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The Red Bulletin AT 06/22

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ÖSTERREICH JUNI 2022 € 3,50

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ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

MADE IN CHINA EILEEN GU

Jesse Marsch sagt: „Neugier, Chaos und Verletzlichkeit sind Stärken.“

DIE ESSENZ DES BIKENS

Fabio Wibmer und die beste Idee seines Lebens (Sie kam ihm übrigens in der Kirche) MIRIAM HIE / VALI HÖLL / CHRISTOPH UND MICHAEL STRASSER / TOM CRUISE / DANIELA RYF


BREITLING BOUTIQUE KOHLMARKT 3

VIENNA


Giannis Antetokounmpo


E DI TO R I A L

WILLKOMMEN

IM KOPF STARK

Das Frankfurter Fotografinnen-Duo Nada Lottermann & Vanessa Fuentes setzte Fabio Wibmer für un­sere ­Coverstory in Monaco in Szene. Ab Seite 42!

IRON LADY

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Fahrräder sind Designer Thomas Kirchgrabner schon seit 2002 gestohlen worden. Wie er sich nun zu helfen weiß, erzählt er auf Seite 61.

Viel Vergnügen mit der neuen Ausgabe von The Red Bulletin!

RICHTIG RADELN

Trial-Freestyle-Ass Adrian Guggemos verrät die wich­ tigsten Skills, die jeder MTB-­Anfänger beherrschen sollte. Ab Seite 62.

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THE RED BULLETIN

TOM MACKINGER

Wie sie das Beste aus jeder Situation m acht, offenbart die begrünte Ironman-Weltmeisterin Daniela Ryf (hier mit Siegerkranz) auf S. 18.

LOTTERMANN AND FUENTES (COVER), HANNES BERGER, JESPER GRONNEMARK/RED BULL CONTENT POOL

CATCH HIM IF YOU CAN

Auch wenn wir keine Bike-Artisten wie Ausnahme­talent Fabio Wibmer sind oder wie die Extremsportler Strasser tagelang in die Pedale treten, mental stark ­können wir ebenfalls sein. Und lernen, Optimisten zu werden. Oder beginnen, in Babyschrittchen Ausdauer zu haben. Die Inspira­tion dazu bieten in unserem Bike-Special enthusiasmierte Radler, die es wissen müssen. Der YouTubeWeltstar Wibmer ist überzeugt: „Wenn ich es lang genug probiere, wird es hinhauen.“ Die sogar in High Heels bikende Schau­ spielerin Miriam Hie schwärmt auf Seite 60: ­„Radeln bringt ein ganz feines Glücksgefühl. Es hat mir geholfen, depressive Verstimmungen leichter wegzubringen.“ Und Christoph ­Strasser, Rekordsieger des Ultra-Radrennens Race Across America, sinniert ab Seite 52: „Die körperliche Stärke definiert die Größe deines Ge­ fäßes, die mentale die Fähigkeit, es ganz auszuschöpfen.“ Also gut, dann starten wir mal klein, aber stark. Denn: Wer sich nicht bewegt, erreicht auch nichts.


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Autos lieben LIQUI MOLY

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Mit Vollgas in der Erfolgsspur! LIQUI MOLY lässt Motorherzen höher schlagen und beruhigt den Puls der Autofans. Wohl deshalb wählten uns 2022 die Leserinnen und Leser der führenden Automagazine Deutschlands erneut zur Schmierstoffmarke Nr. 1. Bei AUTO ZEITUNG sowie auto motor und sport bereits das 12. Mal in Folge. Zudem glänzen wir bei AUTO ZEITUNG wiederholt mit Platz 2 in der Kategorie Pflegemittel. Herzlichen Dank!


I N H A LT The Red Bulletin im Juni 2022

BIKE SPECIAL

RÄDER, RENNEN & REKORDE

COVERSTORY

42 DER FABELHAFTE FABIO Ein Besuch bei Bike-Künstler Fabio Wibmer in seiner neuen Wahlheimat Monaco.

BIKE-KULTUR

60 MEIN RADL, MEINE LIEBE

Thomas Kirchgrabner und Miriam Hie über die emotio­ nale Bindung zu ihren Rädern.

24 SATTELFEST Russ Ellis zeigt seine Leidenschaften: Fotografieren und Radsport.

MOUNTAINBIKEN

62 FAHRSTUNDE

Trial-Freestyle-Ass Adrian Guggemos hat Tipps für MTB-Rookies parat.

BIKES & EQUIPMENT

64 PRETTY THINGS

24 GLÜCKSRAD

Fotograf Russ Ellis und seine Hommage an den Radsport.

DOWNHILL

36 FÜR DIE FREUDE

Downhill-Legende Markus Stöckl bringt einen Hauch von Formel 1 in den Bikesport.

GRAVELBIKEN

38 A LLES AUF ANFANG

Bike-Guide Tracy Anderson krempelte im Salzburger Land sein Leben völlig um.

MOUNTAINBIKEN

40 HÖLLISCH GUT

Vali Höll ist die Königin des Downhill-Mountainbike.

VELOSOPHIE

52 REINE KOPFSACHE

Die Athleten Christoph und Michael Strasser beißen sich durch, wenn andere aufgeben.

8 GALLERY 14 ZAHLEN, BITTE! 16 FUNDSTÜCK

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Für das maximale Fahr­ vergnügen auf zwei Rädern: neue Bikes und coole Gadgets.

GUIDE

Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen 73 REISEN. Mit dem Kajak zu den paradiesischen Inseln Sansibars 78 PLAYLIST. Das Musikduo Ibeyi – und seine vier Lieblingssongs 80 BIOHACKING. Volle Konzentration: mit einer Kappe auf dem Kopf

52 RASTLOS Woran Christoph Strasser nach 20 Stunden nonstop am Rad denkt.

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82 INNOVATION. Ein Sport-Shirt revolutioniert das Training. 84 L ESESTOFF. Thriller-Autor Terry Miles geht auf Hasenjagd. 86 KALENDER. Unsere Highlights in den kommenden Wochen 92 B OULEVARD DER HELDEN. Drei Forscherinnen und ihr hin­ gebungsvoller Einsatz für Affen

18 MEIN ERSTES MAL 20 DAS PHILOSOPHEN-INTERVIEW

96 IMPRESSUM 98 CARTOON

RADVERSESSEN Schauspielerin Miriam Hie gibt ihren Rennrädern Namen und Bussis.

THE RED BULLETIN

RUSS ELLIS, PHILIPP HORAK, WWW.STEFANJOHAM.COM, LOTTERMANN AND FUENTES

PORTFOLIO


42 LÄSSIG LEICHT Bike-Akrobat Fabio Wibmer und seine konstante Motivation: „Ich wollte immer bes­ ser sein als ich selbst.“

THE RED BULLETIN

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MATERA, ITALIEN

Hoit, do is a Spoit! Uralte Steinmauern, steile Stiegen, malerische Gassen: Dass die zauber­hafte Altstadt von Matera im Süden Italiens als Kulisse von Parkour-Bewerben ­beliebt ist, verwundert keine Sekunde. ­Vielmehr verblüfft es, wenn im Vorfeld solcher Veranstaltungen plötzlich Menschen in absurden Höhen über die Straßen fliegen. Und auf der anderen Seite sicher auf schmalen Mäuerchen landen, als wäre es nichts. Fotografin Anna ­Rossini hat so einen magischen Moment mit ruhigem Zeigefinger festgehalten. rossinianna.it

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ANNA ROSSINI/RED BULL ILLUME


PARIS, FRANKREICH

Wo ist das Vogerl? Was braucht ein brillantes Foto? Erstens: einen hübschen Hintergrund – in diesem Fall „Le Dome“, den berühmtesten Skater­ spot von Paris. Zweitens: eine beein­ druckende Handlung – hier ein von Noah Mahieu perfekt ausgeführter „Slappy ­Nosegrind“, elegantes Schleifen auf der vorderen Boardachse. Drittens: Balance, hier hergestellt von der Taube, die Mahieu mit ­seinem Manöver aufgescheucht hatte. „Das war ein glücklicher Zufall“, freute sich Fotograf Clement Chouleur. Instagram: @el_choubi 10


CLEMENT CHOULEUR/RED BULL ILLUME


REIN RIJKE/RED BULL ILLUME


ZANDMOTOR, HOLLAND

Eisbrecher Wenn die Temperaturen in den Nieder­ landen unter null fallen, dann entstaubt eine ganze Nation die Eislaufschuhe, schleift die Kufen und wartet sehn­ süchtig darauf, dass die Seen und Teiche endlich komplett zugefroren sind. Da machst du dir als Fotograf nicht ­unbedingt Freunde, wenn du eine Kite­ surferin als Eisbrecher in die Fluten schickst – nur um ein interessantes Bild zu schießen. Andererseits: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. zoutfotografie.nl

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Z AHL EN, BI T T E!

„TOP GUN“

Wie die Zeit verfliegt Tom Cruise kehrt als Fliegerheld ins Kino zurück: „Top Gun: Maverick“ soll 36 Jahre nach dem Original noch einmal durchstarten. Wie alt die Pilotenbrille ist, wie viel die Fortsetzung kostete. Und warum der Film die U.  S. Navy am meisten freute.

1937

1969

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Folgen von „Emergency Room“ drehte Anthony Edwards, der Cruise’ Partner „Goose“ gespielt hatte, nach „Top Gun“.

Mal wurde der britische ­ egisseur Tony Scott († 2012) R während der Dreharbeiten von „Top Gun“ gefeuert – er brachte den Film dennoch zu Ende.

357.288.178

15

Millionen Dollar kostete die Produktion 1986. Die Fortsetzung verschlang 152 Millionen Dollar.

Dollar spielte „Top Gun“ ein. Es war der bestbesuchte Film 1986. 14

THE RED BULLETIN

CLAUDIA MEITERT

Prozent mehr Bewerbungen erhielt die U. S. Navy im Jahr nach „Top Gun“.

Spezialkameras im Cockpit bringen Flugszenen nun erstmals in 6K-Qualität in die IMAX-Kinos.

Oscar gewann „Top Gun“ 1987 – für den Song „Take My Breath Away“ der Gruppe Berlin.

bis 8 g – diese Fliehkräfte mussten die Akteure in „Top Gun: Maverick“ bei den Flugaufnahmen tatsächlich aushalten.

wurde in Kalifornien die EliteJagdflugschule Navy Fighter ­Weapons School eröffnet. Sie trägt intern den Namen „TOPGUN“ und diente als Vorbild für den Film.

wurde die Ray-Ban-Sonnenbrille „Aviator Classic RB 3025“ ­entworfen, die Tom Cruise ­sowohl im Original als auch in der Fortsetzung trägt.

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7, 5

HANNES KROPIK

Filme hatte Tom Cruise ­bereits gedreht, bevor er 1986 mit „Top Gun“ zum ­globalen Superstar wurde.

km/h, das sind Mach 1,8 – also die 1,8-fache Schallgeschwindigkeit –, erreicht die F-18, die Maverick und seine Kollegen fliegen.

GETTY IMAGES (2)

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KISKA.COM Foto: P.Platzer

DIE EVOLUTION DES BEASTS Das BEAST entwickelt sich ständig weiter, um an der Spitze zu bleiben. Die neue KTM 1290 SUPER DUKE R EVO verfügt über ein semiaktives Fahrwerk vom Typ WP APEX, mit dem du die Power des leistungsstarken V-Twins voll ausschöpfen kannst und der Konkurrenz immer einen Schritt voraus bist.

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F U ND ST Ü CK

WOLFGANG WIESER

Jakob Schubert, 31, Kletterweltmeister aus Innsbruck

JAKOB SCHUBERT

TOBIAS HALLER/NODUM SPORTS, SIMON RAINER

Fingerspitzengefühl Das Gerät, mit dem sich der Champion aufwärmt Dieses Stück Holz spendet Wärme. Allerdings nicht im offenen Kamin. Es sorgt für ein feuriges Brennen in den Armen, wenn man sich mit den Fingerspitzen daran hochzieht. Kletterweltmeister Jakob Schubert benützt dieses Flash Board, das mit einem Karabiner an geeigneter Stelle aufgehängt wird, um in Schwung zu kommen, bevor er in den Fels steigt – wie zuletzt am „Sleepwalker“, einem gewaltigen Brocken bei Las Vegas.

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/ E N G I N E E R E D

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D O L O M I T E S

SALEWA.COM

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M EIN ERST ES M A L

DANIELA RYF

„Meine Krise rettete meine Karriere“ Erfolge pflastern ihren Weg: Daniela Ryf ist vielfache man die Ursache für meine Probleme: eine bakterielle Ironman-Weltmeisterin und die weltweit erfolgreichste Darmfehlbesiedlung und ein Candida-Pilz im Magen. Triathletin. Wer auf Wikipedia die Liste ihrer Siege anHeute staune ich, wie gut ich diese Durststrecke schaut, kommt aus dem Scrollen gar nicht mehr herüberwunden habe. Ich habe nie die Hoffnung auf­ aus. Doch für die heute 34-­Jährige gegeben, dass es morgen besser aus Solothurn lief bei weitem werden kann. Meine Familie und nicht immer alles glatt: 2018 mein Umfeld in Solothurn haben wurde sie Sekunden vor dem mir dabei sehr geholfen. Und der Start des Ironman Hawaii von Beginn meines Studiums hat mir einer Qualle verbrannt. Trotz gezeigt, dass Sport nicht alles ist. ­geschwollener Arme und Angst Andererseits hab ich durch die vor dem Ertrinken gewann sie viele A ­ rbeit am Schreibtisch gemerkt, wie sehr ich die Bewegung den Wettbewerb – und stellte in meinem ursprüng­lichen Beruf noch dazu einen Streckenrekord mag. Ich erkannte, wie gut Leisauf, angespornt vom Medusentungssport und der dazugehörige Feuer. 2010 holte sich Daniela Lebensstil zu mir passen. eine Pilzinfektion, die zunächst nicht entdeckt wurde. Die Folge: Zugleich reduzierte ich das Eineinhalb Jahre lang wurde ihr ­Triathlon-Training und wandte vor jedem Lauf übel, und kein 0:00 –41:29 mich mehr den Ironman-Wett­ Arzt konnte ihr sagen, warum. Daniela Ryf bewerben zu. Das nahm Druck Hier erzählt die sympathische Mein erstes Mal – der Podcast raus und ließ mich den Sport aus Kämpferin, wie sie lernte, diesen neuer Perspektive sehen. Wenn ­ersten Tiefpunkt ihrer Karriere man es so betrachtet, hat mir zu überwinden. Und wie sie es die Krise meine Karriere gerettet, schafft, in widrigsten Momenten „Erfolg heißt nicht, weil ich dadurch erst meine BaHöchstleistungen abzurufen – lance gefunden habe. Mit meiner indem sie ihren Fokus auf die alles zu gewinnen, geänderten Einstellung kann Performance legt. sondern das Beste ich im Sport wie im Leben vieles aus jeder Situation zum Besseren wenden: Manch„Meine erste große Krise kam mal erlebst du Niederschläge, gleich nach meinem ersten grozu machen.“ ßen Erfolg beim Weltcup 2010 die schwer zu verdauen sind. Daniela Ryfs Erfolgsrezept in Seoul. Ich hatte das Rennen Dann kannst du entweder den gewonnen und war so gut unterKopf in den Sand stecken oder wegs wie nie zuvor. Was ich aber noch nicht wusste: schauen, was das Gute an der Situation ist. Das ist der Bei diesem Rennen hatte ich einen Magenvirus auf­ Grund, warum ich nie aufhören werde, mich zu entwickeln und immer besser zu werden.“ geschnappt. Der machte sich auf dem zehnstündigen Rückflug nach Zürich bemerkbar: Vom vielen Über­ geben zerrte ich mir das Zwerchfell und kam vollkommen erschöpft zu Hause an. Diese Erschöpfung stellte sich als langwieriger heraus, als ich gedacht hatte: Ich war durchgehend sehr müde, und mein Immunsystem war komplett überfordert. Vor jedem Training wurde «MEIN ERSTES MAL» IST DIE RED BULLETIN-PODCAST-SERIE, in der mir übel. Daraus entstand dann auch eine negative ­Heldinnen und Helden über ihre erste große Krise sprechen. Die Folge Spirale im Kopf und eine mentale Krise. Ich wusste mit Daniela Ryf, in der sie von Qualen, Quallen und ihrem schlimmsten ja nicht, ob meine Erschöpfung nicht ein Mangel an Flug erzählt, gibt’s im Podcast-Kanal von The Red Bulletin – auf allen gängigen Plattformen wie Spotify und auf redbulletin.com/podcast Motivation war! Erst nach anderthalb Jahren fand

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THE RED BULLETIN

IGNAZ KOENIG/RED BULL CONTENT POOL

Sie ist die beste Triathletin der Welt. Vor zehn Jahren fiel sie in ein tiefes Loch. Jetzt erzählt Daniela Ryf, warum das das Beste war, was ihr passieren konnte.


#THECRAFTOFSAFT shot @rauchjuicebar Neubaugasse, Wien

ZUM WOHLE R! Mit Vitaminen und Zink für dein Immunsystem Zink und die Vitamine C und D tragen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Empfohlene Verzehrseinheit: ein Glas (200 ml) pro Tag. Ganz allgemein empfehlen wir eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise.


