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The Red Bulletin DE 06/21

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DEUTSCHLAND JUNI 2021 € 2,50

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Clever, satt, gut ausgeschlafen Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul und die Kunst des schlauen Trainings


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E D I TO R I A L

WILLKOMMEN

AUF DEM THRON PRIVATE PERSPEKTIVEN

Mountainbike-Star Fabio Wibmer sammelt Action-Fotos, die ihn inspirieren. Seine persönlichen Favoriten zeigt er ab Seite 18.

Musiker Jan Delay verrät, was seine Kreativität abheben lässt. Ab Seite 56

FELIX KRÜGER (COVER), KONSTANTIN REYER

HERI IRAWAN

„ Für mich ist es das Schlimmste, vorhersehbar zu sein. Ich will mich nicht wiederholen.“

Der Zehnkampf gilt als Königsdisziplin der Leichtathletik, und Niklas Kaul, 23, ist ihr Monarch: 2019 krönte sich der Mainzer in Doha, Qatar, sensationell zum Weltmeister. „Es gewinnt nicht der Athlet mit der höchsten Leistungsfähigkeit, sondern jener, der während der zehn Disziplinen seine Probleme am besten löst“, sagt er über die ganz spezielle Heraus­ forderung, Höchstleistungen in so unterschied­ lichen Sportarten wie Diskuswurf, Hochsprung oder 100-Meter-Sprint zu bringen. Wir wollten vor den Olympischen Spielen in Tokio von ihm wissen, was wir Freizeitsportler uns in Sachen Allround-Fitness von ihm abschauen können. Seine – na klar: zehn – Antworten gibt’s ab Seite 40. Über mangelnde Abwechslung kann sich auch B-Girl Sina, 26, nicht beschweren. Im großen Porträt ab Seite 62 erzählt die österreichische Tänzerin mit marokka­ nischen Wurzeln, wie sie dank mehrerer Aufenthalte in Europa und Nordafrika ihr wahres Ich entdeckte.

STARKE NAHAUFNAHMEN Für unsere Coverstory zeigte uns Zehnkämpfer Niklas Kaul – hier in der Shooting-Pause – seine Top-Form am eigenen Leib: ab Seite 40.

Viel Spaß mit der neuen Ausgabe von The Red Bulletin! Die Redaktion

GROSSER ACTION-HUNGER

Motorrad-Ass Manuel Lettenbichler erklärt die Schlüsselstellen des Red Bull Erzbergrodeo – etwa „Carl’s Dinner“ –, ab Seite 52.

THE RED BULLETIN

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I N H A LT The Red Bulletin im Juni 2021

ENDURO

52 DER BERG RUFT

Motorrad-Champ Manuel Lettenbichler verrät, wie man das Erzbergrodeo meistert.

COVERSTORY

40 FIT HOCH ZEHN

32 ÜBER 11 MILLIONEN  Menschen folgen Rapperin Saweetie auf Instagram, wo ihr Weg begann.

MUSIK

Wie kann ich meine AllroundFitness verbessern? Hier ­antwortet ein wahrlich ­kompletter Athlet: Zehnkampf-­ Weltmeister Niklas Kaul.

56 MR. SURPRISE ­

Warum Rapper Jan Delay Fans und Kritiker mit jedem neuen Album überrascht.

BREAKING

62 TANZ DICH FREI ­ 18 WIBMERS BEST-OF

Mountainbike-Star Fabio ­Wibmer zeigt uns seine private Actionfoto-Sammlung.

MUSIK

32 PLÖTZLICH BERÜHMT ­

Wie US-Rapperin Saweetie als Außenseiterin mit selbst gedrehten Instagram-Videos die Welt des Hip-Hop eroberte.

KLETTERN

36 M IT ANDEREN AUGEN

Die Kanadierin Jill Wheatley erklimmt trotz eingeschränkter Sehkraft Gipfel.

Wie B-Girl Sina ihre Wurzeln fand – und damit ihre Kunst auf ein neues Level brachte.

GUIDE

Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen

78 P LAYLIST. US-Rapper 24kGoldn empfiehlt Songs fürs erste Date. 80 C RANKWORX. Die World Tour der Mountainbiker startet in Innsbruck. 82 T IPPS & TRENDS. Produkte und Events, die uns begeistern. 86 C AMPING. Die beste Ausrüstung für alle, die es in die Natur zieht.

Twitch-Ass Kevin Teller („Papa­ platte“) erklärt, wie er in der digitalen Welt persönliche Nähe herstellt.

92 BOULEVARD DER HELDEN. Schriftsteller Michael Köhlmeier über das Leben des genialen Entfesselungskünstlers Harry Houdini.

6 GALLERY 12 ZAHLEN, BITTE!

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ÜBER ALLE GRENZEN  setzt sich Rapper Jan Delay hinweg beim Erschaffen neuer Musik.

73 REISEN. Ein Mountainbike-­ Paradies im Schweizer Wallis.

STREAMING

38 WE ARE FAMILY ­

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14 FUNDSTÜCK 16 PHILOSOPHEN-INTERVIEW

96 IMPRESSUM 98 CARTOON

62 ÜBER VIELE REISEN  fand B-Girl Sina den Weg zu ihrem ganz persönlichen Tanzstil.

THE RED BULLETIN

GL ASKEW, THOMAS LEIDIG, CHRISTIAN ANWANDER, ROMAN NEIMANN/RED BULL ILLUME

PORTFOLIO


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ÜBER DEN DINGEN scheinen sie zu schweben, die Sportler auf den Actionfotos aus der privaten Sammlung von Mountainbike-Star Fabio Wibmer.

THE RED BULLETIN

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OAHU, HAWAII, USA

Der geht seinen Weg Schön, wenn einer weiß, wo er hinwill: ­Surfer Mo Freitas schreitet zielstrebig zum Training auf den Wellen vor der Nordküste seiner Heimat, der hawaiianischen Insel Oahu. Natürlich hätte ihn der kalifornische Fotograf Morgan Maassen auch in seinem Element abbilden können, aber dann wäre das Bild nur eines von vielen gewesen. So entschloss er sich zu einem Perspektivenwechsel und landete prompt im Finale des Fotowettbewerbs Red Bull Illume 2019. Morgans Foto-Welt: morganmaassen.com 6


MORGAN MAASSEN/RED BULL ILLUME


CHAMONIX, FRANKREICH

DAVYDD CHONG

Alles im Fluss

UTMB/CHRISTOPHE PALLOT

Für dieses farbenprächtige Bild des französischen Fotografen Christophe Pallot, entstanden beim Ultra-Trail du Mont‑Blanc 2019, gibt es zwei Erklärungen: Die eine ist, dass Pallot ein wenig mit der Langzeit­be­lichtung seiner Kamera herumgespielt hat. Die zweite: Es ist ihm irgendwie gelungen, den Flow der Teilnehmer am Start des 170-Kilo­meter-Gewaltlaufs ein­ zufangen. Das ist zwar un­wahrscheinlich, aber die bessere Geschichte. Instagram: @christophepallot

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DUBAI, VEREINIGTE ­ARABISCHE EMIRATE

Trockentraining

NAIM CHIDIAC/RED BULL CONTENT POOL

Die Spezialität des Spaniers Horacio Llorens (o.) und des Brasilianers Rafael Goberna ist eine Art Ballett mit motorisierten Para­ gleitern. Hier üben sie die Choreografie in der relativ sicheren Umgebung der Wüste. In der Nacht darauf zeigten die beiden ihr Können zwischen den bis zu 105 Meter ­hohen Fontänen des größten Spring­brunnens der Welt vor der Küste von Dubai. Wenn da ­etwas nicht klappt, gehst du baden. redbull.com/adventure

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Z AHL EN, BI T T E!

ACTION!

Schnell & schneidig Nächsten Monat starten Vin Diesel & Co ihre „Fast & Furious“-Karren zum neunten Mal. Hier die adrenalinsatten Zahlen zum Motorengeheul einer beispiellos erfolgreichen Filmreihe, die ein eigenes Genre innerhalb des Actionkinos darstellt.

Prozent aller Szenen in Teil 8 zeigen gezückte Waffen, 18,8 Prozent offenbaren prächtige Oberarmmuskeln.

Feinde erledigt Dwayne Johnson als Luke Hobbs in den acht Folgen bisher.

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mickrige Mal lächelt Jason Statham als (Ex-)Bösewicht Deckard Shaw laut Drehbuch.

2

5.893.952.279

Schauspielerinnen hatten vor Drehbeginn keinen Führerschein: Michelle Rodríguez und Jordana Brewster.

Dollar spielte die F&F-Serie an den Kinokassen ein. Teil 7 war mit 1,5 Milliarden Dollar am erfolgreichsten.

25.000.000

¼

Dollar wurden Vin Diesel für Teil 2 angeboten. Er lehnte ab, weil ihm das Skript nicht ­gefiel. Ab Teil 4 war er dann wieder dabei.

Meile misst die Rennstrecke in Teil 1. In echt würde ein Rennen dort 10 Sekunden dauern. Im Film sind es fast 2 Minuten.

30. 11. 2013

ist der Todestag von F&F-Hauptdarsteller Paul Walker. Er starb abseits der Dreharbeiten – bei einem Autounfall.

Jahre alt war Vin Diesel, als seine Karriere begann: Er brach in ein New Yorker Theater ein, w ­ urde erwischt – und sofort zu Proben ­eingeteilt.

30:32

4000

Minuten machen die Auto­ verfolgungsjagden in Teil 7 aus, 22,2 % des gesamten Films.

3.400.000

Reifen stellte Toyota für Teil 3 („Tokyo Drift“) bereit, 2000 wurden verschlissen.

Dollar kostet der Lykan HyperSport von W Motors, der in Teil 7 beim Sprung zwischen zwei Wolkenkratzern ­zerstört wurde. Das war der teuerste von über 1500 Schlitten, die im Lauf der Reihe geschrottet wurden. 12

THE RED BULLETIN

CLAUDIA MEITERT

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GETTY IMAGES (2)

45

35,2


KISKA.COM Foto: R.Schedl

ZIEHE DEINE KAMPFLINIEN.

MIT PRÄZISION! Es ist schon etwas Besonderes, sich beim ordentlichen Sound aus dem Auspuff eines Sport Bikes scharf in die Kurve zu legen. Dies gilt umso mehr, wenn du auf einem Naked Bike der Mittelklasse unterwegs bist. Die KTM 890 DUKE – unerwartet scharf.

ERFAHRE MEHR AUF KTM.COM Gezeigte Fahrszenen bitte nicht nachahmen, Schutzkleidung tragen und die anwendbaren Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung beachten! Die abgebildeten Fahrzeuge können in einzelnen Details vom Serienmodell abweichen und zeigen teilweise Sonderausstattung gegen Mehrpreis.


F U ND ST Ü CK

Marc Márquez, 28, ist die Ausnahmeerscheinung unter den aktuellen Motorrad-Rennfahrern: Der Spanier ist achtfacher Weltmeister, sechsmal in der Königsklasse MotoGP.

MARC MÁRQUEZ

Alles auf die Knie! Wer in der MotoGP um den Sieg mitfahren will, braucht extreme Schräglagen. Heißt: Die Knie schleifen am Asphalt. Nach einem Rennen taugen die Knieschützer bestenfalls noch als Trophäe für Autogrammjäger: Diesen hier trug der Spanier Marc Márquez 2018 auf dem Red Bull Ring in Österreich. Ab 4. Juni kann man die Künste des Ausnahmefahrers erneut bewundern – bei Márquez’ Heimrennen in Barcelona. ServusTV überträgt natürlich alles live. Infos: servustv.com/motogp

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PROJEKT SPIELBERG

In einem Rennen arg hergenommener, signierter Knieschoner des spanischen MotoGP-Superstars, 2018


BFGO ODR ICH TYR ES ENAB LE YO U TO LIVE OUT YO U R ADVENTU R ES

E X P LO R E T H E B F G O O D R I C H ® M U D -T E R R A I N T/A K M 3 w w w. b f g o o d r i c h . d e P h o t o © Ke i r o n _ B e r n d t At h l e t e @ c o c o z u r i t a

WHAT ARE YOU BUILDING FOR?


DA S F I K T I V E P H I LO S O P H E N-I N T E RV I E W

GOETHE SAGT

„Wer Idolen nacheifert, wird eine schlechte Kopie“

Wie meinen Sie das? Bildung heißt, sich in der Welt umzu­ sehen, alles genau zu prüfen und sich stets zu fragen: Was kann ich von diesem Menschen lernen? Und was nicht? Das erfordert Geduld und Ruhe. Aber sehen Sie: Die Menschen Ihrer Welt nehmen sich gar keine Zeit mehr dafür. Heute ist der ein Vorbild, morgen ein anderer. Ich wundere mich, wie ich es angestellt habe, immer noch Beachtung zu finden …

Pardon, ich vergaß. Danny MacAskill ist ein schottischer Mountain­biker und Videoproduzent mit einer „Bildung heißt, riesigen internationalen Fan­ sich in der Welt gemeinde. Ah, Respekt, Respekt! Aber sehen umzu­sehen und Sie: Das ist nicht das, worauf ich stets zu fragen: ­hinauswollte. Mir ging es gar nicht um Herrn MacAskill als Person, Was kann ich sondern darum, dass ich ihn nicht lernen?“ kenne – so wie ich niemanden kenne: nämlich so gut kenne, wie ich ihn kennen müsste, um ihn mir zum Vorbild zu nehmen. Na ja, weil Sie den Menschen doch wohl immer Menschen sind unergründliche Individuen. Deshalb noch etwas zu sagen haben. taugen sie schlecht als Vorbilder. Ist das so? Nun gut. Dann hören Sie meine Worte: Schauen Sie nicht nach Vorbildern, sondern achten Aber Herr Geheimrat, es gibt auch viele Menschen, Sie geduldig darauf, was die Welt Ihnen zu sagen hat. die Sie zum Vorbild genommen haben. Eignen Sie sich die Welt an! So werden Sie einmalig, Wohl wahr, aber wollen wir das gutheißen? So man­ individuell, eine Persönlichkeit. Dann führt man viel­ che Dame wird es jedenfalls nicht begrüßen, wenn ihr leicht auch mit Ihnen knapp 200 Jahre nach Ihrem Gatte mich zum Vorbild nimmt. Aber lassen wir das. Tod ein Interview … Der Punkt ist doch: Anderen nachzueifern – gleichviel, JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749–1832) gilt als be­ ob es nun Sportler oder Dichterfürsten sind – ­erscheint deutendster deutschsprachiger Dichter. Mit seinem Erstlings­ mir deshalb als unangemessen, weil es Menschen dar­ roman „Die Leiden des jungen Werther“ wurde er nicht nur an hindert, ihre eigene Individualität, ihre Persönlich­ ­europaweit zu einem der meistgelesenen Autoren, sondern schuf keit zu bilden. Bildung, nicht Nachahmung ist der Weg auch eine Romanfigur, die ein neues Lebensgefühl verbreitete. zu einer reifen Persönlichkeit. Als Naturforscher, Künstler, Staatsmann und Weltbürger ist Goethe selbst für viele Menschen zum Vorbild geworden.

Gerade das ist doch, was viele Menschen an Ihnen faszinierend finden: dass Sie so eine starke Persön­ lichkeit waren.

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CHRISTOPH QUARCH, 56, ist deutscher Philosoph, Theologe, Unternehmens-Coach und Autor zahlreicher philosophischer Bücher. Zuletzt erschienen: „Platon und die Folgen“.

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BENE ROHLMANN

the red bulletin: Heute suchen viele junge Menschen nach Orientierung. Da liegt es nahe, sich Vor­bilder zu suchen, die Groß­artiges leisten – erfolgreiche Sportler wie Danny MacAskill zum Beispiel. Was hal­ ten Sie davon? johann wolfgang von goethe: Entschuldigen Sie, aber ich kenne diesen Herrn nicht.

Da haben Sie recht, aber dorthin kommt man nicht durch ein Vorbild. Denken Sie nur an meinen jungen Werther. Den haben sich damals viele junge Männer zum Vorbild genommen – und sich wie meine Roman­ figur eine Kugel in den Kopf geschossen. So war das aber natürlich nicht gemeint. Ich wollte Menschen dazu ermutigen, ihre Leidenschaften zuzu­ lassen, aber doch nicht eins zu eins dem Werther als einem Vorbild zu folgen. Schauen Sie: Wenn junge Menschen ihren Idolen nacheifern, werden sie im besten Fall eine schlechte Kopie. Nicht jemandem nacheifern bringt uns voran, sondern mit jemandem ins Gespräch kommen.

DR. CHRISTOPH QUARCH

Der Weg zur reifen Persönlichkeit führt über den Mut zur Individualität. Behauptet nicht irgendeiner, ­sondern der deutsche Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe ­– in unserem fiktiven Interview mit dem ­deutschen Philosophen Christoph Quarch.


Glasflasche nur in ausgewählter Gastronomie


P O RT FO L IO

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KÜNSTLER AUF RÄDERN

Er ist Vorreiter ­einer ­neuen Bike-Generation: Mit seinen kreativen ­YouTube-Videos hat Fabio ­Wibmer über 1 Milliarde Klicks gesammelt.

„ Das sind Bilder, die meine Fantasie beflügeln“ Mountainbike-Star Fabio Wibmer, 25, sammelt Fotos, die ihn berühren. Wir erzählen ihre Geschichten, der Tiroler kommentiert handschriftlich. NILS OHLENDORF/RED BULL ILLUME

Protokoll ANDREAS WOLLINGER

Wilder Westen

Nils Ohlendorf, Moab, Utah, USA Das Festival Gobble Gobble Bitch Yeah ist ein legendäres Happening in einer grandiosen ­Gegend. Hier springt BASE-Jumper Andy Lewis 2016 in den Sonnen­untergang. „Alles fügte sich im richtigen Augenblick zusammen“, schwärmt Fotograf Ohlendorf.

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Letzte Rille

Ross Bell, Llandegla, Wales

Kade Edwards, 21, Junioren-DownhillWeltmeister von 2018, zeigt auf den Trails in den Wäldern seiner walisischen Heimat den für ihn typischen aggressiven Stil. „Ein schöner Gegensatz zu den lebendigen Farben und der Atmosphäre eines ziemlich feuchten Sommer­ tages“, findet ­Fotograf Ross Bell.

