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NOVEMBER 2008

EIN FAST UNABHÄNGIGES MONATSMAGAZIN

Der Aufsteiger des Jahres

Wie Wunderkind David Lama das Klettern neu erfindet

WWW.REDBULLETIN.COM


www.volkswagen.at

Wertigkeit neu erleben. Der neue Golf. Betrachtet man den neuen Golf, wird schnell klar: Das ist der beste und hochwertigste Golf aller Zeiten. Er besticht durch klares, unverwechselbares Design und die Verwendung bester Materialien spiegelt auch im Inneren Perfektion bis ins kleinste Detail wider. Serienmäßiges Anti-Schleuderprogramm ESP und Knieairbag garantieren höchste Sicherheit und innovative Fahrerassistenzsysteme wie der Parklenkassistent bereichern den Alltag. Moderne Common-Rail- und TSI-Motoren machen den neuen Golf zum leisesten Golf aller Zeiten und setzen neue Maßstäbe bei Wirtschaftlichkeit und Verbrauch – z.B. wird der 110 PS TDI-Motor mit nur 119 g/km CO2-Ausstoß staatlich gefördert.

Der neue Golf. Ab EUR 17.990,–* bei Ihrem VW Betrieb.

Das Auto.

* Unverb., nicht kart. Richtpreis inkl. NoVA und MwSt. Verbrauch: 4,5 – 6,4 l/100 km.CO2-Emission: 119 – 149 g/km. Symbolfoto.


BULLHORN

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THE RED BULLETIN

BETRIFFT: VISIONEN IN DER PRAXIS Die Idee klang mindestens so unerhĂśrt wie der Name des Restaurants, in dem sie umgesetzt werden sollte: Die KĂźche des „Ikarus“ im eben fertiggestellten Salzburger Hangar-7 sollte Monat fĂźr Monat von einem anderen internationalen Spitzenkoch geleitet werden. Die Vision – keine geringere als die einer kulinarischen Weltreise an einem Ort – wurde von Experten der Gastronomie zwar als faszinierend bezeichnet, unvergleichlich ‌ jedoch, so seufzte man, sei ein solch ehrgeiziges Unterfangen unweigerlich dazu verurteilt, Vision zu bleiben.

Das Thema der Realisierung von Visionen begegnet uns im vorliegenden Heft in weiteren Erscheinungsformen. In der Person von David Lama zum Beispiel, der uns zuerst erzählt, wie er eine Wand zu durchsteigen plant, eindeutig eine Vision, und es danach einfach tut (Seite 38). Als Lazylegz, der mit kaputten Beinen auf die Welt kam und jetzt als Breakdancer Furore macht (Seite 50). Als kleiner, orange leuchtender Strahl, der der Schweizer Wissenschaftlerin Lisa Schnell signalisierte, dass verletzte Nerven genesen kĂśnnen – was in der Praxis bedeutet, dass Querschnittslähmung eines gar nicht so fernen Tages heilbar sein wird (Seite 34). Oder als zart angerostete, 550 Quadratmeter groĂ&#x;e Stahlbetoninsel mitten in der Nordsee, auf der Philipp Schuster das tut, was dort niemand zuvor getan hat: skaten (Seite 76).

COVERBILD: RAINER EDER/RED BULL PHOTOFILES

Viel VergnĂźgen wĂźnscht Die Redaktion

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FĂźnf Jahre später hat das Gastkoch-Konzept im „Ikarus“ des Hangar-7 nichts von seiner Faszination verloren – der Beweis seiner Umsetzbarkeit wird allerdings Monat fĂźr Monat auf die glänzendste Weise erbracht. Sechzig Weltstars haben bislang in der „Ikarus“-KĂźche gastiert, von Marc Haeberlin bis Dieter MĂźller, von GĂŠrard Depardieu bis Jean-Georges Vongerichten, von JinR bis JoĂŤl Antunes. Abschluss und HĂśhepunkt jedes kulinarischen Jahres im Hangar-7 ist die „Ikarus-Nacht“: Diese versammelt die GastkĂśche der zurĂźckliegenden zwĂślf Monate. Dabei entsteht in Teamwork ein MenĂź, das Feinschmecker aus aller Welt derart begeistert, dass sie leichten Herzens 777 Euro dafĂźr ausgeben – und dies nicht nur, weil die Summe als Spende an „Wings for Life“ geht. Die bevorstehende „IkarusNacht“ am 22. November ist Anlass des Dossiers dieser Ausgabe, ab Seite 56.

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03.10.2008 13:30:41 Uhr

YOU’RE AT HOME, BABY! Wenn Sie bei Ihrem Besuch in der Red Bull Arena in WalsSiezenheim seit kurzem ein ganz besonderes HeimatgefĂźhl beschleicht, liegt das vielleicht an flankierender publizistischer Begleitung. Zu jedem Heimspiel der Salzburger Bullen erscheint seit Ende September ein „Heimspiel“: Die neue Stadionzeitung ist ein Produkt der Red Bulletin-Redaktion.


THE RED BULLETIN

INHALT

NOVEMBER 2008

BILD: ROBERT TOBER; ILLUSTRATION: ANJE JAGER

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MITARBEITER KATRIN STROBL, Jahrgang 1978, ist Medienbetreuerin für Sportveranstaltungen und Athleten. Das eine – Schreiben – ist dabei für sie ohne das andere – Organisieren – unvorstellbar. Für das Red Bulletin traf Strobl die Schweizer Wings for Life-Wissenschaftlerin Dr. Lisa Schnell und war fasziniert von deren Dynamik und Offenheit. „Hallo, ich bin die Lisa“, hieß es da, und dann gab es für Schreiberin Strobl und den Fotografen sogar Törtchen aus Lisa Schnells unter den Mitarbeitern berühmter Zuckerllade. Seite 34

STEFAN NINK,

Jahrgang 1965, ist als gebürtiger Deutscher bereits genetisch ein Reisender. Schrieb sich nach Abschluss seines Studiums über Tageszeitungen und Magazine in die Top-Liga der Reisejournalisten und ist mittlerweile mehrfacher Gewinner des bekannten Columbus-Wettbewerbs. In Neuseeland stürzte sich Nink gleich mehrfach ins Abenteuer. Seite 82

GUMMI VOM FEINSTEN. Chris Pfeiffer, 38, war im Trial Weltklasse, im Endurosport Weltklasse und widmet sich inzwischen dem Stuntriding. Er bewegt sich, richtig, auch dort auf Weltklasseniveau. Außerdem war er früher Lehrer für Turnen und Biologie. Wir dachten: Der Mann ist der Geeignete, um auch unserem Ungeschicktesten den Wheelie beizubringen. Also schickten wir Werner Jessner vorbei. Dessen Erlebnisbericht (inklusive des feinsinnigen Satzes „Voll einschenken, gib ihr!“) erwartet Sie ab Seite 72.


INHALT

NOVEMBER 2008

HELDEN

DOSSIER

Menschen des Monats.

Seite 26

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Seite 70

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Adrenalin des Monats.

Seite 56

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EINZIGARTIGES KONZEPT. Das Restaurant „Ikarus“ im Salzburger Hangar-7. VON CHRISTIAN SEILER Seite 58

LISA SCHNELL macht den Rollstuhl arbeitslos. VON KATRIN STROBL Seite 34

DIE WELT IN ZWÖLF GÄNGEN. Ikarus Night trifft Wings for Life. Seite 59

DAVID LAMA ist der Aufsteiger des Jahres. VON CHRISTIAN SEILER Seite 38

SECHS JAHRE, 63 Gastköche. Seite 61

SOUNDCLASH lässt’s krachen. Demnächst in Graz. VON FELIX FUCHS UND

WO ALLES BEGINNT. Hinter den Kulissen einer Profiküche. Seite 63

FLORIAN OBKIRCHER Seite 46

MAHLZEIT: Die Gerichte. Seite 64 LAZYLEGZ ist Breakdancer, weil er nie auf Ärzte hörte. VON LARS JENSEN Seite 50 TONI SEELOS brachte neuen Schwung in den Skilauf. VON ROBERT SPERL Seite 54

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CHRIS UND DER WHEELIE. Wir ließen uns von Chris Pfeiffer zeigen, wie man stilvoll Luft unters Vorderrad seines Bikes kriegt. VON WERNER JESSNER Seite 72 ÜBERS WASSER SKATEN. Red Bull Access All Areas, diesmal auf einer ehemaligen Luftabwehr-Plattform mitten in der Nordsee. VON PHILIPP SCHUSTER Seite 76 MEIN BORSCHTSCH. „Ikarus“-Patron Eckart Witzigmann demonstriert, was sich mit einer Roten Rübe anstellen lässt. VON CHRISTIAN GRÜNWALD Seite 80

IM REICH DER SUSHI verirrt man sich leicht, es sei denn, man hat einen Lotsen. VON USCHI KORDA Seite 66

WIR WAREN HIER. FÜR SIE.

EXTREM REISEN. Queenstown in Neuseeland gilt als Welthauptstadt des Adrenalins. VON STEFAN NINK Seite 82

LESERBRIEFE und KAINRATHS KALENDERBLATT. Seite 6/7 BULLEVARD. Staunenswertes, häppchenweise einzunehmen. Ab Seite 8

Hamburg

TERMINE im November. Seite 88

Sealand Salzburg Paris

Graz

Los Angeles Sibiu Carpentaria

Zürich

Patagonien

Queenstown

Sinai Dubai

Red Bulletin live: WWW.REDBULLETIN.COM

PARTY. Der Red Bull Mobile-Launch im Hangar-7. Ab Seite 90 WELT IM CLUB. We proudly present: Peppermint Club, Dubai. Seite 92 READ BULL. Thomas Maurer nützt diesmal eine Doppelseite als Bühne. Seite 94 SIMPLICISSIMUS. Darüber lacht die Welt. Seite 96 ZEITSPRUNG und IMPRESSUM. Seite 98


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LESERBRIEFE

THE RED BULLETIN

NOVEMBER 2008

Briefe an die Redaktion

Leserbriefe an The Red Bulletin richten Sie bitte per Fax an die Nummer +43 (0)1 90221-28809, per E-Mail an leserbriefe@at.redbulletin.com oder an die Postadresse Heinrich-Collin-Straße 1, 1140 Wien. Leserreaktionen werden nur veröffentlicht, wenn sie Namen, Adresse und Telefonnummer bzw. E-Mail-Adresse enthalten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor, wenn es Länge und Klarheit erfordern.

Ein großes Lob an Eure Zeitschrift! Die Aufbereitung, der Inhalt und die Abbildungen sind extrem gut. Ich muss Euch sagen, dass ich das Red Bulletin nicht nur lese, sondern zusätzlich ein Exemplar pro Monat (das ich ungebraucht aus der Tageszeitung meiner Eltern entnehme) sammle. Leider ist mir das Juni-Exemplar mit Marco Materazzi auf der Titelseite abhandengekommen … NIKOLAUS WOLF, per E-Mail

… das Sammelexemplar ist schon unterwegs. Die Red. Als ausgesprochener Feigling in Sachen „von der Klippe springen“ muss ich trotzdem auf einen offensichtlichen Haltungsfehler hinweisen. Wie in den „zehn Geboten“ aufgelistet (Nr. 7) sind die Füße möglichst auszustrecken, damit der Eintrittswinkel optimal ist. Bei Simon ist ein deutlicher Haltungsfehler

beim Durchbrechen der Wasseroberfläche zu beobachten. Auf die gebrauchte SpeedoBadehose als Preis für den gefundenen Fehler verzichte ich trotzdem getrost. Aber als Red Bull Rallye-Pilot würde ich mich freiwillig melden, hier könnte ich meinen Mut und meine Stärke gekonnt präsentieren … MAXIMILIAN DIVISCHEK, per E-Mail

Bezüglich des Artikels über Dick Fosbury (Red Bulletin August 2008) Folgendes: Bereits 1963 gewann Bruce Quande eine Schülermeisterschaft genau mit diesem Sprungstil, und ein Bild davon wurde damals auch im „Missoulian“, einer Zeitung in Western Montana, abgedruckt. Auch wenn alle stets Fosbury-Flop sagen und schreiben werden, könnte man Quande dennoch ein bisschen Anerkennung zollen. MAG. GÜNTHER HOFER, per E-Mail

Kompliment für Ihre Spurensuche. Sie haben recht: Der Amerikaner Bruce Quande floppte früher als Dick Fos-

bury – aber leider von der Sportöffentlichkeit nahezu unbemerkt. Übrigens: Unbedankt blieb auch die kanadische Hochspringerin Debbie Brill, eine dreifache Siegerin bei den Commonwealth-Spielen. Manchen Quellen zufolge präsentierte auch sie ihren dem Flop ähnlichen „Brill Bend“ vor Fosbury. Die Red. Ich möchte Ihnen ein absolutes Kompliment zu Ihrer Zeitung machen! Besonders die Oktober-Ausgabe hat mich fasziniert. Und hier vor allem Ihr Bericht über die Restaurierung der P-38 Lightning. Da mich alles, was irgendwie fliegt, unheimlich interessiert, habe ich diese Geschichte und jene von Hannes Arch besonders toll gefunden. Übrigens: Die Bilder (Titel, Seite 54–57) sind ein Hammer. FRANZ THÖNI, per E-Mail

Als Kriegsteilnehmer – Nähe Stalingrad – erlaube ich mir eine Anfrage bezüglich Ihres großartigen Artikels über die Ligthning: Trotz aufmerksamen Studiums Ihrer Aus-

führungen fand ich keine Erwähnung der „DoppelrumpfHe-111“. Dieses deutsche Flugzeug war in Russland im Einsatz und eine bekannte Maschine. FRITZ FRICK, per E-Mail

Vielen Dank für Ihre freundliche Nachricht. Nein, die He 111 hatte keinen Doppelrumpf. Es gab allerdings eine Spezialversion, zu der unser Experte von den Flying Bulls Folgendes sagt: „He 111 Z: Bestand aus zwei Flugzeugen, die über die Tragflächen miteinander verbunden waren. An der Kopplungsstelle wurde ein fünftes Triebwerk eingebaut. Ab 1942 wurde eine kleine Anzahl dieser Maschinen (12 Stück) zum Schleppen großer Lastensegler gebaut (mangels anderer starker Flugzeuge). Das ersetzte das gefährliche ‚Troika‘-Schleppverfahren mit drei einzelnen Bf (Me) 110.“ Die Red.

LESER FRAGEN, WELTMEISTER ANTWORTEN Tobias Pehersdorfer aus Feldkirch fragt:

WAS FAHREN DAVID UND MARK PRIVAT? Im Kreis herum pilotieren der Australier Mark Webber und der Schotte David Coulthard einen RB4. Zwischendurch zum Supermarkt geht’s jedoch beschaulicher dahin. einen Parkplatz. Auf der Langstrecke fahre ich Infiniti FX45, einen Crossover-SUV der Nissan-Nobeldivision. Selbstverständlich ebenfalls in Graumetallic gehalten.“ Offenbar ist Grau nicht nur die Lieblingsfarbe von David, sondern auch die von Mark Webber. Der ist bei Autos allerdings etwas bescheidener: „Für grobe Sachen bei mir daheim in Australien habe ich einen Pick-up, einen Nissan Navara in Smoke Grey. Sonst fahre ich privat einen silbernen

Renault Mégane Sport F1 Team mit 230 PS. Aber eigentlich bin ich am liebsten mit Rennrad und Mountainbike unterwegs.“ MEHR WELTMEISTER-TIPPS: WWW.REDBULLETIN.COM/DEINEFRAGE

Auf jede Frage antwortet der passende Weltmeister: E-Mails an weltmeisterantworten@at.redbulletin.com

BILDER: THOMAS BUTLER, DANIEL REINHARD

David Coulthard: „Mein Liebling ist ein Mercedes 280 SL in Hellblaumetallic aus dem Jahr 1971. Die Karre ist genauso alt wie ich – und genau wie ich noch super erhalten. Immerhin hat Mercedes diese sogenannte 107er-Baureihe auch zwanzig Jahre lang fast unverändert gebaut. In der Stadt stehe ich auf die kompakten Abmessungen des Smart, meiner ist elegant grau. Mit zweieinhalb Meter Länge findet man auch in Monte Carlo, wo ich wohne, immer


NOVEMBER 2008

KAINR ATH

THE RED BULLETIN

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OHNE NETZ. Saugnäpfe an der Tragfläche? Abseilen von einem darüber fliegenden Hubschrauber? Alles Blödsinn. Paul Steiner machte es auf die einzig echte, die sportlich wertvolle Art.


LUFTFAHRT DES MONATS (1)

FAHR! WERKS! KONT! ROLLE!

DAS ATEMBERAUBENDE VIDEO DES STUNTS AUF: WWW.REDBULLETIN.COM/BLANIK

BILD: GUSTAVO CHERRO/RED BULL PHOTOFILES

1800 Meter ßber Aigen im Ennstal Üffnet Paul Steiner die Plexiglaskuppel der LET L 13 Blaník. Knapp 20 Meter Spannweite, der meistverkaufte Segelflieger der Welt. Alu-Konstruktion, robust, vielseitig, wunderschÜn. Paul wiederum kommt aus Mattsee und hat Schlosser gelernt. Seine Liebe aber ist die Luft. Mehr als 3000 Fallschirm- und BASE-Sprßnge hat der 45-Jährige bereits hinter sich. Doch das, was er jetzt vorhat, geht eigentlich nicht. Man kann es auch E I T N nicht trainieren. Es hat noch bei keiS E L R U PA nem geklappt. Denn: Paul verlässt

das Cockpit. Er klettert auf die Tragäche, der Wind peitscht 26 % ihm mit 160 km/h entgegen. 34 % ZUGLUFT Das Alu der Tragflächen ist AGENTENROMAN glatt und kĂźhl. Kein Problem bislang. Jetzt zieht der Pilot die BlanĂ­k nach unten und 18 % DREHFREUDE legt sie zur Seite. Jetzt muss 22 % BAUCHGEFĂœHL alles hundertprozentig passen.

Während der Flieger rollt, muss Paul die Seite der Tragfläche

wechseln. Eineinhalb Sekunden hat er dafĂźr Zeit. Ăœber 2 g wirken auf den 1,84-Meter-Mann, er wiegt jetzt 160 Kilo. Das Ennstal unter ihm ist so weit. Ein letzter Ruck, Paul Steiner sitzt rittlings am Rumpf der BlanĂ­k, direkt hinter dem Bugrad. Alles in Ordnung? NatĂźrlich ist alles in Ordnung. Das Schwesterflugzeug dreht bei: Spiegelflug. Die Sonne scheint, Paul hebt den Daumen: alles okay! Langsam klettert er auf die Tragfläche, noch immer steht sein Flieger am Kopf. Ein letztes Mal blickt er in die Tiefe und genieĂ&#x;t diesen unwiederbringlichen Moment. Dann springt er. „Als ich ganz frei da oben gestanden bin, habe ich geglaubt, die ganze Welt gehĂśrt mir“, strahlt Paul, als er wieder am Boden ist. Und im Hintergrund landen die beiden BlanĂ­ks.


LUFTFAHRT DES MONATS (2)

HANG LOOSE

MEHR ĂœBER JON DURAND AUF: WWW.REDBULLETIN.COM/JONDURAND

JON D So also schaut es aus, wenn UR AN D Jon Durand im Trainingslager einen Morgenspaziergang unternimmt. Der 27-Jäh11 % 44 % NICHT SCHIRMHERRSCHAFT rige, mit 517 Kilometern VERSCHLAFEN! australischer Rekordhalter im Hängegleiter23 % MINUSGRADweitflug, bereitet sich TAUGLICHER zurzeit auf einen besonWINDSURF22 % ANZUG deren Flug vor, am Golf GLEITFÄHIGKEIT von Carpentaria im Norden des Kontinents. Dort lockt

den ehrgeizigen Luftfahrer ein weltweit einzigartiges Phänomen, die sogenannte „Morning Glory“. Das ist eine Wolkenformation, die nicht nur aussieht wie eine Ozeanwelle, sondern auch ähnlich einer solchen verwendet werden kann: Man surft auf ihr, sozusagen. Jedoch nicht auf MeereshĂśhe, sondern – je nach Laune der Himmelswelle – 100 bis 2000 Meter darĂźber. Das wird Jon im Herbst 2009 tun, die Vorbereitung läuft. Was Jon bei seinen ErkundungsflĂźgen festgehalten hat: In Form topografischer Ăœberraschungen droht vernachlässigbare Gefahr, präsentiert sich doch die Gegend rund um den Golf von Carpentaria in der Komplexität einer Tischtennisplatte. Als Orientierungshilfen springen aber die Adern, Ă„derchen und KapillargefäĂ&#x;e in die Bresche, die dem Wasser während der Regenzeit zuverlässig zeigen, wo’s langgeht, und während der Trockenzeit dem ortsunkundigen Hängegleiterpiloten.


NACH DEM ZWEITEN KAPILLARGEFÄSS RECHTS. Jon Durand, Australiens Hängegleiterweitflugrekordler, bei einem Erkundungsflug über die Gegend rund um den Golf von Carpentaria. Hier wird er im kommenden Herbst surfen, und zwar auf einer Wolke.

BILD: MARK WATSON/INCITEIMAGES.COM

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LUFTFAHRT DES MONATS (3)

CLIFF DIV ING

DAS VIDEO, ALLE FOTOS & BLOGS ZUM EVENT AUF: WWW.REDBULLETIN.COM/REDBULLCLIFFDIVING KIEL HOLEN. Orlando Duque beim kunstvollen Abtauchen im Hamburger Hafen.

BILD: MARCEL LAEMMERHIRT/RED BULL PHOTOFILES

Eine eher ungewÜhnliche Art des Sightseeings praktizierte 38 % Cliff-Diving-Superstar OrlanELBKANAL 17 % do Duque im hohen Norden FREIER FALL Deutschlands beim Red Bull Cliff Diving in Hamburg. Und in der Tat gibt ja viel zu entdecken in der 45 % Hansemetropole: die SpeiZITTERAAL cherstadt mit ihren alten Häu sern, historische Dreimaster, Container-Riesen, Ladekräne – vier Tage, lauter Erstbespringungen. Immer stylish, immer direkt an den Zuschauern, dabei aber ganz anders als gewohnt. Nicht der liebliche Wolfgangsee, sondern die Zunge der rauen Nordsee umfing Orlando und Co. Nicht mal einsetzender Regen war fßr Orlando und die ßbrigen Cliff Diver ein Grund, die Badehosen zum Trocknen aufzuhängen: Die Elbe drohte mit Ebbe – und mit ihr ein Ende des luftigen Vergnßgens.

STICH IN SEE


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BULLEVARD

THE RED BULLETIN

NOVEMBER 2008

OSKARS CIBULSKIS

ANDREAS REISINGER KURT KAUSCHITZ RYAN McDONOUGH

MARTIN ULMER

JÜNGER GEHT ’S NIMMER

BULLENFOHLEN Eng wie noch nie hat die Erste Bank Eishockey Liga begonnen. Jeder schlägt jeden, es ist fast unmöglich, Ergebnisse zu tippen. Eigentlich ein Wunder, hat doch Trainer Pierre Pagé das ohnehin junge Meisterteam von 2007/2008 heuer nochmals verjüngt. Der Roster der Red Bulls ist mit 23,8 Jahren der mit Abstand jüngste der Liga, und da sind die Farmteam-Spieler noch gar nicht in die Rechnung mit eingegangen. Schlechte News freilich für den Jugendfreund Pagé: Zu Saisonende im nächsten April wird der Kader um ein halbes Jahr älter sein als heute.

Der Altersschnitt der Red Bulls ist der niedrigste aller Teams der Erste Bank Eishockey Liga.

TÄGLICH FRISCHE EISHOCKEY-NEWS, DIE KULT-BLOGS VON PIERRE PAGÉ AUF: WWW.REDBULLETIN.COM/EISHOCKEY

BILDER DES MONATS

JEDER SCHUSS EIN TREFFER!

DEIN FOTO!

Aus dem abenteuerlichen Alltag unserer Leser: einfach hochladen auf WWW.REDBULLETIN.COM

Jedes veröffentlichte Foto wird mit einem 30-Euro-Gutschein für den Red Bull Online-Shop belohnt! www.redbullshop.com

Steffisburg Mit Gérard zu Tisch in einer Pause

des Schweizer DJ-Contests im sonnigen Kanton Bern. Simon Wandeler, DJ Swissmaster, August 2008

Istanbul

Duncan Zuur fand eine besonders schlaue Methode, das Fährgeld zu sparen. Nuri Yilmaza, Oktober 2008


THOMAS HÖNECKL

THE RED BULLETIN

WER IST WIE ALT?

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EV VIENNA CAPITALS

28,3 WILLI LANZ

HDD OLIMPIJA LJUBLJANA

26,9

WAS WURDE AUS

MARTIN FREINADAMETZ?

GRAZ 99ERS

26,5 VSV

26,4 KAC

26,3 EHC LIWEST LINZ

25,6 ALBA VOLAN

25,4 25,3

HK ACRONI JESENICE

24,4

Maurach Wenn er einmal groß ist, will Lukas auch einen Mini fahren. Lambert Hintner, August 2008

Salzburg

BILDER: OLIVER GAST, GEPA PICTURES(2), XVENTURE

HC TWK INNSBRUCK

Das Leben von „Frejn“, wie Martin Freinademetz gerufen wird, ist auch als Ex-Snowboardweltmeister selten langweilig. Seit einigen Jahren zeigt er sein Organisationstalent in Rumänien. Von Sibiu (Hermannstadt) aus navigiert der bald 39-jährige ParisDakar-Finisher gemeinsam mit seiner Frau Sigi ein mehr als ansehnliches Spektrum an Adrenalinangeboten: Trips und Camps mit Enduro, 4×4 oder ATV (All-Terrain Vehicles, sprich Quads). Dazu alljährliche Wettkämpfe: die fünftägige Hard-Enduro-Rallye Red Bull Romaniacs, die Freeride-Rennen Frejn’s Inferno (Innsbruck und Rumänien), das Snowmobile-Event Red Bull 1000 Trails. Diesen Winter erweitert der gebürtige Innsbrucker seine Action-Palette um Heliski Romania. Im FăgăraşGebirge, auch als Transsilvanische Alpen bekannt, hat er ein Freeride-Paradies für Skifahrer und Snowboarder entdeckt: Abfahrten aus 2500 Meter Seehöhe für jedes Niveau in einer fast unberührten Gegend. Geflogen wird mit einem Mount-Everesterprobten Eurocopter AS 350 B3. Frejns Piloten bringen reichlich Erfahrung vom Heliskiing in Kanada mit. Zudem sorgen Profi-Bergführer dafür, dass man sich voll auf die Gaudi konzentrieren Erzherzog von Transs kann. So soll’s sein. ilvanien. Ex- Sno WWW.XVENTURE.NET/ HELISKIING

Job mit Aussicht: Die im Hangar-8 werkenden Flying Bulls-Mechaniker haben täglich den Hangar-7 vor Augen. Franz Göttinger, September 2008

Martin Freinadametz,

wboarder nunmehr Act ion -Spezia list.

Krems Besuch aus Deutschland: Der Red Bull-Doppeldecker ließ sich „Winzer in Krems“ nicht entgehen. Andreas Krenslehner, September 2008


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NOVEMBER 2008

KALT/WARM

DER MANN MIT DEM VOGEL

RÖNTGEN MACHT RATLOS Zehn Monate sind vergangen, seit sich Cliff Diver Joey Zuber bei einem missglückten Sprung in Kolumbien den rechten Oberschenkel zerschmettert hat. Und auch wenn der Australier ehrgeizig Rehabilitation betreibt (etwa im Red Bull DTC in Thalgau oder mit seinem Physiotherapeuten Richard Newton, oben links), machen ihn aktuelle Röntgenbilder nun ein wenig ratlos. Joeys rechtes Bein ist seit dem Unfall um 2,9 Zentimeter kürzer als das linke – es bedarf eines guten Orthopäden, um die Differenz durch Schuheinlagen auszugleichen. So nebenbei entdeckten die Ärzte, dass der rechte Knöchel an zwei Stellen gebrochen war, die Bänder lädiert sind und ein Meniskus eingerissen ist. Joey nimmt die Diagnose mit Galgenhumor auf: Das habe man davon, wenn man sich so häufig mit Ärzten abgebe. Auf jeden Fall will er 2009 wieder springen: Auf einem Trampolin übt er bereits. Daneben baut er sein Diving-Business in Australien auf und schreibt an seinem Buch „Off the Cliffs“: teils Blick hinter die Kulissen seines Sports, teils Biografie. Zu erzählen hat er einiges – oder wussten Sie, dass Joey als Jugendlicher für eine Gage in Höhe einer Monatsmiete vom Garagendach in ein Bassin hüpfte, das kaum größer war als ein Wasserkübel?

FOUR DESERTS: ATACAMA/CHILE MÄRZ 2009, SAHARA OKTOBER 2009, ROTE WÜSTE IN VIETNAM FEBRUAR 2010, GOBI JUNI 2010

ERÖFFNUNG VON JOEYS „THE PARADISE DIVING CLUB“: NOVEMBER 2008, GOLD COAST, AUSTRALIEN; JOEY BLOGGT AUF: WWW.REDBULLETIN.COM/JOEYZUBER

Villach

Unten wirbelten die Carts durch die Villacher Innenstadt. Oben drüber zogen Fallschirmspringer ihre Kreise. Robert Telsnig, September 2008

WINDISCHGARSTEN Stargast beim Charitygolfen

war Andi Goldberger – am Ende gab‘s 4000 Euro für Wings for Life. Christoph Eiber, Dilly’s Wellnesstrophy, Oktober 2008

12 MONATE CHARITY

WANDSCHMUCK Thomas Wizany ist erstens Salzburger, zweitens Architekt und drittens Karikaturist. Prädestiniert also, seine Stadt humorvoll zu skizzieren. Das Ergebnis: zwölf Illustrationen als Kalender 2009, dessen Erlös dem Projekt „Leuchtende Kinderaugen“ zugute kommt. CHARITY-KALENDER „MEIN SALZBURG“: AB MITTE NOVEMBER ERHÄLTLICH

Madrid Red Bull X-Fighters in Las Ventas:

Mat Rebeaud war der Hammer. Das hier war der Hummer. Christian Holzer, Red Bull X-Fighters Madrid, Juli 2008

BILDER: JÜRGEN SKARWAN/RED BULL PHOTOFILES, PRIVAT

JOEYS COMEBACK

Dezember 2007: Das Antarctic Ultra Race führt 100 Kilometer durch die minus 40 Grad kalte Eiswüste der Antarktis. Am Start ein topfitter Christian Schiester, der seine Mitstarter erst einmal durch seine futuristische High-Tech-Ausrüstung verblüfft. Während der eisigen Strapaz sollte ihn ein weißer Vogel begleiten, von dessen realer Existenz er danach selbst nicht mehr ganz überzeugt ist: Halluzinationen sind unter Langstreckenläufern keine Seltenheit. 20 Stunden später geht Schiester als Ultra Racer des Jahres in die Geschichte ein. Zum Ausgleich wird Schiester in den nächsten zwei Jahren die größten Wüsten der Welt belaufen: Zur Vorbereitung auf diesen Desert Cup rennt er ab 22. November durch die Wüste Sinai auf der Halbinsel gleichen Namens – ganz locker, denn nebenbei wird er für www.redbulletin.com bloggen.


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RED BULL AIR RACE

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MATTHIAS DOLDERER (GER), 38

SEHEN WIR UNS 2009?

Besteigt kein Flugzeug ohne seinen Teddybären Summertime. Verbringt den Urlaub lieber auf der Berghütte als auf dem Traumschiff, hebt grundsätzlich lieber ab, als zu landen, und hätte viel lieber viel Geld als ein wenig Ruhm.

Wer an der Red Bull Air Race World Championship teilnehmen will, muss nicht nur ein Weltklasse-Kunstflugpilot sein, er muss auch eine Superlizenz sein Eigen nennen. Fünf Piloten holten sich nun im spanischen Casarrubios del Monte beim Red Bull Air Race Qualification Camp den ersehnten Schein. Theoretisch könnten sie damit in der Saison 2009, die im Frühjahr startet, rennfliegen. WWW.REDBULLAIRRACE.COM BLOGS & VIDEOS AUF: WWW.REDBULLETIN.COM/ REDBULLAIRRACE

FRANÇOIS LE VOT (FRA), 38

BILDER: MARKUS KUCERA (5); ILLUSTRATION: HERI IRAWAN

Übt sich in Bescheidenheit, ist süchtig nach Humor und muss sich selbst täglich einen Witz erzählen. Im Fernsehen schaut er MotoGP-Rennen und würde am liebsten schon sehr bald ein Red Bull Air Race in seiner Heimatstadt Marseille fliegen.

YOSHIHIDE MUROYA (JPN), 35 Macht sich in der Früh als Erstes auf den Weg zu einem anständigen Frühstück mit Reis und steht auf die Farbe Rot. Wenn schon Sport, dann lieber Gewichte stemmen als laufen, und wenn Letzteres denn sein muss, dann nur zum Sound von Bon Jovi.

PETE McLEOD (CAN), 24 Brachte im Alter von fünf Jahren das erste Mal ein Flugzeug zum Abheben. (Oder war er zehn? Genau kann er sich mehr daran erinnern.) Spekuliert in der Freizeit gerne an der Börse und wäre, wenn er nicht Pilot geworden wäre, jetzt Eishockeyprofi.

Tieschen Mitten im Steirischen ließen es die Mountainbiker krachen. Fabian Perfler, August 2008

Salzburg

MATT HALL (AUS), 37 Steht auf eine Ladung g-Kräfte mehr als auf den Geschwindigkeitsrausch. Lebt lieber am Land als in der Stadt, vorzugsweise im australischen Newcastle. Isst sehr gern und oft Curry und liest dazu spannende Bücher. Mahlzeit!

