Skip to main content

0801_DE

Page 1

n u m m e r 3 , J Ä NNER 2 0 0 8

Ein fast unabhängiges monatsmagazin

Kitzbühler Geheimnisse Alles, was Sie über die Streif wissen müssen

AIO_01_Cover.indd 1

14.12.2007 17:50:56 Uhr


RZ_anz_red_bulletin_AT.qxp

19.10.2007

14:46 Uhr

Seite 1

D I E K R Ä F T E D E R N AT U R . Thymian (Thymus vulgaris)

Orangenschalen (Citrus aurantium)

Lindenblüten (Tilia cordata)

Wacholder (Juniperus communis)

Holunderblüten (Sambucus nigra)

Ingwer (Zingiber officinale)

Rosenblüten (Rosa centifolia)

Pfefferminze (Mentha piperita)

Assai (Euterpe edulis)

Brombeerblätter (Rubus fruticosus)

Birkenblätter (Betula pendula)

Kardamom (Elettaria cardamomum)

Lavendel (Lavandula angustifolia)

Zitronenmelisse (Melissa officinalis)

Löwenzahn (Taraxacum officinale)

Koriander (Coriandrum sativum)

Quitten (Cydonia oblonga)

Hagebutten (Rosa canina)

Passionsblume (Passiflora incarnata)

Hopfen (Humulus lupulus)

Hibiskus (Hibiscus sabdariffa)

Ringelblume (Calendula officinalis)

Galgant (Alpinia officinarum)

Zitronengras (Cymbopogon citratus)

ZUM TRINKEN.

RED BULL GIBT’S JETZT AUCH ZUM LESEN: RED BULLETIN. www.carpediem.com

Jeden Monat neu!

DES TRINKENS REICHER SINN. Carpe Diem Botanic Water ist 100% natürlicher Trinkgenuss, der sich die Kräfte der Natur zu Nutze macht. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Botanik der Universität Wien wurden 24 Kräuter und Pflanzen ausgewählt, die seit Jahrhunderten in der Naturheilkunde Anwendung finden. Carpe Diem Botanic Water gibt es in drei Sorten: Beruhigend, Harmonisierend und Belebend. Weitere Informationen auf www.carpediem.com

AIO_00_Umschlagmontage.indd 100

Anzeigen_im_Bulletin.indd 1 Process CyanProcess MagentaProcess YellowProcess Black

10/24/07 12:58:19 PM 14.12.2007 12:16:20 Uhr


BULLHORN

JÄNNER 2008

THE RED BULLETIN

3

BETRIFFT: GUTE NACHRICHTEN Wenn Thomas Morgenstern den Weltcup der Skispringer mit einer überragenden Serie von Siegen beginnt, freuen sich nicht nur Sportfans in ganz Österreich. Auch wir sind stolz darauf, dass einer unserer Athleten die ohnehin schon ehrgeizigen Erwartungen noch einmal übertrifft. Die gezielte Förderung von begabten Sportlern ist schließlich eine hoch entwickelte Kompetenz von Red Bull, und wie gut unsere Talentscouts arbeiten, lässt sich immer wieder an den Ergebnissen ablesen. Aber bleiben wir bei Thomas Morgenstern. An seinem Beispiel lässt sich gut zeigen, wie Red Bull die Förderung von Athleten versteht – individuell, präzis, langfristig. „Morgi“, wie ihn seine Freunde nennen, kam bereits als Nachwuchstalent in den Stall von Red Bull, wo mit Andreas Goldberger und Adam Małysz bereits zwei Jahrhundertathleten den Takt vorgegeben hatten. Wir begleiteten seine Entwicklung von den vielversprechenden Anfängen bis zu zwei Olympiasiegen – und dass das Ende von Thomas Morgensterns Erfolgsgeschichte noch lange nicht geschrieben ist, zeigt sich in diesen Tagen im Weltcup. Wir gratulieren gerne und herzlich mit einem kleinen Ausflug in die Physik der Skispringens auf Seite 18. Ein anderer Mann, dem Red Bull seit vielen Jahren eng verbunden ist, sorgte am Ende des Jahres für Schlagzeilen: Felix Baumgartner. In einer geheimen Kommandoaktion stürzte sich der BASE-Jumper vom 509 Meter hohen Wolkenkratzer „Taipei 101“ in Taiwans Hauptstadt, dem (vorläufig) höchsten Gebäude der Welt. Minutiös vorbereitet, wagemutig durchgeführt, spurlos verschwunden: Nur zwei Stunden nach der spektakulären Aktion – Baumgartner: „Das ist wie Olympiagold“ – war der unerschrockene Salzburger bereits auf dem Weg nach Hongkong, während die Bilder seines Sprungs um die Welt gingen. Außergewöhnlich spannende Bilder, gewiss, und Bilder einer außergeKNU RR! wöhnlich guten, langen Partnerschaft: Sie bildet die solide Grundlage, über der sich Mut und Risikobereitschaft unseres Athleten voll entfalten können. Das aktuelle Porträt von Felix Baumgartner auf Seite 26. Weitere Neuigkeiten aus der Welt von Red Bull in diesem Heft, winterlich gefärbt: Porträts des Slalomstars Jens Byggmark und des Eisspeedway-Veteranen Franz Zorn. Ein Dossier über das Wochenende des Jahres, das Hahnenkammrennen in Kitzbühel – und wir garantieren: Sie werden beim Studium unserer extrabreiten Streif-Grafik (Seite 50) jede Menge neuer Fakten entdecken, selbst wenn Sie Toni Sailer persönlich sind. Ein Vorgeschmack auf die Dichte der zu erwartenden Informationen wurde Ihnen ja bereits auf dem Titelbild geboten, wo unser Illustrator Heri Irawan Kitzbühel so zeigt, wie Sie es bestimmt noch nie gesehen haben. Haben Sie übrigens Niki Lauda entdeckt? Viel Vergnügen wünscht Die Redaktion

AIO_03_Bullhorn.indd 3

THE RED BULLDOG tritt auf Seite 96 zum ersten Mal im Red Bulletin auf. Als Reverenz an den legendären „Simplicissimus“, dessen Wappentier eine Bulldogge war, bringen wir ab dieser Ausgabe jeden Monat die bissigsten Cartoons und Zeichnungen aus internationalen Zeitungen und Magazinen.

19.12.2007 13:18:01 Uhr


4

the red bulletin

inhalt

jänner 2008

Mitarbeiter

bullevard

Neues aus der Welt von Red Bull berichten in Wort und Bild:

Darüber staunt die Welt in diesem Monat.

Walter Gröbchen, 45, war von 1981 bis 1993 als Moderator, Redakteur und Programmentwickler für Ö3 und Ö1 tätig („Musicbox“, „Nachtradio“, „Freizeichen“, „Nachtexpreß“, „Diagonal“ u. a.). Wechselte 1993 in die Musikindustrie (u. a. A&R Consultant für Universal, Warner und BMG). Betreibt gemeinsam mit Partnern die Musik-/Medienagentur monkey (www.monkeymusic.at). Schreibt als freier Journalist u. a. für „Die Zeit“, „Weltwoche“, „profil“, „Standard“ und „Rolling Stone“. „Yes, you can!“ zum Thema Remix, Seite 64

Werner jessner, 32, kam von der „Autorevue“ zum Red Bulletin. Zweiradspezialist (mit und ohne Motor) mit großer Liebe zu sportunterfütterter Exotik. Reisestory la Réunion, Seite 70

teahupo’o liegt auf Tahiti. Die Wellen dort haben schon in der Antarktis Anlauf genommen. Gut für die Surfer. Seite 8 Fans sind Fans. Und manchmal selber ganz schön prominent. Berühmte Daumendrücker. Seite 10 jonas colting hat den Ultraman Hawaii mit einer Stunde Vorsprung gewonnen. Nicht zuletzt wegen seiner 8000-Dollar-Zeitfahrmaschine. Seite 10 Marc Coma fährt nach Dakar. Mit dem Motorrad. Er darf nur 30 Kilo Gepäck mitnehmen. Wir wissen, was. Seite 12 Quiz. Finden Sie den Fehler! Seite 12

ist Textchef des „Seitenblicke Magazins“ und war zuvor freier Journalist (Spezialgebiet Film) für Radio (Ö1) und Print („Tele“, „Wienerin“, „Club Ö3 Magazin“ sowie Chefredakteur „Skip“). Porträt Zoë Bell, Seite 30

Peter Krobath, 46,

leitender Redakteur des Red Bulletin und betreute mit seinem Team Ulrich Corazza, Markus Huber, Simon Schreyer und Nadja Žele das Kitzbühel-Dossier. (Speziellen Dank an den Kitzbüheler Ski Club!) Seite 50

hat ein intensives journalistisches Vorleben bei „Kurier“, „Sportmagazin“ und diversen Snowboardmagazinen. Im Red Bulletin der Mann für Trendsportarten. „Yes, you can!“ zum Thema Snowmobile, Seite 60

christoph rietner, 30,

forscht am Institut für Experimentalphysik in Wien und ist wissenschaftlicher Betreuer der Red Bulletin-Formelsammlung. Bullevard, Seite 18

Dr. Axel Schäfer, 38,

ist freier Fotograf und als ehemaliger Radio-DJ die ideale Besetzung bei der Realisierung musikalischer Themen. Fotos „Yes, you can!“ zum Thema Remix, Seite 64

udo titz, 47,

ist seit 20 Jahren Journalist (Sport und vieles mehr) und ständiger Mitarbeiter des Red Bulletin. Porträt Franz Zorn, Seite 36

Stefan Wagner, 39,

nadja Žele, 29, betreute 2007 das offizielle Magazin des Red Bull Air Race als Senior Writer, auch vor Ort auf allen Kontinenten. Selbstversuch im Red Bull Air Race-Flugzeug, Seite 54

Christian ankowitsch entdeckt Gemeinsamkeiten zwischen Jesus und einem Ohrensessel. Seite 14 evel knievel ist tot. Ein Nachruf auf den schneidigsten aller Daredevils. Seite 16 thomas morgenstern hat die Formel fürs Skispringen im Gefühl. Dr. Schäfer hat sie zu Papier gebracht. Seite 18 marc janko kennt seine Schuhgröße nicht. Dafür weiß er, warum auf seinem Fußballschuh WIMOMO steht. Seite 20 Abenteuerbücher haben kein Ablaufdatum. Vier Klassiker für jedermann. Seite 21

alex roy ist professioneller Verkehrssünder. 31 Stunden und 41 Minuten von New York nach L. A. auf den Spuren des „Cannonball Run“. Seite 22 Weltrekorde können lustig sein. Oder arg. Oder beeindruckend. Oder alles zusammen. Unsere Auswahl des Monats. Seite 23

AIO_04-05_Inhalt.indd 4

Cover Illustration: Heri Irawan; illustrationen: anje jAger

Alex Macheck, 41, ist

könig von Quebec kann nur einer werden. Und zwar der, der das Red Bull Crashed Ice bezwingt. Seite 13

19.12.2007 15:39:28 Uhr


INHALT

JÄNNER 2008

HELDEN

DOSSIER

ACTION

Menschen, denen wir Respekt zollen.

Hahnenkammrennen Kitzbühel: 99 Dinge, die Sie schon immer vom Ski-Klassiker auf der Streif wissen wollten. Seite 50

Wir machen Lust aufs Mitmachen.

FELIX BAUMGARTNER springt gern von Häusern. Am liebsten von solchen, die anderen zu arg sind. Zum Beispiel vom bis dato höchsten Gebäude der Welt, dem „Taipei 101“ in Taipeh.

5

THE RED BULLETIN

AIR RACE, PASSIV. Können Sie sich vorstellen, wie sich Ihr Körper mit 300 Kilogramm anfühlt? Unsere Red BulletinMitarbeiterin hat’s ausprobiert. VON NADJA ŽELE Seite 54

VON ROBERT SPERL Seite 26 100 km/h

TIROLER KNÖDEL. Der Klassiker mit K aus Kitzbühel. Starkoch Eckart Witzigmann holt das Beste aus ihm heraus.

120 km/h 100 km/h

ZOË BELL ist Stuntfrau. Deshalb steckt sie täglich in der Haut prominenter Schauspielerinnen und riskiert ihre Knochen.

VON CHRISTIAN GRÜNWALD Seite 58

90 km/h

VON PETER KROBATH Seite 30

100 km/h

JENS BYGGMARK hat das Zeug, im Slalom Nachfolger seines Landsmannes Ingemar Stenmark zu werden.

SKI-DOO, AKTIV. 70 PS, Raupenantrieb und nur neun Finger zum Festhalten: Das ist Spaß im Schnee für Furchtlose.

Die Karte zur härtesten Ski-Rennstrecke der Welt.

DIE STREIF

90 km/h

100 km/h

VON CHRISTOPH RIETNER Seite 60

VON ANDIN TEGEN Seite 32

FRANZ ZORN ist einer der besten Eisspeedwayfahrer der Welt. Weil es in seiner Salzburger Heimat zu wenig Gefrorenes gibt, begleitete ihn das Red Bulletin auf einer Reise nach Schweden.

WIE MACHE ICH EINEN REMIX? Star-DJ und Produzent Rodney Hunter kann es uns sagen.

100 km/h

VON WALTER GRÖBCHEN Seite 64

VON STEFAN WAGNER Seite 36

REISE: LA RÉUNION. Eine Insel im Indischen Ozean, ein MountainbikeRennen, ein Schweizer als Guide: René Wildhaber zeigt uns den coolsten Weg runter vom Vulkan.

140–153 140 15 km/h

GEORGE CLOONEY und BRAD PITT über Kinder, Freundschaft, heimliches Zigarettenrauchen, die Nöte des Berühmtseins und darüber, dass man im Film manchmal einen Idioten spielen muss. VON DANIEL FIERMANN Seite 42

VON WERNER JESSNER Seite 70

DIE STREIF ALS CENTERFOLD. Alle Infos zum Ausklappen.

WIR WAREN HIER. FÜR SIE.

TERMINE. Der Red Bulletin-Terminkalender. Seite 82 PARTY. Sie lassen sich zur Oscar-Feier einladen, trinken aber dasselbe wie wir. Seite 86

Hawaii

Los Angeles Quebec

Strömsund New York Berlin

Tahiti

Salzburg

Madrid

Kitzbühel

DIE BESTEN CLUBS DER WELT. Diesmal: Kapital, Madrid. Seite 90

Taipeh Saalbach

READ BULL. Vom Abenteuer, Italiener zu sein. Eine Lesegeschichte. VON TIM PARKS Seite 92

Dakar

AIO_04-05_Inhalt.indd 5

Réunion

Verraten Sie uns, wo Sie waren. Auf WWW.REDBULLETIN.COM

SIMPLICISSIMUS. Darüber lacht die Welt. Seite 96 ZEITSPRUNG. Red Bull vor 100 Jahren. Seite 98

IMPRESSUM. Seite 98

19.12.2007 13:21:35 Uhr


6

leserbriefe

the red bulletin

jänner 2008

Briefe an die Redaktion Leserbriefe an The Red Bulletin richten Sie bitte per Fax an die Nummer +43/(0)1/902 21-28809, per E-Mail an leserbriefe@at.redbulletin.com oder an die Postadresse Heinrich-Collin-Straße 1, 1140 Wien. Leserreaktionen werden nur veröffentlicht, wenn sie Namen, Adresse und Telefonnummer bzw. E-Mail-Adresse enthalten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor, wenn es Länge und Klarheit erfordern.

Sehr geehrte Damen und Herren! Endlich wieder mal ein sehr interessantes und spannendes Magazin oder wie ich es sonst nennen sollte. Ich (59) habe mir noch nie einen Roten Bullen genehmigt, mag Eure Werbung und Verführung noch so gut sein, doch mit The Red Bulletin macht Ihr mir den Mund wässrig. Sehr gut und in die Tiefe gehend, im wahrsten Sinne des Wortes, auf Seite 56/57 in Eurer zweiten Ausgabe! Obwohl gerade erst geboren, schon so vielseitig und Mateschitz-like. Gibt’s auch schon die Idee eines Abos? Mit abenteuerlichstem Dank! Manfred Schreiber, per E-Mail

Werte Damen und Herren! Mit meinen 74 Jahren zähle ich wohl nicht zu Ihrer Leser„Zielgruppe“, aber ich nehme mir viel Zeit zur Lektüre. Neben der Fülle an Illustrierten kann sich Ihr Magazin durchaus ­sehen lassen: tolle Fotos und Reportagen, gut aufgemacht.

e DEIN frage!

Dennoch einige kritische Zeilen: Allzu kurzfristige Termine im „Kalender“ sind wenig sinnvoll. Als Gratisbeilage brauchen Sie nicht um die Akzeptanz der Leser zu kämpfen. Trotzdem würde es benutzerfreundlich sein, wenn die Schrift ohne Lupe entzifferbar wäre. Es gibt auch noch Leser, die kein Internet wollen: Eine Faxnummer für Leserbriefe wäre wünschenswert. Rudolf Ratzenberger, 5020 Salzburg

Liebes Redaktionsteam! Die erste Ausgabe des Red Bulletin ist das Beste, was je gedruckt wurde. Habe noch nie etwas Besseres, Genialeres, interessanter Geschriebenes gelesen! Ich verbeuge mich vor Euch. Weiter so! Helfried Pirker, per E-Mail

Liebe Redaktion! Gratuliere zu Eurem gemeinsamen Erstling, Ihr hellt damit den Monatshimmel auf und legt dem Zeitgeist einen drauf. Bull over: Wäre ganz nett gewesen, hättet Ihr den jungen Vorarlberger Fotografen Markus Gmeiner, der das Ober-

mair-Foto (Seite 6, Heft 1) geschossen und damit, glaube ich, einen Canon-Bewerb gewonnen hat, ein bisserl vor den Vor­hang geholt bzw. geziemend erwähnt. Das Batzerl rechts ­unten ist verschwindend. Jimmy Riegler, per E-Mail

Liebes Red Bulletin-Team! In der Dezember-Ausgabe stellt Ihr in einem Bericht auf Seite 65 Leistungsgewichte ­einander gegenüber. Leider wart Ihr dabei nicht konsequent. Zum Beispiel wurde vom Motorrad bis zum VW Golf das Leergewicht auf die Leistung bezogen, während beim Lkw das höchstzulässige Gesamt­gewicht herangezogen wurde. Des Weiteren wurde bei allen Fahrzeugen die Maximalleistung zum Gewicht gesetzt, während beim Menschen nur eine Dauerleistung angegeben wurde. Der Mensch leistet kurzzeitig bis zu zwei PS, wenn’s mal sein muss. Und zum Schluss der Klassiker: die Annahme, ein Pferd habe ein PS. (Ist doch merkwürdig, dass die Tiere, verglichen mit dem Menschen, bei acht- bis

zehnfachem Gewicht eineinhalb- bis zweimal so schnell laufen können, und das über eine größere Distanz …) In Wirklichkeit leistet ein Pferd zwischen 20 und 30 PS. Warum? Die Leistung einer Pferde­ stärke wurde früher anhand folgender einfacher Regel festgelegt: Zugkraft von 735,75 Newton (entspricht dem Gewicht von 75 kg) bei einer Geschwindigkeit von 1 m/s. Hier handelt es sich jedoch um eine Dauernutzleistung, welche nicht die Gesamtleistung des Tieres mit einbezieht. DI (FH) Raoul Lechner, 8141 Unterpremstätten

Sehr geehrtes Red Bulletin-Team! Wir gratulieren Euch anlässlich Eures Starts mit Red ­Bulletin am Medienhimmel Österreichs! Christian Löschnigg, Michael Haider, Stunt.at

Leser fragen, weltmeister antworten

Georg Steiner aus Bregenz fragt:

Gibt’s Regeln für den Leiberltausch? Es gibt Spieler, die suchen sich im Match einen speziellen Tauschpartner aus, häufig den Gegenspieler. Manchmal sprechen sie sich vorher mit ihm ab. Andere lassen das an sich herankommen und nehmen dann irgendein Leibchen. Nach dem Tausch schüttelt man sich die Hand und wünscht sich Glück, das gehört sich so. Dann kommt leider oft etwas Unappetitliches: Einige Spieler schlüpfen nach dem Tausch in das ver-

AIO_06-07_Kainrath Leserbriefe.indd 6

schwitzte Trikot ihres Gegners. Davor hat mir stets gegraust: Mir war mein eigenes Leibchen immer am liebsten. Deshalb habe ich kaum „Skalps“ zu Hause. Einmal habe ich in einem Freundschaftsspiel meines damaligen Clubs Bayern München gegen den AC Milan mit George Weah getauscht, zur Halbzeit. Es gab überhaupt nur einen Anlass, zu dem ich unbedingt das Leiberl eines Gegenspielers wollte: Nach dem 1:0 gegen

England im Oktober 2000 habe ich mit Paul Scholes getauscht, im letzten Match im ­alten Wembley-Stadion. Ich war stolz auf das Shirt, aber nicht lang: Es ist mir auf der Heimreise noch am Londoner Flughafen aus der Reisetasche gestohlen worden. Auf jede Frage antwortet der passende Weltmeister: E-Mails an weltmeisterantworten@at.redbulletin.com

illustration: mandy fischer

Thomas Linke, mit Deutschland 2002 Fußball-Vizeweltmeister und Assistent des Sportdirektors bei Red Bull Salzburg, antwortet:

19.12.2007 13:32:37 Uhr


jänner 2008

leserbriefe

the red bulletin

7

Gereimtes zum Start: Wer heute sich verlor’n erachtet / sich hält für eine glatte Null / verleiht sich, völlig frei betrachtet / ganz einfach Flügel mit Red Bull. Peter WeiSS, per E-Mail

Hallo, Redaktion! Wunderbar Eure Zeitung! Ich möchte Euch als Anregung eine neue Sportart vorstellen: Rail Rolling – mit „Schienenflöhen“ auf eingestellten Weinviertler Nebenbahnen unterwegs. Mehr darüber auf: www.flinkerhirsch.at Hubert WeiSSnegger, per E-Mail

Sehr geehrte Redaktion! Als pensionierter Buchhändler möchte ich an dieser Stelle ein ganz besonderes Lob für die grafische Gestaltung des Bulletin aussprechen. Franz Egger, 9800 Spittal/Drau

Sehr geehrte Damen und Herren! Ich darf mich für das Magazin bedanken – als einst begeisterter Skifahrer hat mich die Titelseite Ihres zweiten Hefts wirklich extrem fasziniert. Auch die anderen Aufnahmen sind vom Feinsten. Johann Dostal, 1010 Wien

Liebe Chefredaktion! Endlich ein fetziges und greifendes Magazin! Selbst ich als Künstler werde von diesem Geist zum Mitmachen inspiriert. Bitte weiter so! Manfred Lambichler 2013 Göllersdorf

„Steh auf und geh!“, Heft 1/07 Herzlichen Dank für den Inhalt dieses Artikels. Vielleicht werden dadurch unsere Mitbürger noch mehr für die Probleme Querschnittsgelähmter sensibilisiert: Mastdarm- und ­Blasenlähmung mit all den ­unangenehmen „Neben­ erscheinungen“; von Nicht­ behinderten besetzte Behindertenparkplätze und unflätige Beschimpfungen, wenn man diese „Mitbürger“ daran erin-

AIO_06-07_Kainrath Leserbriefe.indd 7

nert, dass sie unsozial handeln; unnötige Stufen usw. Ich spreche aus eigener Erfahrung, da ich seit 48 Jahren eine inkomplette Querschnittslähmung ab L1/2 mit mir „herumtrage“ – im wörtlichsten Sinn. Daher möchte ich zur Aussage von Wings for Life, die Menschen aus dem Rollstuhl zu holen – falls diese so zu verstehen ist, dass Men-

schen möglichst nicht im Rollstuhl, sondern gehend (eventuell mit Krücken) ihr Leben meistern lernen –, Stellung nehmen. Ich „gehe“ seit dem erwähnten Lebenseinschnitt mit der Folge, dass meine Schultergelenke derart lädiert sind, dass ich nur mit Schmerzen unterwegs bin. „Gehen“ mit Krücken entspricht einem ebenso unnatürlichen Bewe-

gungsmuster wie das fortwährende Antreiben der Rollstuhlräder. Vielleicht könnte Wings for Life auch ein wenig in ­diese Richtung Forschungs­ aufträge v ­ ergeben (Thema Vorsorge, Schmerztherapie) bzw. Ärzte und Therapeuten dazu ermuntern, sich mehr mit ­dieser Thematik auseinanderzusetzen. Rudolf List, per E-Mail

19.12.2007 13:33:11 Uhr


8

Tahiti

8000 Kilometer Anlauf. Welle am Strand von Tahiti, abgeschickt in der Antarktis.

M e e r e s s t r ö mung

FOTO DES MONATS

HULA-HUPO

RED BULL WAVE CHASERS: 14. JÄNNER BIS 1. FEBRUAR 2008, MARSH HARBOUR, BAHAMAS

AIO_08-09_Bullevard.indd 8

M

A

M

EN

R WO

?

HE

RO �

Wenn der Pazifik im Frühherbst vor dem tahitianischen Dorf Teahupo’o zur Landung ansetzt, sind die Wellen im Durchschnitt drei Meter hoch. Manche jedoch haben auf ihrer 8000-Kilometer-Reise vom antarktischen Ufer her nach Französisch-Polynesien mehr Energie aufgenommen. Der lange Anlauf und der Wind haben sie zu 10-Meter-Monstern gehätschelt, wuchtigen Walzen, die Tonnen von Wasser vor sich herschieben. Im seichten Uferwasser vor Tahiti, über den knapp unter dem Meeresspiegel liegenden Korallenriffen, bäumen sie sich ein letztes Mal auf. Übermütig kippen sie als riesige, weiß verbrämte ElvisRolle vornüber. Darauf haben die Wellenreiter gewartet, die am Strand von Teahupo’o lauern. Die Front Sides der Wellen sind ideale Abfahrtspisten, AH U PO’O und dann bildet sich da noch eine Röhre, Tube genannt, die zu befahren : TE R E nur die wildesten Hunde zuwege bringen. Hupo rufen die WellenET M reiter diese Wellen, oder Chopes, und das Rodeo auf ihnen ist gefährlich: Wer bei der Abfahrt ausrutscht, wird bis zur Bewusst25 % losigkeit geohrfeigt. Und weil die Welle auf ihrem Weg Richtung ADRENALIN Strand Wasser durch den entstehenden Sog zum Meer hin zieht, bleibt nicht viel übrig zwischen Brett und Meeresboden: 50 % WASSER Wer stürzt, wird von den messerscharfen Korallenbänken file5 % MEERSALZ tiert. An normalen Tagen rennt am Strand der Schmäh. An großen Tagen, wenn die Hupos kommen, sei der Ort furcht10 % einflößend, schildert Surf-Koryphäe Andy Irons: „Dann redet AQUAMARIN kaum noch jemand.“ Unter Feinspitzen war Teahupo’o schon 10 % länger ein Tipp, seit knapp zehn Jahren aber gibt es hier eine PINGUINUS regelmäßige Regatta der Besten der Welt. Dann ist es auf dem SCHWEISS SA SE Strand nicht ganz so leise. T ZU ZE

N SI

LE CH 100% WE L

19.12.2007 13:54:42 Uhr


BILD: TIM MCKENNA/RED BULL PHOTOFILES

AIO_08-09_Bullevard.indd 9

19.12.2007 13:50:41 Uhr


10

BULLEVARD

THE RED BULLETIN

A New York Knicks

B Red Bull Salzburg

C Argentinische Fußballnationalmannschaft

JÄNNER 2008

D New York Yankees

E Schottische Fußballnationalmannschaft

GANZ PRIVAT

WER SCHREIT FÜR WEN? Ob Oscar-Gewinner oder Tankwart, Supermodel oder Hausfrau, Schallplattenmillionär oder Hobbymusiker: Im Stadion, wenn der Lieblingsclub aufspielt, sind alle gleich. (Tatsächlich: Auf der Tribüne werden sogar arroganteste Promis zu Menschen!) Applaus für die Eigenen, Buhrufe für die Gegner – und wenn der Schiedsrichter einen schlechten Tag hat, ruft man ihn zum Telefon.

6 Tyra Banks und Beyoncé Knowles (re.)

3 Eva Longoria

MAJOR LEAGUE SOCCER, SAISON-TICKET DER RED BULLS NEW YORK FÜR 2008: 1088 DOLLAR, WWW.REDBULLS.COM AUFLÖSUNG AUF SEITE 14

2 Brad Pitt 5 Diego Maradona

1 Marc Janko, David Coulthard

JEDER SCHUSS EIN TREFFER!

DEIN FOTO!

CHILE

BURSA

BILDER: WWW.REDBULLETIN.COM (2)

BILDER DES MONATS

4 Snoop Dogg

Aus dem abenteuerlichen Alltag unserer Leser: einfach hochladen auf www.RedBulletin.com Die besten Fotos kommen jeden Monat ins Heft!

AIO_10-11_Bullevard.indd 10

C. Ferrer: „Athletisch, braun gebrannt. Diesen Sonnyboys sehen auch die Beach Girls gerne beim Wellenreiten zu.“ Chile, 20. März 2007

Nuri Yilmazer: „Man braucht nicht zwingend einen Drachen, um mit einem Bord in der Luft zu schweben.“ Red Bull Local Hero Tour, Bursa (Türkei), 19. Oktober 2007

19.12.2007 14:05:33 Uhr


BULLEVARD

JÄNNER 2008

11

THE RED BULLETIN

DOPAMIN

F

Los Angeles Lakers

DIESES MOLEKÜL VERLEIHT FLÜGEL

G NBA – All Star Game

Dieser Botenstoff zwischen den Nervenzellen ist ein Glückshormon. Im Sport schüttet es der Körper während der Flow-Erlebnisse aus. (Im Flow verleiht eine optimale Synchronisation von Herzschlag, Atmung und Blutdruck für einen gewissen Zeitraum das Gefühl, jetzt könnte es ewig so weitergehen.) Wird das Dopamin knapp, gibt es noch Endorphin, ein vom Körper produziertes Opioid. Es kann ebensolche Glückszustände auslösen, sogar ohne Schwitzen: Auch beim Küssen und Essen von Chili bildet sich Endorphin. SANDY MARATHON, 8. FEBRUAR 2008, MASKAT/OMAN

MASSARBEIT

GUTES RAD IST TEUER Für zehn Kilometer Schwimmen im Meer und 84 Kilometer Laufen reichten dem Schweden Jonas Colting bei der 22. Auflage des dreitägigen Ultraman Hawaii eine Badehose und ein Paar Ecco-Laufschuhe. Für die 421 Kilometer Radfahren gönnte er sich aber etwas Spezielles: Das 8000-Dollar-Rad von Quintana Roo ist speziell auf seine 1,90 Meter maßgeschneidert. Coltings Gesamtzeit von 21:59:44 Stunden war fabelhaft – der Zweitplatzierte lag über eine Stunde zurück.

9 Rod Stewart

7Elisha Cuthbert

Sattel Selle Italia SLR Tri Rahmen Titan Gabel Carbon Felgen/Reifen HED Carbon/Continental

BULC HER

Schaltung/Kurbel Shimano Duro Ace/ Ergomo

LIÈGE

BILDER: WWW.REDBULLETIN.COM (3)

LIMA

Zeitfahrmaschine Quintana Roo Ti-Phoon 2007 Gewicht unter 8 kg

BILD: TIMOTHY CARLSON

8 Jack Nicholson

BILDER: GEPA PICTURES (2), GETTY IMAGES (2), IMAGO/CHERNYKH, REUTERS (4), WWW.VIENNAREPORT.AT (7)

ULTRAMAN HAWAII TRIATHLON WORLD CHAMPIONSHIP: 23. BIS 25. NOVEMBER 2007

Enrique Castro Mendivil: „Dieser junge Ballartist ist leider nicht für das österreichische Nationalteam spielberechtigt.“ Red Bull Reacción, Lima (Peru), 6. Oktober 2007

AIO_10-11_Bullevard.indd 11

Christian Pondella: „Keine Sorge, Biker Nick Fahringer hat schon vor, durch die untere Tür zu fahren.“ Last Man Standing, Bulcher (Texas), 2. Dezember 2006

Bavo Swijgers: „Eierspeis für jedermann. Nicht alle Eier kamen unbeschadet in der Landezone auf.“ Red Bull Gravity Challenge, Liège (Belgien), 27. April 2007

19.12.2007 14:06:26 Uhr


12

BULLEVARD

THE RED BULLETIN

JÄNNER 2008

30 KILO FÜR 15 TAGE

ICH FAHRE NACH DAKAR UND PACKE MEINEN KOFFER … Wir werfen einen Blick auf Marc Comas Packliste für die Wüstenrallye Dakar. A: Das blaue Kanu hat einen Motor.

Marc Coma, 31, ist Dakar-Sieger 2006 und aktueller Cross-Country-Rallye-Weltmeister. Einen sicher scheinenden Sieg bei der letztjährigen Dakar verhinderte ein Sturz zwei Tage vor dem Ziel. Auch heuer gilt der Spanier – gemeinsam mit Vorjahressieger Cyril Despres – als Favorit für die härteste und prestigeträchtigste Rallye der Welt.

B: Walter hat das Paddel von Werner erwischt. C: Walter hat übersehen, dass Werner schon im Boot saß.

SNOWKAJAK WM: 2. FEBRUAR 2008, MOOSALM, LIENZ

QUIZ

FINDEN SIE DEN FEHLER In der Welt von Red Bull passieren täglich außergewöhnliche Dinge. Das sind wir gewohnt. Manchmal wird es aber sogar uns zu steil. Dann stellen wir uns Fragen. Woher kommen wir, wohin gehen wir, wer holt uns ab? Unsere Fragen werden selten beantwortet. Damit Sie, liebe Leser, uns besser verstehen, lassen wir Sie mit diesen Fragen allein. Es gibt übrigens nichts zu gewinnen und keine Auflösung.

A: Das Buffet steht auf der anderen Seite. B: Thomas Morgenstern trägt keine Badehose.

A: Der kleine Schirm ist eine Erdbeere. B: Die Sprungski sind nicht gewachselt.

SALZBURG

Felix Roittner: „So sieht ein arbeitsreicher Tag für Goalie Reinhard Divis aus: Torschüsse im Minutentakt.“ Salzburg gegen Graz 99ers, 13. November 2007

AIO_12-17_Bullevard.indd 12

C: Das sind ja gar keine Sprungski!

PARIS

Ray Demski: „Ob Six Steps, Head Spins, Air Freezes oder Hand Glides. Egal. Hauptsache, es sieht cool aus.“ Red Bull BC One, Paris, 24. Juni 2007

BRASILIEN

Ignacio Aronovich: „Drachensteigen für Fortgeschrittene. Nur zu empfehlen bei geringen Windstärken.“ Red Bull Windows of Wind, Camburé, 13. September 2007

BILDER: WWW.REDBULLETIN.COM (3)

Auf Deutsch: 2 Motorradbrillen, Ersatzgläser, 4 Paar Ohrenstöpsel, 1 Tube Sonnencreme, 1 Lippenbalsam, 1 Brillenputztuch, 1 Halstuch, Taschentücher, Notfallapotheke, 3 Handtücher, 15 Unterhosen, 20 Paar Socken, 1 Badehose, 1 Stirnlampe, 1 Jacke, 3 Teamshirts, 14 T-Shirts, 2 Fleecepullis, 2 Sweatshirts, 3 kurze Hosen, 3 lange Hosen, 1 Dose Insektenschutzmittel, 3 Kappen, 1 Strickmütze, 1 Sonnenbrille, 1 Paar Fleece-Handschuhe, 1 Paar Schuhe, 1 Nierentasche

BILDER: GETTY IMAGES, MITTERBAUER H./KTM, RED BULL PHOTOFILES (3)

C: Das ist gar nicht Thomas Morgenstern.

19.12.2007 14:14:39 Uhr


13

THE RED BULLETIN

ICE

QU E B

20 % STARTER (100)

EC 15 % TEMPO (50 KM/H SPITZE)

15 % PREISGELD (10.000 DOLLAR)

20 % EISKANAL (535 METER)

S AU

SE

TZ E

M

R WO

30 % ZUSCHAUER (75.000)

?

S

D HE

EN

BULLEVARD

H E RO�M E TE R :C RA

JÄNNER 2008

NS

ICH

100% R E N

Z NEN

A US

M

STADTRUNDFAHRT

Willkommen in der Welt der coolen Kurven und der blauen Flecken! Willkommen beim Red Bull Crashed Ice in Quebec! Die künstlich angelegte, 535 Meter lange Strecke (Höhenunterschied: 56 Meter) ist eine geile Melange aus Skipiste, Bobbahn und Eishockeyring. Die 100 Teilnehmer – Lokalmatadore plus ausländische Gäste – fetzen mit bis zu Tempo 50 durch diesen Eisschlauch. Zwischen dem Start vor dem Château Frontenac und dem Ziel auf der Place de Paris bleibt keine Zeit, die Schönheiten der Altstadt zu bewundern: Jeweils vier Starter pro Lauf versuchen, sich mit allen erlaubten Tricks über Vor- und Zwischenläufe fürs Finale zu qualifizieren – und im Eishockeyland Kanada ist vieles erlaubt. Auf die vier Finalisten warten 10.000 Kanadische Dollar. Die Hälfte kriegt der Sieger – der wird an diesem Abend von den erwarteten 75.000 Zuschauern zum inoffiziellen König von Quebec gekrönt. RED BULL CRASHED ICE: 26. JÄNNER 2008, QUEBEC WWW.REDBULLCRASHEDICE.CA

AIO_12-17_Bullevard.indd 13

BILD: XAVIER DACHEZ/RED BULL PHOTOFILES

EISSTURM IN QUEBEC

19.12.2007 14:15:33 Uhr


14

THE RED BULLETIN

BULLEVARD

ANKOWITSCHS KOLUMNE BELEBT KÖRPER UND GEIST (3)

JÄNNER 2008

SEHR KOMISCH

POWER-HÄKELN

LISSABON

Manuel Lino: „Sauberer Telemark. Trotzdem ging die Landung schief. Der Pilot hat seinen Beruf verfehlt.“ 2. Red Bull Flugtag, Lissabon, 9. September 2006

AIO_12-17_Bullevard.indd 14

GEHEIMES HINTERZIMMER

G. Elber: „Möglicherweise handelt es sich hier um die ersten Entwürfe der Dose. Wer hier wohl den Stift geführt haben mag?“

Auflösung von Seite 10: A-6 + 7 Tyra Banks und Beyoncé Knowles, Elisha Cuthbert/New York Knicks, B-1 Marc Janko und David Coulthard/Red Bull Salzburg, C-5 Diego Maradona/Argentinische Fußballnationalmannschaft, D-2 Brad Pitt/New York Yankees, E-9 Rod Stewart/Schottische Fußballnationalmannschaft, F-4 + 8 Snoop Dogg und Jack Nicholson/Los Angeles Lakers, G-3 Eva Longoria/NBA All Star Game

MADRID

Christian Pondella: „An alle übermotivierten Jungbiker: bitte zu Hause nicht mit dem Moped ausprobieren.“ Red Bull X-Fighters, Madrid, 27. Juli 2007

BILDER: WWW.REDBULLETIN.COM (3)

Wer Extremsportler dabei kann: „Das rockt!“ Wie man beobachtet, wie sie vom jene Leute nennt, die sich rechten Arm der Jesusstatue bereits mit einfachsten Dinge in Rio de Janeiro hüpfen oder zufriedengeben, wissen wir: an drei Fingern über einem Sie heißen „Langweiler“. 793 Meter tiefen Abgrund All jene Menschen hingegen, hängen, der fragt sich: Warum die ständig durch die Welt tun die das bloß? ziehen und nach aufregenGute Frage! Und es gibt den Erlebnissen suchen eine interessante Antwort müssen, die nennt man drauf, die uns zweierlei erklärt: „Sensation Seekers“. Sehr Von Christian Ankowitsch Dass es bisweilen der Körper frei übersetzt heißt das ist, der dem Geist überlegen „Aufregungs-Touristen“. Sie ist; und dass zwischen einem Sprung müssen nämlich ständig auf abenteuerlivom südamerikanischen Jesus und einem che Reisen gehen, tagelang durchfeiern, Abend im Ohrensessel je nach Person nach hektischen Städten suchen oder gar kein Unterschied besteht. auf hohe Berge steigen. Aber alles der Reihe nach. Und wer ist schuld an alledem? Die Grundfrage nämlich lautet: Wann Unser Körper. Denn der ist dafür fühlen wir Menschen uns eigentlich zuständig, was wir als spannend bzw. rundum wohl? Das hängt von vielen uninteressant erleben, welche äußeren Dingen ab, unter anderem davon, ob wir Reize wir brauchen, damit unser Geist genug zu essen und zu trinken, ob wir es sich meldet: „Optimales Wohlfühlen warm haben – und ob wir uns nicht erreicht.“ Der Körper des Menschen, langweilen. Etwas wissenschaftlicher der bereits beim Power-Häkeln ausflippt, formuliert: ob wir unser ideales braucht keine starken Reize, um „Erregungsniveau“ erreicht haben; aufgeregt zu sein. Der Extremsportler wenn wir dieses Niveau unterschreiten, hingegen langweilt sich schnell und wird uns langweilig, wenn wir darüber muss ständig für Abenteuer-Nachschub liegen, sind wir gestresst. In der Mitte sorgen. Groß beeinflussen können wir liegt das Glück. diese Vorlieben nicht, sie sind durch Wie bei uns Menschen üblich, unsere Gene festgelegt. unterscheiden wir uns voneinander. So So verschieden die Wege des sind die Nerven des einen bereits beim Langweilers und des Sensation Seeker Häkeln einer überdimensionalen Wollauch scheinen mögen, eines sollten wir decke auf das Äußerste angespannt nicht vergessen: Sie folgen demselben (und er erlangt bei der Ausübung dieses Instinkt, es sich möglichst wohl ergehen Hobbys bereits sein ideales Erregungszu lassen. Der eine auf dem rechten Arm niveau), während der andere auf sehr von Jesus, der andere in seinem hohe Berge steigen muss, damit er sagen Ohrensessel.

