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ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN
KAI LENNY
DER WASSERMANN Der vielseitigste Surfer der Welt und die Wiederentdeckung der Leichtigkeit
FLÜÜÜGEL FÜR DEN WINTER.
MIT EISIG-FRUCHTIGEM GESCHMACK.
NEU
BELEBT GEIST UND KÖRPER.
E D I TO R I A L
WILLKOMMEN
FRED POMPERMAYER (COVER), GIAN PAUL LOZZA, CHRISTOPH KÖSTLIN
BENE ROHLMANN
NIMM DIR MEHR ZEIT
ZU BESUCH BEI NATASCHA
Triathletin Natascha Badmann, 53, daheim in Zofingen, spricht mit uns über ihre Karriere, Kraftworte und den Sieg der Schönheit über die Schmerzen. Ab Seite 50
Natascha Badmann sitzt hinter ihrem Haus und hat gute Laune. Sie freut sich darüber, dass ihre Zucchini spriessen, zupft in ruhigen Minuten ein bisschen Unkraut und lacht auch dann noch, als ein Mann mit Motorsense unser Gespräch unterbricht. Lange war die ausserordentlich erfolgreiche Triathletin als Esoterikerin verschrien. Tatsächlich hat sie nur früher als die meisten anderen erkannt, wie wichtig mentales Training ist, wie sehr die Kraft des Geistes den Körper stärken kann (ab Seite 50). Die Zeit hat der Red Bull-Athletin recht gegeben. «Was ist Zeit?», haben wir in dieser Ausgabe sehr unterschiedliche Menschen gefragt (ab Seite 58). Für Freeskier Nicolas Vuignier, 29, ist es die Spanne von einer Idee zur Verwirklichung (konkret: 7 Jahre), für Tour-de-FranceZeitmesser Pascal Rossier, 54, ein millimeterknappes Etappenfinale (genau: 0,0003 Sekunden). Und du hast dir für diesen Text jetzt ca. 42 Sekunden genommen. Herzlichen Dank dafür und … … viel Spass mit der neuen Ausgabe von The Red Bulletin! Die Redaktion
WARUM DU INS MUSEUM GEHEN SOLLST
Geschichte hat Zukunft – warum ein Museumsbesuch sinnvoll ist, erklären wir mit Philosoph Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770 – 1831). Seite 18
«Ich wollte einen Film drehen, der etwas auslöst.» Moritz Bleibtreu, 49, über sein Regie-Debüt «Cortex». Ab Seite 34
15 SEKUNDEN «Was ist Zeit?» Für Skiläufer Loïc Meillard, 23, sind es die letzten 15 Sekunden vor dem Start. Sieben weitere Antworten ab Seite 58 THE RED BULLETIN
3
I N H A LT The Red Bulletin November/Dezember 2020
50 COVERSTORY
40 DER WASSERMANN
Wie Kai Lenny, der vielseitigste Surfer der Welt, seine Leichtigkeit wiederfand.
FEATURE
DER JUBEL VON NATASCHA Ein Bild, gerahmt von Badmanns Siegerkränzen
58 DIE UHR-FRAGE
Was ist Zeit? Acht sehr unterschiedliche Antworten auf eine grosse Frage.
E - MOBILITÄT
70 DIE STERNFAHRT
20 DIE GLÜCKSRÄDER
Lagos, Nigeria: Wie ein paar alte BMX-Bikes jungen Menschen neuen Mut machen.
Ganz schön viel Zukunft unter der Motorhaube – wir fuhren mit dem Polestar 2.
GUIDE
FILM I
34 DER DEBÜTANT
Schauspieler Moritz Bleibtreu über sein Regiedebüt mit dem Psychothriller «Cortex».
FILM II
38 DIE EMPFINDSAME
Schauspielerin Vanessa Kirby erzählt, wie sie ihre besondere Sensibilität entwickelte.
TRIATHLON
50 DIE SELBSTBEWUSSTE
Triathletin Natascha Badmann hat früh erkannt, dass Schönheit Schmerzen besiegt.
77 TRAVEL. Über Alpenpässe und Fantasie-Inseln – Zwift macht Hometraining richtig spannend. 82 FITNESS. Laufen neu gedacht – Nike-Cheftrainer Cory WhartonMalcolm erklärt, wie das «geht».
DAS LÄCHELN VON KAI Eine von vielen Seiten des multitalentierten Surfers
86 LESESTOFF. Du liebst Krimis? Dann musst du unbedingt Harlan Coben lesen – eine Einführung. 88 KALENDER. Events und TV-Highlights – was du nicht versäumen solltest.
Per Heissluftballon ins Weltall: die hochfliegenden Pläne eines US-Start-ups.
90 UHREN. Zukunft mit Vergangenheit – in vielen neuen Uhren schlägt ein Retro-Herz.
6 GALLERY 12 ZAHLEN, BITTE! 14 FUNDSTÜCK
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84 GAMING. Wie ein 23-jähriger Liverpooler bei «Call of Duty» zum Top-Verdiener wurde.
INNOVATOR
56 DIE REISE-IDEE
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Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen
GIAN PAUL LOZZA, MOHAMED AHSAN/RED BULL CONTENT POOL, DANIELE MOLINERIS/RED BULL CONTENT POOL, TYRONE BRADLEY
BIKE
16 PLAYLIST 18 CLUB DER TOTEN DENKER
96 IMPRESSUM 98 PERFEKTER ABGANG
58 DER SPRUNG VON MARKUS Abwärts mit Genuss – Markus Eder über den Faktor Zeit
THE RED BULLETIN
20 DER FREUDENSPRUNG Ein BMX-Rider erobert eine Betonburg in Lagos. Wir haben die Szene in Nigeria besucht.
THE RED BULLETIN
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SEBASTIAN, FLORIDA, USA
Mann über Board Egal was vor ihm aus dem Wasser ragt, Wakeboard-Profi Massimiliano Piffaretti, 25, sieht keine Hindernisse, sondern Möglichkeiten für neue Tricks. Auf dieses Bootswrack, ein Bruchstück von Hurrikan «Dorian» aus dem Jahr 2019, stiess der Italiener während seines «South Florida Loop Trip»: Gemeinsam mit einer Crew aus Red Bull Wakeboard-Athleten tobte sich Piffaretti auf einer 350 Kilometer langen Wasserstrasse aus, die West- und Ostküste verbindet. Der einheimische Fotograf Bryan Soderlind drückte im richtigen Moment ab. Instagram: @thegoldenbear
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BRYAN SODERLIND/RED BULL CONTENT POOL
ÖTZTAL, ÖSTERREICH
Langer Atem
JÜRGEN SKARWAN
Er gilt als grösste Herausforderung für HobbyRadsportler: Der Ötztaler Radmarathon führt über 238 Kilometer sowie vier Alpenpässe und verlangt den jährlich 4000 Teilnehmern, die per Los unter Zehntausenden bestimmt werden, alles ab. Im Buch «Ein neuer Traum beginnt» dokumentiert der Tiroler Ernst Lorenzi mit atemberaubenden Aufnahmen den Bewerb von 2014 bis heute. Hier im Bild: die Teilnehmer der 2018er-Ausgabe auf der anspruchsvollen Schlussetappe über das 2509 Meter hohe Timmelsjoch (Foto: Jürgen Skarwan). pantauro.com
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ELBRUS, RUSSLAND
Gipfelstürmer Wer an einem Tag zwei Weltrekorde bricht, darf sich schon mal feiern lassen. Der Mann mit der Siegerfackel ist Dmitry Mityaev, 28, russischer Ultraläufer und 2020 Schnellster beim berüchtigten Elbrus-Rennen – einem 111 Kilometer langen Mountain Race zum Gipfel des Elbrus, des höchsten Bergs Russlands. Für die 5642 Höhenmeter benötigte Mityaev 13 Stunden und 19 Minuten und unterbot damit den Weltrekord um 2 Stunden und 34 Minuten. Damit nicht genug: Nach dem Zieleinlauf setzte Mityaev sein Rennen für weitere 30 Kilometer fort, bis der zweite Weltrekord (für die komplette Umrundung des Berges) feststand. Siegerzeit: 16 Stunden und 7 Minuten. elbrus.redfox.ru/de
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DANIL KOLODIN/RED BULL CONTENT POOL
ZAHL E N, B I TT E !
IN MEMORIAM
Der Herr der Saiten Vor 50 Jahren starb der grösste Gitarrist der Welt: Jimi Hendrix. Warum wir der 101. US-Luftlandedivision seine Musik verdanken und was ihn mit BarockKomponist Händel verbindet, erzählen dir diese klingenden Zahlen.
1
Dollar kostete seine erste Akustische. Ein Jahr später, mit sechzehn, schenkte ihm sein Vater eine E-Gitarre: die Supro Ozark 1560 S.
2.000.000
27,3
Dollar ließ sich MicrosoftGründer und Hendrix-Fan Paul Allen dessen Woodstock-Gitarre bei einer Versteigerung kosten.
Zentimeter mass Hendrix’ Hand vom Gelenk zur Mittelfingerspitze (im Schnitt: 19 cm). Angeblich Mitgrund für seinen einzigartigen Gitarrenstil.
19
3:42
nackte Frauen zieren das AlbumCover von «Electric Ladyland». Er war nicht happy. Sein Vorschlag: ein Bandfoto mit Kindern im Central Park von Linda Eastman (später McCartney).
Minuten dauerte seine legendäre Interpretation der US-Bundeshymne beim Woodstock-Festival: eine lärmige Kritik am Vietnamkrieg.
160
12
Mal ging es gut, beim 26. Fallschirmsprung brach er sich den Knöchel: Der Zwanzigjährige wurde von der 101. US-Luftlandedivision entlassen und widmete sich der Musik.
5
One-Hit-Wonder ist er technisch gesehen: Nur einer seiner Songs war in den US-Top-Charts: «All Along the Watchtower» (Platz 20, 1968).
Seiten hat «Die Nacht des Licht» von Science-Fiction-Autor Philip José Farmer. Der Roman, der Hendrix zu «Purple Haze» inspirierte. Mit Drogen habe der Song laut dem Musiker gar nichts am Hut.
25
1723
zog der Barock-Komponist Georg Friedrich Händel in die Londoner Brook Street 25, 245 Jahre später mietete Hendrix das Haus nebenan. Heute befindet sich dort ein Museum: Handel & Hendrix.
1966
landete er erstmals in London, im Gepäck lediglich seine Gitarre. Sein Ziel: ein Treffen mit Eric Clapton. 36 Stunden später stand er mit ihm auf der Bühne.
THE RED BULLETIN
CLAUDIA MEITERT
Schlaftabletten nahm er am 17. September 1970, das 18-Fache der empfohlenen Dosis, und starb an seinem Erbrochenen im Alter von nur 27 Jahren.
Meter hoch war die Flamme, als er 1967 erstmals seine Gitarre live anzündete. Er musste mit verbrannter Hand ins Krankenhaus.
GETTY IMAGES (5), PICTUREDESK.COM (2)
9
1,2
NUR IM KINO
JA M E S B O N D ’ S CHOICE SEAMASTER DIVER 300M 007 EDITION OMEGA Boutiquen: Zürich • Genf • Luzern • Interlaken • Bern • Biel • Crans-Montana • Zermatt • Bürgenstock
F U ND ST Ü CK
Der Hut des Präsidenten Der Zylinder, den Lincoln am Tag des Attentats auf ihn trug, 1865. Smithsonian Museum of American History Seit jeher finden US-Präsidentenwahlen im November statt, vor 160 Jahren genauso wie heute. 1860 wurde jener Mann gewählt, dem dieser Zylinder gehörte: Abraham «Abe» Lincoln. Er führte die Nordstaaten zum Sieg im Bürgerkrieg und beendete die Sklaverei. Kurz darauf fiel er dem Attentat eines fanatischen Südstaatlers zum Opfer. Der Hut wird in Washington ausgestellt. Wir stellen fest: Präsidenten-Kopfbedeckungen von heute haben deutlich weniger Hubraum. Und auch ein anderes Format.
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THE RED BULLETIN
ANNIE LEIBOVITZ / TRUNK ARCHIVE, GETTY IMAGES
ABRAHAM LINCOLN
Eine Hommage an die allerersten Flieger und Entdecker — und ihre gemeinsame Geschichte mit Longines.
Howard Hughes, einer der wichtigsten Aviatik-Pioniere, flog in Rekordzeit rund um die Welt. Für die Navigation über den Meeren und Kontinenten vertraute er auf die Aviatik-Chronometer und Chronographen von Longines. Im Jahr 1935 war Howard Hughes zu seiner Zeit der schnellste Flieger der Welt. Er stellte einen neuen Fluggeschwindigkeitsrekord von 566 km/h auf. Was die Geschichte von Hughes jedoch so besonders beeindruckend macht, ist die Tatsache, dass das Flugzeug, welches er flog, von ihm selbst entworfen worden war. Hughes war kein gewöhnlicher Pilot, der Rekorden hinterherjagte — er war auch Luftfahrtingenieur, Geschäftsmagnat und erfolgreicher Filmproduzent in Hollywood. Doch es waren sein Kampfgeist und sein Mut im Angesicht des Unbekannten, die ihn dazu bewogen, immer wieder an seine Grenzen zu gehen. Nur wenige Jahre später umrundete Hughes die Erde.
Seine Reise dauerte nur 3 Tage, 19 Stunden und 14 Minuten — und damit hatte er 1938 einen Weltrekord aufgestellt. Hughes vertraute stets auf seinen Longines-Chronometer für die Astronavigation, um die genaue Position seines Flugzeugs bei Nacht, in völliger Dunkelheit und über den riesigen Ozeanen zu bestimmen. Die Art und Weise, wie sie mit Herausforderungen umgehen, trennt die Pioniere vom Rest der Menschheit. Eleganz zeigen, wenn alle Chancen gegen einen stehen. Mit Eleganz alles versuchen, alles geben, vielleicht scheitern. Elegant kämpfen — und triumphieren. Das ist es, woran man sich erinnert. Das ist es, was bleibt — wenn alles andere nicht mehr zählt.
Longines hat die Spirit Collection entwickelt, um genau dies zu verkörpern. Sie verbindet Eleganz, Tradition und Leistung — mit denselben unverwechselbaren Merkmalen, die speziell für die ersten Aviatik-Pioniere geschaffen wurden: von ihrer geprüften Ganggenauigkeit bis zur übergrossen Aufzugskrone, die mit Handschuhen leicht bedient werden kann; von den markanten, kontrastreichen Ziffern bis zu den Zeigern mit Leuchtmassenbeschichtung für Nachtflüge. Die Spirit Collection ist der lebhafte Beweis, dass der Pioniergeist fortlebt.
P L AYL I ST
JOSH HOMME
«Judas Priest sind besser als Sex» Der Frontmann der Queens of the Stone Age verrät, was er hört, wenn er auf dem Bike den Highway runterbrettert – oder in L. A. im Stau steckt.
Judas Priest
Cheap Trick
Dean Martin
Breaking The Law (1980)
Surrender (1978)
Mambo Italiano (1969)
«Wer noch nie den Hollywood Boulevard entlanggefahren ist und dabei so laut AC/DC gehört hat, dass Passanten erschrocken zur Seite springen, hat nicht gelebt. An den Reaktionen der Leute erkenne ich, mit wem ich auf ein Bier gehen würde oder gern befreundet wäre. AC/DC ist eine Visitenkarte.»
«Ich verstehe Judas Priest erst, seit ich Motorrad fahre. ‹Breaking the Law› auf der Maschine zu hören ist das Grösste. Im Ernst: Fahr durch die Stadt mit diesem Song, setz einen Helm auf, damit dich niemand erkennt – und du bist im Himmel. Es gibt nichts Schöneres. Wahrscheinlich ist es sogar besser als Sex.»
«Auf der Harley kann ich meine Lieblingsmusik hören wie die ersten drei Alben von Cheap Trick. Jedes davon ist verdammt gut, vom Anfang bis zum Ende die reinste Perfektion. Besonders die Single ‹Southern Girls› (1977) wurde fürs Motorradfahren geschrieben. Warum sitzt du noch da? Bike starten, und los geht’s!»
«Ich höre gerne Dean Martin beim Motorradfahren, weil das, glaube ich, sonst keiner macht. Es gefällt mir, solche Eigenheiten nur für mich zu finden. ‹Mambo Italiano› bei voller Lautstärke ist richtig geil. Man hört geradezu, wie Dean Martin beim Singen lächelt – das ist etwas ganz Besonderes und macht einfach Freude.»
Dirty Deeds Done Dirt Cheap (1976)
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THE RED BULLETIN
ANDREAS NEUMANN
AC/DC
MARCEL ANDERS
Wenn sich die US-Rocktitanen Queens of the Stone Age eine Auszeit gönnen – so wie jetzt –, widmet sich ihr Frontmann Josh Homme seiner geliebten Motorradsammlung. Neben einem Falcon-Oldtimer und einem Exile-Chopper gibt es da auch die Harley mit den gigantischen Lautsprechern. Homme, 47, nennt die zweistündige Fahrt von seinem Haus in Palm Desert zum Studio in Burbank seine tägliche Meditationseinheit. Besser könne er kaum den Kopf freikriegen und Ideen sammeln. Mit Lederjacke und Sonnenbrille wirkt der 1,93-Meter-Hüne dabei wohl etwas einschüchternd. Uns hat er verraten, welche Musik aus seinen Harley-Boxen brettert.
