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ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN
ESSAY Konrad Paul Liessmann über die Ästhetik der Bruchlandung
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WO SIND WIR?
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EN D L I CH ! A D R E D E I W
«Alles, was Flügel hat, 3 8 ABSEITS DES A fliegt!» machte Kindern Suchbild: in prädigitalen Zeiten Wer findet in diesem Gewimmel acht Freude – und funk bekannte Gesichter? 4 tionierte nach einem 4 Wer finSuchbild: det 6 ähnlichen Prinzip wie Gewim in diesem DIE WELT 1 b e ka n n m e l a c h t te Gesic ERKLÄREN der Red Bull Flugtag: hter? KONRAD PAUL LIESS5 Abheben durfte alles, 5 MANN (oben) gesellt was für unterhaltsam 3 7 2 sich als Philosoph gern zu den Menschen, um befundenilwurde. Ge d: Suchb iesem ihnen neue Blicke auf d geht es beim in t nau darum e d 6 n Wer fi die Welt zu eröffnen. el acht Gewimm sichter? Kult-Event te Ge der richtig Zum Beispiel in seinem Suchbild: b e ka n n Wer findet in diesem Essay zum Flugtag. kurzen Kurzstrecken Gewimmel acht WOLFGANG HARTL bekannte Gesichter? flüge. Zum Comeback 7 vom Wiener Verlag GESUCHT, GEFUNDEN des Red Bull Flugtags Edition 5Haus hat Die versteckten Stars: 1 Wolfgang Liessmanns Gedanken in Lausanne am 19. Sep Amadeus Mozart, 2 Max Verstappen, 3 Anna Gasser, 4 Darth Vader, 5 Elvis, illustriert: Seite 53. tember gibt’s ab Seite 42 6 Arnold Schwarzenegger, 7 der Weihnachtsmann, 8 Thomas Morgenstern die irrwitzigsten Bilder und eine philosophische 21Cover-AT_FLUGTAG_WIEN_KORR_65801519.indd 1 19.08.21 13:54 Suchbild: Abhandlung. Für das Cover haben wir uns ein Suchbild: Wer findet in diesem passendes Suchspiel einfallen lassen (Auflösung Wer findet in diesem DIE WELT Gewimmel acht 1021Co ve Gewimmel acht bekannte Gesichter? siehe oben). Ebenfalls abheben will die Schweizerr-AT_FLUGTAG_ANDERS SEHEN WIEN_K bekannte Gesichter? ORR_6 58015ist 19.indd MARIO ZUCCA Triathletin Daniela Ryf (Spitzname «Angry Bird») 1 Filme umfasste die ein Illustrator für die nach dem pandemiebedingten Stillstand. Warum Online-Videothek der A‑Liga der Medienwelt, Netflix-Gründer beim z. B. die «New York sie ihre Wettkämpfe als rundum erneuerte Sport dd 1 Start im April 1998. LeihSuchbi 519.in ld: Times». Klar freuen wir 65801 _ R lerin antritt – und gar nicht mehr so «angry» ist –, R O Wer findet in diesem IEN_K gebühr: 50 Cent. Was W _ uns, dass er den Red G A Gewimmel acht LUGT AT_F erfahren wir Seite 36. seither geschah? Alle over-ab te Gesicht Bull Flugtag bekann für uns be er? 1021C
925 Zahlen zum StreamingRiesen auf Seite 12.
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I N H A LT The Red Bulletin im Oktober / November 2021
COVERSTORY
42 RED BULL FLUGTAG
Unser Special zur Rückkehr des kultigen Events nach Lausanne: Bildarchiv der schrägsten Fluggeräte. Und ein Star-Philosoph seziert die Kunst der Bruchlandung.
DEUTSCHRAP
58 KOOLE RATSCHLÄGE
Der deutsche Rapper Kool Savas hat einen Karriere- Ratgeber verfasst. Zeit für ein ausführliches Gespräch.
BIKEN
66 AUF UND DAVON
Wie die 18-jährige Khothalang Leuta in ihrer Heimat Lesotho im Süden Afrikas eine kleine Sport-Revolution lostrat.
PORTFOLIO
18 SEHT UNS AN!
Der südafrikanische FashionFotograf Chris Saunders feiert den Individualismus seiner Models. Eine Werkschau.
KINO
30 VON NATUR AUS STARK
58 NEUES BUCH Rapper Kool Savas hat einen Ratgeber für angehende Musiker geschrieben.
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FREERUNNING
74 PINBALL WIZARD
Pavel «Pasha» Petkuns fliegt als menschliche Kugel durch einen 20 Meter hohen Flipper.
Filmstar Henriette Confurius fand Kraft in der Wildnis.
KAMPFKUNST
32 M UT ZUR ANGST
Wie Soufian Mahlouly mit Hilfe der japanischen Kampfkunst den Tod besiegte.
FILM
34 GEFIEDERTER FREUND
Wie ein Flötenvogel der Krankenschwester Sam Bloom die Freude am Leben wiedergab.
TRIATHLON
36 EHRLICH STARK
Daniela Ryf bekam in der Einsamkeit der Pandemie eine neue Sicht auf ihr Leben.
6 GALLERY 12 ZAHLEN, BITTE!
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GUIDE
Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen
NEUE WEGE Triathletin Daniela Ryf gibt radikal ehrliche Einblicke in ihr Leben.
83 TRAVEL. Skiprofi Loïc Meillard nimmt uns mit nach Zermatt zum Gletscher-Skifahren. 88 U HREN. Wie «James Bond»-Star Daniel Craig Omega inspirierte 89 E VENT. Beim Red Bull Conquête du Château erstürmen Trailrunner ein Schloss. 90 T IPPS & TRENDS. Mit den besten Empfehlungen der Redaktion 92 BOULEVARD DER HELDEN. Bob Dylan trifft Bobby Fischer.
14 FUNDSTÜCK 16 DAS PHILOSOPHEN-INTERVIEW
96 IMPRESSUM 98 CARTOON
34 NEUES LEBEN Ein Vogel rettete eine gelähmte Frau aus ihrer Krise: ein Fall für Hollywood
THE RED BULLETIN
CHRISTOPH VOY, JANOSCH ABEL, CAMERON BLOOM, TYRONE BRADLEY/RED BULL CONTENT POOL
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DIE PIONIERIN Ein Besuch bei Khothalang Leuta, der schnellsten PumptrackFahrerin Lesothos
THE RED BULLETIN
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NEW SOUTH WALES, AUSTRALIEN
DAVYDD CHONG
Plötzlich ist alles klar
KAMIL SUSTIAK/RED BULL ILLUME
Jeder Fotograf kennt das: qualvolles Warten auf den richtigen Moment. Der Tscheche Kamil Sustiak hätte ihn um ein Haar verpasst. «Ich wollte meine Kamera schon einpacken», sagt Sustiak, der mit Slackliner Chris Wallace im Nebel des Blue-Mountains-Nationalpark (nahe Sydney) ausgeharrt hatte. Dann klarte das Wetter blitzschnell auf. Wallace balancierte. Sustiak drückte ab. Beide sagen: Es ist ein schmaler Grat zwischen Niederlage und Erfolg. Mehr epische Bilder: kamilsustiak.com
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INNSBRUCK, ÖSTERREICH
Frühsport Der Tiroler Skater Peter Mader und sein Landsmann, der Fotograf Manuel Kokseder, mussten früh aufstehen, um diese magische Stimmung in der Einfahrt einer Innsbrucker Tiefgarage einzufangen. Denn untertags herrscht hier viel zu viel Verkehr für so was. Aber um sieben Uhr früh ist die Welt noch in Ordnung. Portfolio: koksederphotography.com
PIRÄUS, GRIECHENLAND
Volle Kraft voraus!
MANUEL KOKSEDER/RED BULL ILLUME, ALEX GRYMANIS/RED BULL CONTENT POOL
DAVYDD CHONG
Freerunner können praktisch jede Um gebung in einen wunderbaren Spielplatz verwandeln. Hier zeigen der Grieche Dimitris Kyrsanidis (vom Dach der Kabine) und seine deutsche Kollegin Silke Soll frank (balancierend am Grossbaum) ihre Fähigkeiten an Bord eines griechischen Zweimasters – vorgeführt beim Red Bull Art of Motion in Piräus im Sommer 2021. redbullartofmotion.com
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UTAH, USA
Grosses Kino unter Sternen Die Wüste von Utah ist ein sehr dekorativer, aber leider auch ein sehr anstrengender Ort. Also musste US-Fotograf Noah Wetzel bei der Auswahl seiner Protagonisten mit B edacht vorgehen: Gefragt waren Radler mit heraus ragenden Fahrkünsten, hitzebeständig (bei Tagestemperaturen um die 40 Grad) und auch sonst belastbar. Am Ende performten die Asse Blake Sommer und Jack Graham in den frühen Morgenstunden unter einem grandiosen Sternenhimmel, damit Noah zu der akribisch geplanten Aufnahme kam. Spektakuläre Fotos: noahdavidwetzel.com 10
NOAH WETZEL
DAVYDD CHONG
Z AHL EN, BI T T E!
NETFLIX
Haus des Geldes 2011 kündigte der amerikanische Streamingdienst Netflix an, eigene Serien und F ilme zu produzieren. Jetzt, zehn Jahre danach, hat er die traditionelle Filmindustrie Hollywoods erfolgreich verdrängt. Und will weiter wachsen – mit Online-Games.
Unternehmen waren laut USWirtschaftsmagazin «Forbes» weltweit noch wertvoller als Netflix (26,7 Milliarden Dollar), am Podest der Top 3 standen Apple, Google und Microsoft.
Dollar investierte Netflix 2020 in Forschung und Entwicklung.
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Filme umfasste die Online- Videothek der Netflix-Gründer Reed Hastings und Marc Randolph beim Start im April 1998. Kosten pro Leihe: 50 Cent.
17.000.000.000
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Mal wurde «House of Cards», Netflix’ erste Eigenproduktion, für einen Emmy nominiert und gewann sieben der TV-Preise.
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Oscars konnten Netflix- Produktionen seit 2017 gewin nen. Bei den letzten Academy Awards war man mit sieben Trophäen erstmals der erfolg reichste Vertrieb von allen.
50.000.000
Dollar hätte die US-Videotheken-Kette Blockbuster im Jahr 2000 ausgeben müssen, um das Start-up zu übernehmen. Man schlug das Angebot aus – Blockbuster ging 2010 pleite.
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Milliarden Dollar betrugen die Einnahmen im 2. Quartal 2021 – 20 Prozent mehr als im Vorjahr.
THE RED BULLETIN
HANNES KROPIK
Dollar will der Streamingdienst 2021 in die Produktion von Content investieren.
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Prozent der Zeit vor dem Bild schirm verbringen Amerika ner immer noch mit linearem Fernsehen, 27 Prozent ent fallen auf On-DemandAnbieter wie Netflix (7 %).
Millionen Haushalte sahen Anfang 2021 den Thriller «Extraction» (mit Chris Hemsworth) in den ersten vier Wochen – Rekord!
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CLAUDIA MEITERT
Millionen zahlende Abon nenten hatte Netflix am Ende des 2. Quartals 2021. Das sind rund 2,65 Prozent der Weltbevölkerung.
Dollar zusätzlich sollen Abonnenten für das geplante Online-Spiele-Angebot bezahlen müssen.
GETTY IMAGES (2), NETFLIX
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AMY WINEHOUSE
Ein Herz für eine Seele Abendtäschchen des Modelabels Moschino, angefertigt für die Soul-Ikone anlässlich der Brit Awards, 2007 Es war einmal ein Mädchen aus London, das konnte wunderschön singen. Aber das war noch nicht alles: Es brachte die Menschen auch zum Träumen. Sie bildeten sich dann ein, längst vergangene Zeiten wären wieder zurückgekehrt. Das Mädchen sang Soul so inbrünstig wie in den Sechzigerjahren. Die Leute liebten das so sehr, dass sie ihre Platte «Back to Black» kauften wie verrückt. Ein Jahr später war sie als «Best Female Act» die Königin der Brit Awards. Was kaum jemand ahnte: Die Texte ihrer Lieder, die von zerstörerischer Liebe handelten, waren bitterernst gemeint. Und weil sie 2011 gestorben ist, lebt sie nun in unseren Herzen weiter.
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THE RED BULLETIN
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Amy, die Märchenprinzessin des Soul: Bienenkorbfrisur und Lidstrich waren ihre Markenzeichen.
DAS F IK T IV E PHILO S O PHEN- IN T ERV IE W
EPIKUR SAGT:
«So lernst du die Kunst der Freude»
the red bulletin: Herr Epikur, Sie haben be hauptet, der Sinn des menschlichen Lebens bestehe darin, Lust und Freude zu emp finden. In der Welt von heute gibt es viele Menschen, die viel Zeit und Geld dafür aufwenden, extreme Erfahrungen zu machen, um extrem viel Spass zu haben. Etwa, indem sie mit einem Seil am Fuss Hm, aber dann wäre Freude von einer Brücke springen. ja so etwas wie eine Droge, die Was halten Sie davon? einen irgendwann in den Abgrund epikur: Keine Ahnung, ich habe so stürzt. Und die Lust an Extrem etwas noch nie ausprobiert. Wer sich erfahrungen wäre das Symptom zu meiner Zeit selbst erproben wollte, einer gesteigerten Abhängigkeit. konnte das bei einem unserer vielen Könnte sein, ja. Und deshalb ist Kriege tun. Aber das war nie so es so wichtig, beizeiten die Kunst «Das Geheimnis mein Ding. Ich habe es vorgezogen, liegt darin, so zu leben, der Freude zu lernen. Darum ging in meinem Garten zu lustwandeln, es in meinen Büchern. dass man sich gute Gespräche zu führen und mich am Licht der Sonne zu erfreuen. an allem freut, was ist, Und worin besteht diese Kunst der Freude? und nicht an dem, Vor allem darin, sich an den Aber Sie haben doch gesagt, was man will.» Dingen zu erfreuen, die wirklich wir Menschen täten gut daran, zu einem passen – die irgendwie ein Leben der Freude zu führen. Wenn jemand Freude daran hat, extreme Heraus naturgemäss und unbegrenzt vorhanden sind. Wie forderungen zu bestehen, dann ist das doch etwas gesagt: Ich habe immer die grösste Freude, wenn ich Gutes, oder? mit g uten Freunden durch meinen Garten schlendere. Jaja, ich weiss, was Sie meinen, aber so einfach ist es Denn ich bin dann völlig frei davon, irgendetwas nicht. Nicht überall, wo Freude draufsteht, ist auch Tolles oder Extremes erfahren zu müssen. Ich bin Freude drin. Vorderhand sieht es doch so aus: Sie dann auch frei von Angst und Sorge. Ich glaube, das nehmen sich etwas vor, artikulieren einen Wunsch. ganze Geheimnis der Freude liegt darin, so zu leben, Und siehe da, es kommt so, wie Sie es wollten, und dass man sich an allem freut, was ist, und nicht an dann freuen Sie sich. Das war’s. Und was dann? dem, was man will. Du möchtest dich freuen? Dann hör auf, dich freuen zu wollen! Na ja, man freut sich, und wenn die Freude nach lässt, gibt es bestimmt ein nächstes Ziel, das man EPIKUR (um 341 – 271/270 v. Chr.) gilt als Philosoph der Freude. Damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Im Gegenteil: Zu sich setzt. Und wenn man auch das erreicht hat, allen Zeiten war er die Hassfigur von Moralpredigern, die ihn als dann ist die Freude doppelt so gross. Ahnherrn eines zügellosen Hedonismus verdammten. TatsächIm Gegenteil, mein Freund, die Freude wird schwächer. lich ging es Epikur aber nicht um ein Maximum an Spass, sondern Erst unmerklich, aber dann umso mehr. Und wissen Sie, um Selbstgenügsamkeit, die das Leben so nimmt, wie es ist. warum? Weil deine Freude nicht mehr frei ist. Besser: CHRISTOPH QUARCH, 57, ist deutscher Philosoph, Gründer weil du nicht mehr frei bist. Du verhedderst dich im der Neuen Platonischen Akademie (akademie-3.org) und Hamsterrad, brauchst immer neue Anreize, immer Autor zahlreicher philosophischer Bücher. Zuletzt erschienen: neue Wünsche, immer neue Ziele. Klar, du freust dich, «Kann ich? Darf ich? Soll ich? Philosophische Antworten auf alltägliche Fragen», legenda Q, 2021. wenn du wieder einmal etwas erreicht hast, aber diese 16
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BENE ROHLMANN
Freude verpufft so schnell, wie sie kam. Und noch während sie verpufft, wirst du immer abhängiger von deinen kleinen Kicks der erfüllten Wünsche. Bis du auf die glorreiche Idee kommst, deine Ziele immer grösser und extremer werden zu lassen – in der Hoffnung, dass auch die Freude dann extremer wird. Was aber nicht passiert. Stattdessen kannst du dich irgendwann gar nicht mehr freuen: Fünfzig Kilometer gelaufen? Okay, dann sechzig. Sechzig Kilometer gelaufen? Okay, dann siebzig. Das nimmt kein Ende, ausser du fällst vorher tot um.
DR. CHRISTOPH QUARCH
Glücklich sein ist der Sinn des Lebens. Aber wie ist wirkliche Freude zu finden? Der alte Grieche Epikur meint in unserem fiktiven Interview mit Christoph Quarch: nur, indem man nicht krampfhaft nach ihr sucht.
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Wer bin ich? Der südafrikanische Fotograf Chris Saunders porträtiert Menschen, die mit Performance Art, Musik und Mode ausdrücken, wer sie in ihrem Inneren sind. Hier kommen vierzehn Freigeister, die ihre Individualität feiern. Protokoll ALEXANDER NEUMANN-DELBARRE
Phantom-Künstler
Johannesburg, Südafrika, 2013 «DJ InviZAble ist Musiker und Performancekünstler aus Südafrika, der stets Maske trägt und weder seine Identität noch seine Hautfarbe noch sein Geschlecht preisgibt. Der Zuschauer soll sich ganz auf seine Kunst konzentrieren. Mit diesem Sprung bringt er für mich seinen extrem energiegeladenen extravertierten Charakter auf den Punkt.»
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Muse an der Themse
London, Grossbritannien, 2017 «Die Südafrikanerin Manthe Ribane war einige Jahre meine Muse. Als wir uns kennenlernten, war sie Tänzerin bei der Band Die Antwoord, später nahm sie mit dem Musiker Okzharp ein Album auf. Für dieses Foto zog sie in den Docklands ihr Bühnenkostüm an – sie hatte es selbst entworfen.»
Er mag es bunt
Paris, Frankreich, 2017
«Als Manthe und Okzharp auf Europa-Tour gingen, lebte ich bereits in Paris. Es war etwas ganz Besonderes, sie in meiner neuen Heimatstadt zu fotografieren. Ich finde, man sieht dem Bild die grosse Nähe an, die zwischen uns besteht. Ich bin sogar selbst zu sehen: in der Spiegelung ihrer Sonnenbrille.»
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Vier Meister-Poser
Soweto, Südafrika, 2015 «In den 1950er-Jahren ist in den Townships von Johannesburg eine Tanzkultur entstanden, die mittlerweile in ganz Südafrika populär ist: Pantsula. Ensembles führen Choreografien auf, in denen sie ihre Kultur und ihre Geschichte thematisieren. Sieben Jahre lang habe ich Dutzende dieser Tanztruppen begleitet und fotografiert. Diese hier heisst Rea Iktsetsa und hat wie alle Tanztruppen ihre Signature-Posen, von denen sie uns hier eine zeigt.»
