SCHWEIZ JULI / AUGUST 2018, CHF 3.80
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MUTTER COURAGE Anna Bader zwischen Kinderzimmer und haushohen Felsen
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EDITORIAL
Formel-1-Star Max Verstappen weiß, dass er ohne ein starkes Ego im Motorsport verloren wäre: „Nette Kerle gewinnen vielleicht Rennen, aber keine Titel.“ Das Inter Interview mit dem pfeilschnellen Niederländer ab Seite 24. Ganz auf sich allein gestellt sind die Teilnehmer – dar darunter auch ein Schweizer Team – der Talisker Whisky Atlantic Challenge, der härtesten Ruder-Regatta der Welt. Ihre Erlebnisberichte findest du ab Seite 52.
5550 Kilometer über Wellenberge auf hoher See. Und bloß Muskelkraft zur Fortbewegung. Ab Seite 52 gehst du an Bord von Swiss Mocean (Bild) und zwei weiteren Teams, die es über den Atlantik geschafft haben.
Dass das Leben nicht nur aus sportlichen Wettkämpfen besteht, sondern manchmal einfach bunt und verrückt sein kann, beweist Butch Locsin. Der als „Skeleton of Color“ bekannte Performance-Künstler trägt am liebsten Totenkopfmasken. Welche Absicht hinter seinen Auftritten steckt, erfährst du ab Seite 58. Viel Spaß beim Lesen! Die Redaktion
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MIT AN BORD IN DIESEM HEFT
WERNER JESSNER
Der Autor unserer Coverstory hat mit Cover-Star Max Verstappen viel gemeinsam. Beide fahren gerne schnell (einer muss dafür zahlen, der andere wird dafür bezahlt) und stehen auf Mountainbikes. „Seit ich in Monaco wohne, gibt es für mich nur das“, so Verstappen, „obwohl Holländer eigentlich eher Rennrad fahren.“ Die Chemie zwischen beiden stimmte jedenfalls, wie unser Interview ab Seite 24 beweist.
LAURA SNAPES
Die Londoner Musikjournalistin schreibt für „The Guardian“ und interviewte Pop-Größen wie Lana Del Rey oder Ariana Grande. Für The Red Bulletin begleitete sie die schwedische Künstlerin Fever Ray alias Karin Dreijer auf ihrer Tour: „Karin hat bewusst nur Frauen als Bandmitglieder. Alles starke Persönlichkeiten, die sich gegenseitig pushen – vor und hinter der Bühne.“ Pure Frauenpower! Ab Seite 74.
THE RED BULLETIN
DEAN TREML/RED BULL CONTENT POOL (COVER), CHRISTOPH NEUMANN
EGO, AUSDAUER UND LUST AM LEBEN
INHALT Juli
FEATURES
24 Max Verstappen
Wann Egoismus in der Formel 1 eine gute Idee ist.
34 Red Bull Cliff Diving
Die deutsche Klippenspringerin Anna Bader über Mut.
42 Die Chef-Flüsterer
Zwei Berliner Gründer wollen mit einer Idee die Welt retten.
50 Mr. Smiley
Emojipedia-Gründer Jeremy Burge im Kurzporträt.
52 Atlantisches Rudern
Von den Kanaren in die Karibik in 30 Tagen – rudernd.
58 Bunter Totenkopf
Butch Locsins bizarre Videos erreichen Millionen Clicks.
64 Timo Werner …
… und der Top-E-Sportler Cihan Yasarlar über Adrenalin.
72 Mit vier Euro um die Welt 74 Fever Ray
Karin Dreijer schockt, provoziert und macht grandiose Musik.
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58 BUTCH LOCSIN
Vom Fitnesstrainer Fitness zum „Skeleton of Color“: der Werdegang eines USAmerikaners zum gefeierten Performance-Künstler.
MAX VERSTAPPEN
Bis dato jüngster Formel-1-Sieger, umstrittenster Fahrer im Feld. Das Interview.
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THE RED BULLETIN
PHOTOGRAPHER: ADAM FUJIOKA, SAMO VIDIC, CHRIS PUTNAM/REX/SHUTTERSTOCK
Abenteurer Ben Page und seine günstige Welt-Umradelung.
BULLEVARD Life and Style Beyond the Ordinary
10 Mit Wetterballons in die
Stratosphäre – na ja, fast
12 Klettern: wie man einen Be13 14 16 17 18 20 22
such bei den Göttern überlebt Vier Songs, empfohlen von Janelle Monáe Kjeld Nuis ist der schnellste Zweibeiner der Welt Das tragbare Tonstudio À la 007 auf 3000 Meter Höhe Rennauto mit Rachemission Red Bull Music Festivals Starkoch Sven Wassmer über die Vorzüge von … Ameisen
GUIDE
Get it. Do it. See it. 83 Reise-Special: Island 86 Ironwoman Lucy Charles 88 Top-Termine des Monats 90 Highlights auf Red Bull TV 92 Geniale Multitool-Messer 97 Impressum 98 Makey You Fly: Skateboarding
34 ANNA BADER
Die deutsche Klippenspringerin über den Mut, im Extremsport zu seiner Angst zu stehen.
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BULLEVARD L I F E & S T Y L E A B S E I T S D E S A L LTÄ G L I C H E N
THE ADVENTURISTS/ RICHARD BRANDON-COX
TOM GUISE
Der britische Abenteurer Tom Morgan am Himmel über der Savanne Botswanas im Süden
NEXT STOP: STRATOSPHÄRE Warum Tom Morgan beim Aufstieg einen Ballon nach dem anderen platzen ließ, erfährst du auf der nächsten Seite.
THE RED BULLETIN
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„S
chon mal vom Gordon Bennett Cup gehört? Das ist ein Gasballonrennen. Es begann 1906 mit einem totalen Desaster: Leute gingen verloren, mindestens fünf Ballonfahrer starben“, sagt der britische Abenteurer Tom Morgan. „Ballonrennen faszinieren mich, aber daran teilzunehmen kostet eine ordentliche Stange Geld. Ich finde, die Welt braucht ein Gasballonrennen für Arme.“ Der 38-Jährige ist Abenteurer von Berufs wegen. Nein, korrekter: Er ist Abenteuer Abenteuererfinder. Sein in Bristol ansässiges Kollektiv The Adventurists will unsere Neugier aufs Unbekannte stimulieren – und denkt sich dafür Dinge wie ein Oldtimer-Motorrad-Rennen auf gefrorenen sibirischen Seen oder Mangobaum-Floß-Segeltörns am Indischen Ozean aus. Ihr Motto: „Wir wollen die Welt zu einem weniger langweiligen Ort machen.“ Auf das letzte Puzzleteil für seine haarsträubende Idee eines Gasballonrennens stieß Morgan in „Popular Mechanics“, einem Wissenschaftsmagazin aus den 1920erJahren: „Darin beschrieb ein Artikel, wie man Luftschiffe in der Ära vor der ‚Hindenburg‘ repariert hat: Die Mechaniker fuhren einfach mal schnell mit
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Hilfe von Wasserstof Wasserstoffballons hinauf zum Schiff, erledigten ihren Job und landeten ganz lässig wieder am Boden.“ Für „Abenteuer 11“ (zuvor wurden im Kollektiv bereits zehn andere absolviert) wur wurden Wetterballons, Heliumkanister und zwei Gartenstühle in die Salzwüste in Botswana, die sogenannten Makgadikgadi Pans, geschickt. „Eine schöne offene Fläche ohne Hindernisse – und ohne Tiere, die einen auffressen wollen“, so Morgan, „und so weit vom Meer entfernt, dass man bei der Landung gute Chancen hat, nicht zu ertrinken.“ Morgan hatte sogar die Windverhältnisse in die Planung einberechnet. Das heißt: die Windverhältnisse in der Luft, nicht die am Boden. „Wir brauchten acht Stunden zum Aufblasen der Ballone. Dann knallte das ganze Bündel in einer Riesenböe auf den Boden und war kaputt. Am Ende der Woche gingen uns bei 40 Grad die Vorräte aus, und auch Ballone und Gas wurden knapp. Also flickten wir alle Löcher mit Gafferband und nützten ein winziges Zeitfenster mit guten Wetterbedingungen für den einen Flug, bei dem alles klappen musste.“ An ein Rennen war nicht mehr zu denken, also hob Morgan allein ab – in einem Campingsessel, an den 86 Heliumballone gebunden waren. „Das war unglaublich. Es herrschte absolute Stille, nicht vergleichbar mit irgendeiner anderen Erfahrung, auch nicht
mit einer Heißluftballonfahrt“, sagt er. „Ich flog mit einem Riesengrinser im Gesicht dahin.“ Das Grinsen verging ihm, als er die Inversionsschicht passierte. „Da zog es mich in einem Irrsinnstempo nach oben. Ich zerplatzte ein paar Ballone. Das musste schnell gehen, aber einen zu viel zer zerplatzen, das wäre keine gute Idee gewesen.“ Als Ballast benützte er Kanister, die Feinabstimmung nahm er per Pinkeln vor: „Damit veränderte ich meine Sinkgeschwindigkeit um 0,1 Meter pro Sekunde.“ Morgan blieb drei Stunden in der Luft, stieg fast 2500 Meter hoch und legte mehr als 25 Kilometer zurück. Für den Fall einer Begegnung mit einem Flugzeug hatte er ein Funkgerät dabei; die Bodenmannschaft sollte ihn mithilfe eines Ortungsgeräts finden. Am Ende landete er wohlbehalten – „fast so, als hätte ich gewusst, was ich da tue“. Vielleicht soll es schon im nächsten Jahr das erste Rennen geben, die Regeln sind übersichtlich kurz: „Wer am weitesten vom Startpunkt entfernt landet, hat gewonnen.“ theadventurists.com
THE ADVENTURISTS/ RICHARD BRANDON-COX
„ICH ZERPLATZTE BALLONE – UND DACHTE BEI JEDEM: HOFFENTLICH WAR DAS NICHT DER EINE ZU VIEL!“
THE RED BULLETIN
BULLEVARD
Nach drei Stunden Flugzeit landete Tom Morgan wieder wohlbehalten – „als hätte ich gewusst, was ich da tue“. THE RED BULLETIN
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BULLEVARD
Wie man …
EINEN BESUCH BEI DEN GÖTTERN ÜBERLEBT
weichen – du hast Glück oder bist tot. Am Anfang schoss uns jedes Mal das Adrenalin ein, nach sieben Tagen waren wir völlig abgestumpft. Die Felsstürze waren so normal wie die Tatsache, an nur einem Seil zu hängen – es müssten eigentlich drei sein, aber die hatte der Felsschlag kaputt gemacht.“
Der britische Abenteurer Aldo Kane hatte die luftige Idee, als erster Mensch den Amuri Tepui in Venezuela zu erklimmen. Doch die Götter hatten was dagegen.
Mach einfach weiter
„Eines Abends zog ein riesiger Gewittersturm auf. Ich war am Seil und konnte durch den Regen gar nicht hinaufschauen. Es war dunkel, Felsen zischten an meinem Kopf vorbei und zerschlugen Bäume am Boden. Ich war durch die Blitze geblendet, steckte fest, hing stundenlang am Seil und war unterkühlt.“
Halte nie die Klappe
Der ehemalige Royal MarinesSoldat Aldo Kane unterstützt Film und TVCrews unter Extrembedingungen.
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sagt Kane. „Sie heißt so, weil der Schmerz erst nach 24 Stunden nachlässt.“
Sei auf alles vorbereitet
„Die Kletterei ist hart: Die ersten 100 Meter liegen im Schatten des Dschungels, du wirst pitschnass. John Arran war die ersten 50 Meter ungesichert – er hätte auf keinen Fall ausrutschen dürfen. Es gibt bei solchen Expeditionen weder Netz noch doppelten Boden, das muss dir klar sein.“
Arrangier dich
„Einmal pro Stunde hagelt es lebensgefährlich große Steine herab, egal ob Tag oder Nacht. Wenn du in der Wand hängst, kannst du praktisch nicht aus-
Akzeptiere Scheitern
„Nach sieben Tagen hatten wir drei Viertel der Strecke hinter uns. Wir hatten kaum mehr Nahrung und so gut wie kein Wasser, machten aber weiter. Wir stießen auf Gestein, das bei Berührung brach, und Ivan stürzte 40 Meter tief ab. Er riss die ganze Sicherung mit, fuchtelte wild herum und zog John am Seil in die Wand. Wir konnten uns nur mit einem Bohrhaken retten. Das war der Zeitpunkt, an dem wir beschlossen aufzuhören. Es ist eine feine Grenze zwischen ‚Ich setze mir ein Ziel und er erreiche es‘ und ‚Ich erzwinge es um jeden Preis‘.“ THE RED BULLETIN
MATT RAY
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m „Haus der Götter“ haben Menschen nichts zu suchen. Die Einheimischen im Umland der so erhaben bezeichneten Tafelberge im südamerikanischen Hochland von Guayana wissen das. Abenteurer Aldo Kane, TV-Moderator Steve Backshall und die TepuiKletterveteranen John Arran und Ivan Calderon lernten es – und zwar auf die harte Tour, als sie 2015 die Erstbesteigung des 2200 Meter hohen Amuri Tepui angingen. Wer ins Haus der Götter platzt, muss mit deren Zorn rechnen – in Form von Blitzen, Killerfelsen und skorpionverseuchten Höhlen. „Ich wurde zweimal von einer 24-Stunden-Ameise gebissen“,
ALDO KANE
Du willst den Amuri Tepui erklimmen? Es erwarten dich Fels stürze, 24Stunden Ameisen und jederzeit die Möglichkeit, dein Leben hierzulassen.
„An einer Felswand gehe ich davon aus, dass es meinem Partner gut geht – aber besser ist, sich davon auch zu über überzeugen. Denn dann hätte er vielleicht gesagt: ‚Eigentlich hatte ich den ganzen Morgen Durchfall und wurde von 24-Stunden-Ameisen gestochen. Ich fühle mich nicht gut.‘ Womöglich wird er ja plötzlich beim schwierigsten Teil des Aufstiegs bewusstlos. Missver Missverständnisse kosten Leben, rede also lieber zu viel als zu wenig: ‚Hast du genug Wasser getrunken? Bist du gut gesichert?‘“
Janelle Monáe
„PRINCE BRACHTE MICH ZUM HEULEN“ Die US-Queen des Art-Pop über die vier inspirierendsten Songs ihres Lebens.
J
JUCO
FLORIAN OBKIRCHER
anelle Monáe ist Sängerin (Debütalbum: „The ArchAndroid“, ein Konzeptalbum nach Fritz Langs Science-Fiction-Epos „Metropolis“ aus dem Jahr 1927). Sie ist Schauspielerin („Moonlight“, „Hidden Figures“). Und sie hat was zu sagen – zum Beispiel mit ihrer ermutigenden MeToo-Rede bei den Grammys im Vorjahr. Ihr neues Album „Dirty Computer“, eine Mischung aus futuristischem Funk und Politik, ist ein weiteres Beispiel ihrer progressiven Pop-Ästhetik. Hier verrät sie vier musikalische Einflüsse, die sie zu der gemacht haben, die sie heute ist. jmonae.com
Janelle Monáe, 32, arbeitete mit Prince – noch kurz vor seinem Tod im Jahr 2016 – an ihrem neuen Album.
DAVID BOWIE „MOONAGE DAYDREAM“ (1972)
STEVIE WONDER „LOVE’S IN NEED OF LOVE TODAY“ (1976)
LAURYN HILL „THE MISEDUCATION OF LAURYN HILL“ (1998)
PRINCE „LET’S GO CRAZY“ (1984)
„Was Konzeptalben betrifft, Alter Egos und das Erfinden neuer Welten, hat mich Bowie stark beeinflusst. Als ich diesen Song zum ersten Mal hörte, katapultierte das meinen Musikgeschmack auf ein neues Level. Ich wollte, dass meine Texte genauso interessant klingen! Einmal spielte ich mit Of Montreal, einer meiner Lieblingsbands, ein Cover davon. David Bowie ist eine ewige Inspirationsquelle für mich.“
„2011 hörte ich jemand backstage bei einer Charity Gala in L.A. meinen Song ‚Tightrope‘ singen – es war Stevie Wonder. Ich war hin und weg, denn Stevie war immer schon ein Held für mich. Diesen Song von ihm singe ich oft mit meiner Familie. In den Nachrichten oder Social-Media-Plattformen dreht sich doch alles um Dinge, die einen Keil zwischen uns treiben. Dieser Song hilft uns, unseren Nächsten zu lieben.“
„Ich habe diesen Song bei einer Talentshow a cappella gesungen und damit drei Wochen in Serie gewonnen. Als junge Afroamerikanerin fühlte ich mich vom Text angesprochen. Ich wusste ja selbst noch nicht, wer ich war, was ich sagen und wie ich Musik machen wollte. Alles, was Lauryn in dem Lied sagt, hat meine Gedanken geprägt. Sie hat schon lange kein Album mehr rausgebracht, aber das ist okay.“
„Den Song habe ich auf Prince’ Wunsch bei einem Prince Tribute (BET Awards 2010, Anm.) gesungen. Er sagte: ‚Das ist ein Uptempo-Song, den wirst du toll hinkriegen. Er passt genau zu dir.‘ Dass er mir solchen Mut machte, rührte mich zu Tränen. ,Let’s Go Crazy‘ ist ja ein Protestsong, für alle, die wegen ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Identität oder ihrem Geschlecht benachteiligt werden.“
THE RED BULLETIN
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Kjeld Nuis
DER SCHNELLSTE ZWEIBEINER DER WELT
sain Bolt krönte sich 2009 in Berlin zum damals schnellsten Menschen der Welt: Bei seinem 100-mWeltrekord lief er 44,72 km/h. Am 28. März 2018 kam Kjeld Nuis auf mehr als das doppelte Tempo. Zugegeben, er lief auf Eis und im Windschatten. Dafür ging er aber auch ein weit höheres Risiko ein – unter anderem weil die Bahn nahe der schwedischen Küstenstadt Luleå aus gefrorenem Meerwasser bestand. „Natureis ist nicht flach und spiegelglatt, es hat Risse und Beulen“, sagt der 28-jährige Eisschnelllauf-Olympiasieger. „Und wenn deine Kufe bei 90 km/h stecken bleibt, reißt es dir den Fuß ab.“ Für seinen Rekordversuch ließ Nuis eigens Schlittschuhe mit speziellen, weniger gebogenen Kufen anfertigen. Kaum zu glauben, dass Nuis erst drei Tage vor dem Rekordversuch zum ersten Mal in diese für ihn ungewohnten Schuhe schlüpf schlüpfte. „Was hätte ich tun sollen? Ich war während der Tests bei den Olympischen Spielen. Wir arbeiteten eben via FaceTime an den Kufen.“ Keine Zeit blieb auch fürs Training mit dem Seat des schwedischen Tourenwagen-Profis Mikaela ÅhlinKottulinsky. Das machte es vor Ort nicht leichter: „Als der Seat beschleunigte, drehten die Räder durch. Als Driftkönigin kam Mikaela damit klar, aber
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„BLEIBEN DEINE KUFEN BEI 90 KM/H STECKEN, REISST ES DIR DEN FUSS AB.“
JARNO SCHURGERS/RED BULL CONTENT POOL
U
es war schwer für mich, mitzubeschleunigen. Wir mussten später auch die Strecke verlängern, weil das Auto nicht das gewünschte Tempo erreichte. Und der Schild wurde mit Steinen beschwert, um nicht abzuheben.“ Am Ende übertraf er seine Erwartungen dennoch. „Beim ersten Blick auf die Strecke dachte ich: Wenn wir 50 km/h erreichen, bin ich zufrieden. Bis 30 km/h war es leicht. 50 waren ein hartes Stück Arbeit. Aber ab 70 saugte mich der Wind an den Schild ran, meine Beine zogen einfach mit.“ Und am Ende musste Nuis bremsen – bei fast 100 km/h auf Schlittschuhen. „Ich fuhr seitlich aus dem Windschatten. Das fühlte sich an, wie auf der Autobahn den Kopf aus dem Fenster zu stecken.“ Nun ist Nuis nicht nur der schnellste Eisschnellläufer aller Zeiten, sondern auch das schnellste Lebewesen auf zwei Beinen – selbst der Strauß bekommt nur 70 km/h hin. Trotzdem ist noch mehr drin, glaubt er: „Auf einer längeren Bahn könnte ich die 100 km/h knacken.“ Und von da ist es nicht mehr weit zum Gepar Geparden (104 km/h) … Was bedeutet ihm der Speed-Rekord im Vergleich zum doppelten Olympia-Gold in Pyeongchang? „Als Kind träumte ich davon, Olympiasieger zu werden. Doch in vier Jahren gibt es einen neuen Champion. Und das hier wird mir niemand wegnehmen!“ Sieh dir Nuis’ „Quest for Speed“ auf redbull.tv an.
TOM GUISE
93 km/h: Das ist um 48 km/h flotter als Usain Bolt und um 23 km/h schneller als der Vogel Strauß. Jetzt peilt der niederländische Eisschnellläufer 104 km/h an, also Geparden-Speed.
Risse, Beulen, Unebenheiten: Die Eisbahn auf dem Meer bei Luleå war gefährlich.
THE RED BULLETIN
BULLEVARD
Bei den Olympischen Spielen in Korea holte Kjeld Nuis Gold über 1000 und 1500 Meter – und in Schweden jetzt auch noch den Geschwindigkeitsweltrekord. THE RED BULLETIN
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BULLEVARD
Mikme
WIE GOPRO – ABER FÜR AUDIO
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Ein Steirer erfand ein Tonstudio, das so klein ist, dass du es überallhin mitnehmen kannst.
Das echte Mikme ist 2cm kleiner als dieses Bild. Es synchronisiert Audio in Studioqualität mit dem Video von der Smartphone-Kamera.
