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The Red Bulletin CD 09/19

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SCHWEIZ SEPTEMBER 2019, CHF 3.80

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

«VERSUCH DAS UNMÖGLICHE. UND GENIESSE DEINE REISE.»

BRAD PITT UND LEONARDO DiCAPRIO IM DOPPEL- INTERVIEW ÜBER DEMUT ALS ERFOLGSREZEPT UND TEAMWORK À LA TARANTINO BRAD PITT: «ARBEITE MIT LEUTEN, DIE SCHLAUER SIND ALS DU.»

JETZT ABONNIEREN!

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LEONARDO DiCAPRIO: «SEI UNVERBLÜMT OFFEN. SAG, WAS DICH STÖRT.»


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SWISS MADE

Red Bull® Marks and the Red Bull Air Race Logo are licensed by Red Bull GmbH/Austria


E D I TO R I A L

WILLKOMMEN

FACETIME

SAMIR HUSSEIN/WIREIMAGE/GETTY IMAGES (COVER), GETTY IMAGES, DAN CERMAK

BITTE LÄCHELN

Profi-Fotoshooting mit einer PandaMaske. Nicht im Bild: Besitzer Cro. Porträt: Seite 52.

180 KM/H

darf in der Schweiz nicht gefahren werden – aber geflogen. Géraldine Fasnacht traut sich das mit dem Wingsuit. Ab Seite 44

THE RED BULLETIN

Lasst uns über Gesichter reden. Jene der Superstars Brad Pitt und Leonardo DiCaprio kennt die ganze Welt. Doch tut sie das wirklich? Für unsere Coverstory haben wir die beiden Beaus zum Doppelinterview in Cannes getroffen und Erstaunliches über ihren scheinbar so mühelosen Erfolg an der Spitze Hollywoods erfahren – nachzulesen ab Seite 38. Einer, dessen Gesicht niemand kennt, ist Rapper Cro. Und das ermöglicht ihm schonungslose Ehrlichkeit, wie er ab Seite 52 beweist. Die Gesichter der Teletubbies ­hatten wir hingegen vergessen. Aber beim ­Durchforsten unserer Archive aus Anlass der zehnten Ausgabe des Red Bull Alpenbrevet war die Erinnerung wieder da. Was Tinky-Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po mit der Töffli-Ausfahrt über drei Alpen­pässe zu tun haben? Auflösung ab Seite 18. Und dann geht es noch um das junge Gesicht einer alten Tradition. Warum Respekt für Schwinger Remo Käser genauso wichtig ist wie Muskelkraft und Ehrgeiz, liest du ab Seite 60. Viel Spass mit der neuen Ausgabe von The Red Bulletin! Die Redaktion

WINKE, WINKE

Zur Einstimmung auf den ­kultigsten Tö≠-Event der Schweiz: Laa-Laa aus längst verdrängten Teletubbie-Zeiten. Der Nostalgie­ trip beginnt auf Seite 18.

ABSEITS DES SÄGEMEHLS

Remo Käser sorgt für Wirbel – bei unserem Shooting im Berner Oberland sogar auf Schotter. Das Interview mit dem 22-jährigen Schwinger: Seite 60.  3


I N H A LT The Red Bulletin September 2019

COVERSTORY

38 IKONEN IM INTERVIEW

Brad Pitt und Leonardo Di­ Caprio prägen Hollywood seit Jahr­zehnten. Hier erklären sie, wie man an der Spitze besteht.

TÖFFLI-RUNDFAHRT

18 DAS 30-KM/H-ABENTEUER Beim Red Bull Alpenbrevet ­knattern 1600 Mofa-Fahrer wild kostümiert durch die Alpen.

BREAKDANCE

Wie es B-Boy Lil Zoo aus einem Problemviertel in Casablanca an die Weltspitze schaffte.

HOLLYWOOD

34 GROSSER CHARAKTER

Jessica Chastain bewahrt im harten Filmgeschäft Haltung. Auch dank ihrer Wanderschuhe.

MUSIK I

36 D IE MEISTERMIXERIN

DJ Peggy Gou verrät, wieso ­Loslassen gut ist. Und nicht gleich Aufgeben bedeutet. 6 GALLERY 12 ZAHLEN, BITTE! 14 KOLUMNE

4

44 E INE FRAU SUCHT DIE FREIHEIT

Die frühere Snowboarderin ­Géraldine Fasnacht wurde zur Wingsuit-Pionierin.

MUSIK II

52 MASKENPHÄNOMEN

Cro im Porträt: eine Panda­ maske als Vehikel für Authen­ tizität in der Instagram-Ära.

SCHWINGEN

44 SCHWINDELFREI Géraldine Fasnacht fliegt von den höchsten Berggipfeln.

60 J UNGE RESPEKTSPERSON

30 D ER AUS DER REIHE TANZTE

WINGSUIT-FLIEGEN

15 FUNDSTÜCK 16 LIFE HACKS 58 I NNOVATOR

Remo Käser erklärt uns, warum Schwingen eine wahre Schule fürs Leben ist.

FITNESS

BERTRAND DELAPIERRE, ROMINA AMATO/RED BULL CONTENT POOL, DAVID ROEMER/MADAME FIGARO/LAIF, DAN CERMAK

68 E SSEN WIE EIN CHAMPION

Sechs Spitzenathleten aus ­aller Welt verraten, welche ­Ernährung sie stark macht.

ABENTEUER

76 WASSERSTOFFREVOLUZZER

Jérôme Delafosse beweist mit seiner Weltumsegelung, dass die Energiewende möglich ist. 96 IMPRESSUM 98 PERFEKTER ABGANG

18 KULTVERDÄCHTIG Red Bull Alpenbrevet – oder: 1600 Tö≠li-Helden auf großer Fahrt

THE RED BULLETIN


« Bedeutung liegt nicht im Resultat. Du findest sie im Tun.» BRAD PITT Wie der Superstar und sein Kollege Leonardo DiCaprio mit Erfolg und Miss­erfolg umgehen. Seite 38

guide

DEIN PROGRAMM

86 REISEN Unterwegs in Uganda auf dem genialsten ­Festival, von dem du noch nie gehört hast 90 FITNESS Wie du mit der Kraft ­deiner Gedanken Bestmarken knackst 91 UHREN 3,9 Millimeter dünn oder 13 Tonnen schwer: das Phänomen Swatch in Zahlen 92 EVENTS Die Highlights der Hochsommerwochen 94 GAMING Das Battle-Royale-Spiel «Apex Legends» stärkt unseren Teamgeist.

34 PRINZIPIENTREU Filmstar Jessica Chastain kämpft für Gleichberechtigung in Hollywood. THE RED BULLETIN

60

95 ENTERTAINMENT So schön kann dreckig sein: Red Bull TV-Highlights, live & on demand

WILLENSSTARK Schwinger Remo Käser hebt eine alte Tradition auf ein neues Level.  5


GA L L E RY

Rajasthan, Indien

SCHLÄGERSTAR

GREG COLEMAN

Nach einer Rauferei vor einem Nachtclub galt Ben Stokes, 28, als gefallener Engel, heute schwebt der englische Nationalspieler im ­Cricket-Himmel. Der Freispruch hat „Stokesy“ geläutert und ihn wieder dorthin gebracht, wo er hingehört: aufs Spielfeld, wo der beste Spieler seiner Generation bei den Rajasthan Royals für Furore sorgt. Instagram: @stokesy

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THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN

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GA L L E RY

Dalby, Australien ANDY GREEN/RED BULL CONTENT POOL

BLAU MACHEN

Pilot Jamie Whincup, 36, lässt die Welt um sich in blauem Rauch aufgehen. Möglich machen das spezielle Reifen. Signalisiert wird damit: Wir haben einen neuen Look! Und den präsentierte das Red Bull Holden Racing Team zum Start der Supercars Championship im Aerodrome von Dalby. redbullholdenracing.com

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THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN

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MYKYTA ZAVILINSKYI/RED BULL CONTENT POOL

GA L L E RY

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THE RED BULLETIN


Kiew, Ukraine

DRIBBEL-PACK

Der Ball ist im Tor, gejubelt wird wie gewohnt, der Rest ist Fußball neu: Mini-Tor (1,5 × 0,8 m, kein Goalie), Mini-Feld (max. 25 × 31 m), Mini-Teams (5 Spieler[innen]), die bei jedem Gegentor ein Teammitglied verlieren – das ist Red Bull Neymar Jr’s Five. Das Bild stammt aus Kiew, gespielt wird weltweit: in mehr als 30.000 Teams. redbullneymarjrsfive.com

THE RED BULLETIN

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ZAHL E N, B I TT E !

Stephen King

DER KÖNIG DER SCHLAFRÄUBER 350 Millionen verkaufte Bücher, ein Thema: Horror. Stephen King bereitet seinen Lesern seit 45 Jahren schlaflose Nächte. Nun im Kino: Teil 2 der Neuverfilmung seines Schockers «Es».

Wörter (ca. vier A4-Seiten) setzt sich King als tägliches Arbeitsminimum.

12.177

1

ist laut Schätzungen von aus­gewiesenen «Es»-Nerds die Minimal­anzahl der Toten, die auf das imaginäre Konto von Horror-Clown Pennywise gehen.

Filmadaption seiner Romane hasst King: «The Shining» von Stanley Kubrick. Er hält Jack Nicholsons Schau­­ spielerei für miserabel.

14

1999

Mal taucht Stephen King in Cameo-Rollen in Verfilmungen seiner Bücher auf.

wurde King von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Den Kranken­ schwestern wurden an seinen Klassiker «Misery» an­­ gelehnte Späße verboten.

275

13

Kinotickets kaufte King für die Vorstellung des Horrorfilms «28 Days Later» – um den Kino­ saal für sich allein zu haben.

ist die Zahl, vor der selbst Stephen King sich fürchtet. Auf Seite 13 mit dem Lesen oder Schreiben aufzuhören ist ein absolutes Tabu für ihn.

39:41

Minuten lang ist das Video zum Michael-Jackson-Song «Ghosts». King schrieb das Drehbuch für das längste Musikvideo, das es je gab.

12

2000

4

700.381.748

High-School-Shooter haben kurz vor ihrer Tat Kings Schul­ massaker-Roman «Rage» (dt. «Amok») gelesen. Seit­ dem versucht er, ihn aus dem Buchhandel zu verbannen.

Dollar spielte «Es» 2017 ein und gilt als erfolgreichster Horrorfilm aller Zeiten.

THE RED BULLETIN

CLAUDIA MEITERT

Romane schrieb King seit 1974. Fünf davon hatte er gleichzeitig in der Top-10-­ Bestsellerliste der «New York Times». Das gelang keinem anderen Schriftsteller.

Jahre lang arbeitete King an seinem achtbändigen Zyklus «Der Dunkle Turm». Er selbst bezeichnet die Story rund um ­Revolvermann Roland als seinen «Jupiter».

GETTY IMAGES (3), PICTUREDESK.COM

60

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KO LUM NE

Thilo Mischke

BEGEGNUNGEN

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

«Ich sollte keine Mambabatok werden – aber ich wollte diese Tattoos auf meiner Haut spüren.»

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THE RED BULLETIN

THILO MISCHKE

«Ich bin die Letzte», sagt sie, «die diese Kunst noch macht.» Hunderte Touristen klettern den Weg in das Bergdorf hinauf. Whang-od ist ein Wirtschaftsfaktor der Re­gion gewor­ den. Ob es ihr gefällt, ist nicht sicher. Jedes Tattoo, das sie sticht, bringt Geld in die Gemeinschaftskasse. Aber Whang-od ist einhundert Jahre alt, gilt als die älteste Tätowiererin der Whang-od hat keine Kraft mehr. Sie Welt. Bevor sie mich in die Ohnmacht will es nicht zugeben, aber man spürt gestochen hat, habe ich eine Woche es. Zumindest wenn man mit ihr mit ihr verbracht. Sie wollte erst wis­ spricht. Man spürt es nicht, wenn sie sen, ob ich eines Tattoos würdig bin. tätowiert. «Wollen wir noch mal?», Sie hat mich gelehrt, was es heisst, fragt sie mich, als ich wieder zu Kräf­ Whang-od, heute 100 Jahre alt, lernte als 15-jähriges Mädchen zu tätowieren ten gekommen bin. Und ich schüttle ein schwieriges Leben zu leben, sie den Kopf. «Es ist zu schmerzhaft», hat mir gezeigt, dass der Glaube an sage ich. Und sie nickt mir anerkennend zu. Ich dachte, eine Sache sich auszahlt, man muss nur ausdauernd sie würde mich weiter verspotten. «Dann kann ich heute und zäh sein. Sie war ausdauernd und zäh und wollte früher ins Bett», sagt sie mir. Streicht mit ihren zarten nun von mir wissen, wie zäh ich sein kann. Ich musste Fingern über den blutigen Strich auf meinem Arm. «Es ihr ein Schwein kaufen (nicht anstrengend), im Reisfeld arbeiten (sehr anstrengend), mit ihr auf einem Dorf­ ist ein ungewöhnliches Tattoo, so was habe ich noch nie fest (auf dem das Schwein verspeist wurde) tanzen. In gestochen. Ein unvollendetes Whang-od-Tattoo», sagt sie. dieser einen Woche, in der ich all die Frondienste für Nach dem Treffen mit dieser Frau weiss ich, dieser sie, für das Tattoo, erledigen musste, erzählte sie mir Strich mag unvollendet sein, für mich ist das Tattoo aber irgendwann auch von ihrem Leben. Einem Leben mit perfekt. Es erzählt die Geschichte meines ersten Tattoos sehr ­wenig Besitz und Komfort, aber dafür einem Gefühl und gleichzeitig das Leben einer hundertjährigen Frau, von grosser Erfüllung. die nicht den ihr vorbestimmten Weg gegangen ist.

BLAGOVESTA BAKARDJIEVA

N

un bin ich dort, im Hochland der Philippinen, und vergehe vor Schmerz. Die Nachmittags­ sonne scheint durch den Urwald, ich liege auf dem Lehmboden einer wackeligen Hütte und lasse mich tätowieren. Ein schmaler Strich, gestochen mit einem Dorn des Grapefruitbaumes. Einem Dorn, der erst in ein Näpfchen, gefüllt mit Russ und Wasser als Tintenersatz, getunkt wird. Tinte, die unter meine Haut gestochen werden soll. So tief, so fest, dass es blutet. Der dünne, faltige Arm einer Frau klemmt meine Hand wie in einem Schraubstock fest. Ich kann mich nicht bewegen und stelle vor Schmerz das Atmen ein. Die Lippen zusammen­ gepresst. Bis die Welt hinter meinen Augen kitzelt und ich langsam in Ohn­ macht falle. Weil ich es nicht aushalte. Als ich wieder aufwache, sehe ich in Whang-ods lachendes Gesicht, zahnlos. Sie zeigt mit dem Finger auf mich. «Das passiert öfter», sagt sie.

Sie ist die Letzte der Mambabatok, der traditionellen ­Tattookünstler der Kalinga, eines Stamms im Norden der Phi­lippinen. «Ich sollte das nicht werden, ich sollte keine Mambabatok werden», erzählt sie mir. Sie sollte ein normales Leben führen, eines als Frau und Mutter, zu Hause. Aber sie wollte das nicht, sie wollte die Körper fremder Männer verschönern. Mit stilisierten Tausend­ füsslern, mit Karos und Strichen, kleinen Punkten. «Und vor allem: Ich wollte diese Tattoos auf meiner Haut haben.» Sie öffnet sich mir erst, als wir zusammen tanzen. Ein Tanz, den ich völlig ernst meinte, ich habe die Schritte dieses traditionellen Tanzes einstudiert und vor dem ­gesamten Dorf diese kleine, dünne Frau umtanzt. Ich war verlegen, sie ebenso. Es spielte keine Rolle, dass uns gut 60 Lebensjahre trennen, ganze Welten zwi­ schen uns liegen. Ich wollte diesen Tanz, weil ich zeigen wollte, was ich bereit war zu tun für ein Tattoo. Von ihr. «Die Männer haben irgendwann nur noch nach Tattoos von mir gefragt», erzählt sie. Geübt habe sie erst an Orangen, dann an ihren Händen. Sie war die erste Mambabatok. Mit 15 begann sie zu tätowieren, eine Zeit, in der noch Kopfgeldjäger durch die Urwälder der Philippinen streiften.

MICHAEL KOMAGATA

Er ist 200 Tage im Jahr unterwegs, Jetlag ist bei Korrespondent und Reise­ reporter Thilo Mischke (TV-Dokureihe «Uncovered») ein Dauerzustand. Auf seinen Expedi­tionen trifft der 38-jährige Berliner immer wieder Menschen, die ihn faszi­nieren. Dieses Mal: Whang-od, eine hundertjährige Tattoo-Stecherin im Urwald der Philippinen.


F U ND ST Ü CK

Bert Stern (1929–2013) in New Yorks Milk Gallery vor einem seiner Monroe-Bilder, 2011

Bert Sterns Kamera

AUGENBLICKE

HENRY LEUTWYLER, GETTY IMAGES

Er kam den schönsten Frauen sehr, sehr nah. US-Fotograf Bert(ram) Stern, Sohn jüdischer Einwanderer, hatte sie in den 1960er- und 1970er-Jahren alle vor der Linse seiner Rolleiflex. Er porträtierte Elizabeth Taylor und ­Brigitte Bardot, Audrey Hepburn und Sophia Loren. Und Marilyn Monroe, vor allem Marilyn Monroe. Wenige ­Wochen vor ihrem Tod im August 1962 checkte er mit ihr für drei Tage im Bungalow 264 des Bel-Air ­Hotels in Los Angeles ein. Dabei entstanden 2571 Bilder – später wurden sie als «The Last Sitting» weltberühmt.

THE RED BULLETIN

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L IF E HACKS

Science-Bastler

RETTENDE TRICKS FÜR DEN BIKE-NOTFALL Verblüffende Lösungen für konkrete Probleme, Volume 12: Wer kann bei der Radtour schon eine halbe Werkstatt mitnehmen? Wir tauschen Gewicht gegen Know-how.

PLATTFUSS

Vollkornbagel Wenn das Flickzeug fehlt, fängt der Spass erst an: Zur Not lässt sich der Fahrradreifen anstelle mit Luft auch mit trockenem Stroh «aufpumpen».

2 Möglichst trockenes

Stroh oder Reisig ­suchen. Gleichmässig und kompakt in den Reifen stopfen. Den Mantel in die Felge drücken. So kommst du bis zum nächsten Bahnhof – vielleicht ­sogar nach Hause.

SATTELSTÜTZE

Mit einem Schraubenzieher den Reifen­ mantel von der Felge lösen, dabei auf Felge und Schlauch achtgeben. Wenn Letzterer ge­ schont wird, kann er später geklebt werden.

KOTFLÜGEL

SAUBERE HÄNDE

Ein Quäntchen Alu

Smarter Schmutzfänger

Gut geschmiert

Wenn der neue Sattel ständig ins alte Sattelrohr abrutscht, hilft eine Dose.

Der billigste Schutz ist auch der leichteste. Ausserdem: Wer Plastik recycelt, lebt insgesamt sauberer.