DAS F IK T IV E PHILO S O PHEN -IN T ERV IE W

SOKRATES SAGT:

„Coaches? Such dir lieber einen guten Freund zum Reden!“

Du vermutlich? Aber wirklich nicht. Ich habe keine Ahnung, was gut für die Leute ist, mit denen ich mich unterhalte. Das ist es doch gerade! Ich kann Men­ schen nicht optimieren. Ich bin kein Experte. Ich habe kein Wissen, das ich zu Markte tragen könnte. Ich kann sie nur in ein Gespräch verwickeln, bei Na schön. Aber siehst du das nicht dem sie lernen, sich selbst in Frage ein bisschen zu eng? Immerhin „Du musst selbst waren die Sophisten ausgezeichnete herausfinden, was zu stellen: ihre Werte, ihre Ziele, Redner, die Menschenmengen ihre fixen Ideen. Ich hole sie aus ihrer gut für dich ist. begeistern konnten – und diese Komfortzone und lade sie ein, zu Fähigkeit auch weitergaben. denken. Das müssen sie aber selbst Das kann dir Ganz unbenommen. Eure Coaches und keiner abnehmen.“ machen. Du musst schon selbst her­ Keynote Speaker können das ja auch. ausfinden, wer du bist und was es Ich bewundere sie sehr dafür. Ich frage heißt, ein schönes, gutes und wahres mich nur: Wird jemand ein guter Mensch, weil er groß­ Leben zu führen. Das kann dir keiner abnehmen. artig zu reden versteht? Wird einer dadurch mutig, Auch ich nicht. weil er einen mitreißenden Vortrag über Mut hört? Aber ist das nicht auch eine Art von Coaching? Natürlich nicht sofort, aber Coaches können Stimmt, warum eigentlich nicht? Ob das allerdings doch gute Ratschläge geben, wie man sein Leben als Business funktioniert, weiß ich nicht. Es geht ja optimieren kann – zum Beispiel für das Auftreten nur darum, gute Gespräche unter Freunden zu führen. in der Öffentlichkeit oder die Kommunikation. Wenn Coaches das tun, haben sie meinen Segen. Jaja, die Selbstoptimierung. Darauf seid ihr alle scharf, ihr neuzeitlichen Menschen. Und deshalb SOKRATES, 469–399 v. Chr., gilt als der Archetyp des griechiseid ihr bereit, jedem, der euch so etwas verspricht, schen Weisen. Berühmt wurde er für seine Aussage „Ich weiß, absurde Honorare zu zahlen. Aber das ist oft raus­ dass ich nichts weiß“, mit der er zu erkennen gab, dass man bei ihm keine theoretischen Kenntnisse erlernen kann, dafür geschmissenes Geld, mein Freund. Genau wie meine aber in die Kunst des Denkens eingeführt wird. Sein Anliegen sophistischen Zeitgenossen kommen eure Coaches war es, Menschen aus dem Gefängnis ihrer Meinungen und gern mit schlauen Ideen: „Tu dies, tu das! Wende ­Konventionen zu befreien, um sie zu einem naturgemäßen und diese Methode an, benutze jenes Tool, buche noch menschenwürdigen Leben zu befähigen. ein Seminar – und dann läuft das Ganze.“ Aber was ist daran auszusetzen? Dass dir das nichts nützt, wenn du nicht verstanden hast, was gut für dich ist. Du glaubst, du musst fit

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CHRISTOPH QUARCH, 57, ist deutscher Philosoph, Gründer der Neuen Platonischen Akademie (akademie-3.org) und Autor zahlreicher philosophischer Bücher, zuletzt: „Kann ich? Darf ich? Soll ich? Philosophische Antworten auf alltägliche Fragen“, legenda Q, 2021.

THE RED BULLETIN

BENE ROHLMANN

the red bulletin: Herr Sokrates, Sie haben sich mit den sogenannten Sophisten legendäre Wortgefechte geliefert, weil diese Leute ihren Kunden in Aussicht stellten, ihnen die Kunst des guten Lebens beizubringen. Was hatten Sie denn daran auszusetzen? Sokrates: Nur eine winzige Kleinig­ keit, mein Freund: Sie hielten nicht, was sie versprachen. Keiner von denen hat je das Leben seiner Kunden besser gemacht. Du kannst übrigens Du zu mir sagen.

sein, also buchst du den Fitness-Coach. Du glaubst, du musst charismatisch auftreten, also buchst du jemanden, der weiß, wie das geht. Du glaubst, du musst empathisch reden, also buchst du einen Empathie-­ Coach. Aber hast du dich je gefragt, ob du das wirk­ lich brauchst? Könnte es sein, dass du einfach nur die Erwartungen anderer erfüllen willst? Oder einer fixen Idee hinterherhechelst, die du dir in den Kopf gesetzt hast? Klar, gute Coaches helfen dir, so zu werden, wie du sein willst. Aber wer sagt dir, dass das, was du sein willst, auch wirklich gut für dich ist?

DR. CHRISTOPH QUARCH

Wer es sich leisten kann, engagiert einen Coach: für die Fitness, für den seelischen Frieden, für den beruflichen Erfolg. Im alten Athen war es ähnlich – doch fanden die damaligen Trainer in Sokrates einen scharfen Kritiker. Im fiktiven ­Interview mit dem Philosophen Christoph Quarch erklärt er, was ihn bis heute am Prinzip des Coaching stört.


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FUSSL.AT


BIKESPECIAL

RUSS ELLIS

45 Seiten lang feiern wir das Zweirad und alles, was es uns beschert: Glückshormone, Wadenkrämpfe, Seelenwohl. Profis, Amateure und dem Bike verfallene Fotografen bestätigen – no Watts, no Glory.

Radsportfan Russ Ellis ist überzeugt, den besten Job der Welt zu haben: Er wird dafür bezahlt, Fotos von s­ einem Lieblingssport zu machen – wie hier und auf den nächsten Seiten.

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Savoir-vivre

Tour de France, 2020 „Ich sah dieses wunderbare alte Auto am Straßenrand und fragte den Besitzer, ob ich aus seinem Wagen heraus ein Foto machen dürfte“, erzählt Russ Ellis. Voilà: das einzigartige Gefühl der berühmtesten Radrundfahrt der Welt auf einen Blick.


Bike-Special Portfolio

Sattelfest

Der britische Fotograf Russ Ellis ist einer der wenigen, die dem Radsport einen würdigen Rahmen verleihen können – vielleicht, weil er sein Handwerk auf der Straße gelernt hat. Protokoll ANDREAS WOLLINGER 25


Bike-Special Portfolio

Heißes Pflaster

Paris – Roubaix, 2019 Das Rennen, das seit 1896 an einem Sonntag im April in Nordfrankreich stattfindet, ist Russ Ellis’ „Lieblingsveranstaltung der ganzen Saison. Die brutale Strecke – teils auf Kopfsteinpflaster, teils auf Feldwegen – ist immer für großartige Fotos gut.“ Wie man hier sieht: ein Bild wie ein Gemälde aus dem Louvre.

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THE RED BULLETIN


DER FOTOGRAF

RUSS ELLIS Der im englischen Nottingham geborene Russ Ellis, 45, ist ein Spätberufener: Erst seit 2015 begleitet er den Radsport als Fotograf. Damals fragte ein Fachmagazin an, ob er das berühmte Rennen Paris  – Roubaix fotografieren wolle. „Das war ein Wendepunkt für mich“, erinnert sich Ellis. „Mir wurde klar, dass ich damit ­meinen Lebensunterhalt verdienen will.“ Seither lebt er seinen Traum: Er verbindet seine beiden größten Leidenschaften – das Fotografieren und den Radsport – und

„Bevor ich die Kamera herausnehme, sauge ich die Atmosphäre auf.“ Russ Ellis

wird dafür auch noch bezahlt. Der späte Einstieg kommt der Qualität der Fotos jedenfalls entgegen: Man spürt in ihnen Russ Ellis’ früher gemachte Erfahrungen in der Straßenfotografie ebenso wie seine Fähigkeit, drei Schritte zurückzumachen, um aus der Distanz besondere Schwingungen und Stimmungen einzufangen. „Wenn ich zu einem Rennen komme“, beschreibt Russ seine Arbeitsweise, „gehe ich zuerst nur herum und sauge die Atmosphäre auf, bevor ich die Kamera überhaupt herausnehme.“ cyclingimages.co.uk

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Bike-Special Portfolio

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THE RED BULLETIN


„Ich möchte, dass sich die Leute meine Bilder an die Wand hängen wollen.“ Russ Ellis

Rahmenhandlung

Tour Down Under, Australien, 2020 „Die Stelle nahe Adelaide, an der wir anhielten, um Fotos zu machen, sah irgendwie austauschbar aus. Also suchte ich nach einem interessanten Blickwinkel und entdeckte diesen alten Reifen am Straßenrand.“ Sieht doch gleich viel besser aus!

Muddy faces win races

Cyclocross, Zeven, Deutschland, 2017 „Cyclocross, das sind kleine, schnelle Rund­ kurse mit Schlamm, Schotter und Asphalt für aufregende Rennen mit unvorhersehbarem Aus­ gang.“ Im Bild links: der belgische U23-Welt­meister Michael Vanthourenhout.

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„Wenn du dir die Fotos anschaust, musst du das Gefühl haben, dabei gewesen zu sein.“ Russ Ellis

No Time to die

Giro d’Italia, 2020 Die 200 Kilometer östlich von Neapel gelegene Stadt Matera ist für ihre Höhlensiedlungen – die Sassi – bekannt, die sich auch hervorragend als Kulisse für den Giro d’Italia machen. „Und ein gewisser James Bond hatte hier eine aufregende Autoverfolgungsjagd in seinem letzen Film als 007“, weiß Russ Ellis.

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Bike-Special Portfolio

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Bike-Special Portfolio

Donnerwetter!

Critérium du Dauphiné, Frankreich, 2020 „Ein Gewittersturm erwischte das Feld völlig unvorbereitet auf den letzten zwei Kilometern der zweiten Etappe.“ Dass Fotografen auf Schönwetter hoffen, ist übrigens ein Gerücht. „Bei Schlechtwetter machen Schlamm, Regen und kübelweise Drama deinen Job.“

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„Ich versuche immer, künstlerische Bilder zu machen, die alle Emotionen einfangen.“ Russ Ellis

Radler rasen vorbei Tour de France, 2018

Wer sagt, dass Radfahrer das Wichtigste bei einem Radrennen sind? Auf Russ Ellis üben Zuschauer fast größeren Reiz aus: In ihren Gesichtern spiegelt sich das Rennen; außerdem lässt sich auf die Art das höllische Tempo der Teilnehmer besser zeigen.

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Bike-Special Portfolio

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„Es ist ein Traum, mit meinen Hobbys Geld verdienen zu können.“ Russ Ellis

Come together Giro d’Italia, 2018

„Diese drei Fans in fast identischem Aufzug begegneten mir auf der 18. Etappe des Giro. Wie sie so über den ­Zebrastreifen gingen, erinner­ten sie mich an das berühmte BeatlesAlbum ‚Abbey Road‘ – ein super Schnappschuss.“

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Bike-Special Downhill

Markus Stöckl bringt als Teamchef einen Hauch von Formel 1 in den Mountainbikesport. Dafür opfert er sein Erspartes, denn Freude und Freunde sind ihm wichtiger als Geld. Text WERNER JESSNER Der Leiterberg-Trail, eine spektakuläre Enduro-Strecke im Ötztal

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So steckt er sein Erspartes in das Projekt, um seinen Fahrern ein pro­ fessionelles Umfeld zu bieten, das er nie hatte. Früher war Stöckl nämlich auch Mountainbiker, ein Downhill-Crack im Amateurbereich, dazu hält er Geschwindigkeitsweltrekorde (über 167 km/h auf einem Serienbike!). „Im Herzen bin ich immer Renn­ fahrer gewesen und bin es heute noch“, sagt er über seine Motivation. „Und mit MS Racing bin ich Teil des Sports.“ Markus Stöckl hinterließ Spuren, von Anfang an. MS ­Racing brachte Professio­ nalität ins Fahrerlager und trieb die Big Player damit vor sich her. „Nach unserem Gesamtsieg in der Teamwertung bedankten sich zwei Chefs anderer Rennteams bei mir“, erzählt Stöckl. „Wegen uns würden sie von ihren Herstellern nun mehr Budget bekommen, um wenigstens in puncto Auftritt mit uns gleich­ ziehen zu können.“ So hat er unter anderem den bereits erwähnten Doppeldeckerbus zum Hauptquartier ausgebaut – mit Stockbetten, Werk­ statt und Küche. Und abends steht der gelernte Koch Markus Stöckl für seine Mannschaft am Grill. „Mehrere schöne Häuser in Kitz­ bühel“ hätte er sich um das Geld, das er in das Team investiert hat, kaufen können, meint er – den­ noch bereut er es keine Sekunde: „Ich brauche nicht viel zum Leben.“ ­Freude und Freunde seien wichtiger als Geld und Beton. Aufhören? Keine Chance. Seine beiden Kinder entdecken ge­rade ihre Racer-Gene.

Die Great Trails in den Bergen Tirols

Downhill-Bike-Empfehlung und ein heißer Tipp von Mäx Stöckl Mit rund 6200 Kilometern aus­ gewiesenen Bikewegen und mehr als 300 Kilometern Singletrails ist ­Tirols Bergwelt wie dafür gemacht, um die Natur zu erleben sowie Kon­ dition und Wadeln zu trainieren: Acht Bikeparks stehen speedhung­ rigen Downhill-Mountainbikern zur Verfügung, ­Hunderte Bikeverleihe und Servicestationen rüsten und ­reparieren, was das Zeug hält. Hilfe zur Planung deiner Tour findest du hier: Unter tirol.at/greattrails gibt es eine ausführliche Beschreibung der fünf schönsten der rund 115 Tiroler Singletrails. Ein Höhepunkt ist der Leiterberg-Trail (oben im Bild), der über 4,5 Kilometer und 550 Tiefenmeter führt. 30 Minu­ ten Hingabe und Konzentration er­ fordert diese mittelschwere Strecke. Von Hochsölden aus geht es aus­ sichtsreich und hochalpin ins Tal. Der anspruchsvolle Weg schlängelt sich über Almwiesen, durch Wald und Fels – hoch über dem Ortsteil Leite, einem der Urhöfe in der Geschichte Söldens. Mäx Stöckl hat noch einen Tipp parat: „Wenn ich in Tirol bin, mache ich ent­ weder bei mir in Kitzbühel/Kirchbichl eine Runde, oder ich fahre nach Nau­ ders. An den Trails hier gefällt mir vor allem, dass sie so naturbe­lassen und abwechslungsreich sind.“

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PHILIP PLATZER/RED BULL CONTENT POOL, STEFAN SCHOPF/WOM MEDIEN

Tage, an denen Markus „Mäx“ Stöckl, 48, weiß, dass er alles richtig gemacht hat, fühlen sich so an: Er fährt von einem Rennen zum nächsten, parkt den teameigenen Doppel­decker­ bus irgendwo unterwegs an einem schönen Platz und geht mit den Fahrern seines Teams biken. Oder so: 2016 gewinnt sein Team MS Mondraker Racing (MS steht für seine Initialen) die Gesamtwertung im World Cup, zum Drüberstreuen holen seine Fahrer bei der Weltmeis­ terschaft Gold und Silber. Oder so: Er fährt ins spanische Alicante – zu Mondraker, jenem Bikehersteller, mit dem er nun in die elfte gemein­ same Saison geht. „Da fahren wir Rad, essen gemeinsam und reden über Gott und die Welt. Und zum Schluss sagen wir, dass wir so weiter­ machen wie bisher. Wir haben nicht einmal Verträge – nur Freundschaft und Vertrauen.“ Dabei hat Markus Stöckl einen Vollzeitjob: Der Tiroler aus Obern­ dorf bei Kitzbühel stellt mobile Bau­werke bei Großveranstaltungen (zum Beispiel in einem olympischen Dorf) auf. Trotzdem will er daneben, aber nicht nebenbei, ein Mountain­ bike-Team führen. Er widmet sich dieser Aufgabe mit aller K ­ onsequenz:


„Im Herzen bin ich immer Rennfahrer gewesen und bin es heute noch.“ Markus Stöckl, 48, über seine Motivation, sich als Teamchef zu engagieren

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Bike-Special Gravelbiken

Tracy Anderson wechselte vom Mediziner in Colorado zum Bike-Guide im Salzburger Land. Anderson vertraut nun seinem Bauch­ gefühl und hat sein Leben völlig umgekrempelt. Text NINA KALTENBÖCK

Foto CARLOS BLANCHARD Am Mitterberg hat man einen Blick auf Gletscher, Berge und den Zeller See.

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in der Anästhesie. „Plötzlich wollte man, dass ich die Facharztausbildung nachmache, was mich mehr als drei Jahre gekostet hätte.“ Keine Option für den ausgebildeten Intensiv­ mediziner, der es diesmal „kopflos“ versuchte: „Ich habe dann mit dem Herzen und dem Bauch gedacht. Wir müssen das Leben genießen. Wenn wir eine falsche Entscheidung getroffen haben, können wir das ­ändern. Die Medizin war ein Inter­ esse, aber nicht meine Leidenschaft. Was ich jetzt mache, schon!“ Die Intuition wehte Dr. Anderson Richtung Outdoor-Sport und einer Ausbildung zum Bike-Guide. In seiner neuen Heimatgemeinde Mittersill revolutionierte er mit Pump Tracks – einem Rundkurs mit Wellen für Scooter, Bikes und Skateboards – das Freizeitangebot für Kids und mutierte zum Local Hero. Der Pump Track wurde 2018 eröffnet, im Mai 2019 fanden dort bereits die Quali­ fikationen für die Red Bull Pump Track-Weltmeisterschaft statt. Als Draufgabe entwickelte der zweifache Vater ein Langzeit-Mietprogramm, mit dem er die junge Bike-Szene vier Jahre lang unterstützte. „Die meisten Familien können sich Räder um 2000 Euro nicht leisten. Deshalb habe ich sie gekauft, und Kinder konnten sie um eine Mietgebühr von 50 Euro monatlich bekommen.“ Andersons Kurs­ änderung machte aus der Routine etwas Kreatives mit Mehrwert. Vor allem für die anderen: Wenn’s einen auf seinem Pump Track zerlegt, ist nicht nur ein Guide, sondern auch gleich ein Doc zur Stelle.

„Da bist du mit der ­Natur verbunden!“

Tracy Andersons Lieblingsrouten um den Zeller See und Kaprun im Salzburger Land Mountainbike-Guide Tracy Anderson und der Kapruner Fotograf Dominik Wartbichler haben einen gemein­ samen Favoriten: die Moosalmrunde, die alles beinhaltet, was Gravelbiker schätzen – glasklare Bäche und ­Flüsse, liebliche Ortschaften inmitten der Alpen und den überwältigenden Gletscher sowie die Hohen Tauern (Ausblick: siehe Foto). Nach der rund zweistündigen, mittelschweren Tour ist eine Pause auf der Enzian­ hütte auf 1300 Metern wohlverdient. Man kann aber ebenso entspannt im Tal cruisen, mit dem Rennrad über aussichtsreiche Pässe strampeln oder mit dem Mountainbike bergauf und dann auf abwechslungsreichen Singletrails talwärts düsen – in Zell am See-Kaprun finden Radfahrer auf den 240 Kilometern der ausgewiesenen Routen eine vielfältige Spielwiese. Besonders gut gravelbiken lässt es sich auf Forststraßen, aber auch auf Radwegen um den Zeller See und nach Kaprun bis aufs Kitzstein­ horn. Mit dem Mountainbike geht es ebenfalls schweißtreibend berg­ wärts, zum Beispiel entlang der Großglockner Hochalpenstraße zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Nach 26 Kehren und mehr als 1700 Höhenmetern ent­schädigt der Blick auf den Gletscher und den Großglockner für alle Anstrengungen.

