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The Red Bulletin Dezember 2012 DE

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Bernd Brückler / Martin Freeman / The Bots / Daniel Bodin / Grete Eliassen / America’s Cup / Terry Richardson

DAS MAGAZIN ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

DEZEMBER 2012

S I ZARR

Deutscher Indie-Pop: Ein Senkrechtstart Richtung Weltklasse

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SANDRO CORTESE raste auf zwei Rädern zum WM-Titel SANNA LÜDI kämpft im Skicross wie ein Renntier


DORT KRIEGT MAN GARANTIERT NOCH EINE. DENN WWW.URLAUBURLAUB.AT IST DIE INTERNETSUCHMASCHINE, DIE WIRKLICH JEDES FREIE BETT IN ÖSTERREICH FINDET. VON DER FAMILIENPENSION BIS ZUR NOBELHERBERGE.


DIE WELT VON RED BULL

Dezember 64

COVERBILD: LUKAS GANSTERER. BILDER: TERRY RICHARDSON, REUTERS, JUERGEN SKARWAN. ILLUSTRATION: ALLBERT EXERGIAN

HAPPY NEW YEAR! Unsere Action-Stars schauen ins nächste Jahr, fotografiert von Terry Richardson.

ZUCKERBROT UND PEITSCHE Moto3-Champ Sandro Cortese über das „gewisse Arsch-Feeling“.

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WILLKOMMEN!

„Also, wir hören uns“, sagten die Jungs von Sizarr am Ende des Interviews mit dem Red Bulletin, und da steckte einiges mehr drin als bloß dahingesagt. Denn die drei Indie-Rocker aus Landau in der Pfalz werden gerade Richtung Weltkarriere gespült. „Wir haben nichts anders gemacht als tausende anderer Schülerbands da draußen“, sagen Philipp Hülsenbeck (20), Fabian Altstötter (20) und Marc Übel (19), aufrichtig frei von jeder Koketterie. Ihre fantastische Geschichte erzählen sie ab Seite 58. Bevor Sie sich das Interview reinziehen: YouTube, Suchbegriff „sizarr, boarding time“, die erste Single des Debüt-Albums der drei. Und weil Sie fragen: Die große, dunkle Stimme kommt von Fabian, das ist der kleine Blonde. Beste Unterhaltung mit diesem Heft, und schon jetzt ein gutes Jahr 2013. Die Redaktion

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BENZIN-BRÜDER Die Schauspieler Tobias Moretti und Gregor Bloéb mit Motorrädern auf der historischen Strecke nach Dakar.

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DIESES BOOT IST EINE WAFFE … sagen Insider über das neue Einheitsklassen-Schiff des America’s Cup: Die AC72 unter der Experten-Lupe.


DIE WELT VON RED BULL

Dezember ICH BIN EIN RENN-TIER! Skicross-Queen Sanna Lüdi über ihren sechsten Sinn.

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MITTELERDLING Ein Leben wie im Zeichentrickfilm: die Welt des Martin „Bilbo Beutlin“ Freeman.

Red Bulletin

Tablet App Der America’sCup-Racer, Gregor Schlierenzauer, Daniel Bodin, Sizarr und Grete Eliassen in Action auf Video. Gratis für Android & iPad

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WO DIE MUSEN WOHNEN Atemberaubende Architektur, unglaubliche Locations, inspirierende Sammlungen: die zehn spannendsten Museen der Welt.

08 Fotos des Monats 14 Kurz gemeldet: Gangnam-Style, Galerie 12Mail, Paris, und Kylie Minogue 20 Einst & jetzt: Ski-Unterwäsche 26 Angewandte Physik: warum Eissegler so schnell sind

BILDER: DAN CERMAK, GEPA PICTURES, BRIAN NEVINS/RED BULL CONTENT POOL, CORBIS

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MENSCHLICHE ZIELSCHEIBE So schützt sich Red-Bulls-Goalie Bernd Brückler vor 170-km/h-Pucks.


DIE WELT VON RED BULL

Dezember ” Rippenbrüche

sind harmlos – solange du nicht niesen musst. “ Daniel Bodin

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MEIN KÖRPER UND ICH Body-Talk mit Daniel Bodin, X-Games-Champ und Meister im Überleben heftiger Unfälle mit Motorschlitten und -rädern.

84 FIT FÜR SOTSCHI

Schnee, Trampolin und Folterkammer – der ProfiTrainingsplan: wie sich Freeskierin Grete Eliassen für ihren Sprung aufs Podest vorbereitet.

80 TAUSEND UND EIN ABENTEUERTRIP

Pistenspaß, Himmelssprung und Dünenritt in Dubai: teilweise unvermutete Adventure-Angebote in der Aufprallfläche von Tradition und Größenwahn.

BILDER: DANIEL BLOM/RED BULL CONTENT POOL, REX FEATURES, OMAR ALHEGELAN, LUKAS GANSTERER

more

Body & Mind 80 TRAVEL

93 KAINRATH

82 GET THE GEAR

96 TV-PROGRAMM

90 TOP-EVENTS

98 KOLUMNE

Abenteuer in Dubai Eishockey-Goalie Bernd Brückler

Wo es im Dezember trotz Kälte heiß ist

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PLÖTZLICH PROFI, NEXT STOP: WELTKLASSE

Wie sich eine Schülerband aus dem Städtchen Landau in der Pfalz in die Oberliga des Musikbusiness katapultierte. Sizarr, ein Interview über Exhibitionismus, den Sinn von Platten und wie man zu Kohle kommt.

Events des Monats Das Red Bull TVFenster bei ServusTV Lebenshilfe mit Christian Ankowitsch

92 SAVE THE DATE 98 IMPRESSUM Die wichtigsten Termine in Deutschland

86 NIGHTLIFE

Out Now: Led Zeppelin/Eislaufen in NYC/Club: Propaganda in Moskau/Cocktail: Slow Dancer/ Take 3: Passion Pit/Night Snack: Falafel in Beirut


BLACK

EDITION

KAMERA SPEZIFIKATIONEN 1080p60 / 960p100 / 720p120 fps 4Kp15 / 2.7Kp30 / 1440p48 fps 12MP / 30 fps Foto Burst Integriertes Wi-Fi Inklusive Wi-Fi Remote Kompatibel mit der GoPro App Auch erhältlich in White und Silver Editions.

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ATHLÈT: MIKE BASICH | AUFGENOMMEN VON: MIKE BASICH


Mt. Marc u s Bake r , Al a s k a

Tunnelblick

Durch einen Eistunnel am Thompson Pass fliegt der Deutsche Sebastian Bubmann im Rahmen eines Weltrekordversuchs der neuen Art: den 4016 Meter hohen Mount Marcus Baker in Alaska mit einer Kombination aus Snowkiten und Speedflying zu erklimmen. Diesmal wurden die acht Jungs vom Wetter in die Knie gezwungen, sie arbeiten aber schon am n채chsten Anlauf. Mehr zur Expedition: www.ataraxia2012.com Bild: Mammut/Nicolas Chibas

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DES MONATS


K an dal ak s c ha , Ru s s l an d

Kneipp extrem Minus zwei Grad Celsius ist das Wasser frisch (ja, das geht, Stichwort Salzgehalt), in dem dieser Taucher nach Leben unter der Eisdecke in der KandalakschaBucht sucht. Dieses ist hier im Weißen Meer rar (vor allem Weißwale und Weichkorallen); Naturschützer warnen daher umso nachdrücklicher vor den Aus­ wirkungen der Pipelines und Bohrinseln, die mit dem Abschmelzen der Polkappen in diese Region einziehen. Bild: Franco Banfi/Getty Images

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DES MONATS


Romsdalen, Norwegen

Zapfenstreich Hier geht’s üblicherweise runter, kopfüber, im freien Fall: Die Fjorde Norwegens gelten als BASE-JumperParadies – im Sommer. Was bis jetzt kaum einer weiß: Im Winter verwandeln sie sich in gigantische Eisklettergärten. Einer der Pioniere dieser Region ist der Süd­ tiroler Kurt Astner, der sich auf unserem Bild gewaltige Eiszapfen hinaufkämpft, die gerne auch mal abbrechen und in die Tiefe stürzen. www.kurtastner.com Bild: Thomas Senf

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DES MONATS


SMOLEJ & FRIENDS, WIEN

Deutsche Eishockey Stars machen die Welle:

Die DEL in der LAOLA1 Hockey Night! * www.laola1.tv

* LAOLA1 Hockey Night LIVE – Freitags, 19.25 Uhr auf www.laola1.tv Servus Hockey Night LIVE – Sonntags, 17.25 Uhr bei ServusTV Servus Hockey Night KOMPAKT – Freitags, 23.15 bei ServusTV LAOLA1 VIDEOCENTER – Highlights aller Spiele auf www.laola1.tv


Bullevard Beflügelndes in kleinen Dosen

Korea-Style Das verrückte Video mit dem Pferdetanz von Rapper Psy ist erst der Beginn einer koreanischen Pop-Offensive: K-Pop erobert das Internet. Hier die vier heißesten K-Stars im Windschatten des „Gangnam Style“.

HYUNA Psys „Gangnam Style“-Tanzpartnerin ist in Asien bereits selber ein Superstar. Und nimmt mit ihrer neuen, knallbunten HipHop-Single „Ice Cream“ Kurs auf die westlichen Charts.

EISKANAL IM WOHNZIMMER

Jetzt am Start: Red Bull Crashed Ice als Videogame-Action.

SHINEE In Südkorea hat diese fünfköpfige Band ihre eigene Fernsehshow. Und der Rest der Welt zieht nach: Das London-Konzert von Shinee im November 2011 war innerhalb von Minuten ausverkauft.

Eine spiegelglatt vereiste Downhillstrecke, vier Starter im gnadenlosen Infight um den Sieg: „Red Bull Crashed Ice Kinect“ bringt Wintersport-Atmosphäre der unheimeligsten Art in die eigenen vier Wände. Mit Hilfe der Bewegungssteuerung Kinect (Xbox 360) stürzen sich bis zu vier Spieler vor dem Schirm als Red

Bull Crashed Ice-Racer den Eiskanal hinunter, Gedränge, Sprünge, Stürze inklusive. Features: Split Screen, fünf originalgetreu ins digitalisierte Wohnzimmer übertragene Red Bull Crashed Ice-Strecken sowie (über Xbox LIVE) der direkte Vergleich mit anderen Cracks in aller Welt. www.redbull.com/gaming

BILDER DES MONATS

MOMENT MAL!

2NE1 Will.i.am (Black Eyed Peas) arbeitet am neuen ElectroPop-Album der Girls Group. Der Star-Produzent will dem Quartett zum Durchbruch in den USA verhelfen.

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Szenen aus dem abenteuerlichen Alltag unserer Leser. Einfach per Mail an: phototicker@redbulletin.com Unter den Einsendern der veröffentlichten Fotos wird eine Trinkflasche des Schweizer Herstellers SIGG im speziellen Red Bulletin-Design verlost.

Yeongam Mark Webber (li.) und Sebastian Vettel beweisen bei „Gangnam Style“ mit Rapper Psy beachtliches Tanztalent. Mark Thompson


Innovativ Die Sieger des James Dyson Award 2012:

SAFETYNET Fischernetze mit Schlupflöchern für Jungfische, um diese vor Tötung und anschließender Aussortierung zu bewahren.

Kunst & bündig

Vor drei Jahren wurde im Herzen von Paris eine kleine Galerie mit einem ebenso einfachen wie mutigen Konzept eröffnet: 12Mail konzentrierte sich von Anfang an auf Kunst abseits des Mainstreams oder von jungen, noch unbekannten Talenten. Das Konzept griff: Nach bislang 16 Ausstellungen und tausenden Besuchern hat sich 12Mail als zentraler Kunsttreff der Stadt etabliert, dem Paris etwa die Kenntnis der Arbeit von Sophie Bramly verdankt, die als eine der ersten Fotografinnen New Yorks Hip-Hop-Anfänge dokumentierte. Oder von Comic-Genie Charles Burns. Ein weiteres Highlight: die Ausstellung des französischen Kult-Musiklabels Born Bad, in dessen Zentrum ein prächtig designtes Siebziger-Jahre-Motorrad stand, in das sich bei der Vernissage selbst Jarvis Cocker von der britischen Band Pulp verliebte. Den dritten Geburtstag feiert 12Mail nun mit einer aufwendig gestalteten Rückschau in Buchform.

12 Mail a Red Bull Space | 2009-2013

BILDER: GETTY IMAGES (2), PICTUREDESK.COM, RED BULL CRASHED ICE, JASON NOCITO, JAMES DYSON AWARD (3), EMI MUSIC (2)

Auch US-Fotokünstler Jason Nocito (oben) stellte in der Pariser Galerie 12Mail aus.

Alle Infos zum Jubiläums-Buch gibt’s auf: www.12mail.fr 22/10/12 20:02:16

REVIVAL VEST Die Weste registriert Hypoxien (Sauerstoff-Mangelversorgung des Körpers), bläst sich bei Blackouts auf und bringt den Taucher an die Wasseroberfläche.

THE BETH PROJECT Die günstigen künstlichen Gliedmaßen sind weich, schmerzfrei zu tragen und passen sich selbständig dem Körper an.

ZWEIMAL KYLIE Pop-Prinzessin Kylie Minogue gibt’s nicht mehr, es lebe Pop-Königin Kylie! Auf dem Weg zum Thron begegnet sie Drama und Avantgarde. Als Darstellerin in Seifenopern und Popsternchen feierte sie vor 25 Jahren erste Erfolge. Mittlerweile 44-jährig, zeigt Kylie Minogue sich nun von ungewohnter Seite: Ihr neues Live-Album nahm sie mit Orchester in den legendären Abbey Road Studios auf, im neuen Film des französischen AvantgardeRegisseurs Leos Carax spielt sie eine Hauptrolle. Ein Orchester-Album also. Warum denn das? Es war ein lang gehegter Traum von mir. Und es ergibt Sinn. Denn Songs wie „I Should Be So Lucky“ sind tieftraurig. Nur überhört man das durch den poppigen „Schafspelz“. Das neue Arrangement wird

der textlichen Grundstimmung gerecht. Und ich bin stolz darauf, im gleichen Studio wie die Beatles gearbeitet zu haben. Kehren Sie der Disco den Rücken? Keine Sorge, ich arbeite schon am nächsten Dance-Album. Demnächst sieht man Sie auch wieder auf der Kinoleinwand, hört man? Ich spielte in den letzten Jahren in einigen der schlechtesten Filme aller Zeiten. Fast hätte ich die Schauspielerei an den Nagel gehängt, dann kam der Anruf von Leos. Er ist ein Visionär, ein Poet. Meine Rolle in „Holy Motors“ war eine Herausforderung, sie hat meine Lust auf Film neu geweckt. „The Abbey Road Sessions“ ist bereits erschienen; www.kylie.com

Kylie Minogue, orchestral begleitet, an einem prominenten Ort

DAS GEWINNERBILD

Amman Eine jordanische Nacht: Red Bull Car Park Drift brachte Drift-Faszination in den Nahen Osten. Naim Chidiac

Mumbai Aluminium statt Carbon? Egal. Formel-1-Boliden verlangen Präzisionsarbeit, unabhängig von Material und Dimension. Wanda Hendricks

Castleton

Nur 40 der 250 Teilnehmer sahen beim 34 km langen „Ausscheidungslauf“ des Red Bull Steeplechase das Ziel. Rutger Pauw

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b u l l e va r d

„Geschenke gibt’s erst am 6. Januar“ Windsurf-King Philip Köster übers Jahr seiner zweiten WM-Krönung. red bulletin: Wie war 2012 aus der Sicht von Philip Köster? philip köster: Perfekt und sorgenfrei. Mein persönliches Highlight war der vorletzte Weltcupbewerb in Klitmøller, Däne­ mark, nach dem feststand, dass ich PWAWave-Weltmeister bin. Das war dein zweiter WM-Titel in Serie – mit achtzehn. Spürst du manchmal so was wie Erfolgs-Übersättigung? Nee, auch große Siege vergisst man bald. Was ist deine Lieblingsbeschäftigung, wenn du nicht gerade im Wasser bist? Im Moment Autofahren. Ich habe jetzt

Tanvald, Tschechien: Marc Swoboda auf ­seinem Board

Der perfekte Tag

Jedes Jahr werden Snowboard-Movies produziert, in denen Weltklasse-Rider das zeigen, was sie am besten können: Sprünge über meterhohe Kicker, hals­ brecherische Tricks oder High-Speed-Abfahrten im Tiefschnee. Nitro Snowboards wählte bei der Produktion von „Hyped!“ eine andere Herangehensweise und ließ die Kameras auch nach den abgedrehten Actionszenen weiterlaufen. „Wir wollten vor allem das Lebensgefühl beim Snowboarden zeigen, weniger, wie schwierig der Sport sein kann. Es geht um den perfekten Tag“, erklärt der schwedische Regisseur Per-Hampus Stålhandske. Das Resultat: Szenegrößen wie Eero Ettala, Bryan Fox, Nils Arvidsson, Marc Swoboda oder Markus Keller wirken wie glückliche Lausbuben auf Klassenfahrt, die gerne Grimassen schneiden und für jeden Blödsinn zu haben sind. Veredelt wird der Streifen durch wilde ShredSessions in Alaska, Norwegen, Österreich – und China. „Ein Highlight waren unsere Ausflüge in diverse chinesische Clubs. Vor allem wegen des Reisweins“, erinnert sich Stålhandske. Auch die Stars des Films werden nostalgisch, wenn sie an die Produktionszeit zurückdenken. Der norwegische Rider Knut Eliassen: „Ich würde alles dafür ­geben, das jedes Jahr machen zu dürfen. Die Tricks, die Slams, die Streiche, die Reisen – dieses Projekt vereint sämtliche Gründe, warum ich Snowboarder bin.“

Philip Köster: schon wieder Weltmeister!

e­ inen Führerschein und darf meinen VW T5 und meinen Beetle endlich selber fahren. In den Weihnachtsferien habe ich dann auch genügend Zeit dafür. Wie verbringst du Weihnachten? Mit der Familie auf Gran Canaria, beim Windsurfen, Stand-Up-Paddeln, Biken. Wünsche an das Christkind? Auf Gran Canaria bringen die Heiligen Drei Könige am 6. Januar die Geschenke. Da ist noch Zeit, um mir was zu überlegen.

„Hyped!“ ist als Gratis-Stream sowie in ausgewählten Shops als Limited-Edition-DVD erhältlich. Weitere Infos: www.nitro.de

www.philip-koester.de

Kemer

Mensch und Maschine im Kampf gegen die Elemente beim Extrem-Enduro Red Bull Sea To Sky. Łukasz Nazdraczew

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Santiago

Red Bull Batalla des los Gallos: 900 Ohrenzeugen bei hahnharten Wortgefechten im Chocolate Club. Alfred Jürgen

Kapstadt

Südafrikas Red Bull Street Style Hero Chris Njokwana scheint mit dem Ball regelrecht verwachsen. Craig Kolesky

bilder: tibor boz, hyped movie, eigner/red bull content pool

„Hyped!“ ist einer der besten Snowboard-Filme des Jahres. Auch deshalb, weil die Kamera weiterläuft, wenn die Action-Szenen vorbei sind.


/bluetomato


B U L L E VA R D

MEINE WELT

MARTIN FREEMAN

Bisher war er nur der zweitbekannteste Schauspieler dieses Nachnamens. Aber die Hauptrolle in „Der Hobbit“, dem ebenfalls dreiteiligen „Herr der Ringe“-Prequel, wird sein Gesicht zu einem der meistgesehenen der (Mittel-)Erde machen. Was muss man über Martin Freeman wissen?

WORK-LIFE-B ALANC E

Mit der Rolle des Tim Canterbury in der Serie „The Office“ gelingt Freeman 2001 der Durchbruch. Immer noch rufen ihm Leute auf offener Straße „Tim! Tim!“ nach und zitieren legendäre Sätze aus der Serie. Das könnte sich nach „Der Hobbit“ ändern. Wenngleich „Oi, Bilbo!“ nicht zwingend nach einer Verbesserung klingt.

NU R DI E LIE BE ZÄHLT

Nachdem den Irrungen und Wirrungen Tim Caterburys in „The Office“ erweitert Freeman seinen Horizont 2003 mit dem Kinohit „Tatsächlich … Liebe“. Im gespielt lungensten Teil des Films set mit Film am sich der n, Joh er gin Judy seiner Nackt-Double-Kolle m Date bei r abe ält, erh unt s ten bes – keiet leid bek – nach der Arbeit gt. brin aus her Ton nen

VOR SEINER ZEIT

Auch als 1971 Geborener ist Freeman in Wahrheit ein Kind der Sechziger. Er liebt den Mod-Stil und „war schon als Teenager ein totaler Motown-Fan“, sagt er in Detroit, der spirituellen Heimat der Plattenfirma. Dort dreht er 2009 eine BBC-Dokumentation. Freeman: „Motown-Musik bringt dich zum Lachen, Weinen, Singen und Tanzen.“

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SC HR ÄG ER DR

EIE R Die Rolle des Bilbo Beutlin schließt Freemans persönliche Trilogie der (Ne rd)kulturlegenden ab. Den Anfang machte Arthur Dent in der Verfilmung von „Per Anhalter durch die Galaxis“, es folgte Watson in der TV-Serie „Sh erlock“. „Ein bisschen komisch ist diese DreierKombi schon“, sagt er. NIC HT SO LUSTIG

Zwischen dem „Anhalter“ und dem 2010 begonnenen „Sherlock“ hatte Freeman einen Lauf von, äh, nicht ganz so brillanten Filmen: „Dedication“, „The Good Night“ oder „Das Chaos – Gar nicht allein zu Haus“. Noch schlimmer war aber „Swinging with the Finkels – Langweilig war gestern!“ – null Prozent auf www. rottentomatoes.com.

HO BBIT-N ETT

Laut „Hobbit“-Regisseur Peter Jackson ist Freeman „auch im echten Leben ziemlich hobbithaft“. Womit er nicht andeuten will, dass sein Star unter der Erde wohnt, sondern ein häuslicher Mensch ist. Freeman genießt die Freizeit mit seiner Freundin und seinen beiden Kindern und sagte einmal, ein perfekter Tag bestehe aus einer Reise ans Meer, einem Besuch im Plattenlad en und einem DVD-Abend daheim. Nett!

ZEI CHE NTR ICK

“ eröffnet „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise Art seit, ihrer te größ die eine Trilogie, und zwar t in erneu e wurd mt Gefil “. Ringe der Herr na klar, „Der März von Sets 99 und Neuseeland, an 266 Drehtagen die Dreharbeiten: 2011 bis Juli 2012. Freeman sagt über Comicroman.“ ein wie an „Manchmal fühlten sie sich „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ läuft ab 13. Dezember; www.hobbit-filme.de

TEXT: PAUL WILSON. ILLUSTRATION: LIE-INS AND TIGERS

ER STER AK T

Der zukünftige Pin -up-Boy des Auenlan des wird am 8. Septe mber 1971 geboren . Jugendtheater, Scha uspielschule, dana ch Gelegenheitsschau spieler. Und das, wa s jeder Gelegenheits schauspieler in England durchmachen muss: eine Rolle in der Endlos-Ärztese rie „Casualty“.


B U L L E VA R D

EINST UND JETZT

SkiUnterwäsche Aus Seide wurde Kunstfaser, und wenn die modernen Varianten Druck ausüben, dann aus gutem Grund.

FUNKTION

Die Einteilerform mit „Halskrause“ und einem etwas verdeckten Reißverschluss war praktischer als die damals bekannte Unterwäsche: Die Skispringer trugen quasi unter dem Sprunganzug einen zweiten Anzug, störende Falten wurden elegant vermieden.

SPANNUNG

Die Unterwäsche baute trotz ihres funktionellen Schnitts Spannung auf. Für nicht so gelenkige Skispringer – Hubert Neuper: „Ich war ein steifer Hund“ – ein Problem: Sie trugen die Unterwäsche deshalb nur, wenn’s wirklich kalt war.

SEIDE

Dieses Material isoliert gut, ist geschmeidig, hautfreundlich und hat noch weitere Vorteile: Es nimmt kaum Körpergeruch auf und kann sehr dünn verarbeitet werden. Seide generiert somit bei geringstem Materialaufwand schon ein erstklassiges Mikroklima.

1979 MÄSER EINTEILER „Ich erinnere mich noch, wie wir diese Unterwäsche bekommen haben“, sagt Ex-SkisprungAss Hubert Neuper. „Sie war von Funktion und Schnitt her ein großer Fortschritt, leicht und dünn und hielt die Kälte sehr gut ab. Sie baute jedoch zusätzliche Spannung auf, was mich ein wenig hinderte, in die perfekte Anlaufhocke zu kommen. Also trug ich sie nur bei extremen Temperaturen, etwa bei den Olympischen Spielen 1980 in Lake Placid.“

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Hubert Neuper: Der Österreicher gewann 1980 mit dieser Skiunterwäsche olympisches Silber. maeser-austria.com


VERNÄHT

Um die Nähte und Einsätze gezielt zu positionieren, wurden hunderte Spitzensportler mittels 3-D-BodyScan in Bewegung vermessen. Das Größensystem berücksichtigt auch Faktoren wie Geschlecht, Alter und Körperfettanteil.

