DEUTSCHLAND AUG./SEPT. 2018, € 2,50
ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN
LERNEN VON BJÖRK UND IGGY POP Kreativitäts-Tipps aus 20 Jahren Red Bull Music Academy
SPRING! So besiegt Cli≠-Diverin Anna Bader die Angst
HALS
ÜBER KOPF Freerunner JASON PAUL zeigt seine zweite Heimat Tokio aus der Superhelden-Perspektive
p: Adrian Marcoux
Introducing Int n rodu nt d cing du g th tthe he Sessio Session. Finally, protection as progressive as you are. The Session helmet features KoroydÂŽ crumple zone cylinders that convert and absorb more kinetic energy on impact than traditional materials. Demand Smith with KoroydÂŽ.
p: Adrian Marcoux
EDITORIAL
Über Außentreppen hinauf auf Flachdächer, über Masten auf Straßenampeln hinauf, über Mauern in Hinterhöfe hinüber: Freerunner Jason Paul entdeckt Städte mit anderen Augen (und Beinen) – und ist deshalb der per perfekte Guide für alle, die Metropolen abseits der üblichen Touristenpfade kennenlernen wollen. Ab Seite 28 gibt der gebürtige Frankfurter seine (allen zugänglichen) Empfehlungen für seine zweite Heimat Tokio, wo der Weltenbummler immer wieder für längere Zeit lebt.
Fotograf Sam Kweskin porträtiert Morghan King, eine US-amerikanische Athletin, die von CrossFit zu Gewichtheben wechselte und bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro prompt auf dem sechsten Platz landete.
Steil hinab geht es für Anna Bader Bader, und das findet sie gut so: Als Klippenspringerin gehört das schließlich zum Job-Profil. Ab Seite 48 erklärt die Weltklasse-Athletin, woher sie den Mut nimmt, sich in die Tiefe zu stürzen. Und ab Seite 82 erklärt Red Bull E-Sport-Profi Cihan Yasarlar, wie jeder zum besseren Gamer wird. Yasarlar
MIT AN BORD IN DIESEM HEFT
SIMON SCHREYER
„Music Matters“ hieß eine OnlineSerie, die der österreichische Autor Simon Schreyer („Der Standard“ etc.) über die Red Bull Music Academy schrieb. Zum 20. Geburtstag der globalen Musikinstitution suchte er im Archiv der RBMALectures nach den besten Kreativitäts-Tipps der Musikgrößen. „Die Vorträge stecken voller Ratschläge, die auch für Nichtmusiker gelten“, schwärmt Schreyer. Ab Seite 56
MIKO LIM
Seine Spezialität: Sport-Fotografie. Seine frühere Heimat: Tokio. Damit brachte Miko Lim (porträtierte u. a. schon Fußballstar Lionel Messi) beste Voraussetzungen mit, um Freerunner Jason Paul für unsere Titelstory in Japans Hauptstadt zu inszenieren. Gemeinsam zogen die beiden durch die Mega-Metropole, und es entstand ein kleiner Stadtführer, der die Schwerkraft weitgehend ignoriert. Ab Seite 28
Viel Spaß beim Lesen! Die Redaktion
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THE RED BULLETIN
MIKO LIM (COVER JASON PAUL), TOTTO RENNER (COVER ILLUSTRATION)
ENDLICH STEILGEHEN
So gut kann Erfrischung schmecken.
INHALT August
FEATURES
28 Abheben in Tokio
Freerunner Jason Paul führt uns durch seine zweite Heimat.
38 Mit 4 Euro um den Globus Welt-Umradler Ben Page verrät seine Low-Budget-Tipps.
40 Hoch die Scheiben!
Frauen sind im Gewichtheben offenbar besser als Männer.
48 It’s Spring-Time
Cliff-Diverin Anna Bader erklärt, woher sie ihren Mut nimmt (und wann sie eine Angsthäsin ist).
56 Kreativ wie Iggy und Björk Zum 20-Jahr-Jubiläum der Red Bull Music Academy: die besten Kreativ-Tipps internationaler Musikgrößen
62 Mit Yoga zum Lauf-Ass Akrobatik und Freude statt Nur-gewinnen-Wollen.
64 Laia besiegt die Männer KTM-Fahrerin Laia Sanz zeigt bei der Rallye Dakar auf.
68 All You Need Is Love
… ist das Erfolgsrezept von Uhren-Papst Jean-Claude Biver.
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SCHWERELOS
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Freerunner Jason Paul zeigt uns die ganz persönlichen Lieblingsplätze seiner Wahlheimat, der Mega-Metropole Tokio.
DIE METHODE BJÖRK
Musikstars beschreibeschrei ben, mit welchen Strategien sie ihre Kreativität beflügeln.
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THE RED BULLETIN
BULLEVARD Life and Style Beyond the Ordinary
9 BMX-Profis im Spiegelkabinett 12 Ein Burger aus Mehlwürmern 14 Wie Lennny Kravitz gelernt
hat, über Sex zu schreiben
16 Red Bull Illume-Traumfoto:
im Flug über einen Vulkan
18 Volleyballerin Margaretha 20 22 24 26
Kozuch über ihren Neustart So nimmst du jede Hürde: Tipps von Kletterin Angy Eiter Serienstar Shailene Woodley: „Jeder Tag birgt Abenteuer“ Die unzerstörbare Ukulele Das schwärzeste Schwarz
GUIDE
Get it. Do it. See it. 77 Reise-Special: Rocky Mountains 80 Highlights auf Red Bull TV 82 Special: 10 Jahre Gamescom 86 Fit wie ein Weltrekordler 88 Save the Date: Event-Kalender 90 Kolumne Marcel Reif 97 Impressum
EMILY IBARRA, SANTIAGO FELIPE/RED BULL CONTENT POOL, SAM KWESKIN
98 Das Action-Foto des Monats
40 FRAUEN, GANZ STARK
Frauen entdecken das Gewichtheben – und siehe da, sie haben den Männern einiges voraus (sagt die Forschung).
THE RED BULLETIN
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CH-BIO 004 EU/NICHT-EU Landwirtschaft
BULLEVARD L I F E & S T Y L E A B S E I T S D E S A L LTÄ G L I C H E N
Courage Adams (Bild) und Paul Thölen befuhren mit ihren Bikes eine Welt ohne optische Anhaltspunkte.
SEBAS ROMERO/RED BULL CONTENT POOL
WERNER JESSNER
DAS KABINETT DES DR. COURAGE
Sich in einem Spiegelkabinett auf zwei Beinen in zwei Dimensionen zu orientieren ist schwierig genug. Was aber, wenn man es auf zwei Rädern in drei Dimensionen versucht? Zwei BMX-Fahrer haben es herausgefunden – auf die harte Tour.
THE RED BULLETIN
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„ICH WUSSTE NICHT MEHR, WAS NOCH RAMPE UND WAS SCHON WAND IST.“
Paul Thölen: „Das Gehirn baut sich seine eigene Karte der Umwelt.“
Altes Neuland für Courage Adams: „Ich kannte die Halle, doch mit Spiegeln sah alles ganz anders aus.“
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st das noch fester Boden unter den Rädern oder schon Luft? Ist das eine Wand oder bloß die Illusion einer Wand? Bin das ich auf dem Rad, und wenn ja, wie oft? Wie schafft es das Gehirn, sich in einer Welt zu orientieren, in der kein optischer Reiz als verlässlich angenommen werden kann und man keine Zeit hat, es langsam heraus zufinden? Zwei der aktuell weltbesten BMXRider, nämlich Courage Adams, 22, aus Spanien und Paul Thölen, 19, aus Deutsch land, machten in der Nähe von Pamplona in Nordspanien die Probe aufs Exempel. Dazu wurde ein Stateof of of theArtBMXPark komplett mit biegsamen Spiegeln aus Kunststoff verkleidet und so ausgeleuchtet, dass ein perfektes Spiegelkabinett für zwei Räder entstand: Was ist tatsächlich echt, was tut nur so? „Alles sah gleich aus“, so Paul Thölen. Nach sechs Monaten Vorbereitung musste ein einziger Tag Training in der verspiegelten – und äußerst rutschigen – Anlage reichen, um in zwei Tagen einen fehlerfreien 90Sekun denClip mit einer Vielzahl an Tricks zu drehen. „Wir mussten echt schnell lernen“, sagte Courage Adams. „Ich kannte die Halle zwar bereits von früheren Trainings, natürlich ohne verspiegelten Untergrund. Doch nun sah auch für mich alles ganz
anders aus. Der erste Tag war wirklich hart. Ich hatte Pro bleme mit der Orientierung, und mir war schwindlig.“ Das menschliche Auge braucht konkrete Anhaltspunkte, da mit das Gehirn seine Position in der Umgebung berechnen kann. Wenn die fehlen, müssen Stück für Stück neue Sinneseindrücke verarbeitet, ausgewertet und einberechnet werden: Geräusche, Körper position, auch die Erfahrung, welche Spiegelungen wichtig sind und welche folgenfrei ignoriert werden dürfen. Die Rider mussten lernen, den Park weniger mit den Augen als vielmehr mit dem gesam ten Körper wahrzunehmen, ihn zu spüren. Manchmal sogar im wort wörtlichen Sinn, wie Paul Thölen schmerzvoll heraus finden musste, als er Bekannt schaft mit dem Untergrund machte: „An diesem einem Punkt wusste ich tatsächlich nicht mehr, was noch Rampe und was schon Wand war. Die eigentliche Schwierigkeit in einem solchen Umfeld ist es, Spiegelungen auszublenden und sich nur auf den Unter grund zu konzentrieren. Es ist irre hart, die Entfernungen korrekt abzuschätzen. Deine Bewegungen müssen so präzis sein wie in jeder Halle mit guten Kontrasten.“ Interessant war, wie sich der Geist auf die neuen Bedingungen einstellte: „Stück für Stück bildete sich eine innere Karte in meinem Kopf. Ich wusste, welcher Punkt sich wie anfühlt. Damit wurde alles leichter.“ Und doch waren das zwei unglaublich intensive, auch geistig anstrengende Tage, nach denen die Jungs froh waren, mit ihren Bikes wieder vertrauten, kontrastreichen Boden zu befahren. Die Er innerung an eine Zeit, in der man den eigenen Sinnes organen nur beschränkt trauen konnte, sind trotzdem positiv: „Wir haben bewiesen, dass man in einer verspiegel ten Welt dreidimensionale Tricks machen kann.“ win.gs/mirrorpark THE RED BULLETIN
SEBAS ROMERO/RED BULL CONTENT POOL
WERNER JESSNER
BULLEVARD
Welcher der beiden Paul Thölen wird gleich welche Landung treffen? Eine Herausforderung auch für die Fotografen THE RED BULLETIN
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BULLEVARD
Smart Food
BUG-BURGER
DA IST DER WURM DRIN
In 80 Prozent aller Länder werden Insekten gegessen. Eine Portion gesundes Käferprotein würde auch unseren Speiseplan durchaus bereichern.
Die gute Nachricht: Dieser Burger könnte das Überleben der Menschheit sichern. Die gewöhnungs bedürftige: Er ist aus Insekten gemacht.
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VEGGIE-HOTDOG Spirulina, die gesunde Alge im Brötchen, wäre laut UNO „das ideale Nahrungsmittel für die Menschheit“. Mit einem KräuterGurken-Salat, der in Hydrokultur angebaut wurde, schmeckt das Ganze auch recht passabel.
THE RED BULLETIN
KASPER KRISTOFFERSEN/SPACE10
Insekten mehr Protein und weniger Fett als Fleisch. Kerbtiere sind aber nicht die einzige Besonderheit dieses Burgers: 80 Prozent des Laib chens bestehen aus Pastinaken, Kartoffeln und Roter Beete, das Ketchup aus Johannis beeren, der Salat stammt aus Hydrokultur. Will man doch keine Krab beltiere, kann man auch zum fleischlosen Hotdog greifen: mit Wurst aus Babykarotten, Rüben und einem Brötchen aus Spirulina, einer Mikroalge. Für die kleine Ernährungs sünde zwischendurch taugen FastfoodRestaurants der Zukunft wohl nicht mehr. space10.io
TOM GUISE
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ätten wir doch nicht nachgefragt, was genau drin ist. Die Macher dieses Burgers gaben nämlich bereitwillig Auskunft: Mehlwürmer, die Larven des Mehlkäfers. Gebraten wurde das Teil nicht vom Schnell imbiss gegenüber, sondern vom IkeaForschungslabor „Space10“ – als nachhaltige Möglichkeit zur Ernährung der übervölkerten Welt der Zukunft. Das Engagement des FleischbällchenRestau rants mit angeschlossener Möbelabteilung ist angezeigt: Laut UNO brauchen wir in den nächsten 35 Jahren 70 Prozent mehr Nahrung als heute. Laborfleisch wäre eine Lösung, einfacher ginge es aber mit Insekten: Sie ver ver werten Futter 20mal mal so ef effi zient – und werden schon jetzt in 80 Prozent aller Länder ge gessen. Außerdem enthalten
EXPERIENCED DRIVER DEPICTED
WHAT AR E YOU BUILD ING FOR?
E N T S TA N D E N AU S E R FA H RU N G … GESCHAFFEN FÜR ECHTE ABENTEUER BFGO ODRICH.COM/KM3
Lenny Kravitz
„PRINCE ZEIGTE MIR, WIE MAN ÜBER SEX SCHREIBT“
Superstar Lenny Kravitz über die besten fünf Songs von Prince.
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m Juni wäre Prince 60 Jahre alt geworden. Busenfreund Lenny Kravitz, der seit 1990 regelmäßig mit ihm aufgenommen und gejammt hat, nutzt deshalb sein neues, elftes Album „Raise Vibration“ (erscheint am 7. September), dem Genie aus Minneapolis Tribut zu zollen. Mit knalligen Songs zwischen klassischem Soul und Funk, die dem 2016 verver storbenen Musiker gut zu Gesicht gestanden wären. Für The Red Bulletin hat Lenny seine fünf persönlichen Prince-Lieblingssongs kommentiert. lennykravitz.com
Eine seiner genialen Ideen war, eine weibliche Schlagzeugerin einzusetzen – nämlich Sheila E. Diese Idee habe ich für meine Live-Band abgeschaut, weil eine Drummerin anders spielt als ein Mann. Sie ist sinnlicher. Es ist ein ganz anderer Vibe.“
„HEAD“ (1980)
„MOUNTAINS“ (1986) „Ein großer Song seines Albums ‚Parade‘. Für mich ist die Platte Prince’ Version des BeatlesMeisterwerks ‚Sgt. Pepper‘ – ein Album, mit dem er sich selbst übertroffen hat, weil es so vielseitig und visionär war. Damit hat er Europa erobert – und den Soundtrack zu einer glücklichen Zeit in meinem Leben geliefert. Ich war damals mit Lisa Bonet zusammen. Wir hörten diesen Song immer und immer wieder. Mehr verrate ich nicht …“
„LADY CAB DRIVER“ (1982)
„CONTROVERSY“ (1981)
„POP LIFE“ (1985) „Dieses Stück hat einen Wahnsinns-Groove und eine unglaubliche Melodie. Es entstand während der Sessions zu ‚Purple Rain‘, als Prince auf dem absoluten kreativen Höhepunkt war. 14
„Dieses Stück habe ich mit sechzehn entdeckt. Es war meine erste musikalische Begegnung mit Prince – und eine, die mich für mich immer geprägt hat. Denn ich dachte mir: ‚Wie kann man einen Song schreiben, in dem es so offensichtlich um Oralsex geht? Wie kann man nur so frech sein?‘ Heute weiß ich die Antwort: Wenn man schon über Sex schreibt, dann auch richtig. Im Sinne von aufrichtig, ehrlich und explizit.“
„Ein gestreckter Mittelfinger an seine Kritiker. Er hat nicht verstanden, was so schlimm daran sein soll, über Liebe und Lust zu singen. Über normale menschliche Bedürfnisse. Und er sah darin keinen Widerspruch zu seinem Glauben. Deswegen das ‚Vaterunser‘ im Mittelteil, was extrem mutig war. Es hat mir gezeigt, dass man als Songwriter Stellung beziehen und seine Meinung zum Ausdruck bringen muss – und nichts anderes.“
„Der einzige Song, bei dem sich Prince von mir hat inspirieren lassen. Scherz beiseite, ein Song von mir hieß tatsächlich ‚Mr. Cab Driver‘, allerdings erschien er erst sieben Jahre später. Inhaltlich sind die zwei Stücke durchaus verwandt. Wir verwenden beide den Taxifahrer als Metapher für den Zeitgeist. Bei ihm ist ‚er‘ aber eine Sie, außerdem gibt’s eine Sexszene. Genial!“
THE RED BULLETIN
BULLEVARD
MATHIEW BITTON
FLORIAN OBKIRCHER
Mit 40 Millionen verkauften Alben ist Lenny Kravitz einer der erfolg reichsten Rock musiker überhaupt.
THE RED BULLETIN
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Flug-Show: die österreichischen Skydiver Dominic Roithmair und Marco Fürst über dem Vulkan Bromo in Ost-Java, Indonesien
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THE RED BULLETIN
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Red Bull Illume
TOM GUISE
FLAGGEN-FLUG
SERGE SHAKUTO/RED BULL ILLUME
Dieses Traumfoto entstand unter nicht ganz ungefährlichen Be dingungen. Und das nicht nur, weil die Österreicher Marco Fürst und Dominic Roithmair vom Red Bull Skydive Team dafür mit einer indonesischen Flagge über dem Vulkan Bromo im Osten Javas absprangen. „Der Hubschrauber musste an seine Grenzen gehen“, sagt Fotograf Sergey Shakuto, der dieses Foto bei seinem ersten SkydivingProjekt im Jahr 2015 schoss. „Schon der Landeplatz lag auf 2100 Meter Seehöhe, und wir mussten die Athleten in der dünnen Luft erst zu ihrem Absprungpunkt bringen.“ Doch der Auf wand lohnte sich: Das Foto schaffte es unter die 275 Finalisten des Fotowettbewerbs Red Bull Illume, der derzeit um die Welt tourt. redbullillume.com; instagram.com/shakuto
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Margareta Kozuch
In der Halle gewann Volleyball-Profi Margareta Kozuch die Champions League. Dann wechselte sie in den Sand. Hier erklärt sie, warum sie mitten in ihrer Karriere den Neustart wagte.
Immer in der ersten Reihe: Als Blockspielerin lauert Margareta direkt am Netz.
T
he red bulletin: Margareta, als du Ende 2016 zum Beachvolleyball gewechselt bist, hattest du in der Halle zweimal EM-Silber und im Verein die Champions League gewonnen. Warum hast du diese Erfolgsstory abgebrochen? margareta kozuch: Ehrlich gesagt spukte Beachvolley ball schon länger in meinem Hinterkopf. Da ich natur verbunden bin, begeisterte es mich, unter freiem Himmel zu spielen. Und dann kam die Chance, auf hohem Niveau einzusteigen, weil meine heu tige Partnerin Karla Borger eine neue Mitspielerin suchte und ich noch bei keinem Ver Ver ein unterschrieben hatte. Vielen würde schwerfallen, einen Job, in dem sie erfolgreich sind, aufzugeben. Ging mir ganz genauso. Als
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die Anfrage kam, habe ich einen Monat hin und her überlegt. Mir war klar, dass ich meine Weggefährten aus der Halle für ein Abenteuer verlassen würde, von dem ich nicht wusste, ob es gut geht. An einem Morgen wachte ich auf und dachte mir: „Ich wechsle zum Beachvolley ball“, am nächsten: „Ich bleibe in der Halle.“ In dieser Zeit haben mir Gespräche mit Freunden und das Meditieren sehr geholfen. Meditieren? Ja, das mache ich schon länger, am liebsten jeden Tag. Im ersten Moment hätte ich das Angebot vielleicht ab gelehnt, schon aus Angst, auf das Gehalt eines HallenProfis zu verzichten. Wenn ich mich auf meinen Atem konzentriere, kann ich solche Sorgen los lassen und in mich hinein horchen, was ich wirklich will. Da merkte ich: Ich will den Schritt gehen, vor allem weil ich Veränderungen liebe, neue Aufgaben, die mich zwingen, an mein Limit zu gehen, und an denen ich wachsen kann. Erinnerst du dich an euer erstes Training? Klar, danach hatte Karla einen blauen Fleck, weil wir zusam mengestoßen waren (lacht). Orientierungsprobleme? Nee, sie hatte nur nicht damit gerechnet, dass ich mich so schnell drehe. Aber es stimmt:
Ich musste eine ganz neue Raumwahrnehmung ent wickeln. In der Halle hatte ich immer gewusst, wo ich stehe, weil ich mich unbewusst an der Decke und an den Wänden orientiert hatte. Im Sand nutze ich dafür neben Fixpunkten wie der Netzbefestigung oder dem Schiedsrichter auch die Wolken, falls welche da sind. Viel Zeit zum Eingewöhnen hast du nicht. Deswegen lerne ich sehr be wusst. Wenn ich etwa einen RainbowShot trainiere, einen langen diagonalen Ball, kon zentriere ich mich oft auf Details wie die Ellenbogen haltung, bis ich die optimale Variante gefunden habe. So hole ich effizient nach, was andere durch jahrelange Wiederholung gelernt haben. Im August beendet ihr eure erste World Tour bei den Finals in Hamburg. Was nehmt ihr euch vor? Natürlich würden wir uns über eine vordere Platzierung freuen, aber wir lernen uns noch immer kennen – wie ich generell jeden Tag dazulerne. Manchmal sind diese ersten kleinen Schritte frustrierend, aber diese Erfahrung wird uns in Zukunft sehr viel Power geben; und wir spüren schon jetzt, wie viel Potenzial in uns steckt. Das ist ja das Schöne an einem Neuanfang: Das Beste liegt immer noch vor einem. Unser Traum von den Olympischen Spielen 2020 in Tokio lebt auf jeden Fall. Instagram: @maggiekozuchofficial
HANS HERBIG/RED BULL CONTENT POOL, SAMO VIDIC/ SWATCH BEACH VOLLEYBALL MAJOR SERIES/ RED BULL CONTENT POOL DAVID MAYER
„ICH LIEBE VERÄNDERUNG“
WILLKOMMEN BEIM GROSSEN FINALE IM SAND! Frischluft, Action, Spitzensport: Von 15. bis 19. August steigen in Hamburg die FIVB Beach Volleyball World Tour Finals 2018. Fünf Tage lang spielen die je zwölf besten Teams der Frauen und Männer in der Red Bull Beach Arena im Stadion am Rothenbaum um den Titel. Der Eintritt ist frei. de.beachmajorseries.com THE RED BULLETIN
BULLEVARD Blindes Verständnis: Karla Borger (links) spielt ihrer Partnerin Margareta, genannt „Kusia“, den Ball zu.
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BULLEVARD
How to …
Gib nicht auf, gib Ruhe.
9b Zwischen Himmel und Hölle: Angela Eiter ist die erste Frau, die „La Planta de Shiva“ in Andalusien bezwungen hat.
