SCHWEIZ
SEVEN. „BLEIB AUF DEINEM WEG!“ ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN
NOVEMBER 2017 CHF 3,80
WAS DEN ERFOLGREICHSTEN SCHWEIZER SOULSÄNGER SO EINZIGARTIG MACHT
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OLYMPIAHOFFNUNG
UNSERE BEACHVOLLEYBALLERINNEN ÜBER DIE REGELN DES TEAMGEISTS
Ingenieur Perpetual Calendar Digital Date-Month. Ref. 3817: Ask three-time world champion Lewis Hamilton what it takes to be the first to cross the finish line. It’s not just about determination and driving skills. You have to master time. With the latter, you can entrust your IWC Ingenieur – on Watch the video
and off the racetrack. The design of the new collection is inspired by the early Ingenieur models from the 1950s and
resembles the dashboard instruments found in historic racing cars. The flagship of the family is housed in an imposing 18-carat red gold case. Powered by the IWC-manufactured 89801 calibre movement, it is equipped with a perpetual calendar with large digital date and month displays and also features a chronograph function. There’s never been a more elegant way to master time.
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ENGINEERED FOR MEN WHO ARE MASTERS OF TIME .
CONTRIBUTORS
EDITORIAL Egoisten, Teamplayer und Tiefseetaucher
Zu den Klienten des US-Spitzenfotografen zählen Marken wie Diesel, Nike, Adidas und Converse. The Red Bulletin sicherte sich Lim für das Covershooting von Soulstar Seven in Luzern: „Ich inszenierte ihn in einem neuen Sportwagen vor einer Fabrik. Der ungewöhnliche Kontrast gefiel ihm, er war auf Anhieb voll bei der Sache.“ Unsere Coverstory ab SEITE 22
Marcel Anders
Der Hardrock-Experte schreibt für den „Rolling Stone“ und „Classic Rock“ und interviewte Giganten wie Keith Richards oder Lemmy Kilmister. Bei seinem Gespräch mit Foo-Fighters-Frontmann Dave Grohl ging es um die großen Themen des Lebens wie Erfolg und Familie. Aber auch um die kuriosen, wie Grohls Gitarren-Thron für rekonvaleszente Rockstars. SEITE 42
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Viel Vergnügen! Die Redaktion
MIKO LIM (COVER)
Miko Lim
Man kann sagen, was man will – doch es geht nichts über ein ehrliches, in die Tiefe gehendes Interview. Gleich zwei davon finden Sie in diesem Heft. Und sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Das eine ist zugleich unsere Titelstory über den Luzerner Soul-Sänger Seven, dessen kompromisslosegozentrische Erfolgsphilosophie („Meine Musik muss mir gefallen, keinem sonst“) die Kommerzregeln seines Business außer Kraft setzt (Seite 22). Und das andere porträtiert das Schweizer Beachvolleyball-Weltklasseduo Joana Heidrich/Anouk Vergé-Dépré (ab Seite 74). Egoismus in ihrem Sport? „Hat hier null Platz.“ Und wie geht erfolgsorientiertes Teambuilding? „Ich muss die Partnerin privat nicht mögen, um mit ihr am Platz zu harmonieren.“ Unser Bonustrack? Robert Marc Lehmann und seine Reisen zu noch unerforschten Unterwasser Unterwasserhöhlen: „Einmal hackten wir uns mit Macheten einen Pfad durch den Dschungel.“ Der Lohn für Lehmanns Mühen: ein lebensgefährlicher Tauchgang … Was den Abenteurer antreibt, lesen Sie ab Seite 30.
THE RED BULLETIN
ABENTEUER beginnt hier
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BULLEVARD Life and Style Beyond the Ordinary
10 „Breaking Bad“-Star Bryan
Cranston liebt Konflikte.
12 Die US-Musikerin St. Vincent
trotzt den Regeln des Pop.
14 Eine Boeing 727 im Dschungel
Costa Ricas … als Luxushotel
15 Besser essen: das Reuben-
Sandwich, historisch wertvoll
16 Laura Deming, 23, forscht
nach dem Ende des Alterns. 18 Eine Slackline-Challenge bei verdunkelter Sonne 20 Der Walkman feiert ein Revival.
GUIDE
Get it, Do it, See it. 82 Highlights auf Red Bull TV
86 90 96 98
live in concert: Pflichttermine in den nächsten Wochen Red Bull Velodux, das spezielle Radrennen in Estavayer-le-Lac Das grosse Uhren-Special: gefertigt, um zu überdauern Impressum Actionfoto des Monats
30 HÖHLENTAUCHEN
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… extrem: die höchst gefährliche Erkundung der letzten noch un erforschten Tauch reviere des Planeten.
SOUL-STAR SEVEN
… erklärt sein persönliches Erfolgskonzept: „Ich machte nie etwas, um den an deren zu gefallen.“ 6
THE RED BULLETIN
ROBERT MARC LEHMANN, MIKO LIM, MANUEL HAUSDORFER
84 Groove Session und Gorillaz
INHALT November
FEATURES
22 Soulman
Der Luzerner Sänger Seven über naive Begeisterung – und warum er nur seinem eigenen Geschmack vertraut.
30 Unterwassermann
Tauchen mit Fotograf & Meeresbiologe Robert Marc Lehmann.
42 Dave Grohl
So hält der Foo-Fighters-Boss seine Leidenschaft am Lodern.
46 Christoph Strasser
Der Sieger des Race Across America über die Grenzen körperlicher Belastbarkeit – und wie man sie verschiebt.
54 Hohe Trefferquote
Lino Martschini, kleinster Spieler der NLA, im Porträt.
60 Underdog M-Sport
Wie ein kleines Rallye-Team die grosse Konkurrenz abhängt.
68 Sound of Berlin
Fritz Kalkbrenner führt durch die Clubs seiner Heimatstadt.
74 Swiss Beachgirls
Beachvolleyball-Duo Joana Heidrich/Anouk Vergé-Dépré im Exklusiv-Interview über Teamgeist und Olympia 2020.
46 CHRISTOPH STRASSER
Der Österreicher gewann zum vierten Mal das Race Across America – auch deshalb, weil er am wenigsten schlief.
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VERLEIHT FLÜÜÜGEL – MIT DEM GESCHMACK VON MANDARINE.
NUR FÜRIT. E KURZE Z
BELEBT GEIST UND KÖRPER.
BULLEVARD LIFE
&
STYLE
BEYOND
THE
ORDINARY
ANDREAS LASZLO KONRATH/TRUNK ARCHIVE
Warum es falsch ist, wenn man seinen Hollywood-Kollegen wünscht, sie mögen sich blutige Nasen holen.
BRYAN CRANSTON „ES IST GENUG PLATZ FÜR ALLE“ SEITE 10 THE RED BULLETIN
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BULLEVARD
Bryan Cranston, 61, ist seit seiner Rolle als Walter White in „Breaking Bad“ der Spezialist für schwierige Charaktere.
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THE RED BULLETIN
Bryan Cranston
Man reift an Konfrontation und Reibung, doch auch daran, dass man seinen Kollegen Erfolge gönnt und gefundene Geldbörsen ihren Besitzern zurückgibt.
„DAS LEBEN BRAUCHT KONFLIKTE“ O RÜDIGER STURM
ffiziell war die „Breaking Bad“-Ikone Bryan Cranston beim Münchner Filmfestival, um sein Drama „Wakefield“ zu präsentieren. Aber eigentlich zeigt der 61-Jährige vor, wie man als Schauspieler selbst in Hollywood ein entspanntes Leben führen kann, wenn man nicht so denkt wie der Präsident.
ANDREAS LASZLO KONRATH/TRUNK ARCHIVE
the red bulletin: Sie gingen einst auf die Polizeischule, um Cop zu werden. Was Nützliches gelernt? bryan cranston: Du lernst Menschen zu lesen. Man muss einfach vor die Tür gehen und Menschen studieren. Durch ständiges Beobachten baust du dir ein Archiv menschlicher Verhaltensweisen auf.
THE RED BULLETIN
Würde ich Sie in diesem Moment belügen: Könnten Sie mich durchschauen? Ja. Und ich kann Ihnen sagen, dass Sie jetzt lügen. Wie das? War ein Scherz. Es wurde dann aber doch nichts mit der Polizei … Mit 20, 21 unternahm ich mit meinem Bruder einen Motor Motorradtrip durch die USA. Der Plan war, mich zu verlieren, damit ich mich selbst finden konnte. So begriff ich, dass ich eigentlich die Schauspielerei liebte und darin auch gut werden konnte. In Ihrer Jugend waren Sie vorerst so richtig verloren. Als Sie elf waren, verließ Ihr Vater die Familie, die Bank ließ das Haus, in dem Sie lebten, zwangsversteigern. Wie fanden Sie den Weg zum Erfolg? Eben weil ich als Junge solche Nöte durchgestanden hatte. Beim Geschichtenerzählen läuft das nach dem gleichen Prinzip ab. Du brauchst Konflikte, die die Handlung vorantreiben. So haben auch die Menschen in ihrem Leben Konflikte nötig, denn auf diese Weise lernen sie zu schätzen, wenn es ihnen gutgeht. Mein Vater hat mir gezeigt, wie du’s nicht machen sollst. Ich wurde letztlich Schauspieler, weil er auch einer war. Aber mein Vater wollte ein Star werden. Und das war sein Problem. Sie scheinen auch eine sanfte Seite zu haben. Woody Har Harrelson bekam von Ihnen Ihr Recherchematerial, als er in „LBJ“ Präsident Lyndon B. Johnson spielte – den Sie vor ihm dargestellt hatten (im HBO-TV-Drama „All the Way“; Anm.). Gilt in den USA nicht speziell in Ihrer Branche das Motto „Jeder ist sich selbst der Nächste“? Ich hoffe, dass so ein Spruch nie auf meinem T-Shirt stehen wird. Meine Kollegen sind für mich keine Konkurrenten. Und das meine ich nicht arrogant, nach dem Motto „Ich habe keine Konkurrenz“. Wir gehören alle zur gleichen Bruder Bruderschaft, wenn man so will. Diese
Gruppe ist groß. Jeder findet darin Platz. Hat Woody Erfolg, heißt das nicht, dass ich scheitere. Deshalb will ich nicht, dass er auf die Nase fällt. Das ist Bullshit. So würde nur ein Narziss denken – unser Präsident etwa. Und dieses Denken müssen wir auslöschen. Aber alle kämpfen doch um dieselben Jobs … Ich habe eine Philosophie, die ich jungen Schauspielern bis zum heutigen Tag vermittle: „Wenn ihr einen Vorsprechtermin absolviert, tut ihr das nicht, um einen Job zu bekommen, selbst wenn es danach aussieht. Wenn ihr so denkt, wird euch das kaputtmachen. Warum? Weil es viel mehr Bewerber gibt als offene Stellen. Ihr müsst das so sehen: Ihr seid hier, um einen Job zu machen. Konzentriert euch auf euren Termin, bringt ihn hinter euch und sagt ‚Auf Wiedersehen‘.“ Halten Sie sich auch daran? Ja. Ich habe das vor 25 Jahren für mich herausgefunden, und das hat mich gerettet. Bekommt ein Kollege eine Rolle, um die auch ich mich beworben habe, sage ich nicht: „So ein Arschloch.“ Diese Rolle war eben nicht für mich bestimmt. Es ist ungefähr so, als würde ich Ihre Geldbörse auf der Straße finden. Ich rege mich doch nicht auf, weil ich sie zurückgeben muss. Sie gehört nun mal nicht mir. Facebook: @thebryancranston
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D
ie Musik von Annie Clark, besser bekannt als St. Vincent, erlebt sich wie ein Drahtseilakt. Ihre komplex arrangierten Songs schwanken in jedem Moment zwischen Hochgefühl und Depression, zwischen Ordnung und Chaos. Obwohl ihre Musik allen Regeln des Pop trotzt, war St. Vincents fünftes Album (2014), das sie selbst eine „Party-Platte für Begräbnisse“ nannte, ein Riesenerfolg: Platz 12 in den US-BillboardCharts, ein Grammy Award und Album-des-Jahres-Ehrungen von Musikmedien wie „NME“ und der britischen Zeitung „The Guardian“. Wie geht jemand, der in nur drei Jahren von einer Under Underground-Heldin zum Popstar am Cover von Hochglanzmagazinen avancierte – ihre einjährige Beziehung mit
St. Vincent Vom Underground-Darling zum Popstar: Die US-Musikerin erklärt, wie man Erfolgsdruck überwindet und warum Angst der beste Motor ist.
„SETZ DICH SELBST UNTER DRUCK“ 12
Supermodel Cara Delevingne war daran nicht unschuldig – mit gesteigertem Erfolgsdruck um? The Red Bulletin fragte die 35-Jährige, deren neue Platte „ MASSEDUCTION “ diesen Monat erscheint. the red bulletin: Ihr letztes Album war ein großer Erfolg. Wie schließt man daran an? st. vincent: Du machst ein noch besseres Album. Einfacher gesagt als getan, oder? Ach, du musst dich nur selbst unter Druck setzen. Kann das nicht leicht nach hinten losgehen? Wer sich selbst zu sehr stresst, ver verliert leicht den Antrieb und die Leidenschaft. Es ist seltsam. Ich bin eigentlich eine ängstliche Person, aber ich war weder eingeschüchtert noch verängstigt, als ich mit der Arbeit an der Platte begann. Ich wollte sie einfach noch besser machen als die letzte. Das ist generell mein Karriere-Mantra: Steck all deine Kraft in dein Projekt, und der Erfolg stellt sich von selber ein. Gut, aber wie befreit man sich vom Erfolgsdruck nach einem Grammy-Sieg? Ich lese keine Artikel über mich selbst. Etliche Medien bezeichnen Sie als Genie mit musikalischen Superkräften. Würde Lesen nicht das Ego stärken? Sich seine Bestätigung im Internet zu holen ist gefährlich. Weil es keinen Unterschied macht, ob dich online jemand als Königin oder Genie bezeichnet oder sagt: „Du bist der größte Idiot, und deine Songs sind scheiße.“ Die meisten würden sich darüber freuen, als Genie bezeichnet zu werden. Aber am Ende ist es doch das Gleiche: leere Übertreibungen ohne Substanz. Solche Zuschreibungen prallen an mir ab. Normalerweise. Umso mehr war ich geschockt dar darüber, wie verletzlich ich mich fühlte, als meine aktuelle Single „New York“ erschien.
Weshalb? Weil der Text sehr persönlich ist. Als ich den Song schrieb, kapselte ich mich von der Außenwelt ab. Ich packte alle meine Emotionen rein. Und dachte nicht daran, wie es sich anfühlen würde, wenn die Leute darüber tratschen. In dem Song geht’s um Ihre Trennung von Cara Delevingne, oder? Genau. Es war ein komisches Gefühl. Trotzdem halte ich es für richtig und sehr lohnend, sich selbst zu fordern und zu hinterfragen. Beim Songschreiben wie auch sonst im Leben. Wenn du keine Angst vor einem neuen Projekt hast, dann lass es lieber bleiben. Das erinnert an ein Zitat von Talking-Heads-Mastermind David Byrne: „Musikmachen ist die beste Form der Therapie.“ Mit ihm haben Sie 2012 ein Album aufgenommen. Was lernt man von einer Ikone wie ihm? Wie man mit Lob umgeht. Wenn David jemandem schmeichelt, lacht er. Auf eine sehr süße Art. Für einen Außenstehenden wirkt es so, als sei er verlegen. Aber er nimmt jedes Kompliment, jede Kritik sehr ernst und ver verwendet die Reaktionen als Inspiration für neue Projekte. ilovestvincent.com
THE RED BULLETIN
BULLEVARD
NEDDA AFSARI
MARCEL ANDERS
Multitalentiert: 2016 führte Popstar St. Vincent beim Horrorfilm „XX“ die Regie.
THE RED BULLETIN
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Eine zur Hotel-Suite umgebaute Boeing 727 im costa-ricanischen Dschungel bietet Passagieren Luxus und Robinson-Crusoe-Lebensgefühl.
UNTERKUNFT FÜR ÜBERFLIEGER
Cool statt kühl: Innenverkleidung und Möbel aus indonesischem Teakholz
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E
in Passagierflugzeug im Urwald? Klingt nach Katastrophenfilm, ist es aber nicht. Im Gegenteil: Die rote Boeing 727, die auf einem 15 Meter hohen Sockel in den Baumkronen hockt, ist die ausgefallenste Luxus-Suite Zentralamerikas – mit üppigem Ausblick auf die paradiesische Bucht des Nationalparks Manuel Antonio an der Südwestküste von Costa Rica. Nach ihrem ersten Leben als Passagierflieger (Baujahr 1965) für die South African Airways und die kolumbianische Avianca Airlines dämmerte das 40-Meter-Fluggerät
Mikrowelle statt Bordradar: Von der Küche aus blickt man in den Dschungel. THE RED BULLETIN
COSTA VERDE
Costa Verde Hotel
am Flugplatz in San José vor sich hin, bis sie vom US-Amerikaner Allan Templeton im Jahr 2000 entdeckt und wiederbelebt wurde. Der in Costa Rica lebende Hotelier und Architekt transportierte die Boeing in fünf Teilen – 40.000 Metallbolzen mussten entfernt werden – in den Dschungel, wo er sie neben seiner Hotelanlage Costa Verde zu einer Luxus-Suite umbaute. Über eine Steintreppe gelangt der Gast auf die Außenterrasse über dem Flügel der Maschine. Im Rumpf gibt’s zwei Schlafzimmer mit jeweils eigenem Bad – eines befindet sich im Cockpit – und ein Wohnzimmer mit Kochnische. Um mehr Platz zu schaffen, wurde der Boden zwischen Gepäckbereich und Druckkabine entfernt und tiefer gelegt, der Innenraum ist vollständig mit Teakholz verkleidet. Eine Übernachtung im „727 Fuselage Home“ kostet je nach Saison von 260 bis 750 Dollar. Wem das nötige Kleingeld fehlt, der kann nebenan auch für lau Flugzeugluft schnuppern. Templeton hat nämlich eine weitere ausgemusterte Maschine, eine Fairchild C-123 (Baujahr 1954), umgerüstet – zur Hotelbar. costaverde.com
FLORIAN OBKIRCHER
Vom Flugzeugfriedhof in den Urwald: die 4-Sterne-Boeing Costa Verde
BULLEVARD
D Zwischenmahlzeit
Was eine hungrige Tänzerin aus Charlie Chaplins Truppe auslöste, ist längst ein Fixstern auf der Speisekarte.