KLIMAANLAGE

UNTER DRUCK

Die Hohlfasern der Nylon/Spandex-Gewebemischung sorgen für hervorragendes Temperaturmanagement, guten Feuchtigkeitstransport sowie Elastizität und Dehnbarkeit bei maximaler Bewegungsfreiheit.

TEXT: ULRICH CORAZZA. BILDER: KURT KEINRATH, PICTUREDESK.COM, MARTIN LUGGER/RED BULL CONTENT POOL

Die „dynamisch-gradiente Kompression“ – Druck nimmt in Richtung der Hand- und Fußgelenke stetig ab – beschleunigt die Blutzirkulation. Mehr Sauerstoff für die Muskeln steigert Kraft und Ausdauer.

2012 SKINS S400 THERMAL COMPRESSION SUIT Seit vier Jahren vertraut Olympiasieger Thomas Morgenstern auf die Kompressionsanzüge des australischen Produzenten. „Früher trugen wir nur ein dünnes Rollkragen-Shirt … wenig komfortabel. Diese eng anliegende Unterwäsche harmoniert perfekt mit dem Sprunganzug und bietet zudem genügend Platz hin zur Außenhülle. Dass sich zwischen den beiden Schichten so die Luft anstauen kann, ist für uns Skispringer von großem Nutzen.“

Skispringer Thomas Morgenstern und seine Teamkollegen waren an der Skins-Entwicklung beteiligt. www.skins.net

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b u l l e va r d

Hero

Sandro Cortese

Mit dreieinhalb Jahren fuhr er die ersten Motorradrennen. Mit 22 ist der Deutsche nun Weltmeister in der Klasse Moto3.

„Du brauchst das gewisse ‚Arsch-Feeling‘, sonst bist du als Rennfahrer zu langsam.“ Bei mir hat es einen Punkt gegeben, 2011, als ich mit Jürgen Lingg einen ruhigen Chefmechaniker hatte, eine Person, die so ehrlich zu mir war … Dadurch habe ich mich automatisch selber geändert. Da habe ich gesagt: Jetzt lüge ich nimmer. Ich 22

Moto3-Weltmeister Sandro Cortese: War in ­jedem Rennen der ­Saison 2012 in den Punkterängen.

habe dem Team das Vertrauen geschenkt, das man mir entgegengebracht hat. 2012 beim GP von Japan gab es eine hitzköpfige Aktion. Du bist in der letzten Runde gestürzt und hast dich dann über deinen Teamkollegen Danny Kent beschwert, der gewonnen hatte. Da kam vorübergehend mein italienisches Blut zur Geltung. Kurz nachdem ich mir das Rennen im Fernsehen noch einmal angeschaut hatte, entschuldigte ich mich bei Danny und bei der Öffentlichkeit. ­Solche Sachen machen mich stark. Dein Verhältnis zu Teamchef Aki Ajo war mitunter auch etwas unrund … Das erste Jahr 2009 war recht gut; wir ­haben uns beide entwickelt. 2010 war sehr schwierig, was zu einem guten Teil auch meine Schuld war, weil ich nicht reif

genug war. Und Marc, mein Teamkollege, hat alle Rekorde gebrochen. Aki erwartete von mir eine Steigerung und sprang ent­ sprechend hart mit mir um. Als ich letzten Winter zurückkam, setzten wir uns an ­einen Tisch und sagten: Alles, was passiert ist, müssen wir vergessen, um eine gute Saison 2012 zu machen. Setzt Aki auf Zuckerbrot und Peitsche? Auf beides, aber weniger Zuckerbrot. Die Aussage „Sehr gut!“ hört man nicht oft. Was ist der Superlativ eines Lobes? „Good job.“ (Aki kurz darauf: „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich Sandro jemals so überschwänglich gelobt hätte.“) Ist die Moto3-Technologie einfach oder kompliziert? Überschaubar. Eine Traktionskontrolle haben wir, aber die verwende ich im Tro­

Text: günther wiesinger. Bilder: reuters, racepics.de

red bulletin: Vom ersten GP-Start bis zum ersten WM-Lauf-Sieg hat es 109 Rennen gedauert. 22 Rennen später warst du Weltmeister … sandro cortese: Nach dem harten Sieg 2011 in Brünn hat’s irgendwie den Schal­ ter umgelegt. Ich kann’s selber nicht er­ klären. Neun Wochen danach habe ich in Australien wieder gewonnen und dieses Hoch in die Saison 2012 mitgenommen. 2006 im Team von Tom Lüthi, dem Weltmeister von 2005; 2010 zweiter Fahrer im Team neben Marc Márquez, der in jener Saison Weltmeister wurde. Sieht nach einer Strategie aus … Ich habe von keinem Informationen be­ kommen. Man muss Erfahrungen selber machen. Rennfahrer sind sehr, sehr ego­ istisch. Wenn sie was rausfinden, geben sie es nicht an Konkurrenten weiter. Du hast dich trotzdem gut entwickelt? In den letzten zwei Jahren extrem, weil ich viel an meinen Fehlern gearbeitet habe. Früher habe ich nach Stürzen oft nach Ausreden gesucht. Heute bin ich dem Team gegenüber ehrlicher, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Wie geht das, von heute auf morgen zu sagen: „Keine Ausreden mehr!“?


b u l l e va r d

Sandro Cortese über Teamchef Aki Ajo (re.): „Das höchste Lob von ihm ist ‚Good job!‘.“

ckenen so wenig wie möglich. im regen ist sie ab und zu hilfreich. der umstieg vom 125­cm³­Zweitakter im Jahr 2011 auf den 55­ps­250­cm³­Viertakter war auch keine hexerei. ein Zweitakter ist viel aggressiver am gas, aber die runden­ zeiten waren meistens ähnlich. das Motor­ rad an sich war eben eine totale neu­ entwicklung. das Team und ich haben die KTM erst so hinbringen müssen, damit man damit rennen gewinnen konnte. Wie gut ist dein technisches Feeling? ich glaube, ich kann viel zu dem beisteu­

ern, was der Techniker machen muss. ich führe ihn dorthin. es ist viel Talent dabei, aber auch viel arbeit. Und deine fahrerische Intuition? das gewisse „arsch­Feeling“ braucht man, sonst ist ein rennfahrer zu langsam. Man macht viel intuitiv, aber es gehört auch ein gewisser plan dazu. 1993 hast du erste Rennen bestritten, rund ums Haus. Papa Antonio hatte dafür ein Mini-Bike präpariert. Wo hing der Erste-Hilfe-Kasten? Kann ich dir nicht sagen. nie gebraucht, gott sei dank. Ein trainierter Körper ist eine Lebensversicherung. Wie hältst du dich fit? Viel Tischtennis und viel Tennis, dazu viel rennrad fahren. ich habe meinen eigenen Konditionstrainer. aber in Zukunft muss ich das noch intensiver machen. Schon mit gebrochenen Knochen gefahren wie etliche deiner Kollegen? Ja, dieses Jahr in Barcelona, wo ich zwei Mittelhandknochen angebrochen hatte. schwerere Verletzungen hatte ich gott seit dank noch nie. deshalb habe ich in acht Jahren nie einen grand prix ver­ passt. das ist ein rekord, glaube ich.

Name Sandro Cortese Geburtsdatum/-ort 6. Januar 1990, Ochsenhausen, Baden-Württemberg Größe, Gewicht 169 cm, 61 kg Selbsteinschätzung Sehr temperamentvoll, emotional, trotzdem cool und sachlich, ehrgeizig, politisch korrekt

WM-Karriere Von 2005 bis Ende 2011 in der 125er-Klasse (zwei Laufsiege, beste Gesamtplatzierung Rang 4/2011), 2012 Moto3 (KTM-250 cm³, 5 Laufsiege, WM-Titel) Zukunft Wechselt 2013 in die nächsthöhere Moto2Klasse (600 cm³/Vierzylinder, ca. 125 PS)

www.sandro-cortese.de

Kurz & dennoCh einzigartig

Bilder: lucho Vidales/red Bull conTenT pool, geTTy iMages, KelVin TrauTMan, dan VoJTech/red Bull conTenT pool. illusTraTion: dieTMar KeinraTh

Ausgelassene Stimmung bei den Premierenfeiern des zurückliegenden Monats. Filip Polc (SVK) triumphierte beim Red Bull Descenso del Cóndor – dem höchstgelegenen Mountainbikerennen (Start auf 4050 m) in La Paz, Bolivien.

Julian Wilson (AUS) setzte sich im Finale des Rip Curl Pro in Portugal gegen Gabriel Medina durch und surfte zum ersten Saisonsieg.

Gleich bei seinem ersten Start holte sich Ryan Sandes (RSA) in 12:36 Stunden (Rekordzeit!) den Sieg beim 100-kmUltramarathon Salomon Skyrun in Südafrika.

Weltmeister Sébastien Loeb fiel aus – also sprang CitroënMarkenkollege Mikko Hirvonen (FIN) ein: erster Saisonerfolg bei der WRC-Sardinien-Rallye.

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b u l l e va r d

1 Crash mit Biss Mein Körper und ich

Daniel Bodin Der zweifache X-Games-Champion aus Schweden ist Spezialist für Backflips – auf dem Motorrad ebenso wie auf dem Motorschlitten – und ein Experte im Überleben von Crashes. Allerdings nicht immer unversehrt.

Bei einem Snowmobile-Crash 2004 schlug ich mir einen Schneide- und ­einen Backenzahn aus. An den Schmerz erinnere ich mich heute noch. Seit dem Unfall zieren zwei falsche Zähne mein Gebiss.

2 Nackenwirbel-Bruch

Als ich diesen Jänner in der Schnitzel­ grube Sprünge für die X Games per­ fektionieren wollte, landete das ­Snowmobile auf mir. Fünf der sieben Nackenwirbel waren gebrochen. Ich hätte gelähmt sein können … mindes­ tens. Aber ich hatte Glück und musste „nur“ drei Monate einen Halofixateur – eine Art Kopfkäfig – tragen.

www.redbull.com

4 stoss-stange

Über die Jahre brach ich mir sechs oder sieben Rippen – hauptsächlich beim Freestyle-Motocross, wenn ich mit dem Oberkörper auf die Lenk­ stange knallte. Im Vergleich zu den anderen Verletzungen sind Rippen­ brüche relativ harmlos … solange du nicht niesen musst.

3 Kluger Körper

Fünfmal links und zweimal rechts, macht in Summe sieben Schlüssel­ beinbrüche. Die erste Fraktur war nach acht Wochen verheilt, die letzte bereits nach drei. Scheint, als würde mein Körper dazulernen. Ich betrachte mich als Glückskind, weil ich meinen Sport auch nach zehn Jahren noch ausüben kann.

Bei einer zu flachen Landung nach einem Snowmobile-Sprung ver­ stauchte ich mir 2008 den linken Knöchel. Er macht mir bis heute Probleme. Ich kann nach wie vor nicht richtig gehen, geschweige denn laufen. War vielleicht doch keine so gute Idee, den Knöchel ­damals nicht behandeln zu lassen. Aber das hole ich nun nach. Den Clip zu den Jumps von Daniel Bodin gibt es in der Red Bulletin Tablet-App.

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text: ruth morgan. Bild: Daniel Blom

5 Sprunggelenk


b u l l e va r d

Punk-Brüder

The Bots

Zusammen sind sie 35 Jahre alt – und schon jetzt wilder als die meisten Bands da draußen. The Bots sind die Rockstars von morgen. Namen Mikaiah (19) und Anaiah Lei (16) Geburtsort Glendale, Kalifornien, USA Einflüsse Die Brüder wuchsen mit Reggae auf, bis der Vater die beiden in die Welt des Rock ’n’ Roll einführte. Heute hören die zwei bevorzugt Arcade Fire, The White Stripes und The xx. Prominente Fans Jack Black, Mos Def, Blur, Paul McCartney Abneigungen Mikaiah: die Mutter im Tourbus. Anaiah: Wenn Leute fragen, ob sein Afro eine Perücke ist.

text: ruth morgan. Bilder: Dan Wilton

Anaiah genießt das Bad in der Menge: die Grundzutat eines guten The-Bots-Gigs

Sie sind das coolste neue Brüderpaar des Rock ’n’ Roll: Mikaiah und Anaiah Lei. Zusammen: The Bots. Zwei Teenager ohne Scheuklappen und Schnickschnack: Gitarre, Schlagzeug und eine große Klappe. Mehr brauchen die zwei nicht, um mit räudigen Garage-Punk-Hymnen riesige Konzerthallen zu rocken. Konzerthallen, in die The Bots als Besucher zum Teil gar nicht reinkämen. Denn Mikaiah ist 19, Drummer Anaiah 16 Jahre alt. Jack Black, Hollywoodstar und Tenacious-D-Sänger, und Blur-Frontmann Damon Albarn loben das Duo in Interviews und nahmen die Brüder mit auf Tour. Warum die zwei so gefeiert werden? Sie schreiben ihre Songs selbst, keine große Plattenfirma zieht im Hintergrund die Fäden. The Bots sind echt. Und laut. Kurz: The Bots sind die Rockstars von morgen. red bulletin: Ihr seid trotz eures zarten Alters ziemlich routinierte Rocker. Wie habt ihr angefangen? mikaiah: Wir lernten uns in einem Musik-Diät-Camp für Kinder kennen. Je härter wir rockten, desto schneller purzelten die Kilos (lacht). anaiah: Nicht ganz, aber das wäre eine schöne Geschichte. Als wir neun und sechs Jahre alt waren, fingen wir an in unserem Kinderzimmer zu jammen. Anfangs recht unkontrolliert, wir gingen mit unseren Instrumenten um wie mit Spielzeug. Aber wir wurden schnell besser. Ihr macht beachtlichen Lärm für eine Zwei-Mann-Band … mikaiah: Vermutlich, weil wir ein perfekt eingespieltes Team sind.

The Bots haben bereits drei Platten veröffentlicht. 2013 kommt die nächste.

anaiah: Wir standen immer schon auf die gleichen Bands. Auf die wildesten und die verrücktesten. Im Vorprogramm von Blur und Tena­ cious D spielt ihr in Riesenhallen. Seid ihr da nervös? mikaiah: Ich schon. anaiah: Mir macht das nichts aus. mikaiah: Ach komm, du warst nicht nervös vor dem ersten Gig mit Tenacious D? Anaiah: Doch, an dem Tag schon. mikaiah: Dacht ich’s doch. Wie verträgt sich das Tourleben eigentlich mit der Schule? Anaiah: Gut! Bei mir ging’s nach der ­Europatour jetzt wieder mit der Schule los. Trotz der Doppelbelastung hab ich ziemlich gute Noten. Wird man als Rocker ernst genommen, wenn die Mutter mit auf Tour ist? mikaiah: Das muss sein, weil Anaiah noch so jung ist. Unsere Mutter tanzt während der Konzerte am Bühnenrand. Es ist fürchterlich, aber das musst du, so gut es geht, ausblenden. anaiah: Bis du plötzlich ihre Stimme von links hörst (mit erhöhter Stimme): „Jungs, ihr müsst lächeln, lächelt ins Publikum.“ Einfach furchtbar (lacht).

„Unsere Mutter tanzt während der Konzerte am Bühnenrand. Es ist fürchterlich, aber das musst du, so gut es geht, ausblenden.“

Hörproben und Live-Termine gibt’s auf: www.thebotsband.com

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b u l l e va r d

Formelsammlung

Tanz der Moleküle

Kampf um den EissegelWeltmeistertitel in Örebro, Schweden. Die jährlich stattfindende WM ist der sportliche Höhepunkt im Kalender der internationalen Eissegler-Elite.

text: Thomas Schrefl. illustration: Mandy fischer. bild: oskar kihlborg

Mit einem Kufen-Boot auf dem Eis segelt es sich viel schneller als auf dem Wasser. Warum eigentlich? Physikalische* Aspekte … Boote auf Kufen erreichen auf Eis Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 150 km/h. Dabei wird das Tempo durch das Gleichgewicht der Antriebskraft und der Widerstandskraft bestimmt. Stichwort ­„Widerstandskraft“: Im Gegensatz zum Segeln im Wasser sind die Reibungskräfte beim Eissegeln gering. Beim Wassersegeln haften Wassermoleküle am Rumpf, die sich mit dem Boot mitbewegen. Wassermoleküle, die sich weiter weg vom Boot befinden, sind in Ruhe. Aufgrund dieser Geschwindigkeitsdifferenz scheren die Moleküle aneinander. Die so entstehende Reibungskraft steigt mit der Geschwindigkeit des Bootes bzw. mit der Größe der wasser­ benetzten Fläche des Rumpfes. An der Eisoberfläche hingegen oszillieren die Moleküle nach oben und unten und bilden eine Art Gleitfilm. Ist es sehr kalt, ist nur die oberste Lage der Moleküle des Eises in diesem „wasser­ artigen“ Zustand. Bei höheren Temperaturen wird diese Gleit­ schicht dicker. Die Kufen müssen dann mehrere „wasserartige“ Schichten durchdringen. Folge: Die Reibung nimmt zu. Experten sprechen von „schnellem“ bzw. „langsamem“ Eis. Beim Eissegeln bleibt der Widerstand zwischen Kufen und Eis gegenüber dem Luftwiderstand vernachlässigbar klein. Der Reibungskoeffizient µ zwischen Stahl und Eis beträgt 0,01. Die Reibungskraft ergibt sich aus dem Produkt des Reibungskoeffizi­ enten und der Gewichtskraft N: zu F = µN. Wichtige Aufgabe der Kufen: Sie müssen den Eissegler auf Bahn gegenüber der Windkraft halten. Denn die höchsten Ge­ schwindigkeiten werden erreicht, wenn der Wind von der Seite kommt. Wenn der Segler in Windrichtung fährt, kann er nicht schneller als der Wind gleiten. Erreicht der Gleiter die Wind­ geschwindigkeit, „spürt“ das Segel keinen Wind mehr. Kommt der Wind hingegen von der Seite, wird das Segel nicht „geschoben“, sondern von der Luft umströmt und wirkt wie die Tragfläche ­eines Flugzeuges: Aufgrund der unterschiedlichen Umströmungs­ geschwindigkeiten auf Vorder- und Rückseite kommt es zu einer Auftriebskraft, A. Sie wirkt senkrecht zur scheinbaren Wind­ geschwindigkeit. Die Luftwiderstandskraft, R, wirkt in Richtung des scheinbaren Windes. Aus dem Kräftegleichgewicht ergibt sich für die Geschwindigkeit des Gleiters ν = (A/R)Wn + Wp, wo­ bei Wn die Windgeschwindigkeit normal zur Fahrtrichtung ist und Wp die Windgeschwindigkeit parallel zur Fahrtrichtung. … Und die Sicht des Praktikers „Es ist, als würde man wenige Zentimeter über dem Eis fliegen“, sagt die Nummer eins der Eissegel-Weltrangliste, Ron Sherry (USA), „Eissegelboote wiegen rund 50 Kilo und beschleunigen enorm. In nur 6 Sekunden kannst du 100 km/h erreichen. Das beste Eis für Highspeed ist übrigens Schwarzes Eis, das bei tiefer Temperatur und Windstille entsteht. Spiegelglatt und ohne Rillen – darauf beschleunigst du scheinbar endlos.“ www.eissegeln.at *Prof. Thomas Schrefl unterrichtet und forscht an der Fachhochschule St. Pölten, Niederösterreich, und an der Universität Sheffield, Großbritannien.

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B U L L E VA R D

ZAHLEN DES MONATS

SCHALLPLATTE

Vor 125 Jahren meldete Emil Berliner sein „Grammophon“ zum Patent an – und startete damit den bemerkenswerten Siegeszug der Schallplatte. Vom ersten Vinyl bis zur größten Sammlung, von der teuersten Platte bis zum digitalen Plattenspieler.

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1887

Emil Berliner Der Vorläufer: Edisons Tonwalzen

Savilles NewOrder-Cover

33⅓

Den ersten Schallplatten musste ein TextZettel aufgeklebt werden, damit ihr Inhalt nachvollzogen werden konnte. Die Qualität verbesserte sich erst 1896, als Berliner die Produktion auf das elastischere Material Schellack umstellte. Als er sein Grammophon statt der Handkurbel mit einem Federmotor ausstattete, wurde die Schallplatte zum Verkaufserfolg. 1948 – 19 Jahre nach Berliners Tod – brachte Columbia Records die erste Vinyl-Schallplatte mit der Abspielgeschwindigkeit 33¹/³ Umdrehungen pro Minute auf den Markt: die LP, wie wir sie heute kennen.

150.000

Die teuerste Schallplatte der Welt ist eine von John Lennon signierte Ausgabe des Albums „Double Fantasy“ (John Lennon/Yoko Ono). Was die Platte zum makabren Sammlerstück macht: Lennon unterschrieb auf ihr nur wenige Stunden vor seinem Tod – für seinen späteren Mörder Mark Chapman. Weil sich Chapmans Fingerabdrücke auf dem Cover befanden, diente die Platte sogar als wichtiges Beweisstück im Prozess. 1999 erwarb ein anonymer Sammler die Langrille für 150.000 Dollar.

Über drei Millionen verkaufte Exemplare machen „Blue Monday“ (1983) der britischen New-Wave-Band New Order zur erfolgreichsten Maxi-Single aller Zeiten. Ein Erfolg, der dem Label der Gruppe allerdings schwer zusetzte, denn das Cover von Star-Designer Peter Saville kam wegen aufwendiger Druck-Stanztechnik in der Produktion so teuer, dass die Plattenfirma mit jeder Einheit fünf Pennys Verlust machte. Saville erklärte später, dass niemand mit dem großen Erfolg der Platte gerechnet hatte – neun Jahre nach dem Erfolg meldete Factory Records Konkurs an.

2.500.000 Paul Mawhinney, früher Inhaber eines Plattenladens, hortete zweieinhalb Millionen Schallplatten in seinem Keller: das größte Vinylarchiv der Welt. „Nur 13 Prozent der zwischen 1948 und 1966 entstandenen Platten sind auf CD erhältlich“, sagt der über 72-Jährige. „Das bedeutet, 87 Prozent der damals entstandenen Musik ist nicht mehr verfügbar!“ Im Dezember 2011 verkaufte der US-Amerikaner seine Sammlung an den Taiwanesen Leo Yao, der einst das Format MP3 mit entwickelte.

„Double Fantasy“ mit Lennon-Autogramm

Frühe BerlinerSchallplatte Paul Mawhinneys Riesensammlung Laserplattenspieler von ELP

10.120

Konservative Musiksammler sind sich einig: Keine noch so raffinierte Digitalaufnahme kann dem warmen Klang der Schallplatte das Wasser reichen. Das Problem allerdings: Jedes Abspielen nützt das Vinyl ab, es entsteht das charakteristische Knistern. Der japanische Hersteller ELP bietet Abhilfe: Der Laserplattenspieler tastet die Rillen nicht mit einer Nadel, sondern mit einem Laserstrahl ab und gibt Musik verschleißfrei wieder. Der Haken: Der Plattenspieler sieht mit seinem Einzugsfach wie ein überdimensionierter CD-Player aus – und kostet satte 10.120 Euro. www.berliner.montreal.museum

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TEXT: FLORIAN OBKIRCHER. BILDER: PICTUREDESK.COM (2), CORBIS, RECORD COMP. (2), MUSEUM VICTORIA, REX FEATURES, ELP

1870 wanderte ein 19-jähriger Hannoveraner nach Amerika aus. Mit im Gepäck: die Vision, ein Gerät zu erfinden, mit dem Menschen am Sterbebett ihre letzten Gedanken aufzeichnen können. 1887 meldete Emil Berliner sein „Grammophon“ zum Patent an. Zwar hatte Thomas A. Edison zehn Jahre davor den Phonographen vorgestellt, doch dessen Tonwalzen waren für eine Massenproduktion ungeeignet. Berliners Gerät dagegen spielte flache, mit Wachs überzogene Zinkplatten ab, die sich billig vervielfältigen ließen. Seine Erfindung taufte Berliner „Schallplatte“.


Action

lebendige

geschic 10 erstaunliche Museen, die unsere Vergangenheit, gegenwart und zukunft formen. Von stephen bayley

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NEW MUSEUM OF CONTEMPORARY ART

New York

Archtitekten: SANAA, Eröffnungsjahr: 2007 An der rauen, alten Bowery liegt New Yorks erstes Museum für zeitgenössische Kunst nach dem einflussreichen MoMA. Während das MoMA die Lieblinge der internationalen Kunstwelt etablierte, entschied sich das 1977 gegründete New Museum of Contemporary Art für eine subversivere Rolle. Auch die Architekten, die dessen Neubau entwarfen, waren zu dieser Zeit in den USA unbekannt: SANAA, gegründet 1995 und ein Akronym für Sejima and Nishizawa and Associates, ist das Büro der Architektin Kazuyo ­Sejima und ihres einstigen Schülers Ryue Nishizawa, die sich mit den hervorragenden japanischen Museumsdesignern Kenzo Tange (Yokohama Museum of Art) und Shigeru Ban (Nomadic Museum) zusammentaten. Das New Museum stellt ein schönes Para­doxon dar: Es legt ein Hauptinteresse auf immaterielle, ­digitale Kunst, hat aber ein Gebäude von nachdrücklicher architektonischer Präsenz gewählt. Wie ein ­Juwel erscheint es kühn, aber elegant: Hintergrund und Anfechtung zugleich für die flimmernden Videos und Lightshows der Ausstellung. SANAA hat den ­Anspruch, im Design keinen Stil, sondern einen Standpunkt zu realisieren: „Wir haben versucht, ein transparentes Gebäude zu entwerfen, indem wir nicht verstecken, was unter der Oberfläche passiert.“ SANAA hatte bereits den Christian-Dior-Shop an Tokios Omotesando gestaltet, aber der internationale Durchbruch kam mit dem New Museum. Es ist ein bestimmendes Charakteristikum modernen Lebens, dass sich Kunst und Kommerz nicht länger unterscheiden. Kunst und Luxus sind ein und dasselbe geworden.