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Afropunk-Ikonen
Paris, Frankreich, 2019 «Das erste Afropunk-Festival fand 2005 in Brooklyn, New York, statt. Heute gibt es weltweit Ableger davon. Es ist ein Fest der Vielfalt und der Toleranz, das viele Besucher mit ihrem kreativen Styling bereichern. Ein gutes Beispiel dafür: der Pariser Musiker The Moe (re.) und seine Begleiterin Bea.»
Prophet der Maske Paris, Frankreich, 2019
«Was ich an Paris besonders liebe, ist das Multikulturelle. Sichtbar wird das bei Events wie dem Afropunk-Festival, das alternative Kultur feiert. Dort traf ich auf Cheikh, er ist Model und kam in einem selbst gestalteten Outfit samt Maske – als von Corona noch keine Rede war.»
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Immer en vogue
Paris, Frankreich, 2020 «Matyouz LaDurée ist ein Tänzer der Pariser Voguing-Szene. Der Tanzstil entstand in den 1970er-Jahren in der LGBTQ-Community von Harlem, New York, und ist heute in Paris sehr populär. Dieses Bild ist Teil einer Serie, bei der ich mit dem Verein ‹Art Press Your self› kooperiert habe. Er fördert die Vielfalt der afro-urbanen Kultur in Paris.»
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Hier bin ich!
Johannesburg, Südafrika, 2018 «Umlilo macht elektronische Musik und möchte sich nicht auf ein Geschlecht festlegen lassen. Queere Menschen hatten es in Südafrika lange sehr schwer. Nun präsentiert er/sie sich stolz auf einem Tennisplatz in Jo’burg. Grossartig! Schönes Detail: Der Schatten Umlilos ähnelt einer weiblichen Figur.»
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DER FOTOGRAF «Egal wen ich fotografiere, ob es der CEO eines Modekonzerns ist oder ein junger Künstler in einer Township, mir geht es darum, die Essenz dieser Menschen einzufangen», sagt Chris Saunders. «Dazu musst du vor allem eine freundliche, offene Atmosphäre schaffen, in der sich alle wohlfühlen.» Wie man das hinkriegt, lernte der heute 37-Jährige schon als Teenager. Mit fünfzehn begann er, Musiker, Tänzer und andere Kreative in Johannesburg zu foto grafieren. Besonders interessierten ihn Sub kulturen mit ihren eigenen Regeln und Codes sowie Menschen, die es geniessen, heraus zustechen und sich der Welt zu präsentieren. Die Bilder seines Langzeitprojekts über die Pantsula-Tanzkultur wurden im Fowler Museum in L. A. ausgestellt, viele weitere Fotoarbeiten in namhaften Publikationen veröffentlicht. Seit 2016 lebt Chris Saunders in Paris. Einer seiner Grundsätze: «Wenn du dich der Welt gegenüber öffnest, bereit bist für zufällige und willkürliche Interaktionen mit Menschen, dann geschieht oft etwas Spannendes.» chrissaunders.co; Instagram: chrissaundersphoto
Cool im Pool
Johannesburg, Südafrika, 2015 «Etwa ein Jahr lang hatte ich mein Studio in einer alten Fabrik in Johannesburg. Ich fotografierte damals viel in der Streetstyle-Szene. Einmal kamen die Designer Lebogang Makgale (li.) und Skhumbuzo vorbei. Wir hatten diesen Plastikpool herum stehen, und ich fragte sie spontan, ob sie hineinsteigen wollten. Das Foto ist bis heute eines meiner Lieblingsbilder.»
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Kino
Henriette Confurius
in der Natur unterwegs, ohne einen Menschen zu treffen. Aber ich habe nicht daran gedacht, dass mir etwas passieren könnte. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass ich schon jemandem begegnen werde.
Interview RÜDIGER STURM Foto MATHIAS BOTHOR
Das Jahr 2021 könnte für die Kar riere von Henriette Confurius, 30, ziemlich bedeutend werden. Nach der Netflix-Serie «Tribes of Europa» ist sie in zwei Kinofilmen zu sehen: Sowohl in dem Drama «Das Mädchen und die Spinne» wie auch in der Best seller-Verfilmung «Generation Bezie hungsunfähig» spielt sie eine Haupt rolle. Die Kraft, die sie für ihr Spiel braucht, holt sie sich in der Natur. Im Gespräch erklärt sie, wie ihr diese Erfahrungen geholfen haben, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. the red bulletin: Fast gleich zeitig starteten zwei Kinofilme mit dir. Gibt es einen gemeinsamen Nenner? Henriette Confurius: Vielleicht die Angst, Gefühle zuzulassen und sie dann ehrlich auszudrücken. Und auch die Angst vor dem Schmerz des Verlassenwerdens. Was ist deine Erfahrung: Kann man solche Ängste überwinden? Ängste sind ja prinzipiell nichts Schlechtes. Angst kann auch ein An trieb sein. Ein Problem wird sie nur, wenn sie einen davon abhält, das Leben zu führen, das man führen will. Wie hast du herausgefunden, welches Leben du führen willst? Eine wichtige Erfahrung war, dass ich mit siebzehn ein Jahr auf einer
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Farm in Irland gelebt habe. Ich hatte mit zehn mit dem Schauspielen ange fangen und wollte nicht mehr weiter machen. Die Schule hatte ich auch abgebrochen – so habe ich mir eine Pause von meinem Leben genommen. Was hat das mit dir gemacht? Ich habe mich dabei besser kennen gelernt – und gemerkt, was mir guttut: frühes Aufstehen, eine feste Struktur und ganz besonders die körperliche Arbeit – wie Kühe melken. Viele Menschen wissen gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, physisch zu arbeiten. Aber du melkst ja auch nicht mehr jeden Tag Kühe. Nein, aber ich stehe noch immer früh auf, um den Sonnenaufgang zu erleben. Im Alltag hinterfragt man vieles, und das löst ein Grund rauschen an Sorgen und Stress aus. Das verschwindet in solchen Momen ten. Wenn ich früh genug draussen an der frischen Luft war, dann be finde ich mich in einem Rhythmus, der zu mir passt. Eine ganz ähnliche Wirkung hat es, wenn ich durch den Wald gehe oder am Meer sitze.
Woher hast du diese Sicherheit genommen? Ich muss zugeben, dass da ein biss chen Naivität dabei war. Aber ich bin jemand, der sich in vermeintlich gefährlichen Situationen sicher fühlen kann. Ich glaube, speziell aus meinen Naturerfahrungen habe ich gelernt, mit meinen Ängsten umzugehen. Vieles ist Kopfsache. Wie hast du das gelernt? Mit Eisbaden zum Beispiel. Nor malerweise löst die Vorstellung von eiskaltem Wasser Angst aus, zum Beispiel vor dem Krankwerden. Wir denken, wir sind da in Gefahr. Aber du darfst deine Empfindungen nicht bewerten. Das ist wie in einer Meditation – du beobachtest nur. Und sagst dir: Das ist Kälte, und sie macht das und das mit meinem Körper. Mein Herzschlag wird erst sehr, sehr schnell und dann plötzlich sehr langsam. Die Farben, die ich sehe, verändern sich. Das, was ich höre, verändert sich, und auch mein Zeitgefühl. Ein ähnliches Beispiel habe ich beim Dreh zu «Das Mädchen und die Spinne» erlebt, wo ich eine Spinne über meine Hand laufen lassen musste. Zuerst hat sich der Körper aus spontanem Ekel heraus verkrampft, aber dann habe ich ihr einfach nur zugeschaut und alles ge schehen lassen, schon war ich ruhig. «Generation Beziehungsunfähig» mit Henriette Confurius läuft bereits in den Schweizer Kinos.
Was war bis jetzt deine intensivste Naturerfahrung? Ich bin vor etwa sechs Jahren einen Monat lang durch Georgien gewan dert – und zwar ohne wirklich gut Karten lesen zu können. Und ich hatte nie viel Proviant dabei. Einmal war ich zwei Tage durchgehend THE RED BULLETIN
MATHIAS BOTHOR/PHOTOSELECTION
nahm sich mit 17 eine erste Auszeit vom Leben. Kühemelken, Eisbaden, Wandern: die Schauspielerin über die spezielle Kraft, die man nur in der Natur findet.
«Ich habe ein Jahr auf einer Farm gearbeitet. Das hat mich geprägt.» Netflix-Star Henriette Confurius,30, lernte sich in Irland besser kennen.
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Kampfkunst
hat viel über das Leben gelernt, indem er sich bewusst seinen Ängsten stellte. Zuletzt besiegte er mit japanischer Kampfkunst sogar den Tod. Text NICOL LJUBIC Foto LEA KLOOS
Als der Stier auf Soufian Mahlouly zustürmt, schreit jede Faser seines Körpers: Hau ab, sofort! Aber Soufian zwingt sich, stehen zu bleiben. Von der Szene gibt es einen kurzen Clip auf seiner Instagram-Seite. Man sieht, wie er, kurz bevor ihn der Stier auf die Hörner nehmen kann, plötzlich zum Sprung ansetzt und sich hinter dem Stier abrollt – ein Vorgang, der so irre ist, dass man es kaum fassen kann. Auf die Idee mit dem Stier ist sein Sensei (Lehrer in japanischer Kampfkunst; Anm.) gekommen, er hat Soufian und die anderen Schüler in die Arena geführt, er wollte sie mit ihren Ängsten konfrontieren. Es sind Momente, in denen sich Soufian so lebendig fühlt wie sonst nie. Geist und Körper seien dann zu 100 Prozent fokussiert, erzählt er, und dass es solche Gelegenheiten seien, die ihn als Persönlichkeit wachsen liessen. Getreu dem Motto: Alles, wonach du suchst, findest du auf der anderen Seite der Angst. Mit achtzehn erstellte er eine Liste mit seinen grössten Ängsten, ganz oben stand: kämpfen. Ein guter Grund für ihn, mit Ju-Jitsu anzufangen. Ein paar Jahre später bot sein Sensei einen neuen Kurs an: KyokushinKarate. Soufian ergriff die Chance: Er nahm an Wettkämpfen teil – Vollkontakt, ohne Schutzausrüstung. «Wenn der Gong ertönt, musst du all-in gehen und alles riskieren», sagt er. Und fügt hinzu: «Auch wenn die Angst nie verschwindet, ist es
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möglich, sie zu kontrollieren und gezielt beim Kämpfen einzusetzen.» Mit 24 wurde er Schweizer Meister. Was Soufian bei seinen Kämpfen lernte, war, stärker zu sein als seine Angst. «Wenn etwas völlig Neues auf dich zukommt», sagt er heute, «musst du deine Komfortzone verlassen, und das bereitet dir zuerst Angst. Aber wenn du einmal machst, wovor du Angst hast, dann verlierst du sie. So entdeckst du mehr von der Welt und von dir selbst.»
Das Schöne am Kalt-Duschen
Soufian versucht, jeden Tag seine Komfortzone zu verlassen – und wenn es nur beim Duschen ist. Jeden Morgen stellt er sich unter eiskaltes Wasser. Das wird zwar einfacher mit der Zeit, aber den Moment der Überwindung gibt es jedes Mal – es ist dieser Moment, um den es ihm geht. Deshalb war der Kampf gegen den Stier für Soufian so viel erschreckender als der Kampf gegen den Krebs, der bei ihm im Alter von 25 entdeckt wurde. Die Angst vor dem Stier konzen trierte sich innert weniger Momente. Gegen den Krebs aber würde der Kampf lange dauern. Es handelte sich um einen aggressiven Keimzelltumor. Drei Operationen und 39 Chemotherapien folgten. In der ersten Woche nach dem Krankenhaus konnte er drei Tage und Nächte nicht schlafen und nichts essen. Er hörte, wie seine Eltern mit ihm sprachen, konnte aber nicht antworten. Mit den letzten Kräften fokussierte er sich aufs Überleben. Wieder einmal musste er all-in gehen.
Der schwarze Gurt
Ein Jahr nach seiner letzten Krebsbehandlung bekam Soufian den schwarzen Gurt. Er hat ihn 24 Stunden lang nicht abgelegt, liess ihn sogar beim Schlafen an. Denn er war zum Symbol geworden dafür, dass er wieder da war, zurück im Leben. Welche Herausforderung war die grösste von allen? Der Stier, das Kämpfen, der Krebs? Soufian denkt kurz nach und sagt dann: Die grösste Herausforderung sei das Heute. Und er erzählt von seiner Firma Furinkazan. Ein Video-Game-Studio. Er und sein Team haben ein mobiles Spiel entwickelt: «Opticale» – eine Parallelwelt mit jeder Menge fanta sievoller Kreaturen, die man mit dem Smartphone entdecken kann. Auch dabei helfe ihm – einmal mehr – der Kampfsport. Denn der habe ihn gelehrt, die Komfortzone zu verlassen – und das sei das Wichtigste im Leben. Video «From cancer to Black Belt» auf youtube.com; das Spiel: opticalethegame.com INSTAGRAM: @soufiiiaaan
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LEA KLOOS
Soufian Mahlouly
Soufian, heute 34, ist sich sicher: Es war der Kampfsport, der ihn überleben liess. Der Sport hatte ihn stärker gemacht – körperlich, geistig, und er hat ihm Selbstvertrauen ge geben. Auch während seiner Krank heit hat er nie zu trainieren auf gehört. Kaum dass er stehen konnte, ist er ins Dojo, wie der Trainingsraum für japanische Kampfkünste heisst. Manchmal war er so schwach, dass er sich nach wenigen Minuten hinsetzen musste. Aber da war dieser Traum vom schwarzen Gurt. Und sein Freund Alain, der ihn durch sein ganzes Kampfsportlerleben begleitet hat. Sie haben alles zusammen gemacht – jede Gürtelprüfung, jede Meisterschaft. Als es Soufian besser ging, sagten sie sich: Es ist an der Zeit für den wichtigsten Schritt.
«Wenn der Gong ertönt, musst du all-in gehen und alles riskieren.» Soufian Mahlouly, 34, erklärt, wie er seine Kämpfe grundsätzlich anzulegen pflegt.
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Film
Sam Bloom wurde von einem Vogel aus ihrer schwersten Krise gerettet. Heute ist die Rollstuhlfahrerin Weltmeisterin im Parasurfen. Und Hollywood verfilmt ihr Leben. Interview RACHAEL SIGEE Foto CAMERON BLOOM
Die Krankenschwester war 41, als ihr gewohntes Leben von einer Se kunde zur anderen für immer zu sammenbrach: Sie fiel 2013 im Thai land-Urlaub von einem morschen Hotelbalkon sechs Meter in die Tiefe und schlug auf einem Betonboden auf. Diagnose: Schädelbruch und Zertrümmerung der Rückenwirbel T6 und T7. Folge: Die Australierin war von der Brust abwärts gelähmt. Anfangs stürzte Sam Bloom in eine schwere Lebenskrise. Doch dann kam 2017 Hilfe von unerwar teter Seite: In der Nähe ihres Hauses fand die Familie am Strand ein Vogel junges mit einem verletzten Flügel. Sie nannten den Vogel «Penguin», weil er mit seinem schwarz-weissen Gefieder und den grossen Füssen an einen Pinguin erinnerte. Sam beschloss, Penguin gesund zu pfle gen – und hatte damit einen neuen Lebenszweck gefunden. In der Folge gewann sie derart an Selbstvertrauen, dass sie begann, Para-Kanu-Wettkämpfe zu bestreiten, auch mit dem Surfen fing sie wieder an. Inzwischen ist Bloom zweifache Weltmeisterin im Parasurfen. Gemeinsam mit dem Schrift steller Bradley Trevor Greive ver fasste sie zudem ein Buch über ihre Erlebnisse mit ihrer gefiederten Freundin – «Penguin Bloom» wurde zum Bestseller. Heute ist Sam Bloom Wings for Life-Botschafterin, und 2020 feierte der Kinofilm über ihr Leben, «Penguin Bloom», Premiere. Bloom wird darin von HollywoodStar Naomi Watts gespielt.
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the red bulletin: Hätten Sie sich je träumen lassen, dass Sie von Naomi Watts verkörpert werden? sam bloom: Nie im Leben! Es war eine surreale Erfahrung. Haben Sie Naomi Watts beraten? Ich wollte nicht, dass es ein Holly wood-Happy-End gibt, wo «alles super ist». Ja, das Leben wird leich ter, aber so gut wie früher wird es nie wieder sein. Das Tolle war, dass Naomi mich sehr oft am Set dabei haben wollte. Es sollte authentisch aussehen, wie sie zum Beispiel vom Bett in den Rollstuhl wechselt. Im Film stimmen Sie zuerst nur widerwillig zu, dass Penguin bleibt. War das tatsächlich so? Nein, der Film nimmt sich ein paar künstlerische Freiheiten. Ich war ganz verliebt in Penguin – sie war so süss! Als wir sie fanden, verlagerte sich die ganze Aufmerksamkeit von mir auf sie. Ich hasse es, im Mittel punkt zu stehen, und als ich nach meinem Unfall nach Hause kam, konzentrierten sich alle auf mich. Ein grosser Moment im Film ist der, als Sie zum ersten Mal in ein Kanu steigen. Wie wichtig war es Ihnen, aufs Meer zu können? Enorm wichtig. Das Kajakfahren habe ich nur vorgeschlagen, weil zu diesem Zeitpunkt nichts von den Dingen, die ich am liebsten gemacht hätte, infrage kam. Ich hatte alles abgeschrieben. Zunächst war ich immer am Samstagmorgen paddeln, das wurde dann mein Lieblingstag. Es war so schön, wieder aus dem
Rollstuhl draussen zu sein, auf dem Wasser und in der Natur. Hat Ihnen das nicht auch Angst gemacht? Fürchterliche. Da ich von der Brust abwärts gelähmt bin, habe ich keine Bauchmuskeln und somit ein kata strophales Gleichgewicht. Ein paar Mal bin ich ins Wasser gefallen, aber ich war immer schon ein Sturkopf und habe beharrlich weitergemacht. Wie fallen die Reaktionen auf den Film bisher aus? Die Leute schreiben mir, dass sie sich weniger allein fühlen. Auf WhatsApp tausche ich mich mit einer jungen Frau in Spanien aus, sie hat auch ein Rückenmarkstrauma. Ich habe ihr vorgeschlagen, sie könnte es mit Surfen versuchen. Inzwischen hat sie mir schon ein paar Videos geschickt. Es ist grossartig, das Lächeln auf ihrem Gesicht zu sehen. Wie sind Sie zu Wings for Life gekommen? In Australien und Neuseeland gehen zehn Prozent aus dem Verkauf von «Penguin Bloom» an SpinalCure Australia, in Europa spenden wir diesen Anteil an Wings for Life. Ich kann gar nicht sagen, wie glücklich ich wäre, wenn die Forschung Erfolg hätte. Wenn ich junge Leute mit Rückenmarkstrauma sehe, bricht es mir das Herz.
Mehr von Sam Bloom: sambloom.com.au; «Penguin Bloom» (oben: Naomi Watts als Sam Bloom) – zu sehen auf Netflix. Forschung zum Thema Rückenmarks verletzungen: wingsforlife.com
THE RED BULLETIN
«Ich fand Penguin und war sofort verliebt in sie.» Sam Bloom, 49, über ihre gefiederte Freundin, einen Flötenvogel
THE RED BULLETIN
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Triathlon
«Hinter den extremen Leistungen, die ich vollbringe, steckt eine sensible Frau» Die Triathletin DANIELA RYF ist vierfache Siegerin der Ironman-WM auf Hawaii. Im Stillstand der Pandemie krempelte die 34-Jährige ihr Leben nun komplett um: ein neues Haus, der Verzicht auf einen Trainer und eine radikal ehrliche Sicht auf ihr Leben. Text CHRISTOF GERTSCH
JANOSCH ABEL
BLICK NACH VORN
Triathletin Ryf in St. Moritz. Sie will nicht länger die «eiserne Lady» sein, an der scheinbar alles abprallt.