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ZELL AM SEE - KAPRUN TOURISMUS

Unser Bauch weiß manchmal mehr als unser Verstand. Entscheidungen rational zu treffen muss deshalb nicht immer zum Erfolg führen. So sieht das jedenfalls Tracy Anderson, 50-jähriger US-Amerikaner, der mit 45 seinen Brotjob an den Nagel hängte. Zwischen seinem gewohnten Leben als Anästhesist und seinem jetzigen als Bike-Guide auf den schönsten Routen um Zell am See und Kaprun liegt nur ein Moment. Nämlich die Bauchentscheidung, ­beruflich Neues zu wagen. Davor lief alles wie geschmiert: Aufgewachsen im Bundesstaat Missouri, gewinnt Tracy als Amateur die Landesmeisterschaften in Arizona und Idaho. Vom Rennradfahren wechselt Anderson zum Gravelbiken, dem geländegängigen Radeln querfeldein mit breiteren Reifen. „Beim Gravelbiken bist du mehr mit der Natur verbunden und kommst ohne Probleme auf 1500 Meter“, beschreibt Tracy seine Passion. So viel zum Hobby. Seine Berufung sollte – weil er immer so ein Vifzack war – das Medizinstudium sein. Während dieser Ausbildung in Colorado kreuzt eine fesche Grazerin seinen Weg. „Die hab ich glatt ge­ heiratet und bin mit ihr und unseren zwei Kindern nach Österreich ge­ zogen, das ich bereits als Teilnehmer der Transalp-Challenge kennen­ gelernt hatte“, sagt Anderson. Nach sechs Monaten stand fest: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ 2015 wurde sein Diplom nostrifiziert, und Tracy arbeitete im Tauernklinikum


„Die Medizin war ein Interesse, Biken ist meine Leidenschaft.“ Tracy Anderson, 50, wechselte beruflich vom Anästhesisten zum Bike-Guide.

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Bike-Special Mountainbiken

Vali Höll hat es von der Sturzpilotin zur ersten österreichischen Gesamtsiegerin im Mountainbike-Downhill-World-Cup geschafft. Wie? Mit Ehrgeiz, aber nicht um jeden Preis. Text WERNER JESSNER

Foto PHILIPP HORAK Die X-Line in Saalbach geht über 6,3 Kilometer und 1025 Höhenmeter.

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­gelernt hat, als sie, auf Platz 4 in der

Gesamtwertung liegend, zu den letzten beiden Saisonrennen in die USA nach Snowshoe, West Virginia, flog. „Wenn ich unter die Top 3 käme, wäre es schön“, lautete zu diesem Zeitpunkt die Einstellung nach einem von Stürzen geprägten Jahr. Der Rest ist Geschichte: Vali dominierte beide Rennen. Mit dem Selbstvertrauen ihrer 20 Lebensjahre hat sie nun auch ihr Umfeld selbstbewusst umgekrempelt. Weg mit fremden Ideen, mehr Fokus auf das, was sie wirklich braucht. Mit der französischen ExRennfahrerin Cécile Ravanel ist eine neue Trainerin an die Stelle ihrer ­Patentante als Vertrauensperson ­getreten. Und statt auf einen LinienCoach, der für sie im Training das Gelände interpretierte, vertraut sie seit Snowshoe ihrem Gefühl und ­ihrem Auge für die schnellste Linie. Parallelen zu Snowboarderin Anna Gasser drängen sich auf: zwei starke Frauen, die ihren Sport pushen und sich trotzdem für andere freuen können. Vor allem Letzteres kann Vali Höll unterschreiben: „Eines haben wir gemeinsam: Es ist schöner, sich im Ziel mit den anderen Mädels zu freuen, als allein mit einem Pokal im Eck zu stehen.“ Das gilt auch für Hölls Schweizer Kollegin und Freundin: „Wenn Camille Balanche im Ziel eine halbe Sekunde schneller war als ich, dann freue ich mich für sie über ihre Leistung. Am Ende fahren wir gegen die Uhr, nicht gegeneinander.“

„Mein Trail-Vergnügen über sieben Berge!“ Die Strecken-Tipps von Mountainbike-Ass Vali Höll

Hier kannst du deinem Bike die ­Sporen geben: Ein Freeride-Paradies mit 80 Kilometern Lines und Trails für alle Bike-Könnerstufen verbindet Saalbach Hinterglemm mit dem „Epic Bikepark“ Leogang und der 2021 entstandenen Bike Area Streuböden in Fieberbrunn. Das bundesländerübergreifende MountainbikeWegenetz bietet gemütliche Almen­ runden, ­Pan­orama-Touren mit prächtiger Aussicht und Liftunterstützung. D ­ anach winkt Stärkung auf einer der zahl­reichen Hütten (das Spielberghaus, „die geilste Hütte von allen“, wie Vali meint, wird von ihrer Familie bewirtschaftet). Die 20-Jährige fährt den legendären Hacklberg-Trail zum Genuss. Die Downhill-Strecke in Leogang, wo ein Streckenabschnitt ihren Namen trägt („Valis Hölle“), nutzt sie regelmäßig zum Trainieren. Auf dieser UCI World Cup-Strecke wurde schon Mountainbike-Geschichte geschrieben. Mit ihren steilen Streckenteilen ist es die fahrtechnisch anspruchsvollste Line im Epic Bikepark. Was sich noch lohnt? „The Challenge – Bike your limit“, eine Biketour für Könner. Mit nur einem Liftticket geht es über sieben Berge: Man startet in Saalbach, Fieberbrunn oder Leogang, wird auf der Strecke getrackt und staubt im Fall der erfolgreichen Bewältigung ein Goodie ab.

Den UCI Mountainbike World Cup könnt ihr bis 4. September auf Red Bull TV verfolgen: redbull.com/UCI-live THE RED BULLETIN

SAALBACH.COM/NATHAN HUGHES

Es hat sich etwas geändert in Saalbach. Unten im Tal reden die Leute beim Einkaufen über Valentina „Vali“ Höll und verabreden sich, um sie gemeinsam via öffentliche Leinwand anzufeuern. Public Viewing im Mountainbike-Rennsport, das hat es vor ihr in Österreich noch nicht gegeben. Oben am Berg hat sich auch etwas geändert, wenn Vali zu Hause ist und nicht irgendwo auf der Welt testet, trainiert oder Rennen fährt. Normalerweise gilt auf den Downhill-Tracks ein ungeschriebenes Gesetz: Der Schnellste der Gruppe fährt vor, der Rest folgt. Vali Höll ist bei diesen Ausfahrten mit ihren Jugendfreunden locker die Schnellste. Und trotzdem fährt sie freiwillig ganz hinten: „Ich mag da nicht stressen oder sie unter Druck setzen. Ich bin sozialer geworden, seit ich so viel unterwegs bin.“ Trotzdem muss man sich Vali als extrem ehrgeizige Frau vorstellen, sie selber sagt: überehrgeizig. „Ich will einfach immer mein Bestes geben. So klein und unbedeutend kann ein Rennen gar nicht sein, dass ich mit einem zweiten Platz happy wäre.“ Bei zwei Vorbereitungsrennen diesen Frühling kam sie jeweils als Zweite ins Ziel: Einmal hatte sie einen schleichenden Platten, einmal ein verbogenes Pedal. Vali goes grrr: „Ich musste mir vorsagen, dass es besser ist, in der Vorbereitung technische Probleme zu haben, als dann, wenn es wirklich zählt.“ Lockerheit war es auch, was sie in der legendären letzten Saison


„Am Ende fahren wir gegen die Uhr, nicht gegen­ einander.“ Weltcup-Siegerin Vali Höll, 20, setzt auch in der DownhillElite auf Freundschaft.

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Bike-Special Kopfzeile Homestory

Held mit Humor: Fabio betrachtet die Welt durch eine goldene Brille.


DER FABELHAFTE FABIO

„Es gibt nichts Größeres als die erste Million Klicks.“

Wie man unbändigen Ehrgeiz in lässige Leichtigkeit verwandelt: „Ich wollte immer besser als ich selbst sein.“ Ein Besuch bei Bike-Künstler Fabio Wibmer in dessen neuer Wahlheimat Monaco. Text WOLFGANG WIESER

Fotos LOTTERMANN AND FUENTES 43


Bike-Special Homestory

F

enster stehen sperrangelweit offen, Vorhänge flattern in einer lauen Brise. Auf Balkonen mit verschnörkelten Gittern aus Schmiedeeisen trocknet Wäsche. Smaragdblaue Wellen schwappen träge gegen den Strand, zwei junge Frauen in Bikinis stehen kichernd in der Gischt. Es ist Frühling an der Côte d’Azur, und wer seine Sonnenbrillen im regnerischen Wien vergessen hat, muss die Augen zusammenkneifen. Alles strahlt, alles leuchtet, die kräftige Sonne macht gute Laune. Auf dem Markt werden Veilchen- und Lavendelseifen angeboten, in den engen Gassen ist das Leben zurück – es ist ein großes Plappern und Klappern, und mittags gibt es dampfende Muscheln und gegrillten Oktopus. Leben wie Fabio in Frankreich, denke ich, das ist aber knapp daneben. Denn der 26-jährige Bike-Artist lebt seit letztem Herbst im Fürstentum Monaco. „Ich habe glücklicherweise eine coole Wohnung gefunden, von wo ich sogar einen Blick aufs Meer habe.“ Glücklicherweise sagt er tatsächlich zweimal. Und weil es sich richtig anfühlt, bleibt das hier auch so stehen: „Das erste Mal aufzuwachen und vom Schlafzimmer aufs Meer zu schauen, das war schon recht cool.“ Als ich Fabio zum Gespräch treffe, hat er ein zwölfstündiges Shooting mit dem Frankfurter Fotografinnen-Duo Nada Lotter­mann & Vanessa Fuentes in Monaco hinter sich. Die beiden Frauen arbeiten international, oft mit Schauspielern und Musikern. Sie mögen Fabio. „Ein supersupernetter Typ, total sweet. Man merkt, er denkt mit. Er ist sehr zurückhaltend, gleichzeitig aber auch sehr aufmerksam. Und wenn es um ein Foto geht, ist er zu hundert Prozent da.“ 44

Es ist ein langes Gespräch, das Fabio und ich in einem Hotel in Nizza führen. Und wie immer ist er wach und höflich, gut gelaunt und konzentriert. Er erzählt von seinen Anfängen, seinen Verletzungen und seinem Bemühen, der Beste zu sein. Und am Schluss habe ich verstanden, wie Fabio es schafft, seinen unbändigen Ehrgeiz in lässige Leichtigkeit zu verwandeln. Beginnen wir aber so, wie es sich gehört: mit dem Anfang. Dein Auftritt, Fabio! Also ich komme aus Oberpeischlach. Das ist ein ganz, ganz kleines Dorf. Da wohnen nur 100 Leute. Es liegt knapp zehn Kilometer von Kals am Großglockner entfernt. 20 Minuten von ­unserem Dorf hat es einen Würstelstand gegeben, dort sind wir als Buben hin, um uns eine Currywurst oder eine Bosna zu holen. Es ist dorthin nur aufwärts gegangen, und keiner hat Bock darauf gehabt. Dafür sind wir beim Heimfahren abwärts gezischt. Und dann hat einer einen Wheelie gemacht – Vorderrad in die Luft und zwei, drei Meter fahren. Mein erster Rekord ­waren sieben Meter, dann hab ich mich über dreizehn gefreut.

Knapp 15 Jahre später ist der Osttiroler Bub ein Idol. Seine Bike-Videos haben mehr als eine Milliarde Klicks, mit Sick! und Nineyard hat er zwei erfolgreiche Fashion-Kollektionen entwickelt. Dass ihm die Ideen ausgehen, ist nicht zu befürchten. Auf seinem Handy notiert der 1,88 Meter große Blondschopf jeden Einfall („brutal viele Seiten“). Was sich noch geändert hat? Statt Würstel isst Fabio lieber Pasta Arrabiata,­ er mag Löwen und Löwenzahn, sein Lieblingslied ist „Numb/Encore“ von Linkin Park und Jay-Z. Und wer ihn nach seinem Lieblingsfilm fragt, erhält eine schnelle Antwort: „‚The Fast and the ­Furious‘, und zwar Teil 2, der war zwar ein bisschen old school, aber da ist es noch so richtig ums Autofahren ­ge­gangen.“ Zurück nach Osttirol. Mein Heimatdorf ist ein richtiges Bergdorf. Mit vielen Hängen. Dort ­haben wir Sprünge gebaut, wie blöd haben wir jeden Tag gegraben. Und dann haben wir angefangen, mit unseren Handys Videos zu drehen. Das hat mir sehr getaugt: etwas aufzunehmen und es allen zu zeigen: Hey, schau, was wir gemacht haben! Die wichtigste

„Wir haben Sprünge gebaut, wie blöd haben wir jeden Tag gegraben.“

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Entspannt und gut gelaunt: Fabio in einem T-Shirt aus seiner Sick-Kollektion


Bike-Special Homestory

Fabio im Tunnel am Yacht-Hafen, das kleine weiße Ding (im Bild rechts unten) ist ein tragbarer Projektor und heißt passenderweise „The Freestyle“ (von Samsung).

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Inspiration war ein Video von Danny MacAskill. Das ist ein schottischer Trialbiker, der hat alles revolutioniert. 2009 hat er ein Video rausgebracht („Inspired Bicycles“), und es hat Danny in einer Art und Weise gezeigt, wie das noch nie zuvor zu sehen war. Das hat mich so gepackt, dass ich mir gedacht habe: Genau so was will ich machen! Und ja, von da an war ich wirklich ­jeden Tag auf dem Bike. Fabio dreht „Street Trial 2012“. Via Face­ book schickt er das Video an sein Idol Danny MacAskill. Der Schotte geizt nicht mit Unterstützung und teilt Fabios Video. Der Zuspruch ist enorm. Fabio nennt es heute seinen ersten Triumph. Triumph Nummer zwei ist sein Sieg bei einem Wettbewerb eines Action­ kamera-Produzenten. Er macht mit, weil er es als Chance sieht, „den Leuten zu zeigen, was ich auf dem Radl anstellen kann“. In „Fabiolous Escape“ narrt er die Polizei – inklusive Balanceakt auf einem­ haarsträubend schmalen Brett, das zwei Dächer verbindet. Der sogenannte Halleluja-Moment, also die zündende Idee dazu, kam ihm in der Kirche, drei Minuten von seinem Elternhaus entfernt. „Da bin ich gerne hin’gangen, weil ich da sehr viel Zeit gehabt habe, über Ideen nachzudenken.“ Dass er mit dem Video, an dem die Hälfte der Einwohner Ober­ peischlachs mitwirkt, gewinnen könnte, erwartet er nicht. Tut er aber – aktuell hält es bei mehr als 94 Millionen Aufrufen. Ich war schon immer sehr, sehr ehrgeizig. Ich wollte immer der Beste sein. Auch besser als ich selbst, besser als am Tag zuvor. Aber ich habe nie ­daran gedacht, vom Radfahren zu leben. Bis ein erster Sponsor auf mich zukam. Und dann kam auch das Management dazu, Rasoulution, wo der Tarek mir sehr weitergeholfen hat. Tarek Rasouli ist Europas wichtigster Bike-Manager. Für Fabio wird er zu einem Wegweiser. Dass seine Leidenschaft Basis für ein Unternehmen sein könnte, wird klarer. Mittlerweile hat Fabio sich eman­ zipiert, ist längst sein eigener Chef. Mit dem wachsenden Erfolg seiner Videos wächst das Interesse an Merchan­ dising-Produkten. Fabio beginnt Caps zu designen. Freimütig gibt er zu, anfangs THE RED BULLETIN

„nicht so viel Plan“ gehabt zu haben. Doch er entwickelt auch hier enormen Ehrgeiz. Sein Leben besteht zu diesem Zeit­ punkt aus Radfahren, Videoschneiden und Designen. Das gefällt ihm, weil sich alles zu einem Bild fügt. Er erkennt, dass er nicht nur seine Berufung, sondern auch seinen Beruf gefunden hat. Doch dann verletzt er sich bei einem Dreh – und zwar bei einem Sprung aus einem Helikopter. Ich bin lange von Verletzungen verschont geblieben. Und dann ist es doch passiert. In Saalbach haben wir „Fabiolous Escape II“ gefilmt. Mein Plan war, dass ich mit dem Bike in der Hand aus einem Heli springe, in der Luft aufs Bike draufgehe und auf dem Schnee lande. Das hat gut funktioniert. Dann wollten wir es aus einem anderen Winkel filmen. Ich bin aufs Schlüsselbein gefallen, Schlüsselbein gebrochen. Das war das erste Mal, dass ich für längere Zeit außer Gefecht war. Ich bin dann zwei, drei Jahre ver-

letzungsfrei geblieben. Klar, Schürfwunden und Prellungen gehören dazu, aber nichts Gröberes. Und dann waren wir in Frankreich unterwegs. In dem Jahr bin ich wieder ein bisschen mehr Motocross gefahren. Um mich an große Sprünge ranzutasten. Und dann habe ich so einen Sprung, bei dem ich das Bike querstelle, 30-, 40-mal hinter­ einander gemacht. War kein Problem. Bis ich unabsichtlich an der Vorderbremse angekommen bin. Warum, weiß ich bis heute nicht. Ich musste abspringen und bin erst auf meinem Fuß gelandet, hab noch gedacht: „Das ist was Gröberes“, und dann auf dem Kopf – und weg war ich. Die Folge: ein komplizierter Bruch des Sprunggelenks. Bike-Pause, mental kein Problem für den Optimisten. Er schafft es, sich mit anderen Projekten abzu­ lenken, arbeitet an Ideen, die er vor der Verletzung notiert hat. Langsam wird alles wieder heil. Eines Tages will er mit Freund und Manager Alex hinter seinem Haus in Innsbruck „ein bisschen biken“. Auf dem Trail gilt es, zwischen zwei Bäumen durchzuspringen. Etwas, was Fabio be­ reits zigmal gemacht hat. Doch dieses Mal springt er gegen einen Baum. „Ich bin aufgestanden und habe mir gedacht: Das gibt es jetzt nicht.“

„Ich dachte noch, das ist was Gröberes, und dann war ich weg.“

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Kopfzeile

Blick über Monaco: Sonne, Meer und Stadt – hier zu leben macht kreativ.

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Bike-Special Homestory


Bike-Special Homestory

Nein, das ist cool. Natürlich kann man schon mal angepisst sein, wenn man Sachen zwei-, dreihundertmal probiert und es funkt nicht. Aber dann hat man den einen Schuss, wo es fast funktioniert, und dann wächst die Hoffnung: Okay, wenn ich das lang ­genug probiere, wird es hinhauen. Und die Sache ist die: Je öfter man etwas probieren muss, desto besser ist das Gefühl, wenn man es schafft. Es geht also um diesen einen Moment, in dem klar ist, dass ein Ziel erreichbar ist. Um die Vorfreude. Um die Gewissheit, wieder einen T(r)ick besser geworden zu sein. Oder wie Fabio sagt: „Besser als ich selbst.“

Luftikus – Fabio vor einem Einkaufszentrum im benachbarten Nizza

Dafür, und das weiß er auch, braucht er Ruhe und absolute Konzentration. Und das ist – abgesehen vom Meer vor dem Schlafzimmerfenster – mit ein Grund, warum er nach Monaco über­ siedelt ist. Als er noch in Innsbruck wohnte, standen jeden Tag Fans vor seiner Haus­ türe. Und wenn er durch die Stadt radel­ te, fühlte er sich beobachtet: „Das kann ich nicht so gut ausblenden, und das hat mich in einer Entwicklung ein bisschen gestört. Hier bin ich einfach ganz für mich selbst.“ Tatsächlich kann er auf der Prome­ nade Pirouetten drehen. Oder in der aus der Formel 1 berühmten Mirabeau-Kurve für ein Posting auf Instagram posieren – „was able to pop some wheelies again“, steht unter dem Bild. Hier kann er probieren, probieren, probieren. Und daran arbeiten, einen­ stets neuen, immer besseren Fabio zu erschaffen. Dass das geht, hat er auf dem Rad gelernt, dass das auch fürs Leben „funkt“, auch. Eines der ersten Videos, die Fabio nach seinen jüngsten Verletzungen pos­ tete, zeigt ihn auf einem weißen CanyonBike, in weißem Nineyard-Outfit. Sein rechter Fuß steckt in einer dicken Schiene. Er radelt entspannt dahin, Vorderrad in der Luft, Wheeeeelie! Es geht nicht mehr um sieben Meter oder um dreizehn. Heute fährt Fabio, solange und so weit er will.