ILLUSTRATIONEN: ANJE JAGER, DIETMAR KAINRATH

Was passieren muss, damit der Geist das Kommando über den Körper übernimmt: Exkurs über das Erleben von Extremsituationen.

19.12.2007 14:16:36 Uhr


Ein Becher voller Frucht

AIO_15_Inserat_RAUCH.indd 15 1 smoothie_anzeige_205x300.indd

19.12.2007 16:53:45 21:28:54 Uhr 19.10.2007


THE RED BULLETIN

BULLEVARD

JÄNNER 2008

TE

R

L VE :E

K N I EV E L 15 % VERBANDSSTOFF

HE

RO �M

E

16

40 % SCHRAUBEN 15 % LEDER

EN

M

OR W

SE TZ E N

R SICH 100% STA

M SA ZU

BILDER: DAVID ASHDOWN/KEYSTONE/GETTY IMAGES, INTERTOPICS

AU S

?

30 % KLAMMERN

Business as unusual. Wenn Evel Knievel zu einer Motorrad-Show startete, waren Scheitern und Knochenbruch stets Teil des Programms.

Zoltán Krasznai: „Fahrscheinkontrolle. Ob Nathan Rennie sein U-Bahn-Ticket gezwickt hat?“ Red Bull Metro Ride, Budapest, 22. September 2007

AIO_12-17_Bullevard.indd 16

VENEZUELA

Javier Mesa: „Jetzt wäre bald ein geeigneter Zeitpunkt, den Blick auf die Wasseroberfläche zu richten.“ Cliff Diving Tour 2006, Mochima-Nationalpark, 16. Mai 2006

SALZBURG

Hans Simonlehner: „René Aufhauser ist vermutlich am nächsten Tag mit starken Kopfschmerzen aufgewacht.“ Salzburg gegen Rapid, 30. Oktober 2007

BILDER: WWW.REDBULLETIN.COM (3)

BUDAPEST

19.12.2007 14:17:48 Uhr


BULLEVARD

JÄNNER 2008

17

THE RED BULLETIN

EVEL KNIEVEL, 1938 –2007

DAS BÖSE WAR IMMER UND ÜBERALL ALL TIME HERO

war Schutzengel von Evel God bless America. Und er November 2007, im Bett. 30. am erst b star Knievel. Der

Schon in der Luft ahnte er: Diesmal geht es sich nicht aus. Er hätte an diesem 31. Dezember 1967 auf seine innere Stimme hören sollen, die kurz vor dem Absprung gesagt hatte: Junge, du bist zwar ein wilder Hund, aber deine Harley klingt nicht gesund, du verlierst im Anlauf an Tempo, spürst du das nicht, hey? So entpuppte sich der Springbrunnen des Casinos Caesars Palace als zu mächtig. Und Stuntman Evel Knievel verfehlte nach einem 46-Meter-Sprung die Landerampe um zwei Handbreit, schlug einen Salto über den Lenker seines Motorrads, rollte leblos aus wie ein Crashtest-Dummy. Er lag Las Vegas zu Füßen, ratlose Polizisten, Sanitäter, Ordner und Zuschauer umstanden ihn, ABC filmte gnadenlos weiter. Knievel hatte sich 35 Knochen gebrochen, vom Brustbein bis zu beiden Knöcheln. Ohn-

BILDER: WWW.REDBULLETIN.COM (3)

NORTHAMPTONSHIRE

Neil: „Damit auch im Winter der Motor immer anspringt, empfehlen wir die Red Bull-Autobatterie.“ Santa Pod Raceway, Northamptonshire,England, Oktober 2007

AIO_12-17_Bullevard.indd 17

macht umfing ihn wie seine weiße Ledermontur mit den rot-blauen Streifen, die in diesem Moment den US-Flaggen ähnelte, unter denen die Army die Särge ihrer in Vietnam Gefallenen heimbrachte. 29 Tage später erwachte Knievel aus dem Koma, verplattet und verschraubt, und fragte, ob die Kameras auch draufgehalten hätten. Sie hatten: Mit der ABC-Show Wide World of Sports vom Absturz begann Knievels unaufhaltsamer Aufstieg. Dass der Amerikaner nicht zum Jahreswechsel 1967/68 gestorben war, sondern erst vierzig Jahre und ungezählte Unfälle später im Bett, am 30. November 2007 in seinem Alterswohnsitz in Florida, ist das eigentliche Wunder. Vor Las Vegas war Knievel durch Feuerwände gefahren und im Schlepptau von Dragstern. Er hatte mit seiner Harley Kisten mit Klapperschlangen und ein halbes Dutzend Autos übersprungen. Nach Las Vegas erhöhte er auf bis zu 50 Autos (in Los Angeles), Busse (14 Stück im Londoner Wembley-Stadion) und überstand fast vierzig weitere Unfälle. Auch diesen: 1972 versuchte er mit einem Raketenmotorrad den Snake River Canyon in Idaho zu überspringen – nach einem Defekt am Bremsfallschirm, der sich zu früh öffnete, ertrank er beinahe im Fluss. Geboren wurde Evel Knievel am 17. Oktober 1938 in Butte, Montana, als Robert Craig Knievel Jr. Als Junge ein talentierter Skispringer, ließ ihn die Liebe zur schiefen Bahn leider die längste Zeit seines Lebens nicht los. Nach Diebstählen und Einbrüchen kam er dem Sheriff in die Quere: So ergab sich sein Spitzname, „Evil“ Knievel, der böse Knievel, später orthografisch abgemildert in „Evel“. Nach Jobs in einer Mine (Stromleitung gerammt,

DUBAI

Jorge Ferrari: „Bruchlandung mit Stil. Bei der Punktwertung waren sich die Judges einig.“ 2. Red Bull Flugtag Dubai, Dubai Creek Park, 23. November 2007

entlassen), als Versicherungsvertreter (Verkauf von Polizzen an die Insassen eines Irrenhauses, entlassen) und Autohändler (erfolglos) wechselte Knievel ins Showbusiness: Er gründete 1965 die „Evel Knievel’s Motorcycle Daredevils“. Ab 1966 war der Draufgänger solo unterwegs und lernte die USA der Parkplätze, Stadien und Krankenhäuser besser kennen als je ein Stuntman vor ihm. Knievel wusste: Die Leute kommen nur, wenn die Chance groß ist, dass der Hauptdarsteller sich die Knochen bricht. Deswegen pfiff Knievel auf Fangnetze und erhob das Auf-die-Schnauze-Fallen zum Teil des Programms. Und Knievel vergaß nie einen wichtigen Aspekt: Unfälle sind nur gut, wenn die großen Networks live übertragen. Das zog, sagte Knievel: „Anfangs kamen die Leute, um zu sehen, wie ich mir den Arsch aufriss. Plötzlich war ich ein Teil ihres Lebens.“ Auch ein moderner Buffalo Bill? Nein, sagt Knievel: „Ich war nur ein guter Motorradfahrer und ein ziemlich guter Geschäftsmann.“ Die Welt machte dennoch einen Helden aus ihm. Sein Leben wurde verfilmt („Ein Leben am Limit“ mit George Eads in der Hauptrolle), Kanye West schrieb ihm einen Song („Touch the Sky“ – im Video spielt Pamela Anderson Knievels Frau). Hunderttausende Kids spielten mit Knievel-Puppen und -Computerspielen, was Evel Knievel zum Millionär machte. 1980 übergab er das Business an Sohn Robbie, der ihm neun Jahre später ein nettes Geschenk machte: Er zog den Caesars-Palace-Stunt durch, sturzfrei. RED BULL NIGHT RIDERS, V.A.E., 29. FEBRUAR 2008

SEATTLE

Christian Pondella: „Wenn du nicht spurst, brauche ich Gewalt. Mit der Peitsche in die Steilkurve.“ Red Bull Soapbox Race, Fremont, 29. September 2007

19.12.2007 14:18:01 Uhr


18

AIO_18-19_Bullevard Formel.indd 18

19.12.2007 14:14:42 Uhr


dr. schäfers Formelsammlung (III)*

DEN WINKEL SCHÖN FLACH HALTEN!

Wenn Thomas Morgenstern (Bild) in diesem Winter zu fliegen beginnt, sieht alles ganz einfach aus. Seine Bewegungen stimmen. Die Weiten sind unerhört. Die Rekorde purzeln. Die Elemente verbrüdern sich mit dem, der sie herausfordert. Aus der Sicht des Physikers stellt sich die komplexe Gemengelage, die einen Sportler erfolgreich macht – Talent, Trainingserfolge, die richtigen Unterstützer –, viel einfacher dar. Alles eine Frage der Aerodynamik: Wer sie unter Kontrolle hat, kann die größten Weiten sicher landen. Warum? Angenommen, wir schleudern einen Stein vom Schanzentisch an den etwa 135 Meter weiter unten liegenden Hillsize-Punkt – also an die rote Linie, bei welcher der Hangwinkel auf jeder Schanze genau 32° beträgt –, dann hätte der Fallwinkel des Steins beim Aufprall etwa 50°. Diese 18° Differenz zum Hangwinkel wären aber auch dem stärksten Skispringer zu viel: Für ihn würde sich das so anfühlen, als spränge er aus elf Meter Höhe auf eine ebene Fläche! Ein Skispringer nähert sich deshalb idealerweise in einem viel flacheren Winkel dem Hang. Die beiden Formeln Dr. Schäfers beschreiben nun für jeden Zeitpunkt (t) eines Fluges, wie der Springer (mit der Masse m) die wirkenden Kräfte in eine möglichst flachwinkelige Flugbahn umleitet. Die Fluggeschwindigkeit wird in eine waagrechte (vx) und eine senkrechte (vy) Komponente geteilt. Der Springer lehnt sich nach vorne, um seine frontale Angriffsfläche (Af) klein zu halten und seine unterseitige Fläche (Ad) zu vergrößern. Denn je höher die Vorwärtsgeschwindigkeit und je größer der Luftwiderstand von unten, desto stärker der Auftrieb. Dieser ist natürlich auch von der Luftdichte (ρ), der Luftreibung (cw) und der aktuellen Körperform (also der Skistellung) abhängig, die wir hier im Auftriebsbeiwert (cA) berücksichtigen. Klassemänner wie Thomas Morgenstern haben die beiden Differenzialgleichungen immer im Bauch: Mit ihrer Hilfe können sie den Landedruck verkleinern und den Sprung stehen. Wenn der Fallwinkel durch guten Auftrieb beispielsweise auf 40° verringert wird, so entspricht das bei einer Landung auf dem Hillsize-Punkt „nur mehr“ einem Sprung aus etwa 2,5 Meter Höhe oder einer kurzfristigen Belastung von etwa 5g (entspricht dem fünffachen Körpergewicht). Noch immer unvorstellbar für die meisten von uns, doch genau so werden mörderische Energien in pure Eleganz umgewandelt. * Dr. Axel Schäfer, 38, forscht am Institut für Experimentalphysik der Universität Wien.

bild: Wolfgang jannach/gepa pictures

FIS-Weltcup-Nachtspringen auf der k120-Schanze:   25. und 26. Jänner 2008, Wielka Krokiew, Zakopane, Polen

AIO_18-19_Bullevard Formel.indd 19

19.12.2007 14:14:44 Uhr


20

BULLEVARD

THE RED BULLETIN

JÄNNER 2008

MASSSTAB 1 :1

DARAUF STEHT MARC JANKO

Für seine 1,96 Meter hat Red Bull Salzburg-Spieler Marc Janko eher kleine Füße, Schuhgröße 45. Welche Größe die adidas-Schuhe genau haben, weiß der Stürmer jedoch nicht: Sie sind nach Maß gefertigt und außerdem Prototypen. Der echte Janko-Fan muss noch warten, bis er die Hammerl im Sportgeschäft kriegt. Und auch dann sind sie nicht ganz identisch: Seit seiner komplizierten Beckenverletzung spielt Janko nämlich mit Einlagen, die seine Fußgelenke stabilisieren. Und neben dem eingestickten Namen – wichtig, damit der Zeugwart die Schuhe vor dem Match in der Kabine richtig austeilt – hat der echte Janko-Schuh einen Schriftzug an der Sohle. WIMOMO steht da, die Koseform von „Wiener Oma“, wie Klein Marc seine Großmutter nannte. Mit der WIMOMO als Glücksbringer sollte bei der EM 2008 das Comeback im Nationalteam doch zu schaffen sein.

BILD: MANFRED KLIMEK/KURT GÖTHANS

ÖSTERREICHISCHE FUSSBALL-BUNDESLIGA: RED BULL SALZBURG – SV MATTERSBURG, 16. FEBRUAR 2008

Hanspeter Wimmer: „Die Großen spielen gegen Austria oder Sturm. Die Miniknaben der Red Bulls gegen den TSV Unken.“ Bergheim, Juni 2006

AIO_20-22_Bullevard.indd 20

FA R M I N GTO N

Chris Jones: „Die Versorgung mit Red Bull ist auch in unwegsamstem Gelände stets gewährleistet.“ Superlift Pro Series Rock Crawl, Farmington, New Mexico, Juli 2007

TALL ADEGA

Allan Branch: „Sind die roten Bullen daran beteiligt, dass die Sonne täglich aufgeht?“ Nascar Nextel Cup, Talladega (Alabama), 8. Oktober 2007

BILDER: WWW.REDBULLETIN.COM (6)

SALZBURG

19.12.2007 14:22:37 Uhr


JÄNNER 2008

THE RED BULLETIN

21

VORHANG AUF!

1:0 FÜR DIE BADEMEISTER „Was stört Sie eigentlich so am Fußball?“ „Alles.“ „Geben S’ mir ein Beispiel!“ „Die kurzen Hosen.“ „Kurze Hosen?“ „Männer in kurzen Hosen sind ein Generalangriff auf den guten Geschmack. Nennen Sie mir eine ernst zu nehmende Berufsgruppe, die kurze Hosen trägt!“ „Da kann ich Ihnen ein Dutzend aufzählen.“ „Da bin ich jetzt neugierig.“ „Bademeister, Würstlstandbetreiber, Fahrradboten, Glasbläser, …“ Aus: „Im Spielrausch“. Kabarettistischer Anpfiff des Affront-Theaters Salzburg zur EURO 2008 mit Fritz Egger, Johannes Pillinger und Peter Scholz. PREMIERE „IM SPIELRAUSCH“: 11. JÄNNER 2008, SALZBURGER LANDESTHEATER, 16. JÄNNER 2008, STADTTHEATER WALFISCHGASSE, WIEN

BILDER: TV-YESTERDAY, RUE DES ARCHIVES/PVDE/SV-BILDERDIENST

ABENTEUER-ABC

SPANNENDE SEITEN Klassiker für Ihre Bibliothek: Nur einer ist weniger als 100 Jahre alt, aber allesamt sind sie noch immer spannender als jedes Computerspiel.

DER SCHATZ IM SILBERSEE. VON KARL MAY, 1894.

TARZAN. VON EDGAR RICE BURROUGHS, 1914.

Vom vorbestraften Kleinkriminellen zum Ehrendoktor einer Uni in Chicago – Phantasievoll-Triviales machte Mays Aufstieg möglich.

Der Sohn eines britischen Lords und seiner Lady durchstreift den Urwald. Schließen wir die Augen, steht Johnny Weissmuller vor uns.

SANTIAGO DE CHILE

Sofia Montero: „HipHop und Scratching zum SelberAusprobieren. Unter Aufsicht von Experten.“ Watch and Learn, Santiago de Chile, 21. November 2007

AIO_20-22_Bullevard.indd 21

ROBINSON CRUSOE. VON DANIEL DEFOE, 1719.

Kolonialisierung im Kleinformat, so dramatisch erzählt, dass Millionen Schulkinder vom Auswandern träumten.

MONZA

Fritz Dorn: „Die Hörner wurden mir von meinem Kumpel und nicht von meiner Frau aufgesetzt.“ Formel-1-GrandPrix, Monza, 9. September 2007

SHERLOCK HOLMES. VON A. CONAN DOYLE, AB 1887.

Wenn die Pfeife des Detektivs einmal brannte, kam Assistent Dr. Watson aus dem Staunen nicht mehr heraus.

MALECÓN LIBRE

David Pou: „Ein Wheelie auf dem Hinterrad wäre keine richtige Herausforderung mehr.“ Chris Pfeiffer Tour, Malecón Libre (Dominikanische Republik), 30. September 2007

19.12.2007 14:23:03 Uhr


22

THE RED BULLETIN

BULLEVARD

JÄNNER 2008

TAGESAUSFLUG

MONZA

Fritz Dorn: „Ganz sicher – unsere Hüte und gelben Gummistiefel sind in der nächsten Herbstkollektion der letzte Schrei.“ Monza, 9. September 2006

AIO_20-22_Bullevard.indd 22

Zeitlang hinter dem Steuer saß) und Ausrüstung (der BMW als europäisches Polizeiauto maskiert, vollgestopft mit Radarwarnern, dazu ein Flugzeug zur Ortung von Highway-Police-Einsatzfahrzeugen) schlug sich im Budget nieder: 150.000 Dollar. Angehalten wurde auf der Reise nur zum Tanken (sechsmal, gesamt 34 Minuten, 571 Liter), gepinkelt wurde ins Fläschchen. An Verpflegung hatten Roy und sein Beifahrer Maher Zigaretten, Traubenzucker, Pfefferminzbonbons und Red Bull an Bord. Kleines PS: Roys Reise fand bereits im Oktober 2006 statt, konnte aber erst jetzt publik gemacht werden. So lange dauerte es, bis Roys hunderte Verkehrsstrafen nach US-Gesetz verjährt waren. RALLYE DAKAR 2008, LISSABON – DAKAR, GESAMTSTRECKE 9273 KILOMETER, DAVON 5736 KILOMETER SONDERPRÜFUNGEN: 5. BIS 20. JÄNNER 2008

CAMBURÉ

Ignacio Aronovich: „Extreme Seitenlage. So kann man auch Hindernissen ausweichen. Oben drüber.“ Red Bull Windows of Wind, Camburé (Brasilien), 13. September 2007

LIENZ

Martin Lugger: „Tief Luft holen. Es könnte für längere Zeit der letzte Atemzug ohne Wasserschlucken sein.“ Red Bull Dolomitenmann, Lienz, 8. September 2007

BILDER: WWW.REDBULLETIN.COM (3)

Von New York nach Los Angeles braucht ein Jet sechs Stunden: ganz ordentlich für 4600 Kilometer. Der US-Amerikaner Alex Roy benötigte mit seinem BMW M5 31 Stunden und vier Minuten, Schnitt: etwa 148 km/h. Wir wollen nicht kleinlich sein, aber die in den USA gültigen Tempolimits auf den Highways liegen, je nach Bundesstaat, zwischen 90 und 130 km/h. Und die Polizei – notorische Schnellfahrer, die sich untereinander per Funk warnen, rufen die Cops „smokey bear“ – versteht keinen Spaß, wenn sie ihre Radarfallen platziert. Also legte Roy seine Reise im Stil der illegalen Cannonball-Rennen als Geheimaktion an: Zwei Jahre tüftelte er – mit den Erfahrungen von zwei misslungenen Versuchen – an der idealen Route für sein Navigationssystem. Roys Team (14 Mann, einer davon Copilot Dave Maher, der eine

ILLUSTRATIONEN: JÖRG LIEBSCH

STRESS MIT SMOKEY BEAR

19.12.2007 14:23:04 Uhr


SUPERBULLS

JÄNNER 2008

THE RED BULLETIN

23

ZAHLEN, BITTE: WELTREKORDE DES MONATS

ZAHNLOS AM ZAHNFLEISCH Seine Liebe zu Wurzeln dürfte Alexis Lemaire früh erkannt haben – allerdings nicht zu dentalen. Der französische Mathematikstudent zog aus einer beliebigen 200-stelligen Zahl die 13. Wurzel und benötigte dafür

72,4 Sekunden. – Zeit genug für Kopfrechnungen hätte auch Radfahrer Gerhard Gulewicz gehabt. Vor Augen hatte er allerdings nur eine Zahl: 4.300 km – die Distanz von Perth nach Sydney. Nach

7 Tagen, 8 Stunden und 49 Minuten in der Affenhitze

war das Martyrium auch für den ausdauernderen Teil seines Körpers vorbei. (Vier Zähne hatte er schon zuvor bei einem Sturz im Outback verloren). – Kommt hingegen Marleen Veldhuis ins Schwitzen, fällt es nicht groß auf – die Holländerin ist Schwimmerin. Nach

23,58 Sekunden war der

Beckenrand über 50 m Freistil

auf der Kurzbahn erreicht: Rekord!

– Der Teammanager der New

York Yankees musste viele Nullen auf den Scheck schrei-

ben, um Star Alex Rodriguez zu

halten.

275 Millionen Dollar kassiert der Third Base-

man in den nächsten zehn Jahren. Körberlgeld für nicht inkludiert. – Um diese Summe könn-

te sich Gary Duschl rund

400 Millionen Packungen Kaugummi kau-

fen, um seine

(ca. 16 km) lange Kette aus Wrigley’s-SchleiBILDER: BRUNO BROKKEN (DIAMONDS), WWW.GERHARDGULEWICZ.COM, DAMIEN MEYER/AFP/GETTY, REUTERS, STILLS-ONLINE BILDAGENTUR

allfällige Rekorde allerdings

52.913 Fuß

fen zu erweitern. Andere Hobbys des US-Ame-

rikaners sind nicht überliefert: Seit 1965 hat er gut 20.000 Stunden in sein „Lebenswerk“ investiert. – Erst 70 Minuten war das Champions-League-Spiel AC Milan gegen Celtic Glasgow alt, als Gerd Müller seinen Europapokal-Torrekord loswurde. „Pippo“ Inzaghi erzielte in seinem 96. Europacupspiel Tor

AIO_23_Bullevard-Rekorde.indd 23

63. Trost für Müller: die bessere Torquote pro Spiel (0,89 zu 0,66). – Abso-

lute Präzision benötigten auch die

100 Fallschirmspringer, um sich über Florida zu einem 88 mal 53 Meter großen Diamanten zu formieren. Nach dem Absprung blieben ihnen für diesen Trick nur zehn Minuten Zeit. – Den Skisprung-Weltcup gibt es seit 29 Jahren. Noch nie gelang es einem Springer, die ersten

5 Konkurrenzen zu ge-

winnen. Bis Thomas Morgenstern des Weges kam.

19.12.2007 14:20:05 Uhr


M

Y

CM

MY

CY CMY

K

* Aktion gültig bis 31.3.08. Komb. Verbrauch (ECE101): 4,6 – 9,1 l/100 km, CO2-Emission: 109 – 215 g/km

C

Start your emotions. Honda

w w w. h o n d a . a t

Drücke seinen Startknopf und entdecke die Welt so, wie sie nur Civic-Fahrer kennen. Sein kraftvoller Motor und das agile Fahrwerk eröffnen neue Dimensionen des Fahrens. Für Überraschungen sorgen der flexible Innenraum sowie die beiden Modelle Type S und Type R. Mehr über das 60 Jahre Honda Special* jetzt auf www.honda.at und beim Honda-Händler!

AIO_24_Inserat_Honda.indd 24

*

• Jubiläums-Leasing • 1 Jahr Kasko gratis 19.12.2007 14:21:39 Uhr


helden

25

the red bulletin

helden

jänner 2008

Menschen, denen wir Respekt zollen

Felix Baumgartner wirft sich als

BASE-Jumper von Hochhäusern, Brücken und Klippen, und ab und zu ist auch eine Höhle dabei. Eben hat er das höchste Gebäude der Welt ­bezwungen. Wie geht das? Seite 26

Zoë Bell bricht sich gegen Honorar für andere die Knochen. Dafür wird sie in Hollywood geliebt: Sie ist die berühmteste Stuntfrau der Welt. Seite 30

Jens Byggmark ist ein schwedischer Skirennläufer mit spezieller Begabung für Slalom. Tore haben Tradition im Land von Ingemar Stenmark. Seite 32

Franz Zorn bestreitet EisspeedwayRennen, und er ist gut. Seinem natür­ lichen Feind, der Rechtskurve, ist dennoch kein Spike gewachsen. Seite 36

George Clooney und Brad Pitt sind unerschrockene Konkurrenten im Match um den Titel „Sexiest Man Alive“ und dennoch gute Freunde. Wie ist das möglich? Seite 42

AIO_25_Helden_Inhalt.indd 25

19.12.2007 14:07:04 Uhr


26

the red bulletin

helden

jänner 2008

Felix Baumgartner springt seit elf Jahren als BASE-Jumper von Wolkenkratzern, Brücken, Felsen und Antennen. Jetzt hat er das höchste Gebäude der Welt bezwungen.

Name Felix Baumgartner Geburtsdatum/-ort 20. April 1969, Salzburg aufgewachsen in Salzburg aktuelle wohnorte Salzburg, Los Angeles ausbildung Maschinenschlosser, Hubschrauberpilot web-adresse www.felixbaumgartner.com

Der Lehrling. Nein, Felix Baumgartner hatte sich nicht in der Tür geirrt. Vor ihm stand der Mann, der seinen Traum erfüllen sollte, Tracy Lee Walker, Amerikaner aus Texas, jetzt wohnhaft im bayerischen Bad Tölz, BASE-Jump-Spezialist mit 250 Sprüngen. Doch der speckige Frotteebademantel, die ungepflegten Haare und der glasige Blick passten ebenso wenig ins Bild wie das Weißbier in der Hand und die MentholMarlboro im Mundwinkel. Felix verließ der Mut: „Das ist jetzt aber nicht der, der mir den Sport beibringen wird?“ Doch. Walker war damals, 1996, BASE-Jump-mäßig ein wenig aus der Übung, weil seit längerem als Bodenpersonal in einem Fallschirmgeschäft tätig. Aber Felix war ihm sympathisch, weshalb er ihn spontan bei sich einquartierte und sofort mit dem Unterricht begann. Korrektes Fallschirmpacken, Videostudium, erzählen, Fragen beantworten. Es dauerte nicht lange, da hatten sich der Sportler Baumgartner und der Bierliebhaber Walker auf den Ort für Felix’ BASE-Jump-Premiere geeinigt: drittes Oktoberwochenende 1996, Bridge Day in Fayetteville, West Virginia, die inoffizielle BASE-Jump-WM, mit 500 Springern vor 100.000 Zuschauern. Hinunter in das 270 Meter tiefer gelegene Flussbett des New River machte Baumgartner seinen ersten BASE-Jump. Und weil er vom Fallschirmspringen – beim Bundesheer gelernt – eine solide Basis hatte, konnte er im Jahr darauf bereits den Gesamtsieg, bestehend aus Figuren- und Zielwertung, erringen, mit seinem erst 33. Sprung. Zu jener Zeit zigeunerte er mit Walker in Sachen BASE-Jumping durch die Welt, um seine Flugkünste zu perfektionieren: Eingekauft wur­de im Supermarkt, gereist per Anhalter, und abends checkte nur der eine offiziell im Motel ein – der andere nahm das Fenster zum Hof. Nummer 502. BASE setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Bezeichnungen jener Objekte zusammen, von denen gesprungen wird: Gebäuden (buildings), Antennen (antennas), Brücken (spans) und natürlichen Hindernissen (earth). Hat man bewiesenermaßen ein Ding jeder Kategorie erobert, ist man offizielles Mitglied der weltweiten BASE-Vereinigung. Baumgartner brauchte dafür knapp ein Jahr: New River Gorge Bridge, Fayetteville 1996, Monte Prento/Italien 1996, eine Antenne in Florida 1997

AIO_26-29_Baumgartner.indd 26

und im selben Jahr das Swiss Hotel in Chicago, mit einem Golfplatz davor, ein angenehmer Landeplatz. Seit damals ist Baumgartner als Nummer 502 regis­ triert, ein Glück, wie er sagt: Five-o-two lässt sich gut als Logo verwenden, bis in die Handynummer. Ein BASE-Jump dauert 10, 20, 30 Sekunden, je nach Objekt. Die Vorbereitungszeit hingegen zieht sich im Extremfall über Jahre. Das hat auch damit zu tun, dass BASE-Jumper häufig Gesetzesbrecher sind. Auch wenn es nur als Erregung öffentlichen Ärgernisses gilt, wenn man von einem Wolkenkratzer hüpft: Je nach Land ist es ratsam, nach getanem Job unverzüglich auszureisen. Baumgartners letzter Auftritt, der Flug vom „Taipei 101“ in Taiwan, wurde deshalb in James-Bond-Manier vorbereitet. Auskundschaften, Hinaufschmuggeln und Verstecken des Fallschirms in einem Lüftungsschacht, Ablenken des Sicherheitspersonals durch eine eigens engagierte BreakdanceGruppe, Überwinden des Sicherheitsgitters, Absprung aus 390 Meter Höhe (insgesamt ist der Taipei 101 509 Meter hoch), Landung, per Taxi zum Flughafen, Ausreise nach Hongkong. Erst dort wurde – zur Sicherheit mit einer Verzögerung von mehreren Stunden – der Vollzug gemeldet, inklusive Fotos und Film. Baumgartner hatte beim Sprung eine Videokamera am Handgelenk: „Ich bin nicht der Typ, der dauernd was noch Spektakuläreres machen muss. Mir geht es darum, eine Geschichte zu erzählen.“ Taipeh war deshalb nicht Baumgartners schwierigster Showdown. Auch nicht Turning Torso in Malmö, wo er zuerst per Fallschirm von einem Helikopter aus auf das Dach des Hochhauses sprang und in einem zweiten Schritt einen 190-Meter-BASE-Jump hinleg­ te. Danach eilige Ausreise per Schnellboot nach Däne­ mark: Die schwedische Justiz ist höflicher als die taiwanesische, aber auch ihre Gardinen sind aus Stahl. Schon eher sein Flug von Dover nach Calais: Am 31. Juli 2003 überquerte Baumgartner als erster Mensch im freien Fall den Ärmelkanal, im Spezial­ anzug mit Carbonflügeln und Sauerstoffmaske, ein Projekt, das nur durch seine enge Partnerschaft mit Red Bull möglich war. Baumgartner sprang dazu in 9800 Meter aus einem Flugzeug und landete nach 6:22 Minuten per Fallschirm in Frankreich. Das logistisch anspruchsvollste Ding war 2004 der Sprung in die 190 Meter tiefe Höhle von Mamet in Kroatien. Ausmessen, Berechnen der Flugphase, Üben

bild: bernhard spöttel/red bull photofiles

TEXT robert Sperl Bild Manfred Klimek

19.12.2007 14:25:03 Uhr


Felix Baumgartner im Salzburger Hangar-7, eine Woche nach seinem Sprung in Taipeh.

AIO_26-29_Baumgartner.indd 27

19.12.2007 14:25:16 Uhr


28

HELDEN

THE RED BULLETIN

JÄNNER 2008

BAUMGARTNERS BILDERBUCH

HOCH UND TIEF

Ob offiziell höchstes Gebäude der Welt, der 509 Meter hohe „Taipei 101“-Tower in Taiwan, eine 190 Meter tiefe Höhle im kroatischen Velebit-Gebirge oder die Couch von US-Talkmaster Jay Leno: BASE-Jumper Felix Baumgartner schwört auf sichere Landungen.

509 METER Taipei 101 Taipeh, Taiwan 11. Dezember 2007

451 METER Petronas Twin Towers Kuala Lumpur, Malaysia 15. April 1999

342 METER Viadus de Millau Millau, Frankreich 27. Juni 2004

190 METER Turning Torso Malmö, Schweden 18. August 2006

29 METER Cristo Redentor Rio de Janeiro, Brasilien 7. Dezember 1999

120 METER „Seating of the Spirits“-Höhle Oman 27. Februar 2007 190 METER Mamet-Höhle Velebit-Gebirge, Kroatien 17. Oktober 2004

AIO_26-29_Baumgartner.indd 28

BILDER: WOLFGANG LUIF/FELIX BAUMGARTNER, FLO HAGENA, LOU MARTIN, ALFREDO MARTINEZ, BERNHARD SPÖTTEL (RED BULL PHOTOFILES 7); ILLUSTRATION: NOA WEISSMAN

225 METER Torre Mayor Mexico City, Mexiko 30. Jänner 2006

19.12.2007 14:25:53 Uhr


jänner 2008

des Sprungs von einem Heißluftballon aus in einen Zielkreis, Konstruktion eines Spezialschirms für das Rangieren im engen Schlund, Erstellen eines Drehbuchs für die sieben Kameras, die auf Plattformen in den Höhlenwänden postiert wurden, Engagement eines Bergeteams samt Hubschrauber. Dann der Sprung: Fünf Sekunden freier Fall waren notwendig bis zum Öffnen des Schirms. Im dunklen Loch gab es aber keinen Referenzpunkt, der Jetzt! antwortete auf die Frage: Wann öffne ich den Schirm? Also sprach sich Baumgartner einen 5-SekundenCountdown auf einen Walkman, den er bei sich trug: „Es war so, wie wenn du mit 170 km/h mit dem Auto in einen unbeleuchteten Tunnel fährst und weißt, da vorne ist eine Mauer. Und da zählt einer, und du denkst dir: ‚Himmel, zählt der langsam!‘“ Sicherheit. In manchen Sportdisziplinen gibt es die Chance, Fehler auszubessern: Weitspringer haben drei Versuche, Tennis kennt den zweiten Aufschlag. Ein makabres Wortspiel im Zusammenhang mit BASEJumps, sagt Baumgartner, der zugibt, vor jedem Sprung Angst zu haben: „Kontrollierte Angst zwar, aber ich bin immer froh, wenn es vorbei ist.“ Kräftiger Absprung, gute Technik, seriöse Vorbereitung: All das vergrößert den Sicherheitspolster. Dennoch bleibt ein Restrisiko: Der Schirm etwa kann noch so gut gepackt sein – Stoff ist unberechenbar. „Erst wenn du wieder unten bist, weißt du, ob es geklappt hat“, sagt Baumgartner. Und: „Mich wundert, wenn ich andere BASE-Jumper sagen höre, dass sie nur springen, weil es Spaß macht. Ich habe bei meinen High Profile Jumps noch nie Spaß gehabt. Ich glaube auch nicht, dass der Hermann Maier je Spaß gehabt hat, wenn er die Streif runterfährt.“ Baumgartner hat schon eine Springerin sterben sehen, in Norwegen. Er hat damals mitgefilmt, „nicht aus Sensationslust, weil man ja nicht weiß, dass jetzt gleich was schiefgeht“. Es hat ihn nicht verstört, er zieht als analytischer Mensch seine Lehren daraus. Nur ja kein „Es wird schon nix sein“-Denken: „Warum ich elf Jahre in diesem Sport überlebt habe? Weil ich nie etwas erzwungen habe.“ Dabei hilft ihm, dass er kein wilder Hund ist: „Ich suche Herausforderungen. Klar spielt Adrenalin dabei eine Rolle, aber ich muss mich nicht in Gefahr bringen, um glücklich zu sein. Wenn ich hinterher vorm Fernseher sitz und meinen Sprung sehe, dann bin ich glücklich.“ SPRÜNGE ALLER ART. Betritt Felix Baumgartner einen Raum, kommt sympathische Energie zur Tür herein. Mittelgroß, athletisch, glatt rasiert, gepflegt bis in die Haarspitzen, fester Händedruck. Den Ohrring von früher hat er längst der Seriosität geopfert. Wäre da nicht das modische Shirt, könnte man ihn für den Marketingchef eines Sportartikelkonzerns halten. So was in der Art ist Baumgartner ja auch, CEO der Ich-AG gleichen Namens nämlich, Händler mit Sprüngen aller Art, inklusive Stunts, Motorsport und Ähnlichem. Als der gebürtige Salzburger 1996 abbiegt in Rich­ tung BASE-Jump, ist die Bilderbuchkarriere, wie er

AIO_26-29_Baumgartner.indd 29

helden

the red bulletin

sie ehrfürchtig nennt, nicht vorprogrammiert. Aber Felix hatte eine gute Basis für seinen neuen Job. Die meisten Kinderfotos zeigen ihn beim Baumkraxeln: „Mir hat es immer getaugt, die Welt von oben zu sehen.“ Exzellente Körperbeherrschung, weil gut im Boxen, Judo, Motocross und Turmspringen (obwohl ihm Letzteres verboten war, „aber meine Eltern waren nicht immer mit im Bad“). Die Lehre als Maschinen­ schlosser und Kfz-Mechaniker half beim GleitflügelAbenteuer über dem Ärmelkanal, mit dem Baumgartner 100 Jahre nach dem ersten Motorflug der Brüder Wright direkt aufs Titelblatt der britischen „Times“ flog: „Ich wusste, was man Technikern sagt, damit das Richtige rauskommt.“ Dazu ein gutes Gefühl für Marketing: Springen allein ist zu wenig, man muss auch der Welt davon erzählen. Wer so zielstrebig unterwegs ist, wird belohnt: Innerhalb weniger Jahre meinte jeder Baumgartner, wenn er BASE-Jumping sagte. Es gibt ein tolles Haus im Tiroler Stil, hinterm Gaisberg, mit Hubschrauberlandeplatz und dazugehörigem Fluggerät. Und die Geschichte drehte sich um: Baumgartners Idole der Jugendzeit wollten plötzlich etwas von ihm. Rolling Stone Ron Wood bat höflich um ein Autogramm. Der zweite Mann auf dem Mond, „Buzz“ Aldrin, ließ sich vom Ärmelkanalflug berichten. Bei US-Talkmaster Jay Leno saß Baumgartner mit US-Schauspieler Michael Clarke Duncan auf der Gästecouch, dem Riesen aus „The Green Mile“. 1,95 m neben 1,72 m, „es war wie bei der Erstkommunion“, scherzt Baumgartner. Helden haben Baumgartner immer fasziniert, deswegen will auch er noch einen Drachen töten und die Prinzessin gewinnen. Und sich in knapp eineinhalb Jahren mit einem Paukenschlag aus der BASE-Szene verabschieden: Dann ist Baumgartner vierzig, und er findet es irgendwie nicht mehr sexy, sich dann noch irgendwo hinunterzustürzen. Außerdem wartet die zweite Karriere als Hubschrauberpilot, denn in der Luft ist Felix weiter zu Hause, da kennt er sich aus. ♉

29

Knaller zum Abschied Im Frühling 2009 möchte sich Felix Baumgartner, der seit 1997 BASEJump-Profi ist, spekta­ kulär aus der Szene verabschieden. Im Sommer 2008 will er das noch ­geheime Projekt präsentieren. Vielleicht ist es ein Sprung vom Burj Dubai, dem im Bau befindlichen Super-Wolkenkratzer am Arabischen Golf, der an die 800 Meter hoch und 2009 eröffnet ­werden soll.

RED BULL BASE CLIMBING: 8. BIS 22. JÄNNER 2008,   CERRO TORRE, PATAGONIEN/ARGENTINIEN

angst hab Ich vor jedem sprung. ich bin immer froh, wenn es vorbei ist.

19.12.2007 14:26:10 Uhr


30

HELDEN

THE RED BULLETIN

ZOË BELL

JÄNNER 2008

brennt gern. Die 29-jährige Neuseeländerin

ist für die ganz heißen Sachen zuständig. Sie ist nämlich Hollywoods berühmteste Stuntfrau. Und das ist erst der Anfang.

