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The Red Bulletin September 2018 - CHDE

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SCHWEIZ SEPTEMBER 2018, CHF 3.80

Vor diesem Mann zittert die Mafia

MIT SPASS ZUM ERFOLG

Die Schweizer Film-Shootingstars Silvan und Flurin Giger

TOKIOS INSIDER-SPOTS Freerunner Jason Paul zeigt uns seine zweite Heimat

Der Franzose Guillaume Galvani, 2000 Meter über der Ägäis

DAS KANNST DU AUCH 9 Profi-Mentaltricks, die dein Leben verändern

GETREDBULLETIN.COM

ALFONSO SABELLA

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ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN


EDITORIAL

REISEN OHNE SCHWERKRAFT Er pirscht sich über Außentreppen auf Flachdächer, ­klettert auf Straßenampeln und erkundet versteckte Hinterhöfe in einer der größten Metropolen der Welt: Freerunner Jason Paul entdeckt Städte auf die ihm ­eigene akrobatische Weise und ist deshalb der perfekte Guide für alle, die abseits der üblichen Touristenpfade reisen wollen. Ab Seite 76 verrät uns der gebürtige Frankfurter seine (allen zugänglichen) Empfehlungen für ­seine zweite Heimat Tokio – lassen Sie sich inspirieren.

Fotograf Sam Kweskin beim Red Bulletin-Shooting mit Morghan King. Die Amerikanerin kam übers CrossFit zum Gewichtheben und belegte bei Olympia 2016 prompt den sechsten Platz. Frauenpower, ab Seite 46.

Den Schweizer Brüdern Flurin und Silvan Giger glückte, wovon jeder Filmschaffende träumt: Mit ihrem Werk „Schächer“ wurden sie zu den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes eingeladen. Das Besondere: Beide haben vom Filmemachen keine Ahnung (ja, Sie lesen richtig!). Wie man als Rookie Erfolg haben kann: ab Seite 60.

MIT AN BORD IN DIESEM HEFT

MARK BAILEY

Für unsere Coverstory sprach der britische Journalist mit Abenteurern, Polarreisenden und ­Spitzenalpinisten über deren Erfahrungen in Extremsituationen. Seine Erkenntnis: „Keiner dieser Menschen glaubt, mit seiner ­mentalen Stärke geboren worden zu sein. Die meisten Athleten ­sagen, ihre Fähigkeiten seien erlernbar.“ Wie wir das Wissen von High-Performern im Alltag nutzen können: ab Seite 26.

MIKO LIM

Seine Spezialität: Sportfoto­grafie. Seine frühere Heimat: T ­ okio. Damit brachte Lim – der US-Fotograf por­trätierte u.  a. Fußball-Ikone ­Lionel Messi – beste Voraus­ setzungen mit, um Freerunner ­Jason Paul für unsere Story in ­Japans Hauptstadt zu inszenieren. Gemeinsam zogen die beiden durch die Megametropole, und es entstand ein Stadtführer, der die Schwerkraft weit­gehend ignoriert. Ab Seite 76.

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TRISTAN SHU (COVER)

Viel Spaß mit diesem Heft! Die Redaktion

THE RED BULLETIN


humAn meets digitAl

Shaping New Realities

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FRiday, SeptembeR 7, 2018 10:00 – 20:00 SchiFFbau ZüRich

Artists AndreAs WAnnerstedt (sWe) UniqUe 3D AnimAtions Kuflex (rus) interActive immersive instAllAtions Christopher BAuder & roBert henKe (deu) AUDiovisUAl kinetic light Art instAllAtion proDUceD by WhitevoiD

©picture by Andreas Wannerstedt

speCiAl guest sophiA the roBot

www.volvoartsession.com volvo Art session — a plattform for innovation, Art and Design partner


INHALT September

FEATURES

2 6 Lehrgang der Extreme

Mentaltricks von Top-Athleten optimieren deinen Alltag.

3 8 „Rock? Fucking boring!“ Ex-Oasis-Mastermind Noel Gallagher im Interview.

4 4 Urbane Entdecker

Wie du deine Stadt in akrobatischem Laufstil eroberst.

4 6 Die starke Ms. King

Eine US-Gewichtheberin erstaunt die Wissenschaft.

5 4 Allein gegen die Mafia

Wir treffen Italiens Verbrecherjäger Alfonso Sabella.

6 0 Silvan & Flurin Giger

Zwei Schweizer Neo-Filmemacher begeistern die Kritiker.

6 2 Offroad durch Osteuropa Mit Johann von Bülow im Škoda Kodiaq auf Balkan-Routen.

70 Der Wildwasser-Lifestyle Warum du Naturschschwimmer werden solltest.

7 2 Taktgeberin: Uèle Lamore Die inspirierende Vita einer jungen französischen Dirigentin.

76 Kopfüber in Tokio

Freerunner Jason Paul zeigt uns seine zweite Heimat.

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SCHWERELOS

Freerunner Jason Paul zeigt uns die Lieblingsplätze seiner Wahlheimat – der Mega­ metropole Tokio.

ALFONSO SABELLA

Wir sprachen mit dem Staats­anwalt und wich­ tigsten Mafiajäger Ita­liens über Mut und sein Leben auf der Todesliste.

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THE RED BULLETIN


BULLEVARD Life and Style Beyond the Ordinary

9 Between Music aus Dänemark

machen Unterwassermusik

12 Extremkletterer Chris Sharma 14 Warum sich Filmstar Adam

Driver nicht so ernst nimmt

16 Ein Eis, das brennt wie Feuer 17 Dieser Mann durchschaut

die Psyche von Kriminellen

18 Die weltbesten Nachwuchs­

segler am Genfer See

20 Ein Motorrad, das Feuer speit 2 2 Die Datenbank für Mutationen 24 Luxushotel im Weltraum 25 Vier Musiktipps von Miss Red

GUIDE

Get it. Do it. See it. 87 Reise-Special: Colorado 90 Die Highlights auf Red Bull TV 92 Fitness-Tipps von Extrem­

radfahrer Michael Strasser

94 Die wichtigsten Termine

EMILY IBARRA, MATTIA ZOPPELLARO, SAM KWESKIN

in den nächsten Wochen 96 Impressum 98 Foto des Monats: Rémi Bonnet

46 FRAUEN, GANZ STARK

Frauen entdecken das Gewichtheben – und siehe da, sie haben den Männern ­einiges voraus.

THE RED BULLETIN

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CH-BIO-004 EU/NICHT-EU Landwirtschaft


BULLEVARD

GETTY IMAGES

L I F E & S T Y L E A B S E I T S D E S A L LTÄ G L I C H E N

VON WEGEN STILLE ­WASSER ...

Der dänische Musiker ­Robert Karlsson im ­Aquarium: Bei Konzerten spielt er eine Geige aus  Kunststo≠ und die Glasharmonika.

Schaurige Songs, subaquatische Instrumente und Musiker, die in mannshohen Tanks ­performen – ein Treffen mit der ersten Unterwasser-Band der Welt. THE RED BULLETIN

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„UNSERE SÄNGERIN ENTWICKELTE EINE TECHNIK, BEI DER SIE EINE LUFTBLASE IM MUND BEHÄLT.“

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ie Idee kam Laila Skovmand 2004. Sie stand in ihrer Küche mit einer Wasserschüssel in der Hand und fragte sich: „Was passiert, wenn ich ins Wasser hineinsinge?“ Der erste Versuch klang eher mau, aber die ­dänische Musikerin war von dem Vorhaben, unter Wasser zu singen, gefesselt. Fünf Jahre und viele Experimente später hob sie ihre Idee auf die nächste Stufe – und gründete die erste Unterwasser-Band der Welt: Between Music. Bei Konzerten mit dem Titel „AquaSonic“ performen die fünf Bandmitglieder ohne Atemgeräte in manns­hohen Wassertanks, sie benutzen spezielle Unterwasser-Instrumente und spielen schaurigschöne Musik, die man so an Land nicht erzeugen kann. Seit Mai 2016 ist die Gruppe mit ihren 1600-Liter-Aquarien auf Welttournee. Egal ob sie in Schottland, Russland oder Australien auftreten – ihre Konzerte sind meist ausverkauft und ernten begeisterte Kritiken. Wie geht das? Und warum begeistert ihre Musik Menschen in aller Welt? Wir haben Robert Karlsson, Bandmitgründer und UnterwasserViolinist, gefragt. the red bulletin: Welche Instrumente spielen sich am besten unter Wasser? robert karlsson: Zuerst testeten wir eine Geige in ­einem Swimmingpool. Sie klang gut, fiel aber wenig ­später auseinander. Wir erkannten, dass wir spezielle ­Instrumente brauchen. So

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l­ ießen wir uns zum Beispiel eine Geige aus Kunststoff herstellen. Zwei kanadische Erfinder bauten uns außerdem ein Hydraulophon, eine Orgel, die Klänge mit Wasser- statt mit Luftdruck erzeugt. Was sind die größten Herausforderungen für das ­Musizieren unter Wasser? Die Tanks, in denen wir spielen, sind selbst Klangkörper. Das bedeutet, wenn du dein Instrument im Tank auch nur ein paar Zentimeter bewegst oder sich die Wassertempe­ ratur verändert, ändert sich auch der Klang. Deshalb musst du als Unterwassermusiker extrem präzise und noch konzentrierter als an Land sein. Eine weitere Herausforderung ist sicher die Atmung? Da steckt viel Training da­ hinter. Sporttaucher und Yoga­ lehrer haben uns Techniken beigebracht, die Luft so lange wie möglich anzuhalten. Wie regelmäßig tauchen Sie bei Ihren Konzerten auf? Das hängt davon ab, wie sehr du körperlich aktiv bist. Als Violinist spiele ich ein Solo, das eine Minute 15 Sekunden dauert. Für den Schlagzeuger sind dreißig Sekunden ohne Auftauchen schon viel, weil er unter Wasser dreimal so viel Kraft für jeden Schlag braucht. Die kurzen Atempausen sind in unseren Kompositionen genau eingeplant. Wie singt man eigentlich ­unter Wasser? Laila hat eine Technik ent­ wickelt, bei der sie eine Luftblase im Mund hält. Wenn sie zu entwischen droht, saugt sie die Blase wieder ein und singt den nächsten Ton. Am Anfang konnte sie so nur kurze Selbstlaute singen, mittlerweile ge-

lingen ihr aber auch längere Phrasen und M ­ elodien. Indem sie diese Luftblase öfter einund aus­atmet, kann sie länger als eine Minute ohne Pause unter Wasser singen. Hat Wasser eigentlich einen bestimmten Klang? Klar! Wegen des Wassers ­klingen die Instrumente langsam und irgendwie einsam. Mich erinnert der Sound an alte Schellack-Platten aus den 1920er-Jahren. Unser Publikum beschreibt unsere Musik oft als unheimlich, was ich sehr passend finde. Gibt es als Musiker etwas, was Sie nur unter Wasser machen können, was an Land unmöglich wäre? Schallwellen bewegen sich im Wasser schneller als in der Luft. Deshalb klingen manche Trommeln wie elektronische Sounds aus dem Computer. Wenn du als Musiker das ­Hydrophon, das UnterwasserMikrofon, zum Instrument hin bewegst, entstehen diese irren Effekte, die du akustisch an Land nicht erzeugen kannst. „AquaSonic“ ist weltweit ­erfolgreich. Was lieben die Menschen an Ihrer Unterwassermusik? Egal wo du lebst oder woher du kommst, jeder Mensch hat eine besondere Beziehung zu Wasser. Die beginnt schon im Mutterleib: Die ersten ­Geräusche, die wir dort wahrnehmen, hören wir quasi durch einen Wasserfilter. Ich glaube, dass unsere Musik deshalb überall auf der Welt so gut aufgenommen wird.

betweenmusic.dk/aquasonic

THE RED BULLETIN


B U L L EVA R D

GETTY IMAGES

FLORIAN OBKIRCHER

Bandmitglied Nanna Bech spielt die Rota­corda. Die von US-Wissenschaftlern entwickelte Unterwasser-Drehleier ­erzeugt Klänge, indem der Musiker die Saiten gegen Metallscheiben drückt.

Die Between-Music-Bandmitglieder in ihren Tanks: Gründerin und Sängerin Laila Skovmand (vorn) spielt das Hydrau­lophon, das erste Instrument der Welt, das Wasser statt Luft verwendet. THE RED BULLETIN

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Chris Sharma

INMACULADA SÁNCHEZ TREJO

SPIDERMAN IN ECHT

DAN KRAUSS/RED BULL CONTENT POOL

Hier baumelt der kalifornische Boulderer Chris Sharma, 37, in einer 8c-Route im ­katalonischen Bogenfelsen „Cadena Per­ petua“, was so viel heißt wie „lebenslange Haft“. Für Dan Krauss, der dieses Foto im März gemacht hat, drückt das Motiv aber das genaue Gegenteil aus: die Überwindung aller Zwänge, die völlige Freiheit. „Chris kletterte die Route mehrmals, bis wir die optimale Perspektive für das Foto gefunden hatten“, sagt Dan. „Es war inspirierend, zu sehen, wie spielerisch er das Klettern ­einer so extremen Route aussehen lässt.“ dankraussphoto.com; Instagram: @chris_sharma

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THE RED BULLETIN


B U L L EVA R D

„Ein paar Fotos gingen vom Boden aus“, sagt Fotograf Dan Krauss. „Aber für die anderen musste ich selbst im Fels am Seil hängen.“ THE RED BULLETIN

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B U L L EVA R D

Sie spuren also, wie beim Militär? Du musst einfach deine Rolle bei einem Projekt kennen. Ich habe zwei Jahre und acht ­Monate bei den U. S. Marines gedient und dort gelernt, im Team zu arbeiten. Es geht hier nicht um mich. Ich bin Teil ­eines größeren Ganzen. Ich muss für meine Partner da sein und sicherstellen, dass ich den besten Job mache, sodass sie das Gleiche tun können. Auf diese Weise erfülle ich meine Mission, und nur das zählt. Die meisten Teams haben ­einen Boss. Bei „The Man Who Killed Don Quixote“ war das Kultregisseur und ExMonty-Python-Mitglied Terry Gilliam. Welche Führungsqualitäten hat er gezeigt? Er hat keinen Filter für seine Gefühle. Das heißt, wenn ­etwas nicht funktioniert, dann merkst du’s ihm sofort an. Ebenso, wenn es gut läuft. Auf diese Weise schafft er eine ­Arbeitsatmosphäre, wo sich jeder auf die Hinterbeine stellt. Und das mussten wir auch, denn die Zeit war knapp. Außerdem ermuntert er dich, deinen Impulsen zu folgen und dir selbst zu vertrauen. Er hätte beim Dreh leicht den Diktator spielen können nach dem ­Motto „Ich habe 25 Jahre über dieses Projekt nachgedacht. Macht einfach, was ich sage“. Stattdessen zeigt er, dass er auch nicht alles weiß. So ­etwas finde ich inspirierend.

Wie bitte? Ja, ich frage mich, wie ich den Essvorgang richtig takte, damit ich den anderen nicht ins ­Gesicht rülpse. Nein … Scherz! Aber ich habe bei jedem Job Druck, weil ich befürchte, dass etwas schiefläuft – dass ich eine Szene vergeige, schlecht sein werde und dann Mit­ schuld daran trage, dass der Film nicht passiert. Warum so angespannt? Mir ist prinzipiell bewusst, dass wir im Leben nicht viel Zeit haben. Ich will also etwas machen, was für mich wichtig ist. Was aber nicht heißt, dass ich mich als Person allzu ernst nehme.

quixotemovie.com

Adam Driver

FLUCH? BESIEGT!

Sein neuer Film galt als verwünscht. Adam Driver, böser Held aus „Star Wars“ VII bis IX, sagte trotzdem zu. Weil er wusste: Es geht hier nicht um ihn.

Wenn jemand so lange an ­einem Projekt arbeitet, 14

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RÜDIGER STURM

in lebendig gewor­ dener Albtraum: Gut zwanzig Jahre währten Planung und Realisierung von „The Man Who Killed Don Quixote“ – was so ziemlich alle Beteiligten an den Rande des Wahnsinns trieb. Finanzierungsprobleme, ein beleidigter Ex-Produzent, Abbruch der Dreharbeiten, Überschwemmungen am Set, hochkarätige Schauspieler, die sich die Klinke in die Hand gaben, Erkrankungen, viel Drama. Adam Driver, der im letzten Anlauf eine der Haupt­ rollen der Abenteuerkomödie übernahm, hat das alles nicht abgeschreckt. Im Gegenteil. „Ich fand es spannend, mit all diesen Menschen zu arbeiten, die zwanzig Jahre lang so hart dafür gekämpft hatten, dass dieser Streifen entsteht“, meint der 34-Jährige – und das verwundert nicht. Adam Driver ist ein harter Hund: nicht nur, weil er im jüngsten „Star Wars“-Film Han Solo ins Jenseits beförderte. Im echten Leben diente er als Soldat bei den U. S. Marines, bis ein Unfall mit dem Mountainbike ihn dienstunfähig machte und zum Karrierewechsel zwang. Vom harten Drill zum freien Künstlerleben? Der Kontrast könnte nicht größer sein. Doch Driver hat aus seinem alten Leben viel gelernt: Er nimmt die richtigen Dinge ernst, doch nicht sich selbst.

­ rzeugt das für Sie als Mite streiter nicht besonderen Druck? Ich spüre schon Druck, wenn ich eine Suppe esse.

MATTHEW BROOKES/TRUNKARCHIVE.COM

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the red bulletin: Bei „Don Quixote“ ist über die Jahre vieles schiefgelaufen. Wie gehen Sie mit Scheitern um? adam driver: Prinzipiell versuche ich, alles beim ersten Mal richtig hinzukriegen. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass Dinge schiefgehen. Da hilft nur: flexibel bleiben und Denkschablonen ablegen. Ich kann niemanden zwingen, auf die Weise zu arbeiten, wie ich das möchte.


Adam Driver meint, es grenzt an ein Wunder, dass sein neuer Film endlich fertig geworden ist. THE RED BULLETIN

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I

Heißcreme

DIESES EIS HEIZT DIR RICHTIG EIN

führt der 38-Jährige stolz aus. Wie die Formel lautet, verrät er nicht – altes Familienrezept aus Italien. Lieber spricht er über die Reaktionen auf das Eis, das täglich mehrere hundert Male geordert wird: „Sobald du es im Mund hast, erlebst du eine Art Systemschock. Dein Körper fragt sich: ‚Was passiert hier gerade? Brennen meine Arme?‘ Dann beginnst du zu weinen, läufst vor lauter Panik los oder kippst um – ich habe alles schon gesehen.“ Im Café ist deshalb stets ein Ersthelfer unter den Angestellten, der sich um verteufelte Gäste kümmert. Krankheit, Verletzungen oder gar Tod gab es bislang aber nicht zu be­ klagen. Nur manche Beziehung läuft Gefahr, den Eissalon­ besuch nicht zu überleben. „Ein Mann hat seiner Frau mit dem Eis einen Streich gespielt“, erinnert sich Bandoni, „sie schrie los, rief ihre Mutter an und fuhr mit ihr nach Hause.“ facebook.com/AldwychCafe

Scharfmacher: Das Eis aus CarolinaReaper-Chilis wirkt aphrodisierend.

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LEE BANDONI/IMMENSE BRANDS

CHRISTIAN EBERLE-ABASOLO

Lust auf ein außergewöhnliches Dessert? Dann begib dich nach Glasgow. Und in Lebensgefahr.

ch bin mir bewusst, dass der Verzehr ­dieser Eiscreme zu Krankheit, Ver­letzung und Tod führen kann.“ Das ist ein Auszug aus dem Haftungsausschluss, den ­Kunden beim Bestellen einer Kugel „Respiro del Diavolo“ unterschreiben müssen. Der Grund: Der Atem des Teufels, so die Übersetzung der Sorte, die im Aldwych Cafe and Ice Cream Parlor in Glasgow angeboten wird, enthält Carolina Reaper. Die Chili-Sorte mit der Schärfe von über 1,5 Millionen Scoville ist 500-mal so scharf wie Tabasco. Oder für alle, die Tabasco nie probiert haben: „wie eine Atombombe im Mund“, sagt Lee Bandoni, dessen Familie den Eissalon führt. „Eigentlich neutralisiert die Milch im Eis die Schärfe, aber wir haben eine Formel gefunden, diese chemische Reaktion zu unterbinden“,


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Wie man …

MIT SCHWEREN JUNGS VERHANDELT Der Abenteurer Aldo Kane überlebte V ­ ulkane, Wüsten und Ozeane. Eine Natur­gewalt fand er aber noch unberechen­barer: den Verstand von Kriminellen.

nur weil es die Regierung behauptet? Für manche Kriminelle ist ja gerade die Regierung die verbrecherische Vereinigung. Wenn man die Perspektive wechselt, ist nichts mehr eindeutig – auch wenn man sich nur schwer in jemand einfühlen kann, der 257 Menschen per Kopfschuss abgeschlachtet hat.“

Studiere Körpersprache

„Ohne Spezialausbildung gibt dein Unterbewusstes preis, was du wirklich denkst und fühlst – auch wenn du das nicht möchtest. Gib mir fünf Minuten mit jemandem, und ich weiß, ob er lügt, ob er eher kreativ oder methodisch denkt. Bei Narcos ist das schwieriger: Sie sind Meister darin, Menschen berufsmäßig hinters Licht zu führen.“

Sei auf alles gefasst

GEORG ISMAR/AGE FOTOSTOCK, ALDO KANE

MATT RAY

1992 wurde der ­ehemalige „Sicario“ ­Velásquez Vásquez zu ­dreißig Jahren Haft ver­urteilt. Heute ist er frei – ihm wurden acht Jahre erlassen.

Aldo Kane, Abenteurer und ehemaliger Royal Marine, unterstützt TV-Teams bei heiklen Aufträgen.

THE RED BULLETIN

W

ie riskant ist zu riskant? Als Sicherheitsberater gefährlicher TV-Reportagen muss Aldo Kane Tag für Tag diese Frage beantworten. Das ist nicht immer einfach – zum Beispiel bei den Dreharbeiten für „The Real Narcos“, eine Doku über kolumbianische Drogenkartelle. Hier musste Kane die Gefährlichkeit der ­Interviewpartner einschätzen, sogenannter Sicarios, also Auftragsmörder. „Einmal saß ich mit Pablo Escobars rechter Hand im Café, mit Jhon ‚Pop­ eye‘ Jairo Valásquez Vásquez“, erinnert sich Kane. „Wir plauderten über seine Frau. Und zwischendurch über Leute, die er ausgeweidet hat.“

Lass dich nicht einlullen

„Bei den Royal Marines lernte ich, Menschen und Situationen zu lesen. Wie man auf Gewalt reagiert, wann man besser abhaut. Lauter nützliche Basics – aber bei diesen Typen komplett wertlos. Du kannst keine Beziehung zu ihnen aufbauen, weil sie hinterlistig und manipulativ sind. Sicarios sind programmiert, dir nur aus einem Grund so nahe wie möglich zu kommen: um dir eine Kugel in den Kopf zu jagen.“

Sei unvoreingenommen

„Daheim im Elfenbeinturm lassen sich Gut und Böse leicht auseinanderhalten. Aber vor Ort sieht die Lage ganz anders aus. Ist etwas die Wahrheit,

„Sind Drogen im Spiel, kannst du dich nicht mehr auf deine Menschenkenntnis verlassen. Die Leute werden völlig irratio­ nal, ichbezogen, paranoid. ­Gewürzt mit Geldgier und ­Todesangst verwandelt sich ein kleines Missgeschick ziemlich schnell in eine lebens­ gefährliche Situation. Man kann ein paar Vorsichtsmaßnahmen treffen, aber ein Restrisiko bleibt. In einem aus­ brechenden Vulkan fühle ich mich j­ edenfalls sicherer.“

Nütze ihre Eitelkeit

„Jedes Ego ist nur so groß wie die Bereitschaft anderer, es aufzublasen. Darum: Gar nicht erst beginnen, sich unterzuordnen! Gut, in diesem Fall ist die Gegenseite schwer­bewaffnet. Aber wir mussten ihre Egos knacken, um filmen zu dürfen. Es ist unglaublich, was Menschen zulassen, wenn man ihnen ein bisschen Wertschätzung gibt. Wir hatten das Interview im Kasten, Popeye wurde berühmt als Pablo Escobars rechte Hand. Was für eine verrückte Welt!“

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Vorschoterin Amanda Bjork-Anastassov (re.) und Steuermann Max Wallenberg kämpfen bei der Red Bull Foiling Generation in Genf um den Sieg.