Bild: corbis

Die Karikatur eines Museumsangestellten? Alte Schule: Ein blasser Mann in paramilitärisch anmutender Uniform wedelt Staub von ­einer Vitrine voll Fossilien. Neuer Stil: Ein schwarz gekleideter Ganymed mit Stoppelhaar und Ohrring kredenzt betuchten Zeitgenossen Mineralwasser auf einer lauten Party unter gleißendem Licht. Museen waren einmal stattliche Bewahrungsorte des Wissens. Die Architektur war dementsprechend: Das British Museum in London war ­unmissverständlicher Ausdruck der selbst zugewiesenen Rolle des ­Bewahrers – wenn nicht Räubers – ­materieller Kultur, und das weltweit. Wo immer sie stehen, was immer sie ausstellen: Museen lassen den Stolz, die Ambitionen, die Überzeugungen ebenso erkennen wie die Ängste und Zweifel der Zivilisation, die sie erbaute. Das zeitgenössische Museum hat seine Anfänge in den Kuriositäten­ kabinetten, die der reisende Adel nach der Rückkehr von der jeweiligen Grand Tour einzurichten pflegte. Aber das Wort wurzelt in den Anfän­ gen des europäischen Denkens. Ein museion war das Heim der Musen Erato, Terpsichore, Kleio und ihrer Schwestern, Töchter von Zeus und Mnemosyne. Der Name ihrer Mutter bedeutet so viel wie „Erinnerung“. Und seither geben Museen der Erinnerung einen Aufbewahrungsort. Bezeichnend: Gerade als die großen öffentlichen Museen begannen, Wissenschaft und Kunst zu erklären, Standards vorzuschlagen und fest­ zulegen, stellten die neuen Kaufhäuser alles aus, was hergestellt und gekauft werden konnte. Beobachter spürten die Verbindung, es floss ein Strom von Metaphern. Romancier Émile Zola nannte den neuen Bon Marché in Paris die „cathédrale du commerce moderne“. Sein Zeit­ genosse Julian Guadet sprach gar vom „musée de marchandises“. Amerika steuerte eine extrakommerzielle Dimension zur Idee des Museums bei. In New York entstand die Frick Collection, als neues ame­ rikanisches Geld auf alte französische Möbel traf. Und es waren nicht ­liederliche Radikale, die 1929 das Museum of Modern Art gründeten, es waren die Rockefellers. Das MoMA verwandelte Kunst, die einst heraus­ forderte, in sicheres Investment. Dann, es war im Paris der siebziger ­Jahre, zeigte das Centre Pompidou, wie aufsehenerregende Architektur ein Museum zum Wahrzeichen einer Stadt machen konnte. Nur sehr souveräne Kulturen, Städte oder Individuen bauen Museen. Weit entfernt davon, langweilig zu sein, aber doch wichtig, steckt jetzt eine neue Generation internationaler Museen die Grenzen architektoni­ scher Möglichkeiten neu ab. Für Architekten ist ein Museum ein heiß­ ersehnter Auftrag: eine Chance, das ultimative Gebäude zu entwerfen, weitgehend frei von den Erfordernissen alltäglicher Realitäten. Für jede Stadt, jedes Individuum, jedes Unternehmen symbolisiert der Bau eines Museums Wohlstand, Status, Kultur, Zuversicht, Vitalität und Stil. Ein stimu­ lierender Mix von Attributen. Und – bitte nicht vergessen! – Erinnerung.


hte

New Museum of ­Contemporary Art, New York: Das siebenstöckige Gebäude steht auf einem früheren Parkplatz. Boxen aus Zinkblech stapeln sich verschachtelt und versetzt aufeinander. Wie um deutlich zu machen: Das New ­Museum ist eine ungewöhnliche Institution, keine hierarchische. Beleuchtet von einem Lichtschacht, umschließt das Gebäude freie interne Räume ohne Säulen.


Action

BMW WELT

München

Coop Himmelb(l)au, 2007

Die BMW Welt in München: ein weiträumiges Gebäude mit komplexen Räumen und etlichen Bedeutungsschichten, mit Bar und Restaurant. Hier lässt sich die Vergangenheit studieren. Oder das neue Auto in ­Empfang nehmen.

Bilder: Shutterstock, corbis, iwan baan

Die jungen Architekten Wolf D. Prix, Helmut Swiczinsky und Michael Holzer gründeten Coop Himmelb(l)au 1968 in Wien. Es war das Jahr der Studentenunruhen in Paris und der idealistischen Studenten­ revolten in ganz Europa. Folglich ist der Name enthüllend. „Coop“ verweist auf ­gepflegten Kommunitarismus, „Himmel­ b(l)au“ bleibt absichtsvoll zweideutig: Es kann himmlische Architektur bezeichnen oder das Blau des Himmels. Oder beides. Es war 1968: Während ernste französische Studenten mit Pflastersteinen nach Gendarmen warfen, war BWM damit beschäftigt, seinen mit den Autos der „Neuen Klasse“ von 1961 erworbenen Ruf zu festigen. Mit ihren klaren Linien und den Bauhaus-Anklängen waren die BMW zu Symbolen des deutschen Wirtschafts­ wunders geworden, von den Märkten mit Begeisterung aufgenommen. Mit so viel Begeisterung, dass BMW vom spezialisierten bayrischen Motorenbauer zum ­international Luxusprodukt des 21. Jahrhunderts geworden ist, das einen Ruf für ausdrucksstarkes Design, fortschrittliche Technologie und Fahrvergnügen genießt. Als BMW beschloss, dem Wertesystem des Unternehmens einen eigenen Tempel in der Nähe von Münchens altem Olympiapark zu bauen, fiel der Auftrag ent-

sprechend kompliziert und subtil aus. Klarheit und Funktionalität, jene Bauhaus-Werte, die etwa der BMW 2002 von 1968 so klar verkörpert hatte, standen nicht mehr im Vordergrund. Tatsächlich sprach die 5er-Reihe von 2003 eine ganz andere Formensprache mit einem expressiven, organischen und – wie manche sagten – „perversen“ Design. Coop Himmelb(l)au hatte 1988 bei der „Deconstructivist Architecture“-Show im New Yorker Museum of Modern Art seinen Ruf erworben und war in der Lage, den ehrgeizigen Auftrag ergiebig zu interpretieren. Eine BMW Welt von 1968 wäre ein sehr wohlgeordnetes Lagerhaus gewesen. Seit 2007 wissen wir: So sieht eine neue Welt im BMW-Design aus.

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action

VITRA DESIGN MUSEUM

Weil am Rhein

bilder: iwan baan, vitra, Picturedesk.com

Frank Gehry et al., 1989 Die achtziger Jahre, so sagt man, waren das „Jahrzehnt des Designs“. Gewiss: Nach zehnjähriger Planung öffnete das London Design Museum im August 1989 seine Tore. Es war das erste seiner Art. Das Vitra Design Museum öffnete im selben Jahr, nur später. Aber während Londons Design Museum in einem ­einzigen Gebäude an der Themse residiert und ein gebündeltes didaktisches Programm verwirklicht, ist das Vitra Design Museum ein kontinuierlich weiterentwickeltes kommerzielles Projekt. Vitra ist der Name eines in Basel beheimateten Möbelherstellers. Mit dem Erwerb der Lizenz, Charles Eames’ berühmte Stühle zu bauen, entstand auch das Interesse an und eine Beziehung zu Design-Berühmtheiten. Ein Großbrand 1981 bedeutete für Vitra-Manager Rolf Fehlbaum die Chance, das Familienunternehmen dem Zeitgeist folgend konsequent un­ter den Einfluss von Design und Designern zu stellen. Es begann mit dem Auftrag an Frank Gehry, ein „Museum“ für Fehlbaums persönliche Sammlung klassischer modernistischer Möbel zu entwerfen, und gipfelte im Vitra Campus als Experimentierfeld für Architektur. Daraus ergaben sich verschiedene Prinzipien. Das Image der Marke Vitra wuchs ins Heldenhafte. Das Vitra Design Museum wurde – für manche ein fragwürdiger Erfolg – zur Inkarnation des „Designer-­ Phänomens“. Bei alldem festigte Fehlbaum die konzeptuelle Verbindung zwischen Kultur und Kommerz, Handel und Kunst, Läden und Galerien. Dies ist eine Verbindung, die bis zu jenem wunderbaren Moment in der Mitte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgt werden kann, als moderne Museen und moderne Kaufhäuser erstmals in E ­ uropa auftauchten.

Ursprünglich erhielt Frank Gehry von Vitra den Auftrag, ein ­„Museum“ für eine Sammlung klassischer modernistischer ­Möbel zu entwerfen (alle Bilder links und oben). Dann kam VitraManager Rolf Fehlbaum auf die Idee ­eines Campus als ­Experimentierfeld für ihn als Sponsor und als Werbung für seine Vision. So durften sich etwa Zaha Hadid ­(realisierte 1993 mit einem Feuerwehrhaus ihr erstes Werk), ­Nicholas Grimshaw, Antonio Citterio und Tadao Ando auf dem Vitra-Gelände verwirklichen. Durch Fehlbaums mutige Auftragsvergabe entstand somit ein virtueller Kreis miteinander wetteifernder Egos.

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Action

VULCANIA

Saint-Ours-lesRoches, Frankreich Hans Hollein, 2002 Hier trifft Vorgeschichte auf Postmoderne, hier verschwimmen die Grenzen zwischen vulkanischem Themenpark und einem Museum für Seismologie. Populäre Unterhaltung oder eine ernsthafte ­Lektion in Geologie? Die Auvergne ist Europas größtes vulkanisches Gebiet und der Puy de Dôme mit 1464 Metern sein höchster Vulkan. Seit 8000 Jahren gab es hier keinen Ausbruch mehr, aber die wilde Leere und spektakuläre vulkanische Formen

erinnern an die unbeschreib­ lichen Kräfte der Natur. Hier steht auf 57 Hektar militärischen Geländes Vulcania, das seinen Namen von der Schmiede in Vergils „Æneis“ entlieh: Vulkane sind gewaltige Symbole, die Verbindung zur Mythologie fällt leicht. Der Österreicher Hans Hollein, einer von Europas ersten postmodernen Architekten, zeichnet verantwortlich für den Entwurf. Die Postmoderne trat an, um die geometrischen Beschränkungen und manipulativen moralischen Gewissheiten der Moderne zu ersetzen. Mit irrational inspirierten Entwürfen, mit Toleranz für Schmuckformen, mit einer Neigung zum Erzählerischen,

Bilder: picturedesk.com, rex features, shutterstock

Vulcania nimmt Verbindung auf zur Vorgeschichte und öffnet einen Zugang zum unbekannten Mittelpunkt der Erde. Hans Holleins ­Museum verbirgt sich in einem „Krater“ im vulkanischen Untergrund. Einzig sichtbares Gebäude: ein 28 Meter hoher vulkan­ förmiger Kegel, der als Lichtschacht dient. Die physische Präsenz der Landschaft in der Auvergne überwältigt die Architektur, und Hollein antwortet, indem er sein Museum unter die Erde baut.


action

manchmal auch von der frivolen Art. Großartige Gebäude Hol­ leins sind etwa das Museum für Moderne Kunst (1983 bis 1991, Frankfurt) und das Haas-Haus (1990, Wien), ein übermütiges Monument verspielter postmoderner Formengebung gegenüber dem Stephansdom. Hollein erhielt 1985 den Pritzker-Preis, aber die größte Bedeutung hatte wohl sein Zusammenschluss mit Memphis, jenem respektlosen Kollektiv von Architekten und Designern um Ettore Sottsass in Mailand, 1981. In der Folge kamen Aufträge von Alessi, die Holleins Post­ moderne auf Tischplatten zauberten.

Das Generalmotto von Architekt ­Renzo Piano gilt auch für den Zubau des Art Institute in Chicago: „Perfektes Licht allein reicht nicht aus. Was zudem zur Betrachtung von Kunstwerken nötig ist, sind Ruhe, Heiterkeit und eine sogar opulente Qualität.“

The Art Institute of Chicago Modern Wing

Chicago

bilder: getty images, corbis

Renzo Piano, 2009 Renzo Piano, Architekt aus Genua, ist vielleicht der herausragende Museums­ designer unserer Tage. Sein Portfolio ­radikal anderer Museen enthält das Centre Pompidou, Paris; das Broad Contemporary Art Museum, Los Angeles; The Menil Collection, Houston; und den Parco della Musica, Rom. Pianos Modern Wing – ein neuer Gebäudeflügel – macht The Art Institute in Chicago zum zweitgrößten Museum der Vereinigten Staaten. Der bedeutende Journalist A. J. Liebling sagte einmal, Chicago sei eine großartige Stadt, nicht nur ein weitläufiger Ort. Hier ist Chicagos Monument. Der Modern Wing beherbergt die Kunst-, Fotografie-, Architektur- und Design-Sammlung des Art Institute. Ein großes Sonnendach aus lichtempfindlichen, vom Computer modellierten Blättern misst permanent das Umgebungslicht und passt sich entsprechend an. Das Ziel

ist, die besten Bedingungen für das Betrachten von Kunst zu schaffen und dabei zweierlei sicherzustellen: zum einen die optimale Erhaltung der Exponate und andererseits verantwortungsvollen Energieverbrauch. Beide Aufgaben sind bisweilen schlecht unter einen Hut zu bringen. Trotzdem erfüllt der Modern Wing den strengen Chicago Energy Code. Chicago war die Geburtsstätte des Wolkenkratzers, Pianos Art Institute bleibt ­jedoch ausgesprochen bodenständig: Eine elegante, geschwungene Fußgängerbrücke verbindet die einzelnen Elemente sowohl unter­einander als auch mit der direkten Umgebung. In gewisser Hinsicht ist dies ein konservatives Design, aber es ist einer derart bedeutenden und großartigen Institution angemessen. Bravourstücke wären hier falsch am Platz, obwohl Chicago ja auch die Heimat der White Sox ist. Frank Lloyd Wright war der berühmteste Architekt der „Windy City“. Er sagte einmal: „Letztendlich wird Chicago die schönste große City sein, die es auf der Welt noch gibt.“ Gehen Sie selbst hin und lassen Sie sich in Erstaunen versetzen, an der South Michigan Avenue Nummer 111. 35


Ciutat de les Arts i les Ciències

Valencia, Spanien

Santiago Calatrava, 1998 Santiago Calatrava, Architekt und Ingenieur aus Valencia, ist der Ferran Adrià des Designs von Bauwerken. So wie Adrià mit seinem so eigenwilligen wie avantgardistischen kulinarischen Ideenreichtum das „Neue Spanien“ repräsentiert, hat Cala­ trava die Möglichkeiten der Architektur erweitert. Ferran Adrià bringt die chemische Komposition von Speisen und auch die Auffassungsgabe seiner Gäste an die Grenzen. Calatrava begibt sich in seinem Fach ans Limit, indem er Brücken und ­Gebäude kreiert, welche die existierenden Definitionen von Architektur und Skulptur durcheinanderwirbeln.

Calatravas Doktorarbeit von 1981 (an der ETH Zürich) trug den Titel „Zur Faltbarkeit von Fachwerken“. Seither kennzeichnet ein höchst schöpferischer Umgang mit Raum und dem Bauwerk selbst sein Schaffen. Der breiten Öffentlichkeit wurde Calatrava 1992 im Rahmen der Expo in Sevilla mit dem Puente del Alamillo bekannt – einer Schrägseilbrücke mit einem einzelnen, schrägstehenden Pfeiler. Sie sieht dramatisch aus, bei Tag und Nacht. Calatravas „Stadt der Künste und der Wissenschaften“, die Valencias Wieder­ geburt als bedeutende europäische Metropole versinnbildlicht, besteht aus sechs

Elementen: L’Hemisfèric (Planetarium und Kino), Museu de les Ciències Príncep Felip (interaktives Museum), L’Umbracle (Fußgängerbrücke), Palau de les Arts Reina Sofía (Oper), El Puente de l’Assut d’Or (Brücke) und L’Àgora (überdachter Platz). 2005 im Großen und Ganzen fertig­ gestellt, fand das ambitiöse Projekt um­ gehend viele Kritiker. Politiker der Opposition nannten das teure Prestigeprojekt ein „Werk der Pharaonen“. Die Reaktion der Öffentlichkeit blieb uneindeutig – und ist es bis zum heutigen Tag: Ist Santiago ­Calatrava nun ein Scharlatan oder ein ­Genie? Natürlich ist er von beidem etwas.


bilder: peter gunzel, getty images, shutterstock, rex features

action

Santiago Calatravas ­„Ciutat de les Arts i les Ciències“ (so der valencianische Name) ist ein Ensemble aus sechs Teilen – darunter L’Hemisfèric und der ­Palau de les Arts Reina Sofía (links) und das Museu de les Ciències Príncep Felip (oben). Jedes dieser Elemente ist in seiner Essenz populär – nicht akademisch –, und jedes wurde von Calatrava und sein Partner Felix Candela als Bravourübung in expressionistischer Formgebung gestaltet.

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MAXXI

Rom

Zaha Hadid, 2010

LOUVRE

Abu Dhabi

Jean Nouvel, 2013 Der Louvre in Paris war das erste bedeutende nationale Museum, ein selbstbewusstes Statement von Frankreichs schicksalhafter Bestimmung, unerreichtem Prestige und erhabener Kultiviertheit. Die meisten Menschen würden zustimmen: Der Louvre ist das großartigste (Kunst-)Museum der Welt. Dann verkündeten Frankreich und Abu Dhabi ein diplomatisches und wirtschaftliches ­Abkommen: 2013 wird der Louvre Abu Dhabi seine Tore öffnen. Und viele Kritiker empörten sich über die Entwertung einer ehrwürdigen Institution: Dies sei ein Fall von zynischer Marken­ erweiterung – so töricht wie der Entschluss des Couturiers Pierre Cardin, seinen Namenszug für Bratpfannen zu verleihen. Jean Nouvel baut gemeinsam mit dem internationalen Happold Ingenieurbüro den Louvre Abu Dhabi auf der Insel Saadiyat. 2014 wird der Louvre von einem anderen brand-extension-Pionier Gesellschaft bekommen: einer weiteren Zweigstelle des Guggenheim-Museums (nach einem Design von Frank Gehry). Um die Liste der üblichen Verdächtigen zu vervollständigen, wird auch noch Norman Fosters Zayed-Nationalmuseum mit einem von Gary Player designten Golfplatz auf der Insel um die Gunst der Besucher buhlen. Nouvel schlägt für den arabischen Louvre ein „schwimmendes Kuppelgebäude“ vor, denn Kuppeln sind eine traditionelle Form von nahöstlicher Architektur. Und überdies scheinen sie ein ­zuverlässiges Mittel zu sein, wenn es darum geht, einem Projekt Prestige zu verleihen, wenn es an tatsächlichem Prestige fehlt. (Londons Millennium Dome, der weltgrößte Kuppelbau, ist ja ­eigentlich ein Zelt.) Doch es wird noch mehr Prestige geben für diesen kleinen Landstrich am Golf, der sich künftig in ein Stückchen Frankreich verwandeln wird. Der Louvre Abu Dhabi wird nicht nur vom Louvre, sondern auch aus Versailles, vom Centre Pompidou und dem Musée d’Orsay Leihgaben erhalten.

Abu Dhabis Louvre: Eröffnet werden soll 2013. In Frankreich gab es eine Petition gegen den „Ausverkauf“ des Louvre, aber der Museumsdirektor sagt, es sei unverantwortlich, die „Inter­ nationalisierung“ des Museumsbetriebs zu ignorieren.

Viele Jahre „genoss“ Zaha Hadid, eine aus Bagdad stammende Londonerin, ­unermüdliche Weltreisende und PritzkerPreisträgerin 2004, den Ruf, die heraus­ ragendste internationale Architektur-­ Koryphäe zu sein, die nie irgendetwas gebaut hatte. Ihre anspruchsvollen, kon­ troversiellen, unlogischen, energiegeladenen und manchmal rätselhaften Designs erfreuten zwar die Kritiker, aber alarmierten Ausschreibungskomitees und befremdeten die Klienten. Heute gehört Hadid zu den meistbeschäftigten Architekten der Welt. Sie entwirft preisgekrönte Hingucker, die oft ebenso schwierig zu bauen wie zu genießen sind. Das MAXXI – Museo nazionale delle arti del XXI secolo in Rom ist typisch: außerordentlich und absurd. Hadid gehörte mit Coop Himmelb(l)au und Frank Gehry, Designer des berühmten Guggenheim-Museums in Bilbao, zu einer Gruppe von Architekten, die durch die Ausstellung „Deconstructivist Archi­ tecture“ des Museum of Modern Art im Jahr 1988 berühmt wurden. „Der Traum von der reinen Form ist gestört worden“, stellten die Autoren des Katalogs fest. Zu Recht: Der Dekonstruktivismus hatte die Komponenten der Gebäude buchstäblich auseinandergerissen und in einer neuen Form wieder zusammengesetzt, die so ­erstaunlich wie unpraktisch war. MAXXI ist zudem doppelt absurd, denn es ist ein Museum für Werke, die noch nicht existieren. Roms erstes Museum für moderne Kunst ist im Wesent­ lichen leer. Aber Zaha Hadid lässt sich von rationaler Kritik nicht verunsichern. Das MAXXI sei, so sagt sie, „ein die Sinne stimulierendes urbanes Environment zum Austausch von Ideen“. Seit den siebziger Jahren mit dem ­Centre Pompidou oder I. M. Peis Ostflügel der National Gallery in Washington ist die neue Museumsarchitektur häufig charakteristischer als das, was sie beherbergt. Auf MAXXI trifft dies gleich in zweierlei Hinsicht zu. Das leere Museum hat eine neue Bestimmung als Forschungslabor für Architektur, Design, Kunst und Werbung bekommen. Es hat lange gedauert. Aber jetzt ist eingetreten, was Hadid sagt: Das Museum des 21. Jahrhunderts ist „nicht länger nur ein Museum“.


action

Bilder: Jean nouvel (2), Iwan Baan (2), arcaid

Das Museo nazionale delle arti del XXI ­secolo in Rom, kurz MAXXI gerufen, lädt zum Ideenaustausch im ­urbanen Raum: Die ­dynamische Architektur von Zaha Hadid ­reflektiert diesen Dialog: Innen und außen sind nicht mehr zu ­unterscheiden, bewegliche Wände definieren die Innenräume stets neu, ein Glasdach sprengt konventio­ nelle Erwartungen.

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Action

Washington, D. C.

Hellmuth, Obata und Kassabaum, 1976 Eine Boeing B-17 „Flying Fortress“ direkt an der ­National Mall in Washington? Nur sehr abgestumpfte Zeitgenossen würden sich angesichts dieser Konfrontation nicht wundern. Das Air and Space Museum ist das größte seiner Art auf der Welt. Als Abteilung der Smithsonian Institution, die Amerikas Erbe bewahrt, ist es ein angemessen großes Denkmal der bedeutendsten Leistung der Vereinigten Staaten: der technischen Unterwerfung des Luft- und Weltraums. Das Air and Space ist mit über acht Millionen ­Gästen eines der meistbesuchten Museen der Welt. Der Hangar hat nichts Verklärtes an sich, aber die Bedeutung seines Inhalts wird durch den benachbarten Hirshhorn Sculpture Garden deutlicher. Beim Anblick des Wright-Fliegers von 1903, einer Supermarine

„Spitfire“, einer Macchi C 202 „Folgore“ oder einer Messerschmitt Bf 109, die hier in der Weite schweben und ihre Silhouetten scharf in den Himmel zeichnen, scheint es den Skulpturen nebenan an visueller Dramatik und an formalem Ideenreichtum zu fehlen. Hellmuth, Obata und Kassabaum, sesshaft in St. Louis, Missouri, ist eines der großen US-Architektur-Unternehmen. Der Auftrag lautete, „einen gigantischen Mechanismus zur effizienten Lenkung von großen Menschenansammlungen“ zu schaffen. Das Air and Space ist im Wesentlichen eine große Halle, ausgeführt in sehr hochwertigen Materialien. Trotz der beachtlichen Ausmaße der dicht gedrängt stehenden Exponate entsteht kein Gefühl von Überfüllung. Stattdessen empfindet man Vertrautheit. Eine Martin B-26 „Marauder“ mag als tödliche Waffe entworfen worden sein. Aber Technik allein ist moralisch neu­ tral. Im Washingtoner Air and Space Museum kann man die Moral für eine Weile hinter sich lassen und diese erstaunliche Maschine als das sehen, was sie ist: eine außerordentliche technische Leistung und ein Objekt von verstörender Schönheit.

