisherigen Rekord um mehr als sieben Jahre.

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E D I TO R I A L

WILLKOMMEN

DER WEG ZUM GLÜCK

Der Mann weiß, wie es geht, schließlich hat Stephen King über 400 Millionen Bücher verkauft. Seine wichtigsten Ratschläge auf dem Weg zum Bestseller: ab Seite 94

„Ich mag es, wenn ich nicht weiß, was kommt.“ Schauspieler Laurence Rupp, 33, über seine (durchaus riskante) Lebensart: Seite 40

Viel Spaß mit der neuen Ausgabe von The Red Bulletin! Die Redaktion

VINZ SCHWARZBAUER

Ein Bild, das um die Welt ging: Gedränge am Mount Everest. Aufgenommen hat es der Nepalese Nims Purja während seiner Achttausender-Rekordjagd. Die Menschenschlange stoppte ihn übrigens nicht – ab Seite 42.

STEPHEN KING ALS RATGEBER

SANDRO BAEBLER (COVER)

IM STAU AM MOUNT EVEREST

„Ein Achttausender“, sagt der Bergsteiger Nims Purja, „das ist ein Ort, an dem ich erst lebendig werde.“ Der frühere Elitesoldat, 38, hat alle 14 Achttausender bestiegen – in Rekordtempo. Dabei drohte sein „Project Possible“ sogar zu scheitern – erst am Geld, dann am Getümmel um 5.30 Uhr früh am Gipfel des Mount Everest. Doch Nims fand einen Weg. Und schaffte kurz darauf Tag auch noch den benachbarten Lhotse (8.515 m). Seine ganze abenteuerliche Reise erzählt er uns ab Seite 42. Wie man im Beruf den Weg zum Glück findet, weiß auch der Wiener Schauspieler Laurence Rupp, der auf seine Ensemble-Engagements pfiff, um sich frei zu fühlen (ab Seite 40). Oder DownhillSkaterin Jenny Schauerte, für die Andrenalinschübe der Schlüssel zur Zufriedenheit sind (ab Seite 34).

DOMINIK SZOBOSZLAI: SCHÖNE AUSSICHTEN

Der Red Bull Salzburg-Star, 20, über seine Pläne. Sein Ziel: ein Top-Verein in einer der fünf europäischen Top-Ligen – Seite 38 4

THE RED BULLETIN


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I N H A LT The Red Bulletin im Dezember 2020

MUSIK

58 DIE SCHILLERNDE

COVERSTORY

42 DER GIPFELSTÜRMER

Der nepalesische Alpinist Nims Purja über Risiko, Achttausender-Rekorde und seinen Einsatz für die Natur.

US-Rapperin Saweetie erzählt, wie sie allen Widerständen zum Trotz Karriere machte.

79 HART AM WIND Ein Törn mit Olympiasiegern – Destination Red Bull macht’s möglich.

UMWELT

64 DIE RIFF-RETTER

Wie eine Gruppe junger Südsee-Franzosen bedrohte Korallenriffe mit Leben füllt.

MOTORRAD

BOULEVARD DER HELDEN

22 DIE EIS-EILIGEN

Beim frostigsten Bike-Rennen der Welt: 24 Stunden Vollgas bei bis zu minus 48 Grad.

SKATEBOARD

74 DIE ÜBERLEBENDE

Michael Köhlmeier erzählt die Geschichte der letzten Aborigine von Tasmanien.

Jenny Schauerte lebt als Downhill-Skaterin ihren rasanten Traum von Freiheit.

FUSSBALL

38 DER AUFSTEIGER

Der beste Fußballer in Österreich: Dominik Szoboszlai spricht über Zukunftspläne.

79 TRAVEL. Segeln mit den Besten – Urlaub mit Hagara und Steinacher

93 BREITLING. Was ist Zeit? Drei Wintersport-Stars geben Antwort.

Schauspieler Laurence Rupp pfeift auch mal auf Sicherheit – das macht ihn erfolgreich.

94 LESESTOFF. Stephen King über sein spannendes Schreibrezept

INNOVATOR

56 DIE GRÜNE OASE

Ein vietnamesischer Architekt macht die Dächer von Ho-ChiMinh-Stadt zu Wäldern.

8 GALLERY 14 ZAHLEN, BITTE! 16 FUNDSTÜCK

64 SANFT ZU KORALLEN Freediving-Legende Guillaume Néry hilft bei der Rettung der Riffe.

84 GAMING. Wie ein begeisterter Spieler zum Milliardär wurde

FILM

40 DER FREIHEITSKÄMPFER

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GUIDE

Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen

96 FITNESS. Ein Yoga-Programm, das Superheldenkräfte verleiht 98 KALENDER. Die aufregendsten Events und TV-Highlights 100 UHREN. Zwölf neue Zeitmesser zum Staunen und Freuen

18 PLAYLIST 20 CLUB DER TOTEN DENKER

104 IMPRESSUM 106 CARTOON

22 EISKALT IN DIE KURVEN Brrr! Das MotorradRennen der extremen Minusgrade in Kanada

THE RED BULLETIN

KONSTANTIN REYER, RYAN BORNE/CORAL GARDENERS, PHILIP VUKELICH, G L ASKEW II

34 DIE ALPHAFRAU


58

IMMER AM BALL Rapperin Saweetie über Komplimente und ihren Erfolg: vom Instagram-Star zu Mehrfach-Platin

THE RED BULLETIN

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RIESENGEBIRGE, TSCHECHIEN

Trick aus dem Jahr Schnee

JIRI SIMECEK/RED BULL CONTENT POOL

Okay, auf Skiern von einem 18 Meter hohen Dach zu springen – wie in diesem Fall der US-Freeski-Star Nick Goepper – nötigt uns einigen Respekt ab. Noch erstaunlicher ist aber, wenn man erfährt, dass ein gewisser Otto Berauer den gleichen Stunt bereits im Jahr 1929 auf Holzskiern hinlegte. Fotograf Jiří Šimeček hatte die Aufnahme von dessen kühnem Sprung im Luční Bouda Hotel im Riesengebirge gesehen. Er fragte Nick Goeppner, ob er den Trick nachstellen würde. Dem war es eine Ehre. jirisimecek.com


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MOLDE, NORWEGEN

PETER SALZMANN

Gleitzeit Steile Felswände, unzählige Seen, atemberaubende Fjorde: Norwegen gilt als Europas Mekka für BASE-Jumper und Wingsuit-Flieger. Zwei Wochen begleitete der Salzburger Air2AirFotograf Peter Salzmann das Red Bull Skydive Team bei dessen jüngstem Projekt im gebirgigen Westen des Landes. Im Bild vollführen die Wingsuit-Piloten Max Manow, Marco Waltenspiel und Marco Fürst (v. li.) die „PfeilFormation“ entlang einer Schlucht (Flugspeed: 220 km/h). Salzmann: „Hier flog ich knapp hinter ihnen und musste die Helmkamera mittels Bissmechanismus auslösen.“ redbull.com/norwegen, @redbullskydiveteam 11


TEAHUPO’O, TAHITI, FRANZÖSISCH-POLYNESIEN

RUSSELL ORD

Blaues Wunder

Der Australier Russell Ord, 46, gilt als einer der besten Surf-Fotografen der Welt. Dieses Bild aus Teahupo’o, Tahiti, lässt uns sofort verstehen, warum. Zu sehen ist Surfer Matahi Drollet am heimatlichen Strand. Mit 23 Jahren ist er halb so alt wie Ord, doch gemeinsam schuf das Dream-Team ein blaues Wunder – das bemerkenswerte Bild eines Ritts auf einer perfekten Welle. russellordphoto.com 13


Z AHL EN, BI T T E!

TV-SERIE

Genial royal Am 15. November startet die vierte Staffel der Netflix-Erfolgsserie „The Crown“ mit Oscar-Preisträgerin Olivia Colman als Elizabeth II. Hier die Zahlen, die belegen, dass die Queen einfach die Coolste ist.

1

Glas Champagner trinkt sie täglich vor dem Schlafengehen.

G20

-Gipfeltreffen-Gruppenfoto 2009: die Queen blamiert Silvio Berlusconi vor versammelter Runde: „Was ist mit dem? Warum schreit der so?“

2

4

Mal hat sie Wimbledon besucht – obwohl sie bis 2016 Schirmherrin des Turniers war. Tennis interessiere sie einfach nicht.

2007

Geburtstage hat sie: ihren eigentlichen (21. April) und den „königlichen“ aller Regenten am zweiten Samstag im Juni.

gestand sie dem damaligen Arsenal-Mittelfeldspieler Cesc Fàbregas, sie sei ein Fan des Clubs.

129

0

-mal wurde sie porträtiert, 23 Wachsfiguren wurden von ihr bei Madame Tussauds angefertigt.

Sie benötigt keinen Reisepass, um Grenzen zu passieren. Keinen Führerschein, um Auto zu fahren. Noch besser: Geschwindigkeitsbeschränkungen gelten für sie nicht.

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2012

spielte sie im Video zur Eröffnung der Olympischen Spiele in London mit. Bond-Darsteller Daniel Craig holte sie per Heli aus dem Palast. Ein Queen-Double sprang später mit dem Fallschirm über dem Stadion ab.

Straßen sind nach ihr benannt.

123.384.128

1976

verschickte sie ihre erste E-Mail, 2014 ihren ersten Tweet.

Dollar spielte der Film „Die Queen“ weltweit im Kino ein, Helen Mirren erhielt einen Oscar für die Hauptrolle.

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THE RED BULLETIN

GETTY IMAGES (9)

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CLAUDIA MEITERT

Premierminister (von Winston Churchill bis Boris Johnson) haben ihr gedient.


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F U ND ST Ü CK Pelés JubiläumsspielBall (mit den Namen der Teams) ist aus Ledersegmenten gefertigt. Das Kicken lernte Pelé als Kind noch mit einem Ball aus ausgestopften Socken.

PELÉ

Ball vom 1000. Spiel des brasilianischen Jahrhundert-Fußballers Edson Arantes do Nascimento, 1971 In den 50er- und 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts hieß der Fußballgott Pelé. Keiner behandelte die Wuchtel, das Leder, die Haut eleganter, keiner schoss so viele Tore. Im Jänner 1971, mit 31, hatte er Brasilien bereits dreimal zum WM-Titel geführt und war längst eine lebende Legende. So wurde sein tausendstes Match (FC Santos gegen SV Transvaal, Surinam, 4:1) wie ein Gottesdienst zelebriert. Und das Leder – damals wirklich noch aus Leder – hat man als Reliquie aufbewahrt.

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THE RED BULLETIN

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Haut volée


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P L AYL I ST

BENNY THE BUTCHER

So klingt New York

Größen wie Eminem und Jay-Z huldigen seiner Musik. Uns empfiehlt der Rapper vier Songs aus seiner Heimatstadt, die seinen Weg prägten. New Yorks Hip-Hop erlebt gerade eine Renaissance – auch wegen Rappern wie Jeremie Pennick, 35, besser bekannt unter dem Namen Benny the Butcher. Benny und sein Hip-Hop-Kollektiv Griselda führen mit ihrer Musik die Tradition von Eastcoast-Legenden wie dem Wu-Tang Clan oder Mobb Deep fort. Gleichzeitig fügen sie deren aggressivem Hardcore-Rap ihren eigenen, frischen Sound hinzu. Zu Bennys Fans zählen mittlerweile Größen wie Eminem, der Griselda 2017 auf seinem Label Shady Records unter Vertrag nahm, oder Jay-Z, der Benny mit seiner Agentur Roc Nation betreut. Hier verrät der New Yorker vier Tracks, die ihn auf seinem Weg nach oben inspiriert haben. Das Album von Benny The Butcher & DJ Drama: „Gangsta Grillz × BSF Da Respected Sopranos“ ist bereits erhältlich; blacksopranofamily.com

The Symphony (1988)

„Mein Paps war der größte HipHop-Fan überhaupt. Er hörte ständig Musik, und ich saß auf dem Rücksitz unseres Autos und sog die Songs auf. So lernte ich ‚The Symphony‘ kennen. Die Pianomelodie, die sich Marley Marl hier von Otis Redding borgt, dazu Kool Gs Reimkunst: ein irre guter Track.“ 18

The Notorious BIG Juicy (1994)

„‚Juicy‘ war ein großes Ding für New York. Der Song erschien zu einer Zeit, als Rapper der Westcoast die Szene fest im Griff hatten. Deshalb waren wir heilfroh über dieses Genie aus Brooklyn. Immer wenn seine Songs im Radio gespielt wurden, setzten wir ein Lächeln auf. ‚Juicy‘ ist eine der größten New-York- und eine der größten Hip-Hop-Hymnen überhaupt.“

Nas feat. Lauryn Hill

If I Ruled the World (aus dem Album „Imagine That“, 1996)

„Nas und Lauryn gemeinsam auf einem Track zu hören war schon sehr speziell. Ohne die beiden wäre Hip-Hop heute nicht dasselbe. Das Video zum Song ist pures New York und wurde am Times Square gedreht. Es ist der Blueprint für Künstler, die dieses Feeling ebenfalls erzeugen wollen – auch noch Jahre später.“

Puff Daddy & The Family It’s All About the Benjamins (1997)

„Als ich den Song zum ersten Mal hörte, dachte ich: ‚Wow! Was für ein verrückter Beat.‘ Später packten mich die Texte, die Gast-Künstler wie Sheek dem Album beisteuerten. Puff bringt einfach immer die besten Leute zusammen. Er ist eine Art All-Star-Coach des HipHop, und seine Arbeitsweise hat mich sehr beeinflusst.“ THE RED BULLETIN

WILL LAVIN

Marley Marl feat. Masta Ace, Craig G, Kool G Rap & Big Daddy Kane


t s b O n i De e s ü m e !G

+ UNTERSTÜTZE DEIN IMMUNSYSTEM. Vitamin C & D tragen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Ganz allgemein empfehlen wir eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Empfohlene Verzehrseinheit: ein Glas (250 ml) pro Tag.


D ER CLU B D ER TOT EN DEN K ER

EMPEDOKLES

Sollten wir jetzt alle Vegetarier werden? Die größten Denker aller Zeiten beantworten Fragen unserer Gegenwart, übermittelt durch den Philosophen Christoph Quarch. Diesmal: der antike Heiler und Weisheitslehrer Empedokles über den Zusammenhang von Ernährung und Menschlichkeit. Gegenfrage: Was, meine Freunde, würdet ihr von einem Menschen halten, der seine Vorfahren akribisch in Stücke schneidet, auf den Grill legt und genussvoll mit einer feinen Barbecue-Sauce verspeist? Fändet ihr nicht so gut, oder? Ist ja auch eine unappetitliche Vorstellung – nur noch zu toppen durch die Vision, dass man euch selbst nach eurem Ableben in die Pfanne haute. Das würdet ihr nicht wollen. Aber genau darauf legt ihr es an. Denn es könnte durchaus sein, dass das T-Bone vor euch von einem Rind stammt, in dem die Seele eurer Oma wohnte. Deshalb ein klares „Ja“ auf eure Frage: Ihr solltet auf Fleischkonsum verzichten. Ob diese Eso-Spinnerei mein Ernst ist? Klar ist das mein Ernst. Denn Seelenwanderung hin oder her, eines habe ich verstanden: Alle Lebewesen sind miteinander verwandt. Streng genommen sind wir alle Teil eines einzigen großen Lebens. Und deshalb verletzen, ja töten wir uns ein Stück selbst, wenn wir Tiere quälen oder schlachten. Wir peinigen das große Leben, das durch uns ebenso hindurchfließt wie durch Fische, Lämmer, Schweine oder Kühe. Eigentlich, meine Freunde, wisst ihr das ohnehin – und verdrängt deshalb das Schlachten in anonyme Fabriken. Ihr scheut euch, den Tieren, die ihr esst, in die Augen zu schauen, bevor ihr sie tötet, und überlasst das Schlachten lieber anderen. Ihr fürchtet eure eigene Empathie, die euch davon abhalten würde, zum Messer zu greifen. Denn eigentlich liebt ihr die Tiere genauso, wie ihr euresgleichen liebt. Ja, ihr wisst um eure Verwandtschaft mit ihnen. Aber irgendwie könnt ihr trotzdem nicht davon lassen, an möglichst jedem Sommerabend ein Grillfest zu veranstalten. Meine Zeitgenossen waren übrigens auch schon leidenschaftliche Fleischesser. Und auch damals war absehbar, dass ihnen zu viel Fleischkonsum nicht gut-

tut. Deshalb habe ich ihnen die Geschichte von der Wiedergeburt erzählt. Das war keine pure Erfindung. Ich glaube fest daran, habe ich mich doch in Trancezuständen immer wieder an frühere Inkarnationen meiner Seele erinnern können: als Fisch und Schwein, ja auch als junges Mädchen oder als Gebüsch. Wenn das wirklich stimmt und ich schon etliche Male in Tiergestalt auf Erden wandelte, dann bin ich auch schon etliche Male geschlachtet und ausgenommen worden – und ehrlich gesagt: Das brauche ich nicht noch einmal. Keiner braucht das. Darum: Lasst das Fleischessen! Wenn ihr damit aufhört, werden eure Enkel vielleicht gar nicht mehr damit anfangen – und euch bei eurer nächsten Wiedergeburt als Wildschwein nicht zur Salame di cinghiale verarbeiten. Und selbst wenn ich mir das alles bloß eingebildet haben sollte, bleibt doch ein wahrer Kern in der Seelenwanderungsgeschichte. Nämlich der, dass wirklich alle Lebewesen dieser Erde miteinander verbunden sind. Eure Wissenschaftler können euch vorrechnen, dass euer Fleischkonsum dem Ökosystem ebenso wie eurer Gesundheit auf Dauer schadet – und dass mit jedem geschlachteten Tier ein Teil des großen Lebens, dessen Teil ihr seid, sterben muss. Die Dinge geraten aus dem Gleichgewicht, meine Freunde, wenn ihr weitermacht wie bisher. Und ja, okay, vielleicht müsst ihr auch nicht ganz auf eure Steaks verzichten. Es wäre schon viel gewonnen, wenn ihr euren Fleischkonsum reduziert. Ich esse offen gestanden auch einmal gern eine Tagliata fiorentina – denn es gibt ja auch ein paar meiner Vorfahren, die in die Pfanne zu hauen und kleinzukauen mir eine echte Freude ist. Also: Ganz so verbissen müsst ihr es nicht halten. Aber weniger Tiere töten heißt auf jeden Fall, mehr Mensch sein.

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gilt als einer der einflussreichsten Denker der Frühzeit der griechischen Philosophie. Aufgewachsen im sizilianischen Akragas, stand er unter dem Einfluss der in Süditalien weitverbreiteten pythagoreischen Tradition, die aus dem Orient die Lehre von der Wiedergeburt einer unsterblichen Seele in die griechische Welt eingeführt hatte. In einem seiner Lehrgedichte ging Empedokles der Frage nach, wie man sich als Mensch verhalten müsse, um seine ursprüngliche Göttlichkeit zurückzugewinnen. Als eines der probaten Mittel dazu erschien ihm der Verzicht auf jede Form von Fleischkonsum.

THE RED BULLETIN

DR. CHRISTOPH QUARCH

EMPEDOKLES (ca. 495–435 v. Chr.)

BENE ROHLMANN

„Ihr fürchtet eure Empathie, die euch davon abhalten würde, zum Messer zu greifen.“


EMPEDOKLES

„Wenn ich schon etliche Male in Tiergestalt auf Erden wandelte, dann wurde ich auch schon etliche Male geschlachtet – und ehrlich gesagt: Das brauche ich nicht noch einmal.“ THE RED BULLETIN

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FORMEL FROST Auf einem zugefrorenen See im Norden Kanadas wartet jeden Winter auf Hartgesottene eine würdige Herausforderung: NUMB BUM („vor Kälte tauber Hintern“), das längste und kälteste Motorradrennen der Welt. 24 Stunden Vollgas bei bis zu minus 48 Grad. Text KAITLYN KRASSELT

Fotos PHILIP VUKELICH

Ausdauer zählt Nicht die Schnellsten gewinnen das Numb Bum 24, sondern die Zähesten – jenes Team, das in 24 Stunden die meisten Runden abgespult hat. Die Frage lautet also: Wer hält es am längsten aus bei eisigen Temperaturen, Wind, Schnee und allen anderen Überraschungen, die die Natur hier so aus dem Ärmel zaubert? 22


Nagelprobe Um auf der spiegelglatten Strecke Halt zu finden, bestücken die Piloten die Reifen mit fünf Zentimeter langen Spikes. Doch die können sich auch als Albtraum erweisen: Im Jahr 2015 schlitzte sich einer der Teilnehmer bei einem Abflug mit einem der Nägel die Oberschenkelarterie auf. Seither gibt es eine neue Vorschrift: Die Räder müssen von einem Schutzgitter umgeben sein.