Auf Fabios Spuren Drei Videos, die eine erstaunliche Entwicklung des Bike-Künstlers zeigen – zum Staunen QR-Code scannen

Street Trial 2012

A Day in My Life

Fabiolous Escape II HANNES BERGER

Schlüsselbein kaputt, der ohnehin ramponierte Knöchel wieder gebrochen. Die Ärzte verordnen absolute Ruhe. Die gute Nachricht: Mittlerweile haben Fabios Videos auf YouTube insgesamt mehr als eine Milliarde Klicks. Wann genau er diese erste Milliarde erreicht hat, weiß er nicht. Erinnern kann er sich an die erste Million. Die hat er im Krankenhaus erlebt. Damals, als er sich beim Sprung aus dem Heli das Schlüsselbein gebrochen hatte. Am Tag nach der OP checkt er seinen Account. Und stellt fest, dass er die magische Marke genommen hat: „Es gibt nichts Größeres als die erste Million Klicks.“ Wer seine Videos sieht, bewundert die lässige Leichtigkeit. Tatsächlich sind sie harte Arbeit. 21 Tricks sind in „Home Office“ zu sehen. Der einfachste ist ein Sprung vom Dach seines Hauses in den Pool – das funktionierte beim ersten Mal. Dafür musste er 430-mal mit dem Vorderrad seines Bikes einen Dartpfeil Richtung Scheibe schießen, bis er in der 17 stecken blieb. 600-mal versuchte Fabio einen Ball mit dem Hinterrad in einem Basketballkorb zu versenken. Erst bei Versuch Nummer 601 landete er im Korb. Ist das nicht zermürbend?

Auf Fabio abfahren: @wibmerfabio

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Bike-Special Velosophie

e n i e r e n Ei

Wie geht es dem Kopf, wenn der Körper tagelang auf dem Rad sitzt? Christoph Strasser ist Rekordsieger des rund 3000 Meilen langen Race Across America (er brauchte für die 4830 Kilometer etwas mehr als sieben Tage) sowie 24-Stunden-Weltrekordhalter auf dem Rennrad.


Kopfsache

Michael Strasser durchquert mit dem Bike so schnell wie keiner zuvor Amerika von Norden nach Süden. Das sind 22.642 Kilometer in 84 Tagen und 12 Stunden. Und was haben schlechte Musik und Eisberge damit zu tun? Text WERNER JESSNER

Fotos PHILIPP HORAK 53


Bike-Special Velosophie

N

eulich, diesen Frühling, hätten sie zum ersten Mal überhaupt eine gemeinsame Trainingsausfahrt gemacht, grinsen ­Michael Strasser, 39, Ice2Ice-Absolvent von Alaska nach Feuerland, und Christoph Strasser, gut fünf Monate älter, sechs­ facher Sieger des Race Across America quer durch Nordamerika. Die beiden Langstrecken-Athleten verbindet scheinbar so viel und im Detail dann doch so wenig. „Im Flachen hätte ich gegen den Christoph absolut keine Chance. Dazu bin ich zu leicht. Mir fehlen erstens die Gene, zweitens hat er über die Jahre eine Kraft aufgebaut, die mir abgeht. Da ist er ab­ solute Weltklasse“, sagt das Leichtgewicht Michael über den bulligen Christoph. „Du kannst aber viel mehr Sport­arten. Allein schon, dass du dich auf einen Ironman vorbereitest! Wenn ich laufen gehe, tut mir drei Tage lang alles weh. Unlängst bin ich in der Therme Blumau ein paar Längen brust­geschwommen. Danach hab ich eine Stunde lang keine Luft gekriegt!“ Kennengelernt haben sich die beiden Strassers, weder verwandt noch verschwägert, virtuell – und zwar dadurch, dass der eine Strasser die Fanpost des anderen bekam und an den korrekten Adressaten weiterleitete. „‚Toll, was du in Afrika geleistet hast‘, haben sie mir geschrieben, obwohl ich noch nie in ­Afrika war“, erzählt Christoph mit einem Lächeln. „Und mich haben sie angefeuert, beim RAAM wieder Vollgas zu geben – obwohl ich dort nichts verloren hätte“, schildert Michael. Auf dem Bildschirm sehen sie tatsächlich verwechselbar aus: Tief in Aero-Position über den Rennrad­ lenker gebeugt, der gleiche Sponsor, dazu ein Tritt, dem man die unendliche Routine von Milliarden Wiederholungen 54

CHRISTOPH STRASSER, 39, lebt in Graz. Bei neun Starts hat er das Race Across America sechsmal gewonnen: Rekord. Außerdem hält er den Distanz-Weltrekord über 24 Stunden: Am Flughafen Zeltweg legte er als erster Mensch in dieser Zeit­ spanne mehr als 1000 Kilometer zurück, ­exakt 1026,215 Kilometer, was einem Durch­ schnitts­tempo von 42,76 km/h entspricht.

in jedem Zustand ansieht. Geschmeidig und effizient, dabei aber mitunter auch einmal eckig, weil nach tausenden Kilo­ metern am Stück ein wenig die Kraft fehlt. Was die beiden tatsächlich eint, ist die Fähigkeit, sich auch dann noch durch­ zubeißen, wenn alle anderen aufgeben. the red bulletin: Woran denkt ihr, wenn eigentlich keine Kapazität zum Denken mehr da ist, nach, sagen wir, 20 Stunden nonstop am Rennrad? Christoph strasser: Ideal ist, wenn man es schafft, an gar nichts zu denken. Wie im Alltag schießen oft aber Gedanken rein, die du nicht so gern denken magst. Im Rennen selbst gelingt es mir zunehmend besser, sie zu kontrollieren.

Da habe ich alles vorab mit mir geklärt. Zusätzlich helfen mir meine Betreuer, die Schmerzen wegzublödeln. Schwieri­ ger ist es im Training. Warum tue ich das, warum schon wieder? Michael strasser: Ich lache unglaublich oft über mich selbst in Phasen, in denen es mir nicht gutgeht. Was hab ich mir da wieder eingebrockt! Ich wundere mich über die freestylige Art, in der ich meine großen Projekte angegangen bin, mit einem wild zusammengewürfelten Team. Bei Christoph ist deutlich mehr Struktur dahinter. Ich musste Motivationsprobleme meist mit mir selbst lösen. Aber wie machst du das genau? Du fährst wochenlang durch Afrika, im Staub, in der Hitze, hinter durch­ geknallten Lastwagenfahrern, und plötzlich findest du die Welt wieder voll in Ordnung? Michael: Ich stelle eine Kosten-Nutzen-­ Rechnung auf. Wie viel Aufwand ist im Vorhinein in dieses Projekt geflossen? THE RED BULLETIN


Beine lügen nicht. 1000 Trainingsstunden im Jahr bedeuten vier Stunden pro Tag, fünf Tage pro Woche.

Dieser Keller hat schon alles gesehen: In einem Wohnhaus in Graz arbeitet „Straps“ seit Jahren an seiner Form.

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„Wenn du es zum Start geschafft hast, darfst und musst du dein letztes Leiberl geben.“ Michael Strasser

Wohnung, Büro, Trainings­ center: In einer Wiener Mansarden­wohnung entsteht das Gesamtwerk Michael Strasser.

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Christoph: Mit einem Burnout! (Beide lachen.) Wie haltet ihr das tägliche monotone Training im Kopf durch? Christoph: Da haben wir recht unter­ schiedliche Auffassungen. Ich trainiere gern am Ergometer. Daneben kann ich arbeiten, telefonieren oder einen Film schauen. Zum 500. Mal von Graz nach Bad Radkersburg zu fahren ist auch nicht sonderlich erotisch. Der Ergometer gibt mir das gute Gefühl, effizient trainiert zu haben. Es gibt keine Ampeln, Autos oder langweilige Abfahrten. Michael: Ich poste auf Social Media zu­ mindest mehr abenteuerliches Training als du, aber gerade im letzten Winter bin ich durchaus auch auf dem Ergo­meter gesessen. Lange Einheiten versuche ich im Winter mit Tourenski auf dem Berg zu absolvieren. Ich laufe auch viel, selbst wenn die erste Stunde immer sehr schmerzhaft und langweilig ist. Aber ich weiß, dass es geht, weil ich es schon so oft gemacht habe.

MICHAEL STRASSER, 39,

Für Kairo–Kapstadt habe ich mein Auto verkauft und 70.000 Euro an privatem Geld zusammengekratzt. Dazu tägliches Training und diverse Jobs, um die Alltags­ kosten reinzubringen. Professionalität sieht anders aus. Den wahren Aufwand siehst nur du selbst. Wenn du dann fit und mit allem Nötigen am Start stehst, hast du schon unglaublich viel geschafft. Das ist ein Motivator per se. Ab diesem Moment geht es nur noch um den Sport an sich. Du darfst und musst dein letztes Leiberl geben, wenn du am Start stehst. Christoph: Man kann Dinge, die ­eigentlich ungut sind, zu seinem Vorteil nutzen. Beim RAAM spielten wir Songs, die keiner mehr hören konnte, richtig lästige Ohrwürmer, auf heavy rotation. Irgendwann kippt es, und du findest den Song geil, weil er dich eins macht mit der Situation. – Zu Michael möchte ich noch was ergänzen: Das Härteste ist nicht, dass du tagelang am Rad sitzt, dir Knie und Hintern wehtun, du fast einschläfst und kotzen möchtest, weil du ständig THE RED BULLETIN

lebt in Wien. In 34 Tagen fuhr er von Kairo nach Kapstadt (10.665 Kilometer), in 84 Tagen die 22.642 Kilometer von Alaska nach Feuerland, beides schneller als je einer zuvor. Nebenbei gibt der studierte Architekt am Universitätssportinstitut Wien (USI) Kurse, hält Seminare und kombiniert Ausdauersportarten unterschiedlichster Natur.

so viel essen und trinken musst. Hart sind die zehn Monate unsichtbare Arbeit und das Training davor. Das ist der Eis­ berg unter dem Rennen. Okay, zehn Monate lang zu trainieren ist vorstellbar. In einer Woche durch ganz Amerika zu radeln nicht. Christoph: Deshalb ist das RAAM ja auch so interessant für Zuschauer. Zehn Monate Training sind auch nur die halbe Wahrheit. So lang dauert das spezielle Training für dieses Rennen. Der Aufbau eines vernünftigen Levels braucht Jahre. Michael: Ein Quereinsteiger würde mit unseren Trainingsplänen im dritten Monat vermutlich beim Physiothera­ peuten sitzen.

Wie viele Kilometer sitzt ihr pro Jahr auf dem Rad? Christoph: Ich weiß es nicht. Pro Jahr mache ich 1000 bis 1300 Trainings­ stunden; etwas mehr, wenn das RAAM ansteht. Setzt man gute 30 km/h ein, kommen etwa 35.000 Kilometer Jahres­ leistung raus. Im Prinzip ist diese Zahl aber völlig sinnlos: Auf Gran Canaria schaffst du aufgrund der Topographie in acht Stunden keine 200 Kilometer, beim Zeitfahren in der Ebene locker 300. Trainingskilometer als Maßstab sind ein Relikt der Vergangenheit. Michael: Ich kann es nicht einmal an­ satzweise sagen. Meine 1000 Trainings­ stunden pro Jahr verteilen sich auf Radfahren, Laufen und Schwimmen, dazu fünf bis sechs Stunden allgemeine Athletik pro Woche. Training ist nicht Training: Eine Stunde am Rad ist weniger belastend als eine Stunde Laufen. Christoph: Genau. Täglich fünf Stunden Radfahren ist easy. Beim Laufen wäre bei diesem Pensum nach drei Tagen die Karriere vorbei! Michael: Ich bin froh, mich nicht mit dir messen zu müssen. Was du geleistet hast, hat für mich einen unglaublich hohen Stellenwert. Bloß waren die Rennen im Liveticker immer extrem fad, weil dein Vorsprung so groß war. Christoph: Deine extremen Radtouren – so nenne ich sie mal – haben mich 57


Bike-Special Velosophie

­ enauso stark beeindruckt. Bei mir ist der g Spuk in einer Woche erledigt. Da hau ich alles rein und darf danach vom Rad fallen. Bei dir geht es nach einer Woche erst so richtig los. Dein Speicher muss noch voll sein, wenn ich bereits beim Finisher-Bier sitze. Und dann betreibst du mit Triathlon zusätzlich einen ganz anderen Sport. Ich bin froh, nicht dein Gegner sein zu müssen. Vielleicht hätte ich im Flachen am Rennrad die Nase vorn, aber je hügeliger es würde oder sobald andere Disziplinen dazukämen, wäre es ganz schnell vorbei. Michael legt seine Projekte eher als Abenteuer an. Reizt dich das auch? Christoph: Mein Thrill sind harte, gut besetzte Rennen mit möglichst vielen Startern. Beim RAAM habe ich bei neun Versuchen achtmal gefinisht und davon sechsmal gewonnen. Dreimal betrug mein Vorsprung eineinhalb Tage auf den Zweitplatzierten, weil ich das Rennen wohl ernster genommen habe und auch mehr Erfahrung hatte. Jetzt will ich Rennen probieren, bei denen ich nicht unbedingt als Favorit starte. Eines davon ist das Transcontinental Race, bei dem du völlig ohne Begleitung durch Europa fährst: Nur du, dein Rad und alles, was du zu brauchen glaubst – das musst du mitschleppen. Der Stellenwert von unsupported racing geht gerade durch die Decke.

mich schlimmer als in meinen dunkelsten Stunden beim RAAM. Ich weiß, das war jetzt nicht hundertprozentig die Antwort auf deine Frage. Aber die Kunst ist, seine Körpersensoren so fein zu schulen, dass man niemals in diese Situation kommt. Eigentlich würde die Idee des unsupported racing eher zu dir passen, Michael. Michael: Man kann halt nicht alles ­machen. Mein nächstes Ziel ist ein Triathlon quer durch die Steiermark mit 5500 Höhenmetern. Wenn ich mir eine Strecke auf den Leib schneidern könnte – das wäre sie. Hier habe ich eine realistische Siegeschance. Aber klar ist unsupported racing interessant. In meinem Wohnzimmer steht ein Rennrad, auf dem die Tourenski montiert sind. Die Idee dahinter: Wie kann man die Anreise von 500 Kilometern zur Skitour aus eigener Kraft machen? In diese Richtung wird meine Reise gehen.

Gibt es etwas, was ihr nicht fertig macht? Christoph: Die Frage ist immer, wozu man etwas macht. Das spannt den Bogen zur ersten Frage: Wie viel habe ich inves­ tiert? Ist es dein Traum, ein Haus für deine Familie zu bauen, wirst du den Ziegel auch nicht weglegen und davongehen. Komme ich aber mittendrin drauf, dass der Weg falsch ist, dann gebe ich genauso auf wie jeder andere. Ich habe etwa mein Studium der Umwelt­technik abgebrochen, weil ich nicht wusste, welchen Nutzen ich daraus ziehen sollte. Manch­mal ist es erleichternd, Ballast abzu­werfen. Man muss nicht alles finishen. Michael: Die Herausforderung ist, Dinge loszulassen. Gerade Dinge, die seit langem on hold sind. Das hat fast immer einen Grund. Logischerweise bleiben ­unterwegs Sachen auf der Strecke. Ist das Ziel unterwegs eigentlich auch eine Moti­vation?

„Das Ziel ist auch ein Ziel. Die nahende Erlösung, wenn alles vorbei ist.“ Christoph Strasser Was sind die Schwierigkeiten dabei? Christoph: Sich alles selbst einteilen zu müssen. Wann schlafe ich wo und wie lange? Wie stelle ich sicher, selbst um drei Uhr in der Früh, wenn alle Geschäfte geschlossen haben, genügend Kalorien zu bekommen? Mein ärgster Unterzucker war auf einer lächerlichen Drei-StundenAusfahrt zum Geburtstagsessen bei der Schwiegermama. Zu wenig Schlaf, eine Feier am Tag davor, kaum gefrühstückt und nur drei Stunden Zeit für 100 Kilometer: Ich hatte Schüttelfrost und fühlte 58

Motivation an der Wand – für Momente, in ­denen es besonders „zach“ ist: ein Ausschnitt aus Christophs Trophäenwand. THE RED BULLETIN


„Du brauchst einen unglaublich fitten Körper, um von ­mentaler Stärke zu pro­fitieren.“ Michael Strasser Michael: Ständig. Christoph: Das Ziel ist auch ein Ziel. Die nahende Erlösung. Wenn der ganze Schas vorbei ist. Wie fühlt es sich an, das Ziel erreicht zu haben? Christoph: Oft gar nicht so schön. Vieles von dem, was du dir unterwegs wünschst, verschwindet dann: Ganz viel schlafen. Ganz viel essen. Nie wieder

Michael, der Multisportler. Ein Laufband wäre bei Christoph undenkbar. In Michaels Trainings­ repertoire hat es hingegen genauso Platz wie Tourenski, Theraband oder Schwimmbrille.