– für die meisten von uns bloß eine Ziffer mit einem kleinen Buchstaben. Für Kletterer hingegen ein Angstgegner: der Schwierigkeitsgrad, an dem sich die richtig Guten von der Weltklasse scheiden. „La Planta de Shiva“ ist so eine 9b: eine 45-Meter-Route in einem Fels mit dem Grip einer dreckigen Fensterscheibe und einem gnadenlosen Überhang, der dir auch die letzten Kraftreserven raubt. Bisher haben nur zwei Männer dieses Monster bezwungen: der Tscheche Adam
Ondra und der Österreicher Jakob Schubert. Schubert sprach danach vom „Fight meines Lebens“. „Als ich das hörte, dachte ich: Vergiss es. Da kommst du nie rauf“, sagt Eiter, vierfache Kletter-Weltmeisterin aus Tirol und Teil des Red Bull Athletes Special Project-Teams, das ihr ein wichtiger Partner in der sportlichen Betreuung und besonders in der Physiotherapie war. „Dazu kommt: Ich bin mit 1,54 Metern relativ klein und habe eine entsprechend geringe Armspannweite.“ Heute weiß sie: Sag niemals nie. Denn es kommt anders, wenn man denkt.
Ist das Problem zu groß, zerleg es in Portionen.
„Ich hatte die Route abgehakt, so eingeschüchtert war ich von ihr. Aber der Gedanke daran ließ mich nicht los. Mein Mann Bernie, ebenfalls Kletterer, sagte irgendwann: ‚Probier es – oder lass es. Dazwischen gibt es nichts.‘ Der Satz saß. Ich beschloss, zumindest einen Teil zu klettern, die letzten 25 Meter. Als ich das dann tat, merkte ich: Hey, ich bin auf einem guten Weg. Da geht vielleicht auch mehr. Was unüberwindbar schien, wurde plötzlich greifbar.“
Schau nicht zurück, schau nach vorn.
„Wenn du an deinen Finger Fingerspitzen in der Wand hängst, kapierst du schnell: Es bringt nichts, zurückzuschauen. Es kostet zu viel Kraft. Schau nach vorn! Aber auch nicht zu weit, denn das kann ebenfalls Energie rauben. Im Hier und Jetzt zu leben, Zug für Zug, Sekunde für Sekunde, ist am ef effizientesten.“
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Mach einen Plan und vergiss ihn dann.
„Ich bin insgesamt sieben Mal vom heimatlichen Imst nach Andalusien gereist, um die Route zu studieren. Jedes Mal ging etwas schief. Mal war der Fels nass vom Regen, mal war es zu heiß, dann wieder hatte ich mich verletzt. Es war zum Aus-der-Haut-Fahren. Heute weiß ich: Ein Grundplan ist wichtig, er gibt die Richtung vor. Aber akzeptiere, dass der Plan nicht aufgehen muss. Nimm die Situation an und mach was draus.“
Such dir Menschen, denen du dein Leben anvertrauen würdest.
„Mein Mann Bernie sichert mich mit dem Seil, wenn ich im Fels klettere. Mein Leben liegt dann buchstäblich in seinen Händen. Erfolg ist nie eine Einzelleistung. Du brauchst Menschen, denen du vertraust. Das kommt nicht von heute auf morgen, Ver Vertrauen muss wachsen. Aber letztlich ist es Gold wert.“
Angela Eiter, 32, hat im Oktober 2017 geschafft, woran keiner geglaubt hatte. Nicht einmal sie selbst. THE RED BULLETIN
WALTRAUD HABLE
Wie du etwas schaffst, was dir absolut unschaffbar vorkommt. Angela Eiter über fünf Lektionen fürs Leben, die sie in der brutalsten Felswand Andalusiens lernte.
ELIAS HOLZKNECHT/ASP/RED BULL CONTENT POOL, PHILIP PLATZER/RED BULL CONTENT POOL
SO NIMMST DU JEDE HÜRDE
„Während der Vorbereitungen wurde ich zweimal durch Ver Verletzungen zurückgeworfen. Heute weiß ich: Verletzungen kommen nicht von ungefähr. Ich überforderte meinen Kör Körper, weil ich nicht in mich hineingehorcht und nur verbissen das Ziel vor Augen gehabt hatte. In der Zwangspause lernte ich die Route in allen Details auswendig. In dieser Phase begriff ich: Erst wenn du entschleunigst, kannst du wieder Gas geben. Die Balance zwischen Gas und Spaß ist der Schlüssel zum Erfolg.“
Shailene Woodley
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hre Schauspielkarriere begann Shailene Woodley 2008 ganz Hollywoodtypisch: als Star einer TeenieSerie („The Secret Life of the American Teenager“) inklusive MTV Award für den besten Filmkuss. Doch spätestens seit ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter im Kleinstadtdrama „Big Little Lies“ (2017, u. a. mit Nicole Kidman und Reese Witherspoon) zählt die junge Kalifornierin zu den starken Stimmen unter den Frauen Hollywoods. Ihre Hobbys: Bungee-Jumpen und ÖkoAktivismus (2016 wurde Woodley beim Protest gegen den Bau der Dakota-AccessÖlpipeline verhaftet). Ihr neuer Film „Die Farbe des Horizonts“ erzählt die wahre Geschichte der Seglerin Tami Oldham, die 1983 mit ihrem Boot auf dem Weg von Tahiti nach San Diego in einen Hur Hurrikan geriet und kenterte.
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Die Reise Ihrer Filmfigur nimmt eine lebensgefähr liche Wendung, als ihr Segelboot während eines Hurrikans auf dem Pazifik kentert. Könnten Sie in so einer Situation überleben? Sobald ich eine Aufgabe habe, konzentriere ich mich nor normalerweise mit Tunnelblick darauf, sie zu lösen. Allerdings weiß ich nicht mal, wie man auf See ohne GPS auskommt. Ich müsste mich also erst retten und dann lernen, wie man einen Sextanten benutzt. Sie stammen ja von der Pazifikküste der USA. Welche Erfahrungen am und im Ozean haben Sie geprägt? Ich wuchs in Südkalifornien auf und schwamm von klein auf häufig im Meer. Mit sechs oder sieben hatte ich in Malibu einen kleinen Unfall. Eine Welle brach über mir und drückte mich unter Wasser. Gleichzeitig zog mich die Strömung hinaus aufs Meer. Als ich wieder auftauchte, türmte sich schon der nächste Brecher über mir. Effektiv war ich wohl nur zwanzig Sekunden unter Wasser. Aber in dem Alter macht dir so etwas Riesenangst.
muss. So gesehen war der Unfall eine positive Erfahrung. Das Meer hat für mich etwas Tiefgründiges. Es steckt eine Kraft darin, die ein Mensch nicht erfassen kann. Ihre Filmheldin erleidet ein wesentlich heftigeres Schicksal: Sie verliert ihren Verlobten. Trotzdem gibt sie nicht dem Meer die Schuld dafür. Sie weiß, dass sie die Natur nicht ernst genug genommen hat. Und sie segelt weiter. Du darfst deine Traumata nicht vergessen, aber du kannst sie überwinden. Ist das die Botschaft, die Sie mit Ihren Filmen vermitteln wollen? Ich hoffe, dass man Folgendes aus meinen Filmen mitnimmt: Egal welche Geschichte du hast, woher du kommst oder welche Geister du aus deiner Vergangenheit mitschleppst, du musst dich jeden Tag dafür entscheiden, aktiv an deinem Leben teilzunehmen. Und wenn ich mal keine Lust habe, überhaupt aus dem Bett zu steigen? Dann denke ich mir immer: „Stell dir vor, wen du heute alles treffen und was du alles sehen könntest.“ Jeder Tag birgt neue Abenteuer. Was machen Sie, falls Sie auch dieser positive Gedanke nicht motiviert? Dann schleppe ich mich in die Dusche und singe „Good Morning“ aus dem Musical „Singin’ in the Rain“ von 1952. Das wirkt garantiert immer.
instagram: @shailenewoodley
Hat dieses Erlebnis Sie trau matisiert? Nein. Ich habe eher gelernt, wie mächtig die Kräfte des Ozeans sind. Und dass man ihnen mit Respekt begegnen
THE RED BULLETIN
RÜDIGER STURM
Ihr Serien-Drama „Big Little Lies“ gewann vier Golden Globes, im richtigen Leben lässt sie sich bei Anti-Pipeline-Protesten verhaften. Was Hollywoods neues Role Model antreibt? Eine radikal positive Einstellung zum Leben.
the red bulletin: Die Heldin Ihres neuen Films reist als Abenteurerin durch die Welt. Ein Lebensstil, mit dem Sie sich identifizieren können? shailene woodley: Sehr gut sogar. Ich war mit Anfang zwanzig als Backpackerin auf der ganzen Welt unterwegs. Die Lust am Abenteuer spüre ich noch immer. Allerdings übernachte ich nicht mehr auf Bushaltestellen. Hotels sind mir mittlerweile lieber.
VICTOR DEMARCHELIER/AUGUST
„JEDER TAG BIRGT NEUE ABENTEUER“
BULLEVARD
Shailene Woodley, 26, Vertreterin einer neuen Hollywood-Generation: „Ich übernachte nicht mehr auf Bushaltestellen.“ THE RED BULLETIN
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BULLEVARD
Musik läuft mit
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s gab Zeiten, da ver ver stand man unter dem Begriff „tragbare Musik“, dass man einen zierlichen Trouba dour mit dabei hatte. Später setzte sich in dem Feld die etwas praktischere Gitarre durch. Die portablen Musik geräte wurden immer kleiner und immer moderner (vom mobilen Plattenspieler über den tragbaren Kassettenrekor Kassettenrekor der bis zum iPhone), ehe ein neuer alter Trend wieder auf auf tauchte: Die viersaitige Mini variante der Gitarre, die Uku lele – ursprünglich aus Hawaii und eine Abwandlung des portugiesischen Cavaquinho – feierte ein fröhlich vor sich hin zupfendes Comeback.
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trifft (der in der Holzvariante gern und oft bricht, wie jeder Ukulelespieler aus leidvoller Erfahrung weiß), wurde er aus einem Epoxid gefertigt, das sonst in der Raumfahrt zum Einsatz kommt. Die Jungs von KLŌS haben auf ihre kleine Gitarre aus zwei Meter Höhe einen Beton ziegel geworfen, ein Auto drü berfahren lassen, ihr ein paar Hammerschläge versetzt … das Instrument blieb davon unbeeindruckt. Und das Aller Aller beste: Der Sound ist super. klosguitars.com
PIERRE-HENRI CAMY
Mini-Gitarre goes Weltraumtechnik: Das liebste Accessoire musizierender Abenteurer und abenteuerlustiger Musiker wird endlich unzerstörbar.
„Die Ukulele an sich ist dafür gedacht, transportiert zu werden. Sie ist aber – sagen wir so – nicht auf Langlebigkeit angelegt“, erklärt Adam Kloso wiak, der mit seinem Bruder Ian das Unternehmen KLŌS Guitars gründete. „Eine Uku lele verträgt weder Feuchtig keit noch Temperaturschwan kungen und ist zerbrechlich. Ukulelen sind eigentlich die perfekten mobilen Musik instrumente. Aber sie wurden bisher stets aus Holz gefertigt und waren daher von einem Nomadenleben ziemlich bald ziemlich überfordert.“ Die Brüder Klosowiak be trübte dieser Umstand. Und sie machten sich daran, die strapazierfähigste Ukulele aller Zeiten zu konstruieren, nämlich eine aus Karbonfaser. Zargen und Boden der KLŌSUkulele (499 Dollar für die Akustikversion) bestehen aus einem einzigen Stück Karbonfaser, was sie extrem stabil macht. Die Schalldecke ist sandwichartig aus drei Schichten zusammengesetzt, mit einer Außenschicht aus Karbonfaser. Was den Hals be
… oder 695 Euro, wenn er sich die elektroakustische De-luxe-Version leisten möchte.
THE RED BULLETIN
JACOB SHEFFIELD
UKULELE RELOADED
Der zeitgemäße Vagabund investiert 499 Euro für seine musikalische Begleitung …
„DO SCHAUTS HER A GIPFELSTÜRMER!“ hen Besucseren Sie un
ORE T S D N BRA om b sport-
ittl.c
Scott E-Genius 710 Firmensitz: bittl Schuhe + Sport GmbH, Georg-Reismüller-Str. 5, 80999 München-Allach
BULLEVARD
Vantablack
FINSTERE AUSSICHTEN
Plattgemacht: Am Beispiel dieser Maske demonstriert der Hersteller den Effekt von Vantablack. Genau genommen handelt es sich um eine Weiterentwicklung – den Spritzlack Vantablack S-VIS.
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ifty Shades of Grey“ können sich die meis ten Menschen gut vorstellen – rein farblich betrachtet. „Fifty Shades of Black“ wären da schon schwieriger. Ist Schwarz nicht gleich Schwarz? Nein, sagt die englische Firma Surrey NanoSystems und preist ihr Vantablack als dunkelstes Schwarz der Welt an. Erkenn bar wird der Unterschied, wenn Vantablack auf einen Gegenstand aufgetragen wird und dessen dreidimensionale
SURREY NANO SYSTEMS 2017
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Formen plötzlich verschwin den. Eine Kugel erscheint als Kreis, eine zerknitterte Alu folie als glatte Fläche. Auf Fotos wirkt der Effekt wie eine dilet tantische Bildbearbeitung. In Wahrheit schluckt Vantablack 99,965 Prozent des einfallen den Lichts, wodurch unsere Augen die Formen nicht mehr erkennen können. Streng ge nommen handelt es sich nicht um eine Farbe, sondern um eine Beschichtung mittels Nanotechnologie. Auf einem Kubikzentimeter befinden sich eine Milliarde senkrecht ste hender Kohlenstoffröhrchen. Fällt Licht in diese Anordnung, bleibt es quasi eingeschlossen, da es zwischen den Röhrchen hin und her reflektiert. Dank dieses Effekts steigert Vanta black heute die Ef Effizienz von Solarpanels und verhindert auf Autoarmaturen Streulicht bei Nachtfahrten. Anlässlich der Olympischen Winterspiele in Südkorea strich der briti sche Architekt Asif Khan die Fassade eines Pavillons in Vantablack VBx2, einer sprüh baren Weiterentwicklung der Originalsubstanz – und nannte sein Kunstwerk „Schism in Space“, also „Spaltung im Raum“. Kleine Lichter symbo lisierten Sterne und verstärk verstärk ten den Eindruck, in die Fins ternis des Weltalls zu blicken. Übrigens: Als Autolack funk tioniere Vantablack nicht, teilt der Hersteller mit, dafür sei es zu anfällig für Abrieb. surreynanosystems.com
DAVID MAYER
Die englische Firma Surrey NanoSystems produziert das schwärzeste Schwarz der Welt.
THE RED BULLETIN
Die neuen Ford Active-Modelle
Bereit zum Erleben.
Mal rauskommen, aktiv sein und sich gut fühlen. Dafür stehen die neuen Ford Active Crossover-Modelle. Dabei verbinden sie Dynamik und Fahrspaß mit den Vorteilen eines SUV, wie beispielweise eine erhöhte Sitzposition oder mehr Bodenfreiheit. Damit sind sie: Bereit zum Erleben.
AUF EINEN SPRUNG NACH
TOKIO
Ausflüge über Dachterrassen, Saltos über Mauerkanten: Freerunner JASON PAUL lernt Städte aus der Superhelden-Perspektive kennen. Uns hat er die Insider-Reisetipps für seine zweite Heimat Tokio verraten. Text DAVID MAYER Fotos MIKO LIM
Stadtführung mit Extrakick: Jason Paul, 28, deutscher Weltklasse-Freerunner, bei einer seiner Touren über die Dächer Tokios
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„Tokios Architektur ist unfassbar vielfältig – von mini malistisch bis bizarr.“ Kopfüber: Jason sucht stets neue Perspektiven im Business- und Entertainmentviertel Shibuya.
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ason fliegt. Die Arme ausgebreitet, die Beine angezogen. Einen Meter hinter ihm die eine Außentreppe, zwei Meter vor ihm die nächste. Unter ihm: ein fünf Etagen tiefer Abgrund hinab zu einer Asphaltstraße. Es ist ein typischer Jason-Paul-Moment: Als Freerunner bewegt sich der 28-Jährige wie ein Super Superheld durch die Stadt. Läuft Wände hinauf, erklimmt Flachdächer und überwindet Abgründe. So auch jetzt: Einen Augenblick nachdem er sich vom Geländer der einen Außentreppe abgestoßen hat, landet er hinter dem Geländer der gegenüberliegenden, stützt sich kurz mit den Händen auf dem Betonboden ab, dreht sich um, grinst, streckt den Daumen in die Luft. Die Außentreppen führen auf Gebäude in einer Seitenstraße Tokios hinauf, und der derjenige, dem Jason da den Daumen entgegenstreckt, heißt Miko Lim. Im Auftrag von The Red Bulletin begleitet der Fotograf Jason durch dessen zweite Heimat Tokio. Immer wieder lebt der Freerunner für mehrere Wochen in Japans Hauptstadt, so auch aktuell. „Tokios Architektur ist unfassbar vielfältig – von bizarr bis minimalistisch, von traditionell bis modern ist wirklich alles dabei. Diese Abwechslung gibt mir immer wieder Reize für neue Moves und Tricks“, sagt Jason. Ob zweistöckige Holzhäuser, Wolkenkratzer aus Stahl und Glas oder Brückenpfeiler aus Beton: Er Erstaunlich viele Bauten sind von außen zugänglich, etwa durch Außentreppen, Stützpfeiler oder Flachdächer. Nach genau solchen Möglichkeiten sucht Jason, wenn er in Tokio
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unterwegs ist – egal ob er trainiert oder shoppen geht. Er kann einfach nicht anders. Permanent scannt er seine Umgebung nach Plattformen für seine Stunts ab und lernt die Stadt so immer wieder aus neuen Perspektiven kennen.
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ls Jason zum ersten Mal von Japan träumt, schläft er noch im Kinder Kinderzimmer im Haus seiner Eltern in Frankfurt. Als Jugendlicher ver verschlingt er ein Manga-Comic nach dem anderen – wenn er nicht gerade mit seinen Kumpels über Eisenbalustraden balanciert oder über Parkbänke fliegt. Inspiriert von Luc Bessons Kultfilm „Yamakasi – Die Samurai der Moderne“, dessen Actionszenen sich an den Parkour-Sport anlehnen, trainiert Jason jeden Tag in der Nachbarschaft. Eine Freerunning-Szene existiert in Frankfurt nicht, Jason bringt sich seine Moves selbst bei. Seine Ausdauer lohnt sich: Heute gilt Jason als einer der weltbesten Freerunner. Nicht einzelne Tricks reizen ihn, er will ganze Choreografien entwickeln – wie im YouTube-Clip „Last Call for Mr. Paul“, der bis heute über 40 Millionen Mal abgerufen wurde. Darin versucht Jason mit waghalsigen Stunts, seinen Flieger am Münchener Flughafen zu erwischen. Es ist ein Bild für sein Leben: Immer in Bewegung, hat Jason schon lange keinen festen Wohnsitz mehr, sondern zieht von Metropole zu Metropole: Marrakesch, Sarajevo, Sydney, Bangkok – und immer wieder Tokio. Neben der vielfältigen Architektur lockt ihn die lokale Freerunner-Szene. Stars wie Kenichi oder Yakuwa sind bekannt für ihre besonders flüssigen Bewegungen, jede ihrer Choreografien wirkt wie ein einzigartiger Tanz. Längst haben sie Jason als einen der ihren aufgenommen, laden ihn zum Training an ihren Parkour-Spots ein und treten in seinen Filmproduktionen auf. Im Clip „Jason Paul Goes Back in Time“ zum Beispiel jagen als Ninjas verkleidete Freerunner Jason durch das Edo Wonderland, einen Freizeitpark im Stil einer traditionellen Tempelanlage. Die Bilder von Miko Lim und der Fotografin Emily Ibarra zeigen, wie Jason die Megacity jederzeit in einen Abenteuerspielplatz verwandeln kann. Sie transportieren Jasons Kunst und Energie und zeigen gleichzeitig ein Tokio weit abseits der Touristengegenden. Und wer beim Betrachten tatsächlich Lust bekommt, selbst nach Japan zu reisen, für den hat Jason acht Reisetipps für Tokio parat – natürlich aus seiner ganz eigenen Perspektive. 32
Jason lässt sich von Japans FreerunningKultur inspirieren. Seine Videos werden bis zu 40 Millionen Mal geklickt. Wie im Flug: Jason springt per Drop von einer Fuß gängertreppe im Szene viertel Shibuya.
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„Ich benutze Städte, um mich kreativ zu entfalten.“ An der Spitze: Unterwegs in neuen Vierteln, orientiert sich Jason oft am Skytree – Tokios Fernsehturm.
Itabashi
Adachi Kita
Nerima
TOKIO HOCH ACHT
Ramen mit Hip-Hop, Park mit Parkour, Insel mit Aussicht: Das sind Jasons Top-Tipps für ein Wochenende in Japans Megacity.
HARTE LANDUNG IM GRÜNEN
Ein Park wie gemacht für Freerunner und andere urbane Sportler. „Von außen sieht der Park aus wie viele andere, von innen ist es einer meiner liebsten Parkour-Spots der Welt. Im Hanegi-Park im ansonsten eher unspektakulären Viertel Setagaya wimmelt es nur so von bunten Treppen und Mäuerchen – die ideale Trainingslocation für Freerunner also. Überhaupt nutzen Tokios Bewohner den Hanegi-Park hauptsächlich, um Sport zu treiben. Es gibt ein paar Tennisplätze und eine eigene Laufstrecke.“
durch die Straßen radeln oder mit ihren Holzsandalen, den Geta, an mir vorbeilaufen. Und wahrscheinlich würde ich das auch tun, wäre nicht gleich um die Ecke ein toller Parkour-Spot: Direkt am Ufer des Flusses Sumida gibt es die perfekten Mauern, Treppen und Geländer zum Trainieren. Außerdem ist dort ein guter Spot für ein mitgebrachtes Mittagessen direkt am Wasser. Letztens saß hier ein Büroangestellter und war so ver vertieft in seinen Laptop, dass er gar nicht bemerkte, wie ich mit meinem FreerunningKumpel Kenichi haarscharf an ihm vorbeisprang.“
Katsushika
Nakano Suginami
Buyuyō
UNTER SCHWER GEWICHTEN
EMILY IBARRA, GETTY IMAGES (3)
Erst Sumoringer auf dem Fahrrad bestaunen, dann Action am Fluss Sumida. „Mindestens einmal pro Tokio-Besuch fahre ich nach Ryogoku im Nordosten des Stadtzentrums. Es ist das Vier Viertel der Sumoringer, und ich könnte mich den ganzen Tag auf eine Bank an der U-BahnStation Ryogoku setzen und zusehen, wie diese Giganten in ihren edlen Gewändern THE RED BULLETIN
Edogawa
Chiyoda Shibuya
Chūō
Kōtō
Minato
Setagaya Meguro
Shinagawa
Ōta
Bucht von Tokio
Hallo, Nachbarn!
Tokios 23 Bezirke auf einen Blick Wer sich nicht verlaufen hat, war nicht wirklich in Tokio: Diese Karte verschafft zumindest eine grobe Übersicht. Für das Shooting war Jason vor allem in Shibuya und Shinyuku unterwegs.
und sich einfach durch die engen Hinterhofgassen mit ihren versteckten Geschäften treiben lassen.“
HEISSE ANGELEGENHEIT
Von wegen nur hektisch. Hier kann Tokio zur Abwechslung ganz lässig.
Da kommt’s dicke: Tokios Sumoringer leben im Viertel Ryogoku.