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Red Bull Foiling Generation

VOR DEM STURM

Da braut sich was zusammen: An dem ­Wochenende, an dem 2750 Blitze über dem Land niedergingen, knallten die 32 besten Nachwuchssegler der Schweiz über den ­Genfer See. „Lauter Wahnsinnstalente“, sagen Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher. Sie haben die Red Bull Foiling Generation ins Leben gerufen, eine Rennserie für Sechzehnbis Zwanzigjährige. Und sie sind sicher, einen künftigen America’s-Cup-Sieger an Bord zu haben. Heißer Tipp: Max Wallenberg, 16, und Amanda Bjork-Anastassov, 18 (Bild): Die Zweiten der Landesquali sind auch ­Nacra15-Jugendweltmeister.

DOM DAHER/RED BULL CONTENT POOL ARKADIUSZ PIATEK

foilinggeneration.redbull.com

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VTR Customs

DAS DRAGSTER-BIKE, DAS FEUER SPEIT

Mission: ein Sieg bei der irrsten Dragster-Rennserie der Welt. ­Ingenieur: ein Schweizer Motorrad-Verrückter. Inspiration: ein Flugzeug, das den Verlauf des Zweiten Weltkriegs veränderte.

Daniel Weidmann auf seinem Spitfire-Einzelstück, Riderin Amelie Mooseder im Hintergrund: „Das Bike ist schwierig zu fahren, aber eine echte Siegermaschine.“

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PHOTOCAB/ANDRI MARGADANT

TOM GUISE

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otorrad-DragsterRennen sind ja generell nichts allzu Gewöhnliches. Aber das Sultans of Sprint nimmt es mit der Außer­gewöhnlichkeit richtig ernst. Die grundsätzlichen Eck­ daten sind ja noch einiger­ maßen herkömmlich: Mann gegen Mann im direkten Duell, 200 Meter Streckenlänge, ­stehender Start. Das Tempo ist bei dieser fünfteiligen euro­ päischen Rennserie aber nicht der alleinige Schlüssel zum Erfolg. Genauer: Er macht nur 70 Prozent davon aus. Die restlichen 30 Prozent bestehen aus Kreativität und Verrücktheit. Denn eine Jury bewertet „Style & Engineering“ sowie den „Scary Factor“. Für den „Party Monster Bonus“ werden Extrapunkte vergeben – der Fahrer muss dafür Limbo tanzen, die Höhe der Latte entspricht jener des Bikes. Und genau dieser 70/30Mix fasziniert Daniel Weidmann so sehr, dass er sich für das diesjährige Rennen ein­ geschrieben hat. Der Besitzer des Schweizer Mod-Shops VTR Customs ist in Sachen Dragster-Racing kein Anfänger, bei der deutlich humorloseren Essenza Sprint Challenge belegte er sogar schon Podestplätze. Doch 2018 ist etwas neu: Neben der üblichen „Freak Class“ (eine Fast-alles-ist-mög­ lich-Kategorie für 1600-cm³Viertakt-Hot-Rods) gibt es nun auch eine „Factory Class“. Hierbei arbeiten etablierte ­Motorradhersteller mit Custom-Schmieden zusammen, um hundertprozentige Einzelstücke zu bauen. VTR tat sich mit BMW zusammen, als Basis für das Projekt wurde eine brandneue R 1200 R aus­ gewählt. „Wir wollten das komplexeste Bike bauen, das wir je gefertigt haben“, sagt Weidmann, der sich dabei von

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VTR Customs verwendete für das Einzelstück Original-CockpitInstrumente aus einem historischen Spitfire-Kampfflugzeug.

Der Motorradrahmen wurde für höhere Spurtreue verlängert und für bessere Aerodynamik tiefer gelegt – alles per Hand.

seiner Liebe zu Kampfflug­ zeugen des Zweiten Weltkriegs inspirieren ließ – und da ganz besonders von der legendären Supermarine Spitfire der ­Royal Air Force. Anstelle moderner Com­ puterdesigns kamen hand­ gezeichnete Baupläne zum Einsatz, aus rohem Aluminium entstand unter Zuhilfenahme von Hämmern und Sandsäcken eine torpedoförmige Verkleidung mit großer Ähnlichkeit zum Warbird des Zweiten Weltkriegs. Dazu kamen ein paar Originalteile: SpitfireCockpit-Instrumente, ein Spitfire-Startschalter sowie eine Abgasanlage, die Feuer speit – ganz so wie das Rolls-Royce-

Merlin-Triebwerk des Flugzeugs – womit der Scary Factor eindeutig erfüllt wurde. Um die Gewichtsbeschränkung einzuhalten, ließ VTR den 2-Zylinder-Boxermotor unverändert. Mit 125 PS und 257 km/h Topspeed kam VTR-Riderin Amelie Mooseder beim Eröffnungs-Event in Monza auf Anhieb auf Platz zwei. Mehr war vorerst nicht drin: Weil das Monstrum von 130 auf 90 Zentimeter tiefer gelegt wurde, ist es nämlich nicht nur äußerst schwierig zu steuern – auch die erforderlichen Party-Monster-Bonuspunkte sind am Tag danach eine echte Herausforderung. sultansofsprint.com  21


IZABELA KAMINSKI, PETER DUCHEK WOLFGANG WIESER

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Aus Stammzellen gezüchtete Blutgefäße, arrangiert in Anlehnung an klassische Schmetterlingskästen

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Innovation

IM ARCHIV DER MUTATIONEN Eine weltweit einzigartige Zellbank hilft Forschern im Kampf gegen Krankheiten.

Ulrich Elling fand heraus, wie man Mutationen einund ausschalten kann.

N

ein, es sind keine Schmetterlinge, die auf dem Bild links zu sehen sind – auch wenn die zwanzig farbenfrohen Kleckse stark daran erinnern: Es sind Blutgefäße; am Wiener Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) aus Stammzellen herangezüchtet. Ihre deutlich unterscheidbaren Farben und Formen sind auf Mutationen zurückzuführen.

Sie sind Teil der Haplobank, eines weltweit einzigartigen Archivs der Mutationen, das 17.000 von insgesamt 20.000 Genen enthält. Es basiert auf Erkenntnissen der IMBA-Forscher Ulrich Elling und Reiner Wimmer. Vereinfacht erklärt: Dank des Archivs lassen sich Mutationen in den Zellen an- und ausschalten. Wissenschaftler können so erkennen, welches Gen welche Funktion hat und wie Krankheiten entstehen. Die Vision: Gene, die Blutgefäße wachsen lassen, könnten geschädigtes Ge­ webe, etwa nach einem Herz­ anfall, schneller heilen, aber – umgekehrt – auch Tumoren „verhungern“ lassen. Bereits Realität: Welches Gen den Schnupfenviren die Tür im Menschen öffnet, ist dank des Archivs endlich bekannt. haplobank.at

Die 100.000 Stammzell-Klone werden in 96er Multiwellplatten in flüssigem Stickstoff archiviert. THE RED BULLETIN

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Raumstation Aurora

DAS KÖNNTE DEIN NÄCHSTES HOTEL SEIN Auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Reiseziel? Das erste Luxushotel im All nimmt ab sofort Reservierungen entgegen.

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Kuschelig wie im Camper: Im druckdichten Innenraum reisen vier Gäste und zwei Crew-Mitglieder durchs All.

PIERRE-HENRI CAMY

eit der US-Tycoon Dennis Tito 2001 für schlappe 17 Millionen Euro Urlaub in der ISS machte, ­verspricht man uns Weltalltourismus für alle. 2022 soll es tatsächlich so weit sein. „Die Aurora ist die günstigste Verbindung ins All“, sagt Frank Bunger, CEO und Gründer des US-Unternehmens Orion Span. „Und das erste leistbare Luxushotel im Weltraum!“ Gut, leistbar ist in ­diesem Zusammenhang ein dehnbarer Begriff. Das Ticket kostet etwa acht Millionen Euro – nur die Hälfte dessen, was Tito und sechs weitere ISS-Touristen zahlten, aber doch geringfügig über dem Urlaubsbudget der Durchschnittsfamilie. Mit einem kleinen Rechentrick wird die zwölftägige Reise in 320 Kilometer Höhe aber wirklich zum Schnäppchen: Weil die Aurora

der Unternehmung bürgt ein hochkarätiges Team aus einem ISS-Flugingenieur, einem Space-Shuttle-Mathematiker und einem NASA-Veteranen mit drei Jahrzehnten Berufserfahrung. Eine erstattungs­ fähige Anzahlung in Höhe von 68.000 Euro sichert einen Platz auf der Warteliste. orionspan.com

In der Erdumlaufbahn können auch Extramodule andocken – eine Option für alle, die länger von daheim wegbleiben wollen.

ORION SPAN

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in nur 90 Minuten die Erde umkreist, erlebt man alle 24 Stunden 16 Sonnenaufund -untergänge. So gesehen sind im Preis 192 Übernachtungen inkludiert. Vom Meer­ blick (auf alle Meere) ganz zu schweigen. Die fliegende 13-Meter-­ Suite bietet auf 160 Kubik­ metern vier Gästen und zwei Crew-Mitgliedern Platz, die sich in der Schwerelosigkeit frei bewegen können. Weitere Attraktionen: ein Virtual-­ Reality-Holodeck sowie die Teilnahme an Forschungs­ experimenten wie der Zucht von extraterrestrischen Nutzpflanzen. So betreibt man zugleich Grundlagenforschung für künftige Mond- und Mars­ kolonien. Mit den Lieben daheim bleibt man übrigens dank Highspeed-WLAN permanent via FaceTime in Kontakt. Orion Span will die Aurora 2021 der Öffentlichkeit vorstellen, die ersten Touristen dürfen nach einem dreimonatigen Vorbereitungskurs ab 2022 ins All. Noch nicht ganz überzeugt? Für die Seriosität

THE RED BULLETIN


B U L L EVA R D

Miss Red

„DU WILLST AUSFLIPPEN? LEG TIGER AUF“ Die feurige Sängerin über vier Dancehall-Hymnen, die du kennen musst.

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KASIA XACHARKO

FLORIAN OBKIRCHER

m Jamaika der späten 1970er-Jahre als hochenergetische Reggae-Spielart ge­ boren, genießt Dancehall derzeit eine globale Renaissance: Die Hits von Superstars wie ­Diplo und Drake sind gespickt mit den für das Genre typischen synkopierten Dance-Beats. Einer der frischesten und innovativsten Dancehall-Acts kommt aus Israel: Miss Red. Ihr von der Kritik gefeiertes Debütalbum „K. O.“ ist ein akustischer Wirbelsturm, in dem ihre kratzige Stimme auf mächtige, bassige Beats trifft. Hier verrät die 25-Jährige, welche Dancehall-Songs ihr zu ihrem Stil verhalfen. missred1.bandcamp.com

SUPER CAT „REALITY“ (1988)

TIGER „RAP PON RYDIM“ (1988)

„Er war einer der wichtigsten jamaikanischen Sänger der 1980er, der goldenen Ära des Dancehall. Als ich seinen Flow zum ersten Mal hörte, traute ich meinen Ohren nicht: Wie kann der Typ so lässig rappen und gleichzeitig perfekt singen? Bei diesem Song geht’s inhaltlich ernst zur S ­ ache, er erklärt Super Cats harte ­Lebenswelt, aber die lockere, positive Art, in der er das ­Thema präsentiert, ist extrem mit­reißend und inspirierend.“

„Dieses Stück bringt meine Liebe für Dancehall auf den Punkt. Weil es in dem Genre stets darum geht, neue Sounds zu finden. ‚Rap Pon Rydim‘ klingt anfangs nach ­einem irren Techno-Track, der noch irrer wird, wenn Tiger loslegt: Er schreit, er brüllt, pure Energie! Die aggressiveren Parts meines Albums sind stark von ihm beeinflusst. Willst du durchdrehen? Willst du Kalorien loswerden? Dann leg diesen Track auf!“

THE RED BULLETIN

Mit dem Produzenten The Bug kreiert Miss Red den Dancehall der Zukunft.

RANKING ANN „MOONLIGHT LOVER“ (1982)

LADY SAW „CHAT TO MI BACK“ (2007)

„Schon bevor sie vom Liebesakt im Mondlicht singt, spürst du, dass es in diesem Song zur Sache geht. Das liegt an ­ihrem Flow: sexy und cool. Ihr Gesangs­stil ist extrem ausdrucksstark, davon habe ich mir viel abgeschaut. Ranking Ann ist eine Pionierin der Dancehall-Musik aus Groß­ britannien. Und für mich besonders wichtig, weil ich mich als Frau mit ihren Texten sehr gut identifizieren kann.“

„Ihre Message in diesem rauen Track: Was immer du von mir willst, rede mit meinem Arsch! Lady Saw stellt klar, dass sie das Sagen hat, was für Dancehall-Künstlerinnen wie mich sehr ermutigend ist. Einige ­ihrer Songs sind so verrucht, dass sie in Teilen Jamaikas mit Auftrittsverbot belegt wurde. Für mich aber ist sie eine große Heldin. Weil sie sagt, was sie will – und sich einen Scheiß um Regeln schert.“

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TRISTAN SHU

Experte für Nerven­ stärke: der französische Skydiver Guillaume Galvani im freien Fall über der türkischen Mittelmeerküste


EXTREM INSPIRIEREND

Dein Chef sitzt dir im Nacken? Deine Arbeit treibt dich in den Wahnsinn? Wir haben zehn Extremsportler gefragt, wie sie mit Ängsten, Stress und Leistungsdruck umgehen. Sie sagen: Unsere Tricks aus der Gefahrenzone kann jeder Mensch im Alltag nutzen. Text MARK BAILEY

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EXT REM INSPIRI EREN D

„Wer allen Risiken aus dem Weg geht, entwickelt sich nicht weiter – weder per­ sönlich noch beruflich“, sagt der Fran­ zose Guillaume Galvani, der sich für das dezent pulsbeschleunigende Bild auf der vorherigen Seite 2000 Meter oberhalb der türkischen Ägäis aus einem Para­ gleiter ausgeklinkt hat. Seine gute Nach­ richt: Jeder kann Risiken bewältigen. Und dafür umgehend belohnt werden – z. B. mit einer Beförderung oder mit der Finisher-Medaille eines Marathonlaufs. „Ich bin kein Superman“, sagt er, „sondern bloß ein Normalo, der seinen Traum lebt, wie ein Vogel zu fliegen.“ Galvanis Meinung nach lässt sich jedes Risiko auf ein Minimum beschränken, wenn man die nötige Zeit und Mühe in­ vestiert. „Luftsport ist gefährlich. Aber Gefahren kann man abwägen, bewerten, beseitigen oder vermeiden. Zuerst musst du geduldig an den Fertigkeiten arbeiten, die deine mentalen und körper­ lichen Voraussetzungen erlauben. Dabei wirst du die Ideen, Einsichten und Erfah­ rungen entwickeln, die dir helfen, Risiken ein- und Grenzen abzuschätzen. Jetzt kannst du wie ich von Felswänden sprin­ gen – oder eben nicht, weil du weißt, wann es zu gefährlich ist.“ Sobald man Risiken auf ein bewältig­ bares Maß zusammenstutzen kann, ­erntet man umgehend die Früchte.

„Wer allen Risiken im Leben aus dem Weg geht, entwickelt sich nicht weiter.“ 28

DAVID LAMA BESIEGE DEINE ÄNGSTE WIE EIN BERGSTEIGER Die Anmeldung zum ersten Triathlon oder der Einstieg in den neuen Job machen jeden nervös – weil man aus der Komfortzone raus muss. Doch gerade das, was uns Angst macht, hilft uns, unser Leben voll auszukosten. Das behauptet der Tiroler Bergsteiger David Lama, der 2012 als Erster eine nervenaufreibende freie Begehung der „Kompressor-Route“ auf den Cerro Torre in Patagonien absolviert hat. Doch was hilft gegen nagende ­Sorgen, die dich von deinen Lebens­ zielen fernhalten? David Lamas Vorschlag: mentale Schlachtpläne für Krisen­szenarien entwerfen, bevor sie da sind. „Ängste entstehen immer aus dem Unbekannten, das noch kommen könnte. Nie aus dem, was ist“, sagt der

27-Jährige. Vor einer extremen Tour bereitet er sich auf mögliche Notsituationen vor: „Was tue ich, wenn sich mein Kletterpartner auf 5000 Metern ein Bein bricht? Oder auf 7000? Wie bringe ich uns beide wieder heil hinunter?“ Die fertigen Ablaufpläne im Kopf geben ihm die Sicherheit, alles unter Kontrolle zu haben. „Dein Realitätssinn hilft dir, Ängste in den Griff zu kriegen.“ Wer sich vorab eine Strategie zurechtlegt, verfällt im Fall des Falles nicht in Panik – weder beim plötz­lichen Krampf während der Fahrradtour noch wegen der quälend langen Gesprächs­ pause beim ersten Date. Klar, man kann sich nicht auf jedes mögliche Szenario

Alpinisten-Regel: Entwickle mentale Schlachtpläne für Krisenszenarien.

COREY RICH/RED BULL CONTENT POOL, GUILLAUME GALVANI

GUILLAUME GALVANI BEWERTE RISIKEN WIE EIN SKYDIVER


vorbereiten. Doch gute Pläne lassen sich spontan anpassen. „2016 waren wir auf dem ­Lunag Ri im Himalaya, als mein Kletterpartner Conrad Anker ­einen Herzinfarkt hatte“, erinnert sich Lama. „Damit hatte ich natürlich nicht ­gerechnet. Aber da die Situation der ­eines gebrochenen Beins ähnelte, wusste ich, wie ich ihn sicher ins Tal bringen kann. Also blieb ich ruhig.“ Lamas zweiter Anti-Angst-Tipp: ­Teste deine Limits zuerst in ungefähr­ licher Umgebung. „Ich wuchs als Sportkletterer auf. Für Fehler gab es keine Konsequenzen: Ich brach mir nicht den Rücken, sondern fiel ins Seil“, sagt er, „dafür weiß ich jetzt, wie weit ich bei meinen Extremtouren gehen kann.“ Das Trocken­training in sicherer Um­ gebung gibt dir für den Ernstfall Selbstvertrauen und hält deine Ängste klein – egal ob du deine Hochzeitsrede zuerst vor den Kumpels übst oder Job­ erfahrung sammelst, bevor du dich für deinen Traumberuf bewirbst.

Aufsteiger: Österreichs  Top-Alpinist David Lama 2015 bei einer Klettertour im Libanon


EXT REM INSPIRI EREN D

richtig Spaß.‘ Dann schaltete das Hirn den Alarmmodus ab, der mich zum Anhalten zwingen sollte.“ Ging ihre Motivation den Bach runter, stachelte sie sich mit Kritik an: „Ich sagte mir: ,Komm schon, du Penner, jetzt mach aber mal.‘“ In kritischen Situationen weckte sie den Feldwebel in ihr: „Dann schimpfte ich: ,Los jetzt! Ist das wirklich alles, was du zu bieten hast?‘“ Und manchmal half es, über sich selbst zu lachen: „Dann kam so etwas wie: ,Dummes Mädchen, was ist dir da wieder passiert?‘ Wenn man dar­über lacht, fühlt sich ein Problem nicht mehr so schwer an.“ Ein Arsenal von Motivationssprüchen hilft auch an lustlosen Tagen im Fitnessstudio oder beim Umgang mit schlechten Neuigkeiten. Und belohnt einen mit tollen Erfolgserlebnissen: „Manchmal fühlte ich mich müde oder krank. Wenn ich es dann aber schaffte, diese Momente zu übertauchen, war ich voller Euphorie. Ich fühlte, wie viel noch in mir steckt. Und jetzt weiß ich: Ich kann alles durchstehen, was ich will.“

„Mein Trick: Ich führe Selbst­ gespräche. Mit Kritik und Humor kannst du dein Gehirn überlisten.“ Juliana Buhring beim Trans Am Bike Race (2014). Im Jahr 2012 umrundete sie als bisher schnellste Frau die Welt in 152 Tagen.

EDDY CLARK, DAMIANO LEVATI

JULIANA BUHRING DURCHHALTEN WIE EINE WELT­ UMRADLERIN

Manchmal rauben uns schlechte Erfahrungen, Rückschläge oder Stimmungsschwankungen Energie und Motivation. Die Ultra-Endurance-Radsportlerin ­Juliana Buhring weiß, wie man sich in harten Zeiten durchbeißt – spätestens seit sie im Jahr 2012 als schnellste Frau der Geschichte die Welt auf dem Fahrrad umrundet hat. Auf ihrer 152 Tage und 29.060 Kilometer langen Odyssee überstand sie eine Unterkühlung in Neuseeland, einen Zyklon in Indien und die At­ tacken wilder Hunderudel in der Türkei. „Jeder schlimme Moment geht vorbei“, sagt die heute 37-Jährige. In schwierigen Momenten bewahrte sie mithilfe von Selbstgesprächen ihre mentale Stärke – eine psychologische Technik, in der bestimmte Wörter oder Phrasen die Stimmung beeinflussen. ­Davon hatte sie eine ganze Werkzeug­ kiste für unterschiedliche Situationen gepackt. Gegen Schmerzen und Langeweile half Aufmunterung: „Ich über­ listete mein Gehirn und sagte so etwas wie: ‚So eine geniale Tour! Das macht ja


JEZ BRAGG FINDE INNEREN FRIEDEN WIE EIN ULTRARUNNER In der Hektik unserer vernetzen Welt könnte uns manchmal fast der Schädel explodieren. Innerer Friede? Im Gegenteil! Umso wichtiger ist es, unser Gehirn mit achtsamem Denken zu beruhigen, sagt Ultraläufer Jez Bragg – im Büro genauso wie bei einem 160-KilometerLauf. „Konzentrier dich auf das Jetzt“, rät Bragg, der 2013 auf dem 3000 Kilometer langen Te Araroa Trail Neuseeland durchquerte und dabei zwölf Paar Schuhe verbrauchte. „Achte auf den Ausblick, auf das Wetter, auf die Empfindungen deines Körpers, auf alles, was du gerade erlebst. Das erdet.“ Wer fokussiert im Jetzt lebt, verliert sich nicht in Katastrophen­szenarien – und hat bessere Erfolgsaussichten für seine Ziele. Denn mit dieser Technik lässt sich nicht nur der 170 Kilometer lange Ultra-Trail du Mont Blanc bewältigen (den Bragg 2010 gewonnen hat), sondern auch jeder stressige Arbeitstag. „Wenn du nur an die nächsten paar Schritte denkst und nicht an das Ziel, hat das einen unheimlich beruhigenden Effekt“, sagt der 37-Jährige. Beim ­Fokussieren hilft es, sich auf die Wahrnehmung möglichst vieler Sinnes­ eindrücke zu konzentrieren, vom Geruch bis zum Luftzug – eine Methode, die man gut in den Mittagsspaziergang oder die Pause nach einem ­aufwühlenden Streit einbauen kann. Wer dies regelmäßig übt, hält negative Gedanken wirksam in Schach. „Beim ­Laufen checke ich mich regelmäßig selbst durch“, sagt Bragg, „so kann ich schnell den Grund für ein Tief herausfinden und es lösen.“ Seine Methode kommt Bragg auch in seinem Brotberuf als Bauprojekt­ manager zugute. „Mein Verstand wird dadurch so klar“, sagt er. „dass mir beim Tagträumen ganz von selbst die Lösungen für Probleme oder Job­ aufgaben einfallen.“ THE RED BULLETIN

„Gerüche, Schritte, Atmung: Achtsamkeit hilft dir, immer bei Verstand zu bleiben.“ Ultrarunner Bragg am 3000 Kilometer langen Te Araroa Trail in Neuseeland. Bis ins Ziel verbrauchte er zwölf Paar Schuhe.