Verschwende nach dem ­Boxenstopp kein Trinkwasser zum Händewaschen.

Wozu Geld ausgeben? ­Schneide eine Plastikflasche der L­ änge nach auf. Bohre ­Löcher in den Verschluss. Mit Kabel­bindern fixierst du das Schutzplastik am Rahmen.

Emulgatorische Öle in der Sonnencreme binden Schmutz. Mit Taschentuch ab­ wischen – gibt an­ge­ nehmes Hautgefühl.

SASCHA BIERL

Die Wände von Ge­ tränkedosen sind nur 0,1 mm dick. Schneide ein recht­ eckiges Alu-Band aus der Dose und verdicke damit die Sattelstütze.

CLEMENS MAKANAKY

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THE RED BULLETIN


DIE LETZTEN IHRER ART.

CORVETTE

Grand Sport Final Edition

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Berechnungsbeispiel/Abbildung: Corvette Grand Sport Coupé Final Edition, 6.2l V8 AT, 6162 ccm, 466 PS. * Listenpreis 130.000 CHF (Kundenvorteil Sondermodell Final Edition 13.475 CHF), Preisnachlass 9.100 CHF. Gesamtpreis 120.900 CHF. 284 g/km CO2-Ausstoss, 65 g/km CO2-Wert und Emissionen aus der Treibstoff- und/oder der Strombereitstellung, Ø-Verbrauch 12,4 l/100 km, Energieeffizienzklasse G. Berechnungsbeispiel/Abbildung: Camaro Coupé Sport, 6.2l V8 AT, 6162 ccm, 453 PS. ** Listenpreis 58.955 CHF, Metallicfarbe 1.000 CHF, Preisnachlass 6.500 CHF. Gesamtpreis 53.455 CHF. 252 g/km CO2-Ausstoss, 58 g/km CO2-Wert und Emissionen aus der Treibstoff- und/oder der Strombereitstellung, Ø-Verbrauch 11,1 l/100 km, Energieeffizienzklasse G. Durchschnittliche CO2-Emissionen aller in der Schweiz verkauften Neuwagen: 137 g/km. Erhältlich bei allen teilnehmenden Händlern und solange der Vorrat reicht. Angebot gültig bis 31.08.2019.

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Wie schaffst du es, in einer Umgebung herauszustechen, in der alle kreativ voll ans Limit gehen? Zehn Tipps für den perfekten Auftritt bei der zehnten Auflage des RED BULL ALPENBREVET. Text WERNER JESSNER 18

ROMINA AMATO/RED BULL CONTENT POOL

LEISTUNG? WENIG. BERGE? HOCH. STIL? MEGA!


1. LASS DEN EHRGEIZ ZU HAUSE! Die diesjährige Route geht über 120 Kilometer und drei Alpenpässe. Die Teilnahme ist ausschliesslich mit einsitzigen Motorfahrrädern gestattet. Erlaubte Höchst­geschwindigkeit in der Ebene: 30 km/h. Technisches Tuning: strikt verboten. Optisches Tuning: strikt erlaubt!


DEAN TREML/RED BULL CONTENT POOL


2. LASS DEN TÖFF DEINEN STIL DEFINIEREN! Darum geht es: die Vielfalt günstiger ein­ spuriger Mobilität im Lauf der Jahrzehnte konsequent abzubilden. Vom lausbübischen Lehrling bis zum Disco-Parkplatz-King mit Bubble-Visier: Die Einspur-Partnerin muss zu dir passen. Die schönste wird übrigens zur «Miss Alpenbrevet» gekürt.

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3. NÜTZE DEN HEIMVORTEIL! Das Red Bull Alpenbrevet ist eine zutiefst ­helvetische Angelegenheit – was man auch sieht. Die allermeisten Teilnehmer kommen aus der Schweiz, einige aus dem angrenzenden Ausland und den Niederlanden. Zwei Prominente kamen von besonders fern: MotoGP-Star Dani Pedrosa aus Spanien (2015) und Enduro-Champ Jonny Walker aus England (2016).

4. MACH AH - OH! (ODER SO)

DAVID ROBINSON/RED BULL CONTENT POOL

Es ist schon ein intaktes Selbstbewusstsein erforderlich, um als Tinky-Winky oder Po auf die Strecke zu gehen und sich zum Tele-Tubel zu machen. Doch genau darum geht es ausnahmsweise: sich nicht zu ernst zu nehmen. (Aber das tun wir doch ohnehin nie – gerade wirSchweizer.) Winke-winke!

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5. STÜRZ DICH NICHT IN UNKOSTEN! Tipp für Rappenspalter: Selbst mit Resten der Verpflegung lässt sich spontan eine auffällige Optik realisieren. Tö≠lis finden sich im Internet bereits um wenige hundert Franken. Dennoch sollte man ein versierter Schrauber sein, um sein Gefährt durch die MFK zu bringen: Nur eingelöst ist man teilnahmeberechtigt.


MAURIN BISIG/RED BULL CONTENT POOL


6. ACHTE AUF DIE UHR! Es ist zwar unwahrscheinlich, aber: Lege eine Pause ein, solltest du zu schnell sein. Das Reglement besagt, dass jeder, der das Ziel in weniger als sechs Stunden erreicht, disqualifiziert wird. Länger als neun solltest du aber auch nicht brauchen, sonst liest dich der Besenwagen auf.   25


7. SCHAU AUF DIE DETAILS! Mit 1600 Teilnehmern bist du Teil einer der grössten Tö≠li-Ausfahrten Europas, und die Konkurrenz ist enorm. Optische Akzente allein sind also zu wenig. Als Beispiel: Zum FlowerPower-Look braucht es eine zeitkorrekte Sachs Saxonette aus den späten 1960er-Jahren als Mobil der Friedensbewegten.


8. GET DIRTY!

DAVID ROBINSON/RED BULL CONTENT POOL, PHIL GALE/RED BULL CONTENT POOL, LUCHO VIDALES/RED BULL CONTENT POOL

120 Kilometer, aber mit Technik, die für den Weg ins Nachbardorf konzipiert wurde: Es wird auch 2019 nicht ohne Opfer abgehen. Motorreiber, verklebte Vergaser, unzuverlässige Zündfunken: Hilf deinen Mitfahrern! (Oder tu wenigstens so, bis der Profi-Mechaniker mit der rollenden Tö≠li-Werkstatt vorbeikommt.)

9. HOL DEINE FREUNDIN IN DEN SATTEL! Sie findet deine Zuneigung zu Motorfahrrädern befremdlich? Verständlich, die Mehrheit der Teilnehmer sind Männer. Ändere das! Nichts ver­ bindet so sehr wie die gemeinsame Erfahrung. (Und sag ihr unterwegs, dass sie garantiert eine bessere Figur macht als du, du Gockel.)

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Sustenpass

START/ZIEL Andermatt

Furkapass Grimselpass

3-PASS-KLASSIKER

2019 geht es über die gleichen Pässe wie vor zehn Jahren – in entgegen­ gesetzter Richtung. Hier die Eckdaten: Länge: 118,97 Kilometer Summe Höhenmeter: 3588 Tiefster Punkt: 626 Meter (Innertkirchen) Höchster Punkt: 2429 Meter (Furkapass) Maximale Steigung: 11 % (Furka- und Sustenpass)

DER BUNTESTE ZWEIRAD - EVENT DER SCHWEIZ

Als 2010 in Meiringen der Startschuss zum ersten Red Bull Alpenbrevet fiel, hatten sich statt der er­ warteten 250 Teilnehmer bereits 600 Wackere ver­ sammelt, um mit ihren Tö≠lis Show und Spass vor Bestzeiten und -leistungen zu stellen. Ob Berner ­Oberland, Lugano oder Zentral­schweiz: Gefahren ­wurde in den nächsten Jahren dort, wo die Schweiz am schönsten ist, nämlich überall. Mit der Zeit wurde das Red Bull Alpenbrevet nicht nur bunter, sondern vor allem grösser: 2019 musste die Teilnehmer­ anzahl auf 1600 beschränkt werden. Nicht v­ erändert hat sich der fröhliche Charakter der Ver­anstaltung. Die Jubiläumsausgabe beginnt am 6. September mit dem Check-in in Andermatt, die Alpenrundfahrt selbst startet am 7. September um 10 Uhr. Infos unter: redbull.ch/alpenbrevet

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MAURIN BISIG/RED BULL CONTENT POOL

Am 6. und 7. September findet das Red Bull Alpenbrevet zum 10. Mal statt.


10. MACH DICH ZUR ZIELSCHEIBE! Noch einmal ganz langsam: Das Red Bull ­Alpenbrevet ist eine gemeinsame Ausflugsfahrt, kein Rennen. Keine Federung, schmale Reifen, in­diskutable Bremswirkung: Alles egal, Hauptsache, du kommst ins Ziel. Überholt zu werden ist völlig okay. Du wirst auch so ­genügend zu erzählen haben.


Block Freeze lächeln!» 1 «Bitte

Standarm durchstrecken. Ein Bein strecken und das andere abwinkeln. Die freie Hand an den Hinterkopf legen – sieht nonchalant aus. Besonders mit einem Lächeln im Gesicht! Schwierigkeitsstufe 4/10

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Früher tanzte er aus der Reihe, heute tanzt er im Rampenlicht: B-Boy Lil Zoo fand einen eigenen Weg aus den Problemen seiner Heimat Marokko.


HE RO ES

Lil Zoo

DER GHETTOBLASTER

Lil Zoo (bürgerlich Fouad Ambelj) schaffte den Absprung aus dem Problemviertel Zéro-Quatre im marokkanischen Casablanca und landete an der Weltspitze des Breakdance. Seine Energie: animalisch. Seine Botschaft: Hirn abschalten.

CARLOS BLANCHARD

SIMON SCHREYER

E

s beginnt schon beim Aufwärmen: Lil Zoo tänzelt erst zur einen, dann zur anderen ­Seite, danach konzentrieren sich die Bewegungen auf die Mitte. Nun hat er genug Dreh­ moment aufgebaut. Die Span­ nung entlädt sich in einem Wirbel fliessender Verrenkun­ gen. Sein Körper scheint sich nun nicht mehr gegen einen unbezwingbaren, unsicht­ baren Sog wehren zu können. Diese Hilflosigkeit unter­ streicht er mit dem Ausdruck gespielter Verzweiflung. Plötzlich friert die Rasanz der Bewegungen für eine ­Sekunde zum Standbild ein. Dann nimmt das Körper­ karussell wieder Fahrt auf – mit schnellen Drehungen im Kopfstand. Der Tänzer kata­ pultiert sich auf die Beine, klopft sich selbstironisch auf die Schulter. Gleich darauf täuscht er vor, zu stolpern. Er fällt auf die Knie und wölbt sich, einer Welle gleich, in ei­ nen einhändigen Handstand. Das Naturereignis hat nur wenige Sekunden gedauert. Lil Zoo deutet mit dem Zeige­ finger auf seinen Konkur­ renten und lacht ihn aus.

THE RED BULLETIN

Breaken oder B-Boying ist eine kreative Schlacht und eine sportliche Kampfansage. Battle-Rap mit den Mitteln des Tanzes – und des Humors. Lil Zoo hat Humor. Er lächelt oft, und seine Augen lachen mit. «Wenn er einmal nicht fröhlich ist, dann lacht er auch nicht beim Tanzen», sagt sein Inns­ brucker Wegbegleiter T ­ obias Hanny, «weil er halt einfach ist, wie er ist. Das fasziniert mich, dass das jemand nicht spielt.» Seit 2015 ist Lil Zoo WahlTiroler. Doch geprägt hat ihn das harte Pflaster Casablancas: Industrie, Kriminalität, Drogen. Eines der gefährlichsten dorti­ gen Viertel heisst Zéro-Quatre. Dort hat sich Lil Zoo seine Street-Smartness erworben und gelernt zu überleben. Keine schlechte Schule für einen, der Hip-Hop glaub­ haft verkörpern will. Lil Zoo: «Breaken ist Untergrund. Das verstehen viele Leute nicht. Ich musste mich vor meinen Freunden und meiner Familie rechtfertigen. Nur meine ­Mutter hat immer an mich ge­ glaubt, und sie ist auch heute stolz auf mich.» Er lächelt in sich hinein: «Stolzer als stolz.»

Pose «Springen mit Stil» 2 Air

Dreh dich im Sprung zur Seite. Den rechten Arm nach hinten strecken, die linke Hand am Kinn. Keine schwierige Figur, aber stylish. Schwierigkeitsstufe 2/10

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Zoo «Das Grande Finale» 3 Point

Auch hier stehst du auf einer Hand. Das Bein auf derselben Seite strecken, das andere abwinkeln. Mit der freien Hand Zeichen formen oder Grüsse ans Publikum schicken. Oft der finale Move in Lil Zoos Programm. Schwierigkeitsstufe 10/10

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31


HE RO ES

Freeze «Mein Markenzeichen» 4 Zoo

Mach dich steif wie ein Brett. Schlage lässig die Füsse übereinander. Eine Hand stützt, der Oberarm stabilisiert den Oberkörper. Den ­anderen Arm ausstrecken wie Superman. Schwierigkeitsstufe 9/10

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Am Anfang ihrer Breakdance-Versuche hatten Lil Zoo und seine Freunde deutlich mehr Leidenschaft als Knowhow. Sie waren Pioniere, die Figuren «erfanden», die bei Block Parties in der New Yorker Bronx schon seit Jahren bekannt waren, und gaben ­ihnen eigene Namen. «Nicht unbedingt die falschen, aber eben unsere!», sagt Lil Zoo mit breitem Grinsen. Sein Kumpel Yoriyas trainierte mit ihm. Meist in der Nacht. Da war es kühler, und die beiden hatten ihre Ruhe. So wurde Yoriyas zu Fouads Mentor. 2012, beim Cypher (dem marokkanischen Quali­ fikationsbewerb von Red Bull BC One, dem prestigeträchtigsten Individual-BreakingBewerb der Welt) sah Lil Zoo schliesslich seine Chance, das Ghetto hinter sich zu lassen.

In der Endrunde trat er gegen seinen Lehr­meister an. Und besiegte ihn. Wie fühlt man sich, wenn man jemanden schlägt, der ­einem so viel beigebracht hat? «Es war ein Spiel unter Brüdern auf hohem Niveau», sagt Lil Zoo. «Wir hatten beide Spass. Es fühlte sich richtig an, keinesfalls wie Verrat.» Für besonders begabt hält sich der 25-Jährige übrigens nicht: «Unter meinen Freunden in Casablanca war ich gar nicht einmal der talentierteste Tänzer, aber der leidenschaftlichste. Und der mit der grössten Disziplin. Ob mein Stil den Hip-Hop-Regeln entsprach, war mir genauso egal wie die Leute in unserem Viertel, die uns auslachten. Alles, was ich wollte, war breaken. Jeden Tag. Es klingt vielleicht an­ geberisch, aber es ist der unbedingte Glaube an den eigenen Weg, der mich dorthin gebracht hat, wo ich heute bin.» Seit Lil Zoo mit seinem Charme und seinem Einfallsreichtum Teil der Red Bull BC One All Stars ist, lernt er immer mehr über einzelne Moves und die Geschichte des

Hip-Hop. Seine Lehrer sind gleichzeitig auch seine Freunde und Rivalen. 2018 dann die Krönung: der Lehrling ­triumphiert beim Weltfinale von Red Bull BC One. Inspiration holt er sich aus allen Tanz- und Kampfstilen. Dabei gustiert er sorgfältig – wie ein Hip-Hop-Musiker, der aus allen Genres sampelt –: Elemente aus Jiu-Jit­su, Capoeira oder Gnaoua. Sein ganz spezieller Stil, den er Kingzoo Style nennt, vibriert geradezu vor animalischer Energie. Dazu passt, dass ein Tiger-­ Tattoo seine Brust schmückt. Was unterscheidet ihn noch von anderen B-Boys? Lil Zoo überlegt nicht lange: «Ich denke weniger nach als die. Beim Tanzen will ich nicht denken, sondern tanzen.» instagram.com/lilzooisme

«Ob mein Stil den Regeln entsprach, war mir egal. Ich wollte nur breaken.»

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LIVE DABEI IN MUMBAI

WAS IST RED BULL BC ONE? Der grösste und prestigeträchtigste Individual-Breaking-Bewerb der Szene mit tausenden Teilnehmern. Die 16 besten B-Boys und B-Girls treten in Mumbai in ­Eins-gegen-eins-Duellen gegeneinander an. WANN STEIGT DAS FINALE? Am 9. November 2019. WIE KANN ICH DABEI SEIN? Die Battles werden auf Red Bull TV und Social Media übertragen. Infos: redbull.com/bcone

THE RED BULLETIN

ALI BHARMAL/RED BULL CONTENT POOL

Das Red Bull BC One-Weltfinale steigt 2019 in Indien. Mit Lil Zoo als Titelverteidiger. Und dir.


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Hollywoodstar mit Haltung: Jessica Chastain tritt offen fßr mehr Gleich­ berechtigung ein.


HE RO ES

Ein gewisses Durchsetzungs­ vermögen schadet in Holly­ wood aber sicher nicht. Kannst du hart sein? Ich würde sagen, ich bin wider­standsfähig. Ich war nie das Aschenputtel, das auf die gute Fee oder seinen Prinzen wartet, sondern habe immer die Initiative ergriffen. Ich brauchte keinen silbernen Pantoffel, weil ich schon meine Wanderstiefel anhatte.

Jessica Chastain

« ICH WARTE NICHT AUF DIE GUTE FEE» Die Charakterdarstellerin beweist auch abseits der Leinwand Charakter. Die Energie für ihren Kampf um Gleich­ berechtigung fand Jessica Chastain, 42, auch dank ihrer Wanderstiefel.

T

DAVID ROEMER/FIGAROPHOTO/LAIF

RÜDIGER STURM

he red bulletin: Als Hollywoodstar bist du Teil einer Branche, in der sich sehr vieles um Egos und Glamour dreht. Wie schafft man es, in so einer Welt seinen Prinzipien treu zu bleiben? jessica chastain: Um ehrlich zu sein, habe ich gar nicht das Gefühl, Teil einer Branche zu sein. Ich halte mich auch von den meisten öffentlichen Veranstaltungen fern. Als ich beispielsweise den Golden Globe für meine Rolle in «Zero Dark Thirty» gewann, wollten alle mit mir feiern – aber mich zog es bereits nach einer Viertelstunde wieder nach Hause.