Das National Air and Space Museum auf ­Washingtons National Mall verwendet den ­gleichen rosa Tennessee-Marmor für seine Außenfassade wie die National Gallery of Art vis-à-vis. In den gewal­ tigen Hallen wird jedoch nur ein Zehntel der ­weltgrößten Sammlung historischer Flug- und Raumfahrzeuge ausgestellt. Der überwiegende Rest, darunter auch die „Enola Gay“ – jene B-29 „Superfortress“, die am 6. August 1945 die Atombombe auf Hiroshima abwarf – und eine Lockheed SR-71A, wird im Steven F. Udvar-Házy Center in Dulles, Vir­ginia, ausgestellt, 40 Auto­ minuten entfernt.

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Bilder: NASM (3)

NATIONAL AIR AND SPACE MUSEUM


hAMSUnSenTeReT

Hamarøy, Norwegen

BildEr: corBis (2), stEvEN Holl ArcHitEcts

steven Holl, 2009 Ernest Hemingway sagte ja, Knut Hamsun habe ihn das Schreiben gelehrt. Die Schreibtechnik des „Bewusstseinsstroms“ und die düstere Grübelei des Norwegers, angelehnt an Dostojewski und Kafka, beeinflussten auch James Joyce. Ein Porträt von Hamsun, das 1890, also im Jahr der Veröffentlichung seines ersten Buches „Hunger“, entstand, zeigt einen verstört aussehenden jungen Mann mit Monokel. Hamsun stammte aus einer armen Nordland-Familie. Ein Land der Espen und Birken, der Fjorde und von bedrückender Einsamkeit. Hamsun empfand sich selbst als die Seele Norwegens, und zu seinem Gedenken wurde in Hamarøy, einer Stadt mit weniger als 2000 Einwohnern, 150 Jahre nach Hamsuns Geburt (1859) das Knut-Hamsun-Zentrum fertiggestellt. Entworfen wurde es von Steven Holl, einem amerikanischen Architekten, der unter dem Einfluss des französischen Philosophen und Sartre-Freundes Maurice Merleau-Ponty stand. Holls Theorie besagt, dass Gebäude wie Körper und ein „Schlachtfeld unsichtbarer Kräfte“ seien. Das Hamsun-Zentrum ist ein herausfordernd geometrischer Bau aus geschwärztem Holz, der in einem bemerkenswerten Kontrast zur umgebenden Natur steht. Aber Hamsuns zu gedenken birgt andere Herausforderungen. Der Romancier und Literaturnobelpreisträger von 1920 war ein begeisterter Anhänger und Vertrauter Hitlers. Er hatte den Ruf, zu den wenigen zu gehören, die in der Lage und willens waren, den „Führer“ in seinem Redefluss zu unterbrechen. Hamsuns Bücher wurden nach der Befreiung Norwegens 1945 öffentlich verbrannt. Tobend und wahnhaft wurde er in eine psychiatrische institution gesteckt. Aber großartige Kunst wird vom moralischen Versagen ihrer Schöpfer nicht beeinträchtigt. Großartige Kunst muss herausfordern und befriedigen, spalten und trösten, erfreuen und verärgern. Genau wie das Hamsun-Zentrum.

Das Literaturhaus und Dokumentationszentrum für Knut Hamsun erhebt sich ehrfurchtgebietend über Hamarøy, ein Städtchen nördlich des Polarkreises. Die Bambusrohre am Dach des turmartigen Baus erinnern an grasbewachsene nordische Dächer. Innen durchdringt eine Fahrtreppe den Raum wie ein Rückgrat. Ziel ist, für die Besucher fremdartige und fesselnde Raumerfahrungen zu erzeugen.


Insch Die Schauspieler Tobias Moretti und Gregor Bloéb Rennstrecke von Paris nach Dakar. Trotz bestmöglicher Unwägbarkeit der Wüste: Text: Werner Jessner


action

Allah fahren beim Africa Race auf der historischen Vorbereitung und Trainern von Weltformat bleibt die Eine Spurensuche. Bilder: J端rgen Skarwan 43


U

m zwei Uhr in der Früh erwacht Gregor und orien­ tiert sich kurz: Er liegt in seinem Schlafsack in einem Wüs­ tencamp im Süden Marokkos. Die nächste befestigte Straße ist zwei Stunden, die nächste nennenswerte Stadt fünf Stunden entfernt. Rund um ihn ist Stille, perfekte Stille. Der Himmel – tiefschwarz – funkelt vor Sternen, es sind mehr, als man in der Zivilisation je zu sehen bekommt. Eine Sternschnuppe! Gregor wünscht sich, dass er und sein Bruder Tobias im Jänner das Ziel des Africa Race in Dakar sicher errei­ chen. Die nächste Sternschnuppe! Gregor wünscht sich Gesundheit für all seine Freunde und die Familie. Noch eine Stern­ schnuppe! Der gesamte Tross auf der historischen Strecke von Paris nach Dakar soll sicher am Lac Rose auf der Cap­Vert­ Halbinsel nahe der senegalesischen Hauptstadt ankommen. Bloéb: „Bei der vierten Sternschnuppe sind mir langsam die Wünsche ausgegangen, und ich habe wieder einmal gesehen, dass in Afrika alles anders ist.“ Willkommen bei Teil drei des Crash­ kurses „Vom Schauspieler zum Dakar­ Finisher in einem Jahr“. Willkommen in der Wüste Marokkos. Was bisher geschah: In den zwei Schauspielbrüdern Gregor Bloéb und Tobias Moretti ist der Wunsch gereift, die natürliche und stets gelebte Liebe zum

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Motorrad auf höchstem Niveau auszukos­ ten. Nicht als Abenteuer, nicht als Traum, schon gar nicht, um sich oder der Welt etwas zu beweisen, sondern weil es in den beiden drin ist und raus muss. Ein Kampf für, nicht gegen etwas. Um etwas zu bekommen. Es geht, wie Tobias Moretti es beschreibt, um den Zustand absoluter Wahrhaftigkeit: Das Unvorstellbare nimmt in dir konkrete Formen an. Die Dakar. Wir. Das Motorrad. Ankommen. „Wir Schauspieler müssen die Fähig­ keit haben, uns auf etwas einzulassen, völlig offen zu sein, um erst dann unseren Weg zu finden“, beschreibt Bloéb, „wir saugen auf, was es braucht, um von Paris nach Dakar zu kommen. Es ist durchaus vergleichbar mit einer neuen Bühnen­ figur, die von dir Besitz nimmt, bloß dass es hier keine andere, keine zweite Wirk­ lichkeit mehr gibt.“ Man dürfe keine Angst vor der Angst haben, meint Gregor: „Als Schauspieler hast du dir ein Hand­ werkszeug angeeignet, das dir erlaubt, diesen Beruf auszuüben. Im Moment erarbeiten wir uns diesen Werkzeug­ kasten für die Wüste. Insofern gibt es Teil­ aspekte, die vergleichbar sind.“ Tobias: „Plötzlich bist du in so eine seltsame Sportlerexistenz gezwängt, auch mit den Schattenseiten, mit dem Schmerz. Aber du gewöhnst dich daran, wie ein Heimkind, das so viele Schläge bekom­ men hat, dass es nur noch lachen kann.“ Verlieren könne man bei dem ganzen Unternehmen nur sich selber. Tobias: „Ich bin langsam bei allem, was ich mache. Beim Tun, beim Denken, beim Begreifen, auch in meiner Arbeit. Aber

Zwei Brüder, die sich auf ein Wagnis namens Wüstenrallye einlassen: Tobias Moretti (li.) und Gregor Bloéb

Der beste Fahrlehrer für Rallye-Dakar-Novizen: Der Franzose Cyril Despres gewann das Rennen vier Mal.


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„Ich bin so ein sensibelchen. land und leute beeindrucken mich immer sehr. Und dann muss ich mich aber auf meine sache konzentrieren: das Motorradfahren.“ Gregor Bloéb Eine Furt finden: Das Schwierigste für in Mitteleuropa sozialisierte Motocrosser ist das Aufspüren des kräftesparendsten Weges durch die Dünen.

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Körperliche Bestandsaufnahme im Red Bull Dia­gnostik- und Trainingszentrum in Thalgau (oben: Tobias M ­ oretti), der erste Praxistest beim Red Bull Hare Scramble am Erzberg (Startnummer 502, Gregor Bloéb): Der Biss passte, die Platzierung war Nebensache.

mein Einsatz bin immer ich selber.“ Gre­ gor: „Der Rennfahrer Gregor Bloéb ist keine Figur, das bin ich selbst.“

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afür, dass das gesamte ­Unternehmen mit aller ­gebotenen Ernsthaftigkeit betrieben wird, sorgt Heinz Kinigadner, Motocross-Weltmeister der Jahre 1984 und 1985. Nicht, dass es Tobias und Gregor auch nur eine Sekunde lang an Ernst­ haftigkeit mangeln würde, im Gegenteil. Aber es ist dann doch gut zu wissen, dass es einen Mann im Hintergrund gibt, gegen den jedes Widerwort sinnlos wäre. Es gibt zwischen Mattighofen und Mauretanien keinen einzigen Menschen, der Heinz Kinigadners Autorität auch nur eine Sekunde lang in Zweifel ziehen wür­ de. Es sind die schiere physische Präsenz dieses sanften Riesen, sein wiederholtes, sisyphushaftes Anrennen an die Dakar (er ist tatsächlich bei keinem einzigen seiner acht Starts ins Ziel gekommen), die be­ wegte Familiengeschichte, die Erfolge als 46

KTM-Manager und Rennchef, es ist das fein gewobene Netz aus Informationen, die Fähigkeit, früh Tendenzen zu erken­ nen und zu antizipieren, die ihn zu dem machen, was er ist: zu jenem Mann, der Greenhorns nach Dakar bringen kann. Oder, wie Gregor Bloéb fröhlich formu­ liert: „Er ist der einzige Mann, von dem ich eine Watschn akzeptieren kann.“ Wie seriös die Brüder das Unternehmen Dakar angehen, ermisst sich schon daran, dass beide ihre Bühnenauftritte auf ein Minimum zurückgefahren haben: Gregor probt in Wien (Vorbereitung auf Felix Mitterers „Jägerstätter“ in der Josefstadt), Tobias spielt in München (im Burgtheater sind seine Vorstellungen nach hinten ­verschoben), auch Filmprojekte haben Nachrang. Vorrang hat das körperliche Training, zusammengestellt nach genauer sportärztlicher Untersuchung im Diagnos­ tik- und Trainingszentrum im salzburgi­ schen Thalgau. Tobias Moretti hat das Rennrad für sich entdeckt, er tritt sein Simplon-Carbongefährt vornehmlich in seiner Zweitheimat Toskana, während Gregor den Großraum Wien unsicher macht. Für die beiden Genussmenschen eröff­ nen sich durch den bewussten Umgang mit dem Körper auch neue kulinarische Welten: gefriergetrocknete Nudeln, die mit kochendem Wasser aufgegossen die Wartezeit auf das Abendessen verkürzen und die Kohlehydratspeicher rasch füllen, zum Beispiel. Das strenge Trainingsregime bedeutet freilich nicht den Verzicht auf Lebensfreude. Und mag es dem Kini ­gefallen oder nicht, aber zum Abendessen gehört einfach eine Flasche Chardonnay, vor allem wenn er so ordentlich ist wie hier in der Wüste. Noch weniger gern sieht Kini das Rauchen, „aber nur Kampf ist auch nicht gut, weder auf der Bühne noch im Leben und schon gar nicht in der Wüste. Wer Spannung will, muss auch

entspannen können“, versteckt Bloéb er­ folgreich den Asketen in sich. „Durch Ver­ bote entsteht nie was.“ Es ist durchaus bemerkenswert, wie weit die zwei mit diesem Ansatz kommen. Um ihnen fahrerisch ordentlich die Gren­ zen aufzuzeigen, hat Kini sie im Mai beim Red Bull Hare Scramble am steirischen Erzberg antreten lassen. Hier leidet jeder, und viele weinen. Immerhin: Danach schreckt dich nicht mehr viel. Selbst wenn sie selbstverständlich meilenweit von ­einer nennenswerten Platzierung entfernt waren, hat das Unternehmen Erzberg die Seriosität und den Biss der Schauspieler­ brüder in einer der härtestmöglichen ­Umgebungen voller Testosteron und Schmerzverleugnung zementiert. Kini war nachher jedenfalls zufrieden. Der wahre Schock folgte, als sich ­Tobias danach beim Dreh zum Kinofilm „Grossstadtklein“ in einer Basketballszene die Achillessehne gerissen hat, was sich so schmerzhaft anfühlt, wie es klingt. „Scheiße, hab ich mir gedacht.“ Medi­ ziner budgetieren den Rehabilitations­ bedarf auf bis zu sechs Monate. Das Unter­ nehmen stand ernstlich auf der Kippe: Mai plus sechs Monate, das würde einen Trainingsbeginn einen Monat vor Renn­ start bedeuten. Da könnte man es gleich bleibenlassen. Guter Arzt, gute Rehabilitation und guter Wille schienen eine Zeitlang nicht auszureichen, „und ich habe drei Wochen lang nur gevöllert und gesoffen“, erinnert sich Tobias. Mit dem Genuss kam die ­Erkenntnis der eigenen Privilegiertheit, plötzlich war der Biss wieder da. Da das Bein noch geschont werden musste, tigerte sich ­Moretti ins Oberkörper-Workout, und jetzt hat er das breiteste Kreuz, das ein Schauspieler je nach Dakar getragen hat. Die Achillessehne hält auch, und sie ist schneller wieder geheilt, als man hatte hoffen können. Freilich gibt es einen philosophischintellektuellen Überbau über das Ganze, man hat ja so viel Zeit zum Nachdenken beim Trainieren. Tobias: „Es ist ganz merkwürdig, was hier passiert, dieser Zustand totaler Wahrhaftigkeit bei gleich­ zeitiger physischer Erschöpfung. Ich sah mich an die Übersetzung der Ilias von Raoul Schrott erinnert, die Matthias Hart­ mann heuer inszeniert hat: die Normali­ tät des täglichen existentiellen Grenz­ gangs, die Hybris der Helden reduziert auf die abendliche Bilanz, dass man noch da ist und wer nicht mehr da ist. Die Hel­ denverehrung jenseits leerer Floskeln: Wenn wir mit Cyril Despres trainieren, spüren wir, dass ihn das Genie gestreift hat und er Dinge machen kann, die uns


NEU: FLU¨GEL FU¨R JEDEN GESCHMACK.

GESCHMACK – CRANBERRY, LIMETTE ODER HEIDELBEERE. WIRKUNG – RED BULL.


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„Theoretisch ver­ stehen wir schon alles, praktisch müssen wir noch ein bissl üben.“ Tobias Moretti

Wenn Cyril Despres die Richtung vorgibt, heißt es zuhören: Gregor Bloéb, Heinz ­Kinigadner, Tobias Moretti (v. li.)

etwas nachzufüllen, ist Optimismus ein guter, ein sehr guter Gefährte. Heinz Kinigadner vergleicht die beiden charakterlich und fahrerisch mit den zwei weltbesten Rally-Raid-Piloten, freilich auf ganz anderem Niveau: „Mich erinnert Gregor ein wenig an Marc Coma: Die zwei haben fahrerische Stärken. Tobias und Cyril Despres haben ihre Qualitäten im taktisch-technischen Bereich und im Fahrgefühl. Interessant finde ich, dass es sich unterm Strich völlig ausgleicht. Es ist genauso unmöglich, zwischen Coma und Despres einen Favoriten auf den DakarSieg zu bestimmen, wie zu erraten, wer sich beim Africa Race von Paris nach ­Dakar leichter tun wird: Gregor Bloéb oder Tobias Moretti.“

W Die doppelte Dakar Nachdem die Rallye Paris–Dakar im Jahr 2008 wegen Terrorwarnungen in Afrika abgesagt werden musste, wird sie seit 2009 unter dem Titel „Rallye Dakar“ in Südamerika ausgetragen. Was Marketingstrategen recht kam, war Abenteurern und ­Afrika-Liebhabern zu clean und zu weit von den Wurzeln entfernt. Unter dem Namen „Africa Eco Race“ (inzwischen meist ohne den Zusatz „Eco“) wird nunmehr wieder auf der originalen Route gefahren. Wiewohl ein Rennen, werden Kameradschaft und Respekt vor der Natur groß­ geschrieben. Dieses Jahr erfolgt der Start zum Africa Race am 28. Dezember in Saint-Cyprien, nahe der spanischen Grenze, das traditionelle Ziel am Lac Rose in Senegal erreicht man am 9. Jänner. Die Rallye Dakar hingegen startet am 5. Jänner in Lima (Peru) und endet am 20. Jänner in Chiles Hauptstadt Santiago.

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verschlossen bleiben. Das hinterlässt uns staunend und glücklich.“ Bevor wir hier vor lauter Philosophie das Benzin nicht mehr riechen können: Sie lieben den vierfachen Dakar-Sieger, aber sie häkerln ihn auch. Gregor Bloéb begann einst, ihn „Sybille“ zu nennen; inzwischen hört Despres schon auf diesen Namen. Wie Gregors Frohsinn überhaupt ein entschei­ dender Puzzlestein im großen Ganzen wer­ den könnte. So schlimm können die Steine und Dünen, die Navigation und die Stürze gar nicht sein, dass sich nicht, spätestens drei Minuten nachdem er den Helm abge­ nommen hat, ein Sonnenschein-Lachen mit bleckenden Zähnen aus dem jüngeren der beiden Brüder Bahn bricht. Bei einem Rennen, das über zehn Wertungstage geht, bei dem jeder das eine oder andere Mal stürzen wird, eventuell sogar mehr­ mals täglich, bei dem Schlafentzug und Improvisation zum Alltag gehören, bei dem du aus einem Fass schöpfst, aber zwi­ schendurch nie Gelegenheit bekommst,

er als Erster ankomme, das sei egal, beteuern die zwei Jungs. Der eine, Moretti, ist 53, der andere, Bloéb, wird beim Africa Race seinen 45. Geburts­ tag feiern. „Wir fahren miteinander, nicht gegeneinander, das wäre ja Irrsinn. Wir passen aufeinander auf. Das Schlimmste wäre, dass dem ande­ren etwas zustieße.“ Wo bleibt da der Konkurrenzkampf unter Brüdern, über Jahrzehnte liebevoll kulti­ viert? „Paris–Dakar ist zu gefährlich für ­solche Spielchen. Mein Wunsch, Tobias gesund in die Arme zu nehmen, ist sehr stark ausgeprägt“, beschreibt Gregor. „Immerhin fahren wir die härteste Rallye der Welt.“ „Die Sorge um den anderen schwirrt permanent wie eine Fliege um uns. Im Ziel kommen unsere Frauen nach“, sekundiert Tobias. Verstehen die Frauen eigentlich, was ihre Männer hier machen? Gregor: „Sie verstehen es vielleicht nicht, akzeptieren es aber. Sie wissen, dass das Daheimblei­ ben uns unglücklich machen würde.“ To­ bias: „Es darf keine rein sportive Heraus­ forderung, es muss eine lebenserfüllende Erfahrung sein, die mich als Mensch ir­ gendwo hinbringt: ein Grenzgang zwi­ schen Fertigkeit und Hybris. Aus Respekt vor jenen, die wir am meisten lieben, wer­ den wir bestmöglich vorbereitet sein. Ob wir ankommen: Inschallah.“ Am 28. Dezember wird gestartet.

www.dakar.com, www.africarace.com


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hart am limit

High-Speed-Katamarane. Rennen so nahe der Küste, dass man an Land die ­Besatzung schreien hören kann: Der America’s Cup erfindet sich neu.

Bild: Guilain Grenier/oracle team usa

Text: Andreas Tzortzis

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E Action

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Gekentert

„Pitchpoling“ ist eine besonders gefährliche Art des Kenterns. Und genau das passierte der AC72 von Oracle Racing bei einer Trainingsausfahrt in der Bucht von San Francisco. Die Meeresströmung trug das manövrierunfähige Boot weit hinter die Golden Gate Bridge, vier Meilen hinaus aufs offene Meer. Die Reparaturen dauern Monate.

Bilder: guilain grenier/oracle team usa

isig kalt, peitschender Wind mit Spitzen bis zu 27 Knoten (≈50 km/h), meterhohe Gischt – es war ein typischer Oktobertag in der San Francisco Bay, an dem America’sCup-Champion Jimmy Spithill mit einem Segelboot durch die Wellen schoss, das auf den ersten Blick wie ein gewasserter Kampfjet aussah: 22 Meter lang, mit einem 40 Meter hohen Carbonfaser-„Wingsail“ (Flügel-Segel) auf dem Rücken. In der langen, traditionsreichen Geschichte des America’s Cup gab es nichts auch nur annähernd Vergleichbares. „Die Entwicklung der Boote in den letzten fünf Jahren ist atemberaubend“, sagt Dirk Kramer, ChefDesigner von Oracle Team USA. „Vor fünf Jahren schafften wir mit Kielbooten hart am Wind neun Knoten (knapp 17 km/h, Anm.), jetzt erreichen wir 20 Knoten (37 km/h). Das ist, als würden die 100 Meter bei den nächsten Olympischen Spielen in fünf S ­ ekunden gelaufen werden. So was gibt’s im Sport nicht allzu oft.“ Nach 161 Jahren erfindet sich der America’s Cup neu. Motto: Raus aus den Yacht-Clubs, näher an die Fans. Das älteste Trophäenrennen der Welt soll TV- und zuschauerfreundlich werden. Das fängt bei den Booten an, bei der AC72. „Es geht uns wie den Jungs auf dem ersten Flug zum Mond“, erzählt Spithill. „Wir wissen nicht wirklich, was uns erwartet.“ Wie recht Spithill hatte, zeigte schon der Oktobertag in San Francisco, als eine Bö das überdimensionale Flügel­-Segel bei einer Wende so hart traf, dass sich die vorderen Enden des Rumpfs ins Wasser gruben. Es folgte, was die Segler „Pitchpoling“ nennen, eine Art Überschlag des Boots. Sehr spektakulär und sehr gefährlich. Die Helme und die gepanzerten ­Kevlarwesten verhinderten schwere Verletzungen bei den elf Crew-Mitgliedern, doch der Schaden am acht Millionen Dollar teuren Boot war gigantisch: Das FlügelSegel war in mehrere Teile zerborsten, die Meeresströmung zog das havarierte Boot


„Es geht uns wie den Jungs auf dem ersten Flug zum Mond. Wir wissen nicht wirklich, was uns erwartet.“


Action

bis weit über die Golden Gate Bridge hinaus ins offene Meer. „So was ist eine mittlere Katastrophe. Aber es kann passieren“, sagt Spithill. „Das ist wie bei der Formel 1. Egal wie gut du dich vorbereitest, es bleibt immer ein Restrisiko.“

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eit 1851 kämpfen die besten Segler der Welt um den Sieg beim größten aller Tests auf dem Wasser. Das Team, das die America’s-CupTrophäe am Ende in die Höhe stemmen will, braucht nicht nur herausragende Segelfähigkeiten – geniale Konstruktionsideen sind ebenso nötig wie einiges an Kleingeld. Das war schon bei der „America“ des New York Yacht Club so, der die Mitglieder des vordersten britischen Yacht-Clubs herausforderte, der Royal Yacht Squadron. Sie war das erste Boot mit schmalem Bug und breitem Heck. Außerdem konnten in ihrem Salon ganze Bankette veranstaltet werden, und es gab sechs Duschen an Bord. Erst 132 Jahre später beendete die „Australia II“ mit Hightech-Carbonfasern und einem revolutionären Flügelkiel die ununterbrochene Vorherrschaft der USA.

2010 investierte Oracle-Chef larry Ellison Millionen in die Entwicklung des innovativsten Boots der America’s-CupGeschichte. Der Trimaran USA 17 war verkabelt, um während des Segelns Daten sammeln zu können, hatte motorbetriebene Trimmvorrichtungen, einen absurd – 20 Stockwerke – hohen Mast, das Segel eine Konstruktion aus gerippter Kohlefaser und einem klarsichtfolienartigen Material, das auch bei Ultraleichtflugzeugen eingesetzt wird. Das Segel war um 80 Prozent größer als der Flügel einer Boeing 747. Angeführt vom blutjungen Spithill war die USA 17, ihrem Schweizer Konkurrenten Alinghi haushoch überlegen. Scott Ferguson war als Flügel-SegelSpezialist an der Entwicklung der USA 17 beteiligt. Und er ist Teil jener Crew, die bei der Jungfernfahrt eines neu entwickelten Boots an Bord ist. „Es ist jedes Mal aufs Neue beängstigend“, sagt er. „Es gibt so viele Dinge, die schieflaufen können, kleinste Details können dramatische Auswirkungen haben. Wir tragen Helme und Schutzwesten. Aber trotzdem denke ich jedes Mal bei so einem Abenteuer an meine lebensversicherungspolizze.“ Im Vorjahr trafen sich Ferguson und seine Designer-Kollegen und -Konkurrenten der anderen amerikanischen TopTeams in Neuseeland, um ein Design für ein neues Boot zu entwickeln. Heraus

Team New Zealand wurde vom 22 Meter kürzeren US-Katamaran Stars & Stripes geschlagen. Die beiden Kontrahenten landeten vor Gericht.