Rad fahren. Der Realitätscheck: So müde bin ich ja gar nicht. Eigentlich will ich gar nichts mehr essen. Ein Bier hatte ich auch schon. Nach einer Woche falle ich oft in eine leichte innere Leere. Und dann? Christoph: Ich musste lernen, das Gefühl zuzulassen. Nach meinem ersten RAAM-Sieg habe ich mich gefragt, warum ich nicht happy war. Ich war ja eh irgendwie happy, aber halt nicht auf diese himmelhohe Art, einen Lebenstraum erfüllt zu haben. Diese innere, leicht melancholische Ruhe ist ja auch etwas Schönes. Michael: Diese Phasen kenne ich gut. „Wenn ich das schaffe, werde ich glücklich sein“: War halt nicht so. Nach ­Ice2Ice (Amerika von Alaska nach Patagonien; Anm.) fühlte ich mich körperlich bald wieder in der Lage, erneut aufs Rad zu steigen. Seelisch habe ich das Projekt bis heute nicht ganz verdaut. Daher habe ich begonnen, die Größe meiner Projekte infrage zu stellen. Mich nicht mehr ausschließlich über „Größer!“ und „Weiter!“ zu definieren. Christoph: Warum ich mit dem Sport begonnen habe: Ich wollte mit dem ­Fahrrad den Jakobsweg fahren. Die Rennen sind mir dazwischengekommen. Bisweilen stehen sie mir auch im Weg. Den Jakobsweg bin ich bis heute nicht gefahren. Bei extremen Events wie euren: ­Welchen Anteil hat mentale Stärke? Michael: Man muss zuerst einmal auf einen unglaublich fitten Körper zurück-

THE RED BULLETIN

greifen können, um von mentaler Stärke profitieren zu können. Christoph: Wenn in einem Glas 0,5 Liter Platz haben kannst du mit mentaler Stärke nicht 0,7 Liter rausquetschen. Aber sie stellt sicher, dass du es völlig leeren kannst und nicht nur zur Hälfte. Körperliche Stärke definiert die Größe deines Gefäßes, mentale die Fähigkeit, es ganz auszuschöpfen. Die geistige Erholung nach einem ­großen Projekt geht wirklich lang­ samer als die körperliche? Christoph: Genau. Ein paar Tage nach dem RAAM kann ich bereits wieder mit dem Rad auf ein Eis fahren, und es macht trotz aller Schmerzen Spaß. ­Ernsthaft trainieren kann ich wieder nach etwa einem Monat. Ab diesem Moment beginnt der Prozess – das, was passiert ist, auch geistig zu verarbeiten. Radfahren hilft dabei sehr. Das sind eigentlich die schönsten Ausfahrten überhaupt. Wie war eure erste gemeinsame ­Ausfahrt? Michael: Sehr entspannt. Wenn ich in Wien trainiere, will jeder Zweite, so kommt’s mir vor, ein Rennen gegen mich fahren. Mit dem Christoph auf Gran C ­ anaria war das völlig easy. Christoph: Wir haben über alles an­ dere geredet, nur nicht übers Radfahren. Welchen Puls der andere im Moment hat oder wie viel Watt er tritt … Michael: … interessieren doch nur Amateure. (Beide lachen.) 59


Bike-Special Bike-Kultur

Mein Radl, meine Liebe Was Biker mit ihren geliebten Rädern verbindet? Pure Emotion. Warum Designer THOMAS KIRCHGRABNER in 20 Jahren bereits das 15. Rad fährt und Schauspielerin MIRIAM HIE schon mal vor lauter Glück die Lenkstange abbusselt. Text NINA KALTENBÖCK Fotos PHILIPP HORAK & STEFAN JOHAM

MIRIAM HIE The red bulletin: Was bedeuten dir deine Fahrräder? Miriam Hie: Ich hab ein extrem emotionales Verhältnis zu meinen drei Rennrädern aus den Achtzigern und meinem Citybike. Wenn ich ein Rad über Nacht irgendwo stehen lasse und es dann am nächsten Tag hole, komm ich mir vor wie eine ­Rabenmutter, die ihr Kind nicht vom Kindergarten abgeholt hat. Dann kriegt’s auch hin und wieder ein Bussi auf den Fahrradlenker. So irre ist es wirklich! Lass mich raten: Deine Räder ­haben Namen. Eh klar. Das Carrera-Rennrad ist der „Weiße Blitz“, das italienische Battaglin heißt „Polarfuchs“. Ich hab den Rahmen im Internet gekauft, und der Rest wurde dazugebaut. Die Werkstatt Citybiker hat mir dann ein Schleich-Tier als Maskottchen in den Rahmen gebohrt. Die haben meine verspielte Ader richtig erkannt. 60

Miriam Hie hat ihrem Battaglin den Namen „Polarfuchs“ gegeben. Das schicke Teil stammt aus den achtziger Jahren.

Was ist praktisch an deinem Rad? Weil ich auch mal mit High Heels fahr, habe ich mir extra Pedale für mein Battaglin zugelegt, die eine aufgeraute Trittfläche haben. Von denen rutsch ich mit Absätzen nicht gleich runter, und sie ruinieren auch die Sohle meiner Schuhe nicht.

in ­Wolkersdorf. Es ist herausfordernd, aber auch wirklich gut für die Seele. Da entdeckst du Wiesen oder Felder, die du im Auto nie sehen würdest.

Hast du Rezepte gegen typische Radfahr-Wehwehchen? Ich trage gut gepolsterte Hosen – und Chamois-Creme, also die „PoSalbe“, von Bend36 hilft auch. Die kauf ich in der „Veletage“, einem Bikeshop in Wien. Sonst nehm ich noch Magnesium.

Was hat das Radeln aus dir ­gemacht? Es hat mir geholfen, depressive Verstimmungen leichter wegzubringen. Radeln bringt ein ganz feines Glücksgefühl. Ich mag den Wind, die körperliche Dynamik und die Challenge, bergauf zu fahren. Und ich liebe es, zu schalten! Auf langen Geraden geh ich auch gerne Texte für Rollen durch. Das Radfahren hat mich einfach viel glücklicher gemacht!

Wo kann man diesen Sommer mit dem Bike was erleben? Was ich empfehlen kann, ist die „In Velo Veritas“ Mitte Juni im Weinviertel. Heuer startet diese Rundfahrt auf klassischen Rennrädern

Die Schauspielerin („Vienna Blood“, „SOKO Linz“, „Euer Ehren“), Kabarettistin („Who is Hie?“ – etwa am 26. Mai in der Kulisse Wien) und Modera­torin (Radio Superfly) liebt Retro-Rennräder. Damit schafft sie am Tag schon mal 100 Kilometer – wenn’s sein muss, auch in High Heels. THE RED BULLETIN


THOMAS KIRCHGRABNER The red bulletin: Wer ist denn der fesche Beifahrer mit der Sturmfrisur? Thomas Kirchgrabner: Das ist „Jonny the Pony“, ein 15 Jahre ­alter chinesischer Schopfhund – ein Geriatrie-Fall und nonstop im Leckerli-Modus. Eigentlich heißt er ja Laureloa’s Johannes Joop. Seine Mum ist Magic Carpet Coco Chanel und der Vater Laureloa’s Harry ­Potter. Der Fahrtwind macht ihn grundentspannt. Er war immer mein ­Begleiter, ob im Rucksack oder ­nebenher. Inzwischen ist er ein umgerechnet 99 Jahre alter, blinder Herr, der nur mehr im Rucksack hängt – was bei Passanten schon oft für ein Lächeln gesorgt hat. Wegen Jonny sind wir richtig oft „heimlich“ fotografiert worden.

Wen betrachtest du als den ­größten natürlichen Feind? Ich fahre sehr umsichtig, weil ich die Auto- und die Fußgängerseite kenne. Und: Fuß­gänger sind schlimmer als Autofahrer. Weil alle am Smartphone kleben, schaut keiner auf den nächsten Schritt. „Gschissener!“ hab ich von Passanten schon oft gehört, wegen des Schreck­ moments, wenn man mit dem Rad plötzlich auftaucht. Generell hilft es, die Fehler der anderen einzuplanen.

Wie wappnest du dich gegen Diebe? Ich lebe seit 2002 in Wien und fahre schon das 15. Rad. Alle 14 davor sind g’fladert worden. Mir wurden auch schon Sättel gestohlen oder ein Vorderrad. Mein HipLok (ein Fahrradschloss, das man sich um die Hüfte schnallen kann; Anm.) ist der Grund, dass ich überhaupt noch ein Rad hab – und ein schiaches zur Reserve. Aktuell häng ich mir meine Räder in den Garten (lacht).

Was regt dich als Fahrradfahrer besonders auf? Unachtsamkeit. Man könnte so einen schönen Flow haben, wenn sich alle an die Regeln halten würden. Leider werde ich öfter mal geschnitten oder halb umgefahren.

Der Modedesigner leitet seit 2013 das Atelier von Lena Hoschek in Wien und ist zuständig für Hochzeits- und Couture-Kleider. Seine Kreationen tragen, neben anderen, Nicole Kidman, Lindsey Vonn, Sarah Jessica Parker, Dita Von ­Teese, Conchita Wurst und Mila Kunis. Zur Arbeit und sonst überallhin radelt er – meistens in Begleitung.

Was ist das Beste am Biken? Es macht nach der Arbeit den Kopf frei, und man muss in der warmen Jahreszeit nicht in den Öffis ab­ hängen. Wenn ich in den Winter­ monaten nicht fahren kann, weil mir Jonny sonst ­abfriert, bin ich richtig unglücklich.

„Der Fahrtwind macht Jonny, meinen Chinesischen Schopfhund, grundentspannt.“ Thomas Kirchgrabner

Thomas Kirchgrabner und sein blinder Passagier „Jonny the Pony“, umgerechnet stolze 99 Menschenjahre alt


Bike-Special Mountainbiken

ADRIAN GUGGEMOS, 28

Der Motocross- und Mountainbike-Athlet aus Schorndorf bei Stuttgart be­geis­tert auf Instagram knapp 150.000 Fans mit seinen Kunststücken auf zwei Rädern. Neugierig? Dann folge Adrian auf Instagram: @ag141

1.

Die Grundposition

Die Grundposition ist die Ausgangsstellung für die folgenden Tricks und wenn man über einen Trail rollt. Dabei sind die beiden Pedale auf gleicher Höhe, damit die Hüfte gerade ist. Den Oberkörper nach vorne beugen, bis sich der Kopf über dem Lenker befindet. Die Knie nicht ganz durchstrecken, sodass man einen angenehmen Stand hat. Den Lenker greift man mit beiden Händen von oben. Dabei die Ellbogen nach außen drehen. Die Zeige­finger sind immer an den Handbremsen und die Augen vor das V ­ orderrad gerichtet.

Crashkurs im Mountainbiken MTB-Ass ADRIAN GUGGEMOS erklärt die fünf wichtigsten Skills, die jeder Anfänger beherrschen sollte. Text MAXIMILIAN REICH

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THE RED BULLETIN


„Die wichtigste Regel beim Mountainbiken lautet: Üben, üben und noch mal üben.“

3.

Auf der Stelle stehen

Geht am leichtesten auf ebe­ nem Untergrund. Dazu in der Grundposition den Lenker einschla­ gen, damit das Vorderrad quer steht. Das macht das Balancieren einfacher. Die Vorderbremse anziehen und nun ein bisschen mit den Pedalen spielen, damit sich die Spannung im Fahrrad aufbaut. Es hilft, wenn man mit den Augen einen Punkt in der Ferne fixiert. Übung braucht man trotzdem.

ANNIKA BERGFELDER @ANNIKARIDES

TOM MACKINGER

2.

4.

Steilkurven fahren

In einer Steilkurve ist der Untergrund schräg. Deshalb hält man auch das Bike schräg – und damit auch den Oberkörper. Denn der Körper ist immer die vertikale Verlängerung des Bikes. Das Gewicht bleibt dabei zentral über dem Rad. Schultern und Hüfte werden in Fahrt­ richtung eingedreht. So weit klar? Gut, also weiter: Die Kurve außen anfahren, niemals innen. Wobei ­„anfahren“ vielleicht das falsche Wort ist. Denn man tritt in der Kurve nicht, sondern rollt. Und bitte nicht ruck­ artig bremsen, s­ ondern die Bremse konstant anziehen und schleifen lassen.

Stiegenfahren

Je höher das Tempo, desto flüssiger kommt man die ­Stufen runter. Anfänger üben das Manöver aber bitte erst mal langsam: Mit dem Körper ein Stück runter­ gehen, und wenn das Vorderrad über die Kante rollt, nach hinten lehnen, um zentral zu bleiben. Statt ruckartig zu bremsen, lieber konstant schleifen lassen. Sonst hebt es das Hinterrad hoch, und man fliegt über den Lenker – suboptimal. Vor der letzten Stufe löst man die Bremse und richtet den Oberkörper auf, um den Einschlag beim Auftreffen auf den Boden abzufedern.

THE RED BULLETIN

5.

Drop

Bei einem Drop hüpft man von etwas runter, zum Beispiel von einer Gehsteigkante oder Mauer. Dazu nimmt man wieder die Grund­ position ein, senkt den Oberkörper ein Stück und rollt auf die Kante zu. An der Kante den Lenker hoch­ ziehen und die Pedale mit den Fersen ge­fühlt unter sich durchdrücken. So halten, bis auch das Hinterrad über die Kante gerollt ist. Deshalb: lieber nicht zu langsam, sonst muss man das Vorderrad ewig hochhalten. Bei einer Landung auf einer flachen Stelle sollten beide Räder gleichzeitig aufkommen, in einem Gefälle zuerst das Hinterrad. 63


Bike-Special Bikes & Equipment

OH, YOU PRETTY THINGS!

Keine neue Bike-Saison ohne InnovationsFeuerwerk: Hier kommt unsere kleine, feine Auswahl an 2022er-Teilen für maximalen Spaß auf zwei Rädern. Text WERNER JESSNER

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Nächste Evolutionsstufe SPECIALIZED KENEVO SL Die Lösung für alle, denen normale E-Bikes zu träge und schwer sind: Das Kenevo SL wiegt um 5,5 Kilo (!) weniger als sein normaler Bruder. Trotzdem kriegt Specialized bei diesem Wert 320 Wh Akku-Kapa­ zität und einen supernatürlich ansprechenden E-Motor mit 240 Watt unter das Carbon-Kleid. Das fahr­ dynamische Highlight: der Hinterbau mit sechs Drehpunkten, wie ihn Downhill-Champ Loïc B ­ runi im UCI World Cup fährt. 15.000 Euro; specialized.com

Direkter ­Fahrspaß: Kenevo SL bedeutet das Ende übergewichtiger E-Bikes. THE RED BULLETIN

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Bike-Special Bikes & Equipment

Mobiler Lift-Ersatz KTM MACINA PROWLER EXONIC Ein Bikepark-Gerät, das auch Uphill kann: Mit 180 (vorn) bzw. 170 Millimeter Federweg steckt ­dieses Bike alles weg – und das dank hoch­wertiger Fox-FactoryFederele­­mente besonders geschmeidig. Auch das „Mullet“ genannte Layout mit 29-ZollVorderrad und 27,5 Zoll hinten weist bergab den Weg. Für BergaufPower sorgt der Bosch-­Antrieb mit 750‑Wh-Akku, der leicht abzunehmen und dessen Ladezustand ­jederzeit am Display ablesbar ist. 10.390 Euro; ktm-bikes.at

Nennt sich „Mullet“ (Vokuhila): größeres Vorder- als Hinterrad

Raus in die Berge TATONKA BIKE BACKPACK MTB 14

Feiner Schein LUPINE ALPHA Wenn Trial-Legende Tom Öhler wieder einmal etwas länger an ­seinen Stunts feilt, ist er auf dem Heimweg froh über seine Lupine ­Alpha, die den Trail selbst in der Nacht ­taghell ausleuchtet. Sechs Linsen – drei ­verschiedene Typen – ­ergeben eine m ­ aximale Helligkeit von 570 Lux. Das ist das 57-Fache (!) der vom deutschen Gesetzgeber für Radlichter vorgeschriebenen Leistung. Und dank Schnellverschluss ist die Lupine ­untertags blitzschnell demontiert. 1090 Euro; lupine.de

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Ein guter Bike-Rucksack ist eine ­Investition für viele Jahre. Gute Chancen auf eine lange Bindung hat man mit dem 14 Liter fassenden Bike Backpack MTB des EdelHerstellers Tatonka. Das Volumen reicht sowohl für die Tages- wie auch die Wochenend-Tour. Und doch sind es die vielen Features, die bestechen: Vom ergonomischen Tragesystem bis zu Helmhalterung und Regenhülle packt der hübsche Kerl alles. 125 Euro; tatonka.com

14 Liter Volumen: guter Kompromiss aus Platz und Bewegungsfreiheit THE RED BULLETIN


Nie im Stich ABUS AIRDROP MIPS Der erste Fullface-Helm von ABUS hat das MIPS-System als Basis, wie es auch in vielen High-End-Helmen verwendet wird. Zusätzlich hat die Visierbefestigung des AirDrop ­Sollbruchstellen, um Verletzungen vorzubeugen. Gleiches gilt für die Kanten des Kinnbügels, die das Schlüsselbein schützen. Und schließlich lässt er sich mit QUIN kombi­ nieren, einem Sensor, der Stürze erkennt und bei schweren Detonationen selbständig hinterlegte Notfallkontakte ­alarmiert. Ab ca. 240 Euro; abus.com

Kluger Kopf: ruft bei Bedarf selbständig um Hilfe

Klüger pendeln

Gegen die Rampensau

STROMER ST3 PINION

GIANT REVOLT E+

Das Stromer ST3 vertraut auf ein gekapseltes 9-Gang-Getriebe mit Carbon-Zahnriemen. Vorteil: Wartungsfreiheit und eine Übersetzung von sagenhaften 568 Prozent, die sogar im Stand geschaltet werden kann. Dank des riesigen 983-Wh-Akkus sind pro Ladung 180 Kilometer drin. Der 820 Watt starke Motor im Hinterrad schiebt dabei – wo erlaubt – bis 45 km/h an. GPSTracking sorgt dafür, dass das feine Teil nicht unerwünscht verschwindet. Ab 8258 Euro; stromerbike.com

Die E-Revolution am Fahrrad macht auch vor dem klassischen Rennrad nicht halt. Im aerodynamisch optimierten U ­ nterrohr des Revolt E+ steckt ein 500-Wh-Akku, der seine Leistung an einen Shimano-Motor weiterleitet. So kommt der Fahrer des 17,8 Kilo schweren Rennrads mit Alurahmen unter Idealbedingungen bis zu 160 Kilometer weit. Jedoch noch ­ent­scheidender: Steile Rampen verlieren e­ ndgültig ihren Schrecken. 5199 Euro; giant-bicycles.com

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Bike-Special Bikes & Equipment

Am Bike liegt’s nicht

Jedermanns Kumpel

GHOST NIRVANA 4X

ROSE BONERO

Tomáš Slavík hat im Fourcross alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, von WM bis Crankworx. 2022 ist bereits seine zehnte (!) Saison für das deutsche Ghost-Team. Für alle, die zwischen Dirtjumps und Pumptracks auf den Spuren des Champs rollen wollen, gibt es das Nirvana 4X: ­direkter, wendiger Alurahmen, Singlespeed, Scheiben­ bremsen und eine X-Fusion Slant 34 RC Federgabel für mehr Sicherheit bei harten Landungen. 1399 Euro; ghost-bikes.com

Ob groß (XXL mit 29-Zoll-Rädern) oder Kind (XS mit 27,5 Zoll), ob erstes Mountainbike oder eins zum Wieder-Aufsteigen, ob Trainingsgerät oder Genuss-Tourer: Das brandneue Bonero des deutschen Herstellers spricht ganz bewusst eine sehr breite Zielgruppe an. Für den Alurahmen mit sinnvollen ­Details wie Montage-Möglichkeiten für Gepäckträger sind drei Ausstattungslinien mit je 12 Gängen und 14-Zentimeter-Feder­weg-Gabeln im Programm. Ab ca. 1499 Euro; rosebikes.de

Olympischer Superheld SCOTT SPARK RC Das Spark ist mit zwei Olympia­ siegen und mehreren WM-Titeln das erfolgreichste Race-Fully der Welt. Weil das Bessere der Feind des ­Arrivierten ist, kommt die aktuelle Generation mit 120 Millimeter Feder­ weg und flacherem Lenkwinkel für noch mehr Performance bergab. Perfekt gelöst: der integrierte, vor Dreck geschützte Dämpfer und die innenverlegten Züge plus Kabel. 9999 Euro; scott-sports.com

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Siegerkonzept: gleich schnell rauf, schneller runter


Early Adopter HAIBIKE ALLMTN SE

Haibike AllMtn SE: Klassiker in Bestausstattung

Der deutsche Hersteller Haibike war einer der Ersten, die den Trend zum E-MTB erkannten. Dementsprechend ausgereift präsentiert sich das AllMtn SE aus Carbon in seiner aktuellen Version. Der Motor kommt von Yamaha, der Akku fasst 600 Wh. Bei der Ausstattung geht dem Connaisseur das Herz auf: Hier wird die beste Schaltung am Markt (SRAM XX1 Eagle) mit den besten Bremsen (Shimano XTR) und Öhlins-Feder­ elementen kombiniert. 10.000 Euro; haibike.de

Nachhaltig anschmiegsam MONS ROYALE MOMENTUM 2.0 Die neuseeländische Marke hat sich ganz der Nachhaltigkeit verschrieben und setzt dabei auf die Wolle von Merinoschafen: temperaturregelnd, weich und antibakteriell. Selbst bei speziellen Funktions-Produkten wie der robusten Momentum 2.0 Short kommt innen Merinowolle zum Einsatz. Klug gesetzte Nähte, verstellbarer Bund und durchdachte Taschen machen sie sowohl in der Männer- als auch Frauen-Version zum langjährigen Bike-Partner. 140 Euro; monsroyale.com

Im Namen des Cousins ZANIER GABRIEL WIBMER SIGNATURE GLOVE

Logisch: Nachhaltigkeit heißt auch Langlebigkeit.