Taitō Sumida
Shinyuku
ENTSPANNT MIT ZWEITER HAND
„Eigentlich sind wir Freerunner unkompliziert, aber was Kleidung betrifft, haben wir genaue Vorstellungen. Deswegen betreibe ich gemeinsam mit ein paar Kollegen das Label Farang. Unsere Sachen sind urban, schlicht und gleichzeitig praktisch – also perfekt für unseren Sport und jeden, der unseren Stil mag. Was das mit Tokio zu tun hat? Nun, an kaum einem Ort holen wir uns so viel Inspiration für unsere Entwürfe wie in den Secondhandshops in Shimokitazawa – meinem absoluten Lieblingsviertel in Tokio, weil hier eine wahnsinnig entspannte Atmosphäre herrscht. Tipp: der Klamottenladen Meadow by Flamingo. Nach dem Shoppen unbedingt im Shimokita Gravy Gyoza die kleinen Fleischbällchen essen. Und danach auf Drinks und Nachos in die Mother-Bar.“
Arakawa
Toshima
Klar kostet es Überwindung, in 43 Grad heißes Wasser zu steigen. Aber es lohnt sich. Fleisch to go: Im Viertel Shinyuku wimmelt es von Streetfood-Ständen.
ABBIEGEN FÜR PROFIS Wolkenkratzer, Holzhütten, schön und gut. Aber auf die Gassen kommt es an.
„Hatte ich schon erwähnt, dass mir an Tokio die Abwechslung am besten gefällt? Ein perfektes Beispiel ist Shinyuku, ein Viertel voller Wolkenkratzer, zu deren Füßen traditionelle Holzhäuser liegen. In so einem befindet sich auch das Tajimaya Coffee House, direkt hinter der Shinyuku Station, mein aller allerliebstes Kaffeehaus. Am besten wie die Einheimischen den Kaffee direkt an der dunklen Theke trinken und dann gleich wieder raus ins Getümmel. Jetzt in die nächstbeste Seitenstraße abbiegen
„Wenn mich meine japanischen Freerunning-Kollegen eines gelehrt haben, dann ist es Respekt – voreinander, vor allem aber auch vor dem eigenen Körper. Als Sportler bin ich auf ihn angewiesen, und weil ich Freerunner bin, muss er einiges aushalten. All die Sprünge und vor allem all die Landungen auf hartem Unter Untergrund gehen auf Dauer ganz schön auf die Gelenke. Zum Ausgleich gehe ich in Tokio regelmäßig in eines der traditionellen Badehäuser, genannt Sentos, zum Beispiel ins Sengokuyu bei der U-BahnStation Hatagaya. Zugegeben: In das 43 Grad heiße Wasser zu steigen kostet jedes Mal ganz schön Überwindung. Und wenn ich rauskomme, ist mein Körper krebsrot. Aber spätestens wenn ich wieder auf die Straße trete, fühle ich mich wie neugeboren.“ 35
NUDELN MIT BASS
Ein Ramen-Imbiss in Shibuya, in dem sich Tokios Hip-HopSzene trifft. „Klar, den Stadtteil Shibuya kennt fast jeder, vor allem wegen dieser Kreuzung, auf der pro Grünphase bis zu 15.000 Menschen die Straßen seite wechseln. Und wer ein mal in Tokio ist, sollte sich das Spektakel nicht entgehen lassen. Aber keine Sorge: Die Kreuzung ist nicht mein Geheimtipp. Der liegt 20 Geh minuten entfernt, heißt Usagi und ist mein LieblingsNudel suppenladen. Meine Emp fehlung: ‚Special Ramen‘ mit Schweinefleisch und Bambus sprossen. Erst am Automaten bestellen, dann musst du die wichtigste Entscheidung treffen, wenn der Kellner fragt: ‚Nudeln dünn, weich, dick, flach oder hart?‘ Die Nudeln sind wirklich super, aber ich komme fast noch mehr wegen des HipHop, der hier aus den Boxen hämmert. Der Bruder des Besitzers war HipHopStar Jun Seba, der 2010 bei einem Autounfall starb. Heute ist er in Japan eine Legende, und ich bin ein großer Fan.“
Freie Bahn: Auf der Insel Odaiba steht eine Minikopie der Freiheitsstatue.
SPRUNG IN DIE ZUKUNFT
Was die Touris auf der Freizeitinsel Odaiba nicht wissen. „Okay, mein nächster Tipp, die Freizeitinsel Odaiba mit ihrer 20 Meter hohen Roboter Roboter Statue ‚Gundam‘ und dem künstlichen Strand, ist streng 36
genommen auch nicht ge rade geheim. Vor allem am Wochenende drängen sich hier Touristen. Doch als Free runner sehe ich selbst über über laufene Spots aus eigener Per Per spektive: Direkt am Wasser gibt es kleine Mauern und Sitzgelegenheiten aus glatten roten Steinen, perfekt zum Abspringen und Aufstützen. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf vorbeifah rende Fähren und die Skyline von Tokio gegenüber. Mein Lieblingsgebäude auf Odaiba ist das Fuji TV Building. Wegen seiner breiten Treppen und Geländer für Sprünge, vor allem aber wegen seiner Architektur. Ein wenig sieht es aus wie eine klobigfuturis tische Kommandozentrale aus Sowjetzeiten. Überhaupt bedeutet Odaiba einen Trip in eine RetroZukunft. Das geht schon bei der Fahrt mit der führerlosen Yurikamome MonorailBahn entlang der Bucht von Tokio los. Unbedingt den Platz in der ersten Reihe nehmen. Falls der besetzt ist, auf die nächste Bahn warten.“
AUSZEIT IM REGAL-PARKOUR
Ein Buchladen zum Sich-drinEinschließen – nicht nur wegen der Manga-Comics.
„Mein Stil ändert sich mit jedem urbanen Playground.“ Ganz schön abgehoben: Jason bei einem Stunt neben der Shinyuku-Station.
„Wenn ich in Tokio bin, lade ich – wie in jeder anderen Stadt – regelmäßig Videos meiner FreerunningSessions auf YouTube hoch. Dazu poste ich auf Instagram und Face book. Schon deswegen hänge ich viel vorm Smartphone und am Rechner. Umso lieber gehe ich ab und zu in den Buchladen laden Tsutaya T TSide im Designviertel signviertel Daikanyama. In sign dem Labyrinth aus Holzregalen steht eine riesige Auswahl an englischen und japanischen Büchern. In einer oberen Etage gibt es eine Sammlung mit 30.000 VintageMagazinen. Hier könnte ich mich stunden lang einschließen.“ Jason Paul auf Instagram: @thejasonpaul THE RED BULLETIN
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TAKE FIVE
Günstig reisen wie Welt-Umradler BEN PAGE
MIT 4 EURO ANS ENDE DER WELT Mit 22 ging er auf eine dreijährige Fahrrad-Weltreise (inklusive Arktis). Unterwegs wurde Ben Page erfolgreicher Filmemacher. Sein Tagesbudget: 4 Euro. Wie zur Hölle ist ihm das gelungen? Aus der Lebenskrise ins große Glück: Ben Page
hasste ich jeden Tritt, am siebenten Tag liebte ich es. Und dann dachte ich mir: „Wenn ich ein Land durchqueren kann, kann ich auch einen Kontinent durchqueren. Und wenn ich es durch einen Kontinent schaffe, schaffe ich es auch rund um die Welt.“ Mir wurde klar, wie leicht ich meine Träume verwirklichen kann: Alles, was ich tun muss, ist loszufahren.
3 Du brauchst kaum Ausrüstung
Gibt es ein Kleidungsstück, das du diese Woche nicht brauchen wirst? Weg damit! Ich hatte genau eine Garnitur Kleidung und ein kleines Notfallpaket, dazu ein 3-Jahreszeiten-Zelt, einen Schlafsack, eine Isomatte und das Bike. Das reichte für alle Bedingungen von plus 53 bis minus 40 Grad. Der einzige Luxus, den ich mir er erlaubte, waren ein Bluetooth-Lautsprecher an meinem Lenker und ein Kindle. Zu Beginn hatte ich noch einen kleinen Multifuel-Kocher dabei, aber der wurde kaputt. Dann bastelte ich mir Öfen aus Bierdosen.
4 Ein paar Zugeständnisse 1 Radfahren spart Geld Wochenlang nicht zu duschen war ein Opfer, das ich bringen musste. Na ja, vielleicht haben andere Menschen darunter mehr gelitten als ich.“ BEN PAGE
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Das meiste Geld geht beim Reisen für Unterkunft und Verkehrsmittel drauf. Wenn du mit dem Rad fährst und im Zelt schläfst, musst du nur das Essen bezahlen. Ich habe zwar zwei- oder dreimal mehr verschlungen als sonst – aber das war hauptsächlich Haferbrei um 25 Cent pro Portion. Wenn ich mal in einem Hostel übernachtet habe, war das meistens ein Reinfall: Im Zelt ist es viel angenehmer, vor allem in den Bergen kann man eine Nacht kaum schöner verbringen.
2 Nichts kann dich stoppen
Ich hatte eine kleine Lebenskrise, als mir die Idee kam: Warum nicht mal von meinem Haus in West Yorkshire eine Woche lang bis in die Schweizer Alpen radeln? Also packte ich eines Morgens ein paar Sachen und fuhr los. Sechs Tage
Wer fremde Kulturen besucht, will normalerweise auch das lokale Essen probieren. Das ging nicht, ich konnte mir ja keine Restaurants leisten. Ich machte auch um Städte einen Bogen, weil ich dort ein Hostel gebraucht hätte. Wochenlang nicht zu duschen war auch eines der Opfer, die ich bringen musste. Na ja, vielleicht haben die anderen darunter mehr gelitten als ich.
5 Genieß besondere Momente
Ich hatte immer genug zu essen: Haferbrei, Reis, Nudeln mit Brühwürfeln, Brot. Kohlehydrate bekommt man über überall spottbillig. Mein wahrer Luxus war ab und zu ein Bierchen. Eine Dose Bier kaufen, das Zelt aufschlagen und der Sonne beim Untergehen zusehen: Das waren meine schönsten Momente.
benpagefilms.com Interview MATT RAY Foto CASS GILBERT THE RED BULLETIN
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© Nick Garbutt
ENTDECKEN
Sie erreichen Meilensteine in ihrer Sportart doppelt so schnell wie Männer. Ihre Muskeln arbeiten ganz anders, als wir dachten. Ihr Geist sowieso. Athletinnen wie die US-Amerikanerin MORGHAN KING stellen die Wissenschaft vor eine neue Frage: Sind Frauen für das Gewichtheben besser geeignet als Männer? Text WILL COCKRELL
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Fotos SAM KWESKIN
STARKE
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Morghan King, 32, begann zwar erst vor fĂźnf Jahren ernsthaft mit dem Gewichtheben, aber sie ist schon jetzt dreifache US-Meisterin in ihrer Gewichtsklasse und trat bei den Olympischen Spielen 2016 an.
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ie Gewichtheberin Morghan King hört eine Menge dämlicher Fragen. „Du bist also hauptberufliche Bank Bankdrückerin?“, fragen viele. (Die Antwort: Nein, nicht wirklich.) „Du wirst eingeölt, steigst auf eine Bühne und posierst?“ (Komplett daneben.) „Aber du bist doch so klein?!“ Stimmt, King ist wirklich winzig – gerade einmal 1,53 Meter groß und 52 Kilogramm schwer, um exakt zu sein. Im
Verhältnis zu ihrer Größe ist sie dennoch einer der stärksten Menschen auf dem Planeten. Sie ist eine der erfolgreichsten Gewichtheberinnen der USA – und das, obwohl die 32-Jährige erst vor fünf Jahren ernsthaft damit angefangen hat. Noch in dem Jahr, in dem sie sich für eine Profi-Karriere entschied, gewann King die ersten regionalen Meisterschaf Meisterschaften in ihrer Gewichtsklasse. Später das American Open. 2015 brach sie den Rekord der Frauen bei den Pan American Games. Im Jahr 2016 repräsentierte sie die Vereinigten Staaten bei den Olympischen Spielen in Rio. Nun ist sie eine der Favoritinnen für Tokio 2020. Morghan King ist nicht nur eine bemerkenswerte Athletin. Sie ist auch ein Symbol: Sie trug massiv dazu bei, Frauen das Gewichtheben nahezubringen – und sie hat entscheidenden Anteil daran, dass Frauen zur am schnellsten wachsenden Zielgruppe des lange Zeit ausschließlich männlichen Sports wurden. Wie viel bedeutet ihr das, eine VorzeigePowerfrau zu sein? „Ich kann mich erinnern, dass ich in der vierten Klasse Michael Johnsons 200-Meter-Rekord brechen wollte“, sagt
sie. „Ganz offensichtlich denke ich nicht in Geschlechterkategorien.“ Wahrscheinlich hat jeder, der in den letzten fünfzig Jahren Mitglied in einem Fitnessstudio war, die eine oder andere Art von Gewichtstraining gemacht. Aber wie viele können sagen, was ein „clean and jerk“ ist oder auch nur einen Namen eines olympischen Goldmedaillengewinners im Gewichtheben nennen? Nach fast einem Jahrhundert als olympische Randsportart (1920 wurden erstmals um Medaillen Hanteln gestemmt) bekommt das Gewichtheben endlich die Aufmerksamkeit, die es verdient. Der US-Verband --Verband USA Weightlifting vermerkte zwischen 2012 und 2016 einen Anstieg der Mitgliederzahlen um 125 Prozent. Zuwachs gibt es vor allem bei den Frauen. Sie machen mittlerweile 35 Prozent der Mitglieder aus, im Vergleich zu bloß 19 Prozent im Jahr 2007. Für manche ist das eine Folge der Olympischen Spiele 2000 in Sydney, bei denen Frauen erstmals als Gewichtheberinnen zugelassen waren und eine USAmerikanerin – Tara Nott – die erste Goldmedaille der Geschichte gewann. Andere führen den Trend auf die Gewichtseinheiten beim populären CrossFit zurück. Und wieder andere machen Morghan King dafür verantwortlich. Vom College-Fußball wechselte King erst zu Halbmarathons und Triathlons. Dann entdeckte sie CrossFit für sich. Sie war auffallend talentiert, aber CrossFit war nur die Einstiegsdroge in den Kraftsport. „Ich war fit, fühlte mich gut, aber irgendwas fehlte“, erinnert sie sich. „Ich wollte einen echten Sport. Ich wollte stärker werden und begann, mich auf das Gewichtheben zu konzentrieren. Warum? Gewichtheben gab mir das Gefühl, ich könnte alles kontrollieren. Alles hing von mir ab. Das gab mir wirklich Kraft. Mein ganzes Leben war ich die Kleine gewesen, hatte mich immer beweisen müssen.“
King verwendet Klebebänder an den Daumen, um ihre Haut zu schützen. Magnesium hält ihre Hände trocken.
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„Gewichtheben gibt mir das Gefühl, alles kontrollieren zu können.“ King war schon immer sportlich, aber Gewichtheben war das, was ihr insgeheim immer gefehlt hatte.
King demonstriert den „clean and jerk“, das Hochstoßen der Langhantel. „In Wirklichkeit habe ich mich in diesen Sport verliebt, weil er so selten perfekt ist“, erklärt sie.
Wenn man sich in der Szene umhört, wird der FrauenBoom oft mit den per fekten weiblichen Anlagen für diesen Sport in Zusammenhang gebracht – frei lich ist wissenschaftlich noch gar nicht belegt, ob die Anlagen tatsächlich so per per fekt sind. Manche Leistungen sind aber jedenfalls so beeindruckend, dass sich Sportwissenschaftler zunehmend für die physiologischen Hintergründe inter essieren. Neueste Untersuchungen klingen ziemlich spektakulär – und die bloßen Fakten auch: Die Männer brauchten 60 Jahre – von der ersten Weltmeister Weltmeister schaft 1891 bis zum Jahr 1951 –, bis der erste von ihnen in der Lage war, 180 Kilo zu stemmen. Es dauerte 10 weitere Jahre, bis der erste Mann sein doppeltes Körper Körper gewicht schaffte. Die ersten Frauenwettbewerbe fanden erst im Jahr 1987 statt. Doch um diese zwei Meilensteine zu erreichen, brauchten die Frauen gerade einmal halb so lang wie die Männer. 44
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ing weiß auch ohne wissenschaft liche Studien, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Sie ist sich ihrer Vorbildwirkung bewusst. „Eines der nettesten Dinge sagte mir meine Freundin Holley Mangold (die 2012 bei den Olympischen Spielen antrat; Anm.): ‚Ich hoffe, du merkst, welchen Einfluss du auf alle diese jungen Gewichtheberinnen hast – du zeigst ihnen, was Frauen drauf drauf haben können, egal wie groß sie sind.‘“ Den wachsenden Frauenanteil bemerkt auch der ehemalige olympische Gewicht heber Jasha Faye. Faye ist der Besitzer von Marin Heavy Athletics, einem Fitness studio in der Nähe von San Francisco, das sich auf olympisches Gewichtheben spezialisiert hat. Laut Faye sind die Hälfte seiner Kun den Frauen. Als er im April des Vorjahres einen lokalen Wettbewerb organisierte, kamen auf 22 teilnehmende Frauen nur 8 Männer. Mit gut 1,80 Meter Körpergröße und einem Gewicht von 100 Kilo, Tattoos von der Brust bis zu den Zehen und einem beeindruckenden Bart sieht Jasha Faye wie ein typischer CrossFitTrainer Trainer aus.
Aber tatsächlich ist er ein Gewichtheber der alten Schule. Als der heute 45Jährige mit 13 Jahren begann, Gewichte zu stemmen, gab es in und um San Francisco nur eine Handvoll Gewichtheberinnen. Er erinnert sich, dass Jim Schmitz einer der Ersten war, die in den Siebzigern anfingen, Frauen zu trai nieren. Schmitz, heute 72, erinnert sich an Feuerwehrfrauen, Bauarbeiterinnen und Polizistinnen, Pionierinnen in ihren Jobs, die ihre Kraft trainieren wollten. Einige von ihnen wollten sich sogar in Wett bewerben messen – aber damals gab es noch keine eigenen für Frauen. Also traten sie gegen Männer an. „Einige meiner ersten Wettbewerbe verlor ich gegen Frauen“, erinnert sich Jasha Faye. 1987 genehmigte die International Weightlifting Federation die erste Welt meisterschaft für Frauen. Zehn Jahre spä ter wurde die sogenannte „lady bar“ vor vor gestellt. Die Hantelstange für Frauen war kürzer, angeblich besser für kleinere Hände geeignet und wog mit 15 Kilogramm um 5 Kilo weniger als die der Männer. THE RED BULLETIN
„Die Frauen sind die, die jeden Tag trainieren“, sagt Faye. „Sie sind zäher, sie hören zu, sie sind nicht dickköpfig und nicht egogetrieben.“ Morghan King ergänzt: „Ich glaube, dass Frauen mehr nach Perfektion streben. Wir Frauen gehen technischer an die Sache ran. Wir fragen nach dem ‚Warum‘, und wir haben Folgefragen. Wir sind lernbereiter.“ Wenn all die extrem kraftvollen Be wegungen zu einem perfekten Heber zu sammenkommen – das sei der Moment, nach dem Frauen süchtig werden, glaubt King. „Tatsächlich habe ich mich in diesen Sport verliebt, weil er so selten perfekt ist“, erklärt sie. „Und genau deshalb erlebt man magische Momente darin.“ „Man kann die Erfolge von Frauen besser einschätzen, wenn man Gewicht heben nicht als Kraftsport betrachtet“, sagt Jasha Faye. „Du stemmst zwar ein Ge wicht, aber es kommt auf die Bewegung an, die du ausführst, und die hat einen Anfang und ein Ende. Und es geht sehr stark um die Technik. Die kannst du im Laufe der Zeit perfektionieren.“ Challen Schleh fing vor zwei Jahren an, mit Jasha Faye zu trainieren. Mit dem THE RED BULLETIN
„Beim Gewichtheben geht es um Geschicklichkeit. Du brauchst keine großen Muskeln, um gut zu sein." Stemmen des ersten Gewichts war es um sie geschehen. Die athletische 31Jährige hatte mit Gymnastik begonnen, bevor sie Yogatrainerin wurde. Während einer kur kur zen Phase als CrossFitTrainerin Trainerin machten ein paar Frauen besonderen Eindruck auf sie. Etwa in ihrem Alter, stemmten diese Frauen aberwitzig schwere Ge wichte. Natürlich hatte Schleh in ihren CrossFitKursen schon Leute beim Ge wichtheben beobachtet, aber nicht auf diesem Niveau.
„Ich spürte die Urgewalt, es ging ums Wesentliche“, erinnert sie sich, „auf einmal eröffnete sich mir eine ganz neue Perspek Perspek tive, eine neue Art des sportlichen Seins.“ Faye arbeitet wie ein Tenniscoach. Er schindet seine Gewichtheber nicht bis zur Erschöpfung, es geht ihm nicht um das letzte Zusatzgewicht, sondern um die technische Präzision. Für Challen Schleh hat der richtige Bewegungsablauf auch seine eigene Schönheit. Früher wählte sie selbst ihren Sport, nun hat der Sport sie gewählt, sagt sie. „Ich mache noch immer Yoga und gehe wandern. Aber Gewicht heben ist meine Obsession geworden.“
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iemand war vom Erfolg und der Leistungsexplosion der Gewicht heberinnen mehr überrascht als die Sportwissenschaft. Das ist wohl auch der Grund, warum es über raschend wenige Untersuchungen über die Körperkraft von Frauen gibt und noch weniger über Gewichtheberinnen. Darum erstellen viele Trainer ihre Trainingspläne nach Bauchgefühl. „Die einzigen wissenschaftlichen Daten über das Gewichtheben im Allgemeinen 45
stammen aus dem Russland der 1980er, also aus der Sowjet-Ära“, erklärt Andy Galpin, Professor an der California State University, Fullerton. „Und wenn man sich die Frauen im Speziellen ansehen will, gibt es überhaupt keine Daten.“ Galpin arbeitet mit Sportlern aller Sparten, vom Footballspieler bis zum Ultimate Fighter. Aber sein besonderes Interesse gilt dem Gewichtheben. Er ist selbst aktiver Gewichtheber, betreibt einen Verein und begann vor sechs Monaten, mit King zu arbeiten. Frustriert über den Mangel an Daten und entschlossen, Neuland in der Trainingsphysiologie zu betreten, starteten Galpin und sein Team eine eigene Studie. Vor kurzem endete die erste Phase mit der Sammlung der Beinbiopsien von 15 Profi-Gewicht-
Frauen haben die Meilensteine ihres Sports doppelt so schnell erreicht wie Männer.
heberinnen, King eingeschlossen. Obwohl Galpin die Dauer der Studie auf zwei bis fünf Jahre anberaumt, kristallisieren sich schon jetzt erstaunliche Erkenntnisse über die Arbeit der Muskulatur heraus. „Unter anderem untersuchen wir an den Muskelfasern, wie viel Prozent davon langsam zuckend beziehungsweise schnell zuckend sind“, erklärt er (die schnell zuckenden Muskelfasern sind für schnelle Bewegungen verantwortlich; Anm.). „Lange Zeit nahm man an, Frauen hätten überwiegend langsame Muskelfasern. Wir sehen jetzt aber exakt das Gegenteil. Manche Frauen haben fast nur schnelle Fasern, ganz entgegen der Lehrmeinung. Vielleicht führt uns das zum Schluss, dass Frauen für diesen Sport genauso gut geeignet sind wie Männer – oder vielleicht sogar besser?“
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alpin ist ziemlich zuversichtlich, dass uns die Gemeinsamkeiten von Männern und Frauen überraschen werden. Der frühere Elite-Gewichtheber Andrew „Bud“ Charniga beschäftigt sich seit mehr als vierzig Jahren mit dem Sport, hielt sogar einmal einen Junioren-Weltrekord und arbeitete mit Frauenteams aus China und Russland zusammen. In einem seiner Artikel zum Thema erklärt er, dass „es schwer vorstellbar ist, dass es einen Kraftsport gibt, der besser für den weiblichen Körper gemacht ist als Gewichtheben“.