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ROSS BELL

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Kreativer Wettkampf

Daniel Bernstål, Ljusdal, Schweden Die Kunst von Skate- und Snowboarder Nils ­Arvidsson erschließt sich hier erst auf den ­zweiten Blick, während der erste noch über die Komposition des Bildes staunt. „Ich sehe es als einen ­kreativen Wettbewerb gegen mich selbst“, sagt sein Schöpfer Daniel Bernstål. „Wie einzigartig kann ich Fotos machen?“

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DANIEL BERNSTÅL/ RED BULL ILLUME


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Springen wie der Blitz

Jean-Baptiste Liautard, verschiedene Locations

JB LIAUTARD

Drei Biker, ein Thema: Eleganz im Sprung. „Ich ver­wende gern einen Blitz hinter meinen Objekten, um den Bildern etwas mehr Dramatik zu verleihen“, erklärt der Foto­ graf, „und um die Staubpartikel sichtbar zu machen.“ Großes Bild: Angel Suárez in Ponte de Lima, Portugal. Oben: Thomas Genon in Salavas, Frankreich. Unten: Hugo Frixtalon in British Columbia, Kanada.

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Cool am Pool VEGARD BREIE PHOTOGRAPHY/RED BULL ILLUME

Vegard Breie, Numedal, Norwegen

Kommt ein Freestyler ins Hallenbad. Was wie ein Witz klingt, ist ein lustiges, weil überraschendes Foto. „Anders Backe hat immer wieder ver­ rückte Ideen“, erzählt der Fotograf. „Beim ersten Mal hat es nicht geklappt. Aber hier, im Bad einer alten Schule, haben wir es durchgezogen.“

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Völlig schwerelos Bartek Wolinski, Salavas, Frankreich

BARTEK WOLINSKI/RED BULL CONTENT POOL, ROMAN NEIMANN/RED BULL ILLUME

Der aus Belgien stammende Spitzen­ fahrer Thomas „Fritte“ Genon beim Sprungtraining daheim in Frankreich. Wer es wie er beherrscht, genießt ein paar Augenblicke totale Freiheit.

Ganz große Oper

Roman Neimann, Tallinn, Estland

Nachdem sich Neimann mit seinen Kindern in ­ allinns Oper „Pinocchio“ angeschaut hatte, ging T ihm die Kulisse der Eröffnungsszene nicht mehr aus dem Kopf. „Nach sechs Monaten Verhandlungen bekam ich endlich ein paar Minuten für diese Auf­ nahme. Kurz danach haben sie alles abgebaut.“

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P O RT FO L IO

Ist da jemand?

Lorenz Holder, Raisting, Deutschland Diese Parabolantenne diente früher der Kommunikation mit Nachrichtensatelliten, heute steht sie unter Denkmalschutz. Fotograf Holder zweckentfremdete sie für dieses ­ikonische Snow­board-Bild – und wurde damit Gesamt­sieger des Fotowettbewerbs Red Bull Illume 2013.

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LORENZ HOLDER/RED BULL ILLUME, SERGEY SHAKUTO/RED BULL ILLUME

Mut kommt vor dem Fall

Serge Shakuto, Aerograd Kolomna, Russland

„Das war eines der ersten Fotos, die ich im freien Fall gemacht habe“, erinnert sich Serge Shakuto. Eine Mutprobe: Als Eugene Tarakhomin ihm das Shooting vorschlug, war Serge noch Skydive-Anfänger. „Ich habe einen ganzen Monat für die Vorbereitung gebraucht, doch dann haben wir zehn schöne Fotos im Lauf von zwei Sprüngen bei Sonnenuntergang geschossen.“

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Musik

Saweeties buntes Leben Vom selbst gedrehten Instagram-Video zu Mehrfach-Platin in den USA: die kali­fornische Rapperin Saweetie, 27, über weibliche Vorbilder, falsche Komplimente und den Vorteil, als Außenseiterin eine Karriere zu starten. Interview LAKIN STARLING  Foto G L ASKEW

Die längste Zeit ihres Lebens, erzählt Rap-Superstar Saweetie, sei sie eine Außenseiterin gewesen. Kaum zu glauben angesichts der perfekt gestylten Schönheit mit dem tonnenschweren Selbstvertrauen, die uns in Santa Monica, Kalifornien, begrüßt. Saweetie, geboren als Diamonté Quiava Valentin Harper, ist aktuell eine der spannendsten Rapperinnen der USA. Mit Tracks wie „Tap In“ vermählt die 27-Jährige WestcoastKlassiker mit dem Musikgeschmack der Generation Z. Nebenbei entwirft sie Mode und modelt für Rihannas Label. Saweetie ist ein Musikstar der ­neuen Sorte – multitalentiert und in mehreren Sparten erfolgreich. Vor vier Jahren war Saweetie noch Studentin an der University of Southern California, die Song-Ideen auf Instagram postete. 2017 gelang ihr mit dem Video zu ihrem Track „Icy Grl“ der große Wurf. Mit platinblonder Langhaarperücke, eis­ grauem Pelz und satinglänzenden Strümpfen verkörperte sie den verruchten Luxus eines Mädchens, das „nach Minuten abrechnet, weil meine Zeit kostbar ist“, wie es im Text heißt. Es folgte die mehrfach mit Platin ausgezeichnete Single „My Type“ und die mitreißende Nummer „Tap In“. All diese Erfahrungen sind in Saweeties erstes ­Album, „Pretty Bitch Music“, eingeflossen.

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the red bulletin: Deine SocialMedia-Videos haben viel Spaß gemacht. War das deine Strategie, um durch die schwierige Zeit der Pandemie zu kommen? saweetie: Ich sage immer, wenn ich keine Künstlerin wäre, würde ich wohl nur einmal pro Jahr etwas posten. Social Media hat mir ursprünglich Angst gemacht, weil da so viele Leute mit einer Meinung zu allem und jedem sind. Aber dann erkannte ich, dass das nur eine imaginäre Welt ist. Erst als ich mental stärker wurde und lernte, wie man damit umgeht, machte es auf einmal Spaß. Deine Familie spielt bei deinen Social-Media-Auftritten (7,7 Millionen Fans auf Instagram; Anm.) eine große Rolle. Welche Mit­ glieder hatten denn den größten Einfluss auf dein Leben? Ich hatte wirklich junge Eltern, die beide immer gearbeitet haben, deshalb waren es definitiv meine Omas, zu denen ich die engste Beziehung hatte – philippinisch-chinesisch mütterlicherseits, afroamerikanisch väterlicherseits. Sie waren es, die mich aufgezogen haben. Sie stammen aus unterschiedlichen Kulturen, aber sie hatten beide die gleiche Arbeitsethik. Sie arbeiteten ständig. Sie hatten immer eine ordentliche Frisur. Sie rochen immer gut. Sie haben immer ihr Haus in Ordnung ­gehalten. Diese Sachen waren in ­meiner Kindheit ganz normal.

Und ganz egal, wie die Rahmenbedingungen waren, sie haben mir immer Liebe und Unterstützung gegeben. Wie hast du deine Kindheit erlebt? Als kleines Kind war ich immer woanders: Meine Mutter war siebzehn, als sie mich bekommen hat, und ich war immer bei Babysittern. Aber so habe ich mir eine dicke Haut zugelegt. Und ich habe gelernt, mich anzupassen – denn wenn sich deine Umgebung ständig ändert, fühlst du dich als kleines Kind nie irgendwo wirklich wohl. Ich habe meine Kindheit gehasst, weil ich nie das Gefühl hatte, normal aufzuwachsen, aber sie hat mich auf das Musikgeschäft vorbereitet. Ich setze mich durch, egal was passiert. Es machte eine starke Frau aus mir. Mit welchen Problemen hattest du denn in deiner Musikkarriere zu kämpfen? Die Leute haben meine A ­ uthentizität infrage gestellt, weil ich aufs College gegangen bin und mich halbwegs gut ausdrücken kann. Aber wer sagt, dass ein Mädchen wie ich nicht aufs College gehen kann? Wer sagt, dass ich meine Nägel nicht lang tragen darf, nur weil ich eine Ausbildung habe? Ich denke mir immer: „Verdammt, ich war doch schon immer so!“ An der Uni in San Diego hatte ich nie das Gefühl, ich selbst sein zu können. Ich habe ein oder zwei ­Jahre gebraucht, bis ich mich getraut habe, aufzuzeigen und mitzuarbeiten, weil ich anfangs einen so starken Slang gesprochen habe. Die Leute um mich gaben mir das Gefühl, mich ändern zu müssen. Das hat mich zu einem Roboter gemacht, weil ich immer das Gefühl hatte, den Erwartungen an eine Studentin einer Prestige-Universität entsprechen zu müssen.

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„Ich habe im Sport das Kämpfen gelernt.“ ­Rap-Star und Sport-Fan Saweetie über ihren Zugang zum Leben

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Musik

Hast du im Sport auch etwas fürs Leben gelernt? Ja, das Kämpfen. In der Schule war ich immer „die Neue“, die anderen ­haben mich nicht gerade mit offenen ­Armen empfangen. So musste ich mich eben athletisch beweisen. Ich war immer wettbewerbsorientiert. Das machte mich mental stark. Wann hast du beschlossen, ­Rapperin zu werden? Schon als Zehntklässlerin in der High School. Die Jungs rappten in der Klasse, und ich dachte: „Okay, ihr seid alle cool, aber ich geh jetzt heim und schreibe meine eigenen

„Ich musste mich immer beweisen. Das machte mich stark.“ Schon früh erkämpfte sich Saweetie Anerkennung über den Sport.

Lyrics.“ Als ich dann meinen Scheiß in der Mathematikstunde rausspuck­ te, drehte die ganze Klasse durch. Also dachte ich: „Wow, vielleicht kann ich so was wirklich machen!“ Im College hast du deine ersten Videos auf Instagram gepostet. Statt im Studio bist du im Auto gesessen. Ich dachte, dass ich mir das Studio nicht leisten kann. Als Anfänger ist es oft schwierig, einen guten Ton­ ingenieur zu finden. Denn wenn du unerfahren bist, merkst du nicht einmal, wenn du einen schlechten erwischt hast. Statt das Geld beim Fenster rauszuschmeißen, hab ich dann eben online aufgenommen. Ein beliebtes Vorurteil lautet, es gebe nicht genug Platz für ­erfolgreiche Frauen im Rap. Die Zahlen beweisen, dass das eine Lüge ist. Eine Phrase, die ich gerne tilgen würde, lautet: „Für ein Mädchen ist sie erfolg­reich.“ Ein Spruch, den ich auf der Uni gehasst habe, war: „Oh, für ein schwarzes Mädchen bist du aber hübsch.“ So ein hinterhältiges Kompliment! Und obwohl der Zusatz „für einen weib­ lichen Rapper“ keine Belei­digung ist, sagt er mir, dass Rapperinnen ihren Job nicht machen. Aber das tun wir.

Im Bühnen-Modus: Bei Konzerten ist US-Rapperin Saweetie für ihren bedingungslosen Einsatz bekannt – hier etwa bei einem Auftritt in Miami Beach 2019.

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Manche Leute regt es auf, wenn Frauen über ihren Körper rappen. Dein Song „Pretty Bitch Freestyle“ feiert die Sexualität geradezu. Ich erinnere mich gut daran, als ich 2018 mit Kid Ink und Lil Wayne den Song „Yuso“ aufgenommen habe: Ich war so stolz! Ich dachte: „Ich schmeiße mich jetzt auf dieses vulgäre Lied, weil ich etwas Wich­

tiges zu sagen habe. Wenn ich schon ­unanständig sein muss, dann will ich rüberkommen wie Missy Elliott. Ich liebe Missy – sie ist vulgär, aber sie bringt dich damit zum Lachen. Ich habe hart daran gearbeitet, dass meine Texte kreativ, lustig und – zumindest in meinen Augen – ge­ schmackvoll sind. Aber als „Yuso“ rauskam, bekam ich negative Reak­ tionen à la „Sie ist doch vornehm, da kann sie nicht solche Sachen singen!“. Meine Antwort: Sei, wer du als Frau sein willst, und kümmere dich nicht darum, was die Leute sagen. Wie würdest du die verschiedenen­ Ebenen deines Debütalbums „Pretty Bitch Music“ beschreiben? Als Frau mag ich die schönen, die noblen Seiten des Lebens, aber ich bin gleichzeitig immer noch ein Wild­ fang. Weiters bin ich ein Familien­ mensch – und jemand, der durch Gefühle verletzt werden kann. Ich bin schließlich nicht bloß ein hüb­ sches Roboter-Mädchen. Ich bin ein Mensch, und über diese Songs – egal ob sie nun sentimental, persönlich, aufbauend oder lustig sein mögen – kannst du all diese Schichten er­ leben, weil das Album fünfzehn Songs umfasst. Ich bin wirklich ­aufgeregt: Jetzt finde ich endlich her­aus, was meine Kunst ist. Und der Sound? Sie haben gemeint, das Album klinge nicht so, wie die Leute es erwartet hätten. Mein Umfeld hat zunächst versucht, mich dazu zu bringen, zu den großen Hitproduzenten zu gehen. Keiner hat meine Persönlichkeit wirklich verstanden, die ist ja auch sehr komplex. Bei diesem Projekt habe ich nur mit Leuten zusammen­ gearbeitet, die mich richtig gut ­kennen – und jetzt höre ich: „Wenn die Leute sich das anhören, lernen sie dich kennen, bevor sie dich wirk­ lich getroffen haben.“ Aber ich lerne noch: Zuerst wusste ich nicht, wie ich meine Persönlichkeit über einen Beat rüberbringe. Ich lerne jetzt, wie ich einen Song in die Hand nehme und ihn so bearbeite, wie Saweetie es tun würde. Mehr Perspektiven aus ihrem Leben teilt Saweetie auf Instagram: @saweetie THE RED BULLETIN

GETTY IMAGES

Eines deiner Ventile war der Sport. Wie hat denn diese Passion angefangen? Damit bin ich geboren worden! Im Um­feld meiner Omas waren nur Jungs, und wir Mädchen wurden zu Wildfängen, weil wir mit ihnen spielten. Ich rannte auf der Straße barfuß herum. Papa sagte immer, ich rieche nach dem „großen Aben­ teuer draußen“, weil ich oft mit ­einer total verdreckten Jeans und, vom Bäumeklettern, Zweigen in den Haaren nach Hause kam.


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, R E H Ä N T S I T N O Z I R O H R DE . T S K N E D U D S L A

0X 0 5 E R I F CROSS

Brixton’s bisher größtes Bike ist bereit, den Asphalt zu erobern. Mit ihrem Zweizylinder-Reihenmotor und markantem X im Tank bringt die Crossfire 500 X pulsierende Agilität auf die Straße. Jetzt bei deinem Händler in der Nähe Probe fahren! brixton-motorcycles.com


Klettern

Von der Kraft der Perspektive 2014 überlebte die Kanadierin Jill Wheatley ganz knapp ein Schädel-Hirn-Trauma. Dennoch bezwingt sie seither hohe Gipfel – und sieht die Welt mit anderen Augen. Text RACHAEL SIGEE  Fotos VINAYAK JAYA MALLA

Das Wort „Unfall“ hört Jill Wheatley nicht gern. Das Ereignis, das ihr ­Leben für immer veränderte, beschreibt sie lieber als den Moment, „in dem das Schicksal meine Route neu berechnet hat“. 2014 war das. Jill Wheatley, die in der Nähe von München Sportwissen­ schaft unterrichtete, wurde von ­einem Baseball am Kopf getroffen. Diagnose: Schädelbruch, Gehirn­ blutungen und -schwellungen. Dazu waren die Sehnerven so stark beschädigt, dass ihr Sehvermögen auf 30 Prozent schrumpfte und sie das rechte Auge nicht mehr öffnen konnte. Die knapp Dreißigjährige war von einer unabhängigen „Abenteurerin“ zur Überlebenden eines SchädelHirn-Traumas geworden. Zwei Jahre verbrachte die Kanadierin im Krankenhaus. Sie kämpfte sich zurück und bezwingt seither Berge und Routen wie den Eiger ­Ultra Trail in den Schweizer Alpen. Und berichtet darüber in ihrem Blog „Mountains of My Mind“. the red bulletin: Was genau an den Bergen ist es, das Sie ruft? jill wheatley: Es hat mich immer ins Freie und auf die Berge gezogen. Ich dachte mir: Kein Berg, egal welcher, ist eine größere Herausforderung als meine Zeit im Krankenhaus. Als es mir richtig schlecht ging, stellte

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sich ein neuer Arzt vor. Ich hatte mir die Schläuche herausgezogen und noch mehr gemacht, was eine gute Patientin niemals tun sollte. Er sagte: „Sie mögen doch die Berge. Diese Schläuche sind Ihre Seilversicherung. Wenn Sie auf eine Expedition gehen, brauchen Sie ein Team. Und das Team, das Ihnen zum und auf den Everest helfen wird, sind wir.“ Als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal den Mount Everest sah, fielen mir seine Worte ein: „Niemand klettert allein auf einen Gipfel.“ Wie sehr behindert Sie das ­Schädel-Hirn-Trauma, einmal ­abgesehen von Ihrem Sehverlust? Was man sieht, sind die Narben von meinen diversen Stürzen. Was man nicht sieht, ist die kognitive Dysfunktionalität. Ich verfüge über keine Tiefenwahrnehmung, also stürze ich. Will ich mir aus einem Krug Wasser einschenken, treffe ich den Becher nicht. Wie häufig passiert das? Nicht täglich, aber häufig. Gleichgewicht, Koordination, Konzentration – das alles musste ich üben. Manchmal muss ich mich selbst daran er­ innern, wie viel ich mir vornehme. Im Kopf bin ich nie gnädig mit mir selbst, ich will keine Ausreden. Doch es ist mir nicht besonders wichtig, wie schnell ich unterwegs bin. Darauf kommt es nicht an. Zur allgemeinen Verwunderung bin ich noch am Leben, und so gehe ich damit um.