TOM GUISE
or fünf Jahren hatte Philipp Sonnleitner ein Problem. Der steirische Musiker wollte seine Inspira tionen spontan festhalten, „aber es dauerte immer ewig, bis ich ein Gerät eingerichtet hatte, das den Sound in akzeptabler Qualität aufneh men konnte“. Experimente mit dem iPhone brach er ab, „die Tonqualität war misera bel“. Seine Lösung: „ein Auf Auf nahmegerät für superhoch wertige Tonaufnahmen, das per Knopfdruck bereit ist“. Keine schlechte Idee. Aber wie umsetzen? „Herkömmliche mobile Audiorekorder nützen eine minderwertige Mikrofonkap sel. Ich beschloss, eine große Kapsel mit Goldmembranen zu verwenden, wie in teu ren Studiomikros. Aber sie braucht Phantomspeisung, also diese superstabile Span nung, die man eigentlich nur von großen Studiomischern erhält. Das in ein kabelloses Gehäuse mit Akku und inter inter nem Speicher zu packen war schwierig.“ Der gelernte Toningenieur brauchte drei Jahre, um das Problem zu lösen, und stand prompt vor einer neuen Her Her ausforderung: zugleich per Smartphone ein Video und per Mikro den Ton aufzuneh men. Die Antwort: eine App, die Audio in Studioqualität perfekt mit dem Video vom Smartphone synchronisiert – drahtlos und in Echtzeit. Sonnleitner glaubt, dass sein Gerät Tonaufnahmen al ler Art revolutionieren könnte – von Podcasts bis zu Konzert mitschnitten. „Es ist wie die GoPro: Früher brauchte man teure Ausrüstungen, um hoch wertige Videos zu drehen. Nun schafft das jeder mit ein paar Hundertern.“ mikme.com
Erfinder Philipp Sonnleitner war früher Toningenieur bei der Akustikfirma AKG.
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THE RED BULLETIN
Travel
BOND IM BERG
„Spectre-kuläre“ Architektur am Gaislachkogl: rechts das Panorama-Restaurant Ice Q, links die James-Bond-Erlebniswelt „007 Elements“.
Du willst dich wie James Bond fühlen? In dieser Erlebniswelt auf 3000 Meter Höhe wirst du zum Geheimagenten.
Sölden, ÖSTERREICH
007 ELEMENTS/KRISTOPHER GRUNERT, COLUMBIA PICTURES/EVERETT COLLECTION/PICTUREDESK.COM CHRISTIAN EBERLE-ABASOLO
S
ein Name: Bond, James Bond. Seine bisher letzte Mission: „Spectre“, mit mehr als 880 Millionen Dollar Einspiel ergebnis einer der erfolgreichs ten Filme des Jahres 2015. Sein neues Zuhause: der Gais lachkogl in Sölden, Tirol. An einem der spektakulärs ten Drehorte des 24. Teils der KinoReihe, auf 3.048 Meter Höhe, steht „007 Elements“, eine 1.300 m² große Erlebnis welt mit neun Räumen, die sich wie eine Wendeltreppe in den Berg bohrt. Was sie beherbergt? „Eine cineastische Installation“, er er klärt Neal Callow, Art Director der letzten vier BondFilme und kreatives Mastermind hinter dem Projekt. Jedenfalls kein Museum. „Ein Museum ist etwas Statisches“, meint Callow, „hier tauchst du Raum für Raum tiefer in die Welt von James Bond ein, bis du selbst zum Agenten wirst.“ So betreten die Besucher das Gebäude durch einen Gang, der einem Gewehrlauf
THE RED BULLETIN
Innsbruck
Wandle auf den Spuren von James Bond: Daniel Craig, hier während der Dreharbeiten zu „Spectre“ in Sölden.
nachempfunden ist, spielen in Qs Labor mit einer explodie renden Uhr oder bekommen durch Modelle und Videos Einblicke in die Stuntszenen aus „Spectre“ – Panorama blick auf die Originalschau plätze inklusive. Callow: „Analoge, echte Action gehört zur DNA von James Bond. Bei uns lässt sie sich völlig neu erleben.“ Hilfe auf dem Weg zum Agenten bietet modernste Sound und Bildtechnik, gerüstet für den Einsatz bis zu minus 30 °C.
Eine Stunde Fahrzeit ins WintersportMekka Sölden im Ötztal. Von dort befördern zwei Seilbahnen Besucher in zwölf Minuten zur Spitze des Gaislachkogls – ein Aufstieg von 1677 Metern.
Denn dass man sich mitten in einem Berg befindet, vergisst man bei all den audiovisuellen Reizen und Gadgets (die Ski stock Kanone aus „Der Spion, stock der mich liebte“ darf natürlich nicht fehlen) glatt. Einzig Wodka Martini – geschüttelt, nicht gerührt, versteht sich – wird nicht serviert. Den müssen die Be sucher im 20 Meter entfernten Restaurant Ice Q bestellen – der Kulisse für die Hoffler Hoffler Privatklinik in „Spectre“. 007elements.com 17
BULLEVARD
Volkswagen ID R Pikes Peak
DER RACHE-ENGEL
VOLKSWAGEN
MATT YOUSON
Dieses Auto hat nur eine Aufgabe: eine drei Jahrzehnte zurückliegende Schmach zu tilgen.
Der ID R Pikes Peak ist bullig – 5,2 Meter lang, 2,35 Meter breit –, aber mit 1100 Kilo samt Fahrer überraschend leicht.
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THE RED BULLETIN
ZIEL 31,2 Kilometer ab der Mautstelle, 4300 Meter hoch
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it 4302 Metern ist der Pikes Peak im Bundesstaat Colorado der höchste Gipfel der Southern Front Range der Rocky Mountains. Benannt wurde er nach dem US-Entdecker Zebulon Pike, der 1806 vergeblich ver versucht hatte, ihn zu erklimmen. Legendenstatus verliehen ihm aber nicht der Alpinismus, sondern der Motorsport – ist er doch Schauplatz des alljährlichen Pikes Peak Inter International Hill Climb. Bei diesem Bergrennen gibt es nur eine Regel: Jeder Teilnehmer hat – ohne Trainingslauf – einen einzigen Versuch, so schnell wie möglich ans
Ende der Mautstraße zu kommen. Selbst der Beiname „Race to the Clouds“ ist irreführend: Oft führt der Kurs geradewegs durch die Wolken, Regen und Nebel inklusive. Und oft schaf schaffen es nicht alle bis ins Ziel. Das Werksteam von Volkswagen schickte 1987 einen recht bizarren Golf II mit zwei Motoren ins Rennen (einen für die Vor-, einen für die Hinterräder). Das 652-PS-Auto brauchte 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der Sieg schien zum Greifen nahe, bis das Auto 400 Meter vor dem Ziel mit Aufhängungsschaden liegen blieb. Die Blamage war riesig, und VW machte seitdem einen großen Bogen um das Rennen – bis jetzt. Drei Jahrzehnte später präsentiert Volkswagen den ID R Pikes Peak: Das zweimotorige
und diesmal vollelektrische Vehikel mit 680 PS (500 kW) beschleunigt in 2,25 Sekunden von 0 auf 100 km/h – und fliegt damit selbst Formel-1Autos davon. Vom Profil her ähnelt der neue VW einem LeMans-Boliden, aber der riesige Heckflügel verrät die wahre Berufung: Durch ihn erzeugt das Auto in den Kurven mehr Anpressdruck in der schnell dünner werdenden Luft. Außerdem verpflichtete Volkswagen Romain Dumas, der zweimal Le Mans und drei der letzten vier Hill Climbs gewann. Das Ziel des Franzosen: am 24. Juni den aktuellen Elektroauto-Rekord von 8:57,118 Minuten zu brechen. Und vielleicht sogar Sébastien Loebs Allzeitrekord von 8:13,878 Minuten. ppihc.org
29 km; 4078 m
25,7 km; 3895 m
22,5 km; 3627 m
20,9 km; 3487 m
17,7 km; 3218 m
DIE STRECKE
START 2860 Meter hoch, 11,2 Kilometer von der Mautstelle
THE RED BULLETIN
11,2 Kilometer nach der 2362 Meter hoch gelegenen Pikes-PeakMautstelle beginnt die Rennstrecke. Auf 19,99 Kilometern sind 156 Kurven und 1440 Höhenmeter zu bewältigen bei durchschnittlich 7,2 Prozent Steigung der Straße (früher ein Mix aus Schotter und Asphalt, heute komplett asphaltiert).
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Festivals
JONATHAN FERREIRA/RED BULL CONTENT POOL ANDREAS ROTTENSCHLAGER
FÜHL DEN BEAT Die Red Bull Music Festivals-Serie bringt jedes Jahr ein von Experten kuratiertes Line-up auf lokale Bühnen und mischt die Gaststadt mit globalen Geheimtipps auf. Im Bild: die entfesselte Crowd beim Gig des britischen Hip-Hop-Superstars Skepta beim Red Bull Music Festival in Johannesburg. Dein 2018er-FestivalKalender: redbull.com/music 20
THE RED BULLETIN
BULLEVARD Live-Ekstase: Besucher beim Gig von Skepta in der Fox Junction, Johannesburg
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BULLEVARD
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Süßsaure Provokation: Selleriepüree mit Waldameisen auf Selleriestücken
Küchenkünstler
„AMEISEN SIND DIE ZITRONEN DER BERGE“
Sven Wassmer ist ein KochAusnahmetalent. Er erobert Gaumen durch Beutezüge in Steilhängen, Rastlosigkeit und fruchtig-saure Waldbewohner.
Sven Wassmer, 31, ist im Juli Gastkoch im Restaurant Ikarus in Salzburg. Infos und Reservierung: hangar-7.com
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THE RED BULLETIN
CHRISTIAN EBERLE-ABASOLO
bringen“, so Wassmer. Also machte er sich über die heimi schen Waldameisen schlau, lernte ihre Eigenarten und experimentierte, wie man sie am besten zubereitet. Heute ist Sellerie mit Waldameisen eines seiner Vorzeigegerichte. Kreiert, nicht (nur) um zu provozieren, sondern weil es schmeckt. „Ameisen haben blumige Noten, sind rund auf dem Gaumen“, schwärmt der Koch. „Sie sind unsere Berg zitronen.“ So ungewöhnlich der Säure kick auch sein mag, bei man chen belebt er längst verges sene Kindheitserinnerungen wieder, wie Wassmer erzählt, „als das Verspeisen von Amei sen als Mutprobe galt“. svenwassmer.com
GLOBAL IMAGE CREATION – 7132 HOTEL, VALS
er Restaurantführer „Gault & Millau“ kür kür te Sven Wassmer zum Aufstei ger des Jahres 2016. Branchen kenner sehen in ihm das größte Talent der Schweizer Koch szene. Er selbst bezeichnet sich lieber als Provokateur. „Man kann nur Erfolg haben, wenn man etwas anders macht als die anderen“, sagt Wassmer, 31 Jahre jung und seit 2015 Chefkoch im Restaurant 7132 Silver in der Bündner Gemein de Vals. Dort serviert er seinen Gästen schon mal Schweine schwanz oder Ameisen. Neue Wege zu gehen, Un gewöhnliches aufzutischen ist für Wassmer wesentlicher Be standteil des Kochens. Nicht nur um sich in der hart um kämpften Branche von Kolle gen abzuheben, sondern weil es mit seiner Philosophie ein hergeht: „Ich beziehe die Natur in ihrer Gesamtheit ein – in klusive Geschmäckern, die über die Jahre verlorengingen. So versuche ich, bei den Gäs ten Erinnerungen zu wecken oder neue zu kreieren.“ Wassmer kombiniert saiso nale und regionale Zutaten, die er sich selbst in den Wäl dern oder auf 2000 Meter Höhe besorgt, mit Kochtech niken und Inspirationen aus aller Welt. „Für die Kreativität ist es wichtig, über Grenzen hinweg zu denken, sich auszu tauschen und neue Kulturen zu erleben“, betont er. Bestes Beispiel: besagte Ameisen. „Ameisen habe ich erstmals in Mexiko gegessen. Dort sind sie ein normales Gewürzmittel. Das wollte ich in die Schweiz
DREI TAGE, ZWEI NÄCHTE, UNZÄHLIGE ABENTEUER. CAMP JEEP VOM 13.–15. JULI 2018 AM RED BULL RING IN SPIELBERG, ÖSTERREICH ®
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Max Verstappen bestreitet mit 20 Jahren bereits seine vierte Formel-1-Saison.
DIE FORMEL
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GETTY IMAGES
MAX VERSTAPPEN, der mit Abstand talentierteste Pilot der Formel 1, erklärt uns seine Ansicht, dass Nettsein in der Königsklasse eine ganz schlechte Idee ist. Interview WERNER JESSNER
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„FÜR ERFOLG MUSST DU DEINEN PLATZ BEHAUPTEN. NICHT JEDER WIRD DICH DAFÜR LIEBEN.“
GETTY IMAGES
Max Verstappen über die Einstellung, die nötig ist, um in der Formel 1 zu bestehen
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THE RED BULLETIN
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üngster Formel-1-Pilot der Geschichte, Jüngster am Podest, jüngster Sieger und so weiter (siehe Seite 32). Der Niederländer Max Verstappen, 20, zer zertrümmert Rekord um Rekord. Vater Jos, selbst ehemaliger Rennfahrer, hat seinen Sohn gezielt auf diese Aufgabe vor vorbereitet: Zeig der Welt, dass du besser bist als der Rest! Wie funktioniert einer, der schon als Teenager Champions verzweifeln ließ und sich bei Tempo 330 genüsslich mit den Arrivierten anlegt? Was steckt für ein Mensch unter dem Helm? the red bulletin: Du hast einmal gesagt, du bist nicht in der Formel 1, um dir Freunde zu machen. max verstappen: Jeder, der es bis in die For Formel 1 schafft, will gewinnen. Wenn du am Weg dorthin Freunde unter den Fahrern findest – fein. Man verbringt ja auch viel Zeit gemeinsam in den kleineren Kategorien. Aber nicht alle schaffen es bis nach oben, und natürlich gibt es Konkurrenz. Wie viele gute Freunde hast du? Vielleicht zehn. Und wie viele dieser zehn haben einen RennHintergrund? Etwa die Hälfte. Zählst du aktuelle Formel-1-Fahrer zu deinen Freunden? Nicht zum engsten Freundeskreis. Aber mit Pierre Gasly, Stoffel Vandoorne oder Brendon Hartley bin ich in freundschaftlichem Kontakt. Wir senden einander regelmäßig WhatsApp-Nachrichten. Wenn dich ein Freund im Rennauto schlägt: Wie reagierst du? Ich unternehme alles, damit ich beim nächsten Mal schneller bin. Klar kann ich mich für ihn freuen, aber niemand verliert gern. Mein Job ist es, Rennen zu gewinnen und alles zu unternehmen, um dieses Ziel auch tatsächlich zu erreichen. Haben dich Freunde besiegt? Ist passiert, aber nicht allzu oft. Ich erinnere mich an ein Kart-Wochenende, wo ein Freund von mir das erste Rennen gewonnen hat, obwohl ich mich als den Schnelleren von uns beiden gesehen habe. Für mich war das die Extra-Motivation, die ich gebraucht habe, um die beiden restlichen Rennen zu gewinnen. Wo dürfte ich dich überholen? Auf der Straße. Auf der Kart-Bahn? Nein. Was dürfen Freunde, was andere Menschen nicht dürfen? Das Gespräch ist persönlicher. Und sie können mir selbstverständlich ihre Meinung sagen.
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Gibt es in der Formel 1 Fairness? Das Leben ist generell nicht immer fair. Man kann das nicht auf die Formel 1 beschränken. Ich stehe aber auf dem Standpunkt, dass sich auf lange Sicht alles ausgleicht. Wie reagierst du, wenn du das Gefühl hast, unfair behandelt worden zu sein? Idealerweise bleibst du ruhig und sprichst das Thema an. Aber es hängt auch immer vom konkreten Anlass ab. Gerade als Rennfahrer kommst du ständig in Situationen, wo du dich unfair behandelt fühlst. Mit den Jahren wird es leichter, da ruhig zu bleiben. Du bist erst 20 Jahre alt. Ja, aber ich habe 14, 15 Jahre Erfahrung mit fair/unfair. So lange fahre ich schon Rennen. Und im normalen Leben? Sagen wir, jemand verschafft sich einen unfairen Vorteil. Drängelt sich beim Security-Check am Flughafen vor, so was in der Art … Selbstverständlich schicke ich ihn wieder zurück an seinen Platz und bitte ihn, zu warten wie alle anderen auch. Es sei denn natürlich, er hat einen guten Grund, dass er sich vordrängt. Dein ehemaliger Teamchef Franz Tost von Toro Rosso sagt: „Formel-1-Fahrer müssen Egoisten sein. Alles andere als sie selbst darf sie gar nicht interessieren.“ Stimmt das? Wenn du Erfolg haben willst, musst du deinen Platz behaupten, ganz klar. Und nicht jeder wird dich ausschließlich lieben dafür. Ohne Egoismus gibt es keinen Erfolg. Schafft man es ohne Egoismus überhaupt in die Formel 1? Tausende Rennfahrer weltweit wollen dorthin, und es gibt nur 20 Plätze. Ich würde das nicht auf die Formel 1 beschränken. Egal wo: Wenn du der Beste sein willst, wenn du die anderen schlagen willst, darfst du dir nicht ihre Köpfe zerbrechen. Nimm Fußball: Der Trainer stellt nur einen Stürmer auf, und das willst natür natürlich du sein. Du verzichtest nicht auf dein Trikot und gibst es einem Kollegen, weil er dir leid tut. So funktioniert das nicht. Wo endet gesunder Egoismus, und wo fangen schlechte Manieren an? Wenn du mit dem Team zu Abend isst und nicht alle haben ihre Teller bekommen: Beginnst du trotzdem zu essen? Mich stört nicht, wenn jemand früher beginnt. Ist doch besser, wenn jeder zu essen beginnt, bevor sein Essen kalt wird. Ich finde nicht, dass man schlechte Manieren darauf reduzieren kann. 28
„WIR ALLE LEBEN IN DER FORMEL 1, WEIL WIR GEWINNEN WOLLEN.“ Man fragt, ob es okay ist, wenn man schon beginnt, und damit hat es sich. Wenn du mit den Mechanikern isst: Bist du der Chef am Tisch? Nein, ich bin bloß einer der Jungs. Da gibt’s auch keinen Wortführer oder so. Das geht reihum. Wie würdest du dein Verhältnis zu ihnen beschreiben? Sie leben den Sport so leidenschaftlich wie ich. Das verbindet. Sie unternehmen alles, damit ich ein schnelles Auto habe und wir gewinnen. Und wenn wir nicht gewinnen, stehen wir das gemeinsam durch. Auch schlechte Zeiten schweißen zusammen. Im Grunde bist du ihr Boss. Immerhin bist du der, der 300 km/h schnell fährt, und nicht sie. Sie geben mir das Auto, um 300 km/h schnell zu fahren. Ohne ihre Arbeit kann ich das nicht. Da ist wechselseitiger Respekt vor der Arbeit des anderen. Wie reagierst du, wenn du merkst, dass jemand besonders fehleranfällig ist? Fehler gehören zum Geschäft. Jeder macht Fehler. Ich mache Fehler. Ich zerstöre ein Auto. Beklagen sich die Mechaniker? Nein. Du versuchst gemeinsam, wieder aufzustehen, das Auto fit zu kriegen und wieder auf die Strecke zu gehen. Mit 80 Prozent Leistung hast du in der Formel 1 nichts verloren. Einverstanden? Mit 80 Prozent hast du nirgendwo etwas verloren. Du musst immer 100 Prozent geben. Außer vielleicht, dein Auto ist so gut, dein Team so perfekt, dass ausnahmsweise 99 Prozent reichen. Wie bedankst du dich beim Team? Mit Resultaten. Wir alle leben in der Formel 1, weil wir gewinnen wollen. Zum letzten Saisonabschluss machte ich ein Buch für die Jungs, um uns alle daran zu erinnern, was wir gemeinsam durchgestanden hatten. Ich gebe ihnen Modellautos. Kleine Aufmerksamkeiten, die helfen. Stimmt der Eindruck, dass dir völlig egal ist, wie dich die Umwelt sieht? Die Formulierung ist zu stark. Ich muss mich auf mich selbst konzentrieren, und das geht eben am besten, wenn ich neutral bleibe.
FLORENT GOODEN/DPPI
Viele Menschen würden gern einen Formel-1Fahrer in ihrem Freundeskreis haben. Wie entscheidest du, wer wie nahe an dich ran darf? Meine engen Freunde kenne ich ohnehin. Wenn ich jemand Neuen kennenlerne, verlasse ich mich auf mein Gespür. Ich bin einfach ich selbst.
100.000 Italiener buhen dich in Monza aus. Das lässt dich kalt? Ich gebe die Antwort auf der Strecke. Ich kenne meinen Job und lasse mich nicht ablenken. THE RED BULLETIN
Was für ein Arbeitsplatz: Max durfte bereits Formel 1 fahren, als er noch keinen Führerschein hatte.
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Publikumsliebling: Max hat die fußball verrückten Holländer zu Formel1Fans gemacht.
MAX VERSTAPPEN:
Ich würde ausflippen. Ganz so leicht lasse ich mich nicht aus der Ruhe bringen. Genießt du es, exponiert zu sein? Das gehört zum Job. Ich stelle dich mit einer Gitarre in ein aus verkauftes Stadion. Keine gute Idee. Ich kann nicht Gitarre spielen, und dann noch vor so vielen Menschen … Da wäre ich höllisch nervös – genau wie ich auf einem MotoGP-Bike verdammt langsam wäre. Selbstvertrauen kommt vom Wissen um deine eigenen Fähigkeiten. Vor Millionen TV-Zusehern im Rennauto: kein Problem. Das kann ich, das ist mein Leben. Eine Ansprache vor der kompletten Belegschaft von Red Bull Racing in Milton Keynes (dem Firmensitz in England; Anm.) halten: kein Problem. Da weiß ich, worüber ich rede. Du wurdest oft in deinem ureigenen Terrain kritisiert, nämlich für zu harten Fahrstil. Trifft dich das? 30
Natürlich habe ich diese Kommentare gelesen. Aber das war hauptsächlich in den Jahren 2015 und 2016. Seither ist viel Zeit vergangen. Hast du dir in deinem Sport jemals wehgetan? Aber ja. 2009 ist ein Kontrahent im Kart über mein Bein gefahren und hat die Muskeln im linken Sprunggelenk ruiniert. Eine Woche später bin ich auf Krücken zum nächsten Rennen gehumpelt, wir haben die Bremse ganz aggressiv eingestellt, dass ich nur wenig Druck aufbauen musste, und schon bin ich wieder gefahren.
SEIN WERDEGANG
Geboren 1997, sitzt er 2002 erstmals im Gokart. 2006 gewinnt Max seine erste Meisterschaft.
2006
Sieg in der belgischen Rotax MiniMax Challenge. Max fährt der Konkurrenz in allen 21 Kart-Rennen um die Ohren. Er wiederholt den Erfolg 2007 und 2008.