Das 4:2 unserer Bullen gegen Vöcklabruck im ÖFB-Cup war uns doch glatt ein neues Make-up wert. Jan Kroiss, September 2008

Krems Wenn ich mal groß bin, möchte ich zu den

Flying Bulls gehören und im Hangar-7 fliegen! Martin Zahrl, Airshow Krems-Gneixendorf, August 2008


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ANKOWITSCHS KOLUMNE BELEBT KÖRPER UND GEIST (13)

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SEHR KOMISCH

OB ETWAS SCHMERZT, BESTIMME ICH! Wie oft haben wir unsere Eltern nicht sagen hören: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ Und wie oft haben wir uns nicht gedacht: „So ein Riesenblödsinn! Was weh tut, tut weh!“ Von Christian Ankowitsch

Heute ist der Tag, an dem wir bei den Eltern Abbitte leisten müssen, denn sie hatten recht: Indianer kennen wirklich keinen Schmerz! Damit sind freilich nicht die realen Ureinwohner Amerikas gemeint, sondern vielmehr all jene Menschen, denen es gelingt, sich als Indianer zu fühlen – aber alles der Reihe nach. Wer sich in den Finger schneidet, den Kopf anhaut oder einen Zahn reparieren lässt, der empfindet Schmerzen. Wie groß und unangenehm sie ihm erscheinen, hängt nicht bloß von der Art der Verletzung ab, sondern auch davon, in welcher Rolle er sich sieht. Wer also zum Zahnarzt schleicht und sich als Opfer sieht, dem gleich Grauenhaftes angetan werden soll – der wird das Gebohre als sehr unangenehm empfinden. Wer hingegen in die Rolle der furchtlosen Rothaut schlüpft und denkt, er kenne keinen Schmerz, der wird denselben Schmerz deutlich weniger stark empfinden. Herausgefunden haben das Forscher von der ETH Zürich um Professor Gerd Folkers. Und zwar so: Sie forderten ihre Versuchspersonen auf, erst die Rolle von Helden zu spielen, die eine Prinzessin befreien müssen, und anschließend die von Feiglingen. Das Resultat war eindeutig: Die Heroes hatten eine deutlich höhere Schmerztoleranz als die Schlaffis.

Lausitzring Autotester Dieter Quester:

der pfeilschnelle Veteran als NASCAR-Rookie! Fritz Quester, Oktober 2008

In eine ganz ähnliche Richtung weist das Phänomen, das man an Menschen beobachtet hat, die in einer schwierigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation leben. Sie werden nicht nur seltener krank, sondern empfinden die körperlichen Mühen ihres Berufs weniger stark. Wie schmerzvoll jemand etwas empfindet, ist also auch von dessen aktueller Lebenssituation abhängig. Und noch ein Forschungsergebnis zeigt, dass wir einigen Einfluss darauf haben, wie unangenehm wir etwas empfinden. Wissenschaftler von der Wake Forest University in Winston-Salem, North Carolina, haben gezeigt, dass dabei unsere Erwartungen eine große Rolle spielen: Wenn wir die Ordination des Zahnarztes bereits in der Annahme betreten, gleich würden wir vor Schmerzen brüllen, wird uns schon das Öffnen des Mundes ein bisschen weh tun. Ganz zu schweigen vom anschließenden großen Bohren. Aus diesen Erkenntnissen lässt sich ein einfacher Ratschlag ableiten: Wenn etwas weh zu tun droht, schlüpfen wir am besten in die Rolle eines Helden und denken beim Anblick der Zange: „Ich bin Winnetou!“ Wer ganz sichergehen will, kann sich noch einen Tomahawk besorgen und in die Aktentasche stecken – und ihn hervorholen, wenn es der Zahnarzt übertreibt.

Split Janica und Jelena auf großer Fahrt in der cool gestylten Beiwagenmaschine. Alexander Walter, August 2008

SEXY FORMEL 1

THE WINNER IS … Wer die meisten Punkte hat, gewinnt die Formel-1-WM: gerecht? Nicht für Christina Surer, Rennfahrerin, Model, TV-Moderatorin. Das Ranking der Schweizerin: Es siegt Lewis Hamilton (charmant, höflich, zuckersüßes Lachen) vor Nico Rosberg (gutaussehender Sonnyboy, frech, intelligent) und David Coulthard (schaut klasse aus, war einmal ein ganz netter Arbeitskollege bei der Mercedes SLR Safety & Speed Academy, hat leider eine Freundin). WWW.REDBULLETIN.COM/F1

Weidischbach

Die beflügelnde Wirkung von Red Bull, wir verraten es an dieser Stelle, hat auch ihre Grenzen. Gernot Hipp, September 2008


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NOVEMBER 2008

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BILDER: CORBIS, JÖRG HERLEIN, HELGE KIRCHBERGER, SUTTON MOTORSPORT IMAGES (2)

26.5.2008: GLEICH GEHT’S LOS MIT MEINER ERSTEN FLUGSTUNDE IM EINMOTORIGEN ZWEISITZER.

NA BIT TE! FLUGLEHRE R HANS MEINT, ICH SEI EIN TAL ENT!

THEORIE BESTANDEN! VOR DEM PRAXISTEIL BÜFFLE ICH NOCH FLUGROUTEN. DAS KOMMT SICHER!

ÜBERFLIEGER

KÄPT’N MORGI Ende Mai schwebte Thomas Morgenstern das erste Mal durch die Luft. Nicht mit Skiern von der Schanze, sondern im Cockpit einer Katana DV 20. „Ich wollt schon als Kind Pilot werden“, so der Herr der Lüfte, der jetzt, vier Monate später, den Pilotenschein in Händen hält. Ganz schön cool – obwohl: Ohne Nervenflattern ging die theoretische Prüfung nicht ab. „Ausgerechnet Aerodynamik fiel mir beim Büffeln am schwersten, dabei hat mich das am meisten interessiert.“ Routinierter dann natürlich der praktische Teil. Als Draufgabe legte das Flugtalent sogar eine wunderschöne Landung hin. Zu den nächsten Skisprung-Wettkämpfen will Morgenstern schon selbst anfliegen. Ob Kollege Schlierenzauer auch einsteigt, ist jedoch noch ungewiss.

ÜBER DEN WOLKEN IST ES AM SCHÖNSTEN – DAS MEINT AUCH MEIN FLUGLEHRER HANS PALLASKE, DER HIER DEN CO GIBT.

SKISPRUNG-WELTCUP: 28./29. NOVEMBER 2008, KUUSANO, FINNLAND THOMAS BLOGGT AUF: WWW.REDBULLETIN.COM/THOMASMORGENSTERN

Mölltaler Gletscher

Kitesurfen im Schnee? Nein! Speedrider bei der Arbeit. Martin Szilagyi, Oktober 2008

Plowdiw

Es wurde gebreakdanct, dass sich nicht nur die Bretter bogen. In Bulgarien zu B-such: B-Boy Salah. Borislav Stefanov, Red Bull Beat Them All, September 2008

Lienz Vor dem Start des Härtetests noch ein Schluck

aus der ganz großen Dose. Robert Reiter, Red Bull Dolomitenmann, September 2008


20 PHYSIKALISCHE FORMELSAMMLUNG (XIII)*

EINE ZIEMLICH SCHRÄGE SACHE Durch die Entwicklung der Carving-Ski hat sich der Skirennsport verändert. Die starke Taillierung erlaubt wesentlich engere Kurvenradien, wie uns das Lindsey Vonn hier eindrucksvoll zeigt. Das bedeutet aber eine höhere Belastung des Bewegungsapparats. Kein Wunder, dass unter anderem die Zahl der schweren Knieverletzungen deutlich zugenommen hat. Wie stark sind aber die Belastungen, die auf die Skifahrerin in einer Kurve wirken? Um das abzuschätzen, braucht man zwei Kräfte: die Zentrifugalkraft FZ und die Gewichtskraft FG. Die Physiker sprechen eigentlich nicht gerne von der Zentrifugalkraft FZ. Diese ist nämlich eine sogenannte Scheinkraft, die nur auf die Person in der Kurvenbahn wirkt. Die folgenden Betrachtungen gelten also nur aus der Sicht von Lindsey Vonn. In der Formel der Zentrifugalkraft kommen die Masse m der Läuferin, ihre Geschwindigkeit v und der Kurvenradius r vor. Man sieht, dass die FZ vom Kehrwert des Radius abhängt. In Worten bedeutet das, dass sich bei Halbierung des Kurvenradius die Zentrifugalkraft verdoppelt, weil 1 durch ½ 2 ist. Weiters ist die Zentrifugalkraft proportional zum Quadrat der Geschwindigkeit. Wenn sich die Geschwindigkeit verdoppelt, dann vervierfacht sich die Kraft. Das ist schon ganz ordentlich. Die eben beschriebenen Zusammenhänge gelten im Übrigen für jede Kurvenfahrt, auch fürs Radfahren oder Autofahren. Man kann nun direkt aus dem Bild abschätzen, wie groß die Belastung ist, die Lindsey Vonn und vor allem ihre Knie in diesem Moment aushalten müssen. Dazu muss man nur ein paar Dinge wissen. Die Zentrifugalkraft zeigt genau vom Mittelpunkt der momentanen Kreisbahn nach außen. Die Gewichtskraft zeigt natürlich genau nach unten. Und, ganz wichtig, die Summe beider Kräfte muss immer durch die Unterstützungsfläche zeigen. Wäre das nicht der Fall, würde die Skifahrerin nach innen oder nach außen kippen. Die Gesamtbelastung kann man natürlich ausrechnen, man kann das aber auch, wie in der Abbildung, grafisch lösen. Die Gesamtkraft, die Lindsey Vonn in den Boden drückt, entspricht in diesem Moment mehr als der doppelten Gewichtskraft, also 2g. Salopp gesagt wirkt das so, als hätte man sich selbst auf den Schultern sitzen und geht dabei in die Hocke. Dass dann jedes Verschneiden gefährlich für die Knie wird, ist naheliegend. * Mag. DDr. Martin Apolin, 43, ist promovierter Physiker und Sportwissenschaftler. Apolin arbeitet als AHS-Lehrer (Physik, Sportkunde) und Lektor am Institut für Sportwissenschaft in Wien und ist mehrfacher Buchautor. ALLE FORMELN AUF: WWW.REDBULLETIN.COM/FORMEL


BILD: SAMO VIDIC, ILLUSTRATION: MANDY FISCHER


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NOVEMBER 2008

MEINE WELT

TRAVIS RICE

SNOWBOARD-PARK ODER POWDER? Powder, aber mit einem Gelände wie in einem Park.

TERJE HÅKONSEN? Ist meine Motivation.

DOUBLE BACKFLIP 180?

Freunde in Gefahr.

Ob Air & Style in München oder Freeriden in Alaska: Der Amerikaner setzt mit seinem Snowboard die spektakulärsten Sprünge in den Schnee – zu sehen in seinem neuen Film „That’s It, That’s All“.

DEIN LIEBLINGSBERG?

Der Trick ist mein Markenzeichen! 2006 habe ich damit den Air & Style gewonnen – mit gebrochenen Brett.

DEINE GRÖSSTE ANGST AM BERG?

Home Pride.

HELIKOPTER ODER SNOWMOBILE? Heli. Man hat den besseren Ausblick.

BIST DU RELIGIÖS? In dem Sinne, dass wir Teil der Natur sind. Aber ich glaube nicht an den alten Mann da oben auf der Wolke.

ALASKA? JACKSON HOLE? Mein Heimatort, der Beginn meines Lebens.

Es ist und wird immer der ultimative Spielplatz für uns Snowboarder sein.

HAUBE ODER HELM? Haube.

WARST DU JEMALS UNTER EINER LAWINE? Ja, bis zum Hals. Öfter, als mir lieb war.

DAS SCHÖNSTE AM DASEIN ALS PROFESSIONAL SNOWBOARDER? Das Reisen und die Leute, mit denen ich zusammenarbeite und Snowboard fahre. Dass ich meine Tage da draußen in Mutter Natur verbringe.

BETEST DU IM POKER FÜR EIN GUTES BLATT? Nein, ich decke die Karten einfach auf.

FILMEN ODER CONTESTS? Filmen ist das Geilste.

WO KANN MAN DEINEN FILM „THAT’S IT, THAT’S ALL“ SEHEN? In Wien und München. Ich werde selbst dort sein. FILMPREMIERE: 7. NOVEMBER 2008, WIEN, PLANETARIUM, 19 UHR, 8. NOVEMBER 2008, MÜNCHEN, NEUES FORUM AM DEUTSCHEN MUSEUM, 21 UHR WWW.REDBULLETIN.COM/TRAVISRICE

Kosovo

Beflügelt bei der Friedensmission: österreichische KFOR-Soldaten im Kosovo. Daniel Hauser, September 2008

Erzberg

BIST DU AUF DEINEN FILM STOLZ? Ja. Viele Leute haben viel Zeit, Fleiß und Liebe reingesteckt. Das erkennt man von der ersten Sekunde an.

DER SCHÖNSTE ORT WÄHREND DER DREHARBEITEN? Alaska. Wir verbrachten zwei Stunden während eines Sonnenaufgangs vor der beeindruckendsten Bergkulisse, die ich bis dahin gesehen hatte.

Über allen Gipfeln ist … Freestyle: willkommener Kollegenbesuch vor dem ursteirischen Härtetest. Bernhard Egger, Erzbergrodeo, Mai 2008

KEIN SCHNEE – WAS MACHST DU? Es liegt immer irgendwo Schnee! Aber ein perfekter Point Break zum Surfen vor einer tropischen Insel ist auch nicht übel.

DIE WEGWEISENDSTEN SNOWBOARDER DER LETZTEN 20 JAHRE? Johan Olofsson, Terje Håkonsen, Brian Iguchi, Jamie Lynn, Bono, Sean Farmer, Régis Rolland, Terry Kidwell, Craig Kelly, Ingemar Backman, Shawn Palmer, Gian Simmen.

St. Johann/Pongau

Der erste offizielle Red Bull Salzburg-Fanbus, inklusive High-Tech-Innenleben! Martin Kaswurm, August 2008


NOVEMBER 2008

N AT Ü R L I C H . . . KURZ & GUT

Gregor Schlierenzauer (AUT) sicherte sich mit einem Sieg auf der WM-Schanze von Liberec (CZE) den Sommer-Grand-Prix der Skispringer. Die Wintersaison startet am 28. November in Kuusamo (FIN).

die Benjamin Karl (AUT ) eröffnete 8/09 Snowboar d-Weltcup -Saison 200 ge) standesgemäß: In Landgraaf (NED der wann der Weltcup- Gesamtsieger Vorsaison den Parallelslalom.

Galgant (Alpinia officinarum)

Kardamom (Elettaria cardamomum)

Quitten (Cydonia oblonga)

Hagebutten (Rosa canina)

Ingwer (Zingiber officinale)

Zitronengras (Cymbopogon citratus)

Holunderblüten (Sambucus nigra)

Birkenblätter (Betula pendula)

Bjørn Dunkerbeck (SUI) holte vor 210.000 Fans den Slalom 42 beim Sur f-Weltcup auf Sylt. Sein zehnter Triumph auf der deutschen Nor dseeinsel freute Dunki sehr: „Ich könnte alle umarmen!“

Brandon Semenuk (USA) sicherte sich den Sieg beim weltärgsten Mountainbike-DownhillEvent Red Bull Rampage – und erntete dafür 10.000 Dollar Preisgeld.

Gisela Pulido (ESP) ist immer noch erst 14-jährig, aber in Sachen Kitesurf-WM-Titel ein alter Hase: In Chile fixierte das Wunderkind seinen bereits fünften Titel in Serie.

Sébastien Loeb (FRA) dominierte die Rallye-WMLäufe von Spanien und Korsika in gewohnter Manier. Der fünfte WM-Titel in Serie scheint damit nur noch Formsache.

www.carpediem.com

BILDER: AIR&STYLE, CORBIS (2), GEPA PICTURES, ROBERTO FORESTI, HOCH ZWEI, IMAGO (2), KPA PHOTO ARCHIVE, RED BULL PHOTOFILES (5), REUTERS, SHUTTERSTOCK; ILLUSTRATION: ALMUT BECVAR

BELEBEND.

DES TRINKENS REICHER SINN. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Botanik an der Universität Wien wurden 8 Kräuter und Pflanzen ausgewählt, deren belebende Wirkung seit Jahrhunderten bekannt ist: Ingwer, Kardamom, Galgant und Quitte kräftigen den Kreislauf, Holunderblüten und Hagebutten stärken das Immunsystem, Birkenblätter und Zitronengras wirken stimulierend. Dieser einzigartige Pflanzenmix und Wasser aus den Alpen machen Botanic Water Belebend zu einem 100% natürlichen Trinkgenuss.


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REKORDE

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ALPINE SKI-WELTCUP-REKORDE

ANJA, ANNAMIRL UND DER HERMINATOR Wer war die jüngste Gewinnerin eines Weltcuprennens? Welchen Platz kann man mit 5,2 Sekunden Rückstand auf die Siegerin belegen? Und wann gab’s die meisten Siegerinterviews?

Die Kitzbüheler Rennen sind die prestigeträchtigsten der Welt. 124 Bewerbe wurden bislang über Mausefalle, Ganslernhang und Co ausgetragen. Das reicht in der ewigen FISRangliste für Platz zwei hinter Val d’Isère in den französischen Alpen, wo bereits 140 Rennen stattfanden.

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66

Als Hermann Maier am 23. Februar 1997 in Garmisch-Partenkirchen seinen ersten (SuperG-)Weltcupsieg feierte, war dies der Auftakt zur beeindruckendsten Siegesserie einer Nation. Das ÖSV-Team gewann in Folge 21 SuperGs (inklusive Olympia und WM) und blieb über drei Jahre ungeschlagen in dieser Disziplin.

Speedspezialisten werden nicht nur älter, sondern auch schneller: Der Liechtensteiner Marco Büchel gewann mit 36 Jahren und 75 Tagen den Super-G von Kitzbühel und ist damit der älteste Sieger eines Weltcuprennens.

36

2 16

Das stille 530-Seelen-Örtchen Tärnaby in Lappland bringt es auf die höchste Anzahl an Weltcupsiegen. Ingemar Stenmark, erfolgreichster Skirennläufer aller Zeiten (86), Stig Strand (2) und die noch aktiven Anja Pärson (38) sowie Jens Byggmark (2) halten im Moment bei 128 Siegen für ihren Heimatort.

Bei der Abfahrt von Gröden am 17. Dezember 1993 wurden die meisten Siegerinterviews geführt. Zunächst wähnten sich Patrick Ortlieb und Hannes Trinkl als ÖSV-Doppelsieger. Mit Nummer 30 zertrümmerte Marc Girardelli deren Bestzeit. Werner Franz durfte nach der schnellsten Fahrt mit Nummer 52 auf seinen ersten Sieg hoffen. Doch dann kam der Liechtensteiner Markus Foser, mit der höchsten Siegernummer aller Zeiten, 66, und gewann sein einziges Weltcuprennen.

27

128

Mit jugendlicher Unbekümmertheit gewann die Deutsche Pamela Behr am 9. Dezember 1972 den Damen-Slalom von Val d’Isère: Mit 16 Jahren und 79 Tagen ist sie die jüngste Weltcupsiegerin der Geschichte. Ein weiterer Sieg blieb ihr in der Karriere verwehrt.

5,20

Wer am 7. Jänner 2007 die Entscheidung des 2. Slalom-Durchgangs von Adelboden sehen wollte und den Fernseher nur einige Minuten nach Übertragungsbeginn aufdrehte, verpasste die Siegesfahrt. Der Schweizer Marc Berthod hatte sich mit Startnummer 60 als 27. für den 2. Durchgang qualifiziert, fuhr überlegene Laufbestzeit und katapultierte sich so auf das oberste Siegespodest.

Mit 5,20 Sekunden Rückstand auf den Sieger macht man in den seltensten Fällen Weltcuppunkte. Beim Riesentorlauf in Furano (JAP) 1979 reichte Annemarie MoserPröll dieser Abstand zur Siegerin Marie-Therese Nadig (SUI) – der größte zwischen den beiden Erstplatzierten – dennoch für Platz zwei.

BILD: GEPA PICTURES, ILLUSTRATION: ALMUT BECVAR

140

Viel Zeit blieb Luc Alphand (Bild oben) am 14. Jänner 1995 nicht, um seinen Abfahrtssieg in Kitzbühel zu feiern. Drei Stunden später stand er wieder am Start – und gewann auch die zweite Abfahrt. Das Kunststück zweier Siege an einem Tag gelang neben dem Franzosen nur Corinne Rey-Bellet (SUI) 1999 in St. Anton in Abfahrt und Super-G.


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HELDEN Wer uns diesen Monat bewegt.

MARC JANKO spricht über Glück LISA SCHNELL widerlegte die und Instinkt, Bauch und Gefühl – und auch ein ganz klein wenig über seinen Job als Fußballspieler. Seite 28

These von der Unheilbarkeit des verletzten Rückenmarks. Dafür bekam sie den „Wings for Life Award“. Seite 34

DAVID LAMA ist einer der besten

Kletterer der Welt. Doch er hätte sicher auch dann als Wunderkind verblüfft, wäre er Pianist geworden. Seite 38


RED BULL SOUNDCLASH

ist das musikalische Heldenformat: In Graz matchen sich die Bands Jetset und Tyrone konzertant um den Sieg. Seite 46

BILD: ANTON JDANOV/RED BULL PHOTOFILES

RED BULL SOUNDCLASH. Ein Saal, zwei Bühnen, zwei Bands – und ein hin und her gerissenes Publikum, das am Ende per Dezibel entscheidet, wer die bessere Performance abgeliefert hat. Das musikalische Match kommt im November erstmals nach Österreich.

LUCA PATUELLI ist in der Break- TONI SEELOS hat vor achtzig dance-Szene besser unter seinem Künstlernamen „Lazylegz“ bekannt. Luca ist jedoch ein ganz spezieller Star. Seite 50

Jahren den Parallelschwung erfunden. Kein Wunder, dass er der beste alpine Slalomläufer seiner Zeit war. Seite 54


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THE RED BULLETIN

HELDEN

NOVEMBER 2008

MARC JANKO

stürmt nach langer Ver-

letzungspause wieder in Bestform, angetrieben vom richtigen Torriecher. Wie viel davon Instinkt ist und wie viel Glück und Training, hat Marc uns verraten. INTERVIEW USCHI KORDA BILD PHILIPP HORAK RED BULLETIN: Du wurdest im Februar 2007 von einem

Abwehrspieler schwer verletzt. Wie ist heute dein Verhältnis zu Verteidigern?

Generell hab ich nichts dagegen, wenn man hart einsteigt. Ich find’s aber nicht okay, wenn es gesundheitsgefährdend ist, man in Zweikämpfe ohne Rücksicht auf Verluste einsteigt. So war das damals bei mir. Er ist mir ohne Chance auf einen Ball von hinten ins Standbein reingehupft und hat nicht einmal die Gelbe Karte bekommen. Es ist schon zu hinterfragen, ob so was nicht härter geahndet werden müsste.

MARC JANKO:

NAME Marc Janko GEBURTSDATUM/-ORT 25. Juni 1983, Wien BERUF Stürmer bei Red Bull Salzburg und im österreichischen Nationalteam ENTDECKTE mit sieben Jahren seine

Wenn mir dauernd einer am Schuh klebt, reißt mir doch irgendwann der Geduldsfaden. Brüllt man da manchmal los?

Hätte wenig Sinn, das machen die Tiere in der Natur. Ich habe andere Wege gefunden, mir Respekt zu verschaffen. Wenn es in die unschöne Schiene abgeht, wird man auch unfair und teilt aus. Auf die Zehen hüpfen zum Beispiel. Ich bin mit 93 Kilo relativ schwer, das tut dann schon ziemlich weh. Aber ich agiere nie von Anfang an unfair.

linie zu stehen alles andere als geeignet für mich ist. Da hab ich beschlossen, nie Trainer zu werden. Das ist zu nervenaufreibend, da leide ich zu viel mit. Endlich wieder zurück, warst du gut, aber Hickersberger hat dich nicht für die EURO aufgestellt. Wie verkraftet man das, nachdem man ein Jahr lang diese Karotte vor Augen hatte?

Vor der Verletzung galt ich als großer Hoffnungsträger für die EM. Dann war die EM so weit weg wie eine Reise zum Mond. Wieder im Team, hab ich gut gespielt, viele Tore geschossen. Als sich der Teamchef gegen mich entschieden hat, ist ein kleiner Lebenstraum zerplatzt. Gab es da eine Begründung, oder wurde dir nur schlicht die Tatsache mitgeteilt?

Er sagte, dass ich zwar jetzt zu meiner Form gefunden habe, aber zu spät. Ich habe mir nur gedacht: wann, wenn nicht jetzt, wenn ich in Form bin? Vielleicht war die Absage aber gar nicht so schlecht. Jetzt gibt es einen neuen Trainer, neue Spieler, eine neue Taktik, und ich bin von Beginn dabei.

Du hattest fast ein Jahr Verletzungspause. War das schlimm, so lange ruhiggestellt zu sein?

Du warst früher ein Zornbinkerl. Hat man sich da in so einer Situation im Griff?

„als große Hoffnung des

Es war am Anfang eine Katastrophe. Aber dann findet man andere Sportarten. Ich habe monatelang mit dem Handkurbel-Ergometer trainiert. Das ist so wie Rad fahren, aber die Bewegung machst du nur mit der Hand. Es war jedoch lang nicht so befriedigend wie Fußball spielen.

Da war ich sehr klein und jung. Man reift ja, und heute bin ich nicht mehr der klassische Zornbinkel. Natürlich ärgere ich mich, aber ich bin eher so einer, der sich das mit sich selber ausmacht, der probiert, das zu lösen, anstatt jemand Gewalt anzudrohen oder Sachen zu zerschlagen.

österreichischen Fuß-

Und wie hast du dich motiviert?

Ist es ein Vorteil, wenn man groß ist als Stürmer?

balls“ (Toni Polster)

Ich wollte einfach wieder zurückkommen. Ich habe schon von klein auf Fußball gespielt, das war immer meine Leidenschaft. Am Anfang war nicht klar, ob ich jemals wieder spielen kann. Mein Arzt hat gesagt, er weiß nicht, ob ich jemals wieder ohne Schmerzen werde laufen können. Das ist Wahnsinn, wenn das einem Sportler gesagt wird. Aber ich habe mich positiv gestimmt, dass ich den Weg zurück machen werde.

Das hab ich mir bisher schon gedacht. Mir kommt aber vor, dass die Schiedsrichter immer mehr meine körperliche Überlegenheit als Foul ahnden. Man kann sich die letzten Spiele anschauen. Ich steh verkehrt zum Gegner und mach mich nur breit. Das wird mir aber als Foul gerechnet, obwohl die Verteidiger auf mir draufhängen wie die Katzen am Katzenbaum. Es ärgert mich, dass da nicht mit gleichem Maß gemessen wird.

Liebe zum Fußball. Das Bewegungstalent spielte aber auch Tennis. Mit zwölf fiel die Entscheidung zugunsten des Mannschaftssports. GILT

HAT eine Freundin in Graz HOMEPAGE www.marcjanko.com www.redbulls.com

Nie gezweifelt?

Zweifel gehören dazu. Immer positiv – das wäre jetzt gelogen. Natürlich gab es Tage und Wochen, wo ich mir gedacht habe: Was mach ich, wenn es nicht mehr funktionieren wird? Was mach ich beruflich? Ich habe zwar Matura gemacht, das ist aber noch lange keine Absicherung. Hast du daran gedacht, Trainer zu werden?

Nein! Wegen meiner Verletzung war ich oft zum Zuschauen verdammt und hab gemerkt, dass an der Out-

Und wie ist das im Zusammenspiel mit der Mannschaft?

Kommt drauf an, wie gespielt wird. Wenn sie auf Konter spielen will, hat man mit großen Stürmern wenig Freude, weil die nicht die Schnellsten sind. Die kleineren sprinten schneller. Wenn ich mit vielen Bällen versorgt werde, dann bin ich aber schon eine Waffe. Es gibt wenig Verteidiger, die schwerer sind als ich. Wie kannst du erkennen, ob ein Tormann unsicher ist?

Das spürt man an der Art, wie er sich gibt, an seiner


KALTE DUSCHE? Gibt es im Leben eines St端rmers immer wieder. Marc Janko hat gelernt, mit Disziplin und Geduld darauf zu reagieren.


BILDER: GEPA IMAGES

Stark mit dem Kopf. Wer vorm Tor zu lange 端berlegt, ist eh schon Zweiter, sagt Janko. Trotzdem sind seine Aktionen wohl端berlegt. Ohne Instinkt und Gl端ck geht aber gar nichts.


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HELDEN

Ausstrahlung. Aber es gibt nicht so was wie: Wenn er den rechten Arm hebt, ist er unsicher. Ich habe eine gute Menschenkenntnis und kann generell erkennen, wenn Leute unsicher sind.

THE RED BULLETIN

OFT WIRD DAS FOUL MIR ANGERECHNET, OBWOHL DIE VERTEIDIGER AUF MIR HÄNGEN WIE DIE KATZEN AM KATZENBAUM!

Geht das so schnell während des Spiels?

Hmm, ja, man erkennt das an Mimik und Gestik. Zwar nicht immer, weil es wenige Torleute gibt, die von Haus aus unsicher sind. Die meisten werden unsicher durch Fehler, die sie machen. Gib uns ein praktisches Beispiel.

Vor meiner Verletzung hab ich gegen Sturm Graz drei Tore mit dem Kopf gemacht. Beim zweiten Gegentor hat Tormann Szamotulski nicht glücklich ausgesehen, obwohl es ein schwerer Ball für ihn war. Da hab ich gemerkt, dass er verunsichert ist, und hatte beim dritten Kopfball leichtes Spiel, weil er sich aus dem Fünfer nicht mehr rausgetraut hat. Gehst du aufs Feld und checkst zuerst den Goalie ab?

Dass der Ball ins Kreuzeck ging, war reines Glück. Ich wollte ihn bewusst hoch schießen, weil ich nicht grad das größte Tempo draufhatte. Ich habe mir gedacht, wenn ein Verteidiger reinrutscht und ich schieß ihn flach, dann spitzelt er ihn weg. Denkt man sich das alles während des Spiels?

Denken als Begriff dauert mir zu lange. In dem Moment fühlt man das nur, spielt aus dem Bauch heraus.

Nein. Wenn man einmal vor ihm steht, muss man wissen oder fühlen, was man macht. Wenn du zu lange überlegst, bist eh schon Zweiter.

Wunderst du dich manchmal, dass der Ball wirklich im Tor landet?

Gibt es einen Tormann, gegen den du unbedingt antreten möchtest?

Wunderst du dich, wenn er nicht im Tor landet?

Bin ich schon: Gianluigi Buffon. Cooler Typ, es gibt nicht viele, die ihm das Wasser reichen können. Du hast gegen ihn ein Tor gemacht. Merkt man sich das ewig?

Ich weiß genau, wie das war. Der Ball kam von der Seite, Paul Scharner hat ihn weitergeköpfelt, ich habe ihn gleich aus der Drehung übernommen, er ist vom Verteidiger leicht abgefälscht worden und – für Buffon unhaltbar, weil er geglaubt hat, er geht in die andere Richtung – im Tor gelandet. Er wäre aber auch ins Tor gegangen, hätte Barzagli ihn nicht abgefälscht. Gibt dir so etwas einen extra Adrenalinschub?

Ich bekomme immer einen Adrenalinkick bei einem Tor. Wurscht, ob gegen Buffon oder Schicklgruber. Bist du schon einmal an einem Tormann verzweifelt?

Das klingt vermessen, aber: nein. Ich habe noch nie in einem Match so viele Chance vergeben, dass ich mir gedacht habe: Das gibt’s doch net, was is’ denn mit dem los? Es passiert manchmal, dass das Zusammenspiel in der Mannschaft nicht so gut funktioniert. Gehst du dann nach hinten und holst dir den Ball?

Macht keinen Sinn, weil ich andere Stärken habe. Es gibt Stürmer, die so stark sind, dass sie sich die Bälle holen, Solos über dreißig Meter hinlegen und dann das Tor schießen. Das hab ich noch nie geschafft. Gibt es bei Red Bull Salzburg Spieler, die dich perfekt anspielen?

Generell ist die Hintermannschaft gut auf mich eingespielt. Angefangen bei Patrik Ježek auf der einen Seite oder László Bodnár auf der anderen.

Nein. Na wundern … das hieße ja, dass ich das nicht bewusst gemacht habe, sondern nur irgendwas und der Ball landet im Tor. Ich habe schon immer einen Hintergedanken bei den Aktionen, die ich mache. Aber man braucht schon Glück dazu, oder?

Ja, teilweise. Man kann etwas so strategisch anlegen, wie man will: Hat man kein Glück, geht der Ball nicht rein.

Man kann Glück nicht erzwingen. Man kann nur probieren, sich Glück zu erarbeiten, indem man immer wieder Situationen und Standards trainiert und automatisiert. Man minimiert den Faktor Glück, indem man sich sagt: 80 Prozent sind Können. Ob ein Ball an die Stange oder ein paar Zentimeter weiter links und reingeht, das ist dann von mir aus Glück. Wird man da abergläubisch?

Natürlich bin ich, wie viele Stürmer auf der Welt, abergläubisch. Bekannt ist meine Macke, dass ich den rechten Schuh vorm linken anziehe. Das Schweißband, das mir meine Freunde geschenkt haben, ist mein Glücksbringer. Aufs Feld gehe ich immer mit dem linken Fuß zuerst. Das mach ich unbewusst, vielleicht weil mein linker Fuß der stärkere ist. Und dann bekreuzige ich mich, vor dem Rauslaufen als Dankeschön, dass ich wieder spielen darf. Liest du Horoskope?

Ich bin schon aufgeschlossen für Esoterisches, aber dass ich jetzt Horoskope lese vorm Spiel oder mir eines erstellen lasse, das überhaupt nicht! In welcher Hinsicht esoterisch?

Ist ein Tor nur Glück, oder kann man das berechnen?

Ich gehe zu einem Energetiker und lasse mich behandeln. Es gibt viele, die lachen da drüber, aber ich bin generell nicht abgeneigt gegenüber diesen Dingen und der Idee von Energie im Körper.

Ein Tor durch einen abgefälschten Ball kann nur Glück sein. Es gibt aber auch Tore, die reines Können sind.

Guten Stürmern sagt man den Torinstinkt nach. Wie kommt man dazu?

Dein Tor im August gegen Austria Wien, aus kurzer Distanz direkt ins Kreuzeck, sah eher nach Glück aus.