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BEN SAUNDERS ORGANISIERE DAS CHAOS WIE EIN POLARFORSCHER

„Verschwende keine Energie an Dinge, die du nicht beeinflussen kannst.“ Der Brite Ben Saunders legte 2013/14 auf seiner Antarktis-Wanderung 2913 Kilo­meter zurück – und nahm dabei 22 Kilo ab.

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Manchmal fühlen wir uns angesichts voller Posteingänge, knapper Deadlines und später Überstunden, als hätten wir die Kontrolle über unser Leben verloren. Der Polarforscher Ben Saunders kämpft gegen Naturgewalten grundsätzlicherer Art. „Im Polargebiet bist du dermaßen auf dich allein gestellt, dass es dich manchmal förmlich überwältigt“, sagt Saunders, der gemeinsam mit Tarka L’Herpiniere 2013/14 in der Antarktis 2913 Kilometer zurücklegte, die längste Polarreise aller Zeiten. „Die Antarktis ist der kälteste, trockenste und windigste Ort der Welt. Man fühlt sich wie ein ­Astronaut im Weltall. Rund um dich ist Todeszone.“ In diesem Chaos der Elemente ent­ wickelte der Vierzigjährige psycho­ logische Tricks, mit denen er während seiner 105-tägigen Antarktis-Expedition Ordnung ins Chaos brachte. An erster Stelle: präzise Tages- und Stundenpläne.

Sie reduzieren den Stress und ver­ mitteln Kontrolle – im Kampf gegen den Erfrierungstod genauso wie an ver­ rückten Montagen im Büro. „In der Antarktis legte ich großen Wert auf strikte Tagesabläufe“, erklärt Saunders. „Aufwachen, Ofen anheizen, Wasser schmelzen, den Schlitten nach einem speziellen System packen. Den restlichen Tag unterteilte ich in Zeitblö­ cke von 90 Minuten, nach denen ich aß und wichtige Tagesaufgaben ausführte.“ Für zusätzliche Ordnung sorgten farb­ codierte Taschen: blau für Lebensmittel, rot für Schutzbrille und Fäustlinge. Was neurotisch klingt, war lebensnotwendig: „In der Antarktis kannst du wegen eines verlorenen Fäustlings sterben“, sagt er. Klare Strukturen bringen dich auch dann durch einen harten Tag, wenn du müde bist, gestresst oder nicht im Voll­ besitz deiner körperlichen oder geistigen Kräfte. „Du kannst einfach auf Autopilot


ANDY WARD, MARTIN HARTLEY

schalten“, weiß Saunders, der bei seiner Antarktis-Expedition 22 Kilo Körper­ gewicht verloren hat. Seine Methode ergibt auch im Alltag Sinn: „Ich bin schon in der Planungsphase einer Expedition ein eingefleischter Listenschreiber“, lacht er. „Mein ganzes Leben ist in einer App namens Things organisiert, damit ich den Überblick über Training, Sponsoren, Essen und Ausrüstung behalte. Ich stelle mir dann immer vor, ich wäre der CEO meines eigenen Lebens – nur logisch, dass ich über jedes Detail ­informiert sein will.“ Wenn die Steuererklärung oder der Arbeitsbericht fertig werden muss, setzt uns der Zeitdruck oft unter zusätzlichen Stress. Das kennt auch Saunders: „2014 hätte uns jeder Tag, den wir zu spät angekommen wären, jeweils 30- bis 40.000 Dollar für die Räumung der Start- und Landebahn gekostet.“ Die Lösung: unterschied­liche Schubladen. THE RED BULLETIN

„Farbsysteme, Apps, Listen: Klare Strukturen bringen dich durch harte Tage.“

„Ich verschwende keine Energie an ­Dinge wie Sicht-, Wind- und Schnee­ verhältnisse, die ich nicht ändern kann“, sagt er. „Und konzentriere mich auf das, worauf ich Einfluss habe: schlau navi­ gieren, effizient vorankommen, nichts verlieren. Der Rest wird sich fügen.“ Außerdem sollten wir alle regelmäßig neue Herausforderungen annehmen, um unsere Sinne zu schärfen, empfiehlt Saunders. Es muss ja nicht gleich eine Polarexpedition sein: „Wer zum Beispiel einmal einen Marathon gelaufen ist, kann sich bei der nächsten Anstrengung sagen: ‚Ich habe schon Schlimmeres durchgestanden, also werde ich auch das schaffen.‘“

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MOLLIE HUGHES TANKE SELBSTVERTRAUEN WIE EINE EVERESTBESTEIGERIN Schüchternheit und Selbstzweifel können deinen Weg zum Erfolg blockieren. Mollie Hughes hat beides überwunden, um den Mount Everest als jüngste Frau sowohl von der Süd- (2012) als auch von der Nordseite (2017) her zu besteigen. Das Selbstvertrauen für die Rede vor Publikum oder den Aufstieg aufs Dach der Welt kommt in kleinen Schritten. „Mein erster Campingausflug in der Schule war eine Überwindung“, sagt Hughes. Doch genau derartige Mikro­ fortschritte schaffen Erfolgserlebnisse, auf denen man aufbauen kann. Nach Klettertouren in den Alpen und in Afrika

fühlte sich Hughes bereit für die Tem­ peraturen um minus 35 Grad und die 3000-Meter-Wände des Everest. „Während der Expedition ging ich Tag für Tag meine letzten Gipfelsiege durch, um mich daran zu erinnern, was ich draufhabe.“ Die Erfolgserlebnisse befreiten sie auch in anderen Lebensbereichen von ihren Ängsten: „Ich kann jetzt vor tausend Leuten Reden halten“, sagt die 27-Jährige. Doch was tut man, wenn die Selbst­ zweifel zurückkommen? „Am KhumbuGletscher in Nepal mussten wir während unserer Akklimatisierung auf Leitern mehrere hundert Meter lange Gletscherspalten überqueren. Einige waren vier, fünf Meter breit und fünfzig Meter tief. Auch wenn das komisch klingt: Ich habe Höhenangst. So konzentrierte ich mich auf das, was ich kontrollieren kann – die Sicherung und den sicheren Tritt.“ Mit Erfolg: Wenn wir uns auf unser ­eigenes Handeln konzentrieren und ausblenden, was schiefgehen kann, reagiert das Gehirn mit positiver Verstärkung: Selbstbewusstsein. „Nach ein paar ­Wochen spazierte ich über die Spalten ohne nachzudenken“, so Hughes.

„Mikroerfolge ­lassen dich Schritt für Schritt wachsen. Ich begann mit einem Camping-Trip.“ Everest-Bezwingerin Mollie Hughes entdeckte ihre Leidenschaft fürs Bergsteigen mit 17 Jahren bei einer Schulexpedition.

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„Ich verwandle schlechte Gedanken in Autos, die davonfahren.“ 2013 machte Abenteurer Stafford bei der Fernsehserie „Naked and Marooned“ mit. Zuvor hatte er bereits die gesamte Länge des Amazonas durchwandert.

HAMISH FROST, DISCOVERY

ED STAFFORD BLENDE NEGATIVE GEDANKEN AUS WIE EIN ABENTEURER Geldsorgen, Angst um den Arbeitsplatz oder die Mühen eines Umzugs können dich richtig runterziehen. Der Aben­ teurer Ed Stafford, der im Oktober 2008 als erster Mensch den Amazonas in ­dessen ganzer Länge abwanderte, kennt noch ein paar andere Probleme: Bei s­ einem 860-Tage-Marsch machte er ­Bekanntschaft mit Drogenschmugglern, Giftschlangen und den Pfeilen der Ein­ geborenen. Ein Mann von übermensch­ licher Gelassenheit? „Ich schwankte dauernd zwischen Paranoia- und Angst­ zuständen“, erklärt der 42-Jährige. THE RED BULLETIN

Zur Vorbereitung auf die sechzig­ tägige TV-Show „Naked and Marooned“, für die Stafford auf einer einsamen Insel aus­gesetzt wurde, las er sich in Psycho­ logie ein. Auf der Insel konzentrierte er sich auf zwei Techniken. Erstens: täg­ liches Meditieren. „Zu Hause benutze ich eine App namens Headspace, die zwanzigminütige Meditationssitzungen anbietet und dich ermutigt, negative Ge­ danken loszulassen“, sagt er. „Ich stelle mir zum Beispiel vor, an der Autobahn zu sitzen und meine negativen Gedanken in Autos zu verwandeln. Der Trick ist, ­ihnen weder vor die Motorhaube zu springen noch einzusteigen – sondern sie einfach davonfahren zu lassen.“ Wenn dieser Trick bei Stafford funktio­ niert hat, der im Fernsehen aus Hunger und Müdigkeit unter anderem an den Knochen einer toten Maus genagt hat, wird er auch bei dir klappen.

Seine zweite Taktik hat er von aus­ tralischen Aborigines abgeschaut. „Sie glauben, dass wir drei Gehirne haben“, sagt er. „Das größte ist für dein Bauch­ gefühl und deinen Instinkt; das mittlere für deine Emotionen, das kleinste für logisches Denken. Sie nennen es ‚ngan ­duppurru‘, was auch ‚ein Fischernetz, das nicht mehr repariert werden kann‘, bedeutet. Sehr passend.“ Staffords ­Meinung nach sollten gerade wir Westler, die hauptsächlich mit dem kleinsten der drei Hirne denken, unsere Prioritäten neu ordnen. „Das Logikhirn kann gegen Ängste nichts ausrichten. Folge besser deinem Bauchgefühl und benütze die zwei anderen nur als Kontrollinstanz, bevor du handelst.“ Für Stafford ist die Aborigines-Philosophie der Schlüssel zu emotionaler Balance. Und die ist es­ sen­ziell: „Unser Kopf ist das wichtigste Über­lebens­instrument, das es gibt.“   35


RAFA ORTIZ FINDE DEINEN FLOW WIE EIN EXTREMKAJAKFAHRER

Für die persönliche Bestzeit auf der Hausstrecke oder für die Verhandlung mit dem schwierigen Kunden braucht es diesen gewissen Flow – ein Gefühl totaler Konzentration, das dich alle Ablenkungen ausblenden und alle Herausforderungen instinktiv meistern lässt. Wenn sich der mexikanische ExtremKajakfahrer Rafa Ortiz potenziell ­halsbrecherische Wasserfälle hinunterstürzt, ist diese Konzentration über­ lebensnotwendig. Schon ein winziger Moment der Unaufmerksamkeit könnte ihn das Leben kosten. „Du musst hoch konzentriert und völlig entspannt zur selben Zeit sein“, sagt der 31-Jährige, der es 2012 mit den 57 Meter hohen Palouse Falls in Washington, USA, aufnahm und im ­Fallen 130 bis 150 km/h erreichte. „Dann können dir Ablenkungen nichts mehr anhaben. Die größten Fehler ­passieren, wenn man abgelenkt ist.“ Unglücklicherweise leben wir heute im Zeitalter permanenter Ablenkung. „Früher hattest du ,Snake‘ am Handy, jetzt wollen über tausend Apps und Benachrichtigungen deine Aufmerksamkeit. Das moderne Leben zerstört die Konzentration, die du für den Erfolg brauchst. Aber mit dem richtigen Fokus kannst du alles erreichen.“ Im Jahr 2013 bot Ortiz seinen Fokus für das steilste schiffbare Wildwasser der Welt auf – eine Abfolge von Drops im Rio Santo Domingo, Südmexiko, manche von ihnen bis zu 27 Meter tief. 36

Für die optimale Konzentration benützt er eine Technik, die im Wildwasserfall ebenso gut anwendbar ist wie im Auto auf dem Weg zur Arbeit: „Ich stelle mir genau vor, was ich vorhabe, aufgeteilt in tausend Einzelbilder“, erklärt Ortiz. „Ich denke an die Strecke, die ich fahren werde, an meine Bewegungen, an jede kleine Welle und an jeden kleinen Stein, dem ich auf dem Weg begegnen könnte. Es ist ein bisschen wie VirtualReality-Training, so als würde man im Kopf ein Video abspielen.“ In der realen

Umsetzung kann man sich dann völlig auf die Sache konzentrieren, weil es sich anfühlt, als hätte man jedes ­Detail schon einmal erlebt – der ­perfekte Flow. „Wenn du die Herausforderung ­visualisierst“, erklärt Ortiz, „verbindest du Konzentration und Entspannung. Du kommst in einen intensiven Geisteszustand, der dein Bewusstsein schärft und Ablenkungen ausblendet, damit du in dem Moment dein Bestes geben kannst.“


E X T R EM I N S PI R I ER EN D

GREG MIONSKE/RED BULL CONTENT POOL, MICHAEL CLARK/RED BULL CONTENT POOL, KRYSTLE WRIGHT

Sarah Marquis allein in Australien. Ihr Abendessen: selbst gesammelte Früchte und Körner

SARAH MARQUIS MEISTERE HARTE ZEITEN WIE EINE ­EINZELKÄMPFERIN

„Ich stelle mir vor, was ich vorhabe, aufgeteilt in tausend Einzelbilder.“ Mann für alle Fälle: Kajak-Profi Ortiz 2017 auf den Spirit Falls, Bundesstaat Washington, USA

Sarah Marquis ist Expertin im Verlassen der eigenen Komfortzone, und das ist durchaus auch geografisch gemeint. Die „National Geographic-“Abenteurerin des Jahres 2014 bereiste zu Fuß die ganze Welt, durchwanderte tausende und abertausende Kilometer des amerikanischen und des australischen Kontinents, durchquerte Asien auf dem Fußweg von Sibirien nach Südaustralien. Und sie geht grundsätzlich immer allein. „Ein Extremabenteuer“, sagt die 46-jährige Westschweizerin, „beginnt schon Wochen vor dem eigentlichen Start. Mit einer gezielten Vorbereitung, körperlich wie psychisch.“ Körperlich? Man denkt an beinhartes Training, ­knochenharte Kraft- und Ausdauer­ einheiten. Weit gefehlt: In Sarahs Fall ­bedeutet das viel essen und wenig Be­ wegung. Jede Menge Kohlenhydrate, jede Menge Fett, und nur ja kein Schritt zu viel. „Bevor ich aufbreche, nehme ich 15 Kilo zu. Meine Fettdepots sind meine Treibstofftanks. Mit zu geringen Reserven

habe ich keine Chance.“ Und psychisch? Wie sieht da die Vorbereitung aus? „Du stellst dich gedanklich auf die Strapazen ein: Du stellst dir vor, wie du leiden wirst. Immer wieder. Dann stellst du dir vor, wie du kämpfen wirst. Und wie irgendwann der Augenblick kommt, in dem du den Flow-Zustand erreichst, in dem der Körper keine Schmerzen mehr spürt und du ewig weitergehen könntest.“ „In der Wildnis selbst geht es darum, eins zu werden mit der Natur. Ich esse den Fisch, den ich fange, die Insekten, die mir über den Weg laufen. Wilden ­Honig, wilde Früchte, Pflanzen, alles, was mir die Natur bietet. Du wirst zum Jäger deiner Tagesration.“ Das ist hart. Denn: „Meistens gehst du hungrig schlafen … Aber das macht dich demütig. ­Demut ist gut. Denn wer demütig ist, ­unterschätzt nichts.“ Irgendwann ist er dann da: dieser ­Moment. Wenn der Geist – nach all den Strapazen – frei wird, wenn der Körper plötzlich unermüdlich zu sein scheint. Und alles von allein geht.

„Demut ist wichtig. Wer demütig ist, unterschätzt nichts.“   37


Einzelgänger: Noel Gallaghers High Flying Birds sind im Grunde genommen keine Band, sondern ein Soloprojekt, ergänzt durch Tourmusiker und Gäste.


LAWRENCE WATSON

„ICH GEHÖRE FUCKING  NIEMAND“

NOEL GALLAGHERs Band High Flying Birds steigt diesen Monat in die FestivalSaison ein, im Gepäck das aktuelle Album „Who Built the Moon?“. Das ehemalige Oasis-Mastermind erzählt, wofür man nach einem Vierteljahrhundert in der Musikbranche noch brennt, warum es keine echten Rockstars mehr gibt und was man niemals, niemals, niemals auf einem Festival tun sollte.  Text MARCEL ANDERS   39


„ROCKSTARS HEUTE? ES GIBT KEINE ROCKSTARS MEHR!“

„Hak die Kacke mal ab“: Es ist fast neun Jahre her, dass Noel Gallagher Oasis aufgelöst hat.

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überkam es mich plötzlich. Ich sagte: „Mir reicht’s. Ich halte diesen Sound nicht mehr aus.“ Und was taten Sie dann? Ich begann mit David Holmes (einem britischen ­Musiker und Produzenten; Anm.) zu arbeiten. Und er sagte: „Du warst mal der König des Britpop oder wie man dieses Ding nennen soll. Hak die Kacke mal ab. Es ist höchste Zeit, neu anzufangen.“

LAWRENCE WATSON

the red bulletin: Sie veröffentlichen seit einem Vierteljahrhundert Musik. Was tun Sie, damit ­Ihnen dabei nicht fad wird? noel gallagher: Sie haben ja keine Ahnung, wie fad mir war. Im September 2016 kam ich mit den High Flying Birds von der „Chasing Yesterday“-Tour heim. Ich hatte die Musik geschrieben, produziert, aufgenommen, performt und finanziert. Sogar das Scheiß-Merchandise hatte ich selber designt! Und da

THE RED BULLETIN


Was bedeutete das im Studio? Immer, wenn ich zu spielen begann und es wie Oasis klang, brach er ab und sagte: „Das ist Oasis. Mach was anderes.“ Und dann kamen diese Inspirations­ momente. Ich spielte vor mich hin, einfach so, bis er sagte: „Ja, das wird der Song werden.“ Und an ­diesem Punkt begannen wir dann zu arbeiten. Klingt ja total harmonisch. Berichten zufolge ­sollen Sie ihn aber im Studio gewürgt haben. David? Nein. Nur zweimal. Ich schrieb den Chorus von „The Man Who Built the Moon“ (vom dritten, im letzten November erschienenen Album der High Flying Birds, „Who Built the Moon“; Anm.) und fand ihn klasse. Aber was sagte er? „Nein.“ Er sagte nein! Also schrieb ich einen anderen, noch besser als der erste. Er schmiss ihn mir wieder zurück. Die dritte Version­ war dann aber wirklich einer der fucking besten Songs, die ich je geschrieben habe. Und er wieder: „Nein!“ Der Refrain, der es aufs Album geschafft hat, war schlussendlich die achte Version. Die achte! Ich war schon kurz davor, alles hinzuschmeißen. Aber ich muss leider zugeben: Er hatte siebenmal recht, als er sagte: „Du kannst das besser.“ „Who Built the Moon?“ klingt ziemlich untypisch für Sie, ich meine: optimistisch. Wieso denn das? Da gab es keinen Masterplan oder so was. Aber wenn die Arbeit fertig ist, hörst du dir alles noch mal an, erst da fiel uns dieses Gefühl von Freude und Optimis­ mus auf. Heute ist so was ja revolutionär! Jeder, der eine Gitarre halten kann, singt über Dinge, die in den Nachrichten laufen, weil uns die Rockkritiker sagen, dass wir tiefgründige, zum Nachdenken anregende Musik hören wollen. Ich sage: scheißlangweilig! Wenn ich wissen will, was in der Welt vor sich geht, drehe ich den Fernseher auf! Ich möchte Schönheit und Wahrheit in der Musik hören. Nicht die Nach­ richten. Nachrichten sind langweilig. Wovon soll gute Rockmusik denn dann handeln? Früher ging es um Frauen. Wie man sie abschleppt, wie man sie zum Sex überredet, wie man mit ihnen Drogen nimmt, wie man sie heiratet und wie man mit ihnen tanzt, während man mit ihnen Drogen nimmt. So war Musik mal. Heute ist alles scheißlangweilig. Rockmusik? Alle gleich angezogen, alle tätowiert, Scheiß-Ohrringe und gefärbte Haare. Dave Grohl? Soll bitte aufhören, so rumzubrüllen. Green Day? Sollen bitte aufhören, immer so rumzujammern. Was hat der Rock ’n’ Roll im Lauf der Zeit ver­ loren, Ihrer Meinung nach?

„FRÜHER GING ES UM FRAUEN UND DROGEN. HEUTZUTAGE IST ROCK­ MUSIK DOCH SCHEISS­ LANGWEILIG GEWORDEN.“ THE RED BULLETIN

„ICH WOLLTE NICHT BERÜHMT WERDEN. ICH WOLLTE REICH WERDEN. RUHM? PAH.“ Rock ’n’ Roll drehte sich mal um Klamotten, um ­Arroganz und Sex und Frauen. Heute ist alles eine große Stöhnerei, auf die hin jeder mit bewundernd ver­drehten Augen „Boah!“ macht. Rock ’n’ Roll ist dahin. Für mich war Rock ’n’ Roll Freiheit: Gedanken­ freiheit, Meinungsfreiheit. Ich bin hier reingeraten, weil ich tun will, was ich fucking noch mal tun will. Können Sie sich an das letzte Mal erinnern, als Sie bei einem Song eines Ihrer Musikerkollegen „Wow! Das ist Rock ’n’ Roll!“ dachten? Bei Charlotte Marionneau aus meiner Band (einer französischen Singer-Songwriterin, bekannt als Le Volume Courbe; Anm.). Als sie bei den Proben eine Schere aus der Tasche zog, um darauf zu spielen, dachte ich: Ich habe noch nie in meinem Leben etwas gesehen, was so Rock ’n’ Roll ist. Ohne Scheiß. Sie haben ein Bandmitglied, das Schere spielt? Eigentlich ist sie für die Background Vocals zuständig. Ich fragte sie: „Kannst du Tamburin spielen?“ Und sie antwortete in diesem typisch herablassenden Ton französischer Frauen: „Isch kann nischt Tamburin spielen.“ Drauf ich: „Okay, kannst du irgendetwas anderes?“ Und sie: „Isch kann die Schere spielen.“ Ich erstaunt: „Die was?“ Und sie, sehr bestimmt: „Die Schere.“ Und ich so: „Kannst du sie morgen zur Probe mitnehmen?“ Also brachte sie die Schere mit, und ich dachte nur noch (lacht): „Sie trägt ein Cape und spielt Schere. Ich hau mich weg.“ Sie sagen also: Der Rockmusik von heute fehlt das Abwegige, das Überraschende, das Irre. Und wie! Die Bands sind Eigentum ihrer Fans, weil sie durch die sozialen Medien in so engem Kontakt mit ihnen stehen. Die Fans kommandieren sie rum, die Plattenfirmen kommandieren sie rum. Tut mir leid, aber ich gehöre fucking niemandem. Niemand ­bestimmt über meine Gedanken, meinen Kleidungs­ stil oder wen ich in meine Band lasse. Die Leute wissen doch sowieso nicht, was sie wollen, bevor sie es bekommen, nicht wahr? Hat irgendjemand nach Oasis verlangt, bevor wir daherspazierten? Nein! Was ist denn falsch daran, dass die Rockstars von heute näher an ihren Fans dran sind? Rockstars von heute? Wovon reden Sie? Es gibt ­keine Rockstars mehr! Nun ja … In England? Rockstars? Von heute? Die sind ent­ weder Mist oder auf der falschen Seite der vierzig. Oder sie schreiben ihre Musik nicht selbst und haben nichts zu sagen. Oder sie haben hässliche Haare und noch hässlichere Schuhe. Es gibt zwar tolle Bands.   41


Und warum, meinen Sie, ist das so? Es ist ganz einfach. Ende der Neunziger hörten die Plattenfirmen auf, für die Bands zu arbeiten. Stattdessen begannen die Bands, für die Plattenfirmen zu arbeiten. Heute ist jeder so fucking glücklich über ­einen Plattenvertrag, dass er alles dafür tut. Ich weiß, wovon ich rede, ich führe ein Label. Plattenfirmen ­sehen eine Band im Club, geben ihr einen Vertrag und sagen: „Ihr seid toll. Wir lassen euch jetzt einen Hit schreiben.“ Die Bands sind so glücklich, einen Vertrag in der Tasche zu haben, dass sie sagen: „Okay, cool!“ Das ist alles, was du über die Musikindustrie wissen musst. Als Oasis anfing, war es noch umgekehrt. Wir taten einem Label einen Gefallen, wenn wir unterschrieben. So waren wir. Das ist der Unterschied. Aber damals kauften die Menschen noch Alben. Heutzutage ist es für die jungen Bands doch viel, viel schwieriger, Geld zu verdienen, oder? Und wie! Den Plattenfirmen gehört Spotify. Die Bands sehen keinen Cent, wenn sie auf Spotify sind. Ihre einzige Rettung sind die Auftritte. Mit denen kannst du Kohle machen, solange du aufrecht stehen kannst. Aber wenn du heute einen Plattenvertrag unterzeichnest, hat dein Scheißlabel sogar da schon die Finger drin. Es ist ein dreckiges Geschäft. Aber die Leute wollen um alles in der Welt berühmt werden! Mr. Gallagher, das ­wollten Sie am Anfang doch auch! Als ich mit dem Musikmachen begonnen habe, wollte ich nicht berühmt werden. Ich wollte reich werden. Ruhm? Pah!