Verstehst du Sportler, die sich für ein Rennen zusammenflicken lassen? Dani Pedrosa oder Marc Márquez sind in der MotoGP mit frisch verschraubten Brüchen gefahren, aus dem Motocross gibt es unzählige Beispiele … Verstehe ich absolut. Ich würde dasselbe tun. Oder sagen wir: Ich würde es zumindest versuchen.
Formel3Debüt bei der Testfahrt in Valencia.
Wenn sich ein Buchhalter das Bein bricht, bleibt er vermutlich zu Hause. Warum? Wenn ihm sein Job so großen Spaß macht, wird er vermutlich auch mit Gipsfuß ins Büro kommen.
2014
Wie war das eigentlich 2012, als du den Kart Weltmeistertitel verpasst hast? Ich war an diesem Wochenende wirklich schnell. In einem Vorlauf hatte ich allerdings ein technisches Problem. Ich musste im Vorfinale von Platz zehn starten und habe gewonnen. Im Finale
2013
Verstappen erzielt auf Anhieb Tagesbestzeit. 2014 fährt er bei seinem ersten Formel-3-Rennen auf den zweiten Platz. Später folgen sechs Siege hintereinander.
Formel1Debüt
Beim Japan-Grand-Prix sitzt Max beim freien Training im Toro Rosso-Boliden: mit 17 Jahren und drei Tagen.
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ANDREJ ISAKOVIC/AFP/PICTUREDESK.COM
„WENN 100.000 ITALIENER MICH IN MONZA AUSBUHEN, GEBE ICH DIE ANTWORT AUF DER STRECKE.“
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MAX VERSTAPPEN:
hat mich einer überholt, ich wollte die Führung sofort zurückholen. Da war ich zu gierig, das Risiko an der Stelle zu groß. Anstatt abzuwarten, habe ich ein Manöver probiert und bin abgeflogen. Leere Hände statt WM-Titel!
SEINE REKORDE Er hat sie alle – bis auf einen. Und selbst für den bleibt ihm noch Zeit.
Die Stimmung im Auto mit deinem Vater war sicher großartig. Er hat eine Woche lang kein Wort mit mir geredet. Ich wollte mich erklären, doch er wollte nichts davon wissen und hat mich in Italien an einer Raststation abgesetzt. Er ist dann zwar wieder wiedergekommen, aber das Gefühl vergisst du nicht. In Summe hat mich die Episode aber stärker gemacht. Ich wollte in der nächsten Saison alles daransetzen, die Scharte auszuwetzen. Und das ist mir dann ja auch gelungen.
Welche Rolle hat eigentlich deine Mutter gespielt? Sie war ja ebenfalls Rennfahrerin und hat mich immer unterstützt – auch wenn ich bei meinem Vater aufgewachsen bin. Hat sie dich jemals zur Vorsicht ermahnt? Ja, hat sie. Mein Vater übrigens auch. Was war dein härtester Sieg in der Formel 1? Mein erster. Es war mein erstes Rennen für Red Bull Racing, ich kannte das Auto und die Reifen noch nicht gut, ich hatte Kimi Räikkönen 30 Runden lang in meinem Rückspiegel. Das war keine Spazierfahrt. Ist das auch der Sieg, auf den du am meisten stolz bist? Schon. Und dann kommt gleich Malaysia, weil man nicht davon ausgehen konnte, dass wir so gut aussehen würden. Außerdem war ich krank und habe in der Nacht vor dem Rennen vielleicht eine Stunde geschlafen. Aber das habe ich natür natürlich niemandem gezeigt. Weil man an der Spitze keine Schwäche zeigt? Wenn du weißt, dass dein Gegner angeschlagen ist, gibt dir das einen mentalen Vorteil.
„IN DER FORMEL 1 HILFT ES, WENN DU VON KLEIN AUF HARTE ENTSCHEIDUNGEN GEWOHNT BIST.“ 32
17 Jahre, 166 Tage
Nummer 2: Lance Stroll (CAN), 18 Jahre, 148 Tage
JÜNGSTER FÜHRENDER IN EINEM GRAND PRIX Spanien 2016, 18 Jahre, 228 Tage
Nummer 2: Sebastian Vettel, Japan 2007, 20 Jahre, 89 Tage
JÜNGSTER FAHRER MIT WM-PUNKTEN Malaysia 2015, 17 Jahre, 180 Tage Das Siegespodest ist das natürliche Habitat von Max Verstappen, meint Max Verstappen.
Nummer 2: Lance Stroll, Kanada 2017, 18 Jahre, 225 Tage
JÜNGSTER FAHRER AUF DEM PODEST
Dein früherer Teamkollege Carlos Sainz jun. hat einmal gesagt: „Manchmal musst du ein Arsch sein, um zu gewinnen.“ Ja, trifft absolut zu. Manchmal musst du das. Du brauchst dieses Mindset, um Erfolg zu haben. Jenseits der Rennstrecke kannst du aber trotzdem ein netter Kerl sein.
Spanien 2018, 18 Jahre, 228 Tage
Wie siehst du Menschen, die diese Fähigkeit, „ein Arsch“ zu sein, nicht aufbringen und auf halbem Weg zur Spitze umkehren? Das ist sicher nicht leicht. Ich habe großen Respekt vor Leuten, die vor sich selbst zugeben können, nicht für ganz oben gemacht zu sein, und dennoch ihr Glück finden. Traurig sind die, die es immer weiter versuchen, obwohl es aussichtslos ist.
Nummer 2: Sebastian Vettel, Italien 2008, 21 Jahre, 73 Tage
Nummer 2: Lance Stroll, Aserbaidschan, 18 Jahre, 239 Tage
JÜNGSTER SIEGER Spanien 2016, 18 Jahre, 228 Tage
SCHNELLSTE RUNDE Brasilien 2016, 19 Jahre, 44 Tage
Nummer 2: Nico Rosberg, Bahrain 2006, 20 Jahre, 258 Tage
Wenn du abends im Bett liegst: Denkst du an Dinge, die du hättest anders machen können? Man kann Dinge immer anders machen. Ich versuche, das Positive mitzunehmen, statt zu grübeln, was ich hätte anders machen können. Welchen Rat würdest du deinem 13-jährigen Ich aus der heutigen Perspektive mitgeben? Nicht großartig viel. Unser Weg war nicht so schlecht. Vielleicht würde ich sagen, dass der Dreizehnjährige darauf achten soll, was er isst. Und dass er nicht darauf vergisst, neben der Ausbildung eine Kindheit zu haben. Wie nahe an der Perfektion war deine Karriere bisher? Man versucht immer, so dicht an die 100 Prozent zu kommen, wie es nur irgendwie geht. Das muss der Anspruch sein.
JÜNGSTER WELTMEISTER
Sebastian Vettel, 2010, 23 Jahre, 134 Tage
Max Verstappens Geburtstag: 30. September 1997
Um Vettels Rekord zu schlagen, muss er spätestens in der Saison 2020 Weltmeister werden.
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HOCH ZWEI/DPA PICTURE ALLIANCE/PICTUREDESK.COM, GETTY IMAGES
Andere wären daran zerbrochen. Ich bin der Sohn meines Vaters. Für mich war das normal. Und der Erfolg gibt uns ja auch recht. In der Formel 1 hast du mit vielen harten Entscheidungen zu tun. Da hilft es, wenn du von klein auf harte Entscheidungen gewohnt bist. Hätte ich einen Sohn, ich würde ihn so erziehen, wie ich erzogen wurde.
JÜNGSTER GRANDPRIX-STARTER
„DOCH, DAS MACHE ICH!“ Cliffdiverin ANNA BADER springt von 22 Meter hohen Plattformen ins Meer und bezeichnet sich als Angsthäsin: „Das Mutigste, was ich jemals gemacht habe, war, meinen Vater anzurufen.“ Interview WERNER JESSNER 34
DEAN TREML/RED BULL CONTENT POOL
Mit 80 km/h in die Tiefe. In wenigen Sekunden weiß sie, ob sie alles richtig gemacht hat: Anna Bader bei der Red Bull Cli≠ Diving World Series auf den Azoren.
„WENN DU DICH ZUM ABSPRUNG ENTSCHEIDEST, IST KEIN PLATZ MEHR FÜR ZWEIFEL ODER FURCHT.“ Allein die Entscheidung zu treffen sei schon ein Sieg, meint Anna. Fatal sei es, in einer Zwischenwelt stecken zu bleiben und dabei unglücklich zu sein.
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nna Bader, 34, ist siebenfache Europameisterin im Klippenspringen. Die deutsche Ausnahmeathletin war in ihrer Jugend Kunstturnerin und hat 2013 den ersten Red Bull Cliff Diving-Event für Frauen gewonnen. Am 5. August folgt die nächste Premiere für die Mutter einer knapp zweijährigen Tochter: Da kommt sie mit den weltbesten Cliffdiverinnen erstmals nach Sisikon an den Urnersee. the red bulletin: Was ist der Unter schied zwischen „Mut“ und „keine Angst“? anna bader: Mut ist Selbstvertrauen, keine Angst zu haben geht hingegen schnell Richtung Leichtsinn, wenn man Risiken verleugnet. Aus über 20 Metern zu springen geht gegen die menschliche Natur. Wer es einmal probiert hat, weiß, was passieren kann, wie hart das Wasser wird, wenn du mit 80 km/h eintauchst. Stark zu sein heißt nicht, furchtlos zu sein. Stärke ist, seine Ängste genau zu kennen und sie zu überwinden. Wie gelingt das? Durch ganz viel mentales Training. Und durch körperliche Fitness sowie dem daraus resultierenden Selbstvertrauen. Ich habe mir ein Zitat von Oscar Wilde herausgeschrieben: „Vorsicht ist, was wir bei anderen Feigheit nennen.“ Ein verstanden? Interessant. Ich persönlich bezeichne mich als Angsthäsin unter den Cliff Cliffdivern. Ich muss alles genau abchecken, bevor ich springe, und hundert Prozent sicher sein, dass ich bereit bin.
SAMO VIDIC/RED BULL CONTENT POOL
Routine als Gegenpart zur Angst: per per fekte Vorbereitung, perfektes Mindset, perfekte Bedingungen? Routine kehrt da nie ein, egal wie perfekt du drauf bist. Weil du dich überwinden musst. Weil du mit der Erdanziehung spielst. Weil du deinen Sprung leicht und einfach aussehen lassen willst. Weil du den Moment der Schwerelosigkeit in der Luft, die Freiheit genießt. Routine ist manchmal der Weg dorthin. THE RED BULLETIN
Fürchtest du dich vor dem Moment des Eintauchens? Weil du weißt: Jetzt wird es gleich wehtun. Ein bisschen zumin dest – oder sehr. Beim Eintauchen wird dein Körper mit dem Vierfachen seines Gewichts verzögert … Das ist der Moment der Wahrheit. Jeder Fehler, den du in den letzten zwei, drei Sekunden in der Luft gemacht hast, kommt ans Tageslicht. Aber gleichzeitig darfst du dich davor nicht fürchten. Du musst bloß sicherstellen, dass du vorher alles richtig gemacht hast. Wenn du dich entscheidest abzuspringen, ist kein Platz mehr für Zweifel oder Furcht. Es gibt dann kein Zurück mehr? Richtig. Du bereitest dich vor, dann triffst du die Entscheidung. Zu einhundert Prozent. Ich springe – oder ich springe nicht. Egal wozu du dich entschließt: Die Entscheidung überhaupt getroffen zu haben ist schon der Erfolg. Das ist weitaus besser, als in einer Zwischenwelt zu bleiben, wo man sich einerseits nicht traut und andererseits mit sich selbst unzufrieden ist. Manche Menschen bleiben ihr Leben lang darin stecken und verpassen eine ganze Menge. Du hast immer mutige Entscheidungen getroffen. Einfach so für drei Jahre nach China zu übersiedeln … … das war eine meiner besten Entscheidungen überhaupt! Diese Erfahrung! Es war zwar oft wahnsinnig anstrengend, aber ich war drei Jahre lang Teil der weltgrößten Aqua-Show „The House of Dancing Water“. Einfach toll! Mit welchem Gefühl bist du damals aufgebrochen? Vorfreude. Pures Glück. Okay, anderes Beispiel: Ich finde mutig, dass du dich zuerst für den „Playboy“ ausgezogen hast und dann Lehrerin geworden bist. Mich auszuziehen war kein großes Ding. Tolles Angebot, sehr schmeichelhaft fürs Ego, denn im „Playboy“ sind keine hässlichen Frauen. Außerdem hat mir die Idee gefallen, ein paar Leute damit zu schocken, hehe. Aber die Wellen, die das dann geschlagen hat – damit hatte ich nicht gerechnet. Inwiefern? Es hat gedauert, bis die Menschen wieder normal mit mir geredet haben. Zwar bist du prominent, aber unvoreingenommene Treffen mit neuen Menschen waren lange kaum möglich. Es war nicht auf Augenhöhe. Du steckst in einer Schublade. 37
Schon die untere PlattÂform ist etwa 20 Meter hoch. Der KĂśrper wird beim Eintauchen mit dem Vierfachen seines Gewichts abgebremst.
Und in der Schule? War es noch schwieriger. Die Bilder sind da draußen. Das Internet vergisst nicht, und jeder Schüler kann mich nackt googeln. Nach einem halben Jahr habe ich die Schule verlassen, ein Jahr Pause gemacht, mich wieder auf den Sport konzentriert und mir überlegt, wie ich künftig ein respektvolles, gutes LehrerSchüler-Verhältnis herstellen könnte.
„MICH AUSZUZIEHEN WAR KEIN GROSSES DING. SCHWIERIG WAREN DIE SPÄTEREN REAKTIONEN DER MENSCHEN DARAUF.“
Und zwar wie? Indem ich mich vor die nächste Klasse hingestellt und die Wahrheit erzählt habe. Mein Leben. Dass ich keine klassischlineare Biografie habe. Dass ich im Wasser-Zirkus aufgetreten bin, Klippenspringerin bin, dass es diese Fotos gibt und ob sie zu irgend etwas Fragen haben. Ab dem Moment war das Eis gebrochen.
(Denkt lange nach.) Das ist jetzt sehr per persönlich. Ich lag jahrelang im Clinch mit meinem Vater. Hier den ersten Schritt zu tun, mich mit ihm zu versöhnen, mich zu entschuldigen, das hat sehr viel Mut erfordert. Ja, das war das Mutigste, was ich im Leben gemacht habe. Definitiv. Denn ich bin eine sehr stolze Person.
Mut zur Ehrlichkeit? Klar Schiff machen, ja. Ich bin stolz, in die Schule zurückgegangen zu sein, nachdem ich schon aufgegeben hatte. Auch weil mich gewisse Menschen zur Authentizität inspiriert haben. Was war das Mutigste, was du je ge macht hast? Für viele wäre das wahr wahr scheinlich, von einer 22 Meter hohen Plattform ins Meer zu springen, aber ich schätze, du hast da andere Maß stäbe?
Was hat den Ausschlag gegeben, den ersten Schritt zu machen? Die Frage: Wie lebe ich richtig? Die begleitet mich immer. Da war irgendwann der Punkt, wo ich nach Jahren den Mut aufbringen musste, das Telefon in die Hand zu nehmen und ihn anzurufen. Das hat Zeit gebraucht, wie vieles im Leben. Wie die Vorbereitung auf einen neuen Sprung: Du weißt, wenn du dazu bereit bist, und dann ziehst du es durch? Da gibt es ganz viele Parallelen. An einem neuen Sprung kaust du nächtelang, bis du
weißt: Ich mach’s. Dann hast du auch keine Angst. Aber der Prozess braucht Zeit. Ist es manchmal mutiger, nicht zu springen? Es gibt immer wieder mal Athleten, die ihre Sprünge gegen ihre innere Über Überzeugung erzwingen. Das hat noch selten gut geendet. Ich war einmal auf einem Werbedreh in Thailand. Wir sollten ins Meer springen, das an dieser Stelle angeblich sieben Meter hätte tief sein sollen. Ich habe das nicht geglaubt und gebeten, nachzumessen. Die Armeetaucher haben eine Latte ins Meer gehalten, bis sie tatsächlich sieben Meter unter Wasser war – allerdings nur an einer einzigen Stelle irgendwo zwischen Steinbrocken. Der Rest waren eher so zwei Meter. Ich nehme an, du bist nicht gesprungen. Nein! Vor dem Sprung kannst du alles beeinflussen. Ab dem Moment, wo du den Boden verlässt, nicht mehr. Egal wie hoch der Druck ist, wie viele Kameras auf dir sind. Es kann zu windig sein. Die Wellen zu hoch. Ich kann immer umkehren. Ein Zitat von Erich Kästner: „Auch der stärkste Mann schaut einmal unters Bett.“ Haha, sehr gut! Viele Männer haben tatsächlich ein Ego-Problem. Sie geben nicht zu, dass sie von der Situation überfordert
SELBER SPRINGEN
ROMINA AMATO/RED BULL CONTENT POOL
Mit Anna Bader & Co selbst abtauchen
Falls doch einmal eine Landung schiefgeht, stehen Rettungstaucher bereit.
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Unter Profi-Anleitung selbst springen, die Freiheit in der Luft spüren und in die extreme Cli≠divingWelt eintauchen: Das ist die Idee von Mad Hoppers, der Firma von Anna Bader und ihrem Lebensgefährten Kris Kolanus. „Cli≠diving ist nicht nur für Profis“, sagt Anna. „Jeder sportliche Mensch kann das lernen.“ madhoppers.eu 39
„EGAL WIE HOCH DER DRUCK IST, EINES DARFST DU NIE VERGESSEN: SOLANG DU AM BODEN BIST, KANNST DU IMMER NOCH UMKEHREN.“ sind und ein Rückzug die klügere Variante wäre. Dass sie in ein paar Monaten wieder wiederkommen sollten – besser vorbereitet. Deine Tochter wird im September zwei Jahre alt. Ein Kind in die Welt zu setzen ist auch eine mutige Entscheidung. Aber auch das war eine sehr, sehr gute! Selbst ohne sicheren Job, eigenes Haus und langjährigen Partner. Kris (ebenfalls Red Bull Cliff Diver; Anm.) und ich wussten früh, dass wir ein Kind wollen. Natür Natürlich wirst du aus deinem alten Leben gerissen, vor allem, wenn es so sprunghaft und spontan war wie bei uns vorher. Heute hier, morgen da: Das geht nicht mehr so leicht. Aber es ist ein Riesengeschenk.
Der Satz war in die Richtung gemeint, dass man oft mehr Angst hat um andere als um sich selbst. Dass man dem Kind die Chance geben soll, Erfahrungen zu sammeln, sich die Nase anzuschlagen – ohne es immer retten zu wollen. Wie entlässt man Kinder mutig in die Welt? Ich habe meine Eltern als Vorbild. Meine Erziehung geschah mit viel Vertrauen. Den Satz „Wir haben es dir ja gesagt!“ habe ich selten gehört. Ich wurde nicht zur Angst erzogen. Bei uns hieß es: „Das kannst du.“ Oder: „Du musst es wissen.“ Gerade mein Vater hat jeden Quatsch mitgemacht und ist mit uns von Bäumen gesprungen. Wie setzt ihr das heute als Eltern um? Wir versuchen da zu sein und sie auf aufzufangen. Aber sie soll merken, dass sie fällt. Dass ihr Tun Folgen hat. Klingt mir eine Spur zu cool. Nein! Ich habe wahnsinnige Angst um mein Kind. Wenn es als Baby in der Nacht länger nicht geschrien hat, habe ich gehorcht, ob es noch atmet. Oder ob die Erkältung nicht doch etwas Schlimmeres ist. Typisches Mutter-Ding! (Lacht.) 40
Unter den Favoritinnen in Sisikon: Publikumsliebling und Sonnenschein Anna Bader
Von übervorsichtigen Eltern am Spiel platz bis zu Autos mit zwölf Airbags: Fürchten wir uns vor zu vielen Dingen, die in aller Regel ohnehin nicht ein treten? Was ich schade finde: Kinder sind über ihr Handy für die Eltern permanent er erreichbar. Dabei war doch gerade diese unsichtbare halbe Stunde am Weg von der Schule nach Hause jene Zeit, wo du am meisten Selbstvertrauen mitbekommen hast, weil du gemerkt hast: Ich kann das selber. Ich bin in meinen Entscheidungen zum ersten Mal frei. Ich kann gehen, wohin ich will. Die Welt ist kein Ort, vor dem man mich beschützen muss. Okay, keine Angst zu haben ist eher der Normalzustand in unserer Welt, würde ich sagen. Aber Mut ist dann doch noch eine ganz andere Nummer. Mut entsteht daraus, dass man nicht von den Meinungen anderer abhängig ist, sondern sein Leben lebt. Statt zu denken: „Das kann ich nicht machen!“, zu sagen: „Doch, das mache ich!“ – das ist Mut.
cliffdiving.redbull.com
„WILD UND PRÄZISE“
Matthias Appenzeller, der einzige Schweizer Teilnehmer beim Red Bull Cliff Diving in Sisikon, über den Thrill des Klippenspringens. Das heikelste Momentum beim Sprung ist … … der Absprung. Verhaust du den, ist alles im Eimer. Und du kannst unkontrolliert ins Wasser stürzen – lebensgefährlich. Ein guter Absprung ist eines: hoch! Das gibt dir Zeit, deine Figuren in der Luft sauber auszuführen. Eleganz in der Luft ist … … ein Mix aus Präzision und Wildheit. Einer seits musst du deine Figuren ruhig und präzis durchziehen, zugleich musst du angriffslustig und wild sein, um die Jury zu beeindrucken. Klippenspringer brauchen … … eine gute Körperspannung und Antizipa tionsvermögen. Du musst in der Luft immer wissen, wie weit du vom Wasser entfernt bist. Das Einzigartige an Sisikon ist … … die geile Kulisse. Hier gibt es verwinkelte Ufer, umgeben von steilen Berghängen. Per Per fekt für den Event! Red Bull Cliff Diving World Series Schweiz: am 4. und 5. August 2018 am Urnersee in Sisikon und live auf redbull.tv THE RED BULLETIN
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In ein paar Jahren wird sie wahrschein lich am Zehnmeterturm stehen. Ja, das könnte passieren. Zwangsläufig kriegt sie mit, was wir machen, und sie hat auch schon Feuer gefangen.