Die ladies

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1851 amEriCa

1903 rEliaNCE

1937 ENDEaVOUr ii

CLUB New York Yacht Club (USA) LÄNGE 29,9 m BREITE 6,8 m TIEFGANG 3,4 m GEWICHT 170,55 Tonnen SEGELFLÄCHE 461 m²

CLUB New York Yacht Club (USA) LÄNGE 42,5 m BREITE 7,6 m TIEFGANG 6,1 m GEWICHT 140 Tonnen SEGELFLÄCHE 1415 m²

CLUB Royal Yacht Squadron (GBR) LÄNGE 40,2 m BREITE 6,4 m TIEFGANG 4,5 m GEWICHT 163 Tonnen SEGELFLÄCHE 660 m²

Das Boot, mit dem alles begann. Erste Siegerin des America’s Cup, die erste Rennyacht der Geschichte, die über den Atlantik segelte.

Das größte Boot, das jemals für den Cup gebaut wurde. Der Stahlmast ragte 60 Meter in die Höhe, das Hauptsegel wog 1,5 Tonnen.

Das Boot geriet bei der Anreise zum Rennen auf dem Atlantik in einen Sturm, koppelte sich vom Schlepper ab und segelte allein weiter.

IllUSTRATION: AlBERT EXERGIAN

Sieben großartige Kombinationen von Genialität und Geld stolzieren hier maßstabsgetreu über die Zeitachse des America’s cup.


Action

1937: Die US-„Ranger“ (links) schlägt die britische „Endeavour II“ klar mit 4:0.

David segelte Goliath in Grund und Boden – und landete vor Gericht.

BIlDER: GETTY IMAGES (3), KEYSTONE-FRANCE (2)

Stars & Stripes-Skipper Nach ihrem America’s-Cup-Triumph wurde die Dennis Conner mit US„Ranger“ demontiert, ihre Einzelteile fanden Präsident Ronald Reagan. im Zweiten Weltkrieg Verwendung.

Schicksalswenden im Kampf um die Kanne 132 Jahre lang gewannen die USA jedes America’s-Cup-Rennen – der vermeintlichen britischen Überlegenheit begegnete man mit einer offenbar unschlagbaren Mischung aus Innovationsgeist und Professionalität. 1983 ging die US-Vorherrschaft mit dem bisher einzigen Triumph Australiens zu Ende. Die Übergabe des Pokals gestaltete sich kompliziert, weil die Amerikaner ihn mittlerweile im

Trophäenschrank des New York Yacht Club festgeschraubt hatten. Ein weiterer Meilenstein in der America’s-CupGeschichte: 1988 wurde das gigantische Boot des Teams New Zealand vom 22 Meter kürzeren Stars & Stripes-Katamaran der USA distanziert. Der Gerichtsstreit um die grundverschiedenen Design-Strategien resultierte in der Einführung einer einheitlichen Bootsklasse.

Der Pokal aus versilbertem Zinn ist knapp 70 Zentimeter hoch und wiegt 20 Kilogramm.

1958 SCEPtrE

1988 StarS & StriPES

1992 amEriCa3

2012 aC72

CLUB Royal Yacht Squadron (GBR) LÄNGE 20,4 m BREITE 3,5 m TIEFGANG 2,7 m GEWICHT 30 Tonnen SEGELFLÄCHE 160 m²

CLUB San Diego Yacht Club (USA) LÄNGE 17,8 m BREITE 8,9 m TIEFGANG 3 m GEWICHT 2,8 Tonnen SEGELFLÄCHE 167 m²

CLUB San Diego Yacht Club (USA) LÄNGE 22,2 m BREITE 5,3 m TIEFGANG 3,8 m GEWICHT 16,2 Tonnen SEGELFLÄCHE 263 m²

Einheitsklasse! LÄNGE 21,9 m BREITE 14 m TIEFGANG 4,42 m GEWICHT 6,2 Tonnen SEGELFLÄCHE 580 m²

Wegen des Mangels an Ressourcen nach dem Weltkrieg wurde eine Einheitsklasse eingeführt. Die Boote wurden beträchtlich verkleinert.

Der erste Katamaran, der zum Cup antrat. Neuseeland protestierte gegen die Teilnahme und verlor – im Rennen wie auch vor Gericht.

Die Einführung der International America’s Club Class war ein Quantensprung: moderne Materialien, größere Segelfläche, mehr Speed.

Willkommen in der Zukunft: Die AC72 ist rasend schnell und verlangt den zehn Crew-Mitgliedern olympisches Fitness-Niveau ab.

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Gennaker und Fock. In den Katakomben des Hauptquartiers von Team Oracle USA arbeiten Spezialisten mit Nähmaschinen an den von North Sails gefertigten Carbonfasersegeln.

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Flügel. Über einen Carbonfaserrahmen wird dasselbe Material gespannt, das auch bei Ultraleichtflugzeugen verwendet wird. Die endgültige Flügelfläche wird um die 260 m² betragen.

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kam ein knapp 14 Meter langer Katamaran, der einer fünfköpfigen Crew Platz bietet, mit Carbonfaserrümpfen und einer kleineren Version des Flügel-Segels der USA 17. Der Prototyp – klein genug, um im Container verschifft zu werden – erfüllt zwei Zwecke: Er ist Anschauungsmodell für die neue Einheitsklasse, und er ist eine Art Starter-Kit für die Teams, die an der 22-Meter-Version arbeiten. Dokumentiert ist das Design in einem 45-seitigen Dokument, das die Grundregeln für Materialien und Dimensionen festhält. Irgendwo in diesem Schriftstück müssen die Designer dann jenen Spielraum finden, der über Sieg oder Niederlage entscheidet: die Konstruktion des Flügel-Segels oder die Form des Schwerts oder der Aufbau des Trampolins, auf dem sich die Crew von einer Bootsseite zur anderen hantelt. „Es ist wie in der Formel 1“, erklärt Spithill. „Du hast Regeln, die du bis an die Grenze ausreizen musst, um konkurrenzfähig zu sein. Du musst diese Boote pushen, und je mehr du sie pushst, desto schneller werden sie. Du musst aber verdammt aufpassen: Irgendwo zieht die Physik die Grenzen – wenn du die verletzt, endet das böse.“

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Die aC72 Das erste Boot der einheitlichen America’sCup-Designklasse mit Flügel-Segel kann Geschwindigkeiten von mehr als 50 km/h erreichen. Für den Bau eines Boots dieser Klasse müssen die Teilnehmer am ältesten Trophäenrennen der Welt 30 bis 100 Millionen Dollar veranschlagen.

1 AC72

Größenvergleich Das Flügel-Segel des AC72 überragt den Flügel einer Boeing 747 (ca. 29 m).

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www.americascup.com Die AC72 in Action auf Video und noch mehr geheime Details aus der OracleWerkstatt gibt’s exklusiv in unserer Red Bulletin Tablet App.

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Boeing 747/Flügel

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Action

Neuer Kurs: schnell, gefährlich und brutal America’s-cup-Haudegen Russell couts über die Wende im champagnerglas. russell coutts von Oracle Team USA ist mit vier Siegen beim America’s Cup wohl der erfolgreichste Segler in der Geschichte dieses Sports. Jetzt arbeitet der gebürtige Neuseeländer daran, das älteste Rennen der Welt ins 21. Jahrhundert zu führen. Der runderneuerte America’s Cup steht für rasante Boote, einheitliches Design und schnelle Kurse in der Bucht von San Francisco, der wahrscheinlich imposantesten WasserArena der Welt.

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BIlDER: CAMERON BAIRD/RED BUll CONTENT POOl (4), GUIlAIN GRENIER (2). IllUSTRATION: AlBERT EXERGIAN

Schwert. Bei hohen Geschwindigkeiten unterstützen die Schwerter die Tragflächen des Boots. Beide Rümpfe werden aus dem Wasser gehoben. Das Schiff gleitet dann nur noch auf den Schwertern. Ergebnis: noch mehr Speed.

RED BULLETIN: du reißt das ruder des America’s cup radikal herum. Warum? RUSSELL COUTTS: Bis jetzt wurden die Rennen weit draußen auf dem offenen Meer weitab vom Publikum gefahren und dauerten ewig. Die Boote waren langsam, es war alles extrem technisch. Aufregend war es eigentlich nur für die, die an Bord waren. Für alle anderen war es so spannend, wie Farbe beim Trocknen zuzusehen. Harte Worte. So ist die Realität. Wir brauchen mehr Publikum. Unser Sport darf nicht nur für Insider da sein. Wir müssen ihn auch für laien leichter verständlich und aufregender machen. Was dürfen sich Zuschauer erwarten? Die Regatten sind nun viel kürzer und schneller. Das Finale des America’s Cup (im September 2013, Anm.) wird aus zwei Wettfahrten an jedem Regattatag mit einem kurzen Rennen dazwischen bestehen.

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Rumpf. Gefertigt aus Carbonfasern und einer bienenwabenförmigen Aluminiumschicht

und die Boote? Mit unserer neuen Einheitsklasse haben wir Schiffe eingeführt, wie es sie beim America’s Cup noch nie gegeben hat. Extrem schnell, gefährlich, spannend. Ich habe letztens ein paar leute eingeladen. Als sie die Boote sahen, sagten sie: „Verdammt, das sieht ja aus wie ein Flugzeug!“ Das ist der totale Imagebruch in unserem Sport. Bislang hatten die leute Bilder im Kopf von Schiffen, auf denen ein paar Typen herumstehen und einen auf nobel machen. Aber wenn du dir unsere AC72 ansiehst, denkst du dir zuerst einmal: „Mann, was ist denn das für eine Maschine!“ du lässt ja Gäste auf deinen Geschossen mitfahren. die haben dann auch diesen speziellen Aha-effekt … Ja. Herrlich! Da war zum Beispiel der Kerl, der „gerne mal an Bord kommen und ein Glas Champagner“ mit uns trinken wollte und nur noch irgendetwas herausbrachte, das mit „Verdammt …!“ begann. Die Wahrheit auf dem Boot liegt zwischen unruhig und brutal. Das hat auch 200- und 400-Meter-Olympiasieger Michael Johnson flott kapiert, als er aufstand und auf dem Schiff herumspazieren wollte. Er ist in null Komma nichts über Bord gegangen. die Kurskorrektur von champagnerclub auf Action-Thriller habt ihr ja bereits bei den jetzigen rennen umgesetzt, soweit das eben mit den kleineren Katamaranen geht. Wie sind die reaktionen? Plötzlich sehen sich auch meine Kinder die Rennen an. Mein elfjähriger Sohn ist begeistert. Genau darauf kommt es an. In den ehrwürdigen Yacht-Clubs hängen lauter alte Knacker wie ich herum. Das ist todlangweilig! Wir dürfen nicht in der Vergangenheit steckenbleiben, wir müssen uns weiterentwickeln. Entweder du begeisterst auch junge Menschen und bietest einem breiten Publikum ein unvergessliches Erlebnis, oder du kannst einpacken.

russell Coutts

betreibt die America’sCup-Verwandlung vom Champagner-Club zum Action-Thriller.

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Action

„… HA,

HA HA,

KRA

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nicht?“

SS, Sim dolutat aliquis alis dolutate faci blaore minisi. Sequat lor suscidunt ut lorerci ncipsumsan ut nulputetum iure modo etum nim zzrit amcon verat, commy nostrud tinis nulput ulla feugiam, vent vel ut in hendiat autet irilissi.

Sizarr:

Deutscher Indie-Pop beim Senkrechtstart Richtung Weltklasse.

Text: Stefan Wagner, Mitarbeit: Manuel Kurzmann Bilder: Lukas Gansterer


Action

„S

ervus Schülerband, hallo Welt“, schrieb „Spex“ ziem­ lich punktgenau, „Psycho Boy Happy“ hält das „Magazin für Popkultur“ für „eine der besten Platten des Jahres“. Auch in der „Zeit“ las man über „Landaus hippe Kinder“ nur das Beste, „Bild“ pro­ gnostiziert eine Weltkarriere, auch der englische „Guardian“ feierte drei gerade mal volljährige Jungs aus dem Städtchen Landau in der Pfalz: Sie heißen Philipp Hülsenbeck (20), Fabian Altstötter (20) und Marc Übel (19), gemeinsam Sizarr. Die drei starteten tatsächlich als Schüler­ band, inklusive Rap-Versuchen mit zwölf und Cover-Geschrummel bei Weinfesten mit siebzehn. Doch dann geschah ­Erstaunliches. red bulletin: Deutschland ist voll von jungen Bands, die genau das tun, was ihr tut: Drei Freunde finden sich zusammen, um in einem Lagerraum gemeinsam Musik zu machen. Was normalerweise im besten Fall zu Ärger mit den Eltern und Ohrensausen führt, sieht bei euch nach Weltkarriere aus. All die tausende da draußen wollen jetzt wissen: Was habt ihr anders gemacht als sie? fabian: Ganz einfach: Wir hatten Glück. Nun ja. Es ist gerade mal vier Jahre her, dass ihr auf Weinfesten Hits von Green Day oder den Ramones gecovert habt. Jetzt werdet ihr von „Bild“ bis „Spex“ gefeiert, habt ein zu Recht bejubeltes Album herausgebracht, seid auf Tournee, und eure Musik wird mit Radiohead, Animal Collective oder Vampire Weekend verglichen. Nur Glück? philipp: Echt, da war kein Plan dahinter oder irgendwas. Wir haben alles so ge­ macht wie alle anderen. Ernster wurde ­alles erst, als Fabian seine ersten Songs geschrieben hat. fabian: Da war ich sechzehn und ein ­halbes Jahr auf Schüleraustausch in Mont­ réal. Ich kannte dort niemanden, also habe ich angefangen, ernsthafter Musik zu machen, mit Gitarre, Songwriting und allem. Als ich zurückkam, haben wir die Songs fertig gemacht und begonnen, ­Konzerte zu spielen. Und nach dem vier­ ten oder fünften Konzert, das war im Karlstorbahnhof in Heidelberg, kam ein Typ auf uns zu und sagte, er würde gerne unser Management machen. philipp: Wir hatten damals drei Stücke so weit, dass wir sie auf Myspace stellen konnten … fabian: … und fünf, die wir irgendwie

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live spielten. Wir schafften gerade ein 20-Minuten-Set, aber hatten einen Mana­ ger … hahaha, krass, nicht? Kurz darauf wurdet ihr zum Melt! Festival in Sachsen-Anhalt eingeladen. Eine ganz neue Erfahrung? marc: Das Melt! kannten wir, aber nur als Fans. Nun sollten wir dort spielen. Das war plötzlich Profilevel, von null auf hundert. Was habt ihr getan, um den neuen ­Ansprüchen gerecht zu werden? marc: Zunächst mal haben wir begonnen, ordentlich zu proben. philipp: Wir hatten ja einen Proberaum im Weingut von Marcs Eltern, aber den hatten wir mit Sofa, Dartscheibe, Fern­ seher und drei Konsolen recht gemütlich eingerichtet. Da ging’s eher drum, dass wir rauchen, saufen und so laut sein konnten, wie wir wollten. Nun flog erst mal die Spielkonsole raus …? marc: Das war gar nicht nötig. Die griff keiner mehr an. Wir wussten: Jetzt ist es ernst. Insgesamt hat euch da jemand ziemlich ins kalte Wasser geworfen. fabian: Das ging alles so schnell, dass wir’s in Wahrheit nicht mal mitgekriegt haben. marc: Aber es hat sich extrem spannend angefühlt! Wie groß war die Gefahr abzusaufen? philipp: Angst hatten wir nie. Es war sur­ real, aber toll. Das Tollste war, und das haben wir auch kapiert: Wir liefern ein völlig unfertiges Produkt ab, aber die ­Leute finden’s trotzdem gut! Ihr musstet wohl nur Zeit gewinnen, um nebenbei neue Songs zu schreiben? marc: Wir sind keine Band, die jede ­Woche einen neuen Song schreibt, leider. Das können wir nicht. Vieles wäre leichter, wenn unser Set-up einfacher wäre. Aber dadurch, dass man mit Laptops so scheiß viele Möglichkeiten hat, ist es schwierig,

„Wir kannten das Melt! nur als Fans. Nun sollten wir dort spielen. Das war plötzlich Profilevel, von 0 auf 100.“


action

„In der Öffentlichkeit nach sich selbst suchen, das ist ein bisschen wie in einer Therapie.“

Sizarr sind Fabian „Deaf Sty“ ­Altstötter (o.), der Absolvent der Red Bull Music Academy Marc „Gora Sou“ Übel (li.) und Philipp „P Money“ Hülsenbeck: Gegründet wurde die Band 2009, doch das Trio kennt sich schon seit der Schulzeit.

den Sound konkret zu machen. Oft ist der Text schon da, die Grundmelodie auch, aber das Gesamtbild dauert extrem lange. philipp: Wir haben also bis Ende 2011 die Songs aus unserer Anfangszeit gespielt. Ganz alte Sachen, die entstanden sind, als wir sechzehn waren. Haben euch die noch gefallen? philipp: Puh, nein. Wir waren damals im Kopf schon viel weiter als in unserem Repertoire. Über euer Debüt-Album „Psycho Boy Happy“ sagt ihr, dass es euren Selbstfindungsprozess beschreibt. Das meint: als Band? Oder den Übergang vom ­Jugendlichen zum Erwachsenen? fabian: Beides. Textlich ist es so ein Menschwerdungs-Ding, was einen eben bewegt, wenn man jung ist. Von den Songs her sind welche drauf, die ganz am Anfang entstanden sind, als wir sechzehn oder siebzehn waren. Wieder andere sind erst vor ein paar Monaten geschrieben worden. Das Album zeigt also sozusagen auch unseren Selbstfindungsprozess als Band. philipp: Normalerweise kann man für ein Album aus dreißig oder vierzig Songs wählen. Wir hatten dreizehn oder vier­ zehn zur Auswahl – und zwölf kamen auf die Platte. Ihr seid von einem Tag auf den anderen in der Öffentlichkeit gestanden. Hilft es, wenn einem dabei zugesehen wird, während man nach sich selbst sucht? philipp: Es gibt dabei schon eigenartige Momente. Zum Beispiel, wenn man Aus­ sagen liest, die man bei einem Interview getätigt hat. Man wird damit konfrontiert, wie einen die anderen wahrnehmen, und darüber denkt man schon nach. fabian: Es ist ein bisschen wie in der ­Therapie – wenn man etwas ausformu­ liert, kommen einem ganz andere Gedan­ ken, als wenn man nur darüber grübelt. Das ist schon gut. In eurem Hit „Boarding Time“ singt ihr: „I tell you lies so you don’t see the clear me“. So ein Satz ist doch ziemlich hilfreich, weil er den Zuhörer im ­Unsicheren lässt: Er weiß nie, ob ihr das, was ihr sagt, ernst meint. 61


Action

fabian: Wir sehen das schon ernster. Die Zeile drückt aus, dass man sich immer im Klaren sein sollte, was man von sich preis­ geben will. Und da ziehen wir unsere Gren­ zen. Allzu Privates, Familie und so, nein. Aber ihr verkauft ja nicht nur eure Musik, sondern vermarktet euch auch als Persönlichkeiten – gehört ein gewisser Exhibitionismus nicht zum Business? marc: Ob er dazugehört oder nicht, ist nicht die Frage. Die Frage ist, worum’s uns geht und womit wir uns gut fühlen. Selbst wenn wir über uns Auskunft geben, geht’s um Sizarr als Produkt und nicht um Marc, ­Fabian und Philipp als Privatpersonen. Hey, ob ich am Wochenende Tischtennis spiele oder ob ich eine Katzenallergie habe, ist doch scheißegal. Weil es nichts mit unserer Musik zu tun hat. fabian: Unsere Songs beschreiben ja auch keine konkreten Ereignisse oder privaten Details, sondern Stimmungen, Gefühle. Wir arbeiten da schon sehr bewusst mit Symbolik und Metaphern. Die Titel eurer Songs scheinen in der metaphorischen Hinsicht besonders, äh, gelungen. philipp: Haha, nein. Die haben gar keine Bedeutung. fabian: Sie sind frei oder persifliert. Ist doch lustig, einen Text zu haben, der ziemlich tief geht und dann einen völlig stumpfsinnigen Titel drüberzusetzen – man muss ja nicht immer alles bierernst nehmen. Wie entstand denn „Boarding Time“, also der Titel? marc: Irgendwann mal im Bus. Und wie kam es zu eurem Bandnamen? Der ist ja schlau ausgedacht: perfekt zu googeln, in allen Weltsprachen ­verwendbar. fabian: Der entstand wie ein Songtitel. Wir hatten eine Tafel, auf die wir einfach alles schrieben, was uns spontan einfiel. marc: Da war ich nicht mal dabei. Ich bin an dem Tag später gekommen, und die meinten nur: „Übrigens, wir heißen jetzt Sizarr.“ fabian: Ich war am Anfang gar nicht für den Namen. philipp: Da war zum Beispiel irgendein halbfranzösischer Begriff, den du moch­ test. Aber den hätten wir im Nachhinein sicher bereut. (Lacht.) marc: Wahrscheinlich hätten uns mit die­ sem Namen alle Leute scheiße gefunden, und wir hätten nie gecheckt, dass das nur an dem bekloppten französischen Namen liegt. Wer über Sizarr spricht, muss übers Internet sprechen. Eure Musik steckt voller Einflüsse, die ihr aus dem Netz gesaugt habt – so ein musikalischer 62

Horizont wäre vor ein paar Jahren in Landau in der Pfalz gar nicht möglich gewesen. Auf der anderen Seite geht ihr entspannt damit um, dass das Web auch eine Bedrohung für euch ist … fabian: Wie denn das? Die illegalen Downloads entziehen den Musikern eurer Generation die wichtigste Lebensgrundlage früherer Musikergenerationen. Und ihr sagt ganz klar, dass ihr kein Problem mit den Downloads habt. Wovon wollt ihr denn leben? marc: Zu unserer Generation gehört ­dieser Zugang zur Musik. Alles ist heute online irgendwo kostenlos runterzuladen. Ich fände es absurd, sich über etwas zu beschweren, das erstens selbstverständ­ lich ist und zweitens nicht zu ändern. fabian: Man darf das auch nicht nur ­negativ sehen. Das Internet öffnet auch viele Möglichkeiten, seine Musik zu ver­ markten. Man wird als Band viel leichter bekannt als früher – das meint sowohl schneller als auch mit viel weniger Kohle. Aber noch mal: Habt ihr schon drüber nachgedacht, wovon ihr leben wollt? fabian: Man muss so viel wie möglich live spielen. Und sich beim Merchandi­ sing was einfallen lassen. Wer heute als

„Man darf eine Platte heute nicht mehr als Einnahmequelle sehen. Eine Platte ist eine Visitenkarte.“


action

Sizarr bei ihrer Herbst-Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Gefühlter Anteil weiblicher Fans im Publikum: 70 Prozent

Aktion Fanfoto Im Rahmen ihrer Herbst-Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz riefen Sizarr ihre Fans via Facebook auf, Fotos von ihren Eindrücken rund um die Konzerte zu machen. Hier (re.) ist das Bild der Gewinnerin Vianca ­Reinig aus Wiesbaden, die sich über ein Fanpaket freuen darf.

Musiker leben will, muss sich einfach mehr überlegen. Zu welcher Erkenntnis hat dieses „mehr überlegen“ bei euch geführt? fabian: Wir verkaufen zum Beispiel ein Sizarr-Yo-Yo – das ist vielleicht ein Laden­ hüter! (Lacht.) Aber jetzt wissen wir’s. Und machen nächstes Mal was anderes. philipp: Aber zum Beispiel der Tour-Wein, der verkauft sich super. Aber mit einem Yo-Yo und einem TourWein macht man wohl nicht so viel Kohle wie mit einem erfolgreichen Album? marc: Man darf eine Platte heute nicht mehr als Einnahmequelle sehen. Eine Platte ist eine Visitenkarte. Nicht mehr als eine Visitenkarte? marc: Nein. Und auf Dauer nicht mal ­unbedingt das. Auch wenn man ein ­Album macht, das die Leute gut finden, ist man ein Jahr später wieder vergessen, weil in der Zwischenzeit zehn andere Bands etwas veröffentlicht haben.

Es gibt keinen deutschsprachigen ­Wikipedia-Eintrag, dafür einen umfangreichen englischen. Welche Idee steckt denn da dahinter? fabian: Gar keine. Nur Zufall. Wir spiel­ ten bei einer Veranstaltung der European Broadcasting Union, in Hamburg auf ­einem Boot. Dort war auch ein Typ von BBC1, der meinte: „Ihr seid so gut, ihr braucht einen Wikipedia-Eintrag!“ Und dann hat er uns den einfach geschrieben. philipp: Aber da gibt es Foren, in denen Beiträge diskutiert werden und wo die Wikipedia-Wächter entscheiden, ob ­jemand relevant genug ist oder nicht. Bei uns wird das gerade diskutiert, ob wir überhaupt wichtig genug für Wikipedia sind. Die argumentieren teilweise, dass wir keine berühmten Leute in der Band haben und bisher ja nur als Support für große Bands gespielt haben. marc: Nun ja, damit haben die Leute ja auch wirklich nicht ganz unrecht.