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DURCHATMEN
Daniela Ryf beim Schwimmtraining in Tulsa, Oklahoma, USA. «Viele Leute glauben, ich würde mich fürs Leben gerne quälen.»
«Es machte mir zu schaffen, dass die Leute dachten, ich hätte keine Schwächen. Ich glaubte, ich dürfe wirklich keine haben.»
Triathlon
Kilometer machen im Trainingslager: Von 2015 bis 2018 gewann die Solothurnerin Daniela Ryf den Ironman auf Hawaii.
TALBOT COX
A
ls Daniela Ryf im Oktober 2018 den Ironman Hawaii gewann, einen der härtesten Sportwettkämpfe der Welt, fühlte sie sich zunächst, als wäre alles wie zuvor. Es war ihr vierter Sieg hintereinander, was sollte auch gross anders sein? Gut, sie hatte mit 8:26:16 Stunden den Streckenrekord aufgestellt, obwohl sie beim Einschwimmen kurz vor dem Start von einer Qualle gestochen worden war und unter den Achselhöhlen lange höllische Schmerzen litt. Sie war sogar so schnell geschwommen, gefahren und gerannt, dass sie am Ende nicht nur alle Frauen weit hinter sich liess, sondern auch die meisten Männer. Manche sagten, Daniela Ryf habe an diesem Tag das Unmögliche möglich gemacht. Sie hatte, bei aller Pein, ihren Sport so leicht wirken lassen, dass man tatsächlich kurz denken konnte, nur hierfür sei der Mensch erschaffen worden. In all den Jahren, die ihre Karriere bis dahin schon
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dauerte, war das die aussergewöhnlichste Leistung von Daniela Ryf: dass bei ihr harte Arbeit oft wie Zauber aussieht. Auf Hawaii schien sie in manchen Momenten sogar mit der Natur, durch die sie sich fortbewegte, zu verschmelzen, mit der Bucht vor Kailua-Kona ebenso wie mit der Lavawüste und der Kona- und Kohala-Küste. Und doch war nach diesem vierten Sieg nichts wie zuvor. Denn in den Wochen nach dem Rennen fragte sich Ryf immer häufiger: «Was will ich jetzt eigentlich noch?» Es ist die Frage, die im Sport normalerweise das Ende einläutet. Wie soll man denn noch länger das brutale Training auf sich nehmen, wenn man darin keinen Sinn mehr erkennt?
Sie konnte Höchstleistung und Vergnügen nicht verbinden
Seit mittlerweile anderthalb Jahrzehnten führte Daniela Ryf das Leben einer Spitzensportlerin, bestimmt durch den immer gleichen Dreiklang: trainieren, essen, schlafen, trainieren, essen, schlafen.
Jetzt liess sie die Frage, was der Zweck von alldem ist, nicht mehr los. Sie hatte keine Antwort. Sie dachte an ihre Landsfrau Natascha Badmann, die den Ironman Hawaii zwischen 1998 und 2005 unglaubliche sechs Mal gewonnen hatte. Beim Schwimmen spielte Badmann mit den Fischen, beim Velofahren strahlte sie über das ganze Gesicht, beim Laufen hörte sie die Vögel zwitschern. Bei Badmann hatte Sport etwas Übersinnliches. Triathletin zu werden war für sie der letzte Ausweg gewesen aus einer dunklen Sackgasse, in die das Leben sie geführt hatte. Doch als Ryf versuchte, sich Badmann zum Vorbild zu nehmen und die Wettkämpfe fortan nicht nur zu gewinnen, sondern auch zu geniessen, scheiterte sie. Sie konnte die beiden Gegensätze – Höchstleistung und Vergnügen – einfach nicht miteinander verbinden, und sie merkte: Sie wollte das auch gar nicht. Die beste Leistung erbringt Daniela Ryf nicht lachend, sondern wenn sie ein ernstes, fast grimmiges Gesicht aufsetzt, sodass sie in eine tiefe Trance gerät. 39
Triathlon
Sie will den Ironman 2021 als rundum erneuerte Athletin gewinnen
Daniela Ryf erkannte, dass in ihrem Leben wenig Platz für anderes ist, so viel Raum beansprucht der Sport. Sie nahm ihr Studium in Lebensmitteltechnologie wieder auf, machte eine Weiterbildung in Angewandter Psychologie, schrieb dafür eine dreissigseitige Selbstreflexion. Sie beschäftigte sich mit sich selbst, aber auch mit Themen, die über sie hinaus reichen, sie dachte über den Kapitalismus nach, das Schulsystem, über Spitzensport und das allgegenwärtige Leistungsprinzip. Ist das die beste Art zu leben? Oder wären wir unter anderen Bedingungen glücklicher? Daniela Ryf liebt Sport noch immer, aber nach so langer Zeit an der Weltspitze gab sie einmal der Möglichkeit Raum,
«Ich hatte als Kind null Selbstvertrauen. Der Sport hat das geändert.» das System, das sie geformt und gross gemacht hatte, zu hintersinnen. Warum sind die Menschen im Sport nicht acht samer sich selbst gegenüber? Warum glauben so viele, dass erfolgreich ist, wer sich nur ausreichend quält? Warum sind psychische Probleme kaum Thema und wird der Druck vor grossen Wettkämpfen kleingeredet? «Der Sport hat mir viel gegeben», sagt sie, als wir uns an einem Abend im August 2021 lange unterhalten, wenige Tage bevor bekannt wird, dass der Ironman Hawaii wegen der Corona-Pan demie auch dieses Jahr nicht stattfindet. «Ich lernte schöne Orte, liebe Menschen und extreme Empfindungen kennen, und ich erarbeitete mir ein Selbstwertgefühl, wie ich es als Kind nicht für möglich gehalten hätte: Ich hatte null Selbst vertrauen. Der Sport hat das geändert.» Aber? «Schaue ich zurück, bin ich stolz auf meinen Weg. Doch ich bin auch froh, dass ich ihn nicht ein zweites Mal gehen muss. Ich zweifle, dass mir alles noch einmal so gut gelingen würde. Sieg und Niederlage waren in meiner Karriere oft näher beieinander, als man von aussen vielleicht dachte. Es gab Momente,
Daniela trainiert oft allein, wie hier in St. Moritz: Sie möchte das Leben als Sportlerin und ihr normales Leben nicht allzu sehr vermischen.
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in d enen ich Angst hatte und es schwierig fand, hinzustehen und zu sagen: So, jetzt gebe ich Vollgas! Es war nicht immer leicht.» Ihre kommenden Wettkämpfe wird Daniela Ryf mit ihrem alten Ziel be streiten – «Ich würde die Vorbereitung nicht auf mich nehmen, wenn ich nicht gewinnen wollte» –, aber als rundum erneuerte Athletin. Man kann sagen: Sie hat sich befreit. Daniela Ryf will nicht mehr die Un antastbare sein, an der scheinbar alles abprallt, die eiserne Lady, vor der sich die Gegnerinnen fürchten. Sie möchte nach wie vor gern überlegen siegen, aber sie will nicht länger so tun, als könne ihr nichts etwas anhaben. Sie will darüber reden, dass auch eine Hochgejubelte wie sie Schwächen hat, dass auch ihre Kar riere dunkle Momente bereithielt, dass auch sie traurig war. Sie möchte kein Geheimnis mehr daraus machen, dass sie auch nach vielen Jahren Spitzensport jedes Mal bei Saisonbeginn wieder zweifelt, ob sie fit genug ist. Daniela Ryf will Mensch sein, nicht Maschine. Sie will nicht die Athletin sein, zu der sie selbst, aber vor allem die Öffentlichkeit sie gemacht hat.
Daniela Ryf will ehrlich sein, auch für jene, die sie als Vorbild sehen
Sie sagt: «So viele Leute meinen, ich würde mich fürs Leben gern quälen, würde am liebsten rund um die Uhr trainieren. Ich weiss, dass ich dieses Bild gefördert habe. Denn wenn alle glauben, ich sei die Stärkste, sei unschlagbar, dann glauben es auch die Gegnerinnen, und irgendwann glaube es sogar ich. Aber ich habe gemerkt, dass es schlecht für mein Wohlbefinden ist, wenn ich anderen und besonders mir selbst etwas vormache. Es machte mir zu schaffen, dass die Leute dachten, ich hätte keine Schwächen. Ich glaubte dann immer, ich dürfe tatsächlich keine Schwächen haben, das setzte mich unter Druck. Im Sport geht es ums Gewinnen, aber doch nicht im Leben.» Daniela Ryf hat den Weg der radikalen Ehrlichkeit eingeschlagen. Aber nicht nur für sich, sie geht ihn auch für all jene, die sie als Vorbild betrachten. «Für das zwölfjährige Mädchen mit Selbstzweifeln, das zu Sportlerinnen und Sportlern aufschaut, ist es wichtig zu wissen, dass wir keine Maschinen sind, dass hinter den extremen Leistungen, die ich vollbringe, eine sensible Frau steckt.» Die letzten Monate brachten viel Neues. Daniela Ryf trennte sich von Brett Sutton, ihrem langjährigen Trainer (blieb THE RED BULLETIN
JANOSCH ABEL
Sie nennt es ihr angry bird face. Das war der erste Schritt: zu erkennen, dass sie nicht so sein muss wie andere. Wer aber war Daniela Ryf? Geschwächt von einem Magen-DarmInfekt in den Tagen vor dem Rennen, beendete sie den Ironman Hawaii 2019 abgeschlagen auf Platz 13. Die Nieder lage motivierte sie neu, sie nahm sich vor, im nächsten Jahr wieder den Sieg anzustreben. Doch dann kam die Corona-Pandemie, und es kamen Leere und Langeweile, weil alle Wettkämpfe abgesagt wurden. Und die Frage, mit der sich Ryf seit mehr als einem Jahr beschäftigte, wurde lauter und drängender: Was will ich jetzt eigentlich noch? Die Pandemie fügte eine Frage hinzu: Was wäre ich ohne Sport?
STARK, NICHT UNSCHLAGBAR
«Es ist wichtig zu wissen, dass wir keine Maschinen sind.» Daniela nach dem Training im Wasser in St. Moritz
ihm aber freundschaftlich verbunden). Sie baut sich jetzt ein Haus. Und in einem grossen Interview in der «Schwei zer I llustrierten» erzählte sie, dass sie sich nicht nur in Männer, sondern auch in Frauen verlieben kann.
Sie jagt ein «wahnsinniges Gefühl»
Eine abschliessende Antwort auf die Frage, was sie im Sport jetzt eigentlich noch will, hat sie vielleicht nicht ge funden. Aber eine, die ihr im Moment genügt: Sie hat sich eingestanden, dass sie auf Sport noch nicht verzichten kann. So einfach ist das. Sie sagt: «Das ist nun sehr persönlich, aber wenn ich schon ehrlich sein will, THE RED BULLETIN
dann richtig. Zu erkennen, was mich motiviert, setzte voraus, dass ich akzep tierte, wer ich bin. Ich verstand, dass ich schon immer einen Killerinstinkt hatte. Im Wettkampf will ich leisten, will meine Gegnerinnen dominieren. Das ist ein Teil von mir: dass ich besser sein will als die anderen. Nicht im Leben, aber im Sport. Der Sport ist für mich ein Werkzeug, mit dem ich zeigen kann, woran ich ge arbeitet habe. Das gibt mir extrem viel, es gibt mir einen Kick. Ein Sieg mehr macht mich nicht glücklicher, stellt mein Leben nicht mehr auf den Kopf. Aber ins Ziel zu kommen und zu wissen, dass ich abgeliefert habe – das ist ein wahn sinniges Gefühl.»
Daniela Ryf – auch das hat sie in den letzten Monaten erkannt – ist eine Wett kämpferin, die den Vergleich mit anderen auf den Wettkampf beschränken will. Sie ist kompetitiv und ehrgeizig. Wenn sie jedoch zu lange um Sportlerinnen und Sportler herum ist, wird es ihr zu viel. Sie trainiert oft allein, hält sich nur selten in den sozialen Medien auf. Es gibt das normale Leben und dann das als Sport lerin, und vermischen möchte sie die beiden Bereiche lieber nicht allzu sehr. Wenn sie sich heute fragen würde, was sie denn ohne Sport wäre, würde sie sagen: jemand ganz anderes. Mehr Daniela auf Instagram: @danielaryf
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Red Bull Flugtag
Wenn Träumen Flügel wachsen
Tollkühne Typen, kreative Geister und die neue Freude am wirklich kurzen Kurzstreckenflug. Der RED BULL FLUGTAG ist am 19. September zurück in Lausanne. Ein Amuse-Gueule der weltweit irrwitzigsten Manöver der Lüfte. Text SASKIA JUNGNIKL
JEDER METER ZÄHLT
Auch wenn das Fahrgestell gleich baden geht, kämpft diese Red Bull FlugtagBesatzung noch um jeden Zentimeter.
JÖRG MITTER/RED BULL CONTENT POOL
KIEW, UKRAINE, 2010
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EINFACH MAL BLAUMACHEN
Die Schiedsrichter bewerten neben geflogener Distanz auch Unterhaltungs wert und Kreativität. Dieses Team setzt auf schlumpfblaues Bodypainting. DUBLIN, IRLAND, 2011
Showtime: Du hast 30 Sekunden, um dein Team zu präsentieren: Erlaubt ist, was erlaubt ist!
BAHN FREI!
Anlauf, Balance und der richtige Absprung zeitpunkt entscheiden. Hier schieben drei Teilnehmer ihr Flugauto von der Rampe.
GDYNIA, POLEN, 2019
Red Bull Flugtag
SIE BEKENNEN FARBE
Rettungsweste und Helm sind vorgeschrieben. Die Wahl zur Gesichtsbemalung haben diese drei Herren aber selbst getroffen. LUKASZ NAZDRACZEW/RED BUL CONTENT POOL, TOMEK GOLA/RED BULL CONTENT POOL, PEDRAG VUCKOVIC/RED BULL CONTENT POOL, TYRONE BRADLEY/RED BULL CONTENT POOL
BENGALURU, INDIEN, 2014
GUT GEMALT IST HALB GEFLOGEN
Hier sehen wir die Skizzen für das Mars-Rover-Flugobjekt des Teams Curry Powder aus Durban. Erfolgreiche Starter kombinieren technisches Know-how mit viel Fantasie und einer Prise Mut. DURBAN, SÜDAFRIKA, 2012
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Red Bull Flugtag
Richtig abheben ist schon wichtig: Wer fällt statt zu fliegen, kann nicht gewinnen. 46
AUS DER BAHN, HIER KOMME ICH!
Sicht, Atmung und Schwimm fähigkeit der Piloten dürfen nicht beeinträchtigt sein. Dann kann man sich wie dieser Rennfahrer begeistert in die Fluten stürzen.
MAURIN BISIG
LUZERN, SCHWEIZ, 2011
DRACHEN-FLIEGER
Umgebaute Hängegleiter eignen sich hervorragend als Flugobjekte. Ein besonders buntes Exemplar bringt dieser Pilot ins Rennen.
DANIL KOLODIN/RED BULL CONTENT POOL, RED BULL CONTENT POOL, BRIAN CHING SEE WING/RED BULL CONTENT POOL
KIEW, UKRAINE, 2010
Red Bull Flugtag SUPERMAN HEBT AB
Dieser Teilnehmer (oben) vom Team Minions Act of Seewen beeindruckt mit einer Kopfsprung-Variante Marke Superman. ZÜRICH, SCHWEIZ, 2016
Da schau her! Jedes Flugobjekt ist ein absolutes Unikat.
HAST DU DAS GESEHEN?
Seit dem ersten Red Bull Flugtag 1992 gilt: Den meisten Zusehern bleibt bei so viel Kreativität die Spucke weg. HONGKONG, CHINA, 2016
THE RED BULLETIN
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Red Bull Flugtag RETTET DAS EINHORN!
Das Team Mercy No Mercy gewann 2016 in Kentucky den People’s Choice Award. Die Crew bestand aus Lehrern der lokalen Highschool. Und einem armen Einhorn. LOUISVILLE, KENTUCKY, USA, 2016
Touchdown! Am Ende gilt die alte Fliegerweisheit: Runter kommen sie alle.
Beim Red Bull Flugtag in Lyon gab dieser Teilnehmer alles für eine gute Haltungsnote.