PREMIERE AM BROADWAY DAS REUBENSANDWICH
GETTY IMAGES
ROBERT SPERL
DIE ZUBEREITUNG: Schwarzbrot beidseitig mit Butter bestreichen und anrösten. Corned Beef in Pfanne erwärmen, mit Käse bedecken und Käse schmelzen lassen. Sandwich zusammenbauen: Brot, Russian Dressing, Corned Beef mit Käse, Sauerkraut, zweite Brotscheibe. In Dreieckform schneiden und noch warm servieren.
ie Kulturgeschichte des Essens? Ohne Sandwich ungenießbar. Was der leiden schaftliche englische Karten spieler John Montagu, der 4. Earl of Sandwich, um 1760 initiiert hatte, um beim Crib bage bei Kräften zu bleiben, wurde nach ihm ausgiebig interpretiert. Montagus ge salzenes Rindfleisch zwischen zwei nackten Scheiben Weiß brot machte Erstaunliches durch. Je nach Laune traten Sardellen, Mayonnaise, Senf, Gurkenscheiben, Hühner Hühner brust, Salat, Schinken und Käse auf, oder es gab Gast spiele als italienische Tramez zini oder überbackene franzö sische Croques. (Inzwischen existiert sogar eine mathema tische Formel für das perfekte Sandwich, in die Konstanten wie Specksorten, Temperatur
und Zeitspanne fürs Belegen des Brots eingehen.) So mannigfaltig wie die Zutaten sind auch die Ent stehungsanekdoten, etwa die des ReubenSandwichs mit gepökeltem Rindfleisch, Schweizer Käse, Sauerkraut und russischem Dressing, ge grillt zwischen zwei Schwarz brotscheiben. Das Reuben Sandwich könnte um 1920 vom amerikanischen Lebens mittelhändler Reuben Kula kofsky kreiert worden sein, der in Omaha, Nebraska, seine Pokerrunden nicht unnötig lang unterbrechen wollte. Hübscher die Story von Annette Seelos – Tänzerin in der Truppe von Charlie Chaplin und Freundin eines Schwergewichtsboxers –, die 1914 nach einer Vorstellung furchtbaren Hunger verspürte. Im Delikatessenladen von Arnold Reuben am Broadway atzte sie der Chef persönlich mit einer blitzartig kreierten Variante, allerdings sollen bei der Premiere noch Truthahn fleisch und Krautsalat an wesend gewesen sein. Kein Problem für das Reuben: Es verträgt sogar Fischvarianten mit Glasaugenbarsch (Ohio) und Zackenbarsch (Florida). seriouseats.com
DIE ZUTATEN: Roggenbrot, gesalzene Butter, Corned Beef, Sauerkraut (gut abgetropft), würziger Käse in Scheiben (z. B. Emmentaler, Gruyère oder Appenzeller). Fürs Russian Dressing: 150 g Mayonnaise, 1 EL Chili-Sauce, 2 EL Sauerrahm, je 2 EL gehackte Petersilie, Zwiebel und Gewürzgurken, je ein ½ TL frischer Zitronensaft, geriebener Kren und Worcestershiresauce THE RED BULLETIN
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BULLEVARD
Hello Tomorrow
In Paris treffen sich Vorreiter reiter in Sachen Innovation. Laura Deming präsentiert dabei ihr Rezept für ein längeres Leben.
DAS ENDE DES ALTERNS D
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erfolgreich: Gemeinsam mit der Wissenschaftlerin Cynthia Kenyon verlängerte sie das Leben des Fadenwurms Caenorhabditis elegans um den Faktor zehn. Als Gründerin des Longevity Fund sammelte Deming bereits jede Menge Kapital zur Unterstützung ihrer Forschungen – zuletzt, im August, waren es 22 Millionen Dollar. Und die 23-Jährige klopft optimistisch an die Tür zur Unsterblichkeit: „Das Ende des Alterns ist näher, als wir uns vorstellen wollen.“ hello-tomorrow.org
Länger leben: Laura Deming sammelte 22 Millionen Dollar für die Altersforschung.
PIERRE-HENRI CAMY
Zu den erstaunlichsten Hello-Tomorrow-Teilnehmern gehört Laura Deming. Im Alter von acht begann sich die Neuseeländerin für Biologie zu interessieren. Mit elf Jahren überzeugt sie ihre Familie, Neuseeland zu verlassen, damit sie in einem Forschungslabor in den USA arbeiten kann. Mit vierzehn wird sie am renommierten Massachusetts Institute of Technology auf aufgenommen, schon mit siebzehn ist sie Unternehmerin im Bereich Biotechnologie. Deming forscht zum Thema Alterung –
GETTY IMAGES
iese Frauen und Männer haben beschlossen, die Zukunft in die Hand zu nehmen. Ob Umwelt, Gesundheit, Ernährung oder Mobilität: Am 26. und 27. Oktober versammeln sich Unternehmer und Wissenschaftler beim Gipfeltreffen Hello Tomorrow in Paris, um auf der Bühne des Kulturzentrums Le Centquatre ihre Ideen für eine bessere Welt zu präsentieren – und andere davon zu begeistern. Die Inspirationsquote der Hello Tomorrow Challenge, die sich speziell an die Bedürfnisse von Deep-Tech-Entrepreneurs richtet, ist hoch – dank der Vielfalt der Teilnehmer. So gab es 2016 einen Vortrag von Emmanuel Macron, damals noch ein aufstrebender Politiker. Für Geistesblitze, mit denen sich die Welt zerlegen und besser wieder zusammensetzen lässt, sammelte Hello Tomorrow letztes Jahr bereits 120 Millionen Dollar Realisierungskapital.
THE RED BULLETIN
THIS
IS
SNOWBOARDIN G’S NEXT
EVOLUTION
E R H Ä LT L I C H A B 2 . N O V E M B E R | B E S U C H E B U R T O N . C O M / S T E P O N F Ü R W E I T E R E I N F O S .
Einmal im Leben: Slackliner Alex Mason überquert die Felsformation Corbet’s Couloir in Jackson Hole, Wyoming.
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THE RED BULLETIN
BULLEVARD
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Balanceakt 150 Sekunden hatten Slackliner Alex Mason und Fotograf Kenny Lazinski im Match Mensch vs. Mond. Fehler verboten: Die nächste totale Sonnenfinsternis über den USA gibt es erst 2024.
KEITH LADZINSKI/RED BULL CONTENT POOL
ROBERT SPERL
„VERGISS DIE ANGST UND HAB SPASS“ THE RED BULLETIN
er Unterschied zwi schen Slacklining und High lining? Die Höhe. Deshalb hatte Slackliner Alex Mason etwas Stress vor dem Stunt, den sein Mentor Andy Lewis zwischen den Felsnasen von Corbet’s Couloir in Jackson Hole vorbereitet hatte. Die Highline war 23 Meter lang und pendelte 50 Meter über Grund. In 3500 Meter See höhe ist der Himmel schon nah: ideal, um die Highline spektakulär während der Sonnenfinsternis zu meistern, aber knifflig. Mason: „Beim Balancieren helfen visuelle Anhaltspunkte – das ist schwierig, wenn’s ringsum dunkel ist.“ Dazu kam der Druck, dass man für die Fotos nur 150 Sekunden Zeit hatte. Wie besiegte Mason seine Angst? „Ich dachte an den Spaß, den mir das Ganze macht.“ Während Alex sich auf den Endpunkt der Leine konzentrierte, rief ihm Lewis kurze Anweisungen zu. Was passierte noch in diesem inten siven Moment? Mason: „Es war ganz still, nur die Kamera surrte. Wind kam auf, die Temperatur fiel um 20 Grad, die Sterne kamen heraus. Dann erlebte ich einen 360GradSonnenaufgang.“ Mason musste sich auf der Leine langsam bewegen, Foto graf Kenny Lazinski hingegen schnell arbeiten: „Die Alarm glocken schrillten in einem fort.“ Auch weil das Foto eine komplizierte Doppelbelichtung erforderte – sonst hätten Son ne, Mond und Alex Mason nicht auf ein Foto gepasst. www.redbull.com/solareclipse
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BULLEVARD
Elbow
Stell dir vor, der Großvater deines MP3-Players feiert Auferstehung. Und sieht dabei ziemlich frisch aus.
DAS COMEBACK DES WALKMAN M
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gespannt. Der Lesekopf greift direkt aufs Band zu, über ein Kontrollrädchen kann man die Lautstärke einstellen, dazu vor- und zurückspulen. Erfinder des Geräts sind Andrius Žemaitis und Marius Paulikas, zwei audiovisuelle Künstler aus Litauen. Sie wollen mit Elbow „das Erlebnis der Mechanik des Musik Musikhörens zurückbringen“. Vorläufig ist Elbow noch ein Crowdfunding-Projekt, bis zur Marktreife bleibt also noch genügend Zeit, im Keller nach unseren alten Kassettensammlungen zu kramen. Facebook: @ElbowCP
Den tragbaren Elbow befestigt man einfach an der Kassette, ein optischer Sensor erledigt ledigt die Arbeit am Band. Salatproduk tion ist werksseitig nicht vorgesehen.
TOM GUISE
arvels ScienceFiction-Film „Guardians of the Galaxy“ Galax war 2014 nicht nur an den KinoKino kassen ein Erfolg (Vin Diesel lieh in der englischsprachigen Fassung einem Baum seine Stimme): Der 70er-Jahre-PopSoundtrack behauptete sich auch in den Charts. Das Interessante dabei: Dieser Soundtrack wurde 11.000-mal als Audiokassette verkauft. Künstler wie Kanye West, The Weeknd und Justin Bieber reagierten auf das plötzliche Lebenszeichen des eigentlich mausetot geglaubgeglaub ten Tonträgers und brachten limited KassettenKassetten-Editions ihrer Alben heraus. Das Revival des guten alten tragbaren Kassettenspielers soll nun in Form eines Dings folgen, das aussieht wie ein skelettierter Walkman. Es trägt den Namen Elbow und wird als eine Art KlamKlam mer einfach über die Kassette
THE RED BULLETIN
Challenge the weather.
Punktgenaue Wetterprognosen, Routenwetter und Wetterradar online und als App.
morecast.com
„ DA TUT ES WEH, DA GEH ICH HIN.“ Der Luzerner Sänger SEVEN, 39, kennt die Regeln des MusikBusiness. Bricht sie. Und hat dennoch Erfolg. Oder deswegen? Schweizer Soul und die Welt: ein Gespräch über Motivation, Durchhaltevermögen, Sturheit und Geradlinigkeit. Text: STEFAN WAGNER Fotos: MIKO LIM Grooming: MELANIE WIPFLER Location: SWISS STEEL AG
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he red bulletin: Seven, Sie sagen, dass Sie kein Tagebuch schreiben, sondern Songs. Dass Sie keinen Therapeuten brauchen, sondern Musik. Sie sagen, Sie machen Ihre Musik für sich selbst … seven: Ja. … heißt im Umkehrschluss: nicht fürs Publikum? Ich mache die Musik, die ich selbst hören will. Der Satz „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“ steht in der Kreativbranche im Rang eines Naturgesetzes. Sie meinen: erst mal gucken, was erwartet wird, und das dann tun? Vorsatz hat in meiner Musik keinen Platz. Ich bin der einzige Fisch, der anbeißen muss. Sie versuchen offenbar überhaupt, mit allen Mitteln kommerziellen Erfolg zu verhindern. Wie meinen Sie das denn? Sie entschieden sich als Luzerner für die Karriere in Funk und Soul. Und immer, wenn sich eine Platte gut verkaufte, folgte danach ein musikalisches Experiment. Als Sie sich nach sieben Jahren dennoch in Ihrem Heimatmarkt Schweiz etabliert hatten, riskierten Sie alles, um in Deutschland Fuß zu fassen. Und jetzt, als Ihnen das nach fünf weiteren Jahren gelungen ist, wollen Sie in Ländern wie Japan und den USA die Marktlücke Swissmade Soul schließen. Sie scheinen ausnehmend talentiert darin, sich das Leben schwerzumachen. So denke ich doch nicht. Musik ist bei mir ein Trieb, ein Zwang. Musik macht mich hibbelig. Zappelig. Wie wenn Sie für Ihr Leben gern Fußball spielen, neben dem Platz stehen und nicht erwarten können, bis Sie endlich reindürfen, so fühle ich mich, wenn ich einen Song höre, der mich begeistert. Oder wenn Sie nichts lieber tun als kochen, Sie sehen eine Kochshow im Fernsehen und sagen: Das muss ich jetzt sofort kochen. So fühle ich mich. Und ich rede nicht von „will“. Ich rede von „muss“. Was Sie beschreiben, ist die naive Begeisterung eines Kindes, die vergeht, wenn aus einer Leidenschaft erst ein Beruf wird. Ich bin der lebende Beweis, dass das nicht so sein muss. Nein, nein, die Begeisterung bleibt. Aber Seven ist ja auch Jan Dettwyler. Und der hat Frau, Kind, Mietwohnung. Ich trenne nicht zwischen Seven und Jan. Mein ganzes Leben strukturiert sich an der Musik. Alle zwei, drei Jahre beginnt die Arbeit an einem neuen Album, und da steht am Anfang eine Frage: „Was will ich für ein Album hören von mir?“ Dann male ich mir mit allen Möglichkeiten, mit allem Geld, mit allen Ressourcen der Welt die ideale Form dieses Albums aus, einen Himmel voller Ziele und Erwartungen. 24
Auftritt Seven, bürgerlich Jan Dettwyler, beim Fotoshooting für The Red Bulletin in Luzern
Brillierte auch im TV-Format „Sing meinen Song“: Seven, Schweizer Soul-Export
SEVEN: DIE FACTS Dem renne ich dann nach. Bis alles so gut ist, wie ich nur irgendwie konnte. Und dann schmeiße ich mich mit aller Kraft in den nächsten Topf: Wie setze ich das Ganze live um? Dann bin ich mit diesem Programm anderthalb Jahre unterwegs. Und renne jeden Abend der potentiell besten Show meines Lebens hinterher. Und irgendwann ist dieses Projekt fertig. Dann werde ich unruhig, dann ist Zeit für was Neues. Und dann beginne ich wieder bei null. Wieso machen Sie nicht mal was, das sich bewährt hat? Weil ich Repetition in der Musik für sinnlos halte. „Hey, das ist ein toller Song. Schreib noch mal so einen“ – kapiere ich nicht, interessiert mich nicht. Da ist doch keine Entwicklung! Mich interessiert, wo es weh tut, wo ich mich nicht hintraue. Wo könnte ich auf die Fresse fallen? Wo bin ich vielleicht ganz nah bei meinen Göttern, bei Michael Jackson, bei Prince, kurz vor der Blasphemie? Da tut es weh, da ist das Risiko groß, das prickelt dann, und da geh ich hin. Verraten Sie mir bitte, wie man als Schweizer überhaupt auf die Idee kommt, beruflich Funk und Soul zu singen. Es gibt ja auch keine Amerikaner, die es mit Schlager oder Jodeln probieren. Dass es Funk und Soul sein muss, war seit „Off the Wall“ von Michael Jackson keine Frage. Ich war acht, neun, habe die Platte das erste Mal gehört, und da ist etwas passiert … es war im Zimmer meines Bruders, seine Platte, eigentlich hätte ich sie nicht mal anfas‑ sen dürfen. Und dann kam „Don’t Stop ’Til You Get Enough“. Ab diesem Moment wollte ich wissen: Was ist das für eine Welt, was ist das für eine Materie? Und wenn du so fragst, kommst du schnell zu den Vätern dieser Musik, zu Parliament, Herbie Hancock, zu Prince, zu Sly & the Family Stone, James Brown … Sie haben mit zehn Herbie Hancock gehört? Ich war musikalisch ein Alien in der Schule (lacht). Mit zwölf haben Sie begonnen, in der Band Ihres 18-jährigen Bruders zu singen. Angeblich schon da Eigenkompositionen, stimmt das? Ja. Die Band meines Bruders war eine Instrumental‑ band, die gab es schon zwei, drei Jahre. Ich saß im Bandraum im Keller, und mein Bruder sagte irgend‑ wann: „Sing mal, Text musst du selber gucken.“ Und dann haben Sie mit Ihrer Knabenstimme … … losgelegt. Und meine eigenen Texte gesungen, die ich aus einem selbst gekauften Wörterbuch zusam‑ menstückelte. Das war natürlich irgendwas, aber ich sammelte Erfahrung. Und noch wichtiger: Mein Zu‑ gang zur Musik war von Anfang an festgelegt, nicht als „Sing mich nach“, sondern als „Mach mich neu“. „Sing mich nicht nach, sondern mach mich neu“ gilt auch für Ihre eigene Musik. Nach jedem ChartErfolg schlugen Sie einen künstlerischen Haken. Das sind in Ihrer Branche No-Gos. Man kann doch nicht mühsam einen Fan aufbauen und ihn dann vor den Kopf stoßen! Der Fachbegriff lautet: Debranding (lacht). Sie lachen. Aber eine der Grundregeln im Showbusiness lautet, wiedererkennbar zu sein. Das funktioniert für mich eben nicht. Wenn ich etwas will, dann will ich das wirklich. Ob das jetzt sinnvoll ist, ein Anschluss ist an das Letzte, was ich gemacht habe, ist mir in dem Moment scheißegal. THE RED BULLETIN
Es ist wirklich erstaunlich, dass Sie Erfolg haben. (Lacht.) Finde ich auch … Viele Menschen, egal in welchem Beruf, wünschen sich, ihren eigenen Weg zu gehen, es so zu machen, wie sie es für richtig halten. Nicht so, wie es der Chef sagt, nicht so, wie es ein Kunde verlangt. Warum haben Sie damit Erfolg? Weil das, was ich mache, trotzdem genügend Menschen gefällt. Das ist als Ratschlag aber nicht sehr befriedigend. Ich kann nicht mit einem Rezept dienen. Wenn ich keine Menschen hätte, die meine Musik kaufen – und das Risiko gab es in den letzten 15 Jahren sicher vier‑, fünfmal, dass niemand was damit anfangen kann –, dann wäre das halt so. Ich bin mir der Konsequenzen bewusst, aber ich möchte dafür keinen Preis zahlen, sie zu vermeiden. Weil der Preis wäre ja, dass ich es anders mache, als ich es möchte. Bei allem Respekt: Das klingt idealistisch an der Grenze zur Naivität. Und ist das schlecht? Warten Sie, ich habe doch ein Rezept: Mach in deinem Leben, was du wirklich machen möchtest! Wenn es scheitert, kannst du immer noch etwas anderes machen. Es ist gar nicht so schwierig. Ich darf seit über zehn Jahren von der Musik leben, und das ist ein riesiges Glück. Aber um dieses Glück zwanghaft aufrechtzuerhalten, kann ich ja die Musik nicht konfektionieren! Wenn es nicht mehr klappt, gehe ich eben in einen Laden und verkaufe wieder Schuhe oder whatever whatever. Aber den Stress, den ich haben würde, wenn ich mir überlegte: „Was für Musik will das Publikum?“ – nein. Musik ist viel zu wichtig, als dass es ein Job sein könnte. Musik zu machen für andere, nicht die Musik, die mich interessiert, das wäre Betrug. Wie wenn du deine Frau betrügst. Das läuft nicht. „Dass ich mich nicht verbiegen ließ, darauf bin ich am meisten stolz“, haben Sie einmal gesagt.
1978 Am 18. Oktober geboren als Sohn einer Pianistin und eines Tenors. 1990 Erste Auftritte in der Band des sechs Jahre älteren Bruders (der heute umgekehrt in Sevens Band spielt und singt). 2004 Erste Platte: „Sevensoul“ erreicht Platz 35 in den Schweizer Charts. 2007 Mit seinem vierten Album „Home“ holt Seven zum ersten Mal Gold. 2017 Auf „BackFunkLoveSoul“ von 2015, sein erstes Nummer-eins-Album in der Schweiz, lässt Seven „4Colors“ folgen.