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Gute Gründer: Philip (li.) und Waldemar inspirierten bisher mehr als 100 Firmen, sich ihrer sozialen Initiative anzuschließen, dem „Entrepreneur’s Pledge“.
DIESE JUNGS WOLLEN DIE WELT RETTEN
Schrill, schlau, provokant: Die Berliner Gründer PHILIP SIEFER und WALDEMAR ZEILER bringen Top-Unternehmer dazu, soziale Start-ups zu gründen. 100 machen bereits mit. Warum es Spaß macht, Gutes zu tun, und wie man dabei erfolgreich wird – eine Anleitung in neun Schritten. Fotos STUDIO WUNSCH
STYLING: CHANTAL DRYWA-WUNSCH SCHUHE: PREMIATA
Text DANIEL SCHIEFERDECKER
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„Sei ein Leuchtturm. Wenn du ein positives Beispiel abgibst, kann das eine Bewegung auslösen.“ Philip
Hier geht’s lang: Philip kümmert sich um das Marketing von Einhorn.
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1. Geld ist der falsche Antrieb
Ü
berzeugen? Nein, überzeugen wollen Philip Siefer, 36, und Waldemar Zeiler, 37, niemanden. Wer den beiden Berliner Gründern des Startups Einhorn – bekannt für seine nachhaltig produzierten Kondome – begegnet, muss auf alles gefasst sein. In Crowdfunding-Videos tragen sie Einhornkostüme, ihre Mitarbeiter fragen sie schon mal, zu wie viel Prozent sie im Job eigentlich sie selbst sind, in Businessvorträgen blasen sie Kondome auf. Und auf die Frage, wie sie Menschen von ihren Ideen über überzeugen, antworten sie, dass sie wirk wirklich vieles wollen, aber ganz bestimmt niemanden überzeugen. Dabei drängt sich der Verdacht auf, dass sie genau das ziemlich gut können: Knapp 2000 Menschen, die ihr EinhornCrowdfunding-Video gesehen hatten, überwiesen ihnen anschließend Geld – in Summe über 100.000 Euro.
waldemar zeiler: Lange war mein Ziel: mit dreißig Millionär sein. Das entsprach in etwa dem Ideal, das ich mit Anfang zwanzig auf der Business School in Maastricht gelernt hatte. Zu mir hat das aber eigentlich nie gepasst. Heute weiß ich: Geld ist der falsche Antrieb. Viel erfüllender ist es, einen Impact zu haben. Ich will nicht nur Geldvermehrer sein, sondern etwas aufbauen. Etwas Großes. Wenn ich in zehn Jahren nur reich wäre, wäre ich enttäuscht. Das wäre einfach zu langweilig. philip siefer: Wir waren schon auf zig Business-Kasper-Konferenzen, wo sich alle gegenseitig erzählen, wie gut es bei ihnen läuft. Aber entweder sind die Speaker so langweilig, dass man nach zwei Minuten einschläft, oder so professionell, dass es unecht wirkt. waldemar: Wir versuchen immer, authentisch zu bleiben – manchmal auch aus der Not heraus. Im ersten Jahr wurden wir zum Beispiel von einem Mitbewerber mit verschiedenen Klagen überzogen, hatten aber keine Kohle, um uns vor Gericht zu wehren. Was haben wir stattdessen gemacht? Eine Orgasmus-Demo vor dem Brandenburger Tor organisiert. Das Ergebnis: Der Wettbewerber hat uns nie wieder verklagt, wahrscheinlich, weil wir eine PR-Welle losgetreten haben, die uns in alle Medien gebracht hat.
Vor allem aber bringen Siefer und Zeiler andere Unternehmer dazu, sich sozial zu engagieren. Gründer, die sich ihrer Initiative „Entrepreneur’s Pledge“ anschließen, verpflichten sich, ein soziales Start-up aufzubauen. Über 100 sind bereits an Bord (siehe Kasten). Im Gespräch verraten Siefer und Zeiler, wie jeder die Wirtschaft und vielleicht sogar die Welt ein bisschen besser machen kann – garantiert ohne Überzeugungsarbeit. THE RED BULLETIN
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philip: Je authentischer du bist, desto besser kommst du an. waldemar: Ich habe meine private Seite lange versteckt, weil ich ein „seriöser“ Gründer sein wollte. Erst durch Einhorn habe ich gelernt, das Kind in mir wieder rauszulassen. Je länger du gebrainwasht wurdest, desto schwieriger wird es, sich das zurück zurückzuerkämpfen. Die meisten Gründer sind nicht mal zehn Prozent sie selbst. Wir wollen aber ein Umfeld schaffen, in dem sich jeder frei entfalten kann.
2. Entwickle neue Routinen (und brich sie wieder) waldemar: Wir suchen nach einem Weg, den Kapitalismus umzudrehen, damit wir nicht weiterhin Menschen und die Natur ausbeuten. Die Lösung haben wir noch nicht, aber wir wer werden sie finden, indem wir Dinge ausprobieren, Routinen entwickeln – und sie brechen. Es passiert nichts Neues, wenn du jeden Tag dasselbe tust. philip: Unser ganzes Leben ist auf Routinen ausgerichtet: Kindergarten, Schule, Ausbildung, Studium, Ar Arbeit – alles! Diese Routinen werden nicht hinterfragt, nach dem Motto: Das war schon immer so. Aber das ist kein Grund. Das muss raus aus den Köpfen. Bei Einhorn gibt es zum Beispiel keine festgelegte Anzahl von Urlaubstagen. Jeder Mitarbeiter kann so viel Urlaub nehmen, wie er möchte – natürlich in Absprache mit seinem Team.
3. Im Zweifel: Mach dich zum Affen waldemar: Für unser CrowdfundingVideo habe ich ein Einhornkostüm angezogen und vorher lange darüber nachgedacht, ob ich das wirklich tun soll – denn das Video bleibt schließlich für immer im Netz. Was, wenn es nicht funktioniert hätte und ich doch wieder was Seriöses hätte machen wollen? Aber inzwischen ist das ein No-Brainer. Ich mach so was einfach. 46
„Jede Regel hindert dich daran, etwas Sinnvolles zu tun, weil du statt dessen auf das Einhalten der Regel achtest.“ Waldemar
philip: Wenn wir uns fragen, ob wir das machen können, ist es genau das, was wir machen müssen!
4. Geh mit deinem Kollegen zur Paartherapie philip: Die meiste Zeit, den größten Arbeitsaufwand stecken wir in unsere Beziehung. Denn die ist die Basis von allem. Waldemar und ich sind sehr verschieden, ich bin eher der extravertierte Kreative, und Waldemar ist eher analytisch veranlagt. Damit wir uns nicht die Köpfe einschlagen, haben wir spezielle Kommunikations techniken entwickelt. Vor einem Ge spräch sagen wir uns stets, wie es uns geht. Schlecht geschlafen? Stress mit der Freundin? waldemar: Das sorgt für Offenheit und Verständnis. Dann definieren wir ein Gesprächsziel. Bringt schließlich nichts, wenn der eine Jahrespläne machen und der andere über Produkt designs sprechen will. Das haben wir in unserer Paartherapie gelernt … philip: … auf die hat Waldemar bestanden, noch bevor wir uns zu sammengetan haben. Wir wollten wissen, ob das mit uns überhaupt funktionieren kann, eben weil wir so verschieden sind. Das Ergebnis war: Ja, aber nur wenn wir viel miteinander kommunizieren. waldemar: Am Montag, wenn ich aus dem Wochenende komme, nervt mich Philip zum Beispiel meistens. Deshalb gehen wir dann häufig in die Sauna. Da sind wir an einem Happy Place und müssen während der Saunagänge immer mal die Fresse halten, sodass wir alles Gesagte über über denken können. Wenn wir am Ende des Tages dann noch eine Stunde Business reden, geht alles ganz flott.
Männer mit Message: Waldemar (li.) und Philip spenden die Hälfte ihres Gewinns an soziale Projekte.
5. Lern „gewaltfreie Kommunikation“ philip: Der NewWork Work Berater Work Georg Tarne hat uns in die gewalt freie Kommunikation eingeführt – ein Handlungskonzept, nach dem der Kommunikationsfluss zu mehr Ver Ver trauen und Freude am Leben führt. Da lernt man, jemandem drei Minuten lang wirklich konzentriert zuzuhören und nicht darauf zu reagieren: nichts zu sagen, nicht zu nicken, einfach zu zuhören. Das ist brutal schwer, weil man das nicht gewohnt ist. Bringt aber wahnsinnig viel!
6. Ignoriere alle Vorgaben waldemar: Unberechenbarkeit ist extrem wichtig. Wenn man uns bucht, muss man mit Überraschungen rechnen. Ich war mal bei einer Xing Konferenz eingeladen. Die meinten im Vorfeld: „Du kannst alles machen, aber bitte blas auf der Bühne keine Kondome auf und trink kein Bier“ – beides habe ich gemacht. Ein paar Leute sind rausgegangen. philip: Aber die haben uns trotz dem noch mal eingeladen. Mehr Bestätigung geht nicht.
7. Stell philosophische Fragen waldemar: Ich hasse Smalltalk und versuche immer, aus den Leuten ein bisschen was rauszukitzeln. Des wegen stelle ich Mitarbeitern, aber auch potenziellen Geschäftspartnern gern Fragen, auf die sie nicht sofort eine Antwort haben, damit sie über sich und ihre Situation nachdenken müssen. Also nicht: „Wie geht es dir?“ Sondern: „Hast du mal darüber nach gedacht zu kündigen? Macht dich dein Job glücklich?“ Das sind Fragen, auf die Leute keine vorgefertigten Antworten haben, die sie fordern. Aber das wird viel zu selten gemacht. Denn mal ehrlich: Wer fordert uns schon mal in unseren Grundwerten heraus?
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8. Behandle jeden gleich (auch die Firmenbosse) waldemar: Uns ist egal, wer uns gegenübersitzt. Wir begegnen jedem auf Augenhöhe. Vor kurzem saßen wir mit den Verantwortlichen des Traditionsunternehmens Wepa zu sammen, das eine Milliarde Jahres umsatz mit Klopapier macht. Der Chef dachte vermutlich, wir kämen angekrochen und würden mit ihm über Preise verhandeln. Haben wir aber nicht, sondern Fragen gestellt wie zum Beispiel: „Du machst zwar ’ne Milliarde Umsatz, aber hast du das Gefühl, noch Lenker deines Unternehmens zu sein?“ Das sind die geilen Momente, in denen man sich wirklich auf Augenhöhe begegnet.
9. Überzeuge nicht, inspiriere philip: Jemandem etwas zu ver kaufen, was er nicht haben will, bringt gar nichts. Der Funke muss bereits da sein, den können wir nicht entfachen. Wir wollen die Leute auch nicht vom Entrepreneur’s Pledge überzeugen, wir wollen, dass die Leute überzeugt sind. Wir wollen inspirieren. Es geht darum, in den Köpfen der Leute einen kleinen Knopf zu drücken. Zu sagen: Du bist eh Unternehmer, hast etwas Geiles gemacht, und nun fordern wir dich auf, in der Zukunft etwas Geiles zu machen, das auch noch fair und nachhaltig ist. Wir stellen aber keine Regeln auf, sondern vertrauen dar auf, dass die Leute den nächsten Schritt machen wollen. waldemar: Jede Regel hindert dich daran, etwas Sinnvolles zu tun, weil du stattdessen auf das Einhalten der Regeln achtest. Die meisten Leute sind Unternehmer geworden, um frei zu sein. Sie in ein Korsett zu zwängen ergibt keinen Sinn. philip: Wenn du ein Leuchtturm bist, ein positives Beispiel abgibst, dann kann das eine Bewegung auslösen. Ich meine: Es gibt erfolgreichere Unternehmer als uns. Aber wir zwei Idioten sind jetzt auf Magazincovers und im TV. Und warum? Weil wir das Richtige tun! 48
VERSPROCHEN IST VERSPROCHEN Eine Vereinbarung auf Vertrauensbasis macht die Welt besser. „Entrepreneur’s Pledge“, die Initiative von Philip Siefer und Waldemar Zeiler, bezeichnet ein Abkommen, das vom „Giving Pledge“ von Bill Gates und Warren Buffett inspiriert ist. Doch während beim Giving Pledge wohlhabende Menschen dazu animiert werden sollen, einen (Groß-)teil ihres Reichtums zu spenden, sollen die Unterzeichner des Entrepreneur’s Pledge im Laufe ihres Lebens ein soziales Start-up gründen, das dabei hilft, aktuelle Probleme der Umwelt oder der Gesellschaft zu lösen. Die Hälfte der Profite dieses Start-ups soll wiederum in die Lösung des jeweiligen Problems investiert werden. Der Nachhaltigkeitsgedanke soll dadurch sukzessive in die Unternehmer-DNA eingebaut werden. Der Entrepreneur’s Pledge ist eine Vereinbarung auf Vertrauensbasis – keine vertragliche, sondern eine moralische Verpflichtung. Derzeit haben schon über hundert Leute unterzeichnet, darunter erfolgreiche Gründer wie Lea-Sophie Cramer von Amorelie, Hubertus Bessau von MyMuesli und Rolf Schrömgens von Trivago. Infos: entrepreneurspledge.org
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„Die meiste Zeit, den größten Arbeitsaufwand stecken wir in unsere Beziehung. Denn die ist die Basis von allem.“ Philip
Traum-Chefs: Bei Philip (li.) und Waldemar können Mitarbeiter ihr Gehalt selbst vorschlagen.
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TAKE FIVE
Emojipedia-Gründer JEREMY BURGE über …
DIE REVOLUTION DER EMOJIS
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Wie der 33-jährige Australier unser aller Kommunikation erleichtert. Und wie er den besten Job seines Lebens ergatterte.
Emojis kamen mir erstmals 2012 unter, ich war damals Web-Consulter für australische Universitäten. Apple brachte sie in Japan heraus, überall sonst musstest du sie noch von dubiosen Apps runterladen. Dann konnten auch die ersten Computer Emojis darstellen, und ich fand, dass es eine Referenz-Plattform dafür geben sollte. Also gründete ich 2013 Emojipedia, ohne die geringste Ahnung, wie groß das Ding werden würde. Ich wusste nicht mal, dass sie auf jedem Smartphone anders dargestellt werden! Auf einmal machte ich Tag und Nacht Updates – und aus einem Spaßprojekt wurde mein Leben: 25 Millionen Page-Views im Monat!
Mit Emojis klappt’s besser
Deine Lieblings-Emojis sagen viel über dich. Ich zum Beispiel mag das umgedrehte Smiley-Gesicht. Es ist ein bisschen zweizwei deutig: „Willst du mir gerade sagen, dass du gar nicht meinst, was du sagst?“ Als Optimist mag ich auch die gekreuzten Finger. Viele Leute sagen mir, dass ihnen Emojis helfen, ihre Gefühle auszuauszu drücken. Nicht jeder will gefühlsgefühls duselige Nachrichten schreiben, aber jetzt kann man einfach ein Herz ans Ende setzen – Gefühle zu zeigen ist so viel einfacher. Emojis helfen uns, besser miteinander zu kommunizieren.
Ich war sicher, der lachende Kack Kackhaufen holt den Lifetime AchieveAchieve ment Award!“ JEREMY BURGE 50
Wer steht für Emojis gerade?
Das Unicode-Konsortium ist eine Non-Profit-Organisation, die 1991 in Mountain View, Kalifornien, gegründet wurde. Dort wer werden die Standards für die Übersetzung eines Alphabets in einen Code festgelegt, der von allen Computern verstanden wird. Weil Emojis als Textzeichen gelten, ist dieses Konsortium nun lustigerweise auch für sie zuständig. Hier sitzen also die Leute, die sagen: „Ja, wir brauchen ein Emoji, das aussieht, als hätte es eine harte Nacht hinter sich.“ Es gibt das Technische Unicode-Komitee und darunter die Abteilung für Emojis, in der ich arbeite. Hier kann jeder Vorschläge für neue Emojis einreichen – Unternehmen wie Apple genauso wie Privatpersonen. Manchmal kommen Dokumente von zwanzig Seiten. Wir überprüfen dann die vorgeschlagenen Emojis und stellen sicher, dass sie die er erforderlichen Ansprüche erfüllen. Dann empfehlen wir diejenigen, die uns am besten gefallen.
Jeremy Burge, Herr der runden gelben Gesichter
Perfekter Style bis ins Detail
Vor einem Jahr gestalteten wir ein Skateboard-Emoji. Das Unicode-Konsortium entwirft die Emojis nicht, sondern genehmigt sie bloß, also übernimmt Emojipedia diese Aufgabe. Als Tony Hawk unser Skateboard-Emoji sah, postete er ein Bild davon auf Instagram mit dem Kommentar: „Sieht aus wie ein Skateboard aus den Achtzigern!“ Wir hatten monatelang dar daran gearbeitet! Ich kontaktierte ihn, und er sagte: „Hier hast du ein Foto von meinem Board.“ Daraufhin gestalteten wir das Emoji neu. Wir kämpften auch mit dem Kletter-Emoji, also half uns Weltmeisterin Sasha DiGiulian mit Fotos von typischen Posen aus. Pros und Amateure nützen ihre Seile unterschiedlich, also müssen wir uns auch um solche Style-Fragen kümmern.
Siegerlachen
2014 rief ich den Welt-EmojiTag ins Leben. Dann kamen die World Emoji Awards, wo in verschiedenen Kategorien Gewinner gewählt werden. Ich war mir so sicher, dass der lachende Kackhaufen den Lifetime Achievement Award gewinnen würde! Aber das Rennen machte das Emoji, das vor Lachen Tränen weint. Es ist das meistgenutzte Emoji auf Twitter, Facebook, iMessage und vielen weiteren Plattformen. Aber unsere Zahlen zeigen, dass sich das gerade ändert – vielleicht wird dieses Jahr also alles anders.
Am 17. Juli ist -Tag. Welt-Emoji-Tag. emojipedia. org
Interview RUTH MORGAN THE RED BULLETIN
GETTY IMAGES
Alles begann in Australien
IN 30 TAGEN ÜBER DEN ATLANTIK 5550 Kilometer über offenes Meer, haushohe Wellen, durch Stürme, gleißende Sonne, Panik attacken. Wie bereitet man sich auf so etwas vor? Und was nimmt man aus dem Abenteuer mit? The Red Bulletin sprach mit drei Teams der Talisker Whisky Atlantic Challenge. Text MAX SPRICK
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THE RED BULLETIN
BEN DUFFY
Allein oder im Team (hier: Team Antigua) quer über den Atlantik – das ist die Talisker Whisky Atlantic Challenge, das härteste Ruderrennen der Welt.
THE RED BULLETIN
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Es
sind bisher mehr Menschen in den Weltraum geflogen als über den Atlantik gerudert, und bei der Talisker Whisky Atlantic Challenge von der kanarischen Insel La Gomera zur Karibikinsel Antigua wird klar, warum das so ist: Nicht allein die schiere Distanz – ziemlich genau 3000 Seemeilen (rund 5550 Kilometer) – macht das Unterfangen zur härtesten Ruder-Herausforderung der Welt, sondern auch Stürme, Wellen, die Ausgesetztheit und die extreme psychische und physische Belastung. Jeden Dezember – erstmals 1997 – rudern etwa dreißig Teams bzw. Einzelkämpfer in sieben Meter langen, mindestens 60.000 Euro teuren Booten los. Hier erzählen drei Teilnehmer, wie sie das Ziel erreicht haben: der Niederländer Mark Slats, 40 Jahre alt, der das Solo-Race 2017 in 30 Tagen, 7:49 Stunden gewann und damit den Weltrekord für Solo-Atlantiküberquerungen um – je nach Bootsdefinition – 5 respektive 19 Tage gebrochen hat; Luca Baltensperger, 26, der mit seinen drei Schweizer Teamkollegen Antigua nur erreichte, weil einer seinen Nagelknipser mit an Bord genommen hatte; und die Britin Dianne Carrington, 61, die mit zwei weiteren „Atlantic Ladies“ als älteste Frau überhaupt über den Atlantik gerudert ist.
Die Boote, jedes mindestens 60.000 Euro wert, vor dem Start der Atlantik-Überquerung
Start Ziel
LA GOMERA
ANTIGUA
DIE ROUTE Ziemlich genau 3000 Seemeilen (rund 5550 Kilometer) sind es vom Startpunkt San Sebastián de La Gomera zum Ziel in English Harbour auf Antigua in der Karibik. 54
Fackeln nach dem Sturm: Solo-Ruderer Mark Slats bei seiner Zielankunft in Antigua
THE RED BULLETIN
TEAM ROW4CANCER
MARK SLATS Er ruderte für seine krebskranke Mutter zum Rekord.
the red bulletin: Wie kommt man auf die Idee, allein über den Atlantik zu rudern? mark slats: Umsegelt hatte ich die Welt schon dreimal, also war ich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung (lacht). Stimmt es, dass du davor nur wenig Rudererfahrung hattest? Gar keine! Ich hatte nie davor gerudert. Vor einigen Jahren lern te ich auf Teneriffa zwei Jungs kennen, die sich gerade anschick anschick ten, in die Karibik zu rudern. Ich dachte: „Cool, das will ich auch!“ 2016 meinte ein Freund, ich müs se mein Vorhaben langsam in die Tat umsetzen. Zurück in Holland, ging ich zum erstbesten Ruder Ruder klub, den ich auf Google fand. Wie trainiert man sich in 12 Monaten von null auf Weltrekord? Zunächst prüfte ein Arzt, wie viel ich meinem Körper zumuten kann. Ich bin zwei Meter groß und wiege 100 Kilo, vertrage also ein bisschen was. Und dann betrieb ich mein Training wie eine mili tärische Mission, mit gut 40 Stun den pro Woche. Ich ruderte jeden Sonntag 50 Kilometer, fuhr 120 bis 150 Kilometer Fahrrad und schwamm zehn Kilometer.