NAME Zoë J. Bell GEBURTSDATUM/-ORT 17. 11. 1978, Waiheke/Neuseeland AUFGEWACHSEN in Auckland/Neuseeland AKTUELLER WOHNORT Venice/Kalifornien AUSBILDUNG Mädchengymnasium in Auckland, Selwyn College in Otago, Turnerin, ab 15 Taekwondo KARRIERE seit 1995 Stuntfrau und Double von Stars wie Lucy Lawless (in der TVSerie „Xena“), Sharon Stone („Catwoman“) und Uma Thurman („Kill Bill“)

AUSZEICHNUNG Für ihren famosen Auftritt in „Kill Bill“ wurde Zoë Bell 2005 mit dem „Taurus World Stunt Award“ ausgezeichnet (Bild).

AIO_30-31_Helden_Zoe.indd 30

DIE KATZE. Im Film „Kill Bill“ war Zoë Bell als StuntDouble von Uma Thurman für die besonders scharfen Sachen zuständig. Schwertkämpfe gegen 30 NinjaGangster gleichzeitig, dazwischen ein paar Salti um die eigene Achse, solches Zeugs. Während der Dreharbeiten in China unternahm das Filmteam einen Ausflug an die Große Mauer. Dabei überkam Zoë ein menschliches Bedürfnis. Sie schlug sich in die Büsche … und stürzte rücklings in den Abgrund. Gewöhnlich führt so ein Pech zum Bruch der Wirbelsäule. Aber Zoë Bell schaffte einen glatten Überschlag und landete auf den eigenen Beinen. Seitdem hat das neuseeländische Bewegungswunder in der Branche einen eigenen Namen, „The Cat“. Besonders „Kill Bill“Regisseur Quentin Tarantino nennt sie gerne so. Zoës Geschichte kommt in Tarantinos Film „Death Proof“ vor, wenn auch in einer entschärften Version. Die Wahrheit hat mir Zoë Bell in Cannes erzählt. „Nein, ich hatte die Hose noch an. Gute Frage übrigens.“ Gewöhnlich kommt so ein Lachen knapp vorm Griff zum Bier. Diese Frau ist unter ganzen Kerlen groß geworden. Und hat so lange Handkantenschlagqualität bewiesen, bis sie selbst in Hollywood nicht mehr zu übersehen war. Die bringst du mit so einer Frage nicht in Verlegenheit. Eher sie dich mit ihrem heißen Höschen. Hat natürlich System, das knappe Outfit. Als neuer Stern in Tarantinos Kinohimmel darf man kein graues Mäuschen sein. Obwohl: Mäuschen war Zoë ohnehin noch nie. Nicht einmal als Mädchen. „Schon als Kind bin ich auf die höchsten Mauern geklettert. Mit neun Jahren begann ich mit Bodenturnen. Um die 15 entdeckte ich Martial Arts. Ich lernte das wie ein Handwerk. Es geht nicht nur ums Vergnügen: Es ist ein Job, obwohl ich Speed und Action liebe.“ Heute ist Zoë Bell 29. Und arbeitet bereits seit mehr als zehn Jahren im Stuntgeschäft. „Mein Vater ist Arzt. Aber ich wollte nie Ärztin werden. ,Würde dich das sehr stören?‘“, fragte ich. ,Ach was‘, sagte er, ,von mir aus kannst du Prostituierte werden, solange du den Job mit Liebe machst.‘ Ich war damals 14. Der Vergleich war schon sehr hart. Aber Neuseeländer reden so. Und ich wusste, was er meint.“ In „Death Proof“ überlebt Zoë Bell die coolste Autoverfolgungsjagd, seit Steve McQueen 1968 in „Bullitt“ nicht nur die Reifen zum Quietschen brachte. Verfolgt vom wahnsinnigen Highway-Killer. Mit 135 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit quer über kalifornische Feldwege, sich auf der Kühlerhaube ei-

nes 1970er-Dodge-Challenger festklammernd. Ohne Tricks und doppelten Boden. So gefährlich die Sache im Film aussieht, ist sie im Leben nicht gewesen. „In dieser Sequenz ging es wirklich nur darum, das Publikum reinzulegen. Die mussten glauben, ich stehe Todesängste aus. Dabei hatte ich Spaß an der Sache.“ Wie auf Kommando beginnt Zoë Bell zu schreien. Wir sitzen im vollbesetzten Strandrestaurant an der Croisette. Die Szene erinnert an Meg Ryan in „Harry und Sally“. Nur bin ich nicht Billy Crystal. Und Zoë spielt mir auch keinen lautstarken Orgasmus vor. Sie zeigt mir, wie was anderes geht: Todesangst auf Kommando. Ich bin beeindruckt. Für die TV-Serie „Xena: Die Kriegerprinzessin“ war Zoë drei Jahre lang die Stuntfrau vom Dienst. Schwertkämpfe am Fließband, zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche, sonntags frei. Weiters fünf Jahre Hollywood inklusive zwei Auszeichnungen und zwei Nominierungen bei den World Stunt Awards. „Der gefährlichste Stunt meiner Karriere? Da verlierst du leicht den Überblick. Bei ‚Catwoman‘ saß ich statt Sharon Stone am Mauersims. Es war zu kompliziert, mich zwischen den Einstellungen runterzuholen. Die meinten, ich solle einfach oben bleiben und chillen. Nur wie chillst du im 23. Stock mit freiem Fall nach unten?“ Schon wieder dieses kehlige Lachen. Adrenalin macht erotisch. Ständige gute Laune auch. In „Death Proof“ hat Zoë Bell sich selbst gespielt. Zum ersten Mal und mit Erfolg. Klingt nach mehr. Eine Action-Komödie könnte sie sich gut vorstellen: „So etwas wie ‚Beverly Hills Cop‘. Eddie Murphy in den Hintern treten. Das wäre doch cool.“ Zugegeben, klingt verlockend. Aber vorerst wartet der Thriller. In „Game“ wird sie neben Gerard Butler, Alison Lohman und John Leguizamo an mörderischen Online-Spielen teilnehmen. Der Film kommt 2009 in die Kinos. Die berühmteste Stuntfrau Hollywoods ist sie schon. Vielleicht wird Zoë Bell dann ja auch als Schauspielerin berühmt. „Obwohl ich dann nicht mehr meine eigenen Stunts machen dürfte. Anderen zuschauen, wie sie meinen Job erledigen? Würde mir schwerfallen. Aber vielleicht rede ich ja auch bald anders. Mit vierzig und Kindern … Kann gut sein, dass ich dann keine Lust mehr habe, von Häusern zu springen. Let’s just see what happens.“ ♉ „DEATH PROOF“, DIRECTOR’S CUT, PREMIERE DER DVD-VERSION DES QUENTIN-TARANTINO-FILMS: DEZEMBER 2008

BILD: STEPHEN SHUGERMAN/GETTY IMAGES

TEXT PETER KROBATH BILD TURE LILLEGRAVEN

19.12.2007 13:51:20 Uhr


MONAT 200X

RUBRIK

THE RED BULLETIN

31

Stuntfrau Zoë Bell: „Die Zuschauer glauben, ich stehe Todesängste aus. Dabei habe ich Spaß dabei.“

AIO_30-31_Helden_Zoe.indd 31

19.12.2007 13:51:26 Uhr


32

THE RED BULLETIN

HELDEN

JÄNNER 2008

JENS BYGGMARK

aus Tärnaby

fährt Slalom wie sein einstiger Nachbar, der schwedische Skikönig Ingemar Stenmark. Was die beiden unterscheidet? Jens kann lachen. TEXT ANDIN TEGEN BILD MANFRED KLIMEK

NAME Jens Byggmark GEBURTSDATUM/-ORT 22. August 1985, Örebro EX-WOHNORT Tärnaby WOHNORT Innsbruck SPORTLICHE ERFOLGE drei Europacupsiege 2006 (2-mal Slalom, 1-mal Super-Kombi), zwei Slalom-Weltcupsiege 2006/07 (ausgerechnet in Kitzbühel), Platz 3 des Slalomweltcups 2006/07 WEBADRESSE www.jensbyggmark.se

AIO_32-34_Helden_Byggmark.indd 32

DAS RENNEN. Als er nach unten sieht, denkt er an nichts. Fast nichts. Jens Byggmark sieht den wolkenverhangenen Himmel über dem Abhang, an dem die meisten vor ihm gescheitert sind, und nur noch der undeutliche Klang von Rufen und Tröten dringt zu ihm aus dem Tal, in dem er in ein paar Sekunden gefeiert oder bemitleidet werden wird. Nur kurz, wie ein Aufflackern, kommt der Gedanke, den er doch vermeiden will in diesem Moment: Was, wenn ich es doch nicht schaffe? Jens Byggmark, 22 Jahre alt, flachsblondes Haar, wasserblaue Augen, strahlend weiße Zähne – er gilt als der neue schwedische Skistar, der einzige Konkurrent, den auch der zweifache Olympiasieger aus Österreich, Benjamin Raich, wachsam beobachtet, wenn er gegen ihn antritt. Im Januar 2007 gewann Jens Byggmark sein erstes Weltcuprennen, den klassischen Slalom von Kitzbühel am Ganslern. 24 Stunden später siegte er zum zweiten Mal. Und abermals zwei Tage später wurde er Zweiter im Nachtslalom von Schladming. Kann man die erste Saison im Skiweltcup besser absolvieren? Seit seinem zweiten Lebensjahr steht Jens Byggmark auf Skiern. Fast ununterbrochen. An diesem Wochenende in Bad Kleinkirchheim fährt er den Hang hinab, als verfolge ihn jemand. Rast mit Schwung um die Kippstangen, die er im Vorbeifahren wegknickt, als würde er sie ausreißen wollen. „Gewaltig“, sagt ein Gast, der sein Schweizer Fähnchen senkt, als der Schwede an ihm vorbeifährt. 76 Konkurrenten sticht er in diesem Rennen aus und landet hinter Benjamin Raich auf dem zweiten Platz. Er hat sich selbst besiegt. Wieder einmal. Sich und seine Schwäche, Sekunden vor dem Start ans Scheitern zu denken. Jens Byggmark strahlt, als wir ihn in seinem Hotel in Bad Kleinkirchheim treffen. Er trägt Jeans, Turnschuhe, ein beschriftetes T-Shirt und eine FleeceJacke. Er schlurft eher, als dass er geht. Sein Händedruck ist fest, die eigene Hand verschwindet beinahe in seiner. Wir reden von seiner Heimat. Dort, wo er nun seit fast einem Jahr nicht mehr gewesen ist. Tärnaby, ein 550-Einwohner-Dorf in Nordschweden, im Herzen der Berge, wo Lappland beginnt. „Ich bin in einer heilen Welt aufgewachsen“, sagt er, „ich kenne keine Drogenabhängigkeit, keine gewalttätigen Schüler, keine Scheidung.“ Jens Byggmark nennt sein Dorf eine Seifenblase. Ein Paradies. Er hat keine Lieblings-

filme, keine Lieblingsband, er war auch noch nie bei einem großen Konzert. Es zieht ihn nicht dorthin. Wenn er fern ist von zu Hause, dann sehnt er sich manchmal nach der Ruhe in Tärnaby. Nach den Sommern, in denen er hinauf zu den Bergseen fährt und angelt. Den Wintern, in denen er von seinem Balkon aus das Polarlicht betrachtet. Wenn der Himmel sich türkis, azur oder tief dunkelrot färbt und sich flimmernde Muster abzeichnen, die sich auflösen und wieder neu formen. Man glaubt ihm, auch wenn er einen so unmöglichen Satz sagt wie: „In unserer Familie gab es nie wirklich Streit.“ Er rutscht auf seinem Sofa im Foyer unruhig hin und her, als würde er nicht wollen, dass man ihn falsch versteht. Leichter fällt es ihm, vom Skifahren zu reden. Sein Vater, ein ehemaliger Footballbetreuer, trainierte ihn, bis er Tärnaby vor einem Jahr verließ. Jetzt, sagt er stolz, wird bald ein ganzer Skihang nach ihm benannt. Es gibt auch einen Stenmark-Hang, auf dem er seit seiner Kindheit trainierte. Ingemar Stenmark, 51, die „lebende Legende aus Tärnaby“, wie man ihn dort nennt, hat 86 Weltcuprennen gewonnen, was ihn noch heute zum erfolgreichsten alpinen Skirennläufer seit Einführung des Weltcups macht. Stenmark ist Jens Byggmarks größtes Vorbild. Jens erinnert sich, dass er als Fünfjähriger einmal vor ihm stand und kaum ein Wort über die Lippen brachte. Stenmark sagte ihm damals, er solle nie aufhören, an sich zu glauben. Heute kommen Fans auf ihn zu, wo auch immer in der Welt Jens Byggmark bei einem Slalomrennen antritt. Sie wollen ihn berühren, umarmen, sich Autogramme geben lassen. Eine Schweizer Studentin schickte ihm ein Nacktfoto, das im E-Mail-Fach seiner Mutter landete. „Noch genieße ich den Ruhm“, sagt er und lächelt, als spreche er von einem Geschenk, mit dem er vorläufig nichts anzufangen weiß. Nur manchmal ist ihm der Rummel um seine Person schon jetzt zu viel. Meistens, wenn er nach Tärnaby kommt. Wo ihn schon im Supermarkt Kunden ansprechen. In dem Skiort versteht fast jeder etwas vom Slalomlauf. „Manchmal sind mir die Gespräche, in die mich Leute verwickeln, einfach zu lang.“ Vor einem Jahr verließ Byggmark Tärnaby und zog nach Innsbruck, in seine erste eigene Mietwohnung. Seine Freundin stammt aus Schweden. Sie sehen sich selten. „Aber sie ist die erste Frau, die mich sein lässt, wie ich bin“, sagt er und fährt sich mit den Händen

19.12.2007 14:34:05 Uhr


Kind von T채rnaby. Hinterm Haus beginnt Lappland.

AIO_32-34_Helden_Byggmark.indd 33

19.12.2007 14:34:19 Uhr


helden

the red bulletin

übers Gesicht, was er oft tut. „Sie erträgt es auch, wenn ich mal nicht reden mag. Ich bin kein Mann der Konflikte.“ Er lächelt, sieht verlegen zur Seite. Direkt vor einem wirkt er ganz anders als das Muskelpaket auf dem Steilhang. Schüchtern eher. Abwartend. Und dann macht er wieder einen Scherz, als würde er seine Anspannungen lösen wollen. „Ich mag es, durch all die Skireisen mehr von der Welt zu sehen“, sagt er. „Nur haben mich auch viele Erlebnisse skeptisch gegenüber Fremden gemacht.“ Er erzählt eine Geschichte, die ihm in Rom passiert ist, als er mit seiner Mannschaft auf eine Gruppe von angetrunkenen Italienern stieß. Sie provozierten, wurden handgreiflich. Was hatten sie nur gesagt? Er weiß es nicht mehr. Er schlug den ersten Angreifer nieder. Mit seiner schaufelgroßen Hand nahm er ihn in den Schwitzkasten und drückte ihn zu Boden. Es war das erste Mal im Leben von Jens Byggmark, dass er einen Menschen schlug. „Ich würde niemals in eine Stadt ziehen, in der ein großes Gewaltpotenzial herrscht“, sagt er und sieht plötzlich ernst dabei aus. Jens Byggmark hat keine Angst, wenn er vom Skifahren redet oder vor dem Satz, der immer wieder in ihm aufblitzt, kurz vor einem Start. Dass er es eben doch nicht schaffen könnte. In letzter Sekunde. Das seien Momente, sagt er. Mehr nicht. Sicherer als auf Skiern fühle er sich nirgendwo. ♉  Fis-Skiweltcup – Hahnenkammrennen, Slalom:   Kitzbühel, 20. Jänner 2008

jänner 2008

bild: hans simonlehner/gepa pictures

34

Jänner 2006, zwei slalom-Siege in kitzbühel. Seit diesen Rennen ist der Schwede Jens Byggmark ein Held ...

Worauf Jens Byggmark stolz ist: In seinem Heimatort Tärnaby wird ein Skihang nach ihm benannt.

smile when you’re winning

sonnyboys

alberto tomba Hansi Hinterseer Nicht so erfolgreich wie Papa Ernst (der war 1960 SlalomOlympiasieger), aber dennoch einer der besten Techniker, die Österreich je hatte. Sein RTLWM-Silber von 1974 hat Hansi zudem geschickt vergoldet: 1994 startete er eine Karriere als Volksmusiksänger, die dem Kitzbühler Charmebolzen ­dutzende Goldene und PlatinSchallplatten einbrachte.

AIO_32-34_Helden_Byggmark.indd 34

Kalle Palander

Wenn andere sich nach einem Einfädler verkriechen, betreibt der finnische Slalom-Weltmeister von 1999 auf seiner Homepage aktive Katharsis. „Kalle, nachdem er Schnee gegessen hat“, heißt dann das Foto, aufgenommen nach dem Stern. Und weiter geht’s mit Vollgas ins Nachtleben.

La Bomba war Carabiniere und entging trotzdem mehrfach nur hauchdünn einer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung. Der Italiener gewann zwischen 1987 und 1998 50 Weltcuprennen und drei Olympia-Goldmedaillen, und dennoch hat man Tomba eher als Playboy (auch Katarina Witt verfiel kurzzeitig seinem Charme) in Erinnerung.

ANTON Seelos

Anton Engelbert Sailer Nach sieben WM-Titeln und dreimal Olympiagold strahlte der „Schwarze Blitz von Kitz“ nicht mehr vom Podium, ­sondern von Filmplakaten. Schmachtfetzen à la „Der ­König der silbernen Berge“ ­sicherten Sailer vor allem in Japan den Status eines Popstars: In den siebziger Jahren war wohl nur der Tenno bekannter als der Toni.

Wer so Ski lief, hatte leicht lachen: Der Tiroler revolutionierte den Slalom, weil er den Parallelschwung beherrschte, als die Konkurrenz noch im Stemmbogen die Hänge ­r unterkurvte. Der Lohn: Laufbestzeiten (oft mit mehreren Sekunden Vorsprung), vier WM-Titel (1933/35, je zwei) und nach der aktiven Zeit eine Karriere als Trainer und Skischulbesitzer.

bilder: hipp-foto, imago, johannes kernmayer, sven simon, www.picturedesk.com

Manche brauchen Siege, um lachen zu können. Diese fünf Herren haben viel gewonnen. Und noch viel mehr gelacht.

19.12.2007 15:43:18 Uhr


SKIER JON LARSSON PHOTOGRAPHED IN ARLBERG, AUSTRIA. PEAKPERFORMANCE.COM

Peak_RedBullitin_Dec07.indd AIO_35_Inserat_Peak.indd 35 1

07-12-07 08.49.39 19.12.2007 14:35:53 Uhr


36

FRANZ ZORN

bremst nie,

ist Österreichs schrägster Motorsportler und will Weltmeister im Eisspeedway werden. Die gute Nachricht: Eigentlich muss er dafür nur Russen schlagen. Die schlechte: Es sind viertausend.

TEXT STEFAN WAGNER BILDER PHILIPP HORAK

F

ranky Zorns Saison 2007/2008 beginnt an einem Montagmorgen im Advent auf einem gefrorenen See bei Strömsund in Nordschweden. Kurz nach neun, der Morgen dämmert, es hat 13 Grad unter null und ist still, abgesehen vom Heulen eines Wolfsrudels im verschneiten Wald und abgesehen von einem krachenden Knacken: Es klingt wie Gewehrschüsse, wenn Eis wächst, und bei minus 13 Grad gedeiht Eis prächtig. Franky ist Freitag früh von Saalfelden mit dem Bus aufgebrochen, hat den Tag auf der deutschen A9 verbracht, die Nase eingenordet, vorbei an München, Berlin, Rostock. Von elf Uhr abends bis drei Uhr früh ein bisschen Schlaf auf der Fähre von Sassnitz nach Trelleborg, auf die E4, Stockholm, Uppsala, Sunds-

AIO_36-41_Helden_Zorn.indd 36

vall. Hinter Sundsvall verlaufen sich die Straßen in Wälder und sind von Oktober bis April in Eis gepackt. Samstagabend gegen neun stellt Franky in Strömsund den Motor seines VW Crafter ab, 300 Kilometer südlich des Polarkreises, nach 2600 Kilometern in eineinhalb Tagen. In den nächsten drei Wochen sind Franky, sein Mechaniker Klaus, der österreichische Fahrer Joschi Kreuzberger, dessen Schwager Herbert und eine Handvoll schwedischer und finnischer Fahrer Ehrengäste des Harley-Clubs von Strömsund. Im Erdgeschoß des Clubs ist für Besuche dieser Art ein Lager mit Stockbetten eingerichtet. Der Raum ist auf 14 Grad geheizt, besticht durch den Komfort eines direkten Zugangs zur Garage und wird jeden Sommer gelüftet.

19.12.2007 14:37:21 Uhr


Franky Zorn in Strömsund, Schweden, Mitte Dezember 2007.

SPIKES. Eisspeedway ist gefährlicher, als es aussieht. Das liegt nicht daran, dass es ungefährlich aussähe. „Eisspeedway“, sagt Franky Zorn, „das sind vier Wahnsinnige auf einer Eisbahn, mit Bikes ohne Bremsen, mit drei Zentimeter langen Spikes an den Reifen.“ Die Rennen gehen über vier Runden, das sind acht Gerade und acht Linkskurven. Der Wahnsinn produziert 110 km/h Spitze, Schräglagen bis 20 Grad und dauert eine knappe Minute. Dass die Motorräder keine Bremsen haben, gestaltet zwar nicht jede Fahrsituation unkompliziert, aber dient tatsächlich der Sicherheit. Der Grip der Bikes kennt keine Grautöne, ermöglicht dafür die extremsten Schräglagen aller Zweiradsportarten und irrwitzige Beschleunigungswerte: Beim Start hängen

AIO_36-41_Helden_Zorn.indd 37

die Fahrer im Liegestütz über dem Lenker, die Nase übers Vorderrad gestreckt, damit ihnen das Trumm nicht unterm Hintern abhaut. Die knapp 300 Spikes sind so beschaffen, dass sich den Daumen blutig ritzt, wer auf die schlaue Idee kommt, zu überprüfen, ob sie so spitz sind, wie sie aussehen. Man benötigt überschaubar viel Phantasie, um sich auszumalen, was ein mit solchen Spikes besetztes Rad mit einem Arm, Bein, Finger oder Hals anzufangen weiß: In der Regel werden großflächige Schneisen in den Körper gefräst. Die meisten Fahrer, die beim Eisspeedway sterben, verbluten noch auf der Bahn. Wie viele das pro Jahr sind, ist nicht exakt bekannt, allein deswegen, weil man kaum erfährt, aus welchem Grund ein hoffnungsvoller russischer Fah-

19.12.2007 14:37:24 Uhr


38

THE RED BULLETIN

HELDEN

JÄNNER 2008

NAME Franz „Franky“ Zorn GEBURTSDATUM 30. August 1970 WOHNORT Saalfelden GELERNTER BERUF Mechaniker WERDEGANG Eisspeedway seit 1993, Profi seit 1999 GRÖSSTE ERFOLGE Vizeweltmeister 2000, Bronze bei der Europameisterschaft 2005, im Team Vizeweltmeister 2001 und WM-Dritter 1999 und 2004 LEBENSTRAUM Eisspeedway-Weltmeister WEB www.frankyzorn.at Dort sind übrigens Originalspikes von Frankys Bike wohlfeil zu erwerben: Der Stückpreis beträgt 2,50 Euro, solange der Vorrat reicht. Paddock auf Eisspeedway-Art. Frankys Zelt ist Wärmestube, Nervenzentrale und Werkstatt beim Trainingstag auf dem See.

rer, der im Vorjahr gesund und munter dabei war, im nächsten Winter plötzlich fehlt. Die Italiener haben ihr Team aufgelöst, nachdem Remo dal Bosco 1994 tödlich verunglückte, ihr Bester. Der Niederländer Johnny Tuinstra qualifizierte sich beim letzten WMFinale für die Intensivstation: Lungenperforation. EIS MACHEN. Den Sonntag verbringen die Ehrengäste des Strömsunder Harley-Clubs damit, eine Bahn fürs Training anzulegen: Sie vermessen zwei 105 Meter lange Gerade und zwei Kurven. Sie befreien die Bahn vom Schnee, markieren ihren Rand mithilfe einer Bohrmaschine, in die Löcher stecken sie Reisig. Mit einer Kettensäge schneiden sie am Bahnrand Blöcke aus dem Eis, pumpen Seewasser über die Bahn, das erste Mal nachmittags, das zweite Mal um acht Uhr abends: Franky verbringt seinen ersten Abend in Schweden mit Stirnlampe und klatschnassen Handschuhen bei minus 16 Grad auf dem Eis. Später sitzt er im Bettenlager des Harley-Clubs auf seinem Stock-

AIO_36-41_Helden_Zorn.indd 38

bett. Franky ist müde von den letzten drei Tagen, vor allem aber aufgedreht und nervös: Morgen wird er das erste Mal in dieser Saison auf Eis fahren. Auf diesen Tag hat er seit dem Frühjahr hingearbeitet, seit August waren das sieben Tage pro Woche in der Werkstatt, acht Uhr früh bis zehn Uhr abends, manchmal länger. Franky hat zwei Maschinen hier; die modifizierte des Vorjahres und eine neu konstruierte, auf die er alle Hoffnungen setzt. „Morgen werden wir sehen, ob wir einen Fortschritt gemacht haben oder ob die ganze Arbeit umsonst war.“ DIE SUPP’N. Franky Zorn kann gut beschreiben, wie sich ein Unfall anfühlt, bei dem Spikes im Spiel sind: „Weh tut zuerst nichts. Dann wird dir irgendwo an einer Stelle warm, dann wird dir schwindlig, und dann siehst eh schon die Supp’n runterrinnen.“ An Möglichkeiten, sich wehzutun, herrscht auch ohne Zutun der Spikes kein Mangel. Die Lederkombis

19.12.2007 14:37:27 Uhr


JÄNNER 2008

HELDEN

THE RED BULLETIN

39

DER GRIP DER BIKES KENNT KEINE GRAUTÖNE, ERMÖGLICHT DIE EXTREMSTEN SCHRÄGLAGEN ALLER ZWEIRADSPORTARTEN UND IRRWITZIGE BESCHLEUNIGUNGSWERTE.

Drei Dimensionen eines Sports. Im Vordergrund: die Spikes. Im Mittelpunkt: Franky in schräger Position. Im Hintergrund: Klaus, Mechaniker.

hohem meditativen Wert: „Es gibt einen inneren Widerstand dagegen, dass man sich selber zunäht. Den zu überwinden, das ist ein arges Gefühl.“

etwa sorgen dafür, dass ein gestürzter Fahrer beim Schlittern übers Eis Tempo aufnimmt, statt abzubremsen. „Wenn einer beim Training auf dem See stürzt, musst du dich ihm in den Weg werfen“, sagt Franky, „hinrennen, so schnell du kannst, Kopf einziehen, Arme vor die Brust, dagegenwerfen. Wennst dir was brichst, ist das wurscht. Du bist seine einzige Chance.“ Ein Freund von Franky ist vor ein paar Jahren nach einem Sturz mehr als hundert Meter weit übers Eis geschlittert und gegen einen Bootssteg geprallt. Seither sitzt er im Rollstuhl. Franky hat Blutplasma und Infusionen dabei. Und das Nähzeug in seinem Gepäck ist nicht dafür vorgesehen, die Socken in Ordnung zu halten: Er hat sich angewöhnt, all jene Verletzungen selbst zu versorgen, die nicht unbedingt eine Operation nötig machen. Das hat den überaus praktischen Vorteil der weitgehenden Ausschaltung des Risikos, von einem übermotivierten Rennarzt aus dem Rennen genommen zu werden. Darüber hinaus ist die Erfahrung von

AIO_36-41_Helden_Zorn.indd 39

WHEELIE. Das aufgespritzte Wasser ist über Nacht glatt wie Parkett gefroren, nur die Spuren vom Nachtspaziergang eines Elchs stören die Gleichmäßigkeit der Fläche. Am Ufer haben die Österreicher ein Zelt aufgebaut, ihre Werkstatt, daneben brummt ein Dieselgenerator (der zweite ist über Nacht im Crafter erfroren), der Gaskanone und Heizstrahler mit Strom versorgt. Im Zelt stehen Frankys und Joschis Motorräder zugedeckt wie Rennpferde – zum Schutz vor allzu neugierigen Blicken auf technische Details und um das Bike warm zu halten und trocken: Der natürliche Todfeind einer Gummidichtung ist ein versteckter Tropfen gefrorenen Kondenswassers. Franky rollt raus auf den See, dreht den Motor hoch, den ganzen Weg vom blubbernden Knattern bis zum hysterischen Kreischen, zwei-, drei-, viermal, dann lässt er die Kupplung aus und prescht los. Mehr als ein, zwei Runden braucht es nicht, bis die Instinkte hellwach sind, bis er in den Kurven mit dem Ellbogen auf dem Eis streift, bis er Starts übt, hinter sich eine Fontäne aus Eissplittern, mit flatterndem Vorder- und tänzelndem Hinterrad. Von dem halben Dutzend Fahrern auf dem See bewegt sich keiner mit solcher Eleganz und Leichtigkeit auf dem Motorrad wie Franky, die Kurven zieht er wie mit dem Zirkel.

19.12.2007 14:37:32 Uhr


40

THE RED BULLETIN

HELDEN

FRANKY HAT BLUTPLASMA UND INFUSIONEN DABEI. DAS NÄHZEUG IM GEPÄCK IST NICHT DAFÜR VORGESEHEN, DIE SOCKEN IN ORDNUNG ZU HALTEN. „Jetzt taugt’s ihm“, sagt Klaus vom Bahnrand, als Franky eine Gerade im Wheelie zurücklegt und dabei den Daumen nach oben streckt. EISSPEEDWAY-BIKES sind zumeist in Handarbeit erzeugte Einzelanfertigungen. Zur Illustration des Aufwands, der in einer Maschine steckt: Einen Hinterreifen mit Spikes zu bestücken benötigt drei Tage Arbeit, einen vorderen knapp zwei Tage. Der Wert eines Bikes? „20.000 bis 25.000 Euro“ schätzt Frankys Mechaniker Klaus, „aber ohne Arbeitszeit“.

200.000 SCHILLING. Franky ist Jahrgang 1970, Saalfeldner, Mechaniker. 1993 hat er mit dem Eisspeedway angefangen. Was sich schnell herausgestellt hat: Man kann neben dem Eisspeedway einen Beruf ausüben, wenn man einen flexiblen Chef hat, seinen Lebensstil spartanisch gestaltet und wenn es einem genügt, Eisspeedway als Hobby zu pflegen, als einziges. Dann aber qualifizierte sich Franky 1998/99 für den Grand Prix – jene letzten sechs Renntage einer Saison, die den Weltmeister bestimmen. Franky beendete das Jahr als WM-Sechster. Im Sommer drauf schnappte er sich in einer Mittagspause einen Zettel

JÄNNER 2008

und rechnete zusammen, wie viel eine echte Saison kostet. Am Ende der Mittagspause rief er seinen Freund bei der Bank an und schaffte es irgendwie, dass ihm der 200.000 Schilling borgte. Dann kündigte Franky Zorn seinen Job und wurde in der folgenden Saison Vizeweltmeister, einen Punkt hinter dem Russen Kyril Drogalin. Franky zündete die nächste Stufe: neues Bike, neue Geometrie, Motor stehend statt liegend eingebaut. „Notwendig. Aber ein kompletter Neuanfang. Alle Erfahrungen aus zehn Jahren waren von heute auf morgen wertlos.“ Franky verlor den Anschluss an die Russen. Seither kämpft er sich Jahr für Jahr zurück – im Vorjahr war Franky wieder WM-Fünfter, hinter vier Russen, vor zwei Russen. MILLIMETER IM FERNDUELL. Ein Eistag beginnt in der Morgendämmerung, reicht bis in die Dunkelheit und sieht nicht spektakulär aus: Zwei Stunden Auspacken und Aufbau zu Beginn, zwei Stunden Abbau und Einpacken am Ende, dazwischen kommen auf fünf Fahrminuten eineinhalb Arbeitsstunden. „Es geht um Millimeter“ ist ein Satz, den Franky oft sagt. Jede Einstellung der Dämpfung, der Kupplung, jedes Detail wird in einem Notizbuch protokolliert. „Eisspeedway ist eine Routinesportart“, sagt Franky, „technisch

TECHNISCHES

WAS FRANKY BEWEGT Dass man damit keine Rechtskurven fahren kann, ist nicht die einzige Besonderheit eines Eisspeedway-Bikes. Zündunterbrecher Die Fahrer sind mit dem Bike durch eine Handschlaufe verbunden. Im Fall eines Sturzes wird daher die Zündung unterbrochen, sodass wenigstens der Motor prompt zum Stillstand kommt.

Kupplung Beim Eisspeedway gibt es zwei Gänge: einen zum Starten, einen zum Fahren. Sitzbank Die Sitzgelegenheit ist nur für eine Person vorgesehen, von geringem praktischen Wert und von der Bequemlichkeit eines jungen Birkenstammes.

Schutzverkleidungen Bei den meisten Fahrern aus Glasfaserkunststoff hergestellt, Franky bevorzugt jedoch Carbon.

Spikes An den Vorderreifen sind 120 Spikes montiert, an den hinteren 170. Sie sind je 28 Millimeter lang und aus Stahl gefertigt. Die Spikes sind trotz Schutzverkleidungen an den Rädern, trotz Kettenhemden unter den Overalls und trotz aluminiumverstärkter Polsterungen für die meisten und schwersten Verletzungen verantwortlich.

AIO_36-41_Helden_Zorn.indd 40

Motor Ein Bike muss mindestens 110 Kilo wiegen. Beschleunigt wird es durch einen Motor, der mit Methanol und Rizinusöl betrieben wird und knapp 60 PS leistet. Ein liegend eingebauter Motor wäre zwar unkomplizierter zu fahren, Franky bevorzugt ihn jedoch stehend eingebaut: heikel, aber schnell, wenn man’s derreitet.

ILLUSTRATION: DENIS MUJAKOVIC

Bremsen …? Gibt’s nicht. Das Reglement verbietet Bremsen, was angesichts des enormen Grips der Bikes der Sicherheit dient. Eisspeedwaybikes kommen entweder durch Ausrollen (unterstützt durch die vergleichsweise starke Motorbremsleistung der Spezialaggregate) zum Stillstand. Oder durch Sturz.

19.12.2007 14:37:34 Uhr


JÄNNER 2008

HELDEN

THE RED BULLETIN

41

und fahrerisch. Du musst jede Situation, jede Konstellation kennen, erlebt, getestet haben, damit du sie dann abrufen kannst, wenn du sie brauchst.“ Vor dem direkten Duell gegen die Russen auf der Bahn steht das Fernduell über tausende Kilometer Distanz. „Die trainieren jetzt auch“, sagt Franky. „Aber nicht auf einem See. In einem Eisstadion. Die haben Leute, die ihnen das Eis machen, die haben jeder fünf, sechs Mechaniker, die ihnen die Maschinen herrichten. Die haben in den Stadien Garagen, mit Licht, mit Heizung und Steckdosen. Die steigen aufs Bike wie der Schumacher ins Auto.“ Für den Transport seines Bikes zieht Franky ein Plastiknetz über die Lenkergriffe, damit sie keinen Kratzer abkriegen. DIE RUSSEN. Es ist erheblich einfacher, durch Eisspeedway arm zu werden, als durch Eisspeedway reich zu werden. Für einen Sieg bei einem der sechs Grands Prix gibt es 3000 Dollar Preisgeld, bei einem internationalen Meeting 800 Euro. Damit lässt sich zum Beispiel der Sprit für die Anreise gut finanzieren. Jede Reise zu den russischen Rennen nach Ufa oder Samaransk ist ein Ritt über 5000, 6000 Kilometer. Jeder Eisspeedwayfahrer weiß originelle Geschichten über die Kommunikation mit russischen Zöllnern zu berichten, und die Landstraßen hinter Moskau sind mit Schlaglöchern übersät, jedes einzelne groß genug, um deinem Bus die Achse zu brechen. Im Vorjahr ist Franky von Jänner bis März 40.000 Kilometer gefahren – danach war der Bus im Eimer. Freilich sind die Strapazen der Anreise zu einigen der wichtigsten Rennen des Jahres der kleinste Nachteil der westlichen gegenüber den russischen Fahrern. In Russland ist Eisspeedway ein großer Sport: Die Rennen finden vor 40.000, 50.000 Zuschauern statt. Es gibt 4000 russische Fahrer (rund 30 in Schweden und Finnland, sieben in Österreich), die besten von ihnen leben vergleichsweise fürstlich. Nikolai Krasnikow, der die letzten drei Weltmeisterschaften gewann, soll pro Titel 150.000 Dollar kassieren. Die erste WM gab es 1966. Seither gingen sieben Titel nicht an Russen, in den letzten 15 Jahren zwei: Per-Olof Serenius siegte 1995 und 2002. Der Schwede wird im März 60 Jahre alt und hält sich immer noch in den besten zwanzig – Eisspeedway ist Routinesport. WURSCHT SEIN. Am Morgen nach einem Trainingstag sieht die Bahn aus wie ein Partykeller nach einem russischen Fest: Der Boden ist übersät mit Splittern und Scherben, freilich alles pickelhart gefroren. Die tiefen Rillen, die die Spikes gestern ins Eis gefressen haben: glashart. Die Bahn ist holprig, gefährlich, „eigentlich unfahrbar“, sagt Franky: In den Kurven fahren die Spikes von einer Zehntelsekunde auf die nächste ins Leere, greifen wieder, rutschen wieder, greifen. Der Schwede Tommy Flyktman holpert um die Ecke, Joschi baut sogar einen Sturz, humpelt zurück zum Zelt. Gerade bei diesen Verhältnissen zeigt sich Frankys fahrerische Klasse: ein Rodeoreiter auf dem Mo-

AIO_36-41_Helden_Zorn.indd 41

Ein Tag am See. Franky als fröhlicher Eismacher beim Fluten der Bahn mittels Dieselpumpe (oben) und im Crafter kurz vorm Betreten des Rennanzugs.

torrad. „Ganz wichtig“, sagt er, sei so ein Tag auf schlechtem Eis, „was du da testen kannst, das ist unbezahlbar“. Ein Renntag besteht aus 16 Heats – die ersten Rennen werden auf Parkett gefahren, die letzten auf einer Waschrumpel. Chancen hat nur, wer für die gesamte Palette der Verhältnisse die perfekte Abstimmung des Bikes aus der Schublade ziehen kann. Die Wettkampfsaison 2007/08 beginnt für Franky zwischen Weihnachten und Neujahr bei den Rennen in Östersund. Den Heiligen Abend verbringt er mit Klaus, Joschi und Herbert im Harley-Club von Strömsund. „Weihnachten muss dir wurscht sein“, sagt er. „Wenn du da Verpflichtungen hast, dann kannst gleich zu Hause bleiben.“ Überhaupt hat sich Frankys Verhältnis zu Sentimentalitäten jeglicher Art in den Jahren des Kampfes gegen die Russen abgeschliffen. „Manche Fahrer“, sagt er, „haben Fotos von der Frau oder den Kindern im Geldbörsel. Das ist wie eine eingebaute Bremse im Kopf.“ So was kann nicht gutgehen, sagt Franky, logisch. Weil Eisspeedway ist ein Sport ohne Bremsen. ♉

AUF NACH SAALFELDEN! „Das wichtigste Rennen in der Saison“ ist für Franky die Qualifikation zur Einzel-WM am 13. Jänner in seinem Heimatort Saalfelden. Dort muss er unter die besten fünf fahren, „sonst hab ich ab Mitte Jänner Ferien“. Freilich startet er in Saalfelden als Favorit, „aber schnell passiert ist immer was“, wie er weiß, „ein Motorplatzer reicht, und alles ist vorbei“. Sollte Franky in Saalfelden unter die ersten fünf fahren, sind die folgenden Termine im Kalender rot anzustreichen, denn sie werden zur Bestimmung des Weltmeisters genützt: 23./24. Februar Grand Prix 1 + 2 Saransk (RUS), 8./9. März Grand Prix 3 + 4 Assen (NL), 15./16. März Grand Prix 5 + 6 BerlinWilmersdorf (D).

EISSPEEDWAY-WM-QUALIFIKATION: SAALFELDEN, 13. JÄNNER 2008

19.12.2007 14:37:44 Uhr


Brad Pitt und George Clooney im Sommer 2007 in Cannes.