„Musik zu machen für andere, nicht für mich, das wäre Betrug. Wie wenn du deine Frau betrügst. Das läuft nicht.“ 27
SEVEN ON TOUR In welchen Momenten war die Versuchung, sich verbiegen zu lassen, am größten? Wann waren die Zweifel an Ihrem Weg am größten? Diese Versuchungen sind nach einem Erfolg am größten, nicht nach einem Rückschlag. Nach einem Peak wissen ganz viele Leute, was jetzt das Richtige wäre. Das ist der Moment, in dem du dich abschotten musst von den Jasagern, von den Fähnchen im Wind. Die Zügel in der Hand haben, sobald es um Musik geht, um Kreation, auch innerhalb deines Teams alle Entscheidungen treffen. Geht auch nicht anders. Diese Kompromisslosigkeit ist ja eine Art Schutz. Kompromisslosigkeit ist Schutz … inwiefern? Natürlich. Wenn ich es immer so mache, wie ich will, kann ich niemals sagen: „Fuck, hätte ich doch …“ Und das wäre das Schlimmste. Sie spielten jahrelang Konzerte vor 40 Leuten. Wovon lebten Sie in dieser Zeit? Ich habe nebenbei kleine Konzerte organisiert, das Booking von Bands gemacht, DJs an Clubs vermittelt, all das. Die Musik hat lange Zeit maximal ein, zwei Prozent meiner Rechnungen bezahlt. Dennoch fühlte mich immer als Musiker. Und ich war mir auch für nichts zu schade. Ich habe auf tausenden Hochzeiten gespielt, um auch da ein bisschen Geld zu verdienen. Hochzeiten, das ist aber die Höchststrafe. Solange die Qualität stimmt, darf man sich für nichts zu schade sein. Du darfst sogar „Oh Happy Day“ singen auf einer Hochzeit, das ist zwar kurz vor Schande, aber dann mach es wenigstens gut (lacht). Sie gehörten zu den ersten Schweizer Bookern mit Hip-Hop-Kontakten nach Deutschland, Samy Deluxe, Kool Savas, Doppelkopf – das hätte eine fette Management-Karriere sein können. Aber Sie haben lieber auf Hochzeiten „Oh Happy Day“ gesungen und vor 40 Leuten eigene Lieder gespielt? Genau. Das war doch frustrierend.
Anstehende Termine in der Schweiz: 26. Oktober 2017 Volkshaus Zürich
3. November 2017 Bierhübeli, Bern
4. November 2017 Nordportal Baden
8. und 9. März 2018 Mühle Hunziken
16. März 2018
Volkshaus Basel
24. März 2018
Kaufleuten, Zürich
Kompletter Tourkalender: sevenmusic.ch
„Einer, der sein Ding durchzieht, und das klappt trotzdem, das ist schon auch ein Symbol: Bleib auf deinem Weg!“ 28
Nö, überhaupt nicht. Wieso auch? Da sind 40 Leute wegen meiner Musik gekommen, und für die hab ich versucht, das beste Konzert meines Lebens zu spielen. Zwei Jahre lang spielte ich in jedem Schweizer Club, der eine Steckdose hat, immer so um Mitternacht eine halbe Stunde, um 100, 200 Franken, und am nächsten Tag war genug Geld für die Miete da. Die erste Platte, bei der mehr reingekommen ist, als die Produktion gekostet hatte, war 2007 oder 2008. Wenn man Interviews von Ihnen liest, sprechen Sie oft wie ein Sportler, über Disziplin, Konsequenz, über Eigenschaften, die man nicht in erster Linie mit Kunst assoziieren würde. Musik hat ja auch viel mit Disziplin zu tun. Wenn man sich so entscheidet wie ich, also dass man Musik macht, die sich selbst ihr Publikum sucht, dann dauert das eben. Dann brauchst du Disziplin und Durchhaltevermögen. Du musst diese Konzerte spielen vor 40 Leuten, damit es dann auch mal 70 sind, damit es irgendwann mal 160 sind. Gelten Sie wegen Ihrer Einstellung unter Musiker Musikerkollegen als Naivling, oder bewundert man Sie? Als Naivling, denke ich. Aber ganz viele sagen zu mir: „Hey, du hast das so richtig verdient“ – einer, der sein Ding durchzieht, und das klappt trotzdem, das ist schon auch für manche ein Symbol: Bleib auf deinem Weg! Du musst nicht das Ruder rumreißen, nur weil es jetzt vielleicht anders einfacher wäre. Jetzt wollen Sie in den USA und Japan Fuß fassen. Das heißt, es wird alles investiert, was Sie bisher verdient haben, so wie vor fünf Jahren, als Sie beschlossen, es in Deutschland zu versuchen? Klar. Sie kennen nur All-in, nicht? Ja, natürlich. Was spricht denn dagegen? Wäre ich Ihre Frau, ich wüsste eine Antwort. Meine Frau kennt mich nicht anders (lacht). Sie riskieren alles, nur um als weißer Schweizer zu sagen: „Wir weißen Schweizer sind bessere Soulsänger als schwarze Amerikaner.“? Ich als Ihre Frau würde Ihnen schön was erzählen. Ich will es mit den Amerikanern gar nicht aufnehmen. Ich möchte nur wissen, ob ich mithalten kann. Noch ärger! Ich würde mich sofort scheiden lassen. Meine Frau steht dahinter. Und wenn jemand noch einen härteren Kopf hat als ich, dann ist es sie. Man hat Sie mal gefragt, was Ihr wichtigster Ratschlag an Ihren Sohn wäre. Sie haben gesagt: „Nie zu schnell aufgeben.“ Das überrascht mich nicht. Aber woran merke ich, dass ich doch aufgeben soll? Wissen Sie überhaupt, wie Aufgeben geht? Ja. Solange die Freude groß ist, etwas auszuprobieren, probiere weiter. Auch wenn du gerade nicht weiter weiterkommst: Wenn Freude dabei ist, echte Freude, Hingabe, dann gib der Sache Zeit. Wenn du aber denkst: „Ich mache das mal so nebenbei“, dann kannst du’s genauso locker auch wieder lassen. Sie haben keine Angst vorm Scheitern, oder? Doch, immer, jedes Mal. Riesige Angst. Aber nur was meine Musik betrifft, nicht die Reaktion der Leute. Und wenn es doch mal schiefgeht? Spiele ich eben wieder vor 40 Leuten … und versuche es so zu tun, dass es das beste Konzert meines Lebens wird (lacht). THE RED BULLETIN
Im Bild: eines der 300 Paar Sneakers aus Sevens Privatsammlung (und ein Lexus LC 500, nicht aus der Privatsammlung)
THE RED BULLETIN
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„ Dieser Job verzeiht keine Fehler “
Riskante Reise: Das Team des deutschen Höhlentauchers Robert Marc Lehmann am Eingang von „Dan’s Blue Hole“, Bahamas.
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Unterwasser-Fund: Lehmanns Tauchpartner Brian Kakuk (USA) birgt den Unterkiefer eines Krokodils aus einer Höhle auf den Bahamas.
Der deutsche Höhlentaucher und UnterwasserFotograf Robert Marc Lehmann erkundet die gefährlichsten Tauchreviere der Welt, um für den Schutz der Meere zu werben. Ein Gespräch über entspannte Haie, Panik unter Wasser und die letzten unentdeckten Orte des Planeten. Text: Andreas Rottenschlager Fotos: Robert Marc Lehmann
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Einsatz auf den Karolinen, Mikro nesien: Lehmanns Team taucht in der Chuuk Lagoon in ein Schiffs wrack aus dem Zweiten Weltkrieg.
Ein
Gespräch mit ihm ersetzt die Lektüre eines Abenteuerromans: Der Forschungstaucher und Fotograf Robert Marc Lehmann, 34, macht Aufnahmen in den gefährlichsten Höhlensystemen der Welt, erforscht historische Schiffswracks im Atlantik und macht undercover Jagd auf Hai-Schlächter. Wie man in einem Beruf glücklich wird, der keine Fehler erlaubt.
the red bulletin: Herr Lehmann, als Forschungstaucher sind Sie Spezialist für extrem gefährliche Tauchgänge … robert marc lehmann: … ich würde meine Arbeit nicht gefährlich nennen. Im Ernst? Auf Ihren Expeditionen tauchen Sie kilometerweit in Unterwasser-Höhlensysteme. Sie müssen sich mit schwerem Gerät durch Engstellen zwängen, um Sie herum ist es stockfinster. Die meisten Menschen würden das gefährlich nennen. THE RED BULLETIN
Robin Hood der Meere: Robert Marc Lehmann, 34, geboren in Jena (Thüringen), sucht auf der ganzen Welt nach Abenteuern unter Wasser.
Wenn du gewissenhaft planst, ist ein Höhlentauchgang nicht gefährlicher als andere Tauchgänge. Du brauchst nur eine sehr gute Ausbildung. Die meisten Leute, die in Höhlen sterben, sind „normale“ Taucher ohne Spezialtraining, die nicht wissen, wie man in Notsituationen reagiert. Der Job verzeiht keine Fehler. Tritt ein Problem auf, musst du es an Ort und Stelle lösen. Welche Probleme sind das? Ein Gasausfall, eine kaputte Lampe, eine gerissene Caveline (Nylonschnur, die Taucher zur Orientierung in der Höhle legen, um zurück zum Ausgang zu finden; Anm.). In der Höhlentaucher-Ausbildung konfrontieren dich deine Trainer andauernd mit solchen Stress-Situationen. Wie kann man sich so eine Notfallübung vorstellen? Schwimmen die Trainer hinter Ihnen her und drehen die Luft ab? Zum Beispiel. Oh, okay. Das ist ein durchaus realistisches Szenario: Du tauchst in einer sehr engen Höhle direkt unter der Decke entlang, das Drehrad deiner Sauerstoffflasche verhakt sich und dreht sich zu, schon kannst du nicht mehr atmen. Die Lösung: ruhig bleiben, Hand ans Drehrad, aufschrauben. Das ist die mechanisch-technische Lösung. Aber wie schaffen Sie es, in so einer Situation ruhig zu bleiben? Sie tauchen durch eine dunkle, enge Höhle, kriegen plötzlich keine Luft mehr. Für 99 Prozent aller Menschen ist das eine absolute Horrorvorstellung. 35
Hai-Flüsterer: Lehmann taucht regelmäßig mit den Raubfischen. Hier mit einem Blauhai vor der Azoren-Inselgruppe im Atlantik
Hai-Alarm: So reagierst du richtig 1. Check den Strand
Meide trübe Gewässer in der Dämmerung, der Haupt-Jagdzeit der Haie. Auf der Website sharkattackfile.net kannst du sehen, an welchen Stränden die meisten Zwischenfälle passieren.
2. Beweg dich nicht
Auch wenn’s schwerfällt: Bleib ruhig und schau den Hai an! Menschen, die sich nicht bewegen, sind für Haie eher uninteressant. Zappeln finden sie hingegen toll.
3. Nimm eine aufrechte Position ein
Haie jagen bevorzugt Delphine und Thunfische, also Tiere, die sich horizontal durchs Meer bewegen. Stehst du vertikal im Wasser, bleibt der Hai eher auf Abstand – weil er dich nicht für ein Beutetier hält.
4. Ziel auf die Kiemen
Im Notfall: Vermeide Schläge auf Nase und Augen, die viel zu nahe an den scharfen Zähnen sitzen. Ein Schlag auf die Kiemen wirkt hingegen sofort, weil sich dahinter empfindliche Blutgefäße verbergen.
5. Nur für Profis: Dreh den Hai um
Dreht man Haie auf den Rücken, verfallen sie in tonische Immobilität, eine Art Starre. Tierschützer nutzen diese Technik, um z. B. Angelhaken aus den Mäulern von Haien zu operieren.
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Du brauchst extrem starke Nerven für den Job. Die kann man sich aber antrainieren. Außerdem gibt dir dein Team zusätzlichen Rückhalt. Ich würde nie allein in Höhlen tauchen. Meistens sind wir zu viert. Die Kollegen meines Teams „Submaris“ sind ebenfalls top ausgebildet. Viele Spitzensportler bereiten sich mit Mentaltraining auf entscheidende Situationen vor. Wäre ich Sie, würde ich das in Betracht ziehen. Mentaltraining war Teil meiner Ausbildung zum Apnoetaucher. Du lernst, deinen Atemreflex zu kontrollieren. Ich kann die Luft mittlerweile fünf Minuten anhalten. Das verschafft mir ein zusätzliches Zeitfenster, falls unter Wasser etwas schiefgeht. Gibt es in der Apnoe-Ausbildung einen Trick, der generell gegen Panik hilft? Ja. Tief durchatmen. Klingt nicht sehr einfallsreich. Weil die meisten Leute falsch atmen und nur einen Teil ihrer Lunge füllen. Um zu entspannen, musst du in den Bauch atmen und die komplette Luft in der Lunge austauschen. Das hilft gegen die Flachatmung, die bei Panikattacken einsetzt. Die gute Ausbildung und das Mentaltraining würden mich immer noch nicht beruhigen. Denn es gibt Fak Faktoren, die Sie trotzdem nicht beeinflussen können. Etwa, ob eine Höhlendecke stabil ist, wenn Sie zum ersten Mal in einem unbekanntem Revier tauchen. Als wir 2012 in Mexiko in den Cenoten getaucht sind THE RED BULLETIN
Top Gear: Lehmanns Höhlen-Ausrüstung 1
(mit Wasser geflutete Karsthöhlen, die einige der längsten Höhlensysteme der Welt bilden; Anm.), ist tatsächlich genau das passiert. Wir arbeiteten uns gerade durch die Höhle, als hinter uns Deckenplatten zu Boden stürzten und Sediment aufwirbelten, die Sicht ging sofort auf null. Was haben Sie gemacht? Die Notfallprozedur befolgt: Eine Hand geht an die Caveline, die andere an das Bein des Vordermannes, so können wir auch blind mittels Drucksignalen kommu nizieren. Meine Kollegen haben vorbildlich reagiert. Wir tasteten uns langsam an der Caveline nach draußen. Was ist, wenn einer Ihrer Tauchpartner einen schlechten Tag erwischt? Ein weiteres Risiko, das Sie nicht kontrollieren können, ist menschliches Versagen. Fehler passieren den Besten, das muss einem klar sein. Es gab ProfiTaucher, Taucher, die gestorben sind, weil sie in einer bestimmten Tiefe das falsche Gas geatmet haben. Du machst drei Atemzüge, kriegst einen Sauerstoffkrampf und bist tot. Wir benutzen je nach Tiefe bis zu vier verschiedene Gase pro Tauchgang. Deshalb baust du Double-Checks ein, fragst deinen Tauchpartner vor dem Gaswechsel. Du musst langsam und sorgfältig handeln. Auch wenn ein Tauchgang oft Stunden dauert. Stimmt es, dass das menschliche Gehirn unter Wasser langsamer arbeitet? Wenn du mit Luft tauchst, gilt die MartiniRegel: Zehn Meter Tiefe wirken auf dein Hirn wie ein Glas Martini. Zwanzig Meter wie zwei Gläser, und so weiter. In Höhlen tauchen wir deshalb mit Trimix, einem Gemisch aus Sauerstoff, Stickstoff und Helium. Es sorgt dafür, dass du einen relativ klaren Kopf behältst. Nichtsdestotrotz fällt es dir schwerer, Zahlen aufzuschreiben oder dir den Weg nach draußen zu merken. Dazu kommt die extreme körperliche Belastung. Nach einem Höhlentauchgang fühle ich mich, als wäre ich einen Marathon gelaufen. Trotz dieser Strapazen und der offensichtlichen Gefahren tauchen Sie immer wieder in gefährliche, verzweigte Höhlen. Was lieben Sie an Ihrem Beruf? Orte zu entdecken, an denen noch kein Mensch oder nur ganz wenige vor mir waren. In den Cenoten in Mexiko, die einst, vor ihrer Überflutung, bewohnt waren, haben wir tausende Jahre alte Opfer Opfer und Feuerstätten aus der MayaZeit gefunden. In eine Welt einzutauchen, die den meisten verborgen bleibt, finde ich absolut faszinierend. Sie haben bisher mehr als hundert Länder bereist. Welches Tauchrevier hat Sie am meisten fasziniert? „Dan’s Blue Hole“, eine schwierige, sehr lange Höhle auf den Bahamas. Nach mehr als einer Stunde Tauchen er er reichst du die „Glass Factory“ – einen sehr flachen, aber atemberaubenden Raum mit tausenden Stalaktiten und Stalagmiten. Du liegst auf dem Höhlenboden, starrst in grünes Licht. Nur ein Dutzend Leute sind bisher an diesem Ort gewesen, weil der Weg dorthin extrem schwierig zu tauchen ist. Solche Orte mit der Kamera einzufangen und mit anderen zu teilen, das treibt mich an. Ihr zweiter großer Antrieb ist der Umweltschutz. Sie sprechen an Schulen und Universitäten. Ihre Vorträge besuchen mehrere tausend Menschen pro Jahr. Wie THE RED BULLETIN
Canon EOS 1 DX Mark II
Kamera im Gehäuse von Seacam (wasserdicht bis 100 Meter). Mit Sigma-4.0-Objektiv (12–24 mm) und Lichtanlage von Light & Motion.
Aluminiumtanks
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Mit Trimix-21/35-Atemgas für bis zu 45 Meter Tiefe und Hochleistungsatemregler von Apeks oder Mares. 3
Sidemount-Tarierjacket
Um den Tank seitlich statt auf dem Rücken zu tragen. Man kann die Flaschen sogar abnehmen und vorneweg durch enge Löcher schieben. 4
Hollis-Tauchflossen
Für besonders enge Höhlen. Sie sind kurz und steif. So bricht man keine Stalaktiten (das sind die, die hängen) oder Stalagmiten ab. 5
Tauchhelm
Zum Schutz vor spitzen Kanten. Mit Ersatzlampen, die beim Ausfall der Hauptlampe zum Einsatz kommen. 6
Hauptlampe
Zum Ausleuchten des Weges und zur Kommunikation. Ein voller Kreis heißt „Alles okay?“, schnell hin- und herschwenken „Notfall“ und langsam hin und herschwenken: „Achtung, Aufmerksamkeit“. 7
Zusatzbeleuchtung Light & Motion
Um mittelgroße Höhlen auszuleuchten. Sehr dunkle Höhlen schlucken nämlich bis zu 100.000 Lumen. 8
Backpouch-Tasche
Inhalt: 1 Rolle mit 100-Meter-Caveline zum Auslegen der Route; 2 Spulen mit je 30 Meter Caveline für kurze Erkundungen abseits der Hauptroute. Außerdem immer dabei: Messer, Kompass, UnterwasserSchreibpapier plus Stift für Notizen.
3 1 8
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How you can make your planet better 1 - 5 Es non net opti ducienimi, cus eum quundi ad molore into eosanisque doloruntorem voloriost harissimenet. 2 - omnienis nat maximai onsecti officto remperro offictam facit reperem sequam faccus sunt uta non repe sum rehendi occatem consequ iassere pellupta voloratem quunt, quo vellabo rposte. 3 postemolupta aut ad que nimuscium velit la volesseces endist andebis nobis mi, autest, omnim num queNemperorest undaect emquate mperspedi autemquia sitiossunda sam, custo maior sit qui quodipsus sed mvelit
FROM WHERE
Die „Glass Factory“ in Dan’s Blue Hole, Angespannte Stille: Im Korridor von Las Ventas warten die Recortadores Bahamas, ist für Lehmann der schönsauf ihren Auftritt.Doloreriostis esequiscita pernatiae eum ipiendae te Ort der Welt: „Nur wenigeveni können nos quatiorum ut omnihil igendandit diesen Ort überhaupt erreichen.“
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Fünf einfache Tipps: So hilfst du der Umwelt 1. Beim Einkaufen
Unterstütze Unverpackt-Läden, die Produkte ohne Verpackung anbieten: Kaffee in Keramikbechern, Haferflocken in wiederbefüllbaren Gläsern. Eine Liste der Geschäfte gibt es auf: wastelandrebel.com
2. Auf dem Esstisch
Rindfleisch ist der größte Klimakiller. Wer unbedingt Fleisch essen will, sollte regional kaufen. Im Supermarkt helfen Apps wie Codecheck bei der Auswahl.
3. Im Urlaub
Keine Delphinshows besuchen. Nicht auf Elefanten reiten. Beim Whale Watching auf faire Anbieter achten. (Die nur mit einem Boot an die Säuger heranfahren, statt mit ganzen Flotten).