„Um hier teilzunehmen, musst du ein bisschen verrückt sein.“ Dan Cheron, Organisator des Numb Bum 24

Die Rennstrecke Es dauert mindestens eine Woche, bis Schneepflüge die etwa 14 Kilometer lange Strecke aus dem Sandy Lake, eine Fahrstunde nordwestlich von Edmonton in der kanadischen Provinz Alberta, geschnitzt haben – wobei sich der Kurs von Jahr zu Jahr ändert. „Ohne die Strecke“, findet NumbBum-24-Organisator Dan Cheron, „sieht der See einfach nicht gut aus.“ 25


Wie jedes anständige 24-StundenRennen beginnt auch das Numb Bum mit einem Le-Mans-Start. Und genau wie dort ist dieser Vorgang – die Teilnehmer rennen zu ihren geparkten Maschinen – ebenso emotional wie bedeutungslos. Hier Zeit zu verlieren ist für Piloten zwar frustrierend, für den Rennausgang jedoch nebensächlich.

Dan Cheron ist das Herz und die Seele des Numb Bum. Obwohl er selbst nie an dem Rennen teilgenommen hat, ist er fast das ganze Jahr mit dessen Planung und Organisation beschäftigt. Er zaubert die Sponsoren aus dem Ärmel und kümmert sich um die Genehmigungen der lokalen Behörden. Es ist die Arbeit eines wahren Liebenden.


Das Wetter fordert Mensch und Maschine. Die Piloten müssen stundenlang Wind und Wetter trotzen, und auch die Maschinen sind nicht dafür gebaut, 24 Stunden mit Vollgas über die Strecke geprügelt zu werden. 2020 war das Rennen vergleichsweise mild: bloß minus zehn Grad Celsius.

Die Teams wechseln die Fahrer alle ein, zwei Stunden, damit sie sich aufwärmen und ausruhen können. Dieses Jahr versuchte Luke Sydor (im Bild), so lange wie möglich draußen zu bleiben. Nach 13 Stunden war Schluss: Getriebeschaden.

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Mit Einbruch der Nacht sinken Temperaturen und Sicht, was Rennen und Reparaturen noch einen Tick härter macht.


Nachtschicht Gut die Hälfte des Rennens geht im Finstern über die Bühne – was die Challenge nochmals erhöht. Sandy Beach, Alberta, ist ein Nest mit 1100 Einwohnern, hauptsächlich ist hier im Sommer etwas los. Außer beim Numb Bum im Februar: Sobald die Sonne untergeht, sieht man weithin die Lichter tanzen und hört das Knattern der Motoren. 29


“Nick Moir is a genuine soul who loves to document Mother Nature in all on.”

Eine Flotte von Schneepflügen sorgt dafür, dass die Rennstrecke stets sicher geräumt ist. Sie glätten etwa jene Stellen, wo die Spikes tiefe Rillen hinterlassen haben. Ein Umlauf dauert 30 Minuten, Zuschauer dürfen mitfahren.

Benzinkanister stehen zum Nachfüllen bereit, damit die Helden des Numb Bum 24 über die Runden kommen. Die meisten Fahrer tanken alle 60 bis 90 Minuten nach. Die Tapferen mit extragroßen Custom-Tanks trotzen der Kälte entsprechend länger.


Wer hier zum ersten Mal die Kurve kratzt, lernt im Blitztempo, dass Schockfrosten eine völlig neue Bedeutung hat.

Leading the Charge

Nick Moir battles against a dust storm in Texas. “I trusted Nick and his 20 years of experience,” Wright says. “The rest of us were stormchasing rookies. I wholeheartedly believe that Nick could get anyone interested in storms with his infectious attitude.

Nomen est omen Der Name des Events nimmt Bezug auf die eisigen Temperaturen und das mitunter grausame Wetter. Die Dauer des Rennens hat aber noch einen weiteren Nebeneffekt: Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Piloten im Stehen fahren, damit der Schmerz beim Sitzen einmal ein bisschen nachlässt. 31


Lohn der Mühe Die Zieldurchfahrt, der Moment des Triumphs nach all den Strapazen: Tab Sydor (im Bild) und das Team NASTE Shrinkage schafften in 24 Stunden, 3 Minuten und 12,56 Sekunden 109 Runden. Preisgeld gab’s keins, aber einen hübschen Pokal und jede Menge Ehre.

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„Natürlich kommen wir wieder. Aber jetzt muss ich schlafen.“ Tab Sydor, Sieger des Numb Bum von 2020


Jenny Schauerte

Jenny Schauerte, 32, ist Vize-Weltmeisterin im Downhill-Skaten. Mit ihren Woolf Women lebt sie ihren rasanten Traum von Freiheit. Interview RUTH McLEOD

Erst vor sechs Jahren fing die Deutsche Jenny Schauerte, 32, mit dem Downhill-Skateboarding an, heute zählt sie in diesem Sport zu den Besten der Welt. „Dieser Sport“ heißt: auf einem Brett mit bis zu 100 Sachen die steilsten Straßen hinunterbrettern, nicht selten mit Gegenverkehr. Das Skaten hat ihr inzwischen auch Freundinnen fürs Leben und viele Reisen beschert. Die Begeisterung für all das führte nun zu einem Film: Die Doku „Woolf Women“ ist ihrer Downhill-Clique gewidmet, dank der sie nun keine einsame Wölfin mehr ist, sondern Alphatier in einem rasenden Rudel.   : London ist nicht gerade hügelig. Warum haben Sie ausgerechnet dort mit dem Downhill-Skaten angefangen?  : Ich komme aus Bayern, habe aber in London meinen Bachelor in Grafikdesign gemacht, dann den Master in Kommunikationsdesign. In meiner Masterarbeit ging es darum, wie Adrenalin unsere Emotionen beeinflusst. Ich habe recherchiert und Sportarten gesucht, die wirklich viel Adrenalin produzieren – so bin ich aufs Downhill-Skaten gekommen.

Vorher sind Sie also nie Skateboard gefahren? Woher dann das Interesse für Adrenalin? Ein bisschen Erfahrung hatte ich schon. Mit drei Jahren habe ich Skifahren gelernt, mit neun Snowboarden. Als ich bei der Recherche das Downhill-Skaten fand, dachte ich: Das ist ja wie Snowboardfahren im Sommer! Also wollte ich unbedingt wissen, wie sich das anfühlt. Mein erstes Mal auf dem Longboard war im Crystal Palace Park. Was haben Sie erwartet, über das Adrenalin herauszufinden? Am Anfang war ich mir nicht sicher. Es hat wirklich viel gebracht, es am eigenen Leib auszuprobieren. Ich wusste ja, wie das beim Snowboardfahren ist: Man denkt an nichts anderes als daran, was man gerade tut, man muss sich konzentrieren. Auf dem Skateboard braucht es noch mehr Konzentration, weil man oft stürzt, vor allem am Anfang. Dieser singuläre Fokus auf die Vorgänge im eigenen Körper im Moment, das war bewusstseinserweiternd für mich. Es hat meinen Blick aufs Leben in mehrerlei Hinsicht verändert. Ich litt gerade an einer Depression, und das Skaten hat mich da rausgeholt. Regelmäßige Adrenalinschübe sind meiner Ansicht nach der Schlüssel für innere Zufriedenheit. Wo hat Sie das Skateboard mittlerweile schon hingebracht?

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Solche Verletzungen scheinen recht häufig vorzukommen. Wie schnell fahren Sie denn? Mein höchstes je gemessenes Tempo hatte ich auf einer Rennpiste in Vermont, als die Polizei zum Spaß ihre Radarpistole einsetzte: Da waren es 99,7 km/h. Das ist irre. Wenn es dich da aufhaut, ist nicht mehr viel von dir übrig. Was fanden Sie da so toll daran? Das Adrenalin, was sonst? Im Wettbewerb will ich im Prinzip einfach Spaß haben. Beim Skaten geht es natürlich auch ums Reisen mit den anderen, um die Gleichgesinntheit, die Gespräche über Straßen und Berge. Man nimmt die Welt ganz anders wahr. In London habe ich einen Freund gefunden, Russ aus Litauen. Wir sind in meinem Van nach Wales gefahren. Man entwickelt nicht nur eine Freundschaft, man muss dem anderen sein Leben anvertrauen. Zum Beispiel müssen wir füreinander Schmiere stehen: Auf einer befahrenen Straße steht an jeder Kurve eine Person. Einer gibt das Zeichen, dass man losfahren kann, und wenn jemand ein Auto sieht, verschränkt er die Arme als Zeichen für „Stopp!“.

THE RED BULLETIN

CRAIG BLAKE JONES

Alphatier im Wölfinnenrudel

Überallhin! Für mein allererstes Rennen habe ich mich bei einem kleineren Wettbewerb in Österreich angemeldet und bin Vierte geworden! Dann will man immer weiter. So habe ich die Community kennengelernt: eine große Familie. Sich wo zugehörig zu fühlen, das hat mich richtig glücklich gemacht. Seitdem skate ich durch die Welt: Ich war viel in Asien, Südamerika, fast überall in Europa, in den USA, Südkorea, China. Richtig mit dem Skaten angefangen habe ich 2014, und bereits 2016 wurde ich Zweite bei der Weltmeisterschaft. 2017 war ich Dritte und 2018 wieder Zweite. Voriges Jahr hatte ich dann eine Knieverletzung und konnte nicht mitmachen.


„Adrenalinschübe sind der Schlüssel zur inneren Zufriedenheit.“ Jenny Schauerte und ihr Geheimrezept

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Jenny Schauerte

„Vor der Haustür warten ungeahnte Abenteuer.“

So hat dieses Wolfsrudelgefühl begonnen. Es gibt nicht viele DownhillSkater, und die Leute haben in der Regel keine Ahnung von diesem Sport. Also wollte ich mit einem Film über uns mehr Leute auf uns aufmerksam machen. Wer sind die Woolf Women? Bei meinen Wettbewerben in ganz Europa habe ich eine Reihe von fantastischen Frauen kennengelernt. Dass es noch andere Mädels gibt, die so drauf sind wie ich, fand ich einfach unglaublich. So haben wir über das Skateboarden zusammengefunden. Als Jugendliche habe ich immer davon geträumt, so eine Clique zu haben, aber damals war ich immer allein. Jetzt gehöre ich zu einer Gruppe, die offen für Neues ist, wir lieben die Natur und die Umwelt. Die meisten Leute reden viel – wenn

Die Woolf Women (v. li.): Jenny Schauerte, geboren in Boston, USA, aufgewachsen in Bayern, Jasmijn „Jas“ Hanegraef aus Belgien, Lisa Peters aus den Niederlanden, Anna Pixner aus Österreich und Alejandra Gutierrez, Kolumbien

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wir eine Idee haben, setzen wir sie einfach um. Wir verlassen gerne unsere Komfortzone und lassen das Adrenalin einfahren. Wir sind furchtlos, aber auch neugierig – und cool. Also habe ich angefangen, alles mit der GoPro zu filmen. Ich habe einen Clip mit dem Titel „Woolf Women“ gepostet, der richtig gut ankam, also haben wir fünf entschieden, einen ganzen Film zu machen. Und das kam offenbar auch für Sie zur richtigen Zeit … Ja, vor drei Jahren habe ich meinen Vater verloren, das war ein echter Schock, und es ging mir psychisch schlecht. Aber mit diesen Frauen zu skaten ist wie Medizin. Ich wusste, es würde mir bei der Verarbeitung helfen. Der Film ist eine Art Pilgerfahrt, um auf einem Berg eine Kerze für meinen Vater anzuzünden. Und die Mädels kommen mit und helfen mir da durch. Es ging also nicht nur darum, crazy zu skaten, wir hatten auch eine Geschichte zu erzählen. Also haben wir irgendwann eine riesige Karte vor uns ausgebreitet und überlegt, wo wir hinfahren könnten. Wir entschieden uns für Sumela, ein wunderschönes Kloster im Gebirge in der Nordosttürkei, und ich bin mir sicher, dass mein Vater da auch gerne hingefahren wäre. Dort ist noch nie jemand runtergeskatet. Also haben wir Bimbo – meinen Van – vollgepackt und haben uns auf die Reise gemacht. 10.000 Kilometer hin und wieder zurück.

Was macht eine Wölfin, wenn sie nicht reisen darf? Eigentlich wollte ich dieses Jahr wieder von Wettbewerb zu Wettbewerb reisen, die Pandemie hat das natürlich verhindert. Ich habe die Gelegenheit dazu genutzt, mir wieder eine Basis aufzubauen – an einem Ort, an den ich nach zwei Jahren Vagabundenleben im Van zurückkehren konnte: Ich bin nach Innsbruck gezogen. Hier wohnen auch die meisten Woolf Women, und direkt vor der Tür sind Berge, auf die ich klettern kann. Jetzt ist die Zeit, die Gegend zu erkunden. Das ist mein Rat an alle: Entdeckt die ungeahnten kleinen Abenteuer vor der eigenen Haustür! Premiere von „Woolf Women“ war beim Raindance Film Festival 2020 in London. Kinostart: Frühling 2021. woolfwomen.com

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LAUREEN MAHIEU

Speed-Queens: Downhill-Skateboarderinnen in der Kurve

Hatte der Film die erhoffte heilende Wirkung? Es war so verdammt schön! Wir haben – erfolglos – versucht, Fische zu fangen, wir hätten es fast nicht aus Bulgarien in die Türkei geschafft, weil wir nicht die richtigen Papiere dabeihatten, und in Istanbul haben wir den einzigen Downhill-Skateboarder der Türkei getroffen und uns von ihm ein paar perfekte Stellen zeigen lassen. Und am Ende war der Anblick des Klosters jede Mühe wert. In der Google-Maps-Satellitenansicht hatte die Straße, die vom Kloster hinunterführte, nach Schotterpiste ausgesehen, aber als wir ankamen, war sie frisch asphaltiert! Es war wie eine göttliche Fügung. Der eigentliche Höhepunkt war, als wir vom Kloster ins Tal hinuntergeskatet sind.


GOLDMÜNZE „AM HÖCHSTEN GIPFEL“

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SO WEIT DAS AUGE REICHT

Die erste Münze der Serie „Naturschatz Alpen“ will hoch hinaus, in die Berge, in die Hohen Tauern, auf der Suche nach dem höchsten Gipfel. Sie wirft einen Blick auf den Großglockner, kunstvoll für alle Zeit in Gold geprägt. Was könnte schöner sein? Nur die Alpen selbst. Erhältlich in Geldinstituten, in den Filialen des Dorotheums, in ausgewählten Filialen der Österreichischen Post AG, im Münzhandel, im Münze Österreich-Shop Wien sowie unter www.muenzeoesterreich.at. MÜNZE ÖSTERREICH – ANLEGEN. SAMMELN. SCHENKEN.


Dominik Szoboszlai

Der Ungar Dominik Szoboszlai, 20, hat sich in nur vier Jahren vom Talent zum teuersten Fußballer in Österreich entwickelt. Doch das war erst der Anfang. Interview ANDREAS WOLLINGER

Bis jetzt hat Dominik Szoboszlai noch nicht viel falsch gemacht in seinem Leben. Kaum konnte er laufen, hat der gebürtige Budapester mit dem Fußballspielen angefangen. Als Kind hat ihn sein Vater, früher ebenfalls Fußballprofi, trainiert. Mit 15 wurde er in die ungarische Nationalmannschaft einberufen. Salzburger Scouts holten ihn nach Österreich. Dort schliff man den Rohdiamanten in den letzten vier Jahren behutsam: in der Akademie, beim FC Liefering in der zweiten Liga. Schließlich erkämpfte sich der 1,86 Meter große Mittelfeldspieler ein Stammleiberl bei Red Bull Salzburg. Jetzt, mit 20 Jahren, hat er eine große Zukunft vor sich: In der Champions League will er sich noch einmal präsentieren, bevor er den nächsten Schritt in seiner Karriere macht.   : Als Sie nach Salzburg kamen, waren Sie noch ein halbes Kind. Heute sind Sie ein in ganz Europa gefragter Spieler, Ihr Marktwert hat sich verfünfzigfacht. Was ist da mit Ihnen passiert?  : Was ich jetzt kann, habe ich fast alles in der Akademie gelernt. Als ich aus Ungarn gekommen bin, hatte ich zwar

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Talent, aber ohne die Arbeit in der Akademie hätte ich es nicht so weit geschafft. Ich hab hier die Philosophie gelernt, den unbedingten Willen zum Gewinnen. Wie kann man denn Willen lernen oder trainieren? Als ich gekommen bin, gab es zwei, drei Spieler auf meiner Position. Da bist du gezwungen, mehr zu arbeiten, mehr zu laufen, mehr zu wollen. Nur dann spielst du. Wenn nicht, spielst du halt nicht.

Aber wir wissen doch, dass das immer schwieriger wird, je besser die Vereine werden. Ja sicher, aber ich vertraue auf das, was ich kann. Doch man muss logisch denken: Für mich ist Geld nicht das Wichtigste; für mich ist das Wichtigste, dass ich spielen kann. Denn wenn ich spiele, dann kommt das Geld automatisch. Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? In einer der fünf Top-Ligen Europas (England, Spanien, Deutschland, Frankreich, Italien; Anm.) – jeweils in einer Mannschaft, die um die ersten drei Plätze mitspielt. Gibt es Fußballer, mit denen Sie schon immer einmal zusammenspielen wollten? Ja, Neymar Jr. Ich glaube, mit ihm könnte ich mich auf dem Platz richtig gut verstehen.

Laut Transfermarkt.at sind Sie jetzt 25 Millionen Euro wert. Wird einem da nicht manchmal ein bisschen schwindlig? Nein. Ich hab schließlich mein ganzes Leben dafür gearbeitet. Ganz im Gegenteil: Ich hoffe, das ist noch nicht das Ende.

Am Anfang hat Sie Ihr Vater trainiert. Wie haben Sie das erlebt? Für mich war das nicht einfach. Er hat von mir immer mehr verlangt als von allen anderen. Er wusste, dass ich mehr arbeiten muss. Ich war täglich stundenlang mit dem Ball auf dem Platz. Das war das Wichtigste.

Gutes Stichwort: Sie stehen ja nun an einer wichtigen Weggabelung Ihrer Karriere. Verspüren Sie Druck, bei den nächsten Schritten keine Fehler machen zu dürfen? Das macht mich gar nicht nervös. Das kommt einfach – so ist das Leben. Wir werden sehen, was mit mir passiert. Für mich ist wichtig, dass ich mich jetzt in der Champions League richtig zeigen kann: Assists geben, Tore schießen, einfach gut spielen.

War es von Anfang an klar, dass Sie Fußballprofi werden würden? Nein, das weiß man nie, ob man das schafft. Aber ich wollte das schaffen und hab hart dran gearbeitet. Und ja, es hat sich ausgezahlt.

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„Das Wichtigste ist, dass ich spielen kann“

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, zu welchem Verein Sie wechseln? Welche Rolle spielt das Geld, welche das Herz? Für mich ist das Wichtigste, dass ich spiele. Dass ich meine Chance bekomme.