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Fabio und Gabriel Wibmer drücken der MountainbikeWelt ihren Stempel auf (und fast wie nebenbei auch der Motorrad-Welt). Der jüngere Wibmer hat es dabei zu seinen ­eigenen personalisierten Handschuhen von Spezialist ­Zanier geschafft: innen aus Silikon-Druck, außen weich, an den Fingerspitzen Touchscreen-sensitiv. Plus natürlich seine eigene Farbe und Signaturen innen wie außen: Style satt, diese Wibmers! 39,99 Euro; zanier.com

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CUPRA FEIERT

444-MAL

Zum vierten Geburtstag schenkt CUPRA sich und allen Fans von sportlicher Performance ein Sondermodell: den streng limitierten CUPRA Formentor Alpha.

Erster einer neuen Zeit – der CUPRA Formentor Der CUPRA Formentor ist das erste Fahrzeug, das CUPRA von Grund auf entworfen und entwickelt hat – er vereint die Vorzüge eines kompakten SUVs mit der sportlichen Form eines Coupés und verkörpert so ge­ konnt die Vision von zeitgemäßer Performance. Um sei­ ne Sportlichkeit zu betonen, liegt der CUPRA Formentor tiefer, wobei der visuelle Schwerpunkt auf dem Heck­ spoiler liegt. Gleichzeitig werden die dynamischen ­Proportionen des Fahrzeugs durch seine gestreckte Motorhaube ausdrucksvoll zur Geltung gebracht. Mit insgesamt zehn kraftvollen und effizienten Antriebs­ varianten, darunter zwei leistungsstarke e-HYBRID-Ver­ sionen, seinen umfassenden Konnektivitätsfunktionen

und modernen Sicherheits- und Komfortsystemen ist das sportliche Crossover-SUV auf dem aktuellsten tech­ nischen Stand. Die Höchstwertung von fünf Sternen im Euro-NCAP-Crashtest belegt zudem eindrucksvoll, dass der CUPRA Formentor auch zu einem der sichersten Fahrzeuge in seinem Segment zählt. CUPRA feiert mit streng limitiertem Sondermodell Nun wurde der „Erstgeborene“ von CUPRA zum vierten Geburtstag der spanischen Performance-Marke mit ­erweiterter Serienausstattung nochmals aufgewertet. Das auf 444 Stück limitierte Sondermodell CUPRA ­Formentor Alpha ist nur in Österreich erhältlich und ausschließlich online reservierbar.


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Der CUPRA Formentor Alpha basiert auf dem Modell 1.5 TSI ACT mit 150 PS und 6-Gang-Schaltgetriebe und beschleunigt in 8,9 Sekunden von null auf 100 km/h. In die an sich schon gewaltige Serien­ ausstattung mit schlüssellosem Schließ- und Startsystem, Voll-LED-Scheinwerfern oder Spurhalte­ assistent wird einiges an Mehrausstattung integriert. Dazu gehören unter anderem das Veloz-Paket mit 19-Zoll-Leichtmetallrädern und Navigationssystem, beheizbare Sitze vorne oder auch das Assistenz-­ Paket L sowie Ambientebeleuchtung Plus. Erhältlich ist das neue SUV-Coupé in sieben speziell aus­ gewählten Lackierungen.

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GUIDE Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen

REIF FÜR DIE INSEL

MATT STERNE

MATT STERNE

Mit dem Seekajak auf der ostafrikanischen Insel Sansibar


GUIDE Reisen

Matt Sternes Blick aus dem Zelt

„Wir paddeln drei Inseln an. Eine kurze Zeit gibt es nur uns, die See und den Himmel.“ Reiseautor Matt Sterne, unterwegs südlich von Sansibar, Tansania

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zu Boot zu. Wir befinden uns auf einer ie Stille der Daus kann ganz dreitägigen Kajaktour von Insel zu Insel. schön gefährlich sein. Diese Nachts kampieren wir in freier Wildbahn. arabischen Segelboote sind Die Idee zu diesem Ausflug stammt schnell, elegant und lautlos. von Nick Haan, einem Kalifornier, der Es kann passieren, dass sie die letzten dreißig Jahre in Ostafrika versich von hinten an dich ranschleichen – bracht hat. Er spricht fließend Suaheli besonders wenn dein Kajak eher klein ist und spielt ganz gut Gitarre – und du dir vor der Südspitze besonders nach dem Genuss von Sansibar das Herz aus einiger Gläser Whisky am der Seele paddelst, um von Lagerfeuer. Jetzt ist er mein einer Insel zur nächsten zu Reisegefährte, der einen gelangen. Mein Kajak-Guide perfekten Startpunkt für die Nick und ich haben die Mor­ Kajaktour auswählte. Seine gen­sonne im Rücken, warmes Wunschliste war lang: Der Ort Wasser auf dem Schoß, den musste abseits der typischen Geschmack von SonnenTouristendestinationen liegen creme auf den Lippen und – also nicht bei Sansibar ein Ziel, das nur als winziger Stone Town auf der Haupt­ Streifen am Horizont schiminsel Unguja oder nahe dem mert. Um nicht schlappzu­ machen, schreien wir einanMatt Sterne knüpfte eine Kitesurfing-Hotspot Paje –, der Ermutigendes von Boot neue Verbindung zur Natur. der Sonnenuntergang musste

Walzenseesterne schmücken Niamembe Island.

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MATT STERNE

„Diese Tour schult den Charakter.“

Daraus könnte Oktopus in Kokossauce werden. THE RED BULLETIN


Begegnung mit ­einer Dau, einem arabischen Segelboot, auf dem Weg nach Uzi Island

gut sichtbar und ein Aussichtspunkt auf einen kleinen Strand vorhanden sein. Nick wurde nach zehn Jahren fündig: The Hideout bietet Zeltplätze für bis zu zehn Personen, einen überdachten Essbereich und einen kleinen Privatstrand.

Unverhofft kommt oft

Eines der fünf Zwei-Personen-Zelte im Hideout, von wo aus die Kajak-Tour startete THE RED BULLETIN

„Wind und Wellen sind relativ ruhig, und die Geografie ist vielfältig – mit zahlreichen kleinen Inseln, Mangroven, Korallenriffen und Sandbänken“, erklärt Nick. „Für den Kajakfahrer ist das die ultimative Spielwiese.“ Es ist auch Sansibars größtes Meeresschutzgebiet – Hotelriesen, Souvenirgeschäfte und Cocktailbars sucht man hier vergeblich. „In der Bucht gibt es zehn Inseln, drei davon fahren wir an“, klärt Nick mich vor unserer Tour auf. „Wir müssen den Wind berücksichtigen und uns nach den Gezeiten richten, die gerade ziemlich extrem sind.“ Das 75


GUIDE Reisen

SANSIBAR Sansibar Paje Unguja Kuu Niamembe Island Pungume Island

Uzi Island

Afrika

Unguja Ukuu ist eine Siedlung auf der Insel.

konnten wir schon beobachten: Das Was­ ser zog sich nach einer Flutphase rasch zu­rück – wie wenn ein Zauberkünstler ein Tischtuch rasch abzieht – und war ­danach nur in weiter Ferne zu erahnen.

Paddel-Workout in purer Natur Am Tag eins geht es Richtung Niamembe Island. In den ersten zwei Paddelstunden lerne ich, wie man das Kajak gerade hält. Ein kurzes Mittagessen am Strand, dann paddeln wir weitere zwei Stunden, bis wir die kleine, dicht bewaldete Insel Pun­ gume erreichen. Wir kampieren auf einer winzigen Lichtung, das Plätschern der Gezeiten liefert die Hintergrundmusik. Am nächsten Vormittag ist der Wellen­ gang heftiger, und aus der geplanten Kajak-Zeit von drei Stunden werden fünf. Immer wieder schnellt eine Dau an uns vorbei. Seit Tausenden von Jahren sind diese Boote im Indischen Ozean unter­ wegs. Touristen mit Schwimmwesten in roten Kajaks, die wie manisch zwischen den Inseln hindurchpaddeln, stellen 76

Die Tour südlich von Sansibar Der Weg zum Meer Zu der All-inclusive-Tour werden die Reisenden in Stone Town abgeholt. Für Essen und Trinken ist gesorgt. Auf der beschriebenen Tour paddelte Matt Sterne am ersten Tag 13, am zweiten 16 und am dritten 9 Kilometer, im Durchschnitt verbrachte er jeden Tag vier Stunden im Kajak. Die Tour gilt als anstrengend, Erfahrung ist aber nicht erforderlich. Mehr Infos und Ausflugsbuchung auf kayakzanzibar.com

einen neuen Anblick für sie dar. Wir kämpfen uns weiter voran, die Augen geblendet, die Schultern angespannt wie Krabbenzangen. Eine kurze Zeit gibt es nur uns, die See und den Himmel. Und bei aller Anstrengung birgt diese Erfah­ rung auch etwas ungemein Friedliches. Als wir endlich in Uzi Island ankommen, wanken wir von unseren Kajaks wie betrunkene Matrosen. Abends süffeln wir Rum aus Kokosnüssen und machen ein Lagerfeuer am Strand. Erst am Morgen unseres letzten Paddeltages kommen wir an wogenden Palmen und von Höhlen durchsetzten Felsformationen vorbei. Wir fahren durch einen unberührten Mangrovenwald und kommen auf der anderen Seite im Hide­ out wieder heraus. Mit dem Blick auf den Sonnenuntergang lasse ich den Aus­ flug Revue passieren: Als luxuriös kann man die Tour nicht bezeichnen, aber die sternenklaren Nächte und der Aben­ teuercharakter haben das wettgemacht. Nick sagt: „Ich will, dass sich die Leute entspannen. Sie haben aber auch die Gelegenheit, sich persönlich weiterzu­ entwickeln. Beim Kajakfahren knüpft man eine besondere Verbindung mit der Natur. Die möchte ich teilen, denn letzt­ lich ist sie das, wonach wir alle suchen.“ Matt Sterne ist Reisejournalist und -fotograf und lebt in Kapstadt, Südafrika. Instagram: @sternejourneys THE RED BULLETIN

MATT STERNE, SIMON WATSON

The Hideout Eine tausend Jahre alte Siedlung Im Süden von Sansibars größter Insel Unguja gelegen, diente Unguja Ukuu vom 6. bis zum 10. Jahrhundert als Handelsposten, lange bevor arabische Händler Stone Town aufbauten, die heutige Altstadt von Sansibar-Stadt. Das Suaheli-Fischerdorf zeigt sich skeptisch gegenüber Fortschritt. Zwischen Kokosplantagen und Mangrovenfeuchtgebieten gibt es für die 4.000 Einwohner eine Schule, ein paar Moscheen und einen Fußballplatz.


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NACHHALTIG DURCHSTARTEN Im Rahmen des #glaubandich Accelerator sucht und fördert die Startrampe, der Start-up-Hub der Sparkasse Oberösterreich, nachhaltige Start-ups und sozialen Unternehmergeist. Juryvorsitzende und Frauenreferentin des Landes Oberösterreich, LH-Stv. Christine Haberlander, und Startrampe-Leiter Johannes Pracher wollen mit dem Programm besonders Frauen ermutigen, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen.

ALLES, WAS DU ÜBER DAS PROGRAMM WISSEN MUSST Wer kann sich bewerben? • Frühphasige Gründer:innen und Gründerteams mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit und Social Entrepreneurship

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Was erwartet mich? • Mentorenprogramm • Ausbildungsmodule • Expertensessions • Co-Working-Spaces • Pitch-Events • Special: € 15.000,– Gründer:innen-Gehalt & € 10.000,– Startkapital Wie läuft die Bewerbungsphase? • Bewerbung bis 30. 6. 2022 • Auswahlprozess durch eine Experten-Jury • Programmlaufzeit: 1. 9. 2022 bis März 2023

Geschäftsideen gibt es viele. Den ersten Schritt zu machen, Ja zum eigenen Business zu s ­ agen, erfordert jedoch Mut. Die Startrampe begleitet und unterstützt Start-ups auf ihrem Weg in und durch die Selbständigkeit: mit ­modernsten Workshop- und ­Meetingrooms in der Tabakfabrik in Linz, mit persönlicher Beratung und einem umfassenden Angebot für Gründer:innen. Neues Start-up-Programm für grüne und soziale Ideen Mit dem neuen #glaubandich ­Accelerator möchte die Sparkasse Oberösterreich – als erste österreichische Bank – junge Ideen und die dahinterstehenden Menschen aus den Bereichen Nachhaltigkeit und Social Entrepreneurship begleiten und fördern. Vor allem Frauen ­sollen mit diesem Programm an­ gesprochen und ermutigt werden, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Bewerben können sich

Gründer:innen und Gründerteams aus ganz Österreich. Eine Ex­ perten-Jury mit den wichtigsten Stakeholdern der Start-up-Szene entscheidet schließlich über die Vergabe der limitierten Plätze.

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GUIDE Playlist IBEYI

„Unsere Inspiration ist Prince“ Die Zwillingsschwestern des Musikduos Ibeyi stellen vier Lieblingsnummern vor, die ihren einzigartigen Stil prägten.

ANGÁ DIAZ

ROSALÍA

MESHELL NDEGEOCELLO

KENDRICK LAMAR

REZOS (2006)

SAOKO (2022) Naomi: „Diesen Song hat Rosalía schon vor langer Zeit geschrieben, Anfang dieses Jahres wurde er ­endlich veröffentlicht. Ich bin der Meinung, dass sie zu den Besten gehört, sie ist absolut großartig. Wir haben ihre Karriere von Anfang an verfolgt und sind begeistert. Wie sie Flamenco mit Pop mischt, ist brillant. Dieses Lied hier ist ein Mix aus Reggaeton und Jazz – das ist richtig gut gemacht.“

PLEASE DON’T LET ME BE MISUNDERSTOOD (2012)

H.O.C (2010)

Lisa-Kaindé: „Das ist ein genialer Song von unserem Dad, in dem er die Namen aller verstorbenen ­Musiker aufzählt, die ihn im Leben begleitet haben. Für den Track „Los Muertos“ auf unserem neuen Album haben wir seine Stimme gesampelt – jetzt musiziert er mit uns quasi noch mal. Und wir nennen seinen Namen, die seiner Eltern und auch die Namen von Musikern wie Prince, die uns im Leben weitergebracht haben.“

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Lisa-Kaindé: „Diese Nummer liegt mir am Herzen, weil ich seit meiner Teenagerzeit Fan von Meshell bin und wahnsinnig viel durch ihre Musik gelernt habe. Obendrein habe ich den Song durch Nina Simone entdeckt, die ihn ursprünglich aufgenommen hat, und die ist überhaupt meine Göttin. Ninas Song, gesungen von Meshell – die perfekte Kombination aus meinen beiden Göttinnen.“

Naomi: „Ehrlich gesagt hätte ich jeden Rap von Kendrick Lamar auswählen können. Diese fantastische Nummer stammt von seinem vierten Solo-Mixtape „Overly Dedicated“. Ich bin ein großer Fan von ihm und halte ihn für absolut großartig. Er hat die Musik von Grund auf verändert. Ich knie nieder vor Ehrfurcht! Ob wir gern mit ihm arbeiten würden? Äh – ja bitte, danke. Ein Wort von ihm und wir sind dabei!“ THE RED BULLETIN

MARCEL ANDERS

QR-Code scannen und Ibeyis Playlist lauschen. facebook.com/Ibeyi

SULEIKA MULLER

Im Alter von zarten 19 Jahren veröffentlichten die französisch-afrokubanischen Zwillinge Naomi und Lisa-Kaindé Diaz – besser bekannt als Ibeyi – ihr gleichnamiges Debütalbum. Die Musikmagazine feierten den sparsamen Elektrosoundmix aus Yoruba-Gesängen (vorherrschend in Nigeria, Benin und Togo), kubanischem Jazz und Stimm­ akrobatik à la Björk. Die Hommage an den legendären Perkussionisten des Buena Vista Social Clubs und verstorbenen Vater der Schwestern, Angá Diaz, gewann schnell einen prominenten Fan: Beyoncé! Sie besetzte die Diaz-Schwestern in dem Kurzfilm zu ihrem Album „Lemonade“. Die heute 27-jährigen Zwillinge verstehen ihr ­drittes Album mit dem Titel „Spell 31“ als Plädoyer für Empathie und Verständnis. Während der Produktion hat die beiden die Natur inspiriert – und diese vier Scheiben.


DANKE

G N U Z T Ü T S R E T N U E R U E R Ü F 023 2 I A M . 7 0 I: E B A D STE MAL CH SEI AUCH DAS NÄ

RUN.COM D L R O W E IF L R O F S WING

100% DER STARTGELDER FLIESSEN IN DIE RÜCKENMARKSFORSCHUNG

carpe diem DA S M AGA ZI N FÜR E I N GUTES LE B E N


GUIDE Biohacking EFFEKTIVER ARBEITEN

Die Kappe zur Konzentration Profi-Biohacker Andreas Breitfeld verrät uns jeden Monat einen Trick, der dein Leben verbessert. Dieses Mal: wie du Aufgaben durch die passende Kopfbedeckung besser erledigst.