4. Beim Angeln
In einem Kubikmeter Meerwasser schwimmen rund eine Million Plastikpartikel. Diese lagern sich im Fisch ab. Wir essen also unseren eigenen Müll. Auch wegen der Überfischung versuche ich, keinen Fisch zu essen.
würden Sie Ihre Botschaft als Umweltschützer in einem Satz zusammenfassen? „Die Welt ist ein schöner Ort, um den es sich zu kämpfen lohnt.“ Deshalb dokumentiere ich ihre schönen Seiten, aber auch ihre hässlichen. Auf Ihrer Homepage finden sich Fotos von toten Walen und abgeschlachteten Haien. Die Hai-Fotos stammen von einem Einsatz in Südamerika. In Peru werden pro Jahr rund 15.000 Delphine getötet und als Hai-Köder benutzt. Den so gefangenen Haien schneidet man die Flossen ab, um sie nach Asien zu ver verkaufen. Wir haben eine Undercover-Reportage über das Finning (das Abschneiden der Haiflossen; Anm.) gedreht. Was meinen Sie mit „undercover“? Beweismaterial sammeln. Ich stand nachts um drei auf einem Hinterhof in Lima, wo Haie gefinnt wurden, was natürlich illegal ist. Mit der versteckten Kamera, ver verkleidet als Tourist. Die Reportage wird Anfang 2018 auf der Website von OceanCare, oceancare.org, ausgestrahlt. Haie beschäftigen Sie immer wieder. Normalerweise tauchen Sie mit ihnen. Wie kommen Sie so nahe an einen Hai heran, ohne attackiert zu werden?
5. Im Alltag
Plastik-Strohhalme weglassen, wiederbefüllbare Trinkflaschen verwenden. Initiativen starten. Ein sehr gutes Beispiel: die plastikfreie Schule.
Taucher-Selfie: Lehmann beim Rendezvous mit einer Kegelrobbe vor der Küste von Helgoland
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5 Wracktauchen im Norden Europas: Lehmann und sein Team inspizieren ein Schiff auf dem Grund eines norwegischen Fjords.
Hot Spots: Lehmanns Top-Tauchreviere 1
Indem du vorab sein Verhalten prüfst. Ich habe jahrelang mit Haien gearbeitet, da lernst du einiges. Bevor ich zu einem Hai ins Wasser gehe, schaue ich, ob er entspannt ist. Wie sieht ein entspannter Hai aus? Kaum Weiß in den Augen, langsam schwimmend, seine Flossen sind entspannt. Wie fühlt sich das an: einem Hai in die Augen zu schauen? Faszinierend. Haie wissen in dem Moment genau, dass ein Tier mit ihnen im Wasser ist, das da nicht hingehört. Trotzdem lassen sie dich gewähren. Nach all den Hai-Revieren, Höhlen und Blue Holes, die Sie schon erkundet haben: Gibt es einen Ort, an dem Sie unbedingt noch tauchen wollen? Klar. Wir glauben immer, dass es keine weißen Flecken mehr auf der Landkarte gibt. Aber 95 Prozent der Ozeane sind noch unerforscht. Wir wissen heute mehr über die Oberfläche des Mondes als über die Tiefsee. Es gibt also noch viel zu entdecken. Vorträge und Ausstellungen: robertmarclehmann.com THE RED BULLETIN
Cenoten, Mexiko
In den Bundesstaaten Quintana Roo und Yucatán findest du mehr als 1000 dieser uralten Karsthöhlen. 2
Dan’s Blue Hole, Bahamas
Atemberaubende Farben. Eine der spektakulärsten Höhlen der Welt. 3
Azoren, Portugal
Haie, Mantarochen, Delphine, Wale und Meereshöhlen: Auf dieser Inselgruppe gibt es einfach alles. 4
Norwegen und Spitzbergen
Pro: dunkle Fjorde, Tiefseelebewesen, Algenwälder. Contra: bis zu minus 1,8 Grad kaltes Wasser. 5
Poor Knights Islands, Neuseeland
Hier triffst du Delphine, Orkas und riesige Fischschwärme. Die Strömung ist allerdings ziemlich stark.
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DAVID CLERIHEW
„DU BEISST DIE ZÄHNE ZUSAMMEN UND ZIEHST DAS DURCH!“
DAVE GROHL
IST DER L E I D E N S C H A F T L I C H S T E R O C K S TA R D E R W E LT. E I N M A N N , D E R E I N E T O U R N E E N I C H T A B S A G T, S E L B S T WENN ER SICH AUF DER BÜHNE E I N B E I N B R I C H T. H I E R E R K L Ä R T DER FOO-FIGHTERS-FRONTMANN, W I E M A N D I E PAS S I O N F Ü R S E I N E N J O B A M L O D E R N H Ä LT.
T E X T: M A R C E L A N D E R S 43
MIT SIEBZEHN BRACH DAVE GROHL DIE SCHULE AB,
the red bulletin: Dave, im Sommer 2015 brachen Sie sich während eines Konzerts in Göteborg das Bein … dave grohl: … ich war so euphorisiert, dass ich am Bühnenrand das Gleichgewicht verlor und in den Fotograben fiel. Eigentlich ein Wunder, dass ich den Sturz überlebt habe. Ich hätte mir auch den Hals brechen können! Trotzdem setzten Sie das Konzert nach kurzer Unterbrechung fort: mit einer Art Gipsverband, im Sitzen! Warum haben Sie es nicht einfach abgebrochen? Weil ich das nicht kann. Wie bitte? Das liegt an meiner Punkrock-Vergangenheit. Früher kam es ständig vor, dass sich Kollegen auf der Bühne die Nase brachen, einen elektrischen Schlag abbekamen oder beim Stagediving auf die Schnauze fielen. Niemand wäre auf die Idee gekommen, deswegen einen Gig abzubrechen – es wurde weitergerockt! Diese Philosophie habe ich verinnerlicht: Du beißt die Zähne zusammen und ziehst das durch! Gut, aber eine ganze Europatournee mit gebrochenem Bein bestreiten? Nach dem Unfall war klar, dass ich weder vor dem Mikro stehen noch zwei Stunden mit Gitarre im Rollstuhl sitzen kann. Deshalb entwickelte ich gemeinsam mit einem Techniker einen Thron, der zugleich Gitarrenständer und Nebelmaschine war. Mit dem Ding konnte ich die restlichen fünfzig Konzerte der Tour bestreiten. 44
Die Idee zum Gitarren-Thron kam Grohl nach dem Unfall im Krankenhaus: „Ich war voll high von den Schmerzmitteln.“ THE RED BULLETIN
GETTY IMAGES
um mit seiner Punk-Band Scream durch Europa zu touren. Seit damals steht der US-Musiker ohne Unterbrechung auf Konzertbühnen: erst als Schlagzeuger der Grunge-Ikonen Nirvana, ab 1994 dann als Frontmann seiner eigenen Band Foo Fighters. Insgesamt hat Grohl in den letzten dreißig Jahren über fünfzig Millionen Platten verkauft und tausende Shows gespielt. Warum er trotz der Routine jedes Konzert mit hundert Prozent Leidenschaft angeht, sich keine Auszeit gönnt und warum er sich keinen Sohn wünscht, der wie er selbst ist, erklärt der 48-Jährige im Interview.
Axl Rose lieh sich nach einem ähnlichen Unfall den Thron von Ihnen für einige Guns-N’-Roses-Shows aus. Haben Sie sich das Ding mittlerweile patentieren lassen? Ich wurde wirklich gefragt, ob ich das machen will. Aber das wäre ja absurd. Dass jemand, der sich das Bein bricht, meine Erlaubnis braucht, um seine Tour so fortsetzen zu können. Mit dieser Einstellung wird nie ein guter Geschäftsmann aus Ihnen. HipHopper wie Jay Z oder P. Diddy würden das zu barer Münze machen! Wie alles, was sie anfassen. Weil das ihre Hauptmotivation ist: „Was lässt sich da mit verdienen? Was bringt es mir image mäßig?“ Und das ist ja auch okay. Weil sie aus einer Welt kommen, in der es ums Überleben geht. Das gelingt nur dem, der Geld verdient – je mehr, desto besser. Was ist falsch an einem gesunden Geschäftssinn? Nichts. Aber das war nie mein Ansatz. Ich komme zwar aus keiner reichen Familie, aber ich hatte nie Existenzängste. Insofern stand für mich immer der Spaß im Vordergrund. Und Dinge, die mich als Mensch und als Musiker weiterbringen. Ich brauche nicht noch mehr Geld, noch mehr Autos und noch mehr Goldkettchen. Die machen mich nicht glücklich. Und ich bin lieber happy als stinkreich. Okay, reich bin ich vielleicht, aber ich stinke nicht (lacht). Sie wollten sich nach der Tour eine längere Pause gönnen. Wie kommt es, dass Sie jetzt, viel früher als geplant, ein neues Album veröffentlichen? Zunächst genoss ich die freie Zeit sehr, bis meine Töchter meinten: „Dad, warum hängst du die ganze Zeit zu Hause rum?“ Denen gefiel die Vorstellung nicht, dass ich immer etwas mit ihnen unternehmen will. Also fing ich an, neue Songs zu schreiben. Als ich nach sechs Monaten genug Material hatte, wollte ich nicht länger warten und trommelte die Band zusammen. Die meisten von den Jungs waren noch im Urlaub – und ziemlich überrascht. Sie können also auch nach dreißig Jahren im Musikgeschäft nicht einfach eine Zeitlang abschalten? Ich glaube, dass ich deshalb so weit ge kommen bin, weil ich musikverrückt bin – THE RED BULLETIN
im positiven Sinn. Weil ich auch nach all der Zeit nie genug kriege von der Musik. Würde ich nur zu Hause rumsitzen oder irgendwelchen ausgefallenen Hobbys nachgehen, wären die Foo Fighters nicht bei Album Nummer 9 und würden nicht in so großen Hallen spielen. Man bekommt im Leben nur das zurück, was man investiert. Aber wo ziehen Sie dann die Grenze zwischen positiver Musikverrücktheit und gefährlicher Arbeitssucht? Vor meiner Karriere habe ich in allen möglichen Scheißjobs gearbeitet. Es war die Musik, die mir Perspektiven gegeben und mir ein besseres Leben ermöglicht hat. Sie ist die Liebe meines Lebens. Wenn ich mich ein paar Tage nicht mit Musik befasse, habe ich sofort ein schlechtes Gewissen. In den ersten Monaten meiner Auszeit spielte ich mit der Idee, bei einem Film Regie zu führen. Aber es fühlte sich von Anfang an seltsam an. Weil ich für kein Filmprojekt eine ähnliche Be
spiele Musik mit meinen Freunden, und das gibt mir die Energie, meine Kids zur Schule zu fahren, im Supermarkt einzu kaufen und die Hundescheiße in meinem Garten einzusammeln (lacht). Weil Sie Ihre Kinder erwähnen: Ihre achtjährige Tochter Harper stand vor kurzem mit Ihnen auf der Bühne – als Schlagzeugerin. Tritt sie in Ihre Fußstapfen? Eine tolle Vorstellung, oder? (Lacht.) Zumal sie zu diesem Zeitpunkt erst zwei Wochen gespielt hatte. Sie meinte zu mir: „Dad, kannst du mir Schlagzeugstunden geben?“ Ich legte eine AC/DCPlatte auf und zeigte ihr einen simplen Rock RockRhyth mus. Damit hatte sie zu kämpfen – bis ich
„ICH BIN LIEBER HAPPY ALS STINKREICH. OKAY, REICH BIN ICH, ABER ICH STINKE NICHT.“ geisterung entwickeln konnte wie für die Foo Fighters. Es fühlte sich vielmehr an wie Arbeit, und das war bei der Musik niemals der Fall. Da muss ich nie nach Inspiration suchen, sie ist einfach da. Wie hält man die Leidenschaft für seinen Job am Lodern? Haben Sie Tipps? Der Schlüssel liegt darin, etwas zu tun, das einen erfüllt und wofür man res pektiert wird. Kriegt man das in seinem Beruf nicht hin, muss man sich ein an deres Ventil suchen. Das kann Theater sein, Tanz, Sport, ein nerdiges Hobby, was auch immer. Nach dem Motto: Tut, was euch Spaß macht, und genießt euer Leben. Ich mache ja nichts anderes. Ich
ihr „We Will Rock You“ von Queen bei brachte. Das hat sie hingekriegt. Und als sie mich dann beim FooFightersKonzert in Island besuchte, fragte ich sie, ob wir das auf der Bühne bringen sollen – sie hat sofort zugesagt. Es war umwerfend! Dürfen wir also demnächst mit der Familienband The Grohls rechnen? Ich hoffe, dass meine drei Töchter eines Tages zusammen spielen werden. Aber momentan ist es eher so, dass sie sich ständig streiten. Wünschen Sie sich noch einen männlichen Stammhalter? Ich bin mir nicht sicher. Die Frage ist: Wird er wie ich? Das könnte ein ziem licher Albtraum werden. Ein rebellisches, unkontrollierbares Kind? Nein, danke. Neues Album: „Concrete and Gold“; www.foofighters.com 45
„WENN ICH ANS DENKE ICH NUR ANS BETT“ RACE-ACROSS-AMERICA-SIEGER CHRISTOPH STRASSER HAT IN ACHT TAGEN ACHT STUNDEN GESCHLAFEN. WIE MAN DAS SCHAFFT, WAS SCHLAFENTZUG MIT DIR ANSTELLT UND OB MAN LERNEN KANN, AUF BEFEHL EINZUSCHLAFEN. TEXT: WERNER JESSNER FOTOS: MANUEL HAUSDORFER
Das große Nichts: Manche Tage ver fliegen, manche Kilo meter dauern ewig.
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ZIEL DENKE,
„ES IST EGAL, OB DU EINE ODER DREI STUNDEN SCHLÄFST. ES IST OHNEHIN ZU WENIG.“ Oceanside, Kalifornien
Annapolis, Maryland
Extreme Rückenschmerzen zwingen zum ersten Stopp. Nach dem Umbau der Sitzposition am Rad waren sie weg.
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DER STEIRER
Christoph Strasser, 34, hat das Race Across America bereits viermal gewonnen, zuletzt 2017. Außerdem ist er Rekordhalter auf der Strecke: Für die etwa 4800 Kilometer lange Distanz benötigte er bei seinem Sieg im Jahr 2014 sieben Tage, 15 Stunden und 56 Minuten. Bei seinem letzten Sieg war er acht Tage, neun Stunden und 34 Mi nuten unterwegs. Seine Rennen gewinnt Strasser dabei nicht unbedingt am Rad, sondern im Bett: Er ist der, der von allen Teilnehmern mit dem wenigsten Schlaf auskommt. Ein Gespräch über eine Grauzone zwischen den Welten, die wir alle kennen und doch nie so intensiv aus loten werden wie er.
Elf Betreuer wechseln sich ab – darunter auch Spezialisten für heikle Aufgaben.
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Kleinigkeiten wie Zähneputzen passieren en passant, genau wie das Essen: eine Flasche Flüssignahrung pro Stunde.
the red bulletin: Wie sieht dein normaler Schlafrhythmus aus? christoph strasser: Ich gehe kaum vor Mitternacht ins Bett und stehe gegen acht Uhr auf. Total normal eigentlich. Und du kannst sofort einschlafen? Nicht immer. Ein Buch hilft. Oder Fern sehen. Im Kino schlafe ich jedes zweite Mal ein. Ich schlafe leicht und gern. Hängt das mit deinem Maß an körper lichem Training zusammen? Ein normales Maß an Aktivität hilft auf jeden Fall, um abends müde zu sein. Wenn ich eine Woche lang nicht trainiere, merke ich, dass ich schwerer einschlafe. Kannst du überall schlafen? Daheim ist es schon am besten. Und im Race Across America ist dann alles anders, oder? Die Vorbereitung geht schon lange Zeit vorher los. Drei Monate vor dem Start entziehe ich meinem Körper Koffein, um die volle Wirkung zu haben, wenn ich sie brauche. In dieser Zeit esse ich nicht mal Tiramisu. Da bin ich total streng. Ich reise drei Wochen vor Rennstart nach Amerika und versuche, möglichst ausgeschlafen ins Rennen zu gehen. An Schlafentzug gewöhnst du dich ohnehin nicht, darum ist es auch sinnlos, das zu trainieren. Kann man vorschlafen? Kaum. Man ist ja auch nervös. Wie schaffst du es trotzdem, die „Schlaf „Schlaf depots“ aufzufüllen? Indem ich loslasse. Ich sage mir vor, dass mein Team alles unter Kontrolle hat und ich beruhigt ein Nachmittagsschläfchen halten kann. Abends gibt es das gute Hausmittel Baldriantropfen. Ab wann schläfst du beim RAAM über über haupt? In der zweiten Nacht beginne ich mit Power Naps von maximal zwanzig Power Minuten. Dabei kommst du in keinen Tiefschlaf, sondern döst an der Ober fläche dahin. Wenn du aufwachst, weißt du: Race Across America, Arizona, Rad fahren. Nach einer Schlafpause von einer Stunde hingegen stehst du völlig neben den Schuhen, weil sich dein Gehirn in der REM REMPhase Phase ausklinkt. THE RED BULLETIN
4800 Kilometer 600
Kilometer/Tag
Zwei Bikes: eine TriathlonMaschine fĂźrs Flache, ein Rennrad fĂźr die Berge.
52.000 Höhenmeter Anstieg
„AB DER DRITTEN NACHT SCHLAFE ICH FAST IM STEHEN EIN, WENN ICH BLOSS AN EINER BAUSTELLENAMPEL ANHALTEN MUSS.“
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Warum schläfst du nicht länger? Weil es unterm Strich egal ist, ob du eine oder drei Stunden schläfst. Es ist sowieso zu wenig. Wie schaffst du es, auf Befehl für zwanzig Minuten einzuschlafen? Ich brauche ja schon mindestens zwanzig Minuten, um überhaupt einzudösen … Mit dieser Einstellung wird das auch nichts werden. Wir organisieren das so, dass ich weiß, die Pause sollte zwischen fünf und sechs Uhr morgens stattfinden. Dann zögern wir den Zeitpunkt mit allen Mitteln raus: mit Schmähführen, lauter Musik, Quizspielen während der Fahrt. Wenn ich dann so müde bin, dass gar nichts mehr geht, konsumiere ich diese Pause. Ab der dritten Nacht funktioniert das so gut, dass ich fast im Stehen ein schlafe, wenn ich bloß an einer Bau stellenampel anhalten muss. Der Körper nimmt sich jede Minute Schlaf, die er kriegen kann. Wie viele waren das? In Summe habe ich in meinen acht Tagen von der West an die Ostküste acht Stun den geschlafen und war sechzehn Stun den nicht am Rad. Das sind Pinkelpausen, Jacke anziehen, Rad wechseln, Doping kontrolle, Zähne putzen. Acht Stunden
Nur acht Stunden lang war Christoph Strasser während des Rennens weder am Rad noch im Bett.
verlorene Zeit klingen nach viel, aber viel weniger geht eigentlich nicht. Wie funktionieren die „langen“ Schlaf Schlafpausen von einer Stunde? Da büselst du weg, kaum dass du das Bett berührst. Ich bin so ausgeknipst, dass ich, während ich schlafe, vom Physiothera peuten massiert und vom Arzt untersucht werde, ohne aufzuwachen. Wenn du nach dem vierten Tag nicht mehr einschlafen kannst, weißt du, dass du krank wirst. Hatte ich auch schon zweimal. Der Kopf gibt dem Körper das Zeichen, dass er los lassen kann. Wenn er das nicht gibt, hast du ein Problem. Ab wann bemerkt man selbst ein Schlafdefizit? Früher, als man glaubt. Sobald der Körper kapiert, dass er aus seinem gewohnten Alltagsrhythmus gerissen wird, wehrt er sich. In der ersten Nacht kämpfst du schlimm mit dem Sekundenschlaf. Nach drei, vier Tagen wird das besser. Du ge rätst in einen SchlafentzugsFlow. Man kann das vielleicht mit Fasten vergleichen: Du gewöhnst dich an den Mangel. THE RED BULLETIN
Wie funktionierst du im Mangel? Träger. Ich muss mich mehr konzentrieren. Du weißt, dass du fehleranfälliger wirst. Dünnhäutiger. Vergesslich. Teilweise wirst du wie ein kleines Kind. Härte gegenüber dir selbst bringst du nach drei Tagen ohne Schlaf nicht mehr auf. Da brauchst du ein Team, das dich antreibt, sonst hast du keine Chance durchzuhalten. Dass ich ein Team brauche, um zu funktionieren, habe ich im Schlafentzug gelernt. Kriegst du teaminterne Probleme mit? Immerhin schlafen deine Betreuer auch sehr wenig. Ich darf das nicht mitkriegen. Das würde mich zu sehr belasten. Im Bewerb bin ich harmoniesüchtig. Kann man deine Erfahrung mit einem Jetlag vergleichen? Auf Flughäfen kann man oft vermutlich intelligente Menschen beobachten, die sich nicht wie solche benehmen. Mit einem sehr extremen Jetlag vielleicht. Am schlimmsten war es diesmal in der letzten Nacht. Die Jungs haben mich aus dem Power-Nap nicht mehr wachgekriegt. Nach 35 Minuten war ich endlich abfahr abfahrbereit, aber ich hatte keine Ahnung, was ich tun muss. Mir ist das Wort für das Gerät vor mir nicht eingefallen: „Fahr „Fahrrad“. Ganz zu schweigen davon, dass ich gewusst hätte, wie man es bedient. Und das Schlimme war: Ich habe mitgekriegt, dass ich neben der Spur bin. Alle wollten etwas von mir, aber ich wusste nicht, was. Ich hatte Angst. So ähnlich werden sich Alzheimer-Patienten fühlen, stell ich mir vor. Und dann? Man musste mir vormachen, was ich tun soll. Ein Betreuer ist neben mir hergelaufen. Als ich wieder wusste, wie Radfahren geht, wollte ich ihn nicht alleinlassen. Dann sind die Automatismen langsam wiedergekommen. Stück für Stück konnte ich Menschen, deren Stimme ich erkannt habe, wieder Namen zuordnen. Erkennst du ein Muster hinter den psychischen Hochs und Tiefs?