Für Charniga, der auch seine eigene Tochter für internationale Wettkämpfe trainiert, sind größere Beweglichkeit und geringere Muskelspannung zentrale Merk Merkmale talentierter Gewichtheberinnen. „Beim Gewichtheben geht es um Geschick Geschicklichkeit“, erklärt er. „Du brauchst keine großen Muskeln, um gut zu sein. Du musst auch nicht aggressiv sein – das verspannt nur die Muskeln. Relaxt ranzugehen ist ein Vorteil. Es erlaubt dir, die Elastizität deiner Muskulatur zu nutzen.“ Besonders interessiert ist Charniga am Testosteronspiegel der Frauen (Testosteron ist das männliche Sexualhormon; Anm.). Der hat nämlich Einfluss darauf, wie oft man trainieren und wie schnell man sich vom Training erholen kann. Charnigas Vermutung: Ihr niedriger Testosteronspiegel helfe den Gewichtheberinnen, die gewaltigen Belastungen leichter zu bewältigen. Andy Galpin meint zwar, dass an diesem Ansatz etwas dran sein könnte, warnt aber davor, darauf einen Trainingsplan aufzubauen, bevor man Genaueres weiß. „Es könnte auch das Östrogen sein, das die Erholung fördert“, erläutert er (Östrogen ist das weibliche Sexualhormon; Anm.). „Aber wir wissen es noch nicht. Wir wissen bloß, dass es Vorteile gibt, die Frauen Männern gegenüber haben. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, welche das sind.“ Galpin betont zwar, kein Sportpsychologe zu sein. Doch er glaubt, dass Frauen nicht nur körperlich, sondern auch geistig besser fürs Gewichtheben gerüstet sind als Männer. „Ich habe schon mit mehreren Olympiateilnehmerinnen und professionellen Athletinnen gearbeitet und muss sagen, dass Frauen Kritik viel besser aufnehmen als Männer“, sagt er. „Ich brauche Frauen niemals zu etwas zu überreden – sie wollen einfach eine fundierte Anleitung, ich gebe sie ihnen, und sie ziehen ihr Ding dann durch.“ Für die meisten Frauen, die Gewichtheben in ihr Trainingsprogramm ein-
Trainingsvorbereitung auf Olympia 2020. Bei den Olympischen Spielen 2016 überbot King einen 16 Jahre alten US-amerikanischen Rekord und belegte den sechsten Platz.
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„Wir hören nicht mehr auf Leute, die uns sagen, was wir machen dürfen. Wir entscheiden selbst.“
„Mittlerweile werde ich auf der Straße erkannt“: Morghan King, Hoffnungsträgerin einer Sportart
gebaut haben, spricht der Fitnessgewinn für sich selbst. Viele sehen im Gewicht heben die ultimative Symbiose der vier Grundbewegungen Drücken, Ziehen, Springen und IndieHockeGehen. Des wegen bauen es auch alle Profisportler, vom Basketballspieler bis zum Wrestler, in ihr Training mit ein. Die Skifahrerin Mikaela Shiffrin, Doppelolympiasiegerin und dreifache Weltmeisterin, hebt Gewichte, um bei ihren Slalomläufen mehr Körperspannung halten zu können. Die Sprinterin LoLo Jones stemmt, um das Letzte rauszuholen, wenn sie über die Hürden springt. „Man benutzt seinen ganzen Körper, alles spielt zusammen“, erklärt Faye. „Man trainiert keinen Körperteil einzeln, man zerteilt den Bewegungsablauf auch nicht. Dürfte man nur ein einziges Training aus THE RED BULLETIN
üben, das möglichst viele Körperbereiche auf einmal einbezieht, wäre es Gewicht heben.“
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orghan King lebt wie alle Profi sportler, die für die Olympischen Spiele trainieren, in einer Blase aus Training, Aufbaushakes und Ruhephasen. Trotzdem hat sie noch immer eine enge Verbindung zum Hobbysport. Sie erzählt von einem kürz lich erfolgten Besuch in Rumänien. Beim Training dort fiel ihr auf, hauptsächlich von Frauen umgeben zu sein. „Vor fünf Jahren wären es zu siebzig Prozent Män ner gewesen“, sagt sie. Das Fitnessstudio, in dem sie immer trainiert, hat jetzt zehn Gewichthebe plattformen. Und die Leute erkennen sie auf der Straße.
„Vor kurzem war ich in einem dieser Sportclubs, wo sie einen Pool, Tennis plätze, Sauna und all das haben“, erzählt sie. „Während ich Gewichte stemmte, kam ein Mädel zu mir rüber und fragte mich, ob ich Morghan King sei. Sie hatte gerade einen Kurs für eine Zulassung als Wettkampf Gewichtheberin im Verband Wettkampf gemacht – und stell dir vor, sie war noch kleiner als ich!“ Wie Charniga hat auch Jasha Faye eine Tochter, die leidenschaftlich Gewichte hebt. Sie ist gerade einmal 13 Jahre alt. „Isabella liebt das Gewichtheben, und sie liebt ihr Team“, sagt Faye. „Sie ist um geben von starken, schönen Frauen, die früh ins Bett gehen und sich gesund er er nähren, weil sie mit Leidenschaft bei der Sache sind. Es macht sie total stolz, wenn sie mit dem Wissen zur Schule geht, dass sie davor schon trainiert hat.“ Andere Frauen zu inspirieren scheint für King eine ebenso große Motivation zu sein, wie Medaillen zu gewinnen. Die Frauen, die bei den Olympischen Spielen antreten, treiben sie genauso an wie die nachdrängenden Amateure. „Viele dieser Sportlerinnen würden wohl über sich sagen: ‚In meiner Jugend war ich ein Tomboy‘“, vermutet King. „Man sitzt irgendwie zwischen den Stühlen – man ist immer noch feminin, aber man passt nicht in eine Schublade.“ Und das ist gut so: „Wir hören nicht mehr auf Leute, die uns sagen, was wir machen dürfen. Wir entscheiden selbst. Da draußen gibt es viele kleine Mädchen, die die Burschen in den Schatten stellen, und das ist vollkommen normal – das ist eine tolle Sache.“
Folge @kingmorghan auf Instagram 47
„DOCH, DAS MACHE ICH!“ Cliff-Diverin ANNA BADER springt von 22 Meter hohen Plattformen ins Meer und bezeichnet sich als Angsthäsin: „Das Mutigste, was ich jemals gemacht habe, war, meinen Vater anzurufen.“ Interview WERNER JESSNER 48
DEAN TREML/RED BULL CONTENT POOL
Mit 80 km/h in die Tiefe. In wenigen Sekunden weiß sie, ob sie alles richtig gemacht hat: Anna Bader bei der Red Bull Cli≠ Diving World Series auf den Azoren.
„WENN DU DICH ZUM ABSPRUNG ENTSCHLIESST, IST KEIN PLATZ MEHR FÜR ZWEIFEL ODER FURCHT.“ Allein die Entscheidung zu treffen sei schon ein Sieg, meint Anna. Fatal sei es, in einer Zwischenwelt stecken zu bleiben und dabei unglücklich zu sein.
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Routine als Gegenpart zur Angst: per per fekte Vorbereitung, perfektes Mindset, perfekte Bedingungen? Routine kehrt da nie ein, egal wie perfekt du drauf bist. Weil du dich überwinden musst. Weil du mit der Erdanziehung spielst. Weil du deinen Sprung leicht und einfach aussehen lassen willst. Weil du den Moment der Schwerelosigkeit in der Luft, die Freiheit genießt. Routine ist manchmal der Weg dorthin.
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nna Bader, 34, ist siebenfache Europameisterin im Klippenspringen. Die deutsche Ausnahmeathletin war in ihrer Jugend Kunstturnerin und hat 2013 den ersten Red Bull Cliff Diving-Event für Frauen gewonnen. Am 5. August folgt die nächste Premiere für die Mutter einer knapp zweijährigen Tochter: Da kommt sie mit den weltbesten Cliff-Diverinnen erstmals nach Sisikon an den Urnersee. the red bulletin: Was ist der Unter schied zwischen „Mut“ und „keine Angst“? anna bader: Mut ist Selbstvertrauen, keine Angst zu haben geht hingegen schnell Richtung Leichtsinn, wenn man Risiken verleugnet. Aus über 20 Metern zu springen geht gegen die menschliche Natur. Wer es einmal probiert hat, weiß, was passieren kann, wie hart das Wasser wird, wenn du mit 80 km/h eintauchst. Stark zu sein heißt nicht, furchtlos zu sein. Stärke ist, seine Ängste genau zu kennen und sie zu überwinden.
SAMO VIDIC/RED BULL CONTENT POOL
Wie gelingt das? Durch ganz viel mentales Training. Und durch körperliche Fitness sowie das daraus resultierende Selbstvertrauen. Ich habe mir ein Zitat von Oscar Wilde herausgeschrieben: „Vorsicht ist, was wir bei anderen Feigheit nennen.“ Einverstanden? Interessant. Ich persönlich bezeichne mich als Angsthäsin unter den CliffDivern. Ich muss alles genau abchecken, bevor ich springe, und zu einhundert Prozent sicher sein, dass ich bereit bin. THE RED BULLETIN
Fürchtest du dich vor dem Moment des Eintauchens? Weil du weißt: Jetzt wird es gleich wehtun. Ein bisschen zumin dest – oder sehr. Beim Eintauchen wird dein Körper mit dem Vierfachen seines Gewichts verzögert … Das ist der Moment der Wahrheit. Jeder Fehler, den du in den letzten zwei, drei Sekunden in der Luft gemacht hast, kommt ans Tageslicht. Aber gleichzeitig darfst du dich davor nicht fürchten. Du musst bloß sicherstellen, dass du vorher alles richtig gemacht hast. Wenn du dich entscheidest abzuspringen, ist kein Platz mehr für Zweifel oder Furcht. Es gibt dann kein Zurück mehr? Richtig. Du bereitest dich vor, dann triffst du die Entscheidung. Zu einhundert Prozent. Ich springe – oder ich springe nicht. Egal wozu du dich entschließt: Die Entscheidung überhaupt getroffen zu haben ist schon der Erfolg. Das ist weitaus besser, als in einer Zwischenwelt zu bleiben, wo man sich einerseits nicht traut und andererseits mit sich selbst unzufrieden ist. Manche Menschen bleiben ihr Leben lang darin stecken und verpassen eine ganze Menge. Du hast immer mutige Entscheidungen getroffen. Einfach so für drei Jahre nach China zu übersiedeln … … das war eine meiner besten Entscheidungen überhaupt! Diese Erfahrung! Es war zwar oft wahnsinnig anstrengend, aber ich war drei Jahre lang Teil der weltgrößten Aqua-Show „The House of Dancing Water“. Einfach toll! Mit welchem Gefühl bist du damals aufgebrochen? Vorfreude. Ich empfand pures Glück. Okay, anderes Beispiel: Ich finde es mutig, dass du dich zuerst für den „Playboy“ ausgezogen hast und dann Lehrerin geworden bist. Mich auszuziehen war kein großes Ding. Tolles Angebot, sehr schmeichelhaft fürs Ego, denn im „Playboy“ sind keine hässlichen Frauen. Zudem gefiel mir die Idee, 51
Schon die untere PlattÂform ist etwa 20 Meter hoch. Der KĂśrper wird beim Eintauchen mit dem Vierfachen seines Gewichts abgebremst.
ein paar Leute damit zu schocken, hehe. Aber die Wellen, die das dann geschlagen hat – damit hatte ich nicht gerechnet. Inwiefern? Es hat gedauert, bis die Menschen wieder normal mit mir geredet haben. Zwar bist du prominent, aber unvoreingenommene Treffen mit neuen Menschen waren lange kaum möglich. Es war nicht auf Augen höhe. Du steckst in einer Schublade. Und in der Schule? War es noch schwieriger. Die Bilder sind da draußen. Das Internet vergisst nicht, und jeder Schüler kann mich nackt googeln. Nach einem halben Jahr habe ich die Schule verlassen, ein Jahr Pause gemacht, mich wieder auf den Sport konzentriert und mir überlegt, wie ich künftig ein respektvolles, gutes Lehrer Lehrer SchülerVerhältnis Schüler Verhältnis herstellen könnte. Und zwar wie? Indem ich mich vor die nächste Klasse hingestellt und die Wahrheit erzählt habe. Mein Leben. Dass ich keine klassisch lineare Biografie habe. Dass ich im Wasser Zirkus aufgetreten bin, Klippen Wasser springerin bin, dass es diese Fotos gibt und ob sie zu irgendetwas Fragen haben. Ab dem Moment war das Eis gebrochen.
„MICH AUSZUZIEHEN WAR KEIN GROSSES DING. SCHWIERIG WAREN DIE SPÄTEREN REAKTIONEN DER MENSCHEN DARAUF.“ Mut zur Ehrlichkeit? Klar Schiff machen, ja. Ich bin stolz, in die Schule zurückgegangen zu sein, nachdem ich schon aufgegeben hatte. Auch weil mich gewisse Menschen zur Authentizität inspiriert haben. Was war das Mutigste, was du je gemacht hast? Für viele wäre das wahrscheinlich, von einer 22 Meter hohen Plattform ins Meer zu springen. Aber ich schätze, du hast da andere Maßstäbe? (Denkt lange nach.) Das ist jetzt sehr per per sönlich. Ich lag jahrelang im Clinch mit meinem Vater. Hier den ersten Schritt zu tun, mich mit ihm zu versöhnen, mich zu entschuldigen, das hat sehr viel Mut erfordert. Ja, das war das Mutigste, was ich im Leben gemacht habe. Definitiv. Denn ich bin eine sehr stolze Person.
Was hat den Ausschlag gegeben, den ersten Schritt zu machen? Die Frage: Wie lebe ich richtig? Die be gleitet mich immer. Da war irgendwann der Punkt, wo ich nach Jahren den Mut aufbringen musste, das Telefon in die Hand zu nehmen und ihn anzurufen. Das hat Zeit gebraucht, wie vieles im Leben. Wie die Vorbereitung auf einen neuen Sprung: Du weißt, wenn du dazu bereit bist, und dann ziehst du es durch? Da gibt es ganz viele Parallelen. An einem neuen Sprung kaust du nächtelang, bis du weißt: Ich mach’s. Dann hast du auch kei ne Angst. Aber der Prozess braucht Zeit. Ist es nicht manchmal sogar mutiger, nicht zu springen? Es gibt immer wieder Athleten, die Sprünge gegen ihre innere Überzeugung erzwingen. Das hat noch selten gut ge endet. Ich war mal auf einem Werbedreh in Thailand. Wir sollten ins Meer springen, das an dieser Stelle hätte sieben Meter tief sein sollen. Ich habe das nicht ge glaubt und gebeten, nachzumessen. Die Armeetaucher haben eine Latte ins Meer gehalten, bis sie tatsächlich sieben Meter unter Wasser war – allerdings nur an einer einzigen Stelle zwischen Steinbrocken. Der Rest war eher so zwei Meter tief.
SELBER SPRINGEN
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Mit Anna Bader & Co selbst abtauchen
Falls doch einmal eine Landung schiefgeht, stehen Rettungstaucher bereit.
THE RED BULLETIN
Unter Profi-Anleitung selbst springen, die Freiheit in der Luft spüren und in die extreme Cli≠divingWelt eintauchen: Das ist die Idee von Mad Hoppers, der Firma von Anna Bader und Kris Kolanus, ihrem Lebensgefährten. „Cli≠diving ist nicht nur für Profis“, sagt Anna. „Jeder sportliche Mensch kann das lernen.“ madhoppers.eu 53
Ich nehme an, du bist nicht gesprungen. Nein! Vor dem Sprung kannst du alles beeinflussen. Ab dem Moment, wo du den Boden verlässt, nicht mehr. Egal wie hoch der Druck ist, wie viele Kameras auf dir sind. Es kann zu windig sein. Die Wellen zu hoch. Ich kann immer umkehren. Dazu ein Zitat von Erich Kästner: „Auch der stärkste Mann schaut einmal unters Bett.“ Haha, sehr gut! Viele Männer haben tatsächlich ein Ego-Problem. Sie geben nicht zu, dass sie von der Situation überfordert sind und ein Rückzug die klügere Variante wäre. Dass sie in ein paar Monaten wieder wiederkommen sollten – besser vorbereitet. Deine Tochter wird im September zwei Jahre alt. Ein Kind in die Welt zu setzen ist auch eine mutige Entscheidung. Aber auch das war eine sehr, sehr gute! Selbst ohne sicheren Job, eigenes Haus und langjährigen Partner. Kris (ebenfalls Red Bull Cliff Diver; Anm.) und ich wussten früh, dass wir ein Kind wollen. Natürlich wirst du aus deinem alten Leben gerissen, vor allem, wenn es so sprunghaft und spontan war wie bei uns vorher. Heute hier, morgen da: Das geht nicht mehr so leicht. Aber es ist ein Riesengeschenk. In ein paar Jahren wird sie wahrscheinlich am Zehnmeterturm stehen. Ja, das könnte passieren. Zwangsläufig kriegt sie mit, was wir machen, und sie hat auch schon Feuer gefangen.
Wie setzt ihr das heute als Eltern um? Wir versuchen da zu sein und sie auf aufzufangen. Aber sie soll merken, dass sie fällt. Dass ihr Tun Folgen hat. Klingt mir eine Spur zu cool. Nein! Ich habe wahnsinnige Angst um mein Kind. Wenn es als Baby in der Nacht 54
„EGAL WIE HOCH DER DRUCK IST, EINES DARFST DU NIE VERGESSEN: SOLANGE DU AM BODEN BIST, KANNST DU IMMER NOCH UMKEHREN.“ länger nicht geschrien hat, habe ich gehorcht, ob es noch atmet. Oder ob die Erkältung nicht doch etwas Schlimmeres ist. Typisches Mutter-Ding! (Lacht.) Von übervorsichtigen Eltern am Spielplatz bis zu Autos mit zwölf Airbags: Fürchten wir uns vor zu vielen Dingen, die meist ohnehin nicht eintreten? Was ich schade finde: Kinder sind über ihr Handy für die Eltern permanent er er-
reichbar. Dabei war doch gerade diese unsichtbare halbe Stunde am Weg von der Schule nach Hause jene Zeit, wo du am meisten Selbstvertrauen mitbekommen hast, weil du gemerkt hast: Ich kann das selber. Ich bin in meinen Entscheidungen zum ersten Mal frei. Ich kann gehen, wohin ich will. Die Welt ist kein Ort, vor dem man mich beschützen muss. Okay, keine Angst zu haben ist eher der Normalzustand in unserer Welt, würde ich sagen. Aber Mut ist dann doch noch eine ganz andere Nummer. Ich finde, Mut entsteht daraus, dass man nicht sich von den Meinungen anderer abhängig macht, sondern sein Leben lebt. Statt zu denken: „Das kann ich nicht machen!“, zu sagen: „Doch, das mache ich!“ – das ist Mut.
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Der Satz war in die Richtung gemeint, dass man oft mehr Angst um andere hat als um sich selbst. Dass man dem Kind die Chance geben soll, Erfahrungen zu sammeln, sich die Nase anzuschlagen – ohne es immer retten zu wollen. Wie entlässt man Kinder mutig in die Welt? Ich habe meine Eltern als Vorbild. Meine Erziehung geschah mit viel Vertrauen. Den Satz „Wir haben es dir ja gesagt!“ habe ich selten gehört. Ich wurde nicht zur Angst erzogen. Bei uns hieß es: „Das kannst du.“ Oder: „Du musst es wissen.“ Gerade mein Vater hat jeden Quatsch mitgemacht und ist mit uns von Bäumen gesprungen.
Unter den Favoritinnen in Sisikon: Publikumsliebling und Sonnenschein Anna Bader
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F.A.Z.
MEHR UNTER FAZDIGITEC.DE
IGGY POP, MONTREAL, 2016
Entdecke deine Umwelt neu! Voraussetzung für gute Ideen sind viele Ideen, heißt es. Kaum ein Musiker setzt konsequenter aufs Ausprobieren als Rockstar Iggy Pop: „Als es mit meiner zweiten Band The Stooges losging, spielte ich auf der Bühne mit einem verstärkten Staubsauger und holte aus ihm einen richtig guten Sound raus. Dazu musst du den Kopf des Schlauches abschrauben und deinen Daumen draufhalten, bis ein Pfeifen entsteht, das sich wie ein Sturmwind anhört. (…) Bald darauf erweiterten wir unser Repertoire mit Bootshörnern … und einem Mixer. Der Mixer kostete nur 16 Dollar, aber wenn man ein bisschen Wasser reinfüllte und ihn vors Mikro hielt, klang er wie die Niagarafälle.“
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Lernen von Legenden HENRY LEUTWYLER/CONTOUR BY GETTY IMAGES
Staubsauger-Experimente mit Iggy Pop, Hass-Therapie mit Björk: Bei der RED BULL MUSIC ACADEMY teilen Künstler von Weltrang ihre Kreativstrategien mit jungen Musikern. Hier sind die besten Tipps aus 20 Jahren – die auch deinen Alltag beflügeln. Text SIMON SCHREYER
FATIMA AL QADIRI, TOKIO, 2014
Wenn du nicht weiterkommst, mach Party!
Tauch in fremde Welten ein!