3 TAGE, 19 STUNDEN, 14 MINUTEN So lange benötigte Howard Hughes für seine Weltumrundung, die ihn 1938 zum schnellsten Mann der Lüfte machte. Bei der Bestimmung der Position seines Flugzeugs in der Nacht und über dem Ozean vertraute er auf einen Longines-Chronometer, der speziell für die astronomische Navigation entwickelt worden war.
Howard Hughes
D ER CLU B D ER TOT EN DEN K ER
GEORG WILHELM FRIEDRICH HEGEL
Soll ich mir altes Zeug im Museum anschauen? Die grössten Denker aller Zeiten beantworten Fragen unserer Gegenwart, übermittelt durch den Philosophen Christoph Quarch. Diesmal: Kurz nach seinem 250. Geburtstag erklärt Hegel, wieso es sich lohnt, sich mit Geschichte zu befassen. Also woischt, i bi ja a Schwoab. Und a Schwoab ka gar net andersch als alles nuffz’hebe, was ihm querkommt. Heidenei, des verstoasch ja net, denn du bischt ja wohl kan Schwoab, sonst tätst et frage, ob des guat isch, sich im Museum so an alte Plunder az’gucke. Also in gepflegtem Hochdeutsch: Wir Schwaben neigen dazu, Dinge aufzuheben. Und als ein schwäbischer Philosoph neige ich – auch nach vielen Jahren in Berlin noch – dazu, genau das gut und sinnvoll zu finden. Denn mit dem Aufheben hat es eine eigentümliche Bewandtnis. Das Aufheben ist nämlich die Lieblingsbeschäftigung des Geischtes – Pardon: des Geistes. Ums Aufheben ist es mir also zu tun. Denn Aufheben ist wichtig – Aufheben ist geistreich. Genauso geistreich wie das Spiel mit Worten, das ich jetzt gern mit dir spielen möchte: Aufheben – so habe ich’s vor langen Jahren in meiner «Phänomenologie des Geistes» ausgearbeitet – kann dreierlei bedeuten: etwas aufbewahren bzw. etwas vor der Mülltonne retten; etwas abschaffen, wie man etwa ein Verbot aufhebt; und etwas auf eine höhere Ebene bringen – so wie man etwas vom Fussboden aufhebt, wenn es runtergefallen ist. Und jetzt kommt’s: Wenn der Geist etwas aufhebt, dann geschieht alles drei zugleich. Und das ist dann auch die Erklärung dafür, warum es eine ganze Menge bringt, gelegentlich einmal ein Museum aufzusuchen. Ist nicht leicht zu verstehen, auch nicht leicht zu erklären, aber ich will’s versuchen: Als Erstes mach dir bitte klar, dass du nicht vom Himmel gefallen bist. Nein, bist du nicht: Du bist in eine Welt hineingeboren, die schon vor dir da war und die eine Geschichte hat. Die Welt, in der du lebst, ist eine gewordene Welt. Je mehr du nun in sie hineinwächst, desto mehr saugst du sie auf – und mit ihr auch ihre Geschichte. Die Weise, wie du denkst, wie du sprichst, wie du fühlst: Alles hat
eine Geschichte, die weit, weit hinter deine Geburt zurückreicht. Denn es ist die Geschichte des Geistes: die Geistesgeschichte, die wir bis zu den ersten Anfängen der Menschheit zurückverfolgen können. Ja, wie ein roter Faden zieht der Geist sich durch die Jahrhunderte. Und mit jedem Jahrzehnt – das war meine grösste Entdeckung – wird er etwas … geistreicher, etwas umfassender, etwas komplexer, etwas bewusster. Und wie macht er das? Die Antwort kennst du schon: durchs Aufheben. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: die Europäische Union. Nach zwei Weltkriegen und dem Faschismus war man sich in Europa einig, dass so etwas nie wieder geschehen dürfe. Also schloss man sich zu einer Europäischen Gemeinschaft zusammen. Dabei wurde einiges aufgehoben: Alte Feindschaften wurden abgeschafft, während nationale Eigenheiten aufbewahrt blieben. Und Europa wurde auf eine neue Entwicklungsstufe gebracht – die heute allerdings vielen Menschen Kopfzerbrechen bereitet, wenn man bedenkt, was in Ländern wie Polen, Ungarn oder Grossbritannien abgeht. Und da sage ich dir: Du kannst das heutige Europa nur verstehen, wenn du seine Geschichte kennst. Du verstehst den Geist deiner Zeit nur, wenn du dir klarmachst, was er alles aufgehoben hat – im dreifachen Sinne. Und was er aufgehoben hat, findest du als «altes Zeug» in den historischen Museen. Also: Wenn du verstehen willst, in welcher Welt du lebst, befasse dich mit der Vergangenheit. Klar, du kannst so tun, als wärest du vom Himmel gefallen – aber damit fällst du auf die Nase. Im Einzelfall ist das nicht schlimm. Wenn aber ein ganzer Kontinent seine Geschichte vergisst, dann wird es eng. Deshalb glaube ich, es bringt uns allen etwas, ab und zu in ein Museum zu gehen.
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war einer der einflussreichsten Denker für das 19. und 20. Jahrhundert. Nicht nur Karl Marx und die Wegbereiter des Sozialismus liessen sich von ihm inspirieren, sondern auch existenzialistische Philosophen wie Søren Kierkegaard oder Jean-Paul Sartre. Als gebürtiger Schwabe wurde er 1818 an die Berliner Universität berufen, wo er eine grosse Hörerund Anhängerschaft fand. Seine Philosophie ist hochkomplex, erhebt sie doch den Anspruch, ein geistiges System bereitzustellen, mit dem sich die Kultur- und Menschheitsgeschichte als dynamische Entfaltung des Weltgeistes verstehen lässt.
THE RED BULLETIN
DR. CHRISTOPH QUARCH
FRIEDRICH HEGEL (1770–1831)
BENE ROHLMANN
«Du bist hineingeboren in eine Welt, die schon vor dir da war und die eine Geschichte hat.»
GEORG WILHELM FRIEDRICH HEGEL (1770–1831)
«Du kannst das heutige Europa nur verstehen, wenn du seine Geschichte kennst. Du verstehst den Geist deiner Zeit nur, wenn du dir klarmachst, was er alles aufgehoben hat.» THE RED BULLETIN
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Gl체ck
aus zweiter Hand Vor sieben Jahren kauften ein paar Jungs in Nigerias Hauptstadt Lagos BMX-Bikes in einem Secondhandladen. Zun채chst wussten sie gar nicht, was sie da erstanden hatten. Doch dann ver채nderten die R채der ihr Leben. Fotograf TYRONE BRADLEY hat die Clique begleitet. Text ANDREAS WOLLINGER
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Fotos TYRONE BRADLEY
Auf einen Sprung ausser Haus Matthew Temitope, in der Szene als Starboy bekannt (@official_starboybmx), war von Anfang an Teil der BMXSzene im 14-Millionen-Moloch Lagos. Er arbeitet als Mechaniker in der Autowerkstatt seines Vaters, aber in der Mittagspause muss ein bisschen Spass sein.
«Wenn ich einen Tag nicht fahre, kann ich nicht glücklich sein.» Oluwasegun Adosu, genannt SKing
City Surfer Ursprünglich wusste niemand, wofür BMX-Bikes eigentlich gut sind. Erst ein bisschen Surfen im Internet klärte die Clique auf. Jeden Sonntag trifft man sie jetzt im Freedom Park im Zentrum der Stadt, der sich ironischerweise auf dem Gelände eines ehemaligen Gefängnisses befindet. Von hier aus brechen die Jungs auf, um Passanten mit ihren Tricks zu bespassen: Oluwasegun Adosu, der sich SKing nennt (@skingbmxnigeria), surft hier gerade – jeder Zoll ein Showman – elegant die Strasse hinunter. 23
Hoher Besuch BMX-Superstar Courage Adams (@courageadams) zu Gast in Lagos. Er wurde zwar in Nigeria geboren, wuchs aber in Spanien auf. Von seinen neuen nigerianischen Kollegen erfuhr er via Instagram. FĂźr diesen kĂźhnen Sprung mussten ihm die zuerst eine Landebahn aus Sperrholz bauen.
Onyemechi Samuel Auf dem Weg zum Szenetreffen im Freedom Park: Samuel ist bekannt für seinen furchtlosen Zugang zu allen möglichen BMX-Tricks.
Oluwasegun Adosu SKing identifiziert sich derart mit dem Biken, dass er einen Künstler gebeten hat, ein Rad auf die Wand seines Zuhauses zu malen.
Matthew Temitope Starboy posiert im Rotmann in der Autowerkstatt seines Vaters. Die Lässigkeit kommt bei ihm praktisch aus dem Handgelenk.
Oladejo Ibrahim alias Keke Money ist Volksschullehrer, aber lieber fährt er BMX – sehr zum Missvergnügen seiner Familie. Die meint, er setze seine Zukunft mutwillig aufs Spiel.
THE RED BULLETIN
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«BMX zeigt mir, was alles möglich ist und dass du alles tun kannst.» Oladejo Ibrahim, genannt Keke Money
Ohne Vorderrad! Im Nationalstadion von Lagos führt Keke Money seinen Signature-Trick vor: einen Wheelie mit abmontiertem Vorderrad. Man kann sich leicht vorstellen, was bei dieser Übung die grösste Schwierigkeit ist. Genau: das glückliche Ende. Keke Money fährt, sooft er kann. Leider kann er nicht so oft, weil ihn seine Familie daran zu hindern weiss. Eine Schande, sagen alle in der Szene – bei dem Talent und dem Style, den er hat. 26
Under the Bridge
SKing wohnt in Makoko, einem illegal errichteten Fischerdorf direkt an der BrĂźcke, die das Festland mit Victoria Island verbindet, einer vorgelagerten Insel mit wohlhabenden Einwohnern. Makoko ist eine eigene Welt mit eigenen Gesetzen. Von Regierungsseite hat man schon mehrmals versucht, diesen Wildwuchs zu beseitigen. Bisher ohne Erfolg.
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«Mit meinem BMX- Bike fühl ich mich lebendig, es macht mich zu dem, der ich sein möchte.» Matthew Temitope, genannt Starboy
Showtime! Während sich SKing (re.) auf Freestyle-Tricks spezialisiert hat, pflegt Starboy eher das traditionelle Streetriding. In der Nähe des Rathauses von Lagos gibt es eine Menge guter Stellen, wo sie zeigen können, was sie in den vergangenen Jahren alles gelernt haben. Hier springt Starboy mit einem beeindruckend hohen Bunny Hop über SKing, der sein Bike mit einer eleganten Figur in perfektem Gleichgewicht hält. 31
Lebenssinn Seit SKing BMX für sich entdeckt hat, gibt es für ihn kaum noch etwas anderes: Das zeigt schon die Frisur. Ausserdem hat er vermutlich die meisten BMXTattoos weltweit.
Hier fing alles an Aus diesem Fahrradladen, er liegt gleich um die Ecke von der Werkstatt von Starboys Vater, stammten die ersten BMX-Bikes. Starboy kommt noch heute vorbei – auf ein Service oder um die Räder zu wuchten. 32
THE RED BULLETIN
Spass am Schrottplatz Die Kulisse fßr diesen mächtigen Satz von Sharad Fatai (@chad_sharon) bildet der Schrottplatz von Lagos, ein Areal von kaum fassbaren Dimensionen. Nicht wirklich der ideale BMX-Spielplatz, aber diese Jungs sind ohnehin Meister der Improvisation.
Moritz Bleibtreu
Deutschlands Kino-Allrounder Moritz Bleibtreu, 49, ist lieber glaubwürdig als erfolgreich. Sein neuer Film lädt uns Zuseher zum Philosophieren ein. Text RÜDIGER STURM
Er ging schon früh seinen eigenen Weg: In der elften Klasse bricht Moritz Bleibtreu die Schule ab, um Schauspieler zu werden. Er arbeitet in Paris als Au-pair, quält sich in New York durch die Schauspielschule und kehrt nach Deutschland zurück, weil er sich mit seinen Lehrern nicht versteht. Hier bekommt er erste Rollen in Fernsehfilmen, aber was ihn wirklich interessiert, ist das Kino. Mit «Knockin’ on Heaven’s Door» schafft er den Durchbruch, bald folgen «Lola rennt», «Im Juli», «Das Experiment» und später «Der Baader Meinhof Komplex». Obwohl das keineswegs typische Mainstream-Filme sind, werden es grosse Publikumserfolge – auch wegen Moritz Bleibtreu. Mit Charisma und grosser körperlicher Präsenz spielt er Kiffer, Terroristen, Todkranke, Verklemmte und Sexsüchtige – und bleibt sich doch immer treu: Er verkörpert ausschliesslich Charaktere, die ihn selbst faszinieren, völlig
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egal ob in einer Haupt- oder einer Nebenrolle. Jetzt geht er noch einen Schritt weiter auf dem Weg zur Selbstverwirklichung: Beim Psychothriller «Cortex», der demnächst in die Kinos kommt, führt der 49-Jährige das erste Mal Regie, auch das Drehbuch hat er geschrieben. Im Interview erklärt uns Moritz Bleibtreu, warum er immer seinen Überzeugungen gefolgt ist, selbst wenn er dabei Misserfolge riskierte. : Ihr neuer Film «Cortex», ein Psychothriller, schwimmt ja nicht eben im Mainstream des deutschen Kinos mit, der im Moment von Komödien und Familienfilmen dominiert wird. : Das ist sicher ein sperriges Ding, ich wollte aber auch nichts Gefälliges machen. Ich habe immer an Filme geglaubt, die unterhaltsam sind, aber auch eine zusätzliche Ebene haben, die dem Zuschauer etwas abverlangen. Ich wollte einen Film drehen, der in den Zuschauern etwas auslöst. Genau das vermisse ich zunehmend im Kino.
Für wen machen Sie es denn? Mein geliebter Helmut Dietl, der Regisseur von TV-Serien wie «Kir Royal» oder Filmen wie «Schtonk!», hat einmal zu mir gesagt: «Moritz, am Ende machen wir das nur für uns selber.» Er hatte recht. Ich glaube nicht, dass Picasso sich überlegt hat, was die Leute über ihn denken. Das wäre das Schlimmste, was er hätte tun können. Er musste seine Bilder einfach malen, weil er es wollte. Das ist ganz essenziell. Ich kann mich nicht mit ihm vergleichen, aber für mich war es bei «Cortex» ähnlich. Derzeit haben viele Filme eine politische Botschaft. Was halten Sie davon? Meine Sorge ist, dass wir im Begriff sind, das Kunstkino streckenweise an ein politisch motiviertes Kino zu verlieren. Solche Filme haben sicher ihre Berechtigung. Es ist auch gut, wenn man soziale Missstände benennt. Aber ich kann mit dieser Art Kino nichts anfangen. Film ist für mich ein Raum der Fantasie – und nicht der Politik.
DAVID FISCHER
«Dann entfaltest du eine gewaltige Kraft»
Woran liegt es, dass solche Filme immer seltener werden? Die Filmförderung war ursprünglich dafür da, dass Künstler ihre Geschichten erzählen können. Das ist aber in den Hintergrund geraten, weil das Ganze ein Geschäft ist und Produkte erzeugen soll, die möglichst viel Geld einbringen. Dafür möchte ich aber nicht antreten.
THE RED BULLETIN
«Ich glaube nicht, dass sich Picasso überlegt hat, was die Leute über ihn denken.» Moritz Bleibtreu über den Einfluss des Publikumsgeschmacks auf einen Künstler
THE RED BULLETIN
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Moritz Bleibtreu
«Die einzige Messlatte, die ich für das Gelingen habe, ist meine eigene.» orientiert, sie hatte ein Wertesystem. Und sie hat es geschafft, jeder ihrer Figuren eine zweite oder dritte Bedeutungsebene zu verleihen, die so authentisch war, dass man das gespürt hat. Dieser Kompass hat sich auf mich übertragen.
Im Film «Cortex» erforscht Bleibtreu die Grenzen unseres Bewusstseins.
Das Regiedebüt von Moritz Bleibtreu ist ein ungewöhnlicher Psychothriller. Hagen (Bleibtreu, Bild oben) kann nicht schlafen, ihn quälen Albträume. Bald weiss er nicht mehr, was real ist und was er nur träumt. Darunter leidet auch die Beziehung zu seiner Freundin (Nadja Uhl). Als die auch noch eine Affäre mit einem Ganoven (Jannis Niewöhner) beginnt, verändert sich Hagens Leben für immer. Ab 22. Oktober im Kino
Wie gehen Sie denn mit Menschen um, die Ihre Ansichten nicht verstehen? Die einzige Messlatte, die ich für das Gelingen habe, ist meine eigene. Und ich erhoffe mir, dass Menschen aus meinem Film das Gleiche mitnehmen, was auch mich fasziniert, was mich begeistert und berührt. Und wenn nicht? Wenn das Publikum sagt: «Ich finde das doof», dann kann ich nichts dagegen machen. Aber es schmerzt mich nicht zu sehr, weil ich genau weiss, warum ich das gemacht habe. Ich kenne meine Fehler. Ich sehe auch, was ich richtig gemacht habe. Ich weiss, dass ich nicht perfekt bin, aber ich glaube einen Film gedreht zu haben, der durchaus eine Rechtfertigung hat.