Richtiger Instinkt ist angeboren. Entweder man hat einen Torriecher oder nicht. Das ist ein Gefühl, das

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80 PROZENT SIND KÖNNEN. OB EIN BALL AN DIE STANGE ODER EIN PAAR ZENTIMETER WEITER LINKS UND REINGEHT, IST VON MIR AUS GLÜCK. man hat, wohin man rennen muss. Das ist Antizipation, wo der Ball vielleicht hinkommt. Diese Gabe habe ich, die kann man sich nicht antrainieren. Kannst du versuchen zu erklären, wie sich so eine Situation abspielt?

Du musst dir das so vorstellen: Du glaubst in dem Moment zu wissen, wo der Ball als Nächstes hinkommt. Beispiel: Wenn da eine Flanke kommt, dann kannst zum ersten Pfosten rennen oder zum zweiten oder du bleibst hinten stehen. Ich sage jetzt einmal, 80 Prozent der Stürmer rennen auf den ersten Pfosten zu. Und ich hab in dem Moment ein Gefühl oder glaube zu wissen, dass der Ball nicht dorthin kommt, weil er vielleicht dem Außenspieler abreißt, und bleib einfach stehen, obwohl ich auf den ersten Pfosten rennen müsste. Ich mach’s aber nicht, in dem Moment kommt der Ball, und ich mach das Tor. Das ist dieses mysteriöse Phänomen. Bist du ein Bauchmensch?

Ja. Müssen gute Stürmer Bauchmenschen sein?

Es ist meiner Meinung nach das Beste, sich neben aller Taktik aufs Gefühl zu verlassen. Man sagt auch: Wenn man vor dem Tor zu viel denkt, ist es meistens zu spät, weil dann gleich der Verteidiger da ist. Ist einem in dem Moment wurscht, was der Trainer gesagt hat?

Das soll man jetzt nicht so laut sagen … (lacht) … aber es ist schon so, dass man ab und zu Sachen anders macht, als sie der Trainer vorgegeben hat. Wenn sie von Erfolg gekrönt sind, dann hat er auch nichts dagegen. Ohne Erfolg wird das natürlich nachher angesprochen und hinterfragt. Es gibt auch Spiele, in denen du vorne herumstehst, und es passiert 89 Minuten lang nichts. Und dann kommt ein Ball, du machst das Tor, und plötzlich bist du der Held. Wie geht man mit diesem Heldentum um?

Genau für diesen Moment spielt man Fußball. Deswegen wird man Stürmer, dass man der Held sein kann, dass man Tore schießt und dass man seine Mannschaft zum Sieg führen kann. Musst du dich manchmal erden, um die Bodenhaftung wiederzubekommen?

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Ich habe noch nie dazu geneigt abzuheben. Durch meine Erziehung und meine Schicksalsschläge habe ich gelernt, das gut einzuschätzen. Ich genieße das zwar immer, weiß aber auch, dass es schnell in die andere Richtung ausschlagen kann. Man liebt seine Fans, man will aber auch manchmal privat sein. Schaffst du das?

Es gibt drei Gruppen von Fans: die, die dich bewundern und gut finden. Die, die Autospiegel abbrechen und dich anstänkern. Und dann noch die, denen ich egal bin. Wenn man positiv angesprochen wird, mit „Super Spiel!“ oder „Macht nix, geht eh weiter“ nach einer Niederlage – das ist angenehm, selbst wenn es einmal die Privatsphäre stört. Die negativen, die einen anstänkern, muss man ignorieren. Das kann man lernen. Sehr diszipliniert.

Ja, das gehört dazu. Bist du grundsätzlich ein disziplinierter Mensch?

Was die Ordnung in meiner Wohnung betrifft, nicht. Ansonsten gehört Disziplin im Spitzensport immer dazu. Das hat jeder Sportler gelernt, und ich durch meine Verletzungen erst recht. Ich habe ja lange Zeit allein trainiert. Auch auf diesem idiotischen Handkurbel-Ergometer, wo du dich eine halbe Stunde verausgabst, nur mit der Wand vor Augen. Je länger man verletzt ist, umso mehr muss man sich dazu zwingen. Du schaust dir viele Spiele an, auch internationale. Was kannst du da für dich mitnehmen?

Ich schau auf die Stürmer und ihre Tricks, obwohl ich nicht der Spieler bin, der Tricks auspackt. Aber ich übe sie, und wenn ich sie kann, möchte ich sie im Match auch machen. Gibt es konkret eine Finesse, die du geübt hast?

Ich habe einmal geträumt, wie ich ein Tor mache. Da kommt eine Flanke, ich dreh mich zum Tor und schieß mit dem linken Fuß aus der Drehung heraus ins Tor. Eine irrsinnig schwierige Bewegung. Ich hab mir dann im Training solche Flanken geben lassen, und mittlerweile kann ich die Bewegung relativ gut. Vor einem Jahr habe ich in einem Trainingsmatch genau so ein Tor geschossen. Das war wunderschön. So geht viel im Sport: wenn man sich vorher das Bewusstsein schafft, im Kopf dran arbeitet, das dann am Trainingsplatz umsetzt und im Spiel zuschlägt. Der schwedische Stürmer Zlatan Ibrahimović hat einmal gesagt, dass er ohne Taekwondo-Training seine teilweise akrobatischen Bewegungen gar nicht zusammenbringen würde. Machst du auch so etwas?

Ich habe gerade erst angefangen mit einer Form von Tai-Chi, die speziell für Sportler entwickelt wurde. Ich glaube, dass asiatische Kampfsportarten gerade

bveni, bvidi, bvici...


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so großen Menschen, die dazu neigen, relativ steif zu sein, helfen, beweglich zu bleiben. Man wird geschmeidiger und spritziger. Bist du frustriert, wenn du mehrere Matches hintereinander kein Tor machst?

Nein, vielleicht noch ehrgeiziger, vielleicht ein bisschen verkrampfter, und dann rennt es nicht mehr so. Da muss man sich das Bewusstsein schaffen, dass man jetzt nichts anders macht als vorher und dass es schon wieder kommen wird. Sobald man sich verkrampft, ist es schlecht.

HELDEN

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KARRIERESTATIONEN

DER APFEL FIEL NICHT WEIT VOM STAMM „Ich wurde nie zum Sport gezwungen“, sagt Marc Janko. Doch wer in einer dermaßen sportlichen Familie aufwächst, bekommt zwangsläufig mit, aus welchem Holz Profis geschnitzt sind. Nach einem zähen Start gelang dem Bewegungstalent eher spät der Durchbruch.

Die sportlichen Jankos. Von links: Mama Eva war 1968 Olympiadritte im Speerwurf. Bruder Jan, 29, ist sportlich, aber kein Profi. Schwester Claudia, 39, spielte im Volleyball-Nationalteam. Die Oma ist Fan, Papa Herbert war Staatsmeister im Hochsprung (1966 bis ’68) und Konditionstrainer bei Rapid.

Sich nicht zu verkrampfen ist aber nicht so einfach.

Ich hatte noch nie eine lange Durststrecke ohne Tor. Vielleicht damals im Nachwuchs. Da hab ich angefangen, mich mit dem Unterbewusstsein und mit Denkweisen zu beschäftigen. Man kann sich nach einer vergebenen Chance leicht einreden: Ich bin so schlecht. Ich versuche, das ins Positive zu drehen. Vor ein paar Wochen gab es Gerüchte, dass sowohl Juventus Turin als auch Bristol City Interesse an dir hätten. Italienischer Traditionsverein oder Sprung auf die Insel mit Ausblick auf die beste Liga der Welt – wofür hättest du dich entschieden?

Also erst mal: Gewusst habe ich davon gar nichts, habe das nur über die Zeitungen erfahren. Wenn beides konkret gewesen wäre, dann hätte ich mich für das entschieden, was mein Bauch gesagt hätte.

Die Lehrjahre. Seit seinem neunten Lebensjahr spielte Janko bei der Admira, ab 2002 in der Bundesliga-Mannschaft. Im Juli 2005 wechselte er für eine Ablösesumme von 500.000 Euro nach Salzburg.

Na, lass ihn doch einmal sprechen …

Mit Blick auf die sportlichen Perspektiven: für England. Juve ist unter den Top-5-Klubs der Welt. Da zu spielen, wäre ein zu großer Schritt. Wahrscheinlich würd ich da am Anfang auf der Ersatzbank versauern. Dafür spiele ich einfach viel zu gerne. Das klingt jetzt aber sehr logisch.

Also gut, vielleicht auch deshalb, weil England immer ein Traum von mir war. Da wollt ich immer einmal spielen. Das hab ich schon gesagt, als mich noch niemand gekannt hat.

Die Meisterprüfung. Mit Red Bull Salzburg wurde Janko 2005/06 Vizemeister. In der darauffolgenden Saison wurde der Meistertitel nach Salzburg geholt. Derzeitiger Marktwert: 1,8 Millionen Euro (www.transfermarkt.de).

BILDER: GEPA PICTURES (3), PRIVAT

Weißt du, wie schnell du die 100 Meter läufst?

100 Meter hab ich das letzte Mal in der 6. Klasse Gymnasium gemacht, ist also ewig her. Aber ich weiß, wie schnell ich auf den ersten 20 Metern bin, das haben wir vor der EURO gemessen. Mir fehlen nur drei Hundertstel auf Jimmy Hoffer, und der ist bekanntlich eine Sprintrakete. Für einen Stürmer sind die ersten 20 Meter wichtig, alles andere rennt man selten. Bei mir schaut das vielleicht nicht so schnell aus, weil ich so groß bin, eine größere „Übersetzung“ und größere Schrittlänge habe. Aber ich bin schnell, auch wenn man es nicht glaubt. ♉

Das Teamleiberl. Sein erstes Match im Nationaldress bestritt Janko im Mai 2006 gegen Kroatien. Bei der EURO 08 kam er nicht zum Zug, aber der neue Teamchef Karel Brückner holte ihn wieder ins Team.

RED BULL SALZBURG – AUSTRIA WIEN: 7. NOVEMBER 2008, RED BULL ARENA, SALZBURG; WWW.REDBULLS.COM MARC JANKO BLOGGT AUF: WWW.REDBULLETIN.COM/MARCJANKO

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LISA SCHNELL

musste sich als allein-

erziehende Mutter behaupten, promovierte mit 50 und widerlegte mit einer unglaublichen Entdeckung das Dogma der Unheilbarkeit verletzten Rückenmarks. TEXT KATRIN STROBL BILD GIAN PAUL LOZZA

NAME Lisa Schnell GEBURTSDATUM/-ORT 2. Jänner 1945, Zürich WOHNORT Zürich ERLERNTER BERUF medizinische Laborantin, Master of Science in Hämatologie und Gerinnung (Uni Basel/Bern), Doktorat in Neurobiologie (Oxford) HOBBYS Musik, Klavierspielen FAMILIENLEBEN zwei Kinder: Sohn Rémy (41, studierter Psychologie, selbständiger Com-

HERBST IN ZÜRICH. Die Blätter orange, rot und braun, am Himmel Nebelschwaden. Gedränge am Campus der Universität Zürich, einer der besten Unis der Welt. Mehr als zwanzig Nobelpreisträger sind mit dem seit 1855 bestehenden Eliteinstitut assoziiert, 8500 Menschen arbeiten hier, 14.000 studieren – jetzt, um ein Uhr mittags, entfaltet freilich die Mensa einen alle Naturwissenschaften überstrahlenden Magnetismus. Eine ältere Dame bahnt sich mit einem Roller ihren Weg durchs Getümmel, ein rotes Lämpchen kündigt ihr Kommen von weitem an, sie hat es eilig – Zeit für ein Mittagessen bleibt ihr nicht. „Ein unglaublich praktisches Ding“, sagt sie. „Die Distanzen hier am Gelände sind groß … und schließlich verpflichtet mein Name!“ Lisa Schnell, sozusagen im Herbst ihres Lebens, verabschiedet sich mit Ende des Jahres von der Uni in den Ruhestand und wird, sagt sie, zunächst einmal die ersten drei Wochen im neuen Jahr den Pyjama nicht ausziehen. Das verschmitzte Lächeln im Gesicht der beinahe 64-Jährigen lässt vermuten, dass sie das selbst noch nicht ganz glauben kann. Doch mit dem Glauben ist das so eine Sache: In ihrem Beruf als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung für Neuromorphologie auf dem Hirnforschungsinstitut der Universität Zürich ist er notwendig. „Man muss an das glauben, was man tut. Kritisch sein, beobachten, die Effekte kontrollieren. Und immer hoffen, dass es klappt. In der kleinen Zelle ebenso wie im großen Ganzen.“

puterprogrammierer, Lehrauftrag an der Uni Basel), Tochter Dina (39, Physiotherapeutin mit Spezialgebiet Verbrennungen und Hände, jetzt Tierphysiotherapeutin)

ORANGER STRAHL. Am Weihnachtsabend 1989 kann Schnell dennoch kaum glauben, was sie sieht. Ein letzter Blick auf die Gewebepräparate unterm Mikroskop (Abbildung Seite 36) im Labor der Uni Zürich zeigt einen orangefarbenen Strahl. Einige Nervenfasern, zuerst abgetrennt, waren nachgewachsen. „Ich erzählte niemandem davon, ging völlig ungläubig nach Hause. Die Weihnachtsbeleuchtung auf den Straßen erinnerte mich an diesen leuchtenden Strahl im Mikroskop. Am nächsten Tag prüfte ich nach, ob ich mir alles nur eingebildet hatte. Der Strahl war noch da. Wieder ging ich nach Hause. Als mein Chef, Professor Martin Schwab, aus dem Urlaub zurückgekehrt war, kontrollierte ich nochmals und zeigte ihm die Fasern. Er sah mich an und meinte: ‚Lisa, wir müssen ein Paper schreiben.‘“ Das Dogma der Unheilbarkeit von Rückenmarksverletzungen war ge-

brochen, der Nachweis gelungen, dass Nervenfasern wieder aussprossen und nachwachsen können. Kaum einer hatte das bis dahin für möglich gehalten. Das Experiment öffnete der medizinisch-technischen Assistentin Lisa Schnell nicht nur die Türen in die Zirkel der internationalen Forschungselite. Es bedeutete auch den rapiden Anstieg diverser Forschungsaktivitäten und Publikationen auf dem Gebiet der Rückenmarksschädigung. Lisa Schnell und Martin Schwab hatten den vielleicht wichtigsten Schritt in Richtung Realisierung einer Vision gesetzt. Die Veröffentlichung des Papers zog eine Reihe von Fachvorträgen nach sich, das Interesse der Presse war enorm. „Meinen ersten Vortrag hielt ich in Dänemark. Die Diskussion war ein Desaster! Ich verstand die Hälfte der Fragen akustisch nicht, war froh, wenn ich einen Einwand vermeintlich richtig beantworten konnte, um im nächsten Augenblick zu hören, dass das keine Antwort auf die gestellte Frage gewesen sei.“ Der Vortrag war dennoch ein grandioser Erfolg, noch Referenten später bekam Schnell Fragen aus dem Publikum gestellt. Auch eine österreichische Fernsehstation zeigte Interesse. Wie wolle sie angesprochen werden? Frau Doktor? Frau Professor? „Einfach Schnell, ich habe keinen Titel.“ SÜDAFRIKA. Als jüngstes von sechs Kindern wurde Lisa Schnell 1945 in Zürich geboren. Die Eltern legten der wissbegierigen und musikalisch talentierten Lisa eine praktische Ausbildung nahe. Schließlich hatten bereits drei von vier Brüdern eine akademische Laufbahn – Musik, Medizin, Mathematik, Physik – eingeschlagen, und ein Mädchen würde sowieso heiraten und Kinder kriegen. Also Ausbildung zur medizinischen Laborantin und kein Biologiestudium. Frühe Hochzeit, Sohn Rémy kam kurze Zeit später zur Welt und machte das Familienglück perfekt. Doch die junge Frau war abenteuerlustig, packte ihre Familie und zog 1969 nach Südafrika: „Mein Mann und ich wollten unser Englisch aufpolieren, also gingen wir ohne Job und in Erwartung unseres zweiten Kindes nach Kapstadt.“ Vier Jahre später folgten eine Scheidung – „mein Mann forderte mich offensichtlich nicht genug, um mich auf Dauer glücklich zu machen, aber die Trennung war freundschaftlich“ – und die Rückkehr in die Schweiz mit zwei Kindern und 400 Franken in der Tasche.


DER ERSTE SCHRITT. Tatsächlich gelingt es der Medizin mittlerweile, bei Ratten Querschnittslähmung zu heilen. Zusammen mit Prof. Martin Schwab bereitete Dr. Lisa Schnell die Ausgangsbasis für alle folgenden Forschungsarbeiten und für eine begründete Hoffnung, dass Querschnittslähmung beim Menschen dereinst behandelbar sein wird.

EL DIAMCON EXERIUSTO. Commy nibh ex eugait volore dio exerit, core tat. Tie magnim volor iuscidunt acidunt num nim vel del ullum eliquat alismoluptat adiatio dolore magna adit wis autpat.


HELDEN

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DER KAMPF GEGEN DEN ROLLSTUHL. Eine Heilung der Querschnittslähmung ist noch nicht möglich. Seit 2004 arbeitet die gemeinnützige Stiftung „Wings for Life“ aber daran, den 2,7 Millionen weltweit betroffenen Menschen – pro Jahr kommen rund 130.000 dazu – die Hoffnung auf ein Leben ohne Rollstuhl zu erfüllen. Für Prof. DDr. Jan Schwab, den wissenschaftlichen Leiter von Wings for Life, ist der Durchbruch im Wesentlichen eine Frage der Zeit. Wings for Life kann durch Spenden unterstützt werden: Spendenkontonummer 1000 11911, BLZ 19530, Bankhaus Carl Spängler & Co., Salzburg. Spenden sind auch über www.wingsforlife.com möglich.

Ein Job als Labormitarbeiterin im Kantonsspital Aarau war schnell gefunden, es folgte der Aufstieg zur Cheflaborantin und Gerinnungsspezialistin. „Bei zirka 60 Stunden Arbeit pro Woche, mit Nacht- und Wochenenddiensten, war das schlechte Gewissen mein täglicher Begleiter. War es richtig, so viel zu arbeiten und die Kinder in einem Hort unterzubringen, war ich eine genügend gute Mutter? Meine Fachausbildung an der Uni Bern und Basel musste ich selbst finanzieren, für die Behörden war ich eine Pionierperson, niemand wusste so recht mit mir umzugehen.“ Im beruflichen wie im gesellschaftlichen Bereich lernte Lisa Schnell alle Facetten des Lebens einer geschiedenen Frau in der Schweiz der 1970erJahre kennen, „mir war nicht immer ganz leicht“. LEHRLING. Der Traum vom Forschen wurde 1985 bei einem dreimonatigen Sabbatical als Forschungsassistentin in den USA geboren. 20 Prozent weniger Gehalt, dafür ein Job als Assistentin des bekannten Schweizer Hirnforschers Prof. Martin Schwab waren die logische Folge. Unter seiner kompetenten, genialen Förderung konnte sie sich in der Forschung etablieren: „Bis dahin hatte ich nicht viel von Zellkulturen gehört, begann als absoluter Lehrling in Zürich. Doch ich bin neugierig, hatte gelernt akribisch zu arbeiten und hatte ein Auge fürs Detail.“ Für aktuell 2,7 Millionen Menschen weltweit wird das eines Tages der Beginn einer Geschichte sein, die ihr Leben verändert. Dann, wenn die derzeit mit dem Pharmakonzern Novartis durchgeführte klinische Nogo-Studie – Nogo ist ein Protein, durch dessen Blockade mittels Antikörpern verletzte Nervenfasern im geschädigten Rückenmark zum Nachwachsen und Rückgewinn der Funktionstüchtigkeit angeregt wer-

DIE HOFFNUNG BEI QUERSCHNITTSLÄHMUNG Ein neurowissenschaftlicher Meilenstein: Nervenfasern können wieder auswachsen. Ohne Behandlung finden sich unterhalb der Rückenmarksverletzung kaum Nervenfasern. Verletztes Rückenmark Nach einer Behandlung, bei der das „Stoppschild“ Nogo ausgeschaltet wurde, regenerieren verletzte Nervenfasern wieder. Mitte der achtziger Jahre stellte Prof. Martin Schwab zusammen mit Pico Caroni aufgrund von Zellkulturbefunden die Theorie auf, dass abgetrennte Nervenfasern des Rückenmarks sehr wohl dazu in der Lage seien, wieder auszuwachsen. Allerdings, so vermutete er, könnte es Hemmstoffe geben, die die Regeneration verletzter Nervenbahnen verhindern. Diese Idee war völlig neu. In der Zusammenarbeit mit Lisa Schnell fand sich bald auch ein Beweis für diese These. Ein Protein, das für die aussprossende Nervenfaser wie ein Stoppschild fungiert. Dieses Protein wurde später

Nogo A genannt. Zugleich mit der biochemischen Charakterisierung von Nogo A produzierte Lisa Schnell mit Martin Schwab Antikörper, die die Funktion des „Stoppschilds“ blockieren konnten. Behandelt man Rückenmarksverletzungen mit diesen Antikörpern, kommt es wieder zum Auswachsen von verletzten Nervenfasern (siehe untere Abbildung, Pfeile). Ein Dogma war gebrochen: Eine Regeneration des Nervensystems ist möglich. (Die obige Originalabbildung aus dem Jahr 1990 veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von Dr. Lisa Schnell.)

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Gratulation. Dr. Lisa Schnell erhält in Salzburg von Prof. DDr. Jan Schwab, dem wissenschaftlichen Direktor der Wings for Life Stiftung, den Award für ihre Verdienste im Bereich der Rückenmarksforschung.

den – erste Erfolge zeigt, basierend auf den Ergebnissen von Prof. Martin Schwab und Dr. Lisa Schnell. DOKTOR IN OXFORD. Das „Dr.“ kam in den 1990ern vor den Namen: Nach der Präsentation der Schnell’schen Arbeiten verschaffte ihr Professor Hugh Perry einen Studienplatz für Neurobiologie in Oxford und wird ihr Doktorvater. Das erste Jahr privat finanziert – in den Uni-Ferien arbeitet die damals Fünfzigjährige am Zürcher Institut –, das zweite Jahr mit einem Stipendium unterstützt, wird das dritte Jahr mit Doktorarbeit und mehrstündiger mündlicher Prüfung frühzeitig abgeschlossen. „Normalerweise kommen die Eltern zur Promotion ihrer Kinder, bei mir war es umgekehrt.“ Mit Sohn und Tochter, die sie immer unterstützt und ihr Auftrieb gegeben haben, mit ihren Freunden, Kollegen und Prof. Martin Schwab machte man nach der Promotionsfeier einen Bootsausflug und ein Picknick am Unicampus. „Ich habe in der Nacht darauf kein Auge zugetan, so unfassbar erschien mir die ganze Situation.“ Grundlagenforschung erinnert die quirlige Frau vom Prinzip her an die Kreativität, die beim Basteln gebraucht wird: „Du machst aus gegebenem Material was Neues, gestaltest z. B. aus Draht und Papier einen Doktorhut.“ Aber auch eine große Portion Neugier, Zweifel und Kritik gehören in der Forschung zum täglichen Brot. Doch, wie sie schnell anfügt: „Mit Selbstzweifeln bleibt man ein anständiger Mensch!“ Diese Anständigkeit, die einzigartigen Erkenntnisse, vor allem aber das Lebenswerk wurden heuer beim wissenschaftlichen Symposium der Stiftung Wings for Life in Salzburg mit dem „Wings for Life Award“ gewürdigt. Mit 63 Jahren erhielt Lisa Schnell ihre erste Auszeichnung, 18 Jahre nach der Widerlegung der Unheilbarkeit von Querschnittslähmung. Jetzt kann sie mit dem Berufsleben abschließen, sich zufrieden zurücklehnen und beim Blick aus dem Fenster feststellen: „Es wird ein schöner Herbst. Sonnig und warm bis spät in den Oktober hinein.“ ♉ IKARUS NIGHT: 22. NOVEMBER 2008, HANGAR-7, SALZBURG WWW.WINGSFORLIFE.COM

FOTO: HEIKO MANDL

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DAVID LAMA klettert nicht. Er l채sst sich von den Felsw채nden nach oben tragen. L채ngst geht es ihm nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie, und Sie ahnen es: Je schwieriger, desto besser. TEXT CHRISTIAN SEILER BILDER RAINER EDER


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NAME David Lama SPITZNAME Fuzzy GEBOREN 4. August 1990 GRÖSSE/GEWICHT 1,65 Meter, 58 Kilo WOHNORT Götzens, Tirol BERUF Kletterprofi SPORTLICHE ERFOLGE Weltcup-Gesamtsieger

HELDEN

WAS TUT DER STEIN? Etwas mit dem Maßstab stimmt nicht. Sobald David Lama den Boden verlässt, scheint er zu wachsen. Seine Gestalt gewinnt an Statur, an Ausdruckskraft. Der junge Mann, kein Freund großer Worte, artikuliert sich mit seinen Bewegungen, mit dem Pulsieren des Körpers. Im Fels wächst der Gestalt David Lamas eine Aura zu, die auf unsichtbare Weise zu strahlen beginnt, sobald der Jüngling sich den Felsen hinaufbewegt. Seine Bewegungen sind zügig und selbstsicher. Der nach oben gerichtete Blick streicht fast zärtlich über die Wand, die er in den nächsten Minuten besteigen wird, vielleicht wie die Hand eines Tischlers, der das frisch gehobelte Brett auf Unebenheiten prüft. Doch während der Tischler Unebenheiten sucht, um sie zu begradigen, checkt David Lama ab, ob der Felsen vorhat, sich mit ihm zu verbünden – und auf welche Weise er das tut: Reicht ihm der Stein die Hand, oder zeigt er ihm die kalte Schulter? Wird David Meter um Meter wie von selbst in die Höhe gehoben, oder muss er den Berg zwingen, ihm den Weg freizugeben? Der Entscheidung des nächsten Zugs, des nächsten Griffs geht das Pulsieren des Körpers voran, das Aufnehmen von Rhythmus, von Schwingung. Der Zug selbst, schnell, elastisch, ist stets so provisorisch angesetzt, dass auch ein Abrutschen, Zurückfallen auf die letzte Position nur die Voraussetzung für das Gelingen des nächsten, des endgültigen Zugs sein kann. Noch ein Schritt, ein weiterer Schritt. Der Kletterer, der sich vom Boden entfernt, wird kleiner. Aber David Lama strahlt aus der Wand. Er wird nicht kleiner. Er bleibt sichtbar. Er sprengt den Maßstab.

2008 (Vorstieg/Bouldern), Europameister Bouldern 2007, Europameister Vorstieg 2006, Junioren-Welt- und -Europameister 2004/05 WEB www.david-lama.com

ZU GUT FÜR SO JUNG. David Lamas Karriere ist, reden wir nicht herum, die eines Wunderkindes. Er wurde als Sohn einer Innsbruckerin und eines nepalesischen Bergführers geboren, verbrachte seine ersten Jahre in Axams, Tirol, war als Dreijähriger zum ersten Mal in Nepal, er schaute aus der Wiege und sah Berge. Seine Familie, sportlich. Der Großvater fährt noch heute, als Achtzigjähriger, Fahrrad, dass es raucht, die gesamte Familie hat ein verwandtschaftliches Verhältnis zum Sport. Es brauchte keine Verrenkungen, dass David seine ersten Schritte auf dem Gletscher, im freien Gelände machen konnte. Er war fünf, als ihn Hans Gastl, ein Freund der Familie, bei einem Kletterkurs anmeldete, den der Himalaja-Veteran Peter Habeler für Kinder ausrichtete. David war zu jung für diesen Kurs, er brauchte eine Ausnahmegenehmigung – dieses Motiv sollte sich in seiner Klettererkarriere noch einige Male wiederholen. Freilich war er nicht zu jung, um klettern zu können. Peter Habeler musste den kleinen David nur kurze Zeit beobachten, bis er zum Telefon griff und Davids Eltern anrief: Was der Bub für ein Gefühl für den Felsen hat … Das ist etwa genauso aufregend, als würde Herbert von Karajan die Eltern einer Geigerin darüber

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in Kenntnis setzen, dass er die Musikalität des Mädchens außergewöhnlich findet – denn dann handelt es sich um Anne-Sophie Mutter. Die Eltern standen Davids Talent wohlwollend gegenüber. Sie beschlossen, ihn zu unterstützen. Das war allerdings gar nicht einfach. Wanderkurse und Alpenvereinsaktivitäten interessierten David nicht, er suchte die Vertikale. In Innsbruck stand eine Kletterhalle des Turnvereins (ITV), deren Wände David interessieren konnten, für deren Benutzung er freilich wieder zu jung war. Sein Mentor Hans Gastl, der dem Verein als Sponsor verbunden war, musste alle Register ziehen, damit David, 6, das Training aufnehmen durfte, sanften Druck inklusive. Die Drohgebärde zahlte sich aus. David bekam nicht nur die „permission to climb“, er lernte auch seinen Trainer Reini Scherer kennen, einen fanatischen Osttiroler, dem er noch heute, zwölf Jahre später, in harter Arbeit verbunden ist. Um den Scherer-Reini hatten sich ein paar – sagen wir es ruhig – Kinder geschart, denen das Klettern Freude machte. Noch mehr Freude machte ihnen nur, gemeinsam zu klettern. RED BULLETIN: Habt ihr damals schon gezielt trainiert? DAVID LAMA: Wir

sind geklettert.

Wie habt ihr die Technik gelernt? Hinschauen. Was

man tut, um irgendwo raufzukommen. Was ist dabei wichtig? Die Lage des Körpers. Haupt-

sächlich Fußarbeit. Frag nicht so viel. Das Gemeinsamkeitsmotiv machte es dem Trainer leicht, den Mädeln und Burschen komplizierte Griffe beizubringen, sie an ein höheres Leistungsniveau heranzuführen, sie fit zu machen für den Vergleich mit anderen, auch wenn der Vergleich untereinander bereits recht prickelnd war: Aus der Gruppe, die mit Reini Scherer trainierte, sollten zahlreiche Asse herauskommen: Angela Eiter, Katharina Sauerwein, Anna Stöhr, Jakob Schubert um nur die zu nennen, die heute Weltklassekletterer sind. ACHT MIT ZEHN. Trainiert wurde in der Halle, geklettert in den Bergen. Schon als Bub empfand David den Reiz der Kletterwand nur als Teil des Gesamterlebnisses; er schätzte die Herausforderung des Boulderns, des „Kletterns ohne Seil in Absprunghöhe“, wie die Definition der Sportart lautet – und damit reichlich Raum für Spekulationen und persönlichen Geschmack gibt. Was heißt schon Absprunghöhe? Und warum Abspringen, wenn man an der Wand klebt wie David Lama? David beherrschte das Klettern an den bunten Plastikgriffen, die in glatte, unbesteigbare Platten geschraubt sind, schnell und sicher. Doch deshalb wollte er nicht auf den Reiz des Felsens verzichten, des echten, dramatischen Bergs. Sein Kollege Daniel Steuerer, der sich beim Klettern am Fels am Ellenbogen verletzt und das Sportklettern gegen das Genie-


WIE DIE KARRIERE EINES WUNDERKINDES ZU BEGINNEN HAT: ‚ICH HABE SELTEN EINEN WETTKAMPF NICHT GEWONNEN.‘


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Bruchhaufen? Dort, wo das Gestein brüchig wird. Bist du fürs alpine Klettern genauso talentiert wie fürs Sportklettern? Sagen wir so: Ich weiß in der Wand,

was mich erwartet. Intuition? Ehrlich gesagt habe ich schon zwölf Jahre

Erfahrung.

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Sport- und Alpinklettern? Beim Sportklettern ist die Linie vor-

David Lama hat ein harmonisch geschnittenes Gesicht, das ein bisschen exotisch und ein bisschen zart und ein bisschen unerschrocken wirkt und überhaupt keine Anhaltspunkte bietet, wie alt der junge Mann eigentlich ist, ist er 14, ist er 22? Seine Haare sind schwarz und lang, sie hängen ihm in die Stirn, was ihn zuweilen zu der Kopfbewegung animiert, die den Mädels mit den Zahnspangen, die bei den Wettkämpfen in der ersten Reihe stehen, so kreischend gut gefällt. Wenn die Girls David einen steilen Typen nennen, haben sie recht, schon grundsätzlich und natürlich was seine Profession betrifft. Er spricht leise und so wenig wie möglich. Während er über Fragen nachdenkt, bewegt er unablässig die Hände. David kann seinen 58 Kilo schweren Körper an zwei Fingern, mit denen er am Felsen Halt findet, hochziehen. Den Fingern sieht man an, wie angestrengt sie arbeiten müssen. Die Nägel sind zu kurz, um notfalls abgekaut werden zu können. Davids Gesicht hingegen ist sanft, sanft geblieben. Es zeigt keine Spuren von Anstrengung, von der Belastung, der sich der inzwischen Achtzehnjährige täglich unterzieht. Er nimmt in beiden Disziplinen am Weltcup der Kletterer teil, dieses Jahr freilich nicht nur in seiner Spezialdisziplin, dem „Vorstieg“ (oder „Lead“), sondern vor allem im „Bouldern“. Vorstieg bedeutet das Klettern einer etwa 12 bis 14 Meter langen Route mit Seilsicherung von unten, Bouldern wird ohne Seil in geringerer Höhe, etwa vier bis fünf Meter vom Boden entfernt, durchgeführt. Falls der Kletterer stürzt, fällt er auf eine Matte, die am Boden dafür vorbereitet ist. Vorstieg und Bouldern sind als Disziplinen etwa so unterschiedlich wie Abfahrt und Slalom im alpinen Skilauf. „Mindestens“, sagt David Lama. Er hat in beiden Disziplinen bereits einen Europameistertitel gewonnen. In dieser Saison galt seine Konzentration dem Bouldern, trotzdem konnte er beim Weltcup in Imst den Vorstiegsspezialisten um die Ohren klettern und auch dort siegen. Der zweite Rang in der Boulder-Wertung hinter seinem Trainingskollegen Kilian Fischhuber ist ihm so gut wie sicher. Den Overall-Weltcup, die Gesamtwertung aus Vorstieg, Speed und Bouldern, hat David bereits vor der letzten Konkurrenz in Moskau für sich entschieden. Trainiert wird täglich. Noch immer arbeitet David mit Reini Scherer, der ihn seit mehr als zwölf Jahren kennt, und dessen Partner Rupert Messner im Rahmen des österreichischen Nationalteams zusammen.

gegeben. Du musst nur den Körper positionieren. Beim alpinen Klettern darfst du nicht in einen Bruchhaufen kommen.