„Was ich jetzt kann, habe ich fast alles in der Akademie gelernt.“ Dominik Szoboszlai über das Geheimnis seines Erfolgs

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Laurence Rupp

„Früher war ich krass drauf“ Schauspieler Laurence Rupp, 33, ist drauf und dran, international Karriere zu machen. Ein Gespräch über Gummischwerter, Surf-Trips und Freiheit im Beruf. Interview RÜDIGER STURM

Foto LUKAS GANSTERER

In Österreich ist der Schauspieler Laurence Rupp wegen seiner Dauerpräsenz in Film und Fernsehen schon lange ein Begriff. Zuletzt gewann er den Österreichischen Filmpreis 2019 als bester männlicher Hauptdarsteller im Spielfilm „Cops“. Doch jetzt peilt der 33-Jährige auch eine internationale Karriere an: In der neuen Netflix-Serie „Barbaren“ legt er sich im Teutoburger Wald mit den Römern an. Mit Risiko kennt Rupp sich aus: Privat liebte er nichts mehr als waghalsige Sportarten – zumindest bis er Vater wurde.   : Sie gehörten zum Stamm des Wiener Burgtheaters und des Berliner Ensembles, haben beide Engagements wieder beendet. Brauchten Sie Freiheit?  : So kann man das ausdrücken. Ich mag es, wenn ich

Germanen gegen Römer In der sechsteiligen Serie (seit 23. 10. auf Netflix) begehren die Germanen im Jahr 9 n. Chr. gegen die römischen Besatzer auf. Statthalter Varus schickt zur Strafe Ziehsohn Arminius (Rupp). Doch just der führt am Ende den Widerstand an. 40

nicht weiß, was im nächsten halben Jahr kommt. Bevor ich mich entschied aufzuhören, sagte der Kopf: „Du hast alles, was du brauchst.“ Es gab also keinen vernünftigen Grund, das zu beenden. Aber irgendwas in meinem Bauch oder Herzen meinte: „Du fühlst dich dabei nicht wohl.“ Sie sind also auch risikobereit. Wie war das bei der Netflix-Serie „Barbaren“, in der Sie einen Freiheitskämpfer spielen? Das war schon auch ein Wagnis. Am Anfang war ich nervös, ob uns das gelingt, dass die Figur gut aussieht. Nichts wäre schlimmer, als wenn mein Bart verrutscht wäre oder sich mein Schwert wie Gummi gebogen hätte. Aber jetzt, nachdem ich das Ergebnis gesehen habe, bin ich sehr glücklich. Wer Risiken eingeht, kann auch scheitern. Haben Sie so eine Erfahrung schon einmal gemacht? Ich bin sicher mit ein paar Fernsehfilmen gescheitert. Darum weiß ich jetzt, welche Projekte ich ablehnen muss. Ich sehe schärfer, ob ich mit der Regie klarkomme und was ich von dem Drehbuch zu halten habe. Ich weiß auch, was ich besser kann als andere und was nicht. So eine episch-existenzialistische Geschichte wie „Barbaren“ ist zum Beispiel hundertprozentig mein Fall.

Nehmen Sie auch im Alltag Wagnisse auf sich? Das gilt grundsätzlich. Ich gehe gern Risiken ein. Ich habe auch Sportarten betrieben, die nicht so ungefährlich sind, und ich fand die Momente, wo alles ein bisschen auf Messers Schneide steht, am spannendsten. Können Sie abschätzen, wann es wirklich gefährlich wird? Inzwischen ja. Aber früher war ich krass drauf, da bin ich beim Snowboarden schon in Hänge hineingefahren, wo das Board hätte abbrechen können. Einmal bin ich beim Surfen an einer Flussmündung in einen Riesensog geraten, der mich fast an die Felsen geklatscht hätte. Da konnte ich grad noch mit letzter Kraft herauspaddeln. Woher kommt das bessere Verständnis fürs Risiko? Das hat bestimmt mit dem Älterwerden zu tun. Ich denke viel länger nach und wäge die Situationen genauer und rationaler ab, statt auf meine Emotionen zu hören. Außerdem habe ich zwei kleine Kinder. Da habe ich eine Verantwortung. Wer seine Grenzen auslotet, kriegt es auch mit der Angst zu tun. Wie ist das bei Ihnen? Ich kenne Momente von Panik. Aber meine Eltern haben mir früh beigebracht, dass Panik und Angst immer zu falschen Entscheidungen führen. Und daraus entsteht noch schlimmere Panik. Wenn du das weißt, bringst du dich schnell in einen Zustand, der dich wieder rational denken lässt. Gibt es ein Wagnis, das Sie noch eingehen möchten? Ich will unbedingt einmal ein Jahr um die Welt segeln. Aber ich weiß nicht, wie ich reagiere, wenn da sechs Meter hohe Wellen auf mich zurollen. Davor muss ich auf jeden Fall noch einen Apnoe-Kurs machen! THE RED BULLETIN


„Ich will einmal um die Welt segeln.“ Laurence Rupps maritimer Zukunftsplan

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Früher haben sie anderen Bergsteigern zu Gipfelsiegen verholfen, jetzt stehen die Sherpas einmal selbst im Rampenlicht: Der Nepalese NIMS PURJA hat alle Achttausender der Welt in Rekordzeit bestiegen. Und das war erst der Anfang. Text TOM GUISE und MATT RAY Fotos SANDRO BAEBLER

Der 116.000HöhenmeterMann 42


Nims Purja, 38, beim Red Bulletin-Fotoshooting am Mont Blanc, September 2020. Er hat 2019 alle 14 Achttausender der Erde in sechs Monaten und sechs Tagen bestiegen. Zuvor hatte dieser Rekord bei fast acht Jahren gelegen.


2017 unternahm eine Gruppe von Gurkhas – Angehörige einer Elite-Truppe der britischen Armee, die aus nepalesisch-indischen Soldaten besteht – eine Expedition auf den Mount Everest. Für das militärische Relikt aus der britischen Kolonialzeit war es eine Pilgerreise von großer Bedeutung: Sie sollte 200 Jahre Treue der Gurkhas zur britischen Krone feiern. 2015, zum eigentlichen Datum des Jubiläums, musste die Expedition abgebrochen werden: Das verheerende Erdbeben, das damals halb Nepal zerstörte, löste auf dem Everest eine Lawine aus, die das Basislager unter sich begrub. Jetzt, zwei Jahre später, stand die Expedition neuerlich vor dem Scheitern: Unsichere Wetterbedingungen hatten es in diesem Jahr unmöglich gemacht, Fixseile auf der Route zum Gipfel zu montieren. Also konnte auch niemand hinaufklettern.

„Ich dachte nur: Wow!“, erzählt Nirmal „Nims“ Purja, damals Mitglied des Gurkha-Kletterteams. „Unser Ruf war in Gefahr. Jeder denkt, Gurkhas sind die Tapfersten der Tapferen. Und dass der Everest in unserem Hinterhof steht. Außerdem: Wann würden wir je wieder die Chance haben, um das Geld der britischen Steuerzahler da hinaufzusteigen? Also entschied ich mich, ein Team anzuführen, das die Fixseile anbringen würde.“ Als das Gerücht von diesem Plan im Camp die Runde machte, war die häufigste Reaktion: Hat der Typ eine Ahnung, was er tut? „Niemand wusste, 44

wer ich bin“, erinnert sich Purja. „Also führte ich 13 Expeditionsmitglieder zum Gipfel – es war das erste Team, das das in diesem Jahr von der Südseite aus schaffte. Als wir nach Kathmandu zurückkamen, haben wir eine Woche lang gefeiert.“ Klingt verwegen? Schon, aber es geht noch weiter. Nims Purja: „Dann kletterte ich noch einmal auf den Everest, und danach stieg ich auf den Lhotse und den Makalu (viert- und fünfthöchster Berg der Welt; Anm.) – alles in fünf Tagen, mit jeweils zwei Tagen Party dazwischen.“ Heute wissen definitiv alle, wer Nims Purja ist. Voriges Jahr hat er alle 14 Acht-

tausender dieser Welt in Rekordzeit bezwungen. Der alte Rekord stand bei sieben Jahren, zehn Monaten und sechs Tagen. Purja plante für ihre Besteigung sieben Monate ein. Er schaffte es dann in sechs Monaten und sechs Tagen, was den Elitesoldaten ins Rampenlicht einer breiten Öffentlichkeit katapultierte. Es bescherte ihm freilich auch harsche Kritik von alpinen Puristen – hauptsächlich für die Verwendung von Flaschensauerstoff und die Benützung von Hubschraubern zwischen den Basislagern. „Ich habe den Sauerstoff nur ganz oben genommen, beim letzten Anstieg“, verTHE RED BULLETIN


Nims Purja, der Gurkha, 2002

NIRMAL PURJA

Nach der erfolgreichen Ausbildung zum Elite-Soldaten der British Army in England. „Mein Vater war ein Gurkha, meine Brüder waren Gurkhas. In der nepalesischen Community wird das sehr respektiert.“

teidigt sich Purja. „Und was die Helikopter anlangt, kann ich nur sagen: Das mag für Nepal stimmen, aber in Pakistan habe ich keine Hubschrauber eingesetzt. Dort bin ich von Basislager zu Basislager gelaufen. 23 Tage für alle fünf Gipfel, mein Freund! Ich habe kein Problem mit Kritikern. Wenn irgendjemand meinen Rekord bricht, dann bin ich der Erste, der ihm gratuliert. Aber es redet sich leicht, wenn man es nicht tun muss!“ Er denkt kurz nach, dann fügt er hinzu: „Bitte schreib, dass Nims das mit einem Lächeln gesagt hat, okay?“ Wir sitzen in einem Hotelzimmer am Fuß THE RED BULLETIN

des Mont Blanc, wo Purja seinen Urlaub verbringt. Der Mann strahlt mit der Sonne um die Wette. Er ist so muskulös, wie man sich das vorgestellt hat, aber ein bisschen kleiner – er ist eins siebzig. Den Entdecker-Schnauzbart, den er voriges Jahr bei seiner „Project Possible“Tour trug, hat er abrasiert. Darunter kommt ein Bubengesicht zum Vorschein, das ihn viel jünger macht. „Ich bin 38“, sagt er. „Oder, um ganz ehrlich zu sein: Ich weiß nicht, wie alt ich bin. Ich feiere auch meinen Geburtstag nie, weil ich der Ansicht bin, Alter ist Einstellungssache. Wenn du denkst, dass du alt wirst, hast

du gleich eine Entschuldigung.“ Ein verblüffendes Selbstverständnis. Aber bloß eine von vielen Überraschungen, die den Mythos Nims Purja prägen. Nur ein Beispiel: Es heißt, dass nepalesische Kletterer davon profitieren, dass sie in großer Höhe aufwachsen. „Ich komme aus Chitwan“, klärt Purja auf. „Das ist der flachste und wärmste Teil Nepals, fast auf Meeresniveau. Wir waren eine wirklich arme Familie und lebten in einem kleinen Haus mit Hühnern nebenan. Ich hatte nicht einmal Flip-Flops. Das änderte sich, als meine zwei Brüder zu den Gurkhas kamen.“ 45


Annapurna, April 2019

Um ihrem Bruder ein besseres Leben zu ermöglichen, schickten ihn die Geschwister ins Internat, wo aus ihm ein exzellenter Schüler wurde. „Ich war immer unter den besten fünf“, erzählt Purja, „ich hätte auch der Beste sein können, aber ich zog es vor, mit einer Zwei-Stunden-Prüfung in einer Stunde fertig zu sein, damit ich als Erster das Klassenzimmer verlassen konnte. Aber ich wollte weder Arzt noch Ingenieur werden. Ich sah zwei Möglichkeiten: Eine war, der Robin Hood von Nepal zu werden, um die Reichen, die keine Steuern zahlen, rauszuschmeißen und das Geld den 46

Armen zu geben.“ Er entschied sich für die Option Nummer zwei: die Gurkhas. „Zu meiner Zeit haben sich 32.000 Nepalesen beworben, nur 320 von ihnen wurden aufgenommen. Ich fing mit fünfzehn zu trainieren an: Ich stand um drei Uhr früh auf, rannte 25 Kilometer mit Gewichten an den Beinen. Um fünf Uhr war ich zurück im Bett. Ich schaffte die Aufnahme bei den Gurkhas beim zweiten Versuch.“ Auf seine Zeit in der Armee ist Purja sehr stolz: 2002 kam er zu den Gurkhas, übersiedelte in ihr Trainingscenter in England. 2009 wechselte er zur Spezialeinheit „Special Boat Service“,

kurz: SBS – er ist der einzige Gurkha, dem das jemals gelang. Details? Alles streng geheim: „Was ich sagen kann, ist, dass ich angeschossen wurde und dass ich bei einigen der heikelsten Operationen der Welt dabei war.“ Doch zurück zum Bergsteigen. Nims Purjas außergewöhnlichstes Talent besteht in seiner unglaublichen Fähigkeit zur Regeneration: Normalerweise dauert es Wochen, bevor sich der Körper – zum Beispiel in einem Basislager – an den niedrigen Luftdruck in großer Höhe gewöhnt hat. Während dieser Zeit steigt der Wert des Hämoglobins im Blut an – jenes THE RED BULLETIN

NIRMAL PURJA/PROJECT POSSIBLE

Der mit 8091 Metern zehnthöchste Gipfel der Welt gilt auch als einer der gefährlichsten. Lawinengefahr zwang Purjas Team, über die selten benützte „Dutch Rib“-Route (im Bild) aufzusteigen.


„ Es ist ein schmaler Grat zwischen mutig und dumm – im Moment zu leben und dabei zu sterben. Ich will eine ganz lange Zeit im Moment leben.“


„ Ich wollte der Welt zeigen, was möglich ist, wenn du Geist, Herz und Seele in ein Projekt hineinwirfst.“

Purja hat in diesem Sommer am Mont Blanc Speedflying gelernt, die auffrisierte Variante des Gleitschirmfliegens. Das wird in Zukunft seine Abstiege deutlich beschleunigen.

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„ Ich liebe, was ich tue, aus tiefstem Herzen. Und ich habe so viel Spaß, dass ich nie müde werde. Auf einem Achttausender werde ich erst lebendig.“

Gasherbrum II, 18. Juli 2019 Nims Purja erreicht am 18. Juli 2019 den Gipfelgrat des Gasherbrum II, des neunten Achttausenders auf seiner „Project Possible“-Tour.

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„ ICH TRAGE MEINE FAMILIE IMMER BEI MIR“

DAVID SHERPA/PROJECT POSSIBLE

Vier Tage bevor Nims Purja sein „Project Possible“ startete, unterzog er sich der letzten Sitzung für ein Stück Körperkunst, das jetzt seinen Rücken schmückt. Die Arbeit zeigt die 14 Berge seiner Tour – vom kleinsten, dem 8027 Meter hohen Shishapangma ganz unten, bis zum Mount Everest (8.848 m), der bis hinauf zum Nacken reicht. Aber es ist kein herkömmliches Tattoo. Das Werk, in vier Sitzungen von der Londoner Tattoo-Künstlerin Valerie Vargas gestochen, enthält nämlich

Proteins, das in den roten Blutkörperchen für den Sauerstofftransport sorgt. Nur so, dachte man bis vor kurzem, kann der Aufstieg auf einen Achttausender gelingen, und danach braucht der Bergsteiger Wochen, um sich von der Strapaze zu erholen. Als Nims Purja 2019 von Everest, Lhotse und Makalu zurückkehrte – ein Teil seiner „Project Possible“-Tour –, hatte er für die drei Gipfel 48 Stunden und 30 Minuten gebraucht. „Meine Regenerationszeit ist tatsächlich sehr kurz“, sagt Purja zu dem medizinisch kaum erklärbaren Phänomen, „aber für mich ist auch das eine Frage THE RED BULLETIN

den genetischen Code von Purjas Angehörigen. Das entsprechende Verfahren wurde 2016 von Ex-Navy-SEAL Boyd Renner und seinem Geschäftspartner Patrick Duffy patentiert: „Everence“ verarbeitet DNA – in Purjas Fall waren es Haare von Eltern, Geschwistern und seiner Frau – zu einem medizinischen Polymer in Form eines Pulvers, das mit Tätowierfarbe vermischt werden kann. Diese Tinte wurde verwendet, um die Gebetsfahnen auf Purjas Rücken herzustellen.

der Einstellung. Ich liebe, was ich tue, aus tiefstem Herzen. Und ich habe so viel Spaß dabei, dass die ganze Müdigkeit verschwindet. Ein Achttausender? Das ist ein Ort, an dem ich erst lebendig werde. Das ist mein Spielplatz.“ Dabei hat er erst im Alter von 29 Jahren das erste Mal Steigeisen angeschnallt. Der erste Berg, den er bestieg, war der 6119 Meter hohe Ostgipfel des Lobuche im Jahr 2012, davor hatte er keinerlei Bergsteiger-Erfahrung gehabt. Zwei Jahre später bezwang er mit dem Dhaulagiri seinen ersten Achttausender und entdeckte dabei seine verblüffende Fähig-

keit, in großen Höhen aufzublühen. „Ich kletterte da in 14 Tagen ohne jede Akklimatisation hinauf“, erzählt er. Dennoch ist selbst er nicht gegen die Effekte der sogenannten „Todeszone“ oberhalb von 8000 Metern gefeit, wie er bei seiner Erstbesteigung des Mount Everest 2016 merkte. „Ich ging mit meiner Ausrüstung und dem Sauerstoff zum Basiscamp. Normal brauchen die Leute für so was sechs Wochen. Ich machte es in fünf Tagen“, erinnert er sich. „Als Gebirgsjäger beim SBS wusste ich natürlich, dass das viel zu schnell war, aber mir ging es gut. Doch dann bekam ich 51


ein Lungenödem. Das war wie Ertrinken. Doch noch mehr schmerzte mich die Erkenntnis, dass ich das mit meiner Erfahrung hätte vermeiden können. Aber du weißt halt erst, wo deine Grenzen sind, wenn du sie überschreitest.“ Ein kühner Zugang, gewiss, aber Purja sieht das differenziert: „Freilich mag das vielen Leuten waghalsig erscheinen. Selbst in der Spezialeinheit war ich bekannt für meine Risikobereitschaft, aber das Risiko ist nicht für alle gleich. Ich könnte zum Beispiel nicht BASE-jumpen. Du lebst im Moment, aber das heißt nicht, dass du keine Risikobewertung 52

vornimmst. Es ist ein schmaler Grat zwischen mutig und dumm – im Moment zu leben und dabei zu sterben. Ich will eine ganz lange Zeit im Moment leben.“

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ls Purja 2018 zum Leiter der SBS-Abteilung „Kriegsführung in extremen Kältegebieten“ ernannt wurde, wandte er sich mit einer Bitte an seinen Kommandanten. „Ich sagte: ‚Weil das jetzt mein Job ist und ich noch so viel Urlaub habe, möchte ich mir gern 18 Tage freinehmen und auf die fünf höchsten Berge der Welt klettern. Das bringt auch was für die Ein-

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NIRMAL PURJA

Everest, 2017 Nims Purja als Mitglied der „Gurkha 200“-Expedition auf dem Weg zum Gipfel des Mount Everest. „Das Wetter war brutal“, erinnert er sich, „aber aufzugeben war keine Option.“

heit.‘ Zuerst waren meine Vorgesetzten begeistert, doch dann sagten sie: ‚Dieses Risiko kannst du nicht eingehen.‘ Ich sagte: ‚gut‘, und beschloss zu kündigen.“ Es war keine leichte Entscheidung. „Ich war in meiner Familie der Alleinverdiener. Jeden Monat schickte ich Geld von meinem Gehalt direkt nach Hause an meine Eltern. Mein Vater lag halbseitig gelähmt im Spital, meine Mutter lebte in einem Zimmer in Kathmandu, um bei ihm zu sein. Mein Bruder rief mich an: ‚Du bist jetzt so nahe an deiner Pension, warum willst du das opfern?‘ Er war wütend, er hat zwei Monate kein Wort mit mir gesprochen.“ Inzwischen drohte auch Purjas ehrgeiziger Plan – er hatte das Vorhaben, alle 14 Achttausender in Rekordzeit zu besteigen, mittlerweile „Project Possible“ getauft – an der Realität zu zerschellen. „Ein Freund, der sich um die Finanzierung kümmern sollte, sagte: ‚Es tut mir leid, aber ich habe überhaupt kein Geld zusammenbekommen, obwohl ich es sieben Monate lang versucht habe.‘ Mir blieben gerade einmal zwei Monate, um 750.000 Pfund (umgerechnet knapp 830.000 Euro; Anm.) aufzutreiben. Es war hart, die potenziellen Sponsoren anzubetteln. Ich bekam 1000 Pfund da, 5000 dort, aber es war nicht genug. Niemand glaubte an meine Vision. Einige sagten: ‚Wenn Sie so ein Teufelskletterer sind, warum haben wir dann noch nie etwas von Ihnen gehört?‘ Und ich sagte darauf: ‚Weil ich in einer Spezialeinheit war.‘ Also verpfändete ich mein Haus. Ich bekam 60.000 Pfund und legte 10.000 davon zur Seite, damit ich die Hypothek würde bedienen können, falls etwas passieren sollte. Ich startete das Projekt also mit ungefähr sieben Prozent der Summe, die dafür nötig war. Eines Tages kamen mir im Auto die Tränen. Ich weine sonst nie, aber da konnte ich nicht aufhören. Der einzige Gedanke, zu dem ich fähig war, lautete: Warum tue ich mir das an? Es war so schmerzhaft. Aber es ging nicht um mich. Ich machte das für ein höheres Ziel.“ Wenn du dich auf eine Mission in dieser Größenordnung einlässt, dann brauchst du ein höheres Ziel, sagt Purja. „Wenn es nur darum gegangen wäre, einen Rekord zu brechen, dann hätte ich gesagt: Der Rekord steht bei fast acht Jahren; ich mache es in sieben. Aber ich wollte mehr. Ich wollte der Welt zeigen, was alles möglich ist, wenn du deinen ganzen Geist, dein Herz und deine Seele


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PURJAS PACKLISTE Was der Gipfelstürmer auf seinem Erfolgsweg dabeihatte (im Uhrzeigersinn, oben links beginnend). 1. Thermosflasche, Inhalt: 1 Liter. „Ich habe keine anderen Wasserflaschen bei mir, ich nehme heißes Wasser, um Schnee zu schmelzen. So mache ich zwei Liter aus einem und spare Gewicht.“ 2. Eisgerät Black Diamond Cobra aus Carbon. „Sehr leicht und vielseitig einsetzbar. Er wird zur Führungsarbeit auf technisch schwierigen Kletterrouten verwendet und hilft, Stürze zu bremsen.“ 3. Baseballkappe. „Weil du deinen Kopf gegen die Sonne schützen musst.“ THE RED BULLETIN

4. Sonnenbrillen (nicht im Bild) 5. Daunenanzug ThruDark (nach Maß gefertigt). „Entworfen von zwei Freunden bei der Spezialeinheit; das ist bereits die dritte Generation von Gipfel-Anzügen, die ich benütze. Er hält Temperaturen bis zu minus 40 Grad Celsius stand.“ 6. Beanie-Haube 7. 40 Meter leichtgewichtiges und wasserabweisendes Alpin-Seil 8. Ein Paar Steigeisen 9. Ein Seesack „für meine komplette Expeditions-Ausrüstung“.