Was hilft Ihnen in schwierigen Momenten? Das Wissen um Veränderung. Ich habe Vipassana gelernt, eine Art ­Meditation, die mit zehn Tagen Schweigen beginnt. Vipassana beruht im Wesentlichen auf dem Gedanken, dass alles ständig im Wandel begriffen ist. Ich habe eingehend ­darüber nachgedacht, meinen Blickwinkel verändert und erkannt, dass ich selbst eigentlich ein sehr gutes Beispiel für Veränderung bin. Darum mag ich den Gedanken des Wiedergesund-Werdens gar nicht so sehr, denn das bedeutet für mich die Rückkehr zu einem vergangenen Zustand, und ich will nicht mehr die Person sein, die ich einmal war. Sie denken also positiv? Ja, ich habe dank meinem SchädelHirn-Trauma mehr gelernt, als ohne möglich gewesen wäre. Die elementarste Erkenntnis ist jene von der Kraft der Perspektive, dieser Wechsel vom Verlorenen zum Gewonnenen. Widrigkeiten stellen sich für uns alle unterschiedlich dar. Ein anderer hat vielleicht keinen Sehverlust und kein ­Schädel-Hirn-Trauma erlitten, und doch kann jeder Mensch einen Weg für seine Widrigkeiten finden und lernen, offen und er selbst zu sein. Wie fühlt es sich nach Ihrer ­Krankengeschichte an, einen ­Gipfel zu stürmen? Ich empfinde Dankbarkeit. Wenn ich bloß darüber spreche, bekomme ich schon eine Gänsehaut. Ich sehe ein Foto von mir auf einem Gipfel, während ich in meiner anderen Hirnhälfte in einem Krankenhausbett liege und mir wünsche, nicht mehr aufzuwachen. Ich bin diesen Leuten so dankbar dafür, dass sie mich nicht aufgegeben haben. Die da oben auf dem Gipfel steht, das bin ich, aber dorthin gebracht haben mich sehr viele andere. Jills Blog: mountainsofmymind.com

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„Niemand klettert allein auf einen Gipfel.“ Dieser Satz eines Arztes ist Bergsteigerin Jill Wheatley – hier auf einer Tour im Himalaya – immer gegenwärtig.

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Streaming

„Wenn ich gut drauf bin, dann sind es die Zuschauer auch.“ so viel Sendezeit. Running Gags, die man nur versteht, wenn man die vier Stunden vorher gesehen hat, stärken das Community-Ding. Merkst du, wie es der Gemein­ schaft gerade geht, auch wenn so viele zuhören? Die Stimmung aller hängt immer krass davon ab, wie ich drauf bin – wenn ich krass gut drauf bin, dann die auch. Wenn alles schiefläuft in einem Videospiel, dann merke ich, wie die Leute auch immer grum­ meliger werden.

„Schweigen wäre schon krass“ Körpersprache und Running Gags: Twitch-Star Kevin Teller erklärt, wie er in der digitalen Welt Nähe herstellt. Interview MARC BAUMANN

Er betrieb schon in der 7. Klasse einen YouTube-Kanal namens SchnitzelTV, bekannt wurde er auf dem Streaming-­ Portal Twitch, wo Kevin Teller alias „Papaplatte“ 1,3 Millionen Menschen folgen. Sie sehen ihm etwa zu, wie er bis spät in die Nacht Videospiele spielt oder Serien kommentiert. Und ja, sie fühlen sich dabei wunderbar unterhalten. the red bulletin: Kevin, kannst du uns als einer der erfolgreichs­ ten Live­streamer Deutschlands ­sagen, wie man sich in seinen Video­konferenzen gut verkauft? kevin teller: Ich gestikuliere viel rum, Körpersprache sagt viel aus. Dafür setzt man sich am besten mit genug Abstand vor die Kamera, da­ mit nicht nur der Kopf zu sehen ist. 38

Und wenn die Sitzung stockt? Überlege, was dir zuletzt Lustiges passiert ist – und erzähle das. Als Livestreamer achte ich sehr darauf, was in meinem Leben eine verwert­ bare Geschichte wäre. Um die un­ angenehme Stille zu killen, muss man halt riskieren, dass man etwas sagt, was auch mal nicht ankommt. Wie erzeugst du mit 10.000 Zu­ sehern eine familiäre Atmosphäre? Es soll sich immer so anfühlen, als ob gerade nur fünf Leute unter sich wä­ ren. Ich erzähle viel Persönliches von früher, was man nur Freunden sagen würde. Nicht so viele Geschichten erzählen, wo man selbst der Held ist – da gibt es eh nicht so viele bei mir. (Lacht.) Ich wiederhole Anekdoten oft, da kommt man gar nicht rum bei

Schreiben dir Zuseher, wenn es ihnen nicht gut geht? Oft, ja. „Bei mir läuft grad alles schief“ oder so – dann sage ich zwei, drei nette Worte, aber Streamer sind keine Psychologen und keine Ärzte. Ich spreche notfalls im Stream an, dass es gut wäre, mit Freunden, ­Familie oder Experten zu sprechen. Ist Twitch auch ein Ort für ernste Themen? Neulich hab ich mit der Community vier Stunden am Stück die Repor­ tage von Joko und Klaas über den Arbeits­tag einer Krankenpflegerin geschaut. Alle paar Streams mal ­etwas Ernstes reinkriegen, das finde ich gut. ­Zusammen mit der Commu­ nity dazuzulernen macht Spaß. Du bist acht Stunden am Stück auf Sendung. Redest du da durch? Mal 30 Sekunden nichts sagen wäre schon krass. Wenn ich auf die Toi­ lette gehe oder Tee hole, dann be­eile ich mich – beim Teeholen nehme ich das Mikro mit. Wenn du fünf Minu­ ten weg bist beim Livestream, dann schauen die Leute woanders zu. Bei Twitch ist es wichtig, wie lange du ­online bist. Ich hab früher teilweise 12 bis 13 Stunden am Tag gemacht. Hier streamt Kevin: twitch.tv/papaplatte THE RED BULLETIN

BENJAMIN CIERPIOL/@BENNY_030

Ausdauer: Kevin Teller ist bis zu acht Stunden auf Sendung.


FLÜÜÜGEL FÜR DEN SOMMER. MIT DEM GESCHMACK VON KAKTUSFRUCHT.

R NUR FÜ EIT KURZE Z

BELEBT GEIST UND KÖRPER ®.


MACHT DER MITTE

Speziell beim Diskus­ wurf, aber auch generell meint Kaul: je stärker der Rumpf, desto besser die Leistung.


Leichtathletik

FIT

HOCH ZEHN Wegen ihrer Vielseitigkeit gelten Zehnkämpfer als perfekte Athleten. Und NIKLAS KAUL, 23, ist ihr König. Hier erzählt der Weltmeister, was sich Hobbysportler von seinem Training abschauen können – von explodierenden Muskeln bis zum Hintern-hoch-Tipp. Text WERNER JESSNER  Fotos FELIX KRÜGER   41


Leichtathletik

W

as er am Tag der Deutschen Einheit 2019 gemacht hat, wird der Mainzer Niklas Kaul, 23, sein ganzes Leben lang nicht vergessen: Er hat Sportgeschichte geschrieben, nicht weniger. Ausgerechnet im Zehnkampf, der Königsdisziplin der Leichtathletik, die so unterschiedliche Sportarten wie Stabhochsprung und Hürdenlauf, 100-Meter-Sprint und Speerwurf vereint, die den gesamten Körper fordert und den Geist peinigt, die Durchhaltevermögen wie Taktik gleichermaßen verlangt, vollbrachte der Student ein unvergessliches Glanzstück. Nach einem durchwachsenen ersten Wettkampftag drehte er in den verbleibenden fünf Wettbewerben bei der WM in Doha, Qatar, voll auf und marschierte von Platz elf im Gesamtklassement bis zum Weltmeistertitel durch. Mit erst 21 Jahren – als jüngster Athlet der Geschichte. Als erster Gesamtdeutscher überhaupt.

Problemlöser

Mit körperlicher Stärke allein ist das nicht zu erklären. Da gehört auch eine gewaltige Portion Geisteskraft dazu, zum Beispiel das Wissen, „dass es den perfekten Wettkampf nicht gibt. Ich hatte bislang noch in jedem Zehnkampf einen Durchhänger, und alle Kollegen, mit denen ich darüber geredet habe, beschreiben das ganz ähnlich. Eine der größten ­Aufgaben ist, damit zurechtzukommen. Man muss eigent­lich immer improvisieren. Das macht den Zehnkampf für mich auch so interessant. Es gewinnt nicht immer der Athlet mit der höchsten Leistungsfähigkeit, sondern jener, der während der zehn ­Disziplinen seine Probleme am besten löst.“ Dass aus der „Schadensbegrenzung“, die er für den zweiten Tag bei der WM in Doha geplant hatte, der große Triumph wurde, gekrönt von der Weltbestleistung im Speerwurf über 79,05 Meter und 42

e­ iner brillanten Performance im superzehrenden 1500-Meter-Lauf (Sieg in 4:15,71 Minuten!), überrumpelte den sympathischen Studenten (Sport und Physik im Lehramt) sichtbar selbst.

Kopfarbeiter

Nachdem er durchs Ziel gelaufen war, stand ihm die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben: Was? Weltmeister? Ich? Wirklich? Doch dieser Zustand hielt nicht ewig an. Heute sagt er: „Bei der WM habe ich einen guten Wettkampf abgeliefert. Aber das hat keinen anderen Menschen aus mir gemacht.“ Und noch etwas überraschend Geerdetes sagt er: „Ich möchte mich nicht auf den Sport allein verlassen müssen. Daher ziehe ich mein Studium auf jeden Fall durch. Auch weil ich auf der Uni Menschen treffe, denen ich sonst nie begegnen würde. Das gibt so ein Stück Normalität und lenkt mich ab, zum Beispiel nach meiner Ellbogenverletzung im letzten Jahr.“ Die ist inzwischen auskuriert, Niklas Kaul ist ­wieder fit und voll motiviert. Der WM-Titel war sein bisher letzter Zehnkampf. Der nächste sollte bei den Olympischen Spielen in Tokio stattfinden. Eines weiß Niklas schon heute: Auch in Japan wird er k ­ einen perfekten Wettkampf abliefern. Aber ganz s­ icher den besten, der ihm möglich ist.

„Muskeln sind lernfähig. Im Training können wir sie gezielt ansteuern.“ THE RED BULLETIN


OBENRUM SCHNELL

Top-Sprinter brauchen einen starken Oberkörper – besonders der Armschwung sorgt für Vortrieb.


GESUNDER GEIST

Das Gehirn ist jener Körper­teil, der im Zehn­ kampf am meisten ge­ fordert wird. Präzision, Durch­haltevermögen und Selbstmotivation sitzen hier.


Leichtathletik

POWER-PAKETE

Trainierte Waden schützen die Gelenke, vor allem aber ver­ leihen sie explosive Sprungkraft nach oben.

FILIGRANES FUNDAMENT

Beim Laufen federn die Füße unser Körpergewicht ab. Gezieltes Barfußtraining stärkt ihre Muskeln und ­reduziert Verletzungs­ gefahr.

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Leichtathletik

EXKLUSIV IN THE RED BULLETIN

Niklas’ freundschaftliche Trainings-Tipps, die uns Amateure auf das nächste Level heben 1. Explosivität und Ausdauer: Gegensätze, die sich vertragen können

Wir Hobbysportler neigen dazu, uns unbewusst zu spezialisieren, und verpassen so die Chance, komplette, ausbalancierte Athleten ohne Defizite zu ­werden. Marathonläufer sind in der Regel keine Sprinter – und umgekehrt. Gerade bei Hobbysportlern – aber auch im Profibereich – definiert oft die Sportart den Körperbau, wobei das nur bei den ­Profis Absicht ist. Uns Hobbysportlern passiert das meist, weil wir nicht darauf achten. Zehnkampf ist ein Sonderfall: In den zwei Wettkampftagen sind die Athleten insgesamt nur rund 13 bis 15 Minuten aktiv, wobei der 1500-Meter-Lauf den größten Anteil daran hat. Folglich liegt der Fokus auf der Explosivität, „die Ausdauer bezieht sich eher darauf, nach einer kurzen Erholungspause wieder Leistung in der nächsten Disziplin abzuliefern. Ohne Grundlagenausdauer kannst du am zweiten Tag nicht mehr. Wer gute Ausdauer hat, kann härter trainieren und regeneriert schneller.“ Umgekehrt empfiehlt Kaul den Ausdauerwundern, hie und da eine schnellere Einheit einzustreuen und auf der Jogging-Runde einen Kilometer oder die Strecke bis zur übernächsten Parkbank Gas zu geben: „Das macht dich auf Dauer schneller.“ Aber: „Es tut nie weniger weh. Das ist auch bei mir nicht anders. Einheiten, die viel Lactat produzieren, sind nicht so angenehm. Aber das Glücksgefühl danach ist es wert – und das Wissen, wieder ein bisschen besser geworden zu sein.“

2. Muskeln ohne Extra-Kilos aufbauen

Könnte ich bei meiner Eishockey-Hobbypartie mit fünf Kilo mehr auf der Waage mehr Druck auf den Schläger bringen? Wäre ich mit drei Kilo weniger schneller auf dem Berg? Wo liegt das ideale Gewicht im Zehnkampf? „Beim Laufen und Springen wären weniger als meine 90 Kilo auf 1,90 Metern besser, in den Wurfdisziplinen hingegen wäre mehr ein Vorteil.“ Doch was dieses Dilemma betrifft, gibt es eine Lösung für Profi wie Amateur, und die lautet: ­stärkere Muskeln ohne Gewichtszunahme. Und so geht’s: „Beim Krafttraining mit wenigen Wiederholungen und maximalem Gewicht arbeiten. Probiert mal drei bis fünf statt zehn bis zwölf Wiederholungen. So baut man weniger Muskelmasse auf, 46

arbeitet aber immer im Maximalbereich. Zusätzlich kann man über gezielte Ansteuerung viel erreichen: Zerlegt die Bewegungsabläufe in eurem Sport, und trainiert jene Muskeln intensiv, die ihr dafür braucht. Muskeln sind lernfähig. Die maximal mögliche Kraft ist weniger wichtig als die Kraft, die ihr tatsächlich anwenden könnt.“

3. Der richtige Snack zur richtigen Zeit

Erholung braucht Energie – und je flotter der Körper die kriegt, desto schneller kann er damit beginnen. Niklas’ Tipp: „Ich esse gleich nach dem Training ­einen Snack und beginne erst danach zu kochen. Damit hat der Körper schon vor der großen Mahlzeit Energienachschub.“ Die beste Regeneration ist Schlaf: mindestens sieben Stunden. Gerade bei ­intensiven Einheiten am Abend kann das Einschlafen zum Problem werden. Das kennt auch Niklas: „Der Körper braucht nach Belastungen Zeit, um runterzufahren. In diesem Zustand im Bett zu liegen, die Augen zu schließen und zu hoffen, einschlafen zu können, funktioniert bei mir nicht. Da lese ich lieber, bis die Müdigkeit tatsächlich kommt.“ Die gute Nachricht: Irgendwann ist noch jeder eingeschlafen. Sich deshalb Stress zu machen ist kontraproduktiv.

4. Abwechslung macht den Meister

Nach tausenden Wiederholungen weiß man, wie es geht. Doch genau dieses Denken ist eine Falle, findet Niklas Kaul. „Man bildet feste Bewegungsmuster aus. Um hier ausbrechen zu können und die kleinen Fehler zu verbessern, muss man mit Routinen brechen.“ Im Zehnkampf sei es unmöglich, in jeder ­Disziplin die perfekte Technik zu haben, meint er. Wir Alltagssportler sind in der Regel noch weiter vom Ideal entfernt. Was also tun? „Versuche, die

„Kleine Zwischenziele lassen das große Ziel nicht so weit entfernt erscheinen.“ THE RED BULLETIN


KATAPULT-FAKTOR

HELDENBRUST

Wichtig für die Wurf­ disziplinen, klar. Noch wichtiger: auch den Rücken trai­nieren, um Dis­balancen zu vermeiden.

SECHSER-PACK

Je stabiler das Zentrum, desto weniger Energie geht etwa beim Laufen für Ausgleichsbewegungen verloren.

Niklas’ Lieblings­ disziplin ist der Speer­ wurf. Schon mit 13 schaffte er unglaub­ liche 51,83 Meter! Wichtig: ausgeprägte Schultermuskulatur.


POPEYEPOTENZIAL

Ein starker Bizeps hilft beim Werfen und beim Stabhochsprung – ist er zu groß, kann er beim Sprinten zum Ballast werden.

STOSSKRAFT

Nicht die stärksten, die schlausten Unterarme gewinnen das Kugelstoßen. Auf die Technik kommt es an.


Leichtathletik

nächsten zwei Kilometer mit mehr Anfersen zu ­laufen, die folgenden zwei mit höheren Knien. Kurze Schritte, lange Schritte. So hinterfragt man seine Muster und bekommt ein Gefühl dafür, was besser und was nicht so gut funktioniert.“

5. Das Auge trainiert mit

DAS GROSSE ZIEL

ENDLICH TOKIO!

Der Zehnkampf als Höhepunkt der Olym­pi­schen Spiele 2021 mit und für Niklas Kaul

Radfahrer sind obenrum Huhn und unten Hulk, bei vielen anderen Sportarten ist es umgekehrt. Wie schafft man es, den gesamten Körper in Form zu bekommen, und was bringt es? „Jeder hat Übungen, die nicht so viel Spaß ­machen. Bei mir sind es Kraftübungen für die Beine und alles, was mit Beweglichkeit zu tun hat. Ich sage mir bei diesen Übungen vor, dass sie mir helfen, ­Verletzungen vorzubeugen und generell besser zu werden. Universal in Form zu sein hat auch ästhetische Vorteile: Wer gleichmäßig alle Körperpartien trainiert, sieht einfach besser aus.“

6. Mehr Energie dank stabilem Rumpf

Was viele nicht wissen: In nahezu allen Sportarten lassen sich Steigerungen erzielen, wenn man an der Rumpfstabilität arbeitet. Niklas erläutert es anhand des Laufens: „Wenn wir die Krafteinwirkung im Rumpf nicht stabilisieren können, fangen wir an, rumzuwackeln. Dabei geht Energie verloren, die wir andernfalls in Vorwärtsbewegung umwandeln könnten.“ Ob Planking, Seitstütz oder Balancebretter mit einer Halbkugel auf der Unterseite: Niklas Kaul ­findet das alles sinnvoll. Auch Slacklining, um ein ­wenig Dynamik reinzubringen. Nur einen Fehler dürfe man nicht machen: „Zu erwarten, dass man den ­Effekt bereits nach wenigen Wochen spürt. Gute Rumpfstabilität aufzubauen dauert seine Zeit – aber langfristig profitiert man enorm davon.“

7. Beweglichkeit schlägt Kraft

Der stärkste Muskel hilft nichts, wenn der Körper steif ist und die Kraft nur über einen kurzen Weg wirken kann. Bestes Beispiel: Die Schrittlänge wird bei mangelnder Beweglichkeit in Oberschenkeln und Gesäß kürzer. Gut gedehnte Beine machen bei jedem Schritt die entscheidenden Zentimeter mehr – bei gleichem Krafteinsatz. „Spätestens im Hürdenlauf machen verkürzte Muskeln keinen Spaß mehr, abgesehen davon, dass sie schneller zerren oder gar reißen.“ Niklas Kaul ­investiert deutlich mehr Zeit ins Dehnen als in Krafttraining. Hand aufs Herz: Wer von uns Hobbysportlern kann das von sich behaupten?