BEN DUFFY
Woher kam deine Motivation? Ich wollte es für meine Mutter schaffen. Sie hat Lungenkrebs. Ich hatte immer diesen einen Gedanken im Kopf: Mir mag es gerade schlecht gehen, aber mei ner Mutter geht es viel schlechter. Und da war die Sache mit meiner Freundin. Die letzten Monate vor dem Rennen hatten wir kein Wort miteinander gesprochen, dann stand sie auf La Gomera plötz lich vor mir. Sie war einfach her her THE RED BULLETIN
Mark Slats: in einem Jahr vom Ruder-Anfänger zum Weltrekordler, mit 14.000 Kalorien pro Tag
geflogen, um mir vor der Abfahrt Glück zu wünschen. Wir kamen wieder zusammen – und wenn du frisch verliebt bist, hast du die Energie von zehn Männern. Und mit dieser Energie rudert man dann solo nur 17 Stunden langsamer als das siegreiche Vierer-Team? Ich bin ein Wettkampftyp. Sogar wenn jemand neben mir am Herd ein Spiegelei brät, will ich meins schneller braten. Neben meinem Sitz hatte ich einen Bildschirm, auf dem ich meine Daten kontrol lieren konnte. Außerdem wurde mir die Position der anderen an gezeigt. Wann immer ich ein Mo tivationsproblem hatte, schaute ich auf diesen Bildschirm. Deine Taktik? Drei Stunden rudern, eine Stunde schlafen und essen. Ich ruderte
täglich 16 bis 18 Stunden. Bis die Halluzinationen zu heftig wurden. Dann ruderte ich nur zwei Stun den, ehe ich eine Pause machte. Manchmal dachte ich, ich rudere mitten durch eine Einkaufsstraße oder durch einen Wald. Ich hatte zwei psychische Zusammen brüche, auch Panikattacken, weil ich fürchtete, ich würde beim Schlafen vergessen, mich anzu leinen, und über Bord fallen. Wie konntest du diese Phasen überwinden? Einmal habe ich acht Stunden am Stück geschlafen. Als ich auf auf wachte, aß ich eine Mahlzeit von 8000 Kalorien – und es ging mir wieder gut. Essen ist der Schlüssel: Du musst dir tausende Kalorien reinzwängen. An guten Tagen nahm ich 14.000 Kalorien zu mir. War es eine gute Idee, über den Atlantik zu rudern? Definitiv – auch wenn ich jedes Mal weinen muss, wenn ich mir heute Videos von meinem Trip ansehe, weil ich mich an die Schmerzen erinnere. 55
TEAM ATLANTIC LADIES
DIANNE CARRINGTON
the red bulletin: Dianne, spielt das Alter eine Rolle, wenn es darum geht, sein Ziel zu erreichen? dianne carrington: Wir nahmen an der Challenge teil, um zu beweisen, dass weder Alter noch Geschlecht ein Hindernis sind. So viele jüngere Leute sagten zu mir, sie könnten nicht über den Atlantik rudern, weil sie zu alt seien. Frauen sagten, sie könnten das nicht, weil sie zu schwach seien. So ein Quatsch! Ich bin 61 und habe für die Challenge eigens Rudern gelernt! Warum haben Sie es geschafft? Mein Motto ist: „Lebe dein Ziel, statt davon zu träumen!“ Und was mir auf hoher See vor allem half: Visualisierungen. Schon beim Training stellte ich mir vor, ich sei schon auf dem Atlantik und nicht auf einem englischen Kanal. Als ich dann am Ozean war, malte ich mir immer wieder aus, wie es sein wird, auf Antigua anzukommen. Führ dir immer wieder vor Augen, wie es sich anfühlen wird, dein Ziel zu erreichen. Ihre beiden Mitruderinnen sind jeweils 54 Jahre alt. Hatten Sie mit Vorurteilen zu kämpfen, als Sie sich zur Teilnahme entschlossen haben? Überhaupt nicht. Meine Familie und meine Freunde wissen, dass ich durchziehe, was ich mir einmal vorgenommen habe. Ich habe das zum Teil auch für sie gemacht: Zwei enge Familienangehörige erhielten vor kurzem eine Krebsdiagnose, ein guter Freund hat nur noch eine geringe Zeitspanne zu leben. Ich wollte ihnen zeigen, dass man im Angesicht eines Unglücks kämpfen muss. Das gilt auch für mich persönlich. Inwiefern? Ich litt unter Angst-Depressionen. 56
Ich wollte auf dem Ozean neue Zuversicht gewinnen, denn die hatte ich während meiner Krank Krankheit verloren. Diese Reise sollte meine Lebenskraft festigen und mir als Person mehr Stärke geben. Und, hat sie das? Oh ja. Ich dachte keinen einzigen Moment ans Aufgeben. Auch nicht im bittersten Moment der Challenge: 50 Seemeilen vor dem Ziel. Die letzten 18 Stunden waren unsere schwersten, weil eine von uns starke Schmerzen im Bein hatte. Wir telefonierten mit der Helikopter-Rettung, die sagten zwar, sie holen uns da raus, aber ich schaute auf die riesigen Wellen, und mir war klar: Da kann uns keiner rausholen. Wir mussten dieses Problem selbst lösen. Wir überstanden die letzten Stunden, weil wir total unter Adrenalin standen. Der einzige Weg, unser Ziel zu erreichen, war, dass wir es aus eigener Kraft schaffen.
Wer auf ruhige See hofft, wird enttäuscht. Meterhohe Wellen begleiten die Teams vom ersten bis zum letzten Tag.
Die beste Kleidung ist so wenig Kleidung wie möglich. Nass wird man sowieso durchgängig.
Diane Carrington, 61: nach 60 Tagen im Ziel, als älteste Atlantikbezwingerin im Ruderboot überhaupt Immer der Sonne ausgesetzt: Schützende Laken aufzuhängen ist verboten – sie könnten als Segel dienen. THE RED BULLETIN
BEN DUFFY(2), ATLANTIC CAMPAIGNS, SWISS MOCEAN(2)
Eine Ruder-Überquerung des Atlantiks als Antidepressivum.
Luca Baltensperger: vom Zürichsee auf den Atlantik
Team Swiss Mocean
LUCA BALTENS PERGER ALLTAG AN BORD, ZUM THEMA … … Essen & Trinken
Jedes Team muss Proviant für mindestens 60 Tage an Bord haben, die Vorgabe lautet: 60 Kalorien pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Sprich: Wer 100 Kilogramm wiegt, muss mindestens 6000 Kalorien pro Tag mitführen. Trinkwasser wird über eine Meerwasser-Aufbereitungsmaschine gewonnen.
… Schmerzen
Um Blasen an den Händen zu vermeiden, schüttet man Desinfektionsalkohol drüber. Dieser brennt drei Tage lang furchtbar, sorgt aber dafür, dass sich extreme Hornhaut bildet. Was man nicht in den Griff bekommt: Wunden und Ausschläge am Hintern, da kaum Luft ans Gesäß kommt, dieses ständig nass ist und auf dem Sitz reibt.
… kuriose Begegnungen
Fliegende Fische sind bei Tag nett anzusehen, weil sie bis zu 60 Meter weit springen. Bei Nacht sind sie eine Plage, weil sie das Boot nicht wahrnehmen – dass einem ein fliegender Fisch nachts gegen den Kopf hüpft, kommt schon mal vor.
… Stoffwechsel
Die Kabine ist schlecht durchlüftet und erwärmt sich auf 50 Grad. Schlafen wird dann zur Qual. Scham? Nach einigen Tagen guckt man sich beim Klogang in die Augen, da es keinen abgetrennten Bereich gibt.
Ein Nagelknipser rettete das Schweizer Team aus Seenot. the red bulletin: Luca, kaum wart ihr aus dem Windschatten der Kanarischen Inseln draußen, überrollte eine Welle euer Boot und spülte dich und deinen Kollegen Laurenz fast von Bord. luca baltensperger: Das war die Feuertaufe für uns Schweizer, die wir zuvor nur auf dem ruhigen Zürichsee gerudert hatten. Die Welle zerstörte unser Steuerruder. Das bedeutete: Seenot, hilflos auf hoher See umhertreiben. Wir setzten erst mal Anker, um unsere Position zu halten. Dann diskutierten wir einen Nachmittag lang, was wir machen. Wir hatten zwar ein Ersatzruder, aber um es anzubringen, mussten zwei Leute unter das Boot tauchen und bei fünf Meter hohen Wellen ein Rohr durch ein enges Loch führen – das man erst noch bohren musste. Wir sprachen mit der Rennleitung, jeder riet uns davon ab, dieses Risiko einzugehen. Aufgeben war aber keine Option, wir waren ja gerade erst ins Rennen gestartet! Wie löst man Probleme unter Druck? Nachdem wir das nötige Loch gebohrt hatten, passte das neue
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Ruder nicht durch, Eisenspäne blockierten das Rohr. Gott sei Dank hatte mein Kollege Marvin seinen Nagelknipser eingepackt. Darüber hatten wir uns vor dem Rennen noch lustig gemacht, immer gesagt: „Da kommt wieder der mit dem Nagelknipser!“ Auf hoher See rettete uns das Teil, weil wir mit ihm die Späne abknipsen und dann das Ersatzruder anbringen konnten. Wie motiviert man sich als Team zum Weitermachen, auch wenn die Lage aussichtslos scheint? Mit reden! Über den Vorfall selbst, um die Angst abzubauen und sich zu beruhigen. Und sonst führten wir unendlich lange Gespräche, um uns von der Anstrengung abzulenken. Wir redeten über wirk wirklich alles. Aber wie tiefgründig ein Gespräch auch begann, es endete immer beim Essen. Wir malten uns aus, was wir bestellen würden, wenn wir wieder zu Hause sind, und schwärmten uns von Steaks, Schnitzeln und Käsespätzle vor. Trotz der Zeit, die ihr durch den Ruderbruch verloren habt, kamt ihr in Antigua als drittes Boot an – nach 30 Tagen, 4:59 Stunden. Und damit nur zwei Stunden hinter dem Zweiten und vier vierzehn hinter dem Sieger. Klar überlegten wir, was hätte sein können, wenn das Ruder nicht gebrochen wäre. Wir hätten das Rennen gewinnen können! Aber: Auch so unterboten wir den vorigen Weltrekord. Und ich glaube, wir lernten durch den Ruderbruch mehr, als uns ein Start-Ziel-Sieg gebracht hätte. Und zwar was genau? Es gibt Sachen, die außerhalb deiner Macht liegen und dein Leben trotzdem beeinflussen. Du musst im Moment bleiben, du musst immer weitermachen, weil keiner kommt, um dir zu helfen.
Infos und Anmeldung unter: www.taliskerwhiskyatlantic challenge.com 57
DIESER MANN
FEIERT DAS LEBEN (AUCH WENN ER NICHT SO AUSSIEHT)
FRANCISCUS LANUDJAJA
Totenkopfmasken, Nebelgranaten, durchgeknallte Outfits: Der Amerikaner BUTCH LOCSIN erobert von Los Angeles aus die Performance-Kunstwelt. Sein Erfolgsgeheimnis: Er weiß, wie man Rückschläge in Kreativität umwandelt. Text FLORIAN OBKIRCHER
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THE RED BULLETIN
Hauptsache bunt: Seit zwei Jahren ist der US-Künstler Butch Locsin regel mäßig irgendwo in Los Angeles bei einer halb geheimen Per formance zu sehen.
Ein Polizeiauto fährt vor. Statt Locsins Performance abzubrechen, outet sich der Officer als Fan: „Ich folge dir auf Instagram!“
Künstler und Handwerker: Das Selbstvertrauen, das Locsin vor Hunderten von Fotografen auftreten lässt, verdankt er seinen selbst gemachten Masken. Er hat 35 Stück davon.
Locsin im Flussbett des Los Angeles River. Die Nebelgranate hat er an einem alten Stück Stoff befestigt, den er vor Ort gefunden hat. „Wer draußen unterwegs ist, muss kreativ sein.“
HECTOR LANDEROS, BUTCH LOCSIN
A
lte Tankwagen rosten auf einsamen Glei sen vor sich hin, sogar die Graffiti an ihren Außenwänden sind verblasst. Sieht fast so aus, als wäre seit den Sprayern niemand mehr hier gewesen. Aber heute ist alles anders an diesem trostlosen Platz im Osten von Los Angeles. Rund 80 Foto grafen, die Kameras griffbereit, drängeln sich um die besten Plätze, als würden sie einen Hollywoodstar erwarten. Wer dann tatsächlich erscheint, ist ein Mann mit grüner Totenschädelmaske, dem Stil der Verkleidungen am mexikanischen „Tag der Toten“ nachempfunden. Die grüne Maske ist mit Sonnenblumen deko riert. Mit ausgestreckten Armen wirbelt der Mann an kurzen Seilen befestigte Nebelgranaten in einem wilden Spektakel durch die Luft, während er auf die er er staunten Fotografen zutanzt. THE RED BULLETIN
Es dauert keine zehn Minuten, und ein Polizeiauto fährt vor. (Der Künstler wird später erklären, dass wohl ein besorgter Anrainer den Notruf gewählt hatte, der dachte, es sei ein Feuer ausgebrochen.) Zwei Polizisten nähern sich dem Spek Spek takel. „Das war’s wohl für heute“, flüstert ein Fotograf. Die Polizisten machen jedoch keine Anstalten, die Performance zu unter unter brechen. Ganz im Gegenteil. Am Ende der Show sagt einer der Polizisten zu dem Mann in der Maske: „Ich folge dir auf Ins tagram. Du bist richtig cool!“ Im Laufe der letzten zwei Jahre ver anstaltete Butch Locsin – Künstlername „The Skeleton of Color“ (etwa: „Das farbige Skelett“) – jede Menge solcher Auftritte überall in seiner Heimatstadt Los Angeles. Die Videos davon gingen viral, der 31Jährige ist mittlerweile ein Shooting Star der internationalen Performance Kunstszene. Kürzlich brachte „Great Big Story“, der Jugendkanal von CNN, ein Videoprofil Locsins, das innerhalb weniger Monate mehr als eine halbe Million Klicks erreichte. Die EmoRockband Fall Out Boy engagierte ihn für das Video ihres
2017 erschienenen Songs „Hold Me Tight or Don’t“. Aber eigentlich wollte er ja nie Perfor Perfor manceKünstler werden. the red bulletin: Deine Karriere ist in den letzten zwei Jahren geradezu durch die Decke gegangen. Wer warst du, bevor du zum Wunderkind der Performance Art wurdest? butch locsin: Personal Trainer in einem FitnessStudio. Vor fünf Jahren habe ich beschlossen, dass ich mich weiterbilden möchte, und bin aufs College gegangen. Anstatt irgendwas in Richtung Physio therapie zu studieren, habe ich mich aber für ein Kunststudium entschieden, weil ich Malerei liebe. Wie hast du dann in der Kunstszene Fuß gefasst? Das war zu Beginn alles andere als ein fach. Ich verglich mich immer mit meinen Kommilitonen und fand sie viel besser als mich. Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, dass Kunst immer etwas Sub jektives ist. Vergleiche mal Picassos späte Werke mit seinen frühen, das sind zwei 61
„Der Totenkopf feiert das Leben. Er soll auf positive Weise daran erinnern, wozu wir einmal werden.“
Starker Raucher: Während einer 24minütigen Vorstellung verbraucht Locsin 40 Nebelgranaten. Die Exemplare, die an beiden Enden Rauch ausströmen, reichen nur für zehn Sekunden.
die ganz aufgeregt und wollten alles fotografieren. Sie waren begeistert und luden die Fotos auf Instagram hoch. Dann ging die Sache viral. Und ich wurde regelrecht gezwungen, kreativ zu sein, meine Kunst immer weiter voranzutreiben. Verwandelst du dich in eine andere Person, wenn du eine Maske aufsetzt? Zu Beginn dachte ich, der Mann hinter der Maske bin ich selbst – aber das stimmt nicht. Eine Maske verändert dich. In meinem Fall in eine stärkere Person – mit genug Selbstvertrauen, vor Hunderten von Fotografen aufzutreten. Mit der Maske vor dem Gesicht liebe ich es, vor Publikum aufzutreten. Kannst du dich an die erste Totenkopf Totenkopf maske erinnern, die du gemacht hast? Ja, es war eine simple gold- und bronzefarbene Maske, ich brauchte zwei Wochen dafür. Meine Masken, mittlerweile besitze ich 35 Stück, bestehen hauptsächlich aus Styropor. Die schwerste wiegt rund ein Kilo, aber die meisten sind leicht wie eine Feder. Das macht die Auftritte leichter. Was kostet eine Maske, wenn ich sie dir abkaufen möchte? Sorry, nicht verkäuflich. Mit dem Regenschirm kontrolliert Locsin bei seinen Performances den Rauch.
verschiedene Arten zu zeichnen, die eine ist nicht besser als die andere. Das Wichtigste in der Kunst ist, seinen eigenen Stil zu entwickeln, das musste ich erst lernen.
FRANCISCUS LANUDJAJA, BUTCH LOCSIN
Und wie hast du deinen eigenen Stil entwickelt? Im Leben geht es darum, Probleme zu er erkennen und kreative Lösungen zu finden. Ich wusste, dass ich nicht viel kann und nicht viel besitze, dass ich nicht mit goldenen Löffeln aufgezogen wurde, aber mörderisch coole Masken machen, das konnte ich. Also habe ich das getan. Ich habe meine Einschränkungen genützt, um meine Kreativität zu fördern. Und irgendwann wurdest du zum Skeleton of Color … Wenn du in Los Angeles aufwächst, ist mexikanischer Einfluss allgegenwärtig. Der Día de Muertos, der Tag der Toten, hat mir immer schon gefallen – vor allem diese bunt verzierten Totenschädel. Was genau fasziniert dich daran? Die meisten Menschen verbinden den Totenschädel mit etwas Negativem, was THE RED BULLETIN
er ja streng genommen auch ist. Beim Tag der Toten steht er aber als Symbol dafür, das Leben der Verstorbenen zu feiern. Er soll auf positive Weise daran erinnern, wozu wir einmal werden. Leben und Tod, komplementäre Farben – ich liebe Gegensätze. Wie kam es zur Idee deiner Perfor mances? Zufall! Es war nie mein Plan, Perfor Performance-Künstler zu werden. Ursprünglich wollte ich nur Fotos von meinen Totenschädeln, meinen Outfits und dem Rauch machen, um anschließend alles malen zu können. Dann lud mich ein Freund ein, mit ihm zu einem Photo Meet zu gehen (einem wöchentlichen Fotografentreffen an verschiedenen Orten in Los Angeles; Anm.). Da waren 200 Fotografen, und als ich in voller Montur auftauchte, wurden
„Meine Masken? Sorry, nicht verkäuflich!“
Du bist ein Künstler, der seine Kunst nicht verkauft? Ich habe sehr früh verstanden, dass die Maske mein Alleinstellungsmerkmal ist; sie ist es, die mich von anderen Künstlern unterscheidet, sie ist mein Markenzeichen, sie macht meine Auftritte einzigartig. Hätte ich irgendwann begonnen, sie zu verkaufen, wäre ich wahrscheinlich nicht da, wo ich heute bin. Mein Rat ist: Wenn du eine Sache hast, die gut funktioniert und die sonst keiner hat, dann behalte sie für dich. Hört sich ja ganz gut an, aber wie ver ver dienst du Geld? Meine Masken nicht zu verkaufen war ein Risiko, aber es hat sich ausgezahlt. Begonnen hat ja alles damit, dass ich nur Fotos haben wollte, um sie dann malen zu können. Plötzlich begann das mit den Vorführungen, und der Stein kam ins Rollen. Anstatt meine Kunstwerke zu ver verkaufen, bekomme ich jetzt Angebote, in Musikvideos aufzutreten und Werbung zu machen. Trotzdem möchte ich irgendwann meine Masken und meine Bilder auch verkaufen. Mein Weg zeigt, wie wichtig es ist, auf die richtige Gelegenheit zu warten und nicht bloß auf die erste. Instagram: @butch_locsin_from_la 63
DER E-SPORTLER Name:
Cihan Yasarlar
Alter: 25 Sportart: „FIFA 18“ Größter Erfolg: Europameister 2017 Markenzeichen: verschleißt die Vorwärts-Taste als Erstes (aus Liebe zum Offensivspiel)
Bullen unter sich: Timo und Cihan spielen beide für RB Leipzig – in der Fußball-Bundesliga bzw. auf E-Sport-Turnieren.
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GIPFEL DER
DER PROFI-KICKER Name:
Timo Werner Alter: 22 Sportart: Fußball
Größter Erfolg: Confederations-Cup-Sieg 2017 Markenzeichen: sprintet jedem Verteidiger davon (auf 30 Metern fast so schnell wie Usain Bolt)
Wenige schießen präziser aufs Tor als sie: Nationalstürmer TIMO WERNER mit dem Fuß, Red Bull-E-Sportler CIHAN YASARLAR mit dem Controller. Beide wollen in ihren Disziplinen Weltmeister werden – und haben auch sonst mehr gemeinsam, als du denkst. Text DAVID MAYER Fotos CHRISTOPH NEUMANN
ENDGEGNER
Durchstarter: Im Alter von 17 Jahren und 164 Tagen spielte Timo Werner zum ersten Mal in der Bundesliga.
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the red bulletin: Timo, Cihan, ihr gehört in euren Bereichen zu den Besten der Welt. Eine herausragende Stärke, die euch verbindet: auf den Punkt genau fokussieren zu können. Ist diese Fähigkeit anan geboren? timo: Im Gegenteil! In der Schule konnte ich nie stillsitzen. Mir war alles zu langweilig. cihan: Ich war nach außen hin in der Schule ganz artig, ganz ruhig. Dafür war ich manchmal innerlich höchstens zu 30 Prozent anwesend (lacht). Wie habt ihr diese einstigen SchwäSchwä chen in Stärken verwandelt? timo: Das geht von selbst. Vor 50.000 Zuschauern schießt Adrenalin durch deinen Körper, das gibt dir einen extremen Fokus. Dein Körper funktio niert anders, du nimmst alles anders wahr.