Qualität kommt von Qual, heißt es oft. Allzu lange sollten sich Kreative aber nicht allein quälen, meint DJ Seth Troxler: „Wenn du nicht weiterkommst, dann lass es und geh raus. In meiner Karriere war das enorm wichtig. Auszugehen, zu einer Szene zu gehören, Leute zu treffen. Als ich mit dem Auflegen anfing, war ich überall, auf jeder Party. Ich traf andere Kreative, die sagten: ‚Hey, dich kenn ich doch, wie geht’s dir?‘ Du redest mit neuen Leuten, und die Dinge entwickeln sich auf natürliche Weise.“
Wenn du gewohnte Denkmuster aufbrechen willst, hilft es, sich von Menschen inspirieren zu lassen, die völlig anders ticken als du selbst. Musikerin Fatima Al Qadiri wuchs im Kuwait der 1980er-Jahre auf, doch ihre wichtigsten kreativen Inputs waren japanische Cartoons und klassische russische Musik: „Das Erstaunliche an diesen Cartoons waren ihre Erzählstrukturen, die im Vergleich zu unseren arabischen Narrativen echt seltsam waren: Da war die Geschichte von einem Mädchen, das seine Gestalt wechseln kann. In diesem Sinne war der Einfluss japanischer Animes auf mich so dramatisch wie jener der klassischen russischen Komponisten, mit denen sie ein futuristisches Element gemeinsam hatten. Das hatte alles Sinn für mich!“
WERNER HERZOG, NEW YORK, 2017
Schärfe deine Sinne! Was uns einfällt, hängt auch davon ab, was wir wahrnehmen. Wer seine Sinne schärft, schärft also auch seine Kreativität, meint Regisseur Werner Herzog. „Bei den Dreharbeiten zu ‚Höhle der vergessenen Träume‘ forderte ein Archäologe das Filmteam auf, ganz leise zu sein. Denn wenn du wirklich hinhörst, dann ist es so still, dass du dein eigenes Herz schlagen hörst. Ich glaube, dass das, was aus der Musik zu uns spricht, aus der Stille wächst. Beethoven hat das verstanden. Denken wir an eine unglaubliche Komposition wie ‚Fidelio‘, wo nach anfänglicher, spürbarer Stille eine einzige weibliche Stimme beginnt, a cappella zu singen. Plötzlich setzt ein Chor ein und dann ein Quintett, und die Musik steigert sich in eine gigantische, in eine kosmische Schönheit. Und dabei hat alles in dieser Stille seinen Ursprung genommen, im Nichts.“ 58
DJ PREMIER, TORONTO, 2007
Wiederhole dich nie! Selbstkopie ist verlockend: Wenn du weißt, dass du mit einem Kunststück leicht Erfolg haben könntest, warum solltest du dich anstrengen? Weil nur so Einzigartiges entstehen kann, meint der Hip-Hop-DJ und -Produzent DJ Premier, genannt Primo: „Manche Artists wollen mir einen Beat im Stil von ‚New York State of Mind‘ oder ‚So Ghetto‘ entlocken: ‚Hey Primo, bastle mir doch so einen Beat, wie du es damals für Nas oder Jay-Z getan hast!‘ Nein, mein Freund, ich werde dir ein frisches Instrumental machen, von dem ich finde, dass es zu deiner Person, zu deinen Texten und zu deiner Stimme passt!“ THE RED BULLETIN
GETTY IMAGES (2) DAN WILTON/RED BULL CONTENT POOL, TREVOR DERNAI/RED BULL CONTENT POOL, SANTIAGO FELIPE/RED BULL CONTENT POOL
SETH TROXLER, NEW YORK, 2013
BJÖRK, MONTREAL, 2016
Mach deinen Hass zum Helfer! Besondere Sichtweisen ermöglichen besondere Einfälle. Die isländische Künstlerin Björk gewinnt sogar nega tiven Gefühlen neue Perspektiven ab: „Als Musikschülerin konnte ich Bach und Beethoven nicht ausstehen. ‚Was interessieren mich diese alten Deutschen?‘, dachte ich mir. Heute liebe ich Streichinstrumente und arbeite oft mit ihnen – und ich glaube, dass mir der Hass von damals einen ganz eigenen Zugang ermöglicht hat. Was ich sagen will: Hass ist ein wichtiges Werkzeug, um heraus zufinden, was du nicht willst. Das wiederum hilft dir, deinen eigenen Geschmack und Stil zu finden.“
ERYKAH BADU, MADRID, 2011
Suche (wirklich überall) nach Inspiration! Beim Duschen, beim Spazieren oder am Schreibtisch: Fast jeder Mensch weiß einen Ort, an dem ihm die besten Ideen kommen. Anders die texanische Soulsängerin Erykah Badu. Für sie kommt es darauf an, wirklich immer offen für Einfälle zu bleiben: „Die Inspiration für meine Texte kann von über all herkommen: etwas, das jemand in einer Talkshow sagt, ein Streit, eine unglückliche Liebesgeschichte oder eine Episode von ‚Familie Feuerstein‘.“
IM EINSATZ FÜR DEN GUTEN TON Bahnbrechende Musik lebt von bahnbrechenden Ideen: Deshalb fördert die Red Bull Music Academy Kreativität in der Musik. Jedes Jahr geben renommierte Künstler ihr Wissen an außer gewöhnliche Talente weiter – in einmonatigen Workshops an Orten rund um die Welt, von Barcelona über Kapstadt bis New York. Hinzu kommen einzelne Events wie Gesprächsrunden, Studiosessions und Ausstellungen. Zu den über 700 Dozenten zählten bereits Stars wie Philip Glass, D’Angelo oder Questlove. ElectroPionier Flying Lotus durchlief die RBMA erst als Teil nehmer und kehrte später als Dozent zurück.
CHARLOTTE GAINSBOURG, PARIS, 2017
Verwandle Schmerzen in Chancen!
TONY BLASKO/RED BULL CONTENT POOL, KAREL CHLADEK/RED BULL CONTENT POOL, GETTY IMAGES (2), FUNKHAUS-BERLIN.NET
Dass in persönlichen Katastrophen großes kreatives Poten zial liegt, klingt wie ein Klischee. Doch die französische Sängerin Charlotte Gainsbourg machte 2007 nach einem Wasserskiunfall genau diese Erfahrung: „Ich musste nach der Operation tion dauernd Tests in einer dieser elektronischen MRT MRT Röhren über mich ergehen lassen. Als ich zu dieser Zeit mit dem Künstler Beck zu komponieren begann, fühlte ich mich ängstlich und wehrlos. Ich sah meine einzige Möglichkeit, diese seltsamen Gefühle zu verarbeiten, darin, meinen Zu stand in den Songs zu thematisieren. ‚Heaven Can Wait‘ war der erste von drei Songs, die auf diese Weise entstanden.“
CHILLY GONZALES, MONTREAL, 2016
Lass dich beklauen! Auf Ideendiebstahl reagieren viele allergisch (wenn nicht mit Abmahnungen). Pianist Chilly Gonzales war erst Opfer, dann Profiteur einer Entwendung: „Drake sampelte einen Part aus meinem ersten Album, ohne mich zu fragen oder mich als Urheber anzuführen. Einerseits fühlte ich mich natürlich geschmeichelt, andererseits war ich verstört.“ Doch über die Episode kamen die beiden miteinander in Kontakt. Gonzales: „Ein paar Jahre später hostete Drake die Junos, die kanadische Version der Grammys, und lud mich ein, ihn bei einem Sketch auf dem Klavier zu begleiten. Daraus ergab sich wiederum die Gelegenheit, miteinander ins Studio zu gehen.“
JEFF MILLS, BERLIN, 1998
Befreie dich von Schubladen! Wer nur in Rastern denkt, kann nichts Großes erschaffen. Dieser Gedanke stand im Zentrum des Vortrags von Techno Pionier Jeff Mills – der ersten Lecture in der Geschichte der Red Bull Music Academy. „Das Plattenlabel Basic Channel aus Berlin ist ein gutes Beispiel: Es ist weder House noch Techno, es ist am ehesten etwas zwischendrin. Und es ist ver ver dammt gut! Wenn es aber so gut ist, weshalb fragen wir dann nach der Kategorie? Ich versuche, meine Sets variiert und progressiv zu halten – mal Minimal, mal House. Im Endeffekt geht es um die Party: Die Leute arbeiten den ganzen Tag, am Abend wollen sie eben feiern, ganz egal, wie der Musik Musik stil genau genannt wird.“ THE RED BULLETIN
HALLO, HAUPTSTADT Zu ihrem 20. Geburtstag kehrt die Red Bull Music Academy zurück an ihren Geburtsort. 1998 feierte die RBMA in Berlin ihre Premiere, 2018 zieht sie für fünf Wochen ins Berliner Funkhaus. Von 8. 9. bis 12. 10. arbeiten dort Musikgrößen mit 61 Talenten. Hinzu kommen Events wie Funkhaus, Berlin öffentliche Lectures und eine Ausstellung wegweisender Berliner Künstler. 1956 als DDRSendezentrum fertiggestellt, gelten die Räume des Funkhauses noch heute als Wunder der Klangarchitektur. Ergänzt durch moderne Technik, bieten sie den AcademyTalenten die perfekte Umgebung, um ihre Ideen zu verwirklichen. Zugleich findet an verschiedenen Orten in Berlin das Red Bull Music Festival mit Konzerten, Club Nächten und Vorträgen statt. www.redbullmusicacademy.com 61
TAKE FIVE
DJ, Poet und Urban Runner CHARLIE DARK über …
DIE KUNST, WENIGER ZU WOLLEN Der Londoner Charlie Dark war erfolgreicher Läufer. Dann wurde ihm das ewige Gewinnenwollen zu ernst und zu fad. Heute ist er Pionier des Urban Running, des akrobatischen Laufens durch die Stadt. Der Typ hat leicht lachen: Er holt aus weniger Anstrengung mehr Spaß.
2 Offen bleiben
Meine Freundin zwang mich dazu, in ein Retreat mit ihr zu gehen, Yoga und Meditation in der Gruppe. Ich hatte null Bock – aber was wurde draus? Die große Erleuchtung. Man kapiert Yoga nicht, wenn man sich nicht ganz darauf einlässt. Man kann die Figuren nachmachen, aber ohne das richtige Atmen ist alles Zeitverschwendung. Plötzlich offenbarte sich mir die spirituelle Seite, die Verbindung zur Meditation, ihr Einfluss auf mein eigenes Leben. Dieses Retreat veränderte mein Leben!
3 Neue Wege finden
Ich arbeite viel mit jungen Leuten aus Problembezirken. Sie wachen morgens auf und sind wütend. Verstecken sich den ganzen Tag hinter einer Maske. Ich sage ihnen: Probiert Yoga und Meditation! Und es hilft ihnen. Ein Fünfzehn Fünfzehnjähriger, der aus seinem Plattenbaufenster aus sieht, wie sich rund um ihn alles ver verändert, braucht etwas, was ihm hilft, mit seinem Alltag fertig zu werden.
4 Bei sich selbst ankommen 1 Hirn einschalten Irgendwann ging es beim Laufen nur noch um Medaillen. Heute sind mir die Ziffern auf der Stoppuhr egal.“ CHARLIE DARK
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Wer das Laufen für sich entdeckt, fühlt sich zunächst einmal unbesiegbar. Ich kenne welche, die krochen vom Sofa und liefen ein paar Wochen später über die Ziellinie des London Marathon. Und ich sah Leute, die rannten einen Marathon, feierten die Nacht durch, gingen zur Arbeit und trainierten einfach Vollgas weiter. Ich war da keine Ausnahme. Aber irgendwann kommt das böse Erwachen. Ich zog mir eine Oberschenkel- und eine Gesäßmuskelverletzung zu. Mein Körper war kaputt. Dadurch begriff ich, dass es um Freude geht, nicht ums Gewinnen.
Wenn man mit dem Laufen beginnt, hakt man erst mal Ziele ab. Ein Anfänger kann in 16 Wochen fit genug für einen Marathon werden. Aber was dann? Bei meinem Laufen ging es irgendwann nur noch um Medaillen. Das langweilte mich. Jetzt ist Laufen für mich ein Mittel, um mich wohlzufühlen. Die Ziffern auf der Stoppuhr sind mir egal geworden.
5 Andere begeistern
Ich halte mit meinem Partner Yoga-Kurse ab, bei denen jeder zahlt, was er möchte. Wenn man sich um sich selbst kümmern will, sollte das nicht am Geld scheitern. Unser Yoga-Training läuft anders ab als in normalen Studios. Ich möchte noch viele neue Ideen ausprobieren, und wenn nicht alle aufgehen, macht das auch nichts!
Interview MARK WILDING Fotos SIMON R PHOTOGRAPHY THE RED BULLETIN
Portrait Waterman Kai Lenny The Dream Westaustralien: Red Bluff Photofolio Daniel Josefsohn Art Cleon Peterson Culture Voodoo in Haiti Living Mobiles Wohnen Interview William Finnegan Style Bikes fĂźr den Beach
Germany Austria Benelux Suisse
15.00 EUR 16.00 EUR 16.00 EUR 20.00 CHF
KTM/PHOTOSDAKAR.COM
Laia Sanz, KTM-Werkspilotin: 100 Prozent Zielankünfte beim härtesten Motorsport-Event der Welt – also 100 Prozent richtig gemacht
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DIESE FRAU SCHLÄGT 9 VON 10 MÄNNERN BEI DER RALLYE DAKAR Weil sie ihre Träume lebt, obwohl ihr alle davon abgeraten haben. Die Spanierin LAIA SANZ und ihr 15-Punkte-Programm für ein erfolgreiches Leben an der Spitze. Text WERNER JESSNER
1 Liebe das, was du tust.
Ja, ich bin eine Frau, doch mich musste nie jemand zum Motorradfahren überreden. Es war mir immer ein Bedürfnis.
2 Glaube an deinen Traum.
Schon als kleines Mädchen habe ich jede Minute der Rallye Dakar vor dem Fern seher regelrecht gefressen. Klar war es anfangs bestenfalls eine verrückte Idee, dereinst selbst hier starten zu wollen, noch dazu als Teenie. Aber schau mich heute an: Jetzt war ich schon achtmal am Start und noch jedes Mal im Ziel!
3
Setz dir kleine Ziele und verfolge sie – Schritt für Schritt. Ich denke
4 Vergiss andere Meinungen.
Keine davon ist so relevant wie deine eigene. Was theoretisch möglich gewesen wäre, was du wirklich kannst, das weiß niemand so gut wie du selbst. Dasselbe gilt für deine Fehler. Die Einschätzungen anderer bringen dich nicht weiter.
Fürchte dich nicht davor, deine 9 Träume in die Realität umzusetzen.
Der Moment, als ich am Start meiner ersten Dakar Rallye stand, wird für immer bei mir bleiben. Bloß hier zu stehen, mit dem Bike zwischen meinen zitternden Beinen, war ein Sieg. Sie dann auch noch zu beenden war der nächste Sieg. Die letzten zehn Kilometer habe ich geflennt wie ein … ja, wie ein Mädchen.
du von hinten kommst, 5 Definiere deine eigenen Regeln. 10 Wenn musst du mehr arbeiten. Ich bin immer gegen Buben, später Männer angetreten – und habe sie ge schlagen. Damenwertungen haben mich nie interessiert.
6
Dein Gegner bist du selbst.
Schau nicht, was die anderen machen, sondern versuche, dein persönliches Maximum zu erfassen – und es auch um zusetzen. Aktuell beste Frau bei der Rallye Dakar? Was soll ich mir davon kaufen? Irrelevant. Kann ich morgen schneller fahren als heute? Das ist interessant!
7
Konzentriere dich auf deine Stärken. Es hat keinen Sinn, sich
8
Setz dir neue Ziele. Wenn du
den Kopf über Dinge zu zerbrechen, die du nicht ändern kannst. Männer sind körperlich überlegen und risikofreudiger. Dafür bin ich vielleicht schlauer und mache weniger Fehler.
weiterkommen willst, musst du etwas riskieren. Ich war TrialProfi und konnte gut davon leben. Trotzdem habe ich alles hingeworfen, um mir den Traum von der Dakar zu erfüllen. Heute bin ich Dakar Dakar Profi und kann noch besser davon leben. Blicke ich zurück? Niemals. 66
Gerade als Frau in einer frauenuntypischen Sportart musst du Sponsoren und Partner davon überzeugen, dass du vieles genau so gut kannst wie ein Mann – und einiges um vieles besser.
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Habe Geduld. Lang
fristig lohnt es sich – und stärkt dich. Ich habe ungefähr 14 Weltmeistertitel und bin seit dem Jahr 2000 Profi. Aber erst seit 2018 bekomme ich im KTMWerksteam das exakt gleiche Material wie meine männlichen Kollegen. Und vielen anderen habe ich den Vorteil voraus, zu wissen, dass ich auch mit unterlegenem Material mein Können bereits bewiesen habe.
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Liefere Resultate. Ab
einem gewissen Niveau zählt nur noch das, was auf dem Papier steht. Selbst wenn Insider wissen, wie gut du bist: Irgendwann musst du es auch für die anderen sichtbar machen. Mein neunter Platz bei der Rallye Dakar 2017 hat mir viele Türen geöffnet.
13 Schaffe dir ein Netzwerk.
Ich umgebe mich mit verlässlichen Menschen, die mir erlauben, mich auf meine Stärken zu konzentrieren. In einer von Seilschaften getragenen Welt brauchst du deine eigenen, um mitzu halten. Du musst die Regeln kennen und für dich nutzen. Ob Daddy, Mechaniker, bester Freund: Was dir hilft, ist legitim.
14 Bleib realistisch.
Egal wie sehr ich mich noch verbessere: Ich werde die Dakar auf dem Motorrad höchstwahrscheinlich niemals gewinnen können. Für eine Frau ist ein niedriges Top10Resultat das Maximum. Diesem Maximum will ich mich annähern.
15 Träum weiter.
Ein Dakar DakarSieg wäre schön. Das geht aber wohl nur im Auto. In einem guten Team. Dazu braucht man ein perfektes Netzwerk. Mein Job heute ist, parallel zur erfolg reichen MotorradKarriere die ersten Puzzlesteine dafür vorzubereiten.
laiasanz.es THE RED BULLETIN
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maximal von Jahr zu Jahr. So schaffst du dir regelmäßig Erfolgserlebnisse.
Laia Sanz, 32 Jahre, 1,78 Meter: „Natürlich habe ich auch den richtigen Körper für diesen Sport.“
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ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN
JAHRESABO
DAS ACTIVE-LIFESTYLE-MAGAZIN Erhältlich am Kiosk, im Abo, als E-Paper, auf theredbulletin.com oder als Beilage in einer Teilauflage von:
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Jean-Claude Biver, 68, Vordenker: „Natürlich bin ich mit 68 besser als mit 51! Man ist auf der Welt, um besser zu werden!“
„Wenn man Harmonie drinnen hat ... wumm!“ JEAN-CLAUDE BIVER ist eine Ikone der Schweizer Uhrenindustrie. Kein anderer hatte mit so vielen verschiedenen Marken in so vielen verschiedenen Positionen so großen Erfolg. Seine Philosophie? Liebe. Text STEFAN WAGNER
Fotos GIAN PAUL LOZZA 69
T
he red bulletin: Monsieur Biver, ich bin gar nicht hier, um mit Ihnen über Uhren, Umsätze oder Gewinne zu reden. Sondern über Liebe, Vertrauen und Zweifel. Ist das okay für Sie? jean-claude biver: Ist mir sogar viel lieber! Ist doch viel wich tiger, man spricht über die Moral, die Ethik als über ein Geschäft – zumal jedes Geschäft ja immer von der Liebe beeinflusst wird. Sie schreiben in Ihrem Buch viel darüber, wie toll Sie Liebe, Vertrauen und Respekt finden, Moral, Offenheit und Zuwendung. Da wird ja kaum jemand widersprechen … … kann man auch gar nicht, weil es ja normale Dinge sind. Die Basis von allem! Aber was erstaunt: dass Sie damit Erfolg haben, nämlich Erfolg mit vielen Nullen hintendran. Und genau deswegen habe ich das Buch geschrieben. Ich wollte beweisen, dass es auch so geht. Ich wollte den Leuten Mut geben. Also, sprechen wir doch über die Liebe! Was ist Ihre erste Frage? Ich bin heute knapp vor fünf Uhr aufgestanden, um pünktlich hier zu sein. Was haben denn Sie um fünf gemacht? Da habe ich meine ungefähr 110. Mail geschrieben. Aufge standen bin ich um vier. Ich be antworte täglich rund 300 Mails, davon in der Früh 100 bis 150. Der Spruch „Die Konkurrenz schläft nicht“ ist eigentlich als 70
Metapher gemeint, Monsieur Biver. Meinen Sie! (Lacht.) Ich will wirk wirk lich arbeiten, wenn die anderen schlafen! Mit Verlaub, Sie werden im September 69. Und Energie ist kein unendliches Gut. Aber wenn Sie zwei Stunden mehr pro Tag arbeiten, während die Konkurrenz schläft, und das an 300 Arbeitstagen im Jahr, dann haben Sie 600 Stunden plus am Ende des Jahres; dividiert durch 40 Stunden in der Woche, sind das 15 Wochen. Mit zwei kleinen Stündchen. Natürlich, wenn Sie an Dummheiten arbeiten, dann hilft das nichts. Aber wenn Sie kreativ sind oder die richtigen Dinge arbeiten, dann sind das 15 Wochen, vier Monate Vor Vor sprung! Pro Jahr! Sie führen Ihre Unternehmen – nach allem, was man hört – tatsächlich mit den Grundwerten Respekt, Offenheit, Toleranz. Das macht in einem professionellen Business-Umfeld doch extrem verwundbar. Nein, das macht stark. Liebe macht stark. Warum? Weil Liebe interne Harmonie gibt. Und wenn man Harmonie drinnen hat … wumm!, dann ist man viel stärker nach draußen. Aber Liebe kann doch ganz leicht missbraucht werden. Vertrauen kann ganz leicht missbraucht werden. Offenheit
kann ganz leicht missbraucht werden. Alles kann missbraucht werden! Wenn Sie ohne Liebe agieren, das kann genauso missbraucht werden. Missbrauch gehört zum Leben dazu … wie Gefahr. Ja, Gefahr, gutes Beispiel. Im Leben herrscht immer Gefahr. Bevor Sie geboren werden, gibt es schon die Gefahr, dass Ihre Mutter einen Autounfall hat mit Ihnen im Bauch. Die Gefahr ist ein Fakt des Lebens. Was können Sie also tun? Risiken reduzieren, vorsichtig sein? Im Gegenteil! Nicht auf alles aufpassen! Nicht Angst haben, sich nicht von der Gefahr lähmen lassen! Die Gefahr muss zugleich als Konstante akzeptiert und als Herausforderung überwunden werden. Und sehen Sie, genauso ist es mit dem Missbrauch. Der Missbrauch des Vertrauens, der Missbrauch der Liebe gehört zum Leben. Also lasse ich doch lieber meine Liebe und mein Vertrauen missbrauchen als meine Hinterlist oder mein Misstrauen! Deswegen ist es falsch, zu sagen, die Liebe ist eine Schwäche. Sie ist eine Stärke! Die größte! Sie sind nett aus unternehmerischem Kalkül? Es geht um menschliches Be nehmen! Tun Sie es nicht, weil Sie erwarten, dass es Ihnen etwas zurückgibt. Tun Sie es, weil Sie die Leute respektieren. Ich kann doch nicht im Aufzug sein, ohne
„An meiner Philosophie darf ich nicht zweifeln. Aber an meinen Entscheidungen darf ich, soll ich zweifeln! Ich zweifle oft auch an mir, ob ich der Philosophie richtig folgen kann, ob ich nicht sündige. Aber die Philosophie, die steht über allem.“ THE RED BULLETIN
JEAN-CLAUDE BIVER EIN LEBEN IN ZAHLEN
1949
Jean-Claude Biver wird am 20. September 1949 in Luxemburg geboren.
10
Als Zehnjähriger übersiedelt er in die Schweiz. Auf die Schulausbildung in einem Internat in Saint-Prex, Kanton Waadt, folgen Studien in Morges und Lausanne (Abschluss in Betriebswirtschaft).
1975
Einjährige AllroundAusbildung in der Uhrmacherkunst im Vallée de Joux.
33
1982 kauft Biver als 33-Jähriger die Rechte an der seit langem inaktiven Marke Blancpain. Preis: 22.000 Franken.
60.000.000
1992 verkauft er Blancpain an die Swatch Group. Preis: 60 Millionen Franken.
007
Als Omega-Manager landet Biver in den 1990ern aufsehenerregende Marketing-Coups. Unter anderem macht er die Omega Seamaster ab 1995 („GoldenEye“ mit Pierce Brosnan) zur James-Bond-Uhr.
1998
Bei Biver wird die Legionärskrankheit diagnostiziert, eine lebensgefährlichen Lungenkrankheit, mit der er seither lebt.