Wie gerne trainierst du? Gern. Solange es Spaß macht. Was macht dir Spaß? Kommt drauf an. Manchmal

Sparring in der Senkrechten. David klettert die Passage „Alien 5.12b“, Rostrum, Yosemite National Park, Freund Daniel Steurer kontrolliert.

DIE ERSTE EXPEDITION In einer Zeitschrift sah David Lama einen Felsen, und sein Herz begann schneller zu schlagen. Der Felsen steht in Patagonien, auf der chilenischen Seite; man weiß nicht viel über ihn. David recherchierte im Internet, klaubte einmal hier, einmal dort einen Informationskrümel auf. Dann stellte er eine Expedition zusammen, insgesamt sechs Leute, sechs Kletterer, die im Dezember 2008 an einen Ort aufbrechen werden, wo kein Auto hinfährt und kein Handy Empfang hat. Die sechs werden neue Wege gehen: neue Wege den Felsen hinauf.

ßen des freien Geländes eingetauscht hatte, machte David mit den Reizen des alpinen Kletterns vertraut. David lernte schnell. Er begleitete Daniel auf immer anspruchsvolleren Routen. Seine erste 8a-Route meisterte David mit zehn Jahren, 8b mit elf, 8b+ mit zwölf, 8c mit dreizehn Jahren. Zur Orientierung: Die französische Skala, mit der die Schwierigkeit von Kletterrouten klassifiziert wird, kennt als äußerste Schwierigkeit 9a+, eine Bewertung, die der Amerikaner Chris Sharma für die Route „Realization“ in Ceüse, Frankreich, vergab. AUSNAHMEATHLET. Als für die Leistungsgruppe die ersten Wettkämpfe auf dem Programm standen, sah sich David erneut mit einem Spezialproblem konfrontiert: Die Teilnahme an Wettkämpfen war erst ab Erreichen des zehnten Lebensjahres gestattet. David war acht. Sein Spitzname lautete „Fuzzy“. Zuerst bekam David die Ausnahmegenehmigung, an den Wettkämpfen teilzunehmen, dann feierte er seine ersten Siege. Zusammenfassend äußert er sich über die Zeit betont sachlich: „Ich hab selten einen Wettkampf nicht gewonnen.“ Damit meint er den einzigen zweiten Platz, der ihm die Bilanz ein bisschen bekleckert. Er gewann den Jugend-Europacup und wurde Jugendweltmeister, sein Talent münzte sich direkt in Erfolge um. Worin besteht das Talent eines Kletterers? Ich musste nie nachdenken, um zu wissen, was ich in der Wand tun muss. Du machst sozusagen intuitiv das Richtige? Kann man so sagen.


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Was ist die Herausforderung beim alpinen Klettern? Das Raufkommen? Natürlich. Aber nicht das „Ob“.

Das „Wie“ ist entscheidend. Wie schnell? Nein. Geschwindigkeit interessiert

mich nicht. Sondern? Wie schwierig die Wand ist. Je schwieri-

ger, desto besser. Weil die Überwindung der Gefahr dann interessanter ist? Nein. Gefahr spielt nur insofern eine Rolle, als

ich sie minimiere. Das ist die Herausforderung. Ist die Gefahr abzustürzen gegenwärtig? Der Umgang mit der Gefahr ist für mich etwas sehr Technisches. Rechnest du damit, dass etwas passieren kann? Natürlich. Ich habe mir heuer den Mittelfußknochen gebrochen. Technisch gesehen ist zwischen einem Unfall, bei dem ich mir was breche, und einem, bei dem ich abstürze und sterbe, kein Unterschied.

Allen Felsen zum Trotz. Davids Gesicht ist sanft geblieben.

habe ich Lust, ein bisschen Fahrrad zu fahren … – es schaltet sich Davids Manager ein, der präzisiert, was David unter „ein bisschen Fahrrad fahren“ versteht, nämlich eine Tagestour von 210 Kilometern in bergigem Gelände – … manchmal packe ich auch meine Sachen, rufe den Jorg an … – „der Jorg“ ist Jorg Verhoeven, Davids erster Verfolger in der Weltcup-Gesamtwertung – … und wir fahren in die Berge, ein bisschen klettern. Auch „ein bisschen klettern“ ist natürlich eine kesse Untertreibung. David Lama und Jorg Verhoeven, beide im Sportklettern absolute Weltspitze, haben Gefallen daran gefunden, Erstbesteigungen durchzuführen und sich im rauesten Gelände, das sich denken lässt, dem Mythos des kompletten Bergsteigens zu nähern. Als sie zuletzt gemeinsam die Sagwand in Tirol bestiegen, hatten sie dafür eigentlich keine Zeit. Tagsüber waren noch Geschäfte in der Schweiz zu erledigen gewesen. Doch die Sagwand wartet nicht. Sie ist ausgesetzt und entsprechend gefährlich, sie kann nur bei speziellen Wetterverhältnissen, soll heißen: an wenigen Tagen im Jahr, beklettert werden. David und Jorg entschieden sich, den Aufstieg noch in derselben Nacht zu beginnen, setzten sich ins Auto und fuhren nach Tirol. Um 23 Uhr parkten sie das Auto am Parkplatz, der Aufstieg zur Geraer Hütte dauerte zwei Stunden, um ein Uhr früh waren sie da. Die Nacht dauerte für David und Jorg bis vier, dann Aufstieg zur Sagwand. Zuerst mit den Steigeisen über ein langes Schneefeld, da war es noch dunkel. Dann die steile, schuppige Wand hinauf, eine neue Route, 820 Meter lang, sie gaben ihr den Namen „Desperation of the North Face“. David und Jorg kletterten 13 Stunden ohne Pause. Um 23 Uhr waren sie wieder in der Hütte, sie hatten Hunger. Ihre Tagesration hatte aus fünf Powerbars und einem Liter Wasser bestanden – für beide.

Hat die Allgegenwart des Absturzes so etwas wie eine spirituelle Funktion? Nährt sie zum Beispiel den Glauben an Gott? Glauben hat mir nie etwas bedeutet. Was bedeutet dir am meisten? Klettern. Ist Klettern Sport oder eine Lebenseinstellung? Beides. In der Halle und am Berg? In der Zukunft sehe ich

mich im Alpinen. Im Hochalpinen. Auch im Himalaja? Möchte ich nicht ausschließen. Sagen die Leute noch Fuzzy zu dir? Immer seltener.

David kletterte in seinem Trainingsgelände Ötztal, den österreichischen, den französischen Alpen, den Pyrenäen, den Dolomiten; in Kalifornien, in Malaysia, in Thailand. Es gibt Bilder aus ausgewaschenen Felstürmen Malaysias, die ihn als Insekt zeigen, die Schwerkraft verspottend, im Felsen pulsierende, explosive Bewegung vollführend. Das ist kein Insekt, präzisiert sein Trainer, David klettere „Monkey Style“. Er schaue den Äffchen zu, die sich mit betörender Leichtigkeit in den Baumkronen umtun, und kopiere ihre Bewegungen. David könne das. Für ihn gelten andere Regeln als für die anderen. Er sucht Schwierigkeiten, um sie zu genießen. Das heißt: Manche Schwierigkeiten genießt David gar nicht so besonders, wenn er zum Beispiel bei der Einrichtung einer Route auf dem malaysischen Felsen der Königskobra in die Augen schaut, die sich dafür interessiert, warum heute so viel Verkehr auf ihrem Felsen ist. Überhaupt, diese Tiere. Beim Gedanken, dass ihm ein Fisch anders begegnen könnte als auf dem Teller, muss sich Lama die Gänsehaut wegbeuteln. Das Wasser ist sowieso nicht sein Element. Wenn er daran denkt, dass er raus ins Tiefe schwimmen muss, erfasst ihn sogar, wie heißt das Gefühl, Angst? Wenn er tausend Meter in die Tiefe schaut, denkt er sich, uuh, super. Aber wenn die Wellen am Strand ein bisschen höher sind als bis zum Knie, geht David lieber an die Bar etwas trinken. ♉ DAVID LAMA BLOGGT REGELMÄSSIG AUF: WWW.REDBULLETIN.COM/DAVIDLAMA


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JETSET vs. TYRONE

bedeutet

wilder Rock ’n’ Roll gegen gediegenen Funk. Diese zwei musikalischen Welten treffen beim österreichweit ersten Red Bull Soundclash in Graz aufeinander. TEXT FELIX FUCHS UND FLORIAN OBKIRCHER

BAND I Jetset GEGRÜNDET 2002 HEIMATORT Berlin MITGLIEDER Ingomar Wretschko (Vocals, Guitar), Joey Kaspurz (Drums), Philipp Lippitz (Bass), Stephan Patschicke (Guitar) STIL Rock WEB www.jetset-theband.com BAND II Tyrone GEGRÜNDET 2006 HEIMATORT Graz MITGLIEDER Farina Miss (Vocals), Philipp Kopmajer (Drums), Stefan Padinger (Bass), Andreas Fürstner (Guitar), Franz Steiner (Keys) STIL Soul & Funk

AUFWÄRMRUNDE. Martialische Schreie über dem herbstlichen Graz. Am Fuß des Schlossbergs zucken zwei betagte Spaziergängerinnen zusammen und wenden ihre Blicke nach oben. „Was ist denn da los? Sollen wir die Polizei rufen?“, fragen sie verschreckt, als das Gebrüll nicht verstummt. Und wirklich, ein paar Höhenmeter über ihnen tobt ein Kampf. Genauer: ein Kampf zwischen zwei Bands. Auf der einen Seite vier junge Männer im Rock ’n’ Roll-Outfit: langes, strähniges Haar, Jeansjacke, der oberste Hemdknopf offen. Die Combo vis-à-vis wirkt geradezu streberhaft: Brille, sauberes Schuhwerk, gepflegter Kurzhaarschnitt. Im Anbrüllen steht das geschniegelte Quintett seinem rockigen Gegenüber jedoch um nichts nach. Schon beim Fotoshooting für Österreichs ersten Red Bull Soundclash zeigen die Kontrahenten Willen zum Fight. Jetset gegen Tyrone. Aufbrausender Indie-Rock vs. groovenden Funk-Soul. Was an diesem sonnigen Nachmittag noch Posing ist, wird am 14. November im Inneren des Schlossbergs in ein musikalisches Duell übergeführt. Wie im Ring werden sich Jetset und Tyrone beim Red Bull Soundclash im „Dom im Berg“ auf zwei Bühnen gegenüberstehen. Dazwischen das Publikum, das den Sieger nach Punkten kürt. Ein Applausometer als Siegesindikator, die Instrumente als Boxhandschuhe, das Mikrofon als Mundschutz. Statt mit Schlägen batteln sich die Bands aber in Sachen Spontaneität und Kreativität. Für Fairness in der Arena sorgt niemand Geringerer als FM4-DJ Beware vulgo Michael Ho, der als Schiedsrichter agieren wird. Die Idee des Red Bull Soundclash hat eine lange Tradition. Schon Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel haben sich am Hof der Habsburger in Wien musikalische Konfrontationen um die Gunst des Kaisers geliefert. Als Vorbilder dienen außerdem Jazzbands in New Orleans und Soundsystems in Jamaika. Dort improvisiert man in Sessions gegeneinander und fordert automatisch das kreative Potenzial des musikalischen Kontrahenten. Beim Red Bull Soundclash fetzen sich die beiden Gruppen nach dem Warm-up, in dem sie 15 Minuten lang eigene Songs zum Besten geben, drei Runden lang die Noten um die Ohren. Dabei gilt es, abwechselnd einer Coverversion den individuellen Anstrich zu verpassen sowie zwei Songs der jeweils anderen Band zu interpretieren und auch in anderen Musikrichtungen nicht in die Knie zu gehen.

BILD BERNHARD WOLFF / LESLIE

„Spätestens da werden Jetset versagen“, tönt die Tyrone-Sängerin Farina Miss selbstbewusst und zeigt grinsend auf die zottelige Combo. „Die haben doch außer ihren Rock-Riffs nichts drauf!“ Empört gibt Ingo von Jetset Kontra: „Vielleicht sind wir nicht die besten Musiker, dafür haben wir im Vergleich zu euch Konservatorium-Fuzzis Eier in der Hose. Die Attitude muss passen, darauf kommt es an!“ Knurren auf beiden Seiten, gespielt böse Blicke, volle Attacke. Die Gitarristen zweckentfremden ihre Instrumente als Streitäxte, Jetset-Drummer Joey zielt mit den Drumsticks ins Auge seines Gegenübers, und Farina schwingt ihr Mikrofon wie eine Keule. Lautes Gebrüll, die Kameras blitzen. In der Ringpause ist die Kampfeslust allerdings geringer. Die vermeintlichen Rivalen beschnuppern sich. Für beide Bands ist es das erste Aufeinandertreffen, zumindest für die meisten Mitglieder. „Wir haben uns schon seit gut fünf Jahren nicht mehr gesehen“, erzählen plötzlich Ingo von Jetset und Tyrone-Keyboarder Franz, klopfen sich kameradschaftlich auf die Schulter. Vor Jahren sind sie gemeinsam in Völkermarkt zur Volksschule gegangen, haben ihre Liebe zur Musik quasi gemeinsam bei Triangelmusik und „Alle meine Entchen“ entdeckt. Während Ingomar und Franz über alte Zeiten plaudern, bewundern beide Gitarristen die jeweilige Klampfe ihres Gegenübers. „Gibson Les Paul, was?“, fragt TyroneGitarrist Andreas noch etwas schüchtern. „Genau. Über einen Fender-Verstärker kommt die richtig fett“, antwortet Stephan von Jetset. Über den Kampf hinaus handelt es sich bei den beiden Combos nämlich einfach um einen Haufen junger Menschen, deren Herzen für dieselbe Sache schlagen: Musik. Egal, ob nun mit oder ohne dicke Eier. ENGE HOSEN UND SOUL. Der Red Bull Soundclash ist zwar in erster Linie ein akustischer Fight zwischen zwei Kontrahenten, doch Franz von Tyrone sieht gerade darin eine Chance. „Normalerweise spielen wir ja vor einem Soul-Publikum, das uns kennt. Beim Red Bull Soundclash sind wir nun erstmals mit einer Meute Rocker vor der Bühne konfrontiert. Eine Herausforderung“, klingt er versöhnlich, wird aber von seiner Frontfrau Farina gleich wieder ein wenig zurückgepfiffen. „So viele Rocker werden es gar nicht sein, denn in Graz regiert der Jazz. Außerdem ist der Red Bull Soundclash für uns ein Heimspiel, wir ha-


EL DIAMCON EXERIUSTO. Commy nibh ex eugait volore dio exerit, core tat. Tie magnim volor iuscidunt acidunt num nim vel del ullum eliquat alismoluptat adiatio dolore magna adit wis autpat.

AN DIE INSTRUMENTE, FERTIG, LOS! Jetset und Tyrone im Uhrzeigersinn von links unten: Ingomar Wretschko, Stephan Patschicke, Philipp Lippitz, Joey Kaspurz (alle Jetset), Philipp Kopmajer (als Foto), Stefan Padinger, Franz Steiner, Andreas F端rstner und in der Mitte Farina Miss (Tyrone).


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ROCK ’N’ ROLL IN DER SAUNA VS. ÜBEN IM JUNGSCHARRAUM – DIE ANFÄNGE DER BANDS JETSET UND TYRONE KÖNNTEN NICHT UNTERSCHIEDLICHER SEIN.

ben im Vergleich zu euch Wahlberlinern hier jede Menge Fans!“ Das ist wohl wahr. Denn die gebürtigen Kärntner von Jetset machten sich im Mai 2005 in die Spreemetropole auf, um die Musikwelt von dort aus zu erobern. Graz ist in puncto Fans noch Brachland für sie. Bis jetzt. Kennen lernten sich die vier Mittzwanziger von Jetset in Völkermarkt, wo sie fürs Erste die Sauna im Elternhaus des Bassisten zum Proberaum umfunktionierten. Von Anfang an war klar, Rock ist ihr Ding. „Unseren Namen haben wir von einem Song der Hamburger Band Blumfeld entlehnt, die waren neben unseren Helden Led Zeppelin wohl der größte Einfluss“, erklärt Sänger Ingomar. Bei den Kontrahenten könnte es sich nicht konträrer verhalten. „Unser erster Proberaum war ein Jungscharraum. Den haben wir bekommen, weil unser Drummer damals in der Kirchenband mitgespielt hat“, erinnert sich Tyrone-Keyboarder Franz, was

MUSIKALISCHER HAHNENKAMPF Zwei Bands mit Kreativität und musikalischem Spielwitz auf zwei Bühnen, das Publikum als Ringrichter dazwischen. Das sind die Zutaten für den Red Bull Soundclash. 2006 lief der erste Red Bull Soundclash über die Bühnen des Amsterdamer Clubs Paradiso. Nach dem großen Erfolg von weiteren sieben niederländischen Editionen in Tilburg und Utrecht mit jeweils über tausend Besuchern griff das Soundclash-Fieber auf andere Städte über – von Lima über Moskau bis nach Tokio und Los Angeles. Und jetzt auch auf Graz.

Volle dB. In jeder der drei Spielrunden gilt es, das Publikum auf seine Seite zu spielen und die meisten Dezibel aus der Menge zu holen. Dafür sind alle Mittel recht. Wer nach den drei Runden Cover, Take Over und The Clash die meisten Jubelstimmen (in Dezibel) aufweist, gewinnt den Red Bull Soundclash.

Prominenter Support. Beim letzten Red Bull Soundclash in Los Angeles hatten sich neben hunderten Musikfans auch Goldkehlchen wie Christina Aguilera oder Linda Perry unters Publikum gemischt. Sie standen dabei einmal nicht im Rampenlicht, sondern unterstützten ihre Favoriten mit ihrer Stimmgewalt.

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die Jetset-Rocker natürlich sehr amüsiert. 2006 begaben sich vier Grazer Jazz-Musikstudenten auf die Suche nach einer Sängerin, um als Band ihre Soulund Funk-Leidenschaft auszuleben. Farina Miss war damals neu an der Uni und wurde prompt engagiert. Nicht nur, weil sie die Hübscheste der Abteilung war, wie Franz beteuert. Im Gegensatz zu Jetset sind sie ihrer Heimatstadt treu geblieben und bespielen eifrig die lokalen Kneipen und Clubs. So auch im „Dom im Berg“ beim heurigen Grazer Jazz-Sommer. „Klar, das ist sicher ein Startvorteil beim Red Bull Soundclash. Wir kennen die Location und auch die Akustik vor Ort“, sagt Franz. Jetset-Sänger Ingo beeindruckt das wenig. „Mit dem Red Bull Brandwagen und unserem Bandmobil, einem umgebauten Iveco Baujahr ’97, tingeln wir seit zwei Jahren durch Clubs und haben Live-Erfahrung zum Abwinken.“ Auch wenn Jetset trotz des vielen Tourens der große Durchbruch noch verwehrt geblieben ist – das Quartett logiert noch immer in einer bescheidenen Zweizimmerwohnung –, kann sich die Band mittlerweile einige Erfolge auf die Fahnen heften: Jetset wurde als erste alpenländische Combo bei der Pop-Förderstelle Bandpool aufgenommen, die schon die Karriere von Acts wie Die Happy oder Anajo begründet hat. AUF DEN SAFT KOMMT ES AN. Aktuell arbeiten beide Bands an ihren Debütalben. Für Jetset ist der Gig beim Red Bull Soundclash deshalb der letzte für längere Zeit. „Wir wollten erst mal unseren Bühnensound richtig tight hinkriegen, jetzt fühlen wir uns bereit fürs Studio.“ Dort sitzen Tyrone bereits etwas länger. Im Aufnahmezimmer des Schlagzeugers wird schon heftig am Mischpult gedreht, damit die Platte bald fertig wird. Als Einfluss gilt die bandnamengebende Soulsängerin Erykah Badu. „Ihr Song ‚Tyrone‘ ist soulful und hat Tiefe. Attribute, die auch unseren Sound gut beschreiben“, sagt Franz, fügt aber hinzu: „Vielleicht entdecken wir beim Soundclash mit Jetset ja unsere rockige Seite. Die Energie ihrer Musik taugt mir nämlich sehr!“ Versöhnliche Worte, einem gemeinsamen Drink im Café Aiola oben am Schlossberg steht nach dem Shooting also nichts im Wege. Der geschniegelte Kellner begrüßt die Youngsters erst einmal etwas schroff. „Warts ihr das, die uns mit ihrem Geschrei die ganze Kundschaft verscheucht haben?“, fragt er. Als ihm die Musiker aber vom Sinn und Zweck des Lärms erzählen, zeigt er Verständnis. Schließlich ruhe auch unter seinem weißen Hemd ein Rockerherz. Jetset bestellen Melange und Marillensaft, während sich Tyrone für eine Runde Seidl entscheiden. Verkehrte Welt, staunt Farina Miss: „Solltet nicht eigentlich ihr Rocker das Bier trinken und wir den Kaffee?“ ♉ RED BULL SOUNDCLASH: 14. NOVEMBER 2008, DOM IM BERG, GRAZ BLOGS & NEWS AUF: WWW.REDBULLETIN.COM/REDBULLSOUNDCLASH

BILDER: RED BULL PHOTOFILES (2)

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JETSE T. Schwören auf Rock ’n’ Roll und Gürtel.

ihre TYRONE . Farina Miss und Jungs predigen den Funk.

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CLASHTEST

RED BULL SOUNDCLASH WORD RAP Farina Miss von Tyrone und Ingomar Wretschko, Jetset, im Wortduell.

Warum gewinnt ihr den Red Bull Soundclash? WIR HABEN DEN FUNK UND DAS BESSERE PUBLIKUM!

ROCK ’N’ ROLL RULES! NOCH FRAGEN?

Wie werdet ihr die geschlagene Band trösten? WIR GEHEN DANN ZUSAMMEN EINEN TRINKEN. UND VIELLEICHT GEBEN WIR IHNEN MAL UNTERRICHT. DAS KÖNNEN DIE GEBRAUCHEN!

ACH, WIR WERDEN IHNEN EINEN SCHLUCK SCHAMPUS AUS DEM SIEGERPOKAL GÖNNEN. DAS SOLLTE REICHEN.

Was würdet ihr mit dem gestohlenen Tourbus eurer Gegner machen? DER IST SICHER GANZ SAUBER UND SUPER ZU GEBRAUCHEN. UND WENN DA SO VIEL BIER DRIN IST, WIE SIE SAGEN, DANN FREUEN WIR UNS!

WIR WÜRDEN IHN NACH BERLIN MITNEHMEN, DIE SPRAYER UMS ECK DRÜBERGEHEN LASSEN, UND NACH EIN PAAR BEGEGNUNGEN MIT EINER LEITPLANKE WÜRDE ER DANN ZU UNS PASSEN.

Welches Instrument eurer Kontrahenten würdet ihr aus dem Proberaum stehlen? DIE LES PAUL VOM GITARRISTEN IST GANZ O. K., NUR SO ECHT UND ALT IST DIE AUCH NICHT.

DER BASSIST HAT EINEN 5-SAITIGEN BASS UM 7000 €. DER WÄR COOL, AUCH WENN UNSER BASSIST NUR ZWEI SAITEN BRAUCHT.

Wo sind die in fünf Jahren? DIE NEHMEN IHR DING SCHON SEHR ERNST. DA GEHT NOCH VIEL!

WENN SIE DIE BITTERE NIEDERLAGE GEGEN UNS VERDAUEN, KOMMEN SIE ÜBERALLHIN.

Wie viel Zeit verbringen eure Rivalen vor dem Spiegel? DIE SCHAUEN SCHON SEHR AUFS STYLING. DER DRUMMER HAT SICHER EINEN HAUFEN GEL IM HAAR, DA IST VIEL EITELKEIT DABEI.

DIE HABEN KEINEN.

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THE RED BULLETIN

HELDEN

LAZYLEGZ

NOVEMBER 2008

heißt mit bürgerlichem Namen Luca

Patuelli und leidet an Arthrogryposis. Er hat in seinem Leben noch keinem Arzt gehorcht und ist vielleicht deswegen einer der besten Breakdancer. TEXT LARS JENSEN BILD NORM EDWARDS

NAME Luca Patuelli SPITZNAME Lazylegz GEBURTSDATUM/-ORT 28. Juli 1984, Montreal WOHNORT Montreal, Quebec HANDICAP Leidet an Arthrogryposis multiplex congenita (angeborene Gelenksteife) BERUF Student (Marketing, Concordia University, Montreal) IST seit dem 15. Lebensjahr Breakdancer und Organisator von BreakdanceEvents. Bühnenauftritte mit musikalischen Weltstars (z. B. Kanye West) und im Film („Kickin’ It Old Skool“, 2007) WEB www.lazylegz.com

EIN DREIRAD ALS LEBENSHELFER. Der B-Boy Luca Patuelli, unter Breakdancern weltweit bekannt als „Lazylegz“, tritt in Schulen auf, um zu erklären, wie man etwas Furchtbares in etwas Wunderbares verwandelt. Er betritt auf Krücken einen überfüllten Saal und erklärt: „Egal, ob du mit einer Behinderung geboren wirst oder ob deine Flamme auf einer Party mit jemand anderem knutscht – wenn du eine Krise hast, verschwende keine Energie für Selbstmitleid, sondern nimm die Herausforderung an.“ An diesem winterlichen Tag in einer Aula der Centennial Regional High School in einem Vorort von Lucas Heimatstadt Montreal: Nach etwa zwanzig Minuten, in denen er von seiner unmöglichen Karriere als Breakdancer auf Krücken berichtet, lässt Luca seine Jeans zu Boden fallen und schnallt die Kunststoffpolster ab, die seine Gelenke stabilisieren. Die Gesichter der Schüler erstarren vor Schreck. Wo gesunden Menschen Muskeln wachsen, bestehen Lucas Beine aus Haut und Knochen. Sie sind etwa um die Hälfte zu kurz gewachsen. Als sei es eine der lustigsten Anekdoten, erklärt der Breakdancer, worin das Problem besteht: einer seltenen, angeborenen Form des Muskelschwunds, die üblicherweise auf den gesamten Körper übergreift und sich bei ihm zum Glück auf die Beine beschränkt. Ärzte wussten nach der Geburt nicht, wie sie ihn behandeln sollten, und prognostizierten ein Leben im Rollstuhl. Doch die Eltern wollten dieses Schicksal ihres jüngeren Sohnes nicht akzeptieren, kauften Luca stattdessen ein Dreirad. So lernte er als Kleinkind, seinen Körper zu benutzen. Im Alter von acht Jahren stellten Mediziner eine Verformung der Wirbelsäule fest, die Luca beinahe gelähmt hätte. 16 Operationen – der Junge verbrachte oftmals Monate im Ganzkörpergips – waren nötig, um Beine und Rückgrat zu reparieren. „Ich habe so viel Metall im Körper“, sagt Luca, „dass ich die Sicherheitskontrolleure am Flughafen in den Wahnsinn treiben kann.“ TRICKS, DIE NIEMAND NACHMACHEN KANN. Die Ärzte verboten ihm zu schwimmen, also sprang er ins Wasser. Sie untersagten ihm, Ski zu fahren, also bestieg er den Lift. Sie sagten, Tauchen sei lebensgefährlich, also machte er einen Lehrgang. Sie warnten vorm Skateboarden, also entwickelte er eine spektakuläre Liegetechnik, mit der er in den Skater-Parks für Aufsehen sorgte. Heute, mit 24 Jahren, ist Luca

ein Star der HipHop-Szene, wird auf BreakdanceBattles in Paris und Schanghai, New York und Toronto als Held begrüßt. Er tritt gegen B-Boys mit gesundem Körper an – nicht selten lässt er ihnen keine Chance: weil Lucas Oberkörper muskelbepackt und flexibel ist wie der eines Turners. Seine leichten Beine und die Krücken erleichtern ihm die spektakulärsten Moves – er erfindet Tricks, die ihm niemand nachmachen kann. Lucas Eltern, elegante italienische Herrschaften, Mutter Bildhauerin, Vater Marmorhändler, sind überwältigt von der Leistung ihres Sohnes: „Erst hatten wir keine Ahnung, was Breakdance ist, dann hatten wir Angst um Luca. Jetzt googeln wir seinen Namen und sehen 80.000 Einträge. Wir können nicht begreifen, wie er das geschafft hat. Wir sind sehr stolz.“ Dass etwas Besonderes mit ihrem Sohn passiert, ahnte Mutter Patuelli erstmals, als örtliche Krückenhändler vor drei Jahren anriefen und Sponsorenverträge anboten. Nun hat sich Luca ein unzerbrechliches Paar aus Titanium anfertigen lassen. KEINE ZEIT FÜR UNFUG. Ich treffe Luca Patuelli in seinem Lieblingsrestaurant Marché de la Villette in der Altstadt von Montreal. In dieser Gegend sieht es aus wie im Pariser Marais-Viertel: mittelalterlich wirkende Häuser, enge Gassen, kleine Geschäfte. „In Nordamerika könnte ich nur hier wohnen“, sagt er. „Meine Eltern und ich sind im Herzen Europäer, und Montreal fühlt sich europäisch an.“ Der Kellner begrüßt ihn wie einen alten Freund und weist uns den besten Platz zu. Ohne dass wir bestellen müssen, bringt man uns Wein und Sandwiches. Luca ist 1,55 Meter groß und trägt Kapuzenjacke und Baggy-Jeans, in denen er aussieht wie ein gewöhnlicher Rapper. Allerdings redet er wie ein Akademiker. Luca spricht fließend Italienisch, Französisch, Englisch und drückt sich sehr überlegt aus; er stellt mehr Fragen, als er beantwortet. Später wird er mir Montreal zeigen und dessen Geschichte so pointenreich erzählen, als habe ihn die Stadt als Touristenführer engagiert. Hat ihm sein Leidensweg neben körperlicher Kraft auch geistige Weisheit beschert? „Kann sein“, sagt er. „Ich habe sicherlich mehr über den Sinn des Lebens nachgedacht als die meisten Leute in meinem Alter. Aber ich hatte auch weniger Chancen, Unfug zu machen. War ja die meiste Zeit im Krankenhaus.“


EIN B-BOY WIE KEIN ZWEITER. Luca Patuelli wollte eigentlich Skateboarder werden, nach einer Operation musste er aufs Breakdancen EL DIAMCON EXERIUSTO. Commy nibh ex eugait umsatteln. Das Ergebnis: sensationelle volore dio exerit, core tat. Tricks, begeisterte Fans â&#x20AC;ŚTie undmagnim eine volor iuscidunt acidunt num nimBotschaft. vel del ullum eliquat alismoluptat ganz besondere adiatio dolore magna adit wis autpat.


THE RED BULLETIN

HELDEN

ICH SPÜRTE SOFORT: DAS BREAKDANCEN IST MEINE NEUE LEIDENSCHAFT. AUSSERDEM … GIRLS LIEBEN GUTE TÄNZER!

RED BULL BC ONE: DIE BREAKDANCEBATTLE DES JAHRES Red Bull BC One ist eine einmal jährlich stattfindende B-Boy Battle, in der die weltbesten 16 Tänzer im K.-o.-Modus gegeneinander antreten. Die Teilnehmer werden von einer internationalen Jury ausgewählt. Termin 2008: 5. November, Schauplatz das Pariser Cent Quatre. Die B-Boys haben ihre Wurzeln auf den Straßen von New York, wo Breakdance in den späten siebziger Jahren entstanden ist. Auch Red Bull BC One hat Tradition: Die erste Battle gab es 2004 in Biel/Schweiz, es folgten Berlin, São Paulo und Johannesburg. Nur ein B-Boy war bisher immer dabei: der Titelverteidiger von 2007, Ronnie Abaldonado (USA) von Full Force Crew & Super Crew. www.redbullbcone.com

DREI MONATE GANZKÖRPERGIPS. Lucas ursprünglicher Plan war, der weltbeste behinderte Skateboarder zu werden. Er lag auf dem Brett und beschleunigte in der Halfpipe mit den Händen: „Mein Gott, die Leute haben geschrien.“ Doch als er fünfzehn war – Familie Patuelli lebte noch in Bethesda, Maryland –, drängten ihn die Ärzte zu einer Knieoperation, die sich auf seine Gelenke aber so auswirkte, dass das Skateboarden ihm unerträgliche Schmerzen bereitete. Erstmals in seinem Leben war Luca ernsthaft deprimiert. Es dauerte Monate, bis ein paar Freunde Luca überreden konnten, Breakdance auszuprobieren. „Ich spürte sofort: Das ist meine neue Leidenschaft. Außerdem … die Girls lieben gute Tänzer.“ Seine erste Battle hatte er 2002 in Toronto. Luca war nervös, wollte sich auf keinen Fall vor Publikum, Familie, Freunden blamieren. „Nach ein paar Sekunden werfe ich die Krücken weg, lande auf den Händen, will einen Spin versuchen, und das Nächste, woran ich mich erinnere: wie mein Bein im 180-Grad-Winkel abgeknickt neben meinem Kopf liegt.“ Drei Monate Ganzkörpergips. Die Ärzte sagten, weiterzutanzen sei Selbstverstümmelung. Doch für Luca fing der Spaß erst richtig an. Er trainierte härter, brachte sich immer neue Tricks bei. Nur ein Jahr nach seinem Unfall trat er bei hochkarätig besetzten Battles wie den „Freestyle Sessions“, „City vs City“, „Evolution“ und „War is War“ vor tausenden Zuschauern auf. Lynx, Kanadas bekanntestes B-Girl, sagt: „Wir nehmen Luca nicht mehr als behindert wahr, sondern einfach als sehr talentierten Tänzer, der an guten Tagen jeden schlagen kann.“

DREI TRICKS, DIE NUR LUCA BEHERRSCHT Leichte Beine, Krücken als Werkzeuge, unglaubliche Kraft und Flexibilität im Oberkörper: Luca verblüfft mit Tricks, die ohne seine Behinderung nicht möglich wären.

Lazy Drop Ich stütze mich auf die Krücken, Beine so hoch wie möglich nach oben. Dann schmeiße ich die Krücken zur Seite und falle auf die Hände, ohne dass die Beine den Boden berühren.

Lazy Elbow Spin Ich bin auf dem Boden und drehe mich auf meinem linken Ellbogen, der Körper parallel zum Dancefloor. An guten Tagen schaffe ich acht Spins.