„ES IST EIN DRECKIGES GESCHÄFT. ICH WEISS DAS. ICH HABE SELBST EIN LABEL.“

Das kann man leicht sagen, wenn man selbst ein Rockstar ist. Ich habe mich nie als Rockstar gesehen. Technisch gesehen bin ich aber wohl einer. Und habe bestimmt auch das entsprechende Mundwerk. Apropos Mundwerk: Gibt es eine Aussage, die Sie bereuen? Die Sie zurücknehmen würden? Habe ich irgendwas Falsches gesagt? Ich?! (Lacht.) Nun ja, wahrscheinlich habe ich ein paar persönliche Dinge über gewisse Menschen gesagt, da habe ich vielleicht mal ein bisschen über die Stränge geschlagen. Aber ich bereue keine meiner künstlerischen Entscheidungen. Man lebt doch im Augenblick, oder? Angenommen, du baust eine Rakete. Ist dir lieber, sie steigt auf und geht in Flammen auf? Oder sie macht Pfff! (er macht ein Furzgeräusch; Anm.) und kippt auf der Startrampe um? Ich sage dir: Mir wäre die ­Flammenversion lieber. Da wäre wenigstens was los. noelgallagher.com 42

NOEL GALLAGHERS DOS UND DON’TS AUF FESTIVALS Durch jahrelange Er­fahrung untermauert: wie man ein Festival mit Stil übersteht. Diesen Monat beginnt Ihre Sommer-Festival-Saison mit Shows in ganz Europa. Waren Sie in Ihrer Jugend selbst begeisterter Festival-Besucher? Als ich jung war, konnte ich mir die großen Festivals kaum leis­ ten. Aber ich war natürlich bei „Spike Island“ (dem legendären Konzert von The Stone Roses im Mai 1990; Anm.). Wenn du aus der Gegend von Manchester warst, musstest du dabei sein. The Stone Roses spielten wohl auf einem Haufen Giftmüll (am Veranstaltungsort hatten sich chemische Fabriken befunden; Anm.). Gott sei Dank habe ich an diesem Tag nicht viel ge­ gessen oder getrunken. Ich hab nur Ecstasy genommen, wie die 30.000 Idioten um mich herum. Es war verdammt verrückt und machte sehr viel Spaß. Seitdem bin ich Sondermüll (lacht). Was sind Ihre goldenen Regeln, ein Festival zu überleben? Wichtigster Punkt: genug Was­ ser trinken. Zweitens: so oft wie möglich in den Schatten. Und man sollte sich nicht prügeln, auch nicht, wenn die Leute pampig, laut und dumm sind. Sieh dir auch die Bands auf den kleiner Bühnen an, denn sie haben es verdient – und die Acts auf den Hauptbühnen sind nicht zwangsläufig die ­besseren. Bleib nicht den

­ anzen Tag im Moshpit, geh g auch am Gelände spazieren und genieß die Atmosphäre. Mach Pausen, chill ein wenig. Ihre Festival-Essentials? Na ja, leider kann man nicht seine eigenen Getränke mit­ nehmen, was schade ist, weil man teuren Scheiß kaufen und dafür ewig anstehen muss. Ich hasse das. Ein weiteres Must-have ist Sonnencreme, die darf man niemals vergessen. Sonnenbrille und ein BandT‑Shirt sind essenziell, man ist sonst nicht cool. Achte drauf, dass du genug Zigaretten und ein funktionierendes Feuerzeug dabei hast und dein Gras, deine Pillen oder worauf immer du so stehst, am richtigen Platz sind. Jetzt kannst du dich richtig in der Musik fallen lassen, mit­ singen, tanzen oder was auch immer. Ich tanze nicht, habe ich nie und werde ich nie, aber ich bin gut im Fallenlassen. Was sollte man in jedem Fall vermeiden? Die falschen Schuhe. Trag keine Sandalen, wenn alles voller Schlamm und Dreck ist. Komm nicht im T-Shirt, wenn Regen angesagt wurde, und zieh keine Winterjacke an, wenn es ein Sommer-Festival unter blauem Himmel ist. Sei vernünftig. Hör auf deinen Kopf, bevor du ihn abschaltest. Iss nichts, was wie Müll aussieht, denn wahrscheinlich ist es Müll. Am besten isst du leichte, frische Sachen, nicht das Würstel oder die Pizza, die schon viel zu lang in der Sonne liegen. Trinke nur, was aus verschlossenen Be­ hältern kommt, denn du magst nicht den Rest des Festivals in der Schlange vor den Dixi-Klos verbringen. Die sind ekelhaft. Was wäre das Festival-Line-up Ihrer Träume? U2, Neil Young, Coldplay, die Sex Pistols und ich. Das wäre ein cooles Line-up. Wäre ich der Headliner? Ich weiß es nicht. Es wäre mir auch egal. Es wäre ein schöner Tag mit alten Freun­ den, anständigem Catering und ­kühlen Getränken. Das würde mir richtig gut gefallen. THE RED BULLETIN

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Kasabian zum Beispiel: großartig! Jungle: auch großartig! Aber richtige Rockstars? Nope, Fehlanzeige.


TAK E F I V E

DJ, Poet und Urban Runner CHARLIE DARK über …

DIE KUNST, WENIGER ZU WOLLEN Der Londoner Charlie Dark war erfolgreicher Läufer. Dann wurde ihm das ewige Gewinnenwollen zu ernst und zu fad. Heute ist er Pionier des Urban Running, des akrobatischen Laufens durch die Stadt. Der Typ hat leicht lachen: Er holt aus weniger Anstrengung mehr Spaß.

2 Offen bleiben

Meine Freundin zwang mich dazu, in ein Retreat mit ihr zu gehen, Yoga und Meditation in der Gruppe. Ich hatte null Bock – aber was wurde draus? Die große Erleuchtung. Man kapiert Yoga nicht, wenn man sich nicht ganz darauf einlässt. Man kann die Figuren nachmachen, aber ohne das richtige Atmen ist alles Zeit­ verschwendung. Plötzlich offenbarte sich mir die spirituelle Seite, die Verbindung zur Meditation, ihr Einfluss auf mein ­eige­nes Leben. Dieses Retreat veränderte mein Leben!

3 Neue Wege finden

Ich arbeite viel mit jungen Leuten aus Problembezirken. Schon wenn sie morgens aufwachen, sind wütend. Ver­ stecken sich den ganzen Tag hinter einer Maske. Ich sage ihnen: Probiert Yoga und Meditation! Und es hilft ihnen. Ein Fünfzehnjähriger, der aus seinem Plattenbaufenster aus zusieht, wie sich rund um ihn alles verändert, braucht etwas, was ihm hilft, mit seinem Alltag fertig zu werden.

4 Bei sich selbst ankommen 1 Hirn einschalten Irgendwann ging es beim Laufen nur noch um Medaillen. Heute sind mir die Ziffern auf der Stoppuhr egal.“ CHARLIE DARK

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Wer das Laufen für sich entdeckt, fühlt sich zunächst einmal unbesiegbar. Ich kenne welche, die krochen vom Sofa und liefen ein paar Wochen später über die Ziellinie des London Marathon. Und ich sah Leute, die rannten einen Marathon, feierten die Nacht durch, gingen zur ­Arbeit und trainierten einfach Vollgas weiter. Ich war da keine Ausnahme. Aber irgendwann kommt das böse Erwachen. Ich zog mir eine Oberschenkel- und eine Gesäßmuskelverletzung zu. Mein Körper war kaputt. Dadurch verstand ich, dass es um Freude geht, nicht ums Gewinnen.

Wenn man mit dem Laufen beginnt, hakt man erst mal Ziele ab. Ein Lauf­ anfänger kann in 16 Wochen fit genug für einen Marathon werden. Aber was dann? Irgendwann ging es beim Laufen aber nur noch um Medaillen. Das langweilte mich. Jetzt ist Laufen für mich ein Mittel, um mich wohlzufühlen. Die Ziffern auf der Stoppuhr sind mir egal geworden.

5 Andere begeistern

Ich halte mit meinem Partner Yoga-Kurse ab, bei denen jeder zahlt, was er möchte. Wenn man sich um sich selbst kümmern will, sollte das nicht am Geld scheitern. Unser Yoga-Training läuft a ­ nders ab als in normalen Studios. Ich möchte noch viele neue Ideen aus­ probieren, und wenn nicht alle aufgehen, macht das auch nichts!

Interview MARK WILDING Fotos SIMON R PHOTOGRAPHY THE RED BULLETIN


Die ultimative GPS trail runninG ChallenGe

1. SePtember - 15. OktOber 2018 Messe dich mit den Profi-Athleten RÊmi Bonnet (SUI) und Fernanda Maciel (BRA). Gehe zu einem der beiden Startpunkte, GPS-Tracker einschalten und bewältige die atemberaubenden Ridges in Rekordzeit.

redbull.com/ridges


Sie erreichen Meilensteine in ihrer Sportart doppelt so schnell wie Männer. Ihre Muskeln arbeiten ganz anders, als wir dachten. Ihr Geist sowieso. Athletinnen wie die US-Amerikanerin MORGHAN KING stellen die Wissenschaft vor eine neue Frage: Sind Frauen für das Gewichtheben besser geeignet als Männer? Text WILL COCKRELL  Fotos SAM KWESKIN

STARKE

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FRAU

Morghan King, 32, begann zwar erst vor fßnf Jahren ernsthaft mit dem Gewichtheben, aber sie ist schon jetzt dreifache US-Meisterin in ihrer Gewichts­klasse und trat bei den Olympischen Spielen 2016 an.


D

ie Gewichtheberin Morghan King hört eine Menge dämlicher Fragen. „Du bist also hauptberufliche Bankdrückerin?“, fragen viele. (Die Antwort: Nein, nicht wirklich.) „Du wirst eingeölt, steigst auf eine Bühne und posierst?“ (Komplett daneben.) „Aber du bist doch so klein?!“ Stimmt, King ist wirklich winzig – gerade einmal 1,53 Meter groß und 52 Kilogramm schwer, um exakt zu sein. Im

­ erhältnis zu ihrer Größe ist sie dennoch V einer der stärksten Menschen auf dem Planeten. Sie ist eine der erfolgreichsten Gewichtheberinnen der USA – und das, obwohl die 32-Jährige erst vor fünf Jahren ernsthaft damit angefangen hat. Noch im selben Jahr, in dem King sich für eine Profi-Karriere entschieden hatte, gewann sie die ersten regionalen Meister­ schaften in ihrer Gewichtsklasse. Später das Ame­rican Open. 2015 brach sie den Rekord der Frauen bei den Pan American Games. Im Jahr 2016 repräsentierte sie die Vereinigten Staaten bei den Olympischen Spielen in Rio. Nun ist sie eine der Favo­ritinnen für Tokio 2020. Morghan King ist nicht nur eine bemerkenswerte Athletin. Sie ist auch ein Symbol: Sie trug massiv dazu bei, Frauen das Gewichtheben nahezubringen – und sie hat entscheidenden Anteil daran, dass Frauen zur am schnellsten wachsenden Zielgruppe des lange Zeit ausschließlich männlichen Sports wurden. Wie viel bedeutet ihr das, eine Vorzeige-­ Powerfrau zu sein? „Ich kann mich erinnern, dass ich in der vierten Klasse Michael Johnsons 200-Meter-Rekord brechen wollte“, sagt

sie. „Ganz offensichtlich denke ich nicht in Geschlechterkategorien.“ Wahrscheinlich hat jeder, der in den letzten fünfzig Jahren Mitglied in einem Fitnessstudio war, die eine oder andere Art von Gewichtstraining gemacht. Aber wie viele können sagen, was ein „clean and jerk“ ist oder auch nur einen einzigen Namen eines olympischen Goldmedaillengewinners im Gewichtheben nennen? Nach fast einem Jahrhundert als olympische Randsportart (1920 wurden erstmals um Medaillen Hanteln gestemmt) bekommt das Gewichtheben endlich die Aufmerksamkeit, die es verdient. Der US‑Verband USA Weightlifting vermerkte zwischen 2012 und 2016 einen Anstieg der Mitgliederzahlen um 125 Prozent. Zuwachs gibt es vor allem bei den Frauen. Sie machen mittlerweile 35 Prozent der Mitglieder aus, im Vergleich zu bloß 19 Prozent im Jahr 2007. Für manche ist das eine Folge der Olympischen Spiele 2000 in Sydney, bei denen Frauen erstmals als Gewicht­ heberinnen zugelassen waren und eine US-Amerikanerin – Tara Nott – die erste Goldmedaille der Geschichte gewann. ­Andere führen diesen Trend auf die ­Gewichtseinheiten beim populären CrossFit zurück. Und wieder andere machen Morghan King dafür verantwortlich. Vom College-Fußball wechselte King erst zu Halbmarathons und Triathlons. Dann entdeckte sie CrossFit für sich. Sie war auffallend talentiert, aber CrossFit war nur die Einstiegsdroge in den Kraftsport. „Ich war fit, fühlte mich gut, aber irgendwas fehlte“, erinnert sie sich. „Ich wollte einen echten Sport. Ich wollte stärker werden und begann, mich auf das Gewichtheben zu konzentrieren. Warum? Gewichtheben gab mir das Gefühl, ich könnte alles kontrollieren. Alles hing von mir ab. Das gab mir wirklich Kraft. Mein ganzes Leben war ich die Kleine gewesen, hatte mich immer beweisen müssen.“

King verwendet Klebebänder an den Daumen, um ihre Haut zu schützen. Magnesium hält ihre Hände trocken.

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THE RED BULLETIN


„Gewichtheben gibt mir das Gefühl, alles kontrollieren zu können.“ King war schon immer sportlich, aber Gewichtheben war das, was ihr insgeheim immer gefehlt hatte.


King demonstriert den „clean and jerk“, das Hochstoßen der Langhantel. „In Wirklichkeit habe ich mich in diesen Sport verliebt, weil er so selten perfekt ist“, erklärt sie.

Wenn man sich in der Szene umhört, wird der Frauen-Boom oft mit den per­ fekten weiblichen Anlagen für diesen Sport in Zusammenhang gebracht – frei­ lich ist wissenschaftlich noch gar nicht belegt, ob die Anlagen tatsächlich so per­ fekt sind. Manche Leistungen sind aber jedenfalls so beeindruckend, dass sich Sportwissenschaftler zunehmend für die physio­logi­schen Hintergründe inter­ essieren. Neueste Untersuchungen klingen ziemlich spektakulär – und die bloßen Fakten auch: Die Männer brauchten sech­ zig Jahre – von der ersten Weltmeister­ schaft 1891 bis zum Jahr 1951 –, bis der erste von ihnen in der Lage war, 180 Kilo zu stemmen. Es dauerte zehn weitere Jahre, bis der erste Mann sein doppeltes Körpergewicht schaffte. Die ersten Frauenwettbewerbe fanden erst im Jahr 1987 statt. Doch um diese zwei Meilensteine zu erreichen, brauchten die Frauen gerade einmal halb so lang wie die Männer. 50

K

ing weiß auch ohne wissenschaft­ liche Studien, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Sie ist sich ihrer Vorbildwirkung bewusst. „Eines der nettesten Dinge sagte mir meine Freundin Holley Mangold (die 2012 bei den Olympischen Spielen antrat; Anm.): ‚Ich hoffe, du merkst, welchen Einfluss du auf alle diese jungen Gewichtheberinnen hast – du zeigst ihnen, was Frauen drauf­ haben können, egal wie groß sie sind.‘“ Den wachsenden Frauenanteil bemerkt auch der ehemalige olympische Gewicht­ heber Jasha Faye. Faye ist der Besitzer von Marin Heavy Athletics, ­einem Fitness­ studio in der Nähe von San Francisco, das sich auf olympisches Gewichtheben spe­zialisiert hat. Laut Faye sind die Hälfte seiner Kun­ den Frauen. Als er im April des Vorjahres einen lokalen Wettbewerb organisierte, kamen auf 22 teilnehmende Frauen nur 8 Männer. Mit gut 1,80 Meter Körpergröße und einem Gewicht von 100 Kilo, Tattoos von der Brust bis zu den Zehen und einem ­beeindruckenden Bart sieht Jasha Faye wie ein typischer CrossFit-Trainer aus.

Aber tatsächlich ist er ein Gewichtheber der alten Schule. Als der heute 45-Jährige mit 13 Jahren begann, Gewichte zu stemmen, gab es in und um San Francisco nur eine Hand­ voll Gewichtheberinnen. Er erinnert sich, dass Jim Schmitz einer der Ersten war, die in den Siebzigern anfingen, Frauen zu trainieren. Schmitz, heute 72, erinnert sich an Feuerwehrfrauen, Bauarbeiterinnen und Polizistinnen, Pionierinnen in ihren Jobs, die ihre Kraft trainieren wollten. E ­ inige von ihnen wollten sich sogar in Wett­ bewerben messen – aber damals gab es noch keine eigenen für Frauen. Also traten sie gegen Männer an. „Einige meiner ersten Wettbewerbe verlor ich gegen Frauen“, erinnert sich ­Jasha Faye. 1987 genehmigte die International Weightlifting Federation die erste Welt­ meisterschaft für Frauen. Zehn Jahre spä­ ter wurde die sogenannte „lady bar“ vor­ gestellt. Die Hantelstange für Frauen war kürzer, angeblich besser für kleinere Hände geeignet und wog mit 15 Kilogramm um 5 Kilo weniger als die der Männer. THE RED BULLETIN


„Die Frauen sind die, die jeden Tag trainieren“, sagt Faye. „Sie sind zäher, sie hören zu, sie sind weder dickköpfig noch egogetrieben.“ Morghan King ergänzt: „Ich glaube, dass Frauen mehr nach Per­ fektion streben. Wir Frauen gehen tech­ nischer an die Sache ran. Wir fragen nach dem ‚Warum‘, und wir haben Folgefragen. Wir sind lernbereiter.“ Wenn all die extrem kraftvollen Be­ wegungen zu einem perfekten Heber zu­ sammenkommen – das sei der Moment, nach dem Frauen süchtig werden, glaubt King. „Tatsächlich habe ich mich in diesen Sport verliebt, weil er so selten perfekt ist“, erklärt sie. „Und genau deshalb erlebt man magische Momente darin.“ „Man kann die Erfolge von Frauen ­besser einschätzen, wenn man Gewicht­ heben nicht als Kraftsport betrachtet“, sagt Jasha Faye. „Du stemmst zwar ein Ge­ wicht, aber es kommt auf die Bewegung an, die du ausführst, und die hat ­einen Anfang und ein Ende. Und es geht sehr stark um die Technik. Die kannst du im Laufe der Zeit perfektionieren.“ Challen Schleh fing vor zwei Jahren an, mit Jasha Faye zu trainieren. Mit dem THE RED BULLETIN

„Beim Gewichtheben geht es um Geschicklichkeit. Du brauchst keine großen Muskeln, um gut zu sein." Stemmen des ersten Gewichts war es um sie geschehen. Die athletische 31-Jährige hatte mit Gymnastik begonnen, bevor sie Yogatrainerin wurde. Während einer kurzen Phase als CrossFit-Trainerin mach­ ten ein paar Frauen besonderen Eindruck auf sie. Etwa in ihrem Alter, stemmten diese Frauen aberwitzig schwere Ge­ wichte. Natürlich hatte Schleh in ihren CrossFit-Kursen schon Leute beim Ge­ wichtheben beobachtet, aber nicht auf diesem Niveau.

„Ich spürte die Urgewalt, es ging ums Wesentliche“, erinnert sie sich, „auf einmal eröffnete sich mir eine ganz neue Perspek­ tive, eine neue Art des sportlichen Seins.“ Faye arbeitet wie ein Tenniscoach. Er schindet seine Gewichtheber nicht bis zur Erschöpfung, es geht ihm nicht um das letzte Zusatzgewicht, sondern um die technische Präzision. Für Challen Schleh hat der richtige Bewegungsablauf auch seine eigene Schönheit. Früher wählte sie selbst ihren Sport, nun hat der Sport sie gewählt, sagt sie. „Ich mache noch immer Yoga und gehe wandern. Aber Gewicht­ heben ist meine Obsession geworden.“

N

iemand war über den Erfolg und die Leistungsexplosion der Ge­ wichtheberinnen erstaunter als die Sportwissenschaft. Das ist wohl auch der Grund, warum es über­ raschend wenige Untersuchungen über die Körperkraft von Frauen gibt und noch weniger über Gewichtheberinnen. Darum erstellen viele Trainer ihre Trainingspläne nach Bauchgefühl. „Die einzigen wissenschaftlichen Daten über das Gewichtheben im Allgemeinen   51


stammen aus dem Russland der 1980er, also aus der Sowjet-Ära“, erklärt Andy Galpin, Professor an der California State Univer­sity, Fullerton. „Und wenn man sich die Frauen im Speziellen ansehen will, gibt es überhaupt keine Daten.“ Galpin arbeitet mit Sportlern aller Sparten, vom Footballspieler bis zum ­Ultimate Fighter. Aber sein besonderes Inter­esse gilt dem Gewichtheben. Er ist selbst aktiver Gewichtheber, betreibt einen Verein und begann vor sechs Monaten, mit King zu arbeiten. Frustriert über den Mangel an Daten und entschlossen, Neuland in der Trainingsphysiologie zu betreten, starteten Galpin und sein Team eine eigene Studie. Vor kurzem ­endete die erste Phase mit der Sammlung der Beinbiopsien von 15 Profi-Gewicht­

Frauen haben die Meilensteine ihres Sports doppelt so schnell erreicht wie Männer.

heberinnen, King eingeschlossen. Obwohl Galpin die Dauer der Studie auf zwei bis fünf Jahre anberaumt, kristallisieren sich schon jetzt erstaunliche Erkenntnisse über die Arbeit der Muskulatur heraus. „Unter anderem untersuchen wir an den Muskel­ fasern, wie viel Prozent davon langsam zuckend beziehungsweise schnell zuckend sind“, erklärt er (die schnell zuckenden Muskelfasern sind für schnelle Bewegungen verantwortlich; Anm.). „Lange Zeit nahm man an, Frauen hätten überwiegend langsame Muskelfasern. Wir sehen jetzt aber exakt das Gegenteil. Manche Frauen ­haben fast nur schnelle Fasern, ganz entgegen der Lehrmeinung. Vielleicht führt uns das zum Schluss, dass Frauen für diesen Sport genauso gut geeignet sind wie Männer – oder vielleicht sogar besser?“

G

alpin ist ziemlich zuversichtlich, dass uns die Gemeinsamkeiten von Männern und Frauen überraschen werden. Der frühere Elite-Gewichtheber Andrew „Bud“ Charniga beschäftigt sich seit mehr als vierzig Jahren mit dem Sport, hielt sogar einmal einen Junioren-Weltrekord und arbeitete mit Frauenteams aus China und Russland ­zusammen. In einem seiner Artikel zum Thema erklärt er, dass „es schwer vorstellbar ist, dass es einen Kraftsport gibt, der besser für den weiblichen Körper gemacht ist als Gewichtheben“.