10. Leichtgewichts-Klettergurt „mit all meiner Kletter-Ausrüstung: zwei Eisschrauben und ein Rettungssystem inklusive Mini-Steigklemme (zum Aufsteigen am Seil), Sicherungsgerät (um einen nachkommenden Bergsteiger zu sichern), Bandschlinge und Prusik-Schlinge“ (ein Stück fester Schnur, das beim Abseilen als Selbstsicherung ans Hauptseil geknotet wird). 11. Dicke Socken 12. Drei Schichten von Handschuhen. „Arbeitshandschuhe und große Gipfelhandschuhe“.

13. Schichten von Unterwäsche 14. Expeditionsschuhe. „Weißt du, warum sie schwarz sind? Weil ich bei dieser Marke vorstellig wurde und um Unterstützung bat – und sie sagten nein. Also habe ich ihr Logo mit einem Filzstift übermalt.“ 15. Rucksack. „Ich habe den Nims 120 (Fassungsvermögen 120 Liter) mit Osprey entworfen. Es ist der ultimative Rucksack für Bergsteiger: leichtes Material, klein und kompakt, aber es passt viel hinein – schließlich müssen wir das Zelt, den Sauerstoff und all das mitschleppen.“

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„Wenn jemand meinen Rekord bricht, werde ich der Erste sein, der gratuliert.“

Purjas neue Mission: „Ich werde meine Kraft und meinen wachsenden Einfluss nutzen, um die Menschen auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam zu machen.“


in ein Projekt hineinwirfst. Und ich wollte die Aufmerksamkeit auf die nepalesischen Kletterer lenken. Während der letzten hundert Jahre standen wir immer nur im Hintergrund, doch das Klettern in größten Höhen ist unser Revier. Ich hatte das Gefühl, da etwas unternehmen zu müssen. Das war es, was mir die Energie gegeben hat, das durchzustehen.“ Purja ist kein Sherpa im ethnischen Sinn, aber er identifiziert sich mit dem Begriff, wenn er für Nepalesen verwendet wird, die in der Kletter-Szene arbeiten. Sein Team besteht ausschließlich aus nepalesischen Bergsteigern. Sie sind in seinem Windschatten ebenfalls zu Stars geworden – etwa Mingma David Sherpa, der nun mit 31 Jahren der jüngste Kletterer ist, der alle 14 Achttausender bezwungen hat. „Er ist meine rechte Hand“, schwärmt Purja, „einer der stärksten Sherpas, die ich je gesehen habe.“ Die Mannschaft hat dem Chef mittlerweile einen neuen Namen verpasst. Liebevoll nennen sie ihn „Nimsdai“ – die zweite Silbe dai heißt in Nepal so viel wie „älterer Bruder“. Diesen Vornamen verwendet Purja jetzt offiziell, er steht auch auf seinem neuen Buch: „Beyond Possible: One Soldier, Fourteen Peaks – My Life in the Death Zone“ (Jenseits des Möglichen: ein Soldat, vierzehn Gipfel – Mein Leben in der Todeszone).

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m 23. April 2019 erreichte das Team von Project Possible den Gipfel seines ersten Achttausenders – den der Annapurna in Nepal, die als tödlichster Berg der Welt gilt. Beim Abstieg erfuhr Purja, dass ein anderer Kletterer, der Arzt Chin Wui Chin aus Singapur, in Schwierigkeiten geraten war. Er hatte in einer Höhe von 7500 Metern sein Team verloren. Daraufhin unterbrach Purja die Mission, um gemeinsam mit zwei anderen aus der Seilschaft nochmals hinaufzusteigen und den Bergsteiger aus seiner Notlage zu bergen (bedauerlicherweise erlag Chin zwei Tage danach im Spital seinen Verletzungen). Zwei Tage später, am Kangchendzönga, dem dritthöchsten Berg der Erde, machten sie noch einmal einen Umweg, um zwei weitere Bergsteiger zu retten. Diese Geschichten machten weltweit Schlagzeilen, ganz zu schweigen von dem berühmten Foto, das Nims Purja am Mount Everest schoss und das eine unfassbare Schlange von Kletterern zeigt, die sich vor dem Gipfel gebildet hat.

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„ Kletterer aus Nepal standen die letzten 100 Jahre im Hintergrund. Ich wollte die Aufmerksamkeit auf sie lenken.“

„Als ich mich regelmäßig aus den Bergen gemeldet habe“, erinnert sich Purja, „begannen die Leute auch für meine Mission zu spenden.“ Noch entscheidender: Sponsorengelder begannen ebenfalls zu sprudeln – endlich glaubten auch die Geldgeber an Purjas Vision. Wenn er je Zweifel am Erfolg seiner Mission verspürt hat, dann war das am K2, dem mit 8611 Metern zweithöchsten Berg der Welt. Die Bedingungen waren so schlecht, dass sogar Purjas nepalesische Kollegen meinten, es sei wohl unmöglich, den Gipfel zu erreichen. „Da dachte ich: Oh Mann, kann ich das schaffen? Doch in dieser Situation erinnerte ich mich an das Auswahlverfahren für das SBS: 200 Soldaten wollten in diese Spezialeinheit – alle glaubten von sich, dass sie die Besten seien, aber nur vier schafften es. Würdest du den 196 Gescheiterten zuhören, würdest du es wohl kaum versuchen.“ Purja entschied also, den Anstieg zum K2-Gipfel mit jeweils zwei Mitgliedern seines Teams zu versuchen. „Ich sagte: ‚Wenn wir es beim ersten Versuch nicht schaffen, dann kommen wir wieder runter. Ihr zwei ruht euch dann aus, und ich mache mit zwei anderen einen weiteren Anlauf.‘ So haben wir insgesamt sechs Versuche, bevor ich anfange, übers Aufgeben nachzudenken.“

Der Gipfelsturm klappte schon beim ersten Versuch. Am 24. Juli 2019 stand Purja mit seinen beiden Teamkameraden am Gipfel des K2.

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enn Nims Purja, der für seine Leistungen inzwischen zum Mitglied des Order of the British Empire ernannt wurde (MBE), am Mont Blanc Ferien macht, darf man das wörtlich verstehen: Der mit 4808 Metern höchste Berg der Alpen ist für ihn nicht mehr als ein Spaziergang. Er hat diesen Sommer dazu genutzt, Fliegen zu lernen. Präziser: Er lernte Speedflying, die auffrisierte Variante des Gleitschirmfliegens. Man benutzt dafür einen kleinen und leichten Schirm, der einfach zu transportieren ist und sich deshalb bei Extrem-Bergsteigern zunehmender Beliebtheit erfreut. „Du kommst damit ganz schnell und mit Stil vom Gipfel runter und kannst auf direktem Weg zum nächsten Berg fliegen“, erklärt Purja fröhlich. Man ahnt: Der Mann ist immer mit Vollgas unterwegs, das ist seine Idee von Spaß. Dazu passt auch, dass er Hardrock-Fan ist, am liebsten mag er AC/DC („Im SBS-Hubschrauber habe ich immer volle Pulle ‚Thunderstruck‘ im Kopfhörer gehabt“). So lässig Purja auch scheinen mag, wenn es um seine Leistungen und Fähigkeiten geht, so ernst nimmt er seine Ziele. Eines ist erst vor kurzem dazugekommen: der Kampf gegen den Klimawandel. „Ich hatte nie daran geglaubt“, sagt er. „Aber als ich 2014 auf den Ama Dablam geklettert bin, hatten wir in Camp 1 genug Schnee zum Schmelzen und Kochen. Als ich 2018 wieder dort war, mussten wir gallonenweise Wasser vom Basecamp dort hinaufschleppen. Da erkannte ich: Oh mein Gott, dieser Wahnsinn passiert ja wirklich!“ Purja weiter: „Wir alle sind Teil dieser Katastrophe. Ich werde meine Kraft und meinen wachsenden Einfluss dazu nutzen, um die Menschen davon zu überzeugen. Ich glaube, wir haben noch die nächsten zwei Jahrzehnte Zeit, um das Problem zu lösen.“ Denn wenn er auf seinen Achttausender-Expeditionen eines gelernt hat, dann das: „Es gibt für jedes Problem eine Lösung.“ Purjas Buch „Beyond Possible: One Soldier, Fourteen Peaks – My Life in the Death Zone“ ist am 12. November 2020 erschienen. Nimsdai.com; Instagram: @nimsdai

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INNOVATOR

IDEEN FÜR EINE B ES S E R ZUKUNFTE

Wurzeln schlagen: Das „Baum-Haus“ ähnelt fünf riesigen Blumentöpfen.

Dachlandschaften

Grüne Oase Wenn der vietnamesische Architekt Vo Trong Nghia, 44, Häuser plant, sprießt üppiges Grün – und du siehst die Stadt vor lauter Bäumen nicht mehr.

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o-Chi-Minh-Stadt ist die größte Stadt Vietnams. Neun Millionen Menschen leben hier, weitere 21 Millionen in den Vorstädten. Eine Stadt voller Leben, eine Stadt voller Chaos – viele vergleichen sie mit einem Hurrikan. Doch ausgerechnet im Auge des Sturms herrscht himmlische Ruhe. Hier hat der Architekt Vo Trong Nghia Häuser errichtet, auf denen Bäume sprießen. Das Walddach bietet natürlichen Schatten in der tropischen Sonne, Vögel haben sich eingenistet:

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„Es geht darum, die Natur in unser Leben Einzug halten zu lassen“, sagt der gläubige Buddhist. Sein Engagement für die Verwendung natürlicher Materialien hat ihm den Spitznamen „Bambus-Architekt“ eingebracht. Er kann darüber entspannt lächeln. Mit Beharrlichkeit verfolgt er seine Vision: „Ich möchte, dass die ganze Stadt wie ein riesiger Park aussieht.“ Seinem Ziel, einer grünen Metropole, nähert er sich beharrlich: Seine nächsten Bauten sind bereits im Entstehen. vtnarchitects.net

Vo Trong Nghia, 44 – ein zufrieden lächelnder Buddhist

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IN ALLER KÜRZE SO ÄNDERN WIR DIE WELT Red Bull Basement will Studenten inspirieren, die Welt zu verbessern – mit Innovationen. Hier 2 Experten-Tipps:

HIROYUKI OKI, HANNES BERGER, OMR, HELMUT LUNGHAMMER

JOSHUA ZUKAS, WOLFGANG WIESER

FABIO WIBMER, BIKE-ALLESKÖNNER Er zeigt Kunststücke, die uns mit offenem Mund staunen lassen. Längst gilt sein Name als Synonym für Kreativität. Der Rat des Österreichers: „Wenn du etwas mit Leidenschaft machst, werden die Menschen das erkennen.“

PHILIPP WESTERMEYER, ENTREPRENEUR Er hat mit seinem OMR(Online Marketing Rockstar-)Festival die Branche massiv beeinflusst. Heute sagt Philipp: „Je intensiver unsere Kommunikation ist, desto weniger Streit gibt es.“

Gesundheit

Neue Kraft für deine Zellen Wer lange gesund bleiben will, achtet darauf, dass es seinen Zellen gut geht. Ein Nahrungsergänzungsmittel aus Österreich hilft dabei.

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nser Immunsystem wehrt Attacken schädlicher Bakterien und Viren ab – es hält uns also gesund. Voraussetzungen für sein Funktionieren sind viel Bewegung im Freien, eine ausgewogene Ernährung, mentale Ausgeglichenheit und – fitte Zellen. Geht es unseren Zellen gut, geht es, etwas vereinfacht formuliert, auch uns gut. Schließlich sorgen sie dafür, dass eine Vielzahl lebenswichtiger Prozesse klaglos ablaufen. Seit mehr als zehn Jahren forscht das Grazer Unternehmen Longevity Labs+ gemeinsam mit renommierten Wissenschaftlern der Universität Graz daran, wie menschliche Zellen im Alltag geschützt und unterstützt werden können. Das Ergebnis ist „spermidineLife“. Dabei handelt es sich um das weltweit erste Nahrungsergänzungsmittel aus Weizenkeimextrakt mit einem hohen Spermidingehalt. Letzteres unterstützt die Zellerneuerung. Dazu kommen Bio-ShiitakePilze, Mikronährstoffe (Vitamin C, Zink) und Vitamin B. In Summe sorgt dieser spezielle Cocktail für fitte Zellen. Und fitte Zellen sind ein Garant dafür, dass unsere Abwehrkräfte bärenstark sind und wir gesund bleiben.

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Longevity Labs+ wächst seit 2019 rasant. Anfang des vergangenen Jahres hatte das Unternehmen noch fünf Mitarbeiter, jetzt sind es 32. Die Produktion befindet sich in Österreich, exportiert wird in die ganze Welt: „spermidineLife“ gibt es bereits in 35 Ländern. 2020 wurde für den US-Markt eine eigene Niederlassung gegründet. spermidinelife.com

Alle Interviews: redbull basement.com/sessions

Mehr Inspiration für Zukunftsmacher gibt es im aktuellen INNOVATOR. Infos und Abo unter: redbulletininnovator.com

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Grazer Forscher und Vitamin-Jongleure: Dr. Tobias Eisenberg (li.) und Univ.-Prof. Dr. Frank Madeo

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SAWEETIES BUNTES LEBEN


Vom selbst gedrehten Instagram-Video zu Mehrfach-Platin in den USA: die kalifornische Rapperin SAWEETIE, 26, über weibliche Vorbilder, falsche Komplimente und den Vorteil, als Außenseiterin eine Karriere zu starten. Text LAKIN STARLING Fotos G L ASKEW

Multitalent: Neben ihrer Rap-Karriere entwirft Saweetie Mode und modelt für das Label von Superstar Rihanna.

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Pure Energie: Rap-Star und SportFan Saweetie beim Red Bulletin-Fotoshooting in Santa Monica, Kalifornien


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ie längste Zeit ihres Lebens, erzählt RapSuperstar Saweetie, sei sie eine Außenseiterin gewesen, von anderen verspottet, am unteren Ende der Hackordnung. Schwer zu glauben angesichts der perfekt gestylten Schönheit mit dem tonnenschweren Selbstvertrauen, die uns an einem warmen Spätsommertag in Santa Monica, Kalifornien, begrüßt. Saweetie, geboren als Diamonté Quiava Valentin Harper, ist aktuell eine der spannendsten Rapperinnen Amerikas. Mit Tracks wie Tap In vermählt die 26-Jährige Westcoast-Klassiker mit dem Musikgeschmack der Generation Z. Nebenbei entwirft sie ihre eigene Mode und modelt für das Label von Rihanna. Kurz: Saweetie ist ein Musikstar der neuen Sorte – multitalentiert und in mehreren Sparten erfolgreich. Noch vor vier Jahren war Saweetie Studentin an der University of Southern California (USC), die ihre Song-Ideen auf Instagram postete – wenn sie nicht gerade lernte oder in einem ihrer drei Jobs arbeitete. Nach und nach wuchs so Saweeties Social-Media-Fangemeinde. 2017 gelang ihr gleich mit dem Video zu ihrem ersten professionellen Track, Icy Grl, der große Wurf. Mit platinblonder Langhaarperücke, eisgrauem Pelz

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engste Beziehung hatte – philippinisch/ chinesisch mütterlicherseits, afroamerikanisch väterlicherseits. Sie waren es, die mich aufgezogen haben. Sie stammen aus unterschiedlichen Kulturen, aber sie hatten beide die gleiche Arbeitsethik. Sie arbeiteten ständig. Sie hatten immer eine ordentliche Frisur. Sie rochen immer gut. Sie haben immer ihr Haus in Ordnung gehalten. Diese Sachen waren in meiner Kindheit ganz normal. Und ganz egal, wie die Rahmenbedingungen waren, sie haben mir immer Liebe und Unterstützung gegeben. und satinglänzenden Strümpfen verkörperte sie den verruchten Luxus eines Mädchens, das „nach Minuten abrechnet, weil meine Zeit kostbar ist“, wie es am Beginn des Videos heißt. Es folgte die mehrfach mit Platin ausgezeichnete Single My Type und diesen Sommer die Nummer Tap In – ein Track, der den Upbeat-Spirit Kaliforniens perfekt befördert. Jetzt sind all diese Erfahrungen in Saweeties erstes Album, Pretty Bitch Music, eingeflossen.   : Während des Lockdowns haben Ihre Social-Media-Videos für eine Menge Spaß gesorgt. War das Ihre Strategie, um durch diese schwierige Zeit zu kommen? : Ich sage immer, wenn ich keine Künstlerin wäre, würde ich vermutlich nur einmal pro Jahr was posten. Social Media hat mir ursprünglich Angst gemacht, weil da so viele Leute mit einer Meinung zu allem und jedem sind. Aber dann erkannte ich, dass das nur eine imaginäre Welt ist. Erst als ich mental stärker wurde und lernte, wie man damit umgeht, machte es auf einmal Spaß. Ihre Familie spielt bei Ihren SocialMedia-Auftritten (7,7 Millionen Fans auf Instagram; Anm.) eine große Rolle. Welche Mitglieder hatten denn den größten Einfluss auf Ihr Leben? Ich hatte wirklich junge Eltern, die beide immer gearbeitet haben, deshalb waren es definitiv meine Omas, zu denen ich die

Wie haben Sie Ihre Kindheit erlebt? Als kleines Kind war ich immer woanders: Meine Mutter war 17, als sie mich bekommen hat, und ich war immer bei Babysittern. Aber so habe ich mir eine dicke Haut zugelegt. Und ich habe gelernt, mich anzupassen – denn wenn sich deine Umgebung ständig ändert, fühlst du dich als kleines Kind nie irgendwo wirklich wohl. Ich habe meine Kindheit gehasst, weil ich nie das Gefühl hatte, normal aufzuwachsen, aber sie hat mich auf das Musikgeschäft vorbereitet. Ich setze mich durch, egal was passiert. Es machte eine starke Frau aus mir. Mit welchen Problemen hatten Sie denn in Ihrer Karriere zu kämpfen? Die Leute haben meine Authentizität in Frage gestellt, weil ich aufs College gegangen bin und mich halbwegs gut ausdrücken kann. Aber wer sagt, dass ein Mädchen wie ich nicht aufs College gehen kann? Wer sagt, dass ich meine Nägel nicht lang tragen darf, nur weil ich eine Ausbildung habe? Ich denke mir immer: „Verdammt, ich war doch schon immer so!“ An der Uni in San Diego hatte ich nie das Gefühl, ich selbst sein zu können. Ich habe ein oder zwei Jahre gebraucht, bis ich mich getraut habe, aufzuzeigen und mitzuarbeiten, weil ich anfangs einen so starken Slang gesprochen habe. Sie gaben mir das Gefühl, mich ändern zu müssen. Das hat mich

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„Ich war immer die Neue, musste mich beweisen. Aber genau das hat mich mental stärker gemacht.“ zu einem Roboter gemacht, weil ich immer das Gefühl hatte, den Erwartungen an eine Studentin einer Prestige-Universität entsprechen zu müssen. Eines Ihrer Ventile in diesen schwierigen Zeiten war Sport. Wann hat diese Leidenschaft angefangen? Damit bin ich geboren worden! Im Umfeld meiner Omas waren nur Jungs, und wir Mädchen wurden zu Wildfängen, weil wir mit ihnen spielten. Ich rannte auf der Straße barfuß herum. Papa sagte immer, ich rieche nach dem „großen Abenteuer draußen“, weil ich oft mit einer total verdreckten Jeans und Zweigen in den Haaren vom Bäumeklettern nach Hause kam. Haben Sie im Sport auch etwas fürs Leben gelernt? Ja, das Kämpfen. In der Schule war ich immer „die Neue“, und die anderen haben mich nicht gerade mit offenen Armen empfangen. So musste ich mich eben athletisch beweisen. Ich war immer wettbewerbsorientiert. Das machte mich mental stark. Wann haben Sie beschlossen, Rapperin zu werden? Schon als Zehntklässlerin in der High School. Die Jungs rappten in der Klasse, und ich dachte: „Okay, ihr seid alle cool, aber ich geh jetzt heim und schreibe meine eigenen Lyrics.“ Als ich dann meinen Scheiß in der Mathematikstunde rausspuckte, drehte die ganze Klasse durch. Also dachte ich: „Wow, vielleicht kann ich so was wirklich machen!“ Im College haben Sie angefangen, Ihre eigenen Rap-Videos auf Instagram zu posten. Statt im Studio saßen Sie dabei im Auto.