AIO_42-49_Helden_Clooney&Pit.indd 42

19.12.2007 14:53:29 Uhr


Helden

jänner 2008

the red bulletin

43

brad pitt george clooney

könnte der Sohn

von George Clooney sein.

ist aber nur zweieinhalb

Jahre älter als Brad Pitt. Also sind die beiden Freunde. Die letzten Machos ­Hollywoods im Fachgespräch.

Interview Daniel Fierman Bilder Martin Schöller

Z

u den bekanntesten Männern auf Erden zu gehören bringt gewisse Probleme mit sich. Man kann seine Kinder nicht zum Spielplatz bringen. Man kann bei Sonnenuntergang keine romantischen Strandspaziergänge machen. Und Grillen im Garten? Vergiss es – wie alle anderen einfachen Freuden, zum Beispiel heimlich eine Zigarette zu rauchen, während du in einer Villa bei Cannes auf deinen Kumpel George Clooney wartest. „Entschuldigen Sie“, sagt Brad Pitt, während er sich unter kompliziertesten Verrenkungen hinter ein Mäuerchen zu ducken und eine Zigarette anzuzünden versucht: „Ich habe weniger Angst, die Paparazzi könnten mich erwischen, als eine, äh, Person, die nicht weiß, dass ich gelegentlich immer noch eine rauche.“ (Tut uns leid, wenn wir dich hier auffliegen lassen, Kumpel, aber Angie ist eine Frau, die verzeihen kann, oder nicht?) – Willkommen im Hôtel

AIO_42-49_Helden_Clooney&Pit.indd 43

du Cap in den Hügeln bei Cannes. Das in den 1870erJahren gebaute Landgut – hier zahlt man cash, und alles ist von geradezu absurder Üppigkeit – liegt hoch über dem Mittelmeer, wo die Paparazzi-Boote dümpeln, denn das Hôtel beherbergt nicht nur während des Filmfestivals von Cannes jede Menge Stars. Unsere Big Two jedoch, die beiden, um die sich alles dreht, sind der Bursche, der gerade wie ein begossener Pudel hinter einer Mauer kauert, und der Typ, der zu spät zum Interviewtermin kommt. Was haben diese zwei Verkörperungen des amerikanischen Männerideals zu sagen? In der nächsten Stunde werden sie bei Clubsandwiches und Gazpacho über ihr neues Leben (mit Familie respektive ohne) sprechen, das Dasein als Star und wie man Jugendlichen zeigt, was Basketball ist. Doch im Moment pafft Pitt nur genüsslich an seiner Zigarette, die er erst ausdrückt, als Clooney – makellos mit einem weißen Leinenhemd und einer Khakihose – angestürmt kommt und seinen Freund anfaucht.

19.12.2007 14:53:47 Uhr


44

Helden

the red bulletin

„Wenn man berühmt ist, passt du dein Leben an. Es gibt Dinge, die du nicht tust, und Orte, an die du nicht gehst.“ George Clooney

jänner 2008

Das Gleiche ist mir mit „The Good German“ passiert. Ich fand den Film richtig gut, und dann haben sie uns niedergemacht. Der hat die schlimmsten Kritiken bekommen von allen Filmen, mit denen Steven oder ich zu tun hatten. Steven sagte nur: „Ich schnall’s nicht.“ PITT: Drum musst du es so machen wie ich. Das Zeug gar nicht lesen. Ich weiß, was ich von den Filmen halte, und das reicht mir. Clooney:

Es fällt auf, dass Sie Julia Roberts und Catherine ZetaJones ausgebootet haben. Offensichtlich fanden Sie, die Frauen seien das Problem. Clooney: Aber

hallo. Und nicht nur auf der Leinwand: Auf dem Set waren die brutal. Sie kennen die beiden, nicht wahr?

Klar. Wir hängen ständig miteinander ab.

Dann wissen Sie, warum wir sie loswerden mussten.

Clooney: Clooney

(zu Pitt): Du Mistkerl!

PITT: Was?

Ich war mit meinen Interviews gleich nach dir dran. Und alle Reporter sagten: „Brad hat gesagt, Sie haben ‚Ocean’s Thirteen‘ wegen des Geldes gemacht.“ PITT: (Lacht.) Stimmt. Ich glaube, ich hab gesagt, es war wegen der Kohle Clooney: Brutal! (Lacht.) Wie geht’s? Clooney:

Red Bulletin: Danke. Gut. Ich habe gehört, Sie nennen

den Film „Ocean’s Thirteen: Der, den wir letztes Mal hätten machen sollen“.

Name George Clooney Geburtsname

PITT: Ehre, wem Ehre gebührt. Der Spruch stammt von Steven Soderbergh (dem Regisseur; Anm. d. Red.). Clooney: Steven wollte so für den Film werben, doch ich glaube, das Studio war nicht allzu begeistert: Der Spruch macht sich nicht gut auf der Kassette mit ­allen drei Filmen.

Lexington/Kentucky

Es ist aber was dran. Denn die Begeisterung für „Ocean’s Twelve“ hielt sich in Grenzen. Wenn es also nicht wegen des Geldes war, warum haben Sie noch einen „Ocean“Film gedreht?

Aktueller Wohnort

Clooney:

George Timothy Clooney Geburtsdatum/-ort 6. 5. 1961,

Beverly Hills/Kalifornien, Laglio/Comer See, Italien FAMILIENSTAND geschieden (1989 bis 1993 verheiratet mit Talia Balsam)

In erster Linie wollten wir es einfach noch einmal versuchen. Wir wollten einen stärkeren Abgang haben, und wir hatten das Gefühl, Rache wäre ein tolles Motiv. PITT: Ich habe immer geglaubt, du seist Pazifist, George. Clooney: Klar doch, der Film ist ein einziger Friedensappell.

Aber dann haben Sie Ellen Barkin und Al Pacino dazugenommen. PITT: Pacino hat uns eine gewisse Ernsthaftigkeit gebracht, verstehen Sie? So etwas haben wir gebraucht. Clooney: Außerdem hat er eine Menge von uns lernen können. Deswegen ist er gekommen. Manchmal habe ich ihn angesehen, und dann hat er mit diesen traurigen Hundeaugen zu mir aufgeschaut, als wollte er sagen: „Danke. Ich danke dir von Herzen.“ PITT: Ich weiß noch, wie er auf dem Set umhergeirrt ist und sagte: „Oh Gott, ich danke Ihnen, George.“ (Lacht.) Clooney: Jessas, wir gleiten ab.

Sie beide sind ja schon eine ganze Weile befreundet. Wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt?

Im Darkroom. Am Pico Boulevard. Stimmt. Hatte ich ganz vergessen. Clooney: Na ja, es war dunkel, und dann trug ich noch diese Ledermaske. (Lacht.) PITT: (Verzieht angewidert das Gesicht.) Ich bin am Essen. Clooney: Das war, als Steven „Ocean’s Eleven“ vorbereitete, da haben wir uns am Mischpult getroffen. PITT: (Nickt.) Clooney: PITT:

Und wie war das? Clooney:

Hart. Wenn einer so ein Riesenego hat …

… dann war Brad also schwierig. Clooney:

Die Rede war von Soderbergh. (Lacht.)

Highschool, University of

Wussten Sie, dass „Ocean’s Twelve“ miese Kritiken ernten würde?

Jetzt mal ernsthaft: Sie beide sind offensichtlich miteinander befreundet.

Northern Kentucky und

Clooney: (Lacht.) Nein! Ich war im Glauben, wir hätten

University of Cincinnati

es gut gemacht, und ich lebe in einer … PITT: … Welt der Illusionen. Clooney: Das war das Komischste bei der ganzen Sache: Plötzlich bekamen wir miese Kritiken und sagten uns: „Hä?“ PITT: Wir waren völlig baff.

PITT: Stimmt. Wir haben viel Spaß miteinander. Wir kennen einander mittlerweile ziemlich gut und auch die Familien voneinander. Clooney: Schon komisch, muss ich sagen: Seit „Eleven“, wo wir angefangen haben, haben alle Beteiligten geheiratet, Kinder gekriegt, haben Familie. Beim letzten Mal waren da Babys, wo du hingeschaut hast.

Ausbildung

(kein Abschluss) AUSZEICHNUNGEN 2006 Oscar für die beste Nebenrolle im Film „Syriana“

AIO_42-49_Helden_Clooney&Pit.indd 44

19.12.2007 14:54:02 Uhr


jänner 2008

Wir waren auf dem Set in L. A., und ich saß mittendrin wie ein alter Knacker. PITT: Er sieht dann aus, als versuchte er, eine Fremdsprache zu kapieren. Clooney: Stimmt. Ich sag mir dann: „Was zum Teufel sind diese kleinen Dinger?“ Kommt es je vor, dass Sie einander anschauen und sich sagen: „Verdammt, ich wünschte, ich wäre in der italienischen Villa und nicht hier beim Windelwechseln.“? Oder: „Mann, ich wünschte, ich hätte auch zwei solche Zwerge.“?

Nein. Clooney: Nein. PITT: Eins sag ich dir: Kinder sind eine Heidenarbeit. Clooney: Das gehört zu diesen schwierigen Dingen, wenn man berühmt ist. PITT:

Weil man ständig unter Beobachtung steht?

Ja. Sich zu beklagen ist nicht angesagt, das würde wehleidig wirken. Aber ich glaube, für Angie und ihn ist es schwieriger, ihr Leben zu leben, mit den Kindern mal in die Stadt zu gehen. Ich meine, schauen Sie nur mal da runter: all diese Boote mit den Kameras. Gestern ging ich am Strand spazieren und fragte mich: „Wo ist Brad?“ Und plötzlich machten alle Kameras schwupp!, und ich wusste: „Da kommt er ja.“ Wenn ich das sehe, sage ich mir: Wow! Ich weiß, wie wenig lustig es manchmal für mich ist, aber für ihn muss es exponentiell schlimmer sein. (Zu Pitt.) Ich habe diese Aufnahme von euch beiden auf dem Motorrad gesehen. Ich weiß nicht, wo ihr da gewesen seid – wohl irgendein Drittweltland (lacht) –, und es sah aus, als wärt ihr umringt von Leuten. PITT: Ach, das war in Vietnam. Wir waren in der Tat umringt von Leuten. Auf einem Moped. Genau. Clooney: Es war ein tolles Bild, weil man sah, dass ihr zu flüchten versucht habt. PITT: Einen Tag lang haben wir das dort geschafft. Wir konnten einen ganzen Tag lang allein sein. Clooney:

Helden

45

the red bulletin

Clooney: Wie eine Stampede. (Trommelt auf den Tisch,

Name

um das Getrappel von Fans und Fotografen nachzuahmen.) In der Regel geht es zwei, drei Sekunden, bis jemand sagt: Clooney und Pitt (gleichzeitig): „He! Ist das nicht …?“ Clooney: Dann machst du „Jaul!“ und rennst auf den Lift zu.

Brad Pitt

Ich wüsste gern, was Sie über die Befindlichkeit männlicher Filmstars in Hollywood zu sagen haben.

Aktueller Wohnort

PITT: Tatsächlich

bin ich eine Frau, die in einem Männerkörper gefangen sitzt. Aber das werden wir in Bälde ändern.

Familienstand

Ist Angelina sich dessen bewusst?

2005), lebt heute mit

Ja, sie ist ganz dafür. Um nicht zu sagen: Sie findet es geil.

­Angelina Jolie und den

Mir fällt auf, dass Ihnen beiden gelungen ist, eine gewisse Aura des Geheimnisvollen zu bewahren, obschon Sie ständig unter Beobachtung stehen. Immerhin haben Sie, Brad, gerade eben in Deckung eine Zigarette geraucht …

­Z ahara, die Jolie in die

(Schnappt sich das Tonbandgerät und spricht direkt ins Mikrofon.) Nein, das hat er nicht. Er hat nicht geraucht. Äh, Schatz, Schatz, George war’s! (Lacht.)

sohn Pham Quang Sang

Wie schaffen Sie das? Wie bringen Sie es fertig, sich Ihren Alltag nicht total vermiesen zu lassen?

an der University of Mis-

Du passt dein Leben an, eindeutig. Es gibt Dinge, die tust du nicht, Orte, an die gehst du nicht, doch andererseits musst du ja auch mal raus, du musst leben können.

richt bei Roy London

PITT:

PITT:

Clooney:

Geburtsname William Bradley Pitt Geburtsdatum/-ort 18. 12. 1963, Shawnee, Oklahoma Los Feliz/Los Angeles war verheiratet mit Jennifer Aniston (2000 bis

Kindern Maddox und Partnerschaft mitbrachte, der gemeinsamen Tochter Shiloh Nouvel und dem vietnamesischen AdoptivAusbildung Studium der Publizistik souri, Schauspielunter-

Wie haben Sie das fertiggebracht? PITT: Du musst früh genug losfahren, damit du einen Vorsprung hast. Das Foto? Das war der Moment, wo sie uns eingeholt haben. Clooney: Drum sind wir ständig mit Motorrädern unterwegs. PITT: Stimmt. Clooney: Motorräder sorgen für Gleichheit: Wenn du einen Helm aufhast, sehen sie dich nicht.

Da ich ebenfalls weltberühmt zu werden beabsichtige, was können Sie mir sonst noch für Tipps geben?

Immer in Bewegung sein. Das ist entscheidend. Sobald du anhältst, bist du tot. Hotellobbys und so sind das Schlimmste. Da musst du einfach eisern Richtung Lift gehen, damit der dann auch rechtzeitig zugeht. (Tut, als drücke er auf einen Knopf.) Los! Los! PITT: Du hörst sie schon von weitem. PITT:

Clooney:

AIO_42-49_Helden_Clooney&Pit.indd 45

„Tatsächlich bin ich eine Frau, die in einem Männerkörper gefangen ist. Aber das werden wir in Bälde ändern.“ Brad Pitt

19.12.2007 14:54:10 Uhr


46

the red bulletin

AIO_42-49_Helden_Clooney&Pit.indd 46

Helden

j채nner 2008

19.12.2007 14:54:51 Uhr


jänner 2008

Helden

the red bulletin

47

„Al Pacino hat mit diesen traurigen Hundeaugen zu mir aufgeschaut, als wollte er sagen: ‚Danke. Ich danke dir von Herzen.‘“ George Clooney

bild: martin schöller/august

„Wir sollten rückwärts zählen und einander abmurksen, bis nur mehr einer übrig ist.“ Brad Pitt

AIO_42-49_Helden_Clooney&Pit.indd 47

19.12.2007 14:55:16 Uhr


48

the red bulletin

Helden

PITT: Weshalb Sie jetzt dann gleich sehen werden, wie George sich in der Badehose auf einem Felsen räkelt. Clooney: Ich will niemanden in einer Badehose sehen. Schon gar nicht siebzigjährige Männer. (Er deutet zum Strand, wo es von Siebzigjährigen in Badehosen wimmelt.) Wenn du das siehst, erfährst du eine Menge über Alterungsprozesse. (Lacht.)

Das Interesse für Prominente ist offensichtlich außer Kontrolle geraten. Mir kommt es vor, als seien Sie Fleisch, das den Löwen zum Fraß vorgeworfen wird.

Stimmt. Wir leben nun mal in einer Gesellschaft, wo man langsamer fährt, um nach einem ­Autounfall alles genau in Augenschein nehmen zu können. Zurzeit scheint das Interesse vor allem Jüngeren zu gelten, Paris Hilton, Lindsay Lohan und so. Die werden das überstehen, aber ich möchte nicht so aufwachsen müssen. Wäre ich so berühmt wie manche dieser Kids, die mit 21 schon auf den Titelblättern der Zeitschriften sind, ich würde mich bis unter die Haarspitzen mit Crack zudröhnen. PITT: Aber da wir diese Veranlagung haben, müssen wir uns umso mehr auf anderes, Wichtigeres konzentrieren, denn diese Vorliebe (für Autounfälle; Anm. d. Red.) ist sehr störend und nichts, wovon du dein Leben bestimmen lassen solltest. Clooney: Ganz bestimmt nicht. Clooney:

Wie schaffen Sie es, etwas für Ihre Anliegen zu bewirken, ohne diese zu verwässern?

Interessante Frage. Brad hat das als Erster und am besten gemacht: Er ging nach Afrika. War das die Show von Diane Sawyer? PITT: Ja. Clooney: Du hast eine interessante Entscheidung getroffen. Du hast dir gesagt: „Die Kameras folgen mir so oder so. Also gehe ich dorthin, und wenn mir die Clooney:

jänner 2008

Kameras folgen, zeigen sie, was dort los ist.“ Das war sehr schlau. Und ich dachte: „Wow, das ist eine Möglichkeit, mit dieser Unersättlichkeit umzugehen. Du sagst: Also gut, dann fotografiert ihr uns eben und folgt uns auf Schritt und Tritt. Aber dann müsst ihr auch dorthin mitkommen, wo eure Bilder die Leute zum Nachdenken darüber bringen, was anderswo auf der Welt geschieht.“ Das war ein echt schlauer Schachzug, und wir anderen ließen uns davon anregen. PITT: Die Idee war: Wir kommen nicht raus aus dem Scheinwerferlicht, die kommen nie rein ins Scheinwerferlicht – gleichen wir das ein bisschen aus. Sie beide sind politisch sehr engagiert und scheuen sich nicht, das Maul aufzumachen zu dem, was passiert. Doch in Ihrer Position muss man sich solche Dinge ganz genau überlegen, stimmt’s? Clooney: Stimmt. Egal, was für eine politische Einstel-

lung du hast: Wenn du da mitmischen willst, musst du bereit sein, Schläge einzustecken, denn die bleiben nicht aus. Und du musst unglaublich gut informiert sein. Wenn du also über Armut oder Aids in Afrika oder Darfur sprechen willst, dann tust du gut daran, genau Bescheid zu wissen – besser als irgendeiner der Ärsche, die versuchen werden, dich für das, was du tust, blöd hinzustellen. Du musst auch aufpassen, dass du dich nicht für zu viele verschiedene Anliegen engagierst, denn sonst wirkt das … PITT: … beliebig … Clooney: … beliebig, genau. Du musst also auswählen, wofür du kämpfen willst, und dann kannst du auch etwas bewirken. Wie heute Abend beispielsweise, wo wir neun Millionen Dollar (für Flüchtlinge in Darfur; Anm. d. Red.) zusammenbringen werden. (Pitt winkt. Die Angewunkene erweist sich als Angelina Jolie mit dem fünf Jahre alten gemeinsamen Adoptivsohn Maddox. Pitt lächelt.) Clooney: (Winkt ebenfalls, doch ohne Reaktion.) Nett. Sehr nett. Was bin ich? Keines Winkes würdig? Sie beide verströmen eine zenartige Gelassenheit …

(Tut, als geriete er in Rage.) Scheiße, Mann, was soll das heißen? PITT: Genau, du Flachwixer. (Gelächter.) Clooney:

„Wäre ich so berühmt wie Paris Hilton, würde ich mich bis unter die Haarspitzen zudröhnen.“ George Clooney

AIO_42-49_Helden_Clooney&Pit.indd 48

Anders gefragt: Wie lautet die Telefonnummer Ihres Apothekers?

1-800-V-I-C-O-D-I-N. (Lacht.) Man passt sich an. Man bemüht sich, normal zu bleiben, und findet Momente, wo man allein sein kann. Clooney: Wir machen das nun auch schon seit einiger Zeit. Doch mit 21 wäre ich nie und nimmer fähig gewesen, mit dem Berühmtsein umzugehen. PITT: Am Anfang bringt es dich gehörig durcheinander, doch die Jüngeren scheinen darauf vorbereitet zu sein und es hinzunehmen. Clooney: Stimmt, und zwar weil Berühmtsein mittlerweile zum Selbstzweck geworden ist und nicht mehr unbedingt auf einer Leistung beruhen muss. Clooney: PITT:

19.12.2007 14:57:08 Uhr


jänner 2008

Helden

49

the red bulletin

Sie sprechen vom Unterschied zwischen Prominenz und Starruhm.

Genau. Prominenz. Du siehst in letzter Zeit nicht viele Kids, die eine Theaterausbildung haben.

Clooney:

„Die Idee war: Wir kommen nie raus aus dem Scheinwerferlicht, die kommen nie rein – gleichen wir das ein bisschen aus.“ Brad Pitt

Wen mögen Sie von der jüngeren Generation? Clooney: Ryan Gosling und Rachel McAdams sind bei-

des richtig gute Schauspieler. Sie haben ein breites Spektrum und können alles Mögliche. PITT: Ich finde, Heath Ledger ist auch wirklich stark. Oh, wo wir gerade beim Thema junge Leute sind: Was ist eigentlich aus Ihrem Football-Film „Leatherheads“ geworden? Clooney: Wir

haben letzten Freitag abgedreht. Mach keine Witze. Clooney: Nein. Ich habe die letzten viereinhalb Monate damit verbracht, in North Carolina mit 21-Jährigen Football zu spielen. Ich sage nur eins: Nie wieder. (Lacht.) PITT: (In übertrieben mütterlichem Ton.) Schon gut. Musst du auch nicht. PITT:

Dieser John Krasinski sieht aber nicht gerade hart aus.

Das ist ein lieber Junge. Ich mag ihn gern, aber was der für einen Stuss daherredet. (Zu Pitt.) In meinem Film macht dieser junge Spund John Kra­ sinski mit. Der spielt in „The Office“, ein echt guter Schauspieler. Am ersten Tag auf dem Set sagt er: „Ich spiele Basket­ball“, ich erwidere: „Ich auch ein bisschen.“ Da schaut er mich an und meint: „Dich mach ich fertig.“ Und ich denke mir: „Schon gut. Wie du meinst.“ Da sagt er: „Also gut. Ich wette tausend Dollar.“ Und während der ganzen Dreharbeiten ist immer von dieser Wette die Rede. Wir spielen nie. Die ganzen Dreharbeiten. Doch am Freitag haben wir gespielt. PITT: Junge, Junge. Clooney: Ich habe ihn 11:8 geschlagen. (Lacht.) Ich war im siebten Himmel. Ich habe mir ständig mit 100-Dollar-Scheinen die Stirn gewischt und gesagt: „Heiß hier drin, was?“ Es gibt Dinge, die machen einfach Freude. PITT: Das Älterwerden rauszuschieben, beispielsweise. Clooney: Mann, da hast du recht. Clooney:

Sie spielen beide im nächsten Film der Coen-Brüder mit?

Ja. Das letzte Mal war ich hier (in Cannes; Anm. d. Red.) mit den Coens für „O Brother, Where Art Thou?“, und der Film ist abgesoffen. PITT: Ach was! Clooney:

Was ist passiert?

Du hast es im Saal gespürt. Joel, Ethan und ich saßen da im Palais, da sagte Joel: „Hauen wir ab! Wir sind erledigt.“

Clooney:

Die Coens lassen Clooney gern aussehen, als sei er ein Volldepp. PITT: Vielleicht

setzen sie für Pitt noch einen drauf. Allerdings. Vielleicht werden damit zwei Karrieren jäh beendet. PITT: (Lacht.) Ich habe ihnen gesagt: „Ich weiß nicht, wie ich das spielen soll. Der Typ ist ein solcher Idiot.“ Es gab eine Pause, und dann sagte Joel … Clooney und Pitt (gleichzeitig): Du bist genau richtig! (Lachen.) Clooney:

Also gut, die letzte Frage: Können Sie zum Wohle des Universums beschwören, keinen weiteren „Ocean“-Film zu drehen?

Ich glaube, ja. Don Cheadle hatte eine schöne Idee. Er schlug vor, wir sollten rückwärts zählen und einander entsprechend abmurksen, bis nur noch einer übrig ist. Clooney: Wie in „Survivor“. Clooney: PITT:

Oder „Ten Little Indians“.

Das war Dons Vorschlag! Wir haben es ihm nicht sagen wollen, aber genau das wird „Ocean’s Fourteen“ sein – und er wird als Erster abserviert. ♉

PITT:

Clooney:

„ocean’s thirteen“ ist soeben als DVD erschienen Aus dem Amerikanischen von Thomas Bodmer. Der Text erschien erstmals in US-Magazin „Entertainment Weekly“ am 15. Juni 2007.

Wann war Drehbeginn?

Im Herbst. Der Film heißt „Burn After Reading“. Eine ihrer überdrehten Komödien, zum Brüllen komisch. PITT: Nichts Naheliegendes: George und ich spielen Typen, die sich für Verlierer halten. (Lacht.) PITT:

Clooney:

AIO_42-49_Helden_Clooney&Pit.indd 49

19.12.2007 14:59:32 Uhr


dossier

perfekt! 1.

So genial wie Stephan Eberharter am 24. Jänner 2004 ist die Streif

noch keiner hinuntergefahren. Sagt nicht er, sondern seine Konkurrenz. US-Downhill-Racer Daron Rahlves: „Stephan wählte eine völlig neue Linie. So wie er hat das noch niemand gewagt.“ Das ist erst Punkt 1 der umfassenden, detailverliebten, detektivischen Red Bulletin-FaktenUnd ein Lageplan, wie Sie ihn noch nie gesehen haben. redaktion alexander Macheck Text markus huber mitarbeit ULRICH CORAZZA, simon schreyer, NADJA ŽELE

2.

Stephan Eberharter zu seinem Debüt auf der Streif 1991: „Ich hatte durchaus Gefühle der Todesangst.“

3.

Marc Girardelli 1989 über den Augenblick, in dem sich die Rennläufer aus dem Starthaus schwingen: „So

AIO_50-51_Dossier_Kitzbühel.indd 50

muss man sich fühlen, wenn man ohne Fallschirm aus dem Flugzeug springt.“

4.

Hermann Maiers Hahnenkamm-Blasphemie 1999: „Das soll die schwerste Abfahrt der Welt sein? Da geht es doch zweimal sogar bergauf.“

5.

Mitte der 70er lag Franz Klammer nach einer schweren Trainings-Brezn in der Mause­­ falle im Schnee, als der nach ihm gestartete Ken Read an dieser Stelle ebenfalls zu Fall kam, auf ihn stürzte und fragte: „Franz, what are you doing here?“ Klammer: „I don’t know, but I was here first!“

6.

Werner Grissmann zu einem leicht bangen Hansi Hinterseer, als dieser 1975 zur Abfahrt antrat: „Is eh lei a Einbahnstraßn. Da kimmt da koana entgegn.“

7.

Fritz Strobl zu seiner ersten Fahrt auf der Streif: „Ich hatte die Hosen voll.“

8.

Und nach seinen Triumphen, gewandelt: „Man muss sich nur am Start überwinden, danach kann man sowieso nicht mehr stoppen.“

Bild: Walter Luger/GEPA pictures

sammlung zum Hahnenkammrennen in Kitzbühel. Weitere 98 folgen.

19.12.2007 14:48:21 Uhr


AIO_51+4_Tabernakel_Streif innen.indd 1

Franz Klammer ist der einzige Athlet, der die Abfahrt viermal gewann (1975, 1976, 1977 und 1984). Beim ersten Triumph war Udo Jürgens so begeistert, dass er spontan eine Party in seinem Haus schmiss. Geladen waren 90 Gäste, es kamen jedoch 200.

100 km/h

START ZIELSCHUSS Länge 406 m Gefälle 68 %

100 km/h

Hier steht noch eine Red Bull-Tribüne.

Auf der Trasse des RasmusleitnSchlepplifts wurde 1927 einer der ersten Skilifte der Welt in Betrieb genommen. Der „Sportaufzug“ war ein Schlitten, der mit einem 18-PS-Motor über eine Seilwinde bis zu sechs Personen bergauf befördern konnte.

01:58:10

WWP-Zelt.. Das VIP-Zentrum des Hahnenkamm-Wochenendes. Auch über Skifahren wird hier – gelegentlich – gesprochen.

Tribünen und Ehrenlogen.

Im Zielraum werden sogenannte „Hahnenkamm-Würstel“ zu 2,50 Euro verkauft, die in der „Spende“ besonders geschmacksintensiv gekocht werden.

Zielraum. Durchschnittlicher Puls der Rennläufer: 180 bpm. Durchschnittliche Lufttemperatur am Renntag (seit 1955): –0,8 °C.

Restaurant Rasmushof. Ebenfalls im Besitz der Familie Reisch. Exzellente Küche.

Das Kommentatorenhaus wird alljährlich rund um das Restaurant Red Bull gebaut. Das Lokal ist im Besitz der Familie Reisch.

Michael Ausserwinkler. Im dichten Schneetreiben 1994 wurde der damalige Gesundheitsminister nicht erkannt und zum Pistenkommando eingeteilt. Der Politiker nahm ohne Murren die Schaufel zur Hand und half, die Strecke zu präparieren.

Bauernhaus Hochegg. Die ersten Sprecherkabinen in der Geschichte des Hahnenkammrennes wurden 1959 auf dem Balkon dieses Hofs installiert. 1963 übernimmt Michael Horn (Bild) diesen Job und wird zur Legende.

Die Löcher für die Slalomstangen werden mit speziellen Schlagbohrern gefertigt. Leistung: 1500 Watt.

Ganslernhang. Start Slalom.

18.12.2007 11:54:30 Uhr

Der Hüter des Hanges. Dr. Klaus Reisch, Rechtsanwalt, Besitzer des Zielhanges des Hahnenkammrennens. Ohne seine Zustimmung läuft auf der Streif gar nichts.

Auf der Straße der Sieger gehen die Athleten unterirdisch zum Kommentatorenhaus.

Kompression. Nur noch 299 Meter bis zur Ziellinie.

Hausberg-Querfahrt. Maximale Belastung für den rechten Ski. Trenkwalder sagt: „Die Querfahrt ist immer vereist, weil sie sonst durch die Belastung abrutschen, ‚abblatteln‘ würde. Hier wimmelt es nur so von Schlägen in der Pistenoberfläche. Wenn man genau schaut, kann man erkennen, dass es die Ski wie Gummi herumbiegt. Durch einen solchen Schlag holte sich Fritz Strobl hier eine Wirbelverletzung.“

Hausbergkante. Schlüsselstelle. Trenkwalder sagt: „1997 war die Strecke hierher ziemlich gerade gesetzt. Das brachte Fritz Strobl die wichtigsten Sekunden seiner Rekordfahrt.“

START HAUSBERG Länge 289 m Gefälle 69 %

START LÄRCHENSCHUSS Länge 578 m Gefälle 39 % 01:15:50

Die Seidlalm. Hier wuchs Hansi Hinterseer auf. Hier kostet eine Pfanne Kasspatzen mit Salat 8,80 Euro.

100 km/h

Hier liegt die zweite Stelle, an der die Absperrung der Streif während der Nacht für den Wildwechsel geöffnet wird.

140–153 140 153 km/h

Zielsprung. Hier wurden 1958 erstmals Streckenposten aufgestellt, weil der Andrang der Zuschauer auf die Piste so groß war. Kristian Ghedina legte hier 2004 im Sprung eine Grätsche hin. Bei 130 km/h. Sein Kommentar: „Ich wollte einfach nur Spaß haben.“

153 km/h ist die höchste Geschwindigkeit, die je ein Rennläufer auf der Streif er reicht hat: und zwar Michael Walchhofer im Jahr 2006.

Einen 6fachen Salto über die Fangzäune überlebte Pietro Vitalini 1995 praktisch unverletzt. „Ich habe ein bisschen Spektakel gemacht“, meinte der Italiener lakonisch, trat zu der am selben Tag abgehaltenen zweiten Abfahrt an – und wurde Fünfter.

4800 Meter B-Sicherheitsnetze und 1550 Meter A-Netze aus Polycarbonaten sind entlang der Strecke aufgestellt.

Red Bull-Torbogen. Markiert die Hausbergkante, eine der Schlüsselstellen. 01:38:00

90 km/h

Alljährlich hält der mittlerweile zum Schlagerstar gewandelte Hansi Hinterseer seine „Bergpredigt“ ab. Eine Begegnung mit seinen Fans. 2006 wanderten mehr als 6000 auf den Berg.

Im Winter 1966 trafen einander auf der Seidlalm der französische Nationaltrainer Honoré Bonnet, sein US-amerikanischer Kollege Bob „The Coach“ Beattie, der Präsident des Kitzbüheler Ski Clubs, Kurt Beranek, und der Journalist Serge Lang (Bild) und erfanden den alpinen Ski-Weltcup.

Streifalm 1. Liftstation. Start des Super-G.

Robert Trenkwalder, Trainerlegende (Herren AbfahrtsNationalteam), leitet das Red Bull-Programm ASP (Athletes Special Projects). Für Red Bulletin analysiert er die härteste Rennpiste der Welt. Generell sagt er: „Die Streif ist eine Rennstrecke, die man sich über Jahre hart erarbeiten muss. Vor ihr habe ich schon als kleiner Bub vor dem Fernseher höchsten Respekt gehabt!“

Rechtskurve in den Lärchenschuss. Trenkwalder sagt: „Diese Passage ist entscheidend. Hier beginnt das Rennen noch einmal neu!“

Seidlalmsprung. Hier endete die Karriere des Schweizers Franz Heinzer nach seinem schweren Sturz im Training 1994. Danach wurde der Sprung entschärft: Die Kante wurde durch Abgrabung flacher gemacht.

Die blaue Streckenmarkierung ist ein Mix aus Lebensmittelfarbe und Alkohol (damit die Markierung nicht in die Piste friert). 1000 bis 1500 Liter werden jährlich verbraucht.

Patrick Ortlieb stürzt hier 1999 beim Abschlusstraining: Trümmerbruch des Oberschenkels. Und das Ende seiner Karriere.

Bauernhof Oberhausberg. Trenkwalder sagt: „Am Oberhausberg errichtete Streckenabschnittschef Robert Hochfilzer für mich die Trenki-Tribüne, damit ich eine gute Übersicht habe. Natürlich wurde sie auch gleich von den anderen Trainern mitbenützt. Es war also ziemlich eng dort oben. Generell müssen Trainer immer eine halbe Stunde vor Start auf ihrem Platz stehen. Am Pistenrand links ist ein Lautsprecher installiert. Wenn der Läufer hier vorbeijagt, hört er ganz kurz sehr laut die Stimme von Platzsprecher Michael Horn.“

DIE STREIF Hahnenkammbahn. Wurde 1996 neu begondelt. Talstation: 786 Meter. Bergstation: 1658 Meter. Streckenlänge: 2356 Meter. Größte Neigung: 40 %. Personen pro Kabine: 6. Jede Kabine trägt den Namen eines Hahhenkammsiegers. Fahrgeschwindigkeit: 5 Meter pro Sekunde.

Rascher Gelände- und Lichtwechsel. Verlangt von den LäuSTART ALTE SCHNEISE fern ein Höchstmaß Länge 317 m an Flexibilität. Gefälle 45 % 00:49:20

Mitte der Abfahrtsstrecke. Trenkwalder sagt: „Die Linkskurve am Seidlalmboden und die Rechtskurve in den Lärchenschuss werden generell gern unterschätzt. Hier START SEIDLALM kann man sehr viel Zeit holen!“ Länge 430 m Gefälle 53 % 01:03:20

1984 wurde der Start der Abfahrt wegen Nebels und dichten Schneetreibens ab Startnummer 47 hierher verlegt.

90 km/h

Die Karte zur härtesten Ski-Rennstrecke der Welt.

Reh, Fuchs, Hase etc. An zwei Stellen wird die Absperrung der Streif während der Nacht für den Wildwechsel geöffnet.

Als er die Vereisungen auf dem Steilhang sah, zog der Senegalese Lamine Guèye 1982 seine Startmeldung mit den Worten „Der Steilhang ist blau, ich bin es nicht“ zurück.

Flachster Teil der Strecke mit dem längsten Gleitstück (650 Meter). Trenkwalder sagt: „Die Schneeverhältnisse im Wald sind meist ganz andere als auf dem Rest START GSCHÖSS der Strecke. Das bedeutet: eine Herausforderung bei der Ski-Wartung. Der ServiceLänge 439 m mann muss einen Kompromiss eingehen.“ Gefälle 2–14 % 00:39:30 Seidlalmsee. 1994 als Wasserspeicher für künstliche Beschneiung geschaffen. Hier leben Forellen. Ganz Kitzbühel rätselt, wer die hier angesiedelt hat.

Steilhangausfahrt. Trenkwalder sagt: „Die Rennläufer müssen den Radius dieser Kurve voll ausfahren und bis in den Brückenschuss hineinziehen, damit er genug Speed ins Flache mitnimmt. Manchmal schwierig – die letzte Steilhangkurve ist kein Wunschkonzert.“ 1989 fädelte Brian Stemmle mit dem linken Ski in die Fangnetze ein und wurde beinah zweigeteilt. Der Kanadier wurde mit einer lebensgefährlichen Beckenzertrümmerung ins Spital geflogen.

Karussellkurve. Im Streif-Jargon „U-Hakerl“. Einfahrt in den Steilhang. Hohe Ausfallsrate! Trenkwalder sagt: „Im U-Hakerl übt der Läufer zuerst Druck auf den Außenski aus, und ab dem Wendepunkt der Kurve muss er sich der Fliehkraft überlassen. Diese trägt ihn kurz bergauf und nimmt ihn dann in die nächste Linkskurve mit.“

100 km/h

Hier mäht Jakob Hetzenauer die Streif im Sommer mit der Sense, weil sie zu steil für seinen Traktor ist. In Kitz heißt dieser Job „Summermahder“.

START STEILHANG Länge 341 m Gefälle 62 % 00:22:50 Hier lag ein gefährlicher Felsen Felsen. 1992 wurde er weggesprengt.

Hier steht eine Red Bull-Tribüne.

120 km/h

Sprünge bis 80 Meter. Die Passage wird immer wieder entschärft. Zu weite Sprünge führen regelmäßig zu schweren Verletzungen. 1992 z. B. erleidet Peter Rzehak einen Kreuzbandriss. Trenkwalder sagt: „Den START MAUSEFALLE Sprung keinesfalls zu weit rechts ansetzen, sonst geht’s über die AbsperLänge 352 m rung in den Wald. Zwei Vorläufern ist Gefälle 86 % das Anfang der 90er passiert.“ 00:08:50

Jean-Claude Killy begegnete hier 1967 beim Training dem 13-jährigen Hansi Hinterseer, der einen Rucksack voller Würste zur Seidlalm brachte. Killy forderte Hansi auf, durch die Mausefalle zu springen. Wenige Minuten später war die Piste mit Würsten übersät.

Stephan Eberharter lochte hier beim Downhill-Golfturnier „Streif Attack 2004“ mit einem Hole-in-one ein.

Hocheck-Hütte. Deren Wirt Peter Noichl verrät: „Im ganzen Haus gibt’s keine Mausefalle, dafür aber eine Katze.“

100 km/h

STARTSCHUSS Länge 160 m Gefälle 51 % 00:00:00

Starthaus. Hier warten die Rennläufer. Durchschnittlicher Puls: 150 bpm. Durchschnittliche Lufttemperatur am Renntag (seit 1955): –2 °C. 1974 kamen hier Stefano Anzi und Giulano Besson zu spät zum Start, weil sie beim Mentaltraining eingeschlafen waren. Trotzdem fuhren die beiden Italiener anschließend ex aequo auf Platz zwei. Red Bull Energy Station: Stylische Bar, hautnah am Geschehen, belebt Geist und Körper. GELBE INFOKÄSTEN zeigen die (Zwischen-) Zeiten der Siegesfahrt Stephan Eberharters im Jänner 2004.

Start der Damen-Abfahrt war 1954 die Ehrenbachhöhe. Über die Fleckalm ging es Richtung Klausen. Zu gefährlich, hieß es schließlich. 1961 fand das bislang letzte Damen-Hahnenkammrennen statt.

Hahnenkamm Bergstation. (1712 m ü. A.) mit Restaurant „Hochkitzbühel“ und Bergbahnmuseum. 1935 stürzten hier drei Rennläufer beim Aufstieg zum ursprünglichen Start über eine Schneewechte ab. Sie mussten per Seil geborgen werden.

BILDER: BECKMANN/BRAUER-PHOTOS, GERT EGGENBERGER/APA, KITZBÜHELER SKI CLUB, ONB BILDARCHIV AUSTRIA, GEPA PICTURES (6), CALLE TÖRNSTRÖM/SCANPIX/APA, VOTAVA; ILLUSTRATIONEN: KEN SAKURAI KARNER


DOSSIER

42.

Auf der SEIDLALM gibt’s keine Seidel (und Krügel), sondern nur große und kleine Biere. Das kleine kostet 2,50, das große 3,20 Euro.

Der KITZBÜHELER SKI CLUB (K. S. C.) ist der größte Verein der Stadt. Er hat 5500 Mitglieder. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahl, bedeutet das, dass vier von fünf Kitzbühlern Mitglied des Clubs sind.