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«Cortex» erschliesst sich nicht jedem sofort. Wollen Sie nicht, dass man Ihr Werk versteht? Nicht um jeden Preis. Ich bin jemand, der den Kern lieber selbst entdecken möchte. Ich will auch als Zuschauer mitdenken. Es gibt eben keine ultimative Wahrheit. Vielleicht sollten wir uns alle häufiger an einen Tisch setzen und offen unsere Meinungen und Gedanken austauschen. Dann können wir zu der Erkenntnis kommen: Vielleicht teilen wir die Auffassung des anderen nicht, aber er hat genauso seinen Punkt. Was ist Ihr Punkt in «Cortex»? Mir geht es um die Kraft, die ein Individuum entfalten kann, wenn es zu sich selbst findet. Was ist Kunst? Kunst ist, zu deiner Einzigartigkeit durchzudringen. Nur du kannst dieses Bild malen, nur du kannst diesen Film auf diese Weise machen. Das kann kein anderer auf der Welt. Wenn du das geschafft hast, dann entfaltest du eine gewaltige Kraft. Aber es ist nicht einfach, da durchzudringen. Auch das zeigt der Film. Wie sind Sie selbst zu sich durchgedrungen? Ich weiss gar nicht, ob ich das bin. Das ist ein ständiger Kampf. Aber ich habe das grosse Glück, dass meine Mutter Monica eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation war. Über das rein handwerkliche Können hinaus besass sie eine künstlerische Integrität. Sie hat sich sehr am Inhalt der Geschichten
Sie sind nicht nur Sohn, sondern auch Vater eines elfjährigen Jungen. Wie prägt das Ihre Arbeit? Bei der Erziehung – auch wenn ich dieses Wort nicht mag, weil da «ziehen» drinsteckt – geht es auf der einen Seite darum, da zu sein, und auf der anderen Seite ums Loslassen. Da sehe ich Parallelen zum Regieführen. Einerseits habe ich dieses Drehbuch geschrieben und habe ein genaues Bild davon, wie ich das umgesetzt haben möchte. Auf der anderen Seite habe ich es mit Schauspielern zu tun, die einen eigenen Willen haben. Da kann ich nicht einfach sagen: Mach so, wie ich das will. Vielmehr versuche ich zu verstehen: Aha, das ist seine Herangehensweise, die kann auch funktionieren. Also muss ich loslassen können. Können Sie das auch, wenn Sie auf dem Egotrip Ihrer Kunst sind? Sie sagten einmal, für einen Freund in Not würden Sie sofort Ihre Arbeit unterbrechen. Würden Sie dafür also Ihren eigenen Film aufgeben? Ohne mit der Wimper zu zucken. Sosehr ich meine Kraft aus meinem Beruf ziehe – alles, was im echten Leben passiert, ist wichtiger. Natürlich hat der Film im Moment des Drehens oberste Priorität. Aber wenn mein Sohn krank ist, ist mein Sohn krank. Da unterscheide ich massiv. Dann wird der Moritz gebraucht, der nicht auf dem Egotrip ist, sondern der an die anderen denkt.
THE RED BULLETIN
GORDON TIMPEN/WARNER BROS. ENT. 2020
Ein Mann sucht seine Realität
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Vanessa Kirby
Ob physisch oder psychisch: Die britische Schauspielerin Vanessa Kirby, 32, liebt es, Grenzen auszuloten. Ihre Empfindsamkeit sieht sie dabei als Stärke. Text RÜDIGER STURM
: In einem Interview meinten Sie kürzlich, dass Sie in der Schule gemobbt wurden und deshalb total gehemmt waren. Wie passt das mit einer höchst erfolgreichen Schauspielkarriere zusammen? : Auf den ersten Blick wohl gar nicht. Diese bitteren Erfahrungen haben mich sehr verletzlich und zerbrechlich gemacht. Auf der anderen Seite habe ich daraus aber auch viel für meinen Beruf gelernt.
Auch dann, wenn sich darin menschliche Abgründe auftun? Gerade dann. Nichts bereitet mir mehr Befriedigung, als konfliktbeladene, tief empfindende Charaktere darzustellen. Es gibt den Ausdruck «die dunkle Nacht der Seele». Für mich gehört das zum Menschsein dazu. Es ist ein Geschenk, die düsteren Bereiche des Lebens erkunden zu dürfen. Wenn du dich auf die einlässt, dann nimmst du auch die positiven Seiten viel intensiver wahr.
Inwiefern? Indem ich eine hohe Sensibilität für die Gefühle anderer Menschen entwickelt habe. Empathie ist der Kern meiner Arbeit. Ich habe gelernt, keine Vorurteile zu haben. Wenn andere Kids ständig über dich herziehen und urteilen, begreifst du, dass du das selbst nicht tun solltest.
Die meisten Menschen machen um die düsteren Bereiche des Lebens lieber einen Bogen … Ja, wir verdrängen Themen wie den Tod. Wir möchten ihn hinter klinisch sauberen Mauern wegsperren. Nur musst du dich als Mensch auch damit konfrontieren. Ich bin mir sicher, dass wir besser im Leben zurechtkommen würden, wenn wir uns gemeinsam mehr mit dem Tod auseinandersetzen. Viele Natur völker tun das und haben sogar eigene Zeremonien dafür.
Trotz dieser Sensibilität lassen Sie sich auf psychisch extreme Rollen ein. Verspüren Sie dabei keine Angst? Doch, klar. Aber gerade weil ich so empfindsam bin, liebe ich es, in intensive Charaktere einzutauchen. Am spannendsten sind für mich jene Rollen, bei denen ich am Anfang keine Ahnung habe, wie ich sie spielen soll. 38
Wie gehen Sie damit um, wenn sich «die dunkle Nacht der Seele» über Ihr eigenes Leben legt? In solchen Fällen helfen mir meine Beziehungen zu anderen Menschen. Wir dürfen niemals vergessen, dass
Aktuell drehen Sie mit Tom Cruise bereits Ihre zweite «Mission: Impossible». Wie passt das in Ihr Rollenfach? Auch hier bewege ich mich ausserhalb meiner Komfortzone. Ich komme eigentlich aus dem Theater und hatte keine Ahnung, wie ich einen Film mit lauter Stunts drehen soll. Diese Welt war mir total fremd. Genau aus diesem Grund wollte ich diese Herausforderung annehmen. Und wie haben Sie diese Herausforderung gemeistert? Der Schlüssel dazu war und ist das Fitnesstraining. Dabei habe ich erfahren, wie wesentlich Disziplin und Durchhaltevermögen sind. Es ist eine ganz andere Art von Herausforderung – sie ist weniger psychischer als physischer Natur. Die Arbeit mit Tom Cruise war sehr wichtig für mich. Er verlangt, dass du dich voll reinhängst und selber antreibst. Und ich mag es eben, wenn ich an meine Grenzen gehen kann. Wie motivieren Sie sich zu diesen beruflichen Grenzgängen? Indem ich mir meine Verantwortung als Kreative bewusst mache. Meine Aufgabe ist es, Geschichten zu erzählen, die anderen Menschen Anstösse dazu liefern, über sich selbst und das Leben anders zu denken. Das gilt vor allem für Menschen, die mit schwierigen Situationen klarkommen müssen. Ausserdem führe ich mir vor Augen, um wie viel härter es andere Frauen haben. Ihnen schulde ich es, dass ich das ganze Potenzial, das in mir steckt, voll auslote.
THE RED BULLETIN
MATT HOLYOAK/CAMERA PRESS/PICTUREDESK.COM
«Empathie ist der Kern meiner Arbeit»
wir alle miteinander verbunden sind – wie ein grosser Stamm. Das macht unser Dasein aus.
«Die Arbeit mit Tom Cruise war sehr wichtig für mich.» Vanessa Kirby über ihre physische «Mission: Impossible»
THE RED BULLETIN
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Kai Lenny in der mächtigen Dünung von El Niño. Die neue Mini-Serie «Life of Kai» erzählt aus dem Leben des Ausnahme-Surfers.
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FRED POMPERMAYER
Surf-Session in «Jaws», Hawaii, 2016
D I E S E H N S U C H T N A C H M E H R Der Hawaiianer KAI LENNY, 28, ist das Wunderkind des Wassersports. Egal ob Big-Wave-, Wind-, Kitesurfen oder Stand-up-Paddling: Er zählt in jeder dieser Disziplinen zu den Besten der Welt. Aber: Auch der Wellen-Allrounder musste sich 2020 neu erfinden. Text CHRISTINE YU
Foto-Shooting, Hawaii, 2019
Lenny posiert mit Board vor den Wellen in seinem Heimatort Paia auf Maui.
JAKE MAROTE
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ai Lenny ist einer der besten Wassersportler der Welt. Aber auch einer der schlechtesten Sofasurfer weltweit. Wenn der 28-jährige Hawaiianer sich nicht draussen in der Natur auspowern kann, wird er innerlich unruhig. Man spürt das bereits, wenn man ihn am Telefon hat. «Meine Eltern haben mich immer am Strand toben lassen, um mich müde zu machen, damit ich wenigstens nachts Ruhe gab», erzählt er – und denkt dabei vermutlich daran, dass er auch in diesem Moment lieber am Strand wäre, als ein Interview zu geben. Wobei «am Strand» hier eine eher behutsame Umschreibung für Lennys bevorzugten Aufenthaltsraum ist. Denn der Hawaiianer gilt als begabtester AllroundWassersportler der Gegenwart. Die Wellen des unter Profis hoch geschätzten Surfspots «Jaws» auf Hawaii meisterte er mit sechzehn. Seinen ersten WM-Titel im Stand-up-Paddling gewann er zwei Jahre später. Lenny beherrscht Kite-, Windund Foiling-Surfen auf Profi-Niveau. Und er zählt zu jener niedrigen zweistelligen Zahl an Menschen, die vor Nazaré, Portugal, in den grössten surfbaren Big Waves der Welt bestehen. Aber: Selbst ein Ausnahmesportler wie Lenny wurde 2020 vor neue Herausforderungen gestellt. Bis vor ein paar Monaten sass Kai Lenny jede Woche im Flugzeug, unterwegs zu einem Surfspot irgendwo auf der Welt. Aber dann kam der Lockdown. Und Kai sass auf seiner Heimatinsel Maui fest. «Ich war nicht mehr so lange am Stück zu Hause, seit ich zwölf war», sagt er. Keine Events. Keine Termine. Keine Wettkämpfe. Ein paar Tage lang fiel Lenny die Decke auf den Kopf. Dann erkannte er: Der Wegfall aller Zwänge eines Profisportlers bedeutete, dass er jetzt tun konnte, was ihm Spass macht. «Ich hatte gedacht, dass ich das ohnehin tue – und dabei ganz übersehen, dass mein Leben trotz allem aus einer Menge Zwängen besteht.» Also ging er im Juli mit «John John» Florence, dem zweifachen Champion der World Surf League, auf einen spontanen Foiling-Katamaran-Trip. «Ich sagte zu John am Telefon: ‹Ich habe eine coole
Idee. Wie wär’s, wenn wir mit deinem Boot von Oahu nach Kauai cruisen?›» Für Nicht-Hawaiianer: Von der Hauptinsel Oahu zur nordwestlich gelegenen Nachbarinsel Kauai sind es 174 Kilometer. Eine Woche später waren sie an Bord von Florence’ «Flying Phantom». Der Katamaran hat gewölbte Tragflächen – sogenannte Foils – unter den Rümpfen, die das Boot ab einer Geschwindigkeit von etwa acht Knoten (knapp 15 km/h) aus dem Wasser heben und «fliegen» lassen. Die Folge: Lenny und Florence waren in neun Stunden in Kauai – und von ihrem Trip komplett begeistert. Was sie so begeisterte, war aber nicht die Fahrt an sich. Es war die Spontaneität, mit der sie zustande kam. Normalerweise hätte die Planung für so was ein Jahr oder länger gedauert. Lenny, Florence und ihre Crews hätten ihre Kalender abstimmen und Lücken zwischen Wettbewerben, Sponsorenterminen und anderen Projekten finden müssen. Die Chance auf ein, zwei freie Tage, an denen beide gleichzeitig auf Hawaii gewesen wären, ging ohnehin gegen null. Aber das Leben hatte die Pausetaste gedrückt, also konnten Lenny und Florence tun, worauf sie Lust hatten – ohne Wenn und Aber. Nicht, dass sich Kai Lenny allzu viel aus vorgegebenen Grenzen machen würde. «Er hat diese unfassbare Macher-Mentalität – ‹Ich kann das, ich werde das machen›
Der junge Kai Lenny Mitte der 1990er-Jahre in Maui auf einem frühen Foil-Board. Als «Wunderkind» wurde er berühmt, aber auch kritisiert.
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Stand-up-Paddling, North Shore, Haleiwa, Hawaii, 2014
–, gerade dann, wenn alle anderen sagen: ‹Junge, du spinnst, das ist unmöglich›», sagt Johnny DeCesare, Gründer von Poor Boyz Productions, der das WassersportWunderkind bereits im zarten Alter von elf Jahren mit der Kamera begleitete. «Er sieht Dinge anders. Er sieht immer die Möglichkeiten und die Chancen.» Lenny hatte für 2020 jede Menge vor: mit Freunden auf der ganzen Welt riesige
Lennys neue Serie «Life of Kai» zeigt auch die schweren Momente seiner Surf-Karriere. 44
Wellen jagen und zugleich bei Wettbewerben alles geben. «Ich war bereit für mein bisher grösstes Jahr überhaupt, und plötzlich stand die Welt still», sagt er. Wir können uns mittlerweile mit Lennys jüngstem Projekt «Life of Kai» darüber hinwegtrösten, dass man ihn bei Wettkämpfen so bald nicht sehen wird. Während Lennys andere Web-Serien – «Positively Kai» und «20@20», die seit Sommer online sind – seine die Grenzen der Physik sprengenden Abenteuer zeigen, gewährt «Life of Kai» tiefe Einblicke in das Leben des Athleten. «Die Leute glauben, Profisportler gehen einfach raus und machen ihr Ding», sagt Lenny. «Aber es ist mehr als das. Ich wollte den ganzen Weg zeigen, der mich auf ein Podium führt oder auf eine der grössten Wellen meines Lebens – die
guten, die schlechten und die harten Momente.» Lenny möchte aber auch andere inspirieren. «Wie viel Einsatz bist du bereit zu geben, wie viel Leidenschaft schürt dieses Feuer? Ich hoffe, dass ich damit Kids inspiriere, ihre Träume konsequent zu verfolgen.» «Life of Kai» wurde letzten Herbst und Winter gefilmt und folgt Lenny durch eine verkürzte Big-Wave-Saison. Die Serie zeigt, wie Lenny Körper und Geist auf extreme Surfbedingungen vorbereitet, wie er bei Survival-Trainingscamps lernt, mit schweren Stürzen umzugehen, und wie er sich dieses Wissen bei der Jaws Big Wave Championship im Dezember in Hawaii und in der Nazaré Tow Surfing Challenge im Februar in Portugal zunutze macht. «Life of Kai» geht aber noch tiefer. Die Serie gibt dem Publikum ein Gefühl THE RED BULLETIN
BRIAN BIELMANN/RED BULL CONTENT POOL
Seinen ersten WM-Titel im Stand-up-Paddling gewann Lenny mit achtzehn.
dafür, wer Lenny wirklich ist, wie er Dinge angeht, dabei ständig lernt und sich neu erfindet und somit der Konkurrenz immer einen Schritt voraus ist. Wie er sich an Bedingungen anpasst, wie er EquipmentFehler ausgleicht und mit unberechenbarem Wetter umgeht, wie er aus Surfboards und Hydrofoils immer noch mehr herausholt.
JAKE MAROTE
K
ai Lennys aussergewöhnliche Fähigkeiten auf dem Wasser waren bereits früh augenscheinlich. Lenny, Jahrgang 1992, war das «Wunderkind», dessen Eltern einst zum Windsurfen vom Festland nach Maui zogen. Er selbst fing ebenfalls mit Windsurfen an. Bald zeigte sich sein unglaubliches Talent für alle Spielarten des Wassersports: Was auch immer Kai Lenny versuchte, er gehörte im Handumdrehen zu den Besten. Im Kitesurfen. Beim Stand-up-Paddling. Und, natürlich, beim Surfen. Dennoch wurde er lange nicht ernst genommen, weil er sich nicht auf einen Sport festlegte. Sogar Mentoren wie Windsurf-Legende Robby Naish versuchten Lenny mental auf den Tag vorzubereiten, an dem er gezwungen wäre, sich für einen Sport zu entscheiden. Vater Martin weiss noch, wie andere Kinder seinen Sohn fragten, warum er sich nicht aufs Surfen konzentriere. Kais Antwort: «Warum sollte ich? Mir machen alle Sportarten Spass.» So ist er heute etwa mehrfacher Stand-upPaddle-Weltmeister und Gewinner der Molokai 2 Oahu Paddleboard World Championships, des wohl härtesten SUP-Rennens der Welt. Aber als er seine Kumpels dann auch beim Big-WaveSurfen in die Tasche steckte, konnten sie ihm den Respekt nicht mehr verweigern. Lenny surft die gigantischen Wellen von Peahi am weltberühmten Maui-Surfspot – den viele besser unter dem Namen Jaws kennen –, seit er sechzehn ist. Dank seinem Windsurf- und Kitesurf-Hintergrund schafft er das mit unglaublicher Präzision. Das bemerkten irgendwann selbst die Leute, die ihn anfangs belächelten. Sie begriffen, dass Lenny kein eindimensionaler Surfer ist, sondern alles beherrscht – von der sanften Strandwelle bis zur steilen Big Wave, vom PipelineSurfen über Shortboard-Tricks bis hin zu gigantischen Wellen auf dem offenen Meer, die man nur per Jet-Ski erreicht. So richtig aufmerksam wurde die Szene auf Lennys Potenzial, als er 2017 den Contest im mexikanischen Puerto Escondido gewann. Im Februar dieses
Jahres holte er die Nazaré Tow Surfing Challenge in Portugal mit seinem Teamkollegen Lucas «Chumbo» Chianca. Lenny und Chianca sind Freunde und Konkurrenten zugleich. Sie waren zusammen im Surf Survival Camp und bauten eine Freundschaft und das blinde Vertrauen auf, das nötig ist, um den anderen mit dem Jet-Ski aus dem Gefahrenbereich von bis zu 20 Meter hohen Wellen zu holen. Diese Partnerschaft ermöglichte es Lenny, den Bewerb ruhig, fokussiert und cool anzugehen. Das Talent der beiden für Big Waves war in Portugal nicht zu übersehen. «Lucas und ich wollen die grössten Wellen der Welt surfen. Wir wollen sie nicht nur reiten und überleben, wir möchten auf ihnen grossartige Manöver zeigen», sagt Lenny. «Seit Jahren arbeite ich daran, Lines und Tricks vom Snowboarden aufs Big-Wave-Surfen zu übertragen. Diese Jungs schaffen das auf riesigen Bergen
Moment der Ruhe Lenny gönnt sich eine Pause nach der Hookipa-Session am 6. Oktober 2019.
in Alaska. Warum sollte ich es nicht auf riesigen Ozeanwellen zustande bringen?» Kai und Chumbo genossen das Ganze sichtlich. Man hatte das Gefühl, dass sie auch ohne den Wettbewerb da draussen wären. Zwei Stunden nach Bewerb-Ende surften sie noch immer – einfach weil die Wellen so gut waren. «Für mich ging es nie darum, jemand anderen zu schlagen, immer nur mich selbst», sagt Kai Lenny.