Je weniger du schläfst, desto unvermuteter kommen die Einbrüche. In der einen Minute singst du am Rad, in der nächsten drehst du durch. Du verlierst auch jegliches Zeitgefühl. Manche Tage verfliegen, manche Kilometer dauern ewig. Denkst du unterwegs an den Schlaf? Permanent. Wenn ich ans Ziel denke, denke ich nur ans Bett. Ich sage mir vor, dass ich so schnell fahren muss, wie ich kann, um endlich wieder schlafen zu dürfen, so viel ich will. christophstrasser.at
„IN DER LETZTEN NACHT IST MIR DAS WORT FÜR DAS GERÄT VOR MIR NICHT MEHR EINGEFALLEN: ‚FAHRRAD‘.“
8½
Stunden Schlaf in 8 Tagen
1½
Tage Vorsprung
Der Moment, in dem alles leicht wird. (Das bedeutet aber nicht, dass du an diesem Abend leicht einschlafen wirst.) THE RED BULLETIN
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JE GRÖSSER DER GEGNER, DESTO BESSER FÜR MICH.
Lino Martschini ist der kleinste Spieler der National League – aber einer der torgefährlichsten. Wie etabliert man sich trotz ungünstiger Voraussetzungen als High Performer? TEXT Werner Jessner FOTOS Janosch Abel
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L
ino Martschini: 1,68 Meter, 65 Kilo. Philipp Wetzel, größter Spieler der Liga: 1,98 Meter, 104 Kilo. Trotzdem war der gebürtige Luzerner Lino letzte Saison nicht nur viertbester Torschütze der Schweizer National League, er verpasste auch kein einziges Spiel und gehörte mit nur sechs Strafminuten zu den fairsten Spielern überhaupt. So weit die Fakten. Das wahre Können, das, was auf der internationalen Datenbank eliteprospects.com mit „tremendous agility“, „good hands“ und „very good puck control“ beschrieben ist, offenoffen bart sich bei unserem Fotoshooting: Der Ansatz der einzelnen Bewegungen
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ist unsichtbar, Lino Martschinis nächster Move selbst für das geübte Auge kaum zu erahnen. Die Nummer 46 des EV Zug ist am Eis ein Derwisch, der Gegner schwindlig tanzt. Auf eliteprospects.com steht aber auch: „unable to stand his ground“, auf Deutsch etwa: Man kann ihn her herumschubsen. Und dennoch hat Lino Martschini, 24, seinen Traum von der besten Liga der Welt nicht aufgegeben. Er ist es gewohnt, dass Experten das Ende seiner Lernkurve prophezeien. Doch für Experten war das Ende der Fahnenstange schon immer nah. Eigentlich hätte Lino Martschini nie so weit kommen dürfen, wie er heute ist. Wie hat er das geschafft? Wir entschlüsseln das mentale Set-up eines unwahrscheinlichen Siegertyps. the red bulletin: Nervt es, dass deine Körpergröße ständig thematisiert wird? lino martschini: Nein, nicht mehr. Dieses Thema begleitet mich seit meiner Jugend. Als Kind: Ja, da hat es genervt. Ich wurde gehänselt. Doch meine Größe gehört zu mir, insofern stört es mich heute nicht mehr, im Gegenteil: Einen Rekord habe ich in der Regel schon zu Saisonbeginn sicher, nämlich jenen des kleinsten Spielers. Höchstleistung setzt sich aus vielen Komponenten zusammen. Dein Vater war selbst Hockeyprofi und hat gemeint, du hättest 100-mal so viel Talent mitbekommen wie er. Erklärt es Talent allein? Glaube nicht. Klar kommst du ohne Talent nicht weit. Ich hatte von Kindesbeinen an eine Begeisterung für Bälle, Stöcke und Pucks. Jede freie Sekunde habe ich damit gespielt. Vielleicht kann man sich Talent auch erarbeiten
2016/17 erzielte Martschini für den EV Zug 23 Tore und steuerte 26 Assists bei.
– unbewusst, als Kind. Meine Energie und Begeisterung waren stets größer als mein Körper. Liebe zum Metier als Mittel zur Überkompensation? Wenn du etwas wirklich gern machst, dann zweifelst du nicht. Also: It’s not the size of the dog in the fight, it’s the size of the fight in the dog? Genau. Wie oft hast du den Satz gehört, „Mit deinen Voraussetzungen wirst du es nie zum Profi schaffen“? Zigmal, in jeder Alters- und Könnensstufe: „Vielleicht kannst du dich auf diesem Niveau noch durchsetzen, aber danach ist Endstation.“ Alle anderen sind von Jahr zu Jahr größer geworden, nur ich war immer der Kleinste. Wie bist du damit umgegangen? Beim einen Ohr rein, beim anderen raus. Ein Stück weit hat mich das auch geprägt. Mit jedem Jahr nimmst du das, was die Umgebung sagt, weniger ernst, wirst gelassener und vertraust mehr auf dich selbst. Du behältst dein Ziel vor Augen, egal was rundum passiert. Nie zornig geworden? Ich hatte ja immer Erfolg, weil ich jeden Schritt geschafft habe. Insofern hat es keinen Sinn ergeben, was die Leute geredet haben. Du hast dein Selbstvertrauen also dadurch am Leben erhalten … … indem ich erfolgreich war. Als ich am Sprung zum Profi war, gab es auch bei mir kurz Selbstzweifel: Was, wenn die anderen doch recht haben? Was, wenn es ab hier eine Nummer zu groß wird für mich? Dann habe ich in meinem allerersten Spiel in der National League gleich ein Tor erzielt. Das hat vieles erleichtert. Aber klar: Du musst deinen Teil dazu beitragen, erfolgreich zu sein. Jeder ErfolgsErfolgs kreislauf beginnt bei dir selbst. Heute bist du eine, Pardon, große Nummer im Schweizer Hockey. Geht es noch höher, oder ist das nun tatsächlich das Ende der Sprossenleiter? Ich setze mir immer drei Arten von Zielen: kurzfristige, mittelfristige,
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Size doesn’t matter: 168 cm Körpergröße kompensiert Lino mit Wendigkeit, Tempo und „dem ständigen Versuch, die eigenen Ziele überzuerfüllen“.
„Ich war wegen meines Körpers gezwungen, den Gegnern einen Schritt voraus zu sein, in die Zukunft zu blicken, vorbereitet zu sein … das kann man lernen.“
„Wenn ich nach dem Training noch Energie habe, schieße ich freiwillig noch 100-mal aufs Tor. Quantität ist ein Schlüsselfaktor. Denn egal, wie gut du bist, wie viel Talent oder Routine du hast: Du kannst immer besser werden, noch schneller und noch härter abziehen – auch wenn du schon 100.000 Pucks aufs Tor geschossen hast.“
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langfristige. Das nächste Spiel. Die Meisterschaft. In die NHL zu kommen. Wer die kurzfristigen Ziele konsequent erreicht, kommt auch den mittel- und langfristigen näher. Gerade Eishockey ist ein brutal darwinistischer Sport, was Ver Verletzungen anbelangt. Einmal zur falschen Zeit am falschen Ort … Mein Körper ist verdammt gut in Schuss, auch wenn man das von außen vielleicht nicht sieht. Klar können andere in absoluten Zahlen mehr Gewicht stemmen oder sind beim Bankdrücken stärker. Aber gemessen an meiner Masse, muss ich mich vor niemandem verstecken. Im Rahmen meiner Möglichkeiten ver versuche ich, meine Ziele überzuerfüllen. Das ist ein guter Schlüssel für alle, die Erfolg haben wollen. Trotzdem sind es absolute Zahlen, die aufeinanderprallen, wenn ein 110-Kilo-Verteidiger in dich reinfährt. Klar, gewisse Checks kannst du nicht vermeiden. Da musst du wissen, wie du sie nimmst, wie du sie wegsteckst. Um böse Checks zu vermeiden, muss ich versuchen, schneller zu sein, auszuweichen, zu antizipieren. Tauscht man die Vokabel aus, kann man das 1:1 auf kleine Firmen umlegen, auf Start-ups zum Beispiel: vorbereitet sein, antizipieren, den freien Raum suchen. Es ist nie verkehrt, einen Schritt vor voraus zu sein. Und das kannst du lernen. Ich war wegen meines Körpers gezwungen, einen Blick für die Zukunft
In der 2018er-Edition des Eishockey-Spiels darf neben anderen auch Lino Martschini – in der Zuger Bossard Arena – antreten. „NHL 18“ ist ab sofort in den Stores erhältlich – für Xbox One und PS4.
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„TEMPO IST EINE DEFENSIVWAFFE.“ zu entwickeln, alternative Strategien auszudenken: Was wird gleich passieren, und wo muss ich dann sein? Das gilt für die Software-Schmiede, die sich mit Microsoft anlegt, wohl auch. Klingt paradox, ist es aber nicht: Je mehr Speed und Masse der Gegner hat, desto eher kannst du ihm ausweichen. Wichtigste Regel überhaupt: Halte den Kopf oben und behalte die Übersicht. Nur wenn du das immer und zu jeder Zeit berücksichtigst, wirst du in einem riskanten Umfeld eine erfolgreiche Karriere haben. Und wenn es der Große darauf anlegt, den Kleinen auszuschalten? Damit musst du leben. Je größer der Gegner, desto besser für mich. Schnelligkeit ist auch eine gute Defensivwaffe. Wenn du schnell bist, bist du unberechenbar. Und Unberechenbarkeit ist im Wettbewerb ein Vorteil. Aber deine Konkurrenten kennen dich doch mittlerweile. Und ich kenne sie. Es ist ein Schachspiel. Erfolg hat mit Erfahrung zu tun, mit Wissen, aber auch mit Ahnung. Früher musste ich oft auf Reaktionen der Gegner spekulieren. Heute kann ich sie antizipieren. Haben Kleine vor dem Gesetz einen Bonus? Ich hoffe nicht. Ich will von den Schiedsrichtern genauso fair geschützt werden wie alle anderen auch.
Du bist nicht nur einer der tor torgefährlichsten Spieler, du bist auch einer der fairsten. In den letzten vier Saisonen hast du zweimal nur eine, zweimal drei Strafen gezogen. Woher kommst das? Wer zu unfairen Mitteln greifen muss, hat schon zuvor einen Fehler gemacht. Strafen sind vermeidbar, also vermeide ich sie. Die dümmsten Strafen … … sind die, bei denen man sich provozieren lässt. Keine Emotionen? Wenn du Emotionen zeigst, bist du nicht mehr fokussiert und ein einfaches Opfer. Ich muss cool sein, stark im Kopf. Dann kann ich gut sein. Was regt dich auf? Unpünktlichkeit, vor allem bei mir selbst. Vermutlich eine déformation professionnelle, bedingt durch unseren Sport, der auf die Sekunde genau funktioniert. Du hast in einem Interview gesagt: „Es kommt auch auf die Quantität an.“ Heißt das, man kann alles erlernen, wenn man es nur lange genug übt? Im Gegenteil. Wenn ich nach dem Training noch Energie habe, schieße ich freiwillig noch 100 Pucks, und jeder einzelne ist wichtig. Wenn nicht, gehe ich in die Kabine. Es ist sinnlos, etwas nur halbherzig zu machen, bloß um es getan zu haben. Du willst die richtigen Dinge automatisieren, nicht die halbrichtigen. Mach Dinge mit voller Energie und Konzentration – oder gar nicht. Entschuldigst du dich nach einem Fehler? Nein. Das steht beim EVZ schon im Code of Conduct beim Nachwuchs: Niemand macht Fehler absichtlich. Daher ist es sinnlos, sich zu entschuldigen. Sinnvoll ist, nachzudenken, was man falsch gemacht hat und wie es beim nächsten Mal besser geht. easports.com/de/nhl
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Sitzt bei M-Sport am Steuer: der ehemalige britische Rallye-Champion Malcolm Wilson im Fahrersitz
Das kleine britische Rallye-Team M-Sport schafft Verblüffendes: Es mischt die Konkurrenz mit einem Bruchteil von deren Budget auf. Es hat den größten Star des Starterfelds verpflichtet, Sébastien Ogier. Und dem Franzosen offensichtlich das beste Auto gebaut: M-Sport steht davor, die Rallye-WM zu gewinnen. Dass M-Sport seine Firmenzentrale in einem ehemaligen Irrenhaus im englischen Lake District hat, passt als Einziges nicht ins Konzept von Firmenchef Malcolm Wilson. Text: Gemma Briggs 60
Bilder: Sam Barker
DAVID
GEGEN GOLIATH
Aus gebraucht wird neu: Blick in die Werkstatt im M-Sport-Hauptquartier in Dovenby Hall
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m Jahr 2007 stand der Geschäftsführer von M‑Sport, Malcolm Wilson, mit feuchten Augen vor seinen Mitarbeitern. Der langjährige Partner Ford, dem M‑Sport soeben den zweiten Herstel‑ ler‑‑Titel ler‑ Titel der Rallye‑WM en suite eingebracht hatte, wollte sich aus dem Sport zurückziehen, Entlassun‑ gen schienen unvermeidbar. Ein Jahrzehnt später kann man sich nur schwer vorstellen, dass solch ein öffentlicher Gefühlsaus‑ bruch stattgefunden hat, steht man dem stoischen 61‑Jährigen gegenüber. Das liegt nicht etwa daran, dass Malcolm Wilson seine Belegschaft inzwischen gleichgültig ist – ganz im Gegenteil, es gibt jede Menge Mitarbeiter, die ihm hochgradigen Idealismus bestätigen. Nein, das Team steht kurz vor seinem ersten Fahrertitel in der Geschichte der World Rally Championship (WRC) und parallel dazu vor einem erneuten Herstellertitel: Tränen passen da nicht in
den Terminkalender dieses unabhängigen Teams, das trotz der Konkurrenz kapitalkräftiger Hersteller kurz vor einer sportlichen Sensation steht. Nicht Wilson erinnert an die Geschichte der emotionalen Ford‑Ankündigung. Es ist einer der Techniker in der modernen Hochglanzwerkstatt, dem Schmuckstück von M‑Sport, der erzählt, wie die Trennung damals aufgenommen wurde. Eine Trennung, die hart, aber kein Schlussstrich war. Als Rallye‑Team ‑‑Team blieb M‑Sport dem weltweit präsenten Hersteller Ford durch eine technische Partnerschaft weiterhin eng verbunden. (Ohne die zahlreichen Ford‑Logos auf den Einsatzautos ist M‑Sport tatsächlich nur schwer vorstellbar.) Doch wie konnte das vor 38 Jahren in Wilsons Heimat Cockermouth am westlichen Rand des Lake District gegründete Unternehmen trotz der schlechten Vorzeichen erneut eine derartig groß‑
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m eichengetäfelten Sitzungssaal in Dovenby Hall – einem vom Team vor zwanzig Jahren erworbenen Anwesen aus dem 12. Jahrhundert, das lange als psychiatrische Klinik genutzt wurde – sitzt Malcolm Wilson und erklärt seine Firma. M-Sport ist eines der kleineren Teams der WRC. Das Programm wird trotz der Konzentration auf Ford völlig unabhängig abgewickelt. Aktuell werden jährlich 80 bis 100 Autos produziert, von 250 Mitarbeitern am Hauptsitz in Großbritannien und 38 in Polen, der Jahresumsatz beträgt 50 Millionen Pfund. Welchen Platz nimmt M-Sport im Ver Vergleich zu anderen britischen Teams im Motorsport ein? „Ehrlich: Diese Frage kann ich nicht beantworten“, sagt Wilson, nicht ausweichend, eher zurückhaltend: „Darüber mache ich mir überhaupt keine Gedanken.“ Aber es muss einen doch stolz machen, etwa mit Williams Grand Prix, einer der erfolgreichsten Motorsportfirmen, in einem Atemzug genannt zu werden? „Ja, aber das Problem ist, dass man mit alledem so eng verbunden ist. Das ist eine Lebensweise. Es ist mein Leben, ich kenne nichts anderes“, sagt Wilson unverblümt. „Verstehen Sie mich nicht falsch: Als ich
Auszeichnungen wie den OBE bekommen habe, hat mich das innehalten lassen und nachdenklich gemacht. Aber dann konzentriere ich mich wieder auf den Job.“ Der Job: Das ist nicht nur die WRCKampagne für Sébastien Ogier, Ott Tänak und Elfyn Evans, das sind auch sechs WRC-Einsätze von Kundenteams, die Bereitstellung einer Menge Fiesta-R5-Modelle für die WRC2 und Fiesta-R2T-Wagen für das komplette Feld der Rallye-JuniorenWM. Darüber hinaus werden zwei Bentley Continental präpariert, die M-Sport einen zweiten Platz in der exklusiven BlancpainGT-Serie verschafft haben, und da ist auch noch ein (siegreiches) Kundenprojekt mit dem Ford Focus RS RX in der RallycrossWM. Offensichtlich hat sich die Partner Partnerschaft mit Ford bezahlt gemacht. In nur vier Jahren hat M-Sport 250 Fiesta R5 gebaut und verkauft. „Das sieht von außen groß aus, aber vieles ist nur Business“, sagt Wilson bescheiden. „Die aktuelle WRC-Mannschaft ist im Vergleich zu den Herstellerteams klein. Wir haben mehr Gewicht, als unsere Größe es annehmen lässt.“ Das WRC-Programm hat einen großen Anteil am Umsatz und bindet viele Ressourcen: Es genießt dennoch keineswegs Wilsons ganze Aufmerksamkeit. So verließ er die Rallye Finnland frühzeitig, um seine Bentleys in Belgien beim 24-Stunden-Rennen von Spa zu beobachten. Und er schwärmt davon, wie ihn Langstreckenrennen an seine Rallye-Zeit erinnern. „Das WRC-Programm ist im Grunde unser Marketinginstrument“, kommen-
Der Ogier-Effekt Nach dem Ausstieg VWs aus der WRC 2016 folgte der vierfache Weltmeister Sébastien Ogier ausgerechnet dem Ruf eines kleinen Teams. THE RED BULLETIN: Warum M-Sport? SÉBASTIEN OGIER: Ich hatte stets eine
Menge Hochachtung vor Malcolm. Als ich den Wagen testen konnte, erkannte ich sofort sein Potential. Ich wusste, ich hatte mich für ein kleines Team entschieden – und fand das spannend. Haben Sie darin ein Risiko gesehen? Nicht wirklich. Ich hatte so viel erreicht und nicht das Gefühl, noch etwas draufsetzen zu müssen. Egal was in meiner Rallye-Laufbahn noch passiert, ich bin total zufrieden, so oder so. Ihr erster Eindruck vom Standort des Teams in der Dovenby Hall? Der Firmensitz liegt ein wenig im Niemandsland, aber die Einrichtung ist fantastisch – für ein privates Team wirklich beeindruckend. Ich bin ganz begeistert davon, mit welcher Leidenschaft das Team arbeitet. Wie kommen Sie mit Malcolm aus? Wirklich gut. Er ist unkompliziert: Gibt es ein Problem, dann reden wir darüber und versuchen, eine Lösung zu finden. Man merkt, dass er wirklich alles ihm Mögliche tut, um zu gewinnen. Sie starteten die Saison 2017 gleich mit einem Sieg … … eine ziemliche Überraschung, weil ich ja eigentlich noch ein Niemand war im Team. Ein solcher Einstand war super, er hat alle noch mehr angespornt. Was unterscheidet M-Sport als unabhängiges von Herstellerteams? Die Struktur ist gleich, aber Herstellerteams haben ganz sicher mehr Ressourcen zur Verfügung. Für sein kleines Budget macht M-Sport das wirklich großartig. Es freut mich, dass unser Sport so etwas hergibt.