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Ich dachte, dass ich mir das Studio nicht leisten kann. Als Anfänger ist es oft schwierig, einen guten Toningenieur zu finden. Wenn du unerfahren bist, merkst du nicht einmal, wenn du einen schlechten erwischt hast. Statt das Geld beim Fenster rauszuschmeißen, hab ich dann eben online aufgenommen. Eine Menge junger Künstler plagen sich ewig mit dem Durchbruch, Ihnen hingegen gelingt ein Hit nach dem anderen. Was ist Ihr Rezept? Wenn ich junge Künstler treffe, versuche ich, so viel ich kann mit ihnen zu teilen, damit sie die Fehler vermeiden, die ich am Anfang gemacht habe. Du musst stark und mutig im Kopf sein, und du musst dich daran gewöhnen, dass du Fehler machst. Außerdem solltest du dir die richtigen Mentoren suchen – jemanden, der sich auskennt und den Advocatus Diaboli spielen kann. Es gibt da ein beliebtes Vorurteil über Frauen im Rap: Es heißt, dass es nicht genug Platz gibt, um so erfolgreich zu sein wie die Männer. Was sagen Sie dazu? Die Zahlen beweisen, dass das eine Lüge ist. Eine Phrase, die ich gerne tilgen würde, lautet: „Für ein Mädchen ist sie erfolgreich.“ Ein Spruch, den ich auf der Uni gehasst habe, war: „Oh, für ein schwarzes Mädchen bist du aber hübsch.“ Das ist so ein hinterhältiges Kompliment! Und obwohl der Zusatz „für einen weiblichen Rapper“ keine direkte Beleidigung ist, sagt er mir, dass Rapperinnen ihren Job nicht machen. Aber das tun wir. Eine Menge Leute, hauptsächlich Männer, regt es auf, wenn Frauen über ihren Körper rappen. Ihre Texte – etwa im Song Pretty Bitch Freestyle – feiern Ihre Sexualität geradezu. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich 2018 mit Kid Ink und Lil Wayne den Song Yuso aufgenommen habe: Ich war so stolz! Ich dachte: „Ich schmeiße mich jetzt auf dieses vulgäre Lied, weil ich etwas Wichtiges zu sagen habe. „Wenn ich schon unanständig sein muss, dann will

Die Liebe zum sportlichen Auftritt liegt Saweetie sozusagen im Blut: Opa Willie Harper war Football-Profi bei den San Francisco 49ers. THE RED BULLETIN


Sie sind in einer Beziehung mit Quavo (US-Rapper aus Georgia; Anm.). Ist das nicht schwierig, weil Sie beide in der Öffentlickeit stehen? Es ist schwierig, aber es fühlt sich sehr erwachsen an. Ich glaube, das ist die erste Beziehung, in der wir sehr reif über eine Menge Dinge reden. Kommunikation ist wirklich wichtig. Ich habe mich damit geplagt, mich klar auszudrücken, weil als Kind hieß es immer: „Schluck’s runter und mach weiter.“ Aber in der Liebe kannst du das nicht machen – das baut nur Ablehnung auf. Gesunde Liebe war uns wichtig, und wir wissen, dass wir zusammen sein wollen. Es geht nicht um Perfektion, es geht um Gesundheit. Dafür braucht es zwei, die mitmachen, sonst geht das schief. Reden wir über Ihr Debütalbum, Pretty Bitch Music: Wie würden Sie die verschiedenen Ebenen beschreiben, aus denen es besteht? Als Frau mag ich die schönen, die noblen Seiten des Lebens, aber ich bin gleichzeitig immer noch ein Wildfang. Weiters bin ich ein Familienmensch – und jemand, der durch Gefühle verletzt werden kann. Ich bin schließlich nicht bloß ein hübsches Roboter-Mädchen. Ich bin ein Mensch, und über diese Songs – egal ob sie nun sentimental, persönlich, aufbauend oder lustig sein mögen – kannst du all diese Schichten erleben, weil das Album fünfzehn Songs umfasst. Ich bin wirklich aufgeregt: Jetzt finde ich endlich heraus, was meine Kunst ist.

ich rüberkommen wie Missy Elliott. Ich liebe Missy – sie ist vulgär, aber sie bringt dich damit zum Lachen. Ich habe hart daran gearbeitet, dass meine Texte kreativ, lustig und – zumindest in meinen Augen – geschmackvoll sind. Aber als Yuso rauskam, hatte ich negative Reaktionen wie „Sie ist doch vornehm, da kann sie nicht solche Sachen singen!“. Ja, ich bin zur Schule gegangen, aber wenn ich meinen Freund sehe, flippe ich trotzdem aus. Sei, wer du als Frau sein willst, und kümmere dich nicht darum, was die Leute sagen. THE RED BULLETIN

„Das sage ich allen Newcomern da draußen: ‚Habe Mut und gewöhne dich daran, dass du Fehler machst.‘“

Und der Sound? Sie haben gemeint, das Album klinge nicht so, wie es die Leute erwartet hätten. Mein Umfeld hat zunächst versucht, mich dazu zu bringen, zu den großen Hitproduzenten zu gehen. Keiner hat meine Persönlichkeit wirklich verstanden, die ist ja auch sehr komplex. Bei diesem Projekt habe ich nur mit Leuten zusammengearbeitet, die mich richtig gut kennen – und jetzt höre ich: „Wenn die Leute sich das anhören, lernen sie dich kennen, bevor sie dich wirklich getroffen haben.“ Aber ich lerne noch: Zuerst wusste ich nicht, wie ich meine Persönlichkeit über einen Beat rüberbringe. Ich lerne jetzt, wie ich einen Song in die Hand nehme und ihn so bearbeite, wie Saweetie es tun würde. Saweeties Debütalbum, Pretty Bitch Music, erscheint in Kürze. Instagram: @saweetie

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Bruchstücke der Hoffnung Eine Gruppe junger Südsee-Franzosen rund um den 21-jährigen Titouan Bernicot hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Sie wollen die bedrohten Korallenriffe dieser Erde retten. Den Anfang machen die CORAL GARDENERS daheim: Sie reparieren das Riff um die Insel Mo’orea. Text ANDREAS WOLLINGER

Fotos RYAN BORNE


Korallengärtner an der „Intensivstation“ vor der Südpazifikinsel Mo’orea: An diesen Unterwassertischen werden die gesammelten Korallenfragmente aufgepäppelt.

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itouan Bernicot ist in einer Weltgegend zu Hause, die in den Träumen der meisten Menschen einen fixen Platz hat: Er wohnt auf Mo’orea, der kleinen Schwester Tahitis, auf den sogenannten Gesellschaftsinseln inmitten des Pazifischen Ozeans. Mo’orea ist eine der schönsten Inseln der Südsee in Französisch-Polynesien – überschaubare 11 mal 19 Kilometer groß, knapp 17.000 Einwohner. Hier herrscht ganzjährig Sommer mit Temperaturen um die 28 Grad Celsius. Die meisten seiner 21 Jahre hat Bernicot im oder auf dem Wasser verbracht, beim Surfen, Tauchen und Schwimmen. Man sollte meinen: Einer wie er sollte sich keine Sorgen machen. Und sich schon gar nicht beschweren können. Und doch ist beides der Fall: Titouan Bernicot ist Gründer und Kopf der „Coral

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Gardeners“, einer 2017 entstandenen Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Aufmerksamkeit der Welt auf ein stark bedrohtes Ökosystem zu lenken – die Korallenriffe. 2015 sei es gewesen, erinnert sich Titouan Bernicot, da habe er beim Surfen mit seinen Freunden eine erschreckende Entdeckung gemacht: Das farbenprächtige Korallenriff, das Mo’orea umgibt, war von einem Tag auf den anderen komplett weiß geworden. Er habe verstehen wollen, was da passiert ist, erzählt er. Nach einer kleinen Recherche sei ihm klar geworden, dass er Augenzeuge einer Naturkatastrophe war. Die Fakten, kurz und schmerzhaft: Die Hälfte aller Korallenriffe weltweit sind bedroht, mindestens 30 Prozent sind allein in den letzten 40 Jahren verschwunden. Die Gründe dafür sind Überfischung, industrielle Verschmutzung THE RED BULLETIN

KELSEY WILLIAMSON

Gruppenbild der „Coral Gardeners“: Die Organisation wurde 2017 von Titouan Bernicot (in Bildmitte, mit hochgestrecktem Arm) gegründet. Mittlerweile versuchen 15 Vollzeitangestellte, die Aufmerksamkeit der Welt auf die bedrohten Korallenriffe zu lenken.


Prominenter Unterstützer: Freediving-Legende Guillaume Néry verbringt inzwischen regelmäßig ein halbes Jahr auf Mo’orea, um den Gärtnern bei ihrer Arbeit zu helfen.

„Mit unseren Filmen und Fotos versuchen wir der Allgemeinheit zu zeigen, was die Meere bedeuten.“


Das Korallenriff, das die Südseeinsel Mo’orea umgibt, ist schwer beschädigt: 40 Prozent der Korallen hier sind bereits Opfer des zu warmen Wassers geworden.


SHO NIIMURA

Die Vielfalt der Korallen in Französisch-Polynesien ist einzigartig: 194 von den rund tausend weltweit bekannten Arten kommen hier vor. Die fantasievollen Kalkgebilde sind das Werk von Polypen, die zur Gruppe der Nesseltiere gehören und auf den Riffen in Kolonien zusammenleben.

des Wassers und – vor allem – der Klimawandel, der zur Erwärmung der Ozeane und deren Übersäuerung führt. Letztgenannter ist auch für die gefürchtete Korallenbleiche verantwortlich – jenes Phänomen, das Titouan Bernicot aufgefallen war. Der Vorgang, der ihr zugrunde liegt, ist ziemlich dramatisch und erklärt zugleich das Wesen der Korallen. Die fantasievollen Gebilde aus Kalk sind dem Stoffwechsel von Kleinstlebewesen zu verdanken, die zur Gruppe der Nesseltiere gehören. Diese Polypen ernähren sich entweder durch das Filtrieren von Mikroplankton oder, wenn von diesen Nährstoffen nicht genug vorhanden ist, von den Ausscheidungen von Mikroalgen, sogenannten Zooxanthellen, die symbiotisch mit den Nesseltieren seit 400 Millionen Jahren zusammenleben – sie verleihen den Korallen auch ihre Farbenpracht. THE RED BULLETIN

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nd jetzt das Problem: Ab einer bestimmten Wassertemperatur (ca. 28 Grad) produzieren die Zooxanthellen Giftstoffe, die ihren Mitbewohnern, den Polypen, gar nicht schmecken. Diese schmeißen daraufhin ihre Nahrungslieferanten raus – damit erbleichen die Korallen, ihre Bewohner verhungern kurze Zeit später. 2016, ein Jahr nach Bernicots Beobachtung, erwischte es das größte Riff der Welt, das Great Barrier Reef an der Westküste Australiens: 90 Prozent dieses gigantischen ozeanischen Bauwerks wurden von der Korallenbleiche heimgesucht. Niemand weiß besser als Bernicot, was es für die Erde bedeutet, sollten die Korallenriffe einmal tatsächlich verschwinden; wenn nichts zu ihrer Rettung geschieht, befürchten Experten, könnte es schon 2050 so weit sein. Die Riffe sind die Heimat von einem Viertel aller

„Wenn nichts geschieht, sind die Korallenriffe im Jahr 2050 verschwunden.“ 69


Taiano Teiho an seinem Arbeitsplatz: An diesen Seilen können sich die Korallen erholen und wachsen, bis sie stark genug sind, um am Riff ausgepflanzt zu werden. Von da an entwickeln sie sich rasant: Normalerweise sind sie nach nur einem Monat bereits doppelt so groß.

Meeresbewohner. Sie schützen die Küsten durch ihre Funktion als Wellenbrecher. Sie sind die Lungen der Ozeane – wie Bäume verwandeln die Zooxanthellen mittels Photosynthese Kohlendioxid in Sauerstoff und geben uns so buchstäblich Luft zum Atmen. Und: Weltweit leben ungefähr eine halbe Milliarde Menschen direkt oder indirekt von ihnen. „Die Korallenriffe“, das weiß Südsee-Franzose Titouan aus eigener Erfahrung, „haben mir alles im Leben gegeben: von den Fischen, die wir gegessen haben, bis zu den Wellen, auf denen wir surfen konnten.“

V „Wir geben Korallen die Chance auf ein zweites Leben.“ 70

or drei Jahren hat er dann die „Coral Gardeners“, die Korallengärtner, gegründet – die Organisation setzt sich seither für die Rettung dieses marinen Ökosystems ein. Erstens, indem sie möglichst viele Menschen auf die Notlage der Korallenriffe aufmerksam macht und sie zur aktiven Unterstützung inspiriert. So kann man etwa auf der Website der „Coral Garde-

ners“ um 25 Euro eine Koralle adoptieren, ihr einen Namen geben und ihr – dafür sorgen die Gärtner – beim Wachsen zuschauen. Und zweitens haben sie eine Methode entwickelt, mit der sie das Riff rund um Mo’orea wieder aufpäppeln wollen. Zuerst sammeln Bernicot und seine Leute abgebrochene Stücke des Riffs ein, die im seichten Wasser rund um die Insel zu finden sind. Diese „Fragmente der Hoffnung“ werden dann gereinigt, auf Bambusstöckchen geklebt und auf in rund zwei Meter Tiefe in strömungsarmen Bereichen aufgestellte Tische gepflanzt – „Intensivstationen“, auf denen die Korallen die Chance auf ein zweites Leben bekommen. Über mindestens einen Monat – so lange braucht es, bis sich die Korallen an ihre neue Umgebung gewöhnt haben – sollen sie sich dort regenerieren und wachsen, bis sie kräftig genug sind, um auf beschädigte oder tote Riffe verpflanzt werden zu können. Es ist eine mühselige und langwierige Arbeit, wie Taiano Teiho, 22, einer der THE RED BULLETIN


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„Wir haben unseren Traum zum Beruf gemacht.“

Korallengärtner, erklärt. Die Koralle wird in ein zuvor gebohrtes Loch gesetzt, in dem sie sich festhalten kann, und an drei Stellen mit Unterwasserbeton stabilisiert. „So erwecken wir das tote Riff nach und nach wieder zum Leben“, ist sich Taiano Teiho sicher. In der Folge beobachten und dokumentieren die Korallengärtner die Entwicklung ihrer Schützlinge – und gewinnen so wertvolle Informationen für die weitere Arbeit. So wollen sie etwa herausfinden, welche Korallenarten weniger empfindlich auf höhere Wassertemperaturen oder Übersäuerung reagieren. Mittelfristig ist eine Ausweitung 72

der Zuchtstationen auch auf andere bedrohte Riffe in aller Welt geplant.

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is zu ihrem Ziel, der Rettung der Korallenriffe dieser Erde, ist es noch ein ganz weiter Weg. Aber über erste Erfolge können sich die Korallengärtner schon freuen: Ihre Instagram-Community zählt inzwischen mehr als eine halbe Million Follower; die Organisation beschäftigt 15 Vollzeitangestellte, die seit 2017 ungefähr 15.000 Korallen verpflanzt haben. Außerdem hat die Initiative prominente Unterstützer gefunden – etwa den legendären Freediver

Guillaume Néry, 38. Der französische Weltmeister im Apnoe-Tauchen verbringt nun regelmäßig ein halbes Jahr auf Mo’orea, um den Korallengärtnern tatkräftig unter die Arme zu greifen – nicht zuletzt deshalb, weil die sich dazu entschieden haben, ihre Arbeit unter Wasser ohne Taucherausrüstung zu erledigen. „Wir haben unseren Traum zum Beruf gemacht“, sagt Taiano Teiho. Und er fügt lachend hinzu: „Es gibt Schlimmeres, als im Meer zu arbeiten, Korallen zu pflanzen und der Welt von unserer und der Geschichte des Korallenriffs zu erzählen.“ coralgardeners.org THE RED BULLETIN

KELSEY WILLIAMSON

Arbeit am Riff: Damit die Koralle gut haftet, wird sie mit Unterwasserbeton aus dem Spritzbeutel stabilisiert. Die Taucher arbeiten mit Apnoe-Technik – das heißt: Sie halten die Luft an.


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DAS GROSSE LIED Serie: MICHAEL KÖHLMEIER erzählt die außergewöhnlichen Geschichten überlebensgroßer Figuren – faktentreu, aber mit literarischer Freiheit. Folge 7: Frau Truganini, letzte Überlebende der Aborigines von Tasmanien.