Die BERGBAHN AG KITZBÜHEL betreibt 55 Lifte. Die spektakulärste Seilbahn ist die 3-S-Bahn, die Kitzbühel und Jochberg verbindet. Sie führt vom Pengelstein zur Resterhöhe, die Gondeln hängen dabei bis zu 400 Meter über dem Boden. Er kostete 13,5 Millionen Euro – umgerechnet 351.000 Tageskarten.

sein bestes Kitzbühler Ergebnis am 21. Jänner 2006. Der Amerikaner wurde Vierter, 38 Hun-

Erste Schritte mit dem „Norwegischen Schneeschuh“.

50.

Franz Reisch (vorne), Alois Abendstein und Albert Primus Ende des 19. Jahrhunderts am Kitzbüheler Horn. Franz Reisch war der Großvater von Dr. Klaus Reisch, dem Besitzer des Zielhanges der Streif. Er brachte den „Norwegischen Schneeschuh“ nach Kitzbühel. So wurden Ski damals noch genannt.

37,17

38,31

31,43

144

39,50

136

95

124

117

Tempo-Entwicklung Durchschnitt in km/h Streif

110

Anzahl der Tore 50er

60er 70er 80er 90er 2000er

In Kitzbühel gibt es VIER GOLFPLÄTZE.

58.

88,44 60er

90

85

70er

80er

90er

2000er

Curling-„Stein“

Kitzbühel ist Österreichs Stadt mit der GERINGSTEN ARBEITSLOSIGKEIT. 0,8 Prozent der Kitzbühler sind arbeitslos. Anders gesagt: Im Vorjahr waren acht Kitzbühler arbeitslos.

Das KNAPPSTE RESULTAT gab es 1975: Franz Klammer 0,003 Sekunden vor Gustav Thöni – das sind 10 Zentimeter.

59.

Das TEUERSTE ZIMMER in Kitzbühel ist die Grande Imperial Suite des Hotels „Weißes Rössl“. Sie kostet 3000 Euro pro Tag inklusive Halbpension. Für das HahnenkammWochenende ist sie noch zu haben. Und: Wenn man aufs Abendessen verzichtet, um 25 Euro weniger.

52.

Der bislang LETZTE SIEG EINES GEBÜRTIGEN KITZBÜHLERS war Hansi Hinterseers Triumph im Slalom 1974. Bis zum nächsten wird es noch dauern. Derzeit sind keine Kitzbühler im ÖSV-ALPIN-KADER.

100

99,41

Durchschnitt in km/h Ganslern

23,74 146

40,27

Laut Statistik sind nur 3,4 Prozent der Touristen RUSSISCHE STAATSBÜRGER. Sie kommen vor allem im Jänner.

57.

53.

Die Abfahrt „Streif“ Der gewaltige Aufschwung bei Material- und Pistentechnik sorgte Ende der 60er für eine heftige Tempozunahme. 105,73 104,06 102,82

64.

In Kitzbühel steht die einzige CURLING-HALLE Österreichs.

51.

Die Entwicklung bei Slalom und Abfahrt im Spiegel der Zeit. Der Slalom am „Ganslernhang“ wird seit den 90ern langsamer – trotz sinkender Tor-Anzahl. Damit das Rennen und der Spaß der Zuschauer länger dauern.

56.

In der Nacht vom 20. auf den 21. Jänner 2006 ließ sich MILLER um 2.57 Uhr noch mit seiner Freundin im „Arosa“ fotografieren – Walchhofer war da bereits fünf Stunden im Bett.

48. SPEED & TORE: DIE STATISTIK

44.

Der KITZBÜHELER ZIPFLBOB VEREIN (KZV) hat 36 Mitglieder. Er ist Mitglied des Österreichischen ZipflbobVerbandes (ÖZV). Das heißt, jeder 195ste Kitzbühler ist Mitglied.

dertstel hinter Sieger Michael Walchhofer.

46.

DIE TOTALE STREIF-KARTE 47. BODE MILLER erzielte 43.

49. SKIPIONIER

60.

Das BILLIGSTE ZIMMER gibt es im Reiterhof (28 Euro).

54.

Der GRÖSSTE ERFOLG DES K. S. C. in der vergangenen Saison war der Sieg in der Mannschaftswertung der 7- bis 15-Jährigen im Kitzbühler Bezirkscup.

61.

Prinzipiell könnte man sich in Kitzbühel noch ansiedeln – 350 Hektar BAUGRUND sind frei. Der Quadratmeter kostet von 2500 Euro aufwärts.

55.

66.

5 GUTE LOKALE, in denen Sie garantiert keine Promis treffen: das Huber-Bräu (Vorderstadt), das Barrique (Hinterstadt), Gasthof Steuerberg, Gasthof Oberaigen und das Highways.

67.

1992 wurden PREISGELDER eingeführt. Der Sieger bekam 18.000 Schweizer Franken, umgerechnet 11.000

68. WEM GEHÖRT DIE STREIF? Zwei Institutionen – und fünf Privatpersonen, die somit auch zu Institutionen wurden. START

Gemeinde Kitzbühel

Österreichische Bundesforste

02:03:22 02:03:29 Roland Collombin 26. Jänner 1974

Fritz Strobl 25. Jänner 1997

Franz Klammer

01:51:58

Franz Heinzer

01:57:20

01:56:04

Harti Weirather 15. Jänner 1982

Franz Heinzer 18. Jänner 1992

Theoretisch erreichbare Zeit mit heutiger modernster Ski- und Pistentechnologie (laut Ski-Produzent Fischer). Siehe Punkt 85.

01:54:29 Günther Mader 13. Jänner 1996

01:30:00

Harti Weirather

’74 ’75

’82

AIO_50+4_Tabernakel_Streif aussen.indd 101

’92

’96 ’97

’08

BILDER: KITZBÜHELER SKI CLUB, VOTAVA; ILLUSTRATIONEN: NOA WEISSMANN

63. Franz Klammer 18. Jänner 1975

Florian Kofler

Kitzbühel hat offiziell 8500 EINWOHNER. Zieht man allerdings die „Zweitwohnsitzler“ ab, dann würden alle Kitzbühler in den Wohnpark Alt-Erlaa in Wien passen.

Gemeinde Kitzbühel Peter Feyrsinger

Paul und Josef Staffner

Dr. Klaus Reisch Platz für Kitz: Wohnpark Alt-Erlaa.

Grundsätzlich darf in Kitz nur Grund kaufen, wer dort seinen Hauptwohnsitz hat. Zumindest seit 1995. Oder so. Hier eine Auswahl der nettesten Hauptwohnsitze fürs Wochenende.

10. Julius Meinl V. 60er-Jahre-Villa auf 4-Hektar-Grundstück (25 Millionen Euro).

Florian Haffa. Der Medienmann erfreut sich einer 15-Millionen-Euro-Villa mit Sauna-Landschaft.

Fritz Klausner. Das 4-Millionen-Euro-Domizil des Holzbarons und Fionas Ex-Quartiergebers.

Juri Luschkow. Beinah ein kleines Dorf (15 Millionen Euro) für den Moskauer Bürgermeister.

Euro. Im Vorjahr kassierte Jens Byggmark für zwei Siege 134.000 Euro.

70.

Seit 1995 muss man in Kitzbühel seinen Hauptwohnsitz haben, um dort EIGENTUM ZU ERWERBEN.

ZIEL

Mindestens 80.000 ZUSCHAUER werden zum Hahnenkamm-Wochenende erwartet. Der bisherige Rekord stammt aus dem Jahr 1999: Damals waren 100.000 Fans in Kitzbühel.

65.

Der Pelzhändler HEINZ BAUMANN verkaufte im Vorjahr 30 Zobel zu je 30.000 Euro. Sie gingen – erraten! – an Russen.

62.

SPONSOREN UND PARTNER des Rennens: Audi, A1, FIS, Gösser, Hypo AlpeAdria, K. S. C., ÖSV, Rolex, ORF, Red Bull und WWP.

9.

69. HOME, SWEET HOME

Hans-Dieter Toth. Acht Millionen Euro Marktwert hat das Anwesen des Eurotours-Chefs.

71.

75.

1982 sahen im SLALOM von 110 Startern nur 18 das Ziel. Sieger: Ingemar Stenmark.

73.

1976 hatte STENMARK zum ersten Mal in Kitzbühel gewonnen – und damit einen Sinnspruch ad absurdum geführt, der in der sogenannten „Schwedenkapelle“ vor den Toren Kitzbühels steht: „Bis hierher und nicht weiter kamen die schwedischen Reiter.“ Die Kapelle erinnert daran, dass die Schweden im Drei-

3312 METER ist die Streif lang. Der Schnellste war bisher Fritz Strobl mit einer Siegerzeit von 1:51:58 (1997)

13.

Mit einem GELÄNDEWAGEN kommt man auf der Streif bis zum Zielhang. Dort sitzt der Wagen auf. Nachdem Werner Grissmann aber nicht in Kitzbühel wohnt, hat das noch niemand ausprobiert.

14.

76.

Der ÄRGSTE BRUCHPILOT war der Brite (!) Konrad Bartelski: Er stürzte zwischen 1974 und 1982 gleich viermal in Kitzbühel.

78.

Das ewige Match ÖSTERREICH VS. DIE SCHWEIZ steht am Hahnenkamm 35:11.

Der Russe ALEXANDER PROKOFIEV gilt als langsamster Fahrer der „Neuzeit“. 1969 benötigte vom Start bis ins Ziel 2:48:84 Minuten – ohne Sturz. Er war eine halbe Minute langsamer als der damalige Sieger Karl Schranz.

15.

Noch ein Rekord: 2005 schaffte es HANSI HINTERSEER, 6000 Menschen aus dem gesamten deutschen Sprachraum zu einem Wandertag auf der Streif zu animieren. Die Belohnung für die Strapazen der Wandersleute: Hinterseer sang auf dem Hahnen-

20. DIE PROMINENTESTEN OPFER

28. JET-SKI-SET

Die Streif ist ein bockiges Ross. Abgeworfen hat sie bereits praktisch jeden Rennläufer, der Rang und Namen hat. Wir bringen daher eine absolut subjektive Liste der spektakulärsten Stürze, chronologisch geordnet.

Kitzbühel wird das Monte Carlo der Alpen genannt. Dabei ist es deutlich exklusiver. Und wer will in Monaco schon Ski fahren?

POS

NAME

NAT

JAHR

Wo

1.

Hans Knauß

AUT

2001

Seidlalm

2.

Patrick Ortlieb

AUT

1999

Hausbergkante

3.

Pietro Vitalini

ITA

1995

Zielschuss

4.

Franz Heinzer

SUI

1994

Seidlalmsprung

5.

Peter Rzehak

AUT

1992

Mausefalle

6.

Brian Stemmle

CAN

1989

Steilhangausfahrt

7.

Klaus Gattermann

GER

1985

Hausbergkante

doubeln: von den Kitzbühlern Martin Kerscher und Alex Stampfer.

32.

Gleich nach dem Rennen wird die Strecke wieder für den PUBLIKUMSSKILAUF freigegeben.

33.

ZUM START DER STREIF kommt man mit der Hahnenkammbahn und schiebt dann 30 Meter nach rechts. Die Bergfahrt kostet 15,50 Euro.

17.

18.

Die SPRÜNGE ÜBER DIE MAUSEFALLE gehen heute nur noch 60 Meter. Früher, vor der Streckenentschärfung, waren es 20 Meter mehr.

HUBERTUS VON HOHENLOHE erzielte sein bestes Ergebnis 1989. Er war damals nur 11,11 Sekunden langsamer als der Schweizer Sieger Daniel Mahrer.

APROPOS HANSI HINTERSEER: Lookalikes seiner beliebten Fell-Moonboots gibt es in Kitzbühel in der Boutique Frauenschuh um 500 Euro. Allerdings nur theoretisch: In diesem Jahr sind sie bereits ausverkauft. Hinterseer selbst trägt übrigens Vintage-Modelle aus den 70ern.

12.

74.

77.

16.

Entlang der Streif stehen 150 TOILETTENModell „H. H.“, HÄUSCHEN. Sie sind verwaist. beheizt, weil sonst die Rohre einfrieren würden. Und: Die Häuschen sind ans Kitzbühler KanalWIE LANGE MAN SONST FÜR system angeschlossen. DIE STREIF BRAUCHT: 2 Minuten (mit dem Snowboard), 9,30 Minuten (mit dem Zipflbob), 10 Minuten Die Streif hat einen ei(mit dem Mountainbike), genen Marsch. Er heißt 39 Minuten (im Sommer, „HAHNENKAMM-FANFARE“ laufend, bergauf). und stammt vom Kitzbühler Komponisten und

ßigjährigen Krieg schon versucht hatten, Kitzbühel zu erobern. Geschafft hat es erst Ingemar Stenmark, knapp 340 Jahre später. 1987, das LETZTE WIRKLICHE DUELL: Pirmin Zurbriggen siegte in der Kombination vor Andreas Wenzel. Sie waren die einzigen Starter.

72.

11.

Christian Birkenstock. 3 Häuser à 8 Millionen macht 24 Millionen Euro für den Schlapfenkönig.

1961 fand das letzte DAMENRENNEN auf der Streif statt. Es gewann Traudl Hecher. Danach wurde die Strecke aus Sicherheitsgründen für Damenrennen gesperrt. Die ABFAHRT 1956 war die sturzreichste der Geschichte: Von 113 Startern kamen 36 durch. Sieger: Guy Périllat (FR).

Insgesamt 6350 METER FANGNETZE sind entlang der Rennstrecke aufgestellt.

kamm. Er selbst reiste mit der Gondel an.

Stadtkapellmeister Josef Gasteiger. Im Take Five wird er allerdings nie gespielt.

21.

2007 WAR DER SUPERHIT IM TAKE FIVE der Song „Proper Education“ von Eric Prydz.

22.

Nach wie vor ist das TAKE FIVE das teuerste Lokal der

19. SO STEIL IST DIE STRECKE Das Hahnenkammrennen im Aufriss, technisch betrachtet. Steigungen, Höhenunterschiede, Kurven und Schlüsselstellen.

START

Mausefalle

1665 1605

Steilhang

1498

Gschöss

1386

Alte Schneise

1331

Seidlalm

1244

Lärchenschuss

1154

Hausberg

Zielschuss

23.

Die erfolgreichste STREIFCOMBO heißt „Hahnenkamm-Trio“. Ihr bekanntestes Lied: „Du, i möcht dir gern Danke sagen“ („Grand Prix der Volksmusik“, 1994, vierter Platz).

viel delikater weil sie in der „Spende“ kochen.

Die Streif ist klarerweise auch Gegenstand LITERARISCHER AUSEINANDERSETZUNGEN. Von Felix Mitterer gibt es die Geschichte „Die fürchterliche Sage vom Streif-Gespenst“. In der „Piefke-Saga“, Mitterers bekanntestem Werk, kommt die Streif allerdings nicht vor.

Redford mit Kitz-Couturier Prader.

27.

Der ZIELHANG hat „nur“ 68 Prozent.

NOCH EIN STREIF-FILM: „Fire & Ice“, ein Spektakel des Ex-Skifahrers, Ex-Stuntmans und Modeschöpfers Willy Bogner. Er wurde 1986 in der Kitzbühler Tennishalle präsentiert.

36.

1986 gewann der Steirer PETER WIRNSBERGER auf der Streif gleich zweimal. Neben dem klassischen Hahnenkamm wurde damals auch ein Ersatzrennen

38.

Seit 1963 ist MICHAEL HORN Platzsprecher. Nachdem er 1981 auch in Aspen kommentieren durfte, nennen ihn manche Einheimische heimlich „The Voice“.

39.

Das RESTAURANT „RED BULL“ im Zielhang des Hahnenkammrennens gibt es seit 1968. Die Besitzerin hatte nämlich kurz zuvor in Arizona einen roten Stier gesehen.

Seit 1937 führt das Hahnenkammrennen über die Streif: 70 Jahre, 20 Rekorde und 20 Namen von Ausnahmeathleten. Egon Schöpf 5. Februar 1949

86%

Mit LKWs und Helikoptern wurde im Vorjahr SCHNEE VOM KITZSTEINHORN geholt, um das Rennen trotz Schneemangels durchzuführen. 350.000 Euro kostete das und brachte: nichts. Das Rennen musste trotz aller Bemühungen abgesagt werden.

40. DIE STRECKEN-REKORDE

26.

922

37.

BITTE HIER ÖFFNEN. JETZT.

35.

31.

ROBERT REDFORD spielte 1969 die Hauptrolle im Film „The Downhill Racer“, der zum Teil auf der Streif gedreht wurde. Redford fuhr in den Actionszenen aber nicht selbst, sondern ließ sich

für Garmisch ausgetragen. Er ist neben Karl Schranz, Sepp Walcher und Pirmin Zurbriggen der vierte Doppelsieger.

Nur zur Sicherheit: Das NÄCHSTE KRANKENHAUS liegt am Hornweg 28 in Kitzbühel. Tel.: 05356/601.

30.

Obwohl Kitzbühel gerne als Münchner Vorort gesehen wird (vor allem von Münchnern), gibt es in Kitzbühel keine Weißwürste. Stattdessen werden ihm Zielraum „HAHNENKAMM-WÜRSTEL“ verkauft. Sie sehen aus wie Frankfurter, schmecken allerdings

25.

68%

ZIEL

Von KITZBÜHEL NACH MÜNCHEN braucht man mit einem schnellen Auto 80 Minuten. Nach Wien dauert es fast vier Stunden 30 Minuten.

24.

1035

805

29.

Während des HAHNENKAMM-WOCHENENDES hat das Take Five zwei zusätzliche Türsteher engagiert.

Die STEILSTE STELLE der Streif ist die Mausefalle mit 86 Prozent Gefälle. Das ist so viel:

34.

Die Gästeliste Kitzbühels während des Hahnenkamm-Wochenendes liest sich wie das Who’s who des internationalen Jet-Sets. Hier gleich mal drei Antworten (v. re.): Hans Hinterseer mit Gattin Romana. Und der Herr mit der Nase ist der Ehemann von Fiona Swarovski.

Stadt. Ein Wodka-Red Bull kostet dort 12,80 Euro.

Thaddäus Schwabl 19. März 1937

Bernhard Perren 17. Jänner 1953

03:03:20

03:53:10 BILDER: SEAN GALLUP/GETTY IMAGES, ARCHIV URBI, KITZBÜHELER SKI CLUB

Der SEIDLALM-SEE wurde 1994 angelegt, um die künstliche Beschneiung der Streif zu garantieren. Heute leben darin Fische, die aber niemand fischen darf.

IAN FLEMING, Erfinder von James Bond, verbrachte Jahre seiner Jugend im Kitzbühler Hotel Tiefenbrunner.

BILDER: ERNST KAINERSTORFER/PICTUREDESK; ILLUSTRATION: NOA WEISSMANN

45.

41.

DOSSIER

BILDER: LUFTBILDSERVICE REDL/PICTUREDESK, HEINZ S. TESAREK

From Kitzbühel with Love.

02:54:50

03:36:00 Karl Feix 8. März 1947

02:57:10

03:14:10

1937

’47 ’48 ’49

Anderl Molterer 15. Jänner 1955

02:47:90 Christian Pravda 23. Jänner 1954

Thaddäus Schwabl ’51

02:40:70

Egon Zimmermann Karl Schranz 19. Jänner 1963 22. Jänner 1966

02:22:66

02:16:63

02:46:20

Christian Pravda 9. Februar 1951

Edi Mall 13. März 1948

Anderl Molterer 18. Jänner 1958

’53 ’54 ’55

02:26:10 Adrien Duvillard 16. Jänner 1960

02:33:40 Bud Werner 17. Jänner 1959

’58 ’59 ’60

02:11:92 Jean-Claude Killy 21. Jänner 1967

’63

’66 ’67

19.12.2007 16:57:12 Uhr


51 79. WAS MeINt Der rUSSe, WeNN er SAGt: Wichtige redewendungen für den kontakt mit investmentaffinen Gästen.

„Сколько стоит этот кpестьянcкий двoр?“

„Сколько стоит Ваша гостиница?“

„Was kostet dieser bauernhof?“

„Wie viel kostet ihr hotel?“

„Десять бутылок шампанского, быстро!“ [Des-

„Эта икра прогорклая!“

[Skol’ko stoit ėtot krest’janskij dvor?] =

jat’ butylok šampanskogo, bystro!] =

„10 Flaschen champagner, aber schnell!“

[Ėta ikra progorklaja!] =

„dieser kaviar ist ranzig!“

„Сколько стоит эта гора?“

„Дайте тысячу литров керосина!“

„Wie viel kostet dieser berg?“

„1000 liter kerosin, bitte!“

80.

85.

[Skol’ko stoit ėta gora?] =

Die StreiF heiSSt StreiF nach jenem Westendorfer Bauern, der die Alm seinerzeit bewirtschaftete. Ein orthografischer Fehler? Der Bauer hieß Straiff.

81.

Schwerarbeit auf der Streif verrichtete 1994 der damalige Gesundheitsminister michael aUSSerWinkler – er war im dichten Schneetreiben für einen Pistenarbeiter gehalten worden. Ausserwinkler schaufelte trotzdem fleißig.

82.

Noch härter wurden 1957 die pioniere deS bUndeSheereS in die Pflicht genommen: Sie schleppten Wasser in Milchkannen auf die Piste, um sie zu vereisen.

83.

Der hÖchSte Speed auf der Streif wurde 2006 gemessen: Michael Walchhofer kam im Zielhang auf 153 km/h.

84. Bild: KitZBÜHeler sKi cluB

[Skol’ko stoit Vaša gostinica?] =

der name kitzbÜhel hat übrigens rein gar nichts mit Paarhufern zu tun, sondern mit „Chizzo“. So hieß jene bayrische Sippe, die sich hier in den Anfängen des Ortes auf einer Anhöhe („Bühel“) ansiedelte.

AIO_50-51_Dossier_Kitzbühel.indd 51

[Dajte tysaču litrov kerosina!] =

Mit dem heutigen Material und modernster Pistenpräparierung könnte die StreiF in 1:30 minUten gefahren werden. Dazu müsste aber nahezu in der Falllinie gesteckt und durchgehend Highspeed gefahren werden.

86.

Die zUletzt erFolGreichSten kitzbÜhler WinterSportler waren: Alexander Koller (Snowboard), Klaus Sammer (ebenfalls Snowboard) und David Kreiner (Nordische Kombination).

87.

Der erste Trickser, der sich in den Kitzbühler SportAnnalen findet, war Sepp klinGler (Bild). Zu einem Rennen in St. Moritz trat er mit einem aerodynamisch besonders wertvollen Rucksack an.

88.

Und noch eine Kitzbühlerin sorgte für Furore: GrÄFin paUla lamberG war so um 1907 ein Skisprung-Ausnahmetalent, auch wegen ihres Materialeinsatzes: Sie sprang mit wehenden Röcken, was ihr enormen Auftrieb verlieh. International wurde sie als „fliegende Gräfin“ bekannt.

89.

Und noch mal Stephan eberharter, 2004: Beim StreifAttack-Golf schlug er gleich beim ersten Abschlag über die Mausefalle ein Hole-in-one.

90.

Die billiGSte GolFclUbmitGliedSchaFt in kitzbÜhel gibt’s beim GC Rasmushof – sie kostet 790 Euro im Jahr. Der Golfplatz liegt immerhin im Zielhang der Streif.

95.

2002 wurde der alkoholaUSSchank unter freiem Himmel ab Mitternacht verboten. FIS-Chef Gianfranco Kasper hatte sich zuvor über die vielen Alko-Leichen in der Innenstadt empört.

96.

In der Nacht werden im GSchÖSS und am Lärchenschuss die Absperrungen für den Wildwechsel geöffnet.

91.

97.

92.

98.

In Kitzbühel gab es noch nie eine alpine Ski-WeltmeiSterSchaFt. Aus Sicht der Stadtverantwortlichen hat die Stadt derartige Werbung auch gar nicht nötig. toni Sailer JUnior trat in 25 Filmen auf, darunter in Klassikern wie „Tante Trude aus Buxtehude“ (1971), „Verliebte Ferien in Tirol“ (1971) und „Das große Glück“ (1967). Außerdem war Sailer auch am Theater engagiert, etwa in „Tod eines Handlungsreisenden“ von Goldoni.

93.

Die Streif liegt Ende Jänner bereits ab 12 Uhr mittags im Schatten.

Im Sommer blühen auf der Streif Wilder Thymian, Schusternagel, Arnika, Schwarzes Kohlröschen, Purpur-Enzian und Knabenkraut. Edelweiß findet man jedoch nicht. Seit 1997 gibt es einen beheizten WarteraUm im Starthaus.

99.

die SUmme aller Streif-Rennen zwischen 1955 und 2003 (52) plus die geringste Anzahl an Teilnehmern, die je bei der Abfahrt angetreten sind (43), plus die Anzahl der Rennen, bei denen sämtliche Läufer ins Ziel kamen (5), plus die durchschnittliche Temperatur im Ziel des Slaloms ergibt: 99!

94. kItZBÜHLerISCH fÜr eINSteIGer dialekt aus dem Unterland – aufgeschnappt am pistenrand.

A boisl: „Giadei! Tua nid a so dammisch uschutzn. Woat liawa a boisl!“ = „immer mit

Aschling: „Bualein! Lass an Bügel nid laus, sist foahrst aschling d’ Liftspur oichi!“ =

der ruhe! Geh nicht so wild mit den

„Junge! lass den bügel nicht los sonst

Skistöcken zu Werke, lass dir

fährst du verkehrt herum die liftspur

lieber zeit!“

A Gschtess: „Die oite Schneisn is schiaga oiwei a Gschtess! Bei den Roah hoist da an Kniaschnaggla.“ = „die alte Schneise ist fast immer sehr ruppig zu fahren. nach diesem hang zittern dir die knie.“

Awa: „Feascht war die Hausbergkantn vui z’ awa zen foahrn.“ = „Voriges Jahr war die

runter!“ (das

Gegenteil: „fischling“ = vorwärts)

Bärig: „Da Koasa mitn s’ Na schaugg heit wieder bärig aus und d’ Leit machend an Halligalli mid eanare Schoipal und Tuschglockn.“ = „der Wilde kaiser mit dem neumond sieht heute wieder prächtig aus, und die leute machen Stimmung mit ihren kleinen und großen kuhglocken.“

hausbergkante zu aper, um befahren zu werden.“

19.12.2007 14:48:22 Uhr


RISKIEREN SIE EINEN SEITENBLICK … … UND FLIEGEN SIE NACH MADRID. Testen Sie das Seitenblicke Magazin, und sichern Sie sich zwei Tickets für die Red Bull X-Fighters in Madrid! Im Juli 2008 ist es wieder so weit: Die besten FMX-Piloten der Welt geben sich bei den Red Bull X-Fighters in Madrid ein Stelldichein. In der Plaza de Toros de Las Ventas werden spektakuläre Zweikämpfe ausgetragen und klassischer Stierkampf mit Freestyle Motocross vereint. Und mit etwas Glück sind Sie bei diesem Spektakel live dabei! Holen Sie sich einfach Ihr Seitenblicke-Testabo (8 Hefte um nur 9,90 Euro) mit unten stehendem Coupon oder auf www.seitenblicke.at, und nehmen Sie automatisch an der Verlosung teil (verlost werden 1× zwei Tickets inkl. Flug und Hotelaufenthalt, Einsendeschluss ist der 4. 2. 2008).

8 Hef um n te ur

9,90 €

G:Cw: O:AAL:< :G E;:>;I 6J; 9 :C GJ=B I>B B tAO:G B:>C L:> =C68=IHB:Cz 9DCC?:9:C : C:JG HI6< NR . 44,

13. DE ZEM

CG# ))! &(# 9:O :B7:G '%%, Ã ? :9:C 9DCC:GH I6< C:J Ã JC9 It<A>8= 6J; LL L#H:>I:C7A >8@:#6I

FOTOS: CHRISTIAN PONDELLA, DEAN TREML / RED BULL PHOTOFILES

BER 200 7, ÖSTER

Da s öster

REICH 1,9

reich ische

0 %, DEU

TSC HL AN

So ciety- un

D 2,50 ,

d Lifest yle

ITALIEN

2,90

C69>C: L6<A:G Õ>8= L>AA H6 :>C: :M";G6J IG:;;:CÅ

SKI, 42 MARIN A GIORI, 6

P.b.b. GZ 03Z034

@HD8>>I:ION

Coupon ausfüllen und an Abo-Service Seitenblicke Magazin, Postfach 7, 1141 Wien, schicken oder an 01/91 07 62 97 faxen. Sie können auch ein Mail mit dem Kennwort „Red Bull X-Fighters“ an abo@seitenblicke.at senden. Ausfüllen, ausschneiden, gewinnen.

✁

❑ JA, ich bestelle das Seitenblicke-Testabo (8 Ausgaben)

-M agazin

>C

FIONA S WA R OV

Bestehende Abonnenten nehmen automatisch am Gewinnspiel teil. Die Teilnahme ist auch ohne Abobestellung bei gleicher Gewinnchance möglich! Infos und Teilnahme auf www.seitenblicke.at

2

9>: <:=:>BC>HH : 9:G

953W, Ver

E:I: 9D=:GIN >HI L>8=I><4 E 6JA BX86GIC I:NG>;;I LD BJHL:G H B6C 967: 9 6H >HI GD8@ ÈC / > H:>C4 È GDAA L :B < := yG :C 9>: I:J:GHI:C K>AA:C 1x1_redbulletin_0108.indd 1 4 C>

um nur 9,90 Euro und nehme am Gewinnspiel teil. (Bestehende Abonnenten nehmen automatisch am Gewinnspiel teil.)

Name: Adresse: Telefon: Unterschrift:

Infos zum Testabo und zum Gewinnspiel auf www.seitenblicke.at

lagsposta

mt, 1140

Wien

14.12.2007 13:11:54 Uhr


Disco, 100 Grad. Wenn Sie möchten, dass Ihr Wohnzimmer kocht wie dieser Musiktempel, folgen

action Sie bitte den sachdienlichen Remix-

Hinweisen von Rodney Hunter, Seite 64.

Was wir Ihnen in diesem Monat ans Herz legen

Aufsteigen Auf den Kondensspuren des Red Bull Air bild: Jan Bitter

Race: Das Red Bulletin geht in die Luft. Im Cockpit ist ein Platz für Sie reserviert. Seite 54

Aufkochen Meisterkoch Eckart Witzigmann setzt dem Tiroler Knödel eine Haube auf. Seite 58

AIO_53_Action_Inhalt.indd 53

AUFGEIGEN

Der Tipp für alle, denen es im Winter auf der Piste zu unspektakulär, in der Loipe zu streng und auf den zugefrorenen Teichen zu walzerhaft zugeht: Das Snowmobile ist die perfekte winterliche Adrenalintankstelle. Seite 60

AUFSPIELEN

Wer auf der Party Kaiser sein will, bastelt sich seinen Soundteppich selber. An den Reglern zeigt Koryphäe Rodney Hunter, wie der korrekte Remix entsteht. Seite 64

NIEDERBRECHEN

Vor der Schönheit der Insel Réunion, die der liebe Gott im Indischen Ozean verankert hat. Seite 70

19.12.2007 15:03:54 Uhr


54

Der Pilot Reporterin Žele und Pilot Dolderer bei einem Looping ßber dem Flachgau, Dezember 2007.

AIO_54-57_Action_AirRace.indd 54

19.12.2007 15:32:56 Uhr


Red Bulletin-Reporterin Nadja Žele war lang genug schreiben-

ich AIO_54-57_Action_AirRace.indd 55

des Bodenpersonal. Dann wollte sie wissen, wie sich 6g im Cockpit eines Red Bull Air RaceFliegers anfühlen. Bitte sehr. TEXT Nadja Žele BILDer markus kuČera

19.12.2007 15:32:58 Uhr


56

the red bulletin

A

lles okay, Nadja? Geht’s gut?“ Die Frage Matthias Dolderers, des Piloten im Cockpit hinter mir, dringt im Minutentakt an meine Ohren. „Alles okay.“ Nur nicht viel reden. Das zu­ sammengefaltete Speibsackerl rechts neben mir soll dort bleiben, wo es ist. Da treffe ich wahrscheinlich sowieso nicht rein. Egal. Ich muss mich konzentrieren. Die Erde im Blick behalten, damit ich die Orientierung nicht verliere. „Bereit für die Knife Edge?“, fragt Matthias. – „Okay, versuchen wir’s …“ – „Schau einfach nach links.“ Der Flieger kippt aus der Horizontallage 90 Grad weg, mein angegurteter Körper plumpst nach. Ich warte auf eine Reaktion. Nichts. Mein Magen verhält sich unauffällig. „Alles okay?“ – „Okay.“ – „Bereit für Inverted?“ – „Passt.“ Matthias dreht das Flugzeug eine Viertelumdrehung weiter, bis es auf dem Rücken liegt. Die Welt steht kopf, das Sichtfeld ist schmäler. Jetzt wird mir sicher gleich übel. Eine Woche zuvor im Wiener Büro. Mittagszeit. Ich kaue gerade an einem Zie­

Action

Das sind Körperbelastungen, die NichtRennpiloten schwerlich nachvollziehen können. Wie fühlt es sich an, wenn 10g, die zehnfache Erdanziehung, auf einen wirken? Wenn, mathematisch gesehen, ein Kleinwagen auf der Brust parkt? Peter Besenyei, Red Bull Air Race-Pilot der ersten Stunde, hat mir erklärt, was er empfindet, wenn er mit knapp 400 km/h durch den Pylonen-Slalom wedelt. Die schnellen Richtungswechsel, sagte er, würden einem Normalsterblichen Blackout, vielleicht sogar Ohnmacht bescheren. Und das will ich mir jetzt antun? 28. November 2007. Vor mir steht der Mann, in dessen Hände ich gleich mein Leben legen werde, Matthias Dolderer. Durch die Adern des 37-Jährigen fließen neben der Blutgruppe B+ auch 23 Jahre Flugerfahrung. Er ist im Red Bull Air Race als Media-Flight-Pilot tätig, zudem Kunstflugpilot, Flugplatzbetreiber und Fluglehrer. 2007 hat er Gästen und Journalisten gezeigt, wie sich Air Racing anfühlt. Kreide­bleich und zittrig waren sie. Davor

Mehr als 8G fliegen wir nicht. Zu zweit ist das die Grenze. lass einfach locker. genkäse-Rucola-Roggenweckerl, als ein neues Mail in den Posteingang flattert. „Betreff: Mitmachgeschichte für Heft Nr. 3. Wir haben für dich eine schnelle Runde im Red Bull Air Race-Flieger gebucht – du bist ja unsere Expertin fürs Rennfliegen.“ Wie? Was? Das Weckerl in meiner Hand wird zum Laib Brot (4g? Mindestens!), mein Herz pumpt schneller. Ich im Red Bull Air Race-Flieger? Zuschauen und darüber berichten, das konnte ich die ganze vergangene Saison, aber mitfliegen? Bisher war niemand auf die Idee gekommen, mich einzuladen. Mir war’s nicht unrecht. Vor der Macht der Erdanziehung hatte ich immer schon großen Respekt.

AIO_54-57_Action_AirRace.indd 56

Jänner 2008

und danach. Matthias Dolderer sieht das easy: „Die meisten steigern sich zu sehr hinein. Dass ihnen schlecht ist, ist psychisch bedingt.“ Ich versuche locker zu bleiben. Mein Mund wird trocken, die Augen größer. „Brot mit Butter und Honig, dazu eine Tasse Kaffee. Das Ganze vor vier Stunden. Passt das eh?“ Matthias lächelt. Meine 1,58 Meter sind in einen feuerfesten Anzug gepackt, auf meinem Rücken hängt ein Fallschirm. Auf dem heiSSen sitz. Mein Herz schlägt wild, dann wieder nicht, dann wieder wie verrückt. Ich meditiere im Cockpit der

Briefing vor dem Abheben. Pilot Matthias Dolderer schnallt mir den Fallschirm um, platziert mich im Flieger und informiert mich ganz beiläufig, wie man eine Ohnmacht verhindert: „Die Muskeln möglichst fest anspannen, dann schießt das Blut nicht zu schnell aus dem Kopf.“

Extra 300LP. Das Flugzeug wird hauptsächlich in der Kunstfliegerei eingesetzt und wäre mit einem Leergewicht von 660 Kilo im Air Racing nicht konkurrenzfähig. Der Edge 540 Einsitzer, auf den im Red Bull Air Race fast alle Piloten vertrauen, ist 130 Kilo schlanker. Matthias zieht den Sicherheitsgurt fest und erklärt mir, wie ich mich im Notfall befreien kann. „Wenn ich dann hinausspringe, springst du einfach hinterher.“ Sehr lustig. Er macht noch die letzten Checks, erklärt mir die Anzeigen im Cockpit und sagt, dass ich mich überall, nur nicht am Gashebel links neben meinem Knie festhalten kann. Take-Off. 13.30 Uhr, Flughafen Salzburg. Wir rollen vom Hangar-8 auf die Startbahn. „Delta November Alfa, cleared for take-off, runway one six“, tönt es aus dem Headset meines Helms. Und schon heben wir ab, bei 125 km/h. Fünf Minuten später über Eugendorf im Salzburger Flachgau, 47° 52' Nord, 13° 07' Ost. Vor mir bewegt sich der Steu-

19.12.2007 15:33:09 Uhr


Action

Jänner 2008

the red bulletin

57

Illustrationen: Carlos Coelho

Schräger Flachgau. Die Landschaft ändert sich im Sekundentakt. Mal sind die Berge vorn, mal unten, hinten, dann links, rechts. Vertikalflug, Rückenflug, Rollen, Loopings, 90-Grad-Kurven – Red Bull Air Race ist alles andere als ein gemütlicher aeronautischer Ausflug.

erknüppel. Wäre ich Copilotin, dürfte ich jetzt übernehmen und auch ein paar Rollen und Loopings fliegen. „Nadja: bereit für eine Half Cuban Eight?“ – „Okay.“ Matthias zieht die Nase des Fliegers nach oben, zuerst sachte, dann geht alles sehr schnell. Auf meinen Körper legt sich plötzlich eine unsichtbare Last, die Lippen wandern zu den Ohren, die Augen ziehen sich tief in ihre Höhlen zurück. Wow, ich möchte Air Race-Pilotin werden! „Wie viel g waren das?“ – „Um die 6g.“ Mickrig. Etwas mehr als die Hälfte dessen, was Air Racing-Piloten erleben. „Machen wir eine Gate Simulation ohne Gates?“ – „Durch die Pylonen? Dann seitlich? Ganz schnell?“ – „Ja, los geht’s!“ Das Tempo, der Druck, das abgehackte Fliegen. Plötzlich blitzen vor meinen Augen schwarze Punkte in Sternform auf. „Geht’s gut?“ –„Geht schon. Du, ich glaube, ich habe genug. Fliegen wir lieber zurück.“ Als das Flugzeug wieder horizontal liegt, taucht plötzlich Peter Besenyei vor meinem inneren Auge auf. Er zieht seine Maschine hoch, presst die Lippen zusammen und bläst seine Backen auf, wie ein Kugelfisch. Geschafft! ♉

Flugmanöver

tolle rollen Im Red Bull Air Race werden auch Elemente aus der Kunstfliegerei eingesetzt. Das Rauf und Runter ist eine spezielle Herausforderung für den Körper.

Horizontal roll Statt der vertikalen Rolle (vertical roll) wie im Rennen wird beim Media Flight die waagrechte geflogen. Während der horizontalen Rolle geht es in den Negativbereich der Schwerkraft. Das Blut strömt kurzzeitig Richtung Kopf.

Half Cuban eight Bei der halben kubanischen Acht wechseln sich positive und negative G-Kräfte ab. Der Körper fühlt sich schwer und dann wieder leicht an.

Pull-up Je höher das Tempo, desto fester wird man bei dieser Steigvariante in den Sitz gedrückt. Nicht nur die Gesichtshaut, auch das Blut zieht es nach unten.