Das kleine, aber passionierte Team von M-Sport macht sich die Hände schmutzig.
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Ein Titel mit einem unabhängigen Team: Was würde er bedeuten? In dieser Umgebung erfolgreich zu sein ist definitiv ein großer Erfolg. Das kann meinem Ruf nur guttun. Es ist eine echte Herausforderung, aber ich muss niemandem mehr was beweisen.
GETTY IMAGES, JAANUS REE/RED BULL CONTENT POOL
artige Zusammenarbeit mit Ford auf die Beine stellen und sich für 2017 sogar die Dienste des viermaligen Rallye-Weltmeisters Sébastien Ogier sichern?
„Der Fiesta RS WRC ist das beste Auto, das wir je konzipiert und entwickelt haben.“
Sébastien Ogier am Steuer des neuen Fiesta RS WRC in seiner ersten Saison mit M-Sport
M-Sport hat es als kleines Team mit den ganz Großen auf genommen und sie geschlagen. Die Partnerschaft mit Ford war in diesem Zusammenhang entscheidend.
Elfyn Evans: Der Waliser ist eines der aufstrebenden Talente in der WRC.
Spaß am Erfolg Elfyn Evans, 28, ging bereits 2014 und 2015 für M-Sport an den Start und fährt diese Saison erneut für das kleine Unternehmen. Was er schätzt? Die familiäre Atmosphäre. THE RED BULLETIN: Erzählen Sie uns,
wie Sie in das Team kamen … ELFYN EVANS: 2012 habe ich die JWRC
gewonnen. Mein Preis: sechs Rallyes im Fiesta R5 und ein Job bei M-Sport. 2013 bis 2015 lebte ich vor Ort und war an der Entwicklung des neuen Wagens beteiligt, dann wurde ich Werksfahrer. Wie war es, an einem so entlegenen Ort zu leben und zu arbeiten? Ich bin im Norden von Wales aufgewachsen. Diese Region ist sehr ähnlich – ich bin es gewohnt, dass sämtliche Geschäfte eine Autostunde entfernt liegen. Die Stimmung ist großartig, und ich habe viele Freunde im Team gefunden. Das Team selbst besteht aus vielen unterschiedlichen Leuten, einige aus der Gegend, aber auch international. Es geht sehr familiär zu – es ist toll, ein Teil davon zu sein.
JAANUS REE/RED BULL CONTENT POOL, OLAF PIGNATARO
Wie würden Sie Ihre Beziehung zu Malcolm beschreiben? Offenbar gut, denn wir arbeiten nach all diesen Jahren immer noch zusammen. Er ist als Aktiver gegen meinen Vater angetreten, und was er erreicht hat, ist unglaublich! Er ist nach wie vor ziemlich ambitioniert, und – ganz ehrlich – das ist nicht immer einfach. Ist er hart, aber fair? Es gibt natürlich Zeiten, in denen nicht immer eitel Sonnenschein herrscht. Ich denke aber, dass das jedem, der im Sport oder im Job erfolgreich sein will, bekannt ist. Ist Malcolm nicht zufrieden, lässt er es einen wissen, aber ich erwarte auch nicht, verhätschelt zu werden. Man weiß immer, woran man ist. Es ist zumindest alles transparent, was einem den Umgang erleichtert. Wäre die Stimmung eine andere, wäre M-Sport ein Werksteam? Die Atmosphäre wäre unverändert – egal ob das Team ein Werksteam wäre oder nicht. Das war schon so, als ich damals dazukam. Das Erfolgserlebnis ist groß, wenn wir was geleistet haben.
tiert er. „Sosehr es finanziell für uns auch ein Vorteil wäre, nicht Teil der WRC zu sein, steuert unser WRC-Engagement doch unser Schaffen als Ganzes. Es ver verleiht uns Glaubwürdigkeit in all den anderen Disziplinen des Motorsports.“ Der Ansatz funktioniert: In etwa einem Jahr sollen eine moderne Teststrecke und ein Zentrum zur Leistungsauswertung fertig sein, was Motorenherstellern die Umsetzung von Projekten ermöglicht, die noch topsecret sind. Spricht Wilson über die künftige Möglichkeit, selbstfahrende Fahrzeuge über diesen Testparcours zu schicken, findet er das offensichtlich genauso spannend wie früher die Rennen. Die Schule hat Wilson einst mit fünf fünfzehn verlassen, ohne Abschluss, aber seine beiden Titel als britischer Rallyemeister in den späten siebziger Jahren und seine Er Erfahrung als Werksfahrer in der WRC ver verschafften ihm ein solides Grundwissen, als er begann, sein eigenes Team aufzustellen. Der Bezug zu Ford war stets dominierend: „Roger Clark (britische Rallye-Legende; Anm.) war mein Idol und immer im Team von Ford.“ 2006 gewann M-Sport zum ersten Mal einen WRC-Herstellertitel mit dem Ford Focus RS. Es war Fords erster WRC-Sieg seit 1979, ein Erfolg, der im Jahr darauf in der gleichen Konstellation wiederholt werden konnte. Nach den mühsamen Jahren nach Ford, in denen Sponsoren kamen und gingen, gelang Wilson Ende 2016 ein Coup: Er verpflichtete den amtierenden Weltmeister Sébastien Ogier. Nach dem überraschenden Rückzug von VW stand der vierfache Titelträger für 2017 ohne Auto da, und das M-Sport-Paket war so überzeugend, dass Ogier zugriff. Eine Sensation ohne Beispiel, nur vergleichbar mit einer Ankündigung des privaten F1Teams Force India, man würde Sebastian Vettel in eines ihrer Autos setzen.
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gier startete die Saison prompt mit einem Sieg bei der Rallye Monte Carlo, inzwischen ist auch der WRCGesamtsieg realistisch. Auch, weil der von M-Sport entwickelte Fiesta RS WRC ein großer Schritt nach vorn war. „Ich fahre jedes neue Rallye-Auto im Anfangsstadium gern selbst, um sicherzustellen, dass sich keine groben Fehler eingeschlichen haben“, erklärt Wilson, der für einige Jahre Chef-Testfahrer bei Ford war. „Ich habe mit dem Fiesta einen ganzen Tag im Greystoke Forest bei mir in Cumbria verbracht – es lag zu dem Zeitpunkt einige Jahre zurück, dass ich einen
unserer Wagen gefahren hatte. Ich habe sofort gespürt, was unserem Team da gelungen war. Es ist das beste Auto, das wir je konzipiert und entwickelt haben.“ Diese Begeisterung lässt der gewiefte Taktiker Wilson sein Team nicht speziell wortreich spüren: „Wenn einer der echten Fahrer ins Auto steigt, etwa unser regulärer Fahrer Ott Tänak, und spontan ver verkündet: ‚Das ist mein Wagen!‘, überträgt sich diese Leidenschaft ohnehin auf alle Techniker und Ingenieure. Sie steckt das gesamte Unternehmen an. Ich drehe dann meine Runde durch die einzelnen Abteilungen und verkünde. ‚Dieses Auto wird richtig gut sein, Jungs‘, aber ich trommle nicht alle zusammen. Nur dann und wann vielleicht, wenn wir erfolgreich waren.“ Die Chronik verschweigt in diesem Zusammenhang Einzelheiten, aber die Belegschaft erinnert sich lebhaft an Details wie Prosecco, Eiswagen und eine Tombola aus Erinnerungsstücken. Mitarbeiterführung ist ein wesentlicher Teil des Erfolgsgeheimnisses von Malcolm Wilson: Er weiß, dass Empathie der wichtigste Klebstoff ist, um sein Team zusammenzuhalten. Dass man Novizen, die erst kurz in der Firma sind, ebenso auf Augenhöhe behandeln muss wie langjährige, etablierte Mitarbeiter. Dass Teamgeist stets aus Fairness entsteht. Und dass über allem der sportliche Ehrgeiz zu schweben hat: Für jeden einzelnen Mitarbeiter muss der Sieg genauso wichtig sein wie für ihn selbst. Pete Maze, ein junger Techniker im WRC-Programm und seit zwei Jahren im Team, lebt das vor – er ist von der Kombination M-Sport-Ford begeistert. „Sind wir Außenseiter?“, fragt er rhetorisch. „Ver „Vermutlich. Wir sind kein ausgewachsenes Herstellerteam, aber wir haben in der WRC diese Saison bessere Ergebnisse er erzielt als die anderen – vier Siege in den ersten zehn Saisonrennen.“ Auch Garry Barker, Ingenieur für Ott Tänak, sieht M-Sport auf der Erfolgsspur: „Wir führen in der Hersteller- und in der Fahrerwertung – das treibt unser Team gewaltig an.“ Stephen Waddelove, Cheftechniker der Abteilung R5, ist seit zwölf Jahren bei M-Sport. Er war es, der die Geschichte von jenem Tag im Jahr 2007 erzählt hat, als Ford seinen Ausstieg verkündet hatte. „Damals trommelte Malcolm alle zusammen und hatte Tränen in den Augen. Er war tief besorgt darüber, dass er womöglich Leute würde entlassen müssen.“ Wenn M-Sport das Jahr 2017 erfolgreich beendet, wäre das eine Gelegenheit, diese Geschichte endgültig zu vergessen. m-sport.co.uk 67
Wo du sonntagmorgens tanzen kannst, wie du die Schlange vorm Club ver meidest, wer den Sound von Berlin am besten einfängt: Musiker Fritz Kalkbrenner erklärt die Party-Szene seiner Heimatstadt. Text: Daniel Schieferdecker Fotos: Christoph Voy
BERLIN CALLING
Insider: Seit 1997 ist Fritz Kalkbrenner in den Berliner Techno-Clubs unterwegs: früher als Tänzer, heute als DJ und Musiker
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2.
Der beste Platz für den ersten Drink des Abends: Zuallererst möchte ich fest halten: Saufen ist ungesund, trinkt lieber Tee! Bei mir sind die Zeiten jedenfalls vorbei, in denen ich dachte: „Na endlich – ick bin hacke!“ Heute kriege ich nach zwei Bier schon ’nen Kater. Wenn ich mal was trin ke, setze ich auf meine Haus bar. Dort gibt’s Lagavulin 16, ein Single Malt für festliche Anlässe, und Obstler von Stählemühle am Bodensee.
Kalkbrenner im Prince Charles, wo er 2014 seine Platte „Ways over Water“ erstmals live präsentierte
KAUM JEMAND kennt die
Berliner Clubszene so gut wie Fritz Kalkbrenner. 1981 im Stadtteil Lichten berg geboren, arbeitete er in den frühen 2000er Jahren als Musik journalist für MTV. 2008 produzierte er mit seinem Bruder Paul den Sound track zum ClubbingFilm „Berlin Calling“, der Titelsong des Streifens, „Sky and Sand“, hielt sich 129 Wochen in den deutschen SingleCharts und wurde mit Platin ausgezeichnet. In den Räumlichkeiten des Clubs Prince Charles in Kreuzberg verrät er uns seine InsiderTipps für Partynächte (und vormittage) in Berlin.
1.
Diese Clubs in Berlin haben mich geprägt: das Discount, das vierte WMF und die Pfefferbank, alles um die Jahr Jahr tausendwende herum. Das Discount war in einer alten Kaufhalle, daher der Name, etwas anrüchig und dolle klein – 400 Leute musste man dort schon übereinander stapeln. Das WMF hatte ein sehr dezidiertes Booking mit internationalen DJGrößen wie Hell. Das Ambiente war geil: Die Innenpaneele der Bar stammten aus dem Palast der Republik, vorm Klo waren die Bildschirme des Sicherheits systems eingebaut, sodass wir stets wussten: „Ach, kiek mal – der und der kommt jetzt ooch.“ In der Pfefferbank habe ich mit siebzehn als Runner gearbeitet, nachdem ich von der Schule geflogen war – für 90 Mark die Nacht. Heute ist da der Bassy Cowboy Club drin, ein RockabillyLaden. Früher wäre ich da wohl nicht hingegangen, aber heute bin ich nicht mehr so dogmatisch. Zwo Bier schmecken da be stimmt ooch jut.
Die Anlage im Club Gretchen zählt zu den besten Berlins.
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3.
Diese Berliner DJs sollte man kennen, weil sie die Essenz der Stadt verkörpern: Basic Channel, also Moritz von Oswald & Mark Ernestus. Im TechnoBereich sind die unangefochten an der Spitze. Die beiden haben Ende der Neunziger DubTechno Techno er funden, was perfekt zur Stadt gepasst und unzählige Leute beeinflusst hat. Auf der einen Seite hat das durch die Dub Elemente die Wärme widerge spiegelt, die man als Teil der Szene empfunden hat, auf der anderen Seite war der Techno Sound auch hart und kalt, was einer musikalischen Überset zung des Stadtbilds entsprach. Wenn ich heute irgendeinen Track höre, baue ich den im Kopf direkt auseinander und weiß, wie der produziert wurde. Bei Basic Channel habe ich nach wie vor keinen blassen Schimmer, wie die das gemacht haben – das ist pure Magie. Mark hat unter dem Namen Ndagga gerade ein Projekt mit afrikanischen Musikern am Laufen – das geht ins Kniegelenk wie Sau! Und Moritz spielt am 29. Sep tember bei der ParallaxParty im Kraftwerk, bei der Electro auf Klassik trifft – das solltet ihr nicht verpassen! THE RED BULLETIN
Wichtigstes Party-Gebot in Berlin: „Clubs wie das Gretchen sind zu Stoßzeiten zu meiden.“
„Mein Tipp: Nach dem Frühstück ins Sisyphos feiern gehen.“
schon um sechs nach Hause gehen, sondern erst am über über nächsten Tag.
9. „Grand Départ“, Kalkbrenners aktuelles Album, erschien im Oktober 2016. Früher Hundekuchenfabrik, heute TechnoTempel mit Garten: das Sisyphos
4.
Diese Party zu einer ungewöhnlichen Uhrzeit kann ich empfehlen: Der Klassiker ist das Berghain, das von Freitag nacht bis Samstagnachmittag und von Samstagmitternacht bis Montagvormittag geöffnet hat. Ich finde den Sonntag tagsüber perfekt. Das Publi kum ist dann ein ganz anderes als nachts – als ob da Schicht wechsel wäre. Ein paar saft lose Überhänger krebsen da sonntags aber auch noch rum, die sind dann die Attraktion. Es kommt halt darauf an, wie du unterwegs bist: Entweder du startest freitags um Mitter Mitter nacht und stehst dann vier Stunden in der Schlange. Oder du gehst samstags zeitig zu Bett, um am Sonntag nach dem Frühstück im Berghain – oder im Sisyphos – zu feiern.
5.
Ein Club, dessen Besuch sich wirklich lohnt: Das Heide glühen am Nordhafen im Wedding – das ist eine alte Werkstatt, in deren Hinterhof gefeiert wird. Da kommt viel THE RED BULLETIN
von diesem lockeren Vibe von früher wieder auf: kein elitä res Denken, die Türpolitik dort ist recht offen. Es gibt kaum Werbung. Wer’s weiß, weiß es – das finde ich schön. Mal schauen, wie lange das gutgeht. Aber ich bin zuver zuver sichtlich. Die Menschen und Musik dort sind super.
6.
Das beste Essen nach Mitternacht: Ich empfehle Domke, eine Fleischerei an der War War schauer Straße. Da gibt’s gute Hausmannskost für’n Fünfer. Die haben abends zwar nur bis 22 Uhr auf, öffnen sams tags aber schon um acht und sonntags um elf Uhr. Also ein fach durchhalten und dann die heilige Dreifaltigkeit be stellen: Kartoffeln, Rotkohl und irgendein totes Tier.
7.
Dos und Don’ts im Berliner Nachtleben: Man sollte sich nicht dumm am ClubEingang anstellen (Türsteher haben ein gutes Gedächtnis!) und im Watergate nicht hinten an der Bar rumhängen. Da stehen die Leute immer im Weg, obwohl nur 1,20 Meter Platz ist – wer soll denn da durchkommen?!
„In der U-Bahn triffst du die besten Leute.“ Stattdessen sollte man sich auf das Wichtigste besinnen: ganz artig steil gehen.
8.
Diese Dinge solltest du in deiner Tasche haben, wenn du in Berlin Party machst: Geld für Eintritt und mindestens vier Drinks. Oder du machst es wie mein Bruder Paul: Wenn der damals ins EWerk gegangen ist, hat er zwanzig Mark bei gehabt – das war der Eintritt, dann war der blank. Der hat dann den ganzen Abend über Wasser am Hahn getrunken und trotzdem Party gemacht. Ooch schön. Aber ob das heu te noch so viel Freude macht? Feiern zu gehen ist ja auch kein ganz günstiger Spaß – vor allem für die, die nicht
Hier kann man als BerlinNeuling gut Leute treffen: in der U1 und der M10. Neulich bin ich abends mit der M10 gefahren, die ich sonst nur tagsüber nutze, und dachte echt: „Watt ist datt denn hier fürn Zug?“ Da hat richtig der Bär gesteppt. Da wird perma nent angebandelt! In der U1 genau dasselbe – da darfst du sogar noch etwas härter ge bürstet sein und solltest für den olfaktorischen Notfall vielleicht noch eine Wäsche klammer für die Nase dabei haben – viele Menschen pro duzieren schnell unangenehme Gerüche. Davon abgesehen: Viel mehr Spaß kannst du in Berlin für 2,70 Euro kaum bekommen!
10.