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uf eine gewisse Art bedeutete die Quarantäne eine Rückkehr zu früheren Zeiten. Lenny kann jetzt surfen, was der Tag hergibt. Die Ausrüstung dafür hat er auf seinem Transporter: Windsurf- und Wingsurf-Segel, Kites und zahlreiche Boards in Kobaltblau mit einem roten Rennstreifen. Vielleicht wirft er noch ein paar Paddel dazu. Er nimmt sich Zeit für Dinge, für die er sonst nie Zeit hat. Mountainbiken oder
Big-Wave-Surfing, Nazaré, Portugal, 2020
PEDRO MESTRE, KEITH CARLSEN/RED BULL CONTENT POOL (2)
Lenny meistert mittlerweile – neben allen anderen Disziplinen – auch die grösste surfbare Welle der Welt.
«Solange ich Ziele vor mir habe, wird es immer Spass machen.»
Der Kitesurfer Kai Lenny: 2013 vor der Golden Gate Bridge in San Francisco. In diesem Jahr forderte er eine America’s-Cup-Yacht zum Wettrennen.
Der Windsurfer Kai Lenny: hier ebenfalls in der Bucht von San Francisco im Juni 2013. Bereits als Teenager beherrschte er Boards mit und ohne Segel.
Rennrad fahren, ins Gym gehen. Lenny selbst sieht die Auszeit so: «Ich kann mich wieder dem widmen, was mich als Kind am Sport fasziniert und einst meine Leidenschaft entfacht hat. Es ist der Sport selbst, nicht die Dinge rundherum, verstehst du?» Nach den Monaten der Rückbesinnung daheim, dem vielen Training, Tüfteln und Experimentieren ohne jede Verpflichtung wäre es nicht überraschend, wenn Lenny beim Neustart der Wettkampfsaison voll einschlüge. Und er kann es gar nicht erwarten, dass es wieder losgeht, denn er hat noch viele Ziele. «Mit Foiling möchte ich die riesigen Dünungswellen, sogenannte Swells, mitten im Ozean surfen und von einem Land zum anderen reisen. Mit Big
Wave möchte ich die grössten Wellen der Welt reiten und Teile einer Welle, die noch niemand oder nur wenige zuvor auf dem Board überquerten», sagt er. Vielleicht gibt es irgendwann ein «Life of Kai, Teil 2». Kai Lenny, im Rausch der Euphorie: «Ich möchte einfach alles tun. Sehe ich jemanden irgendwo auf der Welt etwas Unglaubliches anstellen, dann möchte ich das auch können. Dieser Zugang inspiriert mich total. Für mich geht es mehr um die Reise zu diesem Punkt, erst dann zählt das Gefühl, etwas zu beherrschen», sagt er. Und: «Solange ich Ziele vor mir habe, wird es immer Spass machen.» Die Serie «Life of Kai» gibt’s ab November auf YouTube und Red Bull TV. Der Film zur Story: redbull.ch/surf
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Die Trails mit dem Mountainbike erkunden oder mit dem Stand-up-Paddle über einen See gleiten – hört sich zunächst nach einer guten Idee an. Doch das eigene Auto bietet dafür nicht immer genügend Platz. Auch Melanie und Alain aus dem Berner Seeland standen vor diesem Problem. Und so nutzten sie die Chance für eine 24-Stunden-Erlebnisfahrt mit dem VW Multivan 6.1 und seinem 4300 Liter grossen Stauraum. Ob Biken, Wandern, Trailrunning, Stand-up-Paddling oder Klettern – der fast 5 Meter lange Wagen bietet einfach Platz für jedes Hobby. Die beiden 34-Jährigen wollen mit dem neuen Allrounder die Innerschweiz erkunden, genauer gesagt: die Region Engelberg.
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Mehr Flexibilität und Unabhängigkeit Nach der komfortablen Fahrt auf der Autobahn freut sich Alain am Steuer des Multivan 6.1 über die Kurven hoch nach Engelberg. «Für einen so grossen Wagen ist er sehr handlich und agil. Zudem gefällt mir die Durchzugsstärke des effizienten und laufruhigen Diesels», meint der 34-jährige Sportlehrer. In Engelberg angekommen, finden sie rasch einen Parkplatz. Dank der vielen Fenster und der hohen Sitzposition ist die Rundumsicht ideal, um den VW Multivan 6.1 in eine Parklücke zu zirkeln. Nach etwas Kultur zum Start – einem Besuch im bekannten Benediktinerkloster – steigen die beiden um auf ihre Mountainbikes. Hoch geht es in Richtung Gäntiegg und Untertrüebsee mit toller Aussicht auf den Titlis.
Nach der actionreichen Biketour wollen die beiden sich im Trüebsee abkühlen. Doch das Wetter durchkreuzte ihren Plan. Das Berner Paar zurrt daraufhin Bikes und Stand-up-Paddles sicher fest und entscheidet sich nach einem Blick auf das Navigationssystem im optimal vernetzten Cockpit, nach Sarnen zu fahren. Gut, dass man mit dem VW-Bus die Chance hat, flexibel zu sein, und seine Pläne ganz einfach ändern kann. Am Sarnersee angekommen, erwartet sie die ersehnte Erfrischung. Die 24-Stunden-Erlebnisfahrt endet erst am frühen Morgen. Deswegen lässt das Pärchen den Abend noch entspannt bei einem romantischen Picknick auf dem Steg ausklingen. So können sie noch jede einzelne freie Minute mit dem VW Multivan 6.1 auskosten.
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Natascha Badmann, hier daheim in Zofingen, ist seit 25 Jahren Red Bull-Athletin.
«Ich habe geweint, ich habe geflucht, aber ich habe nie aufgehört.» NATASCHA BADMANN, 53, gilt als Königin des Triathlons. Sechsmal hat die Schweizerin den Ironman auf Hawaii gewonnen. Wir trafen sie daheim in Zofingen – zum Gespräch über ein Leben im Minutentakt, unbändige Lust auf Schokolade und den Triumph des Schönen über die schlimmsten Schmerzen. Text WOLFGANG WIESER
THE RED BULLETIN
Fotos GIAN PAUL LOZZA
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am Furka es war, wo ich wusste, die steilste Rampe kommt noch, die allersteilste, und ich habe gedacht, nee, das schaffe ich nicht. Ich habe angehalten und einfach geweint.
Nach ihrem ersten Triathlon auf Hawaii: 1996 wird Natascha Zweite.
: Halte ich dich heute vom Training ab? : Ja (lacht), wenn ich ehrlich bin, schon. Das Wetter ist schön, aber das ist es morgen auch noch. Auch wenn das jetzt nicht sehr charmant ist: Du wirst im Dezember 54 – wie viel trainierst du noch? Ich versuche, jeden Tag zu trainieren. Aber die Intensität variiert nach Lust und Laune. Mein Trainingsplan war jahrelang auf die Minute getaktet. Heute mache ich auch mal Gartenarbeit – und schneide, bis mir die Arme wehtun. Früher hätte ich das nie gemacht, weil das nicht förderlich fürs Training gewesen wäre. Das heisst, du hattest nicht einen Stundenplan, sondern einen Minutenplan. Ja. Wenn ich mich auf einen Wettkampf vorbereitet habe, hat es in meinem Leben nur drei Dinge gegeben: trainieren, essen, schlafen. In Zeiten wie diesen bleibt alles ungewiss. Zweifelst du an der Sinnhaftigkeit zu trainieren, wenn niemand sagen kann, ob der nächste Wettkampf überhaupt stattfinden wird? Nein, für mich ist heute klar: Das ist gesunder Lebensstil, und ich mache es gerne. Nichts hält mich vom Training ab. Ich habe geweint, ich habe geflucht, aber ich habe nie aufgehört … Geweint? Warum? Weil es so hart war. Ich kann mich gut erinnern, es war auf der Runde Gotthard–Nufenen–Furka. Ich könnte dir genau beschreiben, in welcher Kurve 52
20 Jahre später: Natascha während des Velobewerbs auf Hawaii
«Ich habe erkannt, wie stark mein Kopf sein kann. Da wusste ich, dass die Möglichkeiten im mentalen Bereich noch unerschlossen und riesig sind.» «In den Phasen vor Wettkämpfen gab es für mich immer nur drei Dinge: trainieren, essen, schlafen.»
Kann man die Schmerzen, die ein Triathlet empfindet, beschreiben? Als ich mit dem Triathlon begonnen habe, habe ich gesagt, ich kann diesen Sport nicht ausüben, wenn ich bei jedem Training an Schmerzen denke. Also habe ich dieses Wort gestrichen. Ich fühle keine Schmerzen. Ich empfinde das Training vielleicht als nicht einfach, als anstrengend, aber nicht als schmerzhaft. Es ist immer zuerst der Gedanke, der dich aufgeben lässt, lange bevor das der Körper tut. Deshalb ist diese Gedankenkontrolle extrem wichtig – ich habe gelernt, wie stark mein Kopf sein kann. Auch wenn ich anfangs als Esoterikerin verschrien war. Warum eigentlich? Das kommt aus der Zeit, als mentales Training noch kein Thema war. Ich habe den Powerman gewonnen und im Ziel vor Freude getanzt. Ein Journalist hat mich gefragt: «Wieso freust du dich, wieso tanzt du?» Ich habe gesagt: «Es war grossartig, diese Stille im Wald. Ich habe gehört, wie die Regentropfen auf die Blätter fallen, die Vögel zwitschern» – und schon hat es geheissen (tippt sich an die Stirn): Vögel im Kopf, Esoterikerin. – Dabei war das meine Art, den Schmerz auszublenden. Wenn der Sport so schön war – wie lange wirkt diese Belohnung? Na, ich hoffe, den Rest vom Leben. Da ist die Erinnerung an die Rennen. Wenn du in Hawaii ins Ziel kommst, dann ist da dieses enorme, unbeschreibliche Glücksgefühl – das ist so gross, dass es viel zu viel ist für mich, so gross, dass ich mein Glück mit allen teilen will. Ich kann es nicht in Worte fassen. Noch heute denke ich manchmal: Glück für alle. Du hast Tränen in den Augen. Weil es so schön ist. Wie hast du Mentaltraining entdeckt? Durch Toni. Ohne ihn wäre meine Karriere nicht so geworden, wie sie es ist. Ich hätte wahrscheinlich nicht einmal THE RED BULLETIN
GETTY IMAGES, JESPER GRONNEMARK/RED BULL CONTENT POOL
orab drei Zahlen für alle, die nicht wissen, was es bedeutet, einen Triathlon zu absolvieren: Es gilt 3,86 Kilometer zu schwimmen, 180,2 Kilometer Velo zu fahren und die Marathon-Distanz von 42,195 Kilometern zu laufen. Diese drei Zahlen haben das Leben der Red Bull-Legende Natascha Badmann ein Vierteljahrhundert geprägt. Heute referiert sie über Entschleunigung, Stressreduktion und die perfekte Work-Life-Balance, trainiert mit ihrem Coach und Lebenspartner andere Triathleten auf Gran Canaria und tritt nach wie vor bei Wettkämpfen an.
An der Wand ihres Trainingsraums hängen die Siegerkränze aus Hawaii, ein Zieleinlauffoto, das eine jubelnde Natascha zeigt. Rechts: eine AdlerStatuette. Der Raubvogel hat für die Athletin eine besondere Bedeutung.
THE RED BULLETIN
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Augen schliessen, ein zuversichtliches Lächeln auf den Lippen. Natascha weiss, wie wichtig die Kraft der Gedanken fßr ein erfolgreiches Sportlerleben ist.
mit Triathlon angefangen. Aber der Toni hat mir immer gesagt, du bist viel stärker, als du weisst.
noch nie zuvor getan hat.» Toni hat meinen Willen erkannt. Woher war dieser Wille plötzlich da? Ich glaube, den hatte ich immer, den hat man nur unterdrückt oder nicht leben lassen, weil ich eine vermurkste Kindheit hatte. Toni hat etwas in mir entdeckt, was ich von Natur aus hatte – und ich konnte meine Berufung leben.
Was macht diese Stärke aus? Training, bewusstes Training. Ich habe gelernt, meinen Körper zu programmieren – ich verwende dafür Kraftworte und Worte der Ruhe. Was ist ein Kraftwort? Das erste, das ich mir programmiert hab, war «Adler». Die Vorstellung, ein Adler zu sein – gross, stark und majestätisch –, hat mir die Kraft gegeben, in Extremsituationen weiterzumachen. Der Adler war immer da, wenn ich ihn gebraucht habe, er hat mich an den Schultern gepackt und ins Ziel getragen. Vor meinem letzten Hawaii-Sieg (2005; Anm.) habe ich ein neues Kraftwort einstudiert – warum, weiss ich nicht, intuitiv –, und das war «Wolf». All die Jahre zuvor war ich immer als Erste vom Velo gestiegen und musste niemanden jagen. Aber in diesem Jahr war das anders, ich war nicht die Erste und musste mich an die Verfolgung machen. Wie ein Wolf auf der Jagd. Lassen wir gemeinsam Stationen deines Lebens Revue passieren. Du bist mit 17 Mutter geworden. Wie hast du damals deine Zukunft gesehen? Schwarz und traurig. Ich war zu jung, ich war selbst noch in der Entwicklung. Mein Freund, meine erste grosse Liebe, hat mich mit dem Kind alleingelassen.
DPA PICTURE ALLIANCE, MIRJA GEH/RED BULL CONTENT POOL
Wie bist du diesem Loch entkommen? Das war ein längerer Prozess. Ich habe mich in Arbeit gestürzt, viel in Schokolade investiert und verrückte Diäten gemacht. Dann habe ich Toni kennengelernt. Er hat gesagt: «Fräulein, so wird das nichts, so werden Sie nicht glücklich. Beginnen Sie, richtig zu essen. Und dann machen Sie ein bisschen Sport.» Von einem bisschen Sport zur TopTriathletin – dabei hast du einmal gesagt, dass du kein Talent gehabt hast, dafür aber den Willen. Stimmt das so? Absolut. Ich hatte zwei linke Hände, zwei rechte Füsse, nichts hat zusammengepasst. Bei einem unserer Treffen hat Toni erzählt, dass er mit einem Freund laufen geht – rund um den Hallwilersee. Ich habe gesagt, ich komme mit, war dann aber zu spät. Also bin ich allein los – und 21 Kilometer gelaufen. Oh. Praktisch ohne Training. Toni hat gesagt: «Da ist etwas, die kann Dinge, die sie THE RED BULLETIN
Natascha beim Zieleinlauf zum 20-Jahr-Jubiläumstriathlon. Sie gewinnt 1998 in einer Zeit von 9 Stunden, 24 Minuten und 16 Sekunden.
Ausflug nach Österreich: Natascha 2012 beim Ironman in St. Pölten
«In Hawaii war ich um halb sechs beim Schwimmtraining. So ein Morgentraining ist etwas Schönes. Ich bin ein Gefühlsmensch, ich mag es warm.» «Meine gelernte Methode ist, dass es keinen Sinn hat zu trainieren, wenn ich nicht trainieren will.»