Kick-off der Red bull air race world series:   10. und 11. April 2008, Abu Dhabi

AIO_54-57_Action_AirRace.indd 57

19.12.2007 15:33:12 Uhr


58

ACTION

THE RED BULLETIN

JÄNNER 2008

Witzigmanns Welttournee (3): Wie die einfachsten Spezialitäten mit den richtigen Handgriffen zur Delikatesse werden. Station des Monats: Kitzbühel. TEXT CHRISTIAN GRÜNWALD BILDER MANFRED KLIMEK

ILLUSTRATION: MARTIN UDOVICIC

MEINE TIROLER KNÖDEL Die Zutaten FÜR 4 PERSONEN

250 g Weißbrotwürfel, 3 Eier, 125 g Sauerrahm, 125 g Joghurt, 100 g Zwiebeln (kleinwürfelig geschnitten), 50 g Bauernspeck (kleinwürfelig geschnitten), 50 g geräucherte Wurst (kleinwürfelig geschnitten), 35 ml Milch, Salz, Muskatnuss, 4 EL gehackte Petersilie, 10 g Butter

ECKART WITZIGMANN, 66, wurde aufgrund seiner außergewöhnlichen Karriere als Küchenchef zum „Koch des Jahrhunderts“ gewählt. Der Österreicher verantwortet das kulinarische Programm des Restaurants „Ikarus“ im Hangar-7 in Salzburg.

FÜR DIE RINDSUPPE

½ Zwiebel (mit Schale), 4 Markknochen, 800 g Rindfleisch (z. B. Brust, Schulter oder Beinfleisch), 1 Suppengrün, Salz

Die Zubereitung FÜR DIE SUPPE die Zwiebelhälfte in einer eingefetteten Pfanne auf der Schnittfläche dunkel anbräunen (dadurch erhält die Suppe eine kräftigere Farbe). Fleisch und Knochen in einen Topf geben und mit etwa 3 Liter kaltem Wasser aufgießen. Langsam aufkochen und bei kleiner Hitze 2 bis 2½ Stunden leicht köcheln lassen. Den aufsteigenden Schaum immer wieder abschöpfen. Erst in der letzten ½ Stunde der Kochzeit das Gemüse beigeben. Vor dem Servieren mit Salz abschmecken. FÜR DIE KNÖDEL Butter in einer Pfanne erhitzen, Speck- und Wurstwürfel darin

AIO_58-59_Action_Witzigmann.indd 58

anbraten. Zwiebeln zugeben und glasig anschwitzen. Zum Schluss die gehackte Petersilie zugeben. Pfanne vom Herd nehmen und abkühlen lassen. Brotwürfel in eine Schüssel geben, mit Eiern, Sauerrahm, Joghurt und Milch verrühren. Speck-Wurst-Mischung zugeben, mit etwas Salz und frisch geriebener Muskatnuss abschmecken. Mindestens 30 Minuten ziehen lassen. Aus der Masse mit feuchten Händen Knödel formen. In zart wallendem Salzwasser etwa 15 Minuten (abhängig von der Größe) kochen lassen. Knödel in der Rindsuppe anrichten.

Tiroler „Koscht“ DER TIROLER KNÖDEL ist so etwas wie der Ötzi der heimischen Kulinarik. Die ersten „Knödelfunde“ datieren Kulinar-Archäologen zufolge aus jungsteinzeitlichen Pfahlbaudörfern am Mondsee. Die erste bildliche Darstellung aus dem Jahre 1180, zu sehen in einer Kapelle im Südtiroler Hocheppan, zeigt auf einem Fresko Maria im Kindbett zusammen mit einer Magd, die eine Pfanne mit fünf Knödeln hält. Über die Fülle weiß man nichts. Vielleicht hat man damals auch schon die Brotmasse mit rustikalem Speck vermischt. Eckart Witzigmann verändert die Grundrezeptur, indem er die Hälfte vom Speck mit geräucherter Wurst (zum Beispiel Braunschweiger) ersetzt. Das gibt mehr Würze und erleichtert insgesamt. Beim Knödel ist allein schon die Wahl des Brots von entscheidender Bedeutung. Altbacken muss es sein, also einen Tag alt. Frisches Brot ergibt keine homogene Masse. Ganz altes Brot benötigt unerwünscht viel Feuchtigkeit in Form von Eiern oder Milch. Witzigmann bringt die Kraft der regionalen Tradition mittels moderner Finesse auf den Punkt. Mit etwas Joghurt und Sauerrahm werden die Knödel ungleich flaumiger und leichter als die schweren Kanonenkugeln der Vorväter. Wenn der Teig zu weich ist, zerfallen die Knödel im siedenden Salzwasser. Ist er jedoch zu hart, werden es keine richtigen Knödel. Darum muss man die im Rezept beschriebene Masse zumindest eine halbe Stunde, besser noch länger, ziehen lassen. Dann wird nötigenfalls die Konsistenz feinadjustiert: Mehl und/oder Brotbrösel für mehr Bindung, Milch für ein Mehr an Feuchtigkeit. Das Kochen eines Probeknödels ist immer eine gute Idee. Auch dabei ist ein gewisser Gleichmut von Vorteil: Nicht auf Vollgas, sondern nur bei moderater Hitze leicht siedend sollte sich das Kochwasser präsentieren. Wie man in Tirol Knödel essen muss: Im Idealfall schwimmen sie kugelrund und dottergelb in kräftiger Rindsuppe. Ein zarter Druck mit der Gabel muss genügen, einen Knödel zu teilen. Ihn mit dem Messer zu halbieren wäre eine Beleidigung des Kochs, der dann denken müsste, dass ihm unabsichtlich ein hart gekochtes Monster aus der Küche entwichen ist. ♉ ALPINER SKIWELTCUP 2008: HAHNENKAMMRENNEN, 18. BIS 20. JÄNNER, KITZBÜHEL

19.12.2007 15:33:08 Uhr


59

Tiroler Knödel schwimmen gerne in Suppe. Man serviert sie aber auch mit Schwammerlsauce oder Sauerkraut.

Witzigmanns Empfehlung

Fleisch und Knochen mit kaltem Wasser langsam zum Kochen bringen.

Die angebratene Zwiebel und das Suppengemüse bringen Farbe und Aroma.

Für die Knödelfülle zuerst Speck und Wurst, dann auch Zwiebeln anbraten.

Die Knödelmasse mindestens 30 Minuten, besser noch eine Stunde ziehen lassen.

AIO_58-59_Action_Witzigmann.indd 59

Die Suppe erst am Schluss mit Salz abschmecken. Das Fleisch kann extra serviert werden.

So sieht’s besser aus: reichlich gehackte Petersilie zur Speckmasse geben.

Etwas für die Optik: Kleine Knödel wirken adretter eals handtellergroße Exemplare.

Auch Profis kochen zuerst einmal einen Probeknödel. Das Wasser darf nur zart wallen.

ETWAS SAUERRAHM UND JOGHURT MACHEN DIE KNÖDEL VIEL FLAUMIGER. DAS HAT ZWAR WENIG MIT DER ORIGINALREZEPTUR ZU TUN, SCHMECKT ABER UMSO BESSER. WER VIEL SKI FÄHRT, BRAUCHT AUCH WAS G’SCHEITES ZU ESSEN. DAS MUSS ABER NICHT UNNÖTIG SCHWER SEIN, WESHALB DER SPECKANTEIL ZUR HÄLFTE DURCH WURST ERSETZT WIRD.

19.12.2007 15:45:55 Uhr


DAUMEN DRÜCKEN! ES Y

AN! C U O Y

1 Kette, 2 Kufen, 70 PS. Die schnellste Art, im Winter Spaß zu haben: Wir fahren Motorschlitten.

AIO_60-65_Action_Skidoo.indd 60

19.12.2007 15:44:05 Uhr


THE RED BULLETIN

Beschleunigte Winterlandschaft auf

hinter lustigen Maschinen herwehen,

tollt das Red Bulletin mit dem Ski-Hund.

AIO_60-65_Action_Skidoo.indd 61

S

ie kennen es aus dem Skiurlaub, wenn Wirte damit über die Piste brettern, um das Bier auf die Hütte zu bringen. Oder wenn Touristen mit ihm ins Tal geführt werden, weil sie die letzte Abfahrt mit gebrochenen Knochen halt doch nicht mehr hinkriegen. Auch James TEXT CHRISTOPH RIETNER BILDER MICHAEL ALSCHNER Bond schnappt sie sich immer wieder gern, um Ganoven durch Schneelandschaften zu jagen: Snowmobiles, auch Schneemobile oder Motorschlitten genannt. Während sie in Kanada und den skandinavischen Ländern als Fortbewegungsmittel anerkannt sind, dienen sie in Mitteleuropa großteils noch als Arbeitsgerät. Gleichzeitig werden aber gerade auch ihre spektakulären Renn- und Freestyle-Eigenschaften entdeckt. Eigentlich ist das Snowmobile ein armes Ding. Es geht ihm ähnlich wie Taschentuch, Wundpflaster und Inlineskates: Es hat mit einem Begriffsmonopol zu kämpfen. 1922 baute Joseph-Armand Bombardier das erste Snowmobile und nannte es „Ski-dog“. Daraus wurde durch einen typografischen Fehler „Ski-doo“, ein Name, den das Schneemobil bis heute nicht losgeworden ist, obwohl es mittlerweile vier große Hersteller gibt. Bevor Sie nun selbst auf eines aufsteigen, muss die Adjustierung passen. Winterfeste Kleidung ist Pflicht, das Schuhwerk sollte wasserabweisend sein. Snowboardboots sind perfekt, weil sie auch Schutz vor Geäst bieten. Mit Skischuhen werden Sie nur wenig Freude haben, weil sie zu klobig und rutschig sind. Den Oberkörper schützt ein Brustpanzer. Bei Abflügen SNOWMOBILE werden Rippen, Ellbogen, SchulNervenkitzel ●●●●● tern und Rücken geschützt. HelGefährlichkeit ●●●●● me sind selbstverständlich ebenFitnessfaktor ●●●●● so Pflicht – man beißt schneller in den Lenker, als einem lieb ist. Es empfiehlt sich einer aus dem Motocross-Regal, da man problemlos Schneebrillen fixieren kann, die bei den hohen Geschwindigkeiten optimalen Schutz vor Schneekristallen und Fahrtwind bieten. Wenn Sie die gesamte Ausrüstung angelegt haben, werden Sie sich nicht nur

Knopfdruck: Wenn bunte Menschen

Ein Fahrbericht.

61

19.12.2007 15:44:06 Uhr


THE RED BULLETIN

wie ein riesiger Marshmallow fühlen, sondern auch schon ganz gut ins Schwitzen gekommen sein. ANHALTEN. Dabei gehen die Anstrengungen jetzt erst richtig los. Das Snowmobile muss gestartet werden. Leider nicht bei jedem Modell per Elektrostarter, sondern meist mit einem Seilzug, der ordentlichen Kraftaufwand erfordert. Nach drei, vier Zügen sollte das Ding anspringen, und das Aufheulen des Motors wird Sie vermuten lassen, dass Sie auf keinem Spielzeug sitzen. Snowmobiles gibt es von 340 bis 1300 Kubikzentimeter Hubraum, sie wiegen rund 200 Kilo. Anfänger sollten sich mit 570 ccm begnügen, das geht schon recht ordentlich. Die luftgekühlten Zweitaktmotoren produzieren 70 PS und beschleunigen die Schlitten von null auf hundert in gut fünf Sekunden. Die Motorleistung wird per Keilriemenautomatik und Fliehkraftkupplung auf eine zirka 40 Zentimeter breite Antriebsraupe übertragen, wie man sie auch von Pistengeräten oder Panzern kennt. Beim Snowmobile ist sie aus Gummi, was guten Grip sowohl auf eisigem Untergrund als auch im Tiefschnee garantiert. Gas gegeben wird nicht mit einem Wickelgriff wie bei Motorrädern, sondern mit einem Daumengashebel. Bereits beim ersten Drücken werden Sie merken, dass dieses System seinen Sinn hat, da Sie die restlichen neun Finger benötigen werden, um sich an den Griffen festzukrallen, damit Sie nicht vom Motorschlitten gerissen werden. Bei einem Drehgriff würde ein unvorbereiteter Fahrer das Gas nur umso weiter öffnen, je mehr er die Kontrolle verliert. Sollte es dennoch zur Trennung von Fahrer und Gefährt kommen, bleibt Letzteres nach wenigen Metern stehen, weil es mit Ersterem durch

SIE WERDEN DAS TEMPO BALD LIEBEN UND AUF IHREM SKI-HUND WIE EIN SCHNEEHUND DURCHS PULVER TOBEN.

ACTION

eine Totmann-Leine verbunden ist. Wird der Kontakt unterbrochen, stellt sich der Motor augenblicklich ab. Das schützt die Umgebung vor wild herumdüsenden herrenlosen Motorschlitten. STEHEN BLEIBEN. Geradeaus fahren sollte nun funktionieren, doch mit der ersten Kurve kommen auch die ersten Probleme. Gelenkt wird nämlich über zwei Hartplastikschienen, die auf dem rutschigen Untergrund nur bedingt Halt finden und anfangs in jede Richtung steuern, nur nicht in jene, die ein Anfänger anpeilt. Wieder ist Körpereinsatz gefordert, denn nur mit der richtigen Verlagerung Ihres Körpergewichts können Sie Kursänderungen bewirken. Sollte das nicht funktionieren und Sie die nächste Schneewechte ansteuern, wäre ein Bremsmanöver angeraten. Doch auch das birgt seine Tücken. Mit der linken Hand zieht man den Bremshebel, die Antriebsraupe blockiert. Sofortiges Anhalten bleibt ein Wunschtraum, da das Snowmobile mit Sicherheit noch ein paar Meter weiterschlittert. Vor allem bergab und auf schrägen Hängen wird es brenzlig, da das Gerät trotz angezogener Bremse schneller und schneller wird und Sie hoffentlich nur ins nächste Tiefschneefeld abdriften. Geschmeidige Verzögerung ist eine Kombination aus Vorausschauen, Bremsen und Lenken, fallweise auch Gasgeben, um durch gezieltes Übersteuern die gewünschte Fahrtrichtung zu erzwingen. Das freilich ist die hohe Schule, und bis Sie diese Tricks sicher beherrschen, sind zahlreiche Schweißperlen unter der Schneebrille garantiert, während Sie das 200-Kilo-Teil so weit aus den hüfthohen Schneemassen ziehen müssen, damit der Rückwärtsgang greift. Ein wahres Luxuselement an diesen Monstern und oft die letzte Rettung, um nicht wieder zu Fuß ins Tal gehen zu müssen. Sehr beliebt sind beheizbare Griffe und Gashebel, weil sie Finger vor Frostbeulen bewahren. Trotz einiger garantiert brenzliger Situationen werden Sie auf dem Snowmobile viel Spaß haben, das Tempo bald lieben und auf Ihrem Ski-Hund wie ein wildgewordener Schneehund durchs Pulver toben. Die Rechnung bekommen Sie am nächsten Tag präsentiert, wenn Ihre Bandscheiben und sämtliche Muskeln erklären, dass die Federung zwar ganz gut funktioniert, Ihr Körper aber dennoch mehr abbekommen hat, als Ihnen lieb ist. ♉ WINTER X-GAMES: 24. BIS 27. JÄNNER 2008, ASPEN, COLORADO

AIO_60-65_Action_Skidoo.indd 62

JÄNNER 2008

10 TIPPS VOM PROFI Daniel Bodin kann mit dem Snowmobile als Einziger einen 50-Meter-Backflip springen. Wir bitten den Weltrekordmann um seine Tipps:

1

Bevor du erstmals auf ein Snowmobile steigst, vergewissere dich, dass der Schlitten in Ordnung ist. Der Gummi auf der Raupe muss straff gespannt sein, und die Lenkkufen dürfen nicht locker sein.

2

Wie das Snowmobile muss auch deine Ausrüstung passen. Wichtig sind die richtigen Boots, ein guter Helm und Protektoren für Rücken, Schultern und Ellenbogen.

3

Wärm dich auf. Ein paar Dehnungsübungen und ein kleiner Lauf durch den Schnee ersparen dir den Muskelkater am nächsten Tag.

4

Auch das Snowmobile muss warm werden. Warte mit dem Losfahren, bis der Sled auf Betriebstemperatur ist.

5

Wichtig ist die richtige Position auf dem Schlitten: Du solltest bequem sitzen und die Arme leicht abgewinkelt haben, um die Bodenunebenheiten ausgleichen zu können.

6

Wenn du das erste Mal losfährst, tu dies langsam. Du musst dich gemächlich an den Speed herantasten. Wer gleich Vollgas gibt, wird vom Schlitten fallen oder im nächsten Baum landen.

7

Wenn du dein Tempo gefunden hast, versuche die ersten Kurven zu fahren. Hierbei ist wichtig, dass du dein Körpergewicht richtig verlagerst, sonst wird der Schlitten nicht das tun, was du willst.

8

Nun solltest du das Bremsen üben. Auch dabei musst du die richtige Dosis finden. Wenn du zu stark an der Bremse reißt, blockiert die Raupe, und du wirst das Heck nicht mehr kontrollieren können.

9

Erst wenn du die Grundkenntnisse beherrschst, kannst du dich in den Tiefschnee wagen. Du musst mehr Gas geben als gewohnt, damit sich die vorderen Kufen nicht im Powder vergraben.

10

Nun solltest du das Snowmobile einigermaßen beherrschen. Genieße die Geschwindigkeit und hab einfach nur Spaß. Vergiss dabei aber nicht, die Umwelt zu schützen. Meide Jungwälder und nimm deinen Müll wieder mit ins Tal.

DANIEL BODIN ist einer der besten Snowmobile-Freestyler der Welt. Der 23-jährige Schwede hat vor fünf Jahren mit dem Freestyle-Motocross begonnen und entdeckte ein Jahr später seine Liebe zu den Sleds. Im April 2007 stellte er einen neuen Weltrekord auf: In Alaska sprang er mit dem Snowmobile einen Backflip über 50 Meter. Seinen bisher größten Erfolg feierte er im Dezember mit dem Sieg beim Air & Style im Münchner Olympiastadion.

BILD: HEIKO MANDL/RED BULL PHOTOFILES

62

19.12.2007 15:44:13 Uhr


Feuer im Finger Der Daumenhebel sagt dem 70-PS-Motor, wie viel er arbeiten soll. Vorteil: Man kann nicht hängen bleiben. Goofys Kufen Geben die Richtung vor. Dazu müssen sie aber belastet werden. Daher: Gewichtsverlagerung!

MIT DIR FAHR ICH SCHLITTEN! Der Arctic Cat T570 aus Thief River Falls, Minnesota, um 7.500 Euro ist ein gutes Beispiel für Alleskönner im Schnee.

Raupe, bös Grip wie ein Panzer. Besteht aus Kunststoff. Achtung: lieber nicht drunterkommen!

Totmann Bei einem Sturz wird der Zweitaktmotor in der Sekunde abgestellt.

DRESS FOR THE MESS

Das Kaboing High-Tech-Knie für Bodenhaftung. Müssen auch bei Kälte funktionieren.

SKI-DOG

Es ist schwer, beim Snowmobilen keinen Spaß zu haben. Gut, man kann sich anhauen, erfrieren oder nix mehr sehen. Mit unserer Bedienungsanleitung lässt sich das aber leicht vermeiden.

Das ist der Urvater aller Motorschlitten: zwei zusammengehängte Schlitten mit Motor und Propellerantrieb. Der Ski-dog aus dem Jahr 1922 steht heute im Firmenmuseum von Bombardier.

LASSET UNS FETZEN! 1 Protektorhemd Schützt Rücken, Schultern, Arme.

4 Skibrille Beschlagfrei, langes Band.

AIO_60-65_Action_Skidoo.indd 63

2

3

Gore-Tex-Jacke Hält Wind und Schnee draußen.

Helm Aus dem Motocross-Regal.

5 Hurra: fertig! Und jetzt noch elegant aufsteigen. Unser Autor schafft das bravourös.

Höhepunkt der Snowmobile-Kunst: das Swatch Snow Mobile in Saalbach mit Webber, Klammer und Co.

HIER GEHT’S: Saalbach/Hinterglemm Snowmobil-City ist von Dezember bis März, bei entsprechender Schneelage, täglich von 15–22 Uhr geöffnet. Preis € 12,–/Person, Infos: 0664/844 43 23, office@snowmobil-city.at; www.snowmobil-city.at Katschberg-Rennweg Jeden Dienstag, auch Nachtfahrten möglich. Mindestens sechs Teilnehmer; Preis: € 15,–/Person Infos: 04734/33 00 rennweg-katschberg.tourist@ktn.gde.at www.katschberg-rennweg.at

19.12.2007 15:45:06 Uhr


64

AIO_64-68_Action_Remix.indd 64

19.12.2007 15:50:21 Uhr


MACH’S NOCH MAL, ROD YES

N!

A YOU C

Der Remix ist die Kunst, aus vorhandener Musik etwas ganz Neues zu machen. Der DJ und Produzent Rodney Hunter gehört zu den internationalen Größen dieser Kunstform. Er zeigt uns, wie’s geht. TEXT WALTER GRÖBCHEN BILDER UDO TITZ

Konzentriert. Unser Mann am Mischpult, Rodney Hunter.

AIO_64-68_Action_Remix.indd 65

19.12.2007 15:50:25 Uhr


66

THE RED BULLETIN

DIE RED BULL MUSIC ACADEMY veranstaltet seit 1998 jährliche Zusammenkünfte hochrangiger Szene-Musiker und betreibt über ihre Webpage eine Internet-Radiostation. Diese liefert einen erstklassigen Einblick ins aktuelle Musik geschehen, Schwerpunkt elektronische Musik, präsentiert ansprechende Musikprogramme und hält die Höhepunkte des von zahlreichen internationalen Stars gestalteten Programms auf Abruf bereit. redbullmusicacademy.com rbmaradio.com

D

er Ort der Verabredung ist Legende: Goldeggasse 1. Eine nicht unnoble Ecke gegenüber dem Wiener Belvedere. Hier liegt das G-Stone-Studio Richard Dorfmeisters, ein loftartiges Hybrid aus Partykeller, Home Office und Studio. Letzteres, ausgestattet mit mächtigem Mischpult, Röhrenverstärkern und dem üblichen folkloristischen Computer-Technologiepark, ohne den kaum eine Musikproduktion der Gegenwart auskommt, findet sich ein paar Kilometer Luftlinie weiter nochmals wieder. In annähernd identer Ausführung. In der Grundsteingasse in Ottakring, wo Peter Kruder zu Hause ist. Wenn er denn zu Hause ist. Die eine namensgebende Hälfte des Duos, das der Popkultur der neunziger Jahre seinen Stempel aufdrückte, residiert inzwischen vorzugsweise in Paris, die andere in Zürich. Nur gelegentlich treffen einander K & D noch, eher auf einem Flughafen in Fernost als im Zentrum der einst so mächtigen Achse zwischen Grundstein(jenem Ort, dem das K & D-Label den Namen verdankt) und Goldeggasse. Das hat Vorteile. Zumindest für Rodney Hunter. Dem es sichtlich leichtfällt, sich hier auszubreiten und die Schalter umzulegen, auf dunkelrot signalisierte

Getane Arbeit. Am Ende wird das Remix-Ergebnis auf CD geladen, was hübsche Mitbringsel ergibt.

einer Wienerin den Bass klopfte, oder Dr. Moreaus Creatures, mit denen man es immerhin zum ersten Plattenvertrag brachte, noch nicht den Durchbruch markierten. Noch. Man verlor sich nicht aus den Augen, als es richtig abging: Kruder & Dorfmeister hie, all over the world, eine

„THERE’S NOT A PROBLEM THAT I CAN’T FIX‚ ’CAUSE I CAN DO IT IN THE MIX.“ (INDEEP, „LAST NIGHT A DJ SAVED MY LIFE“) „On“-Stellung. Rodney Hunter kennt diese Maschinerie. Sie stand in einer rudimentären Spielzeugvariante schon im Kinderzimmer, in dem auch Nachbarsbub Peter ein und aus ging. Der Drang der „Original Bedroom Rockers“ Hunter und Kruder, der Musikwelt einen Haxen auszureißen, manifestierte sich schon früh. Wenn auch die ersten Anläufe mit Formationen wie der rotzigen Mordbuben AG, wo der Sohn eines US-Discjockeys und

AIO_64-68_Action_Remix.indd 66

Grammy-Nominierung, internationale Hits (wie Leena Conquests „Boundaries“) und unzählige Produzenten- und DJ-Jobs da. Zuletzt in Berlin, wo Rodney Hunter für Szenegrößen wie DJ Tomekk die Beats bastelte. Bis ihn Busenfreund Kruder einlud, doch gefälligst einmal etwas unter eigenem Namen zu machen. Für G-Stone. Das Resultat kann sich hören lassen: Da wurden zunächst die „Hunter Files“ aus der Schublade geholt, raffinierte Derivate

seiner langjährigen Studioerfahrung. Und jetzt macht Rodney mit dem pressfrischen „Hunterville“ auf dicke Hose. Das Album riecht förmlich nach Weltklasse. Kann man dieses Odeur übertragen? Die Frage ist natürlich polemisch. Aber sie rührt am Wesenskern einer Erscheinung, die die Pop- und Dance-Kultur der letzten drei Jahrzehnte prägte: des Remix. Ende der Siebziger tauchten die ersten „DiscoMixe“ auf, verlängerte, beat- und basslastigere Versionen von Chartstiteln, die mit dem Original noch strikt verzahnt waren. Mit der Blüte der elektronischen Musik und mit dem Aufkommen von HipHop, House, Techno, Dub und Drum ’n’ Bass geriet der Remix zur eigenen Kunstform. Namen wie Todd Terry, Norman Cook oder William Orbit wurden zu Trademarks. Werkschauen, etwa Kruders & Dorfmeisters „Sessions“ von 1998, waren vielfach gefragter als die Ausgangsmaterialien, sprich: die ursprünglichen Songs. Denn schnöderweise ist ein Remix nicht mehr,

19.12.2007 15:50:37 Uhr


ACTION

JÄNNER 2008

THE RED BULLETIN

67

Bumbumbum. Was Sie beim Remixen lernen: Töne können auch ganz hübsch ausschauen.

RODNEY HUNTER

JÄGER DES RICHTIGEN SOUNDS Rodney Hunter ist das heimische Paradebeispiel eines international vernetzten DJs, Produzenten und Musikers. Die Initialzündung lieferte Daddy Hunter: Der U.S.-ArmyOffizier war im Nebenberuf Discjockey. Und nahm den damaligen Stöpsel Rodney, heute 35 Jahre alt, eines Tages mit in den Club. „Ich war so klein, dass ich kaum übers DJ-Pult schauen konnte. Aber das Bild der glitzernden Discokugel an der Decke und jenes meines Vaters, der da mit dem Mikrofon einen auf Kurtis Blow machte und nebenbei James Brown und Chic droppte, war der ärgste Kick für mich.“ Anfang der Achtziger übersiedelten die Hunters aus den USA in die Heimatstadt der Mutter, nach Wien-Ottakring. Hier fand die praktische Sozialisierung des Musikers statt: zuerst als Bassist in einer proletarischen Proto-Punk-Band, der legendären Mordbuben AG. Ende der achtziger Jahre folgte die Spaß-Combo Dr. Moreaus Creatures, die sich bald als Ur-Keimzelle der Wiener HipHop- und Downbeat-Szene entpuppte: mit Peter Kruder, Martin Forster alias Sugar B. und Stefan Biedermann alias DJ DSL. „Weil uns die Geräte fehlten, konnten wir immer nur einzeln im Studio arbeiten“, bedauert Rodney Hunter

heute noch das frühe Ende dieser Formation, die exakt ein Album („Swound Vibes“) veröffentlichte. Das Ende der Moreaus geriet zum Auftakt für den Boom des sogenannten „Vienna Sound“. Peter Kruder gründete mit Richard Dorfmeister das Label G-Stone, das vier Stücke umfassende Debüt definierte einen fein ziselierten, innovativen Klangkosmos, und das Duo avancierte in der Folge raketenartig zu DJ- und Remix-Weltstars. Hunter selbst gründete mit dem Radiojournalisten Werner Geier das Label und Produzentenduo Uptight, das ebenfalls internationale Beachtung und Anschluss fand, von den Stereo MCs bis zur Thievery Corporation aus Washington, D. C. Nebenbei agierte Hunter als Produzent der Wiener HipHop-Formation Aphrodelics, die knapp an der Weltkarriere vorbeischrammte. Nach der Auflösung von Uptight 1999 wechselte der Groove-Spezialist für eine produktive Auszeit nach Berlin. Hier betreute er u. a. DJ Tomekk und Lil’ Kim. Nach dem Solo-Debüt „Hunter Files“ im Jahr 2004 legt Rodney Hunter nun sein zweites Album vor: „Hunterville“ ist ein spätes Paradebeispiel für weltläufigen, selbstbewussten und stilsicheren Dancefloor-Sound der „A“-Klasse.

3 ESSENZIELLE REMIX-ALBEN Mit Sicherheit bringt Sie unsere Auswahl auf gute Gedanken.

AIO_64-68_Action_Remix.indd 67

KRUDER & DORFMEISTER: THE K & D SESSIONS (1998)

DANGER MOUSE PRESENTS: THE GREY ALBUM (2004)

MICHAEL JACKSON: BLOOD ON THE DANCEFLOOR (1997)

Der prototypische 90er-Jahre-Lounge-Entwurf. Zugleich eine opulente Werkschau der Wiener Remix-Zauberer. Kurios: Ein „eigenes“ K & DAlbum existiert nicht.

Was passiert, wenn man illegalerweise das „Black Album“ von Jay-Z mit dem „White Album“ der Beatles kreuzt? Ein Culture Clash, der sich gewaschen hat. So tönt das Remix-Subgenre „Mash-up/Bastard Pop“.

„HIStory“ in the Mix: Das makabre Jacko-Déjà-vu verkaufte weltweit etwa sieben Millionen Kopien. Und darf somit als das erfolgreichste Remix-Album aller Zeiten gelten.

19.12.2007 15:50:49 Uhr


68

ACTION

THE RED BULLETIN

aber auch nicht weniger als „eine Neuabmischung eines noch zu veröffentlichenden oder schon veröffentlichten Musiktitels auf der Basis des Mehrspuroriginals“, wie man in der Online-Standardenzyklopädie liest. Was sagt der Experte? „Das Spannende am Remixen ist, dass man eigentlich nicht weiß, was man bekommt“, doziert Doc Hunter. „Weder als Konsument oder DJ, wenn man zum ersten Mal in eine Maxisingle hineinhorcht. Noch als Künstler, der den Remix in Auftrag gegeben hat.“ Natürlich drehe es sich auch darum, so der Produzent, der selbst schon dutzende Male sowohl als Auftraggeber wie auch Auftragnehmer zugange war, beidseitig Nimbus und Namen in die Waagschale zu werfen. Und eventuell eine blasse Vorlage mit deutlichem Signalwert aufzufetten. „Es geht beim Remixen nicht so sehr ums Geldverdienen“, so Rodney Hunter. „Mehr um Anerkennung, Kontakte und Netz-

werke. Und um Wiedererkennungswerte für die Musiker- und Fangemeinde.“ Dass selbst Größen wie David Bowie oder Peter Gabriel heute zu Remix-Contests einladen, sei ein Zeichen der Zeit. „Schwer zu sagen, ob es überhaupt noch ‚definitive‘ Originale gibt. Unzählige Versionen eines Songs sind letztlich auch der Versuch, mit relativ wenig Risiko und Einsatz Markenpflege zu betreiben.“ Der Nachteil: eine gewisse Übersättigung des Marktes. Wie lange dauert eigentlich der RemixProzess? „Das Arbeiten mit den modernen Studio-Tools ist recht einfach geworden. Fast schon zu einfach.“ Hunter zuckt die Achseln. „Die Leute sind handwerklich nicht mehr so gut. Früher brauchte man Stunden, um mit einer Bandmaschine einen Loop zu improvisieren. Heute ist das Legostein-Frickelei. Aber Genies basteln auch mit der Sony PlayStation oder dem Apple-Anfängerprogramm ‚GarageBand‘

JÄNNER 2008

geniale Alben, Mixes, Reworks und ReInterpretationen.“ Zwei Tage bis zu eine Woche sitze man schon an einem wirklich probaten Remix, fügt der Jäger des frisch zu gewinnenden Schatzes an. Es gelte, „den Vogel abzuschießen“. Wie damals, als Richard Dorfmeister den Track „Rollin’ on Chrome“ seiner Schützlinge Aphrodelics remixte. „Der ‚Wild Motherfucker Dub‘, so hieß das Teil, das läuft heute noch rauf und runter. Weltweit.“ Eigentlich unbezahlbar. Aber unter Kollegen ist man ab 2000, 3000 Euro mit dabei. Wobei sich die Unsitte, den künstlerischen Subunternehmern keine Urheberrechte zuzugestehen – selbst wenn sich der Remix fast zu hundert Prozent vom Original unterschied und dieses an Attraktivität weit übertraf –, mittlerweile weitgehend verflüchtigt hat. ♉ RED BULL MUSIC ACADEMY INFO-SESSIONS: WIEN, GRAZ, LINZ, INNSBRUCK, APRIL/MAI 2008

WIE ENTSTEHT EIN REMIX?

MISCHMASCHINERIE

Vom geeigneten Musikstück bis zum fertigen Remix in fünf einfachen Schritten.

Nur wer in die richtige Hard- und Software investiert, kann sich beim Remix auf das Wesentliche konzentrieren.

Gehen wir die Bastelanleitung für den Heimgebrauch Punkt für Punkt durch. Erstens: Zunächst gilt es, überhaupt einen geeigneten Track zu orten. „Glücklicherweise lassen einem da befreundete Musiker eine gewisse Wahl“, so der Profi. Nach dem Import der Einzelspuren in ein Programm seiner Wahl („Logic Audio“, „Pro Tools“, „Cubase“ oder zunehmend auch „Ableton Live“, das von einer progressiven Berliner Software-Schmiede entwickelt wurde) geht es um die Analyse des Ausgangsmaterials: Tonschlüssel, Grundstimmung, Harmonien, Rhythmus. „Ein wenig Musikverständnis ist grundsätzlich nicht schlecht“, konstatiert Hunter trocken. Schritt drei: Es gilt, eine Entscheidung zu treffen, ob es ein Floor-Mix oder eher ein Radio-Mix werden soll. „Hängt natürlich auch von der Aufgabenstellung ab“, so Hunter. „Bei einer Variante

für den Dancefloor geht’s vornehmlich um Bumbum. Das fällt bei der Selektion von Parts und Pieces, die ich verwenden will, ins Gewicht. Hooks, Gesangslinien, Bassläufe – ich versuche, die markanten Elemente eines Songs herauszuschälen.“ Viertens: „Jetzt geht’s daran, die Zutaten zu mischen und die Suppe zu kochen. Wir ändern nach Belieben Rhythmus, Tempo, Tonlage. Ich rate dazu, drauflos zu improvisieren.“ Die Spannung ergibt sich aus Schritt fünf: Breaks, Stops, zusätzliche Melodiebögen, Soundelemente und Tongirlanden sorgen für Überraschungsmomente. „Das geht schon in Richtung Ausarrangieren“, merkt Rodney Hunter an. „Wenn eine gewisse Menge an Endorphinen freigesetzt wird, könnte das Ergebnis hinkommen. Aber es ist immer sinnvoll, den fertigen Remix ruhen zu lassen und nach ein paar Tagen mit Abstand nochmals zu hören.“

REMIXES REMIXED Achtung, Falle! Sogenannte „Samples“ sind ein gefundenes Fressen für Musikverlage, Plattenfirmen und Rechtsanwälte. Benutzt man gerne, ungeniert und umfangreich fremde Copyrights, sollte man die Rechte klären. Nichtwissen gilt nicht. Hinweise dazu unter www.irights.info IDEOLOGIE

REBEAT

Das britische Kunst-/Pop-GuerillaDuo Bill Drummond und Jimmy Cauty enterte einst unter dem Decknamen The KLF (Kopyright Liberation Front) die Charts. Die Bedienungsanleitung dazu liefert das auch auf Deutsch erhältliche „KLF Handbuch“, an dem sich auch schon heimische Projekte wie Edelweiss orientierten. Mehr unter de.wikipedia.org/wiki/The_KLF

Eine innovative österreichische Software, die es günstig und unkompliziert ermöglicht, eigene Musikstücke und Remixe (sofern mit dem Original-Künstler geklärt) auf unzählige legale Download-Stores im Internet hochzuladen. Und somit eventuell den einen oder anderen Cent damit zu verdienen. Infos, Demo und Bezugsquelle: www.rebeat.com/digital.html

AIO_64-68_Action_Remix.indd 68

EINS. EIN COMPUTER. Vorzugsweise von Apple (darauf laufen etwa „Logic Audio“ oder „GarageBand“). Vorzugsweise ein MacBook Pro. Im Idealfall mit extra viel Speicher und externem Analog-/Digital-Interface (z. B. von Focusrite). ZWEI. DIE SOFTWARE. Heutzutage in der Regel so leistungsfähig, dass ein ganzes Studio in einen Laptop passt. Wo man früher Millionen investieren musste, kommt man anno 2008 mit einem dreistelligen Betrag aus. Ohne Qualitätsabstriche. DREI. DIE HARDWARE. Geschmackssache, womit man (zusätzlich) die Tonfolgen und Frequenzgänge verbiegt. Je exotischer, eleganter und exklusiver, desto besser. Ein gern genommenes StandardDJ-Tool ist z. B. das Korg Kaoss Pad. VIER. DIE KOPFHÖRER. Oder Monitor-Boxen. Oder gleich eine mächtige P. A. Hauptsache, die Musik erreicht den Schöpfer. Und in Folge das p. t. Publikum. „Move your ass and your mind will follow“ (George Clinton).

19.12.2007 15:50:57 Uhr


ICH HATTE GLÜCK. Damit Querschnittslähmung keine Frage des Schicksals bleibt, unterstütze ich Wings for Life. Helfen auch Sie mit einer Spende, die Heilung des geschädigten Rückenmarks zu ermöglichen. Spenden Sie mit einer SMS an +43 664 660 0424 *

Spendenkonto: Raiffeisenverband Salzburg BLZ 35.000 Kontonummer 11.999 www.wingsforlife.com

Wir danken der Raiffeisen Bankengruppe für die freundliche Unterstützung.

WFL020_071217_AZ_HermannMaier_201 1 AIO_69_Inserat_WFL.indd 69 Process CyanProcess MagentaProcess YellowProcess Black

*Einfach den Spendenbetrag – nur „runde“ Euro-Beträge zwischen €1 und €70 – in das SMS-Textfeld eingeben und an o.g. Nummer senden. Der Betrag wird von Ihrer Handyrechnung abgebucht und kommt in vollem Umfang der Wings for Life Stiftung zu Gute. Leider können nur Kunden der Mobilkom diesen Service nutzen. Die Kosten für den SMS-Versand richten sich nach den jeweiligen Tarifbestimmungen.

12/17/07 5:21:29 PM 19.12.2007 16:28:19 Uhr


70

La Réunion

Mutter Natur bäckt Schokokuchen

La Réunion mit dem Mountainbike: Feinste Trails, unbefahren, nicht ungefährlich.