Lazy Walk Auf den Händen gehe ich in einer Art Kugelposition, die Beine halte ich in der Luft. Wichtig ist beim Lazy Walk, dass ich mich perfekt zum Flow der Musik bewege.

NOVEMBER 2008

Für Luca ist nicht sein persönlicher Erfolg die größte Motivation, sondern die Botschaft, die er vermitteln will: Jeder Mensch kann alles schaffen; wir sind auf der Welt, um Spaß zu haben – Ausreden gibt es keine. Klingt pathetisch, aber wer gesehen hat, welche Wirkung Luca auf Schulkinder hat, nimmt ihm ab, dass er Menschen inspirieren kann. DIE BOTSCHAFT DER ILL-ABILITIES. Nachdem er in den vergangenen Jahren meist mit seinen Crews Illmatic Styles und Illmask auftrat, in denen er der einzige Behinderte ist, gründete Luca im vergangenen Jahr Ill-Abilities. Er suchte weltweit nach anderen „handicapped“ B-Boys und fand sie in Chile, den USA, Frankreich, Kanada. Mit den Jungs tritt er nun regelmäßig auf – mit grandiosem Erfolg. Eine Breakdance-Crew wie keine andere: Tommy „Tommy Guns“ Ly aus Los Angeles wuchs ohne seine Eltern auf. 2004 – Tommy war sechzehn – stellten die Ärzte Knochenkrebs im rechten Bein fest. Sie stellten ihn vor die Wahl: Amputation oder Stahlknochen. „Habe keine Sekunde gezögert“, erklärt Tommy. „Mit Stahlknochen wäre mein Bein steif, ich könnte nicht mehr tanzen. Also ließ ich mir das Bein amputieren. Breakdance ist mein Lebensinhalt, jetzt kann ich sogar Geld damit verdienen.“ Sergio „Checho“ Carvajal aus Santiago fehlen die Schienbeine – seine Füße wuchsen ihm ein paar Zentimeter unterhalb der Knie. Jacob „Kujo“ Lyons ist taub und tanzt zum Rhythmus der Vibrationen, die die Musik in seinem Körper auslöst. Aus Paris stammt Hourth, der sich als „besten einbeinigen Breakdancer Frankreichs“ bezeichnet. Ill-Abilities gewinnen nicht alle Battles, aber sie bekommen stets den meisten Applaus. Ein Team filmt seit einem Jahr für eine Langzeit-Dokumentation, die 2009 in die Kinos kommen soll. Luca wird nicht ewig tanzen können, das ist ihm zuletzt immer öfter bewusst geworden, wenn seine Schultern und Arme nach den Auftritten höllisch schmerzen. Wenn er ehrlich ist: Der Leistungssport tut seinem Körper nicht besonders gut. „Vielleicht habe ich noch zwei, drei Jahre vor mir, in denen ich Spuren in der Breakdance-Geschichte hinterlassen kann. Und dann will ich Ill-Abilities so gründlich als Marke etabliert haben, dass die Crew auch ohne mich weiterexistiert und unsere Botschaft in die HipHop-Community transportiert.“ Ende April fuhr Luca mit Ill-Abilities in die Heimatstadt seiner Eltern, um die Botschaft zu verbreiten. Der zwölfte Jahrestag der Battle „Urban Force“ fand in Rom statt. Seine Crew gewann zwar nicht, aber auch das italienische Publikum raste vor Begeisterung. Alle Tanten, Großeltern und Cousins der Familie Patuelli saßen im Publikum. Einige von ihnen sollen vor Rührung geweint haben. ♉ RED BULL BC ONE: 5. NOVEMBER 2008, CENT QUATRE, PARIS ERGEBNISSE UND BLOGS AUF: WWW.REDBULLETIN.COM/ REDBULLBCONE

ILLUSTRATION: HERI IRAWAN

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Kostenlose Schaltung.

Prof. Dr. med. Ulrich Dirnagl Charité Universitätsmedizin Berlin, Mitglied des Wings for Life Beratergremiums.

“Es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wann.”

Querschnittslähmung heilbar machen. Die Regeneration des Rückenmarks nach einer Verletzung galt lange Zeit als unmöglich. Erst während der 1980er Jahre gaben bahnbrechende Experimente erstmals Anlass zur Hoffnung. Dieser Lichtblick beflügelte die Wissenschaft und führte in den folgenden Jahren zu einer Reihe wichtiger Erkenntnisse. Im Tierversuch sind in der Zwischenzeit Erfolge zu verzeichnen, die zuvor für unmöglich gehalten worden waren. Der tatsächliche Durchbruch in der Humanmedizin ist jedoch noch nicht geschafft.

Jede Spende zählt: Wings for Life, Stiftung für Rückenmarksforschung. Bankhaus Carl Spängler & Co., Salzburg, Kto. Nr. 1000 11911, BLZ 19530

www.wingsforlife.com


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THE RED BULLETIN

HELDEN

TONI SEELOS

NOVEMBER 2008

erfand 1930 in seinem

Seefelder Freiluftlabor den Parallelschwung. Und machte damit Stoppuhren im alpinen Skilauf für ein paar Jahre beinahe überflüssig.

NAME Anton „Toni“ Seelos GEBOREN/GESTORBEN * 4. März 1911, † 1. Juni 2006 LEBTE IN Seefeld, Tirol FAMILIE Verheiratet mit Klara, zwei Kinder (Lydia, Anton jun.) WAR Ziegenhirte, Holzknecht, Straßenarbeiter, Skilehrer, Skitrainer, Skischulbesitzer (in Seefeld, von 1948 bis 1981) ERFAND den Parallelschwung GEWANN 1933 und 1935 je zwei WM-Titel im alpinen Skilauf (Kombination und Slalom); 1931 war er Vizeweltmeister im Slalom

13 METER, 18 FÄHNCHEN. Der Übungshang von Toni rer aus. Der erste Sieg gelingt Seelos im Skispringen, Seelos in dessen Heimatort Seefeld heißt Pfarrhügel. mit dreizehn. 1930 der erste internationale Einsatz Er ist steil, aber kurz, gerade 13 Meter lang. In den beim Seegrube-Rennen in Innsbruck. Voelk erklärt Hang pflanzt Seelos Tore, eine Handbreit hohe WeiSeelos, dass dort ein Slalom gefahren wird. Der fragt denstämmchen mit einem Fähnchen an der Spitze. zurück: Was ist das, ein Slalom? Er gewinnt trotzImmer enger steckt er sie, bis 18 Platz haben: zu dem, mit geborgten Skiern. Eine Woche später holt viel für die damals gebräuchliche Arlbergtechnik, er sich auch den Abfahrtslauf in Matrai/Brenner den Stemmschwung. Die Enge zwischen den Toren und kriegt dafür eine goldene Taschenuhr. erzwingt eine parallele Skiführung. RichtungsändePreise sind rar damals, das höchste ist ein Emprungen werden durch Stockeinsatz, Schulterrotatifang durch die Blasmusik. Weil die offizielle WMon sowie ein betontes Be- und Entlasten der Skier, Zeitrechnung des Internationalen Skiverbandes FIS durch Hoch/Tief des Körpers erst 1937 beginnt, kriegt Seelos eingeleitet und begleitet: Der sogar die Medaillen von InnsParallelschwung, auch Tempobruck und Mürren erst Jahrschwung genannt, ist erfunden. zehnte später nachgereicht. 1930 beginnt Seelos mit dem Training seines Schwungs, TRAINER DER KONKURRENTEN. perfektioniert ihn in seinem Dass Seelos in den 1930ern Freiluftlabor auf dem Pfarrhünicht mehr Titel gewinnt, hat gel. 1933 zeigt er ihn erstmals mit zweierlei zu tun. bei einem großen Rennen, der Zum einen gibt er bereits ab WM in Innsbruck. Nach der 1933 als Betreuer der DeutKombinationsabfahrt hat Seeschen und Franzosen (später los auf den Führenden 25,6 Seauch als Nationaltrainer der Öskunden Rückstand. Nach dem terreicher) sein Wissen weiter, auch als Einzeldisziplin gewerzüchtet sich damit starke WiderVierfacher Weltmeister. Seelos’ Trainingslager? Die Alm. Trainingsprogramm? Die Holzarbeit. teten Slalom, den Seelos mit sacher. Seelos lehrt wortkarg, ist fast zehn Sekunden Vorsprung aber seiner Zeit voraus: Bereits gewinnt, liegt er auch in der Kombination voran. kurz nach dem Zweiten Weltkrieg plädiert er für ein Zwei WM-Titel: ein Kunststück, das Seelos 1935 in spezielles Sommertraining. Noch 1968 verhilft er als Mürren (Kanton Bern) wiederholt. Privattrainer Olga Pall zum Abfahrts-Olympiasieg. Davor und danach siegt Seelos in vielen Rennen, Zum anderen sind es die Wirren der Zeit (1934 fast immer mit verblüffenden Vorsprüngen, obwohl erteilt der eigene Sportminister den Österreichern er neben dem Skilauf Wichtigeres zu tun hat: hart WM-Startverbot) und Querelen zwischen einzelnen arbeiten, um die Familie zu ernähren. Letzteres wieNationen sowie der FIS und dem Olympischen Koderum macht ihn stark auf der Piste: „Mein Trainingsmitee. Skilehrer galten dem IOC als Profis, weshalb lager ist die Alm, mein Programm die Holzarbeit.“ Seelos 1936 bei den Spielen in Garmisch nicht star1911 wird Seelos in bescheidene Verhältnisse geten durfte. Immerhin ließ man ihn im ersten Lauf als boren. Als er elf ist, stirbt sein Vater. Ein Jahr später Vorläufer zu: Seelos war dabei 5,8 Sekunden schnelbeginnt Toni, als Ziegenhirte Geld dazuzuverdienen. ler als der spätere Olympiasieger Franz Pfnür. (Vor Mit vierzehn verlässt er die Schule, arbeitet als Hirte, dem zweiten Lauf durfte Seelos nicht mehr fahren.) schuftet als Holzknecht, später als Straßenarbeiter. Auch Seelos’ damaliger Schützling, die Deutsche Die ersten Ski bastelt sich der kleine Toni selbst: Christl Kranz, startete im Herrenslalom als Vorläufeaus Fassdauben, mit einer Bindung aus Zündschnürin. Von den 59 Herren waren nur drei schneller als ren und Lederriemen. In der Seefelder Skischule, die die spätere Slalom-Olympiasiegerin. ♉ er Jahre später übernehmen wird, bildet ihn deren WELTCUP-SLALOM HERREN: 16. NOVEMBER 2008, LEVI, FINNLAND WWW.FIS.COM damaliger Besitzer Wilhelm Voelk zum Kinderskileh-

BILDER: PICTUREDESK.COM, RÜBELT/PICTUREDESK.COM

TEXT ROBERT SPERL


EL DIAMCON EXERIUSTO. Commy nibh ex eugait volore dio exerit, core tat. Tie magnim volor iuscidunt acidunt num nim vel del ullum eliquat alismoluptat adiatio dolore magna adit wis autpat.

EIN UNERHÖRTER ANBLICK. Toni Seelos zwang die Enge von 18 Toren auf 13 Meter Hanglänge zur Erfindung einer neuartigen Skitechnik: Er führte die Skier im Schwung parallel. Noch heute ist eine Torkombination nach Seelos benannt.


DOSSIER HANGAR-7 IM ABENDLICHT. Die Heimat der „Flying Bulls“ ist auch die Heimstätte für ein gastronomisches Ausnahmekonzept und außergewöhnliche Kunstförderung.

DIE IKARUS-STORY

Wie eine gewagte Vision Wirklichkeit wurde oder das Ende der Phrase „Geht nicht“. Seite 58

DIE IKARUS NACHT

Am 22. November feiern 250 Gäste ein kulinarisches Hochamt: alle Gastköche an einem Abend. Seite 59

LANDUNG IM HANGAR-7

Welche Köche sich im „Ikarus“ bereits ein Stelldichein gegeben haben. Die komplette Liste. Seite 61


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DER MITTELPUNKT DER WELT

Eine einzigartige kulinarische Weltreise: Das Restaurant „Ikarus“ im Hangar-7

präsentiert die besten Köche der Welt, jeden Monat einen neuen. Wie sagt

Patron Eckart Witzigmann: „Hier kann der Gast sitzen, während sich die Welt

DAS GROSSE GEHEIMNIS

Wie eine Profiküche funktioniert. Ein Blick hinter die Kulissen eines Spitzenrestaurants. Seite 63

DAS MENÜ DES JAHRES

Wer die Köche sind, die dieses Jahr zum Saisonhöhepunkt nach Salzburg kommen – und was sie vorhaben. Seite 64

TEXT CHRISTIAN SEILER

SUSHI LIVE

Wie man mit einem japanischen Koch-Zampano Fisch und Reis korrekt zusammenbastelt. Ein Selbstversuch. Seite 66

BILD: RALPH RICHTER/RED BULL PHOTOFILES

um ihn dreht.“


DOSSIER

DAS KONZEPT KLINGT BESTECHEND EINFACH. DOCH ES IST EINE REVOLUTION.

D

ie Geschichte des Restaurants „Ikarus“ im Hangar-7 ist die Geschichte einer gastronomischen Revolution, auch wenn die Tische weiß gedeckt sind, die Kellner die besten Manieren haben und im Hintergrund leise, angenehme Musik erklingt. Kein Revolutionslärm. Stattdessen präsentiert das „Ikarus“ Monat für Monat Spitzenküche aus aller Welt, manchmal aus der Nähe – aus Deutschland, der Schweiz, aus Italien, Frankreich, aus Schweden –, genauso oft jedoch aus der Ferne: aus Südafrika, Australien, aus Thailand, Japan oder Amerika. Dieses Konzept klingt in seiner Einfachheit bestechend. Doch damit kein Missverständnis aufkommt: einfach ist dieses Konzept nicht. Es ist eine Revolution. 1. DAS KONZEPT Um die Neuartigkeit und Außergewöhnlichkeit des „Ikarus“-Konzepts besser zu verstehen, muss man die Grundlinien kennen, nach denen ein Spitzenrestaurant funktioniert. In der Küche arbeitet eine Equipe von etwa dreißig Köchen dar-

an, dass der Gast unter mehreren mehrgängigen Menüs wählen kann. Der Küchenchef, verantwortlich für die Rezepte und deren Umsetzung, hat zu diesem Zeitpunkt eine ausführliche, oft monate-, manchmal auch jahrelange Anlaufzeit hinter sich, in der er herausgefunden hat, wo er die verschiedenen Spezialitäten, die er für seine Menüs braucht, einkaufen kann, wann welche Ware am besten ist, wie sie sich am besten zubereiten, kombinieren, präsentieren lässt. Er hat sein Team nach diesen Gesichtspunkten ausgewählt und aufgestellt. Spezialisten für kalte Speisen, für Gemüse, für Fisch, Fleisch und Patisserie arbeiten nach den Anleitungen ihres Chefs Hand in Hand, stimmen sich aufeinander ab, ergänzen individuelle Fähigkeiten. Das Ergebnis dieser kreativen, organisatorischen und logistischen Anstrengungen nennt man die persönliche Handschrift des Küchenchefs. Im „Ikarus“ fallen die Anlaufzeiten weg. Jeden Monat gibt ein neuer Küchenchef den Takt an. Am Monatsletzten werden nach dem Abendservice alle alten Vorräte weggeräumt, am Ersten des folgenden Monats ist das „Ikarus“ ein neues Lokal.

BILDER: PHILIPP HORAK (2)

Straff organisiert. Blick in die Küche des „Ikarus“ im Hangar-7. Executive Chef Roland Trettl (ganz rechts) sorgt für Motivation und Disziplin.


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Beste Unterhaltung. Blick auf die „Ikarus Nacht“ 2007. Weltklasse in Salzburg.

IKARUS NACHT

UM DEN GLOBUS AUF 12 TELLERN

BILDER: HELGE KIRCHBERGER/RED BULL PHOTOFILES, HERBERT LEHMANN/RED BULL PHOTOFILES

Die „Ikarus“-Gastköche der letzten zwölf Monate kommen im November nach Salzburg, um an einem Galaabend ihr Können zu zelebrieren. Der Erlös kommt Wings for Life zugute. Es ist der Höhepunkt einer an Höhepunkten wahrlich nicht armen Saison, wenn am 22. November zur „Ikarus Nacht“ in den Hangar-7 eingeladen wird. Die Ikarus Nacht überbietet jeden anderen Abend im Hangar-7 durch ihre kulinarische Vielfalt und den Einfallsreichtum ihrer Inszenierung. Konkret: Sämtliche Köche, die von November 2007 bis Oktober 2008 im Restaurant „Ikarus“ zu Gast waren, steuern zu einem zwölfgängigen Menü je einen Gang bei – von Jean-Marie Gautier, der in Biarritz die „Villa Eugénie“ betreibt und im November 2007 den Hangar-7 besuchte, bis zu Stefan Mörtz und Kenichiro Ooe vom Park Hyatt Hotel in Tokio, die diesen Oktober den Takt vorgegeben haben. Die Küchenchefs sind an diesem Abend persönlich anwesend, Salzburg wird zum Ziel von Flügen aus aller Welt: Biarritz (Jean-Marie Gautier), Singapur (Sam Leong), Kapstadt (Margot Janse),

Bangkok (Norbert Kostner), Zürich (Horst Petermann), Bologna (Massimo Bottura), Atlanta (Joël Antunes), Paris (Gérard Depardieu), Lima (Gastón Acurio), Tokio (Stefan Mörtz und Kenichiro Ooe). Nur Christian Jürgens aus Wernberg-Köblitz in der Oberpfalz wird im Zweifelsfall mit dem Auto anreisen. Der Hangar-7 wird an diesem Abend unter dem Motto „Casablanca“ stehen – nach dem legendären Film von Michael Curtiz aus dem Jahr 1942, der Humphrey Bogart und Ingrid Bergman un-

Wer sagt, dass viele Köche den Brei verderben?

sterblich machte, Stichwort: „Ich seh dir in die Augen, Kleines“. Die Teilnahme an der Ikarus Nacht kostet 777 Euro. Die gesamten Einnahmen kommen der „Wings for Life – Spinal Cord Research Stiftung“ zugute. Wings for Life ist eine gemeinsame Initiative von Red Bull-Gründer Dietrich Mateschitz und dem ehemaligen Motocross-Weltmeister Heinz Kinigadner. Die Stiftung unterstützt die Forschung zur Heilung von Querschnittslähmung, die als Folge von Rückenmarksverletzungen auftritt. Wings for Life setzt also nicht bei der Wirkung, sondern bei der Ursache an. Im Speziellen werden sowohl klinisch-angewandte als auch grundlagenorientierte Forschungsvorhaben unterstützt, die auf eine wesentliche Vision hinarbeiten: dass Menschen im Rollstuhl eines Tages wieder auf eigenen Beinen stehen – und diese auch gebrauchen können. Erste Forschungserfolge stimmen optimistisch, bis zum Durchbruch braucht es aber noch viel Zeit – und viel Geld, damit die Forschung nicht ins Stocken gerät. So steht der Abend im November unter einem Doppelgestirn: unter jenem des praktizierten kulinarischen Kosmopolitismus und der Gewissheit, dazu beizutragen, dass ein drängendes medizinisches Problem gelöst werden kann.


DOSSIER

Volle Konzentration. Das Service ist über drei Aufzüge mit der Küche (rechts: Küchenchef Martin Klein) verbunden – und steht in permanentem Funkkontakt.

ECKART WITZIGMANN UND SEIN TEAM BETRATEN KOMPLETTES GASTRONOMISCHES NEULAND. UND, ACH JA: SCHNELL MUSSTE ES GEHEN. sich tatsächlich jeden Monat ein namhafter internationaler Spitzenkoch in Salzburg präsentieren sollte.“ Witzigmann bezweifelte vor allem die reale Umsetzbarkeit des Konzepts, aber Mateschitz blieb hartnäckig. Er machte Witzigmann mit seinem Motto vertraut: „Man sollte die Worte ‚Geht nicht‘ aus seinem Sprachschatz streichen, ehe man es nicht versucht hat.“ Also kontaktierte Witzigmann den Südtiroler Roland Trettl, mit dem er 15 Jahre lang zusammengearbeitet hatte, zuerst in den Münchner Spitzenrestaurants „Aubergine“ und „Tantris“, dann in „Ca’s Puers“ auf Mallorca. Trettl war gerade als „Food & Beverage“-Trainer in Tokio beschäftigt, als Witzigmann anrief, er setzte sich ins Flugzeug und kam nach Salzburg. Es brauchte ein paar gemeinsame Gesprächsrunden mit Witzigmann

und Mateschitz, dann schälten sich die Konturen heraus, nach denen eine kühne Vision Wirklichkeit werden könnte – der Konjunktiv war zu diesem Zeitpunkt durchaus noch berechtigt. Denn die Equipe konnte trotz der gewaltigen Routine ihrer Protagonisten auf keinerlei Erfahrungswerte zurückgreifen. Sie betrat gastronomisches Neuland, und zwar schnell: Drei Monate danach war die Eröffnung geplant. 3. DIE REALISIERUNG Zuerst teilen sich Witzigmann und Trettl die Arbeit auf: Witzigmann fungiert als Patron, stellt seine genialischen Fähigkeiten der Perfektionierung von Geschmäcken und Rezepten genauso in den Dienst der Sache wie seine mannigfaltigen Verbindungen in die gastronomischen Zentren der Welt. Trettl übernimmt den Pos-

BILDER: PHILIPP HORAK (2)

2. DIE GESCHICHTE Als Dietrich Mateschitz beschloss, mit dem Hangar-7 der Flotte seiner „Flying Bulls“ am Salzburger Flughafen eine Heimstätte zu bauen, dachte er nicht nur an ein spektakuläres Stück Architektur, das die Flugzeuge von Red Bull beherbergen sollte, sondern an einen Ort, dessen Charaktereigenschaften er sich vielfältig, überraschend und neuartig vorstellte, er wählte dafür die Worte „einzigartig und unfassbar“. Dass im Hangar ein Restaurant eröffnen würde, war bald klar, aber was für eines? Die Idee, ein konventionelles Spitzenrestaurant zu etablieren, missfiel dem Red Bull-Gründer, er dachte in eine ganz andere Richtung. Was, wenn die berühmtesten Chefs der Welt für jeweils eine bestimmte Zeit nach Salzburg kommen würden? Der Hangar als Landeplatz für die interessantesten Ideen der internationalen Kulinarik? Mateschitz kontaktierte Eckart Witzigmann, seinerseits vom Gault Millau zum „Koch des Jahrhunderts“ gewählt, um ihn als Patron für das neue Restaurant zu gewinnen, aber auch um seine Meinung zur Konzeptidee zu hören. Witzigmann reagierte skeptisch: „Ich konnte mir ganz einfach nicht vorstellen, dass


61 ten des Executive Chefs, des Realisierers. Gemeinsam stellen die beiden mit der gebotenen Geschwindigkeit das Team zusammen, Küchenchef Martin Klein stößt zur Mannschaft, und Roland Trettl macht sich auf den Weg, um die ersten Verbündeten zu suchen, die sich mit ihnen gemeinsam auf das gerade erst verlegte Parkett des „Ikarus“ wagen würden. Der Vorgang, wie der Auftritt des Gastkochs vorbereitet und umgesetzt wird, ist von Beginn an gleich geblieben, was für die Planungssicherheit der Mannschaft spricht: Der „Ikarus“-Executive reist in das ausgewählte Restaurant und verbringt einige Tage mit dem jeweiligen Küchenchef, verinnerlicht dessen Philosophie und lässt sich in die Geheimnisse seiner Küchenpraxis einweihen. Gemeinsam überlegen Gastkoch und Executive, welche Gerichte in die Jahreszeit passen, zu der sie im „Ikarus“ präsentiert werden sollen, prüfen die Verfügbarkeit der Ware – was sich in speziellen Fällen durchaus als Herausforderung erweist – und stellen miteinander 18 Gerichte zusammen, die anschließend zu zwei Menüs gebündelt werden. Trettl notiert alle Informationen akribisch in sein Notebook. Er fertigt mit der Digitalkamera Fotos aller Gerichte an, damit das Team weiß, wie sie präsentiert werden müssen. Ein ordentlicher Ordner auf dem Computer: Das ist das Ziel des Executive, bevor er zurück nach Salzburg reist, um Eckart Witzigmann und die Mannschaft mit den Grundlagen einer Küche vertraut zu machen, die demnächst die ihre sein wird. Das Team trifft also alle Vorbereitungen, bis knapp vor der Premiere der Gastkoch persönlich nach Salzburg kommt, um mitzuhelfen, die Authentizität seiner Gerichte in das neue Umfeld zu übersetzen. Als erster Koch gastiert im Oktober 2003 Gerhard Schwaiger aus dem „Bistro del Tristán“ in Mallorca, ihm folgt Jörg Sackmann aus dem Schwarzwald – da sind die kulturellen Bande noch nachvollziehbar, zumal Witzigmann/Trettl zu den Protagonisten beste Beziehungen unterhalten. 2004 werden die Kreise bereits weiter gezogen. Zu bekannten Küchenchefs aus Deutschland, Italien, der Schweiz und Portugal stoßen Namen aus New York, London, Sydney. Im Jahr darauf werden die letzten kulturellen Fesseln abgelegt, als führende Exponenten der asiati-

Kulinarischer Globus. Die fünf Kontinente, vom „Ikarus“ aus gesehen. Rot die Länder, deren beste Köche bereits in Salzburg gastierten.

DIE GASTKÖCHE

WELTKLASSE IM HANGAR-7 Seit 2003 kommen die weltbesten Köche nach Salzburg. Hier die komplette Liste. 22. ROLAND TRETTL Ikarus, AUT

43. RAINER SIGG Restaurant Baltschug, RUS

23. GENNARO ESPOSITO Torre del Saraceno, ITA

44. HEINZ VON HOLZEN Bumbu Bali, IDN

3. ROLAND TRETTL Ikarus, AUT

24. JEREME LEUNG Whampoa Club/Three on the Bund, CHN

45. JONNIE BOER De Librije, NED

4. MARTIN DALSASS Ristorante Santabbondio, SUI

25. DIETER MÜLLER Schlosshotel Lerbach, GER

5. CARLO CRACCO Ristorante Cracco-Peck, ITA

26. MARTHA ORTIZ CHAPA Águila y Sol, MEX

6. DIETER KOSCHINA Hotel Vila Joya, POR

2006

2003/04 1. GERHARD SCHWAIGER Bistro del Tristán, ESP 2. JÖRG SACKMANN Hotel Sackmann, GER

7. ANDRÉ JAEGER Fischerzunft Schaffhausen, SUI 8. LEA LINSTER Le Restaurant, LUX 9. NORBERT NIEDERKOFLER Hotel Rosa Alpina, ITA 10. THOMAS KAMMEIER Hugos Restaurant/Interconti Berlin, GER 11. JEAN-GEORGES VONGERICHTEN Jean-Georges Enterprises L.L.C., USA 12. DAVID THOMPSON Sailors Thai/Nahm, AUS/GBR 13. RAINER BECKER Restaurant Zuma, GBR 14. GRAY KUNZ Café Gray, USA 2005 15. RALF ZACHERL Fersehkoch/ProSieben, GER 16. MARC HAEBERLIN Auberge de L’Ill, FRA 17. WOLFGANG VON WIESER Hotel Bellagio, USA 18. XAVIER PELLICER Restaurant ABaC, ESP 19. EDUARD HITZBERGER Hotel Paradies, CH 20. CHEONG LIEW The Grange, AUS 21. CHRISTIAN DELOUVRIER Ducasse, USA

27. JUAN AMADOR Amador, GER 28. GABRIEL KREUTHER The Modern, USA 29. VIVEK SINGH The Cinnamon Club, GBR 30. GIANLUIGI BONELLI Kee, CHN 31. FRANK ZLOMKE Bosman’s Restaurant, RSA 32. ROBERT FEENIE Lumière, CAN 33. YOSHII RYUICHI Yoshii Restaurant, AUS 34. ROLAND TRETTL Ikarus, AUT 35. ANDRÉS MADRIGAL Casa Palacio Atocha, ESP 36. JIN JIE ZHANG (JIN R) Green T. House, CHN

46. GARY DANKO Gary Danko, USA 47. ANDREA BERTON Trussardi alla Scala, ITA 48. GREG MALOUF Mo Mo, AUS 49. JEAN-MARIE GAUTIER Villa Eugénie, FRA 50. ROLAND TRETTL Ikarus, AUT 2008 51. SAM LEONG My Humble House, SGP 52. CHRISTIAN JÜRGENS Hotel Burg Wernberg, GER 53. MARGOT JANSE Le Quartier Français, RSA 54. MASSIMO BOTTURA Osteria Francescana, ITA 55. NORBERT KOSTNER The Oriental Hotel, THA 56. HORST PETERMANN Petermann’s Kunststuben, SUI 57. JOËL ANTUNES Joël Restaurant, USA

37. JEAN-GEORGES KLEIN L’Arnsbourg, FRA

58. GÉRARD DEPARDIEU & ROLAND TRETTL La Fontaine Gaillon, FRA

38. ALEX ATALA D.O.M. Restaurante, BRA

59. GASTÓN ACURIO Astrid y Gastón, PER

2007

60. STEFAN MÖRTH & KENICHIRO OOE Park Hyatt Tokyo, JPN

39. MARIO LOHNINGER Silk/Micro, GER 40. SUSUR LEE Susur/Lee, CAN 41. MARCUS SAMUELSSON Aquavit, USA 42. MARC FOSH Read’s Restaurant, ESP

61. NORMAND LAPRISE Toqué, CAN 62. DANYEL COUET & PAUL SVENSSON F12, SWE


DOSSIER

Solide Flexibilität. Nur ein ausgezeichnetes Team ist in der Lage, Monat für Monat eine komplett neue Küchenphilosophie perfekt umzusetzen.

4. DAS PERSONAL Der Küchenchef trägt ein Headset. Während er kontrolliert, was auf den verschiedenen Stationen der Küche gerade in Bewegung kommt, ist er per Funk mit dem Leiter des Service verbunden, der zwei Etagen höher darauf achtet, dass jeder Gast bekommt, was er wünscht, sobald er es wünscht. Die Küche, ins Kellergeschoss des Hangar-7 gebaut, ist hell und großzügig dimensioniert. Durch eine seitliche Glasfront strömt Tageslicht in den von Technik und Arbeitsflächen dominierten Raum. Auf Flatscreens sehen die Köche,

VIELE GASTKÖCHE BEDANKEN SICH BEI ROLAND TRETTL FÜR DAS PROFESSIONELLSTE TEAM, DAS SIE JE GESEHEN HABEN. was im Lokal gerade geschieht. Kochgeräusche, ansonsten konzentrierte Ruhe. Nur wenn der Küchenchef ein Kommando gibt, wird es von den Adressaten im militärischen Stil laut wiederholt. Das Team – ein Elsässer als Küchenchef, zahlreiche deutsche und österreichische Köche – ist nach anfänglichen Jahren hoher Fluktuation an seinen speziellen Herausforderungen geschult. Man kann diese Equipe durchaus mit einem Team hochbegabter Studiomusiker vergleichen, die in der Lage sind, jeden Musiker, der mit ihnen seine Kompositionen einspielen will, egal ob Pop, Rock oder Jazz, zu dessen Zufriedenheit zu begleiten. Roland Trettl: „Nicht nur einmal hat sich ein Gastkoch mit der Einschätzung verabschiedet, dass im ‚Ikarus‘ das professionellste Team arbeitet, das er je gesehen hat.“

5. DAS ZIEL Das „Ikarus“-Konzept bricht mit zu vielen gastronomischen Konventionen, als dass es von Anfang an mehrheitsfähig gewesen wäre. Besucher und Gastronomiekritiker brauchten Zeit, um die speziellen Qualitäten, die im „Ikarus“ geboten werden – wechselnde Kreativitätsimpulse aus der Hand der Gastköche, permanente Umsetzungsqualität der stationären Equipe –, erkennen und schätzen zu lernen. Wenn das „Ikarus“ nun, im fünften Jahr seines Bestehens, vom Guide A la Carte als bestes Restaurant Österreichs ausgezeichnet wird, ist das erfreulich, aber auch nur eine Zwischenstation: auf dem Weg zum permanenten Dialog mit der Welt. ♉ IKARUS NIGHT: 22. NOVEMBER 2008, HANGAR-7, SALZBURG WWW.HANGAR-7.COM

BILDER: PHILIPP HORAK (2)

schen Küche – Cheong Liew und Jereme Leung – dem „Ikarus“ ihre Türen öffnen und neue, hierzulande weniger bekannte Geschmackswelten auf Spitzenniveau nach Salzburg liefern. Spätestens seit 2005 ist das „Ikarus“ jener Brennpunkt internationaler Spitzengastronomie, als der es von Anfang an gedacht war. Eckart Witzigmann findet für das Gelingen des Konzepts ein schönes Bild: „Die Besuche im ,Ikarus‘ ersparen kulinarische Weltreisen. Hier kann der Gast sitzen, während sich die Welt um ihn dreht.“


63 Fischkoch 12

6

7

8

Abwäscher

Entremetier

Commis

10

9

1 4

Commis

8

7

11 13 8

8

5

Commis

3

Commis

Commis Gardemanger 1

Fleischkoch

7

1

2

1 10

8

Küchenchef

15

16

2

8 14

Patissier

17

DIE AUSSTATTUNG 1 Induktionsherd

15

2 Backofen

16

3 Zonenherdplatte 4 Grillplatte

11 Vorwaschbecken

5 Wasserhahn

12 Schwarzgeschirrmaschine

6 Salamander (Gratinierofen)

13 Tellerwaschbecken

7 Abstellfläche

14 Handwaschbecken

8 Kühlschrank/-laden

15 Bondrucker

9 Tiefkühler

16 Bonleiste

10 Kombidämpfer

17 Wärmebrücke

DIE BEREICHE

Abwasch

Fisch

Fleisch

Beilagen

kalte Küche

Patisserie

KOMMANDOZENTRALE PROFI-KÜCHE

DESSERT FÜR TISCH 7! BILD: PHILIPP HORAK, ILLUSTRATION: SASCHA BIERL

Das Spielfeld für Profiköche ist durchorganisiert von der Bestellung bis zur Abwäsche. Logisch, dass es mit der Küche bei uns daheim wenig zu tun hat. Nicht jedes Restaurant hat gleich viel Platz, um sich die ideale Küche einzurichten. Am Grundmuster der oben gezeigten Skizze orientieren sich Spitzenköche jedoch seit Jahrzehnten. Kurze Wege und exakte Arbeitsbereiche garantieren effiziente Abläufe. Zentrum bildet die Kochinsel, zu der von einer Seite der Fleischund der Fischkoch, von der anderen der Entremetier (Beilagenkoch) direkten Zugang haben. Der Gardemanger (kalte Küche) liefert seine zubereiteten Produkte zur Weiterverarbeitung sowohl an den Entremetier als auch an den Patissier (Desserts), der hinter ihm einen abgeteilten Bereich hat. Vor der Anrichte mit Wärmebrücke dirigiert der Küchenchef das Team und behält den Überblick. Die Bestellungen kommen direkt in der Küche als Bons aus dem Drucker und hängen so lange auf der Bonleiste, bis die Teller vom Kellner zum Gast getragen werden.