Wie lange brauchst du eigentlich, um dich von einem Ironman zu erholen? Das ist nicht einfach. Ich hatte Jahre, wo ich ausgebrannt war, da wollte ich sechs Monate keinen Wettkampf machen. Da war ich wirklich leer – körperlich und geistig. Und ich hatte Jahre, da war ich so energiegeladen, dass ich gleich gefragt habe: «Wann ist der nächste?» 2004 wurde dir der Titel nachträglich zuerkannt, weil Nina Kraft des Dopings überführt wurde. Hast du damals daheim gejubelt? Das war schlimm. Es war eine Katastrophe, dass ich den Zieleinlauf nicht als Siegerin hatte erleben dürfen. Das einschneidendste Ereignis in deiner Karriere war der Sturz 2007, ein Motorradfahrer hat dich abgedrängt, «in der Form des Lebens». Du warst so schwer verletzt, dass du dir nicht mehr selbst die Tränen abwischen konntest. Das Einzige, was noch ganz war, war das Schlüsselbein. Von dem die Ärzte anfangs geglaubt haben, es sei gebrochen. Es hat eine Zeit gedauert, bis ich das realisiert habe. Entscheidend war der Moment, nachdem beide Schultern operiert worden waren und ich mit den Armen so (hebt sie hoch, zeigt, wie sie in Ruhestellung fixiert waren) erwacht bin. Ich hatte das Gefühl, dass ich alles verloren hatte. Aber dann war da diese andere Stimme, die gesagt hat: «Du bist so undankbar, du hast nicht alles verloren, du kannst denken, du bist nicht tot. Mach etwas mit deinem Kopf.» Dann habe ich begonnen, im Kopf zu schwimmen. Gibt es ein Leben ohne Triathlon? Ja, das gibt es bestimmt. Aber es ist einfach schön, morgens an einem See oder einem Meer zu stehen und dieses besondere Kribbeln zu spüren. Der Film zur Story: redbull.com/ch-de/films/ two-fast-ironmanworld-championships
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INNOVATOR
IDEEN FÜR EINE B ES S E R ZUKUNFTE
Weltraumtourismus um 115.000 Franken: Per Heissluftballon geht’s in die Stratosphäre.
Space Perspective
Über-Blick
Ein US-Raumflug-Start-up will seine Passagiere an den Rand der Atmosphäre befördern. Mithilfe eines weltraumtauglichen Heissluftballons.
B
ei einem Glas Wein den Erdball in seiner ganzen Pracht von oben bewundern? Das könnte bereits 2022 Wirklichkeit werden. Space Perspective ist ein Raumflug-Start-up, das vom US-Ehepaar Jane Poynter und Taber MacCallum mitgegründet wurde. Das Konzept: von der Startrampe des Kennedy Space Center der NASA in
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Florida werden neun Passagiere 30 Kilometer hoch in die Stratosphäre befördert. Eingeschlossen in der Raumkapsel «Neptune», die an einem 198 Meter hohen wasserstoffgefüllten Ballon hängt. Weltraumtourismus war bislang den Superreichen vorbehalten. Ein Flug mit der «Neptune» wird deutlich weniger kosten als bisherige
Angebote. Konkret: 115.000 Franken. Der Preis soll mit der Zeit aber noch günstiger werden. Ausserdem gibt es eine Bar an Bord – «und eine Toilette mit dem besten Ausblick im gesamten Universum», schwärmt MacCallum. «Auch Wi-Fi haben wir hier. Das verspricht den ultimativen Social-Media-Post.» thespaceperspective.com
Die Passagierkapsel soll in 30 Kilometer Höhe schweben.
THE RED BULLETIN
IN ALLER KÜRZE KLUGE KÖPFE Gibt’s ein Problem? Dann gibt es meist auch Leute, die Lösungen finden. Hier zwei interessante Beispiele:
INNOVATOR BY THE RED BULLETIN 02/2020
ENTSPANNT AUFWÄRMEN Lukas Schwaiger, junger Sportwissenschaftler aus Salzburg, hat eine Faszienrolle entworfen, die aussen mit Kunststoff überzogen und innen mit einem Heizelement versehen ist. So lassen sich muskuläre Verspannungen besser lösen. swaig.at
Der Sinn des Lebens
Der Reiz des Ungewissen
Bio-Hack Yourself!
12 Tipps für einen erfüllten Alltag – von Star-Autor Jay Shetty
Ein Aussteiger will die Welt mit einer revolutionären Yacht allein umsegeln.
Diese innovativen Gadgets optimieren Körper und Geist.
02/20
Smart maskiert In Zeiten von Social Distancing hat ein japanischer Roboterhersteller eine extraschlaue Maske entwickelt. Ihr Trick: Sie übersetzt Gesagtes in acht Sprachen.
A
ls Mitte des Jahres klar war, dass die Schutzmaske – zumindest vorerst – gekommen war, um zu bleiben, traten namhafte Modelabels und Sportartikelhersteller auf den Plan und brachten eigene Kreationen des Mund-Nasen-Schutzes auf den Markt. Das japanische Unternehmen Donut Robotics ging sogar einen Schritt weiter und entwickelte die erste «smarte Maske» der Welt. Das Besondere: Man spricht in die Maske, und das akustische Signal wird via Bluetooth an eine App weitergeleitet, die die Worte in einen schriftlichen Text umwandelt. Jetzt ist die Botschaft des Sprechers auf jedem beliebigen Display ablesbar – zum Beispiel auf dem Smartphone des Gesprächspartners. So wäre Kommunikation auch über grössere Distanz möglich. Auf Wunsch kann der Text ausserdem simultan in acht Sprachen übersetzt werden – darunter Englisch, Französisch oder Chinesisch (Deutsch ist vorerst nicht mit im Paket). Grundsätzlich baut Donut Robotics Info-Roboter für den Tokioter Flughafen Haneda. «Wir haben jahrelang an der Entwicklung unseres Roboters gearbei-
Diese Maske hat es in sich: Mit intelligenter Technologie wird sie zum Simultanübersetzer.
tet», sagt CEO Taisuke Ono. «Jetzt haben wir diese Technologie verwendet, um ein neues Produkt zu entwickeln, das darauf reagiert, wie Covid-19 unsere Gesellschaft verändert hat.» Die C-FACE-Maske soll rund 40 Dollar kosten und Anfang 2021 in Japan, später in den USA und Europa, erhältlich sein. en.donutrobotics.com
Wie kann ich Ihnen helfen?
AUSGABE SCHWEIZ CHF 7
NASA Thomas Zurbuchen, Forschungsdirektor
Diese Schweizer Ava Lea von Bidder, Gründerin
IDEAS FOR A BETTER FUTURE
THESPACEPERSPECTIVE.COM, DONUTROBOTICS.COM
GÜNTHER KRALICEK
BESSER SITZEN Aufrechtes Sitzen ist einfacher gesagt als getan. Deswegen hat Christoph Tischner, 28, mit Geschäftspartner Ralf Seeland ein Gadget entwickelt, das sich am Kragen befestigen lässt und uns bei krummer Haltung per Vibration erinnert. 8sense.com
C-FACE
Google Urs Hölzle, Technikchef
erobern die Welt 9 Eidgenossen, 9 aussergewöhnliche internationale Karrieren
BETTER FUTURE EDITION
Mehr Inspiration für Zukunftsmacher gibt es im aktuellen INNOVATOR. Infos und Abo unter: redbulletininnovator.com
THE RED BULLETIN
Eine App verwandelt die Worte des Maskenträgers in Text – und übersetzt ihn in mehrere Sprachen.
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Viel Rauch um Nicolas: Der Freeskier hat ein Faible für symbol trächtige Action.
WAS IST
ZEIT ? 0,0003 Sekunden Vorsprung im Ziel, 15 spannungsgeladene Sekunden im Starthaus, 6 Monate leidenschaftliches Versteckspiel. Zeit ist, was wir daraus machen. Plus: 8 Lieblingsuhren. Text WOLFGANG WIESER
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7 JAHRE «Es begann mit einem Song von Radiohead.» Nicolas Vuignier, 29, Freeskier
Swatch Big Bold Chrono Black
Das brandaktuelle Modell aus der erfolgreichen BigBold-Serie von Swatch – erstmals gibt es den 47-Millimeter-Riesen als Chronographen. Alles andere ist gewohnte Swatch-Qualität: angenehmes Silikonarmband, Gehäuse aus Kunststoff. Preis: CHF 145; swatch.com
NICOLAS ALS AVATAR – DANK EINEM DATEN-ANZUG SEBASTIEN ANEX
Das Video zum Radiohead-Song «House of Cards» ist legendär. Mit Hilfe von Laserstrahlen entstanden faszinierende 3D-Animationen. «Dieses datengetriebene Kunstwerk hat mich fasziniert», sagt Nicolas. Sieben Jahre später gibt es auch ihn digital – dank Aufnahmen per Daten-Anzug. Was jetzt folgt, ist offen: «Damit kann ich alles machen.» THE RED BULLETIN
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Hoch konzentriert am Start: LoĂŻc vor dem zweiten Lauf beim Slalom in Adelboden, wo er Neunter wurde
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15 SEKUNDEN «Die letzten Augenblicke vor dem Start, in denen ich mich ganz auf das Rennen konzentriere.» Loïc Meillard, 23, Skirennläufer
Longines Heritage Classic Chronograph
Ein Modell, das die Zeit überdauert hat. Wer wie Longines-Botschafter Loïc Vintage-Uhren mag, wird mit diesem Chronographen freudvoll einen Blick ins Jahr 1946 werfen, als die Urform dieser Uhr präsentiert wurde. Neu interpretiert und mit einem exklusiven Chronographenwerk ausgestattet, gefällt sie auch heute.
PICTUREDESK.COM, CHRISTOPH KÖSTLIN
Preis; CHF 2850; longines.ch
WENN ICH MIT DEM FLOW GEHE, IST ALLES GUT
«Ab dem Moment, wo ich die Stöcke über den Auslöser für die Zeitnehmung hebe, versinke ich ganz in meiner Welt», sagt Loïc Meillard. «Ich höre noch den Piep bei zehn Sekunden, gebe mir letzte Anweisungen – zum Beispiel: Bleib stabil! –, und dann geht es los. Ich folge meinem Instinkt, meinem Gefühl. Wenn ich mit dem Flow gehe, ist alles gut.» THE RED BULLETIN
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1:37 MINUTEN «Die Zeit, die ich brauchte, um aus einer Tiefe von 20 Metern aufzutauchen.»
6 MONATE «Ich musste verhindern, dass dieses einzigartige Wissen verlorengeht.» Charles Vermot, Uhrmacher
WISSEN & WERKZEUG AUF DEM DACHBODEN EINGEMAUERT
Rolf Studer, CEO, Oris
Wer diese Geschichte verstehen will, muss wissen, dass «El Primero» ein legendäres mechanisches Uhrwerk von Zenith ist. In den 1970er-Jahren musste es dem Quarz-Boom weichen, Maschinen und Unterlagen sollten vernichtet werden. Doch Uhrmacher Charles Vermot mauerte sie in sechsmonatiger Arbeit auf einem Dachboden ein. Als zehn Jahre später mechanische Uhren ihr Comeback feierten, gab er sein Geheimnis preis und wurde als Retter gefeiert.
Zenith Chronomaster Revival Shadow
Inspiriert von einem lange verschollenen Prototyp aus dem Jahr 1970, ist diese Uhr heute ganz auf Höhe der Zeit: ausgestattet mit dem Automatikwerk «El Primero 4061», das 37-Millimeter-Gehäuse aus mikrogestrahltem Titan, dazu ein schwarzes Kautschukarmband mit weisser Naht.
NUR DU UND DIE NATUR IN EINEM UNENDLICHEN BLAU
«Es war 2013, in einer kleinen Bucht vor Mallorca. Wir waren unterwegs mit Apnoetaucherin Anna von Boetticher. Im dritten oder vierten Anlauf habe ich es hinuntergeschafft in eine Tiefe von 20 Metern. Dann tauchst du wieder auf, es wird heller, und da sind so viele Stufen von Blau. Da bist du und die Natur – und sonst nichts. Das ist einfach unglaublich schön.»
Preis: CHF 8400; zenith-watches.com
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Langsam rauf an die Oberfläche – ein Erlebnis, das Rolf Studer bis heute nicht vergessen hat
Oris Carysfort Reef Limited Edition
Diese Uhr ist auf 2000 Stück limitiert, steckt bei Lieferung in einer Box aus Algen und steht für die Zusammenarbeit von Oris mit der Coral Restoration Foundation, die sich für den Erhalt des Carysfort-Riffs in Florida einsetzt. Interessantes Detail dieses Modells: Mit der in die Keramiklünette gelaserten 24-StundenSkala zeigt sie drei Zeitzonen gleichzeitig an.
ZENITH, ORIS, GETTY IMAGES
Preis: CHF 2850; oris.ch
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2 MINUTEN «Alle Chancen waren auf meiner Seite, aber ich war nervös wie nie zuvor.» Markus Eder, 29, Freeskier
DER LETZTE LAUF MACHTE MARKUS ZUM WELTMEISTER
Finale der Freeride World Tour in Verbier: «Ich wusste, ich muss nur runterkommen, um Weltmeister zu werden», erinnert sich der Südtiroler Markus Eder. «Ich war nervös wie noch nie.» Videos zeigen ihn beinahe tänzelnd am Start, oben am berüchtigten «Bec des Rosses». Der Lauf gelingt, Markus krönt ihn mit einem Backflip – 1500 Punkte, Platz 6, Weltmeister!
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Alpina AlpinerX Alive
Sieht aus wie eine ganz normale Uhr? Weit gefehlt, diese Alpina vereint traditionelle Uhrmacherkunst mit einer lässigen Smartwatch. Und das bedeutet: Sie checkt Herzfrequenz und Schlafqualität, misst regelmässig den Puls, zeigt das Wetter an und wertet – dank GPS – deine sportlichen Aktivitäten aus.
DANIELE MOLINERIS/RED BULL CONTENT POOL
Preis: CHF 995; alpinawatches.com
Freeskier Markus Eder in einer feinen Studie – er zeigt einen Switch Right Cork 540. THE RED BULLETIN
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0,0003 SEKUNDEN
Das irre Finale: Der Deutsche Marcel Kittel gewinnt vor dem Norweger Edvald Boasson Hagen.
«Dieses Tour-de-France-Finish vergesse ich nie.» Pascal Rossier, 54, Swisstiming
Tissot Tour de France 2020 Special
Eine Uhr, ganz im Geist des legendärsten Radrennens der Welt – wer genau hinsieht, erkennt auf dem 45,5 Millimeter grossen Quarz-Chronographen auch das filigrane Rennvelo am Sekundenzeiger. Die Farben Schwarz und Gelb der Sonderedition verweisen natürlich auch auf die Tour de France.
GETTY IMAGES, XEPO W.S.
Preis: CHF 425; tissotwatches.com
AM SCHLUSS GING ES UM MILLIMETER
Wir sind unterwegs auf der siebenten Etappe der Tour de France 2017. Sie führt über 213,5 Kilometer von Troyes nach Nuits-Saint-Georges. Am Schluss geht es um Millimeter; in Zeit: um drei Zehntausendstelsekunden. Pascal Rossier, Chef der Zeitnehmung: «Dieses Rennen werde ich nie vergessen – wir wussten, einer ist vorn, aber es war lange nicht klar, wer.» 66
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7 STUNDEN «Immer der Themse entlang.» Thomas Morgenstern, 33, Hubschrauber-Pilot
DIE BLAUE STUNDE «Noch einmal innehalten, bevor der Tag beginnt.» Alain Silberstein, Uhrmacher, Designer, Künstler DIE SCHÖNSTE ZEIT DES TAGES
Thomas Morgenstern unterwegs zu einem Helikopter-Wettbewerb in England – sieben Stunden wird der Flug dauern, er führt ihn über Frankreich, den Ärmelkanal, die weissen Klippen von Dover bis London. Und dort fliegt er in rund 200 Metern Höhe der Themse entlang, «über die Tower Bridge, Westminster, London Eye – einfach überwältigend».
Louis Erard Regulator
Eine doppelte Premiere: Noch nie hat Louis Erard in seiner 90-jährigen Geschichte einem Künstler freie Hand gegeben, noch nie hat Designer Alain Silberstein eine «Regulator» gestaltet. Das Ergebnis der Zusammenarbeit: eine wunderbar gut gelaunte Uhr – «Ich mag Farben», sagt Silberstein. Preis: CHF 2900; louiserard.com
Breitling Endurance Pro
Unübersehbare 44 Millimeter im Durchmesser, knalliges Kautschukarmband (in insgesamt fünf Farben) – und überraschend leicht, dank dem widerstandsfähigen Breitlight-Material. Ausgestattet mit einem extrem genauem SuperQuartz-Werk. Preis: CHF 2950; breitling.com
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MARKUS BERGER/RED BULL CONTENT POOL, SILBERSTEIN
ROYALE FLUGROUTE
Die blaue Stunde ist das perfekte Finale unserer Momentaufnahmen. Denn meist beansprucht sie gar keine ganze Stunde, manchmal sind es 50, manchmal 30 Minuten. Für Designerlegende Alain Silberstein ist es die schönste Zeit des Tages: «Zeit, um noch einmal innezuhalten. Ein Moment für mich selbst.»
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FÜR NOCH LÄNGERE TRAIL-ACTION
HUSQVARNA E-BICYCLES/MARTIN ERD
Ein absoluter Allrounder und eines der beliebtesten Modelle von Husqvarna E-Bicycles: Das Mountain Cross 7 erhält mit dem innovativen Mittelmotor Shimano EP8 eine neue Motorgeneration, die das TrailAdventure auf ein neues Level hebt.
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husqvarna-bicycles.com
Kompakt & leistungsstark Der Trail-Modus nutzt die 85 Nm des EP8-Antriebs, um den E-Biker in schwierigen Passagen sicher und zuverlässig zu unterstützen. Die einzelnen Unterstützungsmodi sind dabei optimal aufeinander abgestimmt.