Die Kappe wirkt wie ein niedriger Raum: das Sichtfeld ist begrenzt, der Fokus liegt auf der Aufgabe am Bildschirm, in ­diesem Fall der Excel-Tabelle.

Raumhöhe

Wahrnehmung

Arbeitsart

hoch

freiheitsorientiert

kreativ

niedrig

eingegrenzt

detailliert

Kreativität braucht Luft nach oben

Leider ist das Warum in dem Fall noch nicht ganz geklärt, aber wir wissen aus der „Cathedral Study“ definitiv, dass sich die Deckenhöhe auf die Gehirnaktivität auswirkt. Wie der Name vermuten lässt, haben den Effekt vermutlich zunächst die Architekten der Gotteshäuser entdeckt. So wird bei einer niedrigen Decke detailliertes Arbeiten (oder ein inneres Gebet) 80

BIOHACKING umfasst, ver­einfacht gesagt, alles, was Menschen eigenverantwortlich tun können, um Gesundheit, Lebensqualität und Langlebigkeit zu verbessern.

DIE BIOHACKING-PRAXIS Der Performance-Lifestyle-Podast für alle, die mehr über Biohacking (und sich selbst) erfahren wollen. QR-Code scannen und reinhören. THE RED BULLETIN

SASCHA BIERL

ANDREAS BREITFELD, 49, ist Deutschlands bekanntester Bio­hacker. Er forscht in s­ einem speziellen Lab in München.

ANDREAS BREITFELD

Wieso mache ich das?

gefördert, während eine hohe Decke oder Arbeiten im Freien kreative Prozesse (bzw. Gedanken an Gott) befeuert. Grund für die Wirkung des Caps dürfte das eingeschränkte Sichtfeld sein, das im Gegenzug den Blick auf Details schärft – und bei Fokus auf Zahlen und Tabellen das sogenannte Mathe-Zentrum in der äußeren Hirnrinde aktiviert. Unbewusst scheint der Effekt schon länger im Büro angekommen zu sein. Wer erinnert sich nicht an die typische Comic-Darstellung von Buchhalter oder Kassier mit Ärmelschoner und Visor …

PRIVAT

A

rbeit am Computer ist zentraler Teil vieler Berufe, und auch ich ­verbringe einen Großteil meines Tages vor dem Rechner. Jedoch ist der Rechner nicht immer am selben Platz, sondern wird je nach Aufgabe umgestellt. Wenn das nicht geht, setze ich ab und zu eine Baseballkappe auf, gerade wenn es um Verwaltungskram geht.

Wer Gedanken schweifen lassen möchte, sollte ihnen Raum(-höhe) geben. Wer hingegen trockene Excel-Tabellen bearbeiten muss: Die gelingen besser bei tiefer Decke.


VERLEIHT FLÜÜÜGEL. AUCH MIT DEM GESCHMACK VON MARILLE-ERDBEERE.

NEU


GUIDE Innovation

IDEAS FOR A B E T TE R FU T U R E

sind. Herausgekommen ist das Sportleiberl QUS, mit dem sich Brustgurte, Puls­ uhren oder herkömmliche Lauf-Apps erübrigen. In dieses Shirt (Preis: 398 Euro) sind zwei Sensoren ­integriert, die alle relevanten Daten messen: auf der e ­ inen Seite GPS-Infos­wie gelaufene Kilometer, Höhen­meter oder Geschwindigkeit, auf der anderen Vital-Daten wie Herzfrequenz, Atemfrequenz oder Herzfrequenz­variabilität. „Bei uns wird nichts hochgerechnet, sondern tatsächlich am Körper gemessen. ­Untersuchungen zeigen, dass Pulsuhren bei abrupten Be­we­ gungen um bis zu 30 Schläge pro Minute falschliegen“,

Dein Leiberl misst dich fit Speed, Herzfrequenz, Atem – das Shirt QUS misst alle wichtigen Daten, die Sportler für optimales Training brauchen.

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A

m Anfang stand ein ­Zitat von Kevin Plank, dem Gründer des USSportartikelherstellers Under ­Armour: „Denkt mal darüber nach, dass ihr mehr über euer Auto als über euren­Körper wisst.“ Stimmt eigentlich, dach­te sich Hannes Steiner, 44, CEO des steirischen Textil­unternehmens sanSirro. Und überlegte sich, wie man so einfach, aber auch so präzise wie möglich alle Daten ­er­fassen könnte, die für sporttreibende Menschen nützlich

Das Smartphone zeigt, wie’s um die persönliche Power bestellt ist – alle ­bedeutsamen Parameter werden abgebildet.

THE RED BULLETIN

SANSIRRO, NICESHOPS, RED BULL RING, GIAN PAUL LOZZA

SPORT

WOLFGANG WIESER

… und los! Für alle, die im Training ­durchstarten wollen: Der Daten-Dress ­verhilft zu neuer Dynamik.


IN ALLER KÜRZE SCHNELLE LIEFERUNG Klimaneutrale Pakete und eine Rennstrecke mit Zukunft

Ein schöner Rücken kann nicht nur entzücken: Hier befindet sich der Chip, der die gemessenen Daten bündelt und versendet.

sagt Marko Stanković, Brand Ambassador und Head of ­Sales von sanSirro. Sämtliche erfassten Daten werden in einem Chip gespeichert, der am Leiberl befestigt ist und die Werte in Echtzeit an eine App sendet. So kann man schon während der Belastung abchecken, ob die Form passt oder ob nicht etwa ein Infekt dafür sorgt, dass die Puste schneller ausgeht als sonst. Stan­ković, ein ehemaliger ­Profi-Kicker, erklärt: „Herzund Atemfrequenz k ­ orrelieren miteinander. Weichen die Be­ ziehungs­daten von der Norm ab, sieht man das auf e ­ inen Blick.“ D ­ a­mit erspart man sich falsche Belastungen und ver­meidet Verletzungen. „QUS ist eine hochwertige Technologie, verpackt in einem Leiberl, das ganz normal waschbar ist“, sagt Stanković. Letzteres klingt banal, ist aber einer der springenden Punkte, an denen die Kon­kur­renz bis jetzt gescheitert ist. sansirro.com

THE RED BULLETIN

NICE SHOPS Digital und trotzdem grün shoppen? Das geht: Die Niceshops aus der Steiermark versenden klimaneutral. Die Pakete sind dank eines patentierten Systems wiederverwendbar. niceshops.com

GAMING

Wir spielen Leben! Johanna Pirker unterrichtet an der Technischen Universität Graz Spiele-Entwicklung. Sie ist überzeugt, dass uns Games zu besseren Menschen machen.

S

ie spielt Keyboard in der Grazer IndieBand Coinflip C ­ utie, lernt jedes Jahr eine neue Sportart (zuletzt Rennradfahren), mag London, die Bücher des Psychiaters Viktor Frankl und „Nothing Else Matters“ von Metallica. Und sie ist überzeugt, dass uns Gaming zu besseren Menschen macht. „Ich glaube“, sagt sie, „dass Spiele es schaffen, uns Empathie zu lehren“, also Verständnis für Mitmenschen. Drei Spiele können das schon jetzt, meint Johanna Pirker. „Gorogoa“ ist ein virtuelles Puzzle, das aus Tausen-

Johanna ­Pirker, 33, lehrt in Graz.

den von zauberhaften handgezeichneten Illustrationen besteht – ursprünglich sollte das Artwork als Graphic ­Novel erscheinen. In „Life is Strange“ kann man mit dem Protagonisten Max durch die Zeit reisen. Und „Path Out“ ist pure Realität: Die österreichische Produktion erzählt die wahre Geschichte des syrischen Flüchtlings Abdullah Kamar.

ERICH WOLF Er jobbte als Streckenposten und war Kunstflug-Europameister. Heute lenkt Erich Wolf den Red Bull Ring am Spielberg. Und der gilt längst als Zukunftslabor für die Autoindustrie. redbullring.com

Die aktuelle ­steirische Ausgabe des INNOVATOR. ­Infos und Abo unter: ­redbulletininnovator.com

Blick in eigene Welten: Johanna Pirker mit Virtual-­ Reality-Brille

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GUIDE Lesestoff

MYSTERY-THRILLER

Hasenjagd Sie wollen nur spielen: „Rabbits“-Autor Terry Miles macht aus einem Underground-Game einen Thriller mit Suchtpotenzial.

M

enschen, die sich kopfüber in den Treibsand von Verschwörungs­ theorien stürzen, ihre Um­ gebung fieberhaft nach ver­ borgenen Mustern abscannen und aus jedem Rülpser eine geheime Botschaft heraus­ hören, lassen sich grob be­ trachtet in zwei Kategorien einteilen: Aluhut oder Narren­ kappe. Sie sind entweder ein dringender Fall für den Psycho­doktor, oder sie sind

84

Alternate-Reality-Game(ARG-)Spieler – wobei das eine das andere nicht aus­ schließt. Denn der besondere Nervenkitzel von ARGs liegt paradoxerweise im sogenann­ ten „This Is Not A Game“Konzept. Offenbar macht die ­crossmediale Schnitzeljagd durch die Grauzonen zwi­ schen fiktiven Ereignissen und realen Erlebnissen erst dann richtig Spaß, wenn man sie ernst nimmt. Das Spiel wird so Teil deines Lebens.

Oder, wenn du Pech hast, wird dein Leben Teil des Spiels … In diesem Dorado für Para­ noia jeglicher Geschmacks­ richtung schürft auch der ­kanadische Filmemacher, Pro­ duzent und Autor Terry Miles, der bisher vor allem mit sei­ nen gefeierten Mystery-Pod­ cast-Serien für Follower und Furore sorgte. Eine davon heißt „Rabbits“, laut Miles „ein Name für ein namenloses Spiel, das angeblich existiert“. Unter demselben Titel ver­ THE RED BULLETIN

VINZ SCHWARZBAUER

Text JAKOB HÜBNER


„Rabbits“, Klappentext-Intro: „Es ist ein normaler Arbeitstag. Du siehst auf die Uhr: 4.44. Du checkst deine Mails, und 44 ungelesene Nachrichten ­warten auf dich. Schockiert realisierst du, dass heute der ­ 4. April ist – der 4. 4. Und als du in dein Auto steigst, um nach Hause zu fahren, zeigt der Kilometerzähler 44.444 km an. Zufall? Oder hast du gerade Rabbits für dich entdeckt?

öffentlichte Miles 2019 auch seinen ersten Roman – aller­ dings nicht als Zweitverwer­ tung des erfolgreichen Pod­ casts, sondern als eigen­ ständiges Spin-off aus dem gleichen, in Seattle angesie­ delten Mystery-Game-Setting – und auch dieser schlug in der Community asteroiden­ haft ein. Auf Deutsch erschien „Rabbits. Spiel um dein ­Leben“ im März 2022. An dieser Stelle eine kleine Warnung: Wer die eingangs erwähnten Symptome aus erster Hand kennt, sollte sich besser zweimal überlegen, dieses Buch aufzuschlagen. Denn Terry Miles arbeitet hier ohne reflexive Distanz oder ­lineare Strukturen und pflanzt den Leser direkt in das chro­ nisch überhitzte Gehirn seines Ich-Erzählers K – der natür­ lich ein obsessiver „Rabbits“Spieler ist. „Ich heiße K. Nur ein Buch­ stabe. Ich sage euch jetzt zweierlei. Erstens: K ist eine Abkürzung. Zweitens: Ihr wer­ det nicht erfahren, wofür.“ K ist ein hochintelligenter Nerd mit einer genialen Be­ gabung für Mustererkennung. Die treibt ihn zwar regelmäßig an den Rand des Wahnsinns, macht ihn andererseits aber zum nahezu perfekten „Rab­ bits“-Spieler. Denn bei „Rab­ bits“ dreht sich alles um das Aufspüren und Deuten von Diskrepanzen und Ko­inzi­den­ zen – also Abweichungen im Realitätsgefüge und kumu­ lierte Zufälle, die sich überall und jederzeit in der r­ ealen oder virtuellen Welt mani­ THE RED BULLETIN

festieren können. Überschau­ barer hingegen sind die Re­ geln. Es gibt nämlich nur eine: Die Spielenden dürfen nicht über „Rabbits“ sprechen. Wer ­gegen diese Regel verstößt, schwebt in Lebensgefahr. Dass es sich dabei keines­ wegs um einen morbiden Marketing-Gag handelt, däm­ mert K spätestens, als ihn nach einem konspirativen Treffen der legendäre „Rab­ bits“-Gewinner Scarpio davor warnt, dass „mit dem Spiel ­etwas nicht stimmt“ – und er am nächsten Tag spurlos ver­ schwindet. Was K und seine beiden Mitstreiter Chloe (Ks beste Freundin und ein bisschen mehr) und Baron (IT-­Genie und vorzugsweise stoned wie eine Felswand) freilich nicht davon abhält, nur noch tiefer in das geheim­ nisvolle Labyrinth des Spiels vorzudringen – ohne zu ah­ nen, dass gerade die gefähr­ lichste „Rabbits“-Runde aller Zeiten begonnen hat …

TERRY MILES „RABBITS. Spiel um dein Leben“ Deutsch von Kai Andersen (Penguin Verlag)

BUCHTIPPS

Kopfkino mit Promis Vier weltbekannte Filmstars, die auch als Buchautoren gute Figur machen.

TOM HANKS Als einer der erfolgreichsten Charakterdarsteller Hollywoods hat der zweifache ­Oscarpreisträger offensichtlich auch literarisch ein feines Gespür für „Schräge Typen“ entwickelt. Sein gleichnamiger Story-Sammelband aus dem Jahre 2019 ist ein nos­ talgischer Streifzug durch den American Dream, in dem auch die Ironie des Schicksals stets ein Wörtchen ­mitzureden hat. „Schräge Typen“ (Piper)

CARA DELEVINGNE Die 29-jährige Britin, die den heiklen Sprung vom Laufsteg auf die Leinwand mit be­ wundernswerter Bravour ­schaffte, gibt sich auch in ihrem D ­ ebütroman keine Blöße. Eine ebenso intensive wie rotzfreche Coming-of-AgeStory mit durchwegs überzeugenden Charakteren, die nicht zuletzt durch den gut dosierten Einsatz von Thriller-­Elementen über sich ­hinauswächst. Stark! „Mirror, Mirror“ (Fischer)

ETHAN HAWKE Spätestens mit seinem vierten Roman, in dem sich Wut, Sex, Alkohol, Sehnsucht und Verzweiflung zu einem dramatischen Männerbild der Gegenwart verdichten, stellt Ethan Hawke klar, dass er definitiv kein Neben­erwerbs­autor ist, sondern in der literarischen Profiliga spielt. Die Art, wie der Schauspielstar hier mit seinen eigenen Dämonen tanzt, ist schlicht großartig. „Hell strahlt die Dunkelheit“ (KiWi)

DAVID DUCHOVNY Bekannt ist er vor allem für seine Rollen als Fox Mulder („X-Files“) und Hank Moody („Californication“). Weniger bekannt ist, dass David ­Duchovny in Princeton und Yale Englische Literatur studierte, ein saucooler Hund ist und ziemlich abgefahrene ­Romane schreibt, von denen bisher zwei – „Heilige Kuh“ (2016) und „Ein Papagei in Brooklyn“ (2017) – auf Deutsch zu haben sind. „Heilige Kuh“ (Heyne)

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GUIDE Kalender

16

Juli SALZKAMMERGUT TROPHY

9 bis 12. Juni DAS NOVA ROCK – COMEBACK MIT VOLLER KRAFT

Die Salzkammergut ­Trophy, der härteste Mountainbike-Marathon Österreichs mit Start in Bad Goisern, findet zum 25. Mal statt. Deshalb ist eine etwas geänderte Streckenführung auf der Extremdistanz geplant. Details dazu: salzkammergut-trophy.at

27

Mai bis 3. Juni AUF ZUR ­VIENNA UP! Mit rund 25.000 Teilnehmer:innen aus über 60 Ländern ging 2021 das Start-up-Festival ViennaUP erstmals komplett digital über die Bühne. Dieses Jahr spannen sich 35 digitale und analoge Events von der Hofburg bis zu we­ Xelerate. Ein vernetztes ­Erlebnis für Start-ups, Investoren, Technikbegeisterte, Kreative und Visionäre. Alle Infos: viennaup.com 86

27 10 bis 12. Juni DAS WIRD EIN EPISCHES ERLEBNIS Der Mercedes-Benz UCI Mountain Bike Weltcup macht Station in Saalfelden Leogang! Beim Doppel-Weltcup in den Disziplinen Cross Country und Downhill kämpft die MTB-Elite im Epic Bikepark Leogang um wichtige Punkte im MTB-Weltcup. Alle Infos: mtb-weltcup.at und auf Red Bull TV unter redbull.com/UCI-live

bis 29. Mai DIE GAMINGSZENE FEIERT Die Prozessoren glühen, denn Red Bull pLANet one kommt als LANEvent zurück. Dabei erwarten euch in der Marx Halle in Wien neben dem Round-up auch eSportsTurniere mit Preisgeldern von insgesamt 10.000 Euro. Mehr Infos dazu auf redbull.com THE RED BULLETIN

MATTHIAS HESCHL/RED BULL CONTENT POOL, BARTEK WOLINSKI/RED BULL CONTENT POOL, ERWIN HAIDEN, JANNE MALJANEN/RED BULL CONTENT POOL

Das Nova Rock wird nach zweijähriger Pause endlich wieder auf die Pannonia Fields zurückkehren. Beim größten Rockfestival Österreichs im burgenländischen Nickelsdorf spielen auf der Red Bull Stage Acts wie Deez Nuts, Dog Eat Dog, Stick to Your Guns, Silverstein, Being as an Ocean, Lagwagon, Minisex und die Blood­ sucking Zombies from Outer Space. Also, ausgehungerte Musikfans, versammelt euch! Infos und Tickets: novarock.at


5

bis 12. Juni TENNIS MEETS SQUASH

SAMO VIDIC/RED BULL CONTENT POOL, BORIS BEYER/RED BULL CONTENT POOL, PHILIP PLATZER/RED BULL CONTENT POOL, ZUCHNA VISUALISIERUNG/PORSCHE MEDIA & CREATIVE GMBH

Achtung, eine Durch­ sage! Padel ist weltweit eine der am schnellsten wachsenden Sportarten. Padel wird zu viert als Doppel ausgetragen, ­wobei die Zählweise an das Tennis angelehnt ist. Die Premiere der World Padel Tour Vienna Open findet in der Steffl Arena in Wien 22 statt. Die besten Padel-Spieler und -Spielerinnen sind fix ­dabei. Alle Infos: viennapadelopen.com

13 bis 14. Mai RED BULL PAPER WINGS WORLD FINAL Kein Treibstoff. Keine Turbinen. Nur ein aus einem A4-Blatt gefalteter Papierflieger und die Fähigkeit, ihn weiter zu werfen als alle anderen. Die nationalen Gewinner des Red Bull Paper Wings treten beim World Final im Hangar-7 in Salzburg gegeneinander an. Mehr Infos unter: paperwings.redbull.com

16 bis 19. Juni ERZBERGRODEO: MÄNNER, HÄRTER ALS EISEN 1 Berg, 23 Checkpoints, 4 Stunden Zeit, 500 Starter. Und nur eine Handvoll von ­ihnen erreicht das Ziel. Das Red Bull Erzbergrodeo, das härteste Offroad SingleDay Race der Welt, verlangt den Athleten wirklich alles ab. Profis, Amateure, Hobby­fahrer – harte Kerle aus fast 40 Nationen stellen sich Jahr für Jahr einem ­gemeinsamen Gegner: dem „Berg aus Eisen“ – beim Enduro-Motorradrennen bei Eisenerz. Alle Infos dazu: redbullerzbergrodeo.com THE RED BULLETIN

15

bis 19. Juni READY TO RACE Innsbruck verwandelt sich zum sechsten Mal in einen MountainbikeZirkus, denn die internationale Mountainbike-­ Elite, Pro-Racer und Downhill-Teams werden auf den Kursen des Crankworx Innsbruck die ersten Rennen austragen. Mehr Infos dazu auf: crankworx.com

15

bis 19. Juni DIE ZUKUNFT, IN FAHRT Am Wiener Rathausplatz sind Interessenten von nachhaltiger Mobilität genau an der richtigen Adresse: Beim E-Mobility Event der Wiener Elektro­tage gibt es Info, Unterhaltung und natürlich Speis und Trank. Alle Details dazu gibt es auf wiener-elektrotage.at 87


OUTDOOR

ES GIBT IHN. DIESEN MOMENT, DER ALLES WERT WAR. Manche erleben ihn im Sattel ihres Bikes, andere beim Laufen im Straßendschungel – und wieder andere, wenn sie ganz oben auf dem Gipfel ankommen.