Guter Workflow. Damit an Tisch 7 alle gleichzeitig das Dessert bekommen, müssen in der Küche Platz und Arbeitsabläufe gut geplant sein.


DOSSIER

Lammkarree mit Chorizokruste

Nigiri von Reisnudeln mit poelierter Taube und Trüffel

Selbstgemachter Tofu mit sautierten Pilzen

JEAN-MARIE GAUTIER Villa Eugénie (Hotel du Palais), Biarritz, Frankreich Gautier ist ein Koch, der sich eher als Handwerker denn als Künstler sieht. In seinem Restaurant kombiniert er die Produkte der Region Aquitaine mit baskischen Einflüssen. Er leistet sich eine gewisse Verspieltheit – und bleibt dennoch bodenständig.

ROLAND TRETTL Ikarus im Hangar-7, Österreich Trettl hatte 15 Jahre mit seinem jetzigen Patron Eckart Witzigmann zusammengearbeitet und ist seit 2003 Executive Chef des Restaurants „Ikarus“. Er betreut das Gastkochkonzept voller Hingabe, ohne seinen eigenen kreativmediterranen Stil zu vernachlässigen.

SAM LEONG My Humble House, Singapur Der Mann aus Singapur stammt aus einer Kochdynastie. Er wurde als Hauptfigur einer TV-Show populär, eröffnete nicht weniger als drei Restaurants auf Spitzenniveau und gilt als Pionier und Trendsetter der New Asia Chinese Cuisine.

Knusprig gebratener Schweinebauch mit roter Currypaste, Auberginen und Kaffir-Limetten-Blättern

Langustinen mit gefüllten Zucchiniblüten

Joëls „Schwarzwälder“ mit Kirschsorbet

NORBERT KOSTNER Oriental Hotel, Bangkok, Thailand Statt wie zunächst geplant nach Amerika zu gehen, landete der Südtiroler 1970 in Thailand. 1980 übernahm er die Küche des legendären „Oriental“ und etablierte einen modernen Stil zwischen französischer Klassik und asiatischer Moderne.

HORST PETERMANN Petermann’s Kunststuben, Küsnacht, Schweiz Seit 18 Jahren kocht dieser Mann auf dem höchsten Niveau, das der Gault Millau mit vier Hauben bewertet: französische Klassik, durch unablässige Neudefinition und kulinarische Neugier bis an die Grenzen der Machbarkeit verfeinert.

JOËL ANTUNES Joël, Atlanta, USA Kein französisches Spitzenrestaurant, in dem Joël Antunes nicht gelernt hätte. Nach Ausflügen nach Bangkok und London übernahm er das Ritz-Carlton in Atlanta und eröffnete sein eigenes Lokal, das „Joël“. Hier kombiniert er Klassik mit Fernost.

BILDER: HELGE KIRCHBERGER/RED BULL PHOTOFILES

EINMAL UM DIE WELT ...


65 … in einer Nacht. In der „Ikarus Nacht“ im Hangar-7 servieren zwölf hervorragende Köche in einem Menü das Beste aus ihrem Programm. Kleiner Ausblick auf Spezialitäten, die man mit Messer, Gabel, Löffel oder am besten mit Stäbchen verzehrt – oder, wenn niemand hinschaut, mit den Fingern.

Gänseleber mit Himbeeren und belgischer Endivie

Kartoffel-Pilz-Lasagne mit Feigenchutney und Trüffelemulsion

Kaltes und Warmes von der „Zuppa Inglese“

CHRISTIAN JÜRGENS Kastell, Burg Wernberg, Wernberg-Köblitz, BRD Christian Jürgens, demnächst vierzig Jahre alt, gehört zu Deutschlands TopTen-Köchen. Sein Motto lautet wie der Titel eines seiner erfolgreichen Bücher: „Phantasie & Perfektion“. Einflüsse: französisch und italienisch. Perfektion: deutsch.

MARGOT JANSE Le Quartier Français, Franschhoek, Südafrika Ihre Inspiration holt sich Margot Janse, gebürtige Holländerin, auf Reisen. Sie begann als Kellnerin, arbeitete sich bis zur Küchenchefin eines der besten Lokale Südafrikas hoch. Spezialität: außergewöhnliche Kombination außergewöhnlicher Geschmäcke.

MASSIMO BOTTURA La Francescana, Modena, Italien Bottura liebt die klassische italienische Küche, hat sich aber entschlossen, ihr eine neue Gestalt zu geben. Die besten Spezialitäten der Emilia Romagna kommen in Botturas „La Francescanan“ in neuer Konsistenz, sozusagen im Frack, auf den Tisch.

Sauté von Calamari, Tomaten und Knoblauch

Gedämpfter Steinbutt im Krustentiersud auf QuinoaRisotto

Lachs in der Sesamkruste auf Daikon-Rettich

GÉRARD DEPARDIEU La Fontaine Gaillon, Paris, Frankreich Als Schauspieler weltberühmt, als Winzer zunehmend prominent, als Koch eine Wucht. Depardieu, seit 2003 auch Wirt in Paris, geht hemmungslos und unbeirrt seiner Neigung für die puren, unverfälschten Freuden der französischen Küche nach.

GASTÓN ACURIO Astrid y Gastón, Lima, Peru Dieser Koch ist ein Botschafter der Küche seines Landes. Ausgebildet in Paris, verlegte sich Acurio langsam, aber sicher auf das kulinarische Erbe seiner Heimat, das er inzwischen mit eigenen Märkten und seinem beliebten Restaurant pflegt.

STEFAN MÖRTH UND KENICHIRO OOE Park Hyatt, Tokio, Japan Aufgeschlossen europäische und klassisch japanische Küche praktizieren Mörth und Ooe in Tokio, wo sie gemeinsam das überragende Angebot an Grundprodukten schätzen und auf ihre Weise verarbeiten. Schwerpunkt: Fisch, Beef, Gemüse.


DOSSIER

IM REICH DER SUSHI Einfacher als Origami und

doch schwieriger als FengShui. Selbstversuch im Hangar-7 unter Anleitung von Meister Kenichiro Ooe. TEXT USCHI KORDA BILDER PHILIPP HORAK

Mein Name ist Ooe, Kenichiro Ooe! Und ich mache Sushi! Gerollt, nicht gewuzelt. Ich bin Meister der traditionellen Kaiseki-Küche, hab schon das japanische Königshaus bekocht. Da ist Sushi-Machen nur ein Teil davon. Trotzdem: Das ist eine ernste Sache, selbst wenn der Fisch roh und der Reis nur gekocht ist. Richtige Sushi-Meister brauchen mindestens acht Jahre, um diese Kunst zu lernen. Und Sie wollen das in drei Stunden können?

Richtig: Reis! Zuerst waschen, dann 15 Minuten einweichen, Wasser abgießen, 15 Minuten ohne Wasser rasten lassen … verstehen Sie mich überhaupt???

O!O!E! Wovon spricht er? Was spricht er überhaupt? Ist das Japanisch? Oder Englisch? Oder vielleicht Mongolisch? Meint er Reis? Oder doch Eis?

Das Yellowtail-Filet hab ich schon vorher eineinhalb Stunden im Kühlschrank mit Salz und nachher 20 Minuten in Reisessig mariniert. Und so, bitte, schneidet man’s richtig auf. Das Messer ist übrigens aus feinstem Samurai-Stahl. Garantiert bruchsicher und echt scharf!

mein Übersetzungscomputer sagt, heißt: handwarm verarbeiten!


67 WIR LERNEN: JAPANISCHE MESSER AUS SAMURAISTAHL WERDEN AUF DER BREITEN SEITE ZEHNMAL UND AUF DER SCHMALEN EINMAL GESCHLIFFEN.

Oh mein Gott! Ich kann gar nicht hinschauen! Sie schafft es ja nicht einmal, das Messer richtig zu halten. Das kann sogar mein kleiner Neffe! Und bitte nicht in den Finger schneiden, ich weiß die Notfallnummer nicht!

Wow, ich fühl mich wie Uma Thurman in „Kill Bill“. Uups, mein Fingerkupperl brauch ich aber noch! Obwohl beim Tuna tät’s eh nicht auffallen.

Da schaun S’ her! Sooo dünn! Und sooo fein. Das hätten Sie jetzt nicht gedacht, dass ich das so gut kann, oder?

Ich bin Japaner, ich bin höflich. Ich sag ihr jetzt nicht, dass ich für so einen Pfusch schon einige Lehrbuben gefeuert hab. So ungleichmäßig kann man vielleicht ein Wiener Schnitzel schneiden, aber keine Sushi!!!

Bissfest muss er sein, der Reis. Der kocht sich eh von allein. Nach 25 Minuten abdrehen und zehn Minuten in einer Schüssel rasten lassen.

Jetzt mit der vorbereiteten Mischung aus 90 ml Reisessig mit 50 g Zucker und 22 g Salz vermischen. Und auf handwarm abkühlen lassen. Ja, bitte, noch in bissel heftiger fächeln mit dem Algenblatt. Und rühren, rühren, rühren. Wie beim Walzer … bis schwindelig wird!


DOSSIER

Also bitte: Hände ganz nass machen, eine Reiskugel drehen und nicht zu fest drücken. Zu fest ist gleich: hartes Sushi. Zu locker ist gleich: Du bekommst keine Kugel. Klar?

KONFUZIUS SAGT: WER EINEN FEHLER MACHT, SOLLTE IHN AUCH KORRIGIEREN!

Reiskugel machen? Das war schon im Kindergarten meine Stärke!

Ich könnt mich zerkugeln! Aber irgendwie geht mir doch der Reis … Nein! Diese Übung ist misslungen. Vielleicht kann das jedes Baby, aber Sie können das gar nicht. Eine derart zerfallene Reiskugel hab ich noch nie gesehen.

Kruzi! Die verflixte Bastelei geht weiter. Jetzt will er, dass ich da sanft den Reis auf mein schickes Thunfischblättchen drücke. Ich mach gleich Harakiri! Wie soll das ohne Tixo und Uhu zusammenhalten?

… pfft, isses aber! Des gibt’s doch nicht. Jetzt soll ich noch links und rechts ein bissel andrücken und das Ganze in der Hand umdrehen. Vielleicht auch noch inklusive Handstand und der Fünf Tibeter? Jaja, okay-okay. Es ist zerfallen, und wie auch noch! Das hätt nur im Milchreis gut ausgesehen. Na warten S’, nächstes Mal zeig ich Ihnen, wie man Semmelknödel macht.

Konfuzius sagt … Versteh ich das richtig? Zuerst die Reiskugel zu einer länglichen Rolle drücken, Thunfischscheibchen drauf und dann noch mal mit dem Finger leicht andrücken. Geh bitte, das kann ja wirklich nicht schwer sein …


69

Fürs Maki bitte die Matte fest andrücken beim Einrollen. Ja! Das schaut ganz gut aus. Rollen, drücken, rollen, nur nicht aufgeben!

Rock ’n’ Roll! Jetzt sieht meins besser aus als seins. Na wer sagt’s denn. Geht ja, wenn man will … Bitte alle herschauen: So geht’s nicht! Da ist die Algennaht nicht geschlossen. Und wer hat’s gemacht? Ich! Das darf daheim aber niemand erfahren.

KENICHIRO OOE, 48, leitet seit der Eröffnung 1994 das Restaurant Kozue im Park Hyatt in Tokio. Seine Spezialität ist das traditionelle Kaiseki-Menü, das er allerdings mit den neuesten Techniken der Molekularküche modifiziert. Ooe, der auch die Lizenz zum Verarbeiten von Fugu (teilweise giftiger Kugelfisch) hat, braucht für ein Sushi zirka eine Minute. Wir schafften vier Nigiri und zwei Maki-Rollen in drei Stunden.

Schmeckt, sitzt, passt und hat Luft. Möchten Sie einen Job bei uns im Park Hyatt in Tokio? Ich würd mich drauf einlassen!

Sehr charmant, Meister Ooe! Aber rollen tun wir nur die Sushi, nicht die Uschi!


REIF FÜR DIE INSEL. Philipp Schuster, 2007 Skateboard-Street-Europameister, war einer der Starter beim Red Bull Access All Areas auf Sealand. Was der Wiener im Mikrostaat, der zehn Kilometer vor Englands Küste im Ärmelkanal liegt, erlebte, erzählt er ab Seite 76.

Was wir Ihnen in diesem Monat ans Herz legen.

SCHMALZ Kraft braucht man kaum, um einen Motorrad- SEETANG Eine Handvoll der besten Skateboarder – einer Wheelie zu erlernen. Eher die Tipps des Fachmanns: Unserem Redakteur half Stunt-Ass Chris Pfeiffer. Seite 72

davon ist der Wiener Philipp Schuster – kommt auf Staatsbesuch nach Sealand. Motto: Red Bull Access All Areas. Seite 76


RÜBEN Der Koch des Jahrhunderts, Eckart Witzigmann, interpretiert Borschtsch, jene Rote-Rüben-Suppe, die von Polen bis weit nach Russland hinein gegessen wird. Seite 80

ADRENALIN

Queenstown in Neuseeland bietet vom Bungee-Jumpen bis zum Raketenrundflug alles, was echte Frauen/ Männer von Mädchen/Burschen unterscheidet. Seite 82

BILD: PETER GUENZEL

ACTION


FAHRSCHULE PFEIFFERYES !

AN C U O Y

Von der Angst, sich zu 端berschlagen, zum kontrollierten Wheelie in einem Tag: Stunt-Superheld Chris Pfeiffer erteilt Nachhilfe. Mit Erfolgsgarantie! TEXT WERNER JESSNER

BILDER ROBERT TOBER


E

s gibt Leute, die können dich durch ihre bloße Anwesenheit vom Gerät hexen. Wir wollen hier keine Namen nennen, jenen von Nadja Ž. zum Beispiel, unserer Red Bull Air Race-Doyenne, drei Kojen hinter jener des Autors im Redaktionspalast sesshaft. Spätestens bei Nadja Ž. plumpste ich pünktlich plump vom Einrad. Der Weg in die Gegenrichtung rund um den Konferenztisch war ebenso blockiert, und auch hier wollen wir keine Namen nennen, schon gar nicht jenen unseres Korrektors Johann F., dessen Domäne die Gesichtsbremse auf schnellen Mountainbike-Abfahrten ist. Vor Johann F.s Arbeitsplatz trennte ich mich oft, nie aber gern vom Einrad. Bis heute leugnet er standhaft, an meinen Stürzen beteiligt gewesen zu sein, nicht in Taten noch Worten und auch echt, ganz echt!, nicht in Gedanken. Eventuell war ich im Vorfeld auch nur übermotiviert und wollte mich zu professionell auf die nächste Story vorbereiten. Als einigermaßen geübter Motorradfahrer und ehemals patschertes Kind gedachte ich endlich den Wheelie zu erlernen, das Leistungsabzeichen für Motorradfahrer, und einer sollte mir dabei helfen. Der Beste. Der König der Stuntrider. Chris Pfeiffer persönlich.

HÄNDE HOCH! Der Trick beim freihändigen Wheelie: Ein zweiter Gashebel zum Blockieren.

PRÄDESTINIERT. Von Chris weiß man viel. Dass er viermal das Red Bull Hare Scramble am steirischen Erzberg gewonnen hat. Vielfacher Stuntriding-Welt- und -Europameister ist. Dass er arge Ideen hat und sie auch umsetzt, wie die berühmte Erstbefahrung jener Südtiroler Steinbrücke vor einem halben Jahr. Was man vielleicht nicht so weiß, ist, dass Chris einer der nettesten Menschen im Allgemeinen und einer der nettesten Allgäuer im Speziellen ist. Außerdem, und das sollte sich im Laufe dieses Tages noch als entscheidend herausstellen, ist er ausgebildeter Lehrer (Turnen, Biologie) und dreifacher Vater, sein Jüngster ist grad einmal eineinhalb. Genie, Didaktik und Geduld, außerdem Bikes, bei denen ein Kratzer wurscht ist, fehlt nur noch ein fotogenes Trainingsgelände für den hinterradtechnischen Frühschwimmer. Prompt kennt Chris zufällig ein Stück gesperrter Autobahn, dessen Asphalt noch dazu supergriffig ist. Rückenprotektor, Leder, Stiefel, Helm: alles vorhanden. Und nun?


74

Von den Großen lernen. Chris Pfeiffer (li., mit Werner Jessner), geboren am 20. April 1970, steckt grad in seiner dritten Karriere: Nach Trial und Enduro nun Stunt. In jeder Disziplin war oder ist er Weltklasse. Titel und Weltrekorde sammelt er seit 1985. Was er in 33 Jahren auf dem Bike gelernt hat? „Je mehr man schläft, desto müder wird man.“

lies: Voll einschenken, gib ihr! Bei Kupplungswheelies lässt man die Kupplung ein wenig schleifen und schnalzt sie dann bei erhöhter Drehzahl rein. Bringt die Vorderhufe todsicher in die Luft, braucht allerdings Gefühl in der linken Hand. Dem Kippen wirkt man – und jetzt schaut Chris zum einzigen Mal an diesem Tag sehr … bestimmt – mit dem rechten Fuß entgegen. „Der rechte Fuß ist immer auf der Hinterbremse. Sobald du das Gefühl hast, nach hinten zu kippen, holt dich die Hinterbremse wieder vorn runter.“ Erste Versuche fallen zaghaft aus. Ich gebe Gas wie der Depp vor der Dorfdisco,

UND JETZT MACH ICH’S SELBER: DER WHEELIE Gas, Kupplung, Hinterbremse, viel mehr braucht es nicht zum fröhlichen Hinterradsurfen. Und so geht’s:

Im zweiten Gang losfahren. Kurz vom Gas, Hinterbremse leicht betätigen.

Gas aufreißen, Kupplung schnell kommen lassen.

Den Wheelie mit Gas und Bremse ausbalancieren.

Vor dem Eissalon auskuppeln und mit der Hinterbremse Vorderrad sanft absenken. Fertig!

aber ob das Vorderrad auch tatsächlich den Boden verlassen hat, kann ich wegen der langen Federwege der BMW GS 450 nicht mit Gewissheit sagen. Der Meister muss jedenfalls demonstrativ nicht telefonieren und verschwindet auch nicht im Wohnmobil. KEINE AUSREDEN. Das war im Nachhinein der eine entscheidende Punkt: Der beste aller Besten lässt sich hundertprozentig auf dich ein, also lass du dich genauso hundertprozentig auf den Wheelie ein. Ich. Lerne. Das. Heute. Punkt. (Echt, versprochen? Und keine Ausreden? Kein angstvoll fürs Foto hochgerissenes Vorderrad mit Abgang, den man ohnehin nicht sieht? Versprochen.) Ich ließ beim Losfahren die Kupplung schnalzen, und der Kupplungswheelie wurde mein Freund. Chris legt nach: „Geh mit dem Oberkörper mit und nutze die Bremse als Unterstützung. Rolle etwas schneller los, als du den Wheelie fahren willst, dann brems dich mit der Hinterbremse runter, bring den Oberkörper nach vorn, und wie du sie hochreißen willst, geh mit dem Oberkörper nach hinten mit und öffne gleichzeitig die Bremse. Außerdem: Rutsch auf der Sitzbank ein wenig nach hinten, damit sparst du Kraft in den Armen.“

ILLUSTRATIONEN: MANDY FISCHER

Grundsätzlich, erklärt Chris, gibt es zwei Arten des Wheelies: den Gaswheelie und den Kupplungswheelie. (Wir einigen uns auf die korrekte männliche Anrede und vergessen die unpersönliche sächliche Form, ebenso wie es zwar jederzeit „das Bike“ heißt, das gegenständliche dann aber immer als „sie“ angeredet wird, also in der weiblichen Form.) Gaswheelies gehen über bloßes Aufreißen der rechten Hand, das Drehmoment des Motors hebt die Front. Je stärker das Bike, je aufrechter die Position des Fahrers, je kürzer die Übersetzung, desto leichter funktionieren Gaswhee-


DER ZWEITE KNACKPUNKT: CHRIS PFEIFFER WEISS NICHT, WAS ER BEIM WHEELIE SIEHT. Keine Angst! Der Kipppunkt, erklärt Chris, ist kein Punkt, sondern ein Bereich. Du hast als Rookie also immer Spielraum, um dich rauszuzaubern. Die Angst vor dem HintenRunterfallen wird überschätzt, meint Chris. Stunt-Rider leben in und von diesem Bereich. Außerdem gäbe es ja jederzeit die Möglichkeit, sich einfach an der Straße abzustützen.

Es braucht ein wenig, um die Bewegung flüssig hinzukriegen, immerhin sind von vier möglichen Extremitäten drei an dem Kauderwelsch beteiligt, und der Kopf gibt auch seinen Senf dazu. Einmal sehe ich nur mehr Himmel und Kotflügel. Das macht mich gleich so fertig, dass ich das Eisen nach vorn plumpsen lasse, eine Nervenpause brauch und zu Chris hinrolle: „Was siehst du, wenn du Wheelie fährst?“ – „Keine Ahnung. Muss ich nachschauen.“ Und wheelt davon. Das war im Nachhinein der zweite entscheidende Moment. Chris Pfeiffer weiß nicht, was er beim Wheelie sieht. Fokus also auf unscharf, und weil Chris grad mit der kleinen 450er rumtollt, borg ich mir sein Stuntbike, eine vergleichsweise fette BMW F800. Der Höcker auf der Sitzbank hilft im Kopf, das Gebrüll des Akrapovic-Auspuffs schüchtert ein. Über bloße Motorleistung ziehe ich meine Wheelie-Versuche mit Silberblick über fünfzig, sechzig Meter. „Wie weit fahre ich heute noch?“ „Weite ist egal. Miss es nach Zeit.“ „Zehn Sekunden!“ „Man muss sich immer ehrgeizige Ziele stecken.“ Und gibt mir noch zwei Tipps: Den Wheelie im zweiten Gang fahren, dann wird auch das Rumgeigeln weniger.

Speed stabilisiert. Detto ein bissl Luft aus dem Hinterreifen rauszulassen. Prompt halte ich den ersten Wheelie, wieder zurück auf der kleinen 450er, gefühlte fünf Sekunden lang und muss erstmals in den Helm brüllen vor Freude. Minütlich werden die Abstände zwischen den kurzen Gummistichen, an denen das Vorderrad wieder am Asphalt einschlägt, länger und länger. Tendenziell fahre ich zwar noch immer Bauernwheelies, werde also während der Bewegung schneller, hechle meinem Lot nach, aber immerhin. Noch vor vier, fünf Stunden wäre ich damit superhappy gewesen. PAUSE. Jetzt aber lässt die Konzentration spürbar nach, Chris sagt im Dialekt: „Komm, jetzt schlürf ma mal nen Bullen“, und wir hocken da an der Brücke, die verschwitzten T-Shirts ausgezogen, ein ganz normales Gespräch unter Buben, die sich weigern, erwachsen zu werden, und hie und da verscheucht einer eine Fliege. „Und dieser Kerl da neben mir, der so normal ist und dem grad eine korrekte lateinische Endung rausgerutscht ist im letzten verwendeten Fremdwort, fährt seine Wheelies freihändig und am Lenker sitzend“, wundere ich mich kurz. Fakt ist: Chris kann auch anders. Im 5-Meter-Kreis am Rücken liegend präzi-

se um einen Punkt fahren und mit der inneren Hand dabei den Boden berühren. Wheelies freihändig! auf der Sitzbank stehend! präzise! im Kreis! Oder unschuldig neben seiner BMW stehend auf den Lenker springen und damit am Hinterrad ins Hinterland fahren, Highseat heißt das dann, lasse ich mir erklären. Danke, aber ich übe noch ein bissl. Zum Abschluss nämlich soll es zu einem Foto kommen, wo wir nebeneinander am Hinterrad fahren, Chris mit Faxen, ich konzentriert, präzise, schnell, das Licht. (Der Fotograf.) Dazu ist es nötig, zwischen zwei auf Stativen montierten Blitzgeräten durchzuzielen, Abstand keine drei Meter. Links Chris, der früher wegfahren muss, weil er Zeit braucht, um auf die Sitzbank zu klettern. Ich hab eh den einfachen Part, bloß neben ihm am Hinterrad rumgurken, kann ja wohl nicht so schwer sein. Eh nicht. Nach einem Tag mit Chris Pfeiffer ist der instabile Zustand gefühlter Normalfall. Vermutlich hat es meinem Führerschein gutgetan, dass ich am Abend mit dem Auto heimfahren musste und nicht mit dem Bike. ♉ EICMA MESSE MIT PFEIFFER-SHOW: 4. BIS 9. NOVEMBER 2008, MAILAND, ITALIEN WWW.CHRISPFEIFFER.COM CHRIS PFEIFFER BLOGGT AUF: WWW.REDBULLETIN.COM/CHRISPFEIFFER


76

Ipswich

Sealand

Amsterdam London Paris

PARADISE ISLAND … IT’S NOT. Das selbsternannte „Principality of Sealand“ besteht seit 1967, als das heutige Staatsoberhaupt Prince Roy of Sealand – 1922 geboren, ein ehemaliger Major der britischen Armee und Piratenradiobetreiber – die verlassene Militärplattform besetzte. Die Amtsgeschäfte führt seit 1999 sein Sohn, „Prince Regent“ Michael of Sealand. Er tut das vom englischen Festland aus. Sealand wird üblicherweise nur von einem Wächter bewohnt.


SKATEN ÜBER WASSER

Die kleinste Nation der Welt ist eine 550 Quadratmeter große, angerostete ehemalige Militärbastion mitten in der Nordsee. Wir waren dort. Mit unseren Skateboards. TEXT PHILIPP SCHUSTER BILDER RUTGER PAUW


Auf Staatsbesuch. Red Bull Access All Areas brachte sechs Skater nach Sealand. Einer von ihnen: Philipp Schuster. Im Bild an der Rampe: der Deutsche Mack McKelton.

E

s gibt Projekte, auf die man sich perfekt vorbereiten kann. Solche, bei denen man nur ungefähr weiß, was einen erwartet. Und dann gibt es Red Bull Access All Areas auf Sealand: Skaten auf einer rund 47 mal 13 Meter messenden einstigen Luftabwehr-Plattform mitten in der Nordsee, die vor vierzig Jahren als eigener Staat ausgerufen wurde. Wir reisten von der englischen Küste in einem Speedboat an, was schon ein Abenteuer für sich war und angesichts des Wellengangs für meine Wirbelsäule ein eher unvergessliches Erlebnis. Nach der Landung auf Sealand wurden wir gleich einmal in die Küche gebeten … um die Einreiseformalitäten zu erledigen. (Man braucht tatsächlich ein Visum, um einen Schritt auf diesem 550 Quadrat-

meter großen Fleck Stahlbeton machen zu dürfen!) Dann hatten wir kurz Zeit, um uns umzusehen. Der Zustand der Insel ist in vier Wörtern umfassend beschrieben: kalt, dunkel, windig, rostig. NICHT IN DIE NORDSEE FALLEN! Es galt drei verschiedene Obstacles zu skaten. Erste Station war eine kleine Quarterpipe, deren obere Kante gleichzeitig die Oberkante der Brüstung darstellte. Eine sonst einfach zu skatende Rampe wurde so zu einer ziemlichen Herausforderung. Das Einzige, was uns vor einem zwölf Meter tiefen Sturz ins eisige Wasser bewahrte, war unser Gleichgewichtssinn. Man könnte zwar annehmen, dass dieser Fall sich kaum von einem (ziemlich hohen) Sprung in ein (ziemlich großes, ziemlich kaltes) Schwimmbecken unterscheidet, jedoch: Wir wurden eines Besseren be-

lehrt. Bevor wir zu skaten begonnen hatten, erhielten wir genaue Instruktionen, was zu tun ist, wenn jemand über Bord geht. Die kreisten rund um die zentrale Empfehlung, nicht in die Nordsee zu fallen, da unter Wasser die wahren Gefahren lauern. Scharfe Munition zum Beispiel oder treibender Sperrmüll. Der zweite Spot war nicht minder gefährlich: eine holprige Anfahrt auf dem Helipad führte bis zu dessen Kante und sah vor, sozusagen aus dem ersten Stock hinunter in eine im Erdgeschoss aufgebaute Schräge springen. Als Letztes erwartete uns eine sehr lange und steile Schräge, die – ähnlich wie beim ersten Spot – ihre Oberkante am Abgrund Richtung Wasser hatte, nur noch mal zwei Meter höher. Jeder, der einmal auf einem Skateboard gestanden ist, weiß, wie wichtig


NOVEMBER 2008

ACTION

THE RED BULLETIN

79

TATSÄCHLICH BRAUCHT MAN EIN VISUM, UM EINEN SCHRITT AUF DIESEM FLECK STAHLBETON MACHEN ZU DÜRFEN!

Ruhig bleiben. Hinter der Rampe befand sich ein Abgrund, an dessen Ende die Nordsee wartete.

FOTO: OLIVER KURZEMANN/RED BULL PHOTOFILES

ein glatter und sauberer Untergrund ist. Und jetzt stelle man sich vor, wie das ist, wenn schon der durchgerostete Boden auf dem Weg zur Rampe einen Hürdenlauf darstellt: Das Anfahren auf einen Trick war mehr Trick als der Trick selbst. SCHLAFEN UNTER WASSER. Abends bekamen wir von einem der fünf Wächter, die die Insel während unseres Aufenthalts bewohnten (üblicherweise reichen ein bis zwei Personen, aber man wollte wohl auf Nummer sicher gehen), eine kommentierte Führung durch den Nordturm der Insel. Sieben oder acht Etagen führen bis an den Grund der See. Ein unheimliches Glucksen der an die Betonsäulen schlagenden Wellen begleitete die Erzählungen des Sealanders. Er zeigte uns unseren Schlafplatz, etwa drei Meter unter dem Meeresspiegel gelegen. Und er zeigte uns

ein Rad, das dazu dient, ein Flutungsrohr zu öffnen, um im Falle einer feindlichen Übernahme den Turm binnen Sekunden zu fluten und ihn für die Eroberer nutzlos zu machen. Mit dieser Information gestärkt, verkrochen wir uns in unsere Unterkunft, eine enge, fensterlose Betonröhre, und wir träumten lebhaft. Der nächste Morgen hatte recht schön begonnen, und ich versuchte die verbleibende Zeit noch für ein paar Fotos zu nutzen. Aber bald war Eile geboten: Wie vom Wetterbericht vorausgesagt verschlechterte sich das Wetter rasch. Wir mussten also so schnell wie möglich von der Plattform auf das Boot gelangen. Andernfalls wären wir auf Sealand gefangen gewesen: Ein Passagierwechsel ist nur bei Schönwetter möglich. ♉ ALLE FOTOS UND BLOGS VON PHILIPP SCHUSTER AUF: WWW.REDBULLETIN.COM/ACCESSALLAREAS

WO SONST NIEMAND SKATET Red Bull Access All Areas: Eine Idee erobert die Welt, und zwar buchstäblich. Einmal in einem Nachtclub zu skaten, in einem Gefängnis, auf einer Staumauer oder der „Starlight Express“Musicalbühne: Red Bull Access All Areas ermöglicht Skatern Sessions an Orten, an denen niemand zuvor geskatet ist und wahrscheinlich niemand danach skaten wird. Man kann also durchaus von ultimativen Erlebnissen reden. Weitere Beispiele für accessed areas: www.redbullaccessallareas.com.


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BORSCHTSCH „Ikarus“-Mastermind Eckart Witzigmann macht diesen Monat in Polen Station. Die dortige Rote-Rüben-Suppe ist zwar ein Klassiker, den Witzigmann aber noch raffiniert zu verfeinern weiß. TEXT CHRISTIAN GRÜNWALD BILDER MANFRED KLIMEK

Die Zubereitung

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Zander filetieren (erledigt am besten der Fischhändler). Aus den Karkassen Kiemen herausschneiden, diese 30 Minuten wässern lassen und dann mit Lauch, weißer Zwiebel und Stangensellerie einen kräftigen Fischfond kochen.

Weißkohlblätter vom Strunk nehmen, waschen und den Mittelstrunk entfernen. Kohlblätter in 4 cm lange Streifen schneiden. Karotten schälen und ebenfalls in 4-cm-Streifen schneiden.

Rote Rüben in 4-cm-Streifen schneiden. Zwiebel schälen, halbieren und in Längsrichtung in Julienne schneiden. Knoblauchzehen schälen und feinwürfelig schneiden.

Öl und Butter erhitzen. Gemüse-Julienne zugeben und glasig anschwitzen. Knoblauch und Tomatenmark einrühren und 2 Minuten anrösten. Mit Obstessig ablöschen, Zanderfond zugießen. Lorbeerblätter einlegen und die Suppe leicht köcheln lassen, bis das Gemüse gar ist.

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Zanderfilet in Stücke schneiden. In einer Pfanne in Öl auf der Hautseite knusprig braten, dabei immer wieder mit etwas Öl übergießen. Der Fisch soll und darf im Kern noch glasig sein.

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Für die Pierogi-Fülle Pilze putzen, kleinwürfelig hacken. Spitzkrautblätter in Streifen schneiden und dann nochmals ganz fein schneiden.