8. Große Ziele in Etappen zerlegen

Das mental Schlimmste im Zehnkampf, sagt Niklas, sei gar nicht der abschließende 1500-Meter-Lauf: „Da weiß man, dass der Wettkampf nach der Ziel­ THE RED BULLETIN

So jubelt ein Weltmeister: Niklas 2019 in Doha, Qatar. Nächste Siegerpose: Tokio 2021?

Am 23. Juli 2021 beginnen die ersten Olympischen Spiele, die in einem ungeraden Jahr ausgetragen werden. In insgesamt 33 Sportarten (bisher 28) werden Medaillen vergeben, deren Edelmetall übrigens aus Elektroschrott gewonnen wurde. Im Zehnkampf, der am 5. und 6. August im Olympiastadion von Tokio statt­findet, werden 23 Athleten versuchen, den amtierenden Weltmeister aus Deutschland zu besiegen. Dabei ist das Verhältnis der Athleten untereinander durchaus freundschaftlich, so Niklas Kaul: „In erster Linie kämpfen wir nicht gegeneinander, sondern für möglichst viele Punkte.“ Infos: tokyo2020.org

linie vorbei sein wird.“ Für ihn sei meistens der 400-Meter-Lauf am ersten Tag die härteste Prüfung. „Um durch diese mentalen Tiefs zu kommen, setze ich mir Etappenziele. Die ersten 200 Meter schaffe ich locker. Bis 300 Metern muss ich versuchen, in der Kurve Druck zu machen. Die letzten 100 Meter ­drücke ich dann auch noch irgendwie durch.“ Dasselbe gilt fürs Training: Kleine Zwischenziele lassen das große Ziel nicht so weit entfernt erscheinen. Noch besser: sich erst gar nicht so viele Gedanken darüber machen, was gleich kommt.

9. Von fremden Welten lernen

Zehn Disziplinen sind Niklas Kaul nicht genug. „Je mehr verschiedene Sportarten du probierst, desto mehr unterschiedliche Trainingsreize setzt du. Ich spiele zum Aufwärmen gern Badminton oder werfe Handball-Pässe.“ Generell könne man aus anderen   49


Leichtathletik

„Um kleine Fehler zu verbessern, muss man mit Routinen brechen.“ Disziplinen viel Positives für den eigenen Sport raus­ ziehen, findet er, und nennt als Beispiel die S ­ tabilität, die Skifahrer mitbringen. „Wenn du in Kitzbühel auf der Streif die Span­ nung nicht halten kannst, wird es unschön. Dies­ bezüglich sind Skifahrer absolute Vorbilder, und ich versuche, Teile ihres Trainings zu übernehmen, etwa was die Rumpfstabilität anlangt.“ Und noch e­ twas Gutes hat der Blick über die eigene Welt hinaus: Das Training wird nie langweilig.

ningspartner zu haben. Wer eine Verabredung zur Joggingrunde hat, steht bei jemandem im Wort. Aus dem vagen Satz ‚Heute gehe ich laufen‘ wird der konkrete Plan: Heute um zehn Uhr laufe ich mit XY zehn Kilometer. Sollte man sich nicht physisch treffen können, läuft jeder zur vereinbarten Zeit für sich und schickt danach einen Screenshot der absolvierten Strecke an den Partner.“

10. Zusammen wird ein Plan draus

Nach seinem WM-Titel 2019 hat Niklas aus den bekannten Gründen (und wegen einer OP am Wurfarm) über ein Jahr keinen Zehnkampf bestritten. 2021 soll es wieder losgehen. Erste Höhepunkte: das Hypomeeting in Götzis, Österreich, am 29. und 30. Mai und die Deutschen Meisterschaften am 5. und 6. Juni in Braunschweig. Infos: meeting-goetzis.at und leichtathletik.de

Wie krieg ich meinen Hintern hoch? Eine Frage, die sich nicht nur Amateure, sondern bisweilen auch Profis wie Niklas stellen – vor allem dann, wenn das Wetter unwirtlich ist. Sein Trick, abgesehen davon, sich an seine Ziele zu erinnern: „Mir hilft es, Trai­ 50

Mehr Einblicke gewährt Niklas Kaul auf Instagram: @_niklaskaul

ES GEHT WIEDER LOS!

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KRAFTPAKET

Die Oberschenkel liefern 2 in 1: Ausdauer für Läufe sowie Schnellkraft für Sprints und Sprünge. Kauls Work­out-Empfehlung: mehr Gewicht, weniger Wiederholungen.

KNACKPUNKT

Aufs Knie wirken extreme Kräfte, starke Beinmuskeln helfen, das Gelenk zu stabilisieren und es so vor Verletzungen zu schützen.


DER BERG RUFT!

Manuel Lettenbichler bei seinem Auftritt am steirischen Erzberg 2019. Nach einem Jahr Pause ist dieses Jahr wieder Action angesagt.

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Enduro

DAS MONSTER IM VISIER Das RED BULL ERZBERGRODEO ist das härteste Eintages-Enduro-Rennen der Welt. Hier erklärt dessen jüngster Bezwinger, wie man den Berg besiegt. Text WERNER JESSNER  Illustrationen HERI IRAWAN

V ERZBERG-EXPERTE

PHILIP PLATZER/RED BULL CONTENT POOL, PEDRAG VUCKOVIC/ RED BULL CONTENT POOL, LUKAS PILZ/RED BULL CONTENT POOL

Der Bayer Manuel ­ ettenbichler, 23, ist der L Jüngste, der je ins Ziel kam. Seinen exklusiven Strecken-­Guide gibt’s auf der nächsten Seite.

ERZBERG-DEBÜTANT Michael Walkner, 23, Cousin von DakarSieger Matthias, stellt sich 2021 zum ersten Mal der größten Prüfung im Enduro-Sport.

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origes Jahr war das Red Bull Erzbergrodeo eine eher ein­ same Angelegenheit: Das ­epische Enduro-Rennen auf dem steirischen Erzberg – seit jeher so angelegt, dass nur eine Handvoll der 500 Teilnehmer ins Ziel gelangt – fand nur symbolisch statt: als Videoproduktion, in der Manuel Lettenbichler den einzigen Starter, Partygast und Sieger gab. Keine Spur von Menschenmassen, von Stürzen und Heldenepos, bloß ein verlorener Mani und seine KTM im Regen.

Stein auf Stein

2021 ist der Berg als Helden-Macher zurück. In den 27 Jahren des Red Bull Erzbergrodeo hat er nichts von seiner Mächtigkeit verloren. Obwohl, objek­ tiv stimmt das nicht ganz: Bis auf die Zeit, in der hier Motorrad­fahrer das Kommando haben, wird ganzjährig Erz abgebaut, gesprengt und ver­ laden. Effekt: Der Start liegt heute um zwei Etagen tiefer als zu Beginn. Im Osten ist eine ganze Bergflanke verschwunden. Der Bergbau stellt den Streckenbau-Trupp jährlich vor Herausforderungen: Je nach Spreng­ plan müssen neue Umleitungen oder Verbindungen geplant werden, Sek­ tionen sind danach schwieriger oder auch einfacher. Manuel Lettenbichler: „Der Abschnitt ‚Grüne Hölle‘ war

im ersten Jahr völlig unfahrbar. Die ­Spitzenfahrer – darunter mein Vater – haben sich zusammengetan und ­einen Friedenspakt geschlossen, um da überhaupt wieder rauszukommen. Sie sind danach ex aequo ins Ziel ­gefahren – es war das einzige Jahr, in dem es nicht nur einen, sondern vier Sieger gab.“

Neues Leben

Aus dem anfänglich argwöhnischen Beschnuppern von Montan- und ­Motorradmenschen ist inzwischen innige Zuneigung geworden. Bestes Beispiel ist das relativ neue „Zentrum am Berg“ bei der Einfahrt zum legen­ dären „Dreikönig“-Steilhang: Hier hat die TU Graz einen Tunnel gegraben, in dem etwa simuliert wird, was ­passiert, wenn E-Autos im Tunnel zu brennen beginnen. Doch die Tech­ niker sind auch glühende Bike-Fans und baten händeringend, die Strecke doch durch das Loch im Berg zu füh­ ren. Oder der „Sturm auf Eisenerz“, der Motorrad-Corso vor dem Rennen: Das will die Gemeinde mindestens so dringend wie die Biker, weil es die Stadt mit Leben erfüllt. Wegen der aktuellen Gesetzeslage erwartet die Teilnehmer 2021 sogar noch eine Verschärfung: Der gesamte Berg ist No-Help-Zone. Zuschauer, die Fahrer mit Seilen etc. bergen, wird es nicht geben. Höchstens unterein­ander dürfen sich die Fahrer zur Hand gehen. Es wird also noch einmal härter, der Berg noch einmal schwieriger zu bezwingen. Das gilt vor allem für Neulinge wie Michael Walkner, Cousin von Dakar-Sieger Matthias. Mani Lettenbichler meint: „Beim ersten Mal durchzukommen ist absoluter Wahnsinn!“   53


DIE STRECKE Auch wenn sie sich jährlich ändert, gibt es ein paar Klassiker: Manuel Lettenbichler führt uns durch das Red Bull Erzbergrodeo – vom „Rocket Ride“ bis in den „Zumpferlwald“.

CARL’S DINNER

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MOTOREX GRÜNE HÖLLE

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„Wir Profis verbringen die halbe Renndauer in diesem Gesteinsfeld. Wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Bei Hitze besonders schlimm.“

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„Steil und eng. 2015 zum ersten Mal dabei, damals unfahrbar. Im Regen schlammig. Wer hier durch ist, weiß: Den Rest schaffe ich auch noch.“

GEORGE AVENUE

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„Der längste Steilhang. Es geht über eine Kuppe, und dann sind es noch ein­ mal 50 Meter bis zur Kante. Motorleistung sticht.“

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DYNAMITE

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LAZY NOON

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ZIEL

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„Jahrelang der letzte Check­ point. Steine und Geröll ohne Ende. Die Strecken­ führung variiert.“

„Junge Sektion. Anfangs großes Drama, weil es noch keine Spuren gab. Inzwi­ schen etwas einfacher.“

„Wer abgewunken wird, kann stolz auf sich sein. Vorn dabei zu sein ist unbeschreiblich.“

ERZBERGRODEO ARENA

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„Das Fahrerlager gleicht ­unter normalen Bedingungen einem riesigen MotorsportFestival. Tolle Atmosphäre!“ 54

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Enduro  8

MACHINE

„Früher erste No-Help-Zone. Technische Auffahrt im Zickzack. Große Steine.“

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„Hier geht’s auf die andere Seite des Bergs. Letzte Chance durchzuschnaufen, bevor die wirklich harten Passagen kommen.“

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CROSSING

ZENTRUM AM BERG

„Hieß früher ‚Dreikönig‘ und ist einer der längsten Steil­ hänge. Neu: ein Tunnel, in dem wir umdrehen müssen.“

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ZUMPFERLWALD

„Waldstück mit schwieriger Einfahrt. Für Profis kein Thema, aber auf den hin­ teren Plätzen kommt es hier ­immer wieder zu Stau.“

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BADEWANNE

„Nomen est omen: Würde man sie fluten, wäre sie ein See. Steile Abfahrt, gefolgt von einer steilen Auffahrt.“

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WASSERLEITUNG

„Erste wirklich lange Auf­ fahrt. Ein absoluter Klassi­ ker, den es seit Anbeginn gibt. Jetzt geht das Rennen richtig los.“

2

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ROCKET RIDE STEILHÄNGE

„Chaos, vor allem weiter hinten. Das Feld ist noch eng beisammen. In diesem Gedränge passieren zwangs­ läufig Fehler.“

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START

„Nervosität, tolle Atmo­ sphäre. Wer sich nicht für die ersten zwei Startreihen qualifiziert, hat kaum Chan­ cen, ins Ziel zu kommen.“

Die Strecke beginnt hier THE RED BULLETIN

Info: redbullerzbergrodeo.com Übertragungsinfo: servustv.com 3. bis 6. Juni 2021

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STILSICHER

Auch wenn das Musikgenre öfter wechselt – der Style ist immer noch unverkennbar Jan Delay.


Musik

„Erlaubt ist, was Bock macht“ Wenn man sich bei JAN DELAY, 45, auf etwas verlassen kann, dann darauf, dass immer alles anders ist. Hier erklärt der Mann, der vor 30 Jahren den Deutschrap erfunden hat, welche Grenzen Künstler nie über­schreiten dürfen, warum er sich den Namen eines Radiosenders auf die Stirn tätowieren lassen würde. Und was kreative Neugier mit Swingerclubs zu tun hat. Text DANIEL SCHIEFERDECKER Fotos THOMAS LEIDIG

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In

der Welt von Jan Delay sind Regeln zum Brechen und Grenzen nur zum Über­ treten da. Das war immer schon so. Als er vor dreißig Jahren als Jan Philipp Eißfeldt mit Denyo, DJ Mad und Platin Martin die Beginner (damals noch Absolute ­Beginners) gründete, gab es Rap auf Deutsch noch gar nicht. Doch mit seinen Kollegen feilte er die Kantigkeit aus der Sprache und etablierte mit dem Deutsch­ rap ein vollkommen neues Genre. Jans Grenzenlosigkeit war dann auch auf dem Beginner-Debütalbum „Flash­ nizm“ von 1996 zu besichtigen: Da waren alle erdenklichen Musikstile zu einem bewusstseinserweiternden Space-HopAlbum verschmolzen. Zwei Jahre später traten die Beginner mit „Bambule“ – heute ein Klassiker – den allerersten Deutsch­ rap-Hype los. Plötzlich war Hip-Hop auf Deutsch kein nischiges Szenephänomen mehr, sondern auch kommerziell im Mainstream erfolgreich, fand im Fernsehen, Radio und Feuilleton statt. Jan, der sich zu jener Zeit noch Eizi Eiz nannte, hatte wieder einmal alle Grenzen gesprengt – und Gefallen daran gefunden. Weil seine Eltern eine vielfältige und stilsichere Plattensammlung besaßen, war er bereits als Kind mit allen möglichen Musikstilen in Kontakt gekommen und hatte dadurch eine Offenheit ent­ wickelt, die er fortan zur musikalischen Selbstverwirklichung nutzte. Seit zwanzig Jahren und über fünf ­Alben bedient er sich solo unter dem ­Namen Jan Delay nun schon der unterschiedlichsten musikalischen Ausdrucks­ weisen – von Reggae bis Funk, von Soul bis Rock. Auf seinem neuen Album „Earth, Wind & Feiern“ (Erscheinungstermin: 21. Mai) ist natürlich wieder alles anders: Hier überwindet er Grenzen, ­indem er auf sie pfeift und die verschiedensten Genres vereint – von Afrobeats über Ska bis hin zum Stadiontechno. 58

the red bulletin: Die meisten ­Musiker bleiben stets einem Genre treu – du nicht. Warum? jan delay: Auslöser für einen Wechsel sind oft äußere Umstände. Als Hip-Hop nach dem ersten Boom Ende der Neunziger langweilig wurde, wollte ich lieber Reggae machen. Nachdem Seeed das Reggae-Ding ausgebumst hatten und nur noch Schrott rauskam, hab ich mich dem Funk gewidmet. Es ist immer gut,

„Für mich ist es das Schlimmste, vorhersehbar zu sein. Ich möchte mich nicht wiederholen.“ THE RED BULLETIN


Musik

„Wenn du anfängst, Musik wie ein Dienst­ leister zu machen, ist das der Anfang vom Ende.“ Aber die Kritik dazu war eine wichtige Erfahrung, die mich weitergebracht hat. Ich weiß jetzt umso mehr: Ich bin Künstler und mache das, was ich will – nicht das, von dem ich denke, dass es am besten ankommt. Denn wenn du anfängst, Musik wie ein Dienstleister zu machen, ist das der Anfang vom Ende. Kreative Grenzen zu sprengen und auch mal selbst auferlegte Regeln zu brechen ist wichtig – aber diese Grenze darf man wirklich nie überschreiten.

FEINSCHMECKER

Bei aller Unberechenbarkeit bleibt eines gleich: Jan Delay spielt gern Musik, die er am liebsten selbst hört.

sich hin und wieder selbst herauszu­ fordern, an Grenzen zu bringen und diese zu durchbrechen. Für mich ist es das Schlimmste, vorhersehbar zu sein. Ich möchte mich nicht wiederholen.

ich ja auch: „Mach mal wie früher – aber warum? / Hab ich doch schon, das wär doch dumm.“ Oder wie Jay-Z auf „On to the Next One“ rappt: „Ni**as want my old shit – buy my old album.“

Damit setzt du dich auch auf deinem neuen Album auseinander. Ja. Leute sagen mir oft: „Mach mal wie früher!“ Aber die sind äußerlich und innerlich hängengeblieben. Deshalb sing

Wenn du immer was Neues machst, besteht aber auch die Gefahr, dass du Fans verprellst. Klar – das habe ich bei meiner Rockplatte auch schmerzlich feststellen müssen.