Mehr Power & perfekte Dosierbarkeit Mit dem auf 85 Nm erhöhten maximalen Drehmoment lassen sich jetzt die steilsten Anstiege bezwingen und die härtesten Trails meistern. Der EP8 bietet unmittelbar verfügbare Power und erlaubt dem Fahrer eine optimale Kontrolle.
Höhere Akkukapazität Um das Adventure zu verlängern, hat Shimano die Akkureihe mit einer Kapazität von 630 Wh erweitert. Nach 1.000 kompletten Ladezyklen haben die Akkus, die das EP8-System antreiben, immer noch 60 % ihrer Maximalkapazität.
Individuelles E-MTB Erlebnis Mit der E-TUBE PROJECT App lassen sich die Einstellungen des Systems an die Gegebenheiten jeder Tour und die Vorlieben des Fahrers anpassen. Diese können unter zwei Nutzerprofilen gespeichert und abgerufen werden.
Es spricht, verwendet Blockchain-Technologie und zeigt dir deinen Platz in der Welt. Vor allem aber ist es ein Elektroauto, das sich grandios fährt – wir waren mit dem Polestar 2 unterwegs.
Zentrales Element, das aussieht wie ein Tablet (aber keines ist): Damit steuerst du alle Funktionen des Polestar 2.
Text WOLFGANG WIESER
Sternfahrt Die FliessheckLimousine aus der Vogelperspektive. Und die gibt es virtuell auch am Display des E-Autos.
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Männlich-markante Frontansicht mit dezentem Schmunzeln. Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
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Sascha Heiniger Der Managing Director von Polestar Schweiz am Steuer «seines» Autos. Die leuchtend orangen Sicherheitsgurte sind ein Markenzeichen des Wagens. «Wenn du beschleunigst, macht es Pffft! – und du lässt alle anderen hinter dir.» Reichweite: 480 Kilometer.
Markantes Rücklicht: Die Leiste besteht aus ingesamt 288 LED-Lichtern.
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Irgendwann sprechen wir über die neuen Zeiten. Über das Arbeiten daheim. Das Wachsen der Städte. Die Art, wie wir uns bewegen.
Schöner Anblick: Der Polestar 2 ist 4606 Millimeter lang und 1479 Millimeter hoch.
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nd plötzlich sehe ich mich von oben. Ich sehe, wie ich gefühlvoll einschlage. Wie ich mich millimetergenau dem Randstein nähere. Wie ich rechts blinke. Links hinten huscht als schemenhafter Schatten ein Fussgänger vorbei. Rechts nähert sich eine Radfahrerin, vor mir surft ein schlaksiger Skater. Es ist ein überraschender Anblick. Nicht nur für mich. Dass Sascha gefragt wurde, wo denn der Satellit sei, der diese Ansicht auf das Tablet-grosse Display werfen würde, ist ohne Nachdenkpause nicht weiter verwunderlich. Bei genauer Betrachtung allerdings schon. Der Polestar 2 auf dem Display ist weiss, meiner jedoch thunderfarben. Und dass die Konstrukteure aus dem fernen Schweden ihren Fahrzeugen einen Satelliten als Begleiter gönnen? Ein Goodie jenseits jeder Vorstellung. Die Realität sieht anders aus, nämlich so: «Du bist natürlich nicht drin», sagt Sascha, «und würdest du jetzt winken, würdest du dich auch nicht sehen.» Der Blick von oben ist ein absolut virtuelles Vergnügen. Vier Kameras – eine vorn, eine hinten und jeweils eine in den beiden Aussenspiegeln – sorgen für die realitätsnahe 360-Grad-rundum-Illusion. «Was man noch machen kann …», sagt
Sascha – er hält kurz inne, tippt auf das Display und legt die Frontkamera auf den Bildschirm. Und plötzlich mutiert die reale Welt zu einem unterhaltsamen Ausflug in ein brillantes Gaming-Szenario. Sascha Heiniger ist der Managing Director von Polestar Schweiz. Er ist mein Beifahrer, und ich lenke – am Zürichsee entlang – ein Auto, das erst seit Ende Februar produziert wird und in der Schweiz Ende des Jahres auf den Markt kommt: den Polestar 2. Wir fahren Richtung Rapperswil. Es ist einer der letzten warmen Sommertage. Immer wieder ernten wir überraschte, fragende Blicke. Wenn wir vor Ampeln halten oder einen Stopp bei einer der Fähr-Anlegestellen einlegen. Ein Cabrio-Fahrer wirft bewundernde Blicke auf unseren Polestar 2: «Schönes Auto, sehr cool.» Was mir zuallererst aufgefallen ist: natürlich der Ein-Pedal-Betrieb, der es möglich macht, mit dem Gaspedal zu beschleunigen, die Geschwindigkeit zu halten oder zu bremsen (indem man das Pedal loslässt). Um das zu beherrschen, genügen gefühlte 4,7 Sekunden – so lange, wie der Polestar 2 braucht, um von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen: eines der grössten Vergnügen übrigens, das die fünftürige Fliessheck-Limousine zu bieten hat. Dafür sorgen zwei Elektromotoren mit einer Gesamtleistung von 300 kW, was wiederum 408 PS entspricht: «Wenn du auf der Autobahn fährst und von 80 auf 120 beschleunigst, macht es Pffft! – und du lässt alle anderen hinter dir», sagt Sascha. Ein Vergnügen ist es auch, sich mit der Google-Assistentin zu unterhalten. Sascha sagt: «Hey Google, Temperatur auf 21.» Die digitale Assistentin antwortet: «Heute um 21 Uhr werden es in Küsnacht voraussichtlich 17 Grad.» Ein Missverständnis, Sascha hatte die Temperatur im Auto gemeint, aber das Wort Grad vergessen, also, neuer Versuch: «Hey Google, Temperatur auf 21 Grad.» Jetzt klappt es: «Gerne, die Temperatur wird auf 21 Grad geändert.» Wir lernen: Die Dame liebt Präzision. Wer eine Ladestation sucht, darf nicht nach einer Tankstelle fragen.
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Die Karosserie ist aus fünf verschiedenen Arten von Stahl gefertigt.
Ansprechendes Kraftpaket: Zwei 150-kW-Motoren sorgen für eine starke Leistung – umgerechnet 408 PS.
8. Die neuen LED-Scheinwerfer des Polestar bestehen aus 84 individuell gesteuerten Pixel-LEDs pro Lampe, die breite LEDRücklichtleiste aus 288 einzelnen LED-Lichtern.
Präzise Formulierungen lassen präzise Antworten erwarten. Testhalber frage ich nach einer Ladestation in Mailand. Das Ergebnis kommt prompt: «Die Charging-Station auf der Via Spezia ist 204 Kilometer entfernt.»
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atsächlich ist der Polestar 2 das erste Fahrzeug der Welt, das mit dem Android Automotive OS als Betriebssystem ausgerüstet ist. Entwickelt wurde es in Zusammenarbeit mit Google, umfasst Google Assistant, Maps und Play. Die Benutzeroberfläche für das 11,5-Zoll-Touchscreen-Display wurde bei Polestar gestaltet. Der Google Assistant kann auch verwendet werden, um Fahrzeugfunktionen wie die Klimaanlage zu steuern – vorausgesetzt, unsereiner formuliert exakt. Sascha erzählt von den Bemühungen um Nachhaltigkeit, erwähnt die vegane WeaveTech-Polsterung mit SchwarzescheVerzierung. Verweist auf die BlockchainTechnologie, die gewährleistet, dass für die Batterien nur verantwortlich gefördertes Kobalt verwendet wird (übrigens haben nur zwei Lieferanten weltweit dafür alle Anforderungen erfüllt; Anm.), und sagt, dass es ihm gefällt, dass der Polestar 2 keinen fossilen Brennstoff verbraucht. Irgendwann sprechen wir über die neuen Zeiten. Über das Arbeiten daheim. Das Wohnen. Das Wachsen der Städte.
Was den Polestar 2 so besonders macht 11 Fakten, die du über Polestar wissen musst. 1. Polestar war ursprünglich ein Racing Team, das von Volvo übernommen wurde. 2. Seit 2017 ist der deutsche Designer Thomas Ingenlath CEO von Polestar. Der Firmensitz ist in Göteborg.
3. Der Polestar 2 ist das erste vollelektrische Auto des Unternehmens. 4. Polestar hat sich zum Ziel gesetzt, den Übergang zu einer nachhaltigen Mobilität zu beschleunigen. 5. Ein zentrales Display ersetzt fast alle Schalter, Tasten und Knöpfe, die in einem herkömmlichen Auto zu finden sind. 6. Es ist das erste Auto, das mit dem gemeinsam mit Google entwickelten Android Automotive OS als Betriebssystem ausgestattet ist.
9. Der Polestar 2 kann Boote auf einer Rampe zu Wasser lassen, dabei kann der hintere Teil des Fahrzeugs ins Wasser eintauchen – Akku und Controller sind versiegelt und geschützt. 10. Ein Sensor im Sitz ersetzt den herkömmlichen Startknopf – er erkennt, dass der Fahrer sitzt und losfahren will. 11. Die Overhead-Konsole projiziert das PolestarLogo auf das PanoramaGlasdach. Damit zeigt der Polestar – also der Polarstern, einst unverzichtbare nächtliche Orientierungshilfe für Seefahrer –, dass er nach dem Verständnis des Unternehmens ein «leitendes Licht» für die Automobilindustrie sein will.
7. Die Karosserie ist aus fünf verschiedenen Arten von Stahl gefertigt, einschliesslich des besonders festen Borstahls.
Über die Auswirkungen auf die Art, wie wir uns bewegen. Über die Mobilität als eine Form der Freiheit. Wir sprechen über Energie, auch über die, die Elektroautos wie der Polestar 2 brauchen. Und wir sprechen über das Leben. Dass wir Auto fahren, haben wir ganz vergessen. Weil es so leicht ist, so selbstverständlich, beinahe so, als würden wir gefahren. Preis: CHF 57.900; polestar.com
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must-haves
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1 VIU INDIGO
VIU launcht im Spätsommer 2020 die eigens kreierte Farbe «Indigo Havana» auf seinen Bestsellern THE MAIDEN & THE AMBITIOUS – ein erfrischender Marmoreffekt aus kräftigem Blau und transparentem Acetat. Die Farbe ist inspiriert von der Kunstwelt und grossen Malern wie Henri Matisse oder Yves Klein, die fasziniert von der Wirkung und Symbolik der Farbe Blau waren. shopviu.com
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2 QWSTION ROLL PACK
QWSTION bietet eine echte Alternative zu den derzeit im Taschenbereich dominierenden synthetischen Geweben. Für den Roll Pack – einen Rucksack mittlerer Grösse mit flexiblen Volumen für den Alltag – kommt das eigens entwickelte natürliche und wasserabweisende Bananatex® Material zum Einsatz. Die Tasche ist zu 100 % biologisch abbaubar. qwstion.com
3 ERFINDER DES HOODIES
Oversized-Cuts, Colorblocks, Material-Mixes: Champion überzeugt mit Streetstyles und Athleisure-Wear vom Feinsten – immer samt ikonischem C-Logo. Absolutes Must-have ist und bleibt der Hoodie, denn dieser wurde 1934 von Champion erfunden. Damals noch als College-Bekleidung eingesetzt, ist er heute nicht mehr aus dem Streetstyle-Segment wegzudenken. championstore.com
4 UYN FREE FLOW TUNE
Die Sportmarke UYN mischt das Sneaker-Business auf. Die neuen Schuhmodelle mit 3D-Strickgewebe aus Merinowolle und ökologischen Materialien wie Zuckerrohr sorgen für ein neues Freiheitsgefühl am Fuss. Das Ergebnis ist ein Schuh, der sich wie eine zweite Haut verhält und ultraleicht sowie atmungsaktiv ist – und das alles «made in Italy». uynsports.com
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GUIDE Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen
VIRTUELLER RÜCKENWIND
TWO26 PHOTOGRAPHY
Wie Velosportler trainieren, ohne ihre Wohnung zu verlassen.
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GUIDE Virtuelles Training
Die Triathletin Ruth Astle erzählt, wie sie dank der Plattform Zwift im Wohnzimmer über Alpenpässe und Fantasie-Inseln rast – und dabei andere Weltklasse-Profis trifft.
n der Morgendämmerung sitze ich auf meinem Rennvelo, mein Herz klopft in nervöser Vorfreude, weil neben mir Spitzenfahrer aus aller Welt an der Startlinie Aufstellung genommen haben. In wenigen Augenblicken werde ich das erste Rundstreckenrennen meines Lebens in Angriff nehmen – einen Strassenkurs von 1,9 Kilometer Länge, 14 intensive Runden auf dem Rennvelo. Aller Augen sind auf die riesige Uhr über der Startlinie gerichtet, die den Countdown herunterzählt. In ein paar Augenblicken werden wir Vollgas geben. Lungen und Beine brennen, weil ich meine maximale Leistung abrufe, um das Hinterrad der Führungsgruppe nicht zu verlieren. Nach 38 Minuten Auspowern und einem leider etwas falsch getimten Sprint fahre ich – völlig fertig und schweisstriefend – als Fünfte über die Ziellinie, knapp hinter den EliteTriathletinnen Lucy Charles-Barclay und Sophie Coldwell. Klar, das sind nicht die üblichen Verdächtigen, wenn es um Rundstreckenrennen geht. Aber das ist auch kein normales Rennen. Als Ironman-Spezialistin fahre ich ja für gewöhnlich 180,2 Kilometer mit dem Velo, nachdem ich 3,86 Kilometer geschwommen bin. Ausserdem bin ich nicht draussen unterwegs, sondern daheim. Und wir alle sind auf Zwift, einer Onlineplattform, die es ihren Nutzern unter anderem erlaubt, virtuelle Rennen gegen andere Velofahrer auf der ganzen Welt zu fahren. Rückblende. Vor vier Jahren habe ich Zwift zum ersten Mal für meine Frühsessions vor der Arbeit verwendet. Seit damals ist die Beliebtheit der Online-Veloplattform explodiert. Jedenfalls ist sie nun fixer Bestandteil meines Trainings – speziell seit ich mir voriges 78
Jahr zwölf Wochen vor der WM in Kona, Hawaii, das Schlüsselbein gebrochen habe. Zwift richtet sich an Velofahrer aller Leistungsklassen. Alles, was du brauchst, sind ein Velo, ein ‹Turbo-Trainer›, auf den du es montieren kannst (ich verwende einen Wahoo KICKR – einmal umblättern), plus PC oder Mac, Tablet, Smartphone oder Apple TV. Die Plattform überträgt deine Padalierleistung auf deinen virtuellen Avatar auf dem Bildschirm – stell dir ein RacingGame vor, bei dem du den Rennwagen mit eigener Muskelkraft antreibst … Als Extra gibt es noch gelegentliche ‹PowerUps›, die dir virtuellen Rückenwind verleihen und dich zehn Sekunden lang für andere unsichtbar machen – sie lassen sich im Rennen taktisch gut für Ausreissmanöver einsetzen. Wenn ich allein daheim bin, findet sich auf der Plattform immer jemand, mit dem man eine Velotour machen
JEFF THOREN
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Windschnittig unterwegs: Astle beim Training auf der Strasse THE RED BULLETIN
GUIDE Virtuelles Training
Endlich Profi
Die britische IronmanAthletin Ruth Astle, 31, gewann im vorigen Jahr einen der begehrten Plätze bei der ZwiftTri-Academy. Bei der folgenden IronmanWM in Kona, Hawaii, war sie die schnellste Teilnehmerin unter den Amateuren und siegte in ihrer Alterskategorie. 2020 wechselte sie ins Profilager. Instagram: @rastle50
Temporäre Homebase: Ruth Astle beim Training im Haus der Zwift-Triathleten in Kona, Hawaii
Auf der Fantasie-Insel Watopia herrschen perfekte Trainingsbedingungen.
THE RED BULLETIN
oder ein Rennen fahren kann. Du kannst dich mit den anderen Zwiftern unterhalten, eine Session starten oder aus einer ganzen Reihe von vorgeschlagenen Workouts wählen (etwa zur Verbesserung deiner anaeroben Schwelle, was eine gute Idee zur Strukturierung des Trainings ist, falls du keinen eigenen Trainer hast). Ich persönlich mag den Mix aus verschiedenen Welten: So kannst du etwa durch die Strassen von London pedalieren oder über den 2018er-WMKurs in Innsbruck. Meine Lieblingsdestination ist Watopia, die virtuelle Insel von Zwift. Warum? Weil es von allem, was das Veloerlebnis attraktiv macht, ein bisschen was hat: flache 79
GUIDE Virtuelles Training
Sattelfest Feinste Ausrüstung für Velotouren – draussen wie drinnen.
Suunto 5 Smartwatch Lässt sich über Zwift mit dem sozialen Netzwerk Strava verbinden. CHF 301.69; suunto.com
Die Ironman-WM führt über Autobahnen, also trainierte Astle in Zwift auf ähnlichen Strecken, um sich auf die Umgebung vorzubereiten. Auch dank solcher Finessen schaffte sie den Sprung zu den Profis.
zwift.com
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Urbanista London Kopfhörer Kabellose In-Ears mit Sprach- und Touchsteuerung, Akku für 4 Stunden. CHF 179; urbanista.com
Wahoo KICKR Smart Turbo-Trainer Verbindet sich mit Zwift und vermittelt ein realistisches Fahrgefühl. CHF 1207.95; wahoofitness.com
Kurz und knallhart Astle erklärt den «Crit City’s Bell»-Rundkurs. Distanz: 1,9 Kilometer Steigung: 8 Höhenmeter «Dies ist ein schnelles und forderndes 27-KilometerRennen, verteilt auf 14 Runden», sagt Astle. «Es ist flach bis auf ein paar kurze 7- bis 10-ProzentSteigungen, die deine Beine auspowern, bevor es wieder flacher wird und du dich erholen kannst, indem du im Windschatten der Gruppe fährst. Halte dich immer an die Führungsgruppe und versuche, schnell auf Ausreissversuche zu reagieren. Alle Fahrer bekommen in jeder Runde einen PowerUp, einen virtuellen Boost – überleg dir genau, in welchem Moment er dir am meisten bringt.»