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Zutaten (4–6 Personen)

Roter Osten

2 kg Zander, 1 Stange Lauch, 1 weiße Zwiebel (geschält), 2 Stangen Sellerie, 1 Kopf Spitzkraut (ca. 300 g), 100 g Karotten, 3 kleine Rote Rüben (geschält), 200 g Zwiebeln, 3 Knoblauchzehen, 50 ml Pflanzenöl, 40 g Butter, 2 EL Tomatenmark, 60 ml Obstessig, 2 Lorbeerblätter, Crème fraîche

Wenn man in Zeiten wie diesen instinktiv den Gürtel enger schnallt, kommt die Rückbesinnung auf gelebte Kochtraditionen praktisch von selbst. Wir kramen im Fundus der bewährten Klassiker und finden dabei einen Gürtel, der gut mit dem neuen Modetrend zum „Nouveau-pauvreChic“ harmoniert. Heißt: von allem das Beste, aber bitte mit entsprechendem Feingefühl dosiert. Das Teil nennt sich Borschtsch-Gürtel, zieht sich von Polen über Galizien, Weißrussland, die Ukraine bis ins Wolga-/Don-Gebiet und markiert das massive dortige Vorkommen dieser für den Osten Europas so typischen Suppe. Die Zusammensetzung ist regional unterschiedlich. Jede Hausfrau kocht diese Suppe auf ihre eigene Art und Weise. In jedem Fall ist die Suppe durch die Roten Rüben hellrot und mit einem süß-sauren Geschmack ausgestattet. Ukrainischer und russischer Borschtsch bestehen in der Regel aus Roten Rüben, Zwiebeln, Weißkohl, Karotten, Kartoffeln, Tomaten und Rindfleisch. Statt des Rindfleischs wird auch gerne eine angebratene Ente mitgekocht. Das gerät dann so gehaltvoll, dass ein Holzlöffel problemlos darin stehen bleibt. Ungleich eleganter und leichter präsentiert sich da schon die polnische Borschtsch-Version namens Barszcz (auszusprechen: barschtsch). Sie wird mit natursauer vergorenen Roten Rüben, Zwiebeln und Wurzelgemüse angesetzt. Die Suppe wird meist klar, seltener püriert angerichtet. Als Einlage kommen Teig taschen – Pierogi – mit Pilz, Krautoder Fleischfüllung hinzu.

Für die Pierogi Mürbteig: 400 g Mehl (Type 405), 200 g kalte Butterwürfel, Salz, 2 Eier, 1 Eidotter Fülle: 70 g Steinpilze, 60 g Spitzkraut, 200 g Zanderfilet (würfelig geschnitten), 40 g Bauchspeck (mild geräuchert), 1 Schalotte (feinwürfelig geschnitten), 30 g Butter, etwas Zitronensaft, Salz, Pfeffer, 1 EL Petersilie (in feine Streifen geschnitten) Zum Bestreichen: 1 Eidotter, etwas Obers

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Speck in feine Scheiben, dann in Streifen und schließlich in kleine Würfel schneiden. Schalotte in Butter anschwitzen. Speck zugeben und braten, Kraut und Pilze durchschwenken. Mit Pfeffer, eventuell Salz und etwas Zitronensaft würzen. Zum Schluss auch Petersilie einrühren.

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Zanderwürfel mit der Speck-PilzMasse vermengen, mit Salz abschmecken. Für den Pierogi-Teig: alle Mürbteig-Zutaten kurz verkneten und den Teig bis zur weiteren Verwendung im Kühlschrank aufbewahren.

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Eckart Witzigmann, stets auf der Suche nach der ultimativen Leichtigkeit, ohne dabei Traditionen und Geschmack zu missachten, hat sich eine ganz besondere Borschtsch-Variante ausgedacht. Statt Fleisch ein festfleischiger Zander, statt Rindsuppe ein würziger Fischfond aus den Zanderkarkassen. Es darf auch Karpfen, Hecht oder Waller sein. Witzigmann nimmt absichtlich einen großen Fisch mit zumindest zwei Kilo. Nicht, weil man für das Gericht so viel braucht, bloß sind die hohen Rückenfilets eines derartigen Exemplars ungleich besser in der Qualität als das Fleisch eines Portionsfisches. Beim Schuppen und Ausnehmen sollte man auf den Dorn am Kiemendeckel und die scharfen Stacheln der Rückenflosse achten – kann falsch angefasst ganz schön weh tun. Unverzichtbar sind in jedem Fall die Roten Rüben. Für den Einkauf gilt: Kleinere Exemplare schmecken besser als große. Und beim Schälen und Zuschneiden Küchenhandschuhe zu benutzen ist ein Ratschlag, den zu befolgen sich dringend empfiehlt, sonst brauchen Sie viel Zitronensaft, um die Hände wieder sauber zu bekommen. Weitere Verfeinerungsmöglichkeiten für den Borschtsch: Zum Schluss Rote-Rüben-Saft oder gehackte Fenchelsamen samt Dille beigeben. Beides unterstützt den erwünschten süßlichen Geschmackston. ♉ FILMPREMIERE „THAT’S IT, THAT’S ALL“ MIT TRAVIS RICE: 11. NOVEMBER 2008, ZŁOTE TARASY CENTER, WARSCHAU, POLEN; WWW.THATSIT-THATSALL.COM MEHR REZEPTE: WWW.REDBULLETIN.COM/WITZIGMANN

ECKART WITZIGMANN, 67, wurde aufgrund seiner außergewöhnlichen Karriere als Küchenchef zum „Koch des JahrTeig dünn ausrollen, rund ausstechen. hunderts“ gewählt. Der Auf die Kreise etwas Fülle setzen, zu- Österreicher verantworsammenklappen, Enden zusammendrücken. tet das kulinarische Mit der Eidotter-Obers-Mischung bestreiProgramm des Restauchen. Im Rohr bei 180 °C ca. 15 Minuten rants „Ikarus“ im backen. Zanderfilet zur Suppe geben, mit Hangar-7 in Salzburg. Crème fraîche und den Pierogi servieren. www.hangar-7.com

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BILD: F1 ONLINE

BUNGEE-SPRINGEN VON DER KAWARAU BRIDGE IN NEUSEELAND. Erfunden wurde das Seilspringen zwar nicht hier, sondern in der S端dsee, aber 端ber dem Kawarau-Fluss begann die Vermarktung des Nervenkitzels.


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Durch die Luft und übers Wasser, rauf und

BITTE ANSCHNALLEN runter, hin und her, mit und ohne Netz.

Willkommen in Queenstown, Neuseeland, der Welthauptstadt des Adrenalins. TEXT STEFAN NINK

WARM-UP IM HOTELZIMMER. Gestern Abend war der Kiwi wieder da. Saß auf dem Sofa, als ich aus der Dusche kam. Er hielt den Kopf leicht schief, besserwisserisch, und dann kam wieder eine seiner Befindlichkeitsfragen. „Na, wie war’s?“ Ich zeigte auf mein linkes Schienbein. Und die Ellenbogen. Oh-oh, meinte der Kiwi. Er versuchte mitleidig zu schauen. Auch typisch. Irgendwann sag ich ihm, wie hässlich er ist – als ob sie ein Stachelschwein mit einer Schnepfe gekreuzt hätten. Fliegen kann er auch nicht. Wie so ein Tier Nationalvogel werden kann, soll mir erst einmal einer erklären. Wir kennen uns seit ein paar Tagen, der Kiwi und ich – er wartete in meinem Hotelzimmer, als ich vom Erkundungsrundgang zurückkam. Das ist vielleicht eine schräge Stadt, dieses Queenstown! Liegt am Lake Wakatipu wie ein Schweizer Kurort, wird aber von einem Menschenschlag bevölkert, der, pardon: nicht dicht ist. Die ganze Stadt lebt davon, dass sie ihre Besucher von Brücken springen lässt, sie mit Hilfe dubioser Gerätschaften durch die Luft schleudert, Wasserfälle hinunterstürzt oder in eiskalten Gebirgsflüssen zu ertränken versucht. Die Besucher machen das nicht nur alles mit – sie reisen auch noch genau aus diesem Grund an. Nach Queenstown, in die selbsternannte Adrenalin-Hauptstadt der Welt. Ja fein, hab ich an diesem ersten Abend gedacht, dann sollen sie mal. Und bin ins Hotel. Wo der Kiwi auf dem Sofa hockte und den Kopf leicht schief hielt. „Naaa – wär schon toll, oder?“ Wie bitte? Was wäre toll? Mit den ehernen Gesetzen von Schwerkraft und Erdanziehung herumzuspielen? Schauen, was die Reisekrankenversicherung so alles draufhat? Die statistische Lebenserwartung aufs Spiel setzen? Darauf der Kiwi: „Das musst du machen! Ist

oberaffenduweißtschon!“ Dann schwieg er. Und ließ seine Sätze wirken. Am nächsten Morgen hab ich mich bei vier Veranstaltern angemeldet. TEST EINS: CRASHTEST-DUMMY. „Etwa 110 km/h Spitze“, sagt unser Pilot. Ich will das nicht hören. Die sollten einem solche Details erst hinterher erzählen, finde ich. Zahnärzte machen das doch auch so. Für den Einstieg ins Adrenalin-Abenteuer scheint mir so ein Jetboat-Ausflug jedenfalls das Richtige. Man muss nämlich nichts selbst machen, und allein ist man auch nicht. 17 freiwillige Crashtest-Dummys werden mit Sturzhelm und Rettungsweste ausgestattet. Das Boot sieht so aus wie jenes, mit dem sich der zweite oder dritte Mann von Monacos Caroline damals einmal zu oft überschlagen hat. Mit dem Geräuschpegel einer startenden Boeing brettern wir in eine der schönsten Landschaften Neuseelands. Und jeder ist erst einmal damit beschäftigt, seinem Magen zu sagen, dass das alles nur Spaß ist. Ein Jetboat ist eine Mischung aus Winzjacht und einem Enterprise, das von einem Jahrmarkt abgehauen ist. In mehreren Reihen sitzen wildfremde Menschen schreiend nebeneinander, hoffen auf die nächste Kurve und zugleich, dass das alles hier bald vorbei sein möge. Vor allem wenn der Kapitän das Boot kreiseln lässt. Das macht er mit Vorliebe an Stellen, wo der Fluss nur unwesentlich breiter ist als der Kreiseldurchmesser, da wirbeln die Uferfelsen so schön nah heran. Der Mensch neben mir filmt alles mit einer Videokamera. Na, da möchte ich später im Wohnzimmer dabei sein, wenn Tante Gerda das Urlaubsvideo gezeigt bekommt! Als wir zehn Minuten später aussteigen, wabbelt der Uferkies wie Götterspeise. Zum Glück können wir uns gegenseitig stützen.


BILDER: IMAGO (3)

‚UNSINKBAR!‘, RUFT DER AUSBILDER. DAS GILT ABER NUR, WENN MAN NICHT LOSLÄSST.


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Noch am Abend kann sich Queenstown kaum in der Horizontalen halten, ich verschiebe den geplanten Check des legendären Nachtlebens. Stattdessen lasse ich mir vom Kiwi erzählen, wie das alles angefangen hat mit dem Adrenalin. Mit dem BungeeSpringen natürlich. Ein Mensch namens A. J. Hackett hat das auf Vanuatu entdeckt. Dort war das Springen mit Seilen an den Knöcheln ein Ernteritual. Inzwischen vermarktet A. J. den Freizeitkick weltweit. Als sein neues „Kawarau Bungy Centre“ eröffnet wurde, kam sogar Helen Clark, immerhin die Premierministerin. Ob sie auch gesprungen ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall: ICH WERDE NICHT BUNGEESPRINGEN! Hab mich stattdessen zum White Water Sledging verabredet. Treff ist morgen um 6.30 Uhr. TEST ZWEI: WELLENREITER. „Unsinkbar!“, ruft der Ausbilder und schwenkt das Plastikteil, „absolut unsinkbar!“ Seine Auszubildenden schauen interessiert. Und skeptisch. Vor allem bibbern sie: Acht, neun Grad Lufttemperatur an einem neuseeländischen Morgen wie aus der Kinowerbung; hätte man doch besser die Tour am Nachmittag gewählt. Vor allem, weil man jetzt gleich in dieses vier Grad kalte Wasser muss. Zum White Water Sledging. Der Ausbilder erklärt, wie das geht, Wildwasserrodeln: Man liegt bäuchlings auf diesem Kunststoffschlitten und saust mit ihm den Fluss runter. Gesteuert wird mit Schwimmflossen an den Füßen, sagt der Ausbilder. Was passiert, wenn man seinen Schlitten verliert und damit durchaus sinkbar wird, verrät er nicht. Stattdessen fallen ihm immer neue Metaphern ein für das, was wir da gleich machen: Weder „Wasserrodeo“ noch „Höllenritt“ klingt vertrauensbildend. Vielleicht wären Vorkenntnisse von Vorteil gewesen: Dann wäre ich nicht gerade eben das dritte Mal gegen einen Fels geknallt. Und würde möglicherweise nicht ständig die Flossen meines Vordermannes ins Gesicht bekommen – man glaubt nicht, wie es sich stauen kann in so einem reißenden Fluss. Nass! Kalt! Und sehen tut man so gut wie nichts in diesem Styx. Hin und wieder erhascht man ein Stück Ufer, ansonsten nur Wasser, durch das man gewirbelt wird wie eine Waschpulverkugel im Schleudergang. Und jetzt kommt der „Maneater“, die wildeste Stromschnelle auf unserer Fahrt, die kriegt mich nicht unter, bestimmt nicht, zu Hause nennen sie mich den „Wellenfresser“, hah! Dann ist es auf einmal sehr dunkel. Als es wieder hell wird, ist alles verschwommen. Ist bei mir immer so, wenn ich meine Brille verloren habe. Abends gehe ich in den „Lone Star Saloon“. Da hängen so harte Typen wie ich ab, Bungee-Jumper, Speedboater, Wellenreiter. Und natürlich braungebrannte Snowboarder. Die kann man am weißen Streifen im Gesicht erkennen, dort, wo tagsüber die Skibrille sitzt. Weshalb sie aussehen wie Waschbären. Die Waschbären schwadronieren mit Vorliebe über gummiwattierte Jacken und Helme, die aus der NASA-Reststoffverwertung stammen. Da kann ich

natürlich nicht mitreden. Sowieso schau ich viel lieber Sandy hinter der Bar zu. Sandy sieht aus, als sei sie geradewegs aus einem Song von Bruce Springsteen gefallen. Jedes Mal, wenn man einen Red Bull Wodka bei ihr bestellt, schenkt sie einem ihr strahlendstes Lächeln. Ein Lächeln, das man am liebsten einpacken und mitnehmen würde. Für schlechtere Zeiten. Leider hängen über Sandys Lächeln ablenkende TV-Bildschirme. Auf denen laufen „Die besten Snowboard-Videos aller Zeiten“ oder wie diese Sendungen heißen, in denen Menschen die Gesetze der Schwerkraft ignorieren. Lange kann man da nicht zusehen, sonst wird einem schwindelig. Da schau ich lieber wieder zu Sandy hinunter. Und wenn sie das nächste Mal lächelt, lächle ich mein schönstes Harte-Kerle-Lächeln zurück. Jawohl. TEST DREI: KURZ VOR MACH 1. Heute ist Schluss mit nass – heute geht’s in die Luft. In einer Rakete. „Flyby-Wire“ nennen sie das, weil die Rakete natürlich an einem Drahtseil befestigt ist, sonst wäre das ein teurer Spaß. Ich selbst hole meine Kosten fast schon wieder rein, weil ich vor lauter Angst heute Morgen noch nicht mal frühstücken konnte. Das Mittagessen ist auch schon gestrichen, das wäre kurz nach dem Flug, da wird nix gehen, das weiß ich jetzt schon. „Ach wo“, sagt der Raketenmann, der mir ein Bündel reicht, das wie ein gepolsterter Kampfpilotenoverall aussieht. „Das ist ein gepolsterter Kampfpilotenoverall“, sagt er, anziehen bitte. Und ob ich auch ein Video von meinem Flug kaufen wolle? So weit kommt es noch! Damit ich mir zu Hause noch mal anschauen kann, wie ich mit grässlich verzerrtem Gesicht in Richtung Schallmauer fliege? Nix da! Ein Kamikaze-Kopfband hätte ich gerne, das würde passen. Stattdessen bekomme ich einen massiven Helm. Dann werde ich in die Rakete gelegt. Mit dem Kopf nach vorne. Mir ist schlecht. Richtig schlecht. Ich hab auch Angst, Heidenangst. Adrenalin, sagt die Forschung, ist ein chemisch eher simpel gestricktes Hormon. Ein nervaler Reiz fördert die Umwandlung von Tyrosin zu Dopamin zu Adrenalin, und schon legen sich Puls und Herz-

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Acht Uhr morgens ist keine gute Zeit für Jetboat-Ausflüge, genauso gut könnte man sich vor dem Frühstück in die Achterbahn setzen und während der Fahrt ein Kapitelchen Dostojewski lesen. Irgendwann sagt auch Ihr Kapitän: „Jetzt noch eine Runde rückwärts, damit euch so richtig schlecht wird.“ Wer gerne solo durch die Gischt saust, wählt White Water Sledging (linke Seite oben). Traditionsbewusste wiederum entscheiden sich für Rafting (linke Seite unten).


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Fly-by-Wire kommt der Raumfahrt am nächsten, und man braucht auch keinerlei Astronautenausbildung dafür. Der Körper des Passagiers steckt in einem gepolsterten Kampfpilotenoverall, den Kopf schützt ein Helm. Wer geschickt ist, kann während seiner Reise in der Cabrio-Rakete sogar Figuren in den Himmel kratzen.

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frequenz ins Zeug. Wie bei mir jetzt gerade – wenn ich nicht aufpasse, kommt das Herz gleich rausgehopst aus dem Hals. Das Adrenalin allerdings, heißt es wiederum in der Extremsportforschung, ist gar nicht das Entscheidende – viel wichtiger ist die metaphysische Erfahrung. Das Gefühl, die eigenen Grenzen zu sprengen. Unsterblich zu sein. Und es laut herauszuschreien. „Jaaaaaa!“, brüllt irgendwer in meiner Rakete, die laut fauchend an ihrem Seil im Kreis zischt, wie im Innern einer Trommel, deren Außenwand mit einer 360-Grad-Fototapete beklebt ist. Und steuern kann man das Teil auch noch, huiii, kleine Bögen kann man fliegen und Wellen und all son Zeugs. Gerade, als sich zwei, drei Figuren aus dem letzten „Spider-Man“ in den Himmel kratzen will, ist die Flugzeit leider auch schon wieder um. Das war schick, das will ich wohl meinen. TEST VIER: ABGRUND-SCHWINGER. Der Canyonswing? Das sei doch was für Weicheier und Bübchen, haben sie gestern in „Lone Star Saloon“ erzählt. Nicht mal selbst springen müsse man! Bungee für Feiglinge! Nur der Kiwi fand meine Idee gut. Deswegen stehe ich jetzt an der Rampe des Canyonswings, zusammen mit drei Damen aus Kalifornien. Die vierte Teilnehmerin an diesem Morgen kommt aus Holland und wird soeben schreiend in ihrem Sitz hinaufgezogen. Als sie nahe genug ist, kann man verstehen, was sie ruft: „Besser als Sex! Besserbesserbesser!“ Die drei Damen aus Kalifornien schauen irritiert. Wahrscheinlich überlegen sie, ob sie sich durch die Rufe betroffen genug fühlen, um ihre Anwälte in

DER HIMMEL MACHT SICH DAVON, UND DIE WELT IST NUR NOCH EIN SCHACHT.

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L. A. anzurufen und die orgiastische Holländerin zu verklagen. Und dann bin ich an der Reihe. Anders als beim Bungee wird man beim Canyonswing nicht an den Fußknöcheln angebunden, sondern in eine Art Sitzschaukel aus Stricken montiert. Man muss auch nicht selbst springen, sondern wird auf verschiedene Arten in die Schlucht befördert. Mir ist „Elvis Cutaway“ am sympathischsten. Dazu legt man sich flach auf den Rücken, sehr praktisch bei schlotternden Knien. Wenn man bereit ist, gibt man den Canyonswing-Leuten ein Zeichen, und dann klappen die einfach den Boden unter einem … Auf einmal macht sich der Himmel nach oben davon, und die Welt ist nur noch ein Schacht. Ich falle in einem bestimmt nett anzusehenden Schwung nach unten, es rauscht in den Ohren, es röhrt, und dann macht es zopp, und es geht wieder kurz nach oben. Nicht komplett allerdings, Optik und Gleichgewichtssinn kommen ein bisschen später nach. Und dann wird es richtig schlimm. Dann hänge ich nämlich in meinem Geschirr in der Tiefe. Ich bin nicht schwindelfrei. Vom angekündigten Glückskick ist nix zu spüren, stattdessen wird mir ganz furchtbar übel. Nach einer gefühlten Ewigkeit halte ich mich oben an allem fest, was ich greifen kann. Auch an der Holländerin. Das Gefühl, dem Sensenmann von der Schippe gesprungen zu sein, hält auch nachmittags noch an. Ich beschließe, noch schnell diese Offtrail-Inlineskates zu probieren, so schwer kann das ja nun auch nicht sein. Dabei ist dann das mit dem Schienbein passiert. Und mit den Ellenbogen, die ich abends im „Lone Star Saloon“ noch nicht mal an den Tresen anlehnen kann. Sandy lächelt trotzdem. Auf den Bildschirmen über der Bar werden Leute in durchsichtige Plastikkugeln gesteckt und rollen anschließend Abhänge hinunter. Mir ist auch so schon schwindelig. Kann dieses Mal auch am Wodka Red Bull liegen und an meinem Schienbein. Wie nennt man es, wenn etwas fast ganz schlimm gebrochen ist, aber eben nur fast? Geprellt, glaube ich. AUSLAUFEN. Am nächsten Tag: Abschied von Queenstown. Und ein Abstecher nach Wanaka, das wird als kommende Adrenalin-Trendstadt gehandelt. Der Kiwi hockt auf dem Beifahrersitz und liest laut vor, was auf den Werbeschildern steht: „Die wildeste Floßfahrt der Welt!“, „Hol dir den ultimativen Kick!“, „Weck den Kiwi in dir!“. Stattdessen halte ich vor der „Puzzling World“. Das ist ein begehbares Freiluftlabyrinth, zwei Kilometer verwinkelte Gänge und verwirrende Sackgassen, durch hohe Holzpalisaden abgeschirmt. Den Ausgang findet man nur, wenn man sich furchtbar konzentriert, und selbst dann dauert es über eine Stunde. Das ist ein Kick! Den Kiwi habe ich schon nach zehn Minuten abgeschüttelt. Soll er doch sehen, wie er da rauskommt. ♉ MARK WEBBER PURE TASMANIA CHALLENGE: 19. BIS 23. NOVEMBER 2008, TASMANIEN, AUSTRALIEN WWW.MARKWEBBERCHALLENGE.COM

BILD: WESTRICH/LAIF

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Sydney Auckland

Melbourne Wellington Queenstown

Christchurch

TIPPS & INFOS

Glenorchy

QUEENSTOWN Das ehemals beschauliche Queenstown – gelegen am Lake Wakatipu – ist Neuseelands berühmteste Rund-ums-JahrDestination und hat sich im Laufe der letzten Jahre zu einer Art Adrenalin-Disneyland verwandelt. Im Zentrum drängeln sich Sportgeschäfte und zig Agenturen, bei denen man sein Abenteuer buchen kann. Dazwischen Cafés, Restaurants und Bars mit einem Preisniveau, das man in Neuseeland sonst nur in Auckland oder Wellington findet. Obwohl das Angebot an Unterkünften groß und breit gefächert ist, sind preisgünstige Übernachtungsmöglichkeiten oft schon Monate im Voraus bis etwa Mitte April ausgebucht. Also: rechtzeitig planen!

Wanaka Cardrona Hotel Queenstown

schneebedeckten Berge gegenüber schauen, könnte man glauben, in der Toskana zu sein. Die Besitzer Gillian und Donald sind wandelnde Infozentralen. Cardrona Hotel Rd1, zwischen Queenstown und Wanaka Tel.: +64 (0)3 443 8153, Fax: 443 8163; www.cardronahotel.co.nz DZ: 135 bis 185 NZD 140 Jahre altes Hotel aus der Zeit des Goldrauschs gleich hinter dem CrownsRange-Pass – eine Dreiviertelstunde von Queenstown und in einer anderen Welt. Einfache, rustikale Zimmer, sehr gutes Restaurant, wunderschöner Garten.

Lone Star

Vudu Four Seasons Motel

Browns Boutique Hotel

Hurley’s

Dux de Lux Sushi-Bude

Four Seasons Motel 12 Stanley Street Tel.: +64 (0)3 442 8953, Fax: 442 7233 www.queenstownmotel.com DZ: 155 bis 230 NZD Zentral gelegenes Motel mit großzügigen Zimmern (mit Kitchennettes), kostenlosen Parkplätzen und 15-Meter-Pool im Garten. Unschlagbar: In der Family Unit übernachten sechs Personen ab 190 NZD. Clutha River, Hawea River oder Kawarau River, verschiedene Schwierigkeitsgrade.

ESSEN & TRINKEN Citylights. Sie haben recht, Queenstown sieht nach Goldgräberstadt aus.

HINKOMMEN Bei einer Neuseeland-Rundreise liegt Queenstown meist am Ende der Tour. Von hier kommt man schnell nach Christchurch, von wo aus es mit dem Flieger dann über Auckland zurück nach Europa geht. Alternativ kann man seine Reise natürlich auch hier beginnen. Austrian Airlines und Air New Zealand fliegen von Wien aus ab zirka 1750 Euro über Auckland nach Queenstown.

BILDER: PETER BESENYEI, MAURITIUS IMAGES; ILLUSTRATION: MANDY FISCHER

ÜBERNACHTEN Hurley’s Melbourne Street/Frankton Road Tel.: +64 (0)3 442 5999, Fax: 442 5998 www.hurleys.co.nz DZ ab 155 Neuseeland-Dollar (1 NZD ≈ 0,44 Euro), Apartments (bis fünf Personen) ab 305 NZD. Auch die günstigsten Kategorien haben kleine Küchen mit Mikrowelle, Spa-Badezimmer und Satelliten-TV. Im Zentrum. Browns Boutique Hotel Queenstown, 26 Isle Street Tel.: +64 (0)3 441 2050, Fax: 441 2060 www.brownshotel.co.nz DZ: 295 NZD, inklusive Frühstück Geschmackssicheres B&B mit mediterranem Touch am Hang über Queenstown. Würde man vom Patio mit seinen Palmen nicht direkt auf die meist

Dux de Lux 14-16 Church Street, Tel.: +64 (0)3 442 9688, täglich ab elf Uhr Ableger des legendären Christchurcher Restaurants. Auch hier wird fleischlos gekocht, auf der Karte stehen vegetarische Suppen (alle um 9 NZD) und leckere Seafood-Kreationen (ab 16 NZD). Vudu 23 Beach Street, Tel.: +64 (0)3 442 5357, täglich 8 bis 15 und 18 bis late Wäre überall sonst ein alternatives Szene- Café; hier einer von vielen netten Frühstücksplätzen für Spätaufsteher. Lone Star 14 Brecon Street, Tel.: +64 (0)3 442 9995, täglich von 16 Uhr bis late Der Szenetreff der Adrenalinszene. Im Restaurant werden Steaks und SeafoodPlatten mit netten Namen wie „Johnny Cash Stash“ oder „Rock The Boat“ auch in ¾-Portionen serviert. Voll und laut. Und zum Schluss: Sie hat keinen Namen und keine fixen Öffnungszeiten, aber sie serviert sagenhaft leckere und preiswerte japanische Snacks: Die Sushi-Bude am Ende von Queenstowns Marine Parade (Bergseite) ist seit Jahren ein Geheimtipp.

Canyon Swing Mit Shotover Canyon Swing, 37 Shotover Street, Tel.: +64 (0)3 442 6990 oder 0800 279 464, www.canyonswing.co.nz Acht Abfahrten täglich per Shuttle-Bus. Erster Sprung: 169 NZD, weitere: 49 NZD.

Red Bull Home. Wenn Sportler aus dem Red Bull-Universum in Queenstown trainieren, sind sie hier untergebracht. Shotover Street, Tel.: +64 (0)3 442 4007 oder, gebührenfrei, 0800 286 495 www.ajhackett.com Das Unternehmen des Bungee-„Erfinders“ A. J. Hackett bietet mehr als einfache Sturzflüge. Sprünge von diversen Brücken/Türmen können kombiniert werden, auch preislich. Es gilt: Je öfter man sich traut, desto preiswerter.

ADRENALIN-VERANSTALTER

Jetboating Zum Beispiel mit Dart River Jet Safaris, ab Queenstown oder Glenorchy. 27 Shotover Street, Tel.: +64 (0)3 442 9992, www.dartriver.co.nz Inklusive Stopps an diversen „Herr der Ringe“-Drehorten; wer will, kann außerdem Kajak fahren oder spazieren gehen.

Eine Auswahl – es gibt noch Dutzende andere, alle haben kleine Büros in der Innenstadt von Queenstown. Bungy The Station, Queenstown, Camp Street/

White Water Sledging Touren ab Queenstown und Wanaka. Tel.: +64 (0)3 443 9130 oder, gebührenfrei, 0800 338 737, www.frogz.co.nz

Rafting Zum Beispiel mit Queenstown Rafting, 35 Shotover Street, Tel.: +64 (0)3 442 9792, 0800 723 8464, www.rafting.co.nz Unterschiedliche Tourpakete/Flüsse/ Schwierigkeitsgrade. Zwei Abfahrten täglich ab Queenstown, ab 165 NZD. Skydive Etwa mit nzone, 35 Shotover Street, Tel.: +64 (0)3 442 5867, www.nzone.biz Abfahrt stündlich ab Queenstown. Gesprungen wird im Tandem aus bis zu 4500 Meter Höhe (Falltempo: um 200 km/h). Tandemsprünge ab 250 NZD. Kea Campers 36 Hillside Road, Glenfield, Auckland Tel.: +64 (0)9 441 7833, Fax: 441 7847, reservationsnz@keacampers.com, www.keacampers.com Deutsches Unternehmen und Marktführer beim Verleih von Campervans und Wohnmobilen. Die Fahrzeuge (fast alle brandneu, gut ausgestattet) können in Auckland/Christchurch gemietet bzw. retourniert werden. Preise je nach Saison, Mietdauer und Typ 80 bis 355 NZD pro Tag.


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KALENDER

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HOT SPOTS November 21

29./30. 11. Die Ski-Damen übersiedeln nach Nordamerika und kämpfen in Aspen um Weltcup-Punkte.

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In Österreich …

Der Mythos der alten Buddha Bar in Paris soll in Salzburg wieder aufleben. A FC RED BULL SALZBURG – FK AUSTRIA WIEN 7. 11. 2008, RED BULL ARENA, WALS-SIEZENHEIM

Das Schlagerspiel der 16. Bundesliga-Runde zur ungewöhnlichen Primetime am Freitag. Können sich die Salzburger für die Last-Minute-Niederlage vom 10. 8. revanchieren?

HORSEFEATHERS PLEASURE JAM 7. – 9. 11. 2008, ATOMIC SUPERPARK DACHSTEIN, SCHLADMING A

Der traditionsreiche Event ist zum ersten Mal Teil der Swatch TTR Snowboard Tour und gleichzeitig der Europaauftakt der SlopeStyle-Bewerbe. A VEE:CLUB 8. 11. 2008, GUSSWERK, SALZBURG

Vier Dancefloors, Visuals by Marco Moo, StarDJ Paolo Barbato und Soul-Stimme Ida Corr sorgen für spektakuläre Stimmung im kultigen Salzburger Club.

BEHAVE – PRESENTED BY SMIRNOFF 9. 11. 2008, GUSSWERK, SALZBURG A

Das Motto des Abends: 70er und 80er Jahre. Zu Gast: „Mister Hitparade“ Udo Huber. Live Act: die deutsche Girlband Monrose.

TURNTABLE ROCKERS 9. 11. 2008, MOSQUITO, TIMELKAM, OBERÖSTERREICH A

Heißer Abend mit einem Mix aus House, gebreakten Beats und pumpendem Electro. A WINTER IM MQ 13. 11. 2008, MUSEUMSQUARTIER, WIEN

Das diesjährige Winterprogramm im Museumsquartier startet mit den alternativen Volksmusikanten Attwenger und DJ Functionist von FM4 Unlimited.

12. – 23. 11. Die besten Surfer reiten auf den Riesenwellen um Hawaii.

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A RED BULL SOUNDCLASH 14. 11. 2008, DOM IM BERG, GRAZ

9. 11. 2008 Kreative Fluggeräte vor der Kulisse von Mexico City.

Band gegen Band – wer punktet mehr beim Publikum? Die funkigen Lokalmatadore Tyrone oder die Kärntner Rockband Jetset?

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A TOMTE 15. 11. 2008, ARENA, WIEN

Die jungen Musiker aus dem Hamburger Umland begeistern mit einer Mischung aus deutschem Gitarrenpop und Tocotronic. A IKARUS NACHT 22. 11. 2008, HANGAR-7, SALZBURG

Die dreizehn Starköche der letzten zwölf Monate bekochen eine erlesene Gästeschar zugunsten der Stiftung Wings for Life. A FC RED BULL SALZBURG – KSV SUPERFUND 22. 11. 2008, RED BULL ARENA, WALS-SIEZENHEIM

Nach dem freundschaftlichen Länderspiel gegen die Türkei geht es in der Bundesliga mit dem Heimspiel gegen den Aufsteiger aus Kapfenberg weiter. A SOLOMON BURKE & THE SOULS ALIVE BAND 27. 11. 2008, ORPHEUM, GRAZ

Der Grammy-Award-Gewinner und King of Rock ’n’ Soul wird sein Publikum garantiert zum Grooven bringen.

… und in der Welt 1 RED BULL BC ONE CHAMPIONSHIP 2008 5. 11. 2008, PARIS, FRANKREICH

Vorjahressieger Ronnie (USA) bekommt es mit den 15 besten Breakdancern aus zwölf verschiedenen Ländern zu tun. 2 MTV EUROPEAN MUSIC AWARDS 2008 6. 11. 2008, LIVERPOOL, GROSSBRITANNIEN

Dürfen die Live-Acts P!nk, Duffy oder Kid Rock auch auf die Bühne, um eine der begehrten Trophäen entgegenzunehmen?

RED BULL FLUGTAG 9. 11. 2008, MEXICO CITY 3

In der mexikanischen Hauptstadt werden an diesem Tag Sichtungen von unbekannten Flugobjekten nichts Ungewöhnliches sein.