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Mit 51 wird Biver zum fünften Mal Vater. Er ist zum zweiten Mal ver heiratet. Die Scheidung von seiner ersten Frau bezeichnet er als „meine größte Niederlage“.
mit meinen Leuten zu sprechen, und stattdessen auf mein Handy starren! Wie finden Sie die richtigen Leute für Ihre Unternehmen? Die richtigen Leute finden mich. Derjenige, der sich im Gespräch mit mir nicht richtig fühlt, der kommt ohnehin nicht. Wie sieht denn ein Vorstellungsgespräch bei Ihnen aus? Ich beurteile Leute nicht nach ihrer Vergangenheit. Ich lege keinen großen Wert auf das, was sie vorher gemacht haben. Gestern hatte ich eine mitteljährige Frau, 45 Jahre, für eine Position im Marketing da. Die wunderte sich, dass ich ihr CV, Curriculum Vitae, gar nicht dabeihatte. Ich habe gesagt: „Wenn ich Sie als CV sehen muss, dann beurteile ich Sie wie eine Human-Resour Human-Resources-Person. Aber ich möchte Sie wie ein Mensch beurteilen. Mich interessiert Ihre Persönlichkeit. Mich interessiert Ihr Enthusiasmus. Mich interessieren Ihre Ideen. Also das Curriculum brauche ich gar nicht zu nehmen, mich interessiert nicht mal Ihr Name.“ Sie haben nicht mal den Namen der Dame gewusst, die sich bei Ihnen beworben hat? Was hätte der zur Sache getan! Sie hat mich als Mensch interessiert! Und haben Sie sie genommen? Ich weiß es noch nicht, ich muss noch eine Zweite sehen. Ich bin mir nicht sicher. Zweifel? Bei Ihnen? Das über überrascht jetzt. Ich zweifle jeden Tag! Zum Glück! Zweifel ist mein Freund! Aber ein Chef, der an seinen Entscheidungen zweifelt, der ist kein guter Chef. Im Gegenteil, sehr gut! An meiner Philosophie darf ich nicht zweifeln. Aber an meinen Entscheidungen darf ich, soll ich zweifeln!
Ich zweifle oft auch an mir, ob ich der Philosophie richtig folgen kann, ob ich nicht sündige. Das sind meine Zweifel. Aber die Philosophie, die steht über allem. Sie sagten zuletzt über Ihre Tätigkeit als Verantwortlicher für Hublot, TAG Heuer und Zenith: „Bei Hublot bin ich generell beliebt, bei TAG Heuer zu 70 Prozent, bei Zenith stehe ich am Anfang.“ Wie gibt’s das? Die Leute müssen das doch mögen, wenn Sie immer Hände schütteln und im Auf Aufzug fragen, wie’s den Kindern geht. Bei Hublot kennen mich die Leute seit 2004. Also wissen sie, wie ich bin. Ich bin ja kein ganz normaler Mensch, wie ich mich benehme und alles. Bei Zenith kennen mich die Leute noch nicht. Und viele Leute haben Angst, viele Leute werden durch meine Art zunächst ein bisschen verunsichert. Was kann man an Ihrer Art zu führen nicht mögen? Ich bin manchmal zu offen. Das erschreckt Leute. Sie sind es nicht gewohnt, dass man sie so direkt anspricht. Die Leute sind es nicht gewohnt, dass man nackt mit ihnen spricht, ohne Dossier, dass man ihnen direkt in die Augen sieht. Etwa die Dame, die gestern bei mir war. Stellen Sie sich vor, zu Hause fragt ihr Ehemann: „Wie war dein Vorstellungsgespräch?“ Wird sie wahrscheinlich sagen: „Es war schlecht. Er hatte nicht mal mein CV gelesen. Er wusste nicht mal meinen Namen.“ Dass ich ganz genau zugehört habe, als sie über ihre Ideen sprach, das hat sie vielleicht nicht bemerkt. Ich bin eben ein bisschen anders. Bei Hublot kennen mich die Leute seit 2004. Bei TAG Heuer bin ich aktiv seit 2014, nach vier Jahren kennen mich 70 Prozent der Leute. Sie wissen, wie ich bin, wissen, wie ich reagiere, und die mögen mich dann auch. 71
Haben sich diese Menschen verändert in den letzten drei Jahren? Oh ja. Die Augen haben sich ver ver ändert. Die Leute lächeln jetzt mit den Augen, nicht mit dem Mund. Mit dem Mund kann ich vielleicht für den Fotografen lächeln. Aber wenn die Augen lächeln, das ist etwas anderes. Und die Augen sind der Beweis, wie glücklich ich bin, nicht der Mund. Der Mund kann lügen, die Augen nie. Das Schreiben kann lügen, die Augen nie. Noch ein aktuelles Zitat von Ihnen: „Wenn ich bis zum 70. Geburtstag nicht drei starke Markenchefs bei Hublot, TAG Heuer und Zenith habe, ist das die größte Niederlage in meiner Karriere.“ Ah, das ist übertrieben. Haben Sie’s nicht so gesagt? Wahrscheinlich schon. Ich über über treibe eben manchmal. Und wenn ich über den Satz so nachdenke: Er stimmt ja auch. Der größte Erfolg eines Unter Unter nehmers misst sich in der Quali tät seiner Nachfolger, die er auf auf gebaut hat. Wenn er geht und seine Nachfolger das Ding besser führen als er – weil modernere Mentalität, modernere Ideen –, dann erst hat der Chef Erfolg. Wenn der Chef aber geht und die Leute, die dann die Nachfolge übernehmen, es nicht können, dann ist der Chef verantwortlich. Dann hat er versagt. Das heißt, konsequent gesagt, dass dem besten Chef nicht ein mal seine eigene Philosophie gehört. Das muss mir gelingen! Genau das! Richtig! Wenn ein Diktator geht, was passiert? Dann kommt Chaos. Was hat der Diktator also erreicht? Nichts! Er hat nur für sich gearbeitet. Also ein Unter nehmer kann nicht nur für sich arbeiten, er muss auch für die Zukunft arbeiten, und die Zukunft 72
heißt Kinder oder Nachfolger. Und die muss er richtig rauf raufbringen, richtig aufbauen, so dass, wenn er eines Tages geht, die Gesellschaft dann dableibt, die Firma, alles weiter wächst. Besser als mit ihm. Das ist der größte Erfolg, den Sie haben können.
Firma. Denn das geht dann über über allhin. Und es ist unsichtbar – wie der Krebs.
Sie haben Ihren Mitarbeitern bei Hublot seinerzeit Prämien für Fehler gezahlt. Ja.
„First, different, unique.“ Wieder ein Zitat … Ja. Das sind die drei Pfeiler jeder Innovation.
Für einen kleinen Fehler 100 Franken, für einen großen 1000. Sie tun das heute nicht mehr. Weil es dann doch das falsche Signal war? Weil es zu teuer geworden ist? Nein. Weil es nicht mehr nötig ist! Weil sie gelernt haben, Fehler frei willig zu kommunizieren. Das hat die Leute freier gemacht. Es hat die Leute geöffnet. Die Leute haben gesagt: „Wir brauchen keine Angst mehr vor Fehlern zu haben.“ Ich sage immer: „Du kannst Angst haben, wenn du zweimal den selben Fehler machst. Dann musst du sogar Angst vor dir selber haben. Denn das bedeutet, du bist nicht lernfähig. Du verbesserst dich nicht.“ Also jeder kann Fehler machen, das ist ein absolutes Grundgesetz, du darfst nur nicht denselben Fehler zweimal machen und nie dreimal, sonst hast du hier nichts zu tun …
Dazu muss man sagen: Inno vation ist Ihnen fast so wichtig wie Liebe. Ja. Eine Idee mit diesen drei Eigenschaften – first, different, unique – ist eine gute Idee. Wenn Sie so eine Idee haben, kommen Sie zu mir, da bekommen Sie jede Unterstützung.
Die größte Gefahr in einem Unternehmen ist Angst? Ja. Und Frustration. Angst und Frustration, das ist der Krebs der
Aber in den Augen der Leute, da sehen Sie, wie es den Leuten geht? Ja. Ich sehe das.
Genau darauf hab ich gewartet! Ich hab mir nämlich eine Idee ausgedacht, die Ihren drei Eigen schaften entspricht. Aber dazu die vierte Eigenschaft hat, ein bisschen blöd zu sein. Legen Sie los! Die erste Smartwatch, die man gleichzeitig an beiden Hand gelenken trägt, also eine zwei teilige Uhr. Angenommen, ich bin Ihr Innovationsmanager bei TAG Heuer. Und möchte von Ihnen ein Budget für diese Idee. Die ist „first“, die ist „unique“, die ist „different“. Nur ist sie halt auch ein biss chen blöd. Ich finde Ihre Idee nicht blöd.
„Angst und Frustration, das ist der Krebs der Firma. Denn das geht dann überallhin. Und es ist unsichtbar – wie der Krebs.“ THE RED BULLETIN
an den Kopf gegriffen und ge sagt: „Kinder! Gold gibt es seit Tutanchamun, die haben die erste Legierung erfunden, aber Gold ist immer weich, das ist die Eigenschaft des Materials!“ Gold zu erschaffen hat ja schon in der Mythologie keinen be sonders guten Ruf. Es geht nicht um Mythologie, es geht um Physik, um Wissen schaft, um eine neue Legierung. Wir sind zur ETH Lausanne ge gangen und haben gesagt: „Wir sind bereit, fünf bis sechs Millio nen auszugeben, wenn Sie mit uns eine neue Legierung ent wickeln mit diesen und diesen Eigenschaften.“ Dann haben wir daran gearbeitet. Und was haben wir gefunden? 18 Karat kratz festes Gold. Bingo! Wir haben es „magic gold“ genannt.
Der Markt ist mittlerweile größer. Ich war vor kurzem bei Samsung in Korea, und die sprechen von hunderten Millionen Smartuhren. Der Markt ist heute noch in der Steinzeit, ganz am Anfang, wir haben noch gar nichts davon gesehen …
Und wann haben Sie das letzte Mal fünf Millionen Franken so richtig in den Sand gesetzt? Alle mechanischen Armband uhren funktionieren seit 1675 nach dem Prinzip eines nieder ländischen Mathematikers namens Christiaan Huygens. Ein Ingenieur bei uns, bei TAG Heuer, hat gesagt: „Ich kann Ihnen, wenn Sie mir das Geld geben, ein neues Mathematik MathematikModell anwenden.“ Er meinte das Modell der Compliance, das vor fünfzehn Jahren erfunden wurde und etwas mit dem Zittern des Materials zu tun hat. Wir haben gesagt: „Okay, wir investieren.“ Und wir haben dann investiert: in CarbonSpiralen, in Carbon Nanotubes, haben in alles Mög liche investiert.
Wie viele Franken fließen in eine Idee, von der man zu Be ginn nicht weiß, ob sie völlig absurd ist oder genial? Bei Hublot haben wir einmal fünf, sechs Millionen aus gegeben, um die Eigenschaften des Materials Gold zu ändern. Wir haben gesagt, wir wollen, dass Gold nicht mehr weich ist, dass Gold sich nicht mehr so leicht zerkratzt, dass man im Verkauf nicht mehr weiße Hand schuhe anziehen muss wegen des Goldes. Wir haben damals gesagt: „Gold muss hart sein – hart wie Keramik.“ Jeder hat sich
Und jetzt zittern Sie um Ihre Millionen. Vielleicht meinte er das mit Compliance. Manche bei uns zweifeln auch, ob das jemals was wird. Aber erst heute Morgen hatte ich eine Sitzung, und wir denken zu 90 Prozent, dass wir es schaffen. Man muss immer versuchen, dass das Beste geschieht. Aber man muss Mut haben, und man muss auch verzeihen können, wenn es mal nicht läuft. Erfindungen gehen nicht immer. Sogar in der Musik, auch große Musiker und tolle Bands haben mitunter Irr wege beschritten!
„Sie sterben, wenn Sie nicht mehr an die Zukunft angeknüpft sind. Dann sind Sie lebendig tot!“
Hahaha. Wie viel Budget be komme ich? Sie bekommen das Budget, das Sie verlangen, außer Sie verlangen mehr, als wir können. Dann be kommen Sie das, was wir haben. Ich nehme einmal an, dass Sie das recherchiert haben – Sie wissen, dass ich sicher bin, dass wir in zehn Jahren … … keine Smartphones mehr haben werden, wie wir sie heute kennen, ich weiß. Aber tragen wir zwei Uhren statt einer? Das kann sehr gut sein. Es tut mir fast leid, dass ich nicht selber dar dar an gedacht habe. Okay. Der Innovationsmanager in mir hätte jetzt gern 40 Millio nen Franken Budget. Sie haben nämlich gesagt, der Weltmarkt für Smartwatches ist 40 Millio nen Uhren schwer. Ein Franken pro Uhr, das ist doch ein Klacks. THE RED BULLETIN
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Ihr jüngster Sohn kam auf die Welt, als Sie 51 waren. Sie sagten anlässlich seiner Geburt, man ist mit 51 ein besserer Vater als mit 31. Hatten Sie recht? Und wie!
die Zukunft angeknüpft sind. Dann sind Sie ein Museum. Dann sind Sie lebendig tot. Und leben dig tot ist der schlimmste Zustand des Lebens! Man kann ja nicht tot sein beim Leben!
Und wie ist es mit 68? Ist man noch besser. Man lernt Distanz. Man lernt Toleranz, man lernt Respekt, man lernt immer besser, das Kind zu respektieren. Ja, man wird ständig besser. Wie soll es auch anders sein, man kann sich ja nur verbessern! Man ist auf der Welt, um besser zu werden!
Sie haben Ihre Leidenschaft im Leben gefunden, Monsieur Biver, selten braucht ein Inter Interview so viele Rufzeichen. Wie finde ich meine Leidenschaft? Um fünf Uhr null fünf! Da! Genau 5.05 Uhr habe ich die Mail ge sendet.
Man wird also auch als Unter Unternehmer, Chef oder Manager besser? In einem Alter, in dem andere nur noch Golf spielen? Jawohl! Aber nur, wenn man auch die Fähigkeit des Zuhörens hat und die Fähigkeit des Lernens. Sonst wird man von der Zukunft abgeschnitten. Erst heute Morgen habe ich einem jungen Mann ge schrieben – er ist 23 oder 24, ein unglaublich cleverer Mathemati ker, macht eine Lehre bei uns, er hat mir vor ein paar Tagen seine Ideen geschrieben. Heute Morgen habe ich geantwortet. Ich habe geschrieben: „Ich will Ihnen zu hören, was Sie mir empfehlen, was in meiner Strategie für TAG Heuer verbessert werden kann. Ich will Sie bitte übermorgen sehen.“ Ich kann Ihnen die Mail zeigen, sehen Sie her, ich suche sie schnell heraus, es war fünf Uhr, ungefähr … Lassen Sie nur, ich glaub Ihnen schon! Und er hat mir gleich morgens zurückgeschrieben: „Danke, dass Sie ein Ohr für mich haben.“ Haben Sie keine Angst, dass Sie mit 68 die Welt der Jungen nicht mehr verstehen? Ja! Große Angst! Riesenangst! Und genau deswegen höre ich ja zu! Deswegen lerne ich! Sie sterben, wenn Sie nicht mehr an 74
Das hat Ihnen jetzt keine Ruhe gelassen … (Lacht.) … fünf null fünf. Aber Sie wollen ja wissen, wie Sie Ihre Leidenschaft finden. Also: Das Suchen fängt mit der Neugier an. Suchen Sie nicht, solange Sie kei ne Neugier haben. Neugier ist der Beginn von allem. Ich sehe zum Beispiel diese Kaffeetasse hier, und ich frage mich: „Wie ist diese Tasse entstanden? Ist das Kera mik, wie macht man das?“ Den meisten Leuten ist das vielleicht völlig egal. Aber mich interessiert: Wie baut man Keramik? Darüber denke ich nach. So baue ich Neu gier auf. Und dann entsteht aus der Neugier ein Sog. Und geben Sie diesem Sog nach! Folgen Sie ihm, egal wo er Sie hinführt! Angenommen, ich bin 49 Jahre alt, habe einen Beruf, den ich ohne besondere Leidenschaft ausübe, aber leidlich gut, ich kann ordentlich davon leben – und ich muss auch davon leben. Wie die meisten Leute, ja. Also, was mache ich? Wenn Sie wirklich unglücklich sind, null Leidenschaft für die tägliche Arbeithaben, dann sind Sie ja im Gefängnis, dann sind Sie halb tot. Dann machen Sie etwas! Und machen Sie es so, wie ich gesagt habe: Lassen Sie sich von Ihrer Neugier treiben. Sie werden keinen besseren Wegweiser raus aus dem Gefängnis finden.
2003
Biver wird nach einem Jahrzehnt bei Omega wieder Unternehmer, übernimmt die kriselnde Marke Hublot.
2005
Hublot lanciert den Chronographen Big Bang und feiert damit weltweit Erfolge.
800 %
Verkauf von Hublot an den franzö sischen Luxusgüterkonzern LVMH. In seinen vier Jahren verachtfacht Biver den HublotUmsatz von 25 auf über 200 Millionen Schweizer Franken. Biver bleibt bei LVMH für Hublot verantwortlich.
2014
Biver wird Präsident des Uhrenbereichs bei LVMH und betreut heute die Marken Hublot, TAG Heuer und Zenith.
5
TONNEN Jene Menge an Käse, die Biver jährlich auf seinem Bauern hof in La TourdePeilz produziert. Er verkauft den Käse nicht, sondern verschenkt ihn an Freunde, Verwandte und ausgewählte Restaurants.
175
MILLIONEN FRANKEN Bivers geschätztes Vermögen (laut dem Schweizer Magazin „Bilanz“).
75
Für 2024 – er wird dann 75 Jahre alt – plant Biver, in den Ruhestand zu gehen. „Ich habe dann endlich Zeit, junge Unternehmer und Startups zu beraten.“
Die Zeit für unser Interview ist gleich vorbei. Noch eine letzte Frage: Wieder angenommen, ich bin Ihr Mitarbeiter, wir stehen in Gehaltsverhandlungen, ich möchte gern 1000 Franken mehr pro Monat. Und mein Argument ist: Bringen Sie doch eine Woche keine Blumen ins Unternehmen, dann haben Sie meine Gehaltserhöhung für ein Jahr finanziert! Oje. Schlechtes Argument. Sie sind ja nicht allein! Ich kann doch dem Team nicht sagen: „Ihr be kommt nächsten Montag keine Blumen, weil einer von euch …“ Es geht doch nur um eine Woche Blumenschmuck! Und um 10.000 Franken Blumen fürs Büro, das macht ja ohnehin nicht jeder. Aber es wäre ungerecht, Sie besser zu behandeln als andere. Anderen etwas wegzunehmen, damit Sie mehr haben, ist verboten! Man muss gerecht bleiben, alle mit denselben Maßstäben messen! Wir geben auch nie, nie, nie, nie einer Celebrity eine Uhr for free. Aber als Markenbotschafter bekomme ich doch … Nein, nie! Ein Markenbotschafter respektiert doch die Uhr nicht, wenn er sie einfach so bekommt! Dann ist’s ein Geschenk der Firma. Ein Geschenk meiner Frau, das respektiere ich. Aber das Geschenk einer Firma? Nein. Da haben nicht nur Sie keinen Respekt, sondern Sie erzählen ja auch allen anderen, dass Sie die Uhr geschenkt gekriegt haben, und dann hat überhaupt niemand mehr Respekt. Wenn Sie einen Vertrag mit uns haben, bekommen Sie Geld von uns, und um dieses Geld können Sie gern eine Uhr kaufen, oder in Ihrem Vertrag steht: Sie bekommen soundso viel Geld und eine Uhr. Geschenkt hat die Uhr keiner bekommen, Usain Bolt nicht, Diego Maradona nicht, Cristiano Ronaldo nicht. Das wäre auch ganz falsch. So mache ich ja die Marke kaputt! Sie sagen: „Umgib dich mit Besseren.“ Wollen Sie denn nie der Beste in Ihrem Unter Unternehmen sein? Uh, unbedingt, ganz wichtig: Ich will keine Schlechteren um mich haben, nur Bessere! THE RED BULLETIN
„Ich zweifle jeden Tag! Zum Glück! Zweifel ist mein Freund!“ Die Besseren werden Ihre Entscheidungen aber infrage stellen. Zum Glück tun sie das!
Ja, weil von Misserfolg kann man lernen. Vom Erfolg kann man nur in die Gefahr der Zufriedenheit und der Arroganz geraten.
Und vielleicht werden die Ihre Entscheidungen auch nicht akzeptieren – selbst wenn Sie ein Machtwort sprechen. Das ist der Deal: Ich akzeptiere manchmal die Entscheidung der anderen, und manchmal akzep tiert das Team meine. Ich muss immer bereit sein, meine Ideen zu ändern, wenn jemand mich über über zeugen kann. Dieser Exchange ist wichtig, wir werden reicher durch unseren Ideenaustausch. Der Austausch macht uns reich. Kein guter Vorgesetzter ist Diktator!
Misserfolg führt aber auch zu Unsicherheit, zu Angst, zu Frustration. Da haben Sie schon recht. Aber nur ein bisschen. Denn nicht der Misserfolg führt zu Unsicherheit. Sondern die Wiederholung von Misserfolg. Genau wie die Wie derholung des Fehlers zu Miss erfolg führt. Also müssen Sie dafür sorgen, dass eine Kultur entsteht, in der jeder Fehler er er laubt ist, solange er einmal pas siert. Sie wären ein schlechter Fußballtrainer, würden Sie Ihren Stürmer, der fünf Elfmeter ver ver schossen hat, auch einen sechs ten schießen lassen.
Mitarbeiter, die besser sind als Sie, denen sagen Sie das auch? Natürlich! Mit der größten Freude! Das ist aber nicht schlau. Die werden dann ja mehr Gehalt fordern. Und das müssen sie auch be kommen.
Aber den Stürmer, der gerade eben zum ersten Mal einen Elf Elfmeter verschossen hat, genau den schicke ich zum nächsten? Sehr gut! Sie haben’s verstanden!