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BENE ROHLMANN, CLAUDIA MEITERT MICHAEL KÖHLMEIER

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iemand weiß, wann sie geboren Unterhaus den Auftrag erhalten, die wurde. Auch sie selbst wusste es Eingeborenen, die überlebt hatten, zu nicht. Ihr Leben war nicht durch beschützen. Wovor noch beschützen? Zahlen geordnet. Auch das Leben Es war ihnen ja bereits alles genommen der Ihren nicht. Die „Ihren“, das worden, die Liebsten, ihre Kultur, ihre war die Familie, und die Familie waren Würde. Die Herren Abgeordneten waren alle Menschen, die in Tasmanien waren überzeugt, diese Menschen seien weder MICHAEL KÖHLMEIER – ich sage nicht „lebten“, denn auch die lebenswert noch auf die Dauer lebensDer Vorarlberger ist seit fähig, also: Sie mussten vor sich selbst Toten gehörten zur Familie, und wenn Jahrzehnten ein Fixstern beschützt werden. Aber nur wenige und gesungen wurde, sangen die Toten mit. am österreichischen nur, damit man sie besichtigen konnte. Die Fremden im Land waren die EngLiteraturhimmel. länder, die lebten, aber eigentlich waren Wie seltene Tiere im Zoo. Reisen nach Gerühmt wird er sie tot. Sie hatten den Tod gebracht, und England waren geplant, Ausstellungen, vor allem für seine Erzählkunst. Truganini und ihre Familie glaubten desTourneen. In diesen Wilden sah man den halb, die Engländer seien fremde Tote, Missing Link zwischen Tier und Mensch. die sich von den Lebenden ernährten. Unfähig zur Zivilisation, unfähig zur Kultur. Die Frau Truganini gehörte zu den siebenundIn Truganini meinte Mister Robinson eine Ausnahme zu erkennen. Erstens weigerte sie sich nicht, vierzig Überlebenden der sogenannten Black Line. Englisch zu lernen; zweitens gelang es ihr, wenigsIm Jahr 1830 kam Vizegouverneur George Arthur tens hundert Vokabeln der ihr fremden Sprache auf die Idee, 2000 bewaffnete Männer in einer Linie zu behalten. Sie wandte nicht den Blick ab, wenn er aufzustellen und das Land zu durchkämmen und mit ihr sprach oder ihr aus der Bibel vorlas. Ob sie alle der schätzungsweise 5000 bis 15.000 Aborigines ihn verstand, wusste er nicht. Manchmal sagte sie zu vertreiben, wohin auch immer, oder sie gefangen Sätze, die gar nicht passten, manchmal passten sie. zu nehmen und zu deportieren oder sie, was das Er schätzte sie auf Mitte zwanzig, höchstens dreißig. Einfachste wäre, zu töten. Die Insel sollte „rein“ sein Er beobachtete sie, führte ein Tagebuch, stellte und zukünftig nur einem Zweck dienen, nämlich Überlegungen über das Wildsein als solches an und als Straflager für Schwerstkriminelle aus allen Teilen über Äußerungen der Wildnis im besonderen Fall. des britischen Weltreichs. Auch als Straflager für Er meinte es gut. Einen vollwertigen Menschen sah Aborigines, deren einziges „Verbrechen“ darin bestand, Aborigines zu sein. Als Arthur einige Jahre auch er in Truganini nicht. Noch nicht. später nach England zurückkehrte, war er einer der ruganini hatte freien Ausgang. Mister Robinson reichsten Männer des Landes und wurde mit allen sperrte sie nicht ein, wie es sonst üblich war. Ehren empfangen, in den Rang eines Generalmajors Wenn sie gewollt hätte, so schreibt er, hätte erhoben und zum Ritter geschlagen. sie fliehen können. Wohin sie hätte fliehen können, Nur siebenundvierzig Aborigines hatten die Massaker überlebt, darunter Truganini. Die Mörder deschreibt er allerdings nicht. Schon gar nicht, zu portierten sie nach Flinders Island. Dort wurde sie wem sie hätte fliehen können. Es gab niemanden. dem Chief Protector of Aborigines, George Augustus Truganini hatte alle Verwandten und alle Freunde Robinson, überantwortet. Er hatte vom britischen verloren in dem grauenhaften Krieg, der gar kein


Krieg war, sondern ein Gemetzel, bei dem es keine Gegenwehr gab. Sie meinte, sie sei die Einzige, die aus ihrem Volk überlebt hatte. Von den anderen wusste sie nichts. Jeden Tag unternahm Truganini lange Spaziergänge, manchmal folgte ihr Robinson heimlich. Erst war es für ihn ein Zeitvertreib in der öden Langeweile der fernen Kolonie. Mit der Zeit aber begann ihn diese Frau immer mehr zu faszinieren. Er berichtet von einer merkwürdigen Beobachtung. Truganini suche immer wieder eine bestimmte Stelle auf, eine Baumgruppe bei einem kleinen Weiher. Sie lehne sich mit der Stirn gegen den Stamm eines Baumes, und dann spreche sie laut. Erst meinte

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Truganini lehnte sich mit der Stirn gegen den Stamm eines Baumes, und dann sang sie zu ihm. Robinson, sie spreche zu dem Baum, bald aber verwarf er diese Deutung. Sie sprach auch nicht, es war mehr ein Singen, ein Singsang, ein Rezitieren auf einem Ton. Er schreibt, auch beim Atemholen habe sie gesungen, sodass der Vortrag ohne Unter-

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B OU L EVAR D DE R HE L D E N

brechung geschah. Mehrere Stunden sei sie so gestanden, die Stirn an der Rinde des Baumes, singend. Robinson hatte keine Vorstellung von der Sprache der Aborigines, er hatte auch nie eine Veranlassung gesehen, diese Sprache zu erlernen. War es überhaupt eine Sprache? Im Vergleich zum Englischen doch wohl nicht. Mehr den tierischen Lautäußerungen war sie verwandt als der menschlichen Sprache. Es dauerte lange, merkwürdig lange, bis Robinson begriff, dass Truganini bei dem Weiher immer das Gleiche sagte. Er machte sich Notizen. Schrieb mit, was er für einen beliebigen Kauderwelsch hielt, gab den Lauten Buchstaben. Irgendwann, schreibt er, sei ihm klar geworden, dass dieses „Gespräch mit den Bäumen“ nur ein Ritual sein konnte. Oder etwas Ähnliches. Erst in seinen letzten Aufzeichnungen, bevor er nach England zurückkehrte, kam er der Wahrheit nahe: Truganini hatte für sich ein Kompendium zusammengestellt über alle Worte und alles Wissen ihres Volkes. Sie meinte, sie sei die Letzte und Einzige. Sie meinte, mit ihrem Tod werde alle Erinnerung an „ihre Familie“ gelöscht. Sie meinte, es gebe niemanden auf der Welt, mit dem sie sich unterhalten kann, dem sie ihre Gefühle mitteilen kann, mit dem sie fröhlich, mit dem sie traurig, mit dem sie wütend sein kann. Diese Einsamkeit ist überwältigend.

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m Ende ihres Lebens – sie starb am 8. Mai 1876 nach unserer Zeitrechnung – sprach sie noch einmal mit George Augustus Robinson. Er war nach Tasmanien zurückgekehrt, und zwar aus einem einzigen Grund, nämlich um Truganini noch einmal zu sehen und noch einmal mit ihr zu sprechen. Er wollte sie um Verzeihung bitten. Nahe an seinem Tod habe er gelernt, anders zu denken. Er habe, erzählte er einem Freund, von Truganini geträumt, und in dem Traum habe sie nach ihm gerufen. Er war ein kranker Mann, dennoch nahm er die Strapazen einer Seefahrt ans andere Ende der Welt auf sich. Truganini bewohnte noch immer dieselbe Hütte, und sie wunderte sich nicht, als Mister Robinson anklopfte. Ja, sie habe im Traum nach ihm gerufen. Sie war heiter, und Robinson wunderte sich, wie gut sie inzwischen seine Sprache beherrschte. Wer ihr das beigebracht habe? „Du“, sagte sie.

Die Bäume, denen Truganini den Schatz ihrer Sprache und ihrer Kultur übergeben hatte, schweigen beharrlich. 76

„Ich war doch gar nicht hier“, sagte er. Sie habe sich alle seine Worte gemerkt, sagte sie. So wie sie sich alle Worte ihrer Sprache gemerkt habe. Und wie sie die Worte ihrer Sprache in ein Lied gefasst habe, in eine lange Rede, die sie bis heute jeden Tag den Bäumen vortrage, so habe sie die Sprache von Mister Robinson in ein Lied, in eine Rede gefasst, damit sie nicht verlorengehe. Denn sie habe erfahren, dass eine Sprache sehr schnell und endgültig verlorengehen könne, wer weiß, auch die englische Sprache. Zu seinem Freund sagte George Augustus Robinson – da hatte er nur noch wenige Wochen zu leben –, die Frau Truganini sei in seinen Augen eine der größten Heldinnen der Kultur, aller Kulturen der Welt. Sie habe eine ganze Welt gerettet, eine Welt, in der sie die einzige Überlebende war. Er habe versucht, Truganini zu überreden, mit ihm nach London zu kommen. Er werde ihr ein behagliches Leben garantieren, habe er ihr versprochen, sie werde keine Wünsche mehr offen haben. Alle würden sie schätzen, niemand würde sie behandeln, als wäre sie zweiten Ranges. Weiters wolle er dafür sorgen, dass das „Lied ihrer Familie“ übersetzt und aller Welt bekanntgemacht werde. Er werde in seinem Testament bestimmen, dass sowohl in Tasmanien als auch in London nach ihrem Tod Denkmäler errichtet werden, die an sie und an ihr Volk erinnern sollten. – Truganini lehnte ab. Er hatte nichts anderes erwartet.

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eorge Augustus Robinson starb 1866. Truganini überlebte ihn um zehn Jahre. Seine testamentarischen Verfügungen wurden ignoriert. Das große Lied der tasmanischen Kultur wurde nicht in die Welt hinausgetragen, alle Bemühungen, es niederzuschreiben, scheiterten. Die Bäume, denen Truganini den Schatz ihrer Sprache und ihrer Kultur übergeben hatte, schweigen beharrlich. Es gibt Menschen, niemand kennt sie, die sagen, die Bäume warten auf einen Würdigen oder eine Würdige, dann wollen sie ihr Geheimnis preisgeben. Andere, niemand kennt sie, sagen, man müsse darauf achtgeben, dass die Bäume vorher nicht gefällt werden, zum Beispiel, um einer Straße oder einem Supermarkt Platz zu machen. Wenige Jahre nach ihrer Beisetzung wurden die sterblichen Überreste von Truganini exhumiert und der „Wissenschaft“ zugeführt. Das Skelett wurde im Museum ausgestellt. In Wikipedia lese ich, erst hundert Jahre nach ihrem Tod wurde, was von ihrem Körper übrig war, eingeäschert und die Asche dort, wo man das Dorf vermutete, in dem Truganini vor dem großen Massaker gelebt hatte, verstreut. Im selben Jahr hielt der australische Romancier Robert Drewe in seinem Roman „The Savage Crows“ die tragische Geschichte der tasmanischen Frau Truganini und des englischen Mannes George Augustus Robinson für die Nachwelt fest.

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THE RED BULLETIN


GUIDE Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen WILLKOMMEN AN BORD!

KONSTANTIN REYER

Mit den Olympiasiegern Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher zum Foiling-Segeln nach Italien.

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GUIDE Reisen

„Was die Teilnehmer 2021 auf unserer Reise erwartet, ist eine neue Dimension des Segelns.“

Destination Red Bull-Guide Hans-Peter Steinacher, 52

G

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Völlig losgelöst: Ab acht Knoten (ca. 15 km/h) hebt sich der Foiling-Katamaran aus dem Wasser.

KONSTANTIN REYER, SAMO VIDIC/RED BULL CONTENT POOL, GETTY IMAGES (2)

emeinsam mit Red Bull-Athleten und Weltmeistern verreisen, ihre Tricks und Techniken hautnah kennenlernen und im gemütlichen Ambiente über Leben und Karriere plaudern: Dafür steht Destination Red Bull, die Reiseplattform von Red Bull und dem Salzburger Reisebüro The Travel Birds. 2021 bilden Ziele im Alpenraum den Schwerpunkt des Programms – von den Eisenerzer Bergen (mit Rallye-DakarSieger Matthias Walkner) über Vorarlbergs Tiefschneehänge (mit FreeskiWeltmeisterin Nadine Wallner) bis an den Gardasee in Norditalien. Dort können die Gäste von Destination Red Bull im Mai 2021 mit den zweifachen Olympiasiegern Roman Hagara, 54, und Hans-Peter Steinacher, 52, eine völlig neue Art des Segelns kennenlernen: Foiling. Was die Teilnehmer an Bord der fliegenden Rennboote erwartet, erzählen die beiden Reise-Guides bei uns in eigenen Worten: „Als Olympia-Segler sind wir hohe Geschwindigkeiten ja gewohnt. Dennoch war das erste Mal mit Foils zu segeln auch für uns ein echtes Erlebnis!“, sagen Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher. „Zur Erklärung: Foils sind Stangen mit Tragflügeln, die am Rumpf des Bootes befestigt sind. Ein Foil-Katamaran, auch ‚Foilcat‘ genannt, hebt bei 8 Knoten, also ca. 15 km/h, nicht bloß mit einem Rumpf ab, sondern löst sich komplett von der Wasseroberfläche und berührt diese nur noch an drei Foils. Segeln ist

Sicherer Hafen: Riva del Garda in Norditalien ist die Basis für das mehrtägige Segel-Abenteuer. THE RED BULLETIN


GUIDE Reisen

Dynamisches Duo: Roman Hagara (li.) und Hans-Peter Steinacher gewannen zweimal Olympiagold.

durch die Foil-Technik quasi vierdimensional geworden – ein einmaliges Erlebnis, auch für erfahrene Sportler. Denn durch den hohen Speed ändern sich die Winkel und fast alle Segelabläufe. Was die Teilnehmer bei unserer Reise erwartet, ist also nicht weniger als eine neue Dimension des Sports. Der Gardasee mit seinem Flachwasser und seinem thermischen Wind bietet sich perfekt als Foiling-Reiseziel an. Denn dort kommen wir bei guten Verhältnissen relativ leicht über 30 Knoten bzw. 55 km/h hinaus.“

Riva del Garda

Italien

Anreise Alle Wege führen bekanntlich nach Rom und viele davon am Gardasee vorbei. Autofahrer aus Österreich kommen am schnellsten über Tirol ins Trentino: Zunächst auf der A12 nach Innsbruck, dann bei Innsbruck-Süd in Richtung Italien auf die BrennerTHE RED BULLETIN

Autobahn A13, die zur italienischen A22 wird. Vorbei an Sterzing, Bozen und Trento in Richtung Verona. Abfahrt: Rovereto Sud/ Lago di Garda-Nord. DB/ÖBB-Eurocity-Züge fahren fünfmal täglich von München über Innsbruck direkt nach Rovereto und Verona.

Rund um den Gardasee Die Gegend um Riva ist ein üppiger Garten Eden mit teils spektakulären Wanderwegen. An Regentagen locken Museen und Trattorien. Drei Extra-Tipps: AUSBLICK Ein dreistündiger Rundgang führt vom Hafen in Torbole auf den Aussichtshügel Monte Brione. Von der Befestigungsanlage Batteria di Mezzo lassen sich See und Bergwelt überblicken.

Das fliegende Phantom

„An den ersten beiden Tagen unserer Reise werden wir die Grundlagen an Bord der kleinen, 5,5 Meter langen ‚Flying Phantoms‘ lernen, sozusagen die Babyboote unter den Foil-Seglern. Danach heißen wir unsere Gäste an Bord unseres großen Foil-Rennboots, des GC32, willkommen. Wobei wir gar nicht sagen würden, dass der GC32 spektakulärer ist als die Flying Phantoms, denn diese manövrieren näher am Wasser. Zudem wirkt der knapp zehn Meter lange GC32 in voller Fahrt behäbiger und schwerer als die kleineren Foil-Boote, die sich auch bei geringeren Geschwindigkeiten schon sehr schnell anfühlen. Was gleich zu Beginn auffallen wird, ist, wie viel Konzentration nötig ist, um das Boot wirklich waagrecht auf den Foils zu halten. Jegliche Krängung, also Seitenneigung, wirkt sich negativ aus. Da musst

EINBLICK Das MART, ein Museum moderner Kunst (Bild oben), in Rovereto ist ein architektonisches Highlight und beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen der letzten 150 Jahre. mart.tn.it WEINBLICK Im Weingut Zeni bei Bardolino kann man sich auf eine Reise durch die Welt des Weines und seiner Geschichte begeben. Danach lieber mit dem Taxi zurück nach Riva! museodelvino.it

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GUIDE Reisen

Deine Abenteuer mit Top-Athleten Bei Destination Red Bull kannst du Reisen mit Red Bull-Athleten und Ikonen buchen. Hier drei Highlights des Programms 2021:

„Foiling fühlt sich himmlisch an“, sagt Segel-Legende Hans-Peter Steinacher.

du fast eine Wasserwaage auf das Boot legen können, dann erst fährt es optimal! Foiling verlangt aber auch nach engen Kurven und raschen Entscheidungen beim Wenden und somit nach einer eingespielten Mannschaft. Es wird demnach auch eine Lektion in Sachen Teamgeist. Fest steht: Die Geschwindigkeit eines FoilKatamarans bringt viele Gelegenheiten, kalkuliertes Risiko einzugehen und kontrollierte Action zu erleben. Sobald wir herausgefunden haben, wie sich alle Teilnehmer mit der neuen Technologie fühlen, werden wir daher auch versuchen, einen High-Speed-Rekord aufzustellen.“

Wie bereiten wir unser Boot für eine Regatta vor? Welche technischen Grundvoraussetzungen braucht ein guter Segler? Wie schleifen wir unsere Foils? Wie polieren wir unser Boot? Derlei Kleinigkeiten geben wir eigentlich sonst nicht so gern preis. Doch die Reise wird sicher ein Rahmen, in dem wir solche Dinge im privaten Gespräch gerne weitergeben.“ Reisetermine: 15.–19. und 19.– 23. Mai 2021; maximale Teilnehmerzahl pro Termin: 5 Personen (ab 18 Jahren). Infos zu Reise und Buchungen: destination.redbull.com

Die Geheimnisse der Profis

„Übrigens: Auch wenn das Steuer fast immer in Profihand bleibt, solltest du als Teilnehmer einen Segelschein besitzen und die grundlegenden Segeltechniken beherrschen, damit die Lernkurve steil nach oben zeigt und du die Reise optimal genießen kannst. Uns ist natürlich bewusst, dass auch gute Segler zu unserem Camp am Gardasee kommen werden, die sich dafür interessieren, was für einen Zugang wir zu bestimmten Themen beim Segeln haben:

AUSGABE 3 SAISON 2021

DOMINIK LANDERTINGER Der BiathlonWeltmeister nimmt dich mit ins LaufParadies Tirol

WILLKOMMEN IN DEN ALPEN!

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TRAILRUNNING | ENDURO | LAUFEN | FOILING | KLETTERN GOLF | FORMEL 1 | TRIATHLON | FREERIDE-SKIING | MOUNTAINBIKEN

Alle Reisen 2021 findest du im neuen Destination Red Bull-Magazin. Bestellungen: redaktion@at. redbulletin.com

Alle Reisen, Infos und Buchungen unter: destination.redbull.com oder destinationredbull@thetravelbirds.at

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LECH, VORARLBERG FREERIDE-ACTION MIT NADINE WALLNER Als Skilehrerin, Bergführerin und zweifache Freeski-Weltmeisterin kennt Nadine die schönsten Abfahrten ihrer Heimat und nimmt dich mit auf unvergessliche Abfahrten in einem der Top-Skigebiete Europas.

EISENERZ, STEIERMARK EXPEDITION ERZBERG MIT MATTHIAS WALKNER Gemeinsam mit Österreichs RallyeDakar-Sieger eroberst du den Erzberg am Motorrad, holst dir professionelle Fahr-Tipps und entdeckst auf eurer gemeinsamen Wandertour die raue Schönheit der Eisenerzer Alpen. THE RED BULLETIN

KONSTANTIN REYER, GETTY IMAGES/RED BULL CONTENT POOL, ANDREAS VIGL, PHILIP PLATZER/RED BULL CONTENT POOL

SPIELBERG, STEIERMARK VIP-ERLEBNIS FORMEL 1 MIT MARK WEBBER Du verbringst das Renn-Wochenende als VIP an der Strecke, triffst Mark Webber zum Essen, erhältst Zugang zur Boxengasse und erkundest den Grand-Prix-Kurs unter Profi-Anleitung in einem Formel-4-Boliden.


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GUIDE Gaming ENTREPRENEUR

Entscheidend sind kleinste Details

Er wollte nur spielen

„Wir waren die Ersten, die alles in Mattschwarz herausgebracht haben, heute ist das die Gamer-Farbe schlechthin. Dann haben wir LED hinzugefügt, erst mit einzelnen Farben, dann mit dem ganzen RGB-Farbraum. Design mit Licht ist ziemlich schwierig: Nimmst du zu wenig, bringt es nichts; zu viel, und es wird grell. Ich verhandle nun darüber, wie viel Licht das Treppenhaus unseres neuen Firmengebäudes verträgt. Es hat vier Stockwerke, und wir bauen mehrere Modelle, um die perfekte Lichtmenge zu finden.“

Min-Liang Tan, 43, war ein begeisterter Gamer, der sich verbessern wollte. Hier erklärt er, wie ihn das zum Milliardär machte.