Für Charniga, der auch seine eigene Tochter für internationale Wettkämpfe trainiert, sind größere Beweglichkeit und geringere Muskelspannung zentrale Merkmale talentierter Gewichtheberinnen. „Beim Gewichtheben geht es um Geschicklichkeit“, erklärt er. „Du brauchst keine großen Muskeln, um gut zu sein. Du musst auch nicht aggressiv sein – das verspannt nur die Muskeln. Relaxt ranzugehen ist ein Vorteil. Es erlaubt dir, die Elastizität deiner Muskulatur zu nutzen.“ Besonders interessiert ist Charniga am Testosteronspiegel der Frauen (Testosteron ist das männliche Sexualhormon; Anm.). Der hat nämlich Einfluss darauf, wie oft man trainieren und wie schnell man sich vom Training erholen kann. Charnigas Vermutung: Ihr niedriger Testosteron­ spiegel helfe den Gewichtheberinnen, die gewaltigen Belastungen leichter zu bewältigen. Andy Galpin meint zwar, dass an ­diesem A ­ nsatz etwas dran sein könnte, warnt aber davor, darauf einen Trainingsplan aufzubauen, bevor man Genaueres weiß. „Es könnte auch das Östrogen sein, das die Erholung fördert“, erläutert er (Östrogen ist das weibliche Sexualhormon; Anm.). „Aber wir wissen es noch nicht. Wir wissen bloß, dass es Vorteile gibt, die Frauen Männern gegenüber haben. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, welche das sind.“ Galpin betont zwar, kein Sportpsychologe zu sein. Doch er glaubt, dass Frauen nicht nur körperlich, sondern auch geistig besser fürs Gewichtheben gerüstet sind als Männer. „Ich habe schon mit einigen Olympiateilnehmerinnen und professionellen ­Athletinnen gearbeitet und muss sagen, dass Frauen Kritik viel besser aufnehmen als Männer“, sagt er. „Ich brauche Frauen niemals zu etwas zu überreden – sie wollen einfach eine fundierte Anleitung, ich gebe sie ihnen, und sie ziehen ihr Ding dann durch.“ Für die meisten Frauen, die Gewichtheben in ihr Trainingsprogramm ein­

Trainingsvorbereitung auf Olympia 2020. Bei den Olympischen Spielen 2016 überbot King einen 16 Jahre alten US-amerikanischen Rekord und belegte den sechsten Platz.

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THE RED BULLETIN


„Wir hören nicht mehr auf Leute, die uns sagen, was wir machen dürfen. Wir entscheiden selbst.“

„Mittlerweile werde ich auf der Straße erkannt“: Morghan King, Hoffnungsträgerin einer Sportart

gebaut haben, spricht der Fitnessgewinn für sich selbst. Viele sehen im Gewicht­ heben die ultimative Symbiose der vier Grundbewegungen Drücken, Ziehen, Springen und In-die-Hocke-Gehen. Des­ wegen bauen es auch alle Profisportler, vom Basketballspieler bis zum Wrestler, in ihr Training mit ein. Die Skifahrerin Mikaela Shiffrin, Doppel­olympiasiegerin und dreifache Weltmeisterin, hebt Gewichte, um bei ­ihren Slalomläufen mehr Körperspannung halten zu können. Die Sprinterin LoLo Jones stemmt, um das Letzte rauszuholen, wenn sie über die Hürden springt. „Man benutzt seinen ganzen Körper, alles spielt zusammen“, erklärt Faye. „Man trainiert keinen Körperteil einzeln, man zerteilt den Bewegungsablauf auch nicht. Dürfte man nur ein einziges Training aus­ THE RED BULLETIN

üben, das möglichst viele Körperbereiche auf einmal einbezieht, wäre es Gewicht­ heben.“

M

orghan King lebt wie alle Profi­ sportler, die für die Olympischen Spiele trainieren, in einer Blase aus Training, Aufbaushakes und Ruhephasen. Trotzdem hat sie noch immer eine enge Verbindung zum Hobbysport. Sie erzählt von einem kürz­ lich erfolgten Besuch in Rumänien. Beim Training dort fiel ihr auf, hauptsächlich von Frauen umgeben zu sein. „Vor fünf Jahren wären es noch zu siebzig Prozent Männer gewesen“, sagt sie. Das Fitnessstudio, in dem sie immer trainiert, hat jetzt zehn Gewichthebe­ plattformen. Und die Leute erkennen sie auf der Straße.

„Vor kurzem war ich in einem dieser Sportclubs, wo sie einen Pool, Tennis­ plätze, Sauna und all das haben“, erzählt sie. „Während ich Gewichte stemmte, kam ein Mädel zu mir rüber und fragte mich, ob ich Morghan King sei. Sie hatte gerade einen Kurs für eine Zulassung als Wettkampf-Gewichtheberin im Verband gemacht – und stell dir vor, sie war noch kleiner als ich!“ Wie Charniga hat auch Jasha Faye eine Tochter, die leidenschaftlich Gewichte hebt. Sie ist gerade einmal 13 Jahre alt. „Isabella liebt das Gewichtheben, und sie liebt ihr Team“, sagt Faye. „Sie ist um­ geben von starken, schönen Frauen, die früh ins Bett gehen und sich gesund er­ nähren, weil sie mit Leidenschaft bei der Sache sind. Es macht sie total stolz, wenn sie mit dem Wissen zur Schule geht, dass sie davor schon trainiert hat.“ Andere Frauen zu inspirieren scheint für King eine ebenso große Motivation zu sein, wie Medaillen zu gewinnen. Die Frauen, die bei den Olympischen Spielen antreten, treiben sie genauso an wie die nachdrängenden Amateure. „Viele dieser Sportlerinnen würden wohl über sich ­sagen: ‚In meiner Jugend war ich ein Tom­boy‘“, vermutet King. „Man sitzt ­irgendwie zwischen den Stühlen – man ist immer noch feminin, aber man passt nicht in eine Schublade.“ Und das ist gut so: „Wir hören nicht mehr auf Leute, die uns sagen, was wir machen dürfen. Wir entscheiden selbst. Da draußen gibt es viele kleine Mädchen, die die Burschen in den Schatten stellen, und das ist vollkommen normal – das ist eine tolle Sache.“

Folge @kingmorghan auf Instagram   53


ALFONSO SABELLA

VOR IHM ZITTERT DIE MAFIA

Staatsanwalt ALFONSO SABELLA ist Italiens wichtigster Mafiajäger. Er riskiert sein Leben im Kampf Gut gegen Böse – täglich. Er sagt: „Wer Angst hat, stirbt jeden Tag.“ Text HOLGER POTYE  Fotos MATTIA ZOPPELLARO


Anti-Mafia-Staatsanwalt Alfonso Sabella brachte bereits 300 Mafiosi ins Gefängnis.

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„Deine Gegner müssen immer mehr Angst vor dir haben als du vor ihnen.“ Angst und Einsamkeit sind ständige Begleiter im Alltag eines Mafiajägers.


Wie wirkt sich eine solche Distanz auf eine Beziehung aus? Sie bedeutete das Ende meiner Ehe. Als wir nach meiner Zeit in Palermo wieder zusammenkamen, stellten wir fest, dass wir uns fremd geworden waren. Aber das ist ein sehr persönliches Thema.

Er

ist der Gute in einem Universum des Bösen. Er glaubt an Grundwerte, an die selbst der italienische Staat nicht mehr glaubt: Gerechtigkeit, Ordnung, Sicherheit für alle. Alfonso Sabella kämpfte als Staatsanwalt und Amtsrichter in den Anti-Mafia-Einheiten von Palermo und Rom, aktuell arbeitet er in Neapel. Seine Biografie wurde als Serie unter dem Titel „Il Cacciatore – The Hunter“ verfilmt.

the red bulletin: Haben Sie Familie? alfonso sabella: ­Ich habe eine Tochter, Carlotta. Sie stammt aus der Beziehung mit meiner Exfrau. Meine aktuelle Partnerin ist ebenfalls Amtsrichterin. Sie heißt Diana, wie die römische Göttin der Jagd. Ist es für jemanden in Ihrem Beruf möglich, seine Familie zu schützen? Ich beschützte meine Exfrau und meine Tochter, indem ich sie so weit wie nur möglich weggeschickt habe. Sie lebten in Mailand, ich arbeitete in Palermo, sieben Jahre lang – es waren die schwersten ­Jahre meines Lebens. Ich führte das ­Leben eines einsamen Hundes. Ich wollte nicht, dass meine Familie in einer ver­ barrikadierten Wohnung mit Sandsäcken an den Fenstern und über dem Dach ­kreisenden Hubschraubern leben muss. THE RED BULLETIN

Ihr engster Vertrauter war in dieser Zeit Ihr Bodyguard. Ich hatte fünf Männer, die auf mich aufpassten. Mein persönlicher Bodyguard war Leonardo Zarza, ein junger Carabiniere. Wir waren einander sehr nahe. Er brachte meine Frau ins Spital, als unsere Tochter zur Welt kam. Ich hatte damals einen ­alten gepanzerten, schwerfälligen Wagen. Leonardo glaubte nicht, dass wir es damit rechtzeitig zur Geburt schaffen würden. Also raste er mit meiner Frau in seinem Privatauto ins Spital, ich tuckerte ihnen mit meinem gepanzerten Wagen nach. Dank ihm kam meine Frau rechtzeitig zur Entbindung. Ich versuche, mir Ihr Leben vorzu­ stellen, ganz konkret, auch in banalen Dingen. Können Sie auf Urlaub gehen? Damals konnte ich es nicht. Kino? Ich hatte eine riesige Videosammlung. Es war die einzige Möglichkeit, Filme ­anzusehen. In ein öffentliches Kino zu ­gehen wäre zu gefährlich gewesen. Einkaufen? Unmöglich. Kein Shopping, keine Restaurants. Ich wurde über die Jahre ein guter Koch, hab es mir selbst beigebracht. Konnte Ihre Tochter in eine öffentliche Schule gehen? Ja, weil sie quasi inkognito in Mailand lebte. Aber ich konnte sie nicht besuchen oder von der Schule abholen. Ich hätte die anderen Mütter erschreckt und zudem riskiert, mein Cover auffliegen zu lassen. Wie bewahrt man sich in so einem Job die Fröhlichkeit am Leben? Ich habe immer viel gelacht. Manchmal war es ein bitteres Lachen, ja, aber mein Team und ich hatten ein Credo: Deine Gegner müssen immer mehr Angst vor dir haben als du vor ihnen. Was bereitet Ihnen heute Freude? Tanzen! Ich habe einen kleinen Raum in meinem Haus als Diskothek eingerichtet. Was treibt einen dazu, ein normales ­Leben gegen eines im Irrsinn ein­zu­ tauschen?

Ich wollte dort erfolgreich sein, wo andere versagt haben. Wenn ich in Schulen zu jungen Menschen spreche, zitiere ich ­Admiral Nelsons Rede vor der Schlacht von Trafalgar. Er sagte zu seinen Männern: „England erwartet, dass jeder Mann seine Pflicht tun wird.“ Dieser Gedanke gilt auch für mich und mein Team. Sie müssen schreckliche Angst haben. Der von mir hoch geschätzte, 1992 er­ mordete Staatsanwalt Giovanni Falcone sagte: „Ein Mensch, der in Angst lebt, stirbt jeden Tag.“ Also keine Angst? So wenig wie möglich. Über welche Fähigkeiten verfügt ein guter Mafiajäger? Ein Jäger muss seine Beute „lesen“ können. Mir fiel das leichter als anderen Kollegen, weil ich in einem Dorf aufgewachsen bin, in dem jeder jeden kannte. An solchen Orten lernst du die menschliche Seele in vielen Facetten kennen. Aber Ihr Job verlangt doch auch Bruta­ lität, nicht nur feine Beobachtungen. Ich war nie ein Draufgänger. Ich studierte ­lieber stundenlang alte Fälle und suchte stets nach bestimmten Mustern im Verhalten der Mafiosi. Was taten sie in bestimmten Situationen? Mit wem waren sie regelmäßig in Kontakt? Wo hielten sie sich gern auf? All das war wichtig für mich. Ich wollte ihr Wesen lesen lernen. Eine wichtige Fähigkeit bei der Mafiajagd ist die Kunst der Recherche. Man muss die Vergangenheit verstehen, um die ­Zukunft zu sehen. Wenn ich ganz verzweifelt war, setzte ich eine Maßnahme ein, die Jäger anwenden, wenn sie un­ bedingt Beute m ­ achen müssen. Und zwar? Ich „verbrannte“ das Land um meine ­Beute herum. Diese Methode hatte ich von ­Jägern in meinem Dorf gelernt, den Wilderern: Sie zündeten Teile des Walds an, bis dem gejagten Wildschwein nur mehr ein Fluchtweg blieb. Dort warteten sie, um es zu erlegen. Ich wandte diese Taktik an: Ich verhaftete alle Kumpane meiner Zielperson bis auf einen. Dann wartete ich, dass mein Mann mit dieser Person Kontakt aufnahm, und schlug zu. Warum will man einer der Guten sein in einem Land, in dem die bösen Buben so populär sind? (Lacht.) Sie haben recht. Das Böse übt eine gewisse Faszination aus. Aber für mich ist das Gute faszinierender. Nehmen wir den   57


„Ich war nie ein Draufgänger. Ich habe lieber stundenlang alte Fälle studiert. Ich suchte nach Mustern im Verhalten der Mafiosi.“ Alfonso Sabella meint,­ Helden werden nicht ge­boren, sie werden gemacht.

ehemaligen Mafiaboss Leoluca Bagarella als Beispiel. Er war ein liebender Familienvater. Aber mit denselben Händen, mit denen er seine Frau in den Armen hielt, erwürgte er auch Menschen. Wann haben Sie beschlossen, einer der Guten zu werden? Das wusste ich von klein auf. Ich stamme aus einer Familie von Anwälten. Mein ­Vater war sozial sehr engagiert. Ich habe auch meiner Tochter Carlotta, als sie klein war, statt aus Märchenbüchern aus der italienischen Verfassung vorgelesen und darüber erzählt. Einem kleinen Mädchen? Sie liebte es! Wie motiviert man sich im Kampf gegen einen Gegner, von dem man weiß, dass er letztlich übermächtig ist? John F. Kennedy sagte: „Frag nicht, was dein Land für dich tun kann; frag, was du für dein Land tun kannst.“ Das heißt, dass alles getan werden kann. Alles ist möglich. Aber gerade in Süditalien versagt dieser Staat oft. Also springt die Mafia ein – mit Essen, Jobs und sogar bei der Müll­ entsorgung. Die Mafia übernimmt Auf­ gaben des Staates, dem Sie dienen – und der täglich versagt. Probleme sind keine Entschuldigungen dafür, nichts zu tun. Es gab einen heroi-

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schen Priester, Giuseppe „Pino“ Puglisi. Die ­Mafia richtete ihn am 15. September 1993, seinem Geburtstag, hin – weil er Kindern und Jugendlichen beibrachte, mit ihrem eigenen Kopf zu denken, ihnen Jobs verschaffte und sie unabhängig machte. Er zeigte ihnen, dass die Zukunft mehr Möglichkeiten bietet, als entweder Teil der Mafia oder eines ihrer Opfer zu werden. Die Mafia konnte das nicht tolerieren. Papst Franziskus hat die Mafia 2014 ex­ kommuniziert. Hat das etwas bewegt? Die Mafia hat ein äußerst seltsames Verhältnis zum Glauben. Ich habe von MafiaKillern gehört, die sich bekreuzigten, bevor sie jemanden umbrachten. Sie beteten zu Gott, damit sie nicht von der Polizei erwischt würden. Das hat nichts mit Religion zu tun. Das ist Aberglaube, Bigotterie. Die Kirche hatte in der Geschichte ein ambivalentes Verhältnis zur Mafia. Der berüchtigte Mafioso Pietro Aglieri wurde nach einer Messe verhaftet, die ein Priester in seinem Haus veranstaltet hatte. Sie arbeiten als Amtsrichter in Neapel. Hat man nicht irgendwann genug? Nein. Mich beschäftigt gerade die Camorra (lacht). Glauben Sie mir, dieser Kampf ist eine unendliche Geschichte.

Die TV-Serie „Il Cacciatore – The Hunter“ basiert auf Alfonso Sabellas gleich­ namiger Autobiografie und läuft auf Rai. THE RED BULLETIN


Wir haben diese Limited Edition Uhr in Anerkennung der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega kreiert. Die zweite Zeitzone verweist auf ihre weltweite 24-Stunden-Bereitschaft. Aussergewöhnliche Einsatzbereitschaft geniesst unsere höchste Wertschätzung.

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Erfolgreiche Neo-Filme­ macher: Silvan Giger (re.) ist ­eigentlich Fotograf, Bruder Flurin stand bis dato bloß vor der Kamera.

Wir wollten Spaß haben und kreativ sein. Also dachten wir: ‚Komm, wir packen die Kamera ein und filmen.‘“ FLURIN GIGER

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THE RED BULLETIN


L I F E CHA NGI NG M O M E NT

Filmproduzenten SILVAN und FLURIN GIGER

WAS TUN WIR DA ÜBERHAUPT? Flurin und Silvan Giger haben es mit ihren Kurzfilmen auf die Leinwände der Filmfestivals von Venedig und Cannes geschafft. Nicht schlecht für zwei, die vom Filmgeschäft keine Ahnung haben.

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AURÉLIE LAMACHÈRE/57TH SEMAINE DE LA CRITIQUE

lurin, 23 (Drehbuch und Regie), und Silvan Giger, 21 (Kamera), aus Seewis in Graubünden schafften 2016 mit ihrem ersten Kurzfilm, „Ruah“, was niemand anderem in der Schweiz gelang: Sie wurden zu den Interna­ tionalen Filmfestspielen von Venedig eingeladen. 2018 lief ihr zweiter Kurzfilm, „Schächer“, sogar bei der „Semaine de la Critique“ in Cannes. Das Unerhörte: Bevor die Giger-­ Brüder das Filmemachen lernten, ­hatten sie es sich bereits zugetraut.

the red bulletin: Man liest, Sie hätten vor „Ruah“ keine Ahnung gehabt, wie man einen Film macht. Ein Gag, oder? silvan giger: Nicht wirklich. Flurin wusste wenigstens ungefähr, wie es auf einem Set zugeht, denn er war auf einer Schauspielschule. Ich hab Grafik gelernt und fotografiert. Aber was es braucht, einen Film zu ­machen? Keinen Schimmer. Wir woll­ ten Spaß haben, kreativ sein, ohne Sorgen einen Film drehen. Also dach­ ten wir uns: „Komm, wir packen die ­Kamera ein und filmen.“ Und das hat geklappt? flurin giger: Überhaupt nicht! Wir waren wie Kinder, richtig naiv. Eine Woche vor Drehbeginn merkten wir, dass man nicht nur filmen muss, sondern für die Crew auch Essen und eine Unterkunft braucht. Wir ver­ suchten irgendwie zu improvisieren, baten Mutter und Schwester zu ­kochen, richteten die Räume selbst ein, kümmerten uns um die Logistik. THE RED BULLETIN

Am heftigsten war es am Morgen vor dem Dreh von „Ruah“. Ich dachte nur, was tun wir da überhaupt, wir haben doch keine Ahnung! Gedanken, die man nicht unbedingt mit seiner Crew teilen sollte … silvan: Wir hatten so ziemlich bei ­allem unsere Zweifel. Zum Beispiel hatte ich vor „Ruah“ noch nie eine große Filmkamera bedient. ISO und Belichtung kannte ich vom Foto­ grafieren, aber eine Filmkamera ist viel komplexer, für die Bedienung braucht man zwei Leute. Und dann stand ich da, gab Anweisungen und hatte einfach nur Schiss, etwas falsch zu machen. Ich merkte, der Kamera­ mann neben mir spricht von Dingen, von denen ich keine Ahnung habe. Peinlich, wenn einem ein Mit­ arbeiter erklärt, wie man seinen Job richtig machen soll. silvan: Nein. Vielleicht anfangs, aber mit der Zeit wird man das los. Ich ar­ beite täglich mit Leuten, die fachlich besser sind als ich. Dann versuche ich, ihnen klarzumachen, was ich will. Ich frage einfach, ob sie mir helfen kön­ nen, meine Vorstellung umzusetzen. Aber das nagt doch an einem, wenn ein anderer das besser kann. silvan: Wenn mich die Arbeit mit ihm besser macht, ist das doch egal! Und wenn dein Ego das gar nicht packt, dann google und versuch dir das Know-how selbst anzueignen. Wirklich entscheidend ist: Wenn die Crew deiner Idee folgen kann, dann kommunizierst du auf einer Ebene,

ganz egal ob du mit einem Lehrling oder einem Profi mit dreißig Jahren Erfahrung arbeitest. Ich vermute, der Erfolg von „Ruah“ hat Ihnen Sicherheit gegeben … flurin: Am Anfang schon. Da schwimmst du auf der Erfolgswelle,­ alle klatschen, alle gratulieren. Aber dann kommen schnell kritische Stimmen: „Das war ein Zufallstreffer,­ schauen wir mal, wo ihr in zehn ­Jahren steht“, und so weiter. Dann bist du dir ganz schnell selbst nicht mehr sicher. Was, wenn sie recht haben? Schlussendlich haben wir ­daraus die Motivation für unseren zweiten Kurzfilm „Schächer“ gezogen.­ Wir wussten, wir können das ein zweites, ein drittes Mal. Das dritte Mal wird aber wieder ganz anders. Trauen Sie sich die neunzig Minuten zu? flurin: Wir wussten von Anfang an, dass wir bei einem Projekt dieser Größenordnung nicht alles selber machen können. Also arbeiten wir mit einer Zürcher Produktionsfirma, die zu 100 Prozent so denkt wie wir. Es geht hier einfach um Vertrauen – und darum, seine Vision zu vermitteln, zu jeder Zeit, auch durch andere, sonst verbiegen einen die Leute.

Die Giger-Brüder arbeiten gerade an ihrem ersten Langfilm, „Das letzte Feld“. Die Dreharbeiten sollen im Herbst 2019 in Graubünden beginnen. Interview: Reiner Kapeller Foto: Aurélie Lamachère   61


SO MATSCH FUN Das Abenteuer ist da, wo du es zulässt, behauptet der Berliner Schauspieler JOHANN VON BÜLOW. Bei der Beweis­ führung behilflich: ein Škoda Kodiaq Scout und hunderte Kilometer unweg­ samer Naturstraßen im einsamsten Hinterland des Balkans. Text ALEX LISETZ Fotos ENES KUCEVIC

„Du fährst doch nur in der Stadt, du brauchst keinen SUV“, sagte Johann von Bülows Frau. Er sah ein, dass sie recht hatte. Und fuhr raus aus der Stadt.