So bringen Sie in jedem Unter Unternehmen blitzschnell jedes Gehaltsschema durcheinander. Es gibt viele Fußballspieler, aber eben nur eInen Ronaldo und einen Messi. Sollen die bezahlt werden nach der Lohnklasse „Offensiv spieler“? Das wäre absurd. Das wäre auch ungerecht. Ich mag hier lieber das amerikanische System: Bezahlung nach Kompetenz. Ungerecht, haben Sie vorhin gesagt, ist, jemanden besser zu behandeln als andere. Wenn ich jemanden mit besserer Kompetenz gleich bezahle wie jemanden mit schlechterer, dann behandle ich ihn ungerecht. Sie sagen: „Erfolg ist eine Gefahr, Misserfolg ist eine Chance.“ Das klingt gut, aber …
Die 128 Seiten eines SuperManagers. Autobiografie, Erfolgsratgeber, Inspiration und Vermächtnis in einem. „Du kannst alles, wenn du nur willst“, Verlag Orell Füssli 75
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ROCK DIE ROCKIES
GREG MIONSKE
Tagsüber Abenteuerspielplatz, nachts Party-Mittelpunkt: Colorados Bergstädte sind der neue Sehnsuchtsort aller Outdoor-Fans, die dieses Jahr nicht schon wieder in die Alpen wollen. Text EVELYN SPENCE
THE RED BULLETIN
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Do it
24 STUNDEN Gäbe es die Stadt Boulder nicht, man müsste sie erfinden. Zur Ausstattung zählen 300 Sonnentage im Jahr, Wanderrouten, die mitten im Ort beginnen, und fast 500 Kilometer Radwege. Die dazugehörigen Bikes – vom Cruiser bis zum 29er – kann man an jeder Straßenecke mieten. „In der Freizeit geht hier jeder raus in die Natur“, sagt PR-Berater und Ex-Bergführer Eric „Hende“ Henderson. „Wirklich – jeder.“ Einen Tag voller Action beginnt man am besten mit einer Klettertour auf die ikonische Sandsteinformation der Flatirons. Mit einem Guide wie Ben Markhart von der Colorado Mountain School hat man die acht Seillängen des Third Flatiron (Schwierigkeitsgrad: III) zu Sonnenaufgang in der Tasche – und damit den laut PatagoniaGründer Yvon Chouinard „schönsten Einsteiger-Klettersteig der Welt“. Zwischen den Straßenmusikern und Weed-Wolken in der City-Fußgängerzone Pearl Street und dem Eingang zum Rocky Mountain National Park liegt nur eine knappe Autostunde. Von hier führt die Ridge Road über die Baumgrenze hinaus auf 3713 Meter Seehöhe. Dort stockt der Atem nicht nur wegen der dünnen Luft, sondern auch wegen des gigantischen Ausblicks auf umliegende Viertausender. Zurück in der Stadt, dürfen die Oberschenkel noch einmal brennen: Der Mount Sanitas belohnt drei Kilometer und knapp 400 Höhenmeter Aufstieg mit herrlicher Abendstimmung.
SCHLAFEN Das A Lodge, ein generalüberholtes Motor Inn am Beginn des Boulder Canyon, ist eine Mischung aus Bergsteiger-Hostel (Slackline Park!) und Hotel (Jacuzzi Suite!). Wer es lieber artsy mag, bucht das Maven Hotel in Denvers schickem neuen Viertel Dairy Blocks. ESSEN Boulders Rayback Collective ist eine Art überdimensionales Hof-Fest: mit Food Trucks, 30 verschiedenen Zapf-Bieren, Feuerstelle und Live-Musik. An einer unbefestigten Straße 16 Kilometer außerhalb der Stadt versteckt sich das Gold Hill Inn, eine Blockhauspension aus dem Jahr 1872. Besondere Empfehlung: die gebratene Ente in der Euclid Hall in Denver. TRINKEN Die Bitter Bar in Boulder ist eine Kombination aus Spelunke und In-Bar. Wer es urbaner mag, geht in Denver aus – z. B. im Greenlight Lab mit WhiskeyCocktails in Eiskugeln und experimentellem Mobiliar. BADEN Im aus Quellen gespeisten Eldorado Pool planscht man seit 1905 direkt unter Weltklasse-Kletterrouten. WILD CARD Marihuana ist in Colorado legal. Bei Einheimischen besonders beliebt: The Farm in Boulder.
Rund um Aspen wandert man Aug in Aug mit Viertausendern.
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DIE ROCKIES AN EINEM LANGEN
WOCHENENDE
Wer ein paar Tage Zeit hat, darf sich tiefer ins Hochland vorwagen, wo Einheimische wie die Yoga-Lehrerin Kim Fuller aus Vail oder der Profi-Kanute Ken Hoeve aus Eagle wohnen. „Hier oben kannst du morgens biken, mittags wandern und nachmittags Golf spielen“, sagt Hoeve, „dann bleiben immer noch ein paar Stunden fürs Kanufahren.“ Der perfekte Start in den Tag ist ein Espresso in der Color Coffee Roastery im verschlafenen Eagle, bekannt für seine Mountainbike-Strecken und den Eagle River Park mit seinen neu eröffneten WildwasserAttraktionen. Vom kleinen Nest Minturn führt der Game Creek Trail zum Game Creek Club – hier wird im Sommer ein unglaublicher Sonntagsbrunch angeboten. Die meisten Ausflügler zieht es aber auf einen „14er“ – einen der 14.000-Fuß-Gipfel (= 4267 Meter) der Gegend. Fuller rät ab: „Komplett überlaufen.“ Lohnender ist zum Beispiel der 3952 Meter hohe Mount Sopris im Roaring Fork Valley bei Carbon-
ESSEN Jeder in Carbondale liebt das Phat Thai. Im Pine Creek Cookhouse, einer Blockhütte am Fuß der Elk Mountains bei Aspen, stehen Räucherforellen und Elchkoteletts auf der Speisekarte. TRINKEN Im Root and Flower in Vail gibt’s 50 Weine glasweise. Die Bread Bar in Silver Plume war anno 1800 eine Bäckerei. Im Hooch, einer Kellerkneipe in Aspen, wird selbst gemachter „Boutique Booze“ gemixt, im Bonfire Brewing in Eagle wählen Biertrinker aus 20 Sorten. BADEN Mit 16 Mineralwasserpools sind die Iron Mountain Hot Springs die In-Location von Glenwood Springs.
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GREG MIONSKE (2), GETTY IMAGES, JACK RICHMOND, BREAD BAR, SHUTTERSTOCK
DIE ROCKIES IN
Rockies, Colorado
Top-Instagram-Motiv: Fliegenfischen in Telluride
SCHLAFEN Das New Sheridan an der Hauptstraße in Telluride wurde in den späten 1800erJahren gebaut, hat aber Whirlpools auf dem Dach und Fußbodenheizung. Das Dunton Hot Springs, früher eine Geisterstadt, ist ein All-Inclusive-Resort inklusive privater Fliegenfisch-Teiche. ESSEN Hol dir TacoPlatten und Tequila bei Bonez in Crested Butte. Im selben Ort kultiviert Tassinong Farms Food & Wine das ganze Jahr über hydroponische Produkte – also Bio-Gemüse und -Salat ohne Erde.
Bread Bar in Silver Plume, früher eine Bäckerei
DIE ROCKIES IN Wer wagt den Sprung in Devil’s Punchbowl nahe Aspen?
WOHNEN Die Marble Distillery in Carbondale hat auch fünf Zimmer zum Übernachten. Im stillen Hinterland des Vail Pass liegt das Shrine Mountain Inn (mit Sauna), zu Fuß und per Auto erreichbar.
dale (Aspens coolerem, leistbarerem Nachbarn). Oder die Wanderung von Aspen nach Crested Butte: vorbei an Wildblumenfeldern und mit einem Fernblick von ober oberhalb der Baumgrenze. (Zurück geht’s per Shuttlebus.) Kulturinteressiert? Dann ver verpass keinesfalls die jeweils aktuelle Ausstellung (und die nicht ganz unumstrittene Architektur) des Aspen Art Museum.
Erfrischung gefällig? Dann ab zum Raften in den Big Horn Canyon
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EINER WOCHE Mit anderen Worten: genug Zeit für einen Roadtrip zu stillen Gipfeln und partywütigen Bergstädten! Startpunkt für tolle Stand-up-PaddleTouren ist Salida am Arkansas River. Hier erwarten dich mehr als 50 Rafting-Anbieter und über 100 paddelbare Meilen Wasser Wasserstraße. Markhart, unser Guide, liebt den Abstieg auf den Grund des 823 Meter tiefen Black Canyon – abgeseilt über die CruiseGully-Route oder zu Fuß über den steilen Wanderweg SOB Gully. Dann geht es weiter nach Crested Butte, einer einstigen Bergbaustadt mit ziemlich eigenem Flair. „Ein bisschen wie am Ende der Welt“, sagt Kim Fuller. Mountainbiker werden am Singletrack 401 Trail glücklich, Kletterer im atemberaubenden Box Canyon von Telluride. Zum Rehydrieren geht’s danach in den Fly Me to the Moon Saloon, in dem schon Phish, Pinetop Perkins und Sheryl Crow aufgetreten sind. Sehenswert ist auch der Million Dollar Highway zwischen Ouray und Silverton, der zum Großteil direkt in die Bergflanken gesprengt wurde. Er endet in Durango, der Heimat der Yoga Happy Hour bei Ska Brewing (60 Minuten Sonnengruß und ein Bier gibt’s hier um 10 Dollar).
TRINKEN Nobel: im New Sheridan mit MahagoniWandverkleidungen und Billardtischen den Mix aus Locals, Touristen und Promis bestaunen. Nicht ganz so nobel: in der Victoria Tavern in Salida, auch Vic genannt, in Erdnussschalen und verschüttetem Fusel waten. BADEN Nur ein paar Minuten von Ouray entfernt, animiert Canyoning Colorado zum Springen, Schwimmen, Abseilen und Klettern.
Die perfekte Homebase für alle Abenteuer auf dieser Seite: Denver/Colorado
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GUIDE
See it
KICKEN MIT K.-O.SYSTEM Diesen Monat auf Red Bull TV: mit Neymar Jr am Fußballplatz, mit dem Surfboard um die Welt und mit Vollgas durch die Weinberge.
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21 Juli
LIVE
NEYMAR JR’S FIVE WORLD FINAL
Neymar Jr, 26, stürmt normalerweise für Paris SaintGermain und Brasiliens Nationalteam.
2016 initiierte der brasilianische Superstar ein globales Fußballturnier mit speziellen Regeln: fünf gegen fünf Kicker, 10 Minuten Spielzeit, wenn ein Team ein Tor schießt, verliert die gegnerische Mannschaft einen Spieler. Besonders wichtig: Schnelligkeit und technische Präzision. In den letzten Monaten fanden in 62 Ländern 605 Vorausscheidungen mit über 34.000 Amateurteams statt, beim großen Weltfinale in Neymar Jrs Heimatstadt Praia Grande in Brasilien treten nun die besten Kicker aus den Ländern gegeneinander an. Red Bull TV überträgt die Top-Spiele live.
THE RED BULLETIN
Juli – September
Der Preis des rumä nischen Siegerteams beim 2017erWeltfinale: ein Kick gegen Neymar Jrs (Mi.) Mannschaft.
THE RED BULLETIN
MARCELO MARAGNI/RED BULL CONTENT POOL (2), BARTEK WOLINSKI/RED BULL CONTENT POOL, ZAK NOYLE/RED BULL CONTENT POOL, DAVID MORRISON/RED BULL CONTENT POOL
Ausgewählte Musik und inspirierende Künstler-Interviews. Aktuelle Empfehlung:
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und 12. August
LIVE
UCI MTB WORLD CUP 2018
Das Downhill-Rennen in Mont Sainte-Anne, Québec, ist für Mountainbiker legendär: Mit 27 Dienstjahren ist es die älteste Strecke des Weltcups. 2017 holte Aaron Gwin (USA) hier Sieg und Gesamtweltcup. Dieses Jahr auch?
BRUH WITH AWFUL RECORDS
20 17
Juli bis 7. September
FREITAGS
WHO IS J.O.B.
Jamie O’Brien lebt seinen Traum: Der Surf-Champion aus Hawaii reist mit seinem Brett und Freunden um die Welt – auf der Suche nach der perfekten Welle. Die TVSerie begleitet die verrückte Crew bei ihren Abenteuern.
bis 19. August
LIVE
RALLYE DEUTSCHLAND
Die erste Asphalt-Rallye der WRC-Saison bietet den Fahrern viele technische Herausforderungen: extrem kurvige Straßen in der Mosel-Weinregion und gnadenlose Hinkelsteine am Truppenübungsplatz Baumholder.
18 Juli
ON AIR
Awful Records ist ein Hip-Hop-Label aus Atlanta, Georgia, das mit dem oft genretypischen Bling-Bling-Glamour nichts am Hut haben will. Die beteiligten Rapper aus Atlanta bezeichnen sich selbst als „Weirdos“, ihre witzig-durchgeknallten Musikvideos genießen im Internet Kultstatus. In seiner monatlichen Radioshow präsentiert Zack Fox (Foto), der Illustrator des Labels, einen wilden Mix aus Comedy und Hip-Hop.
AUFDREHEN: REDBULLRADIO.COM
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See it
AUF INS NÄCHSTE LEVEL!
Roter Bulle in Blau: Cihan Yasarlar spielt seit 2017 für das E-Sport-Team von RB Leipzig.
Red Bull E-Sport-Profi Cihan Yasarlar verrät, wie jeder zum besseren Gamer wird – in seiner Disziplin „FIFA“ und in jedem anderen Spiel.
VERLIER NICHT DEN KOPF
Gadgets, Games und ganz viel Show: 2018 feiert die Gamescom Jubiläum. Hier sind die Highlights aus zehn Jahren.
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2009
So kann’s losgehen: Im ersten Jahr spielten zur Eröffnung der Messe Die Toten Hosen. Highlight-Spiel: „Mass Effect 2“
2010
Move it: Die Controller PlayStation Move (Bild) und Microsoft Kinect reagieren auf Körperbewegungen ihrer Spieler. Highlight-Spiel: „Gran Turismo 5“
2011
2012
Highlight-Spiel: „Battlefield 3“
Highlight-Spiel: „Dishonored – Die Maske des Zorns“
Nichts geht mehr: Wegen des Besucheransturms muss die Messe kurz schließen.
To go: Erstmals liegt ein Schwerpunkt der Messe auf mobilen Spielen für Smartphone und Co.
PETER WAFZIG/MUSIC IMAGES, PLAYSTATION, MICROSOFT XBOX, SONY, YOU TUBE, NINTENDO
WAS BISHER GESCHAH
CHRISTOPH NEUMANN
Anfänger machen bei „FIFA“ oft den Fehler, dass sie wild nach vorn rennen und sich auskontern lassen. Auch bei anderen Games hilft kopfloses Anstürmen nicht weiter. Und wer sich im Voice Chat provozieren lässt, hat schon verloren. Deshalb: immer cool bleiben. Wenn du siegst, trifft das den Gegner mehr als jede unüberlegte Reaktion.
10 JAHRE GAMESCOM
„Ich bin sicher kein perfekter Spieler, aber eine große Stärke habe ich: Selbst wenn ich hinten liege, gerate ich nie in Panik.“
MACH’S DIR BEQUEM LERNE VON DEN BESTEN
Sieh dir genau an, wie die Profis spielen. Es gibt ja zum Glück zu fast jedem Spiel Videos und Streams mit den Partien der besten Gamer. Wie gehen sie vor, was ist ihre Taktik, wie reagieren sie in brenzligen Situatio nen? Bei „FIFA“ und anderen Spielen entscheiden oft Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage. Ich habe mir da früher viel abgeschaut, und selbst heute sehe ich mir von Gegnern, die ich nicht kenne, erst mal ein paar Spiele im Stream an, damit ich weiß, was mich erwartet.
ÜBE, ÜBE, ÜBE
Das hat schon dein Lehrer gesagt, aber es stimmt leider trotzdem: Wer nicht lernt, bleibt dumm. Das gilt auch für Videospiele. Egal ob es darum geht, bei einem Shooter die Karte auswendig zu kennen, bei einem Kampfspiel wie „Street Fighter“ komplizierte Moves zu be herrschen oder bei einem Fußball spiel die perfekte Ecke zu schlagen – das geht nur, wenn man viel übt. Ich trainiere fünf bis sieben Stunden am Tag, selbst wenn ich vielleicht mal keine große Lust habe. Denn nur so wird man zum Sieger.
2013
Die Nächsten bitte: Vorstellung der neuen KonsolenGenerationen Xbox One und Play Station 4. Highlight-Spiel: „Destiny“
THE RED BULLETIN
2014
Eine der besten Investitionen, die ich je getätigt habe, war ein ergo nomischer GamingStuhl. Der hat 300 Euro gekostet, aber wer sich verkrampft, spielt schlecht. Auf dem Stuhl mit den einstellbaren Rücken und Armlehnen kann ich stunden lang ohne Rückenschmerzen sitzen, und ins Schwitzen kommt nur der Gegner. Auch in der FußballBundes liga sitzt ja keiner mehr auf einer Bank, sondern die Spieler warten auf bequemen Sesseln, bis es zum Auf wärmen für die Einwechslung geht.
DEFENSIVE GEWINNT
Ich bin sicher kein perfekter Spieler, aber eine große Stärke habe ich: Selbst wenn ich hinten liege, gerate ich nie in Panik. Ich bin immer über über zeugt, dass ich noch gewinnen kann. Das liegt auch daran, dass meine Verteidigung fast immer gut steht. Deshalb kassiere ich selten viele Treffer und habe immer die Chance, wieder ins Spiel zurückzufinden. Für „FIFA“ und die meisten anderen Sportspiele gilt: Die Verteidigung ist entscheidend.
TRAU DIR ALLES ZU
Ich wurde zufällig entdeckt, als ich mit meiner Schulklasse auf der Inter nationalen Funkausstellung war und dort an einem Stand „FIFA“ spielte.
Gute Aussichten: Sony präsentiert Morpheus – eine VirtualReality Brille, die dem Modell Oculus Rift Konkurrenz machen soll. Highlight-Spiel: „Evolve“
2015
Neuer Mitspieler: You Tube ist erstmals mit eigenem Stand auf der Gamescom vertreten. Highlight-Spiel: „Star Wars Battlefront“
Und jetzt bin ich Profi und kann vom Videospielen leben. Das ist eigent lich unglaublich. Doch ESport ist in Deutschland immer noch so neu, dass der Aufstieg zum Profi ganz schnell gehen kann, wenn man rich tig gut ist. Inzwischen bin ich Deut scher Meister und Europameister geworden, aber ich habe immer noch einen Traum, der mich an treibt: Ich will Weltmeister werden.
NIMM DEN HOLLÄNDER
Cristiano Ronaldo ist nicht nur der beste Stürmer auf diesem Planeten, auch in „FIFA“ wählt fast jeder den Portugiesen in sein Team. Seine Werte sind ja auch großartig. Ich setze aber lieber auf Ruud Gullit, den legendären niederländischen Star aus den Achtzigern. Der ist vorn fast genauso gut wie Cristiano Ronaldo, verteidigt besser – und ist der viel coolere Typ.
2016
Stinkt zum Himmel: Ubisoft stellt Nosulus Rift vor – ein Gadget für GeruchsVR (und ein PRScherz). Highlight-Spiel: „The Legend of Zelda – Breath of the Wild“
2017
Hoher Besuch: Bundes kanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich er öffnet die Gamescom. Highlight-Spiel: „Super Mario Odyssey“
2018
Sportlich, sportlich: In diesem Jahr nimmt ESports auf der Gamescom noch mehr Raum ein als bisher.
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See it Kick it like Neymar Jr: In „FIFA 19“ bewegen sich die Spieler noch individueller.
WAS GEHT?
Ob zu Pferd, zu Fuß, am Ball oder in der fernen Zukunft: Hier sind fünf Gaming-Highlights für das Jahr 2018. Dystopische SciFi-Spiele
Künstliche Intelligenz kontrolliert die Menschen: Mehrere Spiele malen sich solch düstere Szenarien aus. Zuletzt erschien „Detroit: Become Human“ (PS4), eine Art interaktiver Film. Das Adventure „State of Mind“ (PC, PS4, Xbox One, Switch) spielt in Berlin 2048 (16. 8.). Mehr Action dürfte „Watch Dogs 3“ bieten – die Fortsetzung des Open-WorldSpiels soll bald kommen.
Battle-Royal-Spiele Etwa 100 Einzelkämpfer, ein Areal, das immer kleiner wird,
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Alle an Bord: 2017 kamen über 350.000 Besucher auf die Gamescom – neuer Rekord.
und wer als Letzter übrig bleibt, gewinnt: So funktioniert der Modus Battle Royal für Shooter. Nach dem Megaerfolg von „Fortnite“ (PS4, Xbox One, PC) veröffentlichte Paladins (PS4, Xbox One, Switch, PC) den BRModus „Realm Royal“. Nun zieht auch „Battlefield 5“ (19. 10., PS4, Xbox One, PC) nach.
Shadow of the Tomb Raider
die Münchner liegt „FIFA“ seit einigen Jahren uneinholbar vorn. PES startet am 30. August mit „PES 2019“ (PS4, Xbox One, PC) eine Attacke mit neuen Lizenzen (u. a. Schweizer und russische Liga). Allerdings hat „FIFA 19“ (PS4, Xbox One, PC), das im Herbst auf den Markt kommt, dem Konkurrenten die Rechte an der Champions League weggeschnappt.
Düster wie nie: In „Shadow of the Tomb Raider“ (14. 9., für PS4, Xbox One, PC) kämpft sich Lara Croft durch den mexikanischen Dschungel.
Red Dead Redemption 2
Sie reiten wieder: „Red Dead Redemption 2“ (26. 10., für Xbox One, PS4) ist die heiß ersehnte Wild-West-Version des Bestsellers „GTA“. Man klaut keine Autos, sondern kämpft zu Pferd gegen andere Outlaws.
Feuer frei! „Detroit: Become Human“
FIFA 19
Früher war das Duell „FIFA“ gegen „Pro Evolution Soccer“ (PES) so spannend wie Bayern gegen Dortmund. Doch wie
Zieh, Cowboy: „Red Dead Redemption 2“
Auf dem Schirm: Ein Gamescom-Besucher testet Fallout 4 VR.
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10 JAHRE GAMESCOM
WAS KOMMT? Lasset die Spiele weitergehen: Auf diese Termine können sich Gaming-Fans in den nächsten Monaten freuen – von Messen bis E-Sport-Events.
28.– 30. 9. EGX Berlin Besuch von der Insel: Erstmals gastiert die britische Games-Messe EGX in Berlin. Fans können hier Spiele testen und E-Sport erleben. www.egx.net/berlin
29. 9. Red Bull The Pit Clash der Straßenkämpfer: Bei Red Bull The Pit treten im Bootshaus in Köln „Street-Fighter“- und „Tekken“-Spieler an. www.redbull.com
KOELNMESSE GMBH/ HARALD FLEISSNER (2), EA, PLAYSTATION, RAGE
26.– 28. 10. ESL One Hamburg
EUROPAS SPIELZIMMER Im zehnten Jahr am Drücker: Auf der Gamescom erleben Besucher, wie die Zukunft des Spielens aussieht.
Gaming ist längst ein Massenphänomen, jeden August kommen die Massen nach Köln: Auf der Leitmesse Gamescom testen hunderttausende Besucher heiß ersehnte Spiele, probieren neue Gadgets aus und treffen E-Sport-Profis. 2018 findet die Messe von 22. bis 25. August statt. Zudem steigt in Kölns Innenstadt das Gamescom City Festival (24.– 26. 8.) – samt Konzerten, Streetfood und natürlich Gaming-Angeboten.
Riesensache: In der Barclaycard Arena steigt auch 2018 Europas größtes Festival rund um den Multiplayer-Klassiker „Dota 2“. www.esl-one.com
Herbst 2018 Red Bull Upgreat Lernen von den Profis im Spiel der Stunde: „Fortnite“-Stars coachen den Nachwuchs in Berlin. Das genaue Datum folgt auf: www.redbull.com
15.– 17. 2. 2019 DreamHack Gaming-Event-Reihe aus Schweden: Bei der Station in Leipzig steigen unter anderem Deutschlands größte LAN-Party und ein eigener Cosplay-Wettbewerb. www.dreamhack-leipzig.de
Weitere Infos und Tickets unter: gamescom.de
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GUIDE
Do it FIT WIE EIN WELTREKORDLER
AUS LIEBE ZUR MONOTONIE
Michael Strasser, 35, hält den Rekord für die schnellste Afrika-Durchquerung von Nord nach Süd auf dem Rad. Bevor er Amerika erobert, beschreibt er die wichtigsten Säulen seines Trainings.