LYON, FRANKREICH, 2019
Der Red Bull Flugtag 2021 findet am 19. September im Strandbad Bellerive-Plage in Lausanne statt. Türöffnung um 11.00 Uhr, der Eintritt ist frei. Die aktuellsten Infos zum Event unter redbull.ch/flugtag
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THE RED BULLETIN
RYAN TAYLOR/RED BULL CONTENT POOL, ALEX VOER/RED BULL CONTENT POOL, MAURO PUCCINI/RED BULL CONTENT POOL
FEST ANSPANNEN
DAS ENDE DER TRAGFLÄCHEN
Wie stabil ein Flug objekt ist, zeigt sich spätestens bei der Landung. Dieses hier war’s eher nicht. MAILAND, ITALIEN, 2016
Red Bull Flugtag
KONRAD PAUL LIESSMANN
Schöner scheitern Gedanken zur Ästhetik der Bruchlandung
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HERIBERT CORN
WOLFGANG HARTL, EDITION5HAUS
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cheitern. Scheitern. Scheitern. Über Jahr des Aufwindes studierten, desto näher rückte die Mög lichkeit, tatsächlich zu fliegen – und seien es nur ein paar hunderte, vielleicht Jahrtausende. Auch Meter. Meilensteine dieser Entwicklung waren dann im so könnte man die Geschichte des Fliegens späten 19. und frühen 20. Jahrhundert die Flugversuche beschreiben. Der Traum des Menschen, es von Otto Lilienthal und der Brüder Wright. den Vögeln gleichzutun und sich in die Lüfte Aber wir sollten uns auch an den unglücklichen zu erheben, ist uralt. Lange bevor es dem Erfindergeist «Schneider von Ulm» erinnern. Der technisch begabte des Menschen und seiner Ingenieurskunst gelang, mit hilfe der Kraft von Motoren die Schwerkraft zu über junge Albrecht Ludwig Berblinger (1770 –1829) hatte winden, entstanden Sagen, Mythen und Märchen, in nur aus Not und gegen seinen Willen das Schneider handwerk erlernen müssen, sein Herz und denen Menschen versuchen, sei es aus eigener Hirn gehörten der Mechanik. Er war fasziniert Kraft, sei es durch Zauberei, den Erdboden und besessen von der Idee, einen Hängegleiter unter sich zu lassen. Ungetrübt waren diese zu bauen, der dem Flug der Eulen nachemp Phantasiereisen jedoch nie. Immer enthielten funden war und ihn von einem Turm schwe sie eine Mahnung: Wer zu hoch hinauswill, ben lassen sollte. Jahrelang tüftelte er an die wird tief fallen. Die legendäre Geschichte des Ikarus zeugt davon. In dieser antiken Erzählung sem Gerät, er konnte sogar das Interesse des können sich Ikarus und sein Vater Dädalus Königs von Württemberg wecken. Am 31. Mai aus einer Gefangenschaft befreien, 1811 startet er nach mehreren Verschie KONRAD PAUL weil es dem kundigen und erfindungs bungen von der Adlerbastei in Ulm einen LIESSMANN reichen Dädalus gelungen war, Flügel öffentlichen Flugversuch und stürzt Der 68-jährige Kärntner zu konstruieren, die sie davontragen. aufgrund der ungünstigen Thermik in ist einer der angesehensten Philosophen und Essayisten Im Hochgefühl des Fluges schlägt die Donau. Er wird von F ischern gerettet, Österreichs. Bis 2018 Ikarus die Warnungen seines Vaters aber sein Leben ist ruiniert. Er wird als war er als Professor an der in den Wind, steigt zu weit empor, Lügner und Betrüger geächtet und stirbt Uni Wien tätig. Spezialgebiet: nähert sich der Sonne. Das Wachs, völlig verarmt. Erst viel später stellte «Methoden der Vermittlung das die Flügel zusammenhält, schmilzt, sich heraus, dass sein Gerät im Prinzip von Philosophie und Ethik». der Knabe stürzt ins Meer. Dieser antike flugfähig gewesen war. Mythos warnt nicht vor dem Versuch, nach aussergewöhnlichenLösungen für unangenehme Berblinger könnte als geheimer Ahnherr der Red Bull Probleme zu suchen; er warnt vor Selbstüberschätzung Flugtage gelten. Er muss viele Eigenschaften in sich und Hybris. Denn dem bedächtigen Dädalus gelingt der vereinigt haben, die auch die waghalsigen P iloten und Flug, und es war ein Flug in die Freiheit. Die Bewegung Konstrukteure dieser einzigartigen Flugschau aus zeichnen: Hartnäckigkeit; der Wille, eine von vielen im dreidimensionalen Raum, das Abheben vom Boden als Aberwitz bezeichnete Idee zu verwirklichen; die ist ein wirkmächtiges Bild für alle Formen des Strebens unbedingte Bereitschaft, Geld, Zeit und Nerven in ein nach Unabhängigkeit. Das bittere Schicksal des über mütigen Ikarus aber verweist uns darauf, dass wir in nahezu aussichtsloses Projekt zu investieren; die Kraft, allem, was wir tun, auch scheitern können. sich von Rückschlägen nicht irritieren zu lassen. Traut man den Augenzeugenberichten und zeit genössischen Darstellungen, kann der verunglückte Wann Menschen begonnen haben, mit dem Fliegen Gleitflug des Schneiders von Ulm als Vorwegnahme der Ernst zu machen und tatsächlich Geräte zu bauen, die Sprünge der Red Bull Flugtags-Enthusiasten gedeutet sie in der Luft halten sollten, wissen wir nicht. Versuche, werden. Eingespannt in eine aufwendige Konstruktion mit ausgebreiteten Armen und künstlichen Schwingen aus Bambusholz, die mit Seide bespannt war, nimmt er von Klippen zu springen, wird es wohl viele gegeben über eine 20 Meter lange Rampe Anlauf mit dem Ziel, haben. Doch erst der moderne, wissenschaftliche Geist die 40 Meter breite Donau zu überqueren, und landet des Menschen ging daran, ernsthaft zu überlegen, wie kurz nach dem Absprung mit seinem Fluggerät unsanft man vorgehen müsste, um die Natur zu überlisten. im Wasser. Was Berblinger von den Teilnehmern des Universalgenie Leonardo da Vinci (1452 –1519) Red Bull Flugtags unterscheidet: Er wollte das andere hinterliess uns etwa Skizzen eines durchdachten Flug Ufer erreichen, er wollte unbedingt demonstrieren, geräts, und je mehr die Menschen die Natur, die Gesetze
PIONIERE DES ABHEBENS Albrecht Ludwig Berblinger («Schneider von Ulm»), Ikarus, die Brüder Wright, Leonardo da Vinci Eine Collage des Wiener Illustrators Wolfgang Hartl, exklusiv für The Red Bulletin
Red Bull Flugtag
dass der Mensch fliegen kann, er wollte die Gesetze der Aerodynamik ausnützen, um erdgebundene Menschen schweben zu lassen; er wollte die Fesseln der Schwer kraft ablegen, er wollte nicht scheitern. Doch er kam um ein Jahrhundert zu früh und bekam keine Gelegen heit mehr, sein Gerät zu verbessern und aus der Erfah rung des Scheiterns zu lernen. Trotzdem zählt er heute zu Recht zu den tragischen Pionieren der Luftfahrt. Die Helden des Red Bull Flugtags jedoch können nicht nur scheitern, sie müssen und wollen sogar scheitern. Niemand entschwindet im Himmel, alle müssen eher früher denn später hinab ins kühle Nass. Die Athleten bewahren mit viel Witz die Erinnerung an die gescheiterten Versuche, die notwendig waren, um jene Technologie zu entwickeln, der wir uns, ohne viel nachzudenken, jedes Mal an vertrauen, wenn wir ein Flugzeug besteigen. Sie inszenieren eine Ästhetik der Bruchlandung, die zwischen Erhabenheit und Slap stick, zwischen Komik und Tragik, zwischen bizarrer Schönheit und plumper Unbeholfenheit, zwischen überbordender Phantasie und grotesker Inszenierung schillert. Die aufwendigen Kostümie rungen der Teams, die Tänze und rhythmisierten Anläufe, der Jubel nach dem grossen Crash rücken dieses Fest in die Nähe einer spektakulären Clownerie. Worum geht es? Die ein falls- und variantenreich gestalteten ungewöhnlichen Flugapparate und die bunte, laute, fröhliche Drapierung der Mannschaften sind zweifellos amüsant und beein druckend. Alles dreht sich aber entscheidend um den Moment, in dem diese Dinger mit ihren Piloten nach kurzer Luftfahrt auf der Wasseroberfläche aufklatschen, in diese eintauchen und dabei stilvoll auseinanderbre chen. Das, was in unzähligen, mit Leidenschaft erfüllten Arbeitsstunden hervorgebracht wurde, wird in wenigen Augenblicken vernichtet. Der Einsatz, der den Teilneh mern im Vorfeld abverlangt wird, steht – vordergründig betrachtet – in keinem Verhältnis zum Ergebnis. Die Szenen verdeutlichen uns das Prinzip der produktiven Zerstörung, sie gleichen in manchem einem uralten Opferritual: Mit viel Liebe wurde etwas hergestellt, das in einer besonderen, einzigartigen Handlung weggege ben wird. Die Präsentation der Fluggeräte, der Anlauf über die Rampe demonstriert diese Liebe in all ihrer kuriosen Pracht. Im nächsten Moment bricht alles in sich zu sammen. Der Zweck, wenigstens ein paar Sekunden und einige Meter über den Wassern zu schweben, wurde wieder einmal grandios verfehlt. Oder liegt nicht genau in dieser Verfehlung der eigentliche Sinn?
tivität kokettiert, in einem entscheidenden Punkt dem Zeitgeist: In unserer effizienzorientierten Gesellschaft ist Scheitern nicht vorgesehen. Alles muss gelingen. Den Misserfolg können wir nur akzeptieren, wenn daraus irgendwann doch noch ein Erfolg wird. Das Scheitern als Zweck an sich zu sehen, ganz bewusst die Hoffnung an der Wasseroberfläche zerschellen zu lassen, gehört in eine andere Welt. Es ist die Welt der Kunst. In dieser dürfen Erfahrungen aller Art um ihrer selbst willen in einem ästhetischen Gewand zelebriert werden. Dass Menschen in ihren Anstrengungen und Be mühungen versagen können, wissen wir. Doch niemand scheitert gerne. Oft wollen wir es uns gar nicht ein gestehen, dass wir mit einem Projekt, einer Idee, einem Unternehmen gescheitert sind. Gerne reden wir uns dieses Scheitern schön, faseln etwas von wichtigen Lernprozessen und neuen Chancen. Das ändert wenig daran, dass Ziele nicht erreicht und Vorstellungen nicht verwirklicht werden konnten. Wer mehrmals scheitert, verliert alles. Der Red Bull Flugtag erlaubt den Akteuren und den Zuschauern, etwas in einer reinen und schönen Form zu geniessen, das wir im harten Leben so nie und nimmer feiern dürften: das Unzulängliche, das Missglückte, das Unverhältnismäs sige, das Scheitern. Wie gut, sich einmal dazu bekennen zu können, dass manches eben einfach ins Wasser fällt.
«Das Scheitern als Zweck an sich zu sehen gehört in eine andere Welt: Es ist die Welt der Kunst.»
Der Red Bull Flugtag widerspricht, sosehr er mit den modernen Ideen von Innovation, Risikobereitschaft, Teamgeist, Nachhaltigkeit, Erfindungskraft und Krea
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Scheitern ist aber nicht gleich Scheitern. Selbst bei dieser lebensfrohen Inszenierung des Misslingens gibt es Wertungen. Man kann auf mehr oder weniger schöne Art scheitern. Die Ästhetik der Bruchlandung kennt unterschiedliche Abstufungen der Skurrilität, der Ori ginalität, der athletischen Beherrschung des Absturzes, der überraschenden Fähigkeit, sich länger in der Luft zu halten als gedacht. Wenn, zur allgemeinen Verblüffung und von frene tischem Applaus begleitet, ein eleganter Gleitflug gelingt, das Gefährt und sein Pilot nach einem Flug über 50 und mehr Meter in einer sanften Neigung ins Wasser ein tauchen, dann spürt man, dass ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Der Schneider von Ulm und die anderen unglück lichen Abenteurer der Luftfahrt werden rehabilitiert, ihre Hartnäckigkeit und Unverdrossenheit wird in diesen seltenen Momenten bestätigt und belohnt. Um schön scheitern zu können, um eine spektakuläre Bruchlandung hinlegen zu können, um den Augenblick einer stilvollen Zerstörung geniessen zu können, um Lust, Freude und Spass an dieser eigenwilligen Einheit von Konstruktion und Destruktion zu haben, braucht es Enthusiasmus, innere Kraft, guten Geschmack und Mut. Dieser Event führt uns vergnüglich vor Augen, dass Scheitern nicht nur eine Konsequenz von Schwäche, sondern auch ein Ausdruck der Stärke sein kann.
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SOUL, ELECTRIFIED Aussergewöhnliche Abenteuer verlangen nach einer eingeschworenen Gemeinschaft – davon sind die Red Bull-Athleten Petra Klingler, Dominik Gührs und Corinna Schwiegershausen überzeugt. Sie haben mit ihrem Taycan-Modell aus der vollelektrischen Baureihe von Porsche ihren Seelenverwandten gefunden: Unverkennbare Porsche Design-DNA, gepaart mit grosszügigem Stauraum und innovativen Ladelösungen, stillt ihre Sehnsucht nach Freiheit auf jeder Fahrt. * L adezeit für Gleichstrom (DC) mit maximaler Ladeleistung für bis zu 100 km (WLTP) unter optimalen Bedingungen. Optimale Bedingungen: CCS-Schnellladesäule mit > 270 kW, > 850 V, Batterietemperatur 30 °C bis 35 °C und Ausgangsladezustand 5 %.
PETRA KLINGLER 29 Jahre, Disziplinen: Klettern, Bouldern, Eisklettern
Porsche Taycan Turbo Petra Klingler An steilen Felswänden ist die Boulder-Weltmeisterin und erfolgreichste Sportkletterin der Schweiz Petra Klingler in ihrem Element. Im Taycan Turbo – dem ersten vollelektrischen Sportwagen mit der Seele eines Porsche – macht sie sich auf den Weg, einen ihrer ganz grossen Träume zu erfüllen: den genialen Boulderfelsen «Les yeux rouges» zu klettern. Und auch im Bereich Ladedauer und Reichweite ist der Taycan wie für sie geschaffen: Dank seiner 800-Volt-Architektur genügen fünf Minuten*, um bis zu 100 Kilometer (WLTP) neue Reichweite zu bekommen. Das gibt Petra den unermüdlichen Antrieb, aus dem Alltag auszubrechen und raus in die Natur zu fahren, um ihre sportlichen Ziele zu erreichen.
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Porsche Taycan 4S Cross Turismo Dominik Gührs Eigentlich wollte sich Dominik Gührs mit zehn Jahren ein Skateboard kaufen – am Ende kam er mit einem Wakeboard aus dem Laden. Weise Entscheidung: Heute ist der Münchner zweifacher Weltmeister und einer der erfolgreichsten Wakeboarder Deutschlands. Abseits des Alltäglichen überzeugt auch sein Gefährte, der Taycan 4S Cross Turismo. Hinter dem Steuer dieses sportlichen Allrounders kann Dominik dem Drang nach Freiheit ungezügelt nachgehen. Denn im Vergleich zu den anderen elektrischen Porsche-Modellen ist der Cross Turismo ein E-Sportler mit mehr Laderaum, mehr Boden freiheit – und einem «Gravel»-Fahrmodus, der auch auf unwegsamen Pfaden souveränen Fahrspass bietet. Perfekt, um Dominiks waghalsigen Traum zu verwirklichen: Snow boarden und Wakeboarden mit einer Line zu verbinden.
DOMINIK GÜHRS 31 Jahre, Disziplin: Wakeboarding
CORINNA SCHWIEGERSHAUSEN 49 Jahre, Disziplin: Drachenfliegen
Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo Corinna Schwiegershausen
PORSCHE
«Ich flog schon mit Drachen, bevor ich Autofahren konnte!», erzählt Corinna Schwiegershausen, amtierende Europameisterin, vierfache Weltmeisterin und Deutsche Meisterin im Drachenfliegen. Die Bodenhaftung hat die gebürtige Bremerin allerdings nie verloren. Dafür sorgt auch der allradgetriebene Taycan Turbo S Cross Turismo. Die optionale Dachreling ermöglicht ausserdem die Montage eines Dachträgers – perfekt zur Mitnahme von Corinnas Fluggerät. Und wenn sie ausnahmsweise nicht selbst durch die Lüfte segelt, lädt das optionale Panorama-Festglasdach dazu ein, in den vorbeiziehenden Himmel zu blicken – mit ihrem grossen Ziel vor Augen: Gold bei der Weltmeisterschaft 2022!
Erfahre mehr unter porsche.ch/taycan
Deutschrap
KOOL SAVAS:
«S chweigen ist das stärkste Statement» Er ist einer der Urväter des Deutschrap. Jetzt hat der 46-jährige «King of Rap» einen Karriere-Ratgeber geschrieben. Hier erklärt er, warum man Angriffe am besten ignoriert, ein Seegrundstück seine beste Anschaffung war und er Blumenverkäuferinnen gern nach ihrem Leben ausfragt. Interview SVEN MICHAELSEN Fotos CHRISTOPH VOY
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GARTENIDYLLE
Ist Kool Savas auf seine alten Tage etwa spiessig geworden? Natürlich nicht. Die Kleingartenparzelle gehört dem Fotografen, der die Idee hatte, das RapperDasein ironisch zu brechen.
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E «Ein Song mit Grönemeyer ist ein grosser Traum von mir.» VITAMIN KOOL
«Das Künstlerische», sagt Kool Savas, «ist mir nie schwer gefallen. Mein Kampf war der Alltag.»
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in schwül-heisser Tag in einem Villen viertel in Westberlin. Kool Savas, vor 46 Jahren als Savaş Yurderi geboren, hat in seinem unterirdischen Tonstudio Platz genommen. Er trägt ein nassgeschwitztes weisses Lacoste-T-Shirt, eine schwarze Trainingshose von Nike und transparente Brudiletten von Haftbefehl. Wie man seine am 1. September erschienene Autobiografie finde, will er mit ebenso viel freundlicher Bestimmtheit wie Misstrauen wissen. Wenn er spricht, mischen sich drei Idiome: Kreuzberger Strassenjargon, Rapper-Sprech und Manager-Vokabeln wie «Branding» und «USP», die davon künden, dass er sich als Marke versteht, die es zu bewahren und weiterzuent wickeln gilt. «Ich mache es wie Porsche», sagt er, «ich erweitere mein Portfolio, so wie Porsche es mit dem SUV Cayenne gemacht hat, weil sich die Zielgruppe geändert hatte.» the red bulletin: Im Prolog Ihres Buchs schreiben Sie: «Ich will mehr als das Narrativ vom Kreuzberger Hinterhofkind zum strahlenden ‹King of Rap›, dem die Sonne aus dem Arsch scheint.» Was war Ihr Motiv, 368 Seiten über Ihr Leben zu schreiben? kool savas: Ich habe anhand meiner Biografie einen Ratgeber geschrieben, was Künstler zu beachten haben, die dauerhaft erfolgreich sein wollen, statt als One-Hit-Wonder zu enden. Beim Lesen des Manuskripts ist mir auf gefallen, dass mir das Künstlerische nie schwergefallen ist. Mein Kampf war das alltägliche Leben: Wieso habe ich lange nicht die Hauptrolle in meinem Leben gespielt? Warum zweifle ich so oft an mir? Warum höre ich nicht immer auf mich selbst? Wie lebt man im
Deutschrap
Einklang mit sich und den eigenen Überzeugungen? Wie gelangt man zu Freiheit und Selbstbestimmung, statt sich nur als Komparse zu sehen und im Strom mitzuschwimmen? Der Untertitel Ihres Buchs lautet «24 Gesetze». Welche halten Sie für die wichtigsten? Der Sinn des Lebens ist, deinem Leben einen Sinn zu geben. Mach deinen persönlichen Tiefpunkt zum Anfang von etwas Neuem. Sei die Veränderung, die du dir für dein Leben wünschst. Erfülle keine Erwartungen, folge dir selbst. Wähle deine Schlachten weise. Wenn du ein kleines Problem in ein grosses verwandeln willst, dann verschieb es auf morgen. Nichts ist so wichtig wie jene, die immer an deiner Seite sind. Für mich stehen mein Sohn und meine Frau an erster Stelle. «Man muss anerkennen», schreiben Sie, «dass es ausserhalb der Familie niemanden gibt, auf den man sich verlassen kann.» Das ist nieder schmetternder Pessimismus. Mein Menschenbild ist, dass jeder von uns erst mal allein auf der Welt ist und nur sich selbst vertrauen sollte. Wer ist schon absolut loyal und wirklich für einen da? Ich könnte jeden meiner Freunde verstehen, der mich für seine Familie im Stich lässt, wenn es hart auf hart kommt. Ich würde es ja genauso machen. Nicht jede Freundschaft muss sich so anfühlen, dass man sich für den anderen von einer Klippe stürzen würde. Ich habe Freunde, die noch nie bei mir zu Hause waren.