THE RED BULLETIN

Wanderstiefel …? In meiner College-Zeit war’s für mich wichtig, zu reisen – und zwar ohne grosses Geld, einfach nur mit dem Rucksack quer durch Europa. Auf solchen Trips stösst man natürlich immer wieder auf verschiedene Unannehmlich­ keiten und muss sich durchkämpfen, aber die tollen Ein­ drücke, die ich gesammelt habe, waren das locker wert – und ganz wichtig für meine weitere Entwicklung. Deine Kämpfernatur zeigt sich auch in deinem star­ ken Engagement für mehr Gleichberechtigung. Ja, ich halte mit meiner Mei­ nung nicht hinterm Berg – obwohl das bei manchen Männern nicht gut ankommt. Wenn sich eine Frau leidenschaftlich für etwas einsetzt, dann meinen manche: «Jetzt beruhige dich doch mal.» Bei einem Mann würde man das nicht sagen. Aber gerade bei Themen der Geschlechter­ dynamik darf man nicht wegschauen. Die Leute in meinem Umfeld wissen, dass ich offen meine Ansichten vertrete, wenn man mich zu einer politischen Diskussion auffordert. Bringen diese Diskussionen etwas? Zumindest in der Filmbranche ändert sich etwas. In einer Welt, in der die Politik so konservativ und intolerant geworden ist, forciert man in Hollywood jetzt Diversität, Toleranz und Gleichberechtigung. Und eines ist klar: Wenn man sich

«Ich muss meinen Mund aufmachen. Als Künstler trägst du Verantwortung.» für solche Werte einsetzt, ist Härte mit Sicherheit nicht das geeignete Mittel. Sondern? Meine Haltung ist die, dass wir alle miteinander ver­ bunden sind – und ich das zurückbekomme, was ich auch gebe. Freundlichkeit führt zu Freundlichkeit. Es gibt ein wunderbares Zitat von Martin Luther King: «Liebe ist der einzige Weg, um Hass zu bekämpfen.» Nach diesem Motto versuche ich mein Leben zu führen. Bei einer Preisverleihung hast du in deiner Rede ein­ mal einen anderen Spruch von Dr. King zitiert. Weisst du noch, welchen? Sicher: «Unser Leben endet an dem Tag, an dem wir über die wichtigen Dinge zu schweigen beginnen.» Deshalb kann ich gerade bei Missständen nicht still sein. Ich muss meinen Mund aufmachen. Als Künstler hast du die Verantwortung, das Leben anderer Menschen geistig zu bereichern, ihnen etwas Neues zu zeigen. Und genau dem möchte ich gerecht werden. Das erfordert Diversität – in unserem Beruf und in den Geschichten, die wir erzählen. Je mehr Vielfalt es gibt, desto mehr können die Menschen lernen. Jessica Chastain ist ab 5. September in der Fortsetzung des Horrorhits «Es» im Kino zu sehen.

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HE RO ES

Peggy Gou

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en perfekten DJSchichtwechsel erkennt man daran, dass man ihn nicht erkennt. Dass plötzlich ein ­anderer DJ an den Turntables steht, fällt im Idealfall gar ­keinem auf – weil der Übergang so harmonisch verlief und die Crowd ganz im Banne der ­Musik stand. Bei Peggy Gou ist das ein wenig anders. Sobald die 29-jährige Süd­koreanerin ans DJ-Pult tritt, herrscht Ausnahmezustand. Sie wird wie ein Popstar gefeiert, was nicht schlecht ist für eine DJ, die ausschliesslich Underground Dance auflegt und erst vor drei Jahren ihre erste EP veröffentlichte. Jetzt setzt Gou ­einen neuen Meilenstein in ­ihrer noch jungen Karriere: Das Berliner Label !K7 hat sie mit der neuesten Ausgabe der legendären Mix-CompilationSerie DJ-Kicks beauftragt.

«Die meisten Leute haben ein Problem mit dem Loslassen. Ich bin gut darin.»

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Hier erklärt Gou ihren rasanten Aufstieg und warum sie unter Druck aufblüht. the red bulletin: Vor vier Jahren hattest du eine Handvoll Auftritte im Jahr. Jetzt sind es 20 pro Monat, und zwar in den angesagtesten Clubs der Welt. Wie hast du es so schnell in den Kreis der meistgehypten DJs und Produzenten geschafft? peggy gou: Ich bin ein Nerd. Sobald mich etwas interessiert, hänge ich mich voll rein. Nun ja, viele arbeiten viel … Bei mir ist es wohl ein wenig extremer. Als mein Freund Esa Williams (südafrikanischer DJ und Produzent; Anm.) mich vor einigen Jahren in sein Tonstudio in London einlud, verliebte ich mich auf Anhieb ins Musikmachen. Ich schlief nicht mehr, arbeitete Nächte durch, liess die Uni schleifen, hing nur noch im Studio ab. Kanntest du davor schon eine solche Leidenschaft? Ja, für alles, was mit Styling zu tun hatte. Ich war verrückt danach, mich selbst zu stylen. Stylistin war lange Zeit mein Traumjob. Aber Fehlanzeige: Ich war völlig talentfrei.

Was ist der Grund, ja das ­Geheimnis deines Erfolgs? Druck ist mein Ding – unter Druck blühe ich erst so richtig auf. Und ich frage mich immer, wie ich die Leute als Nächstes überraschen kann. Peggy Gous DJ-Kicks auf: dj-kicks.com; soundcloud.com/peggygou

MEISTERMIXER

Tipps für deine Plattenbox: Meilensteine von DJ-Kicks, der legendären Musikserie DER ERSTE: CJ BOLLAND Der belgische Techno-Pionier legte im September 1995 den Grundstein für die langlebigste Mix-Serie der Welt, gestartet vom Berliner !K7-Label. DIE ERFOLGREICHSTEN: KRUDER & DORFMEISTER Das Wiener Duo war der erste Nicht-Techno-Act, der mixen durfte – und lieferte prompt die erfolgreichste CD ab: 100.000 verkaufte Exemplare im Erscheinungsjahr. DER BUNTESTE: DJ KOZE Für die 50. Ausgabe mixte der Hamburger schier Unmixbares: William «Captain Kirk» Shatner trifft auf HipHop-Beats, Country-Steel-Gitarre trifft auf harten Techno.

THE RED BULLETIN

FLORIAN OBKIRCHER

Bühne frei für Peggy Gou: Die südkoreanische DJ und Produzentin verrät, warum man loslassen sollte, was nicht klappt. Und trotzdem niemals aufgeben darf.

NATHAN ZENTVELD

« GIB NICHT AUF, MACH ES ANDERS»

War es hart für dich, diesen Traum zu begraben? Gar nicht. Die meisten Leute haben ein Problem mit dem Loslassen, ich bin gut darin. Etwas ist nicht mein Ding? Weg damit! Du darfst keine Zeit verschwenden, wenn du auf der Suche nach der einen Sache bist, in der du wirklich exzellent werden möchtest. Lass Dinge los, aber gib nicht auf. Such weiter, mach etwas anderes, und mach es anders.


Auflegen statt Aufgeben: DJ Peggy Gou, 29, gescheiterte Stylistin, ist heute Südkoreas wichtigster Musikexport seit «Gangnam Style».


DER WEG DER GIGANTEN

LEONARDO DiCAPRIO und BRAD PITT residieren seit Jahrzehnten im Hollywood-Olymp. Nun stehen sie erstmals gemeinsam vor der Kamera – für Quentin Tarantino. Hier erzählen sie, wie du an der Spitze überlebst: indem du mutige Entscheidungen triffst und deine Reise trotzdem geniesst.  Interview RÜDIGER STURM

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ANDREAS RENTZ/GETTY IMAGES

Cooles Trio: Regisseur Quentin Tarantino (li.), 56, Leonardo DiCaprio, 44, und Brad Pitt, 55, bei der Premiere von «Once Upon a Time … in Hollywood» diesen Mai in Cannes


« I C H H A B E N O C H I M M E R D E N H U N G E R , E T WA S T O L L E S Z U   E R S C H A F F E N , WA S M I C H AU C H S E L B S T B E W E G T. » LEONARDO DiCAPRIO

dieser Liga spielen nur ganz wenige mit. Brad Pitt, 55, und Leonardo DiCaprio, 44, zählen zu jenen Hollywoodstars, die einen Film ganz allein schultern können – künstlerisch und an der Kinokasse. ­Wobei sich zwischen den Karrieren der beiden Oscar-Gewinner eine auffallende Parallele zeigt: Im Gegensatz zu anderen Gross­ kalibern ihrer Generation haben sie sich niemals auf eine bestimmte Rolle fest­ legen lassen. Während Kollegen wie ­Johnny Depp (als Jack Sparrow), Tom Cruise (Ethan Hunt) oder Robert Downey jr. (Tony Stark) ihre Millionen zunehmend in Serie(n) scheffeln, suchen Pitt und ­DiCaprio mit jedem neuen Filmprojekt eine neue Herausforderung – und wagen damit jedes Mal enorm viel. In Quentin Tarantinos zehnter Regiearbeit «Once Upon a Time … in Hollywood» stehen die beiden Superstars nun erstmals gemeinsam vor der Kamera, und ­Regie-Legende T ­ arantino verspricht «das aufregendste Star-Duo seit Paul Newman und Robert Redford». Wir haben Pitt und DiCaprio zum Interview gebeten, um die beiden zu einem Thema zu be­fragen, in dem sie nachweislich Experten sind: Wie überlebt man dauerhaft in der ­dünnen Luft ganz an der Spitze?

the red bulletin: Brad, Leo, in eurem­neuen Film «Once Upon a Time … in Holly­wood» gibt Leo einen Schau­ spieler, der seine besten Tage lange hinter sich hat. Von euch beiden kann man das wohl nicht behaupten … brad pitt: Stimmt, aber auch wir haben ein Ablaufdatum, das ist uns deutlich bewusst. Umso mehr wissen wir daher die Zeit zu schätzen, die wir bislang in dieser privilegierten Position an der Spitze zubringen durften. Leo und ich haben uns lange darüber unterhalten und sind uns 40

Um in diese Position zu gelangen, habt ihr beide euch mittlerweile fast dreissig Jahre an der ­Spitze halten müssen. Wie überlebt man das? leonardo dicaprio: Ich glaube, das hat viel mit Ernsthaftigkeit und einer gewissen Demut zu tun. In meinen Augen sind Filme die wichtigste moderne Kunstform. Wir empfinden es als Ehre und Privileg, dass wir ein Teil davon sein dürfen. Brad und ich haben ungefähr zur selben Zeit in dieser Branche angefangen und wissen beide, dass es immer nur eine Chance gibt, den Durchbruch zu schaffen – und wie schwer es ist, diese eine Chance zu bekommen. Vom vielzitierten richtigen Ort zur rich­ tigen Zeit rede ich da noch gar nicht … pitt: Es ist ungefähr so, als würdest du in der Lotterie gewinnen. Es gibt so verdammt viele talentierte Leute da draussen. Der Trick besteht also darin, dass du auch im Zimmer bleibst, sobald du es zur Tür hinein geschafft hast. Wir beide hatten die Gelegenheit, zu lernen, wie das geht. Deshalb haben wir überlebt und unseren eigenen Weg gefunden. Wie lässt sich dieser eigene Weg in einem derart schnelllebigen Business überhaupt beeinflussen? dicaprio: Zuallererst, indem man immer­ und ohne Kompromisse versucht, die richtigen Projekte auszuwählen. Wir haben hart an Filmen gearbeitet, die für uns eine kreative Herausforderung und gleich­ zeitig auch grosse Kunstwerke waren. Woher kommt dieser Antrieb? dicaprio: Ich komme aus keiner allzu wohlhabenden Familie und war wohl auch deshalb besonders ambitioniert. Ausserdem bin ich in Los Angeles auf­ gewachsen, mir war also von Anfang an klar, wie schwer es ist, als Schauspieler

Arbeit zu bekommen – was mich nur noch mehr motiviert hat. Woher dieser Antrieb stammt, weiss ich selbst nicht so genau. Es ist eher wie das Bedürfnis, einen Hunger zu stillen – aber es ist kein Hunger nach Reichtum oder Berühmtheit. Sondern? dicaprio: Der Hunger, etwas Tolles zu schaffen, was mich selbst bewegt. Und das ist keineswegs einfach. Du denkst dir: «Hey, ich habe das richtige Material und einen tollen Regisseur» – und dann geht es trotzdem schief. Aber du musst immer dranbleiben und weitermachen, dir sagen: «Ich will, dass etwas Grossartiges dabei herauskommt.» Diese Einstellung hat sich bis heute nicht geändert. THE RED BULLETIN

ART STREIBER/SONY PICTURES

In

einig: Das Entscheidende ist, dass du in dem, was du tust, eine Bedeutung findest. Wenn uns das weiterhin gelingt, werden wir in unserer jeweiligen Karriere auch einen passenden Übergang in eine neue Phase erleben – so nach dem Beispiel von Anthony Hopkins oder Gene Hackman.


Diese Besetzung sitzt: Quentin Tarantino mit seinen Hauptdarstellern Leonardo DiCaprio, Margot Robbie und Brad Pitt

« D E R G R O S S E F E H L E R L I E G T, G L AU B E I C H , DA R I N , I M R E S U LTAT N AC H D E R B E D E U T U N G Z U S U C H E N . DU FINDEST DIE BEDEUTUNG IM TUN.»  BRAD PITT pitt: Man darf auch nicht vergessen, dass du für einen Film viel Lebenszeit investieren musst – das können schon mal ein bis zwei Jahre sein. Bei einer grossen Rolle kann allein die Vorbereitung an die sechs Monate dauern, und dann bist du auch noch in die Nachbereitung involviert. Die Sache sollte also richtig Gewicht ­haben. Schliesslich weiss ich nicht, wie viel Zeit mir selbst noch bleibt. THE RED BULLETIN

Wie erkennt man, ob ein Filmprojekt das Zeug zu etwas Grossartigem hat? dicaprio: Du kannst es naturgemäss nur erahnen. Allerdings weisst du, was du nicht willst. Tatsächlich besteht ein wichtiger Teil des Filmemachens darin, dass du dich mit dem Regisseur darauf einigst, was du nicht magst und was du nicht tun willst. Das gibt dir eine Ausgangsbasis, um auszuloten, was du wirklich tun möchtest.

pitt: Ganz wichtig für mich ist, dass ich Dinge nicht wiederhole. Ich will mich weiterbewegen, auf Gedeih und Verderb. Ich kann nicht zurück. Das ist auch bei meinen Reisen so. Wenn ich erst mal aufgebrochen bin und feststelle, dass ich meine Brille oder meinen Führerschein vergessen habe, kehre ich nicht um. Daher wähle ich Projekte nach einem schwer beschreibbaren Gefühl, dass nämlich dieses nächste Projekt mir etwas Neues, anderes bietet. Und dann bleib ich dran. Also gut, man entscheidet sich für ein Projekt, das einem viel bedeutet. Was ist der nächste Schritt? dicaprio: Ich halte Recherchen für den wahrscheinlich unterschätztesten Teil   41


beim Filmemachen. Im Zuge der Vor­ produktion musst du deine Figuren genau analysieren. Wenn du beim Dreh nicht schon einen ganzen Wissensschatz zu die­ sen Personen und ihren Verhaltensweisen aufgebaut hast, wenn du dich darin nicht sattelfest fühlst, dann kannst du sie nicht authentisch darstellen. Denn es wird immer unangenehme Überraschungen geben. Dinge ändern sich tagtäglich, du änderst deine Meinung, der Regisseur ­ändert seine … In diesen Momenten kannst du nur richtig reagieren, wenn du in deiner Rolle ganz zu Hause bist. pitt: Und du musst den Schaffensprozess geniessen. Das ist auch einer der Gründe, warum sich kein anderer Dreh mit dem eines Tarantino-Films vergleichen lässt – wegen seiner Liebe zum Film. Manchmal sagt Quentin nach einer Einstellung: «Wir haben’s im Kasten. Aber wir werden’s noch mal drehen. Und warum …?» Dann ruft die ganze Crew im Chor: «… weil wir es lieben, Filme zu machen.» Mit dieser Einstellung führt er das ganze Team. dicaprio: Brad hat recht. Das würde ich

Pitt und DiCaprio in Cannes: «Eine Karriere beim Film gleicht einer ­Achterbahnfahrt. Es geht immer rauf und runter.»

« W E N N D U N I C H T A N D E I N P R O J E K T G L AU B S T, DA N N E R W E I S T D U I H M E I N E N B Ä R E N D I E N S T  –  D U E N T E H R S T E S . »   L E O N A R D O D i C A P R I O

auch meinem jüngeren Ich raten: Treib dich an, nimm alles ernst! Versuch das Unmögliche! Und geniesse deine Reise. Hollywood ist allerdings nicht un­ bedingt als Ort für Friede, Freude, ­Eierkuchen bekannt. Ist es nicht eher das ungemütliche Haifischbecken? pitt: Ich weiss, es gibt die Ansicht, dass jeder in Hollywood Nabelschau betreibt und nur in «Ich, Ich, Ich!»-Kategorien denkt. Das will ich gar nicht bestreiten, aber das gibt es in allen Branchen. Und die für mich interessantesten Leute in unserem Beruf sind diejenigen, die Dinge hinterfragen und sich für intelligente, provokante Ideen interessieren. Das sind 42

Menschen, die beim Geschichtenerzählen­ nach sich selbst, nach dem Wert des Erzählten, nach Antworten und tieferer Bedeutung suchen. dicaprio: Was nicht heisst, dass es nicht auch Meinungsverschiedenheiten geben kann. Ich kann ganz unverblümt offen sein. Das habe ich in meinen Genen. Das mag manchmal zu Spannungen mit meinen Mitstreitern führen, aber das ist etwas Gutes. Denn ansonsten machst du etwas, woran du nicht glaubst. Und wenn du nicht an dein Projekt glaubst, dann erweist du ihm einen Bärendienst, du ent­ ehrst es. Ich glaube, kein Regisseur kann von mir behaupten, dass ich mit meiner Meinung zu Projekten je hinterm Berg

gehalten hätte. Und ich hoffe, dass diese Filme dadurch besser geworden sind. pitt: Leo und ich haben mit sehr auf­ geschlossenen und intelligenten Leuten gearbeitet. Und dabei kommt es natürlich auch zu Diskussionen. Wenn dir klar ist, dass du es mit einer inspirierenden Person zu tun hast, dann kannst du etwas von ihr lernen. Deshalb mag ich es, mit Regisseu­ ren zu arbeiten, die schlauer sind als ich. Was kann man denn von Quentin ­Tarantino lernen? pitt: Quentin will alles real in der Kamera einfangen. Da gibt es keine Computer­ effekte. Meine Figur, ein Stuntman, hat eine ganz lange Kampfszene mit Bruce THE RED BULLETIN


«ICH WILL MICH NICHT WIEDERHOLEN, SONDERN M I C H W E I T E R B E W E G E N , AU F G E D E I H U N D V E R D E R B . ICH KANN NICHT ZURÜCK.»  BRAD PITT

Lee. Und Quentin sagte: «Wir drehen das alles in einer Einstellung – ohne Schnitte.»­ Darauf ich: «Aber du kannst es doch danach so schneiden, dass es genau so wirkt.» Aber er blieb hart: «Wenn wir alles in einer Einstellung bringen, dann muss das auch exakt so gefilmt werden.» Und genau das haben wir gemacht. Du kannst mit ihm debattieren, aber du solltest nicht mit ihm streiten.