Das gibt es nur im Berliner Nachtleben: fünf Stunden vorm Club anstehen und dann nicht reinkommen. Das kann dir zu Stoßzeiten in den besten Häusern passieren. Die Leute frieren sich im Winter erst die Hacken ab, nur um dann gesagt zu kriegen: „Du muss dir heute Abend was anderes suchen.“ Solche Schlangen lassen sich ver meiden, indem du Stoßzeiten ausweichst, auch wenn das für manche zu einem echten BerlinErlebnis gehören mag. Meine Lösungsidee: Ein Dreh gatter wie bei der Londoner Metro – bloß mit Gesichts kontrolle. Einfach flugs Party kärtchen durchziehen: Schon biste drinne! Dem Meister bei der Arbeit zusehen: „Listen to: Fritz Kalkbrenner“. Ab 12. Oktober auf Red Bull TV. Live-Termine: fritzkalkbrenner.de 73
ANOUK VERGÉ-DÉPRÉ 25 Jahre, 1,85 Meter, aus Bern: „Richtig ist, seine Schwächen zu zeigen …“
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JOANA HEIDRICH
26 Jahre, 1,90 Meter, aus Zürich: „… aber nur seiner Partnerin!“ Text: Stefan Wagner Fotos: Lorenz Richard
WORK
Wie man mit anderen zusammenarbeitet. Wie man ein Team bildet, am Laufen hält, gemeinsame Stärken entwickelt, Schwächen ausmerzt (oder wenigstens lernt, sie zu akzeptieren). Wie man einander nicht auf die Nerven geht (oder zumindest die Nerven nicht verliert). Wie Partnerschaft unter Druck funktioniert. Darüber weiß in der Schweiz kaum jemand besser Bescheid als Anouk Vergé-Dépré und Joana Heidrich. Sie wollen 2020 die erste Schweizer Olympia-Medaille im Damen-Beachvolleyball gewinnen.
Wer
Beachvolleyball als Funsport einschätzt, hat etwas missverstanden: Profis verbringen rund 250 Tage pro Jahr gemeinsam in Hotel zimmern, auf Flughäfen und in einer acht mal acht Meter großen Spielfeldhälfte. Wechselspieler kennt der Sport nicht, das heißt: Schwänzt dein Partner sein Training, schwänzt er deines. Verdrückt er eine Bratwurst, hängt sie dir an den Rippen. Du hast seinen Liebeskummer und seinen Jetlag, du hast acht Kreuz bänder, die reißen, zwanzig Finger, die knicken können, und zwei Nasen, die der Smash des Gegners plattdrücken kann. Anouk VergéDépré, 25, und Joana Heidrich, 26, bilden seit November 2016 ein Team; ihre langjährigen, erfahrenen Partnerinnen hatten nach Olympia in Rio jeweils ihre Karriere beendet. VergéDépré und Heidrich fanden zusammen, weil sie die beiden besten jungen Schweizer Spie lerinnen und obwohl sie das an derselben Position waren, Blockerin am Netz, das ist ein wenig so, als bildeten elf Stürmer das FußballNationalteam. Nun werden sie 76
ANOUK VERGÉ-DÉPRÉ war ab 2011 Blockerin für Isabelle Forrer. Ist seit November 2016 Verteidigerin hinter Joana Heidrich.
für Tokio 2020 in Medaillenstellung ge bracht, die Zwischenergebnisse der ersten gemeinsamen Saison übersteigen die Er wartungen deutlich. VergéDépré und Heidrich wissen viel über Respekt, über Geduld und Zielstrebig keit, über Härte und Toleranz, über die Psychologien von Harmonie und Kampf. Sie sind so freundlich, ihr Wissen in drei Lektionen an uns weiterzugeben. THE RED BULLETIN
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JOANA HEIDRICH
spielte ab 2011 als Blockerin mit Nadine Zumkehr. Ist weiterhin Blockerin.
Beachvolleyball ist hartes Business
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… und Erfolg ist eine Mischung aus Gnadenlosigkeit, Offenheit, Toleranz und Zuverlässigkeit.
the red bulletin: Man spielt im Beachvolleyball grundsätzlich auf die schwächere der beiden Gegnerinnen? anouk vergé-dépré: Richtig. joana heidrich: Richtig. Wenn eine der beiden Gegnerinnen unsicher ist, versucht man, sie noch unsicherer zu machen? anouk: Richtig. joana: Richtig. Zum Beispiel, indem man immer auf sie aufschlägt? anouk: Richtig. joana: Richtig. Und das tut man so lange, bis die andere Gegnerin komplett durchdreht? anouk: Ob sie durchdreht, ist egal. Wichtiger ist, dass die schwächere nicht besser zu spielen beginnt. joana: Man versucht’s, natürlich. Aber auf unserem Niveau dreht niemand mehr durch. Dafür sind alle zu professionell. Man ist im Beachvolleyball von seiner Partnerin abhängig? anouk: Richtig. joana: Richtig. Erfolg im Beachvolleyball ist langfristig eine Frage des Umgangs mit den Fehlern und Schwächen der Partnerin? anouk: Hm, falsch. Mehr des Umgangs mit den eigenen Stärken und Schwächen. joana: Richtig. Wenn ich mich gut fühle, zeige ich das meiner Partnerin und den Gegnerinnen möglichst deutlich?
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anouk: Richtig. joana: Richtig. Wenn ich mich unsicher fühle, darf ich das niemals zeigen, weder der Partnerin noch den Gegnerinnen? anouk: Es wäre falsch, eine Unsicherheit vor der Partnerin verstecken zu wollen. Richtig ist es, Schwächen zu zeigen, Schwächen zuzugeben, offen zu sein, gemeinsam da wieder rauszukommen. joana: Der Gegnerin darf ich das sicher nicht zeigen. Aber die Partnerin muss wissen, wie es mir geht, nur dann kann sie mir helfen. Wenn ich ein Training schwänze, habe ich ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Partnerin? anouk: Training schwänzen? Kommt nie vor. joana: Training fällt nur aus, wenn ich krank oder verletzt bin. Ich verbringe mit keinem anderen Menschen mehr Zeit als mit meiner Partnerin? anouk: Richtig. joana: Im Sommer auf jeden Fall richtig. Würde ich meine Partnerin privat nicht ausstehen können, aber spielerisch perfekt mit ihr harmonieren, bliebe ich bei ihr? anouk: Ich glaube, ich würde das machen, ja. Richtig. joana: Richtig.
Nur Ziele sind Orientierung … und der Weg dorthin muss permanent abgestimmt werden.
the red bulletin: Was ist das Wichtigste, wenn man ein Team bildet? anouk vergé-dépré: Dass man die Ziele klärt. Dass man sicherstellt, dass man dieselben Ziele hat. Das muss klar sein. Das ist die Orientierung. Erst daraus ergibt sich der Rest, wer wofür verantwortlich ist, wer was zu tun hat, und so weiter. Taugt eine Medaille im Jahr 2020 als Orientierung im Alltag wirklich? Olympia ist mehr die große Vision. Ziele, an denen man sich jeden Tag orientiert, sind kurzfristiger, bei uns: Technisches, Spielerisches, die Weltrangliste, so etwas. Und das Zusammenleben. Natürlich. … und jedes dieser Zwischenziele ist diskutiert, ab- und ausgesprochen? Ja. Unbedingt. Ohne gemeinsame Ziele keine Orientierung. 77
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Joana und Sie sind viel besser gestartet als erwartet. War’s Liebe auf den ersten Blick oder ein Herantasten? Zumal Sie ja von Blockerin auf Verteidigerin umlernen mussten. … und von rechts auf links, denn wir hatten davor beide auf der rechten Seite gespielt. Es war schon ein Kennenlernen über Monate, ein Abarbeiten der Unsicher Unsicher heiten, wer hat welche Rolle, wer macht was und wie am besten, wie verhält sich die andere in dieser oder jener Situation, auf dem Spielfeld, aber auch bei Inter Inter views, auf dem Flughafen, beim Früh stück? Da müssen ja tausende Puzzle steine passen. Erklären Sie uns bitte, wie man sich diese Umstellung vorstellen darf. Block und Verteidigung, das sind ja in Wahr Wahrheit zwei verschiedene Sportarten. Das nicht, aber zwei verschiedene Pers pektiven auf dieselbe Sportart. Und an dere Aufgaben. Als Blockspielerin hat man diese VorwärtsrückwärtsBewegung, also Vorlaufen ans Netz, sehr viele Sprün ge. Als Verteidigerin hast du hinten im Feld viel RechtslinksBewegung, und du springst nicht hoch, sondern hast mehr Bodenkontakt. Man könnte sagen: Block ist vertikal, Verteidigung horizontal. Also ganz andere Entscheidungen, ein anderes Denken. Dieses Denken neu zu lernen, das war der wichtigste Schritt für mich. Das intus zu bekommen, dass es auch intuitiv wird, schnell genug, um auch unter Stress gut genug zu funktionieren. Ich bin sicher, Sie haben zu Beginn Fehler gemacht, die Spiele gekostet haben. Auf jeden Fall. Ich hatte nicht die gleiche Präsenz auf dem Feld wie vorher, ich war ein Neuling, unsicher. Logisch, dass da Fehler passieren. Wie ist Joana mit denen umgegangen? Geduldig, wirklich geduldig. Obwohl Ge duld von uns beiden keine Stärke ist. Ich
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glaube, sie konnte diese Geduld aufbrin gen, weil sie gesehen hat, dass es immer Fortschritte gab, die Arbeit gegriffen hat. Wie übt Joana Kritik? Sehr direkt, und das ist gut, da staut sich nichts auf. Wie darf man sich diese Direktheit vorstellen, auch im Alltag? Man kann doch jemandem nicht sagen, „Halt die Klappe, ich mag nicht quasseln beim Warten auf den Flieger!“? Direkt heißt ja nicht beleidigend. Aber es ist wichtig, dass man sich sagen kann, wenn etwas nicht passt. Ein Beispiel: Joana ist ein Morgenmensch, ich nicht. Mir ist es wichtig, meine Ruhe zu haben. Haben wir ausgesprochen, jetzt geht sie eben allein zum Frühstück, wartet nicht auf mich. Klingt nach einer Banalität, ist
aber im Alltag wichtig. Spricht man so was nicht aus, wird’s nervig. Ein Morgenritual können Sie durchdenken. Wenn Joana bei 13:13 einen Smash versemmelt, reagieren Sie vielleicht, sagen wir: unreflektierter. Die vielleicht wichtigste Challenge von unserem Sport ist, dass jeder Punkt ein neuer Punkt ist. Das zu verstehen, da nach zu denken, dass die Situation ver gangen ist und man daran nichts mehr ändern kann. Denn sobald man an etwas Vergangenem, einem Fehler festhängt, überträgt sich die Stimmung, diese Un sicherheit auf den nächsten Punkt. Man darf den vergangenen Punkt nicht in sein Spiel lassen. So zu denken, trainieren wir genauso wie Sprünge oder Aufschläge.
VERTEIDIGUNG
Anouk Vergé-Dépré und ihr UmlernUmlernprozess: „Das Denken neu zu lernen war der größte Schritt.“
„ICH BIN EIN UNGEDULDIGER MENSCH, ABER HIER WAR GEDULD GEFRAGT. DESWEGEN HAB ICH MIT EINEM SPORTPSYCHOLOGEN AN MEINER GEDULD GEARBEITET.“ THE RED BULLETIN
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ANGRIFF
Joana Heidrich in gewohnter Position am Block – aber mit neuer Partnerin.
Keine Angst vor Fehlern! … begeh sie, provoziere sie, gestatte sie dir. Und lerne, sie zu vermeiden.
the red bulletin: Ärgert es Sie, wenn Beachvolleyball als Funsport bezeichnet wird? joana heidrich: Nein. Denn wenn du keinen Spaß dabei hast, dann musst du es sein lassen, auch als Profi. Aber Erfolg, auf dem Niveau, auf dem wir spielen, entsteht dann eben aus deiner Professionalität. Also wie du denkst, wie du arbeitest, was du beim Gegner und bei der Partnerin aus lösen kannst, wie gut du Pläne machen und sie ausführen kannst. Und wenn du einmal keinen guten Tag hast, dass du trotzdem alles gibst, dass du durchbeißt. Wie schwer war es, Anouk die Fehler zu verzeihen, die sie zu Beginn in der für sie neuen Position gemacht hat? Gar nicht. Denn erstens war von Anfang an klar, dass Geduld entscheidend sein wird in der Anfangsphase … … aber wenn die Partnerin daneben greift, kostet das Geld. Und was bringt es, dass ich der Partnerin, wenn sie in einer schwierigen Situation ist, auch noch Druck mache? Das wäre extrem kontraproduktiv. Ich denke, wir haben das nicht so verkehrt gemacht. Wir haben Probleme offen angesprochen und gemeinsam nach Lösungen gesucht, so gab es immer einen Fortschritt. Mein Job war, ihr zu helfen, nicht, sie zu maß regeln. Ich bin eigentlich ein ungeduldiger Mensch, aber hier war Geduld gefragt. Wie lernt man Geduld? Daran hab ich gezielt gearbeitet, mit einem Sportpsychologen. Wird es irgendwann einfacher? Eigentlich im Gegenteil. Weil ja die An sprüche steigen. Am Anfang war klar, dass wir beide in die neue Situation erst reinfinden müssen. Aber das haben wir ja THE RED BULLETIN
jetzt. In der Anfangsphase war wichtig, dass ich nicht zu viel Druck in die Situa tion bringe, sonst wäre das nach hinten losgegangen. Aber jetzt ist eben eine neue Herausforderung, auch bei gesteigertem Anspruch noch geduldig zu bleiben, damit Fortschritte möglich bleiben. Gab es einen Moment, der die Anfangs phase beendet hat? Ein Turnier, ein Match, in dem Sie bemerkt haben: Jetzt ist bei Anouk der Knopf aufgegangen? Ja, im Juni, beim Turnier in Den Haag, acht Monate nach dem Beginn unserer Zusammenarbeit. Ich hatte schon davor immer einen Fortschritt gemerkt, Woche für Woche ist mehr gegangen. Aber in Den Haag stand ich vorn am Netz, und auf einmal kamen von hinten alle Bälle zurück. Das war mega. Wir haben danach drüber geredet, und Anouk hat gesagt: Das war das erste Mal, dass sie nicht mehr über Technik nachgedacht, sondern ein fach gespielt hat. Wie kritisiert man richtig? Anouk und ich hatten von Anfang an die Abmachung, dass wir, wenn uns etwas stört an der anderen Person oder in einer Situation, es bei der nächsten Gelegenheit ansprechen. „Nächste Gelegenheit“ heißt: im ersten ruhigen Augenblick. Und nicht in einer aufgeladenen Situation, vielleicht nach einer Niederlage, wenn wir beide ohnehin sauer sind …
Da kommt das ganze Team zusammen? Nein, das wird unter vier Augen be sprochen. Nur wenn was festgefahren ist, holst du den Coach oder den Psychologen. Anouk war in der neuen Position die Variable, Sie durften in der angestamm ten Position bleiben, Sie mussten die Konstante sein, Fehler von Ihnen waren doppelt bitter. Heißt: extra Druck? So darf man nicht denken. Ich sage mir bewusst vor: „Joana, auch du darfst Fehler machen.“ Jede Spielerin hat das Recht, Fehler zu machen, einfach weil jede Spielerin Fehler macht. Erst wenn du das akzeptierst, kannst du besser werden. Wenn ich Fehler akzeptiere, kann ich mich verbessern? Verstehe ich nicht. Weil man, wenn man Fehler um jeden Preis verhindern möchte, immer in einer vorsichtigen Position bleibt. Und wenn man nichts riskiert und nichts Neues ver ver sucht, wird man niemals besser. Sie arbeiten daran, immer besser zu werden, aber schließen Perfektion aus, sogar als Anspruch. Ist das nicht un befriedigend? Im Gegenteil. Wenn ich an einen Punkt komme, an dem ich sehe, ich kann mich nicht mehr verbessern, dann höre ich auf. heidrich-vergedepre.com
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ANOUK VERGÉ-DÉPRÉ UND JOANA HEIDRICH FAHREN TOYOTA C-HR HYBRID DER TOYOTA C-HR ER IST DER RICHTIGE PARTNER AUF SAND, IN DER STADT UND AUF DER AUTOBAHN.
toyota.ch C-HR Hybrid Style, FWD, 1,8l HSD, 90 kW (122 PS), Ø Verbr. 3,9 l/100 km, CO₂ 87 g/km, En.-Eff. A. CO₂-Emissionen aus Treibstoff- und/oder Strombereitstellung: 20 g/km. Ø CO₂-Emissionen aller in der Schweiz immat. Fahrzeugmodelle: 134 g/km.
guide Get it. Do it. See it.
4 CARLO CRUZ / RED BULL CONTENT POOL
November 2017
RED BULL BC ONE WORLD FINAL
Beim größten B-Boy-Contest der Welt tanzen sechzehn BreakdanceProfis in der Amsterdamer Westergasfabriek um den Titel. Das Red Bull BC One World Final gibt’s live auf redbull.tv.
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GUIDE
See it Am (Ab)sprung: Brett Rheeder beim Red Bull Rampage 2016
FAST & FURIOUS
Bei den Red Bull TV-Highlights dieses Monats lautet das Motto „Drehfreude“ – egal ob es zwei oder vier (motorisierte) Räder sind oder auf stylische Art auf B-Boy-Köpfen passiert.
SO SIEHST DU RED BULL TV ÜBERALL
Red Bull TV ist deine globale digitale Destination für Entertainment abseits des Alltäglichen, empfangbar rund um die Uhr an jedem Ort der Welt. Geh auf redbull.tv, hol dir die App oder connecte dich via Smart TV. Alle Infos: www.redbull.tv
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Brandon Semenuk triumphierte beim Red Bull Rampage 2008 und 2016.
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Oktober
LIVE
RED BULL RAMPAGE
Für 21 handverlesene Mountainbike-Freerider der Extraklasse à la Brendan Semenuk, Kurt Sorge oder Kyle Strait ist dieses einzigartige Einladungsrennen der Saisonhöhepunkt schlechthin. 2017 wartet in Utah die berüchtigte Landschaft der Red Rocks mit einer neuen, schwierigen Ridgeline, auf der es wieder um die beste Zeit, die härteste Linie und die wildesten Tricks geht – und ausschließlich um den Ruhm.
BARTEK WOLINSKI/RED BULL CONTENT POOL, CHRISTIAN PONDELLA/RED BULL CONTENT POOL (2), MAURO PUCCINI/RED BULL CONTENT POOL, @WORLD / RED BULL CONTENT POOL
Oktober / November
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November
LIVE
RED BULL BC ONE WORLD FINAL
In Amsterdams Westergasfabriek findet der finale Showdown der weltbesten B-Boys statt. Die Tanz- und Bewegungskünstler werden spektakuläre Moves, Spins und Freezes auspacken, um VorjahresChamp Issei Hori zu entthronen. Für Österreich am Start: Lil Zoo.
Oktober
LIVE
RED BULL STRAIGHT RHYTHM
Ein ganzer Tag lang pure Motocross-Action: Die Super- und Motocross-Elite matcht sich auf einer rund 800 Meter langen Geradeaus-Strecke in Pomona, Kalifornien, von Sonnenauf- bis weit nach Sonnenuntergang – das große Finale findet unter Flutlicht statt.
bis 29. Oktober
LIVE
WRC: WALES RALLY GB
Vorletzte Station der World Rally Championship: Die schnellschmierigen Schotterstraßen in den Wäldern der an Wales grenzenden Grafschaft Cheshire sind technisch einfach, doch unberechenbares Wetter kann das Rennen zur Rutschpartie werden lassen.
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GUIDE
Do it.