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en Stuttgarter, 22, und den Berliner, 25, verbindet viel mehr als der ge meinsame Verein RB Leipzig (ja, Leipzig spielt auch in der virtuellen Bundesliga): Beide hatten als Jugend liche von einer Karriere als ProfiFuß baller geträumt, beide erfüllten sich den Traum – jeder auf seine Weise. Der Schwabe Timo Werner debütierte mit 17 Jahren in der BundesligaElf des VfB Stuttgart, gewann 2017 mit der deutschen Nationalmannschaft den Confederations Cup und gilt auch bei der Weltmeisterschaft in Russland als Sturmhoffnung der DFBAuswahl. Der DeutschTürke Türke Cihan Yasarlar trainierte, nachdem er seine Nach wuchskarriere auf dem Rasen verlet zungsbedingt hatte beenden müssen, wie besessen für eine Karriere als ESportProfi, im virtuellen Fußball spiel „FIFA“ von EA Sports. Er wurde 2015 bei einem ShowSpiel auf der Internationalen Funkausstellung ent deckt und gewann seither zweimal deutsche ESL Meisterschaft und die Europameisterschaft. Ach ja, eine weitere Gemeinsamkeit: Keiner der beiden zockt auf „FIFA 18“ mit dem virtuellen Timo Werner. THE RED BULLETIN
Inwiefern? timo: Du bist völlig im Moment, dein Körper reagiert in dieser Extrem situation eher instinktiv als rational. Lücken in der Abwehr oder frei stehende Mitspieler erkennst du binnen Millisekunden. Cihan, bei dir ist das mit dem AdreAdre nalin wohl ein wenig schwieriger, oder? Du spielst deine Matches maximal vor ein paar hundert ZuZu schauern. cihan: Dafür schauen Hundert tausende online zu – das hab ich jeder zeit im Hinterkopf. Und allein das zu wissen, pusht mich unglaublich. Ausdauer-Athlet der anderen Art: Cihan trainiert bis zu acht Stunden am Tag.
„WENN ICH MEINE FREUNDE JUBELN HÖRE, IST DAS DER GEILSTE SOUND DER WELT.“ CIHAN YASARLAR 67
„ADRENALIN GIBT DIR EINEN EXTREMEN FOKUS, DU NIMMST ALLES ANDERS WAHR.“ TIMO WERNER
Wie viel habt ihr in eurer Jugend an der Konsole gezockt? timo: Zwei bis drei Stunden pro Tag, nicht mehr, dann haben meine Eltern an die Tür geklopft. Aber Cihan, so gut, wie du spielst, haben deine Eltern wahrscheinlich nicht geklopft, oder? cihan: Doch, aber ich habe nicht aufgemacht (lacht) (lacht). Außerdem habe ich fast immer nachts gespielt, online gegen meine Freunde, stundenlang. Dabei waren wir über unsere Headsets miteinander verbunden und haben über alles Mögliche gesprochen – Schule, Fußball, Mädchen. Daraus sind Freundschaften fürs Leben entent standen.
Aber der Stadionsound fehlt dennoch … cihan: Der kommt aus meinen Kopfhörern. Über die höre ich den Gamesound oder Hip-Hop, zum Beispiel Berliner Rap oder Klassiker wie 2Pac. Da geht es mir ganz ähnlich wie Timo, ich kann alles um mich herum vergessen. Einfach Adrenalin triggern? Reicht das wirklich für Fokus, der Höchstleistungen möglich macht? timo: Nein. Um wirklich fokussiert sein zu können, brauchst du davor vor allem eines: Leidenschaft für das, was du tust. Es war immer mein Traum, Fußballprofi zu werden. Deswegen war ich schon als Jugendlicher 90 Minuten bei der Sache – und da gab es kein Stadion-Getose, da waren vielleicht 50 Zuschauer. Aber wenn du mit Leib und Seele für etwas brennst, fällt dir Konzentration leicht. cihan: Auch da geht’s mir ähnlich. Ich habe mit Anfang zwanzig alles auf eine E-Sport-Karriere gesetzt, wollte unbedingt mein Geld mit „FIFA“ ver verdienen. Da bin ich im Spiel versunken, habe Stunde um Stunde um Stunde gezockt. Konzentration war da nie ein Problem, nur Müdigkeit, wenn es plötzlich vier Uhr früh war.
timo: Nein, nie! Da würde ich mich viel zu sehr aufregen, wenn der virtuelle Timo nicht trifft oder einen entscheidenden Fehlpass spielt (lacht). cihan: Für mich kommt Timo bei „FIFA 18“ leider auch noch nicht in Frage, ich spiele schließlich im Ultimate-Team-Modus. Das bedeutet, ich stelle mir die elf besten Spieler der Welt zusammen – inklusive Legenden wie Patrick Vieira, die im wahren Leben schon lange nicht mehr auf dem Platz stehen, virtuell aber über überragende Wertungen haben. In diesen Sphären befindet sich leider noch kein Spieler von RB Leipzig.
Dass Zocken im wirklichen Leben Freundschaften entstehen lässt, ist aber keine mehrheitsfähige Ansicht. timo: Ist aber bei mir auch so! Viele meiner besten Freunde von zu Hause sind lustigerweise gar nicht so beeinbeein
Auf Augenhöhe: Mit 22 Jahren gilt Timo bereits als einer der besten Stürmer der Welt.
Timo, kaum jemand weiß, dass du unter den analogen deutschen Fußballern tatsächlich zu den besten digitalen Kickern zählst. Spielst du bei „FIFA 18“ ab und zu auch mit deinem virtuellen Gegenpart? 68
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Doppelt gut: 2018 gewann Cihan zum zweiten Mal den nationalen Titel der ESLFrĂźhjahrsmeisterschaft. THE RED BULLETIN
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Echte Spieler: Timo gilt als bester Gamer in der RB-Kabine, Cihan schaffte es als Kicker bis in die Oberliga.
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druckt von meiner Fußballer-Karriere. Nach meinem ersten BundesligaEinsatz oder meinem ersten großen Vertrag hat sich kaum einer gemeldet. Aber als der Score des virtuellen Timo Werner in „FIFA 18“ auf über 80 auf aufgewertet wurde, kamen ohne Ende WhatsApp-Nachrichten.
cihan: Da hatte ich das entscheidende Spiel um den vorzeitigen Einzug in die WM-Runde der letzten 16 verloren. Ich hatte wahnsinnig oft aufs Tor geschossen, aber nur zweimal getroffen, mein Gegner hatte bei drei Schüssen dreimal getroffen. Das hat sich unglaublich ungerecht angefühlt.
Ich möchte wissen, mit welchen Tricks und Ritualen ihr vor einem wichtigen Spiel eure Konzentration hochfahrt. Timo? timo: Ein bisschen Musik in der Kabine zur inneren Sammlung, und los geht’s. Manche Spieler haben komplexere Routinen. Gehen immer 15 Minuten vor dem Aufwärmen für eine letzte Massage zum Physio, fünf Minuten vorher auf die rechte Toilette und so weiter. Im Camp Nou, dem Stadion in Barcelona, steht ja sogar eine Kapelle für die Spieler.
Zum Glück hast du die nächste Runde später doch noch erreicht. Abgesehen davon: Timo Werner würde nicht sagen, eine Niederlage sei ungerecht, nur weil er den Ball wieder und wieder am Tor vorbeigesemmelt hat. cihan: Weil er es allein in der Hand hat! Aber bei E-Sport spielt immer auch die Programmierung des Spiels eine Rolle – der gegenüber du machtlos bist. Aber aus der Erfahrung in Barcelona habe ich gelernt, dass solche Ausbrüche den Frust nur verstärken. Ich konnte drei Tage lang an nichts anderes mehr denken als an diese Niederlage. Unnötig! Da habe ich mir vorgenommen, gelassener zu werden.
Cihan? cihan: Ich bete auch vor jedem Match, aber nur innerlich. Ich bitte um Kraft und Ruhe für das Spiel, das gibt mir einfach eine große Sicherheit. Wirklich überhaupt nicht nervös vor dem Anpfiff? timo: Nein, gar nicht … außer – doch, kurz – in diesem einen Moment, wenn wir das letzte Mal einen Kreis gebildet haben und auf unsere Positionen laufen – da rutscht mir manchmal einen Moment lang das Herz in die Hose. Am meisten hilft dann aber Bewegung. Sobald der Ball rollt, laufe ich Vollgas den Gegner an, dann ver verdrängt Energie die Nervosität. Bei dir, Cihan, ist das mit dem Lossprinten nicht so drin: Als E-Sportler sitzt du auf einem Stuhl. cihan: Und trotzdem gilt es die Nerven unter Kontrolle zu behalten, genau darin liegt die größte mentale Herausforderung bei „FIFA 18“. Es gibt ein Video, das zeigt, wie du dir nach einer Niederlage vor Wut die Trainingsjacke vom Leib reißt und wild durch die Halle brüllst.
Timo, so ein Ausbruch wie bei Cihan wäre bei dir kaum denkbar. Täuscht diese Abgeklärtheit, die du ausstrahlst? timo: Ich merke, dass mit der Zeit auch die Gelassenheit zunimmt, ja. Irgendwann habe ich kapiert: Selbst wenn ich eine hundertprozentige Chance vergebe, verliere ich nicht gleich meinen Stammplatz. Anders ausgedrückt: Ich weiß, ich kann mich darauf verlassen, dass ich ein guter Fußballer bin, weil ich’s schon oft bewiesen habe. Das nimmt Druck weg. Was hilft dir gegen den extremen Druck vor einem Elfmeter? Wenn jeder ein Tor von dir erwartet? timo: So schnell wie möglich schießen. Da musst du einfach durch. Selbst einem Cristiano Ronaldo siehst du vor einem Strafstoß die Anspannung im Gesicht an, aber dann atmet er einmal durch und zimmert den Ball in den Winkel. Schwieriger wird es, wenn nach dem Pfiff erst mal der Videobeweis kommt, du mit dem Ball am Punkt warten musst … … und dir zehntausende Fans beim Nachdenken zuschauen. timo: Da musst du aufpassen, dass das Kopfkino nicht losgeht. Ganz falsch wäre, wenn du zum Beispiel darüber zu grübeln anfängst, was der Torwart vorhat. Manchmal gehe ich
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„ZU WISSEN, DASS HUNDERT HUNDERT TAUSENDE ONLINE ZUSCHAUEN, PUSHT MICH UNGLAUBLICH.“ CIHAN YASARLAR
dann zu einem Mitspieler und fange ein banales Gespräch an, etwa über die letzte Spielsituation, einfach um mich kurz abzulenken. Cihan, für dich gehört Warten auch zum Sport. Auf Turnieren spielst du manchmal sieben Spiele zu je 15 Minuten. Was machst du in der Zeit dazwischen, das sind ja Stunden, die du totschlagen musst! cihan: Zum Glück reise ich meistens mit zwei, drei Freunden an, die lenken mich in den Pausen ab. Du bist digitaler Sportler, dein Zuhause ist die virtuelle Welt! Wieso nimmst du nicht das Smartphone zum Ablenken? cihan: Das lenkt wieder zu sehr ab. Übers Smartphone kommuniziere ich ja mit meinen Fans, auf Facebook, Twitter und Instagram schreibe ich ihnen, wo ich gerade bin, was ich mache. Aber auf Turnieren setze ich vor dem ersten Spiel eine Nachricht ab – „Jetzt geht’s los“ –, dann aktiviere ich den Flugmodus. Außerdem feuern mich meine Kumpels während der Spiele an. Wenn ich sie nach einem Tor jubeln höre, ist das der geilste Stadionsound der Welt.
Auf Instagram: @cihanyasarlar @timowerner 71
TAKE FIVE
Günstig reisen wie Welt-Umradler BEN PAGE
MIT 4 EURO ANS ENDE DER WELT Mit 22 ging er auf eine dreijährige Fahrrad-Weltreise (inklusive Arktis). Unterwegs wurde Ben Page erfolgreicher Filmemacher. Sein Tagesbudget: 4 Euro. Wie zur Hölle ist ihm das gelungen? Aus der Lebenskrise ins große Glück: Ben Page
hasste ich jeden Tritt, am siebenten Tag liebte ich es. Und dann dachte ich mir: „Wenn ich ein Land durchqueren kann, kann ich auch einen Kontinent durchqueren. Und wenn ich es durch einen Kontinent schaffe, schaff ich es auch rund um die Welt.“ Mir wurde klar, wie leicht ich meine Träume verwirklichen kann: Alles, was ich tun muss, ist loszufahren.
3 Du brauchst kaum Ausrüstung
Gibt es ein Kleidungsstück, das du diese Woche nicht brauchen wirst? Weg damit! Ich hatte genau eine Garnitur Kleidung und ein kleines Notfallpaket, dazu ein 3-Saisonen-Zelt, einen Schlafsack, eine Isomatte und das Bike. Das reichte für alle Bedingungen von plus 50 bis minus 40 Grad. Der einzige Luxus, den ich mir er erlaubte, waren ein Bluetooth-Lautsprecher an meinem Lenker und ein Kindle. Zu Beginn hatte ich noch einen kleinen Multifuel-Kocher dabei, aber der wurde kaputt. Dann bastelte ich mir Öfen aus Bierdosen.
4 Ein paar Zugeständnisse 1 Radfahren spart Geld Wochenlang nicht zu duschen war ein Opfer, das ich bringen musste. Na ja, vielleicht haben andere Menschen darunter mehr gelitten als ich.“ BEN PAGE
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Das meiste Geld geht beim Reisen für Unterkunft und Verkehrsmittel drauf. Wenn du mit dem Rad fährst und im Zelt schläfst, musst du nur das Essen bezahlen. Ich habe zwar zwei- oder dreimal mehr verschlungen als sonst – aber das war hauptsächlich Haferbrei um 25 Cent pro Portion. Wenn ich mal in einem Hostel übernachtet habe, war das meistens ein Reinfall: Im Zelt ist es viel angenehmer, vor allem in den Bergen kann man eine Nacht kaum schöner verbringen.
2 Nichts kann dich stoppen
Ich hatte eine kleine Lebenskrise, als mir die Idee kam: Warum nicht mal von meinem Haus in West Yorkshire eine Woche lang bis in die Schweizer Alpen radeln? Also packte ich eines Morgens ein paar Sachen und fuhr los. Sechs Tage
Wer fremde Kulturen besucht, will normalerweise auch das lokale Essen probieren. Das ging nicht, ich konnte mir ja keine Restaurants leisten. Ich machte auch um Städte einen Bogen, weil ich dort ein Hostel gebraucht hätte. Wochenlang nicht zu duschen war auch eines der Opfer, die ich bringen musste. Na ja, vielleicht haben die anderen darunter mehr gelitten als ich.
5 Genieß besondere Momente
Ich hatte immer genug zu essen: Haferbrei, Reis, Nudeln mit Brühwürfel, Brot. Kohlehydrate bekommt man überall spottbillig. Mein wahrer Luxus war ab und zu ein Bierchen. Eine Dose Bier kaufen, das Zelt aufschlagen und der Sonne beim Untergehen zusehen: Das waren meine schönsten Momente.
benpagefilms.com Interview MATT RAY Foto CASS GILBERT THE RED BULLETIN
FRAUEN-POWER
Ihre Songs kennt die ganze Welt. Die Frau dahinter niemand. Bis jetzt. Denn The Red Bulletin durfte FEVER RAY backstage auf ihrer Tournee begleiten und entdeckte eine Welt, in der nach weiblichen Regeln gespielt wird – mit der Kraft von Freundlichkeit, Offenheit und Toleranz. Text LAURA SNAPES
JULIE GLASSBERG
Von der Gothic Queen zum kahlrasierten Neon-Zombie: Seit ihrer LondonShow im Jahr 2010 hat Karin Dreijer ihre Bühnenpräsenz radikal verändert.
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Tontechnikerin Laura Davis findet es amüsant, wie sehr Männer über einen funktionierenden weiblichen Tourtross staunen.
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Das führt, wenn man dem Team glauben darf, zu radikal positiven Ergebnissen in der Zusammenarbeit. „Ich fühle mich extrem wohl in diesem Setting“, sagt Diva Cruz, eine der beiden Schlagzeugerinnen. „Wenn du mit Männern arbeitest, musst du dich immer beweisen, durchsetzen, zeigen, was du kannst. Mit Frauen ist das ganz anders. Auch mit starken Frauen. Wenn du mit ihnen Musik machst, geben sie dir die Freiheit, dich zu fühlen und dich auszudrücken, wie du willst.“
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ir befinden uns im Londoner Troxy Theatre in Limehouse, einem trüben grgebiet. Die einzigen Zeichen von Leben zwischen Zugstation und Theater sind eine Kneipe, einige verirrte Läden, eine Schwulensauna und ein paar gelangweilte Schulkinder. Der Start der „Plunge“-Tour liegt mehr als neun Monate zurück, es ist die übliche Routine in den Alltag eingekehrt. In einer dunklen Ecke des Backstagebereichs telefoniert Tänzerin Helena Gutarra via FaceTime mit ihren Kindern, während der Rest der Crew die letzten Checks durchgeht; Soundfetzen hallen durch den leeren Raum, die Neonbeleuchtung flackert auf der Bühne auf. Die Gewöhnlichkeit der Szenerie steht im Wider Widerspruch zur Ungewöhnlichkeit des Projekts. Als Karin Dreijer die Tour zu planen begann, war sie wie erwähnt entschlossen, nur Frauen oder Personen dritten Geschlechts zu engagieren oder zumindest so viele, wie in der männerlastigen Industrie möglich sein würde. (Am Ende wurden es vier Männer und neun Frauen im Tourtross, darunter Truckfahrerin Jessica Thorzén.) Zunächst wandte sich Dreijer an Künstlerinnen, mit denen sie schon gearbeitet hatte: Tänzerin Maryam Nikandish war bereits Teil der „Shaking the Habitual“-Tour der Band The Knife gewesen, die Karin Dreijer und ihr Bruder Olof bildeten. Schlagzeugerin Lili Zavala hatte sich bei der ersten „Fever Ray“-Tour bewährt. Performerin Helena Gutarra stieß über Nikandishs Vermittlung zum Team. „Maryam sagte mir, dass Karin jemanden sucht, der es liebt, mitten auf der Bühne zu stehen“, sagt sie. „Da hat sie punktgenau die Richtige gefunden“, lacht Keyboarderin Miko Hansson. Sie kam via Zavala zur Crew, wie auch Drummerin Diva Cruz, die mit ihr gemeinsam in einer Salsa-Band spielt. Bei der früheren „Fever Ray“-Tour war Zavala die einzige Live-Künstlerin gewesen, alles andere war als Playback eingespielt. Diesmal wollte Dreijer alles anders haben: „Wenn wir 60 Shows machen, wollen wir live spielen, sonst macht’s ja irgendwann keinen Spaß mehr“, sagt Keyboarderin Hansson. „Natürlich
„Wenn du mit Männern arbeitest, musst du dich immer beweisen. Mit Frauen ist das anders.“ THE RED BULLETIN
JULIE GLASSBERG, ALEXA VACHON (2)
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n der Musikbranche beginnt alles mit einer Grundregel: Mach dich bekannt. Sei präsent. Zeig dich. Gib deinen Fans die Chance, sich mit dir zu identifizieren. Die schwedische Sängerin Fever Ray macht nichts davon. Das dafür konsequent. Auf dem Cover ihres 2009 erschienenen Debütalbums zeigte sie sich als Gothic-Schamanin, das Gesicht mit Corpse Paint bemalt, eine Kapuze über den Kopf gezogen, den Körper in ein Cape gehüllt. Als sie 2010 in ihrer Heimat Schweden den „P3 Guld“-Preis in der Kategorie Beste Tänzerin gewann, erschien sie zur Verleihung in einem Kostüm, das nach schmelzender Knetfigur aussah. In ihrem Gesicht hingen künstliche Hautfetzen. Sie spielte an diesem Abend auch keine Musik, sondern stieß nur einen klaustrophobisch anmutenden Kampfschrei aus, um gegen die Isolation der Mutterschaft zu rebellieren. Interviews gab sie fast keine, und wenn doch, waren sie so kryptisch, dass kaum jemand was damit anfangen konnte. Dann tauchte sie ab. Im Jahr 2017 erschien Dreijer (zu dem Zeitpunkt frisch geschieden) wieder auf der Bildfläche. „Plunge“, ihr aktuelles zweites Album, enthält Songzeilen wie „Ich will meine Finger in deine Pussy stecken“ und ist als Kampfansage an die sexuelle Unterdrückung der Frau zu verstehen. Sich über Tabus hinwegzusetzen ist auf diesem zweiten Album weniger denn je ein Problem für Karin Dreijer. Das einzige Tabu, an das sie sich immer schon strikt hielt, war die Wahrung ihres Privatlebens. Umso erstaunlicher, dass sie einem Team des Red Bulletin bei ihrer Europatournee Zugang hinter die Kulissen gewährte, gleichsam eingebettet in die Crew. Apropos Crew: Das Musikbusiness ist beinhartes Patriarchat. Männer bestimmen über die Deals, Männer ziehen die Fäden. Wenig überraschend schert Dreijer auch hier aus: Ihr Projekt wird künstlerisch, technisch und organisatorisch von Frauen und Per Personen des dritten Geschlechts bestimmt, und ja, das ist alles andere als Zufall. Das ist Teil der Botschaft.
Sarah Landaus Licht show gibt Maryam Nikandishs Kostüm eine beinahe über menschliche Aura.