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Verletzung als Inspiration

„Ich höre auf meinen Bauch“

„Wir hatten gar nicht vor, mit der Boomslang viel Geld zu verdienen. Es war eher so: Wenn ich Verwendung dafür habe, dann gilt das sicher auch für andere. Als wir dem Gaming-Laptop ein megadünnes Design verpassten, kam das ganz schlecht an. Die Leute sagten, das ist nichts für Gamer, die wollen’s fett und kräftig. Aber dank der Techniker, mit denen wir gearbeitet haben, war’s bei uns eben schlank und kräftig.“

aus der Finanzwirtschaft. Die nutzen dort unsere Tastaturen und Mäuse, weil damit Kaufen und Verkaufen schneller geht. Aber wir gehen nicht in den Mainstream. Wir wollen lieber warten, bis der Mainstream zu uns kommt.“

Geht’s den Gamern gut, geht’s allen gut

„Es ist schön, dass auch Nicht-Gamer unsere Produkte nutzen. Mediziner kaufen sie, weil sie so präzise sind, und im Fernsehen habe ich entdeckt, dass ein Raumfahrtprogramm unsere Mousepads verwendet. Wir hatten schon Anfragen

Jahrgang 2020: der Razer BlackShark V2 Pro, ein topmoderner Wireless-Gaming-Kopfhörer

„Manchmal sollte ich die Klappe halten“

„Ein Gamer wollte unbedingt einen Razer-Toaster. Ich habe ihm gesagt, wenn er eine Million Likes schafft, mache ich ihm vielleicht einen. Ein anderer hat gesagt, er lässt sich einen Razer-Toaster tätowieren! Daraufhin habe ich den Fehler gemacht, zu sagen: ,Wenn du zehn andere dazu bringst, das auch zu machen, baue ich den Toaster.‘ Tja, mittlerweile haben etwa fünfzehn Leute dieses Tattoo. Ich hab’s versprochen, aber ich hab keinen Zeitpunkt genannt. Ein paar Prototypen sind entstanden, die sind aber noch nicht so weit. Ich arbeite jetzt ernsthaft daran. Es muss der ultimative Toaster werden.“ razer.com THE RED BULLETIN

TOM GUISE

Min-Liang Tan: Gamer, Milliardär und Zombie (in der Videospielverfilmung „Dead Rising: Watchtower“)

„Unlängst hatte ich einen Bandscheibenvorfall. Viele Gamer kennen das Problem vom zu vielen Spielen. Ich habe meinen Cheftechniker gefragt, was ich dagegen tun könnte. Er wollte mich zum Orthopäden schicken, aber ich habe gesagt: ,Nein, nein, ihr entwerft mir jetzt etwas, denn ich bin sicher, dass andere diese Lösung ebenfalls brauchen können. Lass dir was einfallen, dann verkaufen wir Millionen von Produkten!‘“

RAZER

Min-Liang Tan spielt gerade „Fall Guys: Ultimate Knockout“ – dieses Battle-RoyaleGame für mehrere Spieler, das die Welt im Sturm erobert hat. Der 43-Jährige aus Singapur ist dabei definitiv im Vorteil: Er hat das Spiel höchstpersönlich entworfen, seine GamingFirma Razer stellt es her. Das Unternehmen katapultierte Tan bereits 2012 auf die Liste der mächtigsten 40 Menschen der Gaming-Szene. Fünf Jahre später war er Singapurs jüngster Selfmade-Milliardär. Dabei ist der Riesenerfolg des gelernten Juristen einfach nur auf den Wunsch zurückzuführen, besser zu spielen. „Wenn man danebenschießt, denkt man nicht: ‚Ich kann es nicht gut genug‘“, sagt Tan lachend. „Sondern: ‚Ich brauche eine bessere Maus‘. Also haben wir eine gebaut.“ „Boomslang“ war 1999 die erste Maus, die eigens für Videospiele entwickelt wurde. Heute gestaltet Razer nach dem gleichen Prinzip GamingLaptops, Gaming-Kopfhörer, Gaming-Smartphones und so weiter. Die Marke und Tan selbst haben inzwischen Kultstatus. „Wir kriegen Tausende Fotos von Leuten, die sich das Razer-Logo irgendwohin tätowiert haben“, sagt er. „Einer hat sogar ein Tattoo von meinem Gesicht.“ Für Tan geht es, sagt er, weniger um den finanziellen Erfolg als um Gemeinschaft. „Ich habe mich nie als Geschäftsführer betrachtet“, erklärt er. „Ich war immer ein Spieler. Es geht darum, sich den entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.“


HERBST/ WINTER 2020/21

WO DER SPORT DIE NUMMER 1 IST

AKTIV DURCH DEN

WINTER! EXPERTEN-TIPPS, INNOVATIONEN UND TOP-PRODUKTE DER SAISON

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Ski alpin

Skitouren

Bei jedem Wetter: Tipps und Tricks fürs Biken in der kalten Jahreszeit

Made in Austria: Diese Skihersteller bieten Qualität aus Österreich

Sicher ist sicher: Schaufeln, Sonden und Lawinenairbags


Winter

Top-Skimodelle

Die Messlatten

Die besten Ski-Marken sind allesamt bei Gigasport vertreten. Wir präsentieren die Top-Athleten im Ski-Zirkus: unser Best of Ski. Der Allmountain Ski DX85 mit K 10 SLR GW Bindung ist ein Allrounder am Berg. Er vereint Dynamik, Sicherheit & Komfort.

Die wichtigsten Skitypen On-Piste Ski Dieser Carver fährt auf präparierten Pisten – ob Slalom, Race oder Allround.

Wie ein Feuervogel: Mit dem On-Piste Ski Firebird TI mit TPC10 Demo Bindung liche Racer ins Tal.

Der On-Piste Ski mit X 12 TL Bindung eignet sich für kurze wie lange Schwünge auf der Piste.

Der On-Piste Ski Amphibio 14 TI2 mit EMX11 Bindung wurde für ideales Carven unter voller Kontrolle entwickelt.

Königsklasse: Der Race-Ski RC4 CT mit Z13 FF Bindung kommt direkt aus dem Racing Lab. Sein Motto lautet: Speed!

Allmountain Ski Der Alleskönner ist eher breit, verzeiht Fehler und kann Tiefschnee wie Piste. Freeride Ski Der breite, lange Ski gibt vor allem im Tiefschnee den nötigen Auftrieb.

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Das Um und Auf für Spaß im Schnee: der passende Ski für jeden Hang – ob auf oder abseits der Piste.


Winter

Der Herren-Skischuh RS 130 setzt auf Performance: Die innovative Dual Core-Konstruktion aus dem Rennsport ermöglicht absolute Kontrolle des Schwungs. Flex: hart.

Der Damen-Skischuh MACH1 MV 105 eignet sich für sportliche Fah rerinnen. Sein Innenschuh aus Merinowolle wärmt mit Celliant Mikrokristallen. Flex: mittel.

WAS IST BOOTFITTING?

Ihre Skischuhe drücken, oder Sie haben darin ständig kalte Füße? Das liegt meistens an der Passform. Denn Füße sind so vielfältig wie Charaktere – ob in Risthöhe, Vorfuß- oder Fersenbreite. Außerdem hat fast jeder zweite Österreicher eine Fußfehlstellung wie Plattfuß, Senk- oder Spreizfuß. All das wird beim Ende erhalten Sie einen modernen, individuell angepassten Skischuh. Damit auf der Piste nichts mehr drückt, reibt oder zu locker sitzt. IN 3 SCHRITTEN ZUM PERFEKTEN SKISCHUH:

Der Herren-Skischuh Panterra 120 GW erhöht den Tragekomfort durch einfachen Ein- und Ausstieg, besten Fersenhalt und erprobten Geh- und Stehmechanismus. Flex: hart.

Auch der Damen-Skischuh Speedmachine 115 vereint Power und Komfort – mit 3D Cork Fit Innenschuh und anatomischem Design von Schaft und Innenschuh. Flex: hart.

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Komfort und Performance Der ideale Skischuh trägt Sie auf einer Welle vom ersten bis zum letzten Schwung. Bevorzugen Sie sportliche Performance oder Komfort am Fuß? Wir haben beides für Sie.

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Winter

Herren-Norweger

Die Herren-Skihose Dare GTX

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die Herren-Skijacke Titan GTX

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Bereit für den Skitag? In wasserdichten Spyder, der beheizbaren Ski und dem schicken Kjus sind Sie es.


Winter

Die Damen-Skihose Formula

Der Damen-Unterzieher Motion

Die Damen-Skijacke Formula kombiniert Look. Größe: 36–44

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Die Damen-Skijacke Canazei L 2 2 Die Damen-Skihose Canazei L

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Wärme auf Knopfdruck: INTELLITEX®

Herren-Skihose Canazei M Größe: 48–54

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Winter

Bergsteigen

Das Beste für die Berge

Dank GORE-TEX 3L kommt die Wetterschutzjacke Kamet Light GTX für Herren das ganze Jahr zum Einsatz.

Mit der HerrenFunktions hose Summit 200 XCS sind Sie bestens für den aktiven alpinen Einsatz gerüstet.

Pertex Quantum Außenmaterial aus recyceltem Polyamid macht die Herren-Jacke Piz Zupo robust, warm und winddicht.

Die Herren-Jacke Merinoterry ist ideal für einen gemütlichen Hüttenabend oder nach einem langen Tag am Berg.

Die passende Tourenhose zur Jacke: Die Col Becchei für Herren bietet herausragende Bewegungsfreiheit.

Der leichte Wander-

Das Obermaterial des wasserdichten Herren-Bergschuhs besteht aus elegantem Veloursleder und Mesh.

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Die elastische, atmungsaktive Herren-Jacke Col Becchei besteht aus weicher Merinowolle auf der Innenseite und schützendem Polyamid außen.

Fotos: Ortovox

eignet sich perfekt für Tages- und Bergtouren oder Klettersteige.


Winter

FEIERN SIE MIT ORTOVOX DAS 40-JAHR-JUBILÄUM! 1980 revolutionierte Gerald Kampel mit dem F2 die Suche nach Verschütteten bei Lawinenabgängen – und begründete die Marke Ortovox, deren Name sich aus Ortung und Vox (Stimme) zusammensetzt. 2020 feiert das Unternehmen sein 40-jähriges Bestehen mit einer Jubiläumsedition.

Alpiner Minimalismus: Die wind- und wasserdichte Damen-Jacke Ortler 3L ist ein echtes Leichtgewicht.

Die ausgeklügelte Dual-Tech-Struktur der leichten, winddichten und atmungsaktiven Tourenskijacke Geilo Shield für Damen

Tourenhose für Damen für höchste Bewegungsfreiheit und optimalen Feuchtigkeitstransport.

Die Damen-Jacke Col Becchei schützt auf Skitouren vor Wind und Wetter und ist

amen-Hose D Col Becchei extrem atmungsaktiv, funktional und nachhaltig.

Der Wanderrucksack für Damen ist dank Aircomfort Sensic Netzrücken System wunderbar leicht.

Die geruchsneutralisierende und feuchtigkeits- regulierende Merinowolle macht die Damen-Jacke Merinoterry besonders warm.

Eine wasserdichte GORE-TEX Membran im Damen-Bergschuh Air Revolution 4.3 hält den Fuß angenehm trocken.

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Outdoor

Urbane Outdoorjacken

Winterfest

Wohlig warm und funktional: Diese Parkas und Jacken schützen Sie in der kalten Jahreszeit bestens gegen Wind und Wetter.

Das NP100d 2l GORE- TEX Material macht den Damen-Parka Sensa GTX vollständig wasserdicht.

Winddicht, atmungsaktiv, wasserabweisend: der umweltfreundlich hergestellte Softshell- Mantel Skomer für Damen.

Der Herren-Parka Moskau 3in1 hat eine separate Innenjacke und ist auch als Damenmodell erhältlich.

zeichnen den wasser- und winddichten Herren-Parka City Storm aus.

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Foto: Vaude

Der Rucksack UP Sydney besteht aus recycelten PET-Flaschen – hergestellt im bluesign® Standard.


GUIDE Uhr

WAS IST ZEIT?

EXTREM PRÄZISE Dank des speziellen Breitlight-Materials besonders leicht, mit hochpräzisem SuperQuartz-Werk.

Große Momente 2 Minuten, 7 Stunden, 1 Ewigkeit: Anna Veith, Thomas Morgenstern und Stefan Kraft über Erlebnisse, die sie prägten. Zeit ist, was wir daraus machen. Skirennläuferin Anna Veith und die beiden Skispringer Thomas Morgenstern und Stefan Kraft erzählen, welche Momente für ihr Leben von besonderer Bedeutung waren. Als Anna Veith von ihrem alles entscheidenden Sieg in Méribel erzählt, ist ihr anzusehen, dass die Zeit der Erinnerung nichts anhaben konnte: „Wenn ich daran denke, bekomme ich heute noch Gänsehaut“, sagt Anna und lacht.

Anna: 2 MINUTEN Absolute Intensität

Anna Veith, heute 31 Jahre alt, steht am 22. März 2015 im französischen Méribel im Starthaus. Gerade ist die Slowenin Tina Maze, heute 37, ins Rennen gegangen. Anna hat gesehen, wie sich ihre härteste Konkurrentin abgestoßen hat. Und sie weiß, um den Gesamtweltcup zu holen, muss sie

ENDURANCE PRO Die neue Breitling hat einen Durchmesser von 44 Millimetern, erhältlich ist sie in fünf Farben. Preis: 2950 Euro

gewinnen: „In den Wochen davor hat sich die Spannung aufgestaut wie nie zuvor.“ Im ersten Durchgang ist die Österreicherin Bestzeit gefahren. Jetzt ist sie kurz davor, ins Rennen zu gehen – als Letzte im letzten und alles entscheidenden Bewerb der Saison: „Ich wusste, ich muss alles geben. Ich habe jede Faser meines Körpers gespürt. Ich war extrem nervös. Jeden Zentimeter, den ich gefahren bin, habe ich so intensiv erlebt wie nie zuvor – als ich das Starthaus betreten hab, hab ich diese ganz besondere Aura gespürt. Es waren

ungefähr zwei Minuten von diesem Augenblick bis ins Ziel, bis zum Sieg. Und ich kann mich immer noch an jedes Detail erinnern.“

Thomas: 7 STUNDEN Royale Flugroute

Thomas Morgenstern, 34, ist unter wegs zu einem Helikopter-Wettbewerb in England – sieben Stunden wird der Flug dauern, der ihn im Jahr 2016 über Frankreich, den Ärmelkanal und die weißen Klippen von Dover bis in die Metropole London führt. Dreimal muss er dabei zwi-

JOHANNES KERNMAYER /BREITLING

Breitling Squad Drei Stars in einem Hubschrauber. Der frühere Skispringer Thomas Morgenstern pilotiert Anna Veith und Stefan Kraft bei der offiziellen Präsentation der Breitling Endurance Pro über Salzburg. Noch ist der Himmel bewölkt, doch er lichtet sich, als das Trio abhebt. THE RED BULLETIN

schenlanden: „Um zu tanken und mir die Füße zu vertreten.“ Als er schließlich in der britischen Metropole ankommt, fragt er bei der Flugkontrolle an, ob er die Heli-Route fliegen darf. Er darf – und erlebt „einen Moment, der mich extrem begeistert hat“. Denn die HeliRoute führt die Themse entlang. Und Morgenstern fliegt in rund 200 Meter Höhe immer den Fluss entlang, „über die Tower Bridge, Westminster, London Eye – es war einfach überwältigend“.

Stefan: 1 EWIGKEIT Hymnische Minute

Wieder und wieder muss Stefan Kraft, 27, am 26. März 2017 aufs Stockerl: zum ersten Mal, weil er an diesem Tag im slowenischen Planica den Tagessieg geholt hat; zum zweiten Mal für seinen Sieg im Skisprung-Weltcup; und zum dritten Mal für den Triumph im Gesamtweltcup. Und jedes Mal ertönt die österreichische Bundeshymne, und sie scheint ihm an diesem Tag gar nicht mehr aufhören zu wollen: „Irgendwann hat es sich angefühlt wie eine Ewigkeit. Ich bin normalerweise nicht sehr nah am Wasser gebaut. Aber alle, die da waren und mir nah sind, haben geweint. Und dann sind auch mir die Tränen runtergelaufen, eine nach der anderen. Und ich habe mir gedacht: Wie lange dauert diese Hymne noch?“ breitling.com

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LESEN & SCHREIBEN

Königlicher Rat Stephen King hat bekanntlich unzählige internationale Megaseller geschrieben. Sein vielleicht bestes Buch ist jedoch ein sehr persönlicher Ratgeber. Text JAKOB HÜBNER

Ü

ber 400 Millionen verkaufte Bücher, rund 70 Kino- und TV-Verfilmungen, geschätzte 420 Millionen Dollar Privatvermögen – kein Zweifel, Stephen King ist einer der erfolgreichsten und reichsten Schriftsteller aller Zeiten. Da herrscht Einigkeit. Ganz anders sieht es hingegen bei der Frage aus, ob Stephen King auch ein guter Schriftsteller ist. Hier scheiden sich die Geister. Tatsächlich gibt es jede Menge nachweislich gebildete Menschen,

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die King für eine Art Hohepriester der trivialen Reißbrettliteratur halten. Wenn sie an deinem Billy-Regal entlangschlendern und darin mehrere King-Romane orten, lüpfen sie selbstgefällig eine Augenbraue und sagen: „Stephen King? Echt jetzt …?“ Diese Menschen verbinden meist drei Gemeinsamkeiten. Erstens: Sie haben noch nie ein Buch von Stephen King gelesen. Zweitens: Sie betrachten (zumindest in diesen Dimensionen) kommerziellen Erfolg

und künstlerische Integrität als unvereinbar. Und drittens: Sie irren sich. Was würde man über einen Leichtathleten sagen, der den 100-Meter-Sprint genauso souverän beherrscht wie die 1500 Meter, die 10.000Meter-Langstrecke und die Marathon-Distanz? Vermutlich: Der Mann weiß, wie man läuft. Nun, Stephen King weiß, wie man schreibt. Präziser formuliert: Er weiß, wie man was schreibt – und diese instinktive Fähigkeit beschränkt sich keineswegs nur auf die angestammten Jagdgründe des „Königs des Horrors“. Seine über 100 Kurzgeschichten und Novellen (beim Heyne Verlag in feine Sammelbände gepackt) zeichnen sich nicht nur durch einen geradezu THE RED BULLETIN

VINZ SCHWARZBAUER

GUIDE Lesestoff


GUIDE Lesestoff

Vorwort aus „Das Leben und das Schreiben“ Dies ist ein kurzes Buch, denn Bücher über das Schreiben sind voller Blödsinn. Belletristikautoren, ich eingeschlossen, haben keine große Ahnung davon, was sie eigentlich tun. Sie wissen nicht, warum etwas Gutes funktioniert und etwas Schlechtes nicht. Ich dachte mir: Je kürzer das Buch, desto weniger Blödsinn steht drin.

beängstigenden Ideenreichtum aus, sondern auch durch ihren perfekten Spannungsaufbau – was gerade auf der gern unterschätzten Kurzstrecke eine besonders hohe Kunst ist. Angesichts der enormen Menge und Vielfalt dieser Suspense-Quickies drängt sich der Verdacht auf, dass King schlichtweg nicht in der Lage sei, eine Geschichte zu erzählen, die nicht furchtbar spannend ist. Wenn es ins Romanformat geht, wechselt King jedoch Stil und Tempo, öffnet Räume zwischen den Zeilen. Als schlauer Geschäftsmann (der er natürlich auch ist) weiß er, dass einem auf Sicht betrachtet die Leser abhandenkommen, wenn sie 500 Seiten lang den Atem anhalten. GenreMeilensteine wie „Carrie“, „Shining“, „Sie“, „Es“, „Die Arena“ und rund 30 weitere internationale Bestsellertitel spielen virtuos mit einem subtilen Grauen, das gar nicht auf dem Papier, sondern in unserer DNA geschrieben steht. Und ganz nebenbei hat Stephen King mit „Der Dunkle Turm“ – womit wir beim Marathon wären – innerhalb von dreißig (!) Jahren einen der irrsten und besten Romanzyklen der Fantastik geschrieben. Doch Vorsicht: Bevor man sich diesem verwegenen Crossover aus Fantasy-Dystopie und Italowestern nähert, das King selbst einmal als seinen „Jupiter“ bezeichnete, sollte man sicherheitshalber ein wenig Anlauf nehmen. Denn der grandiose erste Satz „Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der RevolverTHE RED BULLETIN

mann folgte ihm“ eröffnet eine Reise, die erst nach rund 5600 Seiten endet. Und aufhören geht sehr, sehr schwer. Das vermutlich beste Buch, das der 1947 in Portland, Maine, geborene Stephen Edwin King (bisher) veröffentlicht hat, kommt allerdings weder aus der Horrorkiste noch aus dem Fantasy-Universum. Es ist ein Ratgeber. In „Das Leben und das Schreiben“, erschienen im Jahr 2000, gibt der Millionenautor – eingebettet in autobiografische Erinnerungen und Anekdoten, die auch die dunklen Seiten seiner Karriere beleuchten – sehr persönliche Erfahrungen preis, wie man ein gutes Buch schreibt. Hochgradig sympathisch, mitunter sehr lustig und durchgehend ungeheuer lehrreich – im wahrsten „Sinne des Wortes“. Ein wirklich großartiges Buch, das nicht nur jedem, der richtig schreiben will, nachdrücklich ans Herz gelegt sei, sondern auch allen, die richtig lesen wollen. Stephen King? Echt jetzt!