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Nach welchen Kriterien wählst du neue Musikstile für dich aus? Ausgangspunkt ist immer das, was ich in den fünf Jahren davor privat an Musik gehört habe. Vor meinem letzten Album, „Hammer & Michel“ von 2014, hatte ich eine extreme Rock-Phase: Kaiser Chiefs, Arctic Monkeys, Queens of the Stone Age. Doch in den letzten Jahren höre ich vor allem einen Musiksender, der exakt meinen Geschmack trifft: BBC 1Xtra. Den liebe ich so sehr, dass ich mir sogar das Logo auf die Stirn tätowieren lassen würde. Was begeistert dich so daran? Tagsüber läuft dort all das, was gerade angesagt ist – das spricht meine Pop­ schwein-Seite an. Abends wird es dann richtig nerdig und nischig, da kann man sich in sämtliche musikalische ­Stilrichtungen reinhören – so was liebe ich auch. Von diesem Ansatz habe ich mich inspirieren lassen, weshalb „Earth, Wind & Feiern“ keine Genreplatte ge­ worden ist wie die Alben davor. Dieses Mal war unser Ansatz eher: Erlaubt ist, was Bock macht.   59


Musik

Also totale Grenzenlosigkeit. Im Ansatz schon. Aber beim Machen ent­ stehen automatisch Grenzen. Während des Produktionsprozesses der Platte habe ich mich beispielsweise gegen Live-Drums entschieden, weil die Songs modern klingen sollten. Ich wollte eine gewisse Knüppeligkeit in die Beats kriegen, damit die Tracks auch im Club funktionieren. Die Grenze war diesmal weniger das Genre, mehr der Sound. Also keine Grenze im Sinne von ­Mauer, sondern von Leitfaden. Ja, genau. Wobei die Mauer durchaus da ist, aber weniger als Begrenzung, über die man nicht rüberdarf, sondern als selbst auferlegte Hürde, die es zu überwinden gilt. Wie bringst du eigentlich den Mut auf, deine Erfolgspfade immer wieder zu verlassen? Das hat weniger mit Mut zu tun als mit Neugier. Ich habe einfach Spaß daran, Neues zu entdecken und auszuprobieren. Wie bei einem alten Ehepaar, das nach dreißig Jahren merkt, dass Swingerclubs auch ganz geil sind (lacht). Also sind das ganz bewusste Ent­ scheidungen? Ja, weil ich festgestellt habe: Wenn sich Künstler nicht regelmäßig verändern und weiterentwickeln, gehen ihr Erfolg und ihre Faszination selten über drei Platten hinaus. Mein Ansatz ist eine gute Möglichkeit, diese Gefahr zu umgehen. Wie in der Landwirtschaft: Da funktio­ nieren Monokulturen auch nur begrenzt. Wenn du auf deinem Feld nicht alle paar Jahre etwas anderes anbaust und es da­ nach nicht auch mal brachliegen lässt, wird der Boden irgendwann unfruchtbar. So ist das bei mir auch. Warum war es dir bei deinen vor­ herigen Alben wichtig, innerhalb be­ stimmter Genregrenzen zu bleiben? Ich habe zu Grenzen generell ein sehr ambivalentes Verhältnis, das ist eine Hassliebe. Einerseits bin ich ein Verfech­ ter von Grenzenlosigkeit, andererseits bin ich auch ein kleiner Genre-­Fetischist (grinst). Ich weiß aber: Manchmal führt erst das Ziehen von Grenzen zum gewünschten Ziel. Als wir 1996 das 60

„Wenn kreativ der Magen drückt, tausche ich mich mit anderen aus.“ Beginner-Album „Flashnizm“ gemacht haben, war unser Ansatz noch ein ­anderer, nämlich: Alles ist erlaubt. Da gab es plötzlich Rumba-Elemente neben schottischen Dudelsäcken. Aber diese Grenzenlosigkeit führte letztlich dazu, dass es keine Richtung gab und die musi­ kalische Reise ins Nichts verlief. Das gilt es zu vermeiden. Wichtig ist, dass man nicht festfährt – obwohl ich durchaus ein  Kandidat dafür bin. Inwiefern? Manchmal stecke ich so tief drin in einer Produktion, dass ich vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehe. Dann hadere ich mit jedem Detail, will am liebsten alles in die Tonne treten und Koch werden. Vor „Mercedes Dance“ hatte ich regel­ rechte Panikattacken. Das ist heute zum Glück nicht mehr so. Wie vermeidest du es mittlerweile, an deine Belastungsgrenze zu stoßen? Indem ich mich mehr öffne. Früher habe ich oft monatelang in meinem Kämmerchen gesessen und allein an meinen Songs rumgepimmelt. Aber der Austausch mit anderen ist total wichtig. Dadurch kann man kreative Hürden, die einem auf den Magen drücken, häufig schnell und unkompliziert aus dem Weg räumen. Ich erinnere mich, dass wir beim letzten Beginner-Album den Loop des Songs „Es war einmal“ nicht richtig hinbekommen haben. Denyo meinte dann, er kenne jemanden, der das hinkriegen würde: Das war Fiji Kris von KitschKrieg. Und als wir den Loop von dem zurückbekamen, bin ich vor Glück fast vom Stuhl gefallen. Das war perfekt! Fiji Kris ist ein Basswissenschaft­ ler mit einem super Gespür für Sound. Der wusste genau, was wir vorhatten. Seitdem gehört Kris zum festen Kreis von Leuten, mit denen ich mich regelmäßig über neue Songs austausche.

„Eine Mauer hat durchaus ihre Berechtigung: nicht als Grenze, sondern als Hürde, die es zu überwinden gilt.“

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ALBEN

Vielfalt und MusikstilHopping Von funky Sounds bis Schredder-Gitarre: eine Jan-Delay-Werkschau.

Reggae-Beats Erster Solo-Auftritt: Mit ­„Searching for the Jan Soul ­Rebels“ (2001) wendet er sich dem Reggae zu. Und legt ein glänzendes Album hin.

Soul-Sounds „Mercedes Dance“ (2006) war eine Liebeserklärung an Soul und Funk. Live spielt er das in großer Besetzung.

Funk-Hits PARTYSAN

Der Titel des neuen Albums „Earth, Wind & Feiern“ greift ein aktuelles Bedürfnis auf.

Hast du das zurückliegende Pandemie­ jahr in irgendeiner Weise für einen Neustart genutzt? Ich habe auf jeden Fall so viel Zeit mit meiner Familie und meiner Tochter verbracht wie noch nie. Unter normalen Umständen hätte ich das wohl nie getan, aber das war toll und hat mich total entschleunigt. Ich merke nun aber, wie schwer es mir fällt, wieder in die Gänge zu kommen.

schwer; Dinge, die vorher für mich ein Klacks waren. Ich muss mich da wieder langsam rantasten. Wie beim Hanteltraining: Da fängst du ja auch nicht mit hundert Kilo an, sondern erst mal mit zwanzig, wenn du dich nicht verheben willst. Vor Corona hatte ich ein wirklich krasses Arbeitspensum. Da habe ich manchmal dreißig Sachen parallel gemacht und war der Meinung, es ist ja gerade nicht viel los (lacht).

Warum? Wenn ich mehrere Dinge auf einmal ­machen muss, fällt mir das bereits extrem

Das neue Album „Earth, Wind & Feiern“ erscheint am 21. Mai. Die Single „Eule“ ist bereits erschienen. Mehr von Jan Delay auf Instagram: @jandelayofficial

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Mit „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ (2009) perfektioniert er den funky Sound. Die Band sitzt wie ein eng anliegender Anzug.

Rock-Kracher Auf „Hammer & Michel“ (2014) sägen mit einem Mal verzerrte Gi­tarren. Delays nasaler Singsang ist dennoch unverkennbar.

Pop-Mix Das Intro zu „Earth, Wind & Feiern“ (2021) trifft’s: Dies ist wieder ein Album „für die Menschen, die es lieben zu dancen zu tiefen Frequenzen“.   61


EINE FRAU STEHT KOPF

Auch aus diesem Blickwinkel bewahrt Sina die Übersicht.


Breaking

DIE WUNDERSAME VERWANDLUNG DER SINAMARIA NEUGEBAUER IN

#SOULSISTERSINA B-Girl SINA, 26, Vater Österreicher, Mutter Marokkanerin, fühlt sich zunächst „halb-halb“. Heute hat sie begriffen, dass das kein Makel, sondern eine perfekte Mischung ist. Dazwischen übt sie in Casablanca Salti, lernt, einer Legende zu vertrauen und Reisen ohne Ziel zu akzeptieren. Text WOLFGANG WIESER Fotos CHRISTIAN ANWANDER

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Breaking


„Du musst die Atmosphäre lesen, du darfst dich aber nicht von ihr irritieren lassen.“

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„Das ist meine Zeit, um zu zeigen, was ich kann. Das ist meine Zeit, um zu glänzen.“


Breaking

SELBSTBEWUSST

Offener Blick, klassische Pose. Sina hat gelernt, sich zu behaupten.

S

ina weiß, was sie will, wenn sie in den Kreis springt. Sie will in 45, höchstens 60 Sekunden etwas Einzigartiges er­ schaffen. „Das ist meine Zeit, um zu glän­ zen“, sagt sie. Der Kreis ist ihre Bühne. Eine Bühne, wie es sie kein zweites Mal gibt. Immer einzigartig, jedes Mal neu. Geformt von Menschen, die gleicher­ maßen Freunde und Kritiker, Quelle der Inspiration und Konkurrenten sind. B­‑Boys. B‑Girls. Wie Sina, 26. Das B steht für Break, es ist ihre Art zu tanzen, in der Szene Breaking genannt, der allgemein geläufige Begriff heißt „Breakdance“. Sina war die erste Österreicherin im ­Finale des weltweit größten und wichtigsten BreakingBewerbs, des Red Bull BC One. Bevor Sinas Zeit zu glänzen gekommen ist, gilt es, den Kreis zu erobern. „Du musst die Atmosphäre lesen“, sagt Sina, „du darfst dich aber nicht von ihr irritieren lassen.“ Das heißt auch, kaum erkennbare Gesten der B‑Girls und B-Boys, die es wie sie ins Zentrum zieht, rich­ tig zu interpretieren. Und sie, wenn’s sein muss – weil nichts und niemand jetzt ihrem Auftritt im Wege stehen soll –, davon abzuhalten, vor ihr hineinzuspringen. Oft reicht ein angedeuteter Schritt, um den Raum zu sichern, manchmal braucht es eine leichte Schulter­ drehung, um den Weg ins Zentrum zu blocken. Dafür sind Präsenz und Präzision notwendig. Und das Gespür für die Situation: „Ich gehe oft direkt runter auf den Boden. Dann habe ich den meisten Platz für mich“, sagt Sina. Das hat viel mit Stärke und Selbstbewusstsein zu tun – und mit Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Denn Moves, also die Bewegungen anderer Breaker zu über­ nehmen ist verpönt. Wer das macht, ist schnell als übler Nach­ahmer oder als „Biter“, wie es im B-Jargon heißt, ab­ gestempelt: „Du darfst dich von Moves inspirieren lassen, darauf antworten, reagieren, sie weiterentwickeln, aber du darfst sie niemals kopieren“, sagt Sina. Wenn Sina ihre Welt erklärt, tut sie das oft mit einem kaum merkbaren Zögern, so, als würde sie noch einmal nachdenken über das, was sie gerade zu sagen beabsich­ tigt. Abseits ihrer Bühne ist sie „eher zurückhaltend“, wie sie meint. Beobachterin statt Akteurin. Hat sie jedoch den Kreis erobert, verändert sich alles, dann wird sie zum Mittelpunkt ihrer Welt. „Das ist meine Zeit, um zu zeigen, was ich kann. Diese Zeit genieße ich“, sagt sie, oder eben: „Das ist meine Zeit, um zu glänzen.“ Dies ist die Geschichte ihrer Reise ans Licht, die Ge­ schichte der wundersamen Wandlung der Innsbruckerin Sinamaria Neugebauer zur SoulSisterSina. Sie beginnt in einem Palast.

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DAS ZAUBERHAFTE LEBEN IN EINEM PALAST IN TAROUDANT

Das Palais Salam liegt an der Avenue Moulay Ismail ­mitten in Taroudant. Etwa 80.000 Menschen leben in dieser Stadt im Süden Marokkos. Sie befindet sich an der Straße nach Ouarzazate, dem vier Autostunden ­entfernten Tor zur Sahara. Manche nennen Taroudant Marrakeschs kleine Schwester, andere dessen Großmutter. Denn mit ihrer sechs Kilometer langen Stadtmauer aus rotbraunem Lehm ähnelt sie Marokkos Millionen-Metropole. Der ­Palast, im 18. Jahrhundert errichtet, war lange Zeit ­Regierungssitz des Sultans. All das interessiert Sina, die hinter den Mauern des Palais Salam aufwächst, nicht. Sie spielt mit den Kätz­ chen, die wie aus dem Nichts auftauchen und wieder verschwinden, planscht im Pool; und wenn sie Lust hat, bestellt sie sich Eis mit Erdbeeren. Regen ist selten, und selbst in den Wintermonaten sinkt die Temperatur kaum unter zehn Grad. Sie führt ein sonniges Leben, unbeschwert wie eine kleine, glückliche Prinzessin. „Ich bin sehr dankbar für meine Kindheit, ich habe mich sehr frei gefühlt“, sagt Sina. In der Realität ist der Palast ein Hotel. Und Sina bewohnt mit ihren Eltern eines der Appartements. Mama Keltouma ist Nordafrikanerin, Papa Arthur ­Tiroler. Den Sommer verbringt die dreiköpfige Familie in Österreich, den Winter in Marokko. Hier wie dort ­organisiert der Vater Touren, die Mutter plant, zeichnet und steht ihm mit Tipps zur Seite. Mit fünf Jahren be­ gleitet Sina ihren Vater erstmals in die Wüste: „Wir ­haben im Auto geschlafen, das war aufregend.“ Die kindliche Leichtigkeit verschwindet mit Schul­ beginn. „Meine Eltern hatten die Idee, dass ich eine ­bessere Zukunft habe, wenn wir ganz in Österreich ­leben.“ Die Familie zieht um nach Innsbruck: „Mit sechs Jahren habe ich das erste Mal Schnee gesehen.“   67


Breaking

SINA & DIE B-BOYS

Ihre Bewegungen fließen: Sina beim Red BulletinFotoshooting in Wien mit Arno (links) und Imad

„Du darfst dich von Moves inspirieren lassen, darauf antworten, Die Tage im Palast verblassen. Ob sie Heimweh nach dem Königreich am Meer hatte? Sina zögert, dann sagt sie: „In Marokko ist alles ein bisschen lebendiger.“ Die Schulzeit ist nichts, was besondere Erinnerungen in Sina weckt. Sie lässt sich mit einem Satz erledigen: „Ich hab mich aufgehalten gefühlt.“ Nach dem Abitur – in Österreich: der Matura – ist sie nicht zu stoppen. Sie arbeitet bei der Streetwear-Kette Snipes und verdient genug Geld, um mit einer Freundin für drei Monate nach Casablanca zu übersiedeln.

VERSTÄNDIGUNGSPROBLEME IM LAND DER KINDHEIT

Casablanca ist wie Taroudant eine Stadt in Marokko. Aber das ist auch schon die einzige Gemeinsamkeit. Die Hafenstadt am Atlantik hat knapp dreieinhalb Millionen Einwohner, rund 40-mal so viele wie Taroudant. Das marokkanische Arabisch, das hier gesprochen wird, hat mit Sinas Dialekt aus Taroudant wenig zu tun. Plötzlich hat sie im Land ihrer Kindheit Verständigungsprobleme. 68

Und nachts ­allein rauszugehen ist nicht die klügste Entscheidung, die eine junge Frau hier treffen kann. Wer sich also fragt, was eine Zwanzigjährige dazu treibt, in eine Stadt aufzubrechen, die erst einmal nur groß ist, stellt die richtige Frage. Sinas Antwort: „Ich wusste, die Leute hier trainieren anständig, von denen kann ich etwas lernen, und ich wollte auch zurück zu meinen Wurzeln.“ Die Leute, von denen Sina spricht, sind B-Boys und B-Girls rund um den bekannten marokkanischen Breaker The Wolfer. Sie hat die Crew ein Jahr zuvor, 2013, kennengelernt: beim Red Bull BC One in Agadir, von dem sie bei einem Besuch in ihrer alten Heimat Taroudant erfahren hatte. Sina bittet ihre Mutter, sie in die 83 Kilometer entfernte Stadt zu fahren – ohne zu wissen, ob sie überhaupt mitmachen kann. Sie tanzt auf der Promenade am Strand, schafft die Pre-Selection, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt wenig Breaking-Erfahrung hat. Die Battles lässt sie aber aus: „Meine Mutter wollte nach Hause, es hat mir nicht leidgetan, es war ein schöner Tag.“ THE RED BULLETIN


sie weiterentwickeln, aber du darfst sie niemals kopieren.“ Doch sie ahnt, dass diese Art zu tanzen ein Weg in ein neues Leben sein kann: „Was mir am meisten gefallen hat, war das Selbstbewusstsein, das die alle hatten. Die Kids. Die Anfänger. Die haben sich sofort getraut. Jeder will zeigen, was er kann.“ Sina will das auch. Und deshalb muss es Casablanca sein. Denn The Wolfer und ­seine Truppe sind dort daheim. „Ich wusste, dass ich tanzen will, und ich wollte nach Marokko, weil mich die Jungs schon in Agadir inspiriert hatten, sie waren international bereits sehr bekannt, und ich habe mir gesagt, wenn du besser werden willst, dann musst du mit Leuten trainieren, die besser sind als du – man sagt doch immer, man soll sich mit den Leuten umgeben, die das erreicht haben, was man ­selber anstrebt.“ Sie tanzen auf der Straße, abends nach acht, wenn die Geschäfte geschlossen haben. Es gilt ein simples Prinzip: Nur wer wagt, gewinnt. „Man muss sich durchsetzen können, das geht bei uns in Österreich unter, wir sind zu nett, zu schüchtern, wir halten uns zurück“, THE RED BULLETIN

sagt Sina, wenn sie sich daran erinnert. Sie sagt wir und meint ich. Sina verlässt ihre Komfortzone, geht Risiken ein: „Ich habe zum ersten Mal akrobatische Sachen gemacht, das hätte ich mich vorher nie getraut.“ Sie übt Salti am Strand – und verletzt sich dabei am Arm. Ellbogenluxation, sie muss zurück nach Österreich. Der Ausflug in ihre neue Welt endet einen Monat früher als geplant. Aber es nicht das Ende ihrer Reise.

„NUR WENN DU GUT BIST, FÄLLST DU AUF.“

In den nächsten Monaten ist sie viel unterwegs – reist nach Deutschland, Holland, Spanien. Vor allem aber geht es nach Schweden – und zwar für ein Jahr. Sie will es wissen. Will ihre Breaking-Skills perfektionieren. Dort unterrichtet Fredrick Herranen – als „Freeze“ Mitglied der skandinavischen „Ghost Crew“ – eine echte ­Breaking-Legende seit den 1980er-Jahren. Ein Wissender. „Ich habe viel mit ihm geredet. Über meine Zweifel,   69


Breaking

REVERENZ

Der Hut ist ein Verweis an die Anfänge von Breaking in den späten 1970er-, f­ rühen 1980erJahren.