«Ich würde jederzeit ein vegetarisches Produkt herausbringen.» 61
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Haben Sie einen besten Freund? Ja, wir sind in vielem extrem unterschiedlich, aber wir spielen uns nichts vor, haben tiefes Vertrauen zueinander und wissen viel über die Seele und Probleme des anderen. Trotzdem ist es zwischen uns nicht wie im Kinderfilm, wo zwei Kumpels gegen den Rest der Welt stehen. So eine Freundschaft hatte ich nie. In Ihrem Buch entzaubern Sie den Mythos, auf der Strasse gäbe es eine gerechtere Gegenwelt mit Solidarität und Gleichheit. Auf verklärende Ghetto-Storys reagiere ich allergisch. Ich habe früh gespürt, dass auf der Strasse um Macht und Unterwerfung gekämpft wird. Die Werkzeuge heissen Angst, Einschüchterung und Gewalt. Die Unterdrückten lassen sich das gefallen, weil viele von ihnen selbst Unterdrücker werden wollen. Oft ist das gar kein bewusster Vorsatz, so wie Kinder, die von ihren Eltern geschlagen werden, später ihre eigenen Kinder schlagen. Meine Eltern sind gebildet und waren lange Zeit hundertprozentige Kommunisten. Mein Vater sass wegen seiner Überzeugungen fünf Jahre lang in einem Folterknast in der Türkei. Er hat mir früh vermittelt, Unterdrückung sei etwas, das es zu bekämpfen gilt. In der Subkultur spiegeln sich die Hierarchien unserer Gesellschaft. Von utopischem Geist habe ich nie etwas gespürt. Warum sind Sie 2004 aus Kreuzberg ins beschauliche Touristenmekka Heidelberg gezogen? Ich habe meine damalige Freundin auf einer Autobahnraststätte in der Nähe von Heidelberg kennengelernt, wo sie studierte. Für mich war das eine schicksalhafte Begegnung. In Berlin gab es ausser meiner Familie nichts, was mich hielt oder gar glücklich machte. Ich hatte von der Stadt schlicht und ergreifend die Schnauze voll und habe durch meinen Umzug eine wichtige Lektion gelernt: Du kannst vor deinen Problemen weglaufen!
«Mein Rat ist: Lass dich nicht so einfach triggern.» 62
«Auf verklärende Ghetto-Storys reagiere ich allergisch.» Sie hatten 13 Jahre lang einen Berater, vor dem Sie vermutlich besser weg gelaufen wären. Ich habe dieser Person erlaubt, so viel Macht über mich zu erlangen, wie niemand über einen anderen Menschen haben sollte. Ich wollte blind vertrauen, aber das war ein kapitaler Fehler, denn dieser Mensch kannte jeden meiner Schwachpunkte genau. Man muss dem eigenen Gespür folgen, ob man sich wirklich gern mit einer Person trifft oder sich das nur vorspielt. Bei den ersten Warnsignalen muss man in die Kon frontation gehen. Weil ich stattdessen die Augen verschlossen habe und konfliktscheu war, trifft mich genauso viel Schuld wie ihn. Sie haben den Battle-Rap in Deutsch land populär gemacht. In Ihrem Buch schreiben Sie: «Heute macht es fast niemand mehr unter der Behauptung, dass die Mutter des Gegners auf dem Strich arbeitet. Alles, was man sich aus den Fingern saugen kann, wird benutzt. Und der Zirkus aussenrum spielt fröhlich die Begleitmusik. Schlag zeilen, Reaction-Videos, YouTube- Analysen: Vom Beef im deutschen Rap leben mehr Künstler als vom tatsäch lichen Beef auf ihren Tellern.» Was Kampfsport dem Battle-Rap voraus hat, sind eine Arena, klare Regeln und ein Schiedsrichter. Kein Boxer zieht im Ring auf einmal ein Messer und sticht auf dich ein. Werde ich angegriffen, frageich mich zunächst, ob man das sportlich sehen sollte. Wenn beide cool damit sind, finde ich es okay, den anderen ein bisschen zu ärgern und daraus Entertainment zu machen. Die rote Linie ist, Menschen zu degradieren oder zerstören zu wollen, indem man dazu auffordert, sie zu ächten. Meine persönliche Strategie bei neun von zehn Angriffen ist: ignorieren! Abperlen
lassen! Der Angegriffene lässt schneller die Hüllen fallen als der Angreifer. Die wenigsten kommen damit klar, wenn ihre Angriffe auch nicht die winzigste Reaktion auslösen. Schweigen kann das stärkste Statement sein, weil die Leute denken: Der ignoriert diesen Vogel, weil der unter seiner Würde ist. Warum sollte ich mit gekränkten Reaktionen Leuten Relevanz verschaffen, die in meinen Augen keine haben? Ein Strategieberater könnte einwen den: Wer auf Angriffe in den sozialen Medien nicht rechtzeitig reagiert, riskiert, aus einem Schneeball eine Lawine zu machen. Das Schlimme ist, dass die Leute immer noch nicht begriffen haben, dass dieses ganze Social-Media-Ding nicht echt ist. Dort werden Schauspiele inszeniert, die nach 48 Stunden niemanden mehr inter essieren. Zwei Tage sind die magische Zeitspanne, danach muss der Angreifer einen riesigen Aufwand betreiben, um die Sache künstlich zu strecken. Mein Ratschlag ist: Lass dich nicht so einfach triggern. So wie Udo Lindenberg den Deutsch rock begründet hat, sind Sie der Pionier des deutschsprachigen Rap. Was liess Sie 1996 von englischen Texten auf deutsche umsteigen? In dem Jahr besuchte ich mit meiner damaligen Freundin die Band Living Legends in Oakland in Kalifornien. Wir chillten zwei, drei Wochen zusammen, und weil die Jungs gerade ihr neues Album bewarben, nahmen sie mich zu Radiostationen mit. Um ihre Coolness und Weltläufigkeit zu demonstrieren, baten sie mich, auf Deutsch zu rappen. Wenn ich englisch rappte, hiess es jedes Mal: «Das beeindruckt uns nicht. Jeder von uns kann Englisch, und wir rappen alle besser als du.» Das war für mich ein Aha-Moment. Ich begriff, dass ich nur auf Deutsch die Leute beeindrucken kann, zu denen ich musikalisch oder textlich aufschaue. In Ihrem 1999 veröffentlichten Lied «Ihr müsst noch üben» heisst es: «Nutte, blas zu Ende, meine Zeit ist knapp bemessen. Deine Mutter wartet draussen und will Penis in die Fresse.» In welchem Gemütszustand ist Ihnen dieser Text eingefallen? Ich war damals absolut tiefenentspannt und fand das superwitzig, aber das ist THE RED BULLETIN
SPRITZIG
Kools Strategie bei persönlichen Angriffen: «Einfach abperlen lassen.»
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22 Jahre her. Es wäre traurig, wenn mein damaliger Humor mein Humor von heute wäre. Herabsetzende Begriffe wie «Schwuchtel» waren in Rap und Hip‑Hop lange gang und gäbe. Ich habe das Wort bestimmt schon mal in Texten verwendet, aber im Jahr 2021 rede ich nicht mehr so – schon gar nicht, wenn mein siebenjähriger Sohn neben mir steht.
ZUHÖRER
«Ich höre mittlerweile lieber zu, als dauernd selbst zu quasseln», sagt der King of Rap.
Rappen Frauen eigentlich mit, wenn Sie bei Auftritten «Ihr müsst noch üben» anstimmen? Ja, sie kennen den Künstler Kool Savas und wissen, dass der Text nur unterhaltsamer Blödsinn ist, der emotionalisieren soll. Meine Mutter ist Pädagogin und Feministin und müsste den Text eigentlich inakzeptabel finden, aber auch sie sagt: «Na ja, ist ja nur Quatsch.» Wenn Frauen nichts von mir kennen und zum ersten Mal ein Konzert von mir besuchen, kassiere ich bei derberen Songs allerdings schon mal einen Mittelfinger. Das ist für mich auch völlig in Ordnung. Wer so etwas rappt, sollte bei einem Mittelfinger nicht anfangen zu heulen. Ihre Frau stammt aus dem Iran. Ist sie die schärfste Kritikerin Ihrer Texte? Nein, sie empfindet meine derberen Texte als lustigen Stumpfsinn und sagt: «Wie gut, dass meine Eltern Deutsch nicht so gut verstehen und du so schnell rappst. Es wäre mir unangenehm, wenn sie jedes Wort verstehen würden.» Meine Frau ist auch deshalb super, weil sie mich nicht auf Biegen und Brechen ändern will. Werden Sie bei Streitigkeiten mit Ihrer Frau zum Battle-Rapper? Nein, ich mag keine langen emotionalen Aussprachen. Selbst in Filmen finde ich sie unangenehm und unnötig. Wenn meine Frau und ich ein Problem haben, lösen wir es mit ein paar klaren, einfachen Sätzen. Wer weiss, was Sache ist, muss nicht viele Worte machen oder Dinge dramatisieren. Oft sage ich zweieinhalb Sätze, und das war es dann für mich. Kennen Sie die Moderatorin und Rap‑Journalistin Visa Vie? Ja, sie ist eine Freundin von mir. Sie sagt, sie würde Monate brauchen, die Fälle von sexualisierter Gewalt in der deutschen Rap-Szene auf 64
«Ich habe Freunde, die Uhren für 300.000 Euro tragen.» zuzählen, von denen sie weiss. Auch sie selbst sei ein Opfer. Meiner Erfahrung nach ist sexualisierte Gewalt kein Rap-typisches Problem, sondern ein gesellschaftliches. In der High Society gibt es wahrscheinlich nicht weniger Vergewaltigungen. Da gibt es
Typen, die um einiges krasser drauf sind. Ich kenne wenig Rapper mit einem Geisteszustand, der mich vermuten lassen könnte, sie wüssten nicht, wo beim Umgang mit einer Frau die roten Linien verlaufen. Gendern Sie in Ihrem privaten Leben? Ich habe gehört, dass man eine Frau, die irgendwo zu Gast ist, nicht als Gast bezeichnet, sondern als Gästin. Vielleicht schaffe ich es, mir das in ein paar Jahren anzugewöhnen. Noch würde ich mir als Heuchler vorkommen, das Wort Gästin in den Mund zu nehmen. Die Frage ist doch, ob eine Unterscheidung einen konstruktiven Zweck erfüllt oder nicht. Wer von Astronauten spricht, sollte im selben Atemzug von Astronautinnen sprechen. Sonst könnte ein Mädchen denken, nur Jungs haben das Zeug, ins Weltall zu fliegen. THE RED BULLETIN
Warum beten so viele Rapper Geld und Reichtum an? Weil man es ihnen vorgelebt hat. Und weil sie noch nicht an dem Punkt waren, Geld zu haben und dann zu begreifen, dass Geld nicht glücklich macht. Wer ein tolles Auto und eine tolle Uhr hat, wird erst mal respektiert. Aber wenn das abgehakt ist, muss etwas anderes dazu kommen, sonst bleibt dein Leben leer und oberflächlich. Ich kann jeden ver stehen, der aus einfachsten Verhältnissen kommt und Geld für ein grosses Ziel hält. Es wäre arrogant, dem zu sagen, Geld sei nicht erstrebenswert. Rap ist mittler weile ultrakommerzialisiert und Materia lismus extrem verbreitet – so wie in der ganzen Gesellschaft. Rap ist heute keine superpolitische Sache mehr wie zu Zeiten von Public Enemy in den Achtzigern. Fühlen Sie sich reich? Mein Verstand sagt, ich habe ausgesorgt. Mein Gefühl sagt, ich werde noch lange hart arbeiten müssen. Was machen Sie mit Ihrem Geld? Ich habe Freunde, die Uhren für 300.000 Euro tragen. Das würde mir keine Sicherheit geben. Mein emotional bester Kauf war ein Seegrundstück in Brandenburg, das ungefähr so viel ge kostet hat wie eine dieser Uhren. Als ich den Kaufvertrag unterschrieb, hatte ich das grossartige Gefühl, etwas für die Zukunft meines Sohnes getan zu haben.
MAKE-UP: SABINE HÖGERL/NINA KLEIN
Ihr Kollege Capital Bra, bürgerlich Vladislav Balovatsky, hat mit dem «BraTee» einen Eistee und mit der «Gangstarella» eine Tiefkühlpizza in mehreren Geschmacksrichtungen in den Supermarktregalen. Würden Sie so was auch machen? Natürlich. Ich bin seit dreissig Jahren Vegetarier. Ein vegetarisches Produkt rauszubringen, das zu mir passt, würde ich jederzeit machen. Sie haben Ihrem Vater zum 60. Geburtstag eine Rolex geschenkt. Wie hat er reagiert? Er hat sich schon gefreut, aber nicht wegen des Geldwerts. Meine Eltern sind Menschen, die von heute auf morgen auf all ihren Besitz verzichten würden, wenn dadurch die Welt besser werden würde. Sie halten den Kommunismus immer noch für das einzige Prinzip, das die Menschheit retten kann. Aber sie haben auch gelernt, cool damit zu sein, THE RED BULLETIN
«Meine Frau empfindet meine Texte als lustigen Stumpfsinn.» dass ihr Sohn ihnen einen gewissen Komfort verschafft. Sie hatten mal einen Porsche, einen Lamborghini und einen türkisen McLaren 570S mit Flügeltüren. Den McLaren habe ich nach zwei Mona ten zurückgegeben, weil er unmensch lich laut war. Den konnte man im Alltag nicht nutzen. Der war zu radikal. Wie gross ist Ihr Fuhrpark heute? Ich fahre einen 911er-Porsche, meine Frau hat einen Mercedes G 63 AMG, einen Geländewagen. Fürchten Sie manchmal, wegen Ihres gehobenen Lebensstils könnten Ihnen beim Texten Themen ausgehen, die Menschen berühren, weil sie ihr Leben gespiegelt sehen? Überhaupt nicht. Beim Texten beziehe ich meine Gedanken von überallher: Müll, den ich gucke, Scheiss, den ich höre, Alltagssituationen, die ich mit mache. Ich lebe ja nicht wie die Prin zessin auf der Erbse und werde den gan zen Tag rumgetragen. Ich bin deutlich wortkarger als früher, weil ich mittler weile lieber zuhöre, als selbst dauernd zu quasseln. Ich habe grosse Freude daran, eine Blumenverkäuferin nach ihrem Leben auszufragen. Meine Frau verflucht mich manchmal dafür und dreht mir den Rücken zu. Als Ihr Sohn noch in die Kita ging, hat er an Kinder Probefahrten in Ihrem Lamborghini verschenkt. Wie ver hindern Sie, dass aus ihm ein Angeber und Grosskotz wird? Wir versuchen ihn in vielen Gesprächen immer wieder, so gut es geht, zu erden. Irgendwann wird er in den Sommerferien einen Job annehmen müssen, der ihm
zeigt, wie schwer Geld zu verdienen ist. In seinem Alter gibt es die Tendenz zu sagen: «20 Euro? Das ist doch überhaupt nicht viel Geld!» Da muss ich ihn dann sehr bremsen und ihm irgendwie begreif lich machen, wie lange man für 20 Euro netto an der Kasse von McDonald’s ar beiten muss. Sie sind jetzt 46. Wollen Sie weiter machen, bis man Sie als meckernden Rap-Opa mit den Füssen voran von einer Bühne trägt? Mick Jagger ist Milliardär und steht immer noch auf der Bühne. Das ist doch das Geilste, was es gibt. Ich bin schon ewig ein riesiger Fan von Herbert Gröne meyer. Mit ihm einen Song zu machen ist ein grosser Traum von mir. Er ist 65 und gibt nächstes Jahr 20-Jahre-«Mensch»Jubiläumskonzerte. Das finde ich bewun dernswert. Wie ich mich kenne, komme ich nicht drum herum, mit 65 immer noch Musik zu machen. Allerdings nicht mehr als Frontman. Ich bin nicht der Ultra-Star-Typ, der auf Fame und Gla mour aus ist und die ganze Zeit Applaus für sein Ego braucht. Eine Künstler schmiede gründen und junge Talente produzieren: Das wäre es! Gibt es einen Satz, der Sie im Leben begleitet und den Sie am liebsten ins Gehirn Ihres Sohnes einbrennen möchten? Es gibt zwei davon. Der eine lautet: «Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg auch keinem anderen zu.» Der andere stammt aus dem Film «Unbroken» über den amerikanischen Leichtathleten und Weltkriegshelden Louis Zamperini: «Ein kurzer Moment des Schmerzes für ein Leben voller Ruhm.» Man kann manchmal nicht garantieren, dass etwas nicht wehtun wird, aber wenn man es trotzdem macht, wird man sich hinter her besser fühlen und ein Leben lang was davon haben.
K I N G
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R A P
KOOL SAVAS DIE 24 GESETZE
Kool Savas: «King of Rap – Die 24 Gesetze», 368 Seiten, Verlag Droemer
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HIER KOMME ICH Bike-Athletin Khothalang Leuta beim PumptrackTraining in ihrem Heimatland Lesotho
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Das Rennen ihres Lebens Die 18-jährige KHOTHALANG LEUTA ist auf dem Weg in die Weltspitze der Pumptrack- Szene. Und kämpft auf ihrem Bike erfolgreich gegen Vorurteile. Porträt einer jungen Frau, die das Denken in ihrer Heimat verändert. Text LEE NXUMALO Bilder TYRONE BRADLEY
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uf den ersten Blick wirkt Khothalang Leuta wie ein schüchternes 18-jähriges Mädchen. Doch sobald sie den Pumptrack in ihrer Heimatstadt Roma betritt, ändert sich das: Ihre Schritte werden schwungvoller, ihre Augen beginnen zu glänzen. Khothalang steht da und blickt selbstbewusst auf ihre Lieblingsstrecke. Pumptracks sind Bike-Parcours mit Wellen und Steilwänden, auf denen sich alles um die perfekte Körperspannung dreht. Speed erzeugt man hier nicht durch reine Muskelkraft, sondern durch Pumpbewegungen auf dem Rad – daher der Name. Bei Pumptrack-Rennen geht es vor allem um die Harmonie mit der Strecke. In der BMX-Community spricht man dann vom «ultimativen Flow». Khothalangs Heimatstadt Roma liegt im Nordwesten von Lesotho – jenem
ergigen Königreich, das gänzlich von b Südafrika umschlossen ist – in einem Talkessel auf 1700 Meter Höhe. Grüne Kiefernwälder, 8000 Einwohner. Und eine junge Frau, die es von hier in die Weltspitze ihres Sports geschafft hat. Khothalangs Geschichte beweist, wie weit dich der Flow der Pumptrack-Strecke im Leben tragen kann. Denn wenn du weisst, wo du hinwillst, ist es egal, woher du kommst. Khothalang ist sieben, als sie mit dem BMX-Fahren beginnt. Zunächst als reine Spielerei. Doch eines Tages beobachtet sie in der Nähe ihrer Schule einen Kipplaster, Lieferwagen und verschwitzte Männer, die Erde schaufeln und Schubkarren durch die Gegend schieben. Sie legen das Fundament für jenen Pumptrack, der Khothalangs Leben verändern
KURVENLAGE Khothalang sass mit sieben zum ersten Mal auf einem BMX. Mittlerweile trainiert die Achtzehnjährige fast täglich. In Lesotho, dem Zwei-Millionen-Einwohner-Königreich im Süden Afrikas, gilt sie als Pionierin ihres Sports. 68
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STILLE HELDIN
Khothalang Leuta beim Fotoshoot für The Red Bulletin in Bocheletsane, Lesotho
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wird: 157 Meter Streckenlänge, sieben Steilwandkurven, drei Plattformen. «Der Pumptrack war mir zunächst unheimlich, trotzdem wollte ich ihn unbedingt ausprobieren», sagt Khothalang Ende Juli beim Interview in Roma. «Ausserdem hat es meinen Ehrgeiz angestachelt, dass ausser mir nur Jungs auf der Strecke waren.» Wie schwer es ist, in Lesotho Mädchen für den Bike-Sport zu begeistern, erzählt auch Maryke Zietsman, Kommu nikationsmanagerin beim Schweizer Pumptrack-Hersteller Velosolutions: «Anfangs hatten wir wirklich Mühe, die Mädchen aus der Umgebung auf die Bahn zu bekommen. Es war kulturell einfach nicht üblich. Wir mussten gegen das grosse Vorurteil kämpfen, dass die Rennstrecke nur etwas für Buben ist.» Bald schon ist Khothalang ein Teil dieser kulturellen Veränderung. Sie räumt bei Turnieren in der Umgebung ab, sorgt international für Aufsehen. 2020 gewinnt sie die Damenklasse der Red Bull Pumptrack Championship-Qualifikation
in Roma. Das Top-Ergebnis bedeutet die Qualifikation für die Red Bull UCI Pumptrack-Weltmeisterschaft, die Mitte Ok tober in Portugal stattfindet. Es ist der grösste Erfolg ihrer bisherigen Karriere. Und ebenfalls ein grosser Erfolg für die Menschen hinter dem Pumptrack-Projekt.