ANDREAS RENTZ/GETTY IMAGES, 2019 SONY PICTURES ENTERTAINMENT DEUTSCHLAND GMBH (3)

Wo wir beim Thema Konfrontation sind: Hat einer von euch sich jemals einen echten Kampf mit einem CoDarsteller geliefert? pitt: Nein, aber bei einem Actionfilm liess der Regisseur mich und meine Kollegen gegeneinander boxen. Er erklärte, dass wir uns auf diese Weise besser kennen­ lernen. Seine Worte waren: «Du erfährst erst richtig etwas über jemanden, wenn du ihm ins Gesicht schlägst.» Wir haben durch das Sparring einen richtigen Ge­ meinschaftsgeist entwickelt. Einerseits bist du aggressiv, andererseits hältst du dich auch zurück, weil dir der andere

Neulich in Hollywood Auf die grosse Leinwand – um jeden Preis: Nach diesem Motto versuchen TV-Star Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und sein Stunt-Double Cliff Booth (Brad Pitt), in Hollywood Fuss zu fassen. Quentin Tarantinos­ «Once Upon a Time … in Hollywood» feiert die Traumfabrik der ausklingenden 1960erJahre – mit perfekt inszenierter Nostalgie und einer gehörigen Portion Gewalt. 159 Minuten, ab 15. August in den Kinos THE RED BULLETIN

e­ twas bedeutet. Du zeigst Wettbewerbs­ geist und zugleich Beschützerinstinkt. Wie stark ist der Wettbewerbsgeist beim Drehen? Wie gross ist die Versuchung, eine Szene an sich zu reissen? dicaprio: Das ist nie ein Thema. Wir ­machen, was für die Rolle richtig ist. pitt: Ja, das ist eine Sackgasse. Wenn du um so etwas kämpfst, bist du auf dem sichersten Weg, den Film zu vermurksen. Bei einem grossartigen Projekt muss jeder die Chance haben, sein Bestes zu geben. All diesen Erkenntnissen zum Trotz waren nicht alle eure Filme durch­ schlagende Erfolge … pitt: Das kommt immer darauf an, wie man Erfolg definiert. Ich erinnere mich, wie ich Anfang der Neunziger einmal die Turnwettbewerbe bei der Olympiade anschaute. Da gab es eine Russin, die als absolute Favoritin galt. Aber nach den ersten zehn Sekunden ihres Programms stürzte sie. Ich sah, wie sie dann wieder aufstand und alles perfekt durchzog. Das war für mich höchst inspirierend und bewegend. Alle sprachen davon, was das für eine Erniedrigung gewesen sei, aber für mich war das ein wahrer Sieg. Wenn es also um Filme geht, dann denken wir oft nicht an den Schwierigkeitsgrad. Für mich definiert sich Erfolg aber genau dar­ in – und nicht in der Frage, ob er als bester Film in den Jahrbüchern stehen wird. Doch Misserfolge aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit können auch zum Ende einer Karriere führen. pitt: Irgendwann wird jeder mal eine vergessene Grösse sein. Du kannst nichts ­anderes tun, als einfach weiterzumachen. dicaprio: Letztlich ist jede Karriere eine Achterbahnfahrt. Es geht immer rauf und runter. Deshalb bleibt dir nichts anderes übrig, als das Ganze als Langstreckenlauf zu betrachten. pitt: Ich glaube, der grosse Fehler liegt darin, nach der Bedeutung im Resultat zu suchen. Du findest die Bedeutung im Tun. Jeden Tag. Darauf kommt es an. Aber das zu finden ist zugegebenermassen ein ständiger Kampf.   43


Eins mit den Bergen: Géraldine Fasnacht bei ihrem Wingsuit-Flug von der Aiguille du Midi auf 3842 m ü. M.

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CHRIS SCHMID PHOTOGRAPHY

Die Vogelfrau Auf dem Snowboard ist sie eine Legende, in der Luft eine Pionierin. Mit einem massgeschneiderten Wingsuit erobert die Westschweizerin GÉRALDINE FASNACHT hochalpine Gebiete. Risiko und Nervenkitzel sind ihre ständigen Flugbegleiter, doch ihr Antrieb ist die Freiheit. Text OLIVIER JOLIAT


er Steinadler ist ausgeflogen. Sein «Schloss» zu Verbier überlässt der majes­ tätische Vogel diese Sommersaison einer anderen Königin der Lüfte: Géraldine ­Fasnacht. Die Schweizer Flugpionierin nutzt die «Le Château» getaufte Fels­ kuppe gerne als Startplatz für ihren ­Morgensprung im Wingsuit. «So bequem, ohne Seil oder Steigeisen, kommt man selten zu so schönen Absprungplätzen», schwärmt Géraldine. Vor knapp einer Stunde ist sie vor ihrer Haustür im Dorf losmarschiert, dem Wanderweg entlang,

Das Ultraleicht-Flugzeug erweitert den ­Radius von Géraldines Spielplatz und ermöglicht ihr bei optimalen Bedingungen sogar Gletscherlandungen.

Spuren im Schnee: In ihrer Freeride-­ Karriere errang ­Géraldine 11  Sie­ge und 23 Podiums­plätze bei internationalen Wettbewerben.

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«In der Luft fühle ich mich privilegiert, frei wie ein Vogel und akzeptiert von den Bergen.» Spielplatzes massgeblich erweitert. Die Vogelfrau geht auf Pirsch. «So kann ich von der Gebirgspiste in Verbier hinüber zum Gletscher am Grand Combin fliegen und unterwegs neue Snowboardrouten oder Absprungplätze entdecken.» Aber wie kommt man vom Snowboard zum Wingsuit? «Mit Leidenschaft», sagt Géraldine. «Für mich ist alles wie Fliegen. Ein Spiel mit dem Licht, den Formen des Berges und der Landschaft, die ich mit Snowboard oder Flügeln nachzeichne.» Weiche Linien, feminine Linien, wie sie betont. Darum stört sie auch, wenn man sie als Extremsportlerin betitelt, die der Natur trotzt, sie gar bezwingt. «Ganz im Gegenteil: Ich lebe meine Passion in Harmonie mit der Natur. Ich betrachte mich vielmehr als Künstlerin, die ihre ­Linien zieht – wenngleich auch unter teils extremen Bedingungen.»

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b Sport oder Kunst: Géraldine Fas­ nacht ist jedenfalls eine Meisterin ihres Metiers. Den ersten Höhe­ punkt ihrer Karriere feierte sie mit 21 Jahren. Gleich bei ihrer ersten ­Ein­ladung zum Xtreme Verbier gewann sie als jüngste Fahrerin diesen weltweit renommiertesten Freeride-Event. Weitere Er­folge und Titel folgten. 2001 begann die heute 39-Jährige mit dem Base-Jum­ ping, wenig später flog sie auch im Wing­ suit durch die Luft. «Ich brauchte eine Motivation, um mich zwischen den Snow­ board-Saisons in den Bergen fit zu halten. Und dieser Sport vereint viele alpine Dis­ ziplinen und fordert physische, mentale sowie technische Höchstleistungen.» Ihre sonnengebleichten Haare hat ­Géraldine mittlerweile unter ihrem pink­ farbenen Helm gebändigt. Nun steckt sie Sonnenbrille, Mütze und Portemonnaie in die Innen­taschen des alpinen Wing­ suits: «Als ich bei meinem Suit-Schneider solche Taschen forderte, lachte er und ­fragte: ‹Für dein Make-up?›» THE RED BULLETIN

DAVID CARLIER, RAPHAEL SURMONT, SEBASTIEN BARITUSSIO

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von dem sie kurz vor ihrem Ziel querfeld­ ein ausbricht, über ein paar gefallene Föhren steigt, Stolper­zweige aus dem Weg räumt und das kleine Felsplateau mit steil abfallender Kante erreicht – direkt neben dem Ausguck-Ast, von dem sonst der grösste Raubvogel der Alpen sein ­Revier überblickt. Heute ist es ihr Revier. Das Walliser Alpenpanorama glitzert in der Morgensonne. Links am Horizont – Géraldine macht eine Geste, als würde sie auf eine Sitzecke in ihrem Wohn­ zimmer hinweisen – liegt ihr Lieblings­ berg, der Pleureur: «Der ist wohl nach meinen Freudentränen benannt, die ich auf den Flügen vom Gipfel schon ver­ gossen habe.» Vis-à-vis strahlen der Petit Combin, die Aiguille d’Argentière, die Dents du Midi. Géraldine hat zu allen eine ganz persönliche Geschichte. Denn das hier ist ihr Spielplatz. Schon als junges Mädchen besteigt sie die Gipfel und Grate, um die Steilwände und Couloirs mit dem Snowboard zu erkunden. Wenig später erobert sie die Drei- und Viertausender, um sich im Wingsuit tausende Höhen­ meter ins Tal zu stürzen. Ihre neueste ­Leidenschaft ist aber ein Ultraleicht­ flugzeug, mit dem sie den Radius ihres


Mit Leidenschaft und Bedacht: GÊraldine Fasnacht bereitet ihre Wingsuit-Abenteuer akribisch vor und lässt bei Zweifel davon ab.


Zu viel Risiko? Kein Fun!

So gleitest du kontrollierter.

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STEIGERE DICH LANGSAM Es ist buchstäblich noch kein Meister vom Himmel gefallen. Bevor ich meinen ersten Base-Jump wagte, feilte ich bei über 300 Fallschirmsprüngen an ­meiner Flugtechnik. BEREITE DICH GRÜNDLICH VOR Zur perfekten Vorbereitung gehören Training und akribische Kalkulation. Ich messe meine Absprungstellen mit Laser aus und hole mir Rat bei Fachleuten.

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RESPEKTIERE DEINE GRENZEN Vor Ort muss ich die äusseren Be­ dingungen und mein Limit einschätzen können. Es gibt keinen Erfolg ohne ­Scheitern, doch in meinem Sport heisst das, auch einmal abzubrechen.

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HÖR AUF DEIN BAUCHGEFÜHL Bei Les Drus habe ich das erste Mal abgebrochen. Alle Kalkulationen sagten: Es funktioniert. Aber der Bauch sagte nein. Ich höre immer auf ihn, obwohl ich den Abstieg zu Fuss hasse.

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ÜBERNIMM VERANTWORTUNG Spätestens wenn du in den Bergen mit jemandem am Seil bist, lernst du, für dich und andere Verantwortung zu übernehmen. Ich versuche, das möglichst auch im Alltag zu leben. Nur wenn wir ­unsere Fehler anerkennen und daraus ­lernen, kommen wir im Leben weiter.

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PHILIPPE PETIT/PARIS MATCH/CONTOUR BY GETTY IMAGES, TAMARA BERGER

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«Die Berge und die Start­plätze waren schon lange vor mir da und bleiben ewig, egal ob ich ihnen einen Namen gebe.» Den Überblick über die von ihr entdeckten Startplätze hat Géraldine längst verloren.


Bilderbuch-Sprung: 2014 schaffte Géraldine Fasnacht als erste Wing­ suit-­Pilotin der Welt einen Flug von der legendären Matterhorn­spitze.


Auf einen Meter Sink­ flug kommen über drei Meter Horizontal­ flug. Géraldines ­Fall­geschwin­digkeit ­beträgt deshalb ­weniger als 60 km/h.

«Ich bin eine Künst­ lerin, die ihre Linien unter extremen Bedingungen zieht.»

Wie ein Vogel durch die Luft So funktioniert Wingsuit-Fliegen.

BERTRAND DELAPIERRE, GERALDINE FASNACHT

Ein Wingsuit ist ein Ganzkörper­anzug, bei dem zwischen Armen und Beinen ein luft­matrat­zenartiger Stoff gespannt wird. Durch kleine Luft­einlässe bläht sich der Anzug nach einem Sprung aus einem Flugzeug oder von einem festen Objekt aus (Base­-Jump) auf und wandelt den freien Fall zum Teil in eine Flugbewegung um. Bei einer Gleitzahl von 1:3 kommen drei Meter Horizontalflug auf einen Meter Sinkflug; je nach Thermik kann zwischendurch sogar an Höhe ­ge­wonnen werden. Die Vorwärtsgeschwindigkeit beträgt zwischen 160 und 180 km/h, durch natürliche Bewegungen bestimmt der Pilot Flugrichtung und Sinkrate. Voraussetzung, um in der Schweiz mit einem Wingsuit fliegen zu dürfen: mindestens 200 Fallschirmsprünge und eine Profi-Einweisung.

Eher fürs Set-up. Géraldine benötigte die Taschen, um Steigeisen, Stöcke und Seil zu verstauen. Sie hatte ein Ziel vor Augen: das alpine Bergsteigen mit BaseJumps im Wingsuit zu verbinden. Die ­Vision reifte über Jahre. Sie suchte in den Alpen nach geeigneten Gipfeln und packte bei ihren Erkundungstouren auch einen Laser ein, um das Gelände akribisch zu vermessen. «Doch die Berechnungen gingen erst auf, als 2012 eine neue Genera­tion von Wingsuits einen flacheren Flugwinkel ermöglichte.» Im selben Jahr sprang Géraldine nach stundenlanger Kletterei von den Drus. «In dem Moment spürte ich nur Freiheit. Im Augenblick des Sprungs waren all die Anstrengungen am Berg und in der Vorbereitung einfach weg, der Kopf glückstrunken und doch zu 100 Prozent klar. Der Zustand hat etwas sehr Meditatives, Entspannendes – selbst wenn alle Sinne hoch konzentriert sind. In der Luft fühle ich mich privilegiert, frei wie ein Vogel und akzeptiert von den Bergen.»

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ereits damals hatte die Pionierin bei ihren Expeditionen von der Arktis bis in die Antarktis viele neue Sprunggebiete eröffnet. Doch mit ihren alpinen Flügen startete Géral­ dine eine komplett neue Wingsuit-Ära, die eine ganze Generation von Athleten inspirierte. Den Überblick über die zahlreichen von ihr entdeckten Startplätze

rund um den Globus hat sie längst ver­ loren – wohl auch, weil es ihr nicht be­ sonders wichtig erscheint. «Die Berge und Startplätze waren schon lange vor mir da und bleiben ewig, ob ich ihnen nun einen Namen gebe oder nicht.» Verglichen mit ihren hochalpinen Startplätzen fällt die heutige «Guten Morgen!»Wand nur 800 Meter ab. «Sag niemandem ausserhalb der Schweiz ‹nur› 800 Meter», lacht Géraldine, «wenn ich anderswo von der Auswahl erzähle, die ich hier vor der Haustür habe, kommen den Base-Jumpern die Tränen.» Dann zurrt sie die letzten Riemen ihres Wingsuits fest, checkt nochmals alles durch, spricht einen kurzen Countdown und springt hinunter ins «Dreieck der Freundschaft», wo die Täler aus Aosta, Chamonix und Verbier zusammentreffen. Heute zieht sie allerdings nicht nach rechts – wo sie abends gerne vor dem Haus des Sprungkollegen Yves landet –, zum Teil, weil die Bedingungen morgens besser sind, links um den Felsen zu ziehen, vor allem aber will sie uns auf dem Flughafen von Bex noch ihre neueste Flugliebe präsentieren: Romeo. Noch steht der knallorange Ultraleichtflieger im Hangar. «Papierkram!», zeigt sich Géraldine leicht genervt. Doch sobald der erledigt ist, will sie mit Romeo um den Globus fliegen und Freunde be­ suchen, deren Natur- und Tierschutz-Projekte sie auf ihrem Lebensweg inspiriert haben. «Was ich bisher erreicht habe, ­gelang nur dank der Hilfe von einem Team aus Freunden. Nun will ich etwas zurückgeben und Aufmerksamkeit für ihre ­Ini­tiativen und Ideen gewinnen.» Mehr Infos unter: geraldinefasnacht.com

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Ein Mann ohne Gesicht als Superheld der Generation Instagram? Mit einer Panda-Maske verwandelte sich Carlo in den Rapper Cro – und damit in eine Kunstfigur, die nur ein Ziel hat: authentisch sein. Plus: Die Macht der Maske – acht weitere Künstler erklären, warum sie ihr Gesicht verstecken. Text STEFAN NIEDERWIESER Foto NORMAN KONRAD  Illustrationen TOM MACKINGER

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THE RED BULLETIN


Rapper Cro auf Instagram: kreativ verstecktes Antlitz fĂźr 541.000 Fans


Bilder aus Cros Instagram-Feed: «Ein Geheimnis erhöht die Spannung, es bietet Schutz. Beides hilft Cro, so zu sein, wie er ist.»


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asy. Ganz easy mischte Cro vor acht Jahren den deutschen Rap auf. «Easy», so hiess seine erste Single, die geschmeidige Wortspiele in entspannte Beats bettete. 21 Jahre war dieser Junge aus Stuttgart alt, als sie rauskam. Kurz zuvor hatte Carlo – so sein bürgerlicher Name – noch Cartoons für eine Zeitung gezeichnet, der musikalische ­Unterricht lag in der Vergangenheit, war aber nicht in Vergessenheit geraten. Er setzte sich eine Panda-Maske auf und wurde zu Cro. Und dann steppte, ­Pardon, rappte der Bär. Das Video schlug über Nacht ein, der Song räumte Platin (Schweiz und Österreich) und dreifach Gold (Deutschland) ab. Und das in einer Zeit, als Deutsch-Rap in künstlerischen Seichtgewässern dahindümpelte. Mit Cro kam eine neue Welle. Er war kein Kleinganove aus dem Plattenbau, aber auch kein weichgespülter Weltverbesserer. Cro war anders. Er war un­ beschwert und lässig. Und er kannte die hübschesten Frauen.