Und sie schafft es als erste Österreicherin ins Finale des Red Bull BC One. Sie hat gelernt, was es heißt, die eigene Perspektive zu finden, wie Freeze es ihr in Schweden geraten hat. Sie ist gut in dem, was sie macht. Und sie fällt damit auf. Und was, Sina, kommt als Nächstes? „Keine Ahnung, ich versteife mich nicht mehr auf ein Ziel. Ich weiß nur, dass die Reise noch nicht zu Ende ist.“

WIE DU DEINEN EIGENEN KREIS ERSCHAFFST

dass ich nie das werde geben können …“ Dieser Satz hat kein richtiges Ende, weil ihr wieder einfällt, was Freeze ihr vor Jahren beim Mittagessen gesagt hat und wie wichtig ihr das war: „Kannst du dich noch daran ­er­innern, was der und der am Vormittag gemacht hat? Kannst du nicht, nein, natürlich nicht, niemand erinnert sich daran. Wenn du nicht gut warst, denken die anderen nicht darüber nach. Das heißt aber auch, dass du nicht darunter leiden musst. Nur wenn du gut bist, fällst du auf. Du musst deine Perspektive wechseln.“ Das sind Sätze, die ihr zu denken geben. Aber es sind nicht nur Freeze’ Weisheiten, auch ihr Körper sendet ­Signale: „Ich habe in der Zeit in Schweden mit etwas Ähnlichem wie einem Hexenschuss gekämpft. Ich hatte ständig eine Blockade im Nacken, in der linken Schulter, im linken Ellbogen. Woher das gekommen ist, konnte niemand sagen.“ Sina beschließt, ihre Heilung selbst in die Hand zu nehmen: „Ich habe das wieder in den Griff gekriegt.“ Sie lernt loszulassen. Denkt viel nach. Heute sagt sie: „Das Tanzen habe ich gebraucht, um selbstbewusster zu werden, um meine Wurzeln zu finden. Früher war ich disconnected. Heute gehört Marokko genauso zu meinem Leben wie Österreich. Ich fühle mich nicht mehr halb-halb.“ Und wie zum Beweis ihrer neuen Kraft sagt sie: „Ich bin eine schöne Mischung.“ Plötzlich geht alles leichter: 2016 heiratet sie The Wolfer (sie nennt ihn natürlich bei seinem Vornamen, Mustafa) in Österreich, ein Jahr darauf wird noch einmal in Marokko gefeiert. Ihre Modemarke „From The Soul“ nimmt Fahrt auf. Der Name ist funky, vor allem aber ehrlich: „Er ist perfekt“, sagt Sina, „weil jeder nur für sich selbst sagen kann, was seine Seele berührt.“ 70

Beim Shooting für The Red Bulletin trägt Sina Weiß. „Ein Kompromiss“, sagt sie. Die anfangs geplanten ­bunten Outfits funktionieren nicht. Also setzt Sina erst die strahlend weiße Plüschvariante eines Kangol-Hutes auf. Als Reverenz an die Breaking-Anfänge in den späten 1970er-, frühen 1980er-Jahren. Dann schlüpft sie in ein passendes weißes VintagePolo. Sie hat es abgeschnitten, mit Ösen und einem ­dünnen Band versehen, das vorn in einer Masche zusammenläuft und es so in ein bauchfreies „From The Soul“-Teil verwandelt. Dazu trägt sie eine weiße Hose und weiße Sneakers. Sieht nach allem aus, nur nicht nach einem Kompromiss. Und wer beobachtet, wie sie sich bewegt, versteht den Satz, den sie in einem der Gespräche gesagt hat: „Für Breaking brauchst du den Körper eines Athleten und den Ausdruck eines Künstlers.“ Noch viel besser als dieser Satz ist eine Anmerkung, die sie nebenbei macht, die aber ihre Anstrengungen, ihre Kämpfe, ihre Wandlung widerspiegelt. „Weißt du, irgendwann merkst du, dass du keine Lust mehr hast, etwas zu beweisen. Du erkennst, dass die Stimmung in dem Kreis, in den du gerade noch unbedingt hineinwolltest, nicht deine Stimmung ist. In solchen Momenten mache ich einen Schritt zur Seite.“ Früher hätte dieser Schritt zur Seite ihren Rückzug eingeleitet, heute ist er der Beginn einer Offensive. Sina erschafft ihren eigenen Kreis. Mit B-Girls und B-Boys, die ihr folgen. Dafür ist sie längst stark genug. Wer Sina begleiten will: @soulsistersina Wer sie erleben möchte: Sina wird beim Red Bull BC One Cypher Austria am 22. Mai in Wien dabei sein. redbull.com/cypheraustria

THE RED BULLETIN


Breakdance

„Ich versteife mich nicht auf ein Ziel. Ich weiß nur, dass die Reise nicht zu Ende ist.“


ANZ E I GE

must-haves

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1  VOLLE E-POWER VORAUS

Eines für alles: Das neue Haibike AllMtn 7 aus stabilem und leichtem Vollcarbon bietet kompromisslose E-Performance auf jedem Trail. Verspieltes Handling durch ver­ besserte Geometrie und Kinematik, kombiniert mit dem super effizienten Yamaha-PW-X2-Motor und dem größeren 600-Wh-Akku für noch mehr Reichweite, machen das E-Fully zur ausdauernden Spaßrakete. haibike.com

2 DER KOLUMBUS DER ALPEN

Die Zeit der großen Entdecker scheint lange vorüber – doch das PROWLER von KTM bringt ein Stück dieser Sehnsucht zurück. Ob quer durch Wälder, über Bergketten, hin zum Secret Spot oder im Bikepark, das hochwertige Fully garantiert mit seinem StraightLine-Link-(SLL-)Rahmen-Dämpfungskonzept maximalen 160/150-mm-­ Federweg-Fahrspaß abseits des ­Alltäglichen. ktm-bikes.at

3  ENDURO CHAMPION

„Alles neu“ lautet das Motto des ­RADON SWOOP 10.0 HD: Design, ­Kinematik, Dämpferanlenkung – kein Stein ist auf dem Alten geblieben. Mit seinem Fox-Fahrwerk inklusive Kashima-Coating bietet das neue Enduro-­Modell höchsten Fahrkomfort und ist dank ultraleichtem Newmen-­ SL-A-30 Laufradsatz, Maxxis-Bereifung und 12-fach-Sram-Eagle-Antrieb auf jedem Terrain ein Champion. radon-bikes.de

4 E-ENDURO DER EXTRAKLASSE Zu Hause, wo für andere Endstation ist: Das top ausgestattete SUPERIORE LTD ist das Premium-Enduro-Bike von MALAGUTI. Mit seinen hochwertigen Komponenten unterstützt es geübte Fahrer auf den steilsten Anstiegen und lädt selbst beim anspruchsvollen Downhill zum Gasgeben ein. Aber auch für ausgedehnte Adventure-Trips über Stock und Stein ist das Bike jederzeit bereit. malaguti-bicycles.com


GUIDE Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen

FEST IM SATTEL

MAXIME RAMBAUD

RUEDI FLÜCK

Trails für alle: Freerider Vincent Tupin, 26, nimmt uns mit ins Bikerparadies Région Dents du Midi im Schweizer Wallis.

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GUIDE Reisen

„Ich bin oft in Übersee unterwegs. Aber ich muss sagen, in der Schweiz gibt es alles, was das Bikerherz begehrt.“ Freerider Vincent Tupin aka Vinny T, 26

J

edes Jahr freue ich mich auf den Frühling, denn das heißt, dass die Bikeparks wieder öffnen. Das gibt ordentlich Kilometer in die Oberschenkel. Die Strecken in der Région Dents du Midi im Schweizer Kanton Wallis, südlich des Genfersees unweit der französischen Grenze, bieten dafür ideale Bedingungen. Die Infrastruktur ermöglicht es einem mit Hilfe von zahlreichen Aufstiegshilfen (4 in der Région Dents du Midi, insgesamt 21 im Gebiet Portes du Soleil), wirklich viel zu fahren, und die Trails sind schön abwechslungsreich gestaltet. Müsste ich eine Lieblingspiste nennen, wüsste ich nicht, ob ich mich für die blaue oder die rote Strecke in Morgins entscheiden würde. Viele in meinem Sport haben sich für eine Karriere mit Wettkämpfen entschieden, doch gibt es auch andere Möglichkeiten, wie man mit Biken seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Ich habe meinen Fokus auf den visuellen Aspekt gesetzt und produziere mit meinen Freunden Filme und Fotos. Um zu Beginn einer Saison wieder in den Flow zu kommen, nutze ich gerne die Weltcup-Piste in Champéry, auf der auch die Downhill-Rennen der Weltmeisterschaft 2025 stattfinden werden. Sie ist steil und anspruchsvoll und daher etwas weniger befahren. Und die Kulisse der sieben Dreitausender, die das Val-d’Illiez beherrschen, 74

Höhenflug im Bikerparadies: Vincent Tupin unterwegs im Bikepark der Région Dents du Midi

ist ­einfach großartig. Das macht sich auch in unseren Videos gut. Für die Aufnahmen bauen wir uns häufig unsere eigenen Routen. Es gibt nichts Besseres, als in einem neuen Waldstück seine Linie zu finden, dabei möglichst geschickt das Gelände auszunützen und möglichst wenige Erdverschiebungen vorzunehmen. Oft kommt es vor, dass wir für eine einzelne Aufnahme oder ein paar wenige Abfahrten tagelang herumtüfteln. So lassen sich immer wieder neue einmalige und spannende Perspektiven finden. Und ich kann meine Tricks und meine Haltung perfektionieren. Gut zu sehen ist das in dem Video „The Old

World – A Mindtrip Trough Europe“. Es wurde mit verschiedenen Athleten in ganz Europa, unter anderem auch in Morgins, gedreht. Obwohl ich im Lauf einer Saison in aufregenden Gebieten auch in Übersee unterwegs bin – zum Beispiel beim Red Bull Rampage in der fantastischen Landschaft von Utah –, muss ich sagen, dass es in der Schweiz eigentlich alles gibt, was das Bikerherz begehrt. Die Région Dents du Midi begeistert nicht nur mit ihren vielen Parks und Routen, sondern auch durch eine ganze Menge Möglichkeiten für ausgedehnte Touren mit Enduro oder einem E-Bike. THE RED BULLETIN


Bern

Anreise Der nächste Flughafen liegt in Genf. Mit der Schweizer Bahn fährt man bis Aigle. Von Aigle direkt bis Champéry oder Val-d’Illiez mit der AOMC und von da aus weiter mit dem Bus bis Les Crosets oder Morgins. Mit dem Auto auf der Autobahn A9 via Vevey am Genfersee in Richtung Wallis/Simplon bis zur

Schweiz

Dents du Midi

Ausfahrt Saint-Triphon. Von da via Monthey und Troistorrents nach Champéry, Les Crosets, Val-d’Illiez, Champoussin oder Morgins. regiondentsdumidi.ch

JULIAN MITTELSTÄDT/TILLMANN BROTHERS ENTERTAINMENT, JBBIEUVILLE.COM RUEDI FLÜCK

Vinny T und Kollegen beim Pistenbauen für die Dreharbeiten mit den Tillman Brothers.

Gut zu wissen Die Région Dents du Midi befindet sich im Herzen des Gebiets Portes du Soleil, sie ist ein Zusammenschluss von 6 Walliser Wintersportorten. Sie sind alle mit Bahnen verbunden und ­bieten insgesamt weit über 600 Kilometer markierte Mountainbike-Routen. 11 Downhill-Pisten, eine davon ist die legendäre Weltcup-Piste in Champéry 12 Mountainbike- und E-Bike-Routen, inklusive der Panorama-Rundfahrt „Grand 8“ 4 Mountainbike-Bergbahnen 5 Mietstationen für Mountainbikes und E-Bikes Die Portes du Soleil bieten insgesamt 21 Bergbahnen zum Transport von Mountainbikes, 5 Bikeparks mit 50 Downhill-Pisten, welche permanent unterhalten werden, und eine 80 Kilometer lange Endurotour – ­alles mit einem einzigen Ticket zugänglich. 21 Bergbahnen verbinden die Portes du Soleil. THE RED BULLETIN

Infos: regiondentsdumidi.ch

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GUIDE Reisen

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„Den Pointe des Mossettes sollte man nicht verpassen.“ Freerider Vincent Tupin aka Vinny T

will, kann eine Rundtour machen und nach Morgins zurückkehren, die Strecke führt über den Col des Portes du Soleil und den Vallons de They. Abschließend möchte ich noch von einem Ort erzählen, der etwas abseits liegt: Der Pointe de Bellevue ist ein echter Geheimtipp. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen Aussichtspunkt der Extraklasse: etwas über 2000 Meter hoch, mit einem prächtigen Rundumblick über die Région Dents du Midi, aber auch weit darüber hinaus. Am besten, man fährt frühmorgens oder Richtung Sonnenuntergang mit dem E-Bike dort hinauf. Die Aussicht erstreckt sich vom Genfersee über das Chablais bis fast nach Martigny hinunter, das tief im Unterwallis liegt. Die fabelhafte Kulisse lädt auch dazu ein, auf diesem begnadeten Platz gleich ein kleines Picknick oder ein Apéro mit Freunden zu genießen. Vincent in Aktion erleben: Instagram: @vinny_t_ THE RED BULLETIN

LITESCAPE.MEDIA, JULIAN MITTELSTÄDT/TILLMANN BROTHERS ENTERTAINMENT

Ja, auch ich nutze das E-Bike häufig, wenn ich alleine unterwegs bin oder für größere Touren. Natürlich muss man wegen des Zusatzgewichts von Batterie und Motor einen Kom­ promiss eingehen, was die Agilität des Bikes betrifft. Dafür kann man aber auch länger bergauf fahren. Wenn man mit Downhill anfangen möchte, bieten die Pisten in Les Crosets die besten Einstiegsmöglichkeiten. Biker, die etwas sattelfester sind, machen in Morgins weiter. Wenn man Hunger bekommt, ist man bei den ­vielen Alprestaurants in der Gegend richtig. Und wer Burger mag, kann schon mal bei „Chez Joe“ in Champéry einen Zwischenhalt einplanen. Einen Berg, den man keinesfalls verpassen sollte, ist der Pointe des Mossettes. Man erreicht ihn mit der Sesselbahn und mit dem Rad, und er bietet Downhillpisten, von Grande-­ Conche und Le Loquet hinunter nach Les Crosets. Wer den Tag voll nutzen

RUEDI FLÜCK

Mit den 600 Kilometer Pisten der Portes du Soleil bildet die Région Dents du Midi einen außergewöhnlichen Spielplatz.


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GUIDE Playlist 24KGOLDN

Heiße Tipps fürs erste Date Sein Song „Mood“ war ein Mega-Hit. Hier nennt US-Rapper 24kGoldn vier Songs, die er für romantische Stunden empfiehlt. Emo-Rap, eine Mischung aus HipHop-Beats, Indie-Rock-Melodien und gefühligen Versen, ist im Moment schwer angesagt – Rapper wie Lil Uzi Vert und der 2018 verstorbene XXXTentacion lan­ deten damit an der Spitze der USCharts. Das neue Aushängeschild des Genres ist Golden Landis Von Jones, 20, bekannt als 24kGoldn. Der kalifornische Rapper, SingerSongwriter und Ex-Kinderstar schaffte den Durchbruch 2019 mit dem Song „Valentino“. Aber es war der Track „Mood“, mit dem er sich voriges Jahr einen Namen machte – er war in 17 Ländern Nummer eins. Nur für ein erstes Date taugt die Nummer nicht, denn sie handelt von einer toxischen Beziehung. Aber 24kGoldn weiß hier vier Alternativen.

Golden Boy des Emo-Rap: 24kGoldn prägt das neue Hip-Hop-Genre.

HEY MA (2002) „Dieser Song kam Anfang der Nullerjahre raus, hat aber immer noch die gleiche Relevanz. Er sagt alles, was man bei einem ersten Date sagen will: ‚Hey Ma, what’s up? Let’s slide.‘ Er erledigt das Sprechen für dich. Ich kann mir vorstellen, dazu mit ihr im Auto zu cruisen, Fenster offen und mitgroovend auf dem Weg dorthin, wo immer wir beim ersten Date hinwollen.“

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MIA

50 CENT FEATURING NATE DOGG

PAPER PLANES (2007)

21 QUESTIONS (2003)

„Beim ersten Date sollte es immer ­darum gehen, einen Vibe zu genießen. Da solltest du nichts hören, was die Stimmung killt. ‚Paper Planes‘ hat so einen hübschen Rhythmus, es ist der perfekte Soundtrack für die gemeinsame Fahrt an den Strand. Habe ich zum ersten Mal im Film ‚Slumdog ­Millionär‘ gehört. Da läuft er während dieser irren Szene im Zug in Indien. Ein starker Moment.“

„Would you love me if I was down and out? Would you love me on a bus? Would you love me if I flipped burgers? Die Fragen, die der Songtext aufwirft, sollte man auch beim ersten Date stellen – als ultimativer Liebestest. Ich finde, Nostalgie ist eine der stärksten Kräfte. Wenn wir nicht zusammen Musik aus der guten alten Zeit hören können, wird das nichts. Dann ist das Date vorbei.“

A$AP ROCKY FEAT. DRAKE, 2 CHAINZ & KENDRICK LAMAR

FUCKIN’ PROBLEMS (2012) „Manchmal muss man beim ersten Date die nackte Wahrheit auf den Tisch legen, brutal ehrlich sein. Das macht die Dinge letztlich einfacher. Im Text heißt’s: ,I love bad bitches, that’s my fucking problem‘, aber wir könnten das ja gemeinsam lösen. Die Zeilen, die Kendrick da hinlegt, sind crazy. Vielleicht der durchdachteste All-Star-Rapsong überhaupt.“ THE RED BULLETIN

WILL LAVIN

CAM’RON FEATURING JUELZ SANTANA

JORDAN WHITE/JAY

24kGoldns Debütalbum „El Dorado“ ist bereits erschienen; 24kgoldn.com


GUIDE Crankworx

Der deutsche Slopestyler Erik Fedko zeigt in Innsbruck sein Können.