Eine Idee aus Kambodscha verändert das Leben in Lesotho
Der Pumptrack in Roma ist Teil der «Pump for Peace»-Initiative des ehe maligen Schweizer Downhill-Profis Claudio Caluori. Seine Firma Velo solutions baut Profistrecken für inter nationale Wettbewerbe ebenso, wie kleinere Bahnen in ärmeren Gegenden oder sogar in Kriegsgebieten. Ziel von «Pump for Peace» ist es, den Sport vor allem für Kinder zugänglicher zu machen. Die Idee dafür hatte Caluori, als Velosolutions den Auftrag für einen Track im verarmten Grenzgebiet zwischen Thailand und Kambodscha bekam. «Als wir in Kambodscha fertig waren, standen sofort diese Kinder da, die mit allem, was sie
DER FLOW ENTSCHEIDET Auf sogenannten Pumptracks gewinnen die Fahrer durch Pumpbewegungen auf dem Bike an Geschwindigkeit. Hier zeigt Khothalang ihre Technik vor. 70
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BLICK VON OBEN
Lesothos Pump‑ track‑Szene wächst. Hier eine Strecke in Bocheletsane
Als Khothalang erste Erfolge feiert, trauen sich auch die Mädchen auf die Rennstrecke. THE RED BULLETIN
hatten, auf dem Pumptrack gefahren sind», erinnert er sich. «Manche hatten alte, rostige Bikes, andere nicht einmal Pedale, aber sie sind trotzdem stundenlang rumgeflitzt. Ich hatte Tränen in den Augen. Und dachte mir: Das müssen wir überall auf der Welt möglich machen.» Das erste Projekt unter dem Titel «Pump for Peace» ist die Anlage in Roma. Die Bauarbeiten dauern knapp vier Wochen. Eine Herausforderung für Caluori und sein Team. Bagger und Geräte sind
in der abgelegenen Gegend schwer aufzutreiben. Schliesslich bekommt das Team Hilfe von Menschen aus der Stadt, die Material besorgen oder mit blossen Händen anpacken – der Pumptrack wird so zu einem Gemeinschaftsprojekt. Um die Instandhaltung kümmern sich seither die Leute aus Roma. «Sobald die Strecke fertig war, wurde die Gemeinde aktiv», erinnert sich Caluori. «Die Leute organisierten ein Fahrrad-Leihsystem für Kinder, hielten die Strecke in Schuss und 71
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Makhetha ein Fahrradgeschäft in Roma. Er verleiht und repariert Fahrräder zu einem günstigen Preis. Jeder soll Rad fahren können, wie arm er auch sein mag. Khothalang Leuta, die junge Spit zenathletin, trifft man regelmässig in seinem Laden. Denn sie fährt ein Bike, das sie sich hier ausleiht.
Rund um die Rennstrecke entstehen auch Freundschaften
BIKER-SZENE Khothalang (oben) ist das Vorbild für die Jungen und Mädchen in Roma. Ihr Kollege Karabelo Mohapi (unten) gehört ebenfalls zur Pumptrack-Clique der Stadt.
Weil Bagger und Geräte fehlen, packt die ganze Stadt mit an. 72
veranstalteten jede Woche kleine Events. Das Ganze ist mittlerweile weit mehr als eine Sportstätte.» Tumelo Makhetha koordinierte da mals die Freiwilligen. «Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem wir asphal tierten», erzählt er. «Wir mussten den Boden in die richtige Form bringen. Das war stundenlang harte Arbeit.» Neben seinem Job als Eventmanager betreibt
«Khothalang war das erste Mädchen, das sich für den Pumptrack interessiert hat», sagt Makhetha. «Ich kenne sie, seit sie mit dem Radfahren angefangen hat. Ich hätte damals nicht gedacht, dass sie dranbleibt. Weil sich die meisten Mäd chen einfach nicht so für Sport inter essieren wie Jungs. Wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht daran geglaubt, dass sie auf das Level kommen würde, auf dem sie jetzt ist.» Je mehr Zeit Khothalang auf dem Pumptrack verbringt, desto besessener wird sie. Die Achtzehnjährige studiert YouTube-Videos von BMX-Fahrern aus der ganzen Welt. Probiert deren Tricks auf der Bahn. Khothalang ist zwar als «Geschwindigkeitsmonster» bekannt, hat aber auch einige Überraschungen auf Lager. Hin und wieder kann man sie bei Sprüngen über Rampen beobachten, die sie mit kreativer Streckenführung oder ihrem Spezialtrick kombiniert, dem Mega Manual. Da sie so viel Zeit auf dem Track ver bringt, findet sie Freunde unter den an deren Fahrern. Am besten versteht sie sich mit Kopano Matobo, Mosito Mohapi und dessen Cousin Karabelo Mohapi. Leuta kennt die drei schon seit sie ein kleines Mädchen war, echte Freund schaft wurde daraus aber erst auf der Rennstrecke. Von Leutas Ehrgeiz verschont bleibt freilich keiner der Jungs. Die vier disku tieren ständig, wer von ihnen am schnells ten ist. Leuta hat Kopano Matobo schon einmal besiegt und behauptet, auch Mosito Mohapi geschlagen zu haben. Spricht man ihn darauf an, streitet er alles ab, lächelt dabei aber. «Khothalang arbeitet hart», sagt er, «sie motiviert uns und hat auch andere Mädchen inspiriert.» THE RED BULLETIN
DER TREFFPUNKT Im Bikeshop von Tumelo Makhetha in Roma können die Einwohner ihre Räder kostengünstig reparieren lassen. Sportler der Pumptrack-Szene versorgen sich mit neuen Modellen. Hier im Bild prüft Khothalang ein Bike.
«Ich habe jeden Tag für diese Chance trainiert», sagt Khothalang. Nun fliegt sie erstmals zu einer WM.
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Mosito wird gemeinsam mit Khothalang nach Portugal fahren. Für ihn ist es bereits die zweite Weltmeisterschaft. Bei der letzten im Jahr 2019 in der Schweiz schaffte er es unter die Top 30. Leuta war auch damals schon mit im Ren nen, verpasste aber knapp die Qualifika tion. Eine bittere Erfahrung, von der sie sich aber nicht entmutigen liess. Im Ge genteil, sie bezog daraus die Motivation, noch besser zu werden: «Ich habe danach fast jeden Tag für die nächste Qualifika tion trainiert, auch am Wochenende.»
Ihre Karriere widmet sie ihrem verstorbenen Vater
Ihr Selbstvertrauen, ihre Entschlossen heit und ihren Willen führt Leuta auf ihren Vater zurück, der eine äusserst prägende Figur in ihrem Leben war. «Er hatte ein gutes Herz und kümmerte sich sehr um mich», sagt sie. «Er brachte mir bei, niemals aufzugeben. Und er brachte mir bei, wie man ein Rad repariert.» Khothalangs Vater stirbt 2010 bei einem Autounfall. Sie ist damals gerade in der ersten Klasse. Sie vermisst ihn, aber seine
Werte sind immer ihr noch eine Orien tierung in ihrem Leben. «Er wäre stolz gewesen, wenn er gesehen hätte, wo ich jetzt bin», sagt Leuta. «Er hat mir immer gesagt, ich soll das machen, was ich will. Und mich durch nichts und niemanden davon abhalten lassen.» Die Red Bull UCI Pump Track Weltmeisterschaft hat für sie daher eine besondere Bedeutung – sie ist eine Erinnerung an ihren Vater und eine Möglichkeit, ihre Familie stolz zu machen. Khothalang freut sich auf die Reise nach Portugal. Es wird das erste Mal sein, dass sie in einem Flugzeug sitzt. Sie weiss, dass sie nicht nur sich selbst repräsentiert, s ondern eine komplette Stadt, die hinter ihr steht. «Viele Leute sind stolz auf mich», sagt Leuta. «Ich glaube, ich kann eine Inspi ration für die Mädchen sein. Ich wollte immer schon ins Ausland. Und ich hoffe, ich kann alle zum Staunen bringen, wozu ein Mädchen aus Roma imstande ist.» Mehr über Khothalang in der Dokumentation «The Fastest Girl in the Village» auf Red Bull TV
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DER MANN IM
EIN TRAUM WIRD WAHR
Star-Freerunner Pasha Petkuns, 28, im weltgrössten Flipper in London
RIESENFLIPPER
Freerunning
«Mir doch egal, was die anderen von mir denken»: Mit diesem Mantra katapultierte sich PAVEL «PASHA» PETKUNS in den Olymp der Freerunner, und in eine glückliche Ehe – mit einem Pornostar. Sein jüngster Coup: Er verwandelt sich in die Kugel eines 20 Meter hohen Flipperautomaten. Text HOWARD CALVERT Fotos LEO FRANCIS
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Freerunning
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ls Kind, erinnert sich Pavel Petkuns, wollte er so sein wie die Ninja Turtles, diese grünen ComicSuperhelden in Form von mutierten Schild kröten, die im Fernsehen der 1990er-Jahre das New Yorker Kanalsystem unsicher machten. «Meine Freunde und ich», erzählt er, «haben alle ihre Bewegungen nachgemacht. Und um vier Uhr Nachmittag sind wir dann nach Hause gelaufen, um die Sendung nicht zu verpassen.» Nachsatz: «Ich war immer Raphael – das war mein Liebling.» Heute ist Pasha Petkuns Draufgänger von Beruf: Der 28-Jährige ist einer der besten Freerunner der Welt. Mit einer Mischung aus Bodenturnen, Breakdance-Moves und Kampfsport- Elementen verwandeln Sportler wie er jede urbane Umgebung in einen Spielplatz. Bereits 2009, da war er gerade einmal sechzehn, machte er mit einem selbst gedrehten Video erstmals in der Szene von sich reden. Dann gewann der Mann aus Daugavpils dreimal hintereinander den globalen Freerunning-Wettbewerb Red Bull Art of Motion, zwei Parkour-Weltmeistertitel folgten. All das brachte ihm den ehrfurchtgebietenden Spitznamen «The Boss» ein. Mittlerweile zogen seine akrobatischen Tricks auf TikTok 5,2 Millionen Follower an, auf Instagram folgen ihm 1,3 Millionen Menschen. Trotz all seiner Erfolge ist Pasha Petkuns ein Träumer geblieben. Ein Traum beginnt zum Beispiel damit, dass er sich plötzlich in einem Flipperautomaten wiederfindet. Der «Plunger», wie der Kolben mit Aufziehfeder im Fachjargon heisst, schiesst ihn als menschliche Flipperkugel in die Maschine. Und dann kommt, was kommen muss: Die Kugel wird zwischen den verschiede nen Attraktionen des Automaten hin und her 76
BITTE FESTHALTEN
Petkuns klammert sich im vertikal aufgebauten, 20 Meter hohen Flipper fest.
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SPIELPLATZ
Eine Fotomontage zeigt die mensch liche Flipperkugel in Action.
geschleudert. Wie die meisten Flipper hat auch der aus Petkuns’ Traum ein Thema: berühmte Sehenswürdigkeiten aus aller Welt – von der Spitze des Pariser Eiffelturms fliegt Pasha zur Chinesischen Mauer, und von dort zu einer Maya-Pyramide. «Cut!», ruft Regisseur Mike Christie, und ein erschöpfter Pavel Petkuns fällt vorbei an zwei kräf tigen Männern, die die Flipperfinger mit Hebeln bedienen, und landet sicher auf einer Matte. «Davon träume ich schon lang», kommentiert Petkuns später das absurde Schauspiel. Wir befinden uns in einem gigantischen Hangar im Nordwesten Londons, hier hat Pasha Petkuns’ verrückter Traum Gestalt angenommen: Die in Flutlicht getauchte Kulisse ist mit Worten kaum angemessen zu beschreiben; nicht einmal Fotos geben auch nur ansatzweise den Wahnsinn wieder, der hier tatsächlich stattfindet. Eine Wand, fünf Stockwerke hoch, erhebt sich in einem Winkel von 45 Grad bis zur Decke. An der Vorderseite sieht man alles, was einen Flipper so ausmacht – von hinten beleuchtete Bumper, riesige Flipperfinger, Slingshots und Kicker. An der Rückseite: ein gitterartiges Gerüst, der der 23 Tonnen schweren Konstruktion Stabilität verleiht. Auf einer Hebebühne sitzt ein Kameramann, über ihm schwebt eine Drohne. Die Anfänge des Projekts liegen bereits über ein Jahrzehnt zurück. «Die Konstruktion war die grösste Herausforderung», erklärt Regisseur Christie, der 2013 auch schon den reichlich surrealen Film «Imaginate» mit der Bike-Trial-Legende Danny MacAskill drehte. «Es hat allein acht Monate gedauert, um auszutüfteln, wie wir es bauen sollen.» Über zwei Jahre dauerten dann die Ausführung und die Testphase. «Die meisten Unternehmen, an die wir uns deswegen wandten, fanden die Idee zwar lustig, hielten uns aber für völlig geistesgestört.» Die Fortbewegung in der Flipperwand ist am ehesten mit einer Fahrt in einem Wildwasserkanal zu vergleichen. Man fühle sich, versucht es Pasha Petkuns in Worte zu fassen, als würde man gleichzeitig stehen und liegen. «Ich spiele mit der Schwerkraft», sagt er. Insgesamt sei das eine gewöhnungsbedürftige Übung: «Am ersten Tag dachte ich: Was hab ich nur getan?! Die Baumeister sagten zuerst: ‹Sieht aus wie ein lustiges Spielzeug.› Doch dann, als sie die Wand bis zur Decke hochgezogen hatten, meinten sie: ‹Das ist kein Spielzeug, das ist ein Mordinstrument!›» Wie hat Pasha Petkuns dann diese Mutprobe bestanden? «Ich musste mich selbst daran erinnern, dass ich für so was bereit war», sagt er, «dass ich trainiert hatte und dass es mir sicher gefallen würde.» Heute, vier Wochen nach dem Start, wisse er genau, was er tue. «Ich kann jetzt meine Geschwindigkeit kontrollieren – man springt nicht auf dieser Wand, man reitet darauf.» 78
EIN SEHR SCHRÄGER SPASS
Allein die Konstruktion des Mega-Flippers nahm drei Jahre in Anspruch.
Petkuns schaut sich die Filmaufnahmen mit Sportdirektor Michael «Frosti» Snow an.
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Freerunning
«Man springt nicht auf dieser Wand – man reitet darauf.»
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SCHWERARBEIT FÜR DAS PERFEKTE FREERUNNING-VIDEO
Ein Kameramann auf seiner voll ausgefahrenen Hebebühne macht sich auf den Weg zur Arbeit.
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ie Leidenschaft fürs Freerunning entwickelte sich bei Pasha Petkuns in seinen Teenagerjahren: Die Ninja Turtles wurden da als Vorbilder von den Martial-Arts-Meistern Jackie Chan und Jean-Claude Van Damme abgelöst. Dazu faszinierten den Halbwüchsigen die Stars der Stummfilm-Ära der 1920er-Jahre – etwa Charlie Chaplin oder Buster Keaton. «Ich versuchte, ihre Sprünge und Bewegungen nachzuahmen», erinnert sich Petkuns. «Später habe ich dann erkannt, dass ich noch viel von ihnen lernen kann – waren sie doch die Ersten, die mit Bewegung experimentiert haben. Wenn ich mir heute ihre Filme anschaue, fühle ich mich wie ein Archäologe: Ich analysiere ihre Bewegungen und probiere herauszufinden, wie sie das hingekriegt haben könnten.» Auch den komischen Aspekt der Filme hat Pasha Petkuns in seine Kunst übernommen. Neben seinen akrobatischen Fähigkeiten ist das humoristische Element vermutlich verantwortlich für die hohe Zahl seiner Follower in den sozialen Medien. «Be wegung ist mehr als nur reine Bewegung», erklärt der Meister. «Bewegung ist auch Kommunikation. Aber im Gegensatz zur Sprache wird Bewegung überall auf der Welt verstanden. A lso erzählen wir Geschichten über Bewegung.» Aber so philosophisch sieht es Petkuns erst heute. Zunächst war er einfach geflasht von den Tricks in den YouTube-Videos: Den Clip «The Russian Jumper» von seinem Landsmann und Parkour-Pionier Oleg Vorslav von 2006 hat er «vielleicht tausendmal gesehen». Da war etwa der «Gainer», ein Rückwärtssalto in der Vorwärtsbewegung, den der junge Pavel unbedingt lernen wollte. «Tricks waren meine Währung», erzählt er. «Ich wollte kein normaler Free runner werden, ich wollte immer anders sein.» Wobei der Hang zum Risiko bei ihm in der Familie liege. Seine Mutter sei einmal aus dem zweiten Stock gesprungen, weil sie sich versehentlich aus der Wohnung ausgesperrt hatte. «Bei der Landung hat sie sich dann die Knie an den Kopf geschlagen», sagt er und lacht. «Mama versteht, was ich mache. Wenn sie jünger wäre, sagt sie, würde sie dabei sein.» Schon früh begann Petkuns, an Wettkämpfen teilzunehmen. Aber wahrgenommen wurde er erst, als er aufhörte, sich an Regeln zu halten. «Mir wurde beigebracht, dass ich die Dinge auf eine ganz bestimmte Art machen muss», sagt Pasha. «Aber wenn 79
Freerunning
Petkuns kennt das. 2013 renkte er sich nach einem vierfachen Salto bei der Landung auf einem Trampo lin den Ellbogen aus. Ein Instagram-Clip hat den grausigen Moment festgehalten – obwohl das Video schon beim Anschauen wehtut, wurde es doch mehr als eine halbe Million Mal angeklickt. Auch heute wird es brenzlig. Bei einem auf den ersten Blick harmlosen Griff spürt Pasha einen leich ten Schmerz in der Hand. Tilt. Kein unnötiges Risiko, ab zur Überprüfung im Spital. Acht Stunden später tritt der Athlet aus einer orthopädisch-chirurgischen Praxis im Norden Lon dons. «Nicht gebrochen!», sagt er strahlend und hält den verletzten Daumen hoch. Der Arzt hinter ihm korrigiert: «Ein kleiner Bruch ist es schon.» «Nur nicht dramatisch werden», feixt Petkuns. Aber, ganz im Ernst: «Ich bin immer froh, eine Verletzung durch lebt zu haben. Das bedeutet, dass ich weiss, was passieren kann und wie ich damit umgehen muss.»
AUF EINEN SPRUNG NACH ARGENTINIEN
Freerunner Pavel Petkuns schaut in Südamerika vorbei.