MSI Optix MPG341CQR Monitor Pro-Gaming-Bildschirm mit 86 cm Diagonalmass und Curved-Display. CHF 1029; z. B. mediamarkt.ch THE RED BULLETIN
JEFF THOREN
Strecken, steile Bergstrassen und sogar einen Vulkan! Für mein Intervalltraining bevorzuge ich Zwift, weil ich mir da keine Gedanken zum Strassenverkehr oder zu roten Ampeln machen muss – ich nehme den Kopf runter und strample los. Ich bin aber auch schon Fünf-Stunden-Touren gefahren. Zum Beispiel, als ich nach meinem Schlüsselbeinbruch voriges Jahr das Glück hatte, einen Platz im Zwift-Tri-Academy-Team zu bekommen, mit dem wir vor der WM in einem eigenen Haus in Hawaii trainierten. Meine Mentoren waren die Ironman-Legenden Tim Don und Sarah True. Jedenfalls hat mich diese Erfahrung in eine weit bessere Ausgangsposition für meinen Wechsel zu den Profis gebracht, der mir Anfang dieses Jahres gelang. Natürlich bin ich unglaublich enttäuscht, dass die Ironman-WM in Kona abgesagt worden ist – ich hatte mich schon so auf mein erstes Rennen als Profi gefreut. Aber ich werde die Zeit nutzen, um noch stärker zu werden und an meinen Schwächen zu arbeiten. Zwift wird dabei zweifellos eine Rolle spielen. Schliesslich motiviert es im Training fabelhaft, wenn neben dir Lucy Charles-Barclay alles gibt. Das macht mich hungrig aufs Rennen.»
SKI- UND SNOWBOARDRENNEN MIT MASSENSTART INFOS UND ANMELDUNG UNTER: WWW.REDBULL.CH/HOMERUN
12.12.2020 DAVOS
GUIDE Fitness
Runner’s High Blinder Ehrgeiz war gestern, sagt Nike-Cheftrainer Cory Wharton-Malcolm. Sein Gegenvorschlag: Kreativität, Improvisation und eine kräftige Prise Drum ’n’ Bass. Sein Gesicht wirst du nicht kennen, aber wenn du regelmässig läufst, hat dich Cory Wharton-Malcolm womöglich schon einmal angefeuert. Der 41-jährige Londoner ist Cheftrainer der Nike-App «Run Club». Seine Stimme erklingt, wenn du bestimmte Punkte auf deiner Strecke erreichst. Die angenehme Überraschung: Wharton-Malcolm bellt nicht etwa wie ein Drill-
Cooler Trainer: Cory Wharton-Malcolm
Sergeant, seine weiche Stimme bedankt sich stattdessen bei den Läufern oder motiviert sie. Diese Taktik entspricht Wharton-Malcolms Philosophie: Trainieren, sagt er, gelte als zu ernste Angelegenheit, Leistung werde zu wichtig genommen, und alle wollen immer nur gewinnen. Ganz unrecht hat er damit nicht. Eine Studie zeigt: Mehr als 35 Prozent der Kinder in
Wecke deinen Vibe! Die Tipps von Coach Cory für dein Home-Workout. 1. Such dir Musik aus, bei der du Lust bekommst, herumzuhüpfen, lauter zu drehen oder mitzusingen. 2. Lass locker: Geist, Körper und Stimmbänder lassen sich mit leichten Bewegungen lockern. Spring auf den Zehen hin und her und flüstere drei-, viermal: «Vibes, Vibes, Vibes.» 3. Wähle ein Werkzeug, das deinen Vibe weckt: Ich mag am liebsten meine Holzlöffel. 4. Spring weiter! Aber jetzt erwacht auch dein Werkzeug zum Leben, tanz mit ihm. Beweg deinen Oberkörper irgendwie – so, wie es sich richtig anfühlt. Ich nenne das die «Köchelphase».
Aufwärmtraining: Wharton-Malcolm mit seiner Laufgruppe
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5. Und jetzt beweg deinen ganzen Körper zur Musik! Wenn du mit deinen VibeWerkzeugen trommeln willst, bitte sehr. Wenn du sie als Flügel tragen möchtest, flatter ruhig damit. Hauptsache, die Musik reisst dich wirklich mit.
Trainiere mit Cory auf Instagram: @bitbeefy THE RED BULLETIN
GEORGE TEWKESBURY, DAVID STEGENGA
TRAINING
den USA, die mit einem Sport anfangen, hören nach dem ersten Jahr wieder auf. Der Hauptgrund: Es macht ihnen keinen Spass. «Als ich mit dem Laufen anfing, wurde mir sehr bald langweilig», sagt Wharton-Malcolm. «Also habe ich ein Spiel daraus gemacht.» Eine Regel lautete: beim Anblick einer Laterne lossprinten. Eine andere: Barrenstütze machen, sobald du zwei Parkbänke siehst. 2012 gründete Wharton-Malcolm Track Mafia, eine Laufgruppe, in der er seinen Ansatz erprobte. «Ich weiss nicht, wie lange eine Laufeinheit sein wird», erklärt er. «Sobald ihr meinen Pfiff hört, lauft ihr los. Beim nächsten bleibt ihr stehen. Laufen mit mir ist wie das Leben: Du kannst dich noch so gut vorbereiten, alles kann passieren.» 2018 zierte Cory WhartonMalcolm die Titelseite der «Runner’s World», er wurde als Pionier gefeiert. Dieses Jahr hat er seine Philosophie auf das Home-Training ausgeweitet. Seine Workouts – genannt «Vibercise» – auf Instagram machen süchtig. Jede Session dauert zwei Minuten, trainiert wird mit Haushaltsgeräten wie Löffeln, Schüsseln und Backblechen, dazu läuft Drum ’n’ Bass. «Während des Lockdowns hatten die meisten Menschen keinen Zugang zu Fitnessgeräten. Ich bin ja ein alter Raver und wollte diese Erfahrungen nutzen, um das Leben der Leute aufzuheitern», sagt der Lauf-Guru. «Angeblich schüttet ja der Körper beim Training diese ganzen Chemikalien aus, die uns glücklich machen sollen. Das vergessen wir leider manchmal.»
FLORIAN OBKIRCHER
«Laufen mit mir ist wie das Leben: Alles kann passieren.»
START
E T N I O LA P LON À MOR ZIEL E D U A CHÂTE ÈRES GRUY
ADVENTURE RUNNING RACE MIT MASSENSTART.
14KM LAUFSTRECKE. NATÜRLICHE HINDERNISSE.
INFORMATIONEN UND ANMELDUNG: WWW.REDBULL.CH/ CONQUETE
GUIDE Gaming ERFOLGSTIPPS
Game-LifeBalance Der Brite Liam Lunt, 23, ist der TopVerdiener bei «Call of Duty: Warzone». Uns verrät er, was er als Profi über das Gaming-Biz gelernt hat.
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Showdown bei «Call of Duty: Warzone». Offroader gegen Helikopter, das ist Brutalität!
Hier verrät uns Lunt fünf wichtige Lektionen, die er als Pro-Gamer gelernt hat.
Pushe dich selbst Viel Spielzeit für sich verbuchen zu können ist wichtig, um besser zu werden, aber fast noch entscheidender ist Selbstvertrauen. Lunt: «Wenn ein Gamer die Nerven verliert, kann ihn eine Millisekunde Unaufmerksamkeit das ganze Spiel kosten. Wenn ich die Karte betrete und da warten 150 Leute, muss ich mir einreden, dass ich der Beste bin. Schaffe ich das, kann eigentlich nichts schiefgehen.»
Finde deinen Rhythmus
Das Livestreaming habe sein Spiel verbessert, sagt Lunt: Es habe ihn geerdet. «Die Leute in meinem Feed kennen mich und sagen mir, wenn ich nicht ich selbst bin. Es gibt welche, die haben schon 16 Stunden am Stück mit mir verbracht. Ich streame nur, damit mir andere zuschauen können. Wie viele Follower ich habe, interessiert mich nicht.»
«Ich war so tief drin in dem Spiel, dass es mir vor ein paar Monaten echt schlecht ging», gesteht Lunt. Der Clou sei, zu verstehen, dass man eine Struktur brauche – wenn auch mit eher untypischen «Arbeitszeiten». «In Grossbritannien sind die Streams tagsüber nicht so aktiv. In der Nacht, wenn ich mit meinen Freunden in Amerika spiele, bin ich am glücklichsten. So bekomme ich Routine und einen guten Schlafrhythmus.»
Wage ein Risiko «Als ich mit dem VollzeitGaming angefangen habe, hat es in der Community geheissen: ‹Du kannst nicht ewig Call of Duty spielen.› Meine Freunde haben gesagt: ‹Werd erwachsen, geh arbeiten.› Und letztlich hat mich auch noch meine Freundin verlassen. Aber ich habe Geld verdient und mir gedacht: Wenn mir Leute zuschauen können, verdiene ich noch mehr. Mein Kumpel Tommo wollte seinen PC verkaufen und hat zu mir gesagt: ‹Zahl den ruhig in Raten, ich helfe dir mit dem Streamen.› Das war im Mai 2019, und heute müssen meine Freunde zugeben, dass ich recht hatte.»
Sei ein Vorbild Die Aussenwahrnehmung von Gamern ändere sich gerade, beobachtet Lunt – nicht zuletzt wegen des Lockdowns. Die Haltung der Leute zu Videospielern ist nun weniger hart. «In den vergangenen Monaten waren viele Liverpooler in meinem Stream. Es hilft mir enorm, dass die eigene Stadt mich unterstützt. Vor dem Lockdown hat mich in Liverpool kaum jemand gekannt. Jetzt bin ich der wichtigste Gamer der Stadt.» «Call of Duty: Warzone» ist frei zum Download für PC, PS4 und Xbox One. Liam Lunts Livestreams finden sich auf twitch.tv/jukeyz THE RED BULLETIN
TOM GUISE
Erfolgsstory: Die Karriere des Pro-Gamers Lunt begann auf einem Leihcomputer.
Verbiege dich nicht
ACTIVISION
2020 hat uns manches gebracht, was wir lieber vergessen wollen, aber immerhin: Videospiele haben uns gerettet. Online miteinander zu zocken war in den vergangenen Monaten für viele Menschen eine Möglichkeit, in Verbindung zu bleiben, Spass zu haben und – zumindest vir tuell – «rauszukommen». Kaum ein Game hat heuer mehr Furore gemacht, als «Warzone». Bereits im August verzeichnete die kostenlose Battle-Royale-Variante des Egoshooters «Call of Duty: Modern Warfare» 75 Millionen Spieler. Einer davon war der 23jährige Liam Lunt aus Liverpool. Nur zwei Wochen nach der Veröffentlichung von «Warzone» im März gewann Lunt im Rahmen eines Benefizturniers zugunsten der Covid19-Hilfe 60.000 Dollar. Im Mai holte sich sein Team 50.000 Dollar im grossen Finale, gefolgt von 33.000 Dollar in einem weiteren Benefizspiel, in dem 100.000 Dollar an eine gemeinnützige Organisation gingen. Das machte Lunt zum bestverdienenden Gamer unter sämtichen «Warzone»Spielern. Eine beeindruckende Statistik, besonders wenn man bedenkt, dass er seinen ersten Tausender (mit der Vorversion «Call of Duty: Black Ops 4») kaum ein Jahr zuvor gewonnen hatte. Den Computer hatte er als Darlehen von einem Freund erhalten. Kurzerhand kündigte Lunt seinen Job in einer Ölraffinerie, wurde Vollzeitgamer und streamte auf Twitch unter dem Namen Jukeyz.
GUIDE Lesestoff
Modus Operandi Das Gesetz der Serie macht viele Krimi-Autoren zu Wiederholungstätern. Gefragt ist die Balance zwischen Unerwartetem und Bewährtem – und die beherrscht kaum jemand so perfekt wie US-Autor Harlan Coben. Text JAKOB HÜBNER
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as Geheimnis erfolgreicher Krimireihen lässt sich salopp auf zwei Grundsätze eindampfen. Erstens: Der Plot muss den Leser fesseln. Zweitens: Das Setting muss den Leser binden. Gerade in der Spannungsliteratur tummeln sich daher unzählige Autoren, die eigentlich immer das Gleiche tun – aber nur wenige, die dabei nichts falsch machen. Ein wahrer Akrobat bei diesem heiklen Balanceakt zwischen Unerwartetem und Bewähr-
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tem ist der 1962 in New Jersey geborene Bestsellerautor Harlan Coben, der hierzulande immer noch als Geheimtipp gehandelt wird. Was verblüffend ist. Immerhin schaffte es Coben, der vorzugsweise im Grenzbereich zwischen Krimi und Thriller agiert, als Erster seiner Zunft, die drei wichtigsten US-Krimipreise (Edgar Award, Shamus Award, Anthony Award) am Stück abzuräumen. Und nicht zuletzt ist er seit mehr als 20 Jahren Stammgast auf der «New York
Times»-Bestsellerliste und wird in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Der erste Schritt zum «Mordserfolg» in Serie ist bekanntlich ein charismatischer Ermittler. Das wussten schon Genre-Altmeister wie Agatha Christie oder Georges Simenon. Im Fall von Harlan Coben übernimmt diese Rolle Myron Bolitar – wenngleich auf eine recht unkonventionelle Art. Myron, der seinen Premierenauftritt im Jahr 1995 hatte, ist nämlich gar kein richtiger Ermittler – sondern ein ehemaliger Basketballstar und nunmehriger Sportagent, der neben einem HarvardAbschluss in Jus auch ein untrügliches Gespür dafür besitzt, seine Nase in Angelegenheiten zu stecken, die ihn THE RED BULLETIN
VINZ SCHWARZBAUER
SERIEN-MEISTER
GUIDE Lesestoff
Der erste Absatz aus «Das Spiel seines Lebens»
«Otto Burke, der Grossmeister des Schmus, setzte noch eins drauf. ‹Na komm schon, Myron›, drängelte er mit neoreligiöser Inbrunst. ‹Ich bin sicher, dass wir zu einem Arrangement kommen können. Ihr gebt ein bisschen. Wir geben ein bisschen. Die Titans sind ein Team. Ich würde uns alle gerne als Team sehen, im umfassenden Sinne. Dich eingeschlossen. Ein echtes Team. Was hältst du davon, Myron?› Myron Bolitar legte die Fingerspitzen aneinander. Er hatte irgendwo gelesen, dass Menschen, die ihre Fingerspitzen aneinanderlegten, geistreich aussahen. Er kam sich albern vor.»
nicht das Geringste angehen. Ausserdem ist er ein ausgewiesener Experte für blöde Sprüche in den denkbar ungünstigsten Momenten. Ihm zur Seite steht sein kongenialer Kumpel Windsor Horne Lockwood III, kurz Win. Der ist stinkreich, unfassbar arrogant, immer bewaffnet, beherrscht so ziemlich alle Kampfsportarten und hat einen ausgeprägten Hang zur Selbstjustiz. Flankiert von ein paar weiteren schrägen Sidekicks, schultern die beiden bisher elf wirklich großartige Pageturner, in denen auch der Humor nicht zu kurz kommt. Aber eben auch nicht zu lang. Parallel dazu lancierte Coben ab 1990 eine zweite, offene Romanreihe, die zwar ohne wiederkehrende Charaktere auskommt, aber dennoch das Gesetz der Serie achtet. Hier setzt Coben auf einen rein thematischen Modus Operandi – es geht immer um vermisste Personen –, sorgt aber mit geschickt eingestreuten Querverweisen dafür, dass sich der Leser sofort «heimisch» fühlt. Diese Reihe umfasst mittlerweile 17 Bücher – und 17 weitere Beweise für Cobens Meisterschaft, scheinbar lose Handlungsfäden zu einem immer dichteren Netz zu verweben und die Story buchstäblich bis zur letzten Seite auf Zug zu halten. Jeder Krimileser kennt den geradezu kathartischen Moment, an dem man sich (meist begleitet von einem THE RED BULLETIN
etwas infantilen Stolz) denkt: Ha, jetzt hab ich dich! Jetzt weiss ich, wie du das Ganze auflösen willst. Solche Momente erlebt man verlässlich auch in allen Coben-Romanen – und liegt damit ebenso verlässlich immer falsch. Mit dem aktuellen Thriller «Der Junge aus dem Wald» positioniert Coben nun eine neue Figur auf seinem Spielbrett: den sozialen Aussenseiter Wilde. Unterfüttert mit einer mysteriösen «L’enfant sauvage»-Vergangenheit (einer wilden Jugend; Anm.), verfügt dieser mittlerweile erwachsene Titelheld über hochsensible Instinkte, die ihn zu einem brillanten wie unberechenbaren Privatdetektiv machen. Und natürlich ist mit der bis zum Anschlag zynischen Staranwältin Hester Crimstein auch eine alte Bekannte aus dem Coben-Kanon mit an Bord. Das hat Potenzial; dennoch würden wir empfehlen, dort zu beginnen, wo’s losgeht: bei Myron Bolitar und «Das Spiel seines Lebens».