«Ich hatte einfach diese Idee davon, im Bus zu sitzen, von niemandem erkannt zu werden und zu lauschen, wie Leute über mich reden.» – Sido Ausserdem hatte er ein Geheimnis. ­ atürlich wollten die Leute wissen, wer N Cro ist. Wer verbirgt sich hier? Warum tut er das? Und wann taucht vielleicht auch das erste Bild ohne Maske auf? Ein Geheimnis erhöht immer die Spannung. Und ein Geheimnis bietet auch Schutz. Beides hilft Cro, so zu sein, wie er ist. «Ich bin immer echt», sagt Cro im ­Interview. «Die Maske dient dazu, meine Fans auf meine Musik und Kunst zu

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l­ enken und sie nicht mit meinem Aus­ sehen abzulenken.» Und warum aus­ gerechnet ein Panda? «Das war einfach die coolste Maske, die es auf dieser Internetsite gab, und deswegen habe ich sie

«Make-up schien der perfekte Weg für jeden von uns, sich einen Charakter zu geben, der uns als Individuen definiert und versinnbildlicht.» – Kiss völlig hirnlos bestellt.» Neu ist die Taktik freilich nicht. Bereits seit Jahrtausenden nutzen Menschen Anonymität und Narren­freiheit einer Maske, um sich ­gesellschaftlichen Konventionen zu ent­ ziehen, im Amphitheater, bei Masken­ bällen, im Karneval. Wenn die Person in den Hintergrund tritt, tritt ihr Handeln in den Vordergrund. Und genau das wollte Cro: fokussieren. Bei ihm sind es die Musik und seine Texte, in denen er ausdrückt, was ihn beschäftigt. Weil seine Fans sein Gesicht oder ­seine Mimik auf der Bühne nicht beurteilen können, müssen sie ihm tatsächlich zu­ hören. Das schafft Freiheit. So kann er sich einfacher treu bleiben. Sich treu zu bleiben, das ist nicht ­immer einfach. Cro ist heute keine 21 mehr, er hat sich künstlerisch verändert, sein letztes Album heisst «Tru». Darauf probiert er mehr aus, echte Instrumente statt Loops aus dem Pult, nostalgische

«Ich mache das nicht, weil ich denke, dass ich hässlich bin. Ich versuche, ein wenig Kontrolle über mein Image zu haben. Und es erlaubt mir einen Funken Privatsphäre.» – Sia

Sounds und Effekte. Die Songs erstrecken sich teilweise weit über fünf Minuten, man spürt die hitzige Atmosphäre ­förmlich aus den Boxen tropfen. Seine Stimme klingt ab­geklärter. Das Video zu «Computiful» ist voll mit Palmen, ­Kassetten, Bikinis, hübschen Mädchen mit Schmollmund, pink-violetten Farben und Bildern, die an VHS-Ästhetik und ­frühes Internet er­innern. Sie wechseln in rasend schnellen Schnitten. «Ich hab auf Tinder kein’n Bock», singt er dort ­immer wieder. Dennoch swipt sich der Protagonist des Songs durch die DatingApp, sucht «computed love». Aber eine falsche Nachricht, und schon ist er von Maria abgeturnt. So lange, bis die nächste Maria kommt … Cro untersucht Liebe im Zeitalter ihrer digitalen Reproduzierbarkeit. «Scheiss auf

«Kraftwerk und Ziggy Stardust und Kiss – die Leute glaubten, die Helme seien Marketing oder so etwas, aber für uns war es Sci-Fi-Glam.» – Daft Punk Hype und auf Fame, mach das Internet kaputt», singt Cro. Dass Liebe heute nicht einfacher geworden ist, wenn Algorithmen sie verwalten. Diese Liebe mit ihren Widersprüchen zu beschreiben ist eigentlich viel mehr, als man von einem Popsong erwarten kann. Cro komponiert eine Collage des modernen Lebens. Der Albumtitel «Tru» ist weniger Hand aufs Herz als Faust aufs Auge. Tru sein, echt sein, das bedeutet im Hip-Hop oftmals, dass man nicht den ­gleichen Weg geht, den die meisten ­gehen. Rapper erzählen ganz gerne von ihren Autos, Alkohol und grünen Knollen, die sie auf dem Weg nach ganz oben ­ver­brennen. Credibility wird zur Marke, die Marke zur Trademark. Die Sweater von Supreme oder Palace, Sneaker von Balenciaga und Yeezy.

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«Ich spiele schon so lange, aber niemand erkennt mich, und ich kann so sein, wie ich bin.» – Sbtrkt Cro tickte früher nicht anders. Er erzählte von vier Mercedes-Benz, die auf ihn angemeldet waren, und Fünf-SterneHotels, in die er laufend eincheckt. Die übliche Angeberei. Mittlerweile braucht er das nicht mehr, und er braucht auch keine Leute, die andere nur kopieren. Ob seine Fans auch so fühlen wie er? «Ich hoffe, dass ich denen das wenigstens mitgeben konnte und sie darüber nachdenken, was sie wirklich benötigen, um glücklich zu sein», sagt Cro. «Ich mach immer, was mir Spass macht und was ich zu hundert Prozent ­fühle. Das wirtschaftliche Ergebnis ist erst einmal egal», so Cro weiter. Seine ersten zwei ­A lben brachten Pop und Rap zusammen, easy Refrains, Zeilen über das gute Leben, coole Beats. Nicht nur in der Schweiz brachte ihm das Platin. Cro brach Rekorde, musste immer weiter, lief und lief wie ­Forrest Gump. Im gleichnamigen Song «Forrest Gump» schildert er seinen Weg. Sein Vater meinte früh zu ihm, er solle ­lieber etwas Solides machen. Aber statt im Hamsterrad des Lebens anzutreten, setzte Cro alles auf Risiko. Und wie bei Forrest Gump liefen hinter ihm bald mehr und mehr Fans ein Stückchen seines Weges mit.

«Wir gehen mit Maske auf die Bühne und sind anschliessend ohne Maske die Jungs, die wir immer waren. Die Masken schützen uns auch davor, dass wir unsere Egos zu sehr aufblasen.» – Genetikk

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Und plötzlich blieb Cro stehen. Blieb stehen und ging nach Hause. Er fragte sich, was wichtig ist, was echt ist und was fake. Das Ergebnis war «Tru». Wenn man sich überlegt, was echt ist und was fake, was richtig und was falsch, kann einem leicht schwindlig werden. Denn es ist ja so: Ich bin immer ich. Insofern bin ich immer echt. Aber in echt vielleicht noch auf dem Weg. Im Englischen gibt es den Spruch «Fake it till you make it», salopp übersetzt «Tu so lange, als ob, bis du es geschafft hast». Diese Spielwiese zwischen Sein und Schein ist der fruchtbare Nährboden für Social Media.

«Ich habe sie für meinen ersten offiziellen Deadmau5-Gig getragen, und alle haben mich angesehen in der Art ‹Was zur Hölle?›. Ich habe sie aufgesetzt – und los! Ja, ich bin Deadmau5, hier ist mein Mäusekopf.» – Deadmau5 Und Cro hat sich seinen ganz eigenen Reim darauf gemacht. Im Video zu «Unendlichkeit» stürzt er aus einem Fenster, das aussieht wie ein Instagram-Post, er fällt an einem Feed von Fotos entlang ins Leere. Cro spricht aus, was sich andere nur denken: «Viele Leute auf Instagram sind fake.» Die Villa, das Boot, der Urlaub und die Partys, alles nur getrickst. Cro ist ein Phänomen. In einer Zeit, in der es so viele Bilder gibt wie noch nie, ist er ein Star geworden, weil er sein Gesicht eben nicht herzeigt, weil er das Spiel nicht mitspielt und stattdessen lieber ­Dinge postet, die ihm wichtig sind und die ihn inspirieren. Natürlich kündigt er auch neues Material an oder Konzert­ termine. Seine Maske gibt ihm dennoch eine Freiheit, sich auszudrücken, die ­aussergewöhnlich ist. Und Cro scheint

e­ inen gesunden Umgang mit modernen Kommunikationsplattformen zu haben. Er verteufelt sie nicht, Verbote oder strikte Auszeiten vom Smartphone machen das

«Wenn du eine Maske aufsetzt, verlässt du deine eigene Zeit, und du lässt die Welt hinter dir, in der man sich über Auf­ richtigkeit lustig macht, du bewegst dich in eine Welt von Superhelden, wo Sailor Moon und Spider-Man, die vollkommenen modernen Role Models, zu finden sind.» – Pussy Riot Leben nur unentspannt, sagt er. Aber wenn etwas Spannendes passiert, lässt er das Handy links liegen. Von Batman bis Spider-Man – auch ­Superhelden tragen Masken. Zum Schutz ihrer wahren Identität. Das findet auch Cro super. «Ich laufe durch die Strassen und werde null erkannt, einmal im ­Monat vielleicht. Das ist gut für meinen Charakter. Hätte ich die Maske nicht, wäre ich, glaube ich, anders zu fremden Menschen. Dann hätte ich wahrscheinlich Starallüren. Wenn ich den Schutzschild Maske nicht hätte, brauchte ich den Schutzschild des Arschlochseins.» ­A llerdings existieren diese zwei Welten nicht ohne Konflikte, bei Superhelden nicht und auch nicht bei Cro. Im Video zu «Baum» fährt er einen weissen Lotus ­Esprit, wie ihn einst auch James Bond ­gefahren hat. Plötzlich steht sein Alter Ego vor ihm. Carlo und Cro auf Kolli­ sionskurs. Im Video finden Fiktion und Traum, virtuelle Realität und das echte Leben mit atemberaubenden Bildern zueinander. «Easy» ist schon lange her. Das hier ist grosse Kunst. Und gleichzeitig ist es tru.

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INNOVATOR

Mars Base One

Hier wirst du zum Marsianer Sich einmal fühlen wie ein Astronaut, ohne den Planeten zu verlassen – in China ist das möglich. Und zugleich ein grosser Schritt auf dem Weg zum Mars.

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as auf den ersten Blick aussieht wie eine Siedlung auf dem Mars, ist doch ein Bau­ werk auf der Erde. Es steht in der Wüste Gobi, rund 40 Kilo­ meter von der chinesischen Minenstadt Jinchang entfernt. «Mars Base One» wurde errichtet, um das Leben auf unse­rem Nachbarplaneten zu simulieren. Die Basis besteht aus neun Kapseln, die man auch auf dem roten Planeten bräuchte – vom Kontrollraum

G U TE IDEEN FÜ EINE BES R SE ZU K U N F R E T

über ein Gewächshaus bis zur Recyclinganlage –, und ent­ stand als Zusammenarbeit der Bildungsinitiative C-Space mit Chinas Raumfahrtprogramm. In der terrestrischen MarsStation können Besucher (vorerst nur aus China, später auch aus aller Welt) nun am eigenen Leib erleben, was es heisst, auf engstem Raum mit minimalen Ressourcen aus­ kommen zu müssen. Wasser muss etwa bis auf den letzten Tropfen wiederaufbereitet

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LOU BOYD

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dabei die Strasse aber weiter­ hin im Blick behältst. Das Instrument wird am Lenker montiert, über eine Smartphone-App gekoppelt und kann nur mit einem Spezialschlüssel entfernt werden. «Da wir selbst Rad­ fahrer sind, wollten wir end­ lich die zwei grössten Pro­ bleme von Radfahrern in der Stadt lösen: Navigation und Sicherheit», so Xavier Peich, Geschäftsführer des Startups mit Sitz in Montreal. SmartHalo 2 ist ab 139 Euro auf Kickstarter erhältlich.

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Er ist bärenstark und schreckt vor keiner Herausforderung zurück. Der 22-jährige Schwinger REMO KÄSER ist das junge Gesicht einer alten Tradition. Der Berner weiss trotzdem ganz genau, was sich gehört. Text LUKAS RÜTTIMANN  Fotos DAN CERMAK

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Mann vs. Auto

Wer gewinnen will, muss angreifen, findet Remo Käser. Zum ­Beweis versucht er sich als Wagenheber.

Respekt!


Brauchtum vs. Instagram Der 22-jährige Berner ist beides: traditionsbewusster Spitzenschwinger und Social-Media-Profi.


Schotter vs. Sägemehl

Auch jenseits von ­ ägemehl muss Spass S sein. Zum Beispiel mit einem Suzuki Jimny in der Kiesgrube.

Er

gilt als Glücksfall für den Schwingsport, als junges Gesicht einer uralten Tradition. Warum das so ist, merkt jeder, der Remo Käser begegnet. Bei unserem Shooting hat der sympathische 1,89-Meter-Hüne für alle einen ­lockeren Spruch und ein freundliches L ­ ächeln übrig. Selbst bei ­Hitze und Anstrengung handelt der gelernte Spengler charmant und professionell. Dem Klischee des wortkargen Kraftbrockens entspricht Käser ­definitiv nicht. Bodenständig hingegen, das ist er. Im ­Gespräch denkt der Zweiundzwanzig­ jährige erst genau nach und gibt dann exakte, nie ausufernde Antworten.

Im Sägemehl geht es hart zur Sache, aber immer mit Fairness. Auch die Entscheidungen des Kampfrichters werden respektiert. Ich denke, das ist nicht in jedem Sport selbstverständlich.

the red bulletin: Remo, warum wer­ den die besten Schwinger «die Bösen» genannt? remo käser: Der Begriff ist nicht negativ gemeint. Früher sagte man im Bernbiet bös ha, wenn eine Arbeit sehr hart war. Und gegen einen starken Schwinger anzutreten ist ja tatsächlich hart – auch wenn wir alle ganz nette Jungs sind!

Inwiefern wird dieser Respekt ausser­ halb des Sägemehls gelebt? Respekt und Anstand bekommt man doch schon im Elternhaus mit auf den Weg, nicht? Ich selber gebe mir jedenfalls Mühe, jeden anständig und fair zu be­ handeln und nicht schlecht über andere zu reden. Hinter den Leistungen in diesem Sport steckt viel Arbeit. Ich setze meine Energie lieber dort ein.

Unter Schwingern herrscht ein stren­ ger Ehrenkodex. Respekt und Achtung sind sogar im Leitbild des Verbands verankert. Entspricht das deinen Er­ fahrungen? Hundertprozentig! Genau das ist ja eine der Erfolgsformeln des Schwingsports:

Jeder kennt die Geste, dass der Sieger das Sägemehl vom Rücken des Ver­ lierers abwischt. Was steckt hinter ­diesem Brauch? Das ist ein Zeichen der Fairness. Man signalisiert, dass man den Gegner respektiert, auch wenn er verloren hat. Und es

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«Es kommt nicht selten vor, dass man sich mit einem Gegner auf ein Bier trifft.» ist praktisch, weil man selbst nur schwer an die Stelle rankommt. Nein, ernsthaft: Es soll so sein, dass man im Triumph zuerst an den Unterlegenen denkt und sich die Hand gibt, als Zeichen der gegen­ seitigen Anerkennung. Das Schwingen ist in vielen Bereichen eine Schule fürs Leben. Man lernt zum Beispiel, nach ­Niederlagen sofort wieder aufzustehen und seinen Weg weiterzugehen. Das nützt einem nicht nur im Sport, sondern auch in der Schule, im Alltag oder im Job.   63


110 Kilo vs. 1,08 Tonnen

Als Trainingsgerät ist der Suzuki nicht wirklich gebräuchlich – Remo nimmt’s trotzdem gelassen.


«Schwingen ist eine Schule fürs Leben. Man lernt, nach Niederlagen sofort wieder aufzustehen.»

Erinnerst du dich an etwas, wo dir d ­ iese Lebensschule geholfen hat? Ende Juni zog ich mir beim Nordost­ schweizer Schwingfest eine Bandscheiben­ verletzung am Halswirbel zu – und das knapp zwei Monate vor dem wichtigsten Wettkampf des Jahres! Am Abend nach der Verletzung war ich am Boden zer­ stört, doch schon am Morgen darauf sah ich nur noch das Ziel vor meinen Augen: pünktlich zum Eidgenössischen Schwing­ fest Ende August wieder fit zu sein! ­Immerhin hatte ich bei meiner Verletzung Glück im Unglück, und die Ärzte halten mein Ziel für realistisch.

Ausdauer ...

Durchhaltevermögen ist seine Stärke. Um einen längeren Atem zu haben als seine Gegner, trainiert Remo seine Kondition.

... vs. Kraft

Schwingen ist letztlich aber doch ein Kraftsport. Neben dem Schwingtraining gibt’s regelmässig ein hartes Workout.

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Bei Wettkämpfen fühlt sich Remo vom Publikum beflügelt.

Respekt ist in den sozialen Medien ein brisantes Thema. Wie reagierst du, wenn dich jemand disst? Das kommt vor, dank der Anonymität ist die Hemmschwelle im Netz relativ gering. Viele nutzen das Internet als Ventil, um Frust abzubauen. Früher haben mich ­negative Kommentare eher verletzt. Heute weiss ich, dass man es nicht allen recht machen kann und auch nicht muss. Ich bin der Meinung, dass man Trollen keine Plattform bieten sollte und sie am besten ignoriert. Oft ist auch Neid im Spiel. Haben die Jungen heute tatsächlich weniger Respekt, wie das die ältere ­Generation gern behauptet? Freche Kerle gab es immer. Ich persön­ lich kann auf ein gutes Umfeld mit tollen Freunden und einer grossartigen Familie zählen. Aber päpstlicher als der Papst sollte man auch nicht sein. Ich versuche, mit gutem Beispiel voranzugehen und die richtigen Werte vorzuleben. Gerade­ der Schwingsport zeigt, dass es sich lohnt, für ein friedliches Miteinander ein­ zustehen. Im Sommer strömen Woche für Woche Tausende friedlich an Schwing­ feste – und das ohne Sicherheitskräfte. Wo gibt es das sonst noch?

Dos & Don’ts am Schwingfest Respekt verlangt der Schwing­sport nicht nur von den Sportlern, sondern auch vom Publikum. Hier ein kurzer Crashkurs für den Besuch des «Eidgenössischen». VERGISS ALLES, WAS DU VOM FUSSBALL KENNST

LASS DEN REGENSCHIRM DAHEIM

Grölen, Pfeifen, Buhrufe und Trans­ parente gelten als störend und wer­ den von den Zuschauern oder sogar dem Stadionsprecher entsprechend kommentiert. Lautstark ­anfeuern sollst du deinen Favoriten trotzdem. Und wenn er gewinnt, darfst du auch gern eine Fahne mit seinem Kantons­ wappen schwingen.

«Freie Sicht für alle» lautet das Motto auf den Tribünen. Ein Regenschirm outet dich als Schwingtourist. Bei Regen besser auf Pelerinen setzen, gerne solche aus dem Militär.

PATRIOTISMUS IST OKAY, POLITIK TABU Schwingen ist urschweizerisch – die Nationalflagge sieht man deshalb überall. Aber bitte nicht über Politik reden: Patriotismus hat hier nichts mit einer bestimmten Partei zu tun.

SIEZEN IST UNCOOL Bodenständigkeit ist nicht bloss ein Lippen­bekenntnis. Am Schwingfest sagt man zu allen Du. Auch zum Bundesrat.

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Gegen ein Glas Bier oder Wein hat niemand etwas. Champagner und Cocktails sind jedoch verpönt und an einem heissen Tag auf der Tri­ büne sowieso keine gute Idee.

EHRLICHKEIT WÄHRT AM LÄNGSTEN Es gilt als völlig unbedenklich, dass man seinen Rucksack kurz unbe­ aufsichtigt lässt. Gefundene Porte­ monnaies werden nicht geplündert, sondern abgegeben. Und wenn sich jemand danebenbenimmt, regeln das die ­Besucher oft untereinander.

VERKLEIDE DICH NICHT FÜR EINE MODESCHAU Kleiden kann sich jeder und jede, wie es ihm oder ihr passt. High Heels sollte man trotzdem besser daheim lassen, kurze Röcke sind eher un­ praktisch, und zu viel Schminke wird belächelt.

Der Höhepunkt der Saison ist das ESAF. Welche Ziele hast du dir gesteckt? Wenn die Genesung meiner HalswirbelBandscheiben-Verletzung nach Plan ver­ läuft, werde ich mit voller Kraft am Start sein. Mein Ziel ist es, meine bestmögliche Leistung abzurufen, und dann sehen wir, wie weit mich das bringt. Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF), oft nur «Eidgenössisches» genannt, ist das grösste Sportereignis der Schweiz und findet alle drei Jahre statt. 2019 wird das ESAF von 23. bis 25. August in Zug durchgeführt. Erwartet werden über 300.000 Schwingfans. esafzug.ch

PROSTE MIT BIER STATT EINEM CÜPLI

BRING RUHIG DEINE EIGENE VERPFLEGUNG MIT

Nach einer Bandscheibenverletzung am Halswirbel kämpft sich Remo Käser zurück in die Arena.

Essstände muss man nicht weit ­suchen. Doch auch das kalte Plättli aus dem Rucksack geht in Ordnung. Dem Sitznachbarn etwas davon an­ zubieten erst recht.