«Am ersten Tag dachte ich: Mein Gott, was hab ich nur getan?!» ich beschliesse, dass ich, sagen wir, auf dem Gesicht rutschen will, dann mache ich das. Wer sagt, dass das nicht geht? Wenn du dir vorschreibst, ausschliess lich mit den Beinen aufzukommen, dann schränkst du dich damit nur ein. Der Körper ist ein Instrument, und du spielst darauf.» Ein Zugang, der ihm bald nicht nur Siege bei Wettbewerben brachte. Auch Hollywood rief bald an. Petkuns übersiedelte nach Los Angeles und arbeitete als Stuntman – etwa in dem Actionstreifen «6 Underground» von Regisseur Michael Bay (2019) oder in «Wonder Woman 1984» (2020).
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urück am überlebensgrossen Flipper. Pasha Petkuns steht schon wieder ganz oben. Die Crew nimmt ihre Plätze ein für die nächste Einstellung, Sanitäter Chris Hewitt hält die Eisbeutel bereit. «Das sieht immer so leicht aus», sagt er, «aber das ist es nicht. Er setzt seinen Körper enormem Druck aus, da kann immer was passieren.»
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it Dramen kennt sich Pavel Petkuns auch in seinem Privatleben aus: Ende 2020 pos tete er ein Instagram-Video, in dem er vom Rücken der US-Erwachsenenfilm darstellerin Riley Reid einen Salto macht. BegleitText: «So hat der Pimp Flip (wörtliche Übersetzung: Zuhälter-Salto; Anm.) seinen Namen bekommen.» Der Shitstorm war nur eine Frage von Minuten. Weder Petkuns noch Reid (die mit bürgerlichem Namen Ashley Matthews heisst) beteiligten sich an der zuweilen hitzigen Debatte zum Thema Sexismus in der Parkour-Szene. Pasha Petkuns hat sich noch nie darum geküm mert, was die Leute sagten oder von ihm hielten. Sechs Monate nach dem umstrittenen Video feierten die beiden Hochzeit. «Ich habe mich ziemlich schnell in sie verliebt, weil sie so eine wunderbare Persön lichkeit hat», sagt er. «Sie ist die liebste Frau, die ich je getroffen habe.» Jetzt freut er sich darauf, Papa zu werden – und «mit meinem Kind lustige S achen zu machen und überall runter- oder entlangzurutschen.» So ist denn auch der Stunt im Flipperautomaten als Metapher für die Fliehkraft zu sehen, die die Herausforderungen im Kosmos des Pasha Petkuns mitunter entwickeln. Dennoch hat sich der Lette eine simple Sicht auf das Leben bewahrt. «Hab keine Angst, über deine Träume zu sprechen», rät er. «Wenn du ein Kind sein willst, sei kindisch. Wenn du dir eine zwanzig Meter hohe Flipperwand einbildest, dann kannst du das schaffen. Tu einfach, was dich glücklich macht. Ich muss auf niemanden hören, ich muss nur tun, was zu tun ist. Und wenn dieser Moment da ist, dann geniess ihn.» Pasha Petkuns’ Video «Human Pinball» ist ab 24. September abrufbar. QR Code links einscannen oder bei Red Bull TV vorbeischauen: redbull.com THE RED BULLETIN
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RED BULL FLUGTAG 2021.
AUF DEN FLÜGELN DER PHANTASIE.
19. SEPTEMBER, LAUSANNE, BELLERIVE-PLAGE
Die verrücktesten Himmelsstürmer der Schweiz starten endlich wieder durch! Ab 13:00 Uhr steigen tollkühne Pilotinnen und Piloten in ihre fliegenden Kisten, um danach im Genfersee notzuwassern. Für diejenigen, die es nicht verpassen wollen: Türöffnung ab 11:00 Uhr. Alle weiteren Flug-Infos unter:
www.redbull.ch/flugtag
GUIDE Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen
HIER GEHT’S RAUF
LOIC MEILLARD
Gletscher-Skifahren in Zermatt, der Sonnenstube der Schweiz
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GUIDE Reisen
«Der Gletscher ist eine Welt für sich – weit weg vom Alltag und ganz nah an der Sonne.» Skiprofi Loïc Meillard, 24, über die besten Strecken rund um das Matterhorn
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ch bin mit Blick auf das Matterhorn aufgewachsen. Deshalb ist mir dieser Berg seit meiner Kindheit in Hérémence vertraut. Seit sechzehn Jahren trainiere ich jeden Sommer auf dem Theodulgletscher. Und auch von dort sehe ich unseren ikonischen Gipfel, nur aus einem etwas anderen Winkel. Zudem ist die Gletscherregion oberhalb von Zermatt einer der ganz wenigen Orte in den Westalpen, wo wir ausserhalb der Wintersaison trainieren können – die Alternative in der Schweiz ist SaasFee. Zermatt ist fürs Training nicht nur bei uns Schweizern beliebt: Jedes Jahr reisen mehr als 100 Teams aus 22 Ländern zur Vorbereitung an. Und auch für Amateure ist das Skigebiet ein Magnet. Manchmal werde ich gefragt, ob sich die Skiteams und Touristen nicht in die Quere kommen. Aber am weitläufigen Theodulgletscher ist mehr als genug Platz für alle. Die Profis nutzen die ab gesperrten Trainingspisten links und rechts vom Schlepplift am Plateau Rosa. Den zivilen Skifahrern stehen die
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Matterhorn am Horizont: Ski-Fans gelangen ganzjährig aufs Gletscherskigebiet Zermatt.
Lange Abfahrt: Ski-Profi Loïc Meillard knipste dieses Bild während seiner Abfahrt vom Theodulgletscher. THE RED BULLETIN
Oben: Die Fahrt mit den Zermatt-Bergbahnen bietet Aussicht auf Gletscher und Viertausender. Unten: Loïc Meillard beginnt mit seinem Training gern früh am Morgen. Dafür nimmt er die erste Gondel um 6.30 Uhr.
weiteren Pisten in voller Länge und Breite zur Verfügung, um der Wärme im Tal zu entfliehen. Insgesamt stehen bis im Spätsommer 21 Kilometer Piste zur Ver fügung. Im Winter bietet Zermatt über 360 Pistenkilometer. Und das auf bis zu 3 900 Metern über dem Meeresspiegel.
MICHAEL PORTMANN, LOIC MEILLARD, PEDRO RODRIGUEZ, ZOE CHASTAN/SWISS-SKI SIMON SCHREYER
Die Viertausender im Blick Zürich
Anreise Bern
Mit dem Auto: Von Osten über die Hauptstrasse 19, von Westen über die Hauptstrasse 9. Die Abzweigstelle nach Süden ist Visp. Mit der Bahn: Die Matterhorn-Gotthard-Bahn bringt euch von Zürich in zwei einhalb Stunden nach Visp, dort steigt ihr in eine Schmalspurbahn um. Der berühmte Glacier Express verbindet St. Moritz direkt mit Zermatt (Ticket: ab 48 CHF). Infos unter: matterhornparadise.ch THE RED BULLETIN
Schweiz
KANTON WALLIS Sion
Gut zu wissen Bereits seit dem Jahr 1931 ist Zermatt im Sommer wie im Winter autofreie Zone. Bei einem Besuch kann der Pkw im Parkhaus von Täsch
Zermatt
untergestellt werden. Von dort aus ist der Bergort am Fuss des Matterhorns in ungefähr zwölf Minuten per Bahn erreichbar. In Zermatt bringen E-Taxis und Shuttlebusse die Gäste komfortabel zu den Talstationen.
Meine Empfehlung ist: früh aufstehen! Denn ihr wollt sicher nicht im sulzigen Schnee unterwegs sein, sondern die Pisten geniessen, wenn sie frisch prä pariert sind – griffig und krisp. Ab etwa 10.30 Uhr wird der Schnee zu weich. Wir Athleten nehmen daher meistens schon die ersten Gondeln um halb sieben. Die drei Bahnen, die euch vom Tal hinaufbringen, haben ausreichend Kapa zitäten, und der Betrieb geht komplett reibungslos vonstatten. Schon in der Gondel bietet sich euch eine aufregende Aussicht auf die Gletscherzungen und die Viertausender: eine Welt für sich, weit weg vom Alltag und ganz nah an der Sonne. Zu Mittag essen wir am liebsten 85
GUIDE Reisen
im Restaurant Furri, gleich neben der Mittelstation auf halbem Weg herab vom Gletscher. Der Wirt heisst Sepp Furri und ist bekannt für seine herz hafte Rösti mit Ei und Alpkäse. Und wie lässt man einen Tag in Zer matt am besten ausklingen? Meine Kol legen und ich chillen, sobald wir wieder zurück im Tal sind, meist ein Stündchen im Hotel. Dann stehen Meetings am Programm, Physiotherapie, Material check oder ein Besuch im Fitnessraum.
Nach dem Training ist vor dem Kuchen Doch auch Kaffee und Kuchen sind fixer Bestandteil meines Tagesablaufs. Mein Tipp: Das Café Petit Royal mit der besten Rüeblitorte und frisch zubereite tem Eistee. Die Betreiberin Aleksandra vermittelt ihren Gästen das gemütliche Gefühl, fast daheim zu sein. Abends gehe ich am liebsten japanisch essen – und zwar im Fuji of Zermatt. Dort könnt ihr Sam, dem 86
«Steht früh auf! Ihr wollt die Pisten geniessen, wenn sie frisch präpariert sind.» Loïc Meillard
Sushi-Meister, auch bei der Zuberei tung zusehen. Das Einzigartige am Gletscher- Skifahren im Sommer und im frühen Herbst ist, dass ihr von Zermatt mit 25 Grad Celsius in knapp dreissig Minuten die Jahreszeit wechseln und euch ein paar Stunden lang einem ab soluten Winterfeeling hingeben könnt. Für Freestyler gibt der Snowpark Zermatt alles her: vom Slopestyle über ProLine, Triple Station und Rail Garden bis hin zu Transitions und einer Mini Pipe. Das Shred Coffee wartet mit Snacks und DJ-Sounds auf. Abseits vom Skibetrieb kann man die hochalpine Gegend mit dem (E-)Mountainbike sowie auf Skitouren und Schneeschuh-Ausflügen erkunden. Helikopterrundflüge mit der Air Zermatt sind ein Erlebnis, und Bergsteiger sind hier sowieso im Paradies. Mehr über Loïc: loicmeillard.ch Infos und Preise: matterhornparadise.ch THE RED BULLETIN
ZOE CHASTAN/SWISS-SKI, LORENZ RICHARD/RED BULL CONTENT POOL
Kennt die schönsten Abfahrten: unser Travel-Guide Loïc Meillard am Theodulgletscher
Nimm AN der ultimAtiveN gps trAilruNNiNg CHAlleNge teil
1. August - 30. september 2021 Werde Mitglied beim Red Bull Switzerland Club auf Strava Wähle einen atemberaubenden Ridge aus Versuche die Zeiten von den Schweizer Top Athleten Judith Wyder oder Rémi Bonnet zu schlagen Info & Anmeldung auf
redbull.Com/ridges Hoher Kasten – Fronalpstock – brienzer rothorn – Jakobshorn – rinerhorn Weissfluhgipfel – Lägern – Chasseral – Moléson – Mont de l’Arpille – Monte Bré
GUIDE Uhren
TAK-TICK
Zeit für 007 Eine Uhr für James Bond – eine spannende Aufgabe für Omega. Dafür gab es Unterstützung von Darsteller Daniel Craig.
Omega passte perfekt in dieses Muster, besonders seine Taucheruhrenserie Seamaster, inspiriert von den Uhren der britischen Marine im Zweiten Weltkrieg: stilvoll und elegant, vor allem aber: praktisch.
Perfekter Look: Dafür gab Daniel Craig Omega interessante Tipps.
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Vor dem neuesten Abenteuer «Keine Zeit zu sterben» durfte sich der Hersteller im Entwicklungsprozess prominent beraten fühlen: «Ich bin mit ein paar Vorschlägen gekommen», sagt Bond-Darsteller Daniel Craig, «und sie haben mitgemacht.» Die Rede ist von der Omega Seamaster Diver 300M 007. Craigs Einflüsse finden sich in der Verwendung von leichterem Titan anstelle von Edelstahl – «Der Unterschied sind nur wenige Gramm, trotzdem kann ich sie tragen, ohne darüber nachzudenken» – und im zusätzlichen NATO-Armband wieder. Omega verpasste der Uhr zudem Zahlen und Indizes in «tropischem» Braun, um zu kennzeichnen, wo 007 zu
Beginn des Films in seinem Leben steht. «Auf Jamaika, auf seinem Boot, quasi in Pension», erklärt Craig. «Das leuchtet total ein.» Dann ist da noch der militärische Konnex sowie eine Anspielung auf Bonds ursprünglichen Hintergrund als Marinekommandant bei Ian Fleming, dem Autor der Originalromane. Oberhalb des 6-Uhr-Zeichens finden sich Insignien, die auf jeder britischen Militär uhr auftauchen – der «breite Pfeil» – und auch auf der Rückseite gespiegelt werden, nämlich oberhalb der Inschrift 0552 (dem Code für die Marinebesatzung), 923 7697 (für eine Taucheruhr), A (für eine Krone zum Hineinschrauben) und 007 62 (für Bonds berühmte Kennzahl und das Beginnjahr der Filmreihe). «Omega und das britische Militär, die ganze Tradi tion ist da», freut sich Craig. «Diese Zusammenhänge waren mir wichtig.» «Keine Zeit zu sterben» läuft ab 30. September im Kino. Mehr über die Omega Seamaster Diver 300M 007 auf omegawatches.com THE RED BULLETIN
TOM GUISE
Wie sein Auto und seine Bekleidung muss Bonds Uhr verkörpern, wer er ist.
OMEGA
James Bond und Omega – das ist eine Beziehung, die schon mehr als ein Vierteljahrhundert währt. Begonnen hat alles mit «GoldenEye» im Jahr 1995. Von entscheidender Bedeutung: dass des Geheimagenten Chronometer ebenso wie sein Auto, seine Bekleidung, sein Getränk der Wahl und seine musikalische Untermalung klarmachen, wer er ist. Ein Mann der Gegensätze: Charmeur und Draufgänger, glamourös und diskret, mit exklusiven Accessoires des Geheimdienstes Ihrer Majestät.
Zeichen der Zeit: Der «breite Pfeil» unten am Zifferblatt findet sich auf allen Uhren des britischen Militärs.
GUIDE Event-Special Über Holz-Hinder nisse, durch den Fluss, am Seil hoch und durchs Schlosstor: Den Läufern wird bei Red Bull Conquête du Château alles abverlangt.
16. OKTOBER
Über Stock und Stein DOM DAHER/RED BULL CONTENT POOL(4), LORENZ RICHARD/RED BULL CONTENT POOL SIMON SCHREYER
Red Bull Conquête du Château ist Trailrunning mit einem Hauch von Abenteuer. Als Finale gibt’s den Sturm auf ein 750 Jahre altes Schloss. Rund 15 Kilometer durch Wälder und Wiesen, um ein Schloss zu erobern. Klingt wie der Jugend traum eines Ritters. Doch genau darum geht es beim Red Bull Conquête du Château, dem Ad venture Running Race, das die ses Jahr zum zweiten Mal in der Region Gruyère stattfindet. Die Trailrunnerinnen und Trailrunner müssen sich dabei über vielfäl tige Hindernisse kämpfen: durch Schlamm, durchs Unterholz und über die 45 Grad steile Flanke des Schlossberges. Start für die Teilnehmenden ist das Seeufer von Morlon, Ziel ist das 750 Jahre alte Schloss Greyerz. Wer wird die Burg als Erste(r) erobern? Der Event findet am 16. Oktober in der Region Gruyère statt. Gestartet wird in Morlon. 1500 Startplätze sind zu vergeben, Anmeldeschluss ist der Eventtag. Infos: redbull.com/conquete THE RED BULLETIN
Hier spricht der Laufprofi Rémi Bonnet schafft es, in 30 Minuten 1000 Höhenmeter hochzurennen und dabei Spass zu haben. Hier sind seine Tipps fürs Rennen. the red bulletin: Rémi, du bist zum ersten Mal beim Red Bull Conquête du Château dabei. Worauf freust du dich? rémi bonnet: Auf einen Tag voller Laufspass und ein Wiedersehen mit Freunden und Kollegen. Ich komme ja aus Charmey, und der Schlossberg ist sozusagen mein Trainingsgelände.
Welche Tipps kannst du den Teilnehmenden verraten?
«Esst davor kein Fondue!» Rémi Bonnet, 26, Bergläufer, Skibergsteiger und Skyrunner
Esst am Vorabend genügend Kohlenhydrate, aber nichts zu Schweres … also vielleicht eher kein Fondue. Ich geneh mige mir immer eine Portion Pasta. Am Morgen vor dem Wettbewerb frühstücke ich meist Toast mit Marmelade oder Honig. Und wie sieht’s mit dem Equipment aus? Nehmt nicht eure box freshen Trailrunning-Schuhe, sondern lieber alte Schuhe mit gutem Grip. Denn es gilt auch Schlammgruben zu überwinden. Auch dünne Handschuhe sind kein Fehler. Damit schützt ihr eure Hände, wenn ihr euch an Ästen oder an den fixierten Seilen am Schlossberg fest halten wollt. 89
INS ARCHIV GESCHLÜPFT
WINTERLAUF ZUM JAHRESENDE
COLMAR × VASEGHI
Ein Sport- und Volksfest: Beim Zürcher Silvesterlauf gehört die Stadt ganz den Läuferinnen und L äufern. In diversen Kategorien werden Distanzen zwischen 1,5 km und 9 km zurückgelegt. Von verkleideten Spassläufern bis zu internationalen Elite-Athleten können alle teilnehmen. silvesterlauf.ch
ZÜRCHER SILVESTERLAUF AM 12. DEZEMBER
Zum dritten Mal hat das italienische Familienunternehmen einem Designer die Chance gegeben, in den Firmenarchiven zu stöbern. Morteza Vaseghi nutzte die Chance und schuf eine kuschelig-moderne Winterkollektion. colmar.it
NICHT ZU ÜBERSEHEN Rock für aussen drüber – fein für frische Tage
Richtig gutes Zeug Der Herbst kann was – wie wir hier zeigen. Mit besten Empfehlungen der Redaktion. Text WOLFGANG WIESER
POET-ZERO Ein Würfel (Kantenlänge: 22,4 cm), der so klingt, wie er aussieht – fantastisch. Entwickelt wurde der Bluetooth-Lautsprecher von Ton ingenieuren und Musikern in Graz. Ihr Versprechen: perfekter Hi-Fi-Sound, der Aug’ und Ohr erfreut. poetsoundsystems.com
SOUND ZUM GERNSEHEN Klarer Sound, klare Optik – der Lautsprecher von Poet
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FRANCESCO PONZONI, ALPHAPHOTO.COM, POET AUDIO, KARL LAGERFELD(2), GRILLTISCH HEDINGER, MAISON MARGIELA, THE FLOW
WÜRFEL FINDET GEFALLEN
GUIDE Tipps & Trends
EIN FEURIGER ANBLICK EIN GRILLTISCH FÜR GEMÜTLICHE GENIESSER An diesem Grilltisch darf sich jeder Gast sein Essen nach Lust und Laune grillieren, ohne aufzustehen. Eingefeuert wird in der Mitte des Tisches – auch Feuersteine und Pfannen dürfen mit rauf. grilltisch-hedinger.ch
BUNTES TREIBEN Tote Bag aus der Kooperation von Lagerfeld und Ize
HOMMAGE AN DIE SURFKULTUR BILDBAND FÜR SURFFANS «The Flow» heisst das Buch der Schweizer Dominik Baur und Biliana Roth. Es ist eine Liebeserklärung an die Surfkultur im Westen Europas. Dafür erkundete das Paar die schönsten Surfspots an der Atlantik- und Mittelmeerküste. benteli.ch
SO DUFTET EIN SPAZIERGANG DEN HERBST TRAGEN KARL LAGERFELD × KENNETH IZE
Kenneth Ize, Designer
Schöne neue Modewelt – Kenneth Ize, nigerianischer Designer mit Ausbildung an der Wiener Angewandten, hat für das Label Karl Lagerfeld eine farbenfrohe, optimistische Kollektion entworfen. Passt perfekt zum bunten Herbstwald. karl.com
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REPLICA AUTUMN VIBES Laub raschelt, Moos wächst auf Bäumen, die Blätter fallen – als Parfümeurin Fanny Bal diesen Duft entwickelte, spazierte sie durch einen Herbstwald. Und genau den riechen wir auch. @maisonmargielafragrances
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B O U L E VARD DER HEL DEN
BOB DYLAN & BOBBY FISCHER
KÖNIGSSCHACH
Serie: MICHAEL KÖHLMEIER erzählt die aussergewöhnlichen Geschichten inspirierender Figuren – faktentreu, aber mit literarischer Freiheit. Folge 5: Der Sänger und der Schachweltmeister, Treffen zweier Exzentriker.