Tänzerin Maryam Nikandish (links) und Schlagzeugerin Diva Cruz bringen sich für die Show in Stimmung.
ist es so viel mehr Arbeit, aber die Show wird damit einfach besser. Wir können die Energie des Publikums aufnehmen und das Publikum unsere. Es wird ein gemeinsames Erlebnis.“ Dreijer entwickelte Konzept und Plan der Tour nicht allein, sondern gemeinsam mit fünf der Künstlerinnen und Künstler ihrer Crew. Tänzerin Nikandish schwärmt: „Karin sieht die Kunstperson Fever Ray als Gemeinschaftsprojekt. Sie nimmt sich als Person zurück. Wir hatten Meetings, hörten gemeinsam die Musik, dann redeten wir gemeinsam über alles, die Musik, wie sich alles auf der Bühne darstellen lässt, die Dramaturgie der Show, was wir in welcher Situation im Publikum auslösen wollten. Du darfst dir das nicht als gelenkten Konzept-Prozess mit Flipchart und allem Möglichen vorstellen. Es war, wie schon bei der ‚Shaking the Habitual‘-Tour von The Knife, sehr intuitiv. Tun, was Spaß macht, und die Sache dann gemeinsam durchziehen.“ „Jeder durfte sich einbringen“, sagt Keyboarderin Miko Hansson. „Sogar was die Musik betrifft. So entstand eine völlig freie Atmosphäre der Zusammenarbeit. Erlaubt war wirklich alles. Wir haben alles probiert, und dann sagte Karin offen, was ihr gefällt und was nicht. Wirklich jede und jeder hatte die Chance, sich selbst und seine persönliche Note einfließen zu lassen – bei der Beleuchtung, der Musik, wer wann wo stehen soll. Karin hat jedem Einzelnen von uns in dem gesamten Prozess wahnsinnig viel Vertrauen entgegengebracht.“
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rundthemen der Show sind Geschlechtlichkeit, Gleichberechtigung, Freiheit, Sex, „das Recht auf deinen eigenen Körper“, sagt Tänzerin Nikandish, „das Recht auf deine Sexualität, dein eigenes Geschlecht – frei zu sein von der Beurteilung durch männliche Blicke, frei zu sein von den ewig gleichen patriarchalischen Strukturen, die frei gelebte Sexualität unterdrücken“. Auf der Tour schlüpft jede Darstellerin in ihre eigene Rolle: die Ökokriegerin, die anarchische Wissenschaftlerin, das Fashion-Weib. Gutarra tritt überhaupt im comichaft übertriebenen BodybuilderOutfit auf. Allesamt grimmige Einzelkämpferinnen, die zu einer Gemeinschaft wachsen. „Und miteinander Spaß haben …“, sagt Nikandish. „… auf der Bühne genauso wie danach“, ergänzt Zavala. Die Tour ist in vielerlei Hinsicht so unkonventionell wie Fever Ray selbst. Fünf der sechs Darstellerinnen sind um die vierzig Jahre alt (Hansson ist dreißig), vier von ihnen haben Kinder – „all das ist ungewöhnlich“, sagt Gutarra. „Aber es passt. Man hat das Gefühl, es kann gar nicht anders sein. Denn was hier passiert, steht für etwas Neues. Deshalb ist diese Tour auch so wichtig.“ „Ich mag die Botschaft der Show“, sagt die Lichtdesignerin Sarah Landau, die unter anderem schon mit M83, Tegan and Sara und A Perfect Circle arbeitete. „Auf dieser Tour bin ich viel mehr mein wahres Ich, als wenn ich mit 44 Männern auf einer StadionRock-Tour bin.“ „Es macht auch wahnsinnig viel Spaß, bei einer Veranstaltungslocation einzutreffen und die Über Überraschung der Leute dort zu sehen, wenn ausschließ78
Themen der Show sind Geschlechtlichkeit, Gleichberechtigung, Freiheit, Sex, „das Recht auf deinen eigenen Körper“.
ALEXA VACHON
Die Botschaft sexueller Befreiung, interpretiert mit unbändiger Energie: Bühne frei für Karin Dreijer alias Fever Ray
Ob es ums Richten von Frisuren geht oder die Arbeit an Konzepten: Dreijer ist nicht Chefin, sondern Teil des Teams.
Jede Künstlerin hat eine Rolle, hier Lili Zavala und ihr Ökokrieger-Outfit.
„Bitte lasst eure Telefone und Kameras in den Taschen, teilt diesen Moment einfach mit uns.“
lich Frauen durch die Tür kommen. Die Verwirrung in ihren Gesichtern ist jedes Mal ein Erlebnis“, sagt Tontechnikerin Laura Davis. „Und außerdem“, fügt Landau lachend hinzu, „riecht es im Bus besser.“ Kostüme, Make-up und Botschaft der Tour sind zwar radikal, aber alles andere verläuft in ruhigen Bahnen: Jeden Tag gibt es vor dem Soundcheck ein Meeting zur Lösung anfallender Probleme, und das können technische oder organisatorische ebenso sein wie emotionale. Alle werden gleich ernst genommen. Vor dem England-Teil der Tournee bekam das Team eine Woche frei, „to hug our kids and lovers“, wie Dreijer via Instagram verlautbarte: Tourpause, Familienurlaub für alle. An freien Tagen gingen Dreijer und die gesamte weibliche Crew ins türkische Dampfbad, sie unter unternahmen gemeinsame Bootsausflüge, tanzten Kizomba in Paris, gingen vegetarisch essen, verbrachten Stunden mit Meditation und Yoga. In jedem Moment hinter den Kulissen ist zu spüren: Hier gibt es eine Verbindung, die über Kollegialität hinausgeht. Man bestreitet hier keine Musiktournee gemeinsam, man ist auf einer Art Mission. Das einigermaßen schmale Budget der Produktion verlangt, dass alle anpacken – auch außerhalb ihrer eigentlichen Rollen, Aufgaben und Fähigkeiten. Das Lichtdesign etwa wird von Landau nicht nur kon-
ALEXA VACHON
Diva Cruz am Schlagzeug in Aktion
zipiert und entwickelt, sondern auch mit eigenen Händen vor jedem Auftritt auf- und danach wieder abgebaut. „Wenn wir zu hart arbeiten, kommt Karin zu uns und sorgt dafür, dass wir zu Mittag essen, oder sie macht uns Tee“, sagt Tontechnikerin Davis. „Und sie bedankt sich immer bei uns. Das ist wirk wirklich nett“, sagt Landau. „Ein Künstler, der dir dafür dankt, dass du deinen Job machst? Das passiert sonst nicht wirklich. Aber bei uns passiert das ständig.“
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llüren, Eitelkeiten, Machtkämpfe, Launenhaf Launenhaftigkeiten? Nichts, was bei anderen Künstlern gang und gäbe ist, scheint bei der „Fever Ray“Tour zu gelten. Eine Woche freizubekommen, damit alle ihre emotionalen Bedürfnisse und familiären Verpflichtungen erfüllen können? Mag nicht gut fürs Geschäft sein, sagt Tourmanagerin Lotje Horvers, die bereits mit Robyn, Røyksopp, M83 und The Knife zusammengearbeitet hat, „aber Karin nimmt das gerne in Kauf“. Dieses Ausmaß an Sorgfalt und Respekt macht sich bezahlt. Es bestärkt und vereint Dreijers Team. „Ich fühle mich wichtiger, es ist, als würde ich aufrechter gehen“, sagt Hansson. „Ich habe erst hier bemerkt, dass ich mich in der Umgebung von Männern unbewusst zurücknehme. Es waren zwar immer nette Jungs, aber die Rollen sind einfach anders verteilt.“ Die Tournee, sagt die Keyboarderin weiter, habe ihre Sicht auf die Dinge geändert, nicht nur auf künstlerische. „Ich fühle mich wohl, ich darf neue Sachen lernen, Dinge überdenken, und das alles in einer Umgebung, die sich sicher anfühlt. Mir ist schon klar, der Sinn der Tour ist, Musik zu machen, zu tanzen, dem Publikum Energie weiterzugeben, und nicht, dass sechs Frauen auf der Bühne stehen und protestieren. Aber das passiert eben auch, das darf eben auch passieren!“ Im mittlerweile vollen Troxy Theatre leuchtet vor Beginn der Show ein Schild mit einer Aufforderung von Fever Ray ans Publikum: „Bitte lasst eure Telefone und Kameras in den Taschen, teilt diesen Moment einfach mit uns.“ Außerdem wird darum gebeten, dass „sich große Menschen weiter nach hinten stellen sollen, sodass auch kleinere was sehen können“, und die Aufforderung endet mit dem Satz, der laut Tourmanagerin Horvers auch als Tour-Motto durchginge: „Frauen nach vorne lassen!“ Das Londoner Konzert fällt auf einen Dienstagabend – wohl der mühsamste Termin, den du für einen Gig kriegen kannst –, aber die Menge geht hemmungslos mit, der Raum kocht. Die Künstlerinnen stehen auf der Bühne wie Kämpferinnen gegen das Patriarchat. Gutarra, Nikandish und Dreijer stoßen Kampfschreie aus, Cruz und Zavala schlagen die Kriegstrommeln. „Wir machen ziemlichen Lärm, oder?“, hatte Nikandish noch gesagt, kurz bevor sie auf die Bühne stürmte. Und man konnte glauben, dass sie viel mehr damit meinte als nur diesen einen Abend in London.
Die aktuelle Tournee von Fever Ray kehrt Ende Mai aus den USA wieder nach Europa zurück. Daten: feverray.com THE RED BULLETIN
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24 STUNDEN Wo, wenn nicht in Reykjavík, kann man um 7 Uhr morgens landen, mittags an einem Vulkan abhängen, abends Papageientaucherbrust dinieren und bis 4 Uhr morgens zur nächsten Björk tanzen? Richtig: nirgends. Los geht’s mit dänischen und isländischen Donuts in der fast 100 Jahre alten Bäckerei Sandholt. Derart gestärkt ist man bereit für Inside the Volcano, eine Tour in die Eingeweide des Thrihnukagigur außerhalb der Stadt. Zum Beinevertreten geht es danach auf den Gipfel des Mount Esja. „Von hier hat man einen Traumblick auf Reykjavík“, sagt der australische Guide Scott Drummond, zusammen mit einem Schotten und einem „Íslendingar“ Gründer der Outdoor-Agentur „Hidden Iceland“. Zurück in der Stadt, sollte man durch die Hlemmur Mathöll schlendern, eine neue Fresshalle im ehemaligen Busbahnhof (unbedingt Skal probieren, eine Art gesalzene Fischkroketten). Danach muss ein Ticket für die Harpa Concert Hall her. Beim Ausgehen zeigt Reykjavík seine KleinstadtSeite: Wer sich auf der Haupteinkaufsstraße Laugavegur danebenbenimmt, trifft die Augenzeugen noch die ganze Nacht lang. Die besten Live-Events verrät der „Reykjavík Grapevine“. Tanzwütig? Dann ab in die Pablo Discobar – so kitschig, dass sie schon wieder hip ist.
Frostig: Stand-up-Paddling am Jökulsárlón-See
Für Partynächte: die Pablo Discobar in Reykjavík
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SCHLAFEN Ion City Hotel, ein Design-Hotel direkt auf der LaugavegurStraße, mischt isländische mit futuristischen Akzenten. Das Kex Hostel, früher Keksfabrik, ist heute auch Bar, Pub und Konzertlocation. ESSEN Radio-Moderator Gulli Helgason empfiehlt das unprätentiöse 3 Frakkar für Puffin, Wal-Sashimi und den berüchtigten Hákarl (fermentierten Hai). Das Dill gilt als bestes Restaurant der Stadt. Sein Chefkoch fährt per Fahrrad zur Arbeit, damit er am Weg noch Zutaten fürs Abendessen sammeln kann. TRINKEN Tristan Gribbin, eine US-Auswanderin mit Meditationsstudio, schwört auf den Kaffee bei Reykjavík Roasters im Zentrum. Bryggjan Brugghús ist Islands erste Mikrobrauerei; Epizentrum von Reykjavíks Party-Szene ist das Kaffibarinn: am frühen Abend chillig und nach Mitternacht krachvoll mit Tanzenden. BADEN Um das milchigtürkise Wasser der Blue Lagoon ist ein wahrer Hype entstanden, inzwischen herrscht hier statt Spa-Beschaulichkeit Spring-Break-Trubel. Besser, man weicht zum Nauthólsvík Geothermal Beach aus, wo heiße Pools und eiskalter Atlantik nur ein paar Schritte voneinander entfernt sind.
Für Entdecker: Islands größter Gletscher, der Vatnajökull, lädt zum Entdecken seiner Eishöhlen ein.
ISLAND IN EINEM
LANGEN WEEKEND „Das Beste an Island sind die Extreme“, sagt Drummond. „Marslandschaften neben üppigem Grün, gigantische Gletscher und darunter aktive Vulkane, die alle drei, vier Jahre ausbrechen.“ Für einen Einblick in die bizarre Schönheit von Islands Natur reichen schon ein paar Tage. Ein guter Anfang ist die zweitägige Glacier Lagoon Tour von „Hidden Iceland“ mit allen Must-Sees der Südküste: dem schwarzen Sandstrand und den verschachtelten Basalt-Säulen von Reynisfjara, dem 60 Meter hohen Wasserfall Seljalandsfoss und Europas größtem Gletscher Vatnajökull. Der Durchschnittsbesucher schippert mit dem Boot durch die Jökulsárlón Glacier Lagoon, mit Drummond kommt man am Stand-up-Paddel-Board hautnah an die busgroßen Eisblöcke heran. Zurück in Reykjavík mietet man am besten ein Auto und macht sich auf einen Road Trip entlang des Golden Circle, einer 300 Kilometer langen Schleife
SCHLAFEN Das schicke Ion Adventure Hotel liegt auf Lavafeldern nur einen Katzensprung vom Thingvellir National Park entfernt, wo vor 1000 Jahren das isländische Parlament tagte. ESSEN Im Farmhotel Efstidalur II stammen die Burger von einheimischen Kühen. Tipp: der „Farmer’s Son“ mit Heidelbeer-Marmelade, Erdnussbutter und hausgemachtem Eis. (Ja, schmeckt wirklich genial.) Das geothermisch beheizte Gewächshaus Friðheimar produziert täglich eine Tonne Tomaten und betreibt ein Restaurant.
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BEN HORTON(2), SIGURJON RAGNAR, ALEX REVERS/RED BULL CONTENT POOL, RAGNAR TH. SIGURDSSON/ARCTIC IMAGES
ISLAND IN
Travel: Island Outdoor-Action: KitesurfProfi Ruben Lenten in Islands Westfjorden
SCHLAFEN Das Gästehaus Kirkjubol i Bjarnardal ist ein abgelegener, familiengeführter Bauernhof in Önundar fjörður, mit spektaku lärem FjordBlick. (Ach tung, in der Nähe gibt es auch andere Häuser gleichen Namens.) ESSEN Es gibt keine Speisekarte im Tjöruhúsið in Ísafjörður, serviert wird der frische Fang des Tages. „Kein Scheiß, nur gute Zuta ten“, sagt Stefánsdóttir. Einheimische und Touristen teilen sich Gemeinschaftstische; LiveBandStimmung bis in die Nacht.
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BADEN In Laugarvatn Fontana kann man zwi schen warmen Quellen und dem eisigen See wechseln und danach Brot essen, das im hei ßen Sand neben dem Wasser gebacken wird.
durch das südliche Hochland. Drummonds Geheimtipp: die 3,2 km lange Wanderung vorbei an Dampflöchern ins Reykjadalur ReykjadalurTal Tal mit seinem 39 Grad heißen Fluss. In Silfra kann man in außergewöhnlich klarem Was ser schnorcheln – und befindet sich dabei genau im Riss zwischen den tektonischen Platten Eurasiens und Nordamerikas.
Ion Adventure Hotel: eine Stunde (und eine Welt) von Reykjavík entfernt
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Nur jeder zehnte IslandUrlauber schafft es bis zu den Westfjorden. Die 3300 km2 große Halbinsel hinein in die Dänemark straße hat etwas vom Ende der Welt: mit Straßen, die hauptsächlich aus Schlaglö chern bestehen, wilden Stürmen und weiter Leere – von Seevögeln und Polarfüchsen abgesehen. Der Vogelfelsen Látrabjarg ist einer der größten Brutplätze von Papageien tauchern und Tordalken, gelegentlich treibt auch ein Eisbär aus Grönland auf einer Eis scholle an. „Es ist der perfekte Ort, um allein mit der Natur zu sein und sich klein und bedeutungslos zu fühlen“, sagt die in Reykjavík aufgewachsene Wissenschaftlerin Guðrún Stefánsdóttir. „Es ist so unglaublich friedlich hier.“ Rund um Hornstrandir wird es sogar den Einheimischen ein bisschen zu ungemütlich. Diese wilde Halbinsel mit grünen Hängen und raubtiergebisshaften Klippen ist nur mit dem Boot von Ísafjörður, der größten Stadt der Westfjorde, aus erreichbar und voll mit Ruinen verlassener Bauernhäuser und Werkstätten. Wer will, kann hier eine vier tägige Wanderung entlang 450 Meter hoher Klippen, versteckter Täler und durchschei nender Basaltdeiche machen. Unvergess lich: eine Nacht im Schlafsack im Horn bjargsvitiLeuchtturm, der jeden Sommer für Besucher geöffnet ist. Für alle, die mit Karten und GPSNavigation nicht ganz so vertraut sind, stehen Guides zur Verfügung. (Eine sechstägige Tour bietet beispielsweise Trek Iceland an.)
BADEN Via Schotter straße durchs winzige Nest Djúpavík gelangt man nach Krossnes laug, zu einem abgele genen Pool an einem felsigen Strand. Die kleinen heißen Quellen von Pullurinn („die Pfüt ze“) sind nur wenige Mi nuten von Tálknafjörður entfernt, eine von ihnen ist mehr als 46 °C heiß.
Island liegt direkt unter dem Polarkreis – dafür ist das Klima überraschend gemäßigt.
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GUIDE
Do it TRAINIEREN WIE EINE WELTMEISTERIN
IRONMAN BACKSTAGE
Für ihren ersten Triathlon musste sie erst Rad fahren lernen. Ein Jahr später war Lucy Charles Doppelweltmeisterin ihrer Altersgruppe. Hier beschreibt die 24-jährige Amerikanerin, wie man es im Rekordtempo an die Spitze schafft. Charles gewann im April in Südafrika ihren zweiten Ironman.
Lucy Charles
GRAEME MURRAY/RED BULL CONTENT POOL, JAMES MITCHELL(2), GETTY IMAGES
BRAD CULP
2014 beschloss die Langdistanzschwimmerin, Triathletin zu werden. 2015 wurde sie Ironman-70.3- und IronmanWeltmeisterin der 18- bis 24-Jährigen. 2017 war sie in Kona Zweite hinter TriathlonLegende Daniela Ryf. 2018 will sie schneller als Ryf sein.
Bevor sie ihr TriathlonTalent entdeckte, war Charles nationale Meisterin im Schwimmen.
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Fitness
G E I ST
„Wenn’s beim Training hart wird, denke ich an meine Konkurrentinnen.“
E R NÄH R U N G
„Avocados sind voll mit gesundem Fett – der perfekte Brennstoff.“
„Schwimmtraining ist eine einsame An gelegenheit, vor allem für Langstrecken schwimmer: Poolfliesen sind deine einzige Gesellschaft. Das Gute: So ein Training macht dich mental stark. Du lernst, dich tief in deinen Kopf zurückzuziehen – das musst du auch beim Ironman können.“
„Als IronmanAthletin verbrenne ich im Training ständig Fett. Avocados machen mich schnell satt, und ich brauche nicht Unmengen davon zu essen. Normalerweise genehmige ich mir gleich nach dem Schwimmen eine Avocado – klein ge schnitten mit pochiertem Ei und Toast.“
„Wenn ich mal keine Lust auf Training habe, denke ich, was meine Konkurrentin nen wohl gerade machen. Ich stelle mir vor, wie sie bei einem wichtigen Rennen hinter mir her sind, und das treibt mich neu an.“
„Am Abend vor einem großen Wettkampf fülle ich meine Kohlehydratspeicher mit Spaghetti Carbonara und Pizza auf. Am Morgen esse ich dann Haferbrei, und drei Stunden vor dem Wettkampf noch einen Erdnussbuttertoast. Vor einem Rennen setze ich auf einfache, kohlenhydratreiche Schonkost – ich will im Wettkampf keine Magenprobleme riskieren.“
„Daniela Ryf hat keine einzige Schwach stelle. Ich darf also keinen Aspekt meines Trainings vernachlässigen. Gegen sie anzutreten hat mich auf ein neues Level katapultiert. Ohne sie wäre ich heute nicht so gut, wie ich bin.“
R EG E N E R ATI O N
„Entspannen ist schwer, wenn du weit weg von zu Hause bist.” „Während eines anstrengenden Trainings lagers benutze ich vor und nach den Ein heiten Faszienrollen. Direkt vor dem Trai ning nur kurz, nach dem Training nochmals, diesmal aber etwas länger, um die Beine für den nächsten Tag fit zu machen.“ „Sehr gut entspannen lässt sich mithilfe von Hunden. Wir haben ein paar in der Familie, mit denen ich liebend gern lange Spaziergänge mache – die perfekte aktive Erholung.“ SALZIGER SUPPORT „Mein Tipp nach einem harten Training: ein heißes Bad mit Magnesiumsalzen. Danach trage ich Kompressionsstiefel zum Kühlen der Beine. Der Temperaturwechsel hilft beim Regenerieren.“
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GÖNN DIR WAS „Ich bin eine riesengroße Naschkatze. Schokolade ist definitiv meine größte Schwäche. Jeden Tag esse ich ein Stückchen. Und zwar ohne schlechtes Gewissen! Ich glaube, es ist wichtig, sich jeden Tag etwas Gutes zu gönnen.“
KÖ R PE R
„Alle meine Trainingspläne basieren auf Software. Sie sagt mir, was ich an welchem Tag zu tun habe.“ „Bei meinem ersten Ironman hatte ich keinen Schimmer von Leistungswerten. Inzwischen gibt es sogar fürs Laufen Wattmesser – die würde ich auch gern einmal ausprobieren. Momentan kämpfe ich aber noch mit dem Powermeter fürs Radfahren.“ „Alle meine Trainingspläne basieren auf der Software TrainingPeaks. Mein Lebensgefährte Reece ist auch mein Trai ner. Er lädt alles auf TrainingPeaks hoch, damit ich sehen kann, welches Training für einen bestimmten Tag geplant ist. Es ist wohl besser, wenn mir ein Computer an schafft, was ich zu tun habe – und nicht Reece. Das Beste daran, den eigenen Freund als Trainer zu haben, ist, dass Reece und ich immer zusammen sind. So kann er mein Training an meine Tagesform anpassen.“
DIGITALER ASSISTENT TrainingPeaks hilft Profi-Triathleten wie Hobby-Joggern, ihr Training zu koordinieren, Leistungen oder GPS-Daten zu analysieren oder sich mit dem Trainer auszutauschen.