Nun ja, ihr werdet immerhin schon mit Bands wie Radiohead oder Vampire Weekend verglichen. Wie fühlt sich das an? marc: Schön, wenn Leute das so emp­ finden, weil es eine Ehre ist, mit solchen Riesenbands verglichen zu werden. Aber ich kann dem kaum was abgewinnen. Ich denke, wir sollten dran arbeiten, als Refe­ renz von Bands der nächsten Generation genannt zu werden. fabian: „Das sind die nächsten Sizarr“ – ja, das klingt krass. „Bild“ zählt euch zu den Aufsteigern des Jahres – peinlich oder super? philipp: Och, die Liste war doch okay. Da waren noch The Weekend drauf. Und ­Florence and the Machine. Die sind zwar schon seit Jahren keine Aufsteiger mehr, aber als Gesellschaft sind Florence and the Machine schon klasse. fabian: Für uns ist es halt immer noch extrem verrückt, in so einer Reihe zu ste­ hen. Weil wir da einfach noch nicht sind. Wir haben gerade mal achteinhalbtau­ send Facebook-Likes oder so … Wir sind ja in Wahrheit noch völlige Nobodies! Hebt ihr euch solche Zeitungs­ ausschnitte eigentlich auf? marc: Meine Mutter macht das, die ­sammelt alles von uns. Ihr seid noch in einem Alter, in dem sich Eltern bemüßigt fühlen, in Angelegenheiten der Berufsentscheidung mitzureden. Was sagen die denn dazu, dass ihr von Musik leben wollt? marc: Sie finden es okay. Sie sehen ja auch, dass es im Moment funktioniert. Und wenn es nicht funktionieren sollte, sind wir alle noch jung genug und können in fünf Jahren immer noch studieren, wenn’s sein muss. philipp: Diese Frage kommt eigentlich ­erstaunlich oft. Auch von Leuten, die nicht älter sind als wir. Ich denk mir dann immer: Nur weil du jetzt was weiß ich studierst, heißt das noch lange nicht, dass du in zehn Jahren noch immer dasselbe machen wirst. Eigentlich ist es scheißegal, was man macht. Sicherheit hat man nie. marc: … und vor allem: Es wäre richtig dumm gewesen, diese Chance nicht zu nützen. www.sizarr.com Die besten Fan-Fotos von Sizzar plus die Band im Interview auf der gratis Red Bulletin Tablet-App!

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Action

Neues Jahr, neue Ziele

Die Creme des amerikanischen ActionSports über Ruhm, Furcht, Triumph und die Erwartungen für 2013 – fotografiert von Terry Richardson. Text: Andreas Tzortzis & Ann Donahoe, Bilder: Terry Richardson 64


Robbie Maddison ist der Mann, der als Erster mit dem Motorrad auf die 2:3-Kopie des Arc de Triomphe in Las Vegas sprang – und anschließend wieder runter. Und (ebenfalls mit dem Bike) in San Diego über das Hafen­ becken flog. Und die X Games dominiert. Und die MotorradStunts im neuen Bond-Film „Skyfall“ erledigte. Was fällt einem Mann wie ihm ein zu: RUHM:  Wahrgenommen und respektiert werden. Die Chance, andere zu inspirieren und d ­ amit Dinge zum Besseren zu wenden. FURCHT:  Haben wir alle. Aber du kannst daran arbeiten und sie überwinden. Triumph:  Anerkennung. Eine große Leistung feiern. 2013:  Ich will Freestyle-Motocross eine neue Vision und ein neues Format geben. Außerdem will ich die Arbeit an einer Erfindung fortsetzen, mit der ich schon eine Weile beschäftigt bin. Und ich möchte damit weitermachen, die Regeln in unserer Szene zu verändern.


bryce MeNZies Schnapp dir einen Truck, setz Menzies rein und sieh zu, wie er das Ding off-road ans Limit pusht. 2011 und 2012 war er Champion der US-amerikanischen OffroadSerie TORC und gewann bei der Baja 500 die Trophy-Truck-Klasse. ruhM: Das Privileg, dass Leute dich kennen und du in ihrem Leben etwas bewegen kannst. FurchT: Daf체r ist in meinem Leben kein Platz. Ich balanciere st채ndig auf einem schmalen Grat, um konkurrenzf채hig zu bleiben. TriuMph: harte Arbeit und Ausdauer. So erreichst du deine Ziele und schaffst es an die Spitze. 2013: Ich will im Short Course Racing meine Startnummer 1 verteidigen, die Baja 1000 gewinnen und im weltweiten Rallycross bekannt werden.

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„AngsT? isT knAllhArT. wAs hilFT: schAu ihr ins gesichT.“

ashley FioleK ist seit ihrer Geburt taub, fuhr schon als Kleinkind Motorrad, ist mittlerweile (mit 22) vierfacher Champ der Women’s Motocross Association, die erste Frau, die einen Vertrag mit dem amerikanischen Honda Racing Team unterschrieb und der erste Motocrosser (egal ob männlich oder weiblich), dem die „Vogue“ eine Doppelseite widmete. ruhM: Das Wort mag ich nicht besonders. Denn den meisten Leuten, die sich meine Freunde nennen, geht es eben um meinen „Ruhm“. FurchT: Ich mag es, mich jeden Tag meiner Angst zu stellen. Furcht ist knallhart. Du musst immer versuchen, ihr ins Gesicht zu schauen. TriuMph: wenn du schaffst, was du dir vorgenommen hast. 2013: Ich will alle Rennen der Global X Games gewinnen.

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„Mein Ziel? Alles gewinnen, alles wagen und trotzdem gesund bleiben.“

Louie Vito steht seit der Olympiade 2010 für heldenhafte Snowboard-Auftritte in der Halfpipe. In der zurück­ liegenden Saison holte er den ­Titel bei der Dew Tour; im neuen Jahr will Louie Vito noch mehr: RUHM:  anerkannt zu werden für das, was du tust, wer du bist und wie du durchs Leben gehst. FURCHT:  ein Hindernis auf dem Weg zu einem Ziel. Ich glaube: Je größer die Furcht, umso besser ist das Gefühl, wenn du sie überwunden und dein Ziel erreicht hast. Triumph:  Ist das Gefühl, das du hast, wenn sich all deine harte Arbeit, deine Hingabe, deine Opfer, kurz: all die Höhen und Tiefen, ­gelohnt haben. 2013:  alles zu gewinnen, was ich angehe – die Dew Tour, die US X Games, die US Open, die Euro X Games. Wie? Mehr wagen und ­dabei gesund bleiben.

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„Konzentriere dich nicht auf den Ruhm. Der kommt von selbst.“

Maya Gabeira tut etwas, das nur wenige Menschen und noch weniger Frauen wagen: Die 25-jährige Brasilianerin jagt und ­reitet Riesenwellen. So gut, dass sie mittler­ weile fünffache Gewinnerin des Billabong XXL Big Wave Award ist. RUHM:  Ist nur gut, wenn du Gutes damit tun kannst oder als Anerkennung deiner Leistung. Konzentriere dich bei deiner Arbeit nie auf den Ruhm. Der kommt von selbst. FURCHT:  Spüre ich gern. Es ist eine Herausforderung, Furcht zu kontrol­ lieren. Sie kann uns Kraft geben. Sie ist ein Teil unseres Leben. Es kommt darauf an, was wir mit ihr anfangen. Triumph:  der Moment, nachdem ich eine unvergessliche Welle gesurft bin. Wenn ich heil zum Channel zurückkomme und die Emotionen und das Adrenalin mich überwältigen. Er ist pur und stark, und ich kann ihn nur durch meine Arbeit und Hingabe erleben. 2013:  Ich freue mich darauf, ein paar größere Wellen zu reiten. Ich träume noch immer davon, am richtigen Tag und bei den richtigen Bedingungen in Jaws (auf Hawaii; Anm.) rauszu­ paddeln. Gesund bleiben und bereit sein – das ist mein Fokus für 2013.

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Terry richardsoN

BILD: GETTY IMAGES

Bei diesem Vater (dem Modefotografen Bob Richardson) und einer Jugend in der Hollywood High School konnte es ja nicht anders kommen. Mit angeborener Leichtigkeit agiert Terry Richardson hinter der Kamera, findet mühelos einen Draht zu Superstars und Freaks gleichermaßen. Richardsons BlitzlichtStil auf kargem Hintergrund provoziert seine „Objekte“, vor der Linse aus ihrem Schneckenhaus herauszukommen. Er schmeichelt, er bettelt, er flirtet – bis er sein Bild im Kasten hat. Die Fotos in seinen Büchern „Kibosh“ und „Terryworld“ zeigen Nacktheit und simulierten Sex. Das polarisiert – vorsichtig ausgedrückt. Sein mutiger und intimer Stil ist in der Welt der Magazine und der Werbung im letzten Jahrzehnt zum Muss geworden. Terry war nach einen Ausflug in die Welt des Actionsports zumute, und er traf sich zu diesem Zweck mit Red BullAthleten. Das Ergebnis sahen wir auf den Seiten zuvor.

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action

RennTier Alter: 26. Berufung: Skicross. Stärke: ein sechster Sinn. Zu Besuch bei Sanna Lüdi, Top-Anwärterin auf die Weltcup-Trophäe in der härtesten Freestyle-Disziplin.

Text: Stefan Wagner, Mitarbeit: Arek Piątek Bilder: Dan Cermak

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Action

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kicross ist sehr jung (erste Rennen: 1990er, erste Weltmeisterschaft: 2005) und raketenhaft erfolgreich (erstmals olympisch: 2010). Das liegt daran, dass Skicross kurzweilig ist, anspruchsvoll und einfach: Ein Rudel Skifahrer (zumeist vier) jagt gemeinsam und gleichzeitig über eine originell angelegte Strecke. Wer unter Verzicht auf offensichtliche Grobheiten als Erster unten ist, hat gewonnen. Wer beim Skicross erfolgreich sein möchte, muss schnell Ski fahren können, trotz flexibler Pistenverhältnisse (die außer gefrorenem Wasser als Grundmaterial mit dem Schneeparkett der Alpinen nichts ­gemeinsam haben), konstanter (Wellen, Buckel, Tore) und variabler Hindernisse (also den anderen Leuten auf der Piste). Wer mit Schmerzen gut umgehen kann, ist im Vorteil, denn Verletzungen sind de facto unvermeidlich. Sanna Lüdi ist 26 Jahre alt und die nach allgemeiner Ansicht ziemlich beste Skicrosserin der Gegenwart. Das ist aus mehreren Gründen erstaunlich. Die schweizerisch-finnische Doppelstaatsbürgerin wuchs im Flachland des Kantons Bern auf und kam aus gesundheitlichen Gründen zum Skifahren: Die kleine Sanna litt unter Asthma und Pollenallergien, also brachte man das Kind zur Luftkur in die Berge. Das Skifahren begeisterte sie aber so sehr, dass sie Rennen fuhr, das erste mit neun, „da wusste ich nicht mal, wozu diese blauen und roten Tore da sind“. Sie fuhr immer besser, und 74

Im August quartierte sich Sanna Lüdi in Saas Fee ein, um sich am Gletscher von Zermatt auf die Saison 2012/13 vorzubereiten. Durchschnittlicher Trainingstag? Von 6.30 Uhr bis 22 Uhr. Ziel? Der Sieg im Skicross-Gesamtweltcup.

mit fünfzehn ging sie ins Skigymnasium Engelberg, um ihre Karriere als alpine ­Abfahrerin professionell voranzutreiben. „Ich war der Underdog aus dem Flachland, aber ich konnte mich endlich mit den Besten vergleichen.“ Der Vergleich mit den Besten führte immerhin bis zu FIS- und Europacup-Rennen und dem Schweizer Juniorenmeistertitel in der Abfahrt 2008, aber der große Durchbruch blieb aus. „Wenn es wirklich drum ging, hat es im Kopf ‚Ping!‘ gemacht. Irre Sachen. Beste Zwischenzeit, aber das letzte Tor vor dem Ziel ausgelassen. In der Art. Dauernd. Wegen des wahnsinnigen Drucks, den ich mir selber gemacht habe.“ Doch dann, eines Tages im Jahr 2008, wurde plötzlich alles anders.

red bulletin: Sanna Lüdi, Ihr Wechsel vom alpinen Rennlauf zum Skicross 2008 passierte ein bisschen zufällig … sanna lüdi: … ein bisschen sehr zufällig! (Lacht.) Ich kam zurück von einem FIS-Rennen in St. Moritz, wo es wieder mal nicht gut gelaufen war. Ich wollte nach Davos, ein wenig Halfpipe fahren, um auf andere Gedanken zu kommen. Dort hat mich eine Freundin angerufen und gesagt, in Lenzerheide ist die Schweizer Skicross-Meisterschaft, ich soll da mitmachen. ­Zuerst wollte ich nicht, aber dann bin ich doch wieder ins Auto. Um zwei Uhr früh in Lenzerheide angekommen, an einer falschen Tür geklingelt, aber die Leute, die ich aufweckte, waren zufällig Skilehrer, so durfte ich bei denen


Wie eine Aufsteigerin relaxt: Sanna Lüdi & die Zermatter Morgensonne

pennen. Um drei im Bett, um sieben auf, völlig geschreddert. Dann bin ich aber doch zum Rennen. Und es war das Coolste, was ich seit langem gemacht habe. Man vermutet: vielleicht, weil der Druck fehlte, den eine alpine Karriere in der Schweiz bedeutet? Es war einfach lustig. Alle Leute waren freundlich und gut drauf. Die Atmosphäre war ganz anders. Es waren Schweizer Meisterschaften, und ich fuhr mit der baggy Snowboardhose von meinem Freund, weil ich keine Hosen für Skicross hatte. Das erste Mal, als mich eine überholt hat, bin ich total erschrocken: Wo kam denn die plötzlich her? Das wiederum klingt, mit Verlaub, nicht nach reinem Genuss. Doch. Es war geil. Es war wie eine Be­ freiung: Dein Gegner ist nicht eine Uhr ­irgendwo im Ziel, sondern dein Gegner steht neben dir am Start. Der ist da, du kannst ihn angreifen, du kannst dich ­direkt messen. Im alpinen Rennlauf war ich im Training immer besser als im Wettkampf. Jetzt ist es das genaue Gegenteil:

So gut wie im Wettkampf könnte ich im Training nie sein. Als Skicrosserin bin ich ein Renntier. Einfach nur, weil es so viel Spaß macht. Was war der größte Unterschied zum alpinen Skilauf, abgesehen davon, dass Sie plötzlich nicht mehr allein auf der Strecke waren? Beim Skicross hast du immer zu tun, ­Rollers, Jumps, dazu die Gegnerinnen. Es ist extrem vielfältig, du musst wahnsinnig schnell reagieren. Jede Kurve ist eine neue Situation. Die Überholmanöver sind super spannend: Du weißt, wo die Schlüsselstellen sind, wo du überholen kannst. Innerhalb kürzester Zeit musst du entscheiden: links vorbei? Rechts? Wie wirkt sich das auf die Linie aus? Wie haben Sie gelernt, gegen andere zu fahren? Am Anfang traust du dich das überhaupt nicht. Du denkst, du bist einen Meter dran, dann siehst du auf dem Video, dass das mindestens fünf Meter waren. Aber dann kommt der Kitzel, dass es geht. Dann lernst du, deine Gegnerinnen in der

„Es war geil. Wie eine Befreiung: Dein Gegner ist nicht mehr irgendeine Uhr im Ziel, sondern er steht neben dir am Start.“

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Sechs bis zehn Skicross-Runs passen in einen Trainingstag – Videofahrten, Einzelfahrten, Heats und Zeitläufe. Bergauf geht’s mit dem Schneemobil.

Kurve zu „nützen“, du kannst dich ja an ihnen abstützen. Wie würde sich eine Top-Abfahrerin in einem Skicross-Rennen machen? Kommt auf den Typ an. Lara Gut könnte gute Figur machen. Sie mag Speed und Sprünge, ich habe sie schon mal im Funpark getroffen. Im Frühjahr waren wir auf einem Fun-Skicross mit den Alpinfahre­ rinnen – Tina Maze (Riesenslalom-Weltmeisterin 2011, 12fache Weltcupsiegerin aus Slowenien; Anm.) war dabei, und obwohl ich verletzt war, hab ich sie überholt. Hat ihr nicht gefallen, danach hat sie mich über die richtige Skicross-Taktik ausgefragt. Schaffen Sie heute noch eine Abfahrt? Ich müsste trainieren. Wir trainieren nur zweimal im Herbst Riesentorlauf, und ­damit hat es sich. Kurven im Skicross sind anders als Kurven im alpinen Rennsport. Es ist wie freie Wildbahn gegen Labor. Ist Skicross gefährlicher als Alpin? Wenn du als Erste vorne wegfährst, dann nicht. (Lacht.) Der größte Unterschied: Du kannst dich verletzen, weil jemand ­anderer einen Fehler gemacht hat. Ein mulmiges Gefühl, oder? Früher hätte ich ohne Zögern „Ja“ gesagt. Jetzt nicht mehr? Schließlich haben Sie sich bei den X Games so schwer verletzt, weil eine Gegnerin beim Sprung mit dem Skistock Ihre Ski berührt hat. Nach meinem Sturz bei den X Games letztes Jahr hatte ich ja viel Zeit zu analysieren. Zunächst hatte ich gedacht: Fremder Stock auf deinem Ski, da kannst du nichts machen. Aber mittlerweile denke ich, es lag doch an mir. Ich war müde, litt an ­Jetlag und hatte, für meine Verhältnisse, viel Presse … Da hat eben das Quäntchen Konzentration und Präsenz gefehlt, das mich normalerweise wahrnehmen lässt, 76

was um mich herum passiert. Ich weiß jetzt: Es war mein Fehler, der zu der Verletzung geführt hat. Man entwickelt als Skicrosserin einen sechsten Sinn? Auf jeden Fall. Und meine Sensoren waren in diesem Moment ausgeschaltet. Wie groß ist die Gefahr, die ganz simpel vom Equipment der anderen ausgeht? Rennski sind ja so präpariert, dass man sich den Finger schneidet, wenn man damit über die Kante fährt … Das Dümmste, was man als Skicrosser tun könnte, wäre: sich zu überlegen, was alles sich in eine Waffe verwandeln könnte. Sie blieben als alpine Rennläuferin de facto unverletzt, aber als Skicrosserin haben Sie einen dreifachen Bruch des Schulterblatts hinter sich, ein kaputtes Innenband, eine komplizierte Verletzung des Schienbeinkopfs … … diese Verletzung nehme ich auf meine Kappe, die passierte beim Einfahren! Und ich hab deswegen eine ganze Saison verpasst. Kriegt man Verletzungen wieder ganz aus dem Kopf? Nein. Aber das ist auch gut so. Verletzun-

„Kurven im Skicross sind freie Wildbahn. Kurven im alpinen Rennsport sind Labor.“

gen machen dich fokussierter. Man wird tatsächlich besser, weil man konzentrierter, ernsthafter, auch entschlossener und zielgerichteter wird. Man wächst an Verletzungen? Ja, das kann man durchaus so sagen. Wie geht man mit Unfällen anderer um, wie mit so fürchterlichen wie jenen von Freeskierin Sarah Burke und Skicrosser Nik Zoricic (beide aus Kanada; Anm.), die vergangene Saison tödlich ver­ unglückt sind? Das lässt man nicht ganz an sich heran. Darf man nicht. Wenn man zu tief geht, dann hinterfragt man alles, und dann ist alles vorbei. Man muss sehr, sehr pragmatisch damit umgehen. Man steigt ja auch in ein Auto, obwohl viele Leute im Straßenverkehr verunglücken. Es ist furchtbar, und es sind mir diese beiden Fälle sehr, sehr nahegegangen. Aber es darf nicht zu tief gehen. Eigene Verletzungen machen dich besser. Unfälle anderer können dich schlechter machen. Tatsächlich sind Sie nach Ihren beiden sehr langen Verletzungspausen viel stärker zurückgekommen. Woran lag denn das? Dass es vergangenes Jahr so gut gelaufen ist … … besser denn je zuvor, da gewannen Sie Ihre ersten beiden Weltcuprennen und führten bis zu Ihrer Verletzung überlegen im Gesamtweltcup … … ja, da lief es so gut, weil ich mir davor Zeit genommen hatte. Nach dem Rückschlag bei den Olympischen Spielen hatte ich diese Auszeit, in der habe ich alles hinterfragt. Ich habe zu studieren begonnen, und dann habe ich beides schlecht gemacht: schlecht studiert, schlecht ­gefahren. Hab mich wieder verletzt. Und dann hab ich mich hingesetzt, alles durchdacht. Und gesagt: „Ich probiere es. Ganz konsequent und so professionell es mir mit meinen Mitteln möglich ist.“ Seither habe ich keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, etwas anderes machen zu wollen. Für mich steht fest: Egal was passiert, es gibt keinen Plan B bis nach Olympia 2014 in Sotschi. Professionalität braucht Geld. Wie ­finanzieren Sie Ihre Karriere? Ich bin gewohnt, mich durchzuwurschteln. Ich war immer von meinen Eltern abhängig, die sich wahnsinnig für meine Schwester und mich aufgeopfert haben. Erst mit zwanzig kam ein wenig Unterstützung durch Swiss-Ski. Ich habe da zwar immer noch zu Hause gewohnt, aber konnte mich auch mit kleineren Sponsoren über Wasser halten, dann ein wenig von den Golden Talents (der Swiss-


action

Mehr, als ich für eine ganze Saison zur Verfügung habe. Der Sieg bei den X Games hätte mein Jahresbudget verdoppelt. Vom Preisgeld, das ich gewonnen habe, konnte ich aber wenigstens die Operation an der Schulter bezahlen. Was war in Aspen schmerzhafter: die ausgerenkte Schulter oder das entgangene Preisgeld? Uh, die Schmerzen waren wirklich arg, die schlimmsten, die ich je hatte. Es ­dauerte eine Dreiviertelstunde, bis die Schulter wieder eingerenkt war. Die hatten mich vollgestopft mit Valium, und ich hab ständig um noch mehr und mehr ­gebettelt. Aber am allermeisten weh getan hat der verpasste Weltcup. Für Geld fahren, das funktioniert nicht. Man kann nur für Siege fahren. Wenn Sie von Saas Fee auf den Gletscher hinauffahren zum Training, begegnen Sie häufig Ihren alpinen Kolleginnen. Wie ist das, wenn da zwei Welten auf­ einanderprallen? Man hört, Sie haben nicht mal einen eigenen Servicemann … … doch, doch, aber nur bei den Rennen. Er hilft mir. Oder besser gesagt: Ich helfe ihm. Ich bin beim Präparieren meiner Ski seine Assistentin. Er macht die komplizierten Arbeiten, ich die einfachen. Damit muss man sich abfinden, dass es im Skicross nicht so feudal zugeht. Was wäre nach einem großen Gewinn die erste Anschaffung? Ein Startgate. Das wäre toll. Damit könnte ich perfekt Starts trainieren. Aber ein Gate kostet 5000 bis 6000 Franken. Skicross-Weltcupauftakt: 7. 12., Nakiska, Kanada: www.fis-ski.com und www.swiss-ski.com

Bild: ddpimages

Nach einer Stunde speziellem Starttraining endet der Trainingstag am Gletscher.

com-Förderinitiative, Anm.) und von der Schweizer Sporthilfe. Ich war jahrelang gewohnt, einmal bei den Eltern zu übernachten, dann wieder bei Freunden. Wenn mich ­jemand fragte, wo ich wohne, sagte ich: Mein Auto ist mein Zuhause. Ein Audi A4 Kombi, immerhin gesponsert. Wie wohnt man in einem Auto? Sommerferien machen geht cool. Matratze rein, ein Surfbrett links, eines rechts, und los geht’s. Aber wohnen, auf Dauer, ist nicht so ideal. Diesen Sommer bin ich zum Glück sesshaft geworden, sozusagen, ich habe seit August meine erste eigene Wohnung, mit sechsundzwanzig. Der X-Games-Sieg hätte 30.000 Franken gebracht. Wie viel Geld sind 30.000 Franken für Sie?

11. Januar 2012: erster Skicross-Weltcupsieg von Sanna Lüdi (hier in Führung) auf der Alpe d’Huez (FRA)

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DaS SChiCKSaL FraGt niCht. ES KönntE auCh miCh trEFFEn. ODEr SiE. David Coulthard.

13-facher Formel 1-Grand Prix Sieger und Wings for Life Botschafter.

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Inhalt 80 REISE-TIPP Abenteuertrip nach Dubai 82 Get THE GEAR EC Red Bull ­Salzburg-Goalie Bernd Brückler 84 TRAINING Grete Eliassen 86 NIGHTLIFE Out Now: Led Zeppelin/ Eislaufen bei Nacht­/Club: Propaganda/ Cocktail: Slow Dancer/Take 3: Passion Pit/ Nightsnack: Falafel 90 TOP-SPOTS 92 SAVE THE DATE 93 KAINRATH 96 RED BULL TV-FENSTER bei ServusTV

Bild: kelley L. cox/Corbis

98 KOLUMNE mit Christian Ankowitsch

Mounir in Action: ­ elingt es dem franzöG sischen B-Boy beim Red Bull BC One-Weltfinale in Rio, den amtierenden Champion Roxrite zu entthronen? Seite 91.


more body & mind

Auf und davon Der Reise-Tipp des Monats

Skydiver Jeff Provenzano über der Palm-JumeirahInselgruppe in Dubai: „Ein Ausblick zwischen ‚Star Wars‘ und Bahamas.“

dubai . Nirgendwo krachen Tradition und Größenwahn so ungebremst aufeinander wie in ­Dubai. Aber die Metropole am Persischen Golf kann mehr als nobel wohnen und luxuriös einkaufen. Hier fünf Tipps für überraschende Abenteuer-Trips zwischen Schnee und Dünen.