AIO_72-80_Action_Reunion.indd 70

19.12.2007 17:30:04 Uhr


Und wir schauen ihr dabei zu. Hauptsächlich aber fahren wir Mountainbike im Fell eines seltsamen Tieres, mitten in den Wolken, hart am Abgrund, wo noch keiner gefahren ist, und in den Bröseln, die beim Kuchenbacken übrig geblieben sind. Text Werner Jessner Bilder Stefan Hunziker

AIO_72-80_Action_Reunion.indd 71

19.12.2007 17:30:05 Uhr


72

the red bulletin

Action

jänner 2008

d

er Unruhestifter sitzt auf einem Baum und blickt herausfordernd auf uns herab. Leuchtend orange, etwas größer als eine Meise, den Kopf leicht schief gelegt, drei Meter über dem endlosen Urwald, der sich unter uns, links, rechts, oberhalb ausbreitet. Die Stille war vollkommen gewesen. Kein Bachrauschen, kein Wind, keine knackenden Äste, ein Wald völlig ohne Betriebsgeräusche. Tiefes, sattes Grün, wohin man schaut, sogar auf den Steilklippen, die hunderte Meter nach oben ragen. Ein Urwald wie aus dem Biologiebuch, nur die wilden Tiere fehlen (von uns ist keiner böse deswegen). Von 2200 Meter Seehöhe bis runter ans Meer. In den Wanderführern angegebene Gehzeit: acht Stunden. Mit dem Mountainbike fahrbar? Man weiß es nicht. René sagt: Ja. Und er muss es wissen, ist er doch schon zum sechsten Mal auf la Réunion, diesem entlegenen Teil der EU mitten im Indischen Ozean. René Wildhaber, Schweizer, 31 Jahre alt, ist unser Guide auf dem Trip durch den Dschungel, wir könnten uns keinen besseren wünschen. René ist einer der zwei weltbesten Marathon-Downhillbiker, außerdem ein Bergmensch der guten Art, einer mit klarem Blick und ruhigem Mundwerk. Ein Profi, einer der ganz Großen seiner Profession. Man kann prima schweigen mit ihm, und durch das gemeinsame aufmerksame Schweigen bemerkt man mehr als in der gewöhnlichen Raserei, die mit dem Leben am Limit gemeinhin einhergeht. Eine seltsame Situation ist das trotzdem: Der Schnellste von uns mahnt die meisten Pausen ein, fährt immer wieder in der Mitte der Gruppe oder an deren Ende und besteht nicht auf der Alpha-Position, die dem Besten der Partie ganz selbstverständlich eingeräumt wird, sobald es mit dem Bike irgendwo bergab geht. Verirren können wir uns nicht: Es gibt einen einzigen Trail im ganzen Tal, von Horizont zu Horizont. Links und rechts des Steigs ist dichter Dschungel. Wir sind fünf. René. Sein Kumpel Fridolin, ein Bär mit Mutterwitz. Stefan, der Fotograf. Birgit Braumann, schnellste Österreicherin bei DownhillMarathons. Der Berichterstatter. Aufbruch war im Morgenrauen gewesen, eigentlich noch davor, denn ebenso schnell, wie die Natur am Abend das Licht abdreht, knipst sie es in der Früh an. Und genauso schnell ist die Insel dann voll mit Autos. Réunion misst je nach Statistik etwas mehr als oder leicht unter einer Dreiviertelmillion Einwohner, und jeder von ihnen hat gefühlte zwei Kraxen, fast alle in Weiß (wegen der Temperatur). Mit denen bestauen sie die Ringstraße, die rund um die 65 km lange und 50 km breite Insel führt, auf

AIO_72-80_Action_Reunion.indd 72

Mégavalanche-strecke

saint-Paul saint-Gilles-les-Bains

Le Maïdo saint-Leu

Le Tampon

saint-Pierre

saint-Joseph

auS FeueR GeboRen Drei Millionen Jahre Lavaspucken formten

la Réunion. Der Piton de la Fournaise ist einer der aktivsten Vulkane der Welt: Sein letzter Ausbruch ist noch kein Jahr her.

19.12.2007 17:30:15 Uhr


ACTION

JÄNNER 2008

THE RED BULLETIN

73

La Réunion

Piton des Neiges Saint-Denis Salazie

Saint-Andre Cilaos

Piton de la Fournaise

BILD: PLANET OBSERVER/ALTITUDE

Unsere 8-Stunden-Tour

AIO_72-80_Action_Reunion.indd 73

19.12.2007 17:36:44 Uhr


74

the red bulletin

Action

Frühform der Vanillekipferln. Richtig, in den Schoten ist Vanille. Sie wächst im Schutz des Dschungels und wird händisch bestäubt. Aroma: atemberaubend.

AIO_72-80_Action_Reunion.indd 74

jänner 2008

das Gründlichste. Tokyoter Verhältnisse, bloß ohne Verirrmöglichkeit. Orte sind in der Regel nach Heiligen benannt; wohl um schlechten Gewissens von der Geschichte der Sklaverei abzulenken, die Réunion geprägt hat. Von Saint-Paul nach Saint-Leu, in normalen Maßstäben gemessen in einer schwachen halben Stunde erreichbar, braucht es bisweilen drei Stunden. Wer den Verkehrskollaps auf Basis kleiner hässlicher Autos in Weiß erforschen möchte, soll probieren, Réunion mit dem Auto zu umrunden. Es gibt weiß Gott schlimmere Orte zum Staustehen. Rechts leuchtet türkis der Indische Ozean, links türmen sich die Ausläufer der Vulkane hawaiianischen Typs auf: aktiv, aber harmlos. Die Sträßchen ins Inselinnere sind schmal und gewunden, sie gewinnen beständig Höhenmeter. Was optisch wie Vororte der größeren Inselorte wirkt, liegt beim Check des Höhenmessers dann doch schon satte 500 Höhenmeter über dem Meer, ohne dass es einem groß aufgefallen wäre. Wir wollen diese Region die urbanisierte Zone nennen. Dann kommt der optisch unergiebige, finanziell freilich unersetzliche Zuckerrohrgürtel. Mehr als mannshoch stehen die baun-gelb-grünen Blätter, fasrig-dick, an den Rändern scharf. Jenseits der 1000 Höhenmeter der Urwald, dickes Gestrüpp, überwuchert von höherem Gestrüpp, darüber Bäume, dazwischen Nebel. Wen interessiert, wie es im Inneren von Wolken aussieht, der ist hier richtig.

19.12.2007 17:30:31 Uhr


jänner 2008

Täglich alles Tage beginnen am Meer sonnig, zu Mittag zieht es zu, abends reißt es wieder auf. Im Inneren der Insel hängen die Nebel gern auf 1500 Meter rum.

Action

Je höher man kommt, umso leichter wird die Vegetation, der Platz zwischen den einzelnen Bäumen wächst, hie und da frisst sich die Sonne durch den Nebel. Ganz oben, wo es nur mehr Steine und Büsche gibt, wird es wieder wärmer, der Himmel ist tiefblau, einen Ozean kann man nur erahnen unter dem dicken weißen Wolkenteppich. Dieses Höhenprofil ist freilich nur für den touristisch gut erschlossenen Westteil der Insel gültig, und das hat einen Grund: Hier ist die Schokoladenseite von Réunion. Im Osten und Norden stauen sich die Wolken, hier gehört der tägliche Regen dazu, und das wirkt sich aus: Die Vegetation ist dichter, die Besiedelung lockerer. (Im Süden und Westen kriegt man am Nachmittag zwar auch gern ein paar Spritzer ab, zum Lästig-nass-Werden reicht es nur selten.) Schuld daran und auch sonst am meisten

the red bulletin

75

tags- oder Fortgeschrittenenprogramm (ein Wettrennen führt diagonal über die Insel; Siegerzeit: ungefähr ein Tag), ist aber in jedem Fall Teil der Kultur. Beim Narrischen sind sie Weltmeister, die Franzosen. Wir mögen zwar zwölf Flugstunden von der Hauptstadt entfernt sein, befinden uns aber noch immer im einzigen Land der Welt, wo der Einkauf in einem beliebigen Supermarkt zum freudigen Erlebnis wird. Litschis, in Europa gern beim Chinesen des geringsten Misstrauens zur Nachspeise aus der Dose gereicht, wachsen auf Réunion am Straßenrand, Äpfeln ähnlich, aber unvergleichlich im Geschmack. Mangos, fast ebenso alltäglich, kosten auf Réunion interessanterweise mehr als in Österreich. Mitten auf unserem Weg runter nach Saint-Joseph wächst dann plötzlich eine Ananas neben dem Trail, einfach so. Einmal, erzählt René, war er den

seltsame beeren wach­sen am rande des Trails und exotische blumen. sind einerseits der mächtige geologische Frühpensionist Piton des Neiges mit seinen 3071 Metern, andererseits der alte Spucker Piton de la Fournaise mit 2632 Metern. Diese beiden Vulkane halten einerseits die Wolken auf, erfüllen andererseits die Rolle einer Ortsbildkommission auf ebenso brutale wie effiziente Weise. Gilt der Piton des Neiges als erloschen, hat der Piton de la Fournaise erst im April letzten Jahres zum letzten Mal Feuer gespien. In aller Früh, nach Durchquerung der mondartigen Plaine des Sables, waren wir an dessen Kraterrand gestanden, an der rund 300 Meter erhöhten Backform des Schokokuchens, den die Natur da unten gebacken hat. Richtung Osten ist die Form aufgerissen, der Teig ist bis runter ans Meer geronnnen. Die Kruste obenauf sieht knusprig aus, teilweise brüchig, mit Blasen hie und da, eben genauso, wie sich ein geiler, schwerer Kuchen aus dunkler Schokolade gehört, in der Mitte ein bissl speckig-sitzengeblieben, genauso, wie sie ihn unten in den Orten in den Bäckereien verkaufen. Denn bei all dem Vulkanismus, bei der tropischen Vegetation, bei dem bunten Menschengemisch aus nahezu allen dem Indischen Ozean angrenzenden Völkern: Wir befinden uns hier mitten in Frankreich. Die Autonummern enden auf 974, als wäre es ein Arrondissement mitten im Mutterland, Presse und Telefon sind französisch, detto Preis­ niveau und Versorgung. Die Bevölkerung ist mit ­einem Durchschnittsalter von unter 30 Jahren ausgesprochen jung. Sport gehört wahlweise zum All-

AIO_72-80_Action_Reunion.indd 75

Vitaminbombenwerfer. Eine Ananas kostet einen Euro, und sie ist so weich, dass man sogar den Strunk essen kann.

ganzen Tag lang im Urwald unterwegs, um eine blühende Orchidee zu finden. Orchideen sieht man ja bald einmal, aber blühende? Just in der Nähe eines Marterls, das an einen Verunglückten erinnert, hat er tatsächlich eine gefunden. Drei Stunden sind wir bis jetzt unterwegs. Hatten die Bikes an der Kante einer Felswand entlanggeschoben, -getragen, -balanciert, über Stufen hinuntergelassen, im Regen, im dichten Nebel. Der Höhenmesser zeigt 1900 Meter, die Temperatur liegt bei 23 Grad; die Wäsche ist feucht von außen wie von innen. Seltsame Beeren wachsen am Rande des Steigs, exotische Blumen, dazwischen ganz normale Ringelblumen, wie sie anscheinend überall auf der Welt vorkommen, auch interessant. Die

19.12.2007 17:30:36 Uhr


76

the red bulletin

AIO_72-80_Action_Reunion.indd 76

Action

j채nner 2008

19.12.2007 17:30:41 Uhr


j채nner 2008

Action

the red bulletin

77

Die Kruste des Kraters sieht knusprig aus, rissig wie ein Schokokuchen.

Blick in den Krater des Piton de la Fournaise vom Pas de Bellecombe aus.

AIO_72-80_Action_Reunion.indd 77

19.12.2007 17:30:42 Uhr


78

jänner 2008

the red bulletin

Felswand ist dicht überwuchert; man weiß nicht genau, wie weit man auf die Seite raussteigen darf, wo tückisches Gewächs das Kommando vom sicheren Fels übernimmt. Langsam wird der Trail fahrbarer. Die Tragepassagen gehen in Schiebepassagen über, die Schiebepassagen werden rollbar. Die offene Vegetation verwandelt sich in einen grünen Tunnel, auf dessen Boden sesselgroße Steine liegen. Ruppig also, aber fahrbar. Der linke Holm unserer Federgabeln wird so heiß durch die permanente Travel, dass die Kunst­ stoffdichtungen an den Tauchrohren anbacken. Da die Steine am Boden vulkanischen Ursprungs sind, finden die weichen Downhill-Reifen perfekten Halt darauf. Asphalt könnte nicht besser sein (höchstens sanfter). Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind längst tropisch. Wer ohne prall gefüllte 3-Liter-Blase im Camelbak gestartet wäre, müsste schon jetzt die Kollegen um Wasser anbetteln.

M

an kann sich auf die Natur hier einstellen. Einer hat es bis zum Aussterben gründlich gemacht, dar­um ist er heute das Maskottchen der Insel, obwohl er doch eigentlich von nebenan, von Mauritius, stammt. Der Dodo war ein großer Vogel, flugunfähig, faul, zutraulich, dumm, böse Zungen sagen: Strandtouristen von heute nicht unähnlich. Vielleicht nicht zufällig ziert er die Dose des lokalen Bourbon-Bieres. Und dass das so heißt, ist auch wieder nicht von ungefähr, war Réunions Name in diversen Seeräuber- und Sklavengeschichten doch „Bourbon-Insel“. Das kam vom Herrschergeschlecht der Bourbonen, doch mit dem Adel hatte der Franzose ja beizeiten zu verfahren gelernt und das Übersee-Département danach demokratisch Réunion, Wiedervereinigung, genannt. Wenn heute in Zusammenhang mit der Insel von Bourbon gesprochen wird, ist die Vanille gemeint, heimisch hier im Wald. Bauern bekommen ein Stück Urwald zugeteilt, dort setzen sie die Pflanzen aus, auf der Unterseite der Blüten bilden sich die Schoten. (Vorausgesetzt natürlich, es wurde bestäubt, und das ist, gänzlich unromantisch, eine Sache des Menschen mit dem Pinsel hier auf der Vanilleinsel.) Es gilt dennoch: Wer echte Vanille gekostet hat, ist für kontinentaleuropäisches Super­ marktzeug verloren. (Jetzt müsste man nur noch Kaiserschmarren importieren in die kreolisch geprägte internationale Küche dort.) Am Rand des Trails ziehen knallrote Blüten vorbei, Luftwurzeln, riesige Agaven, Monsterfarne. Der Boden ist übersät von riesigen abgestorbenen Nadeln der Bäume, sie bilden einen dichten hellbraunen Teppich. Es ist, als würden ein paar seltsame Tiere im Fell eines noch seltsameren Tieres spielen. Das Klappern der Kette und das Schnaufen des völlig überforderten Hinterbaudämpfers haben die körperliche Stille von weiter oben abgelöst. Der

AIO_72-80_Action_Reunion.indd 78

die monsterlawine

Mehrere hundert Downhiller, Massenstart, alle Arten von Terrain, Siegerzeit: eine knappe Stunde – Mégavalanche ist die Königsdisziplin bergab.

avalanchetrophy.com Weltweite Rennserie mit Stationen in Frankeich, Andorra, Spanien, Peru und Réunion. Neu 2008: Brixen (I), Åre (SWE).

Der Grund, warum wir überhaupt auf die Idee gekommen sind, zwölf Stunden ab Paris hier runterzufliegen, heißt Mégavalanche. Der bedeutendste Downhill-Marathon neben Alpe d’Huez, eine Prüfung für gute und sehr gute Biker. Eine schmerzhafte Stunde im Paradies und ein gültiger Maßstab dafür, wo man selber steht im direkten Vergleich mit der Weltspitze. Und für die ist es noch mehr: Weil die Anforderungen an Fahrtechnik, Mut, Taktik und Ausdauer so hoch und so vielfältig sind, kann sich ein Mégava­ lanche-Sieger mit Recht als weltbester

19.12.2007 17:30:47 Uhr


e

jänner 2008

Action

the red bulletin

79

Und das ist nur die Quali. Hundert Biker ergeben eine Stampede.

Mountainbiker sehen. Cross-CountryOlympiasieger Julien Absalon stand ebenso auf der Startliste wie der neun­ fache Downhill-Weltmeister Nicolas Vouilloz oder eben René Wildhaber vom Flumser Berg, Spezialist für lang bergab. Start ist am Maïdo, 2200 Meter hoch, und auf den nächsten knapp 30 Kilometern erwartet die Fahrer alles, vor allem das Unerwartete. Im Damenrennen lag die Österreicherin Birgit Braumann überlegen in Führung, bis sie von den Streckenposten ins Nirgendwo geschickt wurde. Mégavalanche ist Abenteuer, und gewisse profranzösische Reflexe sind offenbar auch in den ehemaligen Kolonien noch intakt. Bis Braumann ihren Fehler bemerkt hatte und zur Strecke zurückgekoffert war, war das komplette Feld entschwunden, vor allem die haushohe Favoritin Pauline Dieffen­ thaler aus – erraten – Frankreich. Wie die Österreicherin mit sechs Minuten Rückstand auf die Spitze das komplette

AIO_72-80_Action_Reunion.indd 79

Ehrenrunde. Platz 2 für die Geo-Informatikerin Birgit Braumann bei ihrem erst zweiten Mégavalanche-Start (den Ordnern zum Trotz).

Feld aufrollte und nur 59 Sekunden hinter Dieffenthaler ins Ziel kam, war beeindruckend. Nicht weniger beeindruckend die Performance von Nicolas Vouilloz, nach seiner Profi-Downhill-Karriere erfolgreich ins Rallyelager gewechselt und erst seit zwei Jahren mit Lapierre-Vertrag wieder zurück bei den Bikern: souveräner Sieg, Zweiter Rémy Absalon, Dritter René Wildhaber. „Ich habe den Start verschlafen“, war der Schweizer dennoch nicht unzufrieden, „Vouilloz ist heute um nichts schwächer als in seiner Weltmeister-Zeit.“ Wer mittendrin war, wie sich die Staubfahne der vierhundert erhob, wer die Kameradschaft der Rider erlebt hat, wer gemeinsam Dreck geschluckt und Blut abgewischt hat, hat diesen Sport verstanden. Es tut weh, aber man wird reich belohnt. Downhill-Marathons sind die Zukunft des Bergab-Racings für eine breite Zielgruppe: viel Spaß, Schweiß und Speed bei kalkulierbarem Risiko.

19.12.2007 17:30:53 Uhr


80

the red bulletin

Action

Trail ist mittlerweile nicht nur gut fahrbar, sondern er verkörpert all das, warum Menschen mit Herzens- und Gemütsbildung überhaupt mit Mountainbiken beginnen. Es ist so schön, der absolute Flow, atemberaubender Grip vom Untergrund, Kurven, Kanten, natürliche Anlieger, verblockte TrialPassagen, gefolgt von schnellen hochschaubahn-

der trail hat alles, was man erträumt, man möch­ te schreien vor Glück. ähnlichen Abschnitten, Bäume, Büsche, Blumen, Wurzeln, Wellen, Felsen. Es nimmt und nimmt kein Ende, noch immer zeigt der Höhenmesser 1000 Meter über null. Man möchte schreien vor Glück, würde Geschrei in diese Gegend passen. Einmal jodeln René und Fridolin, der Dschungel wirft das Echo gedämpft zurück.

U

nten am Meer, in einer fremden, so ganz anderen Welt, lassen sich Touristen einstweilen von der Notwendigkeit eines Mindestens-30er-Schutzfak­tors des Sunblockers überzeugen, werden mit Jet-Ski Wellen durchpflügt, halten Hai-Barrieren diese tourismusschädigenden Kerle von den flachen Sand- und Kiesstränden fern, lauern Korallenriffe auf Taucher und Seeigelkolonien auf Fersen, hie und da treibt eine Alge vorbei. Am Hafen von Saint-Gilles wird von Cathérine Lavit berichtet, einer Frau, die im Oktober 2003 nach dreieinhalb Stunden Kampf einen 551-Kilo-Marlin besiegt hat, da taucht Hemingway auf und wie sich sein Santiago in „Der alte Mann und das Meer“ abarbeitet, und im nächsten Moment denkst du dir ganz frivol, dass sich die Frage nach dem Fisch des Tages in den Wochen danach an der Marina von Saint-Gilles wohl nicht gestellt hat. Essen ist ein stetiges Thema unter Mountain­bikern. Rund 20 Euro lassen sich für ein fangfrisches Stück Fisch, kurz angebraten, mit Sauce und Reis kalkulieren. Kleinfische, von einem Menschen innert eines Abendessens allein vertilgbar, sind unüblich: Dazu werden die schwimmenden Freunde im bacherlwarmen Wasser des 21. Breitengrades einfach zu groß. Kurz müssen wir die Bikes wieder bergauf tragen, ein Felssturz hat den ursprünglichen Weg verschüttet. Obwohl wir in knapp vier Stunden nur rund 15 Kilometer gemacht haben, 1500 Höhenmeter vernichtend, machen sich die 15 Kilo unserer Enduro-Bikes bemerkbar. 15 Kilo – 15 cm Feder-

AIO_72-80_Action_Reunion.indd 80

jänner 2008

weg, das ist eine gute Formel für die Art des Bikens, die wir hier machen. Robust und komfortabel bergab, bergauf noch erträglich. Ein absolutes Muss sind schwere Downhill-Reifen (Minimum: 2,25 Zoll), große Bremsscheiben (203 mm vorn und hinten) und Federgabeln mit Stahlfedern statt Luft. Nimmt kleine Schläge viel effizienter weg, funktioniert vor allem dauerhaft. La Réunion stellt Belastungen ans Material, die so in keinem Labor der Welt erprobt worden waren. Die Belastungen an den Menschen sind ähnlich. Dicke Finger vom Bremsen, hoher Puls durch Höhe, Temperatur und Luftfeuchtigkeit, blaue Flecken infolge spontaner Trennung vom Gerät. Brennende Muskeln, weil sich das vermeintlich leichteste Teilstück als gerade noch fahrbar herausstellt. Unsere Tour endet nämlich in den Ausläufern eines massiven Felssturzes, der sich acht Kilometer weit durchs Tal zieht. Der Untergrund besteht wahlweise aus grobem Kies, scharfem Geröll oder bodenlosem Pulversand, und du weißt nicht, was du dir weniger wünschen sollst. Trotzdem ist es nicht diese Schinderei, es ist nicht die gesundheitsgefährdende Kraft der Sonne, nicht einmal der tägliche nervtötende Stau, der Réunion zur nur bedingt empfehlenswerten Bike-Destination macht. Es ist die Gewissheit, dass du dich als Mountainbiker hier täglich dreißigmal verkofferst, in Sackgassen geschickt wirst, vor arroganten Propriété-privée-Schildern kapitulierst, Höhenmeter mühsam erarbeitest, nur um sie, von menschlich-planerischer Willkür erzwungen, wieder hergeben zu müssen. Mountainbiken am europäischen Festland ist in der Regel deutlich entspannter als auf dieser vergessenen Insel am Ende der Welt. Réunion ist Hardcore. Ohne einen ebenso kundigen wie mutigen Guide vom Schrot eines René Wildhaber haben nicht einmal unerschrockene und fahrtechnisch firme Biker eine echte Chance, die echten Sensationen der Insel zu erfahren. Fürs Erste macht sogar die Mégavalanche-Serie eine Pause auf la Réunion; der Klassiker steht 2008 nicht im Kalender. Gleichzeitig bemüht sich aber eine junge, ehrgeizige Crew von Bikern um den Bau einer Gondel auf den Maïdo, mit dazugehörigem Bikepark. Man weiß nicht, ob man den Jungs viel Glück dazu wünschen soll oder nicht. Vielleicht ist es ganz gut, wenn alles so sperrig, mühsam und beschwerlich bleibt, wenn man sich seine Trails selber suchen muss und selbst verantwortlich ist für sein Tun bis zur letzten Konsequenz. Vielleicht ist es gut, wenn die Insel den Bergmenschen vorbehalten bleibt, den Stillen wie René Wildhaber, die stehen bleiben können und einem Vogel zuhören, die einen Tag lang im Dschungel rumkriechen, um eine blühende Orchidee zu finden, die sich, ohne viel Worte zu machen, freuen, wenn sie mit befreundeten Geistern was Schönes teilen konnten. ♉  Avalanchecup 2008, 1. Station:   3. und 4. Mai, Lyon

19.12.2007 17:30:53 Uhr


the red bulletin

jänner 2008

81

TIPPS & INFOS

LA Réunion Basics La Réunion liegt im Indischen Ozean, auf der Landkarte das kleine Bemmerl rechts von Madagaskar. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs, wobei der höhere Piton des Neiges als erloschen gilt, der Piton de la Fournaise hingegen noch aktiv ist. Entdeckt von portugiesischen Seefahrern Anfang des 16. Jahrhunderts, wurde ­Réunion Mitte des 17. Jahrhunderts von französischen Siedlern kolonialisiert. Sklaven aus Madagaskar, Ostafrika und Indien vermischten sich mit den Weißen. Ein Gutteil des réunionesischen Nationalstolzes rührt von dieser Métissage und dem friedlichen Zusammenleben der Kulturen, Religionen und Rassen her. Nach der Französischen Revolution wurde das bis dahin als Bourbon-Insel bekannte ­Eiland in „Ile de la Réunion“ umbenannt. Seit 1946 ist Réunion ein französisches Überseedépartement und somit Teil der EU. Man spricht Französisch (bzw. einen Dialekt davon), gezahlt wird mit Euro. Das Preisniveau liegt auf europäischem Level, teilweise auch leicht darüber.

Anreise Der internationale Flughafen Roland Garros in Saint-Denis wird täglich von den größeren französischen Städten aus ­angeflogen. Die gängigsten Carrier sind Air Austral und Air France, um rund 800 Euro hin und retour ist man dabei. Achtung: Bikes müssen extra angemeldet und bezahlt werden! Preis pro Flug und Bike: etwa 40 Euro.

Das Wetter ist schön. Kurz zumindest.

Wetter Alles, und zwar täglich. Was bei uns Winter ist, ist dort Regenzeit. (Es regnet aber auch außerhalb der Regenzeit.) Wer sich auf 35 Grad und einmal am Tag durch nass gewaschelt einstellt, wird das richtige Gewand einpacken.

Bungalows sind die ideale Wahl für Biker. Eine Waschmaschine in der Nähe ist Pflicht; der rote Staub ist überall.

Verkehr

Biketransport

Ist ein Horror. An einer zweispurigen ­Autobahn wird gebaut; das bereits bestehende Stück zwischen der Hauptstadt Saint-Denis und Saint-Paul gilt als eine der teuersten Straßen der EU. Es gibt kaum öffentlichen Verkehr, die paar Busse stehen auch im Stau. Trotzdem führt kaum ein Weg am Leihwagen vorbei (rund 30 Euro/Tag für Renault Clio oder Vergleichbares). Einzige Lösung: vor 6 Uhr aufstehen.

Idealerweise per Travelbag. Vor allem der Pariser Flughafen Charles de Gaulle ist berüchtigt für sein rustikales Handling. Karton ist eine Notlösung.

Gesundheit Keine besonderen Impfungen oder Ähn­ liches nötig. Wegen der extrem scharf­ kantigen Steine empfiehlt sich, ein Fläschchen Betaisodona zur Desinfektion von Schürfwunden mitzunehmen.

AIO_72-80_Action_Reunion.indd 81

Wanderkarten von IGN (Institut Géo­ graphique National), Maßstab 1:25.000 für die Feinnavigation, 1:100.000 für die Übersicht. Topo-Guide-Wanderführer la Réunion von FFRandonnée, ISBN 2-7514-0114-4 (Achtung, französisch!). Höhenmesser an der Uhr oder am BikeComputer ist unabdingbar. Und alles, was auf den 1:25.000er-Karten nicht ­eingezeichnet ist, wird früher oder später unfahrbar. Wirklich. Wir haben es aus­ probiert.

Bikes Ideal sind vollgefederte Mountainbikes zwischen All-Mountain-Fully und Freerider. Sie sollen bergauf noch einigermaßen tretbar sein, ein kleines Kettenblatt ist in jedem Fall Pflicht. Haltbarkeit geht wegen der mageren Ersatzteilversorgung vor Leichtbau. Faustregel: 15 Kilo, 15 cm ­Federweg, Stahlfedern statt Luft in Gabel und Dämpfer. Die Bikes unserer Wahl ­waren Intense 6.6, Scott Ransom, Specialized Enduro und Santa Cruz Nomad. Wir würden sie wieder nehmen. Neben dem üblichen Ersatzteilprogramm (Schaltwerk, Kette, Schläuche, Bowden, Hydraulik­ leitungen) sind vor allem Ersatzreifen Pflicht: Das scharfkantige Vulkangestein frisst Gummi wie nichts sonst. Emp­ fehlenswert, da faltbar und auf jedem ­Untergrund kontrollierbar: Intense DH in Breite 2,35.

Wohnen Réunion deckt ein breites Spektrum ab: Vom Viersternehotel in Saint-Denis oder Saint-Gilles um knapp 200 Euro pro Nacht bis zum Matratzenlager im Bergdorf für Rucksack-Touristen um 20 Euro geht alles. Für Biker haben sich Bungalows an der Westküste bewährt, bieten sie doch Platz für die unvermeidliche Schraub­ arbeit und sind eine gute Basis für Touren in die Berge.

Orientierung

Guter Shop, perfekter Service: Fun Cycle.

Einziger Bikeshop auf professionellem europäischem Niveau, dazu wahnsinnig freundlich und hilfsbereit: Fun Cycle, 248 rue Jules Bertaut, Le Tampon.

Stände am Straßenrand verkaufen Ananas (1 Euro pro Stück), Litschi (2 Euro pro Kilo) und Mangos (1 Euro pro Stück). Kombinierter Fisch-, Fetzen-, Gemüseund Gewürzmarkt am Freitagnachmittag in Saint-Paul.

Trinken So viel nur geht. Höhe und Hitze fordern den Kreislauf mehr, als man im Moment spüren mag. Ein Camelbak mit 3-LiterBlase ist unbedingt erforderlich und in der Regel sehr schnell leer. Leitungswasser ist trinkbar, schmeckt aber nicht besonders. Réunionesischer Weißwein ist selten, aber trinkbar. Vom Roten ist Ähnliches nicht überliefert. Der Zuckerrohranbau führt zur Herstellung von Rum, gern mit ­Vanille versetzt und an Touristen ver­ abreicht. Als Auskenner offenbart sich, wer sein Bier mit „Une Dodo, s’il vous plaît“ bestellt: Der ausgestorbene Vogel ist das Wappentier des lokalen Bourbon-Bräus.

Spielen

Es gibt guten Käse aus Réunion.

Essen Französisches Preisniveau für französisch angehauchte internationale Küche. Kreolische Spezialitäten bestehen aus Reis, dazu Fleisch oder Fisch in einer ­eintopfartigen Sauce. Phantastisch ist ­Civet Zourite, Tintenfischgeschnetzeltes in Rotweinsauce, zum Beispiel im Le ­Skipper, 59 Boulevard Roland Garros in Saint-Gilles-les-Bains. Ebenfalls ein Klassiker sind angebratene Thun- oder Schwertfischfilets, zum Beispiel im Cap Ouest gleich gegenüber. Ein etwas fetter, aber durchaus empfehlenswerter Snack sind „samou­sas“, herausgebackene und pikant gefüllte Teigdreiecke, das Stück zwischen 30 und 50 Cent. Gut und in ­großer Auswahl zu finden zum Beispiel Chez Loulou auf der Küstenstraße von Saint-Gilles. Gute Bäcker findet man an der Küste zuhauf, schwieriger wird es im Hinterland. Erste Adresse für den Hungerast auf 1200 Meter über dem Meer: Banette, rechts am Platz neben dem Gemeindeamt des Örtchens Cilaos.

Wenn schon ein Ozean in der Nähe ist, soll man ihn auch nützen. Mit Jet-Ski-Fahren zum Beispiel. Achtung: Viele Verleiher bieten nur Gänsemarsch-Ausfahrten an, eine löbliche Ausnahme ist die École Française Motonautique im Hafen von SaintGilles: Für 65 Euro kann man mit 1200erKawasakis eine halbe Stunde toben, dann ist man eh fertig (und nass). Telefon: +262 692 880088. In den Bergen finden sich immer wieder Quad-Strecken, zum Beispiel in La Petite France, einfach der Straße in Le Guil­ laume Richtung Maïdo folgen. Canyoning auf Réunion hat neben der atemberaubenden Landschaft den Vorteil, dass das Wasser im Gegensatz zu Europa bacherlwarm ist. Die meisten Touren befinden sich bei Cilaos bzw. Salazie. Ohne Guide nicht machbar, Kontakt: ­canyoning@wannadoo.fr Wer für einen Tag aufs Bike verzichten und trotzdem Spaß am Schotter haben will, besucht die Motocross-Strecke bei BrasPanon im Nordosten der Insel. Gelegenheitsbiker können bei VTT Réunion brauchbare Bikes ausborgen und sich in geführte Touren einklinken. Eine Spe­ zialität der Insel heißt Télenavette und ist nichts anderes als ein Bergauf-Shuttle zum Einstieg an einen Singletrack. VTT Réunion, 3, rue St-Alexie, Saint-Gilles.

19.12.2007 17:31:12 Uhr


82

KALENDER

THE RED BULLETIN

JÄNNER 2008

DAYLIFE Die Termine im Jänner

25.– 27. 1. ’08 Ganz Simpel: Tallinn wird Skate-Hauptstadt Europas. 19. 1. 2008 Eigengewächse gefragt: 3-Hallen-Tour startet in Wuppertal.

19./20. 1. 2008 Dolomitenfrau 2008: erst Abfahrt, dann Super-G auf der Tofana-Piste in Cortina d’Ampezzo. 16.– 27. 1. ’08 Sonne, Sand und Trainingsschweiß: Bullen in Dschidda.

AIO_82-85_DayNite.indd 82

19.12.2007 17:42:27 Uhr


KALENDER

JÄNNER 2008

5. – 20. 1. 2008

17. – 20. 1. 2008

RALLYE DAKAR

Wüst: 30. Ausgabe, 570 Teams, 5736 Wertungskilometer (bei 9273 Gesamt-km), 15 Renntage. Und ein Tag Pause. Portugal, Marokko, Mauretanien, Senegal

6. – 13. 1. 2008

RED BULL TOW-AT

Im Rahmen der ASP World Qualifying Series: Surfen mit Leine bringt Zug unters Brett. Sebastian Inlet, Melbourne, Florida, USA

8. – 22. 1. 2008

2./3. 2. 2008 Zwei Überseeflüge ins Land des aufgehenden Morgensterns.

RED BULL BASE CLIMBING

Valery Rozov erklimmt den Schreckensberg aller BASEJumper. Und springt. Cerro Torre, Argentinien

10. 1. 2008

RED BULL ZAIIR AL ASSIMA

Unglaublich: der erste Motocross-Event in Saudi-Arabien! Riad, Saudi-Arabien

15. 1. 2008

RED BULL PIMP THE BOARD

Welt-Surferin und Local Heroine Sofia Mulanovich demonstriert Fans, wie man Boards aufpeppt. Lima, Peru

20. 1. 2008 Adrian Zaugg gibt Gas für Südafrika beim A1 Grand Prix, Taupo.

83

THE RED BULLETIN

16. – 27. 1. 2008

RED BULL SALZBURG TRAININGSCAMP

Dauerschwitzen am Roten Meer: Die Bullen tanken Kraft für die Frühjahrskarawane. Dschidda, Saudi-Arabien

TAMPA AM SKATE CONTEST

Wo Ryan Sheckler entdeckt wurde: der wichtigste Amateurbewerb der Welt. Skate Park of Tampa, Tampa Bay, Florida, USA

18./19. 1. 2008

AUSTRIAN FREE SKI OPEN

Ein internationales TopStarterfeld battlet sich slopestyle. Mit Nachwuchs-Event. Vans Penken Park, Mayrhofen, Österreich

18. – 20. 1. 2008

FIS-WELTCUP HERREN: HAHNENKAMMRENNEN Der Klassiker ist im Anflug – bitte Dossier ausklappen! Streif und Ganslernhang, Kitzbühel, Österreich

19. 1. 2008

HOMEGROWN TOUR Gleichberechtigung! Die deutsche Mountainbike Street Contest Serie für Profis und Amateure. Wicked Woods Halle, Wuppertal, Deutschland

19./20. 1. 2008

RED BULL HELI SURF

Wer am schnellsten auf dem Board vom Strand zum Heli paddelt, wird in eine geheime Bucht geflogen. The Beach? Bondi, Cronulla and Manly Beaches, Sydney, Australien

19./20. 1. 2008

FIS-WELTCUP DAMEN: CORTINA D’AMPEZZO

Für Liebhaber der beschwingten Klassik: ein Wochenende unter den drei Tofanen. Olympiapiste Tofana, Cortina d’Ampezzo, Italien

19. – 30. 1. 2008

6. MONARCA PARAGLIDING OPEN

Gliden und hetzen: Der schönste Gleitschirmbewerb des Winters hat Sonnengarantie. Valle de Bravo, Mexiko

20. 1. 2008

A1 GRAND PRIX: TAUPO

Der Nationencup im Motorsport verschnauft zur Saisonmitte unterm Taupo-Vulkan. Taupo Motorsport Park, Neuseeland

24. – 27. 1. 2008

WINTER X GAMES 12

Es ist ein Kreuz: Rebellen auf Skiern, Snowboards und SkiDoos kämpfen um Medaillen. Aspen/Snowmass, Colorado, USA

25. – 27. 1. 2008

SIMPEL SESSION

Der größte BMX- und SkaterContest des europäischen Winters. See you at the party! Saku Suurhall, Tallinn, Estland

26. 1. 2008

HARTI WIRD 50: CHARITY-RENNEN

Harti Weirather lädt ein zum Promi-Skirennen. Der Erlös geht an Wings for Life. Neunerköpfle, Tannheim, Österreich

26. 1. 2008

RED BULL CRASHED ICE

Eishockey? Abfahrtslauf? Boardercross? Alles richtig, weil im Eiskanal durch die Stadt! Québec, Kanada

27./28. 1. 2008

BRN

Es ist das Winterspektakel der Levante: BoardercrossBewerb, Eis-Rallye und Ski-Freestyle-Show. Fakra Club, Libanon

27. – 30. 1. 2008

ISPO WINTER

Informieren, kaufen, verlaufen: die weltgrößte Fachmesse für Wintersportartikel. Messe München, Deutschland

1./2. 2. 2008

NISSAN WHITE STYLE

Mountainbike Freestyle auf Schnee. Das gibt’s nur hier. Leogang, Österreich

2. 2. 2008

Brutal-lustige Sportartenhochzeit: 120 Schneepaddler küren ihren Weltmeister. Moosalm, Lienz, Österreich

24.– 27. 1. ’08 Ein U für die Winter-XGames: erstmals mit Big-Air-Bewerb.

2./3. 2. 2008

26. 1. 2008 Crazy Canucks! Eishockey ohne Puck, quer durch Québec.

FIS-SKISPRUNGWELTCUP: SAPPORO

Wochenendtrip nach Japan: zweimal die K120, bitte. Ōkurayama-shantse, Sapporo, Japan

3. 2. 2008

RED BULL MAHALA SNOWBOARD

Schneeschaufeln verboten! Die Snowboarder kommen. Altstadt von Sarajevo, Bosnien

19.– 30. 1. 2008 Höchster Wettkampf im Jänner: Paragleiterstart in 2200 m.

AIO_82-85_DayNite.indd 83

BILDER: APA/EPA/CLAUDIO ORNATI, APA/HANS KLAUS TECHT, GEPA PICTURES/CHRISTIAN SINGER, RED BULL PHOTOFILES (5)

SNOWKAJAK-WM

19.12.2007 17:42:46 Uhr


84

THE RED BULLETIN

KALENDER

JÄNNER 2008

NIGHTLIFE Die Partys im Jänner

21. 1. 2008 Jeansmodels auf Tour: Linkin Park in Köln, Basel, Frankfurt. 26. 1. 2008 Sie werden sich’s schon richten: Cartel feiern Euro-Premiere.

22. 1. 2008 Nur zwei Tage nach Kitz: Auf der Planai glühen sie wieder.

31. 1. 2008 Genial und traurig zugleich: Die Smashing Pumpkins spielen schon jetzt Wiens Gig des Jahres.

AIO_82-85_DayNite.indd 84

19.12.2007 17:42:57 Uhr


JÄNNER 2008

KALENDER 18. 1. 2008

BIG DAY OUT FESTIVAL 45 Acts mal sechs Städte – das Festival auf Tour durch Australien und Neuseeland. Mt Smart Stadium, Auckland, Neuseeland

DETROITJAZZIN

Untergründige Location-Legende: Breakbeats und House im monatlichen Freitagsclub. Camera Club, Wien, Österreich

Das ist nu Nu Metal: Der Kratz-Crossover wird öffentlich weichgespült. Kölnarena, Köln, Deutschland

21. 1. 2008

Amerikas christliche Punkrock-Band auf Welttournee: Darf’s noch ein bisserl schneller sein? Shibuya O-East, Tokio, Japan

22. 1. 2008

19. 1. 2008

YUNG JOC

P. Diddys yunger Schützling gibt ein Heimspiel in der Hauptstadt des Southern Rap. Atlanta, Georgia, USA

19. 1. 2008

FM4 = 13

21. 1. 2008

LINKIN PARK

MXPX

19. 1. 2008

2. 2. 2008 Dave grölt: Die besten Post Grunger welttouren bis Juni.

FIS-WELTCUP: SCHLADMING

Die Mutter aller Nachtrennen: 50.000 feiern den Slalomsieger unterm Dachstein. Planai, Schladming, Österreich

25. 1. 2008

Simple Gleichung: die beste Geburtstagsparty für alle winterfesten Radiohörer. Arena, Wien, Österreich

LTJ BUKEM IN SESSION

Auch schon ein alter Meister: LTJ Bukem kann Drum ’n’ Bass und Electro noch immer nicht auseinanderhalten. Fabric, London, Großbritannien

25./26. 1. 2008

FIS-SKISPRUNGWELTCUP: ZAKOPANE 19. 1. 2008 Der Junge kommt bald wieder: Yung Joc heizt Hotlanta ein.