PICTUREDESK.COM

Als junger Schwinger bist du auf den sozialen Medien sehr aktiv. Welche Bedeutung haben Facebook, Instagram und Co für dich? Die sind schon wichtig. Nicht jeder hat die Möglichkeit, an ein Schwingfest zu kommen. Dank sozialen Medien kann ich mehr Leute an meinem Sport teilnehmen lassen. Darüber hinaus ist es auch eine Chance im Nachwuchsbereich. Die Jungen sind nun mal auf Social Media, und ich sehe es als Chance, sie dort anzusprechen und abzuholen.


Technik vs. Willenskraft

Gute Technik hilft, aber der Wille ist wichtiger fürs Gewinnen: Remo Käser gilt als Kämpfernatur.


WAS S P O R T L E R E S S E N

SO IS S T DU W IE EIN CH A MPION Von Clean Eating bis Chili zum Frühstück: Hier verraten sechs Spitzensportler aus der ganzen Welt, wie ihre Ernährung zu ihrem Erfolg beiträgt. Du kannst ihrem Beispiel folgen. Text WILL COCKRELL Illustrationen BRIAN STAUFFER und HELLO VON

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BRIAN STAUFFER


WAS S P O R T L E R E S S E N

David Hablützel A LT E R : 23 L A N D : Schweiz LIEBLINGSESSEN: Hablützel liebt Gemüse und isst es mittlerweile routinemässig bei jeder Mahlzeit. Bei Reisen in die USA muss aber ­immer auch ein guter Burger drin sein. FRÜHSTÜCK: ­hausgemachtes Müsli ohne Zucker

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Dennoch brachten diese Verletzungen auch etwas ­Positives in Davids Leben: eine neue Perspektive. «Sie erinnerten mich daran, dass ich ein Athlet bin», resümiert er heute. «Das Snowboarden ist nicht bloss ein Lebensstil, es wird immer kompetitiver. Wenn du dich nicht ans steigende Level anpasst, bist du sofort ein paar Schritte zurück. Mir wurde klar, dass ich professioneller und disziplinierter werden muss.»

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HELLO VON

form», sagte er damals. «Es geht nicht nur darum, sich mit anderen zu messen, oder um die Höhe des Sprungs. Es ist ein Lebensstil.» Doch dann missglückte ihm eine Landung. Beim Aufwärmen für ein Slopestyle-Event in Andorra 2014 riss sein vorderes Kreuzband. 2016 riss es erneut – und mit ihm der Faden einer Karriere, die bis dahin wie selbstverständlich auf Erfolg programmiert war.

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A

ls Snowboarder David Hablützel achtzehn Jahre alt wurde, wusste er bereits, wie es ist, alles zu haben – und alles zu verlieren. Mit fünfzehn hatte das Schweizer Freestyle-Phänomen bei der JugendOlympiade 2012 die Bronzemedaille gewonnen, war im gleichen Jahr ins Nationalteam berufen worden. Mit siebzehn wurde er Fünfter bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi und stand in Vail, Colorado, bei den prestigeträchtigen U.  S. Open auf dem Podium. Seine Siege feierte er wie andere Teenager auch: mit fetten Burgern und Alkohol. Zur Regeneration hielt er sich an frisch gebackene Croissants, und das neueste Kendrick-Lamar-Album interessierte ihn ­wesentlich mehr als frische Lebensmittel. Denn für David Hablützel war das Snowboarden kein professioneller Leistungssport, sondern eine Ausdrucksmöglichkeit. «Snowboarden ist eine Kunst-


«VERLETZTE ATHLETEN MÖCHTEN WISSEN, WAS SIE ESSEN SOLLEN, UM IHRE RÜCKKEHR ZUM SPORT BESTMÖGLICH ZU FÖRDERN.» ▲

Eines der ersten Dinge, die Hablützel in Angriff nahm, war seine Ernährung. Er durchforstete das ­Internet nach Ernährungstipps und begann instinktiv Gemüse in sich reinzustopfen, ass nur noch halb so viel Fleisch, Snacks liess er komplett weg – und folgte damit im Prinzip genau jenen Tipps, mit denen wir alle überflutet werden. Aber für jemanden, der nicht nur von einer Verletzung zurückkommen, sondern eines Tages Olympiasieger werden wollte, war das Internet-Wissen nicht differenziert genug: David zog sein selbst auferlegtes Essensregime derart streng durch, dass er sich sogar Kalorien entzog, die sein Körper eigentlich dringend benötigt hätte. Es ging in die falsche Richtung.

Ian Walsh A LT E R : 36 L A N D : USA LIEBLINGSESSEN: Walsh, ein Hawaiianer mit Leib und Seele, hat Açai-Bowls und frische Smoothies perfektioniert. Aber an seltenen Cheat-Tagen kann er einer deftigen mexika­ nischen Mahlzeit nicht widerstehen.

Im Jahr 2018 stellten ihm seine Trainer die Sport­ ernährungsberaterin Kristen Bell vor. Bell ist die ­Ernährungsautorität bei Red Bull. Vom Snowboarder bis zum Kitesurfer hilft sie Spitzensportlern, ihre Ernährung so zu gestalten, dass sie ihre Leistung maxi­ mieren können. Und angesichts der internationalen Ausrichtung von Red Bull – und der damit einher­ gehenden, teils brutalen Reisepläne der Athleten – hat Bell nicht nur ein besonderes Gespür dafür entwickelt, mit regionalen Ernährungsgegebenheiten zu arbeiten, sondern auch ein professionelles Programm dafür erarbeitet – von dem auch du lernen kannst. Hier folgen ihre sechs wichtigsten Lektionen:

1 Jedes Reiskorn zählt

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Als Erstes erklärt Bell den Elite-Athleten, dass schon kleine Veränderungen auf der Basis von Halbwissen katastrophale Folgen haben können. Weil sie weiss: Sich gut zu fühlen reicht für diese Männer und Frauen nicht. Bell muss ihnen beibringen, «ihren Tank immer zu hundert Prozent gefüllt zu haben». Hablützel beispielsweise brauchte nicht nur eine Comeback-Diät, er musste auch lernen, wie man ­diese Essgewohnheiten beibehält, wenn man unterwegs

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Sae Hatakeyama A LT E R : 20 L A N D : Japan S P O R T: BMX-Racing LIEBLINGSESSEN: Hatakeyama liebt Sushi und das Yakisoba ihrer Mutter, ein Pfannen­ gericht aus Sobanudeln, Fleisch und Gemüse. Für den besonderen Genuss gönnt sie sich eine Schüssel Eiscreme. FRÜHSTÜCK: Brot, Eier und Joghurt

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ist – und zwar, bevor er wieder gesund war. «Viele Athleten geben ihrem Körper nicht die richtigen­ Lebensmittel, die mithelfen, Verletzungen zu vermeiden – also Dinge wie Vitamin C oder Kollagen», betont Bell. «Und ihr Immunsystem ist geschwächt, weil sie so viel reisen.»

2 Lass unterwegs den Freestyler raus

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«ATHLETEN, DIE IMMER SO HART ZU SICH SEIN MÜSSEN, SOLLTEN SICH MANCHMAL WAS GÖNNEN.»

Im Wesentlichen bringt Bell den Athleten die Kunst des Improvisierens bei. Sie predigt regelrecht, wie wichtig es ist, das Beste aus längeren Aufenthalten zu Hause zu machen, also in Zeiten mit Zugang zu bekannten Geschäften, Märkten und Restaurants. Sie gibt den Athleten Werkzeuge in die Hand, die bei der Planung helfen – von Einkaufs- bis hin zu Zubereitungstipps – und sogar dabei, emp­ fehlenswerte Supermärkte und Restaurants an den Orten ihrer Trainingslager und Wettkämpfe zu finden. Das sind die Tools, die Athleten benötigen, um siebzehnstündige Flüge und Menüs zu überstehen, deren Gerichte aus einem Haufen undefinierbarer Zutaten bestehen. Aber die vielleicht wichtigste ihrer strengen Regeln lautet: Brich die Regeln auch einmal! «Die

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Herausforderung dieser Spitzensportler besteht darin, in allen Bereichen ihres Lebens perfekt zu funktio­nieren», sagt sie. «Im Schlaf, im Training und in der Ernährung. Was wir aber letztendlich immer an­streben, ist eine gesunde Balance.»

3 Zu Hause brauchst du Routinen

4 Ehre deine Heimatküche

Bell führt mit jedem Athleten ein Erstgespräch, um herauszufinden, welche Lebensmittel er aufgrund seiner Herkunft am häufigsten isst. Da sie b ­ ereits mit Dutzenden Athleten aus der ganzen Welt zusammengearbeitet hat, weiss sie etwa, dass das Weglassen von Käse in Lateinamerika schwierig sein wird, Reis mit Bohnen hingegen eine grossartige, überall verfügbare Mahlzeit für Athleten ist. Sie weiss auch, dass Gerichte in Asien dem Clean-Eating-Prinzip eher entsprechen, einige asiatische Saucen allerdings viel zu viel Zucker enthalten. Und dass in den USA die Portionsgrösse die mächtigste Herausforderung ist.

5 Füll deine Lücken

In der Erstellung jedes individuellen FoodMaster­plans hat Bell eine mächtige Geheimwaffe: Nahrungsergänzungsmittel. Als diese – in Form

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Bestes Beispiel dieser Balance ist der Big-Wave-­ Surfer Ian Walsh, einer von Bells «Musterschülern», für den Clean Eating (der Verzehr von Vollwertprodukten unter Vermeidung industriell verarbeiteter Lebensmittel) bereits seit Jahren selbstverständlich ist – und dessen Leben buchstäblich davon abhängt, in bester körperlicher Verfassung zu sein. Während der Sechsunddreissigjährige aus Maui kein Problem hat, beim Surfen im heimatlichen Jaws in Topform zu bleiben, bringen weiter entfernte Wellen wie die von Teahupoo, Tahiti, oder von Nazaré, Portugal, ­Probleme mit sich. Wenn es der Swell an irgend­ einem Ende der Welt verlangt, muss Walsh sofort in ein Flugzeug springen und einen Langstreckenflug auf sich nehmen. Und er muss mit genügend Energie ­ankommen, um sofort nach der Landung an die Arbeit zu gehen. «Oft geht es direkt vom Flughafen zum Meer – und zum Hineinpaddeln in eine 18 Meter hohe

Welle», sagt er. «Manches wird ziemlich verrückt, wenn man die Wellen auf dem ganzen Planeten jagt. Es ist schwer, immer gut vorbereitet zu sein. Kristen hat mir sehr geholfen, zu Hause, in meiner gewohnten Umgebung, Routinen zu entwickeln, mit denen ich meine Nährwerte konstant halten kann.»

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Olga Kharlan A LT E R : 28 L A N D : Ukraine S P O R T: Fechten LIEBLINGSESSEN: Borschtsch (Randensuppe) ist «wie Trinkwasser» für die Olympiasiegerin, die auch gern einen guten ­ukrainischen Salo (geräucherten Rückenspeck) mit Knoblauch und Roggenbrot isst. FRÜHSTÜCK: ­Haferflocken mit Erdnussbutter und Banane

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WAS S P O R T L E R E S S E N

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von Energieriegeln – auf den Markt drängten, waren sie in Wirklichkeit nur bessere Schokoriegel. Aber mittlerweile gibt es Produkte, die tatsächlich geeig­ net sind, Ernährungslücken zu füllen – zum Beispiel direkt nach einem harten Training oder zwischen zwei Mahlzeiten. Eine Lücke, die Ernährungsberater oft als «goldene Stunde» bezeichnen. «Nahrungs­ ergänzungsmittel ermöglichen es uns, die letzten 20 bis 25 Prozent in den Tank zu kriegen», sagt Bell. «Für einige Athleten war das tatsächlich lebens­ verändernd.» Etwa für den Skateboarder Felipe ­Gustavo, der mit pflanzlichem Proteinpulver das bei seiner veganen Ernährung sonst fehlende Protein auf­ füllt. Lukas Klostermann, Verteidiger von RB Leipzig,

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nimmt ein Magnesiumpräparat, um seine Leistung zu steigern, seitdem seine Ernährungsberaterin ­einen Mangel festgestellt hat. «Musterschüler» Walsh wieder­um packt jedes Mal seine Nahrungsergänzungs­ mittel ein, wenn er nach Übersee reisen muss, und beginnt mit deren Einnahme, sobald er ins Flugzeug steigt. «Den ganzen Flug über trinke ich viel Wasser, lade Elektrolyte auf, trinke Shakes und esse alles, was ich kann, bevor ich ankomme», sagt er. Es gilt aber auch die Kirche im Dorf zu lassen: Laut Bell sind Energieriegel und Spezialpulver zwar eine gute Möglichkeit für Zeiten, in denen man unter­ wegs ist oder wenn das Leben einfach zu hektisch für Planungen verläuft, ein dauerhafter Ersatz für echtes ­Essen sind sie aber nicht. «Wenn ein Athlet nach einer schnellen Lösung sucht, wie eine Pille zu nehmen, damit er sonst essen kann, was er will, wird das nie funk­tionieren», erklärt sie. «Nahrungsergänzungsmittel sind dazu da, zu tun, was ihr Name schon sagt.»

Mutaz Barshim

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HELLO VON

A LT E R : 28 L A N D : Qatar S P O R T: Hochsprung LIEBLINGSESSEN: Wenn er sich nach Hausmannskost sehnt, mag Barshim HühnerKabsa, ein Reisgericht mit Kräutern. Für den Extra-Leistungsschub greift er zu Kohle­ hydraten: Pasta und Haferflocken. FRÜHSTÜCK: ­Haferflocken und Eier

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alle Regeln 6 Ignoriere (zumindest manchmal)

Bells wichtigste Lektion für ihre Athleten ist die Kunst des Loslassens. Gebetsmühlenartig betont sie die Wichtigkeit der Balance, sie erinnert die Athleten­ ständig daran, dass sie naturgemäss nicht jede Mahlzeit kontrollieren können – schon gar nicht, wenn sie in entlegenen Winkeln der Welt unterwegs sind. Ihr Credo: Schlechte Kalorien sind immer noch besser­ als gar keine. Und: Die erfolgreichsten Athleten sind jene, die ihrer Leine auch einmal Meter lassen. «Wir sind bestrebt, eine gesunde Beziehung zum Essen­aufzubauen», sagt sie. «Wenn man wegen einer schlechten Mahlzeit Stress bekommt, ist das nicht gesund – falscher Perfektionismus ist eine ständige Herausforderung für viele dieser Athleten.» Manchmal bedeutet das, die Nährwerte einfach zu ignorieren. Essen ist emotional eines der wichtigsten Dinge in unserem Leben, sei es die Hausmannskost der Mutter oder das Lieblingsgericht in einem lokalen­ Restaurant. Bell ist sich der positiven Wirkung, die so ein Lieblingsessen auf einen erschöpften, von Heim­weh geplagten Sportler haben kann, natürlich

bewusst. Solche «Cheat-Tage» sind nichts Neues, aber Bell betont, dass weit mehr dahintersteckt, als die meisten glauben. Zum einen hält sie nichts von der Betrachtungsweise des «Betrügens» – sie bevorzugt das Wort «Belohnung» («Treat-Tage»). Noch wichtiger:­ Athleten sollen sich lieber ein paar Belohnungsessen innerhalb einer Woche gönnen, anstatt einen Tag lang alles komplett schleifen zu lassen. «Sich einen ganzen Tag lang gehen zu lassen kann eine derartige Lawine an Kohlehydraten, gesättigten Fettsäuren und Zucker bedeuten, dass du am nächsten Tag für gar nichts zu gebrauchen bist», erklärt sie. Anders ausgedrückt: Die Ernährungswissenschaft liefert uns detaillierte Erkenntnisse, mit denen wir unsere Leistung optimal unterstützen können. Jetzt musst du nur noch für dich definieren, wie weit du mit ihrer Umsetzung gehen kannst – und willst.

Kübra Dağli A LT E R : 22 L A N D : Türkei S P O R T: Taekwondo LIEBLINGSESSEN: Soll ihr Essen sie an daheim erinnern, greift sie zu gefüllten Weinblättern. Vor dem Training isst sie stärkehaltige Lebensmittel, um sich mit Energie zu versorgen. Nach dem Training nimmt sie Protein und Gemüse zu sich. FRÜHSTÜCK: Eier, Käse, Tomaten und Gurken, mit Tahini und Melasse überzogen

THE RED BULLETIN

«LIEBLINGSGERICHTE KÖNNEN EINEM ERSCHÖPFTEN, HEIMWEHGEPLAGTEN SPORTLER SEHR BEI DER REGENERATION HELFEN.»   75


PIONIER Jérôme Delafosse, Forscher und Bestsellerautor, umsegelt die Welt an Bord des ersten energieautarken Motor-Katamarans.

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MONSIEUR ZUKUNFT

Seine Überzeugungskraft ist unwiderstehlich, sein Boot nimmt es mit den Energieproblemen und ökologischen Herausforderungen von morgen auf. Warum es unser Leben verändern könnte, ein bisschen mehr wie der Abenteurer JÉRÔME DELAFOSSE zu sein. Text ALEX LISETZ  Fotos KONSTANTIN REYER


AUTARK Die «Energy Observer» deckt den Energie­ bedarf für ihren Motor und ihre Bordelektronik selbst.


D

er Amsterdamer Hafen ist der fünft­ grösste Europas. Aber so ein Boot wie heute hat er noch nie gesehen: jede glatte Fläche ein Solarkollektor, an den Seiten bewegliche Windturbinen von 12 Metern Spannweite und im Maschinenraum acht Tanks für ins­ gesamt 62 Kilogramm reinen Wasser­ stoff. Es ist die «Energy Observer», das erste energieautarke Schiff der Welt, 30 Meter lang, 12 Meter breit. Auf der Brücke steht Jérôme Delafosse, 48, Forscher und Erfolgsautor. Ge­ meinsam mit dem Kapitän Victorien Erussard, 40, hat er eine verrückte Idee ausgearbeitet: Um die Welt da­ von zu überzeugen, dass eine Energie­ wende mithilfe nachhaltiger Lösungen möglich ist, wollen die beiden Pioniere aus Saint-Malo mit ihrem Boot sechs Jahre lang die Welt umsegeln. Doch ist die «Energy Observer» wirklich die Lösung unserer Energieprobleme? Und wie gelingt es Delafosse, wirk­ lich jeden, dem er begegnet, für das Projekt zu begeistern? Wir begleiten ihn einen Tag lang, um das heraus­ zufinden.

the red bulletin: Sie sind Berufs­ taucher, Dokumentarfilmer und Buchautor. Wachen Sie jeden Morgen mit einer neuen Idee auf? Jérôme delafosse: Meine Berufe sehen nur nach aussen hin so unter­ schiedlich aus. Eigentlich ging es mir immer um die zwei gleichen Dinge: Abenteuer zu erleben und Geschich­ ten zu erzählen. Welche Geschichte erzählt die «Energy Observer»? Dass wir unseren Energiebedarf mit umweltfreundlichen, erneuerbaren THE RED BULLETIN

STEUERMÄNNER Expeditionsleiter Jérôme Delafosse (re.) und der zweite Kapitän Jean-Baptiste Sanchez auf der Kommando­brücke.