Michael Strasser
ist Extremradfahrer. 2016 durchquerte er Afrika von Nord nach Süd (11.000 km) in 34 Tagen und 11 Stunden. Bei seinem neuesten Projekt „Ice2Ice“ fährt er von Alaska nach Patagonien, 23.000 Kilometer am Stück. Alle Infos: strassermichael.at
Tägliche Einheit: Strasser, sein Rad und die Straße
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Strasser setzt auf propriozeptives Training, also Übungen auf wackeligem Untergrund – etwa einbeinige Kniebeugen auf Bällen.
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Fitness
KÖ R PE R
„Mehr Training ist kein Garant für Erfolg. Es geht um Intensitäten.“ „Ich habe pro Woche 30 Stunden Belastungszeit, aufgeteilt auf zwei bis drei Einheiten am Tag. Dabei muss ich hochintensiv trainieren, um Fortschritte zu machen. Am Rad bedeutet das: Kraft intervalle mit wenigen Umdrehungen.“ „Radfahren allein ist zu wenig, ich setze auf Abwechslung: Laufen, Schwimmen, Stabilisationstraining. Mein Tipp: ab in den Wald! Klimmzüge auf Ästen, Baumstumpf tragen – die Natur bietet ein ideales Gym.“ „Ich bin ein großer Fan von Partner training. Man pusht sich gegenseitig, und ein Partner besser ist als jede Hantel. Ich nehme meine Freundin oft auf den Rücken und mache mit ihr Kniebeugen. Das macht Spaß und sorgt für mehr Muskel reize, da sie sich obendrein noch bewegt.“
R EG E N E R ATI O N
MARKUS FRÜHMANN (2), CRAIG KOLESKY/NIKON/LEXAR, LUPI SPUMA, GETTY IMAGES (2) CHRISTIAN EBERLE ABASOLO
„Ausruhen während der Tour? Da geht es nur um Schadensminimierung.” „Nach jedem Lauf muss ich die Beine eis kalt abduschen, weil ich leicht Entzündun gen an der Schienbeinkante bekomme. Im Sommer laufe ich zum Brunnen auf der Wiener Strudlhofstiege und setze mich ins eiskalte Wasser. Deswegen bin ich zwar auf hunderten Fotos japanischer Touristen, doch es wirkt einfach Wunder.“ „Physiotherapie ist fixer Bestandteil des Trainings, ebenso wie eine Stunde Schlaf nach der Vormittagseinheit.“
ZAUBERKNOLLE „Ingwer ist ein ent zündungshemmendes Gewürz. Seit Jahren nehme ich daher immer ein Stamperl IngwerExtrakt vor Ingwer dem Schlafengehen.“
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G E I ST
„Du musst dein Hirn austricksen.“ „Auf dem Rad versuche ich mich selbst zu überlisten. Ich denke nicht an die 23.000 Kilometer, die vor mir liegen, sondern nur an die nächsten 100. Und an den Energieriegel, den ich mir gönne, wenn ich sie erreicht habe.“ „Während der Fahrt suche ich den Flow zustand. Dabei genieße ich die Mono tonie. Ich komme gut mit mir allein aus. Und wenn ich Motivation brauche, denke ich an die positiven Zusprüche. An Men schen, die meinetwegen mit dem Rad fahren begannen. An meine Mission als UNOBotschafter. Und an das einzig artige Gefühl nach Ende der AfrikaTour.“
POWERFRAU „Fühle ich mich schlecht, denke ich an Sarah, meine Mitbewohnerin (oben), die an ALS leidet. Wie tapfer sie damit umgeht, erdet mich.“
E R NÄH R U N G
„Ein Brei hält meinen Blutzuckerspiegel stabil.“ „Abends setze ich mir aus Haferflocken, Leinsamen, Quinoa und Reismilch einen Brei für den nächsten Tag an. Der sorgt für einen gleichbleibenden Blutzuckerspiegel.“ „Nur wer etwas Hochwertiges einfüllt, kann hochwertige Leistung bringen. In der Formel 1 käme auch keiner auf die Idee, Kerosin zu verwenden, weil es das Billigste ist. Deshalb esse ich saisonale Produkte, selbst angebautes Gemüse, selbst ge backenes Brot und Fleisch aus Biohaltung.“ „Wenn ich irgendwo unterwegs bin, kommt es schon vor, dass ich mir ein Croissant gönne. Aber zwei Stunden später frage ich mich, was das für ein arges Zeug war. Und merke es mir wieder für zwei Monate.“
EINFACH GUT „Ich liebe geröstete Kartoffeln mit Eiern und ein bisschen Öl darüber. Ein einfaches Essen, aber die perfekte Kombination von Kohlenhydraten und Proteinen. Und hochwertiges Walnuss oder Leinöl sorgt für die Omega3Fettsäuren.“
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GUIDE
Do it
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Juli Wrapping World Immer schön an der Oberfläche bleiben: Dieses Event dreht sich ganz um das Thema Autofolierung. Auf dem Flugplatz Schwarze Heide am Rand des Ruhrgebiets zeigen 60 Aussteller, was sie können. Hinzu kommen ein eigener TuningBereich, ein Food-Truck-Festival und Shows wie die MotorbikeStunts von Red Bull-Athlet Arūnas Gibieža. Die Veranstalter rechnen mit rund 10.000 Besuchern. Hünxe; wrapping-world.eu
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Juli bis 8. September Fitness Bundesliga Wer ist am fittesten im ganzen Land? Diese Frage will die Fitness-Bundesliga beantworten. Gemischte Teams absolvieren festgelegte CrossFit-Übungen, Juroren bewerten die Leistung. Nach der ersten Vorrunde stehen nun die Regionals an – in Hamburg (21. 7.), Mainz (11. 8.), Düsseldorf (25. 8.) und Bielefeld (8. 9.). fitness-bundesliga.de
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Juli bis 5. August Summerweek 47 Bootcamp für Tänzer: Bei der Summerweek 47 arbeiten Stars mit Talenten an deren Skills in Stilen wie Krump oder Hip-Hop. B-Boy Ronnie von den Red Bull BC One-Allstars gibt Breakdance-Tipps, Kurse und Choreographien runden das Programm ab. Am Samstag steigt der große DanceBattle. Krefeld; Infos unter: area-dance-company.com
bis 29. Juli
HELENE BEACH FESTIVAL
Viel Musik, viel Party, viel Sand: So lautet das Rezept des Festivals am Helenesee etwa 90 Autominuten östlich von Berlin. Neben ElektroWeltstars wie Paul Kalkbrenner und Sven Väth stehen 2018 unter anderem auch die Rapper Savas und Sido auf der Bühne. Los geht’s am Donnerstag mit der großen Festival-Opening-Party.
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HELENE BACH FESTIVAL, KARSTEN HUBER UREXWEILER, FLO HAGENA/RED BULL CONTENT POOL
helene-beach-festival.de
bis 19. August ADAC Rallye Deutschland Mit Karacho durch die Weinberge: Bei diesem Rennen rast die Rallye-Weltklasse vier Tage durch das Saarland und RheinlandPfalz. Start und Ziel liegen dieses Jahr in St. Wendel im Saarland. Neben engen Kurven durch die Berge an der Mosel warten auf die Fahrer Herausforderungen wie die Sprungkuppe „Gina“ auf dem Truppenübungsplatz Baumholder. adac-rallye-deutschland.de
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Juli – September
Juli
RED BULL 400
Volkslauf nach ganz oben: Auf 400 Metern bewältigen die Teilnehmer rund 140 Höhenmeter, indem sie die Hochfirstschanze im Schwarzwald erklimmen, von der im Winter die Skispringer fliegen. Bei bis zu 35 Grad Steigung laufen die Athleten teils auf allen vieren. Nicht umsonst gilt der Wettbewerb als härtester 400-Meter-Lauf der Welt. Titisee-Neustadt; redbull.com
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August Echelon Festival Elektro-Ekstase mit Bergpanorama: Auf dieses Rezept setzt das Echelon Festival nun schon seit zehn Jahren. Bis zu 25.000 Besucher feiern auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne der U. S. Army bei Rosenheim. 2018 treten Stars wie Moonbootica und Ace Ventura auf. Bad Aibling; echelon-openair.de
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31
August EHC Red Bull München: CHL Für Spitzen-Eishockey ist es nie zu früh: Noch im Sommer startet der EHC Red Bull München in die Champions Hockey League. Zum Auftakt der europäischen Königsklasse spielt der deutsche Meister am 31. August gegen Yunost Minsk aus Weißrussland, am 2. September geht es weiter gegen TPS Turku aus Finnland. redbullmuenchen.de
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August Berlin: U2-Konzert Mega-LED-Leinwand, 360-GradBühne und jede Menge Wumms: Wenn die irische Rock-Band U2 zum Konzert bittet, erwartet die Fans eine Show der Superlative. Auf ihrer „eXPERIENCE + iNNOCENCE“-Tour machen Bono, The Edge und Co in Berlin (31. 8. & 1. 9.), Köln (4. & 5. 9.) und Hamburg (3. & 4. 10.) Halt. Für eine digitale Erweiterung der Show vor dem Konzert die U2 AR eXPERIENCE-App herunterladen. u2.com
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GUIDE
Read it Marcel Reif
TV-Kommentator, Sportjournalist, Buchautor: Der Fußballexperte hat dank seiner Leidenschaft und Präzision eine große Fangemeinde – auch wenn seine scharfen Analysen mitunter das Publikum in zwei Lager spalten. Diesmal sagt Reif voraus, dass die Probleme des FC Bayern München die Bundesliga in dieser Saison seit langem mal wieder spannend machen könnten.
DIE BAYERN MACHEN DIE
BAHN FREI 90
ach der WM ist vor der Bundesliga. Aber ein kurzer Abstecher in die zurückliegende Champions League sei mir noch erlaubt: Es wäre für den FC Bayern noch nie so einfach gewesen, die Königsklasse zu gewinnen. Diese Chance kommt nie wieder, denn noch mal werden Klubs wie das Duo aus Manchester, Paris Saint-Germain und FC Barcelona nicht kollektiv schwächeln. Und, ganz ehrlich: Die Bayern sind in der abgelaufenen Saison ein großes Stück weit hinter dem zurückgeblieben, was man verlangen kann und muss. Zumindest den DFB-Pokal hätten sie noch gewinnen müssen, um halbwegs mit sich im Reinen zu sein. Das ist halt die Crux ihrer unseligen Überlegenheit in der Bundesliga – angesichts mangelnder Konkurrenz haben die Münchner vergessen, dass man und wie man auch verlieren kann. Die Frankfurter Eintracht hat nur ihre Möglichkeiten ausgeschöpft. Nicht mehr und nicht weniger. Man hat sich das Aus gegen Real in der Champions League letztlich schöngeredet. Die Wahrheit aber ist: Der
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BLAGOVESTA BAKARDJIEVA
N
Reif für die Bundesliga
Serienmeister ist kein absolutes Spitzen team mehr in Europa. Es wurde verdrängt, dass man vor dem Showdown gegen Madrid mit Sevilla und Beşiktaş nur Europas zweite Garde ausgeschaltet hatte. Es wäre wohl noch viel schlimmer gekommen, hätte nicht Jupp Heynckes die Zeit noch einmal ange halten und viel Atmosphäre in die Bayern Kabine gebracht. Nachdem sich der Mann, dem Bayern unendlich viel zu verdanken hat, nicht mehr zu einer Verlängerung weichklopfen ließ, verfielen Uli Hoeneß und KarlHeinz Rummenigge prompt wieder in den Jeder Jedergegenjeden jeden Modus. Der eine stellte Megatransfers in Aussicht, der Präsident dementierte humorlos.
I
ch traue mich zu prophezeien, dass der Kader der Münchner ihnen in der neuen BundesligaSaison viel mehr Probleme bereiten wird, als sie denken. Zwölf Profis werden dreißig oder sind bereits jenseits der dreißig. Wie gehen Franck Ribéry und Arjen Robben damit um, wenn sie in Zu kunft noch weniger Spielzeit bekommen? Der Franzose hat seine Neigung, bei Aus wechslungen das Trikot auf den Boden zu pfeffern, unter Heynckes abgelegt. Robert Lewandowski wurde von Jupp nach seinem Egotrip, den Handschlag zu verweigern, wie ein kleiner Schulbub vor aller Augen zusammengepfiffen. Werden es diese er er fahrenen, hochdekorierten Spieler akzep tieren, wenn ihnen der junge, neue Trainer Niko Kovač die Grenzen aufzeigen will? Kovač halte ich für einen großartigen Trainer und hochintelligenten Menschen. Aber es geht nicht nur um seine Qualität, sondern um die Frage: Kann er seine Spielphilosophie und seine Ideen der Menschenführung im Umfeld des FC Bay ern umsetzen? Läuft der Kroate nicht Ge fahr, dass die Unstimmigkeiten der Bosse auf seinem Rücken ausgetragen werden? Hoeneß und Rummenigge gehen dieses Risiko offensichtlich bewusst ein. Während Real trotz des Triumphes von Kiew den großen Schnitt plant, versuchen die Bayern, aus ihrem angeschlagenen Kader alles herauszuquetschen. An ab wanderungswilligen Spielern ein Exempel zu statuieren ist legitim, aber keine Lösung. „Wir zeigen dir, dass wir stärker sind“ – das tägliche Miteinander würde dadurch nicht einfacher. Als Hoeneß bei der Feier auf dem Marienplatz meinte, er erwarte sich in Zukunft, dass einige Profis nicht nur in der Bundesliga, sondern auch gegen
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„Ich traue mich zu prophezeien, dass der Kader der Münchner ihnen in der neuen Bundesliga-Saison viel mehr Probleme bereiten wird, als sie denken. Zwölf Profis werden 30 bzw. sind jenseits der 30. Wie gehen Franck Ribéry und Arjen Robben damit um, wenn sie in Zukunft noch weniger Spielzeit bekommen?“
die TopTeams Teams Europas brillieren müssten, war das nicht nur auf Thiago, sondern auch auf Lewandowski gemünzt.
D
er verletzungsanfällige Boateng überlegt offenbar, ob die Bayern das Endziel seiner Gedanken sind. Vidal geht weg und damit ein Spieler, der trotz Aussetzern den Aggregatzustand einer Mannschaft verändert. Bei Manuel Neuer weiß keiner, ob sein Problemfuß auf Dauer hält. Und wir reden hier nicht von Mit läufern, sondern vom Korsett der Truppe. Ich will fair sein: Neuzugänge wie Leon Goretzka und Serge Gnabry haben Potenzial. Aber sind sie schon so weit, auf allerhöchstem Niveau zu bestehen? Zeit, um sich in Ruhe zu integrieren und anzu passen, bekommen sie in München nicht. Das geht beim BVB, aber auch dort müssen sie hoffen, dass die 80.000 im Stadion mit machen, und die Champions League muss es schon sein. Und während die Dort munder ihre Strukturschwächen erkannt und mit Matthias Sammer und Sebastian
Kehl neue Köpfe mit nachhaltigen Plänen installiert haben, ist man an der Säbener Straße erst im Vorfeld eines Konzepts. Wo Sammer ist, gibt es kein Denkverbot.
H
eynckes hat die Kabine und das Umfeld noch befriedet – jetzt ist vor dem Start in die neue Saison der Kulturkampf ausgebrochen. Es geht dar dar um, die grundlegende Richtung des FCB festzulegen. Rummenigge ist überzeugt: Geld schießt doch Tore und will den Stern des Südens mit Monstertransfers am Fir Fir mament der großen sechs in Europa fest kleben. Hoeneß hingegen hat Angst um die Identität und spürt insgeheim, dass die Romantik und der Spagat zwischen Lederhose und Champagner vorbei sind. Er fürchtet, dass die Fans in den Stadien bald nicht mehr „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ singen. Weil seine Profis längst mit rustikaler Folklore nichts mehr am Hut haben und ohnehin lieber Kla motten von Dolce & Gabbana tragen. Frankfurts Sieg im Pokalfinale wird Konsequenzen haben. Wenn der Alpha wolf angebissen ist, werden plötzlich viele mutig. Ich lege mich fest, dass es in der neuen Saison keinen einsamen Sololauf der Bayern mehr geben wird. Aber wer sollte sie neben dem BVB an greifen? Schalke macht viel aus seinen Möglichkeiten – um so hoch zu springen, sind die Beine aber noch zu kurz. RB Leip zig hat alle Möglichkeiten, um die Bayern dauerhaft herauszufordern. Dort wurden jahrelang alle Gesetze der Fußballwelt außer Kraft gesetzt. Permanenter Durch marsch, erstes Jahr in der Bundesliga, und ab in die Champions League. Aber irgend wann kommt die Realität, und die natür liche Logik lässt sich nicht beliebig oft aushebeln. Wer jedoch seinen Verein so nachhaltig aufstellt wie Leipzig, wird sich in Zukunft ein Wohnzimmer in der Königs klasse einrichten können. Eher in der Holzklasse landen werden die beiden Aufsteiger Düsseldorf und Nürnberg. Ihr Problem: Sie sind mit all ihrer Tradition und glorreichen Vergangen heit keine echten Aufsteiger. Dort sagt jeder: Endlich sind wir wieder dort, wo wir hingehören. Aber sie kommen hoch mit den Spielern, die sie haben, und müssen sich mit Mainz oder Augsburg messen, von denen nur eines erwartet wird: der Klassenerhalt. Das macht es für die pro minenten Rückkehrer doppelt schwer – und die Gefahr des Verglühens ist groß.
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GUIDE
Check it
THE RED BULLETIN WELTWEIT Ein Motorrad-Champion verrät sein Fitness-Geheimnis, ein Breakdancer gibt Reisetipps, und Musiker helfen deiner Kreativität auf die Sprünge: Glanzlichter unserer globalen Ausgaben im August.
ÖSTERREICH MARC MÁRQUEZ Der viermalige MotoGPChampion ist bekannt für seine überragende Fitness. Hier zeigt er, was sein Workout beinhaltet.
The Red Bulletin als E-Paper: redbulletin.com
LE MONDE SELON LILOU
Le B-Boy franco-algérien LILOU est l’un des danseurs les plus talentueux au monde. Et sûrement celui qui a le plus voyagé pour propager sa passion, son art de la danse. Avec 91 pays visités à date, il a quelques astuces de voyage à partager avec vous.
LITTLE SHAO/RED BULL CONTENT POOL
Texte PH CAMY
Old Delhi, 2018 : Lilou est venu en Inde pour prendre la température de la scène breakdance locale, en plein essor.
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FRANKREICH LILOU Der französisch-algerische BreakdanceSuperstar Lilou bereiste schon mehr als 70 Länder – hier seine besten Travel-Tipps.
Mexicano al grito
DE LE MANS Es el piloto mexicano que ha dado mejores resultados por más tiempo, o como muchos simplemente le llaman: el mejor piloto mexicano. Punto. MEMO ROJAS intenta lo más grande: volver a ganar el serial europeo de Le Mans. ¿Su secreto? Como los instrumentos en el tablero, han sido sus familiares quienes le indican el camino
„MANCHE BRAUCHEN PEITSCHEN KNALLER, ANDERE FREUNDSCHAFT.“
ERIC FABRE
Texto MARCO PAYÁN Memo se ha destacado por ganar las 24 Horas de Daytona tres veces.
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MEXIKO „MEMO“ ROJAS Was – oder besser: wer – hinter dem Erfolg des Ausnahme-Rennfahrers steckt.
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ÖSTERREICH AUGUST „GUSTL“ AUINGER Der Mentor des Red Bull MotoGP Rookies Cup erklärt, was Motorradtalente zum Durchstarten brauchen.
THE RED BULLETIN
August
IMPRESSUM DEUTSCHLAND
Lernen von Legenden
IGGY POP, MONTREAL, 2016
Entdecke deine Umwelt neu!
Staubsauger-Experimente mit Iggy Pop, Hass-Therapie mit Björk: Bei der RED BULL MUSIC ACADEMY teilen Künstler von Weltrang ihre Kreativstrategien mit jungen Musikern. Hier sind die besten Tipps aus 20 Jahren – die auch deinen Alltag beflügeln. Text SIMON SCHREYER HENRY LEUTWYLER/CONTOUR BY GETTY IMAGES
Voraussetzung für gute Ideen sind viele Ideen, heißt es. Kaum ein Musiker setzt konsequenter aufs Ausprobieren als Rockstar Iggy Pop: „Als es mit meiner zweiten Band The Stooges losging, spielte ich auf der Bühne mit einem verstärkten Staubsauger und holte aus ihm einen richtig guten Sound raus. Dazu musst du den Kopf des Schlauches abschrauben und deinen Daumen draufhalten, bis ein Pfeifen entsteht, das sich wie ein Sturmwind anhört. (…) Bald darauf erweiterten wir unser Repertoire mit Bootshörnern … und einem Mixer. Der Mixer kostete nur 16 Dollar, aber wenn man ein bisschen Wasser reinfüllte und ihn vors Mikro hielt, klang er wie die Niagarafälle.“
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DEUTSCHLAND RED BULL MUSIC ACADEMY Zum 20-jährigen Bestehen der globalen Institution rekapitulieren wir die besten Kreativstrategien von Iggy Pop, Björk oder Charlotte Gainsbourg.
DEUTSCHLAND JASON PAUL Seit seiner Kindheit zieht es den Freerunner nach Tokio. Heute lebt er immer wieder in der Mega-Metropole. In diesem Heft zeigt er seine zweite Heimat aus ganz eigener Perspektive.
Chefredakteur Alexander Macheck THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Länderredaktion David Mayer Lektorat Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek Country Project Management Natascha Djodat Anzeigenverkauf Martin Olesch, martin.olesch@ de.redbulletin.com Abo Abopreis: 21,90 EUR, 10 Ausgaben/Jahr, www.getredbulletin.com, abo@de.redbulletin.com Druck Prinovis GmbH & Co. KG, Betrieb Nürnberg, 90471 Nürnberg
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Comme un truc en plus Un chef d’orchestre est vieux, fou, illuminé par le classique ? UELE LAMORE – ici en photo, en mode terrasse-détente – risque de vous faire changer d’opinion sur cette activité. Texte PH CAMY Photos FELIPE BARBOSA
Uele Lamore, 24 ans, sait comment diriger un orchestre de plus de 20 personnes et toujours rester zen.
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FRANKREICH UÈLE LAMORE Wie die Dirigentin den Code klassischer Musik zu knacken versucht und warum sie dafür auch mit Elektro-Bands arbeitet.
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Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailović, Maximilian Kment, Josef Mühlbacher Office Management Yvonne Tremmel IT Systems Engineer Michael Thaler Abo und Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Klaus Pleninger (Vertrieb), Nicole Glaser (Vertrieb), Yoldaş Yarar (Abo) Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Web www.redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 General Manager & Publisher Andreas Kornhofer Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Gerrit Meier, Dietmar Otti, Christopher Reindl
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GUIDE
Action-Highlight
Makes you fly
Mit 43 Jahren reiste Orlando Duque im Jänner dieses Jahres erstmals in die Antarktis. Was die Red Bull Cli≠ Diving-Legende aus Kolumbien dort erwartete, war eine völlig neue Erfahrung: ein 20 Meter hoher Eisberg als Plattform, 0,7 Grad kaltes Wasser als Eintauch-Ziel und Pinguine (nicht im Bild) als Zuseher.
Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 11. September 2018 98
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ANDREAS VIGL/RED BULL CONTENT POOL
Der Sprung ins kalte Wasser