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A

ls das Gewitter losbricht, ist Johann von Bülow ein­ einhalb Fahrstunden vom nächsten Dorf und vier von seiner Unterkunft entfernt. Das Unwetter prasselt jetzt auf Dach und Windschutzscheibe seines SUV, und auf dem schmalen Karrenweg, den er bergauf­ holpert, kommen ihm ockerbraune Sturz­ bäche entgegen. Von Bülow, 45, Schauspieler, könnte gerade wohlbehütet in einer Berliner ­Theaterkantine sitzen. Beim Textlernen im Schminkraum eines „Tatort“-Drehs. Oder im Tonstudio bei einer Hörbuch­ aufnahme. Stattdessen graben sich unter ihm die grobstolligen 19-Zoll-Räder immer tiefer in den Schlamm. Es ist stockdunkel geworden, nur hie und da knipst ein Blitz Licht an die Felswände auf der anderen Talseite. Und dann, nach der nächsten Biegung, ist die Straße zu Ende. „Heute geht wirklich alles schief“, sagt von Bülow. Kurze Kunstpause. „Herrlich!“

TU’S EINFACH.

Johann von Bülow ist ein kontrollierter Mensch, der das Unkontrollierbare liebt. Meist lebt er diesen Drang im Job aus. „Wenn ich spiele“, sagt er, „will ich die Kontrolle abgeben und meinen Instinkten folgen. Nur dann entsteht etwas Inter­ essantes, nur dann kann ich etwas Neues über mich und die Welt erfahren.“ Von Bülow hat Routine im Loslassen, er hat in „Mord mit Aussicht“ gespielt und in „Elser“, in „Kokowääh“ und zuletzt die Titelrolle in „Herr und Frau Bulle“, einer neuen ZDF-Krimiserie, die im Frühjahr ins Fernsehen kommt.

„Wir können alle aus unserem Alltag ausbrechen und Abenteuer erleben, jederzeit.“ 64

Jemand zuhause? Auf seiner Offroad-Tour durch das Hinterland von Mazedonien entdeckte Schauspieler Johann von Bülow jahrzehntelang verlassene Dörfer.

„Vielleicht habe ich mir die Schau­ spielerei als Beruf ausgesucht, weil sie mich dazu zwingt, Abenteuer zu erleben“, sagt er, „aber man muss kein Schauspieler sein, um seinen Instinkten zu folgen. Wir können alle aus unserem Alltag aus­ brechen und Abenteuer erleben, jeder­ zeit. Wir müssen es nur zulassen.“ Meist zieht es von Bülow raus in die Natur, wenn er kleine Abenteuer zulässt. Zum Skitourengehen ins Wallis oder nach Graubünden, zum Mountainbiken oder Segeln. Doch diesmal wollte er etwas ganz Neues probieren. Er folgt den Spuren des Škoda Euro Trek, einer SUV-Offroad-Tour von Sofia nach Skopje. Es ist das erste Mal, dass er mit seinem Škoda Kodiaq im echten Gelände fährt. Und irgendwie ist seine Frau Katrin daran schuld. „Meine Frau war dagegen, einen SUV anzuschaffen, wenn man damit ohnehin nur in der Stadt herumfährt“, sagt er, „Und, nun ja: Ich habe eingesehen, dass sie recht hat.“ Darum ist er jetzt mit seinem SUV raus aus der Stadt. Aber so richtig.

RISIKO MACHT CHARISMA

Von Bülows 190 PS starker Kodiaq mit 7-Gang-Automatik kriecht jetzt irgendwo zwischen Kavadarci und Prilep durch den Wald. Links und rechts ragen die Konečka-­ Berge auf, unter den Reifen knirscht kinds­ kopfgroßes Geröll. Er hat im Autoradio einen Klassiksender bis zum Anschlag aufgedreht, es spielt Mahler, Schumann

oder Strauß, er ist nicht ganz sicher. Der letzte Mensch ist ihm wohl vor zwei Stun­ den begegnet, ein Schafhirte. Seine selbst­ bewussten Hütehunde haben das Auto verbellt. Es ergibt Sinn, dass sie keine ­Kuscheltiere sind: Draußen im Wald gibt es Luchse, Wölfe und Bären. „Ich weiß nicht“, sagt er und atmet tief die dampfende Luft ein, die jetzt, wo der Regen aufgehört hat, aus dem Wald auf­ steigt, „warum ich das nicht schon viel früher gemacht habe.“ Bei diesem Offroad-Abenteuer greift nämlich keine der Ausreden, die uns nor­ malerweise daran hindern, aus unserem Alltag auszubrechen. Keine Zeit? Die Offroad-Pisten des Zentralbalkans sind nur eineinhalb Auto­ tage oder vier Flugstunden von Zürich entfernt. Kein Geld? Die Lebenserhaltungskosten in Mazedonien betragen ein Viertel, das Durchschnittseinkommen ein Sechzehntel der Schweiz. Mangelndes Fahrkönnen? Mit einem modernen Allrad-SUV kommen auch Ein­ steiger im Gelände klar, weil in heiklen Situationen Lamellenkupplung, Berg­ an- und -abfahrhilfe und elektronisches Differential mithelfen. Bleibt als letzte Hürde die Scheu vor dem Unbekannten. „Ich glaube“, sagt Johann von Bülow, „dass wir manchmal etwas riskieren müs­ sen. Einen sicheren Job kündigen, uns vor fremden Leuten zum Affen machen, THE RED BULLETIN


Mit 190 PS und 19 Zentimeter Bodenfreiheit ist der Škodia Kodiaq Scout auf wilden Natur­ straßen in seinem Element.

Vom hektischen Berlin in die mazedonische Ein­ samkeit: Johann von Bülow beim Zwischenstopp in Dunje am Rand der Pelagonischen Ebene


„Ich habe beobachtet, dass Menschen, die hin und wieder etwas wagen, dieses besondere Strahlen haben.“ Von Bülow pflügt mit Schwung durch die Gräben im Galičica-Nationalpark: Jetzt nur nicht aufsitzen und stecken bleiben!

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Zum ersten Mal im Gelände und trotzdem souverän: Die Fahrassistenzsysteme des Kodiaq helfen auch in heiklen Situationen dabei, cool auszusehen.

Von Bülow übersieht einen spitzen Stein. Ein dubioses Tocktock-tock wird rasch zu einem beunruhigenden Klack-klack-klack. in ein unbekanntes Land aufbrechen. Weil uns das im Leben weiterbringt. Ich habe schon oft beobachtet, dass Menschen, die hin und wieder etwas wagen, dieses ganz besondere Strahlen haben. Wagnisse verändern unsere Ausstrahlung.“

LEGALIZE IT

Wichtig: Wagnis und Unvernunft sind ­ungleiche Brüder. „Das ist schon wieder wie beim Schauspielen“, sagt von Bülow, „man muss vorher, in der Planungsphase, das Hirn einschalten. Aber dann, wenn ­alles klug und gründlich vorbereitet ist, kann man sich der Sache instinktiv hingeben.“ Darum ist von Bülow nicht allein ­unterwegs. Er hat zwei Profis dabei: Liviu Adam, einen rumänischen 4×4-, Enduround Snowmobile-Guide, der Red Bull ­Romaniacs mitorganisiert hat, den wohl härtesten Enduro-Bewerb der Welt. Und Vladimir „Vlado“ Sho­sholchev, einen einheimischen Offroad-Experten, der jedes noch so entlegene Eckchen Mazedoniens mit dem Geländewagen erkundet hat. „Mazedonien hat tausende Kilometer aufregender Offroad-Strecken und eine wilde, unberührte Landschaft“, sagt V ­ lado Shosholchev. „Aber zum Geheimtipp für Offroad-Fans macht es unsere Straßenverkehrsordnung: Wir haben im Gelände keine Fahrverbote, man darf mit All­ radlern oder Motocrossmaschinen fahren, wo man Lust hat.“ Ein Tag ist vergangen, und von Bülow ist heute mit Adam und Shosholchev im Galičica-Nationalpark zwischen dem Prespa- und dem Ohridsee unterwegs. 68

In Mazedonien gibt es keine O≠road-Fahrverbote. Damit es so bleibt, sollte man sich Natur und Anrainern gegenüber respektvoll verhalten.

6 OFFROAD-TIPPS FÜR EINSTEIGER

von 4×4-Experte Liviu Adam (facebook.com/motorange.moto) Langsam herantasten Das Fahren im Gelände ge­ horcht eigenen Gesetzen. Beginn mit einfachen Strecken und halte Sicher­ heitsabstand zu den Limits deiner Fahrkünste und deines Autos.

Richtiges Tempo wählen Wer zu schnell fährt, ris­ kiert Unfälle und Defekte. In heiklen Passagen kann aber etwas Schwung das Steckenbleiben ver­hindern.

Immer in Bewegung bleiben

Tiefe Rinnen vermeiden

Am sichersten fährt, wer konstant bei niedrigem Tempo in Bewegung bleibt. Vermeide Stopps auf steilen Passagen oder im Schlamm!

Wenn der Unterboden auf­ setzt und die Räder keinen Bodenkontakt mehr haben, hilft nur noch der Traktor aus dem Nachbar­ dorf – peinlich!

Reifendruck anpassen

Dem Auto vertrauen

Je nach Untergrund ab­ stimmen: Höherer Druck verhindert Durchschläge, niedrigerer Druck bringt mehr Grip.

Moderne Geländewagen wissen dank Assistenz­ systemen besser als du, was zu tun ist. Gib dich dem Flow hin, statt dem Auto deinen Willen aufzuzwingen.

THE RED BULLETIN


SOFIA

Start

ROUTE DES ŠKODA EURO TREK 2018

Samokow

Autobahn oder Bundesstraße O≠road

Blagoewgrad

SKOPJE Ende

Der Weg ist abwechselnd Schlammpfütze, Steilrampe oder Geröllhalde. Auf den ­Reifen klebt zentimeterdick rotbraune Erde, die Vegetation ist karg, nur die ­Königskerzen wuchern üppig am Rand des Weges. Es sieht ein bisschen aus wie in Australien. In einer Pause fragt von Bülow in die Stille: „Schön und gut, dass es legal ist. Aber macht uns das nicht zu Arschlöchern, wenn wir hier mit SUVs mitten durch die unberührte Natur fahren?“ Shosholchev nickt wissend. Er liebt sein Land, er hat sich diese Frage selbst schon oft gestellt, und er hat eine überzeugende Antwort gefunden: „Wir können diese tolle Landschaft nur erhalten, wenn wir hier sanften Tourismus etablieren. Der Natur macht es nichts, wenn hier am Tag ein, zwei Geländewagen durchfahren. Es ist die Holzindustrie, vor der wir sie schützen müssen.“

AUTONOMES FAHREN

Bei der Abfahrt nach Ohrid wirkt von ­Bülow schon viel lockerer als gestern bei seinen ersten Kilometern im Gelände. Er trägt jetzt schwarze Tom-Ford-Brillen zum kurzen rotblonden Bart und lässt die Finger am Lenkrad zum Takt eines VelvetUnderground-Albums tanzen. „Nimm ­ruhig mal die Füße von den Pedalen“, sagt Liviu Adam, „das Auto macht alles von selbst.“ Und wirklich: Im steilen ­Stolpergelände hat die Motorbremse das 1,7‑Tonnen-Fahrzeug autoritär im Griff. Von Bülow muss nicht einmal lenken: Die Räder suchen sich in den tiefen Spurrillen von selbst die sicherste Spur. Neben ihm ragt ein Abgrund in die Tiefe, ganz weit unten erahnt man das Blau des Ohrid­sees, der mit zwei bis fünf Millionen Jahren ­einer der ältesten Seen der Erde ist. Von Bülow lässt das Lenkrad los, ein paar Meter fährt das Auto quasi autonom. Da ist es wieder, das Wechselspiel aus Kontrolle und Loslassen. „Ich bin noch nicht da, wo ich gern wäre“, sagt von Bülow, „ich würde im ­Leben gern öfter loslassen und darauf vertrauen, dass die Dinge auch ohne mein Zutun gut werden. Dass es, wie die Kölner sagen, ohnehin ‚kütt wie et kütt‘.“ THE RED BULLETIN

Ende 1. Tag Start 2. Tag Kavadarci

Bitola Ende 2. Tag Start 3. Tag

OFFROAD DURCH MAZEDONIENS NATIONALPARKS So holst du das meiste aus deinem Trip. Testauto

Und da passiert es. Von Bülow übersieht in einer Kurve ­einen spitzen Stein und rumst mit voller Wucht darüber. Das ist ihm heute schon ein-, zwei- oder dreimal passiert, jedes Mal ohne Folgen. Aber diesmal folgt darauf ein dubioses Tock-tock-tock, das rasch zu einem beunruhigenden Klack-klack-klack wird. Dazu kommt ein merkwürdig teigiges Gefühl rechts vorne. Ein Platten. Von Bülow darf jetzt ein weiteres Abenteuer erleben: einen Reifenwechsel in unwegsamem Gelände. Liviu Adam zeigt ihm, worauf er achten muss: Zuerst steuert er den Wagen auf eine halbwegs ebene, einigermaßen trockene Stelle. Dann gibt er dem Wagenheber mit einem Brett, das er am Wegesrand findet, einen stabilen Stand, damit der sich nicht im Schlamm eingräbt. Von Bülow hievt das Ersatzrad vom Dach und lässt sich von Adam die Arbeitsschritte erklären. Als das neue Rad endlich montiert ist, dämmert es bereits. Bis zum Hotel wären es noch achtzig Kilometer. Es sei denn … „Lasst uns doch in den Autos schlafen“, sagt von Bülow. Neben dem Hohlweg plätschert ein Bächlein, der Blick auf den rosaorangen ­Sonnenuntergang über dem See ist atemberaubend. „Vielleicht“, sagt Shosholchev, „hören wir in der Nacht ein Wolfsrudel heulen.“ Von Bülow nickt.

Škoda Kodiaq Scout 2.0 TDI SCR (1968 ccm, 190 PS, 47.500 CHF)

Anreise Flug mit Austrian Airlines über Wien oder zirka 17 Stunden Autofahrt von Zürich nach Sofia

SUV-Verleih zum Beispiel Sixt in Sofia (www.sixt. com/car-rental/bulgaria/sofia) oder Hertz in Skopje (www.hertz.mk)

Allgemeines In Mazedonien muss auch bei Tag mit Licht gefahren werden, die Benützung von Mobiltelefonen ist auch im Stand verboten. Tempolimits: 50/80/ 120 km/h. Keine Fahrverbote für O≠road-Strecken.

Essen Popova Kula Winery, Bulevar na vinoto br.1, Demir Kapija, Mazedonien, +389 76 432630, popovakula.com.mk

Schlafen Aurora Resort & Spa Hotel, Ul.3 BB, 2330 Berovo, Mazedonien, +389 33 550965, auroraresort.mk

skoda.ch twitter.com/johannvonbuelow   69


TAK E F I V E

Wildschwimmer Calum Hudson über …

DIE FREIHEIT WILDER WASSER

Der 28-jährige Büroangestellte und seine Brüder kraulen dem Alltag im Polarmeer oder natürlichen Whirlpools davon. Hier sind seine fünf Gründe, Naturschwimmer zu werden.

2 Du kannst Pionier sein

Von den dreißig größten Flüssen der Welt sind erst fünf der Länge nach durchschwommen: vom 63-jährigen Slowenen Martin Strel. Wir wollen die sieben größten Strudel schwimmen, lebens­gefährliche, riesige Whirlpools. Drei haben wir schon: Moskstraumen und Saltstraumen in Norwegen und Corryvreckan in Schottland.

3 Du musst dich entscheiden

Unsere Antarktis-Route führte durch ein Killerwal-Territorium, in Venezuela schwimmen Bullenhaie bis in die Flüsse, und rund um Alcatraz gibt es Weiße Haie. Für eine Kongo-Expedition hatten wir bereits die Zusage einer Produktionsfirma. Dann erfuhren wir von fünf Fällen, in denen Kajakfahrer Krokodilfutter geworden waren. Wir legten auch unsere Venezuela-­ Pläne auf Eis, weil wir keine Bekanntschaft mit den fünfeinhalb Meter langen Orinoko-Krokodilen machen wollen.

4 Es spornt den Geist an

Am Polarkreis hat es um die sieben Grad, der Golfstrom wärmt da ein wenig. Wir wurden dennoch alle 30 Minuten überprüft, ob wir unterkühlt sind. Jeder musste seinen Namen und sein Geburts­ datum nennen und Multiplikationen lösen. Eine falsche Antwort, und du warst sofort raus aus dem Wasser. Ich hatte Panik, dass ich vergesse, wie man multipliziert.

Wilder Haufen: Robbie, Calum und Jack Hudson (von links)

1 Tu es einfach! Wildschwimmen ist der unkomplizierteste Outdoor-Sport überhaupt.“ CALUM HUDSON

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Man wird wieder eins mit der Umwelt

Als Kinder waren wir ständig draußen. Während des Studiums ging es nur ums Partymachen, und danach saßen wir in Bürojobs in der Stadt fest und stauten uns im Auto zur Arbeit. Nach zwei Jahren verkauften wir unser altes Familienhaus in Nordwestengland. Zum Abschied wollten wir etwas Verrücktes machen: Also durchschwammen Jack, Robbie und ich den ­River Eden, der an unserem Haus vorbeifließt, vom Ursprung bis zur Mündung – 145 Kilometer. So hat alles begonnen.

5 Es macht dich frei

Wildschwimmen ist im Grunde der unkomplizierteste Outdoor-Sport, weil du im Grunde null Ausrüstung benötigst. ­Alles, was du brauchst, ist ein bisschen Ortskenntnis, zum Beispiel darf man in Schottland überall schwimmen, in England ist alles etwas strenger. Also tu es einfach! Du kannst hier dein tägliches Training absolvieren und mit Freunden richtige Abenteuer erleben.

thewildswimmingbrothers.com Interview TOM GUISE Foto JODY DAUNTON THE RED BULLETIN


Die ­FührungsKraft Dirigenten sind alte, selbstverliebte Männer, beseelt von den einsamen Höhen klassischer Musik? Das war gestern. Hier kommt UÈLE LAMORE, die junge, frische, weibliche Antithese am Pult. Text PH CAMY Fotos FELIPE BARBOSA

U

èle Lamore durchlebt eine musi­ kalische Karriere im Schnelldurch­ lauf: Geige mit vier Jahren, Gitarre mit sechs, heute, mit 24, dirigiert sie völlig gelassen Orchestren mit über 20 Musikern. Überhaupt geht Uèle ein ­ordentliches Tempo: Gerade mal zehn Minuten nach der Begrüßung im Pariser Lokal ihres Bruders sind die ersten Gesprächsthemen ab­ gehakt. Sie hat über Jazz gesprochen, Rock, Metal-Riffs, Hip-Hop, Musikinformatik, dass man „überhaupt alles in der Musik ausprobie­ ren“ solle, über ihre französisch-amerikani­ sche Doppelstaatsbürgerschaft, den ursprüng­ lichen R&B aus Memphis oder Detroit, die Strokes, die Arctic Monkeys und die Baby­ shambles, die sie als Kind so vergötterte, dass sie mit zwölf ihre erste Band gründete. 72


Uèle Lamore, 24, weiß, wie man ein zwanzigköpfiges Orchester dirigiert und dabei voll im Zen-Modus bleibt.


Ăœberzeugte Autodidaktin, begeisterte Akademikerin: Uèle Lamore verbindet in ihrer Musik Herz und Hirn.


the red bulletin: Uèle, Ihre musika­ lische Karriere ist eindrucksvoll. Dabei sind Sie ja Autodidaktin, richtig? uèle lamore: Gelegentlich hatte ich ­Gitarrenunterricht, aber davon abgesehen: lange Zeit ja. Es machte mir mehr Spaß, mich inspirieren zu lassen, auf meinem Mac mit Musiksoftware herumzuexperi­ mentieren. Mit einem Lehrer muss man sich ja immer auf einzelne Dinge konzen­ trieren, das hätte ich als Einengung emp­ funden. Erst als ich in die USA gegangen bin, hat der akademischere Teil meiner musikalischen Laufbahn begonnen. Sie sind als Laie in die USA gegangen, um Musik zu studieren? Ich dachte mir: Du hast einen amerikani­ schen Pass, Musik ist deine Leidenschaft und das Einzige, bei dem dir nicht nach zehn Sekunden langweilig ist, also los! Sie sind doch nicht einfach nach Los Angeles geflogen und haben „Hallo, hier bin ich!“ gesagt? Nein, da gab es ein Vorspielverfahren per Video. Dann wollten sie sehen, ob ich Noten lesen kann. Das konnte ich, also wurde ich aufgenommen, machte meinen ­Bachelor und wurde danach am Berklee College of Music in Boston aufgenommen. Das Berklee College ist eine echte In­ stitution. Was haben Sie mit Ihrem so freien Zugang zur Musik dort gesucht? Ich kam, um etwas ganz anderes zu tun als davor. Das genaue Gegenteil. Ich wollte alles über das klassische Komponieren und das Dirigieren lernen, habe die Ge­ schichte dieser Musikgattungen und ihrer Komponisten gebüffelt … einfach alles!

ALISHA BATTH

Sie müssen sich in dieser Welt vor­ gekommen sein wie ein Alien. Im Gegenteil, ich wurde süchtig danach! (Lacht.) Ich dachte mir: Wenn die Men­ schen noch immer auf Dinge abfahren, die vor 300 Jahren geschrieben wurden, dann müssen die total gut gemacht sein. Das ist Popmusik, mit Strophen und Refrains, Sachen, die extrem eingängig sind … Sagen Sie mir: Wie wurde aus einer überzeugten Autodidaktin eine be­ geisterte Akademikerin? Durch Professoren, von denen ich gelernt THE RED BULLETIN

„Führungsqualität beginnt mit Vertrauen in jeden Einzelnen.“ Uèle Lamore, Gründerin und Dirigentin des Orchestre Orage, setzt auf Eigenverantwortung der Musiker – die aus Begeisterung entsteht.

habe, mein Ding ernst zu nehmen. Auf der Schule hast du Zeit, aber nicht in der Praxis: Man muss das Unwichtige weg­ lassen. Was dazukam: In Berklee sind alle so gut, das treibt dich unglaublich an, du gibst 200 Prozent. Alle Stile vermischen sich, alle Instrumente, alle Nationalitäten, und die Menschen sind unglaublich offen. „Du willst dirigieren? Leg los!“

einer Band als bei einem Orchester, und das gefällt den Musikern. Wir haben vor einem Live-Auftritt kaum Generalproben mit dem Orchester, somit müssen wir uns auf das Wesentliche beschränken. Wenn also ein Musiker Schwierigkeiten hat, werden wir nicht eine Stunde daran ­sitzen. Er wird in Ruhe daran arbeiten und für die nächste Probe fit sein.

Und was haben Sie nach den Jahren in Berklee gemacht? Ich habe mein Diplom mit den besten Noten absolviert. Ein paar Monate davor hatte ich bereits angefangen, den Diri­ genten des niederländischen Orchesters Metropole Orkest zu nerven, dass ich bei ihm lernen wollte. Ich zog dann nach Holland, um sein Lehrling zu werden. Ich konnte mich in meinem Lieblings­ orchester weiterentwickeln, sehen, wie es abseits der Konzerte läuft, die Organi­ sation, die Hierarchie … Als ich dann zu­ rück in Paris war, wollte ich mein eigenes Orchester gründen, das Orchestre Orage, nach meinen Vorstellungen, frei, jung, unabhängig. In meinem Orchester sind die Musiker zwischen 19 und 35 Jahre alt, die Frage nach Gleichstellung stellt sich gar nicht mehr, die ist doch überholt.

Klappt das mit der Eigenverantwortung? Ihr Orchester zählt immerhin rund zwanzig Leute. Das geht nur über die Begeisterung. Jedes Orchestermitglied ist wichtig, die zweite Geige ganz hinten im Raum genauso wie die erste, die ganz vorne sitzt, und ich erinnere alle Musiker an ihre Wichtigkeit und Verantwortung. Selbst wenn dein Einsatz während eines Konzerts sehr kurz ist, bist du wirklich wichtig.