ENERGIESTATUS Der Bordcomputer ­neben dem Steuerrad zeigt den Produktionsstatus der Solarpaneele (rot) und den Ladestand der Wasserstoffflaschen (grün) an.

Mitteln decken können, wenn wir sie gescheit einsetzen. Wir demonstrieren das unter härtesten Bedingungen mit dem ersten energieautarken, allein mit erneuerbaren Energien und Wasser­ stoff angetriebenen Katamaran der Welt. Aber es funktioniert genauso in Autos oder Wohnhäusern, in der Industrie und überall sonst, wo Ener­ gie gebraucht wird. Die 11.000 See­ meilen, die wir in den letzten zwei Jahren zurückgelegt haben, sind der Beweis, dass die Zukunft in den erneuerbaren Energien liegt.

«Wir zeigen seit 11.000 See­meilen, dass erneuerbare Energie die Zukunft ist.»

Was zeichnet die «Energy Observer» aus? Wenn es die Bedingungen zulassen, sprich wenn die Sonne scheint oder der Wind stark genug ist, fahren wir ausschliesslich mit erneuerbarer   79


«Hab keine Angst, ins kalte Wasser zu springen und zu beweisen, wie sehr du an deine Träume glaubst.»

Energie. Die überschüssige erneuer­ bare Energie verwenden wir dazu, aus dem Meerwasser durch Elektrolyse Wasserstoff zu extrahieren. Diesen Wasserstoff speichern wir in Druck­ tanks und wandeln ihn dann bei Bedarf über Brennstoffzellen wieder in Energie um. So können wir zum Beispiel auch nachts fahren.

Sie müssen hundertprozentig moti­ viert sein. Und Sie müssen Verbündete finden, die schlauer und mächtiger sind als Ihre Gegner.

Aber es reicht nicht, eine gute Idee zu haben. Man muss sie den Leuten auch verkaufen. Man muss sie vor allem davon über­ zeugen, dass wir die Welt verändern können!

Also zum Beispiel selbst ein ­finanzielles Risiko eingehen? Wenn man ein solches Projekt angeht, gibt es immer ein Risiko. Es gibt Erfolge und Niederlagen. Letztere las­ sen Zweifel und Ängste aufkommen, aber irgendwann erreicht man den Point of no Return. Egal, was passiert – dann gibt es kein Zurück mehr, dann muss es einfach gelingen.

Wie schaffe ich das, wenn ich die Energieversorgung der Welt gegen die Interessen milliardenschwerer Gegner revolutionieren möchte?

Und dann? Müssen Sie ins kalte Wasser springen und etwas tun, das Ihrem Gegenüber beweist, wie sehr Sie daran glauben.

Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee für dieses Projekt? Mein Freund und Projektpartner Victorien Erussard, der für die techni­ sche Entwicklung verantwortlich ist, gewann viele Regatten und Meister­ schaften, doch er verlor die Transat Jacques Vabre, weil ihm unterwegs die Akkus für die Bordelektrik aus­ gingen. So kamen wir auf die Idee, ein Boot zu bauen, das sich selbst mit Energie versorgen kann. Wie weit sind Sie damit schon herumgekommen? Wir haben schon 17 Länder besucht. Im ersten Jahr legten wir nur in französischen Häfen an, 2018 be­ fuhren wir das gesamte Mittelmeer, und 2019 konzentrieren wir uns auf Nordeuropa. Weitere Stationen werden Asien, der Pazifik und die USWestküste sein, bevor 2022 Zentral­ amerika und die US-Ostküste folgen.

ANALYSE Jérôme Delafosse kontrolliert die Brenn­stoffzelle, die Wasser­stoff in Strom ver­wandelt (oben).

MASCHINENRAUM Hier wird aus Meer­ wasser Wasserstoff gewonnen, um Strom für den Elektromotor zu erzeugen (rechts).

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Wie riskant ist diese Odyssee? Wir sind schon in Stürme geraten, die andere Schiffe unserer Grösse zerbrochen hätten – so wie auf dem Mittelmeer, zwischen Barcelona und Marseille. Am beunruhigendsten ist es, wenn die Wellen unter dem Rumpf zerschellen. Überall quietscht und kracht es, aber es hält. Darauf sind wir sehr stolz, denn wenn unser Konzept unter härtesten Bedingungen funktioniert, könnten wir es schon morgen an Land umsetzen: in Häu­ sern, in Städten – und warum nicht auch in ganzen Ländern? Dass wir THE RED BULLETIN


DIE WASSERSTOFFREVOLUTION Die «Energy Observer» könnte unsere Art der Energieerzeugung und -speicherung auf den Kopf stellen.

OCEAN WINGS

Die neuen Antriebsflügel drehen sich automatisch in die günstigste Position. Sie beschleunigen das Boot und produzieren Windenergie.

2

BORDCOMPUTER

Im Kommandoraum unter Deck wird permanent der Energiekreislauf überwacht. Ein zweiter Bildschirm befindet sich auf der Brücke.

E-MOTOREN werden zu Wasserkraftgeneratoren, um selbst Energie zu erzeugen.

8

WASSERSTOFFTANK

TANKS

Der per Elektrolyse aus Meerwasser gewonnene Wasserstoff wird am linken und rechten Bug mit 350 bar in Tanks gespeichert.

mit je 332 Liter Volumen fassen zusammen 62 kg Wasserstoff, was einer Kapazität von 2 Megawatt entspricht. SOLARMODULE

STROMZENTRALE

1400 KILO

wiegen die zwei Sets von 400-Volt-­ Lithium-IonenAkkus, die kurz­ fristig benötigte Energie speichern.

Herzstück der «Energy Observer»: Ein Automat sorgt für das Gleich­­ge­wicht zwischen den unterschiedlichen Energieformen.

168 Quadratmeter Solarmodule bedecken die Schiffsoberfläche. Sie sind mit einer rutschfesten Kautschukbe­ schich­tung überzogen.


AUSBLICK AUF 2022 Als wir Jérôme Delafosse und die «Energy Observer» im Hafen von Amsterdam treffen, haben sie «erst« ihre 35. Etappe zurück­ gelegt. Ankunft im Ziel­ hafen: erst im Jahr 2022.

«Es gefällt den Leuten, dass wir ihnen eine optimi­s­tische Alternative für uns alle aufzeigen.» diese Reise auf uns genommen haben, hat nämlich auch grosse Vorteile: Wir legen in über fünfzig Ländern an und knüpfen Beziehungen zu den Menschen. Wir sprechen mit Journalisten, Wissenschaftlern, Schulklassen und Entscheidungsträgern, um die Welt davon zu überzeugen, dass eine Energierevolution möglich ist. Welche Reaktionen ernten Sie? Es gefällt den Leuten, dass wir angesichts der Klimakatastrophe nicht mit Weltuntergangsparolen kommen, sondern eine optimistische Alternative aufzeigen. Noch dazu eine, die die 82

Weltwirtschaft ankurbeln würde. Das fasziniert die Menschen, gerade auch dort, wo man denkt, dass sie andere Sorgen hätten. In Tunesien herrscht zum Beispiel eine grosse Aufbruchsstimmung, die Leute sind wahnsinnig inter­essiert an erneuerbarer Energie. Und welche Erkenntnisse gewinnen Sie selbst? Unter den extremen Bedingungen auf See lernen wir unschätzbar wertvolle Lektionen. Wir beobachten, testen und variieren die Systeme ja jeden Tag. Wir haben schon die Windturbinen ausgewechselt, weil sie nicht effizient waren. Die neuen Ocean Wings haben wir erst seit drei Wochen, das ist eine Technologie aus dem America’s Cup – das Boot selbst war ja vor dem Umbau auch als Rennkatamaran in unterschiedlichen Teams unterwegs. Der spannendste Moment bisher? Für mich ist das immer der Point of no Return. Wenn man eine Idee so weit getrieben hat, dass man plötzlich realisiert, dass es kein Zurück mehr

gibt – so wie vor zwei Jahren, als wir in Saint-Malo ablegten. Wie war dieser erste Tag auf See? Unvergesslich. Denn da wurde uns bewusst, dass der Energiekreislauf wirklich so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Ich meine, wir wussten einerseits, dass er funktio­ nieren würde – immerhin geht es hier um Wissenschaft. Aber bis zum endgültigen Beweis in der Realität zweifelt man ja trotzdem ein bisschen. Monatelang auf engstem Raum zusammenzuarbeiten muss an den Kräften zehren. Wie füllen Sie denn unterwegs Ihre eigenen Akkus auf? Wenn ich nachts allein auf der Brücke bin, über mir Millionen Sterne und unter mir ein paar Delphine, die das Boot begleiten – das entschädigt mich für jede Strapaze. Und tagsüber kann man ja auch mal einen Tauchgang machen und ganz allein für sich sein. Das ist der kleine Luxus eines Berufstauchers. Mehr Infos unter energy-observer.org THE RED BULLETIN


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KEIN ENERGY D RIN K


guide Dein Programm

UHREN

EVENTS

GAMING

SEITE 91

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SEITE 94

3,9 Millimeter dünn oder 13 Tonnen schwer: verrückte Zahlen aus der Welt von Swatch

Von Stagediving bis Trailrunning: die Top-Termine der kommenden Wochen

Wie uns das BattleRoyale-Spiel «Apex Legends» zu besseren Teamplayern macht.

ZAHARA ABDUL

REISEN

Unterwegs in Uganda, auf dem genialsten Festival, von dem du noch nie gehört hast. SEITE 86

THE RED BULLETIN

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Reisen

Rhythmus-Magier: Diese burundischen Trommler sind Teil des Funk-Kollektivs The Kuruka Chama.

MUSIKFESTIVAL AUF UGANDISCH

STILL DASTEHEN? UNMÖGLICH! Am Oberlauf des Weissen Nils treffen Moderne und Tradition ostafrikanischer Musik aufeinander. Gareth Main war am genialsten Festival, von dem du noch nie gehört hast.

E

s ist zwei Uhr morgens, und rund um mich steht niemand mehr still. Die schwüle Nacht ist voll Zigarettenqualm und lauter Musik, die Bühne gehört jetzt dem Nilotika Culture Ensemble. Dreissig Musiker mit allen Arten von Schlaginstrumenten sind

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ständig in Bewegung. Dauernd stossen neue Percussionisten dazu, während andere abgelöst werden. Ein Chaos. Aber nur scheinbar: In Wirklichkeit funktioniert alles reibungslos wie ein Uhrwerk, kein einziger Drummer verpasst seinen Einsatz.

Fixstarter beim Nyege Nyege: DJ Hibotep aus Kampala

THE RED BULLETIN


guide

REISE-TIPPS

UGANDA UNLIMITED

Warum man Rolex essen kann und wieso du in Uganda fast überall der Älteste sein wirst. Wissenswertes für deine Reise. Das Festival findet zu Beginn der zweiten ­Regenzeit des Jahres statt, die von September bis November dauert. Rechne mit Tages­ temperaturen um 28 °C.

Musik nonstop: Bei Nyege Nyege spielt die Musik vier Tage lang durch.

Uganda Dem. Rep. Kongo N il

Jinja Kampala

Kenia

Ruanda

WÄHRUNG UGANDA-SCHILLING (UGX) Keine Untereinheit 1 € = 4150 UGX

ZAHARA ABDUL PHOTOGRAPHY

GARETH MAIN

Statt Pommes gibt es Schweinefleisch-Spiesse und ugandische Snacks wie Rolex.

Doch ist das überhaupt möglich? Kann ein derartiger Haufen Leute wirklich mit solchem Tempo und Können synchron musizieren? Irgendwann lasse ich das Nach­ denken sein und gebe mich, be­ nebelt von Rhythmus und selbst gebranntem Gin, ganz der Musik hin. Als die Percussion-Band aus Buganda (einem Königreich, das zu Uganda gehört; Anm.) von der Bühne geht, bin ich völlig des­ orientiert. Wie lange ging das so? Wie spät ist es? Egal. Dass das Leben in Uganda ein bisschen lauter, bunter und inten­ siver ist als daheim, ahnt man schon, wenn man am Flughafen Entebbe ins Freie tritt. Denn man wird gleich von einer Horde Taxi­

THE RED BULLETIN

Im Dialekt steht «nyege» für «den unkontrollierbaren Drang zu tanzen». fahrer überrannt, die einem ihre Fahrpreise ins Gesicht brüllen. Ein erster Vorgeschmack auf das Gewusel am Nyege Nyege Festival in Jinja, für das man – nach zwölf­ stündiger Anreise aus Europa – noch vier weitere Fahrstunden einrechnen muss. Noch nie vom Nyege Nyege ge­ hört? «The Guardian», CNN, BBC und «Rolling Stone» überschlagen sich vor Begeisterung für sein «zu­

ESSEN

WISSEN

ROLEX Ein absolutes Muss in Uganda: Rolex probieren – ein mit Omelett und etwas Gemüse gefülltes Fladenbrot.

NIL-QUELLE In Jinja, dem Schauplatz des Nyege Nyege, ent­ springt der längste Fluss der Welt: der (Weisse) Nil.

GEBRATENES SCHWEINEFLEISCH Perfekt für sehr Hungrige: An einer SchweinefleischBude bekommst du für umgerechnet 5 Euro rund 2 Kilo gebratenes Schwei­ nefleisch mit Beilagen. POSHO Ugandische Gerichte sind nahrhaft und un­ kompliziert. Bestes Bei­ spiel: Posho, ein stärke­ haltiger Maismehlbrei, den man in Bohnensauce ertränkt.

JUNGBRUNNEN Die Hälfte der Bevölke­ rung ist jünger als fünf­ zehn. Damit liegt Uganda weltweit hinter Niger an zweiter Stelle. TIERPARADIES Ausser in Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo gibt es nur noch in Uganda frei lebende Berggorillas. SPRACHEN In Uganda werden über vierzig Sprachen ­gesprochen, die meist­ verbreitete ist Luganda.

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Reisen

guide

EINSCHALTEN

KLANGREISE

Hinter dem Festival stecken zwei lokale ­Plattenlabels: Nyege Nyege Tapes und ­Hakuna Kulala. Diesen drei Tunes solltest ­ du unbedingt eine Chance geben.

ANHÖREN

SLIKBACK: «TOMO» Dieser kenianische Producer eroberte im Vorjahr das ­polnische Electronic-Festival Unsound im Sturm. Die Beats seiner neuen EP sind ebenso intensiv wie aggressiv – und peitschen das ganze Genre in neue Dimensionen.

VERSCHIEDENE: «SOUNDS OF SISSO» Ein kräftiges Lebenszeichen der Underground-Szene von Daressalaam in Tansania. Dahinter steckt der Produzent Sisso vom Sisso Studio, das Singeli erfunden hat – eine ultraschnelle Nische der Dance-Musik.

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kunftsweisendes Programm», das Londoner Magazin «Fact» nannte es sogar «das beste Electronic-­ Music-Festival der Welt». Fakt ist, dass man nirgendwo sonst einen solchen Mix aus progressivem Electro und tradi­ tionellem Uptempo-Style aus Zentral- und Ostafrika erleben kann. Allein schon deshalb, weil 80 Prozent der über 200 auftretenden Künstler Afrikaner sind. Die Ähnlichkeit mit europäischen Festivals beschränkt sich auf das Vorhandensein von fünf Bühnen. Die Location (in einem atemberaubenden Wald am Nil), das E ­ ssen (unbedingt die Streetfood-Spezialität namens Rolex probieren!) und das Line-up (vier Tage lang Beschallung rund um die Uhr) eröffnen aber definitiv neue Horizonte. Im Mittelpunkt des Nyege ­Nyege Festivals, das im Vorjahr zum vierten Mal stattfand, steht die Musik – auch wenn «nyege» umgangssprachlich «geil» bedeutet. Prompt befürchtete Ugandas Ethik-Minister Simon Lokodo, dort werde «die Homosexualität gefeiert und junge Menschen für die Homosexualität rekrutiert». Von einer derartigen Massenbekehrung der 9000 Vorjahres­

besucher ist nichts bekannt. Vielleicht auch deshalb, weil der Minister die wahre Bedeutung von «Nyege Nyege» nicht kennt: Im lokalen Luganda-Dialekt steht «nyege» für den «unkontrollier­ baren Drang, sich zu bewegen und zu tanzen». Diese Symptome verursacht vor allem die sogenannte traditionelle Musik, die mit mindestens 160 Beats per minute um rund 50 Prozent schneller pumpt als unser gewohnter Club-Track. Manchen ist das immer noch zu beschaulich: Die mehrstündigen Sets des tansanischen DJs und Producers Sisso bewegen sich konstant jenseits der 200 BPM. Und sie begeistern neben den Fans auch die lokale Prominenz: Wer den hünenhaften ehemaligen Kickbox-Star Otim Alpha aus Gulu in Norduganda einmal im gebatikten T-Shirt abtanzen sah, wird den Anblick nie mehr vergessen. Bist du ein erfahrener FestivalBesucher, der seine Ausdauer schon auf vielen mehrtägigen Events ausgelotet hat? Vielleicht könnte das Nyege Nyege Festival in Jinja am Nil und am Viktoriasee deine nächste Challenge sein. Nyege Nyege, 5. bis 8. September, Jinja, Uganda; nyegenyege.com

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ZAHARA ABDUL PHOTOGRAPHY

NIHILOXICA: «NIHILOXICA» Ein Paradebeispiel für die Kreation neuer Sounds aus ­traditionellen Instrumenten: eine Collabo des Nilotika ­Culture Ensemble mit den Briten Jacob Maskell-Key (an den Drums) und Pete Jones (am Synthesizer).

GARETH MAIN

Die Bühnenshow von Lokalmatador Faizal Mostrixx: Folklore trifft Electro-Beats.


Die uLtimAtive gps trAiL running ChALLenge

1. August - 15. september 2019 brienzer rothorn • hoher KAsten • Lägern • moLéson Miss dich mit den Schweizer Profi-Athleten Judith Wyder und Rémi Bonnet. Gehe zu einem der vier Startpunkte, GPS-Tracker einschalten und bewältige die atemberaubenden Ridges in Rekordzeit.

redbull.ch/ridges


Fitness

guide

TIPP

Kletterer Michi Wohlleben schwört auf Iseles Mentaltraining.

AUGEN ZU UND DURCH So kannst auch du mittels Visualisierung deine eigenen Best­ marken knacken. DIE VORBEREITUNG Du solltest die einzelnen Teilstücke deiner Route mög­ lichst genau kennen. DIE AUSGANGSLAGE Jeder ruhige Ort ist geeignet, der reale Startpunkt der Route wegen der besonderen Atmo­ sphäre jedoch optimal. DER GEDANKENGANG Schliesse die Augen. Nun stell dir vor, du würdest tatsächlich loslegen, und imitiere jede ­Bewegung. Wichtig: Aktiviere deine Muskeln wie im Ernstfall.

Isele simuliert mit Kletterern ihre Routen bis ins kleinste Detail.

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physioandclimb.com

DIE LEIDENSCHAFT Steigere dich auch emotional in die Situation hinein. Du musst mit Körper, Geist und Herz dabei sein, um den perfekten Flow zu erreichen. FLORIAN OBKIRCHER

Der Österreicher Klaus Isele entwickelte eine Trainings­methode weiter, mit der Kletterer die besten Leistungen ihrer Karriere erzielen.