MOUNTAINBIKE

Bühne frei für die Helden der Lüfte

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gilt, das Bike in der Luft mög­ lichst quer und stylish gegen die Flugrichtung zu drehen. In den drei weiteren Pro-Kate­ gorien (Downhill, Dual Slalom, Pump Track) gibt es eine spannende Neuerung: Erst­ mals stehen Wettbewerbe für 13- bis 19-Jährige auf dem Programm – eine Bühne für den Nachwuchs, die „Crank­ worx Next“-Generation. Sei live dabei – wenn es die Regeln zulassen in Innsbruck. Oder vor dem Bildschirm – Red Bull TV überträgt ausgewählte Events. Infos: crankworx.com und redbull.com

Gewann im Vorjahr den Slopestyle-Contest: Emil Johansson

BORIS BEYER/RED BULL CONTENT POOL

2020 war ein spezielles Jahr – auch für die Crankworx World Tour, die aufgrund ein­ geschränkter Reisemöglich­ keiten auf die Krönung ihres Kings und ihrer Queen ver­ zichtete. Und so startet von 16. bis 20. Juni im Bikepark Innsbruck der Wettstreit um die Nachfolge der Gesamt­ sieger von 2019, im Downhill etwa Mitch R ­ opelato (USA) und Vaea V ­ erbeeck (CAN). Den Auftakt im Gipfeltreffen der versiertesten Mountain­ biker der Welt macht der Whip-Off-Event, bei dem es

WOLFGANG WIESER

Auf der Crankworx World Tour treten 2021 wieder die besten Biker der Welt an. Los geht’s im Juni in Innsbruck.

Zweikampf: Tomáš Slavík vergangenen Oktober im Dual Slalom THE RED BULLETIN


D I E MotoG P T M L I V E U N D E X K L U S I V I M F R E E T V. S O N N TAG | 1 4 : 0 0


GUIDE Tipps & Trends SPEKTAKEL IN DER SANDKISTE 120. FRENCH OPEN Von Angelique Kerber bis Dominik Thiem (Bild): Beim Grand-Slam-Turnier in Paris treten ab dem 30. 5. wieder die weltbesten Tennis-Profis auf dem Sandplatz gegen­ einander an. ServusTV überträgt ausgewählte Spitzenspiele und das Finale live. Infos: servustv.com

DICHTER-DUELL RED BULL GOETHE VS. SCHILLER Wo hat die Poesie am meisten Punch? In Goethes Frankfurt oder in Schillers Jena? Das ermittelt dieser Poetry Slam mit den größten Talenten der Städte. Qualifier Goethe-Haus Frankfurt 2. 6., Volksbad Jena 7. 6., ­Finale Frankfurt Massif Central 11. 6.; Info: redbull.com

LEICHTER AUFSTEIGEN HAIBIKE ALLMTN 7 Sein Carbonrahmen verleiht diesem E-Mountainbike Leichtigkeit, um Trails ­entspannt zu erklimmen (mit Yamahas 600-Wh-PW-X2-Motor), 160 Millimeter Federweg machen jede Abfahrt zum Vergnügen. 6499 Euro; haibike.com

VESPA FEIERT GEBURTSTAG VESPA GTS 75TH ANNIVERSARY

GETTY IMAGES, SEBASTIAN SCHNEPPER

Eine Vespa wie damals, in ­einem speziellen MetallicGelb mit dem naheliegenden Namen Giallo – in den 1940er-Jahren eine der angesagtesten Farben. Das Cockpit ist absolut zeit­ gemäß ausgestattet: mit Farbdisplay und möglicher Smartphone-Verbindung. Preis: auf Anfrage; vespa.com

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SMARTER TRETEN

AUSSTELLUNG MIT WUMMS

GARMIN RALLY XC 100

RED BULL WORLD OF RACING

Dieses Pedal kennt dich besser als du dich selbst. Es misst Gesamtleistung, Trittfrequenz und Kraft­ verteilung – und hilft dir so, deine Leistung zu ver­bessern. Natürlich mit den E ­ dge-Computern von Garmin kompatibel. 699,99 Euro; buy.garmin.com

Das Technik Museum Sinsheim zeigt Exponate, mit ­denen Red Bull Rennsporthistorie geschrieben hat – wie Sebastian Vettels Formel-1-Boliden. Zum Auftakt gab’s Action mit Trial-Ass Adrian Guggemos (Bild). Bis 10. 1. 22; technik-museum.de

Richtig gutes Zeug Sommerzeit ist Zweiradzeit: ein paar Bike-­Favoriten und weitere feine Tipps.  Text WOLFGANG WIESER

HÖLLISCH GUTER SOUND TEUFEL BOOMSTER GO Lässt sich bequem in einer Hand tragen und mittels Schlaufe und ­Gewinde montieren, wo immer du willst. Zwei Boomster Go Boxen ergeben – über Bluetooth verbunden – astreinen ­Stereo-Sound. 99,99 Euro; teufel.de

SCHUTZ UND SCHÄRFE POC VENTRAL LITE & POC DEVOUR CLARITY Minimalistischer Auftritt, maximaler Schutz – der Ventral Lite Helm wiegt weniger als 200 Gramm, schützt aber mustergültig. Die Devour Brille schärft Grün- und Brauntöne – perfekt für Trails. Helm: 270 Euro; Brille: 249 Euro; pocsports.com THE RED BULLETIN

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Kaum ein Platz auf der Welt eignet sich dermaßen gut zum Mountainbiken wie Tirol. Mit rund 6200 Kilometer Routen sowie mehr als 300 Kilometer Singletrails ist die Bergwelt wie geschaffen für das ultimative Flow-Erlebnis auf zwei Rädern.

GREAT TRAILS TIROL Egal, ob du den Uphill-Flow suchst, bergab das Adrenalin spüren willst oder einfach beides liebst: In Tirol entstehen dafür von Jahr zu Jahr immer mehr offiziell genehmigte Singletrails. Und fünf davon haben sich gar das Prädikat „Great Trail“ verdient. Sie stehen exemplarisch für rund 115 Singletrails, die Biker vom Abenteuer auf schmalen Wegen träumen lassen – vom Arzler Alm Trail in Innsbruck bis zum Plamort Trail am Reschenpass.

GREAT TRAILS TIROL

Der Blindsee Trail präsentiert sich flowig, knackig und mit spektakulärem Panorama.

MÜ

1.

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1 h

5 2 BLINDSEE TRAIL

1

FLECKALM TRAIL

ARZLER ALM TRAIL

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LEITERBERG TRAIL

PLAMORT TRAIL LI

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1. ARZLER ALM TRAIL

2. BLINDSEE TRAIL

3. PLAMORT TRAIL

Über Innsbruck gelegen, beeindruckt der größtenteils naturbelassene Trail mit einem Wechselspiel aus Anlieger­ kurven, flowigen Sprüngen und ­Wurzelfeldern.

Herrliches Panorama und zum Schluss ein Sprung ins kühle Nass – der Singletrail zum Blindsee ist eine Naturschönheit in der Tiroler Zugspitz Arena.

Grenzenloses Abfahrtsvergnügen und herrliche Ausblicke auf den stahlblauen Reschensee – ein abso­ lutes Muss bei jedem MountainbikeBesuch in Nauders.

Forstweg Arzler Alm

Grubigalm

Bergstation Bergkastel

3 km

7 km

6 km

15 min

1 h

36 min

mittelschwierig

schwierig

mittelschwierig


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Rasante „Rides“ bietet der LeiterbergTrail in Sölden.

TIROL RUFT, DAS BIKE GROOVT!

„WURZELDURCHZOGENE WALDWEGE, HOCHALPINE STEIGE, ENGE KURVEN UND WEITE ALMEN – IN TIROL FINDEN BIKER IHR PARADIES.“

• Mehr als 200 qualitätsgeprüfte Radunterkünfte • 8 Bikeparks heißen Downhill Mountainbiker willkommen • Top-Radregionen von A wie Achensee bis Z wie Zillertal • Hunderte Bikeverleihe & Service stationen im ganzen Land Mehr Highlights & Planung deiner Tour auf: tirol.at/mountainbiken

ROADTRIPS AUF DEM (E-)MOUNTAINBIKE

Hochsölden

Bergstation Fleckalm

5 km

7,1 km

Wer als Biker so richtig in die Bergwelt eintauchen will, begibt sich am besten auf eine mehrtägige MTB-Tour. Routen dafür gibt es in allen Teilen Tirols – von leicht bis schwer, zwischen zwei und sechs Tage lang. Diese lassen sich be­ sonders ideal mit dem E-Bike erfahren. Mit zahlreichen Ladestationen bzw. nutzbaren Steckdosen halten die Routen zum Großteil nicht nur die nötige Infrastruktur, sondern auch besonders imposante Ausblicke und idyllische Plätze bereit. Sie führen zu wunderschönen Bergseen oder zu liebevoll geführten Almen und Alpenvereinshütten in hochalpiner Umgebung.

30 min

45 min

Noch mehr Action gibt’s auf

mittelschwierig

mittelschwierig

tirol.at/singletrails

4. LEITERBERG TRAIL

5. FLECKALM TRAIL

Sehr abwechslungsreicher und anspruchsvoller Weg durch Almwiesen, Wald und Fels – hoch über dem Ortsteil Leite, einem der Urhöfe in der Geschichte Söldens.

Einer der längsten Singletrails in Tirol. Inmitten der beeindruckenden Bergwelt der Kitzbüheler Alpen schlängelt sich die abwechslungsreiche Strecke rund 1100 Höhenmeter talwärts.


DACHWOHNUNG THULE TEPUI FOOTHILL Keine Lust, gleich ein Wohnmobil anzu­ schaffen? Mit diesem Dachzelt wird das ­eigene Auto zum Camper. Es bietet Platz für zwei Personen; und weil es sich auf die halbe Breite zusammenfalten lässt, bleibt daneben noch Platz für Dachbox, Fahrrad oder Kajak. 1699 Euro, thule.com BESTE AUSSICHTEN Ein großes Panoramafenster hinten sowie zwei Oberlichten ­sorgen für Helligkeit.

Endlich raus! Ferien unterm Sternenhimmel: 2021 wird das Jahr des Campings – hier kommt die richtige Ausrüstung für alle Ansprüche. Text JOHANNES MITTERER

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GUIDE Camping

EINSTEIGER

WIE AUF WOLKEN

Küche to go

THERM-A-REST NEOAIR TOPO LUXE Bequemer wird’s nicht: Diese Isomatte ist aufgeblasen stattliche 10 Zentimeter hoch, und dank ihrer Stützkraft sinkt man nicht zum Boden durch. Sie ist über zwei separate Ventil-Einheiten schnell aufgeblasen; und weil sie ohne voluminöses Füllmaterial aus­ kommt, braucht sie zusammengerollt nur ganz wenig Platz. 175 Euro, thermarest.com

Primus Onja Stove Dieser Gaskocher ist wie gemacht fürs entspannte Wochenend-Camping: Er lässt sich zusammenklappen und ist mit seiner Eichenholz-Abdeckung gut zu verstauen. Er hat einen Tragegurt zum einfachen Transport sowie zwei Kochstellen für die Beilage zum Hauptgang – oder für eine doppelte Portion. 160 Euro, primusoutdoor.de

KING-SIZE

RAUMWUNDER

LEICHTE ÜBUNG

MARMOT IDLEWILD DOUBLEWILD

FORD NUGGET

RAB DOWNPOUR ECO JACKET

Man muss beim Campen nicht zwingend ­alleine schlafen. Im Doppelschlafsack kann man sich sogar gegenseitig wärmen; doch allein darauf verlässt sich dieses Modell nicht. Hier mindern ein durchgehender Reiß­ verschluss und integrierter Zugluftschutz den Wärmeverlust zusätzlich. 240 Euro, marmot.eu

Dieser Camper ist keines dieser Riesen­ schiffe. Statt zum Fahrtraining kann es also gleich in den Urlaub gehen. Trotzdem hat er eine vollwertige Küche, einen 42-Liter-Trink­ wassertank und zwei tatsächliche Doppel­ betten: eines im Wohnraum, eines eine ­Etage höher, im aufstellbaren Hochdach. Ab 54.360 Euro, ford.de

Beim Wandern zählt jedes Gramm ein­ gespartes Gewicht, gerade für Neulinge. Da ist es praktisch, dass diese Regenjacke nur 280 Gramm wiegt. Trotzdem hält sie schwerem Dauerregen stand und ist aus ­Recycling-Material hergestellt – kann also sogar selbst wiederverwertet ­werden. 140 Euro, rab.equipment

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GUIDE Camping

ES WERDE LICHT LUPINE BETTY TL2

GRENZGÄNGER

Mit 5000 Lumen Lichtleistung leuchtet man ganze Höhlen aus, und das in vier Leucht­ stufen und elf Leuchtprogrammen, vom Rotlicht BIS zum SOS-Signal. Die Lampe ist wasser-, kratz- und schlagfest, und der ­große Akku lässt sich über die 12- und 24-Volt-­ Docking-Station bequem im Camper auf­ laden. 835 Euro, lupine-shop.com

INTO THE WILD HYMER GRAND CANYON S CROSSOVER Bis zu zehn Tage kann man sich mit diesem Expeditionsfahrzeug autark in die Wildnis wagen, die Solaranlage auf dem Dach, ein smartes Batteriesystem und der 100-LiterFrischwassertank machen’s möglich. Höherlegung, Geländereifen und zuschaltbarer ­Allradantrieb sorgen für Bewegungsfreiheit. Ab 106.990 Euro, hymer.com, marmot.eu

SCHUTZRAUM BIG AGNES SHIELD 3 Selbst wenn draußen der Schneesturm tobt, ist man in diesem Expeditionszelt sicher. Es besteht aus ultraleichtem Nylon und ist auch starkem Dauerregen gewachsen. Durch ein Fenster in der Tür kann man die Wetterlage prüfen, ohne kalte Luft reinzulassen. 800 Euro, bigagnes.com

LEICHTE KOST Gefertigt aus recyceltem Carbon, spart die Monocoque-Kabine 35 Prozent Gewicht ein.

Darc Mono

Kein Fluss zu breit, kein Gipfel zu hoch: Dieser Truck packt auch die extremsten Touren. Zwei Leute können damit 14 Tage jenseits jeder Zivilisation verbringen. Und das bei maximalem Komfort: Die geräumige Wohnkabine aus recyceltem Carbon bietet acht Quadratmeter Platz, ein Queen-Size-Bett und eine volle Büro-Ausstattung mit 4k-Beamer. Ab 295.000 Euro, darc-mono.com 88

KATADYN SURVIVOR 06 Salz, Viren, Bakterien – das alles filtert der Survivor 06 aus dem Wasser und macht so auch den schmutzigsten Tümpel genießbar. Ein Gerät für Notsituationen – aber wegen seiner kleinen Bauweise und des geringen Gewichts von 1,13 Kilo auch ein Gerät für alle Fälle auf schwereren Expeditionen. 1095 Euro, katadyn.com THE RED BULLETIN

STEFAN SCHLUMPF/DEUTER

Sänfte extrem

FÜR ALLE FÄLLE


Der hält warm

Deuter Astro Pro 1000

Dieser Daunenschlafsack schmiegt sich eng an den Körper, um auch auf extremen Touren die Wärme optimal zu halten, und das, ohne einzuengen: eine besonders dehnbare Innenhülle und elastische Kammernähte sorgen für Bewegungsfreiheit. So garantiert er komfortable Nächte bis –21 °C, dank imprägniertem Außenmaterial sogar unter freiem Himmel. 500 Euro, deuter.com

SMARTER SACK Für Wertsachen gibt es eine Innentasche, ein Wärmekragen hält kalte Luft draußen.

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Heißes Eisen BAUSATZ Damit der Grill in die Tasche passt, kann ihn der Besitzer in seine Einzelteile zerlegen.

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Skotti Grill

Und was hast du in deiner Handtasche? Einen Grill! Der Skotti Gasgrill lässt sich nämlich praktischerweise in Laptop-Größe verstauen. Ist das Gas aus, kann man ihn auch mit Kohle oder Holz befeuern. Dazu sieht er lässig aus und ist aus hochwertigem Edelstahl gefertigt, hält also ewig – für perfekte Burger, auch noch in vielen Jahren. 159 Euro, skotti-grill.eu

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GUIDE Camping

THOMAS GRIESBECK/SKOTTI, MARTIN ERD/SUNLIGHT

STYLER

AYE, AYE, CAPTAIN!

SITZEN SIE GUT?

LICHT INS DUNKEL

SUNLIGHT CLIFF ADVENTURE EDITION

HELINOX SUNSET CHAIR TIE DYE

LEDLENSER ML4 WARM LIGHT

Schwarzer Metallic-Lack, Chromringe um die Instrumente, ein schwarz glänzender Kühlergrill – dieser Camper hat Style, ohne zu protzen. Dazu bietet er Annehmlichkeiten, allen voran einen großen Kühlschrank und drehbare Captain-Chairs. Perfekt für den entspannten Ausklang eines Tages voller Abenteuer. Ab 42.199 Euro, sunlight.de

Kunst auf vier Beinen: Designer Tae-Hun Kim hat diesen Campingstuhl in neue Farben getaucht. Knüpfbatik heißt diese besondere Technik, sie ist ein Symbol für Frieden und Freiheit, aber vor allem aber stehen die bunten, ultraleichten und falt­baren Stühle für ­eines: Good Vibes, egal wo du gerade bist. 150 Euro, helinox.eu

Klar, nichts toppt eine Nacht im Schein von Vollmond oder Sternenhimmel. Wenn’s doch etwas mehr Licht sein darf oder die Nacht stockfinster ist, bietet sich diese Minilaterne an. Sie ist nicht größer ist als eine Streichholzschachtel und spendet aber trotzdem ­helles, blendfreies warmweißes Licht. 40 Euro, ledlenser.com

Tarnanzug

Sea to Summit Alto TR2

Auch Understatement ist ein Statement: Dieses innovative Kuppelzelt verschwindet mit seiner blassgrünen Farbe fast in der Natur. Es ist federleicht, braucht auch aufgebaut wenig Fläche und ist besonders hoch: für mehr Raum und bessere Ventilation. 480 Euro, seatosummit.de

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IMMER GUT ANGEZOGEN FJÄLLRÄVEN VARDAG JACKET M Nicht nur optisch orientiert sich diese Jacke mit ihren schmucken Knöpfen und den ­aufgenähten Taschen am ohnehin gerade angesagten Look moderner Arbeitskleidung – sie besteht auch aus strapazierfähigem ­Material. Und so kann’s vom Campen gleich ohne U ­ mziehen in die City-Bar gehen. 200 Euro, fjallraven.com

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B O U L E VARD DER HEL DEN

HARRY HOUDINI

DER ENTFESSELUNGSKÜNSTLER Serie: MICHAEL KÖHLMEIER erzählt die außergewöhnlichen Geschichten inspirierender Figuren – faktentreu, aber mit literarischer Freiheit. Folge 3: Wie der geniale Zauberer fast einer Intrige zum Opfer gefallen wäre.