Dubai

vereinigte arabische emirate

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Aus einem verschlafenen Fischerdorf wurde längst eine pulsierende Metropole, das funkelnde „Juwel des Nahen Ostens“, wie sich Dubai selbstbewusst nennt: Luxus bis an die Grenze der Vernunft (und vielleicht etwas darüber hinaus), Einkaufszentren mit eigenem Taxi-Service, ein ziemlich unschlagbarer Umsatzsteuersatz von null Prozent – den Ruf als ShoppingParadies hat sich Dubai redlich verdient. Als Rahmenprogramm bietet die Hauptstadt des gleichnamigen Emirats ­einen einzigartigen Mix aus arabischer Tradition und futuristischer Architektur: Der 163-stöckige Burj Khalifa, mit 828 Metern das höchste Gebäude der Welt, dominiert die Skyline der Stadt. Zu

s­ einen Füßen wird in den Basaren um ­Gewürze, Gold oder Perserteppiche gefeilscht, zur Stärkung reicht man mit Pistazien gefüllte Datteln. Frauen in schwarzen Burkas führen Designer-Handtaschen aus, mit dem Time Residence Tower wird an einem Wolkenkratzer gearbeitet, der sich dank integriertem Solar-Kraftwerk um die eigene Achse drehen soll. Doch Dubai hat auch eine ganz andere Seite: Nur vierzig Autominuten außerhalb der Stadt prägen Sanddünen die Landschaft. Hier lebt man von Kamel- und ­Falkenzucht, Wüstenfüchse und Oryx-­ Antilopen streifen durch die Dünen. Wer Dubais abenteuerliche Seite erkunden will, ist hier richtig.

Text: nicole Pajer. Bilder: jeff provenzano, nicole pajer (2), getty images

Basar der Abenteurer


Pistenspaß und Dünenritt: fünf Abenteuer-Tipps für Dubai-Reisende 1  Skifahren im Sommer

Was tut man bei Temperaturen von bis zu 48 Grad Celsius? Richtig: Man macht sich bereit für die Skipiste. Zum Beispiel für die fünf Pisten und das Freestyle-Areal von Dubais klimatisiertem Indoor-Wintersportresort. Die Umkleidekabine erinnert an eine klassische Skihütte, wie sie auch in den Alpen stehen könnte. Mit dem Sessellift bezwingt man einen Hügel und genießt den Ausblick über die knapp 3000 Quadratmeter große Winterlandschaft. Zum Aufwärmen nach der Abfahrt bietet sich tatsächlich heiße Schokolade in einer Berghütte an. Andere Wintersportorte mögen echte Berge haben, echten Schnee und einen Himmel oben drüber: Dubai hat immerhin keinen Wind, kein Eis und garantiert keine Steine auf der Piste. www.skidxb.com

Dubai traditionell: auf Dromedarrücken durch die Wüste

2  Sandboarding!

Dubais Dünen sind nicht nur für Jeeps oder Kamele ein lohnendes Betätigungsfeld. Die meisten lokalen Anbieter von Touren haben nämlich auch Sandboards im Angebot: Das sind im Wesentlichen Snowboards minus Wachs. Um mit ihnen Spaß zu haben, braucht man eine möglichst steile Düne und die richtige Technik (die sich aber im Wesentlichen darauf ­beschränkt, das Gewicht auf den hinteren Fuß zu verlagern). Kurven oder Sprünge sind in Ermangelung von entsprechenden natürlichen Hindernissen im Sandboarding noch nicht erfunden, Sandboarden bezieht seinen Reiz aus der makellosen Geradlinigkeit der Abfahrt. www.arabian-adventures.com

3  Skydiving mit Wow!-Blick

Dubai modern: Dünen-Abfahrt per Sandboard

Wer sich aus einem Flugzeug wirft, sollte zumindest mit einer schönen Aussicht ­belohnt werden. Dubai weiß das. Und hat seine Skydive-Dropzone daher direkt an Dubai eiskalt: 3000 Quadratmeter Winter. Zwar ohne Himmel, dafür auch ohne Wind

die berühmte Palm-Jumeirah-Inselgruppe verlegt. Im freien Fall rast man dem künstlichen Archipel entgegen. „Wie Skydiven über Tatooine, diesem Planeten aus ‚Star Wars‘. Nur gemischt mit Bahamas-blauem Wasser“, schwärmt sogar Skydiving-Pro Jeff Provenzano. Wer Glück hat, bekommt im Flugzeug außerdem königliche Gesellschaft: Dubais Kronprinz Scheich Hamdan ist begeisterter Skydiver. www.skydivedubai.ae

4 Vollgas im Flussbett

In der sommerlichen Dürrezeit verwandeln sich Dubais ausgetrocknete Fluss­ bette (arabisch: Wadis) in spektakuläre Offroad-Tracks. Beim „Wadi Bashing“ brettert man mit Allrad-Jeeps über die kurvigen Sand-Rennstrecken, das reizvoll rumpelige Fahrerlebnis besorgen Steine und Felsen. Die beste Zeit für einen Ausritt ist die Spanne von Oktober bis April. www.dayoutdubai.com

5  Zelten zwischen Dünen

Der Luxus in Dubais Hotels ist unerreicht, zugegeben. Aber auf mindestens ebenso reizvolle Weise konkurrenzlos ist der Sternenhimmel über Dubais Wüste. Wer sein Zelt zwischen den Dünen aufschlägt, bekommt zudem ohne Aufpreis einen glühend roten Sonnenuntergang über einer mythischen, unberührten Sandlandschaft serviert. Dünencamping kann man allein oder in einer Gruppe in organisierten Ausflügen erleben. Der Vorteil an Variante zwei: Barbecue, Bauchtänzerinnen und Wasserpfeifen (Hukas) runden die Erfahrung erfreulich ab. Ebenso übrigens wie der Gedanke an die Preise in den Luxushotels der Stadt, denn der trägt zum Vergnügen in der Wüste durchaus bei.

www.desertrangers.com

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All das, was Sie hier auf dem Foto sehen, trägt Eishockey-Goalie Bernd Brückler beim Match am Körper. Nur die Sonnenbrille nimmt er ab.


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get the gear Die Ausrüstung der Profis

Zielscheibe

Bis zu 170 km/h schnell sind die harmlos Puck genannten Hartgummi-Geschosse, denen sich Bernd Brückler in den Weg wirft. Womit schützt sich der EishockeyTorhüter des EC Red Bull Salzburg? 1. Wall-Torhütermaske Meine Maske besteht aus ex­ trem widerstandsfähigem ABSKunststoff, der zum Beispiel auch in der Automobilindustrie eingesetzt wird. Das Design stammt von mir selbst und zeichnet die Stationen meiner Karriere nach: Österreich, Ka­ nada, Finnland und Russland. 2. Reebok-Performance-­ Unterwäsche Am Eis ist es naturgemäß kalt. Dennoch komme ich – ein Eis­ hockey-Goalie bewegt sich viel mehr, als man annehmen würde – kräftig ins Schwitzen. Der größte Nutzen der Kompressi­ onswäsche aus PlayDry-Kunst­ faser ist daher ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit zu absorbieren.

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3. Bauer-Hockeyschuhe Seit meiner Jugendzeit blieb ich der US-Traditionsmarke treu. Einziger Unterschied ist, dass meine aktuellen Schuhe (Größe 46, extra wide) – von denen ich zwei Paar besitze – Sonder­ anfertigungen sind und über 1000 Euro pro Paar kosten.

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Text: ulrich corazza. bild: MANfred burger

4. Warrior-Torwartschläger Seit der Saison 2008/2009 verwende ich diesen amerika­ nischen Stick. Im Gegensatz zu den Schlägern vieler Feldspieler, die auf Carbon setzen, ist mein Schläger aus Holz und Fiber­ glas. Zu jedem Spiel nehme ich drei Schläger mit, pro Saison verbrauche ich rund 40. 5. Brian’s-Stockhandschuh Der gut gepolsterte Stockhand­ schuh mit hochdichten Fingerund Seitenhandprotektoren wird in Kanada maßgefertigt. Das kleine Unternehmen Brian’s bietet besten Service für seine wenigen Profitorhüter. 6. Brian’s-Brustschutz Der Brustschutz aus HDSchaumstoff lässt mir trotz

starker Polsterung gute Bewe­ gungsfreiheit. Den sichersten Schutz bietet er im Bereich der Ellbogen, Schultern und Brust. Am Rücken sind praktisch kei­ ne Protektoren vorhanden. 7. Brian’s-Fanghandschuh Erst dieses Jahr wechselte ich auch bei der Fanghand zu die­ sem Ausrüster, der sich aus­ schließlich auf Goalie-Produkte spezialisierte. Der Handschuh ist leicht, dennoch gut gepols­ tert und entschärft selbst die ­härtesten Schlagschüsse. 8. Reebok-Hockeyhose Die Hose ist bereits vier Jahre alt und muss von meinen Be­ treuern immer wieder geflickt oder genäht werden. Der Spott ­einiger Kollegen in der Kabine ist mir gewiss. Mittlerweile ­besitzt sie aber fast schon ­so etwas wie Charakter. 9. Brian’s-Beinschoner Wie die meisten Torhüter trage ich weiße (maßgefertigte) Beinschoner. Diese wirken ­optisch größer und sollen den Stürmer verunsichern. 10. Reebok-Goalie-„Jock“ Der Tiefschutz aus Komfort­ schaum mit spritzgegossener Innenschale schützt eine ganz sensible Stelle des Mannes. 11. Red Bulls Jersey Früher spielte ich mit der Tri­ kotnummer 30 – klassisch bei Goalies, auch die legendären kanadischen Torhüter Martin Brodeur oder Chris Osgood tru­ gen sie. Bei Red Bull Salzburg ziert die 26 mein Jersey. 12. Reebok-Hockeytasche Das knapp einen Meter lange Bag mit Rollen ist riesig. Gepackt mit allen Ausrüstungsgegen­ ständen wiegt es rund 25 kg. www.redbulls.com/icehockey

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MORE BODY & MIND

Grete Eliassen beim Freeskiing in seiner natürlichsten Form

Besser schnell und stark

Im Winter steht Eliassen bis zu zehn Stunden pro Tag auf den Brettern. Von Juni bis Oktober arbeitet die Sechsundzwanzigjährige an den dafür nötigen körperlichen Grundlagen.

TRAINIEREN WIE DIE PROFIS

Sprung aufs Podium

GRETE ELIASSEN. Was die Freeskierin nach zwei X-Games-

Siegen tut, um in Sotschi Olympiagold zu holen.

Bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 wird Freeski Slopestyle seine Premiere feiern – sehr zur Freude der 26-jährigen Norwegerin Grete Eliassen, die sich generalstabsmäßig auf die Spiele in Russland vorbereitet. 2005 kehrte sie in ihr Geburtsland USA zurück, um auf den Pisten von Salt Lake City in Utah zu trainieren. Wobei: Skifahren allein reiche längst nicht mehr, sagt sie. „Früher musste man, um ein guter Freeskier zu sein, einfach nur viel Ski fahren. Heute ist der Sport weit anspruchsvoller geworden. Sprünge von 15 bis 20 Metern, Rails und Jibs, auf denen die unterschiedlichsten Tricks ausgeführt werden … eine enorme Beanspruchung für den gesamten Körper.“ Nur die Hälfte der Trainingszeit, so Eliassen, verbringt sie auf Schnee. „25 Prozent sind Kraft und Kondition, und das restliche Viertel ist Sprungtraining auf dem Trampolin.“ Die Superpipe-X-Games-Gewinnerin 2005 und 2006 (Winter X Games 9 und 10) lebt strikt nach einem exakt auf sie abgestimmten Ernährungsplan. „Ich arbeite schon seit Jahren mit einem Ernährungswissenschaftler des US-Ski-Teams zusammen. Tagsüber esse ich nur kleine, leichte Snacks. Am Abend kommen dann viele Getreideprodukte, Proteine und Gemüse auf den Tisch.“ 84

MONTAG, MITTWOCH, FREITAG Krafttraining: Nach dem Aufwärmen zwei Stunden Training mit freien Gewichten. Beim Oberkörper: Fokus auf Schultern, um hier Verletzungen vorzubeugen. Im Anschluss Unterkörper mit Hauptaugenmerk auf den Oberschenkeln, die müssen schließlich die Landungen abfedern. DIENSTAG, DONNERSTAG Kardiotraining: Kurzes Aufwärmen, danach eine Intervalleinheit mit dem Rad (im Freien oder auf dem Ergometer). Laufen ist für meine Knie ungünstig, da diese ohnehin bei den unzähligen Sprüngen enorm belastet werden. Das Intervalltraining treibt meinen Puls auf über 180 Schläge pro Minute – das ist hoch,

wenn man bedenkt, dass ich keine Ausdauerathletin bin. Es hilft aber, um sich nach einem anstrengenden Freeski-Run zu erholen. SAMSTAG UND SONNTAG Am Wochenende gehe ich es etwas entspannter an – auf dem Programm stehen zwei Stunden Wandern oder Schwimmen.

www.greteeliassen.com

Das Video von Grete Eliassen beim Big-Mountain-Skiing gibt es auf der gratis Red Bulletin Tablet-App!

TEXT: RUTH MORGAN. BILDER: ASHLEY BARKER/RED BULL CONTENT POOL, MIKE ARZT/RED BULL CONTENT POOL

WORK OUT

MONTAG BIS FREITAG Täglich dreistündiges Workout mit dynamischem Aufwärmen (eine Stunde). Im Anschluss 20 Minuten auf dem Rad, danach Stretching mit einer Schaumstoff-Gymnastikrolle, um das Laktat im Körper besser abzubauen.


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Nightlife Die Macht der Nacht

ACTION

Eislaufen im Big Apple ROMANTISCH: Skaten vor dem New Yorker Rockefeller Center und dem mit 30.000 energiesparenden LED-Lampen geschmückten Weihnachtsbaum. Buchbar: ein Heiratsantrags-Package. EISZEIT: Die 37 mal 18 Meter große Eisfläche ist täglich von 7 Uhr früh bis Mitternacht geöffnet. KOSTEN: In der Hauptsaison (bis 7. Jänner) kostet das Ticket für 90 Minuten 25 Dollar, Schlittschuhe kann man für 10 Dollar ausleihen.

OUT NOW

„Wie die Aufwärmrunde“ Led Zeppelin. Die größte Hard-Rock-Band aller Zeiten ist mit einem epochalen Live-Album zurück. Es war das Comeback des Jahres 2007: Led Zeppelin, die Titanen des Hard Rock, für ein einziges Konzert wieder vereint – 27 Jahre nach ihrer Auflösung. 20 Millionen Fans aus aller Welt bewarben sich online um Tickets in der Londoner O² Arena – laut „Guinness-Buch der Rekorde“ der heftigste KonzertkartenAnsturm aller Zeiten. Für alle, die damals kein Glück hatten: Led Zeppelin veröffentlichen nun zwei herrlich deftige Londoner Live-Stunden auf CD/DVD. Red Bulletin: Warum hat es fünf Jahre bis zur Veröffentlichung gedauert? John Paul Jones: Fünf Jahre? Nach LedZeppelin-Zeit sind das fünf Minuten. Am Schlagzeug saß Jason Bonham (der

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Sohn des 1980 verstorbenen OriginalDrummers John Bonham; Anm.). Waren Sie mit seiner Trommelei zufrieden? Jones: Er ist ein toller Schlagzeuger. Und nicht nur das: Über die Jahre spielten wir unsere Stücke immer wieder anders. Bei den Proben war das etwas verwirrend. In solchen Situationen war Jason unser Retter: „1971 habt ihr den Song so gespielt, 1973 so …“ Er hat ein lexikalisches Led-Zeppelin-Wissen. Wie haben Sie nach der Show gefeiert? Robert Plant: Wir atmeten tief durch und umarmten uns. Es war schon ein wenig verrückt – wir hatten ja keine Vorbereitungs-Gigs gespielt. Das Konzert selbst war wie die Aufwärmrunde! Heißt das, die Fans dürfen auf weitere Konzerte hoffen? Plant: Haben Sie den Film gesehen? Hat er Ihnen gefallen? Dann haben wir den Job doch eigentlich erledigt, oder?

„Celebration Day“ von Led Zeppelin ist bereits auf CD und DVD erschienen; www.ledzeppelin.com

NIGHT QUOTE

” Oft denke ich, die Nacht ist lebendiger und bunter als der Tag. “ Vincent van Gogh, Maler (1853–1890)


COCKTAIL

Slow Dancer Seinen Namen trägt der Cocktail des Monats nicht ganz zu Recht: Denn er ist blitzschnell zubereitet und sorgt für eine exotische Belebung von Körper und Geist. Geschmack und Vitaminbilanz des Slow Dancer dominieren Kiwisirup, Lychee- und Limettensaft – die auch eine grundsolide Exotik-Basis legen. Die belebende Wirkung steuert The Red Edition von Red Bull bei. Auch optisch mutet die Kreation des Bar-Teams im Hangar-7 zuverlässig sommerlich an: Im Glas geht das CranberryRot allmählich in ein sanftes Hellgrün über.

CLUB DES MONATS

ZUTATEN 1 cl Limettensaft 2 cl Kiwisirup 6 cl Apfelsaft 6 cl Lycheesaft 8 cl The Red Edition von Red Bull Fruchtspieß zur Garnierung

ZUBEREITUNG Schnell und einfach: Säfte und Kiwisirup in einem Shaker mit Eiswürfeln schütteln. Alles in ein Glas füllen und langsam mit The Red Edition von Red Bull aufgießen. Fertig!

BILDER: KEVIN WESTENBERG, WARNER MUSIC, LAIF, PROPAGANDA CLUB, FOTOSTUDIO EISENHUT & MAYER

PROPAGANDA Bolschoi-Slatoustinski-Gasse 7, Moskau, Russland www.propagandamoscow.com

CLUB

„Wir wollen Musikfans statt Poser“ Propaganda. Wer in Moskau auf House-Musik mit Gütesiegel steht, ist im Propaganda goldrichtig. Untertags ein charmantes Hipster-Restaurant, nachts ein Tanztempel. Als ihr den Club 1997 eröffnet habt … … wollten wir einen Ort im Moskauer Nachtleben schaffen, an dem die Qualität der Musik im Vordergrund steht. Unser Vorbild waren die „Body & Soul“Partys der New Yorker DJ-Legenden Danny Krivit und Joe Claussell.

Von außen sieht der Club … … mit seiner großen Glasfassade geheimnisvoll aus. Nur wer reinkommt, erfährt, wie kuschelig es bei uns ist. Los geht’s … … gegen Mitternacht. Dann verwandelt sich das Restaurant in einen Club. Der Übergang ist fließend: Die Leute stehen auf und tanzen los. Am Türsteher vorbei kommt man … … mit positiver Ausstrahlung. Unsere Türpolitik ist nicht auf Äußerlichkeiten festgelegt. Wichtiger ist, zu wissen, welcher DJ auflegt. Wir wollen Musikfans statt Poser. Die DJs … … wählen wir sorgfältig aus: HouseSpezialisten aus aller Welt. Im Oktober hatten wir KiNK, Gerd Janson und Patrick Chardronnet zu Gast. Rein passen … … zirka 500 Gäste. Den besten Nachtsnack gibt’s … … in unseren Schwesterlokalen Filial und Ljudi Kak Ljudi, beide fünf Gehminuten vom Club entfernt. Interview: Kirill Saldadze, Besitzer

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more body & mind

„Liebling, ich habe die ­Kinder geschrumpft“ (1989) Der erste Film, den ich als Kind im Kino sah – ich war total ver­ ängstigt in diesem dunklen Raum! Aber als der Projektor anging, verliebte ich mich ­sofort in das Ambiente. Und der Film war die perfekte Ein­ stiegsdroge: Rick Moranis als verwirrter Wissenschaftler und seine geschrumpften Kinder, die im Garten gegen Ameisen und Grashalme ankämpfen – Kult-Kino vom Feinsten.

Take 3

„Ich bin ein Batman-Fan!“ Passion Pit. Die Musik der US-amerikanischen ­Indie-Durchstarter ist so euphorisch wie emotional. Inspiration schöpft die Band im Kino, sagt Keyboarder Ian Hultquist und nennt seine drei Lieblingsfilme. Vor fünf Jahren überraschte Michael Angelakos seine Freundin zum ­Valentinstag. Nicht mit einem Strauß Rosen, sondern mit einem Bouquet ­verspielter Elektronik-Popsongs, die der US-Amerikaner am Heimcom­ puter für sie aufgenommen hatte. Ihre Reaktion: Die Lieder seien zu gut, um sie nicht mit der Welt zu teilen. Und so veröffentlichte Angelakos 2008 die Platte „Chunk of Change“ unter dem Künstlernamen Passion Pit. Die Musik der mittlerweile zum Quartett angewachsenen Band klingt süß und unschuldig wie bunte Lollipops. Sogar wenn Angelakos über seine ­Depressionen und Ängste singt, werden Glücksgefühle verströmt – dank quirliger Beats und ekstatischer Synthesizer-Melodien. Und der Balanceakt kommt an: Die aktuelle Platte „Gossamer“ kletterte auf Platz 4 der USCharts und ist in etlichen Filmen und TV-Serien von „Gossip Girl“ bis „Big Love“ im Einsatz. Kein Wunder, meint Keyboarder und Co-Songschreiber Ian Hultquist, der schließlich Filmmusik schreibt, wenn er nicht mit Passion Pit unterwegs ist. „Das Kino prägt mich seit meiner Kindheit. Wenn ich ­einen guten Film sehe, dann fließt das automatisch in meine Songs ein“, verrät Hultquist. Seine liebsten drei Streifen stellt der Musiker hier vor.

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„Sie küssten und sie schlugen ihn“ (1959) Dieses Meisterwerk des fran­ zösischen Regisseurs François Truffaut war mein Einstieg in die großartige Film-Welt der Nouvelle Vague, die in den spä­ ten Fünfziger begann. Als ich ihn erstmals sah, war mir zu­ nächst gar nicht klar, wie sehr er mich in seinen Bann zog. Das Ende traf mich total unvor­ bereitet. Du begleitest diesen Bengel in der Hauptrolle durch alle Abenteuer – plötzlich friert das Bild ein. Und „Fin“.

„The Dark Knight“ (2008) Ich bin ein Batman-Fan! Und liebe bedingungslos alles, was mit dem Superhelden zu tun hat. „The Dark Knight“ ist aber auch ohne Fan-Brille ein un­ glaublicher Film, von Christo­ pher Nolan, einem der besten Regisseure unserer Zeit. Wie vielschichtig er Batmans Cha­ rakter anlegt, wie er mit dem Superhelden-Image spielt, das ist noch keinem vor ihm oder seither so genial gelungen.

Nightsnack

Beirut: Falafel Die gebackenen Kichererbsenkugeln sind aus dem „Paris des Nahen Ostens“ nicht weg­ zudenken. Warum gerade Beirut? Zugegeben, Falafel könnte man auch anderen Städten der Region wie Damaskus, Kairo oder Tel Aviv zuordnen. Ach was, mittlerweile kann man sie jeder Metropole der Welt in die Straßenküche schieben. Aber in Beirut ist der Kult um sie besonders ausgeprägt, und nicht umsonst heißen nicht wenige Falafel-Stände weltweit schlicht und einfach „Beirut“, damit gleich einmal klar­ gestellt ist, dass die Falafel hier Weltklasse sind.


Text: klaus kamolz. Bilder: getty images, picturedesk.com, Kobal Collection (2), Fotostudio Eisenhut & Mayer

Woher kommen sie wirklich? Man kann die frittierten Bälle auch als Nahost-Politikum dis­ kutieren. Und vielleicht wäre ­dieser Teil der Welt längst ein friedvollerer, erreichte der Konflikt das Niveau der Debatte über die Herkunft der Falafel – nämlich gewürzt mit ein wenig Ironie und Augenzwinkern. Manche Quellen orten ihren Ursprung in Ägypten, wo sie als koptische Fastenspeise entstanden sein sollen. Und ja, es gibt „Copyright“-Debatten zwischen Israel und dem Libanon. Aber die gibt es in vielen anderen Ländern auch, wenn es um ­Nationalgerichte geht.

Woraus bestehen Falafel? Man kann den Bällen durch ­Würzung zwar einen aromatischen Drall verleihen, aber es gibt auch einige Unumstößlichkeiten: Kichererbsen, Zwiebeln und Kreuzkümmel; dann wird entweder mit Petersilie, Knoblauch, Koriander und vielleicht ein wenig Bulgur abgeschmeckt. Manche Falafel werden vor dem Backen in Sesam gewälzt, andere bergen im Teig Backpulver, d ­ amit sie innen flaumig werden. Fast immer dabei: die Sesampaste Tahina und Hummus.