16. – 18. 11. 2008 Red Bull Street Style-Weltfinale in São Paulo.

5 FIVB SANYA OPEN 11. – 16. 11. 2008, SANYA, CHINA

Bevor sich die Beachgirls und -boys in die Winterpause verabschieden, baggern sie zum Saisonabschluss noch einmal in China. 6 RED BULL CHRIS PFEIFFER PAN SAUDI TOUR 12. – 15. 11. 2008, DSCHIDDA, SAUDIARABIEN

Chris Pfeiffer zeigt, wie spektakulär man sich auf zwei Rädern fortbewegen kann, und gibt sein Wissen an junge Biker-Talente weiter.

A EC RED BULL SALZBURG – HC TWK INNSBRUCK 30. 11. 2008, EISARENA SALZBURG

4 MR PRICE SUPERMOTO NATIONAL SERIES – NORTH WEST PROVINCE 9. 11. 2008, VEREENIGING, SÜDAFRIKA

7 TANNED TIN 12. – 16. 11. 2008, CASTELLÓN, SPANIEN

Die Salzburger Bullen kämpfen zum Abschluss der ersten Hälfte des EBEL-Grunddurchgangs gegen die Innsbrucker Haie.

Supermoto-Biker Brian Capper will sich bei der letzten Station der Serie seinen zweiten südafrikanischen Meistertitel holen.

40 Bands, von Hardcore über Folk bis zu Acoustic Sounds, spielen bei der zehnten Auflage des Non-Commercial Music Festival auf.

BILDER: GEPA PICTURES, RED BULL PHOTOFILES (2), RED BULL

A BUDDHA LOUNGE PARTY 7. 11. 2008, KAVALIERHAUS KLESSHEIM, SALZBURG


KALENDER

NOVEMBER 2008

THE RED BULLETIN

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28./29. 11. 2008 Morgenstern und Co fliegen des Nachts in Kuusamo. 10 16

7. 11. 2008 Revanche! So lautet das Motto der Roten Bullen, wenn sie daheim auf die Wiener Austria treffen. 13

2 14 19

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A 9

14. 11. 2008 Der direkte Kampf der heißen Beats erstmals in Graz.

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15./16. 11. ’08 In Slowenien kämpfen Kletterprofis gegen die Schwerkraft.

5. 11. ’08 Auch Vorjahressieger Ronnie (USA) breakdanct wieder in Paris.

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12. – 15. 11. 2008 Streetbike Freestyle Rider Chris Pfeiffer zeigt jungen Talenten in Saudi-Arabien seine Tricks.

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9. 11. ’08 Holt Brian Capper beim Supermoto in Südafrika den Titel?

RED BULL RISING 12. – 23. 11. 2008, ALII BEACH, HALEIWA, OAHU, HAWAII, USA 8

Die jungen „Surf-Akademiker“ Tim Boal, Michel Bourez, Wiggolly Dantas, Gavin Gillette und Clint Kimmins reiten vor den Traumstränden von Oahu auf riesigen Wellen.

IFSC CLIMBING WORLDCUP 15./16. 11. 2008, KRANJ, SLOWENIEN 9

Die besten Damen und Herren im Lead-Klettern kämpfen um den Sieg. Kilian Fischhuber und David Lama stehen bereits auf der Anmeldeliste.

FIS WELTCUP SLALOM DAMEN UND HERREN 15./16. 11. 2008, LEVI, FINNLAND

BILDER: GEPA PICTURES (2), RED BULL PHOTOFILES (5)

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Jens Byggmark und die gesamte Slalom-Elite schnallen ihre Kurzski im hohen Norden an. Vor zwei Jahren siegten hier Marlies Schild und Benni Raich – quasi eine Family Affair. 11 FORD 400 16. 11. 2008, HOMESTEAD-MIAMI SPEEDWAY, FLORIDA, USA

Die heurige NASCAR-Saison geht jetzt zu Ende. Das letzte Rennen findet im warmen Florida im Homestead-Miami-Speedway-Oval statt, wo erst seit 1999 gefahren wird.

15 WORLDTRONICS 2008 26. – 30. 11. 2008, BERLIN, DEUTSCHLAND

RED BULL STREET STYLE-WELTFINALE 16. – 18. 11. 2008, SÃO PAULO, BRASILIEN 12

Streetstyler aus aller Welt versammeln sich im Mutterland der Ballzauberer, um den besten „Freestyle Footballer“ zu küren. 13 SNOWBOARD-WELTCUP BIG AIR 22. 11. 2008 STOCKHOLM, SCHWEDEN

Der Sieger der letzten drei Big-Air-Events Stefan Gimpl sowie die restliche Elite zeigen ihre spektakulären Jumps in der schwedischen Hauptstadt. 14 APE PRESENTS: BEATDOWN 22. 11. 2008, MANCHESTER, GROSSBRITANNIEN

Partystimmung bis 5 Uhr früh mit Jeru the Damaja, Beardyman, DJ Yoda, Scratch Perverts & Dynamite MC, Logistics, Commix, Flying Lotus & The Gaslamp Killer, Benga, Mary Anne-Hobbs, Caspa & Rusko, TC & Jakes, Rich Reason & Tonn Piper.

Das Festival für elektronische Musik steht heuer im Zeichen von Neuseeland, Pakistan, Brasilien und Rumänien. 16 FIS SKISPRUNG WELTCUP 28./29. 11. 2008, KUUSAMO, FINNLAND

Endlich dürfen Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer wieder auf ihren Arbeitsplatz – bei den beiden Nachtspringen von der Großschanze im Einzel- und Teambewerb. 17 NIGHT OF THE JUMPS 29. 11. 2008, WINDHOEK, NAMIBIA

19 WALES RALLY GB 28. – 30. 11. 2008, CARDIFF, GROSSBRITANNIEN

Die Schotterstraßen in den walisischen Wäldern scheinen Sébastien Loeb nicht zu behagen. Bislang blieb er bei dieser Rallye sieglos. 20 FIS WELTCUP SLALOM UND RIESENTORLAUF DAMEN 29./30. 11. 2008, ASPEN, USA

Der Weltcup-Tross zieht weiter nach Nordamerika. Im Nobelskiort des Staats Colorado sind die Technik-Spezialistinnen am Zug.

Die FMX-Stars erobern nach kurzfristiger Terminplanänderung nun erstmals den afrikanischen Kontinent.

21 FIS WELTCUP ABFAHRT UND SUPER-G HERREN 29./30. 11. 2008, LAKE LOUISE, KANADA

BB TOUR FORTALEZA 28. – 30. 11. 2008, FORTALEZA, BRASILIEN

Nun hat auch das lange Warten der Speedspezialisten ein Ende. Lokalmatador Erik Guay erreichte hier 2003 mit Rang zwei in der Abfahrt seinen ersten Podestplatz.

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Seit 14 Jahren zählt die brasilianische Beachvolleyballtour zu den besten und spektakulärsten der Welt. Zehnter Stopp: Fortaleza.

MEHR HOT SPOTS AUF: WWW.REDBULLETIN.COM


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THE RED BULLETIN

PART Y

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VANESSA DE LAMPEDUSA entstammt einem sizilianischen Adelsgeschlecht, lebt in New York und Capri und schmückt die Einladungslisten der interessantesten Partys der Welt. Für das Red Bulletin führt sie monatlich Protokoll.

Eine Handvoll Action Der größte Star war der Kleinste. Das neue Power-Action-Handy, das Red Bull und A1 im Hangar-7 präsentierten, passt in jede Handfläche. WOW! PFOA! SCHAU! Die erlesene Gästeschar, die auf Einladung der A1-Bosse Boris Nemsic und Hannes Ametsreiter sowie von Dietrich Mateschitz in den Salzburger Hangar-7 pilgerte oder per DC-6 aus Wien herbeischwebte, war einsilbig begeistert. Über die von „Hannibal“-Regisseur Hubert Lepka fulminant inszenierte Launch-Show mit Stunt-Bike-Weltmeister Chris Pfeiffer und einem Alpha Jet in den Hauptrollen. Vor allem aber über das Tempo, mit dem die redbulletin.com-Redaktion Sport-News, Heroes-Blogs von Gerhard Berger, Marc Janko, Sebastian Vettel, Andi Goldberger und Co, Action-Videos und Society-Berichte vom echten Leben aufs riesige Handy-Display beamt. Also wurde an diesem glamourös-mobilen Abend zwischen historischen Fliegern und Ikarus-genialem Buffet nicht nur getalkt und genossen, sondern auch getippt und gestaunt. Zum Beispiel von „Krone“-Chefredakteur Christoph und „Heute“Herausgeberin Eva Dichand, Universal-Chef Hannes Eder, Superadler Thomas Morgenstern mit Manager Edi Federer, ChartsStürmer DJ Ötzi und Life-Ball-Übervater Gery Keszler, der natürlich in Begleitung seines Schoßhündchens kam. TornadoGoldhamster Roman Hagara gestand: „Ich brauch nur ein Handy, um meine Freundin Sabine immer und überall zu erreichen. Mit dem neuen Red Bull Mobile geht das besonders chic.“ Begeistert auch King of the Air Hannes Arch: „Jetzt kann ich mir meine Red Bull Air Race-Videos sogar am Handy reinziehen.“ Hochfliegend wie die Pläne von Red Bull Mobile auch jene von „Wings for Life“-Repräsentantin Anita Gerhardter: „David Coulthard startet bei seinem Formel-1-Abschiedsrennen in São Paulo in einem Wings for Life-Boliden. Und besonders freut mich, dass der Erlös der Ikarus-Nacht am 22. November der Stiftung Wings for Life und damit der Rückenmarksforschung zugute kommt.“ ♉

TEXT VANESSA DE LAMPEDUSA

HANGAR-7, SALZBURG WAS Launch-Event von Red Bull Mobile WANN 29. September 2008 WER Hannes Ametsreiter, Hannes Arch, Felix Baumgartner, Eva und Christoph Dichand, Hannes Eder, Edi Federer, Gerry Friedle, Sigi Grabner, Roman Hagara, Gery Keszler, David Lama, Thomas Morgenstern, Boris Nemsic, Philipp Peter

Hochleistungs-SMSer Boris Nemsic (er verschickt 80 Stück pro Tag) zeigt stolz das neue Red Bull Mobile. BASE-Jumper Felix Baumgartner lässt sich die adrenalinträchtigen Tools des neuen Action-Handys erklären. Gold-Segler Roman Hagara teilt mit seiner Freundin Sabine König einfach alles – offenbar sogar die Anrufer –, und das seit acht Jahren.

BILDER: ACHIM BIENIEK (4)

MEHR INSIDER-STORYS AUF: WWW.REDBULLETIN.COM/REDBULLMOBILE


BILDER: ACHIM BIENIEK (2), RED BULL PHOTOFILES (1)

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PART Y

THE RED BULLETIN

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Der Alpha Jet als Tanzfläche: Der Regisseur dahinter war Hubert Lepka, der mit Unterstützung von Flammen (Fackeln) und Rauch (vom Hinterrad des Motorrad-Stunt-Champions Chris Pfeiffer) eine atemberaubende Launch-Show in Szene setzte. Das rasende Duett des Abends sehen Sie links: Michael Black Electro rappte, und Martti Kuoppa, einer der besten BMX-Flatlander der Welt, zauberte eine waghalsig-witzige Rad-Performance auf die Bühne. Hannes Arch kam mit bekritzelten Händen in den Hangar-7: „Das ist nicht meine Handynummer, das sind Tower-Informationszahlen.“ Snowboard-Legende Sigi Grabner und Motorsport-Evergreen Philipp Peter schonten ihre Hände: Sie tippsten die wichtigsten Zahlen in ihre neuen Red Bull Handys ein, bis die Finger glühten.


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DIE BESTEN CLUBS DER WELT

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In der Nacht ist Dubai noch nicht ganz so groovy wie New York, aber es gibt für alle reichlich Good Vibrations. TEXT GREGORY BOOM DUBAI, VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE WAS Peppermint Club im Habtoor Grand Hotel, Dubai Marina WANN Nur nicht im Ramadan DAS PROGRAMM Hier legen die bekanntesten DJs der Welt auf, wir sagen nur Ferry Corsten, Carl Cox oder Sander Kleinenberg. Phänomenal und umjubelt kürzlich der Auftritt des Berliners Paul van Dyk.

FRÜH SCHLUSS. Umdenken ist angesagt, ehe wir uns im Peppermint Club ins Nachtleben stürzen. Achtung auf die Garderobe, ein bisschen Eleganz kann nicht schaden; hier begegnet man Celebrities wie Naomi Campbell, Ronaldo und Didier Drogba – da wollen wir uns keine Blöße geben. (Auch nicht vor den Türstehern, die aussehen, als hätte sie der Secret Service gecastet.) Heißeste Clubtage sind Donnerstag und Samstag, das hat mit Dubais Wochenendrhythmus zu tun. Dann toben im fabelhaft ausgeleuchteten Ballroom des Hotels Grand Habtoor, wohin der Club kürzlich übersiedelt ist, zweitausend Menschen: eine prickelnde Mischung aus allen Ecken der Welt, die sich hier bei House, Techno und Trance ein phänomenales Tanzmatch liefert. (Als steifbeiniger Europäer schaut man da alt aus.) Weil die Chose bereits um zwei oder drei Uhr morgens verordneterweise zu Ende ist, heißt es von Beginn an Gas geben. Dann stellt sich in dem riesigen Saal sogar so etwas wie Kuscheligkeit ein.

BILD: TONY BELOT

Lasst die Laser los


BILDER: TONY BELOT (3), PEPPERMINT CLUB

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PEPPERMINT CLUB, DUBAI

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Es ist der Ballsaal des Hotels Grand Habtoor, der sich am Wochenende in den Peppermint Club verwandelt. Und wenn Paul van Dyk (li.) auflegt, weiß keiner im Menschenmeer nach zwei Minuten noch, dass draußen vor der Tür die Sitten einen Hauch strenger sind. Übrigens: Falls Sie Männer in landesüblicher Tracht vermissen – diesen ist der Eintritt per Gesetz verboten. Versuchen Sie also nicht, Ihre als Souvenir erworbene Dischdascha auszuführen. Noch eine lokale Eigenart: Im Fastenmonat Ramadan, dem neunten Monat des arabischen Mondkalenders, bleiben viele Nachtclubs geschlossen; in den geöffneten müssen Gäste ihre Religion nachweisen. 2009 beginnt der Ramadan am 22. August und endet am 20. September, das nur als Tipp für Ihre Reiseplanung.


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READ BULL

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Wege zum Ruhm Erzählung von Thomas Maurer.

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ls der Gong ertönt, ist sich Simon Ruskar Obwohl es natürlich ohne Zweifel er war, der gegen Roy sicher, noch nie in seinem Leben etwas so Stalkey verloren hat. Die Zeitlupenwiederholung dieses KampSchönes gehört zu haben. Er tut ein paar fes läuft jeden Tag ein-, zweimal vor seinem geistigen Auge ab. gierige Atemzüge, die das Geräusch eines Zwei Jahre davor hatte ihn ein deutscher Privatsender unter Verschadhaften Badewannenabflusses erzeutrag genommen und allmählich zum Star aufgebaut. Die Fernsehgen. Der Schweiß läuft ihm in sprudelnden leute waren gegen den Kampf mit Stalkey gewesen. Stalkey war Bächen über den kahlrasierten Schädel, einiges davon bekommt jung, schwarz, böse, stark, schnell und hatte zuletzt alles in seier in den weit aufgerissenen Mund und spuckt angewidert auf ner Gewichtsklasse vernichtet. Die vom Sender wollten Simon den Ringboden. Die jähe Kopfbewegung, die er dabei unwillRuskar noch eine Zeitlang als deutschen Spitzenboxer im Gekürlich macht, setzt vor seinen Augen eine psychedelische schäft halten, schließlich war er beinahe der einzige ihrer deutLichtorgel in Betrieb. Vorsicht. Kreislauf. Auch sein Magen hat schen Spitzenboxer, der ohne osteuropäischen Akzent sprach, in der letzten Runde einiges abbekommen und fühlt sich an zumindest wenn man das oberösterreichische Mühlviertel noch wie ein glühender Meteorit, der jeden Moment unter Funnicht zu Osteuropa zählte. Die Fernsehleute wollten die Marke kenflug zerbersten kann. Aber die Runde ist an ihn gegangen. Ruskar absichern. Doch Ruskar wollte Stalkey. Er wollte den Keine Frage. Er lässt sich auf den Hocker in seiner Ecke fallen Besten. Dass es vermutlich nicht klappen würde, war ihm egal. und sieht in der gegenüberliegenden seinen Gegner stöhnend Platz nehmen. Jorge Diaz. Der Mann sieht fertig aus. Er ist s klappte nicht. Da war ein Klassenunterschied nicht blass, sondern so weiß, als wäre sein Gesicht von innen zwischen ihnen, den Ruskar, der sich für einen mit einer Neonröhre beleuchtet. Simon Ruskar muss grinRealisten hielt und nicht dazu neigte, sich zu sen, worauf seine aufgeschwollenen Lippen wütende, spitze überschätzen, im Traum nicht erwartet hätte. Schmerzsignale aussenden. Er fühlt sich grässlich. Er fühlt sich Schon während des Kampfes gingen ihm Bilder großartig. Kampf ist sein Leben. Hier ist sein Platz. Und in der durch den Kopf, wie er als kleines Kind mit nächsten Runde wird er sich den Typen holen. seinem blöden Hund von Vater Fußball gespielt hatte und Als er zwanzig Minuten später duscht, ist er Weltmeisder ihm den Ball immer wieder vor den Beinen wegschnickte, ter. Beim Abtrocknen glüht der Meteorit in seinem Magen zurücklüpfte, davonspringen ließ, ihn ganz nach Belieben überplötzlich auf, er krümmt sich, geht zu Boden, schafft es aber dribbelte und verarschte, bis dem chancenlosen kleinen Simon noch, sich über die Toilettenschüssel zu knien. Es fühlt sich an, vor Zorn, Frustration und Gekränktheit die Tränen kamen. Die als würde er brodelnde Hochofenlohe erbrechen. Dann ist es gestreckte Rechte mitten ins Gesicht, mit der ihn Stalkey in vorbei. „Der Schmerz gehört dazu“, denkt er, und dann sagt der vierten Runde weghackte, war beinahe ein Gnadenakt geer es sich laut vor: „Der Schmerz gehört dazu. Nur die Harten wesen. Die erste Stunde nach dem Kampf verschwamm in der kommen durch. No pain, no gain.“ Seine Stimme klingt kratzig Erinnerung, das Wieder-zu-sich-Kommen, die in Trance absolund fremd und prallt hallend von den weißen Kachelwänden vierten Interviews, der Coach, der ihm mit abgebrühter Routine zurück. Laut sagt er: „Weltmeister.“ Dann zieht er sich langsam das gebrochene Nasenbein provisorisch zurechtrückte, die tiefe an. Der nagelneue Anzug mit dem Logo seines Generalsponsors Müdigkeit. Doch die nächste Erinnerung war fast übernatürlich am Revers wird sich im Fernsehen gut machen. Zigarettenscharf: die kalte, außen beschlagene Dose Red Bull, die er geaschengrau. Schick. Sein Manager wird von allen Sendern dankenverloren knackte und in langsamen Schlucken trank, an Beleg-DVDs eintreiben und ihm Kopien ziehen, zur Erinnedenen ihm, von Mal zu Mal mehr, etwas merkwürdig vorkam. rung. Aber Simon Ruskar weiß, dass der Kampf, Bis ihm endlich aufging: Er schmeckte nichts. Das den er hinter sich hat, einer von den zweien ist, Gefühl im Mund war feucht und vertraut, aber da LESER MACHEN die er sein ganzes Leben lang Sekunde für Sekunwar kein Geschmack. Irritiert ratschte er noch zwei PROGRAMM. de aus dem Gedächtnis wird abrufen können. Der Red Bull auf, dann versuchte er ein Bier, dann ein Schicken Sie Ihren Text andere Kampf war der, der seine Karriere beendet Passionsfrucht-Molkegetränk, dann die Mentholbitte an readbull@ hat. Zumindest seine Boxkarriere. Seit beinahe fünf lotion gegen Muskelverspannungen. Nichts. Sein redbulletin.at: Das Jahren hat er jetzt keinen Schlag mehr ausgeteilt, Geschmackssinn war weg. Thema ist frei, doch nicht einmal am Sandsack. Damals hätte er schon Und sein Geschmackssinn blieb weg. Der Geirgendwo kann eine die Vorstellung absurd gefunden, länger als eine ruchssinn ebenfalls. Er unterzog sich einer langen Dose versteckt sein. Woche nicht zu trainieren, keine Schlagschule, kein Reihe von Untersuchungen und Therapien, in deren Die besten Texte werden Sparring zu absolvieren. Es kommt ihm vor wie ein Verlauf er immer wieder von Ärzten gewarnt wurabwechselnd mit Storys anderes Leben. Eigentlich kommt es ihm vor wie das de, dass in Fällen wie seinem Depressionen häufig professioneller Autoren Leben von jemand anderem. vorkämen. Die Patienten verzweifelten, weil ihnen veröffentlicht.

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READ BULL

die Lust am Essen, ja am Atmen verlorenginge. Hätten soziale Probleme, weil sie die subkutanen Botschaften des menschlichen Geruchs nicht mehr deuten konnten. Verlören die Freude am Sex. Er möge nicht zögern, sich in solchen Fällen unverzüglich in psychologische Behandlung zu begeben. Simon Ruskar hatte sich für Essen nie besonders interessiert, und für Menschen streng genommen auch nicht. Das mit dem Sex machte ihm Sorgen, aber zwei, drei Bordellbesuche klärten, dass jene Aspekte, auf die er Wert legte, nicht in Mitleidenschaft gezogen waren. Was aber rätselhafterweise gemeinsam mit dem Riechen und Schmecken aus seinem Leben verschwand, war die Lust am Boxen. Sein neues Leben begann mit einem alten Schulfreund. Der trat ihm eines Tages in den Weg und fragte, ob er sich nicht erinnere, er sei der Bruckner Michi, und ob er Lust auf ein Mittagessen habe. Sie waren in einem tibetanischen Lokal gelandet, wo Bruckner Michi einen auf Stammgast machte und ihn augenzwinkernd fragte, ob er scharf essen könne. Ruskars Antwort, das sei ihm egal, schien einen merkwürdigen Ehrgeiz in seinem Tischgenossen anzufachen. Er vergatterte die Lokalbetreiber gestikulierend und kichernd dazu, auf die Schärfestufe „Original tibetisch“ noch eins draufzusetzen. Als sie zu essen begannen, wurde Bruckner Michi erst schweigsam, dann bleich und begann schließlich aus der Nase zu bluten. Ungläubig starrte er den gleichmütig löffelnden Ruskar an. Dann sagte er: „Simon, du brauchst einen Manager.“ Vor ein paar Jahren noch hätte man als Scharfesser keine Profikarriere beginnen können. Simon Ruskar betrat die Szene während ihrer Goldgräberjahre. Die ersten internationalen Chili-Conventions, die ersten Live-TV-Übertragungen, die ersten Sponsorverträge. Nachdem er das Vindaloo-Jamboree in Coventry gewonnen hatte, musste er nicht mehr auf seine Finanzreserven aus den Boxerjahren zurückgreifen. Ein paar Monate später war er einer der Big Names, und Bruckner Michi konnte die Sponsoren bereits gegeneinander bieten lassen. Sein tauber Gaumen schützte Ruskar nicht vor den Nebenwirkungen. Hitzewallungen und Darmkrämpfe, zugefallene Ohren und gefühllose Glieder plagten ihn ebenso wie jeden anderen Profi. Aber psychologisch war er im Vorteil. Und gewinnen tut man im Kopf. Als nach den üblichen Verbandsquerelen endlich damit begonnen wurde, WM-Kämpfe auszutragen, war er bereit. Dreimal verteidigte Jorge Diaz, der erste Weltmeister, seinen Titel. Der vierte Herausforderer war Simon Ruskar.

ILLUSTRATION: ANJE JAGER

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etzt sitzt Ruskar in der Garderobe, durch die Tür hört er die Journalisten nach ihm rufen. Im Kopf geht er den Kampf noch einmal durch. Die ersten drei Runden waren Kinderkram: Spaghetti A.O.P., Murgh Marsala, Hardcore-Chili-con-Carne. Ab Runde vier war der echte Stoff angesagt, pur. Drei Dutzend Jalapeño-Peppers zum Aufwärmen. Gemessene Schärfe auf der Scoville-Skala: 5300 Einheiten. Nicht schlecht für Jalapeños, aber eigentlich Regionalliga-Quatsch. Runde fünf machte damit Schluss. Zwei Dutzend japanische Santakes mit 86.000 Scoville-Einheiten. Runde sechs: ein Dutzend Habaneros, 310.000 Scoville. Das war die Runde, in der Diaz’ Gesicht kaltweiß zu glühen begonnen hatte. Daran war nicht nur die Capsaicin-Überdosis schuld, hier war eindeutig bereits Angst im Spiel. Vorm Versagen. Vor Ruskar. Vor der nächsten Runde. Zu Recht, hatte Ruskar gedacht.

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Er denkt an die siebte Runde, die letzte. Reserviert für die Königsklasse: Bhut Jolokias. Notariell bestätigte 1.060.000 Scoville. Frisch aus Assam. Am Morgen gepflückt und express eingeflogen. Keine Mengenlimits; Bhut-Jolokia-Duelle sind eine K.-o.-Disziplin. Als die alarmknopfroten Früchte von einem als die Göttin Kali verkleideten Pausengirl in den Ring getragen werden, geht ein Stöhnen durch die Zuschauermenge. Pompöse Synthesizer-Fanfaren brausen auf. Three, two, one: Fight! Nach der vierten Schote beginnt Diaz zu sabbern, nach der sechsten zu schlottern. Die Haut in seinem Gesicht wirkt wie ein nasser, weißer Plastiksack. Kurz bevor er seitlich umkippt, beginnt sein rechtes Augenlid unkontrollierbar zu flattern. Ruskar, der bereits gewonnen hat, isst noch demonstrativ langsam seine siebente Bhut Jolokia. Show gehört dazu. Sein Körper tobt. Das Publikum auch. Gut gemacht, sagt Ruskar halblaut zu sich. Komme gleich, ruft er laut zur Garderobentür, an der es zunehmend eindringlicher klopft. Gleich wird er rausgehen. Gleich werden ihn alle nach dem nächsten Kampf fragen. Gleich wird Bruckner Michi in seinem besten Business-Englisch erklären, dass man da erst verhandeln müsse. Ruskar wird es besser wissen. Er hat die Zukunft gesehen, und zwar auf YouTube. Anandita Dutta Tamuli. Amateurin. Naturtalent. Eine hübsche fünfundzwanzigjährige Inderin, die sechzig Bhut Jolokias in zwei Minuten isst. Sechzig. Und sich anschließend mit zwei zerquetschten Schoten lächelnd über die Augen reibt. Simon Ruskar wird es diesmal klüger anstellen. Bruckner Michi ein paar Titelverteidigungen ausdealen lassen. Das große Geld mitnehmen. Aber dann will er Tamuli. Die Beste. Auch wenn es vermutlich nicht klappen wird. ♉

THOMAS MAURER, 41, geboren in Wien. Nach der Schule beginnt Maurer eine Buchhändlerlehre, wenig später mit dem Kabarett. Außer in Soloprogrammen – das erste 1989 hieß „Unterm Farkas hätt’s des net geben“, das aktuelle ist der „Papiertiger“ – sieht man ihn häufig in Programmen mit anderen heimischen Kabarettgrößen auf der Bühne (z. B. Josef Hader, Leo Lukas, Karl F. Kratzl) und im TV („Die 4 da“ mit Rupert Henning, Florian Scheuba und Erwin Steinhauer). Mehrfach als Kabarettist ausgezeichnet (Salzburger Stier, Deutscher Kleinkunstpreis, Nestroy-Theaterpreis) und inzwischen auch ausgezeichneter Autor und Kolumnist („Kurier“).


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RED BULLDOG RR!

KNU

DARÜBER LACHT DIE WELT Bissig wie einst der „Simplicissimus“: der Oktober im Spiegel

der witzigsten Kommentare internationaler Zeitungen und Magazine. OBACHT AUF DIE NONNEN Hund und Herrl bilden bei der Jagd eine Einheit, das ist für Gerhard Haderer im „Stern“ klar. Bedauerlichen Verwechslungen gilt es beizeiten vorzubeugen.

EIN HAAR IN DER SUPPE? Affen sind sensibler, als man denkt, sagt der „New Yorker“: Die neue Haarspülung fällt auf.

gin Ich gern ge auch e die P mal auf irsch !

AUTSCH! Der „New Yorker“ hat herausgefunden, dass bizarre Unfälle beim Fischen oft einen rein sportlichen Hintergrund haben.

Etwas Witziges entdeckt? Schicken Sie uns ein Mail an: redaktion@at.redbulletin.com

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RED BULLDOG

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DIE LANGE SCHLANGE Frauen sind von der Venus, Männer vom Mars. Auch sonst gibt es da einen kleinen Unterschied. Aus „Titanic“.

OLYMPISCHE MÄCHTE Gerhard Haderer hat eine Idee, was sich im olympischen Dorf in Peking zwischen den Bewerben abgespielt haben könnte. Das Ergebnis davon wird wohl bei Olympia 2032 siegreich sein: Wir vermuten, im Wasserball.

THE TIMES THEY ARE A-CHANGIN’ Geht das Kapital flöten, kehrt das „Kapital“ zurück. Vielleicht sogar an einen ganz prominenten Ort: Die Schweizer „Weltwoche“ hat Karl Marx deswegen in ziemlich ungewohnter Pose auf das Cover gehievt.

ANGRIFF AUF DEN GUTEN GESCHMACK Dass die Amerikaner manchmal ein bisschen, well, crazy, sind, das wissen wir. Aber ganz ehrlich: so crazy? Da lernen wir halt hiesige Wahlkämpfe schätzen. Aus der „Welt am Sonntag“.

AUS AKTUELLEM ANLASS Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ergeht sich in düsteren Visionen. Das gibt tatsächlich zu denken: Wenn nicht einmal Dagobert Duck seinen Durst cash löschen kann, wird es kritisch. Aber es gibt Auswege, skizziert im „Stern“ (ganz oben) und in der „Welt am Sonntag“.

FUNDSACHEN Die Welt ist voller schlauer Gedanken, man muss sich nur nach ihnen bücken, oder so ähnlich.


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ZEITSPRUNG

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Bei den im November anlässlich des Berliner Mauerfalls abgehaltenen Feierlichkeiten wird ein historisch bedeutsamer Umstand gern übersehen: Die fortschrittlichste Technik in der Eliminierung von Mauern – im Deutschen wörtlich „Mauerherbst“ – entstammt transatlantischen Wurzeln. Eine Wende, wie in Deutschland, reicht dafür aber nicht: Benötigt werden zwei Wände. „WALLFALL“: 9. NOVEMBER 1974, UNIVERSITY OF ILLINOIS

Herausgeber und Verleger Red Bulletin GmbH Chefredaktion Robert Sperl, Stefan Wagner (Stv.) Art-Direktion Erik Turek, Markus Kietreiber (Stv.) Fotodirektion Fritz Schuster Chefin vom Dienst Marion Wildmann Leitende Redakteure Werner Jessner, Uschi Korda, Andreas Kornhofer, Alexander Macheck Redaktion Ulrich Corazza, Felix Fuchs, Peter Hofer, Daniel Kudernatsch, Florian Obkircher, Lukas Peterer, Christoph Rietner, Simon Schreyer, Clemens Stachel, Nadja Žele Grafik Claudia Drechsler, Simone Fischer, Dominik Uhl Fotoredaktion Markus Kučera, Valerie Rosenburg Senior IllusEIN FAST UNABHÄNGIGES MONATSMAGAZIN trator Dietmar Kainrath Autoren Christian Ankowitsch, Christian Seiler Mitarbeiter Christian Grünwald, Markus Huber, Lars Jensen, Thomas Maurer, Stefan Nink, Philipp Schuster, Katrin Strobl Illustratoren Almut Becvar, Mandy Fischer, Anje Jager, Martin Udovicic Lektorat Hans Fleißner Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Christian Graf-Simpson, Nenad Isailovic Herstellung Michael Bergmeister Produktion Wolfgang Stecher Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg Geschäftsführung Karl Abentheuer, Rudolf Theierl Projektleitung Bernd Fisa Sonderprojekte Boro Petric Finanzen Siegmar Hofstetter Verlagsleitung Joachim Zieger Marketing Barbara Kaiser Projektmanagement Jan Cremer, Jürgen Eckstein, Dagmar Kiefer, Martina Kurtz, Sandra Sieder, Sara Varming Anzeigenverkauf Bull Verlags GmbH, Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien; anzeigen@at.redbulletin.com IT-Support Martin Ribitsch Office Management Martina Bozecsky, Claudia Felicetti Firmensitz Red Bulletin GmbH, Am Brunnen 1, A-5330 Fuschl am See, FN 287869m, ATU 63087028 Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com Web www.redbulletin.com Erscheinungsweise Das Red Bulletin erscheint jeweils am ersten Dienstag des Monats als Eigenbeilage von und in Kooperation mit folgenden Partnerzeitungen: Kleine Zeitung, Oberösterreichische Nachrichten, Die Presse, Salzburger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten; Burgenländische Volkszeitung, Niederösterreichische Nachrichten Gesamtauflage 1,1 Millionen Leserbriefe bitte an leserbriefe@at.redbulletin.com

DIE NÄCHSTE AUSGABE DES RED BULLETIN ERSCHEINT AM 2. DEZEMBER 2008.

BILD: BETTMANN/CORBIS

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DAS COLAVON RED BULL.

STRONG & NATURAL. Das Cola von Red Bull ist eine einzigartige Komposition an Inhaltsstoffen, allesamt 100 %

die Original-Kolanuss als auch das Cocablatt verwendet. Sein natürlicher, nicht zu süßer

extrakte zustande. Darüber hinaus enthält das Cola von Red Bull keine Phosphorsäure,

natürlicher Herkunft. Außerdem ist

Cola-Geschmack kommt durch die

keine Konservierungsstoffe sowie keine

es das einzige Cola, das sowohl

Verwendung der richtigen Pflanzen-

künstlichen Farbstoffe und Aromen.


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