Was macht Sie heute zu einer beson­ deren Dirigentin? Ich verstehe Musiker, glaub ich, vom klas­ sischen Violinisten bis zum Rockmusiker, ich hab mit allen gearbeitet und Nächte mit ihnen durchgeredet. Darum habe ich eine direktere Zugangsweise, eher wie bei

Manager würden das Führungsqualität nennen. … die damit beginnt, seinen eigenen ­Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu vertrauen. Und gelassen zu bleiben … Man muss bei Problemen sehr schnell ­reagieren, ohne in Panik zu geraten. Wenn während eines Konzerts etwas passiert, mich die Musiker verzweifelt ansehen, mit diesem „Was machen wir jetzt?!“-Blick, geht es vor allem darum, Zuversicht und Ruhe auszustrahlen: „Ich weiß, macht euch keine Sorgen, ich habe verstanden, was los ist, entspannt euch …“ (Lacht.)

facebook.com/orchestreorage   75


AUF EINEN SPRUNG NACH

TOKIO

Ausflüge über Dachterrassen, Saltos über Mauerkanten: Freerunner JASON PAUL lernt Städte aus der Superhelden-Perspektive kennen. Uns hat er die Insider-Reisetipps für seine zweite Heimat Tokio verraten. Text DAVID MAYER  Fotos MIKO LIM


Stadtführung mit Extrakick: Jason Paul, 28, deutscher Weltklasse-Free­ runner, bei einer ­seiner Touren über die Dächer Tokios

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„Tokios Architektur ist unfassbar vielfältig – von mini­ malistisch bis bizarr.“ Kopfüber: Jason sucht stets neue Perspektiven im Business- und Entertainmentviertel Shibuya.

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J

ason fliegt. Die Arme ausgebreitet, die Beine angezogen. Einen Meter hinter ihm die eine Außentreppe, zwei Meter vor ihm die nächste. Unter ihm: ein fünf Etagen tiefer Abgrund ­hinab zu einer Asphaltstraße. Es ist ein typischer Jason-Paul-Moment: Als Freerunner ­bewegt sich der 28-Jährige wie ein Super­ held durch die Stadt. Läuft Wände hinauf, ­erklimmt Flachdächer und überwindet Ab­gründe. So auch jetzt: Einen Augenblick nachdem er sich vom Geländer der einen ­Außentreppe abgestoßen hat, landet er hinter dem Geländer der gegenüberliegenden, stützt sich kurz mit den Händen auf dem Beton­ boden ab, dreht sich um, grinst, streckt den Daumen in die Luft. Die Außentreppen führen auf Gebäude in einer Seitenstraße Tokios hinauf, und derjenige, dem Jason da den Daumen entgegenstreckt, heißt Miko Lim. Im Auftrag von The Red Bulletin begleitet der Fotograf Jason durch dessen zweite Heimat Tokio. Immer wieder lebt der Freerunner für mehrere Wochen in Japans Hauptstadt, so auch aktuell. „Tokios Architektur ist unfassbar vielfältig – von bizarr bis minimalistisch, von traditionell bis modern ist wirklich alles dabei. Diese ­Abwechslung gibt mir immer wieder Reize für neue Moves und Tricks“, sagt Jason. Ob zweistöckige Holzhäuser, Wolkenkratzer aus Stahl und Glas oder Brückenpfeiler aus Beton: Erstaunlich viele Bauten sind von außen zugänglich, etwa durch Außentreppen, Stützpfeiler oder Flachdächer. Nach genau solchen Möglichkeiten sucht Jason, wenn er in Tokio

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unterwegs ist – egal ob er trainiert oder ­shoppen geht. Er kann einfach nicht anders. Permanent scannt er seine Umgebung nach Plattformen für seine Stunts ab und lernt die Stadt so immer wieder aus neuen Per­spektiven kennen.

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ls Jason zum ersten Mal von Japan träumt, schläft er noch im Kinderzimmer im Haus seiner Eltern in Frankfurt. Als Jugendlicher verschlingt er ein Manga-Comic nach dem anderen – wenn er nicht gerade mit seinen Kumpels über Eisenbalustraden balanciert oder über Parkbänke fliegt. Inspiriert von Luc Bessons Kultfilm „Yamakasi – Die S ­ amurai der Moderne“, dessen Actionszenen sich an den Parkour-Sport anlehnen, trainiert Jason jeden Tag in der Nachbarschaft. Eine Free­ running-Szene existiert in Frankfurt nicht, ­Jason bringt sich seine Moves selbst bei. Seine Ausdauer lohnt sich: Heute gilt ­Jason als einer der weltbesten Freerunner. Nicht einzelne Tricks reizen ihn, er will ganze Choreografien entwickeln – wie im YouTube-Clip „Last Call for Mr. Paul“, der bis heute über 40 Millionen Mal abgerufen wurde. ­Darin versucht Jason mit waghalsigen Stunts, seinen Flieger am Münchener Flughafen zu erwischen. Es ist ein Bild für sein Leben: ­Immer in Bewegung, hat Jason schon lange keinen festen Wohnsitz mehr, sondern zieht von Metropole zu Metropole: Marrakesch, ­Sarajevo, Sydney, Bangkok – und immer ­wieder Tokio. Neben der vielfältigen Architektur lockt ihn die lokale Freerunner-Szene. Stars wie Kenichi oder Yakuwa sind bekannt für ihre besonders flüssigen Bewegungen, jede ihrer Choreografien wirkt wie ein einzigartiger Tanz. Längst haben sie Jason als einen der ­ihren aufgenommen, laden ihn zum Training an ihren Parkour-Spots ein und treten in ­seinen Filmproduktionen auf. Im Clip „Jason Paul Goes Back in Time“ zum Beispiel jagen als Ninjas verkleidete Freerunner Jason durch das Edo Wonderland, einen Freizeitpark im Stil einer traditionellen Tempelanlage. Die Bilder von Miko Lim und der Foto­ grafin Emily Ibarra zeigen, wie Jason die Mega­city jederzeit in einen Abenteuerspielplatz verwandeln kann. Sie transportieren ­Jasons Kunst und Energie und zeigen gleichzeitig ein Tokio weit abseits der Touristen­ gegenden. Und wer beim Betrachten tat­ sächlich Lust bekommt, selbst nach Japan zu reisen, für den hat Jason acht Reisetipps für Tokio parat – ­natürlich aus seiner ganz ­eigenen Perspektive. 80

Jason lässt sich von Japans FreerunningKultur inspirieren. Seine Videos werden bis zu 40 Millionen Mal geklickt. Wie im Flug: Jason springt per Drop von einer Fuß­ gängertreppe im Szene­ viertel Shibuya.

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„Ich benutze Städte, um mich kreativ zu entfalten.“ An der Spitze: Unterwegs in neuen Vierteln, orientiert sich Jason oft am Skytree – Tokios Fernsehturm.


Itabashi

Adachi Kita

Nerima

TOKIO HOCH ACHT

Ramen mit Hip-Hop, Park mit Parkour, Insel mit Aussicht: Das sind Jasons Top-Tipps für ein Wochenende in Japans Megacity.

HARTE LANDUNG IM GRÜNEN

Ein Park wie gemacht für Freerunner und andere urbane Sportler. „Von außen sieht der Park aus wie viele andere, von innen ist es einer meiner liebsten Parkour-Spots der Welt. Im Hanegi-Park im ansonsten eher unspektakulären Viertel Setagaya wimmelt es nur so von bunten Treppen und Mäuerchen – die ideale Trainingslocation für Freerunner also. Überhaupt nutzen Tokios ­Bewohner den Hanegi-Park hauptsächlich, um Sport zu treiben. Es gibt ein paar Tennisplätze und eine eigene Laufstrecke.“

durch die Straßen radeln oder mit ihren Holzsandalen, den Geta, an mir vorbeilaufen. Und wahrscheinlich würde ich das auch tun, wäre nicht gleich um die Ecke ein toller Parkour-Spot: Direkt am Ufer des Flusses Sumida gibt es die perfekten Mauern, Treppen und Geländer zum Trainieren. Außerdem ist dort ein guter Spot für ein mitgebrachtes Mittagessen direkt am Wasser. Letztens saß hier ein Büro­ angestellter und war so vertieft in seinen Laptop, dass er gar nicht bemerkte, wie ich mit meinem FreerunningKumpel Kenichi haarscharf an ihm vorbeisprang.“

Katsushika

Nakano Suginami

Buyuyō

UNTER SCHWER­ GEWICHTEN

EMILY IBARRA, GETTY IMAGES (3)

Erst Sumoringer auf dem Fahrrad bestaunen, dann Action am Fluss Sumida. „Mindestens einmal pro Tokio-­Besuch fahre ich nach Ryogoku im Nordosten des Stadtzentrums. Es ist das Viertel der Sumoringer, und ich könnte mich den ganzen Tag auf eine Bank an der U-BahnStation Ryogoku setzen und zusehen, wie diese Giganten in ihren edlen Gewändern THE RED BULLETIN

Edogawa

Chiyoda Shibuya

Chūō

Kōtō

Minato

Setagaya Meguro

Shinagawa

Ōta

Bucht von Tokio

Hallo, Nachbarn!

Tokios 23 Bezirke auf einen Blick Wer sich nicht verlaufen hat, war nicht wirklich in Tokio: Diese Karte verschafft zumindest eine grobe Übersicht. Für das Shooting war Jason vor allem in Shibuya und Shinyuku unterwegs.

und sich einfach durch die ­engen Hinterhofgassen mit ­ihren versteckten Geschäften treiben lassen.“

HEISSE ANGELEGENHEIT

Von wegen nur hektisch. Hier kann’s Tokio zur Abwechslung ganz lässig.

Da kommt’s dicke: Tokios Sumoringer leben im Viertel Ryogoku.

Taitō Sumida

Shinyuku

ENTSPANNT MIT ZWEITER HAND

„Eigentlich sind wir Free­ runner unkompliziert, aber was Kleidung betrifft, haben wir genaue Vorstellungen. Des­wegen betreibe ich gemeinsam mit ein paar Kollegen das Label Farang. Unsere Sachen sind urban, schlicht und gleichzeitig praktisch – also perfekt für unseren Sport und jeden, der unseren Stil mag. Was das mit Tokio zu tun hat? Nun, an kaum einem Ort holen wir uns so viel Inspira­ tion für unsere Entwürfe wie in den Secondhandshops in Shimokitazawa – meinem ­absoluten Lieblingsviertel in Tokio, weil hier eine wahn­ sinnig entspannte Atmosphäre herrscht. Tipp: der Klamottenladen Meadow by Flamingo. Nach dem Shoppen unbedingt im Shimokita Gravy Gyoza die kleinen Fleischbällchen essen. Und danach auf Drinks und Nachos in die Mother-Bar.“

Arakawa

Toshima

Klar kostet es Überwindung, in 43 Grad heißes Wasser zu steigen. Aber es lohnt sich. Fleisch to go: Im Viertel Shinyuku wimmelt es von Streetfood-Ständen.

ABBIEGEN FÜR PROFIS Wolkenkratzer, Holzhütten, schön und gut. Aber auf die Gassen kommt es an.

„Hatte ich schon erwähnt, dass mir an Tokio die Abwechslung am besten gefällt? Ein perfektes Beispiel ist Shinyuku, ein Viertel voller Wolkenkratzer, zu deren Füßen traditionelle Holzhäuser liegen. In so einem befindet sich auch das Tajimaya Coffee House, direkt hinter der Shinyuku Station, mein allerliebstes Kaffeehaus. Am besten wie die Einheimischen den Kaffee direkt an der dunklen Theke trinken und dann gleich wieder raus ins Ge­ tümmel. Jetzt in die nächstbeste Seitenstraße abbiegen

„Wenn mich meine japanischen Freerunning-Kollegen eines gelehrt haben, dann ist es Respekt – voreinander, vor allem aber auch vor dem eigenen Körper. Als Sportler bin ich auf ihn angewiesen, und weil ich Freerunner bin, muss er einiges aushalten. All die Sprünge und vor allem all die Landungen auf hartem Untergrund gehen auf Dauer ganz schön auf die Gelenke. Zum Ausgleich gehe ich in ­Tokio regelmäßig in eines der tra­ditionellen Badehäuser, ­genannt Sentos, zum Beispiel ins Sengo­kuyu bei der U-BahnStation Hatagaya. Zugegeben: In das 43 Grad heiße Wasser zu steigen kostet jedes Mal ganz schön Überwindung. Und wenn ich rauskomme, ist mein Körper krebsrot. Aber spätestens wenn ich wieder auf die Straße trete, fühle ich mich wie neugeboren.“   83


NUDELN MIT BASS

Ein Ramen-Imbiss in Shibuya, in dem sich Tokios Hip-Hop-­ Szene trifft. „Klar, den Stadtteil Shibuya kennt fast jeder, vor allem ­wegen dieser Kreuzung, auf der pro Grünphase bis zu 15.000 Menschen die Straßen­ seite wechseln. Und wer ein­ mal in Tokio ist, sollte sich das Spektakel nicht entgehen ­lassen. Aber keine Sorge: Die Kreuzung ist nicht mein Geheimtipp. Der liegt 20 Geh­ minuten entfernt, heißt Usagi und ist mein Lieblings-Nudel­ suppenladen. Meine Emp­ fehlung: ‚Special Ramen‘ mit Schweinefleisch und Bambus­ sprossen. Erst am Automaten bestellen, dann musst du die wichtigste Entscheidung treffen, wenn der Kellner fragt: ‚Nudeln dünn, weich, dick, flach oder hart?‘ Die ­Nudeln sind wirklich super, aber ich komme fast noch mehr wegen des Hip-Hop, der hier aus den Boxen hämmert. Der Bruder des Besitzers war Hip-Hop-Star Jun Seba, der 2010 bei ­einem Autounfall starb. Heute ist er in Japan eine Legende, und ich bin ein großer Fan.“

Freie Bahn: Auf der Insel Odaiba steht eine Minikopie der Freiheitsstatue.

SPRUNG IN DIE ZUKUNFT

Was die Touris auf der Freizeit­ insel Odaiba nicht wissen. „Okay, mein nächster Tipp, die Freizeitinsel Odaiba mit ihrer 20 Meter hohen RoboterStatue ‚Gundam‘ und dem künstlichen Strand, ist streng 84

genommen auch nicht ge­ rade geheim. Vor allem am Wochen­ende drängen sich hier Touristen. Doch als Free­ runner sehe ich selbst über­ laufene Spots aus eigener Per­ spektive: Direkt am Wasser gibt es kleine Mauern und Sitzgelegenheiten aus glatten roten Steinen, perfekt zum Abspringen und Aufstützen. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf vorbeifah­ rende Fähren und die Skyline von Tokio gegenüber. Mein Lieblingsgebäude auf Odaiba ist das Fuji TV Building. ­Wegen seiner breiten Treppen und Geländer für Sprünge, vor allem aber wegen seiner Architektur. Ein wenig sieht es aus wie eine klobig-futuris­ tische Kommandozentrale aus Sowjetzeiten. Überhaupt bedeutet Odaiba einen Trip in eine Retro-Zukunft. Das geht schon bei der Fahrt mit der führer­losen YurikamomeMono­rail-Bahn entlang der Bucht von Tokio los. Unbedingt den Platz in der ersten Reihe nehmen. Falls der besetzt ist, auf die nächste Bahn warten.“

AUSZEIT IM REGAL-PARKOUR

Ein Buchladen zum Sich-drin-­ Einschließen – nicht nur wegen der Manga-Comics.

„Mein Stil ändert sich mit jedem urbanen Playground.“ Ganz schön abgehoben: Jason bei einem Stunt neben der Shinyuku-Station.

„Wenn ich in Tokio bin, lade ich – wie in jeder anderen Stadt – regelmäßig Videos meiner Freerunning-Sessions auf YouTube hoch. Dazu poste ich auf Instagram und Face­ book. Schon deswegen hänge ich viel vorm Smartphone und am Rechner. Umso lieber gehe ich ab und zu in den Buch­laden Tsutaya T-Side im ­De­sign­viertel Daikanyama. In dem Labyrinth aus Holzregalen steht eine riesige Auswahl an englischen und japanischen Büchern. In einer oberen Etage gibt es eine Sammlung mit 30.000 Vintage-Magazinen. Hier könnte ich mich stunden­ lang einschließen.“ Jason Paul auf Instagram: @thejasonpaul THE RED BULLETIN


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guide Get it. Do it. See it.

ROCK DIE ROCKIES

GREG MIONSKE

Tagsüber Abenteuerspielplatz, nachts Party-Mittelpunkt: Colorados Bergstädte sind der neue Sehnsuchtsort aller Outdoor-Fans, die dieses Jahr nicht schon wieder in die Alpen wollen.  Text EVELYN SPENCE

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Do it

24 STUNDEN Gäbe es die Stadt Boulder nicht schon, man müsste sie erfinden. Zur Ausstattung zählen 300 Sonnentage im Jahr, Wanderrouten, die mitten im Ort beginnen, und fast 500 Kilometer Radwege. Die dazugehörigen Bikes – vom Cruiser bis zum 29er – kann man an ­jeder Straßenecke mieten. „In der Freizeit geht hier jeder raus in die Natur“, sagt PR‑Berater und Ex-Bergführer Eric „Hende“ Henderson. „Wirklich – jeder.“ Einen Tag voller Action beginnt man am besten mit einer Klettertour auf die ikonische Sandsteinformation der Flatirons. Mit einem Guide wie Ben Markhart von der Colorado Mountain School hat man die acht Seillängen des Third Flatiron (Schwierigkeitsgrad: III) zu Sonnenaufgang in der Tasche – und damit den laut PatagoniaGründer Yvon Chouinard „schönsten Einsteiger-Klettersteig der Welt“. Zwischen den Straßenmusikern und Weed-Wolken in der City-Fußgängerzone Pearl Street und dem Eingang zum Rocky Mountain National Park liegt nur eine ­knappe Autostunde. Von hier führt die Ridge Road über die Baumgrenze hinaus auf 3713 Meter Seehöhe. Dort stockt der Atem nicht nur wegen der dünnen Luft, sondern auch wegen des gigantischen Ausblicks auf umliegende Viertausender. Zurück in der Stadt, dürfen die Oberschenkel noch einmal brennen: Der Mount Sanitas belohnt drei Kilometer und knapp 400 Höhenmeter Aufstieg mit herrlicher Abendstimmung.

SCHLAFEN Das A Lodge, ein generalüberholtes Motor Inn am Beginn des Boulder Canyon, ist eine Mischung aus Bergsteiger-Hostel (Slackline Park!) und Hotel (Jacuzzi Suite!). Wer es lieber artsy mag, bucht das Maven Hotel in Denvers schickem neuen Viertel Dairy Blocks. ESSEN Boulders Ray­ back Collective ist eine Art überdimensionales Hof-Fest: mit Food Trucks, 30 verschiedenen Zapf-Bieren, Feuerstelle und Live-Musik. An einer unbefestigten Straße 16 Kilometer ­außerhalb der Stadt versteckt sich das Gold Hill Inn, eine Blockhauspension aus dem Jahr 1872. Besondere Empfehlung: die gebratene Ente in der Euclid Hall in Denver. TRINKEN Die Bitter Bar in Boulder ist eine Kombination aus Spelunke und In-Bar. Wer es urbaner mag, geht in Denver aus – z. B. im Green­ light Lab mit WhiskeyCocktails in Eiskugeln und experimentellem Mobiliar. BADEN Im aus Quellen gespeisten Eldorado Pool planscht man seit 1905 direkt unter Weltklasse-Kletterrouten. WILD CARD Marihuana ist in Colorado legal. Bei Einheimischen besonders beliebt: The Farm in Boulder.

Um Aspen wandert man Aug in Aug mit Vier­ tausendern.

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DIE ROCKIES AN EINEM LANGEN

WOCHENENDE

Wer ein paar Tage Zeit hat, darf sich tiefer ins Hochland vorwagen, wo Einheimische wie die Yoga-Lehrerin Kim Fuller aus Vail oder der Profi-Kanute Ken Hoeve aus Eagle wohnen. „Hier oben kannst du morgens ­biken, mittags wandern und nachmittags Golf spielen“, sagt Hoeve, „dann bleiben ­immer noch ein paar Stunden fürs Kanu­ fahren.“ Der perfekte Start in den Tag ist ein Espresso in der Color Coffee Roastery im verschlafenen Eagle, bekannt für seine Mountainbike-Strecken und den Eagle River Park mit seinen neu eröffneten WildwasserAttraktionen. Vom kleinen Nest Minturn führt der Game Creek Trail zum Game Creek Club – hier wird im Sommer ein unglaublicher Sonntagsbrunch angeboten. Die meisten Ausflügler zieht es aber auf ­einen „14er“ – einen der 14.000-Fuß-Gipfel (= 4267 Meter) der Gegend. Fuller rät ab: „Komplett überlaufen.“ Lohnender ist zum Beispiel der 3952 Meter hohe Mount Sopris im ­Roaring Fork Valley bei Carbon-

ESSEN Jeder in Carbondale liebt das Phat Thai. Im Pine Creek Cook­ house, einer Blockhütte am Fuß der Elk Mountains bei Aspen, stehen Räucherforellen und Elchkoteletts auf der Speisekarte. TRINKEN Im Root and ­Flower in Vail gibt’s 50 Weine glasweise. Die Bread Bar in Silver Plume war anno 1800 eine Bäckerei. Im Hooch, einer Kellerkneipe in Aspen, wird selbst gemachter „Boutique Booze“ gemixt, im Bonfire Brewing in Eagle wählen Biertrinker aus 20 Sorten. BADEN Mit 16 Mineralwasserpools sind die Iron Mountain Hot Springs die In-Location von Glenwood Springs.

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GREG MIONSKE (2), GETTY IMAGES, JACK RICHMOND, BREAD BAR, SHUTTERSTOCK

DIE ROCKIES IN


Rockies, Colorado

Top-Instagram-Motiv: Fliegenfischen in Telluride

Bread Bar in Silver Plume, früher eine Bäckerei

DIE ROCKIES IN

Wer wagt den Sprung in den Devil’s Punchbowl nahe Aspen?

WOHNEN Die Marble Distillery in Carbondale hat auch fünf Zimmer zum Übernachten. Im stillen Hinterland des Vail Pass liegt das Shrine Mountain Inn (mit Sauna), zu Fuß und per Auto erreichbar.

dale (Aspens coolerem, leistbarerem Nachbarn). Oder die Wanderung von ­Aspen nach Crested Butte: vorbei an Wildblumenfeldern und mit einem Fernblick von oberhalb der Baumgrenze. (Zurück geht’s per Shuttlebus.) Kulturinteressiert? Dann verpass keinesfalls die jeweils aktuelle Ausstellung (und die nicht ganz unumstrittene Architektur) des Aspen Art Museum.

Erfrischung gefällig? Dann ab zum Raften in den Big Horn Canyon

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EINER WOCHE Mit anderen Worten: genug Zeit für einen Roadtrip zu stillen Gipfeln und partywütigen Bergstädten! Startpunkt für tolle Stand-up-PaddleTouren ist Salida am Arkansas River. Hier erwarten dich mehr als 50 Rafting-Anbieter und über 100 paddelbare Meilen Wasserstraße. Markhart, unser Guide, liebt den ­Abstieg auf den Grund des 823 Meter tiefen Black Canyon – abgeseilt über die CruiseGully-Route oder zu Fuß über den steilen Wanderweg SOB Gully. Dann geht es weiter nach Crested Butte, einer einstigen Bergbaustadt mit ziemlich eigenem Flair. „Ein bisschen wie am Ende der Welt“, sagt Kim Fuller. Mountainbiker werden am Singletrack 401 Trail glücklich, Kletterer im atemberaubenden Box Canyon von Telluride. Zum Rehydrieren geht’s danach in den Fly Me to the Moon Saloon, in dem schon Phish, Pinetop Perkins und Sheryl Crow aufgetreten sind. Sehenswert ist auch der Million Dollar Highway zwischen Ouray und Silverton, der zum Großteil direkt in die Bergflanken gesprengt wurde. Er endet in Durango, der Heimat der Yoga Happy Hour bei Ska Brewing (60 Minuten Sonnengruß und ein Bier gibt’s hier um 10 Dollar).