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Wo dieser besondere Sportmoment wartet, weiß jede Person am besten selbst. Wir bei Gigasport wissen dagegen, welches Outfit sich für welchen Sportmoment am besten eignet und welches Equipment dich nicht im Stich lässt, wenn es darauf ankommt. DIESES EQUIPMENT FINDEST DU IM NEUEN BEST OF GIGASPORT: das neueste Outdoor-Equipment, die besten Bikes, innovative Laufschuhe oder Fitness-Outfits, die auffallen. All das haben wir im neuesten Magalog versammelt – zusammen mit interessanten Infos und nützlichen Experten-Tipps.

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OUTDOOR

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OUTDOOR

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B O U L E VARD DER HEL DEN

JANE GOODALL, DIAN FOSSEY, BIRUTĖ GALDIKAS

DIE TRÄUME DER AFFEN Serie: MICHAEL KÖHLMEIER erzählt die außergewöhnlichen Geschichten inspirierender Figuren – faktentreu, aber mit literarischer Freiheit. Folge 25: drei Forscherinnen und ihre innige Beziehung zu Menschenaffen.

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MICHAEL KÖHLMEIER

BENE ROHLMANN, CLAUDIA MEITERT

GETTY IMAGES (4)

M

anchmal ist ein Mentor nötig, ­verwischt. Wenn ein Schimpansenweibchen und wenn er ein guter Mentor sie direkt angesehen habe, habe sie sich ent­ deckt gefühlt und ein schlechtes Gewissen ist, kann er Unerhörtes in Gang bekommen – einerseits; andererseits habe sie setzen. Louis Leakey war ein guter auch Konkurrenz und Kampfbereitschaft in Mentor. Er stammte aus England, sich gespürt. Eines Nachts habe sie geträumt, lebte aber in Kenia, er war Paläoanthro­ sie sei von einem Felsen gestürzt, von Schim­ pologe. Was tut so einer? Er erforscht pansen gefunden und in ein Schimpansen­ ­unsere Vorfahren, unsere weiten Vorfahren, MICHAEL KÖHLMEIER Der Vorarlberger krankenhaus getragen worden. Eine Schim­ die ­Hominiden. Das sind jene, von denen Bestsellerautor gilt pansenärztin in einem weißen Mantel habe sich der Mensch und der heutige Affe ab­ als bester Erzähler ihr gesagt, es sei aus mit ihr, finito, gleich gespalten haben. deutscher Zunge. werde sie den Löffel abgeben, gleich werde Mr. Leakey ist nicht genug zu loben, Zuletzt erschienen: sie über den Jordan hüpfen. er muss ein freier, vorurteilsfreier Mann der Roman „Matou“, Es gebe nur eine Möglichkeit für sie ­ge­wesen sein. Ihm verdanken wir, dass drei 960 Seiten, Hanser Verlag. zu überleben, aber die käme sicher nicht große Forscherinnen ungehindert Karriere ­in­frage, also solle sie sich auf den Tod vor­ machen konnten: Jane Goodall, Dian Fossey bereiten, der Tod übrigens sei ein Affe. Damit habe sich und Birutė Galdikas. Sie wurden von Leakey ermutigt, die Schimpansenärztin umgedreht, sei auf alle viere sich mit dem Leben und Zusammenleben der Menschen­ nieder­gesunken und wollte davonlaufen. Goodall aber affen zu beschäftigen. habe ihr nachgerufen: Halt! Was für eine Möglichkeit? Jane Goodall hatte nicht studiert, sie hatte eine Bitte! Die Ärztin habe gesagt: Umwandlung. Da sei sie Schule für Sekretärinnen besucht. Ihr Traum aber sei es aufgewacht. Und habe laut lachen müssen. immer gewesen, Afrika zu bereisen. Bereits bei ihrem Jedenfalls habe sie den Traum ernst genommen. ersten Besuch lernte sie Louis Leakey kennen. Der war Sie habe in sich gesucht, sie habe sozusagen ihr Inners­ von ihrer Intelligenz, ihrer Auffassungsgabe, ihrem tes abgesucht, ob da irgendwo ein kleiner Fetzen Schim­ Ideen­reichtum und ihrem Einfühlungsvermögen so fas­ ziniert und überzeugt, dass er sie – wohl wissend, dass panse stecke, und tatsächlich, sie habe so einen Fetzen sie über keinerlei Kenntnisse auf dem Gebiet der Paläo­ gefunden. Den habe sie gehegt und gepflegt, gefüttert anthropologie verfügte – schon nach wenigen Wochen und gekost, er sei herangewachsen, und nun sei sie zu in sein Team aufnahm. knapp einem Drittel eine Schimpansin. Mit sechsundzwanzig ließ sich Jane Goodall end­ Der amerikanische Cartoonist Gary Larson, der sich gültig in Tansania nieder und stellte sich die Lebens­ in seinem Werk intensiv mit Tieren auseinandergesetzt aufgabe, die Schimpansen im Gombe-Stream-National­ hat, ließ in den Siebzigerjahren ein T-Shirt drucken, dar­ park zu studieren. In einem Gespräch erzählte sie viel auf ist eine Zeichnung von einem Schimpansenpaar zu später, schon nach kurzer Zeit habe sich in ihren Ge­ sehen. Das Weibchen pflückt ein blondes Haar aus dem danken der Unterschied zwischen Tier und Mensch Fell des Männchens und sagt: „Warst du schon wieder


Von links oben im Uhrzeigersinn: Affenforscherinnen Dian Fossey, Jane Goodall und Birutė Galdikas

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B OU L EVAR D DE R HE L D E N

bei dem Flittchen Goodall!“ Jane Goodall nahm es mit Humor. Als ihr geraten wurde, dagegen vorzugehen, lachte sie nur. Alles, was nütze, um darauf aufmerksam zu machen, wie wir Menschen mit den Tieren umgehen, begrüße sie, und Humor wirke mitunter besser als Wut. Jane Goodall ist bis heute eine kräftige Kämpferin für die Rechte der Tiere. Ihre empirischen Forschungen sind vorbildlich.

I

m Alter von dreiundfünfzig Jahren wurde Dian Fossey in ihrer Hütte im Karisoke Research Center erschlagen. Ein Kampf war vorausgegangen. Mrs. Fossey war eine starke, unerschrockene Frau, die sich vor nichts und niemandem fürchtete. Sie war bewaffnet, verlor ihren Revolver aber in dem Kampf. Die Mörder schlugen ihr den Schädel ein und ließen sie liegen. Erst glaubte man, es seien Wilderer gewesen. Die Wilderer wurden von Dian Fossey erbarmungslos verfolgt, wobei sie mitunter Methoden anwandte, die von manchen Stellen scharf kritisiert wurden. Ihren Studenten und Assistenten riet sie, sich zu bewaffnen, und wenn sie auf Wilderer träfen, nicht lange zu verhandeln, sondern zu schießen. Gegen die Theorie, dass sie von Wilderern getötet worden sei, spricht, dass diese sie leichter im Wald hätten töten kön­ nen als in dem bewachten Camp. Inzwischen gilt es als am wahrscheinlichsten, dass bezahlte Killer von einer der Tourismusorganisationen beauftragt worden waren. Hätte ein Mord im Wald stattgefunden, wäre das für das Geschäft nicht gut ge­ wesen, man wollte die Touristen ja in den Wald locken. Dian Fossey hatte sich mit vielen angelegt. Die Touristen störten und zerstörten das Zusammenleben der ­Gorillas, davon war sie überzeugt. Ihr Ziel war es, dass der Tou­ rismus in den Wäldern von Ruanda verboten wird. Die Wilderer hasste sie wie den Teufel. Sie hatten ihren Liebling erschossen, ihm die Hände abgehackt und den Kopf abgesägt. Aus den Händen waren Aschenbecher für verrückte Amerikaner gemacht worden, der Kopf wurde ausgestopft und in einer Bibliothek in England an die Wand gehängt. Ihr Liebling war Digit. Digit war ein Gorillamännchen – gegen diesen Aus­ druck hätte sich Mrs. Fossey empört, und empören konnte sie sich wie keine andere. Digit war ein Gorilla­ mann. Zehn Jahre lang hatte Dian Fossey ihn und seine Familie beobachtet, die Hälfte der Zeit hatte sie mit ihnen zusammengelebt. Die Gorillas hatten Vertrauen zu ihr gewonnen, sie gaben ihr ihre Babys, damit sie auf sie aufpasse oder sie in den Schlaf singe.

Dian Fossey wollte die Gorillas nicht nur beobachten, sie wollte Teil ihrer Gesellschaft werden.

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Nach dem Tod von Digit zog sich Dian Fossey immer mehr von den Menschen zurück, sie lebte im Wald, be­ wacht von bewaffneten Studenten. Die Einheimischen nannten sie Nyirmachabelli, das heißt „die Frau, die einsam im Wald lebt“. Mit noch nicht dreißig Jahren war sie aus Kalifornien nach Afrika gekommen, sie war beseelt von dem Ge­ danken, die Menschenaffen, insbesondere die ­Gorillas, zu studieren. Louis Leakey war beeindruckt von der Frau und führte sie ein in sein Fach. In einem Interview sagte sie, als sie den ersten Gorilla gesehen habe, einen mächtigen Silberrücken, habe sie gewusst, sie werde ihr Leben in diesem Wald beenden, sie werde nie wieder zurückkehren in die Zivilisation. Sie wollte nicht nur die Familienstrukturen und das Kommunikationsverhalten dieser prächtigen Tiere be­ obachten, sie wollte ein Teil ihrer Gesellschaft werden. Sie beobachtete den Umgang der Geschlechter mitein­ ander, nannte es Liebe und Sorge und Hass, machte kei­ nen Unterschied zwischen den Gefühlen der Menschen und denen der Affen. Sicher, sie unternahm Reisen, hielt Vorträge, warb auf der ganzen Welt für ihre Pro­ jekte und dafür, Menschenaffen wie die Schimpansen und die Orang-Utans, vor allem aber die Gorillas, recht­ lich und ethisch auf eine ähnlich hohe, wenn nicht gar auf die gleiche Stufe mit dem Menschen zu stellen. Ihre Heimat aber war der Wald um das Karisoke ­Research Center. Sie erzählte, sie habe zusammen mit Digit eine Form der Verständigung entwickelt, die weit über den Austausch von Alltäglichkeiten hinausging. Es sei ihnen sogar gelungen, einander von ihren Träumen zu erzählen. In einem seiner Träume habe Digit seinen Tod vorausgesehen, und er habe sie gewarnt, dass auch sie auf der Hut sein solle. Das Leben von Dian Fossey wurde 1988 unter dem Titel „Gorillas im Nebel“ mit Sigourney Weaver verfilmt.

W

ie Jane Goodall und Dian Fossey hatte der große Louis Leakey auch Birutė Galdikas entdeckt und für das Leben der Menschenaffen begeistert. Im Unterschied zu den beiden Kolleginnen forschte sie aber nicht in Afrika, sondern in Asien. Auf Borneo ­gründete sie mit Hilfe der Leakey Foundation eine Forschungs­ station. Dort untersuchte sie das Verhalten der OrangUtans. In einem Vortrag nannte sie die Vertreter dieser Primatengattung die schönsten Lebewesen, die Gott er­ schaffen habe. Lachend fügte sie hinzu, die meisten Bio­ logen und Zoologen, das sei bekannt, neigten dazu, Gott als nicht notwendige Zugabe der Evolution zu sehen, den meisten Biologen und Zoologen sei allerdings auch noch nie ein frei lebender Orang-Utan begegnet. Diese Tiere seien für sie ein Gottesbeweis. Birutė Galdikas hat litauische Wurzeln und wuchs in Kanada auf. In Los Angeles studierte sie Psychologie und Anthropologie. In dem erwähnten Vortrag erzählte sie, sie habe sich für den Menschen hauptsächlich inter­ essiert, um Erkenntnisse zu gewinnen, die ihr beim Stu­ dium der Tiere nützlich sein können. Als Kind sei sie

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Im Traum fürchtete sich Birutė Galdikas vor dem Affen. Als sie aufwachte, wollte sie sein wie er. immer gelaufen, normal zu gehen, habe sie nicht fertiggebracht. Der häufigste Satz, den ihre Mutter zu ihr ­gesagt habe, sei gewesen: Geh normal, Kind! Sie habe sich nicht wie die meisten Mädchen in ihrem Alter ein Pferd gewünscht, sie habe sich gewünscht, ein Pferd zu sein. Irgendwann habe ihr Vater zu ihr gesagt: Meine Kleine, das muss ein Ende haben. Wenn du in die Schule kommst und deinen Banknachbarn erzählst, dass du ein Tier sein möchtest, dann lachen sie dich aus und spielen nicht mit dir. In der Nacht vor ihrem ersten Schultag habe sie geträumt, sie sei ein Pferd und sie lebe unter den Tieren. Den Menschen gab es nicht und würde es nie geben. Der Vater aller Tiere, der jeden Morgen,

j­ eden Mittag und jeden Abend die Suppe zubereitete, war ein riesengroßer Affe mit Armen so lang und Fingern so dünn, dass er in jedes Geschäft der Stadt greifen konnte, um die feinen Dinge herauszuklauben, die er über die Suppe streute. Im Traum habe sie sich vor dem großen Affen gefürchtet. Aber als sie aufwachte, habe sie sich nicht mehr gewünscht, ein Pferd zu sein – sondern ein Affe. Heute lebt Birutė Galdikas wieder in Kanada. Sie ist Professorin für Anthropologie an der Simon Fraser University in Burnaby in der Provinz British Columbia, im Westen des Landes an der pazifischen Küste. Immer wieder aber zieht es sie in den Regenwald von Borneo zu ihren geliebten Orang-Utans.

Michael Köhlmeiers Geschichten gibt es auch zum Anhören im Podcast-Kanal von The Red Bulletin. Zu finden auf allen gängigen Plattformen wie Spotify, auf redbulletin.com/podcast oder einfach den QR-Code scannen.

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Gesamtleitung Alexander Müller-Macheck, Sara Car-Varming (Stv.) Chefredaktion Andreas Rottenschlager, Andreas Wollinger (Stv.) Creative Direction Erik Turek, Kasimir Reimann (Stv.) Art Direction Marion Bernert-Thomann, Miles English, Tara Thompson Grafik Martina de Carvalho-Hutter, Kevin Faustmann-Goll, Cornelia Gleichweit Fotoredaktion Eva Kerschbaum (Ltg.), Marion Batty (Stv.), Susie Forman, Tahira Mirza, Rudi Übelhör Digitalredaktion Christian Eberle-Abasolo (Ltg.), Marie-Maxime Dricot, Melissa Gordon, Lisa Hechenberger, Elena Rodríguez Angelina, Julian Vater Head of Audio Florian Obkircher Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Publishing Management Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Melissa Stutz Managing Director Stefan Ebner Head of Media Sales & Partnerships Lukas Scharmbacher Head of Co-Publishing Susanne Degn-Pfleger Projektmanagement Co-Publishing, B2B-Marketing & Communication Katrin Sigl (Ltg.), Katrin Dollenz, Thomas Hammerschmied, Teresa Kronreif (B2B), Eva Pech, Valentina Pierer, Stefan Portenkirchner (Communication), ­Jennifer Silberschneider, Sophia Wahl Creative Services Verena Schörkhuber-Zöhrer (Ltg.), Sara Wonka, Tanja Zimmermann, Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart Commercial Management Co-Publishing Alexandra Ita Editorial Co-Publishing Raffael Fritz (Ltg.), Gundi Bittermann, Michael Hufnagl, Alexander Klein, Irene Olorode, Mariella Reithoffer, Wolfgang Wieser Executive Creative Director Markus Kietreiber Senior Manager Creative Elisabeth Kopanz Art Direction Commercial & Co-Publishing Peter Knehtl (Ltg.), Luana Baumann-Fonseca, Silvia Druml-Shams, Erwin Edtmayer, Simone Fischer, Andreea Gschwandtner, Lisa Jeschko, Araksya Manukjan, Carina Schaittenberger, Julia Schinzel, Florian Solly, Dominik Uhl, Sophie Weidinger, Stephan Zenz Head of Direct to Consumer Business Peter Schiffer Direct to Consumer Business Marija Althajm, Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar (Abo) Retail & Special Projects Manager Klaus Pleninger Anzeigenservice Manuela Brandstätter, Monika Spitaler Herstellung & Produktion Veronika Felder (Ltg.), Martin Brandhofer, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailović, Sandra Maiko Krutz, Josef Mühlbacher Finanzen Mariia Gerutska (Ltg.), Simone Kratochwill, Elisabeth Maier MIT Christoph Kocsisek, Michael Thaler IT Service Desk Maximilian Auerbach Operations Alice Gafitanu, Melanie Grasserbauer, Alexander Peham, Thomas Platzer Projekt Management Dominik Debriacher Assistant to General Management Sandra Artacker Herausgeber & Geschäftsführer Red Bull Media House Publishing Andreas Kornhofer Verlagsanschrift Am Grünen Prater 3, A-1020 Wien Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-LepperdingerStraße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Dietmar Otti, Christopher Reindl, Marcus Weber

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