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GUIDE
Do it
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bis 15. Juli Swatch Beach Volleyball Major Series / Gstaad Strandstimmung in den Bergen: Der Nobelort Gstaad ist wieder Gastgeber für die besten Herren- und Damenteams im internationalen Beach Volleyball. 2017 schafften es die Schweizerinnen Joana Heidrich und Anouk VergeDépré ins Halbfinale. Gelingt den beiden der Heimsieg? gstaad.ch/events
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Juli Ironman Zürich Ein guter Tag beginnt mit einer Runde Schwimmen. Bei einem Ironman misst diese Runde allerdings 3,86 Kilometer. Dermassen erfrischt schwingen sich die eisernen Damen und Herren anschliessend auf ihre Velos und bewältigen 180 Kilometer, die über Zürichs Altstadt in die Hügel führen. Der finale Marathon führt zurück zum See. Wer unter den schnellsten 40 ist, qualifiziert sich für die Ironman-WM 2018 auf Hawaii. eu.ironman.com
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August Le Tour des Stations Die Tour des Stations wurde eigens für Velofahrer mit Gluscht auf Bergstrassen erfunden. Sie startet von Martigny aus auf drei Strecken (220, 130 oder 50 Kilometer) mit drei Höhendifferenzen (7400, 4500 oder 2200 Meter). Das Rennen führt durch die imposante Landschaft des Wallis, Weinberge und kleine Bauerndörfer. tourdesstations.ch
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und 5. August
Nach acht Jahren kehrt die Red Bull Cliff Diving World Series zurück nach Sisikon. Neu: Neben vierzehn der weltbesten Klippenspringer kommen dieses Jahr auch zehn ihrer weiblichen Pendants an den malerischen Schauplatz am Urnersee und zeigen auf dem vertikalen Weg vom Axenfels ins kühle Nass ihre wahrlich atemberaubende Akrobatik. redbullcliffdiving.com
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Juli Red Bull Alpenbrevet Das Red Bull Alpenbrevet ist ein Plausch vom Feinsten für Tö≠li-Fans. Und ein Tagesausflug über 110 Kilometer auf den Panoramastrassen der Zentralschweiz für Hell’s Angels, die sich nicht so wahnsinnig ernst nehmen. Start und Ziel ist wie immer im beschaulichen Sarnen in Obwalden. Anmeldung und Vorverkauf finden am 22., 24., 29. und 31. Mai auf dieser Seite statt: redbull.com/ch-de/events/red-bull-alpenbrevet
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ROMINA AMATO/RED BULL CONTENT POOL, LORENZ RICHARD/RED BULL CONTENT POOL, SIMON MARTI
RED BULL CLIFF DIVING
Juli /August
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bis 7. Juli Open Air Frauenfeld Frauenfeld ist die Mutter aller Schweizer Sommerfestivals und Europas grösstes Hip-Hop-Festival. Headliner in diesem Jahr ist niemand Geringerer als Eminem, dazu darf man sich auf Acts wie Wiz Khalifa, Savas & Sido, J. Cole und Action Bronson freuen. An sämtlichen Merchandise-, Food- und Getränkeständen des Festivals kann bargeldlos per aufladbarer Karte bezahlt werden. openair-frauenfeld.ch
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bis 12. August Heitere Open Air Das Heitere Festival in Zofingen gibt es seit 1991, und mit jedem Jahr wird es ein bisschen – sorry – heiterer. In diesem Jahr auf den drei Bühnen des Festivals: Casper, Macklemore, JP Cooper, Glasperlenspiel und James Blunt. PS: Festival„Vorprogramm“ am 8. August: die Magic Night mit Acts wie Anastacia oder Morcheeba. heitere.ch
und 18. August Royal Arena Festival Mitte August wird in Orpund bei Biel die internationale Hip-Hop-Kultur gefeiert. Auf dem zweitägigen Festival teilen sich Reim-Könige wie Marteria, Freundeskreis, Knackeboul oder Danitsa die Bühne mit rappenden Frischlingen. Für eine atemberaubende Optik sorgt eine Graffiti-Galerie, und auf der Arena Stage treffen sich die B-Boys zum Red Bull BC One Switzerland Cypher. Yo! royalarena.ch
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bis 18. August Gampel Open Air Knapp 120.000 Besucher werden im Zeichen des Steinbocks beim Gampel Open Air erwartet. Kein Wunder, das Line-up ist eines der besten in ganz Europa: RAF Camora, The Chemical Brothers, Thirty Seconds to Mars, Wanda, Mando Diao, Seasick Steve, Dropkick Murphys, Marteria oder Fat Freddy’s Drop heizen zusätzlich zur Sommerhitze ein. openairgampel.ch
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GUIDE
See it
Diesen Monat auf Red Bull TV: Surfer auf Hawaii im Clinch mit El Niño, Mountainbiken am Limit, die besten Skateboard-Filmemacher bei der Arbeit.
SO SIEHST DU RED BULL TV ÜBERALL
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Angstlust auf Maui: Die Wellen hier zählen zu den furchteinflößendsten der Welt.
24 Juni
LIVE
CRANKWORX LES GETS
Der Gewinner des fünftägigen Events in Frankreich holt sich den ultimativen MTB-Preis: die Triple Crown of Slopestyle. 2016 fiel das Spektakel ins Regenwasser, im Vorjahr gab es dafür ein umso fetteres Event.
18 Juni
ON DEMAND
ROLLING: WITHOUT FOOTAGE IT’S FICTION
Die Backstage-Doku folgt SkateboardFilmemachern wie Ty Evans (L.A.) und Henry Edwards-Wood (London) bei der Produktion ihrer atemberaubenden Videos.
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TAKE SHELTER PRODUCTIONS (2), CRANKWORX, ISAAC BOXALL
STURM UND KLANG
Juni/Juli
9 Juli
ON DEMAND
NERVOUS LAUGHTER
Für die 18 Meter hohen Wellen in Jaws pilgern die besten Profi-Surfer der Welt an die Nordküste von Maui. Dort stiehlt ihnen regelmäßig die lokale Crew die Schau. Das Erfolgsgeheimnis der Surfer-Gang: Gruppendruck und ein gesundes Rivalitätsgefühl innerhalb einer Gemeinschaft langjähriger enger Freunde. Der Film begleitet sie hautnah durch die El-Niño-Saison 2015/16 und erzählt von strapazierten Nerven, Verletzungen, Triumph und wahrer Freundschaft.
R 7 UH , 1 S I B ELLT T S E B GE N MOR ER T EF GE L I
intersport.ch
Jaws-Moment: Surf-Freunde Joao Marco Maffini und Tyler Larronde
SCHARF STELLEN 10 Messer und Multi-Tools --Tools für jedes Abenteuer. Text SHANNON DAVIS
KLETTERN Für Höhenausflüge
Dank des Lochs kannst du Spatha am Karabiner befestigen.
PETZL SPATHA
Das ist kein Messer für den Alltag – es sei denn, du trägst im Alltag einen Klettergurt und steigst Berge rauf und runter. Spatha hat ein großes Loch, damit du es in den Kara Kara biner an deinem Gurt einhängen kannst. Um die Klinge aus zufahren, dreh einfach die Scheibe um das Loch – sie ist geriffelt, damit das auch mit Handschuhen leicht geht. Die halb gezackte Klinge ist ideal zum Durchschneiden von Seilen oder – häufiger – Tauwerk, wenn du Abseilstellen einrichten willst. Mit 42 Gramm ist es leicht genug für die meisten Kletterer da draußen. Ca. CHF 25; petzl.com
VICTORINOX HUNTSMAN WOOD Klettern kann der reinste Horror sein. Auf dem Gipfel zu stehen ist aber in jedem Fall grandios. Stell dir vor, du genießt
die Sonne auf einer Berghütte über einem sattgrünen Talbecken. Vor dir ein Teller mit Käse, der geschnitten, und eine Flasche Wein, die entkorkt werden will. Das perfekte Werkzeug dafür hast du in der Tasche. Der Hunts man Wood gehört zu einer Reihe von Taschenmessern, die seit 130 Jahren immer besser auf den Alpinismus zu geschnitten werden. Er ist stilvoll und praktisch, und der Griff aus Walnussholz verleiht ihm einen natürlichen Touch. CHF 49; swissarmy.com
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GUIDE
BIKEN
Ein intelligen tes Tool für harte Fahr ten: Crank brothers F15.
Auf Straße und Trail TOPEAK HEXUS X
Das klappbare Tool mit 21 Werkzeugen erk liegt punkto Gewicht im Durchschnitt, beim PreisLeistungsVerhältnis Verhältnis je je doch an der Spitze. Die integrierten Reifenheber (ein Ding weniger, das du extra mitschleppen musst) sind ebenso toll wie die Werkzeuge für die Arbeiten in der Garage. Mit dem Hexus X kannst du einen PrestaVentil Presta kern entfernen, um mehr Dichtmittel in deine TubelessReifen Reifen zu injizieren in – du ersparst dir also ein extra Ventil Ventil kernWerkzeug. Werkzeug. Das Tool wird keinen Beautycontest contest gewinnen, aber du wirst überrascht sein, wie viele Jobs es erledigen kann – ohne dein Budget zu sprengen. Ca. CHF 35; topeak.com
CRANKBROTHERS F15
Auf langen Rides oder auf technischen Rails, die Fahrrad und Fahrer über die Schmerzgrenze rütteln, ist es ziem ziem lich schlau, einen cleveren Allrounder dabeizuhaben. Alle 15 Werkzeuge – darunter Inbusschlüssel, Kettentrenner und Flaschenöffner – gleiten in ein magnetisches Gehäuse. Ein Flaschenöffner ist nichts Neues, aber dieser hier ist einer der besten auf dem Markt – handlich, mit perfekter Hebel wirkung; und per Magnet wird verhindert, dass der Kron korken in die Büsche fliegt. Ca. CHF 40; crankbrothers.com
ALLTAG Für Aufgaben aller Art
Teuer, aber jeden Cent wert: The Chapter von James Brand.
SOG CALIFORNIA SPECIAL
Wenn dieses Messer Räder hätte, wäre es ein Porsche 911. Es ist leicht und kompakt – hier ist nichts, was nicht sein muss. Und es sieht wirklich schnell aus. Der 10cmGriff aus harteloxiertem Aluminium sollte ein Leben lang halten und bietet dank der Rillen sicheren Grip beim Einsatz der winzigen, ultrascharfen 5cmKlinge. Und der kann, weil es ein Spring messer ist, blitzschnell erfolgen. Ca. CHF 120; sogknives.com
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JAMES BRAND THE CHAPTER
Messermachen ist Kunst. Deswegen feiern wir auch dieses puristische Design so sehr. Es spricht alle an, die Wert auf Klarheit und Kreativität legen. Dieses elegante Exemplar liegt solide in der Hand und gleitet geschmeidig in die Gesäßtasche. Mit dem kleinen Daumenknopf kann man es mit einer Hand aufklappen, und dank seines Titanrahmens wiegt das gute Stück nur 74 Gramm – ein echtes Leicht gewicht für seine Größe. Es ist nicht billig, aber ganz klar einer unserer Favoriten. Ca. CHF 320; thejamesbrand.com
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GUIDE
MULTI-TOOLS Die Alleskönner
SOG POWERACCESS DELUXE
Lass deinen Werkzeugkasten zu Hause. Der PowerAccess Deluxe enthält 21 deiner nützlichsten Tools, inklusive 12 Inbuseinsätzen. Er macht dich zu Inspector Gadget, der jede Aufgabe meistert. Erstaunlichstes Feature könnte aber die Zange sein, die durch die besondere Technik ähnlich kraftvoll wie ein Bolzenschneider arbeitet. Säge, Messer, Ahle und Flaschenöffner kamen in unserem Feld versuch oft zum Einsatz – im Gegensatz zu Winkelmesser, Meißel, Drahtschneider und UhrmacherSchraubendreher, aber beruhigend war, zu wissen, dass sie da waren. Ca. CHF 90; sogknives.com
LEATHERMAN CHARGE TTI
Tim Leatherman, ein MaschinentechniMaschinentechni ker aus Oregon (USA), erfand das MultiTool in den frühen 1980er-Jahren. Er kam auf die Idee, als er in den 70ern bei einer Europareise mit seiner Frau nach einer Panne an seinem Fiat seine Werkzeug kiste vermisste. Es entstand das Pocket Survival Tool (PST), das 13 Werkzeuge um um fasste und auch heute noch ein Zugpferd von Leatherman ist. Beim Charge TTi han delt es sich aber um eine moderne Version mit Titangriff (spart Gewicht), die zu einem der beliebtesten LeathermanTools Tools wurde. Ca. CHF 165; leatherman.com
Charge TTI ist eines der bebe liebtesten Tools von Leatherman.
BASE CAMP Hardcore Hardcore-Messer zum Lageraufbauen oder Elche-Häuten Elche In diesem Messer steckt ein Lagerfeuer.
LIGHT MY FIRE SWEDISH FIREKNIFE Das rutschfeste, günstige Messer mit FeuerFeuer starter im Griff ist eine Koproduktion zweier renommierter schwedischer Hersteller: Mora und Light My Fire. Das Ergebnis ist eine klassi klassi sche Klinge aus langlebigem Stahl. Es eignet sich perfekt für Holzarbeiten, zum Ausnehmen und Filetieren von Fischen und sogar zum Schneiden von Kleinholz. Um Feuer zu machen, zieh den Feuerstarter aus dem Ende des Griffs, reib den Messerrücken daran – und die Funken sprühen. Praktisch: Wir konnten im Test ganz leicht Campingkocher und Zunder anzünden. Ca. CHF 40; lightmyfire.com
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GERBER 06 AUTO 10TH ANNIVERSARY
Ein Messer mit Kultstatus: 23 Zentimeter lang, 200 Gramm schwer und äußerst beliebt in der U.S. U. Army. Es handelt sich um ein Springmesser, bei dem du mit deinem rechten Dau Dau men nur auf den Kopf zu drücken brauchst. Der Aluminiumgriff ist breit und hat eine große Einkerbung für den ZeigeZeige finger. All das macht es zu einem Biest, das robust in der Hand liegt. Es hat einen Clip, um es in der Hosentasche zu sichern, besser ist es aber im GürtelEtui Gürtel aufgehoben. Und es ist ein ideales Messer für die Jagd oder um dich in der freien Wildbahn zu behaupten. Ca. CHF 230; gerbergear.com
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PROMOTION
must-haves
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1 DAS WELTALL AM HANDGELENK
Werenbach verarbeitet echte, geflogene Weltallraketen zu Uhren. Das abgebildete Modell verfügt über ein Zifferblatt, das aus der Raketenspitze von Sojus MS-04, gestartet am 20. April 2017, geschnitten wurde. Entdeckt die Vielseitigkeit der B.T.O. Editions auf: www.werenbach.ch
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2 GRENZENLOSE ABENTEUER
Mit genug Stauraum und durchdachtem Taschenmanagement hat beim Tourenrucksack Evoc Explorer Pro 30 l alles, was mitmuss, seinen Platz, genau dort, wo man es unterwegs auch braucht. Das AIR FLOW CONTACT SYSTEM bietet durch seine maximale Belüftung und absolute Lastneutralität in jeder Situation einen überragenden Tragekomfort. www.evocsports.ch
3 THÖMUS LIGHTRIDER E1
Hightech vom Bauernhof. Seit 1991 produziert der Schweizer Fahrradhersteller Thömus auf dem Velo-Bauernhof in Oberried bei Köniz Mountainbikes, Rennvelos und Alltagsfahrräder. Und neu auch das „vermutlich beste Elektro-Mountainbike der Welt“! Der Thömus Lightrider E1 mit dem innovativen Shimano Steps E8000Antrieb begeistert Jung und Alt. www.thoemus.ch
4 INDIANA WAKE FOIL BOARD
Das 4' 10"-Wakesurf-Board von Indiana ist ein extrem gutmütiges Brett, welches auch Anfängern schnelle Erfolge beschert. Der Stubby-Shape sorgt für viel Vortrieb, auch wenn die Bootswellen nicht so perfekt sind. Noch mehr Spass macht’s mit dem Carbon Hydrofoil. Die Indiana Flügel ermöglichen Ausflüge neben die Wake und der Surfer foilt damit bereits ab einer Geschwindigkeit von 9 km/h. www.indiana-sup.com
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GUIDE
Check it
THE RED BULLETIN WELTWEIT
SCHWEIZ ANNA BADER
Frauen, die Grenzen im Spitzensport verschieben, ein analog-digitaler ShowShow down zur Fußball-WM und der weltweltschnellste Zwanzig Zwanzigjährige: jährige: Glanzlichter unserer globalen Ausgaben im Juli.
Die Cliffdiverin springt aus 22 Metern ins Wasser. Und bezeichnet sich als Angsthäsin. Ein Gespräch über Mut und Furcht.
The Red Bulletin als E-Paper: redbulletin.com
”I TRY TO MAKE WHAT’S MISSING IN MY LIFE” Brian Eno’s name is synonymous with innovation. Since the early ’70s, when his out-there synthesizer sounds were an integral part of glam-rock band Roxy Music’s success, the Suffolk-born musician has been ahead of his time. Eno is credited as the inventor of the ‘ambient music’ genre, and has shared his talents as a producer, most notably on David Bowie’s late-’70s ‘Berlin Trilogy’: the albums Low, Heroes and Lodger. He’s also a successful audio-visual artist with numerous exhibitions to his name. The 70-year-old is still a highly sought-after – and selective – producer: he has helped U2 and Coldplay reinvent themselves, but turned down the Red Hot Chili Peppers eight times, according to the band’s singer, Anthony Kiedis. The reason for Eno’s popularity among his peers? He challenges them, musically as well as intellectually. He encourages them to overcome habitual thinking patterns and to try something new. “I wanted to hear music that had not yet happened,” Eno once said of his own creative process. With this in mind, the release of his 2017 album, Reflection, 52
SHAMIL TANNA
He launched Roxy Music, inspired Bowie, reinvented Coldplay, and invented a music genre. He’s a successful visual artist, too. Affable overachiever Brian Eno on the power of play, the myth of repetition, and finding contemplation in the modern world Words MARCEL ANDERS
THE RED BULLETIN
GROSSBRITANNIEN BRIAN ENO Der Mann hinter Roxy Music und PopProduktionen von U2 oder Coldplay er erklärt, was ihn zu neuen Ideen inspiriert.
Agarrada: Coxsey tiene la mirada en el oro olímpico.
SÓLO EXISTE UN CAMINO
„KONZENTRIERE DICH AUF DINGE, DIE DU BEEINFLUSSEN KANNST.“
Las habilidades de SHAUNA COXSEY en el bouldering la han convertido en una de las escaladoras de competencia más exitosas en Gran Bretaña. Pero cuando la escalada haga su debut en Tokio 2020, comprenderá tres disciplinas y en dos de ellas no tiene experiencia. La campeona mundial tendrá que ser estudiante una vez más Texto MATT BLAKE Fotografía RICK GUEST 50
MEXIKO SHAUNA COXSEY Wieso die Kletter-Weltmeisterin im Bouldern ihren Sport neu lernen muss.
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FRANKREICH PIERRE GASLY Der Formel-1-Youngster und Cover Coverheld der französischen Ausgabe weiß, wie man seine Ziele erreicht.
THE RED BULLETIN
Juli/August
IMPRESSUM DER E-SPORTLER Name:
DER PROFI-KICKER
Cihan Yasarlar
Name:
Alter: 25
Chefredakteur Alexander Macheck
Alter: 22 Sportart: Fußball
Sportart: „FIFA 18“ Größter Erfolg: Europameister 2017
Größter Erfolg: Confederations-Cup-Sieg 2017 Markenzeichen: sprintet jedem Verteidiger davon (auf 30 Metern fast so schnell wie Usain Bolt)
Markenzeichen: verschleißt die Vorwärts-Taste als Erstes (aus Liebe zum Offensivspiel)
Wenige schießen präziser aufs Tor als sie: Nationalstürmer TIMO WERNER mit dem Fuß, Red Bull-E-Sportler CIHAN YASARLAR mit dem Controller. Beide wollen in ihren Disziplinen Weltmeister werden – und haben auch sonst mehr gemeinsam, als du denkst.
Bullen unter sich: Timo und Cihan spielen beide für RB Leipzig – in der Fußball-Bundesliga bzw. auf E-Sport-Turnieren.
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SCHWEIZ
Timo Werner
Text DAVID MAYER Fotos CHRISTOPH NEUMANN
GIPFEL DER ENDGEGNER DEUTSCHLAND DIE SPIELER
Analog trifft Digital: Profikicker Timo Werner und E-Sportler Cihan Yasarlar im Interview über Freundschaft und mentale Stärke.
ÖSTERREICH MAX VERSTAPPEN Keiner war in der Formel 1 so schnell so erfolgreich wie der Zwanzigjährige. Warum das so ist und wo sein Weg hinführt, verrät er in unserem Interview.
THE RED BULLETIN Schweiz, ISSN 2308-5886 Länderredaktion Arek Piatek Lektorat Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek Country Channel Management Barbara Hobi Anzeigenverkauf Marcel Bannwart, marcel.bannwart@redbull.com Abo The Red Bulletin Leserservice, Postfach, CH-6002 Luzern, +41 41 329 22 00 abo@ch.redbulletin.com Druck Prinovis GmbH & Co. KG, Betrieb Nürnberg, 90471 Nürnberg
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CARISSA MOORE’S BALANCING ACT As the three-time world champion surfer has discovered, the quest for real greatness sometimes begins with a journey to figure out who you really are. Words JEN SEE
Photography TREVOR PIKHART
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USA CARISSA MOORE Besuch in der künstlichen Welle: Die 25-jährige Surferin aus Hawaii hat den Frauen-Surfsport neu definiert. Nun ist sie selbst an der Reihe.
THE RED BULLETIN
“It’s just so hard on the body,” says Moore, describing what it’s like to surf the pool at Surf Ranch, where she was photographed for The Red Bulletin on April 27.
Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien, Telefon +43 1 90221-28800, Fax +43 1 90221-28809, Web www.redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 General Manager & Publisher Andreas Kornhofer Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Gerrit Meier, Dietmar Otti, Christopher Reindl
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GUIDE
Action-Highlight
Makes you fly
Die Skulptur Templo del Sol (Sonnentempel) von Künstlerin Aura Castro zählt zu den lohnendsten Sehenswürdigkeiten von Santiago de Chile. Für Lokal matador Marcelo Jiménez, einen der TopRider Südamerikas, ist Betrachten aber nicht genug: Er erweist dem Bauwerk durch kreative Nutzung die Ehre.
Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 12. August 2018 98
THE RED BULLETIN
NICOLAS GANTZ/RED BULL CONTENT POOL
Tempelrider
Renault ZOE
300 km reale Reichweite, 100% elektrisch.
Der Renault ZOE – von einer Fachjury* zum «Grünsten Auto der Schweiz 2018» gekürt – erwartet Sie zur Probefahrt. ZOE Limited R110 Z.E. 40, 0 g CO2/km (in Betrieb ohne Energieproduktion), CO2-Emissionen aus der Stromproduktion 27 g/km, Energieverbrauch 19,2 kWh/ 100 km (Benzinäquivalent 2,1 l/100 km), Energieeffizienz-Kategorie A. Durchschnitt aller erstmals immatrikulierten Personenwagen 133 g CO2/km. * Der Titel «Das grünste Auto der Schweiz» wird jährlich im Rahmen der Wahl «Schweizer Autos des Jahres» von der «Schweizer Illustrierten» zusammen mit ihren Partnern vergeben.
www.renault.ch