SCHLAFEN Das New Sheridan an der Hauptstraße in Telluride wurde in den späten 1800erJahren gebaut, hat aber Whirlpools auf dem Dach und Fußboden­ heizung. Das Dunton Hot Springs, früher eine Geisterstadt, ist ein All-Inclusive-Resort inklusive privater ­Fliegenfisch-Teiche. ESSEN Hol dir TacoPlatten und Tequila bei Bonez in Crested Butte. Im selben Ort kultiviert Tassinong Farms Food & Wine das ganze Jahr über hydro­ ponische Produkte – also Bio-Gemüse und -Salat ohne Erde. TRINKEN Nobel: im New Sheridan mit MahagoniWandverkleidungen und Billardtischen den Mix aus Locals, Touristen und Promis bestaunen. Nicht ganz so nobel: in der Victoria Tavern in Salida, auch Vic genannt, in Erdnussschalen und verschüttetem Fusel waten. BADEN Nur ein paar ­Minuten von Ouray ­entfernt, animiert Canyoning Colorado zum Springen, Schwimmen, Abseilen und Klettern.

Die perfekte Home­ base für alle Aben­teuer auf dieser Seite: Denver/Colorado

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See it

KRATZ DIR DEIN ­VINYL!

Diesen Monat auf Red Bull TV: im Tonstudio mit einem Gitarrenhero, live am Netz mit Beachvolleyball-Stars, im Cockpit mit Rallye-Weltmeistern.

18 August   ON DEMAND

SO SIEHST DU RED BULL TV ÜBERALL

Red Bull TV ist deine ­globale digitale Destination für Entertainment abseits des Alltäglichen, empfangbar rund um die Uhr an jedem Ort der Welt. Geh auf redbull.tv, hol dir die App oder connecte dich via Smart-TV.

ANALOG IN VIENNA: ALBERT HAMMOND JR Im Wiener Supersense Studio müssen ­Musiker Farbe bekennen: Bei der analogen Live-Aufnahme einer klassischen EP kann sich keiner hinter Overdubs und BackingTricks verstecken, denn jeder Ton (auch ­jeder nicht ganz so perfekt getroffene) wird live und direkt ins Vinyl gekratzt. Im Mai stellte sich Strokes-Gitarrist und SoloStar Albert Hammond Jr. vor intimer FanKulisse der besonderen Herausforderung. Den Live-Mitschnitt seiner Session siehst und hörst du auf Red Bull TV.

Alle Infos: redbull.tv

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Ein echter Musiker: Albert Hammond Jr. stellt sich der ­Vinyl‑Aufnahme mit Vintage-Technik.

Der Strokes-­ Gitarrist veröffentlichte im März sein viertes Soloalbum, „Francis Trouble“.

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MARC SCHWARZ/RED BULL CONTENT POOL (2), BERND BORCHARDT/RED BULL CONTENT POOL, JAANUS REE/RED BULL CONTENT POOL, BARTEK WOLINSKI/RED BULL CONTENT POOL, CHRISTELLE DE CASTRO

August / September

Ausgewählte Musik und inspirierende Künstler-Interviews. Aktuelle Empfehlung:

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September   ON

DEMAND

THE FLARE

In diesem Video begleiten die Macher des Kult-Klassikers „Fully Flared“ Skate-Veteranen wie Mike Carroll und Rick Howard, aber auch Newcomer wie Cody Chapman und Yonnie Cruz in Spielfilmlänge durch die Stadt.

LIVE AUS BERLIN

17 25

bis 19. August

LIVE

RALLYE DEUTSCHLAND

Bei der Rallye Deutschland, Station Nr. 9 der World Rally Championship, rasen die weltbesten Fahrer durch die Weinberge des Moseltals. Kann Sébastian Ogier, der ­Sieger von 2016, Vorjahresgewinner Ott Tänak schlagen?

und 26. August

LIVE

MTB-DOWNHILL-WELTCUP Weltcupfinale! In La Bresse im Nordosten Frankreichs liefern sich die Downhiller auf den steilen Almwiesen der Vogesen den Showdown des Jahres – auf einem Kurs, der zuletzt 2011 am Weltcup-Programm stand.

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September  ON AIR

Zurück am Ort, wo alles begann: Fünf Wochen lang (bis 12. Oktober) stehen die beliebtesten Shows auf Red Bull Radio ganz im Zeichen der Red Bull Music Academy, die nach 1998 auch 2018 in Berlin steigt. Zum 20-Jahr-Jubiläum stellen „Peak Time“ mit Vivian Host und andere Sendungen die spannendsten Geschichten und Künstler aus der ­pulsierenden Musikszene der deutschen Hauptstadt vor – und präsentieren die 61 Academy-Teilnehmer aus 37 Ländern.

AUFDREHEN: REDBULLRADIO.COM

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Do it FIT WIE EIN WELTREKORDLER

AUS LIEBE ZUR MONOTONIE Michael Strasser, 35, hält den Rekord für die schnellste Afrika-Durchquerung von Nord nach Süd auf dem Rad. Bevor er Amerika erobert, beschreibt er die wichtigsten Säulen seines Trainings.

Michael Strasser

ist Extremradfahrer. 2016 durchquerte er Afrika von Nord nach Süd (11.000 km) in 34 Tagen und 11 Stunden. Bei seinem neuesten Projekt „Ice2Ice“ fährt er von Alaska nach Patagonien, 23.000 Kilometer am Stück. Alle Infos: strassermichael.at

Tägliche Einheit: Strasser, sein Rad und die Straße

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Strasser setzt auf propriozeptives  Training, also Übungen auf  wacke­ligem Untergrund – etwa einbeinige Kniebeugen auf Bällen.

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Fitness

KÖ R PE R

„Mehr Training ist kein Garant für Erfolg. Es geht um Intensitäten.“ „Ich habe pro Woche 30 Stunden Belastungszeit, aufgeteilt auf zwei bis drei Einheiten am Tag. Dabei muss ich hochintensiv trainieren, um Fortschritte zu machen. Am Rad bedeutet das: Kraft­ intervalle mit wenigen Umdrehungen.“ „Radfahren allein ist zu wenig, ich setze auf Abwechslung: Laufen, Schwimmen, Stabilisationstraining. Mein Tipp: ab in den Wald! Klimmzüge auf Ästen, Baumstumpf­ tragen – die Natur bietet ein ideales Gym.“ „Ich bin ein großer Fan von Partnertraining. Man pusht sich gegenseitig, und ein Part­ ner besser ist als jede Hantel. Ich nehme meine Freundin oft auf den Rücken und mache mit ihr Kniebeugen. Das macht Spaß und sorgt für mehr Muskelreize, ­zumal sie sich obendrein noch bewegt.“

R EG E N E R ATI O N

MARKUS FRÜHMANN (2), CRAIG KOLESKY/NIKON/LEXAR, LUPI SPUMA, GETTY IMAGES (2) CHRISTIAN EBERLE ABASOLO

„Ausruhen während der Tour? Da geht es nur um Schadensminimierung.” „Nach jedem Lauf muss ich die Beine eis­ kalt ab­duschen, weil ich leicht Entzündun­ gen an der Schienbeinkante bekomme. Im Sommer laufe ich zum Brunnen auf der Wiener Strudlhofstiege und setze mich ins eiskalte Wasser. Deswegen bin ich zwar auf hunderten Fotos japanischer Touristen, doch es wirkt einfach Wunder.“ „Physiotherapie ist fixer Bestandteil des Trainings, ebenso wie eine Stunde Schlaf nach der ­Vormittagseinheit.“

ZAUBERKNOLLE „Ingwer ist ein ent­ zündungshemmendes Gewürz. Seit J­ ahren nehme ich daher immer ein Stamperl Ingwer-Extrakt vor dem Schlafengehen.“

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G E I ST

„Du musst dein Hirn aus­tricksen.“ „Auf dem Rad versuche ich mich selbst zu  über­listen. Ich denke nicht an die 23.000 Kilometer, die vor mir liegen, sondern nur an die nächsten 100. Und an den Energieriegel, den ich mir gönne, wenn ich sie erreicht habe.“ „Während der Fahrt suche ich den Flow­ zustand. D ­ abei genieße ich die Mono­ tonie. Ich komme gut mit mir allein aus. Und wenn ich Motivation brauche, denke ich an die positiven Zusprüche. An Men­ schen, die meinetwegen mit dem Rad­ fahren begannen. An meine Mission als UNO-Botschafter. Und an das einzig­ artige Gefühl nach Ende der Afrika-Tour.“

POWERFRAU „Fühle ich mich schlecht, ­denke ich an Sarah, meine Mitbewohnerin (oben), die an ALS leidet. Wie tapfer sie damit umgeht, erdet mich.“

E R NÄH R U N G

„Ein Brei hält meinen ­Blutzuckerspiegel stabil.“ „Abends setze ich mir aus Haferflocken, Lein­samen, Quinoa und Reismilch einen Brei für den nächsten Tag an. Der sorgt für einen gleich­bleibenden Blutzuckerspiegel.“ „Nur wer etwas Hochwertiges einfüllt, kann hochwertige Leistung bringen. In der Formel 1 käme auch keiner auf die Idee, Kerosin zu ver­wenden, weil es das Billigste ist. Deshalb esse ich saisonale Produkte, selbst angebautes Gemüse, selbst ge­ backenes Brot und Fleisch aus Biohaltung.“ „Wenn ich irgendwo unterwegs bin, kommt es schon vor, dass ich mir ein Croissant gönne. Aber zwei Stunden später frage ich mich, was das für ein arges Zeug war. Und merke es mir wieder für zwei Monate.“

EINFACH GUT „Ich liebe geröstete ­Kartoffeln mit Eiern und ein bisschen Öl darüber. Ein einfaches Essen, aber die perfekte Kombination von Kohlenhydraten und ­Proteinen. Und hochwertiges ­Walnuss- oder Leinöl sorgt für die Omega-3-Fettsäuren.“

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Do it

1

September Red Bull Ridges Sich mit den Besten messen – bei Gratwanderungen im Blitztempo! Einen Monat lang haben Bergläufer noch die Chance, gegen die Stars Rémi Bonnet und Fernanda M ­ aciel anzutreten. Wer sich über das Sport-Netzwerk Strava einklinkt, erfährt, wie schnell die beiden in der Vorbereitung waren, und kann dank Tracking gegen sie antreten – am Moléson (FR) und am Hohen Kasten (AI). Moléson, Hoher Kasten; strava.com, redbull.com/ridges

1

und 2. September Powerman Duathlon 10 km laufen, 150 km Rad fahren, noch einmal 30 km laufen – die Langdistanz beim Powerman Duathlon in Zofingen bringt die Teilnehmer der jährlichen Weltmeisterschaften an ihre Grenzen. 2018 feiert der weltweit wichtigste Duathlon sein 30-JahrJubiläum. Den Streckenrekord hält der Belgier Joerie Vansteelant mit 6:07:15 Stunden. Rekordsieger ist aber ein Schweizer: Oli­vier Bernhard gewann bereits achtmal. Zofingen; powerman.ch

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bis 15. September Perskindol Swiss Epic Ein Radrennen durch die Walliser Alpen mit traumhaften Ausblicken und grandiosem Finale: Das Swiss Epic führt in fünf Etappen über 322 Kilometer und tausende ­Höhenmeter nach Zermatt am Fuße des Matterhorns. Gestartet wird das MTB-Rennen für ambi­tio­­ nierte Amateure und Profis auf der Bettmeralp am Aletschgletscher auf 1948 Meter Seehöhe. Bettmeralp; swiss-epic.com

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bis 25. August Eine Frau, der das Wasser bis zum Hals steht? Keineswegs – Evelinn Trouble (Bild) gilt als eine der ungewöhnlichsten und aufregendsten Erscheinungen des Schweizer Pop. Sie ist an Tag 4 des Openair zu sehen, das im Vorjahr 80.000 Besucher anzog. Weitere Acts: ­Imagine Dragons, The Vaccines, Kendrick Lamar, Charlotte Gainsbourg, Incubus, Justice, Liam ­Gallagher, Alt-J und Die Antwoord. Glattbrugg, Zürich; zurichopenair.ch

29

September Red Bull BC One World Final 16 Finalisten treten im Hallenstadion von Zürich um den Titel des besten B-Boys und besten B-Girls der Welt an. 15 werden von einer Jury ausgewählt, um den letzten freien Platz kämpfen die Sieger der 28 Länder­ bewerbe. Vor dem Finale gibt es ab 27. 9. das Red Bull BC One Camp im Komplex 457, wo sich alles um die Welt des Hip-Hop dreht – mit Workshops, Battles und Lectures. Hallenstadion Zürich; redbull.com/bcone

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RETO SCHMID, LITTLE SHAO/RED BULL CONTENT POOL, BARTEK WOLINSKI/RED BULL CONTENT POOL

ZÜRICH OPENAIR


August / September

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bis 9. September UCI Mountain Bike World Championship Die 2,5-Kilometer-Downhillstrecke – geplant von MTB-Legende Steve Peat – ist standesgemäß schnell, raffiniert und bietet jede Menge spektakuläre Sprünge; die Cross-Country-Strecke steht ihr um nichts nach. Neben den Rennen der Mountainbike-Stars gibt es viele Events wie Diskussionen über die Zukunft des Bike-Sports und Konzerte. Lenzerheide; lenzerheide2018.ch

13

bis 16. September Digital Festival Hacker und Manager, Wissenschaftler und Programmierer treffen einander, um bestehende Strukturen neu zu denken. Das Ziel: neue Chancen für Wirtschaft und Gesellschaft zu erkennen. Im Rahmen­programm spielt das Zürcher Kammerorchester Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ als Digital­ symphonie 2.0. – in einer Kon­ frontation mit Techno-Beats. Schi≠bau, Technopark, Zürich; digitalfestival.ch

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15

September Red Bull Music 3Style Innerhalb von 15 Minuten ­Publikum und Jury zu be­ geistern ist das Ziel aller DJs, die am Red Bull Music 3Style teilnehmen. Vor dem Finale in Taipeh (Taiwan) gibt es eine weitere Vorentscheidung in Basel. Wichtigster Tipp: Originalität ist für die Juroren von entscheidender Bedeutung. Das Viertel, Basel; redbullmusic3style.com

22

September Chasing Cancellara Fabian Cancellara, 37, genannt Spartacus, ist Olympiasieger, Welt­meister und Gewinner von drei der fünf „Monumente des Radsports“. Seit dem Rücktritt 2016 lädt die Schweizer Legende Radfahrer (Amateure bis Semiprofis) zu Rennen. Zum letzten Mal in diesem Jahr auf der 16,7-Kilometer-Strecke von Lugano nach Carona. Lugano; chasingcancellara.com

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IMPRESSUM SCHWEIZ

THE RED BULLETIN WELTWEIT

Aktuell ­erscheint The Red Bulletin in sieben Ländern. In der US-Ausgabe begleiten wir Hip-HopPhilosoph Zaytoven durch seine Heimatstadt Atlanta. Mehr Storys abseits des Alltäglichen gibt’s auf: redbulletin.com

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Chefredakteur Alexander Macheck Stv. Chefredakteure Waltraud Hable, Andreas Rottenschlager Creative Director Erik Turek Art Directors Kasimir Reimann (Stv. CD), Miles English Head of Photography Fritz Schuster Deputy Head of Photography Marion Batty Photo Director Rudi Übelhör Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Redaktion Arek Piatek, Stefan Wagner Freie Mitarbeiter Werner Jessner, Alex Lisetz Grafik Marco Arcangeli, Marion BernertThomann, Martina de Carvalho-Hutter, Kevin Goll, Carita Najewitz Fotoredaktion Susie Forman, Ellen Haas, Eva Kerschbaum, Tahira Mirza Global Head of Media Sales Gerhard Riedler Head of Media Sales International Peter Strutz Head of Publishing Development & Product Management Stefan Ebner Country Management & Marketing Sara Varming (Ltg.), Magdalena Bonecker, Julia Gerber, Kristina Hummel, Melissa Stutz Head of Creative Markus Kietreiber Creative Solutions Eva Locker (Ltg.), Verena Schörkhuber, Edith Zöchling-Marchart Commercial Design Peter Knehtl (Ltg.), Sasha Bunch, Simone Fischer, Martina Maier Anzeigendisposition Andrea Tamás-Loprais Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter O. Sádaba, Friedrich Indich, Michael Menitz (Digital) Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailović, Maximilian Kment, Josef Mühlbacher Herstellung Veronika Felder Office Management Yvonne Tremmel IT Systems Engineer Michael Thaler Abo und Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Klaus Pleninger (Vertrieb), Nicole Glaser (Vertrieb), Yoldaş Yarar (Abo) Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Web www.redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 General Manager & Publisher Andreas Kornhofer Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Gerrit Meier, Dietmar Otti, Christopher Reindl

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P RO M OT I O N

must-haves

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4 1 VERTRAUT DEM MARKTFÜHRER

Gestaltet euer nächstes Mikroabenteuer mit GIBBON. Werdet Teil der grössten Slackline-Commu­ nity der Welt. Von Profis entwickelt, ist die Jibline ideal für den Einstieg ins Slack­ lining und erlaubt selbst ­ambitionierten Slacklinern Vielseitigkeit im Tricklining. Das hochwertige Design ­bietet sichere Anwendung und einfachen Aufbau. Jetzt erhältlich bei: ochsnersport.ch

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2 CLOUDBURST 15 VON EXPED

Wasserdichter, federleichter Rucksack mit Rollverschluss für den Alltag. Der Cloudburst 15 schafft den Spagat zwischen wasserdichtem Packsack und Leichtrucksack mit 15 Liter Volumen. Er eignet sich bei jedem Wetter bestens für den ­täglichen Kleineinkauf, als Zweitreiserucksack, für den Stadtbummel oder den Gang ins Schwimmbad. ­Erhältlich im Outdoor- und Bergsport-Fachhandel. Mehr Infos unter: exped.com

3 ECHTE SOUL-PERLEN Jen Dale hat ein Album kreiert, das mal melan­ cholisch, dann wieder tanzbar ist und immer eine gewisse Nähe schafft. «Closer Distance» be­ inhaltet Soul-Perlen, die ehr­liche Worte zu Em­pathie, Verzweiflung, Identitäts­krise, Liebe, Selbstlosigkeit und Hoffnung finden und durch Jen Dales unverwechsel­ bare Stimme glänzen. jendalemusic.com

4 REVERSO

Die zerlegbare Jolle Reverso befreit Sie kompromisslos von den Beanspruchungen des Segelns, die manchmal auf Kosten der Freude überhandnehmen. Ihr Einzigartig­ keit besteht darin, dass sie im zerlegten Zustand nur ­einen Kubikmeter Stauraum benötigt. Kein eigener Platz am Festland ist nötig: Verstauen Sie Ihre Reverso ganz einfach und montieren Sie sie dank ihrer vereinfachten ­Takelage in weniger als zehn Minuten. Mehr Infos auf: skippers.ch/reverso

5  -ID CUSHION QUARTER CREW SOCKS

Schweissableitender Tragekomfort und gepolstertes Laufgefühl: die -ID Cushion Quarter Crew Laufsocken mit strategisch platzierter Dämpfung bieten hervor­ ragenden Aufprallschutz. Das -ID Gewebe hält die Füsse trocken und bietet einen hohen Tragekomfort. Die -ID Cushion Quarter Crew Socks sind seit Juni 2018 offiziell bei SOL-ID am Klosterplatz in Solothurn und online erhältlich. sol-id.ch

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GUI D E

Action-Highlight

Makes you fly

Swiss Skyrunner

Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 11. September 2018 98

THE RED BULLETIN

ALEXIS BERG

Ein Marathon durch Schlamm, Stein und Nässe – mit 5472 zu überwindenden Höhen­metern: Der Lauf von Zegama nach Aizkorri im spanischen Baskenland ist einer der härtesten Trail Runs der Welt. Sieger 2018: der Schweizer Rémi Bonnet (oben: Zielfoto). Rémis Mentaltrick: „Berge sind Kraftspender. Beim Laufen sauge ich ihre Energie auf. Das lenkt von den Strapazen ab.“


R U O Y GET ICKET NOW T

UCI MOUNTAIN BIKE WORLD CHAMPIONSHIPS PRESENTED BY MERCEDES-BENZ

5.- 9. SEPTEMBER 2018 www.lenzerheide2018.com

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* Marco Polo ACTIVITY 200 d, lang, 136 PS (100 kW), Barkaufpreis: CHF 41 600.– (Fahrzeugwert CHF 47 162.– abzüglich CHF 5562.– Kundenrabatt und Retailprämie). Inkl. MERCEDES-SWISS-INTEGRAL (3 Jahre Garantie und 10 Jahre Gratis-Service, beides bis 100 000 km – es gilt das zuerst Erreichte). 6,9 l/100 km (Benzinäquivalent: 7,9 l/100 km), 183 g CO2/km (Durchschnitt aller verkauften Neuwagen: 133 g CO2/km), CO2-Emissionen aus Treibstoffherstellung: 31 g/km, Energieeffizienz-Kategorie: F. Abgebildetes Modell: Marco Polo HORIZON 200 d, lang, inkl. Sonderausstattungen (7,5 x 18" Leichtmetallräder, Colorverglasung, Lackierung brillantsilber metallic, LED Intelligent Light System), Barkaufpreis: CHF 53 500.–. Angebot gültig bis 30.9.2018. Immatrikulation bis 31.12.2018. Unverbindliche Preisempfehlung. Änderungen vorbehalten. ** V-Klasse 200 d, kompakt, 136 PS (100 kW), Barkaufpreis: CHF 42 600.– (Fahrzeugwert CHF 50 458.– abzüglich CHF 7858.– Kundenrabatt und Retailprämie). Inkl. MERCEDES-SWISS-INTEGRAL (3 Jahre Garantie und 10 Jahre Gratis-Service, beides bis 100 000 km – es gilt das zuerst Erreichte). 6,9 l/100 km (Benzinäquivalent: 7,9 l/100 km), 183 g CO2/km (Durchschnitt aller verkauften Neuwagen: 133 g CO2/km), CO2-Emissionen aus Treibstoffherstellung: 31 g/km, Energieeffizienz-Kategorie: F. Abgebildetes Modell: V-Klasse AVANTGARDE 200 d, lang, inkl. Sonderausstattungen (Sport-Paket, 8,0 x 19" Leichtmetallräder, Dachreling aus eloxiertem Aluminium, Lackierung cavansitblau metallic, Colorverglasung, Panoramadach), Barkaufpreis: CHF 58 100.–. Angebot gültig bis 30.9.2018. Immatrikulation bis 31.12.2018. Unverbindliche Preisempfehlung. Änderungen vorbehalten.

Zwei, die Job und Freizeit unter ein Dach bekommen. Der Marco Polo und die V-Klasse. Perfekt für die Fahrt ins Büro – und ins Blaue. Während Ihnen die V-Klasse ein geräumiges Interieur für bis zu acht Personen bietet, ist der Marco Polo mit einer komfortablen Schlafmöglichkeit ausgestattet und macht jedes Abenteuer mit. Mehr erfahren Sie bei Ihrem Mercedes-Benz Partner oder unter www.marcopolo-vclass.ch

Die Marco Polo Familie bereits ab:

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CHF 41 600.–* CHF 42 600.–** Inklusive 10 Jahren Gratis-Service und 3 Jahren Vollgarantie


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