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BENE ROHLMANN, CLAUDIA MEITERT MICHAEL KÖHLMEIER
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GETTY IMAGES (2)
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obin Loggie, einer der Manager Partien auf einem Brett nach freier Wahl. von Bob Dylan, wollte dem Fischer soll sehr aufgeregt gewesen sein, Rockstar zu dessen fünfundvier berichtete der Manager. zigstem Geburtstag eine Schach Am 23. Mai 1986 holte Robin Loggie partie mit Weltmeister Bobby Bobby Fischer mit einer Limousine am Flug hafen von Los Angeles ab, und sie fuhren Fischer vermitteln. Loggie hielt die Idee nach Malibu, wo sie in Loggies Haus in der geheim, selbst vor seiner Frau und deren küstennahen Colony Road bis knapp vor Sohn. Denn erstens war es nicht sicher, MICHAEL KÖHLMEIER Der Vorarlberger Mitternacht warteten. Fischer hatte ein Ge ob er Erfolg haben würde, zweitens war Bestsellerautor gilt schenk mitgebracht, ein altes Schachspiel, in Dylans unmittelbarer Umgebung eine als bester Erzähler nicht sein erstes, aber sein zweites oder Art Wettbewerb ausgebrochen, der umso deutscher Zunge. drittes. Die Figuren waren so abgegriffen, kopfloser wurde, je näher der 24. Mai 1986 Zuletzt erschienen: dass sich Schwarz und Weiss kaum mehr rückte: Wem gelingt es, dem Chef etwas «Die Märchen», voneinander unterschieden. Ein wertloses zu schenken, das ihn einigermassen in 816 Seiten, Verlag Carl Hanser. Ding, aber durch den, der es gebraucht Erstaunen versetzt? hatte, wertvoll geworden: ein originelles Es ging nicht um wertvolle Dinge, daran Geschenk. Loggie gab Fischer einige Instruktionen, lag diesem Mann nicht viel. Es ging darum, ihn zu und schliesslich fuhren sie hinaus zu Dylans Haus, überraschen. Originalität! Der aufbrausenden Ent scheidungswut Dylans wäre es zuzutrauen gewesen passierten die Wachen und betraten über den Strand – so Loggie –, dass er als Dank die Hierarchie seines die Veranda. Managements neu ordnete. Loggie war neu im Rock Dylan sei allein gewesen. Er war auch nicht be zirkus, hatte aber bereits begriffen, dass Mister Dylan trunken. Loggie sagt, er sei auf der Veranda gesessen den Gesetzen dieses Zirkus nicht folgte, ja dass er diese und habe mit sich selbst Schach gespielt. Das habe er geradezu verabscheute. damals oft getan. Er beauftragte eine Detektei in Santa Monica, den ylan erkannte Bobby Fischer sofort. Die Wirkung Schachgrossmeister aufzuspüren und sich mit ihm in war überwältigend. Auf beiden Seiten. Es seien Verbindung zu setzen, verschwieg aber, worum es sich sich diese zwei Grossen, diese Giganten, gegen handelte. Mr. Bob Dylan wolle Mr. Bobby Fischer spre chen, das war alles. Das musste genügen. Das würde übergestanden wie kleine Fans – Dylan in einem in aller Welt genügen, warum nicht beim originellsten schmutzigen T-Shirt und Shorts mit grün-roten Rau ten, Fischer in dunklem Anzug, weissem Hemd und Schachspieler der Welt? Der Erfolg war prompt. Es Krawatte – und hätte nicht er, Loggie, eingegriffen, stellte sich heraus, dass Fischer Dylan ebenso bewun derte wie Dylan Fischer. Die Detektei organisierte ein hätte es geschehen können, dass gar nichts geredet Treffen zwischen Loggie und Fischer in Albuquerque, worden, dass gar nichts geschehen wäre. New Mexico, und Loggie, der es gut verstand, Men Loggie nahm den beiden sehr vorsichtig, mit viel schen in die Augen zu sehen, trug dem Schachmeister Fingerspitzengefühl, die Schüchternheit. Er habe sein Anliegen in aller Offenheit vor: eine oder zwei Drinks gemixt, die beide abgelehnt, Witze gerissen,
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B OU L EVAR D DE R HE L D E N
über die sie nicht gelacht hätten. Schliesslich habe er Bobby Fischer an das Geschenk, nämlich dieses alte Schachspiel, erinnert. Das erste Spiel – noch auf Dylans Brett übrigens – sei nichts weiter gewesen als ein Nachstellen der Weltmeisterschaftspartie Fischer gegen Spasski 1972. Dylan kannte die Partie auswendig, und Fischer er innerte sich auch noch recht gut. Dylan fragte, ob es unbescheiden wäre, wenn er seine Interpretationen dazu abgäbe, und Fischer hörte aufmerksam zu. Er gehe davon aus, sagte Dylan, so jedenfalls offenbare sich ihm diese Partie, dass Fischer schon nach den ersten acht bis zehn Zügen das Ende geahnt, wenn nicht sogar schon vorausberechnet habe. Die Partie ähnle in ihrem Aufbau einem Spielfilm aus den dreissiger Jahren – eine überlange, flach ansteigende Exposition, die plötzlich zum Höhepunkt aufschnellt –, nämlich dort, wo Spasski seinen Springer zu opfern glaubt, in Wahrheit jedoch sowohl den Springer ver liert als auch in der Folge den Turm blockiert, und das Ganze, ohne Fischers Königsbauern zur Deckung der Dame zu zwingen, wie Spasski es vermutlich geplant hatte. Von da an, so Dylan, nehme die Partie einen auch für den Laien voraussehbaren Verlauf, der zwar kürzer, aber ähnlich flach abfalle, wie die Exposition aufgestiegen sei. Zum Schluss: ein einfaches Matt ohne Schnörkel. Bobby Fischer gab ihm recht. Dylan war begeistert – von der Partie und von seiner Interpretation – und fragte, ob Fischer ihn zur Gitarre singen hören wolle.
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oggie, der die beiden die ganze Zeit schweigend betrachtet hatte, bat Dylan um den Vorzug, die Gitarre aussuchen zu dürfen. Er ging ins Haus und atmete erst eine Weile tief durch. Die Gitarren waren überall verstreut, lagen auf einem Sofa und auf dem Küchentisch, im Schlafzimmer neben dem Bett standen gleich vier E-Gitarren, merkwürdigerweise war aber kein Verstärker da. Er entschied sich für eine alte Gibson, er meinte, die würde gut zu dem alten Schachbrett mit den alten Figuren passen, das Bobby Fischer mitgebracht hatte. Dylan hatte das Instrument zu irgendeinem früheren Geburtstag von irgend jemandem geschenkt bekommen, es hatte irgendwann irgendeinem Bluesmusiker gehört, Loggie hatte ver gessen, wie der Musiker hiess. Dylan spielte ein altes Lied und ein neues – «To Ramona» und «Dark Eyes». Fischer habe zugehört, die Beine weit von sich gestreckt, die Hände über dem Gürtel gefaltet, die Augen geschlossen. Da sei alles noch wunderbar gewesen.
«Bob Dylan spielte schnell und nachlässig, es war ja nur eine Formsache.» 94
Aber dann forderte Bobby Fischer Bob Dylan zu e iner Partie auf – so war es ausgemacht –, und zwar auf ebenjenem alten Brett mit den abgegriffenen Figuren. Dylan habe Weiss gezogen und die Partie begonnen. Er habe schnell und nachlässig gespielt, es sei ja nur eine Formsache gewesen, so sah es auch Loggie. Eine Ehrensache, nichts Ernsthaftes, und es sei auch nicht zu erwarten gewesen, dass mehr als eine Partie gespielt werden würde und dann vielleicht noch Revanche. Fischer allerdings habe sich auf jeden Zug konzen triert. Es sei zwar keine Zeit ausgemacht worden, aber er habe bei jedem Zug mehrere Minuten verstreichen lassen, und Loggie dachte noch, es sei zwar anständig von dem Grossmeister, dass er seinen Gegner nicht gleich vom Brett putzte; aber es kam ihm doch irgend wie kindisch vor, mit wie viel Anstrengung er diese Anständigkeit vorführte. Um es kurz zu machen: Dylan gewann die Partie. Gefreut habe er sich darüber nicht. Gewundert habe er sich. Beide hätten sich gewundert. Und Loggie wunderte sich auch. Die Stimmung sei nicht mehr so besonders gewesen. «Das ist ein Geburtstagsgeschenk wie eine Kau gummiblase», sagte Dylan. «Solange man sie für Vollgummi hält, durchaus imponierend.»
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ischer versicherte, er habe ihn nicht absichtlich gewinnen lassen, im Gegenteil, er habe Dylan sogar bis zu den letzten vier Zügen zu jener Partie gezwungen, die Bogoljubow und Reti 1925 in BadenBaden gespielt hätten. Einen Gegner zu einem be stimmten Spiel zu zwingen sei bei weitem schwieriger, als ein Spiel zu gewinnen. Erst beim viertletzten Zug sei Dylan ausgebrochen, und er, Fischer, habe ver mutet, Dylan wolle ein Erstickungsmatt anstreben in der Art von Budrich gegen Gumprich 1950, und er habe sich rundum darauf eingestellt und dann … «Ich bin ein Naiver», sagte Dylan. Mehr sagte er nicht. Loggie stellte erneut die Figuren auf und drehte das Brett um. Dylan gewann wieder. Er wurde zornig. Diesmal habe er sogar saumässig gespielt, sagte er. Fischer sagte gar nichts. Er schaute auch nieman den an. Dylan nicht, Loggie nicht. Nur das Schach brett schaute er an. «Vielleicht liegt es an den Figuren und an dem schlechten Licht», sagte Loggie. Er habe es ja nur gut gemeint – reden, reden, locker sein, habe er sich gedacht, wenn ich als das Arschloch aussteige, ist alles gut. «Bei diesem schlechten Licht kann es doch passieren, dass sich der eine oder andere bei den Figuren vergreift und anstatt Schwarz Weiss zieht oder umgekehrt.» «Was heisst hier der eine oder der andere?», fragte Dylan, ziemlich scharf, den Kopf gesenkt, die Augen blitzend. «Und wer, bitte, ist hier der eine und wer der andere?»
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«Weiss und feucht im Gesicht sei Bobby Fischer dagesessen, die Hände zu Fäusten geballt.» Natürlich sei er, also Dylan, der eine und dieser, also Fischer, der andere, habe ihm Loggie eilig zugeflüstert.
Dylan ging auf und ab und kaute an seinen Fingernägeln, und schliesslich lief er zum Strand hinunter und verschwand in der Dunkelheit. «Sie müssen sich bei ihm entschuldigen», sagte Loggie zu Fischer. Bobby Fischer nickte kurz, erhob sich und ging Dylan nach. Was unten am Strand geschah, wusste Loggie nicht. Er habe die beiden allein gelassen, das sei ja klar. Er habe die Gitarre ins Haus zurückgestellt, die feuchte Luft hätte ihr schaden können, er habe gewartet bis gegen vier Uhr, dann habe er geseufzt und sei nach Hause gegangen.
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lle Lichter auf der Veranda wurden angezündet und eine dritte Partie aufgelegt. Dylan gewann abermals. Weiss und feucht im Gesicht sei Bobby Fischer dagesessen, die Hände zu Fäusten geballt. Dylan sei aufgesprungen, gleich nach seinem MattZug, und habe dem Korbsessel einen Tritt versetzt. Fischer rührte sich nicht von der Stelle, zwischen den Fäusten das Schachbrett, so sass er da. In seinem schwarzen Anzug. Und still war es auf der Veranda. Nur der Pazifik. Nur der Pazifik.
Michael Köhlmeiers Geschichten gibt es, von ihm selbst gelesen, auch zum Anhören im Podcast-Kanal von The Red Bulletin. Zu finden auf allen gängigen Plattformen wie Spotify und auf redbulletin.com/podcast. Oder einfach den QR-Code scannen.
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RICARDO NASCIMENTO / RED BULL CONTENT POOL
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Aktuell erscheint The Red Bulletin in sechs Ländern. Das Cover unserer FrankreichAusgabe zeigt Kilian Bron, Mountainbiker und YouTube-Sensation (ansehen, unbedingt!), der die schönsten Spots der Welt auf seinem Bike erkundet. Mehr Geschichten abseits des Alltäglichen findest du auf: redbulletin.com
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Gesamtleitung Alexander Müller-Macheck, Sara Car-Varming (Stv.) Chefredaktion Andreas Rottenschlager, Andreas Wollinger (Stv.) Creative Direction Erik Turek, Kasimir Reimann (Stv.) Art Direction Marion Bernert-Thomann, Miles English, Tara Thompson Grafik Martina de Carvalho-Hutter, Cornelia Gleichweit, Kevin Goll Fotoredaktion Eva Kerschbaum (Ltg.), Marion Batty (Stv.), Susie Forman, Tahira Mirza, Rudi Übelhör Digitalredaktion Christian Eberle-Abasolo (Ltg.), Marie-Maxime Dricot, Melissa Gordon, Lisa Hechenberger, Elena Rodriguez Angelina, Benjamin Sullivan Head of Audio Florian Obkircher Special Projects Arek Piatek Managing Editors Ulrich Corazza, Marion Lukas-Wildmann Publishing Management Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Melissa Stutz, Anna Wilczek Managing Director Stefan Ebner Head of Media Sales & Partnerships Lukas Scharmbacher Head of Co-Publishing Susanne Degn-Pfleger Projektmanagement Co-Publishing, B2B-Marketing & Communication Katrin Sigl (Ltg.), Mathias Blaha, Katrin Dollenz, Thomas Hammerschmied, Teresa Kronreif (B2B), Eva Pech, Valentina Pierer, Stefan Portenkirchner (Communication), Jennifer Silberschneider Creative Services Verena Schörkhuber-Zöhrer (Ltg.), Sara Wonka, Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart Commercial Management Co-Publishing Alexandra Ita Editorial Co-Publishing Raffael Fritz (Ltg.), Gundi Bittermann, Mariella Reithoffer, Wolfgang Wieser Executive Creative Director Markus Kietreiber Senior Manager Creative Elisabeth Kopanz Art Direction Commercial & Co-Publishing Peter Knehtl (Ltg.), Erwin Edtmayer, Simone Fischer, Martina Maier, Andreea Parvu, Carina Schaittenberger, Alexandra Schendl, Julia Schinzel, Florian Solly, Dominik Uhl, Sophie Weidinger, Stephan Zenz Abo & Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Marija Althajm, Nicole Glaser, Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar Anzeigenservice Manuela Brandstätter, Monika Spitaler Herstellung & Produktion Veronika Felder (Ltg.), Friedrich Indich, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailović, Sandra Maiko Krutz, Josef Mühlbacher Finanzen Mariia Gerutska (Ltg.), Klaus Pleninger MIT Christoph Kocsisek, Michael Thaler Operations Melanie Grasserbauer, Alexander Peham, Thomas Platzer Projekt Management Dominik Debriacher, Gabriela-Teresa Humer Assistant to General Management Sandra Artacker Herausgeber & Geschäftsführer Andreas Kornhofer Verlagsanschrift Am grünen Prater 3, A-1020 Wien Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Strasse 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Dietmar Otti, Christopher Reindl, Marcus Weber
THE RED BULLETIN Schweiz, ISSN 2308-5886 Länderredaktion Stefania Telesca Lektorat Hans Fleissner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy KirnbauerWalek, Belinda Mautner, Klaus Peham, Vera Pink Country Project Management Meike Koch Media Sales & Brand Partnerships Stefan Brütsch (Team Lead), stefan.bruetsch@redbull.com Marcel Bannwart, marcel.bannwart@redbull.com Christian Bürgi, christian.buergi@redbull.com Jessica Pünchera, jessica.puenchera@redbull.com Goldbach Publishing Marco Nicoli, marco.nicoli@goldbach.com Abo The Red Bulletin Leserservice, Postfach, CH-6002 Luzern, +41 41 329 22 00, abo@ch.redbulletin.com Druck Quad/Graphics Europe Sp. z o. o., Pułtuska 120, 07-200 Wyszków, Polen
THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Länderredaktion David Mayer Lektorat siehe entsprechenden Eintrag bei der Schweiz Country Project Management Nina Hahn Media Sales & Partnerships Thomas Hutterer (Markenlead), Alfred Vrej Minassian, Franz Fellner, Ines Gruber, Thomas Gubier, Daniela Güpner, Wolfgang Kröll, Gabriele Matijevic-Beisteiner, Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher, Jennifer Sabejew, Johannes Wahrmann-Schär, Ellen WittmannSochor, Ute Wolker, Christian Wörndle, Sabine Zölss
THE RED BULLETIN Frankreich, ISSN 2225-4722 Länderredaktion Pierre-Henri Camy Country Coordinator Christine Vitel Country Project Management Alexis Bulteau
THE RED BULLETIN Grossbritannien, ISSN 2308-5894 Länderredaktion Tom Guise (Ltg.), Lou Boyd Lektorat Davydd Chong (Ltg.), Nick Mee Publishing Management Ollie Stretton Media Sales Mark Bishop, mark.bishop@redbull.com Fabienne Peters, fabienne.peters@redbull.com
THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838 Länderredaktion Wolfgang Wieser Lektorat siehe entsprechenden Eintrag bei der Schweiz Publishing Management Bernhard Schmied Media Sales & Partnerships Thomas Hutterer (Markenlead), Alfred Vrej Minassian, Franz Fellner, Ines Gruber, Thomas Gubier, Daniela Güpner, Wolfgang Kröll, Gabriele Matijevic-Beisteiner, Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher, Jennifer Sabejew, Johannes Wahrmann-Schär, Ellen WittmannSochor, Ute Wolker, Christian Wörndle, Sabine Zölss Sales Operations & Development Anna Schönauer (Ltg.), David Mühlbacher
THE RED BULLETIN USA, ISSN 2308-586X Länderredaktion Peter Flax (Ltg.), Nora O’Donnell Lektorat David Caplan Publishing Management Branden Peters Media Network Communications & Marketing Manager Brandon Peters Media Sales Todd Peters, todd.peters@redbull.com Dave Szych, dave.szych@redbull.com Tanya Foster, tanya.foster@redbull.com
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NICOLAS MAHLER
N IC OL AS M A HL ERS SPI T ZF ED ERL ICHES CHA R A K T ER-K A BINE T T
Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 7. November 2021.
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