HARLAN COBEN «DAS SPIEL SEINES LEBENS» Deutsch von Gunnar Kwisinski. Goldmann
LESETIPPS
Spannende Typen Vier Genre-Querschläger, die jeden Kriminalfall zum Ausnahmefall machen.
DR. SIRI PAIBOUN Der Arzt Dr. Siri wird mit 72 Jahren überraschend zum einzigen Pathologen von ganz Laos ernannt. Allerdings verlagert der charmante Querdenker sein Interesse alsbald weg von den Toten und hin zu der Frage, was diese in ihre ausweglose Lage gebracht hat. Mit seinem Mix aus schrulligen Figuren, farbenprächtiger Exotik und subtilem Humor landete der gebürtige Londoner Colin Cotterill einen Volltreffer, der bisher zwölf Bände umfasst. «Dr. Siri und seine Toten», Goldmann
THURSDAY NEXT Thursday Next ist eine SpecOps-Agentin, deren Aufgabe es ist, die Literatur vor schurkischen Übergriffen zu schützen – was gar nicht so einfach ist, wenn man in einer alternativen Welt lebt, in der zwischen Literatur und Realität ein munteres Kommen und Gehen herrscht. Die genial durchgeknallte Kultserie (bisher erschienen sieben Bücher) des Walisers Jasper Fforde bietet in jeder Hinsicht ein fantastisches Lesevergnügen. «Der Fall Jane Eyre», dtv
HARRY DRESDEN Als freiberuflich praktizierender Magier wird Harry Blackstone Copperfield Dresden immer dann von der Polizei als Experte hinzugezogen, wenn in Chicago gerade wieder Dämonen, Vampire, Werwölfe oder noch üblere Kreaturen ihr Unwesen treiben. «Die dunklen Fälle des Harry Dresden» (bisher 17 Bände) von Jim Butcher vereinen Fantasy und Krimi zu einem düsteren Genre-Crossover, in dem auch der Humor rabenschwarz ist. «Sturmnacht», Feder & Schwert
MARKUS CHENG Der Wiener Privatdetektiv Markus Cheng hat überhaupt nichts mit einem Chinesen gemein – ausser dass er wie einer aussieht. Und da er aus der Feder des unvergleichlichen österreichischen Autors Heinrich Steinfest stammt, hat er auch überhaupt nichts mit einem herkömmlichen Ermittler gemein. Wer skurrilen Humor mit scharfsinnigem Tiefgang mag, wird diesen Mann lieben. Bisher war Cheng fünfmal im Einsatz. «Cheng: Sein erster Fall», Piper
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GUIDE Kalender
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bis 18. Oktober UNSERE NEUEN LIEBLINGE Betten und Börsen, Lampen und Leuchten, Tapeten und Taschen – wer individuelles Design liebt, kommt an der «Blickfang» nicht vorbei. Bei der Designmesse werden aktuelle Kreationen präsentiert – direkt aus den Werkstätten. Ziel der Organisatoren: «Wir wollen den Besuchern neue Lieblingsstücke bescheren.» Messe Basel, Halle 3; Blickfang Zürich: 13. – 15. November, Stage One; blickfang.com
12 Es ist ein spektakulärer Start in die Wintersaison: Snowboarder und Skifahrer sprinten von der Jatzhütte zum Parc Fermé, wo ihre Ski und Snowboards schon bereitliegen – und dann heisst es möglichst schnell anschnallen, losfahren und ab ins Tal brettern. Gestartet wird beim Red Bull Homerun am Jakobshorn in Davos in vier Kategorien (Ski und Snowboard, jeweils Damen und Herren). Ziel ist das Bolgen Plaza. Jakobshorn, Davos; Infos: redbull.com
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November SECRET GIG: WO TANZT ZÜRICH? Azet & Zuna von der KMN Gang kommen nach Zürich, um mit den Schweizer Rappern Xen, Rapide × Alawi und SIRODOGGYD eine Show zu spielen. Allerdings: Es ist ein «Secret Gig», das heisst, die Location ist geheim – deshalb wird hier auch nicht verraten, wo die Rapper für diesen einzigartigen Auftritt auf die Bühne klettern werden. Fix ist nur: Es wird in Zürich sein. Um Karten für diesen Auftritt zu gewinnen (und nur so kannst du dabei sein), entschlüssle die Hinweise auf redbull.ch/secretgig
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November WENN SANTAS BERN EROBERN Wenn Weihnachten naht, machen sich die Nikoläuse auf, Bern zu erobern: In klassisch rot-weissen Kostümen laufen sie beim Santarun bis zu acht Kilometer durch die Stadt. Kostüme sind Pflicht, sind aber beim Startgeld dabei; Zeitnehmung gibt es keine. Bundesplatz, Bern; santarunbern.ch THE RED BULLETIN
EMRIK JANSSON/RED BULL CONTENT POOL, ARMON RUETZ/RED BULL CONTENT POOL, ERTAPPT.CH
Dezember RED BULL HOMERUN: WIR STARTEN IN DEN WINTER
GUIDE Kalender
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Wer ist der beste Freestyle-Kicker der Welt? Das grosse Finale der Red Bull Street StyleWeltmeisterschaften findet erstmals online statt. Red Bull TV streamt die mit Spannung erwartete Entscheidung live. Beim Freestyle-Fussball werden atemberaubende Tricks gezeigt. Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass dieser Sport einen Boom erlebt. Die Gründe dafür sind klar: Alles, was du dafür brauchst, ist ein Ball – trainieren kannst du überall.
Der Grossmeister gibt sich die Ehre: In der Serie «Anakin’s Tekken Academy» erklärt der US-Star des virtuellen Fighting Games, wie du zu deine Skills verbesserst – ist ab sofort als Video on Demand verfügbar.
November FREESTYLEFUSSBALL: DAS GROSSE FINALE
29 November DUELL DER GIGANTEN Zwei Allstar-Teams treffen beim Red Bull Itemania in einem epischen «League of Legends»-Battle aufeinander (oben ein Bild aus dem Vorjahr). Dafür brauchen sie allerdings nicht nur Können, sondern auch ein glückliches Händchen: Denn die Items für das Giganten-Duell stehen nicht frei zur Wahl, sie werden vorab verlost – eine zusätzliche Herausforderung für die Gamer. Red Bull Gaming World, Verkehrshaus, Luzern; redbull.com
Oktober SO WIRST DU EIN «TEKKEN»GEWINNER
14 BRIAN HALL/RED BULL CONTENT POOL, SHO TAMURA/RED BULL CONTENT POOL
November RENNSTART IN AUTOPOLIS Sie ist exakt 4673 Meter lang, der Rundenrekord, von Naoki Yamamoto 2014 aufgestellt, beträgt 1:26,469 Minuten – die Autopolis-Strecke im japanischen Hita ist Schauplatz des vierten Super-Formula-Rennens der laufenden Saison. Wer es nicht weiss: Das Besondere an der Super Formula ist, dass alle Fahrer mit den gleichen Chasis fahren – was nicht nur für gleiche Chancen, sondern auch für spannende Rennen sorgt. Live auf Red Bull TV: um 2.55 Uhr das Qualifying, um 7 Uhr das Rennen.
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GUIDE Uhren
Faktor Zeit Zurück in die Zukunft: neue Uhren mit Vergangenheit. Für Agenten, Polarforscher und Astronauten (und alle, die wissen, dass auch retro herrlich modern ist). Text WOLFGANG WIESER
SPIEL MIT DER GEOMETRIE Ein Triumph der Präzision: In dieser Ansicht ist besonders gut zu erkennen, wie viel Liebe in jedem Detail steckt.
QUADRATUR DES KREISES
Bestechend Hublot Big Bang Unico Sang Bleu II Er ist Psychologe, Grafiker und Tattoo-Artist. Jetzt hat Design-Star Maxime Plescia-Büchi, Jahrgang 1978, eine Hublot gestaltet: ein Meisterwerk, bei dem es ihm erlaubt war, nicht nur an der Oberfläche zu kratzen, sondern in die Tiefe zu gehen. Das skelettierte 45-mm-Kunstwerk aus Titan ist ein Offenbarung kunstvoller Geometrie. CHF 23.900; hublot.com
GUIDE Uhren
WELTOFFEN TIEFE EINBLICKE MIDO COMMANDER GRADIENT Wer wissen will, wie seine Uhr tickt, erfreut sich an den tiefen Einblicken, die die Mido Commander Gradient bietet. Möglich macht es ein transparentes Zifferblatt, das die Zahnräder sichtbar macht. Optik-Plus: Zum Rand hin wird es dunkler, was der Uhr etwas Geheimnisvolles gibt. CHF 940; midowatches.com
Globetrotter Carl F. Bucherer Manero Flyback Seit der Gründung im Jahr 1888 weht durch das Haus Bucherer ein kosmopolitischer Geist, das Blau der Manero Flyback steht für dieses ewige Fernweh. Flyback hat übrigens nichts mit Rückflug zu tun, sondern mit einer besonderen Komplikation, die Stoppen, Nullstellen und Starten mit einem einzigen Knopfdruck erlaubt. CHF 5900; carl-f-bucherer.com
KRAFTPAKET
REKORDFLUG
EINE FÜR ALLE
PANERAI LUMINOR MARINA
IWC BIG DATE SPITFIRE
TISSOT T-TOUCH CONNECT STAR
Diese Uhr ist ein absolutes Leichtgewicht. Nur 96 Gramm bringt das smarte Kraftpaket auf die Waage – trotzdem ist das neue Mitglied der Luminor-Familie hochgradig widerstandsfähig. Das liegt am neuen Material Carbotech: unter hohem Druck gepressten Karbonfaserscheiben. CHF 12.600; panerai.com
Eine Uhr, ein Flugzeug, ein Rekordtrip: Im August 2019 starteten die Piloten Steve Boultbee Brooks und Matt Jones zu einem viermonatigen 43.000-KilometerFlug um die Welt – zum ersten Mal mit einer «Silver Spitfire» aus dem Jahr 1943. Zur Erinnerung gibt es die auf 500 Stück limitierte Spitfire. CHF 17.000; iwc.com
Eine Uhr, die dank eines speziellen Betriebssystems (SwALPS) problemlos mit allen Handys (iOS, Android, Harmony OS) kompatibel ist – und zwar ganz einfach via Bluetooth. Ist sie nicht verbunden, sind ewiger Kalender, Meteo-Funktion und Höhenmesser trotzdem verfügbar. CHF 1125; tissotwatches.com
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GUIDE Uhren
NEUER LOOK
Erfreuliche Rückkehr Rado Captain Cook Wiederaufgetaucht: 58 Jahre nach ihrer Jungfernfahrt ist die Captain Cook zurück – in einer Automatic-Version, 42 Millimeter gross, ausgestattet mit einem ebenso robusten wie leichten Edelstahl-Titan-Band. Dieses Rado-Modell verfügt über eine Wasserdichtigkeit von 30 bar, und damit sind auch Tauchgänge möglich – würdig einer Uhr, die nach einem grossen Seefahrer und Entdecker benannt ist. CHF 2100; rado.ch
PIONIERGEIST LONGINES SPIRIT Abenteurer wie Pilotenlegende Amelia Earhart, Polarforscher Paul-Émile Victor und Luftfahrtpionier Howard Hughes vertrauten auf Uhren von Longines, wenn sie ins Ungewisse aufbrachen. Diesen Pionieren wird jetzt mit der brandneuen «Spirit»-Kollektion Tribut gezollt. Zum Abheben schön. CHF 2020; longines.ch
LEUCHTKRAFT
SPORTFREUNDIN
LEGENDE
VICTORINOX I.N.O.X. CARBON LE
LOUIS ERARD LA SPORTIVE
HAMILTON PSR
Gut getarnt: Tagsüber zeigt das Zifferblatt der I.N.O.X. Carbon LE das ikonische rote Logo mit Kreuz und Schild auf Camouflage-Hintergrund. Sobald es dunkel wird, erwacht das Muster zum Leben, und das Zifferblatt beginnt zu leuchten. Super LumiNova macht es möglich. CHF 1100; victorinox.com
Um 30 Prozent härter als Stahl, dafür aber um 60 Prozent leichter: Das Titan-Gehäuse macht aus den Uhren dieser limitierten Louis-Erard-Edition (vier Chronographen zu je 250 Stück) ideale Begleiter: «La Sportive» ist nicht zuletzt deshalb dem Sportsgeist gewidmet. CHF 3250; louiserard.com
Die Hamilton Pulsar war eine der legendären Kreationen des Weltraumzeitalters. Ihr futuristisches Aussehen machte sie zum Liebling von Ikonen wie Elton John. Jetzt gibt es die Uhr aus dem Jahr 1970 wieder, neu interpretiert. Und noch immer sieht sie aus, als käme sie aus einer anderen Welt. CHF 745; hamiltonwatch.com
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GUIDE Uhren
INS BLAUE SCHAUEN Eine klassische Farbe für ein klassisches Modell. Die Tudor wird ihrem Namen «Navy Blue» absolut gerecht.
ZEITREISE
Ganz wie früher Tudor Black Bay Fifty-Eight Und noch ein Comeback: Der Name der Black Bay Fifty-Eight «Navy Blue» leitet sich natürlich von ihrer Farbe ab, aber auch aus dem Jahr 1958, in dem die erste Tudor Taucheruhr mit einer Wasserdichtigkeit von 200 Metern (= 20 bar) präsentiert wurde. Die «Navy Blue» ist mit einem 39-mm-Gehäuse ausgestattet und bleibt damit den Proportionen der 1950er-Jahre treu. CHF 3200; tudorwatch.com
GUIDE Uhren
WIEDERBELEBT
Jack is back TAG Heuer Carrera Elegant Man schrieb das Jahr 1963, als eine Uhr auf den Markt kam, die Liebhabern der gehobenen Zeitmessung bis heute in Erinnerung ist. Weshalb es nur allzu verständlich ist, dass man bei TAG Heuer eine Uhr wiederbelebte, die alles widerspiegelt, was den einstigen CEO Jack Heuer begeisterte: absolute Präzision, hohe Funktionalität, perfektes Design. CHF 5200; tagheuer.com
ELEGANTER LOOK Ein braunes AlligatorLederarmband verleiht der Uhr eine zeitlos edle Optik.
GUIDE Uhren
UNDERCOVER TAUCHPARTNER CERTINA DS SUPER PH500M
Eine Uhr für 007
1969 ging der Vorläufer dieser Uhr auf eine besondere Reise. Im Rahmen des Unter wasserexperiments Tektite, bei dem vier Wissenschaftler zwei Monate lang in Wohntanks unter Wasser lebten, war sie dabei. Die Wissenschaftler schwärmten, Taucher lieben sie bis heute (Wasserdichtigkeit: bis 50 bar); CHF 895; certina.com
Omega Seamaster Diver 300M Wir wissen: Bei James Bond ist eine Uhr nicht nur eine Uhr – im BondAbenteuer Nr. 25 («Keine Zeit zu sterben») hat Agent 007, in Person von Daniel Craig, den Designprozess entscheidend beeinflusst. «Die fertige Uhr sieht unglaublich aus.» Was sie – ausser die Zeit anzuzeigen – noch kann? Demnächst in den Kinos. CHF 9200; omega.com
VORREITER
ASTRONAUT
BLANCPAIN FIFTY FATHOMS
RAKETA BAIKONUR
SWATCH
In den 1960er-Jahren produzierte Blancpain Uhren für die US-Marine. Erstmals mit Titan. Für die Fifty-Fathoms-Kollektion wurde aktuell ein neues Titan-Band patentiert – erstmals sitzen die Schrauben nicht seitlich, sondern auf der Rückseite der Glieder, das macht die Seiten makellos glatt. CHF 17.100; blancpain.com
Der Mann war insgesamt 803 Tage im All – mehr als jeder andere Mensch. Deshalb weiss Astronaut Sergei Krikalev, 62, auch, was eine All-Uhr braucht: nämlich Zuverlässigkeit und ein 24-Stunden-Zifferblatt (um Tag und Nacht unterscheiden zu können). Für uns Erdlinge: einfach ein cooler Look. CHF 1200; raketa.com
«Don’t be too late!» – Diese Swatch zeigt nicht nur, wie spät es ist, sie erinnert auch mit interessanten, nicht zwingend ernst gemeinten Ermahnungen. Ebenfalls als bunter Botschafter zu haben: «Tell me more», «Call to action» oder «Same same but different». Also: Nicht zu spät kommen! CHF 80; swatch.com
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BOTSCHAFTER
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IMPRESSUM
THE RED BULLETIN WELTWEIT
Aktuell erscheint The Red Bulletin in sechs Ländern. Auf dem Cover unserer französischen Ausgabe: der Freediver Guillaume Néry, der junge Polynesier bei der Rettung eines Korallenriffs unterstützt. Mehr Geschichten abseits des Alltäglichen findest du auf: redbulletin.com
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PETTER FOSHAUG/RED BULL CONTENT POOL
Spitzen-Spiel Im Beachvolleyball sind sie längst Weltranglistenerste, jetzt sind sie auch in Sachen Fotokunst ganz oben: Für dieses Bild kletterten die Lokalmatadore Anders Berntsen Mol, 23, und Christian Sandlie Sørum, 24, auf den Svolværgeita – einen in Norwegen berühmten, 150 Meter hohen Felsen auf den Lofoten. Und dann hiess es: Zuspiel auf höchstem Niveau …
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