STEPHEN KING „DAS LEBEN UND DAS SCHREIBEN“ Deutsch von Andrea Fischer. Ullstein (gebundene Ausgabe), Heyne (Taschenbuch)

LESETIPPS

Autobiografische Feinkost Vier ausgesuchte Bücher, die das Leben schrieb

GREGORY DAVID ROBERTS Der 1952 in Melbourne, Australien, geborene Roberts wurde nach mehreren bewaffneten Raubüberfällen zu einer 23-jährigen Haftstrafe verurteilt. Nach zwei Jahren gelang ihm die Flucht, und er setzte sich nach Mumbai in Indien ab. Was nun auf über 1000 Seiten folgt, ist die wohl abenteuerlichste Lebensgeschichte, die je aufgeschrieben wurde. Wie wahr sie ist, weiß nur einer. Kult ist sie jedenfalls. „Shantaram“ (Goldmann)

ERNEST HEMINGWAY In seinem letzten, posthum veröffentlichten Buch skizziert Hemingway Erinnerungen an seine Jahre 1921 bis 1926 in Paris. Anlässlich seines 50. Todestags erschien 2011 eine Neuübersetzung der Urfassung, ediert von Enkel Seán Hemingway und großartig übersetzt von Werner Schmitz. Ein literarisches Kleinod vom Großmeister, nach dessen Lektüre man sich vor allem eines wünscht: eine Zeitmaschine. „Paris – Ein Fest fürs Leben“ (Rowohlt)

TOM ROBBINS Keiner trägt die Narrenkappe tiefer ins Gesicht gezogen als der 1932 geborene US-Autor. Auch wenn der Grandseigneur des literarischen Wahnwitzes (u. a. „Buntspecht“ „Pan Aroma“ oder „Salomes siebter Schleier“) seine Lebensgeschichte als anekdotische Häppchen serviert, wartet hier ein üppiger Festschmaus: saukomisch, zutiefst klug und fabelhaft fabuliert. „Tibetischer Pfirsichstrudel – Die wahre Geschichte eines fantastischen Lebens“ (Rowohlt)

TERRY GILLIAM Als Gründungsmitglied der legendären Monty-PythonTruppe und Regisseur von Filmjuwelen wie „Brazil“, „Fear and Loathing in Las Vegas“ oder „12 Monkeys“ hat der 1940 in Minnesota geborene Gilliam einiges zu erzählen. Und er tut es – Illustrationen inklusive – auf eine Art und Weise, die keinen Zweifel daran lässt, dass auch ein Amerikaner trockenen britischen Humor im Blut haben kann. „Gilliamesque – Meine Prä-posthumen Memoiren“ (Heyne)

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GUIDE Fitness YOGA

Stark wie Supergirl Sadie Nardini gilt als Rockstar unter den Yoga-Lehrerinnen. Das Programm der 49-Jährigen verleiht Superheldenkräfte. Die erstaunliche Karriere der Kalifornierin begann mit einem dramatischen Ereignis. Sie war 13, als im Schwimmbad ein Mann nach einer „Bombe“ auf ihrem Kopf landete. Die Folge: Sadie war teilweise gelähmt: „Die Ärzte sagten mir, ich würde wahrscheinlich nie wieder gehen können. Sie haben mich stabilisiert und dann nach Hause geschickt.“ Doch während die Schulmediziner das Mädchen aufgaben, glaubte ihre Mutter an die heilende Kraft sanfter Yoga-Übungen. Diese Übungen blieben nicht ohne Wirkung. Nach zwei Jahren geduldigen Trainings konnte Sadie wieder stehen. Und sie entdeckte Power Yoga, die westliche Variante der alten indischen Lehre: „Ich er-

kannte, dass es eine Form des Yoga gab, die mir richtig Kraft verlieh. Damit hatte ich meine Berufung gefunden.“ Bereits mit Mitte zwanzig begann Sadie weltweit zu unterrichten. Rasch galt sie unter ihren Anhängern als Rockstar-Yogini, also als

weibliche Yoga-Meisterin: „Wahrscheinlich, weil ich in meinem Unterricht auch David Bowie gespielt habe.“ Die Idee für ihr jüngstes Spezialtraining hatte Sadie, als sie durch den Pariser Flughafen hetzte, um rechtzeitig ein Flugzeug zu erwischen.

„Ich musste feststellen, dass ich zwar in Sachen Ausdauer eine Meisterin bin, aber schrecklich außer Form, wenn es um Schnellkraft ging“, sagt die Kalifornierin, „also habe ich ein paar High-IntensityIntervalltrainings besucht.“ Was Sadie dort erlebte, irritierte sie: „Es hat zwar Spaß gemacht, aber als Anatomieund Gelenksexpertin war ich entsetzt. Viele der dort ausgeführten Bewegungen haben die Gelenke so sehr belastet, dass sich manche Teilnehmer sogar verletzt haben.“ Problem erkannt – und darauf reagiert: Sadie ent wickelte Yoga Shred, eine Trainingsform, bei der fließenden Bewegungen des Yoga mit intensiven Cardio-Übungen kombiniert werden. „Es macht Yoga-Schüler superheldenstark und verleiht auch allen anderen mehr Beweglichkeit – ohne die Gelenke zu belasten.“ Um das Beste aus beiden Welten zu bekommen, reichen 20 Minuten täglich. Sadie Nardinis Yoga Shred kann online erlernt werden, und zwar über ihre Website fitfierceclub.com. Mit nachstehend angeführtem Code gibt es ein fünfwöchiges GratisEinführungstraining: FFCFREEMO

Sadies Yoga Shred in sechs Schritten „Der klassische Burpee kann die Gelenke belasten“, sagt Sadie. Hier siehst du, wie du das ändern kannst.

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1 Füße hüftbreit auseinander auf eine Matte stellen, mit den Händen auf zwei Yoga-Blöcken (besser für Handgelenke und Schultern!) abstützen. 2 Mit leicht gebeugten Knien in den Liegestütz gehen. Bauchmuskeln anheben, damit dein unterer Rücken nicht mehr zum Boden abfällt – so vermeidest du mögliche Verletzungen.

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3 Zurück in die Startposition, die Füße weiterhin hüftbreit auseinander lassen. Dadurch werden deine Knie weniger belastet, dein Schwerpunkt wird stabilisiert.

5 Die Fersen nach unten drücken, um deine Gesäßmuskulatur zu straffen, Ellbogen abwinkeln und die Fäuste in flottem Tempo zu deinen Hüften führen, dabei hochspringen.

4 Bauchmuskeln anspannen, zu einer leichten Kniebeuge aufrichten, Knie und Hüften leicht abwinkeln, Arme nach oben strecken.

6 Nach dem Sprung darauf achten, dass Knie und Hüften leicht abgewinkelt sind, um Druck auf deine Knie zu vermeiden. THE RED BULLETIN

JAMES ST. VINCENT

FLORIAN OBKIRCHER

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GUIDE Kalender

28 seit

8 Oktober MATTERHORN & GRAN PARADISO AN EINEM TAG Die brasilianische Ultrarunnerin Fernanda Maciel (Bild) hat im August ein beispielloses BergsteigerDouble in den Alpen geschafft. Diese Doku begleitet sie bei ihren Aufstiegen auf den italienischen Gran Paradiso (4061 Meter) und das Schweizer Matterhorn (4478 Meter) – beide Gipfel erklomm die Athletin an einem Tag. Es war auch eine Rückkehr an einen Ort, der für Maciel mit einschneidenden Erinnerungen verbunden war – im Vorjahr hatte die Brasilianerin am Matterhorn bei einem Unfall ihre Freundin und Mitbewohnerin verloren. redbull.com

seit

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Oktober FUSSBALL OHNE GRENZEN Fußball ganz anders, als wir ihn kennen: kein Teamsport mit klaren Regeln, sondern eine quicklebendige Mischung aus Sport, Kunst und Breakdance. Mittlerweile hat eine ganze Generation von Freestyle-Fußballern die Lust am Ball entdeckt und zeigt, was es heißt, übers Feld zu tanzen. Im Bild: die Französin Melody Donchet in der Doku „Pushing Progression – Red Bull Street Style“. redbull.com 98

Die besten B-Girls und B-Boys der Welt treten beim Red Bull BC One World Final in 1-vs-1Battles gegeneinander an. Aus Österreich mit dabei: Lil Zoo und Sina. Wer im Final-Duell im Hangar-7 den begehrten Titel erringt, könnt ihr per Livestream verfolgen; Beginn ist um 20 Uhr. Hangar-7, Salzburg; redbull.com/bcone

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November MIT TOP-SPEED INS FINALE Zum allerersten Mal startet die MotorradWeltmeisterschaft auf dem Kurs an der Algarve, zugleich ist der MotoGPGrand-Prix von Portugal das letzte Rennen der Saison. ServusTV überträgt die Qualifyings und das freie Training am Samstag sowie die Rennen aller Klassen am Sonntag live. Alle Informationen: servustv.com/motogp THE RED BULLETIN

MATHIS DUMAS/RED BULL CONTENT POOL, SAMO VIDIC/RED BULL CONTENT POOL, LITTLE SHAO/RED BULL CONTENT POOL

November DAS FINALE BATTLE


GUIDE Kalender

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seit

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bis 21. November START: FREESKI WORLD CUP

Oktober AUF DER JAGD NACH DEM YETI

HOLOGRAM MEDIA, MARKUS RIGA/FILM: CHASING THE YETI VON CLEVER BEARS PRODUCTIONS, MARK HUNTER/THE COBRASNAKE

Saisonstart für den FIS Freeski World Cup am Stubaier Gletscher! Die besten Athleten der Welt gehen in einem der besten Snowparks der Welt, dem DC Stubai Zoo, an den Start. Zum Weltcupauftakt werden Starter aus mehr als 20 Nationen erwartet. Wer bereits einen Blick auf die 500 Meter lange Strecke werfen will, kann das online tun – sie verspricht aufregende Sprünge. stubaiworldcup.com

Die Alp-Con Cinema Tour erzählt zum zehnten Mal spektakuläre Abenteuergeschichten auf großer Leinwand. Eine dieser Storys zeigt die Bike-Stars Darren Berrecloth, Cam McCaul und Casey Brown auf spektakulärer Yeti-Jagd im Himalaya (Bild). Mehr aufregende Geschichten aus der Welt von Bike, Mountain & Snow in vielen österreichischen Kinos. Das ganze Programm auf: alp-con.net

seit

21 23

November ABHEBEN AM GLETSCHER Seit 2013 bieten die Prime Park Sessions Snowboard- und FreeskiAthleten eine erstklassige Trainingsmöglichkeit, u. a. mit einem privaten Snowpark am Stubaier Gletscher, ganz auf Big-Air- und SlopestyleFahrer zugeschnitten. Zwei siebentägige Sessions gibt es heuer noch. Alle Informationen: primeparksessions.com

THE RED BULLETIN

Oktober IM GESPRÄCH MIT CHARLI XCX Die Sängerin, Songwriterin und Produzentin Charli XCX gilt mittlerweile nicht nur Insidern als Pop-Sensation. Dem Journalisten Wilbert L. Cooper gab die 28-jährige Britin noch vor dem Lockdown eines ihrer seltenen Interviews. Aufgenommen wurde das interessante, aufschlussreiche Gespräch im Hammer Museum in Los Angeles vor Livepublikum – ganz gemäß dem Titel ihres jüngsten, in diesem Jahr erschienenen Albums „How I’m Feeling Now“. redbull.com 99


GUIDE Uhren

Faktor Zeit Uhren für Astronauten, Taucher und Seefahrer. Und eine, die uns sogar unter die Haut geht. Zwölf neue Modelle zum Staunen und Freuen. Text WOLFGANG WIESER, DAVID MAYER

ZUM ABHEBEN Elemente wie die großformatige Krone, der Höhenring oder die Typographie sind aus der Welt der Pionierluftfahrt entlehnt.

ENTDECKERGEIST

Die Fliegerin Longines Spirit Wer weit kommen will, braucht Technik, auf die man sich verlassen kann. Das wussten bereits Flugpioniere wie Amelia Earhart, Howard Hughes oder Elinor Smith und trugen im Cockpit deswegen Uhren von Longines. Ihnen zu Ehren hat der Hersteller nun die Kollektion Spirit vorgestellt – hier in der Ausführung als Chronograph abgebildet. 2827 Euro; longines.com


GUIDE Uhren

INTERESSANTE FARBKOMBINATION Ungewöhnlich ist die Dreier-Kombi auf dem Zifferblatt dieses Garmin-Modells.

ZEIT-SPEICHER DIE ANSPRUCHSVOLLE TAG HEUER CARRERA ELEGANT 1963 kam eine Uhr auf den Markt, die Liebhabern der gehobenen Zeitmessung bis heute in Erinnerung ist. Deshalb belebt TAG Heuer nun jene Uhr, die alles widerspiegelt, was den damaligen CEO Jack Heuer so begeisterte: absolute Präzision, hohe Funktionalität, perfektes Design. 5050 Euro; tagheuer.com

DIE MARKANTE

Die Surferin Garmin Instinct Solar Surf Wie schnell bin ich unterwegs? Wie lange dauerte der längste Ritt? Wie viel Zeit habe ich im Wasser verbracht? Auf diese Fragen weiß diese eigens für Surfer entwickelte Uhr Antworten. Eine Solarladelinse verlängert die Akkulaufzeit, die Herzfrequenzmessung funktioniert unter Wasser. 438,65 Euro; garmin.com

TISSOT HERITAGE 1973

DIE ERSTE

DIE GETARNTE

CITIZEN PROMASTER ECO-DRIVE

VICTORINOX I.N.O.X. CARBON LE

Für die Heritage 1973 haben sich die Tissot-Designer von einem Modell aus dem hauseigenen Archiv inspirieren lassen: Der Navigator Chronograph aus dem Jahr 1973 stand für die Verbundenheit mit dem Motorsport, inklusive seines markanten Armbands (das 1965 von Tissot entwickelt wurde). 2000 Euro; tissotwatches.com

Eine Premiere: Dies ist die weltweit erste Tauchuhr mit GPS-Funktion. Und das heißt: Egal wo auf der Welt du dich aufhältst, deine Citizen zeigt dir immer die richtige Zeit. Betrieben wird das Kaliber F158 per Sonnenlicht, voll aufgeladen läuft sie auch ohne Licht sieben Jahre. 995 Euro; citizenwatch.com

Gut getarnt: Tagsüber zeigt das Zifferblatt der I.N.O.X. Carbon Limited Edition das ikonische rote Logo mit Kreuz und Schild auf Camouflage-Hintergrund. Wird es aber dunkel, erwacht das Muster zum Leben, und das Zifferblatt beginnt zu leuchten. Super LumiNova macht es möglich. 1100 Euro; victorinox.com

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GUIDE Uhren

LIMITIERT

Die Visionäre Seiko Astron GPS Solar Ein tiefschwarzes Titangehäuse, goldene Zeiger und ein zur Gänze überarbeitetes GPS-Modul. Diese auf 2500 Stück limitierte Seiko ist eine visionäre Uhr, ganz im Sinne von Firmengründer Kintaro Hattori (1860–1934). Dessen Motto: „Den anderen immer einen Schritt voraus.“ Zum 160. Geburtstag gedenkt Seiko seines Gründers mit dieser besonderen Uhr. 3999 Euro; seikowatches.com

DIE TRAINERIN CASIO G-SHOCK GBD-H1000 Diese Uhr geht unter die Haut. Dank eines speziellen optischen Senders erkennt sie den Blutfluss und bestimmt so die Herzfrequenz. Außerdem misst sie Höhenmeter, Luftdruck und Temperatur. Eine Auswertung per App macht diese Casio G-Shock zur idealen Trainerin. 399 Euro; casio-europe.com

DER SEEFAHRER

DER KOSMONAUT

DER TAUCHER

RADO CAPTAIN COOK

RAKETA BAIKONUR

CERTINA DS SUPER PH500M

Wieder aufgetaucht: 58 Jahre nach ihrem Stapellauf ist die Captain Cook zurück – in einer 42 Millimeter großen AutomaticVersion. Sie verfügt über eine Wasserdichtigkeit von 30 bar. Damit sind auch Tauchgänge möglich – würdig einer Uhr, die nach einem großen Seefahrer und Entdecker benannt ist. 2056 Euro; rado.com

Der Mann war insgesamt 803 Tage im All – mehr als jeder andere Mensch. Deshalb weiß Kosmonaut Sergei Krikaljow, 62, was eine All-Uhr braucht: nämlich Zuverlässigkeit und ein 24-Stunden-Zifferblatt (um Tag und Nacht unterscheiden zu können). Für uns Erdlinge: einfach ein cooler Look. 1200 Euro; raketa.com

1969 ging der Vorläufer dieser Uhr auf eine besondere Reise. Die Certina begleitete das Experiment Tektite, bei dem vier Forscher zwei Monate lang in Wohntanks unter Wasser lebten. Die Wissenschaftler schwärmten, Taucher lieben sie bis heute (Wasserdichtigkeit: bis 50 bar). 872 Euro; certina.com

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GUIDE Uhren

UNSICHTBAR, ABER WIRKUNGSVOLL In dieser Aquis Date steckt ein neu entwickeltes, revolutionäres Werk.

NEU GEDACHT

Die Starke Oris Aquis Date Calibre 400 Für dieses Oris-Modell hat das Entwicklerteam um Beat Fischli Altbekanntes einfach über Bord geworfen. Das revolutionäre Automatikwerk Calibre 400 verfügt über eine Gangreserve von fünf Tagen, zehn Jahre Garantie und extrem hohen Schutz vor dem Uhrenkiller Magnetismus – allein um die Aquis Date davor zu bewahren, wurden 30 Komponenten neu entwickelt. 3000 Euro; oris.ch


IMPRESSUM

THE RED BULLETIN WELTWEIT

Aktuell erscheint The Red Bulletin in sechs Ländern. Auf dem Cover unserer Frankreich-Ausgabe gibt uns BMX-Profi Matthias Dandois eine Probe seines Balancegefühls. Mehr Geschichten abseits des Alltäglichen findest du auf: redbulletin.com

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Chefredakteur Alexander Müller-Macheck Stv. Chefredakteur Andreas Rottenschlager Creative Director Erik Turek Art Directors Kasimir Reimann (stv. CD), Miles English, Tara Thompson Head of Photography Eva Kerschbaum Deputy Head of Photography Marion Batty Photo Director Rudi Übelhör Textchefs Jakob Hübner, Andreas Wollinger Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Grafik Marion Bernert-Thomann, Martina de Carvalho-Hutter, Kevin Goll, Carita Najewitz Fotoredaktion Susie Forman, Ellen Haas, Tahira Mirza Herausgeber & Geschäftsführer Andreas Kornhofer Managing Director Stefan Ebner Head of Media Sales & Partnerships Lukas Scharmbacher Publishing Management Sara Varming (Ltg.), Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Melissa Stutz B2B-Marketing & -Kommunikation Katrin Sigl (Ltg.), Alexandra Ita, Teresa Kronreif, Stefan Portenkirchner Executive Creative Director Markus Kietreiber Co-Publishing Susanne Degn-Pfleger (Ltg.), Elisabeth Staber (Ltg.), Mathias Blaha, Raffael Fritz, Thomas Hammerschmied, Valentina Pierer, Mariella Reithoffer, Verena Schörkhuber, Sara Wonka, Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart Commercial Design Peter Knehtl (Ltg.), Simone Fischer, Martina Maier, Alexandra Schendl, Julia Schinzel, Florian Solly Anzeigenservice Manuela Brandstätter, Monika Spitaler Herstellung Veronika Felder Produktion Friedrich Indich, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailović, Sandra Maiko Krutz, Josef Mühlbacher MIT Christoph Kocsisek, Michael Thaler Operations Melanie Grasserbauer, Alexander Peham, Yvonne Tremmel Assistant to General Management Patricia Höreth Abo & Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Nicole Glaser (Vertrieb), Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar (Abo) Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Dietmar Otti, Christopher Reindl, Marcus Weber

THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838 Länderredaktion Christian Eberle-Abasolo Lektorat Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy KirnbauerWalek, Belinda Mautner, Klaus Peham, Vera Pink Publishing Management Bernhard Schmied Media Sales & Partnerships Thomas Hutterer, Alfred Vrej Minassian, Stefanie Krallinger, Franz Fellner, Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher, Jennifer Sabejew, Thomas Gubier, Johannes Wahrmann-Schär, Ellen Wittmann-Sochor, Sabine Zölß; Kristina Krizmanic (Team Assistant) anzeigen@at.redbulletin.com Sales Operations & Development Anna Schönauer (Ltg.), David Mühlbacher Abo Abopreis: 25,90 EUR, 12 Ausgaben/ Jahr, getredbulletin.com, abo@redbulletin.at Druck Quad/Graphics Europe Sp. z o.o., Pułtuska 120, 07-200 Wyszków, Polen Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz Informationen zum Medieninhaber sind ständig und unmittelbar unter folgender Web-Adresse auffindbar: redbull.com/im/de_AT Redaktionsadresse Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com

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THE RED BULLETIN


NICOLAS MAHLER

N IC OL AS M A H L ERS SPI T Z F ED ERL ICH ES CH A R A K T ER-K A BIN E T T

Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 10. Dezember 2020.

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