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bis 22. Oktober Zürich Game Show Seit Angela Merkel auf der Gamescom „Farming Simulator 17“ zockte, ist es amtlich: Gaming ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Nun folgt Zürich. Die erste Ausgabe der Zürich Game Show zeigt auch eSports-Turniere in „League of Legends“, „CounterStrike: Global Offensive“, „Overwatch“ und „Rocket League“. Mit an Bord: Maul Cosplay, einer der bekanntesten männlichen Cosplayer Europas. Messe Zürich, Zürich; zurichgameshow.ch
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Oktober/ November/Januar und 19. Januar WORLDWEB FORUM Die führende Business-Konferenz für digitale Transformation und Thought Leadership bringt 2018 Bruce Dickinson (Iron Maiden) und Wilhelm Oehl (Erfinder des Apple-Store-Konzepts) nach Zürich. Wer beim einzigartigen Event dabei sein möchte, sichert sich am besten den 2-Day Pass Standard für 1580 CHF (exkl. VAT). Zürich-Oerlikon, Zürich; www.worldwebforum.com
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November Marketing Natives Schweiz Dass man im Internet Nutzerdaten sammeln kann, ist kein Geheimnis. Was davon jedoch gesetzeskonform ist und wo das Eis dünn wird, klären die Marketing Natives mit TopSpeakern zum Thema „Datenschutz im Marketing“. Es folgt: garantiert vertrauliches Networking beim Apéro. Impact Hub, Zürich; Tickets: marketingnatives.ch
November
GROOVE SESSION 2017
Ein ganz besonderer BreakdanceWettbewerb bringt sechzehn der weltbesten B-Boys und B-Girls (acht Kids und acht Erwachsene) zum Battle nach Neuchâtel. Wer sich mit seinen Vorbildern messen möchte (im Bild der erst zehnjährige Hikaru aus Japan und US-B-Boy Nasty Ray), qualifiziert sich in der 1 vs 1-Ausscheidung für den Hauptevent mit den Stars und kann dort zeigen, was er in Sachen Six-Step, Air-Freeze und Flare so draufhat. Cité Universitaire, Neuchâtel; groovesession.ch
Sieben verflixte Jahre mussten Fans der Gorillaz (auf der Couch [v. li.]: Russel, Noodle, 2D und Murdoc) auf diese Tour warten. Jetzt kommt Mastermind Damon Albarn mit zahlreichen Gastmusikern, fetter Bühnenshow und neuem Album „Humanz“ für zwei Gigs in die Schweiz. Der 8. November in Zürich ist ausverkauft, für Genf gibt es noch Tickets. Übrigens: Das „Time Out“-Magazin bezeichnete das 2016er-Überraschungskonzert in London „als beste Live-Performance seit vielen Jahren“.
JD-PICTURES.COM, GORILLAZ
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November Gorillaz
Arena Genf, Genf; gorillaz.com
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PROMOTION
must-haves
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1 LUMINOX
Das neue Deep-Dive-Automatic-Modell: Mit Wasserdichtigkeit bis zu einer Tiefe von 500 Metern, einem automatischen Heliumablassventil und dem extradicken Saphirglas sowie dem verstärkten Gehäuse ist sie der ideale Begleiter unter Wasser. Die Luminox-Light-Technologie garantiert zudem eine einmalige Nachtsicht – 25 Jahre, 7 Tage die Woche. Vom Erlös jeder verkauften Uhr geht ein Teil an die Non-Profit-Organisation «Sea Wolves Unlimited». www.luminox.com
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2 STANCE
Die Thompson Hike-Socken gehören zur technischen «Adventure»-Kollektion des amerikanischen Labels STANCE. Diese Socken wurden für die Erkundung grosser Räume konzipiert und bestehen aus einer Fasermischung, die für trockene Füsse sorgt. Sie sind ausserdem um 65 % widerstandsfähiger als der Standard. Auf geht’s zu Ihren Outdoor-Aktivitäten! www.stance.com
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3 KOMOOT
Egal wo und wie du auf Entdeckung gehst, komoot hat eine Tour für dich. Von handverlesenen Guides über die weltbesten Outdoor-Erlebnisse bis hin zu massgeschneiderten Touren in deiner Gegend – komoot hilft dir, das perfekte Abenteuer zu finden. Ob es nun am anderen Ende der Welt ist oder gleich vor deiner Haustür. www.komoot.de
4 DAKINE AESMO 5 VIU 3D Citizen aus der KollekMISSION 25L-RUCKSACK The tion The Archetypes der Die neue Kollektion hat Snowboard-Star und Dakine TeamRider Wolle Nyvelt kreiert, der Erfinder des Noboards. Der Dakine Mission-Rucksack, kombiniert mit Wolle Nyvelts Aesmo Pow-Surfer, wurde so zum Bomber Cordura HP Ripstop-Rucksack in der Farbe Stealth Black. Diese neue Version des MissionRucksacks ist so konzipiert, dass er länger gegen Einrisse, Abschürfungen und Abnutzung widerstandsfähig bleibt. www.dakine.ch
Schweizer Marke VIU ist eine Brille, die durch das 3D-Druckverfahren geformt wird. Minimalistisch, rein und zeitlos – dieser Frame besteht aus Polyamidstaub und wird innerhalb von 15 Tagen ganz individuell hergestellt, nach dem Motto «From dust to frame». ch.shopviu.com
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GUIDE
4 Do it
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RED BULL VELODUX
Vielseitigkeit siegt: Beim Radquerrennen rund um die Altstadt von Estavayer-le-Lac warten Kopfstein-, Schlamm-, Asphaltund Treppenpassagen auf die motivierten Velo-Teams.
Mit Vollgas bergab: Bei Red Bull Velodux wird die Stadt zur Radquerstrecke.
Zahlen und Fakten: die Rennstrecke für Multitalente
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Meter sprinten die Startfahrer der Zweierteams zu Rennbeginn, ehe sie auf ihre Velos steigen, die von den Teampartnern bereitgehalten werden. Danach wechseln sich die Fahrer bis zum Ende des Rennens auf der Strecke ab.
2,4,4,
Kilometer schlängelt sich der Kurs von Red Bull Velodux durch und um den Stadtkern von Estavayer-le-Lac. Kurzer technischer Hinweis: Zum Rennen zugelassen sind Cyclocross-Bikes mit Rennlenker und Stollenpneus.
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Steinstufen überwinden die Starter auf der Abfahrt über die Treppe vom mittelalterlichen Stadtkern Richtung Unterstadt. Um wieder bergauf zu gelangen, heißt es einige hundert Meter weiter: Velo schultern und die nächste Treppe hochlaufen.
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Deine Challenge: Bei Red Bull Velodux kämpfen sich Hobbywie auch Profibiker über eine 2,4 Kilometer lange Cyclocross-Strecke, die durch die Altstadt und vor die Tore von Estavayerle-Lac am Neuenburgersee führt. Gestar Gestartet wird in Zweierteams, wobei sich die Starter auf der Strecke abwechseln und jeder mindestens zwei Ablösungen fahren muss. Im U23-, Damen- und Mixed-Rennen sowie der Open-Kategorie (für ambitionierte Hobbyfahrer) dauert das Rennen 45 Minuten. Die Elite-Klasse absolviert eine Stunde und eine Runde. Die Strecke ist für alle gleich: ein Mix aus Asphalt, Treppen und kräftezehrendem Schlamm. Anmeldung und Infos: redbull.ch/velodux
DAVID ROBINSON/RED BULL CONTENT POOL (2), ROMINA AMATO/RED BULL CONTENT POOL
Patrick Seabase
„SUCH DIR EINEN FREUND MIT GUTER KONDITION“
THE RED BULLETIN
Durchhalten: Auf den Schlammpassagen zählt die Ausdauer.
Der Berner Radprofi ist hauptberuflich auf seinem Bahnrad unterwegs und Experte für Ausdauerrennen. Hier erklärt er, wie du dich auf Red Bull Velodux vorbereitest und auf welche Qualitäten du bei der Wahl des Teampartners achten solltest. THE RED BULLETIN: Red Bull Velodux ist ein Rennen für Zweierteams. Welche Eigen-
schaften bringt dein Partner idealerweise mit? PATRICK SEABASE: Die Persönlichkeit ist am wichtigsten, denn im besten Fall basiert das Team auf einer Freundschaft. Wenn die Fitness dann auch noch stimmt, ergibt das eine ideale Kombination. Gibt es eine Übung, die ich im Vorfeld trainieren kann, um mich optimal auf das Rennen vorzubereiten? Ja, das Auf- und Absteigen, das unterschätzen viele. Außer Außerdem empfehle ich, möglichst viel Zeit auf dem Crossbike zu verbringen. Apropos: Wie motivierst du dich fürs Training, wenn du mal keine Lust hast? Ich warte, bis ich wieder Lust bekomme. Angenommen, wir haben nicht so viel Zeit. Dann erstelle ich mir eine Trainings-Playlist. Oder ich versuche, die Trainingsstrecke möglichst abwechslungsreich zu gestalten, um mir so neue Impulse zu holen. Was unterscheidet Red Bull Velodux von anderen Radquerrennen?
Die Location ist ungewöhnlich, weil Estavayer-le-Lac zu einem riesigen Parcours wird. Die Hindernisse wie Treppen, Pflaster Pflastersteine und der Schlossgarten werden zudem den Hauptbestandteil der Strecke ausmachen. Zusammen mit dem Team-Aspekt ergibt das einen einzigartigen Event. Welchen Aspekt des Rennens findest du besonders herausfordernd? Die gesamte Streckenführung. Frei nach dem Motto: Hart, aber herzlich. Der Abschnitt Schlossgarten hat bei meinem letzten Start einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Für die Elite-Klasse dauert das Rennen etwas über eine Stunde. Was isst du am Morgen des Events? Bei mir gibt’s zum Frühstück nur ein Müsli. www.patrickseabase.com
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EINE PERFEKTE TOUR IM GRANDLAND X
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ie junge Architekturstudentin Evie und ihr Freund Jonas aus Basel haben eine aufregende Reise vor sich: Die beiden haben die Chance erhalten, ein brandneues Auto Probe zu fahren, und zwar das SUV Grandland X von Opel. Diese einmalige Gelegenheit wollen die beiden natürlich auskosten, und zwar mit einer Tour zu spannenden architektonischen Highlights und durch die phantastische Landschaft des Odenwaldes. Natürlich darf sie auch ihr Hund auf dieser Reise begleiten. Gleich nach ihrer Ankunft in Frankfurt fahren sie zum Hauptsitz von Opel nach Rüsselsheim – dort beginnt das Abenteuer mit dem dynamisch designten Grandland X. Jonas macht sich daran,
den Hund und das ganze Gepäck im Grandland X zu verstauen, der erstaunlich geräumig ist. 514 Liter schluckt das Heckabteil und bei umgeklappten Rücksitzen sogar bis zu 1652 Liter. Das ist mehr, als so mancher MittelklasseKombi fassen kann. Ein praktisches Detail beeindruckt den jungen Interiordesigner: Die Heckklappe lässt sich ganz einfach mit einer kurzen Fussbewegung unter der hinteren Stossstange öffnen und schliessen. Perfekt, besonders wenn man alle Hände voll hat!
geistert mit den zahlreichen Verstellmöglichkeiten der Ergonomiesitze. Als Evie an den Dachhimmel schaut, entdeckt sie beim Rückspiegel den blauen OnStar-Knopf und drückt interessiert drauf. Sofort ist sie mit dem persönlichen Online- und Serviceassistenten verbunden. Die OnStar-Mitarbeiter suchen Destinationen, buchen Hotels und finden freie Parkplätze. Im Notfall organisieren sie zudem schnell und unkompliziert Hilfe. Auch wenn es keinen Unfall gegeben hat. Sozusagen ein Schutzengel, der immer an Bord ist.
Schutzengel an Bord Das Interieur ist hochwertig, alles duftet noch ganz neu. Das Cockpit verfügt über ein modernes Design, und in der Mitte ist ein 7-Zoll-Touchscreen platziert. Während Jonas sein iPhone über Apple Carplay verbindet, hantiert Evie be-
Grenzenloser Fahrspass Jetzt kann’s losgehen: Die ArchitekturTour beginnt mit einer Fahrt zum farbenfroh-exzentrischen Hundertwasserhaus. Von dort geht es weiter in die idyllische Landschaft des Odenwaldes. Auf den Bergstrassen zeigen Motor und Getriebe
Fotos: Opel
Das dynamische SUV im athletischen Offroad-Look bietet jede Menge Platz, Komfort, Lifestyle und lebendigen Fahrspass.
THE RED BULLETIN PROMOTION
Viel Platz gibt es auch für Gepäck und Sportausrüstung: Bei einem Ladevolumen von 514 bis 1652 Litern kann sich das neue Opel-SUV sogar mit geräumigen Mittelklasse-Kombis messen.
Topmodernes InfotainmentSystem mit SmartphoneIntegration
des Grandland X, was sie draufhaben: zügige Beschleunigung, müheloses Schalten und eine dynamische Fahrt durch enge Kurven. Ihr Testwagen ist mit einem topmodernen 1,2-LiterBenzindirekteinspritzer mit Turbo und 130 PS Leistung ausgerüstet, der mit 6-Gang-Schaltung oder 6-Gang-Automatik erhältlich ist. Mit einem Verbrauch von 5,1 Litern/100 km und einem CO²Ausstoss von 117 g/km ist der Benziner äusserst effizient und umweltschonend unterwegs. Alternativ gibt’s den Grandland X auch mit einem 1,6-Liter-Diesel mit 120 PS (4,0 Liter/100 km, 104 g/ km). Trotz anfänglicher Skepsis wegen des kleinen Motors sind Evie und Jonas von der Dynamik positiv überrascht.
Der Grund ist das geringe Gewicht des Grandland X, der als Benziner nur 1350 Kilo leicht ist und damit nur wenig mehr als ein Kleinwagen wiegt. Eine erhöhte Sitzposition und gute Rundumsicht sowie viel Platz und Komfort sind weitere Features. Und der athletische Offroad-Look macht natürlich auch in der Stadt richtig was her. Am Abend und in der Nacht sorgen die intelligenten, extrahellen LED-Frontscheinwerfer für beste Sicht. In den engen Gassen zwischen den historischen Fachwerkhäusern lässt sich der Grandland X wendig um die Ecken steuern. Mit dem automatischen ParkAssistenten und der 360-Grad-Kamera wird auch das Parkieren und Rangieren
zum Kinderspiel: Der Grandland X übernimmt das Lenken, Evie muss nur noch Gas geben und bremsen. Die Rückgabe ihres Testwagens fiel Evie und Jonas sichtlich schwer, aber ab dem 20. Oktober steht der Grandland X zu Preisen ab 23’800 Franken bei den Schweizer OpelHändlern. Dann gibt es sicher ein freudiges Wiedersehen. n
opel.ch facebook.com/OpelCH
Der
ZAHN der ZEIT Fotos LUKE KIRWAN
Set Design ZENA MAY HENDRICK
Dank ihrer Materialien widerstehen Uhren all dem Elan, der jener Kraft innewohnt,
T I TA N Bevor Titan um 1980 erstmals als aterial für Uhren auftauchte, hatte M es nur die Luft- und Raumfahrtindus trie verwendet. Das Metall bewies schnell seine Tauglichkeit im neuen Metier: Es widersteht nahezu allen Säuren und auch Meerwasser, ist fünfmal so zäh wie Stahl, und das bei halbem Gewicht. Es kostet allerdings auch 50-mal so viel wie bester Stahl.
die festzuhalten sie gebaut sind – der Zeit.
Im Uhrzeigersinn von ganz links: VICTORINOX I.N.O.X. Titanium, victorinox.com; BELL & ROSS BR-X1 Black Titanium, bellross.com; PORSCHE DESIGN Datetimer Eternity Blue, porsche-design.com; SEVEN-24 Bandit, seven-24.watch; MONTBLANC Summit Smartwatch Titanium, montblanc.com; SEIKO Prospex 200m Divers Automatic Titanium SBDC029, seikowatches.com; TAG HEUER Aquaracer Calibre 5, tagheuer.com
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KERAMIK Beim Begriff Keramik denkt man an Bade zimmer und Blumenvasen, doch „technische“ Keramik ist anders. Gefertigt aus nichtmetal lischen Zutaten, ist das Material bis zu vier mal so hart wie Stahl – manche Werkzeuge zur Stahlbearbeitung bestehen aus Keramik. Diese ist zudem kratzfest und widersteht tiefsten Temperaturen. Einzige Schwäche: Sie zerspringt unter extremem Druck. Im Uhrzeigersinn von links oben: TAG HEUER Carrera Calibre Heuer 01 Black Ceramic, tagheuer.com; NIXON Time Teller Acetate, nixon.com; APPLE Watch Edition mit weißem Keramikgehäuse, apple.com
VERBUNDSTOFFE Wird die Menschheit tatsächlich durch die verwen deten Materialien definiert, leben wir nun im Zeit alter der Verbundstoffe. Die Technologie kombiniert vielfältigste Stoffe und kreiert neue Eigenschaften für Uhren: kratzfeste Überzüge, federleichte Bänder und sägeraue Gehäuse, die alles überdauern. Von oben: ALPINA Seastrong Horological Smartwatch mit Fiberglas/Stahl-Gehäuse, alpinawatches.com; CASIO G-Steel GST-W300G mit Harz/Stahl-Gehäuse, casio.com; PANERAI Luminor Submersible 1950 3 Days Automatic, Carbo-Tech-Gehäuse aus Kohlefaser, panerai.com
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Von oben: ORIS Movember Edition mit hitzegepräg tem Lederband, oris.ch; BREITLING Navitimer Rattrapante in 18 Karat Rotgold mit Krokoleder band, b reitling.com; POLICE Adder Oversized Chronometer mit doppeltem Zifferblatt und Lederband, policelifestyle.com; WHAT? Calendar Watch Gunmetal Black mit Strukturlederband, whatwatch.com; CARL F. BUCHERER Manero Flyback Chrono in 18 Karat Rotgold mit LouisianaAlligator-Lederband, carl-f-bucherer.com
GOLD UND LEDER Seit es Uhren gibt, leistet man sie sich im edelsten aller Metalle – wenn man es sich leisten kann. Wertvoll und betörend, sind sie Symbol für schieren Luxus. Gold ist empfindlich, aber einfach auf zufrischen. Der beste Begleiter? Das Lederband: zeitlos, klassisch und angenehm zum Handgelenk. 94
E D E L S TA H L Eine beständige Legierung, die gut aussieht, doch Stahl ist nicht Stahl. Die niedrigste Klasse (201) ist die härteste, doch auch rostempfindlichste Variante. Die höchste Klasse (904L) widersteht nahezu jeder Korrosion, der hohe Nickelanteil kann jedoch Allergien auslösen. Beste Alternative? Wohl 316L, der „Chirurgen-Typ“, der auch für medizinische Geräte verarbeitet wird.
Im Uhrzeigersinn von links oben: BAUME & MERCIER Clifton Club 10340, baume-et-mercier.co.uk; FARER Carter II, farer.com; TUDOR Heritage Black Bay Steel, tudorwatch.com; RAYMOND WEIL Date Tango 300 Steel on Steel und Tango Quartz Chronograph Steel on Steel, raymond-weil.com
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November
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Action-Highlight
Ein verblüffendes Obstacle fand der spanische Profi-Skater Danny León auf dem Gelände eines Windradherstellers in Nordspanien. Die Ausbeute seiner Session: eine Handvoll Trick-Premieren in der wohl schwersten Halfpipe der Welt. Dannys Skate-Projekte: instagram.com/danny_leon
„45 Tonnen Stahl modellierten diese Halfpipe!“ Skate-Profi Danny León, 22, fliegt über seinem neuen Spielplatz: dem noch liegenden Turm eines 100 Meter hohen Windrads.
SEBAS ROMERO/RED BULL CONTENT POOL
Avilés, Spanien
Makes You Fly
Die nächste Ausgabe des Red Bulletin erscheint am 16. November 2017. 98
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