Beiruts beste Falafel Man könnte seitenlange Listen über die besten Falafel-Läden in Beirut veröffentlichen. Einige tauchen allerdings besonders oft in den Rankings auf: Falafel ­Friyha, M. Sahyoun, Falafel Abou Rami und Falafel Tabbara.

Falafel-Rekorde Hier kommt wieder die Herkunftsdebatte ins Spiel. Mit heraus­ ragenden Leistungen auf dem ­Gebiet der Falafel-Produktion wollen nämlich sowohl Juden wie Muslime glänzen. Zwar wurde der größte Falafel-Ball (1,7 Meter Durchmesser!) bei einem jüdischen Fest in den USA vertilgt, die vom Guinness-World-Records-Komitee anerkannte größte Menge wurde aber in Beirut hergestellt: Ein Küchenchef bereitete 2010 mit Studenten der Al-Kafaat-­ Universität 5173 Kilo zu.

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MORE BODY & MIND

Top Events

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Dezember 2012

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Sport 10 6. – 16. 12., TOYOTA UND YOKOHAMA, JAPAN

FIFA KlubWeltmeisterschaft

Welche ist die beste Fußball-Klubmannschaft der Welt? Seit fünf Jahren ist die WM-Krone fest in europäischer Hand. Für Europa geht diesmal der FC Chelsea ins Turnier, das auch in diesem Jahr wieder in Japan stattfindet. Der amtierende UEFA-ChampionsLeague-Sieger aus England bekommt es mit CF Monterrey (MEX), Corinthians São Paulo (BRA), Auckland City FC (NZL), Ulsan Hyundai (KOR) sowie dem afrikanischen CAF-Sieger und dem Gewinner der J. League (erst nach Redaktionsschluss ermittelt) zu tun. 1

29. 12. – 6. 1., OBERSTDORF, GARMISCH-PARTENKIRCHEN (DEUTSCHLAND), INNSBRUCK, BISCHOFSHOFEN (ÖSTERREICH)

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Vierschanzentournee

Zum 61. Mal wird auf den vier deutschen und österreichischen Großschanzen um den Gesamtsieg geflogen; neben Olympia und WM ist die Vierschanzentournee das dritte ganz große Highlight im Leben jedes Skispringers. Schon ein einziger Fehler kann alle Chancen auf ein gutes Ergebnis zunichte machen, da alle acht Bewerbssprünge in die Gesamtwertung kommen. Die Tournee-Gesamtsieger der letzten vier Jahre waren übrigens sämtlich Österreicher (W. Loitzl, A. Kofler, Th. Morgenstern, G. Schlierenzauer).

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3 Cyril Despres fühlt sich in der Wüste wohl. Europas Vertreter bei der Klub-WM: FC Chelsea 1. 1. 2013, MÜNCHEN, DEUTSCHLAND

FIS Alpiner Skiweltcup

8. – 20. 12., OAHU, HAWAII, USA

ASP World Tour könnte die ASP World Tour passender zu 2 Wo Ende gehen als im Mutterland des Surfens? Die Banzai Pipeline auf der drittgrößten Hawaii-Insel Oahu ist bekannt für ihre mächtigen (und äußerst gefährlichen) Wellen – die publikumsfreundlich nahe am Strand brechen. Spannend wird das Duell um den Titel: Surf-Ikone Kelly Slater (USA) könnte WM-Titel Nummer zwölf ins Trockene bringen, für seinen schärfsten Rivalen, den beständig punktenden Australier Joel Parkinson, 31, wäre es der erste ASP-Tour-Gesamtsieg, nach zweiten Plätzen 2002, 2004 und 2009.

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Skirennen müssen nicht zwangsläufig auf über 2000 Meter Seehöhe stattfinden: Die Stars des alpinen Ski-Weltcups treffen einander in der kommenden Saison auch in Moskau und München. Startberechtigt beim City-Event im Olympiapark in Bayerns Metropole sind jeweils die besten 16 Damen und Herren der Weltcupstartliste, auf der 200 Meter langen Rennstrecke wird ein Parallelrennen im K.-o.-System ausgetragen. Da der Bewerb im Vorjahr dem warmen Wetter zum Opfer fiel, sind die Titel des Jahres 2011 zu verteidigen, damals siegten Ivica Kostelic´ (CRO) und Maria Pietilä-Holmner (SWE).

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Tournee-Sieger im Vorjahr: Gregor Schlierenzauer

BILDER: GETTY IMAGES (2), GEPA PICTURES/RED BULL CONTENT POOL (2), RUTGER PAUW/RED BULL CONTENT POOL, PICTUREDESK.COM

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MORE BODY & MIND

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Jarvis Cocker (Pulp) rockt das Kreuzfahrtschiff. 14. – 16. 12., LONDON, GROSSBRITANNIEN

World Memory Championships Während es im Handy-Zeitalter nicht einmal mehr selbstverständlich ist, die eigene Telefonnummer auswendig zu wissen, gibt es am anderen Ende des Spektrums Leute wie Wang Feng, den Sieger der Gedächtnisweltmeisterschaft 2010 und 2011. In zehn Kategorien messen sich die Hirnathleten dabei im Memorieren. Die Königsdisziplin heißt „Speed Cards“: Dabei müssen die Denksportler die Abfolge von 52 Spielkarten speichern und diese so schnell wie möglich wiedergeben. Der Rekord: 21,19 Sekunden.

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5. – 20. 1. 2013, PERU, ARGENTINIEN, CHILE

Rallye Dakar

28. – 30. 12., TOKIO, JAPAN

Comiket

Sie sehen aus wie Zeichentrickfiguren: MangaPrinzessinnen, antike Schwertkämpfer, bunte Astronauten und alle Arten von Superhelden. Cosplay heißt der Trend, bei dem Comic-Fans in die Rolle ihrer Lieblinge schlüpfen. Mit möglichst kunstvollen, möglichst originalgetreuen Kostümen. Die Heimat von Cosplay ist Japan, wo auch zweimal im Jahr die größte Convention stattfindet. Comiket heißt diese Messe, zu der 560.000 Comic-Sammler und -Darsteller anreisen, um beliebte Hefte und begeisterte Blicke zu tauschen.

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31. 12., SENTOSA, SINGAPUR

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Die Route der legendärsten Langstreckenrallye wird dieses Jahr erstmals von Norden nach Süden befahren (von Lima nach Santiago), durchquert dabei aber erneut die Atacama-Wüste – die trockenste der Welt. Mehr als 8000 – hauptsächlich sandige – Kilometer, verteilt auf 14 Etappen gilt es für Mensch und Maschine zu bewältigen … und das bei nur einem Ruhetag. „Mister Dakar“ ist Stéphane Peterhansel: Der 47-jährige Franzose gewann die Rallye sechsmal mit dem Motorrad, viermal (zuletzt im Vorjahr) mit dem Auto. In der Motorrad-Kategorie geht Peterhansels Landsmann Cyril Despres auf den fünften Titel los.

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Siloso Beach Countdown In winterlichem Schneegestöber wird man bei der größten Silvester-Beachparty Asiens gewiss nicht versinken … schon eher im riesigen schaumgefüllten Pool. Für zwölf Stunden wird der 1,2 Kilometer lange traumhafte Strandabschnitt zum Dancefloor umfunktioniert. Musikalisch schenken erst die Cafédel-Mar-DJs Entspanntes ein, gegen Mitternacht wird das Tempo gesteigert. Am Ende wird weitergetanzt, bis der erste Morgen des neuen Jahres graut.

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Kultur

Mounir tanzt beim Red Bull BC One um den Titel.

8. 12., RIO DE JANEIRO, BRASILIEN

19. – 23. 12., JAMAIKA

Red Bull BC One Final

S. S. Coachella

Bull BC One ist der WM-Kampf der Super6 Red schwergewichte des Breakdance. Die 16 weltbesten B-Boys treten im K.-o.-System gegeneinander an – so lange, bis nur einer übrig bleibt. Und der darf den Championgürtel mit nach Hause nehmen. 2011 war das der US-Tänzer Roxrite, der sich in Moskau mit flinker Akrobatik, Kreativität und Nervenstärke durchsetzte. Ob er den Titel in Brasilien erfolgreich verteidigen kann? Zu seinen härtesten Konkurrenten zählen diesmal der Franzose Mounir und Lokalmatador Klesio.

Das Coachella ist das coolste Musikfestival der USA. Indie-Rock-Ikonen wie Radiohead und die Black Keys teilen sich dort die Bühne, Hollywood-Stars wie Leonardo DiCaprio drängen sich im Publikum. Um die Wartezeit auf den Haupt-Event im April zu verkürzen, sticht das Festival diesen Winter erstmals kurzerhand in See. Auf einer Kreuzfahrt in die Karibik, der S. S. Coachella, feiern Musikhelden wie Pulp, Hot Chip, Yeasayer und TOKiMONSTA gemeinsam mit den Hipster-Kids am Oberdeck der „Celebrity Silhouette“.

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Verkleidete Fans beim Comiket

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more body & mind

Save the Date

Dezember 2012 14. Dezember, Würzburg 15. Dezember, Erlangen 16. Dezember, München

Blumentopf

Mit ihrem aktuellen Longplayer „Nieder mit der GbR“ stürmten die Münchner auf Platz sechs in den Charts. Die Live-Shows der Dauerbrenner zählen seit zwanzig Jahren mit zum Besten, was der deutsche Hip-Hop zu bieten hat.

Deutschland-Premiere: K.I.Z und Kraftklub treten beim Red Bull Soundclash in Köln gegeneinander an. 7. Dezember, Palladium, Köln

18. – 21. Dezember, Bottrop

Battle of Bottrop Skydiving im modernsten Windkanal der Welt: Zehn internationale Top-Teams in der Disziplin „Dynamic Freeflying“ heben in Bottrop, Nordrhein-Westfalen, ohne Fallschirm ab und zeigen bei künstlich erzeugten Windgeschwindigkeiten von bis zu 286 km/h Choreografien, bei denen den Zuschauern die Luft wegbleibt.

29./30. Dezember, Oberhof

Tour de Ski

Red Bull Soundclash Der härteste musikalische Schlagabtausch der Welt feiert Deutschland-Premiere. Die Kontrahenten: Kraftklub, Chemnitzer Indie-Newcomer in Collegejacken, und K.I.Z, Berliner Hip-Hop-Rüpel in Tarnkleidung. Die beiden Bands fighten auf zwei gegenüberliegenden Bühnen zwei Stunden lang um die Gunst des Publikums. In sechs Runden müssen sie Interpretationsgabe, Spontaneität und Live-Skills beweisen – einige Hits von Kraftklub und K.I.Z bekommen dabei einen komplett neuen Anstrich. „Beim Red Bull Soundclash treffen Alphatiere auf Alphatiere“, erklärt Nico von K.I.Z und legt noch einen drauf: „Wenn man die Fangruppen unserer Bands kreuzt, entsteht die Spezies des Superfans.“ Der Event beginnt um 19.00 Uhr, es sind nur noch Resttickets (Preis: 26 Euro) erhältlich. www.redbull.de/soundclash

4. Dezember, Stuttgart 8./9. Dezember, Berlin

Seeed

Die Dancehall-Caballeros aus Berlin bespielen mit ihrem vierten Album, der Nummer-1-Scheibe „Seeed“, im Gepäck Deutschlands große Hallen. Peter Fox und Co vereinen harte Bässe mit lockeren Reggae-Beats und haben mit dieser Erfolgs­ rezeptur bereits an die 700.000 Platten verkauft.

Mit 140 km/h bäuchlings den Eiskanal runter: Skeleton World Cup in Winterberg 4. – 9. Dezember, Winterberg

Skeleton World Cup

Seeed: Peter Fox und Co auf der Bühne

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Auf einem Rennschlitten bäuchlings durch einen 1330 Meter langen Eis­ kanal, 15 Prozent Maximal-Gefälle beschleunigen auf bis zu 140 km/h: So erlebt die Skeleton-Weltelite das traditionelle Weltcuprennen in Winter-

berg im Hochauerland (NordrheinWestfalen) auf der viertältesten Kunsteisbahn der Welt. Eine hoffnungsvolle Anwärterin auf den Sieg bei den ­Damen ist Anja Huber. Die Berchtesgadenerin ist Doppel-Weltmeisterin und seit ihrer Kindheit auf Speed: „Am Start gibt’s für mich nur noch den Tunnelblick – dann will ich so schnell wie möglich nach unten.“ www.bobbahn.de

Bilder: Red Bull Soundclash, rutger pauw/red bull content pool, marco prosch

Das Thüringer Wintersportzentrum Oberhof ist Etappenort des prestigeträchtigsten LanglaufWettbewerbs der Saison. Im Rahmen einer zehntägigen Tour bestreitet die Skilanglauf-Weltelite acht Rennen, man läuft um eine satte Million Schweizer Franken (rd. 830.000 Euro) Preisgeld.


illustration: dietmar kainrath

K a i n r at h s k a l e n d e r b l at t

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MUST-HAVES! 2 1

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1 CONTOUR ROAM2 – ACTION CAM Die benutzerfreundlichste Action-Kamera am Markt kommt jetzt auch in drei stylischen Farben: Schwarz, Blau und Rot. Dazu wurden auch Linse und Sensor verbessert, so dass die Roam2 jetzt neben FullHD auch 60 Bilder pro Sekunde bei 720P aufzeichnen kann. Durch den „Instant On“-Schalter ist die Kamera nicht nur leicht zu bedienen, sondern verschwendet auch keine Akkulaufzeit, wenn sie nicht aufzeichnet.

www.contour.com 2 DOSH – AERO! ARE YOU READY FOR WINTER? Die in Sydney/Australien entwickelten und hergestellten DOSH Brieftaschen überzeugen durch das einzigartige Design, ihre Farben und Materialien und sind der Eye-Catcher schlechthin. Ein „Must-have“ beim Einsatz im Extremsport, weil handlich, wasserfest und praktisch unzerstörbar! Die gesamte Kollektion der unglaublichen DOSH Wallets gibt’s nur bei uns! – Be ceeple.

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www.ceeple.com 3 Z-REX – GRIP IT & RIP IT – NEW 2013 Das Z-Rex ist die erste Kombination von Glasbrecher und Gurtschneider mit intuitiver und komfortabler Handhabung. Drehen Sie die auswechselbare Wendeschneidplatte mit V-Kerbe einfach um, falls Sie eine frische Schneidkante benötigen. Ein Sechskantschlüssel und ein Gasflaschen-Schlüssel sind in den Werkzeugkorpus integriert. Leatherman fertigt den Z-Rex aus durchschlagstarkem Wolframcarbid.

www.leatherman.at 4 EAT THE BALL® – EAT SMART, FEEL GOOD Als dreidimensionales Gebäck in verschiedensten Ballformen sorgt Eat the Ball® für eine Revolution am Brotmarkt: die originalgetreuen Bälle bleiben nicht nur mehr als 24 Stunden absolut frisch, sondern sind auch aus rein natürlichen Zutaten hergestellt. Zu kaufen gibt’s die leckeren Energiebündel beispielsweise bei EUROSPAR in Wien und Niederösterreich, bei Maximarkt und C+C Pfeiffer, beim Meinl am Graben und bei allen OMVTankstellen mit VIVA Shops – ein echtes Gebäck für Siegertypen!

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Volles Programm Das Red Bull TV-Fenster bei ServusTV: Jede Menge Action auf Ihrem Bildschirm. www.servustv.com

Sonntag, 30. Dezember, 23.10 Uhr

Ich, Bruce Lee Break’n Reality Lang lebe der Beat! Wir begleiten drei der welt­ besten Breakdancer ein Jahr lang, voll mit schwierigen Herausforderungen, Hoffnungen und Erfolgen.

Bruce Lee gilt als unumstrittener Pionier der asiatischen Kampfkünste – dank ihm schafften es die Martial Arts auf die große Kinoleinwand. Diese Dokumentation lässt Regisseure, Kollegen und Freunde zu Wort kommen, die erklären, warum Lees Ruhm bis heute anhält. Seltenes Archivmaterial und legendäre Fotos gewähren ­zudem einen sehr persönlichen Einblick ins Leben des „Kleinen Drachen“.

Sonntag, 2. Dezember, 16.25 Uhr

Red Bull Crashed Ice Die Bezwinger des Eis-Kanals sind zurück. Im Schatten der Niagarafälle beginnt der aktuelle Champ Kyle Croxall die Mission Titelverteidigung.

Montag, 31. Dezember, 20.15 Uhr

Play – Am Anfang war der Sport Sonntag, 16. Dezember, 19.55 Uhr

Red Bulls Salute 2012 Das Finale des Red Bulls Salute gehört zu den prestigeträchtigsten Spielen Europas. Bei ­ServusTV sind Sie live und exklusiv dabei.

So sind Sie im Bild 96

Sport ist Philosophie, und Zinédine Zidane, Lindsey Vonn, Serhij Bubka oder Katarina Witt sind seine Philosophen. Mit atemberaubenden Bildern und intelligenten Interviews zeigt „Play“, wie aus dem Urbedürfnis des Menschen, sich mit anderen zu messen, die schönste und aufregendste Freizeitbeschäftigung der Welt wurde. Ob beim Fußball, bei Olympia, im Extremsport oder bei ethnischen Wettkämpfen: „Play“ zeigt ganz großen Sport und die herausragendsten Sportler aller Zeiten. Sie finden ServusTV mit dem Red Bull TV-Fenster nicht auf Ihrem Fernsehgerät? Rat und Hilfe zum Nulltarif unter

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Bilder: homard payette/Red bull content pool, daniel kolodin, samo vidic/red bull content pool, spike TV, bonne Pioche

Samstag, 1. Dezember, 10.10 Uhr


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eulich am Schreibtisch. Weil ich dringend ein wichtiges Buch zu Ende lesen musste und dann zum Sport wollte, ging ich direkt ins Internet. Denn wir hart Arbeitenden müssen nicht nur ständig online sein für den Fall, dass jemand auf Facebook zum Beispiel postet, er versuche eben erfolglos, ein wichtiges Buch zu Ende zu lesen und dann zum Sport zu gehen. Nein, wir müssen auch per Liveticker darüber informiert werden, dass keiner weiß, wie die EU zu retten ist, und das sekündlich. Habe ich Facebook und den Ticker durch, lande ich regelmäßig auf YouTube. Sollten Sie diese Seite als nicht ganz so hart online arbeitender Mensch weniger gut kennen: Das ist eine Website, auf der User pro Sekunde so viele Filme hochladen, dass wir eine Stunde brauchen würden, um sie uns anzusehen; das macht an einem Tag exakt 86.400 VideoStunden. Eine nur scheinbar einschüchternd gigantische Aufgabe. Denn nicht nur, dass die eine Hälfte aus Katzenvideos besteht und die andere Hälfte aus Videos, in denen etwas schiefgeht – nach wenigen Stunden hat man auf YouTube alles gesehen, denn ein Video ist wie das andere. Das ist jetzt natürlich stark übertrieben, aber als Kolumnist brauche ich die Axt der Vereinfachung, um damit den Wald der Voreingenommenheit zu fällen, um jetzt mal ein außergewöhnliches Sprachbild zu prägen. Wo war ich stehengeblieben? Ach ja. Warum Katzenvideos so beliebt sind, interessiert mich nicht. Warum es 25 Zillionen Pleiten-Pech-und-Pannen-Videos gibt und warum wir uns solche Videos so gerne ansehen – dafür habe ich hingegen zwei Erklärungen. Erstere lautet: aus purer Schadenfreude. Das gibt zwar keiner gerne zu, weil diese Emotion zu den „verbotenen Gefühlen“ gehört. Das ändert aber nichts an deren wichtiger

Ankowitschs Kolumne belebt Körper und Geist

Willkommen, meine Tanten und Herren! Weihnachten naht. Zeit, dass Ihnen Ihr Kolumnist ein Geschenk macht. Voilà, hier ist es auch schon. Funktion. Sie hilft uns dabei, mit den eigenen Neidgefühlen und Überforderungen sowie den Ungerechtigkeiten der Welt fertig zu werden. Dieses miese Gefühl ist laut Brigitte Boothe vom Psychologischen Institut der Uni Zürich auch deshalb so beliebt, weil es neben der Vorfreude das einzige Gefühl sei, das uns unmittelbar entspanne. Ich kann das nur bestätigen:

Wenn ich dabei zusehe, wie hinten im TV-„Sportstudio“ der Gast Günter Netzer ansetzt, um einen Schluck Wasser zu trinken, dann vorne ein Karatemann ein Brett durchhaut, worauf sich Netzer das Glas Wasser in den V-Ausschnitt seines Pullovers schüttet – dann finde ich das sehr entspannend. Schon allein deshalb, weil nicht ich es bin, der dort sitzt. Weniger entspannend würde ich es finden, wenn jemand bei einem Missgeschick ernsthaft zu Schaden kommt – aber weil ich mir so was nicht ansehe, kann ich da nicht mitreden. Die andere Erklärung für die Beliebtheit dieser Art von Videos lautet: Wer dabei zusieht, wie Dinge schiefgehen, der versichert sich indirekt, dass es auch Momente des Gelingens gibt bzw. wie aufwendig es ist, Dinge klappen zu lassen. Dafür reicht es schon, wenn der Nachrichtensprecher seine Zuseher mit einem fröhlichen „Willkommen, meine Tanten und Herren“ begrüßt, der US-Anchorman zweimal hintereinander „Penis“ anstelle von irgendetwas Harmlosem stottert oder wenn der TV-Koch Tim Mälzer mit einem Servier-Brettchen in der Hand einem Buben sagt, er sei sehr gut erzogen, und der ihm daraufhin vor die Füße kotzt. Sollten Sie also demnächst gefragt werden, warum Sie sich auf YouTube ständig irgendwelche Katastrophenfilmchen ansehen, dann sagen Sie, dass Sie sich bewusst machen wollten, dass Ihre Buchlektüre und Ihr anstehender Sportausflug zwei Unterfangen sind, die Sie eben dem Ozean des Misslingens abtrotzen. Und man solle Sie dabei gefälligst nicht stören! Gut? Gern geschehen, nicht der Rede wert. Aber jetzt erst mal die anderen Geschenke auspacken. Christian Ankowitsch, 53, ist ein österreichischer Journalist, Schriftsteller und Lebenshelfer. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258: Herausgeber und Verleger Red Bull Media House GmbH Chefredaktion Robert Sperl General Manager Mag. Alexander Koppel Verlagsleitung Franz Renkin Creative Director Erik Turek Art Director Kasimir Reimann Fotodirektion Fritz Schuster Chefin vom Dienst Marion Wildmann Redaktion Alexander Macheck (Stv. Chefredakteur), Werner Jessner (Leitender Redakteur), Ulrich Corazza, Florian Obkircher, Arkadiusz Pia˛tek, Andreas Rottenschlager Mitarbeiter Stefan Wagner Grafik Martina de Carvalho-Hutter, Silvia Druml, Miles English, Kevin Goll, Peter Jaunig, Carita Najewitz Fotoredaktion Ellen Haas, Catherine Shaw, Rudi Übelhör Senior Illustrator Dietmar Kainrath Autor Christian Ankowitsch Illustratoren Albert Exergian, Mandy Fischer Corporate Publishing Boro Petric (Ltg.); Christoph Rietner, Nadja James (CR); Dominik Uhl (AD); Markus Kucˇera (FD); Lisa Blazek (Red.); Christian Graf-Simpson, Daniel Kudernatsch (iPad) Lektorat Hans Fleißner Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Karsten Lehmann, Josef Mühlbacher Herstellung Michael Bergmeister Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter Sádaba Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg Finanzen Siegmar Hofstetter, Simone Mihalits Marketing & Country Management Barbara Kaiser (Ltg.), Stefan Ebner, Nicole Glaser, Klaus Pleninger, Elisabeth Salcher, Lukas Scharmbacher, Peter Schiffer, Julia Schweikhardt, Sara Varming Anzeigenverkauf Alfred Vrej Minassian (Ltg.), Thomas Hutterer, Romana Müller; anzeigen@at.redbulletin.com Anzeigendisposition Sabrina Schneider O∞ce Management Anna Jankovic (Ltg.), Manuela Geßlbauer IT Michael Thaler Firmensitz Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com Web www.redbulletin.com Erscheinungsweise Das Red Bulletin erscheint monatlich als Eigenbeilage von und in Kooperation mit folgenden Partnerzeitungen – in Österreich: Kleine Zeitung, Kurier, Die Presse, Salzburger Nachrichten, Der Standard, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten. Deutschland: Leipziger Volkszeitung und Vertrieb an Hochschulen. Nordirland: Sunday Life. Irland: The Irish Times. Frankreich: L’Équipe. Südafrika: Independent on Saturday, Saturday Star, Weekend Argus. Neuseeland: The New Zealand Herald. Kuwait: Kuwait Times. Mexiko: Milenio Diario. Schweiz und Großbritannien: alternativer Vertrieb. In den USA: New York Daily News, Chicago Tribune, LA Times, Houston Chronicle. Gesamtauflage 3,1 Millionen Leserbriefe bitte an leserbriefe@at.redbulletin.com

DIE NÄCHSTE AUSGABE DES RED BULLETIN ERSCHEINT AM 8. JANUAR 2013. 98

ILLUSTRATION: ALBERT EXERGIAN

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