85

THE RED BULLETIN

Wo der Wind den Sieger macht: Zwei turbulente Nächte auf Adam Małysz’ Heimschanze sind garantiert. Wielka Krokiew, Zakopane, Polen

25. – 27. 1. 2008

SIMPEL SESSION

Die größten BMX- und SkaterPartys des europäischen Winters. See you at the contest! Tallinn, Estland

26. 1. 2008

10. OPERNREDOUTE GRAZ

Junge Tradition, großes Flair: Das Ballettensemble der Grazer Oper tanzt vor, 2000 Gäste schleifen das Parkett. Grazer Oper, Österreich

26. 1. 2008

CARTEL

Wie vorher vereinbart: Die fünf Freunde aus Atlanta erobern Britannien und Irland mit melodischem Punkrock. Ambassador Theatre, Dublin, Irland

26. 1. 2008

KISS MY GRASS

Am Australia Day sammelt Melbournes Musikszene für Kiss FM. Der ganze Tag Party! Sidney Myer Music Bowl, Melbourne, Australien

26. 1. 2008

WINTER SINGLE SESSION

Nur nicht solo shredden: Die Nitro Night Session in den Pyrenäen ist Etappe zwei der spanischen Boarder-Tour. La Molina, Spanien

28. 1. 2008

VEUVE CLICQUOT WINTERCUP

Der exklusivste Nachtslalom des Winters: 150 High-Society-Starter ehrgeizen über die grüne Piste um die Wette. Kirchschlag, Österreich

28. 1. 2008

Die Award Show für die extremsten Ski-Videos. Und danach Aspens Party des Jahres. Hotel Jerome, Aspen, Colorado, USA

31. 1. 2008

SMASHING PUMPKINS

Seit 20 Jahren am Zeitgeist und besser als je zuvor: Die präzisen Magengrubenarbeiter machen Tourstopp in Wien. Wiener Stadthalle, Österreich

2. 2. 2008

FOO FIGHTERS

Dave Grohl und Co touren drei ganze Monate durch Nordamerika. Pfoo! Oracle Arena, Oakland, Kalifornien, USA

26. 1. 2008 Melbourne feiert seinen Lieblingsradiosender: Kiss My Grass!

AIO_82-85_DayNite.indd 85

18. 1. 2008 Die Hilltop Hoods gehen groß aus. Ozeaniens Top-Festival!

BILDER: APA/EPA/SANDISK EPA, APA/FRANZ NEUMAYR, APA/HANS KLAUS TECHT, GETTY IMAGES (3), MXPX, WWW.KISSFM.COM.AU, WWW.PICTUREDESK.COM

POWDER POLL & VIDEO AWARDS

21. 1. 2008 MxPx in Tokio: der Shinkansen des US-Skate-Punks.

19.12.2007 17:43:08 Uhr


Part y

jänner 2008

VANESSA DE LAMPEDUSA entstammt einem sizilianischen Adelsgeschlecht, lebt in New York und Capri und schmückt die Einladungslisten der interessantesten Partys der Welt. Für das Red Bulletin führt sie monatlich Protokoll.

Unser Name ist Hase Was Nora Tschirner nach der Premiere von „Keinohrhasen“ Til Schweiger

DIE MEUTE IST SCHON DA. Am roten Teppich vor dem CubixKinocenter gleich hinter dem Bahnhof Alexanderplatz haben die Fotografen ihre Trittleitern aufgestellt. Erst ein paar Halbund Unbekannte, dann kommen die Stars. Und das ist an diesem Abend vor allem einer: Til Schweiger. Produzent, Regisseur und Hauptrolle in einem. Der Star posiert, die Kameras blitzen, die Geschichte ist im Kasten. Schweigers Film handelt genau davon. Er spielt einen Klatschreporter, der zusammen mit seinem Fotografen (Matthias Schweighöfer) den Boulevard abgrast. Ein windiger Typ, aber eben nicht nur. Denn am Ende verliebt er sich doch in die Kindergärtnerin Anna (Nora Tschirner). „Keinohrhasen“ heißt die Komödie, und der Titel ist gut gewählt. Denn erstens kann so die Reporterin auf dem roten Teppich automatisch jedem Star die gleiche Frage stellen, nämlich: Was ist das, ein Keinohrhase? Und zweitens braucht dank eines pelzigen PR-Kuschelhasens keiner zu antworten. So machen es jedenfalls Til Schweiger und Nora Tschirner, die einfach ununterbrochen mit dem Tier herumspielen. Sie steckt es ihm ins T-Shirt. Er hält es ihr beim Foto hinter den Kopf und grinst dabei wie ein Schüler. Als irgendwann noch Thomas Gottschalk dazukommt und sich in ihre Mitte stellt, sehen die beiden aus wie Neffe und Nichte, die ihrem großen Onkel aus Amerika gerade mal bis zur Schulter reichen. So groß sind hier überhaupt sonst nur noch die Klitschko-Brüder, die ihre Freundinnen über den Teppich führen und charmantes Lob an jedermann in die Mikrofone gurgeln. Auf der Premierenfeier im „Tape“ fehlen sie dann allerdings alle beide. Das Tape, einer der neueren Berliner Clubs, der sich sonst gern geheim hält, ist eine ehemalige Lagerhalle im Indus-

Starke Auftritte in Berlin: die Brüder Vitali und Wladimir Klitschko (großes Bild). Amüsiert, ebendort: Moderatorin Sarah Kuttner mit Mütze (rechts), Schauspieler Wolfgang Stumph mit seiner süßen Tochter (o. li.) und Bambi-Preisträger Matthias Schweighöfer ganz in blond (kleines Bild o. re.).

AIO_86-88_PARTY.indd 86

BILDER EDGAR HERBST BERLIN, DEUTSCHLAND WAS Premierenparty „Keinohrhasen“ im „Tape“ WANN 10. 12. 2007 WER Til Schweiger, Nora Tschirner, die Klitschkos, Gedeon Burkhard, Yvonne Catterfeld, Thomas Gottschalk, Matthias Schweighöfer

illustration: anje jager

unters T-Shirt schob. TEXT VANESSA DE LAMPEDUSA

19.12.2007 16:22:42 Uhr


87

illustration: anje jager

Artige Ausgelassenheit bei der Premierenparty in Berlin: Til Schweiger (o.) sagt allen, dieâ&#x20AC;&#x2122;s wissen wollen, dass ihm sein Film gefallen hat. Mit Til freuen sich: der Schauspieler Axel Schreiber (ganz links), Quizmaster Thomas Gottschalk (Bild links in der Mitte) mit Nora Tschirner, Til Schweiger und dem Keinohrhasen (klein), die Schauspielerin Nadine Warmuth (kleines Bild u.) mit Freund.

AIO_86-88_PARTY.indd 87

19.12.2007 16:22:44 Uhr


88

the red bulletin

Part y

jänner 2008

Fast so sensationell wie die Hauptsache: der Auftritt von Reserve-Sissi Yvonne Catterfeld mit ihrem privaten Thronfolger (großes Bild, li.). Im Partnerlook mit Sarah Kuttner: Gedeon Burkhard ohne Frau und ohne Hund, dafür mit Kopfbedeckung. Selber Abend, etwas später: Axel Schreiber (kleines Foto, re. u.) hat Anschluss gefunden, Til Schweiger (kl. Foto, li. u., von hinten) muss noch immer reden. Hier mit Matthias Schweighöfer.

triegebiet hinter dem Hauptbahnhof. In der Mitte steht eine kreisrunde, von außen schwarz gepolsterte Bar, an der jeder jeden im Blick hat. Gut so. Anfangs trennt zwar noch eine rote Kordel den VIP-Bereich ab, was einem auf gleicher Ebene ein wenig albern vorkommt. Jürgen Vogel, der coole Hund, geht jedenfalls schnurstracks auf die andere Seite der Bar. Auch Nora Tschirner hält nichts hinter der Kordel. Sie plaudert erst ein bisschen mit Yvonne Catterfeld und deren neuem Freund, einem schwarzhaarigen Jungen mit Schiebermütze und französischer Ausstrahlung. Dann schnappt sie irgendwann ihre Freundin Sarah Kuttner an der Hand und zieht sie hinter sich durch die Menge, was so viel heißen soll wie: Jetzt machen wir mal normal Party. So weit ist Til Schweiger noch lange nicht, der tapfer weiter Schultern klopfen muss. Die Lachfältchen an seinen Augenwinkeln graben schon Furchen. Ein paar Meter weiter steht sein Kollege Matthias Schweighöfer, immerhin fast zwanzig Jahre jünger, und sieht heute Abend mit Krawatte, Hemd und Jackett ganz bubenbrav aus. Etwas gelangweilt lächelt er einer älteren Blondine über die Schulter hinweg. Der schnauzbärtige OstKommissar Wolfgang Stumph strahlt derweil ehrlich fröhlich mit einem Bier in der Hand in die Runde. Und Gedeon Burkhard hat seine Wollmütze immer noch nicht abgenommen. Irgendwann in der Nacht verschwindet Til Schweiger kurz. Schnellen Schrittes geht er hinaus über die mit einem Zelt überdachte Eingangsrampe zur Toilettentür. Er bleibt kurz stehen. Ein paar Minuten ganz allein, ohne die Meute. ♉

AIO_86-88_PARTY.indd 88

19.12.2007 16:22:47 Uhr


JÄNNER 2008

PART Y

THE RED BULLETIN

89

Mobile Kufenwunder Nach dem Swatch Snow Mobile wurde im luxuriösen „Alpine Palace“ noch einmal ordentlich Gas gegeben. TEXT VANESSA DE LAMPEDUSA BILDER J. FISCHNALLER & B. LOEBELL

SAALBACH, ÖSTERREICH WAS Seitenblicke Champions Night WANN 15. 12. 2007 WER Kristian Ghedina, Hubertus Hohenlohe, Alex Wurz, Felix Baumgartner, Clemens Doppler, Gitta Saxx, Mark Keller, Franz Klammer, Mark Webber, …

BEI DER SKI-WM 1991 in Saalbach musste sich Kristian Ghedina in der Kombination noch mit der Silbermedaille begnügen. Beim Swatch Snow Mobile, einem Motorschlittenrennen durch das Saalbacher Ortszentrum, schlug der Italiener Mitte Dezember zurück und holte für das Luis-Trenker-Team den Sieg. Gefeiert wurde der Erfolg auf der Seitenblicke Champions Night im noblen 5-Sterne-Resort Alpine Palace, wo sich Swatch-AustriaBoss Rudi Semrad, sein Schweizer Marketingchef Peter Mager und Ski-Legende Franz Klammer als erste Gratulanten einstellten. Für den optischen Aufputz und neuerdings auch für musikalische Untermalung sorgte das Playmate des Jahrtausends, Gitta Saxx. Alexander Wurz war nicht so richtig in Partylaune: Der Ex-Formel-1-Pilot belegte mit seinem Team nur Rang fünf. Red Bull-Racer Mark Webber ließ das Rennen überhaupt aus, der Australier gab lieber nächtens Gas und unternahm eine Schneeschuhwanderung in den Salzburger Alpen. ♉

Großer Sport bei der Seitenblicke Champions Night in Saalbach: Ex-Skistar Kristian Ghedina wird nach seinem Sieg in den Himmel gehoben (o.). Auf Kuschelkurs: Ski-Prinz Hubertus Hohenlohe und das Playmate des Jahrtausends, Gitta Saxx (oben Mitte). Im Radlager: Radler Gerhard Zadrobilek vs. Motocrosser Heinz Kinigadner (oben rechts). Bergfuchs: Mark Webber holt sich die Tipps aus dem Red Bulletin (unten links). Schöner Aufputz: reichlich fesche Mädels zwischen all den Stars (unten rechts).

AIO_89_PARTY_Saalbach.indd 89

19.12.2007 16:16:30 Uhr


90

THE RED BULLETIN

DIE BESTEN CLUBS DER WELT

JÄNNER 2008

Tanz die Kapital! Madrids schärfster Club im InsiderModus: Was wir in der „Sala Kapital“ suchen und was wir lieber vermeiden. TEXT ALEXANDER MACHECK BILDER JAN BITTER MADRID, SPANIEN WAS House, Cocktail, Fashion, Party WANN jeden Freitag und Samstag ab Mitternacht WER Armando Vázquez, David Reyes und Freunde legen im Main Room auf. Auf den anderen Floors spielt’s Funk und Rhythm and Blues.

AIO_90-91_CLUB 500.indd 90

HOUSE HÄMMERT ÜBER DEN DANCEFLOOR, Absender ist Armando Vázquez, spanische Turntable-Legende. Über unseren Köpfen wütet ein Laser-Gewitter, wir schieben uns durch die tanzende Crowd im Main Room von Madrids obligatem Club, der „Sala Kapital“. Sieben Stockwerke Party. Erdgeschoß und erster Stock: House. 2. Stock: Karaoke. 3.: R&B. 4.: Cocktailbar. 5.: Kino. 6.: Salsa & spanish music. 7.: Chill-out. Na bitte, wir reden mit Sergio. Der wohnt hier quasi. Und gibt uns wahrhaftige Info: Die „Kapital“ öffnet um Mitternacht – „aber komm nicht vor zwei. Da geht’s erst richtig los.“ Rein darf theoretisch jeder – „aber verzichte beim Stylen lieber auf Sneakers und T-Shirt“. Für Hungerattacken? „Brauchst du im Club gar nicht zu fragen. Vergiss den Automaten im zweiten Stock. Check die SandwichBar draußen neben dem Eingang, die ist berühmt in der Stadt.“ ¡Gracias! Wir fallen zurück ins Erdgeschoß. Und verschwinden für den Rest der Nacht in Armandos akzentuiertem Beatbrei.

19.12.2007 16:11:28 Uhr


JÄNNER 2008

DIE BESTEN CLUBS DER WELT

THE RED BULLETIN

91

Chill-Zone in der Sala Kapital (im Überblick oben; Nischen im Detail links unten). Madrids derzeit schärfstem Club ist die Anmutung eines traditionellen Theaters zu eigen. So clean und hell wie auf dem Foto links kriegt ihn allerdings nur unser Fotografenteam zu sehen. Oder die Putzkolonne. Wenn sie mit der Arbeit fertig ist. Partysanen präsentiert sich die alte Dame im Sci-Fi-Style (ganz links, Blick aus Armandos Cockpit).

AIO_90-91_CLUB 500.indd 91

19.12.2007 16:11:41 Uhr


92

the red bulletin

read bull

jänner 2008

Autor des Monats

TIM PARKS

Der Engländer schreibt klug und amüsant und verstörend über einen Alltag, der uns nicht fremd ist, dessen Probleme wir aber – weil wir längst ein Teil davon sind – nicht allein lösen können: die Ehe, die Fremdheit zwischen Eltern und Kindern, die Krise in mittleren Jahren, das Altern. Parks ist über die Jahre seines Autorenlebens zum hochpräzisen Beobachter gereift. Wohl auch, weil er, der in Englisch publiziert, seit Jahren in Italien lebt, wohin die Liebe ihn verschlagen hat. Und weil er, obwohl längst zum vorzüglichen Übersetzer gereift, in den neuen

TIM Parks, 53, wurde in Manchester/England geboren, wuchs in London auf und studierte in Cambridge/England und Harvard/ USA. Seit 1981 lebt Parks in der Nähe von Verona in Italien als Autor und Übersetzer (u. a. von Italo Calvino und Alberto ­Moravia). Bekannteste Werke: „Flammenzungen“ (1986), ­„Europa“ (1997), „Schicksal“ (2001) und „Eine Saison mit ­Verona“ (2003) – in diesem Buch beschreibt Parks Freud und Leid eines Fans des damals zweitklassigen Hellas Verona FC.

AIO_92-95_Readbull.indd 92

illustration: anje jAger

Sprache noch immer nicht schwimmt wie ein Fisch, sondern nur wie ein Boot.

19.12.2007 16:06:42 Uhr


jänner 2008

read bull

93

the red bulletin

Vom Abenteuer, Italiener zu sein

illustrationen: sascha bierl

Erzählung von Tim Parks

Aber es war kein Problem; falls ich nach Italien ziehen as Leben bietet kurze und wollte, würde sie mich auf keinen Fall heiraten, erklärte mir lange Abenteuer: den Rita ein halbes Jahr später, denn mit dem Land hatte sie abgeeinminütigen Adrenalinschlossen. Sie wollte in London leben. „In Ordnung“, sagte ich. kick, wenn man im Kajak „Ich kann mir gar nicht vorstellen, irgendwo anders zu leben.“ zwischen Gischt und Felsen Wir waren uns einig. eine riskante Stromschnelle Aber damals wusste Rita noch nichts vom englischen passiert; die zwei Stunden, Wetter, vom englischen Regen, und mir selber wurde erst alldie ich einmal auf einem vermählich klar, wie peinlich es in Londoner Literaturkreisen sein eisten Felsvorsprung auf den kann, wenn der erste, dann der zweite und dann auch noch Rettungshubschrauber gewartet habe; die drei verträumten der dritte Roman von allen Verlegern in der Stadt abgelehnt Wochen am Strand mit einer Urlaubsliebe; die neun Monate wird. Es war ein finsteres Jahr. Mein Vater starb, und wir fanzwischen Alltag und Wunder, wenn man auf ein Kind wartet; den keine guten Jobs. Im Sommer packten wir unsere Sachen und natürlich das lebenslängliche Abenteuer der Ehe, über das ins Auto. Nur um zu sehen, wie es in Verona so war … man lieber nicht zu viele Worte verliert. Ich habe das Glück, dass eines meiner längsten Abenteuer Jedes Abenteuer ist ein Risiko. Ich erinnere mich noch an zugleich auch das intensivste und produktivste war. 1981, im den ersten Abend. Wir genossen die Annehmlichkeiten, für Alter von 26 Jahren, packte ich meine gesamten Habseligkeidie Italien berühmt ist: Prosecco und bruschetta auf einer ten in einen gebrauchten VW Passat, fuhr von London nach Terrasse am Fluss, unter einer Pergola. Als die Dämmerung Italien und habe seitdem nur noch dort gelebt. hereinbrach, wurden die auf und ab fliegenden Schwalben Wenn man bedenkt, dass ich damals aus Überzeugung über der Etsch von nervös flatternden Fledermäusen abgelöst. einsprachig und noch dazu sehr, sehr englisch war, gesegnet Lernbegierig erkundigte ich mich: „Wie heißen Fledermäuse mit englischen Ambitionen, englischen Moralvorstellungen auf Italienisch?“ Einer von Ritas Freunden warf mir einen und englischer Überheblichkeit, dann fragt man sich, wie es verschlagenen Blick zu und sagte „battone“. Und er ließ mich zu diesem tollkühnen Entschluss kam und warum ich nicht in nachsprechen: „Guarda le battone che volano!“ einem der unzähligen Momente, in denen dieses Land Dann brachen alle in Gelächter aus. Denn battona mich zum Wahnsinn getrieben hat, wieder geflohen bin. READ BULL, DIE bedeutet in der Umgangssprache Hure. Seht nur, Es begann, wie so viele Abenteuer, mit einem LäLESEGESCHICHTE wie die Huren umherfliegen. Und dazu noch mein cheln, das mich über einen Tisch hinweg traf. Damals im Red bulletin. Akzent, Dio santo! wusste ich nicht, dass sie Italienerin war. Ich hatte Jeden Monat schreibt Sofort wurde mir klar, dass ich die Annehmlichkeine Ahnung, dass sie eine andere Sprache, eine anein namhafter Autor keiten des Südens mit sozialer Verletzlichkeit würdere Mentalität und für mich ein anderes Schicksal im eine Kurzgeschichte de bezahlen müssen. Da ich sprachlich inkompetent Gepäck hatte. Da wechselt man mit einer unbekannten für das Red Bulletin. war, würde ich ständig Gefahr laufen, ausgelacht zu Person ein paar Worte und tauscht ein paar Küsse aus, Das Thema ist frei, und werden. Und das hasse ich! Ich hasse es, wenn ich und schon bildet man sich ein, sie zu verstehen. Wie manchmal ist irgendwo bei einer Unterhaltung nicht mitreden und zeigen hätte ich die Ozeane der Fremdheit erahnen sollen, die in der Geschichte sogar kann, wie schlagfertig ich bin (und wie bescheiden). hinter diesen dunklen Augen verborgen lagen? eine Dose versteckt.

AIO_92-95_Readbull.indd 93

19.12.2007 16:06:43 Uhr


94

the red bulletin

read bull

Am nächsten Nachmittag saß ich bereits mit einem Stapel Bücher in der Bibliothek. Monatelang, jahrelang sogar, notierte ich mir jedes Wort, das ich nicht kannte. Ich erkundigte mich, wie man es richtig aussprach. Im Gespräch übte ich, die gelernten Worte in allen möglichen Kombinationen zu benutzen. Ich beschloss, diese Sprache so gut zu lernen, dass die Italiener nicht mehr merkten, dass ich keiner von ihnen war. Oder vielmehr, sie sollten ruhig merken, dass ich Engländer war, aber nur an meinem Namen, und dann sollten sie über meine Fähigkeiten staunen. Zum Glück hatte ich damals keine Ahnung, wie riesig mein Vorhaben war: Es war so, als stiege ich auf einen Berg, und jeder scheinbare Gipfel entpuppte sich nach dem Erklimmen als falsch; dahinter lag ein noch höherer, nein, eine ganze Kette von Gipfeln, einer höher als der andere. Das Niveau, das man nach einem Monat erreicht hat, ist nach sechs Monaten nicht mehr ausreichend und nach einem Jahr nur noch erbärmlich. Die Latte wird immer höher gelegt. Die Jahre vergehen, und man hat immer noch das Gefühl, erst die Hälfte geschafft zu haben, dann erst ein Viertel, schließlich erst ein Zehntel. Es ist unmöglich. Es ist, als wolle man nicht nur schwimmen lernen, sondern schwimmen wie ein Fisch! Man müsste ein ganz anderes Wesen sein. Und aus mir wurde auch sehr schnell ein anderes Wesen. Oder doch ein anderer Mensch. Das war unvermeidlich.

ch erinnere mich an einen Anruf, der kam, als ich etwa ein Jahr im Land war. Der Rektor der Privatschule, an der ich arbeitete, erklärte mir, warum mein Verdienst geringer ausgefallen war als erwartet. Wesentlich geringer. „Ladri“, schrie ich unvermittelt. „Siete dei ladri!“ Ihr Diebe! Dann knallte ich den Hörer auf die Gabel. Meine Frau machte große Augen. „Heh, das war echt italienisch“, sagte sie. „Das sah dir überhaupt nicht ähnlich.“ Sie schien zugleich beeindruckt und verblüfft zu sein. Ihr Ehemann hatte sich verändert. „Es ist mir so rausgerutscht. Jetzt bin ich vermutlich meinen Job los.“ „Bestimmt nicht. Hier respektiert man Leute, die ‚ladri!‘ brüllen können.“ Und tatsächlich, fünf Minuten später rief der Rektor zurück. Es habe ein Missverständnis gegeben, sagte er, sicher-

AIO_92-95_Readbull.indd 94

jänner 2008

lich aufgrund meiner begrenzten Kenntnis der italienischen Sprache. Er hatte mir in Wirklichkeit ein höheres Angebot unterbreiten wollen, von dem er hoffte, es würde mich zufriedenstellen. Italien ist ein Land für Eingeweihte, ein Land der eng verbandelten Gruppen, die wissen, was sie wissen, der unerwarteten Feindschaften und der ebenso unerwarteten Bündnisse; kurzum, ein Land, in dem die offiziellen Regeln nicht mal andeutungsweise erklären, wie die Dinge tatsächlich gehandhabt werden. Die Sprache zu lernen, egal wie gut, reicht folglich nicht aus. Man kann sich trotzdem noch nach Strich und Faden blamieren. Man geht wegen einer Hypothek zur Bank und wird gefragt, wie viel man für die Wohnung bezahlt. Man nennt eine Summe. Der Bankangestellte lacht. „Nein, ich meine nicht die mit dem Bauherrn abgesprochene Summe, die Sie bei der Steuer angeben. Ich muss wissen, was Sie tatsächlich bezahlen. Keine Angst, wir verraten es niemandem.“ Man erhält eine Anfrage vom Finanzamt bezüglich der Lehrtätigkeit, die man an der Universität ausübt, und man geht unverzüglich hin, um die Angelegenheit ganz offen zu klären. Zwei graue Männer lesen einem einen äußerst komplizierten Artikel aus dem Steuergesetz vor, den man nicht mal ansatzweise versteht. „Sie hätten auf diese Einnahmen Mehrwertsteuer bezahlen müssen“, erklären sie feierlich. „Seit Jahren, Signore. Sie schulden dem Staat 18 Millionen Lire“ (etwa 9000 Euro, aber das war 1993). Entsetzt bittet man einen Steuerberater, mit dem Finanzamt zu verhandeln. Er erklärt, diese Männer wollen nur ein Schweigegeld, sonst hätten sie einen offiziellen Bescheid geschickt. Man habe rein gar nichts falsch gemacht. Der Grund, warum man das Gesetz nicht verstanden habe, sei der, dass es vollkommen verwirrend und mehrdeutig ist.

19.12.2007 16:06:43 Uhr


jänner 2008

Read bull

„Ich werde mit den Beamten reden“, bietet er an. Als er zurückkommt, sagt er, sie verlangen 800.000 Lire (400 Euro) in bar. Bis Ende des Monats. Jetzt plagen einen furchtbare Gewissensbisse. Mein Gott, das ist doch Bestechung! Korruption! Und was, wenn sie nächstes Jahr noch mehr verlangen? „Zahl einfach, Timino!“, sagen alle italienischen Freunde. „Per l’amor di Dio, 800.000 ist wirklich nicht viel.“ Also zahlt man. Und fühlt sich hinterher fantastisch. Großartig, man hat seine verklemmte protestantische Haltung abgelegt. Man hat etwas über das Leben gelernt, über sich selbst. Und dazu noch ein paar nützliche neue Vokabeln. Im nächsten Jahr verschwindet der Steuerberater etwa um die Zeit, zu der man seine Steuererklärung machen muss, spurlos. Und ich fragte mich: Hat der Mann den Beamten wirklich die 800.000 gezahlt, oder hat er die Hälfte für sich behalten? Oder womöglich gar nichts gezahlt? Aber die entscheidende Frage zu diesem Zeitpunkt war: Wie kann ein Ausländer aus dem Sprachlehrer-Ghetto ausbrechen und eine echte Universitätskarriere machen, und zwar gemeinsam mit den Italienern? Dieser Vorgang war so obskur wie eine Geschichte von Kafka. Er dauerte zwölf Jahre. Dennoch gehörten seltsamerweise gerade diese Hürden zu den Gründen, warum ich in Italien blieb. Ich hatte so viel investiert. Meine ganze Persönlichkeit war inzwischen darauf gepolt, das Handicap des Fremdseins zu überwinden. Zweifel­ los tat es dem Selbstbewusstsein gut, das Gefühl zu haben, man habe sich trotz allem seinen Platz erobert. Und dann gab es noch die Bücher … In der ersten Zeit in der Bibliothek las ich die zeitgenössischen Romanciers: Tabucchi, Fallaci. Dann die Nachkriegsschriftsteller: Moravia, Calvino, Morante, Pavese; dann die Vor­ kriegsgeneration: Buzzati, gefolgt von Svevo, dann Verga …

the red bulletin

95

nd das war noch ein ganz anderes Abenteuer. Eine unglaublich reiche Kultur breitete sich auf einmal vor mir aus; ein Bild wurde sichtbar, das ständig klarer und zugleich komplexer wurde. Verleger fingen an, mich mit Übersetzungen zu beauftragen, sogar von Klassikern. Und je mehr ich las, desto mehr verstand ich natürlich, was auf der praktischen Seite meines Lebens vor sich ging; Worte, die Jahrhunderte zuvor geschrieben worden waren, halfen mir, die Mentalität hinter meinen Steuerproblemen zu verstehen, wiesen darauf hin, dass die Mantel-und-Degen-Welt der Universität so alt war wie … Manzoni, dann Leopardi, dann Foscolo, bis hin zu Boccaccio, Petrarca und sogar Dante, an den ich mich nach fast zwanzig Jahren in Italien zum ersten Mal im Original herantraute. Dabei stellte ich fest, dass ich mit der teuflischen Bürokratie des Inferno bereits bestens vertraut war. In der Zwischenzeit wuchsen meine drei Kinder als Italiener auf, und jetzt muss ich mir Sorgen machen, dass auch sie mich lächerlich finden. Spätestens nach dem zweiten Glas kommt mein Akzent durch, und dann platzen sie heraus: „Papà, che figura!“ Aber was könnte für einen Schriftsteller nützlicher sein, als sich ständig der Sprache und ihrer Funktionsweise bewusst zu sein, ständig gefordert zu werden? Und was könnte für einen Mann, der so eitel ist wie ich, heilsamer sein, als fortwährend ausgelacht, fortwährend daran erinnert zu werden, dass er sein Ziel noch nicht erreicht hat? Da unterhalte ich mich mit jemandem im Zug, und nach ein paar Minuten sagt er: „Sie sind nicht aus der Gegend, oder? Kommen Sie aus Südtirol?“ Schrecklich! In solchen Momenten muss ich mir ins Gedächtnis rufen, dass ich nie ganz und gar Italiener werden wollte. Das Abenteuer bestand immer darin, akzeptiert und respektiert zu werden, tief im Innern jedoch ganz anders zu bleiben, ganz ich selber und eben nicht ein Teil der Gruppe.

Aus dem Englischen von Ulrike Becker.

AIO_92-95_Readbull.indd 95

19.12.2007 16:06:44 Uhr


96

THE RED BULLETIN

RED BULLDOG

JÄNNER 2008

RR!

KNU

DARÜBER LACHT DIE WELT Bissig wie einst der „Simplicissimus“: der Dezember

im Spiegel der witzigsten Kommentare internationaler Zeitungen und Magazine. THE NEW YORKER Das amerikanische Intellektuellenblatt macht einen Vorschlag zur industriellen Evolution: Frischfisch unter Ausschaltung der Fischereiindustrie.

WELT AM SONNTAG Der amerikanische Geheimdienst CIA stellt klar, dass der Iran sein Nuklearprogramm zurzeit eingestellt hat – ganz im Gegensatz zu den Aussagen von Präsident George Bush. Die „WamS“ kommentiert lakonisch.

VANITY FAIR In der beliebten Rubrik „Morpholution“ zeigt das unterhaltsame Glamourblatt die mögliche Verwandlung der amerikanischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton in den Immobilien-Tycoon Donald Trump. Sehr realistisch!

FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG Jubel in Deutschland, als die Gruppenauslosung für die Europameisterschaft 2008 bekannt wird. Sagen wir so: Der Respekt vor Österreichs Fußballern fällt dem deutschen Nachbarn schwer. „Armes Austria!“, formuliert der Kommentator des Frankfurter Weltblattes. „Das Nationalteam quält die Fans – und umgekehrt.“

AIO_96-97_Bulldog.indd 96

19.12.2007 16:01:09 Uhr


RED BULLDOG

JÄNNER 2008

THE RED BULLETIN

97

Also Ist d ehrlich farb ie Queen: enbl ind?

BILDER: ANWAR HUSSEIN/LF1 (3), ANWAR HUSSEIN COLLECTION/SIPA (5), ANWAR HUSSEIN (3), KEN GOFF PHOTOS/SIPA, SIPA, WWW.PIICTUREDESK.COM/REX FEATURES (7)

DIE RED BULLETIN-FARBPALETTE Zum sechzigsten Hochzeitstag von Queen Elizabeth hier eine Übersicht über einfärbige Schönheit. Gratulation!

ECONOMIST Das britische Wirtschaftsmagazin ortet Problemverkennung beim amerikanischen Präsidenten. Dieser sieht den Iran (rechts) als „große Bedrohung“. Der Riese (links) im toten Winkel: der Klimawandel.

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG Das Eliteblatt aus Hessen scherzt über den Zustand der deutschen Sozialdemokraten. Befund: außerirdisch.

AIO_96-97_Bulldog.indd 97

MAIL ON SUNDAY Das englische Boulevardblatt entdeckt eine Lücke im Gebiss von Enfant terrible Amy Winehouse. Pointierter Titel: „The Hole Truth“.

19.12.2007 16:02:32 Uhr


98

THE RED BULLETIN

ZEITSPRUNG

JÄNNER 2008

PLAY IT AGAIN, Sam, aber bitte prestissimo, denn deine Musik schießt mir ganz arg ins Kreuz. Oder könnte jemand aus dem geschätzten Publikum mir netterweise Flügel verleihen? Ach so, wir schreiben erst 1905: Gut, dann muss ich noch ein wenig aushalten.

BILD: CORBIS

NEW ORLEANS, STUNTSHOW EINES PIANOSPIELERS MIT PARTNERIN, SOMMER 1905

Herausgeber und Verleger Red Bulletin GmbH Chefredaktion Christian Seiler, Robert Sperl, Boro Petric (Stv.) Art-Direktion Erik Turek, Markus Kietreiber (Stv.) Fotodirektion Manfred Klimek, Fritz Schuster (Stv.) Chefin vom Dienst Marion Wildmann Leitende Redakteure Werner Jessner, Alexander Macheck Redaktion Ulrich Corazza, Christoph Rietner, Simon Schreyer, Clemens Stachel, Nadja Žele Grafik Claudia Drechsler, Mandy Fischer, Simone Fischer, Sebastian Tschugmell, Dominik Uhl Fotoredaktion Markus Kučera, Valerie Rosenburg Senior Illustrator Dietmar Kainrath Autor Christian AnkoEIN FAST UNABHÄNGIGES MONATSMAGAZIN witsch Mitarbeiter dieser Ausgabe Daniel Fierman, Walter Gröbchen, Christian Grünwald, Markus Huber, Peter Krobath, Johanna Lühr, Tim Parks, Andin Tegen, Stefan Wagner Creative Consultants Markus Nowak Cover Illu Heri Irawan llustratoren Sascha Bierl, Anje Jager, Ken Karner/Ichiban, Sebastian Lester, Jörg Liebsch, Denis Mujakovic, Martin Udovicic, Noa Weissman Lektorat Hans Fleißner Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Nenad Isailovic Produktion Michael Bergmeister, Wolfgang Stecher Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg, Odysseus, A-2325 Himberg (Umschlag) Vertrieb Morawa Pressevertrieb Ges.m.b.H., A-1140 Wien Geschäftsführung Bernd Fisa, Christian Seiler, Rudolf Theierl Verlagsleitung Bernd Fisa Marketing Martina Kurtz Projekt- und Mediamanagement Jürgen Eckstein, Thomas Kern Projektmanagement Jan Cremer, Daniela Kubak, Sandra Sieder, Karl Tatscher, Sara Varming Anzeigenverkauf Bull Verlags GmbH, HeinrichCollin-Straße 1, A-1140 Wien; anzeigen@at.redbulletin.com Office Management Katharina Reinisch Firmensitz Red Bulletin GmbH, Am Brunnen 1, A-5330 Fuschl am See, FN 287869 m, ATU 63087028 Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com Web www.RedBulletin.com Erscheinungsweise Red Bulletin erscheint jeweils am ersten Dienstag des Monats als Eigenbeilage von und in Kooperation mit folgenden Partnerzeitungen: Kleine Zeitung, Oberösterreichische Nachrichten, Die Presse, Salzburger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten; Burgenländische Volkszeitung, Niederösterreichische Nachrichten Gesamtauflage 1,1 Millionen Leserbriefe bitte an leserbriefe@at.redbulletin.com Offenlegung nach § 25 Abs. 4 Mediengesetz: Medieninhaber: Red Bulletin GmbH mit Sitz in Fuschl am See; Unternehmensgegenstand: Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Zeitschriften, Magazinen, Büchern und anderen Periodika, insbesondere unter der Bezeichnung „Red Bulletin“; Geschäftsführer: Rudolf Theierl. Die Red Bulletin GmbH steht im Alleineigentum der Red Bull Media House GmbH mit Sitz in Wals-Siezenheim. Unternehmensgegenstand der Red Bull Media House GmbH: Medienwesen, Beteiligungen; Geschäftsführer: Dietrich Mateschitz, Andreas Gall. Die Red Bull Media House GmbH steht im Alleineigentum der Red Bull GmbH mit Sitz in Fuschl am See. Unternehmensgegenstand der Red Bull GmbH: Verwertung der Marke „Red Bull“; Geschäftsführer: Dietrich Mateschitz. An der Red Bull GmbH sind Chalerm Yoovidhya, Bangkok, und die Distribution & Marketing GmbH, Thalgau, mit jeweils 49 % beteiligt. Die Red Bull Media House GmbH ist an folgenden anderen Medienunternehmen beteiligt: Red Bull TV GmbH mit Sitz in Wals-Siezenheim; Betriebsgegenstand der Red Bull TV GmbH: Medienwesen; Salzburg TV Fernsehgesellschaft m.b.H. mit Sitz in Wals-Siezenheim. Betriebsgegenstand der Salzburg TV Fernsehgesellschaft m.b.H.: Betrieb des Senders Salzburg TV. Grundlegende Richtung (Blattlinie): Berichterstattung über Aktivitäten und Lifestyle von Red Bull.

DIE NÄCHSTE AUSGABE DES RED BULLETIN ERSCHEINT AM 5. FEBRUAR 2008.

AIO_98_Zeitsprung.indd 98

19.12.2007 15:56:13 Uhr


RZ_anz_red_bulletin_AT.qxp

19.10.2007

14:46 Uhr

Seite 1

D I E K R Ä F T E D E R N AT U R . Thymian (Thymus vulgaris)

Orangenschalen (Citrus aurantium)

Lindenblüten (Tilia cordata)

Wacholder (Juniperus communis)

Holunderblüten (Sambucus nigra)

Ingwer (Zingiber officinale)

Rosenblüten (Rosa centifolia)

Pfefferminze (Mentha piperita)

Assai (Euterpe edulis)

Brombeerblätter (Rubus fruticosus)

Birkenblätter (Betula pendula)

Kardamom (Elettaria cardamomum)

Lavendel (Lavandula angustifolia)

Zitronenmelisse (Melissa officinalis)

Löwenzahn (Taraxacum officinale)

Koriander (Coriandrum sativum)

Quitten (Cydonia oblonga)

Hagebutten (Rosa canina)

Passionsblume (Passiflora incarnata)

Hopfen (Humulus lupulus)

Hibiskus (Hibiscus sabdariffa)

Ringelblume (Calendula officinalis)

Galgant (Alpinia officinarum)

Zitronengras (Cymbopogon citratus)

ZUM TRINKEN.

RED BULL GIBT’S JETZT AUCH ZUM LESEN: RED BULLETIN. www.carpediem.com

Jeden Monat neu!

DES TRINKENS REICHER SINN. Carpe Diem Botanic Water ist 100% natürlicher Trinkgenuss, der sich die Kräfte der Natur zu Nutze macht. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Botanik der Universität Wien wurden 24 Kräuter und Pflanzen ausgewählt, die seit Jahrhunderten in der Naturheilkunde Anwendung finden. Carpe Diem Botanic Water gibt es in drei Sorten: Beruhigend, Harmonisierend und Belebend. Weitere Informationen auf www.carpediem.com

AIO_00_Umschlagmontage.indd 100

Anzeigen_im_Bulletin.indd 1 Process CyanProcess MagentaProcess YellowProcess Black

10/24/07 12:58:19 PM 14.12.2007 12:16:20 Uhr


1/2008 Neues aus der Welt von red bull

T h e r e d b u l l e t i n

91 DER TOP 100 UNTERNEHMEN ÖSTERREICHS SETZEN AUF A1.

WIR VERBINDEN, WAS SIE VERBINDET.

MIT DER ERFOLGREICHSTEN KENNZAHL IM BUSINESS. Was die meisten Top Unternehmen Österreichs gemeinsam haben? Neben innovativem Denken, mutigen Entscheidungen und unermüdlichem Einsatz teilen sie sich die Erfolgskennzahl 0664. Auch Red Bull setzt bei mobiler Kommunikation auf A1 und damit auf erfolgreiche Business Verbindungen. Kristallklar und blitzschnell. Weitere Infos erhalten Sie unter www.A1.net/business

Quelle: NEWS Top 1000, NEWS 22B, 31.5.2007

A1_RedBull_RedBulletin_205x300ab1 1 AIO_00_Umschlagmontage.indd 1

19.10.2007 12:28:59 Uhr

n u m m e r 3 , J Ä N N ER 2 0 0 8

Ein fast unabhängiges monatsmagazin

Kitzbühler Geheimnisse Alles, was Sie über die Streif wissen müssen

14.12.2007 14:40:12 Uhr


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
0801_DE by Red Bull Media House - Issuu