W

TOM MACKINGER

DIE KRAFT DER GEDANKEN

ie bereiten sich Sportkletterer auf den grossen Moment vor? Sie simulieren die Route im Kopf. Der Osteopath Klaus Isele arbeitete zehn Jahre lang mit dem österreichischen Kletter-Nationalteam und sagt, dass in dieser Trockenübung eine Menge Potenzial liegt. Ausgangspunkt für deren Entwicklung war die Frage, wie man Kletterer während einer Verletzungspause fit hält, damit sie kaum Muskelmasse abbauen und die Bewegungsmuster nicht vergessen. Iseles Lösung: Visualisierung 2.0 – ­intensiver, als es die Kletterer bis dahin gemacht hatten. Das heisst: auf dem Rücken liegend, mit geschlossenen Augen, absolut präzise und mit einer physischen Intensität, die sich kaum von der Erfahrung am Fels unterscheidet. Der deutsche Spitzenkletterer Michi Wohl­leben schwört auf Iseles Technik. Sie bringt ihn dazu, über die kleinsten Details der Route nachzudenken; er ist mobiler und verinnerlicht hunderte Auto­matismen – muss seinen Körper dafür aber weniger Strapazen aussetzen. Der Erfolg: Vor ­wenigen Wochen gelang Wohlleben so die bislang schwierigste Route seiner Karriere (Schwierigkeitsgrad 9a).

«Beim Visualisieren brauchst du das perfekte Zusammen­ spiel zwischen Körper und Geist.» Klaus Isele, Osteopath, Physio­therapeut und Klettertrainer

THE RED BULLETIN

MORITZ ATTENBERGER, ANNELIESE ISELE

3D-VISUALISIERUNG

DIE DETAILS Präzision ist das A und O! ­Achte auf die kleinsten Details, denn nur so prägst du dir die richtigen Bewegungsmuster ein. Falsche Routinen wirst du nur schwer wieder los.


Uhren

guide

50.000.000

1.

Swatches wurden bereits in den ersten fünf Jahren produziert und verkauft.

März 1983: der Geburtstag der ­allerersten Swatch.

25.500

3,9

Franken ist der Mindestpreis, den Sammler für eine der 140 in Kooperation mit «Kiki Picasso» 1985 designten Künstler-Special-­ Swatches entrichten müssen.

Millimeter dünn ist die Swatch «Skin», die 1997 als flachste Uhr der Welt präsentiert wurde.

SWATCH

DIE LEGENDE IN ZAHLEN 4,7

Zentimeter Durchmesser haben die Uhrengehäuse der neuesten Swatch-Kollektion, um deren Namen «Big Bold» gerecht zu werden. Weiterer «Big Bold»-Faktor: Das Uhrenglas ist gewölbt. Coolness-­ Faktor: Die Zifferblätter kommen aus dem 3D-Drucker.

Liebe auf Knopfdruck, Internetzeit und so bold wie noch nie: Die bunteste Versuchung, seit es Uhren gibt, überrascht uns mit Fakten, die wir auf so kleinem Raum nicht vermutet hätten.

13

Tonnen wog die 162 Meter hohe Riesen-Swatch, die die Fassade des Haupt­ sitzes der Commerzbank in Frankfurt am Main zierte.

86,4

6

SWATCH AG

verschiedene Stellungen schlägt das Modell «Bunnysutra» per Knopfdruck über einen Zufallsgenerator vor.

THE RED BULLETIN

Sekunden dauert ein Beat der 1988 gemeinsam mit dem MIT Media Lab eingeführten dezimalen Swatch-Internetzeit. Die 24 Stunden des Tages werden dabei in 1000 Ein­heiten unter­teilt und mit «@...» ­unabhängig von den Zeitzonen als weltweit stan­dardisierte Zeit angezeigt.

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und 17. August Freu dich auf ein grandioses Line-up A$AP Rocky und Suprême NTM als Headliner, Rapper-Legenden wie Tech N9ne oder Big Daddy Kane und Schweizer Künstler wie Manillio oder Luuk – zum 20. Geburtstag erfreut uns das Royal Arena Festival mit einem grossartigen Line-up. Zusätz­ lich machen Graffiti-Galerie und das  königliche B-Boy Battle Orpund auch im Jubiläumsjahr für zwei Tage zum absoluten Hip-Hop-Mekka. Römerareal, Orpund; royalarena.ch

23

bis 25. August Bejuble die «Bösen» Alle drei Jahre wird beim Eid­ genössischen Schwing- und Älplerfest der Schwingerkönig gekrönt. Zum dritten Mal in der 120-jährigen Geschichte in Zug. Mehr als 300.000 Be­ sucher werden erwartet, wenn in der eigens errichteten Arena starke Männer – die Besten nennt man die «Bösen» – beim Hoselupf ihre Kräfte messen. Arena Zug, Zug; esafzug.ch

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und 25. August Skateboarde mit den Profis Mit 5000 Quadratmetern ist es das grösste Action-Sport­ zentrum in der Westschweiz – das Alaïa Chalet in Lens ist ein Paradies für Skateboarder und Trampolin-Enthusiasten. Während zweier Tage der offe­ nen Tür gibt es Probetrainings mit Profis. Mit dabei: die Skate­ board-Stars Simon Stricker und Greg Ruhoff. Route de Crans 81, Lens; alaia.ch

bis 24. August

DREH NOCH MAL RICHTIG AUF

Damit die Sommerstimmung noch nicht so bald abkühlt, zündet das letzte grosse Freiluftfestival der Saison ein besonders buntes Lineup-Feuerwerk. Die Headliner des Zürich Openairs 2019 sind The Chemical Brothers, Calvin Harris, Swedish House Mafia und Mackle­ more. Aber auch Newcomer wie Billie Eilish heizen ordentlich ein. Für Unterhaltung zwischendurch sorgen Street Food, Drinks und der übliche Camping-Wahnsinn. Rümlang, Glattbrugg; zurichopenair.ch

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September Radle gegen Cancellara Eine Strecke, die dir alles abverlangt – von ­Zürich über den Grimselpass nach Zermatt: eine 290 Kilometer lange Tortur, bei der du 7000 Höhenmeter bewältigen musst und ­gegen eine Schweizer Radlegende antrittst. «Chasing ­Cancellara» heisst, Weltmeister und Olympia­ sieger Fabian Cancellara zu fordern. Und dem haben seine Konkurrenten einst nicht u ­ msonst den Spitznamen «Spartacus» verpasst. Start: Prime Tower, Zürich; chasingcancellara.com

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THE RED BULLETIN

DEAN TREML/RED BULL CONTENT POOL, PASCAL GERTSCHEN, LORENZ RICHARD/RED BULL CONTENT POOL

Events


guide

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15 THE RED BULLETIN

August bis 15. September Miss dich mit den Top-Trailläufern Beim Red Bull Ridges kannst du dich mit zwei der weltbesten Trailläufer vergleichen: Judith Wyder und Rémi Bonnet haben auf vier Schweizer Bergrücken vorgelegt, und du kannst ihnen nacheifern – klink dich einfach ins Netzwerk von Strava (strava.com) ein. Moléson (FR), Hoher Kasten (SG/AI), Brienzer Rothorn (BE/LU/OW), Lägern (AG/ZH); redbull.com/ch-de/events/ridges

bis 18. August Geniesse vier Tage bei bester Musik Endlich wieder Party im Wallis! Mehr als 100.000 Besucher werden an der einzigartigen Location auf dem Gampel erwartet – vier Tage lang gibt es in unvergleichlichem Ambiente hoch­karätige und spannende Shows. Mit dabei sind u. a. Bonez MC & RAF Camora, Kygo, ­Capital Bra, Sunrise Avenue, Yung Hurn, ­Revolverheld und Namika. Gampel; openairgampel.ch

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Gaming

guide

TEAMTAKTIK

GEMEINSAM STARK Wieso uns Teamwork weiter als Ego­ismus bringt. Und was wir im Battle-Royale-Game «Apex Legends» darüber lernen können.

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er Starke ist am mächtigsten allein? Unsinn. Seit jeher sind wir Menschen zum Überleben aufeinander angewiesen – so wie im Online-Shooter «Apex Legends» («AL»). Eine Million ­Gamer hatten den Superhit schon acht Stunden nach seiner un­angekündigten Veröffentlichung gespielt, 50 Mil­lionen binnen e­ ines Monats. Die geniale Idee: Ein schnelles und einfaches Kommunikationssystem stärkt den Teamfaktor, indem es wichtige Infos an alle Verbündeten «pingt». Verbale Kommunikation ist unnötig, und man muss auch nicht mehr erraten, warum das Teammitglied ohne Mikro gerade in die Todeszone des Feindes stürmt. Statt­dessen setzt ein Klick auf die Ping-Taste Wegpunkte oder markiert Objekte im Spiel, ein Doppelklick zeigt feindliche Positionen an. Bei gedrückter Taste erscheint ein Menü mit weiteren Ping-Aktionen. «In den effektivsten Teams sind die Mitglieder voneinander abhängig, haben aber volles Vertrauen in­ einander», sagt Leadership-Experte Jo Owen. Für uns analysiert er, was wir aus den Mechanismen hinter «Apex Legends» für das echte Leben ableiten können.

FÜHRUNG ÜBERNEHMEN «AL» wählt nach dem Zufallsprinzip ­einen «Jumpmaster» aus. Er legt den Landepunkt fest und gibt per Ping die Ziele seiner Einheit vor – deren Einverständnis vorausgesetzt. «Wer führen will, muss sich seine Position verdienen», sagt Owen. Im Job gehen viele davon aus, dass sie ihre Position bereits zur Führungskraft macht. «Unsinn. Was zählt, ist, was du tust und wie du es tust. Im Game ist das genauso: Verhältst du dich nicht wie ein Leader, bist du nach 30 Sekunden keiner mehr.»

Ungemütlich: die apokalyptische «AL»-Welt

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JO OWEN

Team-Forscher

Als Unternehmer und ­Autor hat er acht gemein­ nützige Organisationen mit einem Jahresgesamt­ umsatz von rund 130 Mil­ lionen Franken gegrün­ det. Er hält Vor­träge über Führung und Teamwork und hat mit indi­genen Völkern gelebt. Sein ­neuestes Buch, «­Myths of Leadership», ist über Amazon erhältlich. «Apex Legends»: für PC, PS4 und Xbox One

LOYALITÄT BELOHNEN «Im Arbeitsleben tolerieren Füh­ rungskräfte Inkompetenz länger als Illoyalität», erklärt Owen. Laut ihm entsteht Loyalität durch die Erkennt­ nis, in einer Gruppe besser dran zu sein als allein. Ein Hauptgrund für den Erfolg von «AL»: Anders als bei ­anderen Team-Shootern ist man hier als einsamer Wolf auf verlorenem Posten. «‹Apex Legends› erinnert mich an die Kriegsführung indigener Stämme, die ich erforscht habe. Dort habe ich gelernt, was Menschen hundertprozentig loyal macht: das Wissen, ausserhalb des Stammes nicht überleben zu können.» ROLLEN DEFINIEREN «Ein schlagkräftiges Team braucht nicht nur Vertrauen und Abhängig­ keit, sondern auch die richtige Rol­ lenverteilung», sagt Owen. «Gehe ich gern Risiken ein – z. B. als Ver­ käufer –, oder bleibe ich lieber auf der sicheren Seite, etwa als Buchhalter?» Die Charaktere in «Apex Legends» ­fallen in die Standard-Videospiel-­ Muster Defensive, Offensive und Support – und müssen passend be­ setzt sein. «Der Arzt in deinem Team sollte nicht vorauslaufen und als Ers­ ter Feindkontakt haben», sagt Owen. «Jedes Teammitglied ist in der Rolle am wertvollsten, die zu ihm passt.»

THE RED BULLETIN

MATT RAY

Aller guten Dinge sind 3: Bloodhound, Wraith, Gibraltar von «AL»

KLARHEIT SCHAFFEN Ein typischer Satz bei Multiplayer-­ Shootern mit Mikro: «Vorsicht, da ist ein Feind bei diesem Baum.» Die typische Antwort: «Äh, welcher Baum?» «Ein effektives Team braucht klare Kommunikation», sagt Owen. «‹AL› ist dank der Pings ein Muster­beispiel für permanenten, präzisen Austausch. Im Alltag hört man oft: Kannst du den Bericht in Ordnung bringen? Und denkt: Wel­ chen Bericht? Und was heisst ‹in Ordnung bringen›? Lass dein Team nicht raten, was du meinst. Drück dich klar und exakt aus.»

EXPERTE IM PORTRÄT

ELECTRONIC ARTS

VERTRAUEN AUFBAUEN Bei «AL» besteht dein Team aus Wildfremden. Wie baut man da Ver­ trauen auf? Aus dem Berufs- oder Privat­leben kennen wir zwei Wege: den Austausch über gemeinsam ­erlebte Erfahrungen oder die durch kom­petentes Handeln gewonnene Glaubwürdigkeit. Das Ping-System kon­zentriert sich auf Punkt 2, indem es dein Team über jeden deiner Schritte am Laufenden hält (inklu­sive WC-Pausen). Punkt 1 bleibt ­aussen vor: «Dass du mit deinen Team­ kollegen nicht reden, texten oder sie gar ­sehen musst, ist genial», sagt Owen. «Es ist egal, ob du blaue Haut und zwei Köpfe hast, solange du ­pingen und schiessen kannst.»


Entertainment

JETZT WIRD’S DRECKIG!

Ob mit Enduro-Maschinen, Offroad-Buggys oder am Mountainbike: Die aktuellen Highlights auf Red Bull TV beweisen wieder einmal, wie schön es sein kann, sich anständig schmutzig zu machen.

guide

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Manuel Lettenbichler beim dritten Stopp der WESS 2019 am österreichischen Erzberg

August   PREMIERE

WESS DIARIES

Acht Stopps umfasst die World Enduro Super Series (WESS). Acht Folgen zählt jene Dokureihe, die erstmals hinter die Kulissen dieser ultimativen Rennserie für Gelände-Motorradfahrer schaut. In jeder Episode werden jeweils ein Werks- und ein freier Fahrer bei ­ihrer Vor­ bereitung auf den bevorstehenden Start begleitet. Das Ergebnis: Einblicke in die Rennfahrerseele – so tief wie die Spuren der Biker auf der Strecke.

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September   LIVE

FUTURE7MEDIA/RED BULL CONTENT POOL, MIKE ROTH

CRANDON WORLD CUP

SO SIEHST DU RED BULL TV ÜBERALL

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THE RED BULLETIN

Knapp 2000 Einwohner leben im beschaulichen Crandon im US-Bundesstaat Wisconsin. Diese Idylle endet, wenn 25-mal so viele Menschen auf den Tri­ bünen ausflippen, weil die weltbesten Offroad-Fahrer den 2,5-Kilometer-Rundkurs der Stadt umpflügen.

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und 8. September   LIVE

UCI MOUNTAINBIKE WELTCUP-FINALE

Der Höhepunkt der Mountainbike-Saison findet dieses Jahr in Snowshoe, West Virginia (USA), statt. Spoiler: Die Spitzenfahrer im Downhill und im Cross Country ­werden dennoch keine Winterschuhe tragen.

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IMPRESSUM

THE RED BULLETIN WELTWEIT

Aktuell ­erscheint The Red Bulletin in sieben Ländern. Das Cover u ­ nserer mexikanischen Ausgabe ziert diesmal die Rockband Pixies, die uns im Interview erklärt, welche ­Vorteile es hat, sich in Verlegenheit bringen zu lassen. Mehr Storys abseits des Alltäglichen gibt’s auf: redbulletin.com

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Chefredakteur Alexander Macheck Stv. Chefredakteur Andreas Rottenschlager Creative Director Erik Turek Art Directors Kasimir Reimann (stv. CD), Miles English, Tara Thompson Head of Photography Fritz Schuster Deputy Head of Photography Marion Batty Photo Director Rudi Übelhör Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Freie Mitarbeiter Jakob Hübner, Werner Jessner, Alex Lisetz, Stefan Wagner Grafik Marion Bernert-Thomann, Martina de ­Carvalho-Hutter, Kevin Goll, Carita Najewitz Fotoredaktion Susie Forman, Ellen Haas, Eva Kerschbaum, Tahira Mirza Head of Commercial & Publishing Management Stefan Ebner Publishing Management Sara Varming (Ltg.), Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Melissa Stutz, Mia Wienerberger B2B-Marketing & Kommunikation Katrin Sigl (Ltg.), Agnes Hager, Teresa Kronreif Head of Creative Markus Kietreiber Co- Publishing Elisabeth Staber, Susanne Degn-Pfleger (Ltg.), Mathias Blaha, Vanessa Elwitschger, Raffael Fritz, Marlene Hinterleitner, Valentina Pierer, Mariella Reithoffer, Verena Schörkhuber, Julia Zmek, Edith Zöchling-Marchart Commercial Design Peter Knehtl (Ltg.), Sasha Bunch, Simone Fischer, Martina Maier, Florian Solly Anzeigenservice Manuela Brandstätter, Monika Spitaler Herstellung Veronika Felder Produktion Walter O. Sádaba, Friedrich Indich, Sabine Wessig Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Sandra Maiko Krutz, Nenad Isailović, Josef Mühlbacher Operations Michael Thaler (MIT), Alexander Peham, Yvonne Tremmel (Office Management) Abo & Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Klaus ­Pleninger (Vertrieb), Nicole Glaser (Vertrieb), ­Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar (Abo) Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Strasse 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Strasse 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 General Manager & Publisher Andreas Kornhofer Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Gerrit Meier, Dietmar Otti, Christopher Reindl

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P RO M OT I O N

must-haves

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1 GUTE IDEEN. EINFACH GEKOCHT.

Dank der Kochboxen von HelloFresh gehören lange Warteschlangen im Supermarkt und die mühsame Rezeptplanung der Vergangenheit an. HelloFresh liefert dir die perfekte Kombi­nation aus kreativen Rezepten und exakt abgemessenen Zutaten direkt vor die Haustür. Probiere es jetzt aus und profitiere von 50 Prozent Ra­batt auf deine erste Kochbox mit dem Code REDBULLETIN50. hellofresh.ch

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2 EINE HOMMAGE AN DIE SCHWEIZ!

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3 TRANSPARENZ IST DIE ZUKUNFT.

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Victorinox Reisegepäck stellt die hochwertigen, robusten und wasser­ abweisenden Reisetaschen aus der Vx Touring Kollektion vor. Das inno­vative Material fungiert wie eine Schutzschicht, damit die Taschen unter härtesten Wetterbedingungen und bei unsanfter Behandlung höchst abriebfest und wasserabweisend sind. Erhältlich in verschiedenen Farben.  victorinox.com

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Perfekter Abgang

Hubschrauber über ihren Köpfen sind sich die New Yorker gewöhnt, doch bei diesem reckten selbst sie ihre Hälse: In den Morgenstunden des 18. Mai vollführte Red Bull Aerobatic-Pilot Aaron Fitzgerald Schrauben, Flips und Sturzflüge über den Dächern Manhattans. Video unter redbull.com

Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 8. September 2019. 98

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