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BENE ROHLMANN, CLAUDIA MEITERT MICHAEL KÖHLMEIER

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GETTY IMAGES

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piritismus ist Intrige gegen die Natur­ dennoch gefährlich, manche lebensgefähr­ gesetze.“ Dies ist der erste Satz eines lich. In seinem Vortrag an der Universität Vortrags, den der amerikanische erzählte er die Geschichte einer Intrige, die Entfesselungskünstler Harry Houdini ihn beinahe das Leben gekostet hätte. Eines 1925 an der Columbia-Universität Tages habe ihn ein Herr aus Philadelphia in New York hielt. Die naturwissenschaft­ besucht. Er stellte sich als Agent vor und bot lichen Institute hatten ihn anlässlich der Er­ seine Dienste an. Er habe schon vorgearbeitet, scheinung seines Buches „A Magician Among sagte er. So sei er mit über zwei Dutzend MICHAEL KÖHLMEIER Der Vorarlberger the Spirits“ eingeladen. Der Vortrag fand Großveranstaltern in den USA und einem Bestsellerautor gilt vor nur wenigen ausgewählten Gästen statt. weiteren Dutzend in Europa im Geschäft, er als bester Erzähler Mister Houdini hatte nämlich zu bedenken werde eine weltweite Tournee organisieren, deutscher Zunge. gegeben, er werde einige Dinge sagen, die, Mister Houdini werde ein reicher Mann Zuletzt erschienen: wenn sie Kreise zögen, der Universitätsleitung werden. Und ein berühmter Mann, ein in der „Die Märchen“, Unannehmlichkeiten bereiten könnten. Der ganzen Welt berühmter Mann, schließlich 816 Seiten, Verlag Carl Hanser. zitierte erste Satz spielte bereits auf diese gebe es niemanden, der ihm in seiner Kunst Unannehmlichkeiten an. „Aber wenn es ­etwas das Wasser reichen könne. Houdini ließ gibt“, fuhr der Redner fort, „was die N ­ aturgesetze den Mann ausreden. Er habe ein gutes Gespür dafür, ­aushebeln kann, dann ist es die Intrige.“ ob einer ein Scharlatan sei oder ehrlich, erklärte er vor Nachdem sich Harry Houdini vom Showgeschäft dem Auditorium und erntete anerkennendes Gelächter zurückgezogen hatte, setzte er seine ganze Autorität – wer denn sonst, wenn nicht Harry Houdini. Er habe ein, um, wie er sich ausdrückte, „der Seuche des Spiri­ gespürt, dass der „Agent“, wie der Mann sich nannte, tismus“ den Krieg zu erklären. Der Spiritismus und ihm schmeichelte, weil er in Wahrheit etwas anderes ­seine Praxis – Geisterbeschwörung, Totenbeschwörung, im Schilde führte. Und schließlich rückte der Mann da­ Tischrücken und so weiter – war seit Mitte des 19. Jahr­ mit heraus: Er habe eine Geisterseherin unter Vertrag, hunderts zu einer Modeerscheinung in den USA ge­ eine gewisse Madame Pick-Pock. Vor ihm, Houdini, worden, weit mehr: zu einem hysterischen Massen­ brauche er nicht den Naiven zu spielen. phänomen, sodass sich der Kongress genötigt sah, eine atürlich sei sie eine Schwindlerin, aber, Hand Untersuchungskommission einzurichten, der Harry aufs Herz, alle Künstler seien Schwindler, die Houdini als ihr prominentestes Mitglied angehörte. ungeschickten geben es zu, die geschickten nicht, Am Beginn dieser merkwürdigen Bewegung standen und den ganz Geschickten komme man nicht drauf. die Schwestern Margaret und Kate Fox, die behaupteten, Die Entfesselungskunst, die er, Houdini, betreibe, sei mit Verstorbenen über Klopfzeichen zu kommunizieren. großartig, aber eigentlich, müsse er doch zugeben, sei Sie traten im ganzen Land auf und demonstrierten ihre sie ­großartig gewesen. Die Zeit solcher Späße sei vor­ „Fähigkeiten“. Sie waren Betrügerinnen und gestanden bei. Die Attraktion sei der Spiritismus. Mit ein bisschen es am Ende ihres Lebens öffentlich ein. Knacksen und Tischrücken, mit Hu-hu aus dem Bühnen­ Houdini betonte stets, seine Kunst beruhe auf Tricks boden ließen sich heutzutage dreimal mehr Menschen und Übung, manche dieser Tricks verriet er, die sensatio­ anlocken als mit den kühnsten und gefährlichsten Vor­ nellen nicht, alle waren sie bis ins Detail berechnet und


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B OU L EVAR D DE R HE L D E N

führungen der Entfesselungskunst. Und dies war der Vorschlag des Herrn: Harry Houdini werde um die ganze Welt reisen, ein letztes Mal werde er sich, kopfüber an der Fahnenstange eines Hochhauses hängend, aus einer zwanzig Meter langen Stoffbahn wickeln, ein letztes Mal aus einem Staatsgefängnis ausbrechen, ein letztes Mal einen Elefanten verschwinden lassen. Dann werde er sich zur Ruhe setzen und in aller Ruhe die Machenschaften der Spiritisten anprangern, alle Machenschaften aller Spiritisten – mit einer Ausnahme: Madame PickPock. Sie werde er als Einzige ihres Fachs anerkennen. Wenn der große Houdini, der Spürhund im Kampf gegen Scharlatanerie, dieser Dame und ihrer Show ein Echtheitszertifikat ausstelle, ihr als Einziger, dann gebe es bald keine Halle in Amerika, die nicht ausverkauft sei. Und er, Houdini, würde Prozente kassieren. Sage er zu, jetzt, auf der Stelle, sei er, der Agent, bereit, ihm 10.000 Dollar in bar auszuzahlen, als Vorschuss sozusagen. Im Hörsaal der Columbia-Universität war es still. Alle warteten darauf zu erfahren, wie sich Harry Houdini, der Unbestechliche, verhalten hatte. Und alle waren entsetzt, als er sagte: „Ich war einverstanden.“ Er habe, sagte er, das Geld genommen.

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arry Houdini wurde am 24. März 1874 in Budapest als Erik Weisz geboren. Noch bevor er in die Schule kam, wanderten seine Eltern nach Amerika aus. Schon im Alter von sechzehn Jahren trat er mit Zauberkunststücken auf, bald gab er sich einen neuen Namen: Harry Houdini. Den Vornamen wählte er als Hommage an den Zauberkünstler Harry Kellar, den Nachnamen in Verehrung für den französischen Magier Jean Eugène Robert-Houdin. Mit neunzehn heiratete er die Tänzerin und Sängerin Bess Rahner, die beiden wurden von einem katholischen Pfarrer und einem Rabbiner getraut. Gemeinsam traten sie von nun an auf, gemeinsam ­entwickelten sie die Entfesselungsnummern. Bess war Harry eine treue Frau, Harry Bess ein treuer Mann. Die beiden waren immer zusammen, privat und in der Arbeit, sie führten kein geselliges Leben und waren damit zufrieden – ein glückliches Paar. Harry wollte den Betrüger betrügen. Er nahm das Geld und spendete es der Society of American Magicians, der Vereinigung der amerikanischen Illusionskünstler, die sich inzwischen als erste Aufgabe gestellt hatte, den Spiritismus zu bekämpfen und die Menschen daran zu erinnern, dass es so ­etwas gab wie Vernunft, die nichts anderes sei als der Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit. „Ich dachte“, erzählte Houdini in seinem Vortrag, „das

„Ich dachte, das wäre ein gelungener Streich: den Betrüger zu betrügen.“ 94

wäre ein gelungener Streich: den Betrüger zu betrügen. Und ich ließ es ihn wissen.“ Der Agent war ein rachsüchtiger Mensch. Er sah ein, dass ihm keine legale Möglichkeit offenstand, sein Geld zurückzubekommen. Und ihm war auch gar nicht mehr so viel daran gelegen. Er wollte kein Geld von Houdini, er wollte Houdini vernichten. Obwohl Houdini niemandem, dessen Hilfe er nicht für seine Show benötigte, seine Tricks verriet, gelang es dem betrogenen Betrüger, wahrscheinlich wieder mit Bestechung, wenigstens ein Detail eines Tricks in Erfahrung zu bringen. Ein entscheidendes Detail allerdings. Dies war die berühmteste, unglaublichste Entfesselungsnummer: Mitten im Winter ließ Houdini im zugefrorenen East River in New York ein Loch in das Eis schlagen. Dann fesselten ihn zwei Polizisten mit Ketten an Armen und Beinen und sperrten ihn in einen Safe. Der Safe wurde in dem Eisloch versenkt. Auf der Brooklyn Bridge drängten sich Tausende von Zuschauern. Sehr dramatisch verabschiedeten sich Harry und Bess voneinander. Bess weinte und schrie, flehte ihren Gatten auf Knien an, er möge auf diese Vorführung verzichten. Kurz schien es, als wanke Houdini, als sei er sich nicht mehr sicher, ob er dieses Wagnis bestehen könnte. Dann küsste sich das Ehepaar innig, und Houdini ließ sich die Ketten anlegen. Ein Teil des Tricks bestand darin, dass Bess ihrem Mann beim Kuss den Schlüssel zu den Ketten in den Mund schob. Und diesen Teil des Tricks hatte der Agent herausbekommen.

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ess war eine sehr schöne, sehr leidenschaftliche und, bevor sie Harry kennengelernt hatte, lebenslustige und gesellige Frau, die sich, im Unterschied zu ihrem Mann, leicht in einen emotionalen Ausnahmezustand bringen ließ. Das wusste Harry, und er wusste, dass sie in diesem Zustand leicht zu manipulieren war. Er wiederum war berufsbedingt ein misstrauischer Mensch, der es gewohnt war, jede Eventualität zu erwägen und in seine Berechnungen einzubeziehen. Er liebte seine Frau und kannte seine Frau und vertraute seiner Frau, aber er wusste auch – oder meinte zu wissen –, dass niemand in die tiefste Seele eines anderen Menschen schauen kann. Darauf setzte der Agent. Über einen Mittelsmann flüsterte er ihm Misstrauen ein. Bess habe einen anderen Mann kennengelernt, sie habe sich bedingungslos verliebt, und weil sie wisse, dass Harry sie nie freigeben werde, habe sie gemeinsam mit ihrem Liebhaber seinen Tod geplant. „Wenn es etwas gibt, was die Naturgesetze aushebeln kann, dann die Intrige“, wiederholte der Redner in der Columbia-Universität. Der Trick mit dem Safe im Eisloch vom East River war gefährlicher als alle Kunststücke zuvor. Dazu kam, dass der Trick bis dahin nur im Trockenen und Warmen geprobt worden war. Es blieben Houdini nur wenige ­Sekunden, um sich zu befreien. Der Safe war zwar mit versteckten Luftkissen ausgestattet, damit er nur

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langsam sank, aber im Eiswasser würde ein Mensch auch mit Taucheranzug nicht lange überleben. Das hieß: Jeder Gedanke, der nicht auf die Aktion gerichtet war, könnte verhängnisvoll sein. Und dies war die böse Überlegung des Agenten. Ist wahr, was mir über Bess zugeflüstert wurde? Ich kenne sie doch? Kenne ich sie wirklich? Wenn nun der Schlüssel in meinem Mund der falsche ist? Muss ich mich darauf vorbereiten? Gibt es darauf überhaupt eine Vorbereitung?

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arry Houdini hat sich nicht irritieren lassen durch seine Gedanken. Er hat das größte Kunststück in seiner Karriere, das größte Stück, das je ein Entfesselungskünstler präsentierte, bravourös absolviert. Die Brooklyn Bridge bebte unter dem Getrampel der johlenden Zuschauer, als er aus dem Loch im Eis auftauchte. Er wusste, er hatte einen bösen Feind. Einen Feind, der ihn vernichten wollte. Einen Intriganten. „Intrige“, sagte er zu seinen Zuhörern, „kann man nur bekämpfen, indem man sie öffentlich macht.“ Das und nur das sei der Grund, warum er diese G ­ eschichte

Harry wusste, er hatte einen bösen Feind. Einen Feind, der ihn vernichten wollte. Einen Intriganten. erzählt habe. Ein Jahr nach dem Vortrag in der Columbia-­ Universität sprach Harry Houdini vor Studenten dar­ über, wie er für seine Vorführungen trainierte. Er blähe seine Muskeln auf und ziehe sie zusammen, sodass er seine Arme und Beine aus jeder Fessel befreien könne. Und er sei misstrauisch allem und jedem gegenüber, dem Material gegenüber und jedem Menschen gegenüber. Das Misstrauen sei seine Überlebensgarantie. Das bedeute, er sei immer und auf alles gefasst. Da holte ­einer der Studenten mit der Faust aus und schlug ihm in den Magen. Houdini war darauf nicht gefasst. Er starb an den Folgen des Schlages.

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IMPRESSUM

THE RED BULLETIN WELTWEIT

Aktuell ­erscheint The Red Bulletin in sechs Ländern. Das ­Cover unserer Kollegen in Frankreich zeigt Pierre Gasly, Formel-1-Pilot der Scuderia AlphaTauri. Er erzählt, wie er sich ohne Vorbild in die MotorsportKönigsklasse kämpfte. Mehr Geschichten abseits des Alltäglichen findest du auf: ­redbulletin.com

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Gesamtleitung Alexander Müller-Macheck, Sara Car-Varming (Stv.) Chefredaktion Andreas Rottenschlager, Andreas Wollinger (Stv.) Creative Direction Erik Turek, Kasimir Reimann (Stv.) Art Direction Marion Bernert-Thomann, Miles English, Tara Thompson Grafik Martina de Carvalho -Hutter, Cornelia Gleichweit, Kevin Goll Fotoredaktion Eva Kerschbaum (Ltg.), Marion Batty (Stv.), Susie Forman, Tahira Mirza, Rudi Übelhör Digitalredaktion Christian Eberle-Abasolo (Ltg.), Lisa Hechenberger, Elena Rodriguez Angelina, Benjamin Sullivan Head of Audio Florian Obkircher Special Projects Arek Piatek Managing Editors Ulrich Corazza, Marion Lukas-Wildmann Publishing Management Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Anna Wilczek Managing Director Stefan Ebner Head of Media Sales & Partnerships Lukas Scharmbacher Head of Co-Publishing Susanne Degn-Pfleger Projektmanagement Co-Publishing, B2B-Marketing & Communication Katrin Sigl (Ltg.), Mathias Blaha, Katrin Dollenz, Thomas Hammerschmied, Teresa Kronreif (B2B), Eva Pech, Valentina Pierer, Stefan Portenkirchner (Communication), Jennifer Silberschneider Creative Services Verena Schörkhuber-Zöhrer (Ltg.), Sara Wonka, Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart Commercial Management Co-Publishing Alexandra Ita Editorial Co-Publishing Raffael Fritz (Ltg.), Gundi Bittermann, Mariella Reithoffer, Wolfgang Wieser Executive Creative Director Markus Kietreiber Senior Manager Creative Elisabeth Kopanz Art Direction Commercial & Co-Publishing Peter Knehtl (Ltg.), Erwin Edtmayer, Simone Fischer, Martina Maier, Andreea Parvu, Alexandra Schendl, Julia Schinzel, Florian Solly, Dominik Uhl, Sophie Weidinger, Stephan Zenz Abo & Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Marija Althajm, Nicole Glaser, Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar Anzeigenservice Manuela Brandstätter, Monika Spitaler Herstellung & Produktion Veronika Felder (Ltg.), Friedrich Indich, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailović, Sandra Maiko Krutz, Josef Mühlbacher Finanzen Mariia Gerutska (Ltg.), Klaus Pleninger MIT Christoph Kocsisek, Michael Thaler Operations Melanie Grasserbauer, Alexander Peham, Yvonne Tremmel Projekt Management Dominik Debriacher, Gabriela-Teresa Humer Assistant to General Management Sandra Artacker Herausgeber & Geschäftsführer Andreas Kornhofer Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221 -0 Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Dietmar Otti, Christopher Reindl, Marcus Weber

THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Länderredaktion David Mayer Lektorat Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert, Monika Hasleder, Billy KirnbauerWalek, Belinda Mautner, Klaus Peham, Vera Pink Country Project Management Natascha Djodat Media Sales & Partnerships Thomas Hutterer (Markenlead), Alfred Vrej Minassian, Franz Fellner, Ines Gruber, Thomas Gubier, Daniela Güpner, Wolfgang Kröll, Gabriele Matijevic-Beisteiner, Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher, Jennifer Sabejew, Johannes Wahrmann-Schär, Ellen WittmannSochor, Ute Wolker, Christian Wörndle, Sabine Zölß Abo Abopreis: 21,90 EUR, 10 Ausgaben/Jahr, getredbulletin.com, abo@de.redbulletin.com Druck Quad/Graphics Europe Sp. z o. o., Pułtuska 120, 07-200 Wyszków, Polen

THE RED BULLETIN Frankreich, ISSN 2225-4722 Länderredaktion Pierre-Henri Camy Country Coordinator Christine Vitel Country Project M ­ anagement Alexis Bulteau

THE RED BULLETIN Großbritannien, ISSN 2308-5894 Länderredaktion Ruth McLeod (Ltg.), Tom Guise, Florian Obkircher Lektorat Davydd Chong (Ltg.), Nick Mee Publishing Management Ollie Stretton Media Sales Mark Bishop, mark.bishop@redbull.com Fabienne Peters, fabienne.peters@redbull.com

THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838 Länderredaktion Wolfgang Wieser Lektorat siehe entsprechenden Eintrag bei Deutschland Publishing Management Bernhard Schmied Media Sales & Partnerships Thomas Hutterer (Markenlead), Alfred Vrej Minassian, Franz Fellner, Ines Gruber, Thomas Gubier, Daniela Güpner, Wolfgang Kröll, Gabriele Matijevic-Beisteiner, Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher, Jennifer Sabejew, Johannes Wahrmann-Schär, Ellen WittmannSochor, Ute Wolker, Christian Wörndle, Sabine Zölß Sales Operations & Development Anna Schönauer (Ltg.), David Mühlbacher

THE RED BULLETIN Schweiz, ISSN 2308-5886 Länderredaktion Wolfgang Wieser Lektorat siehe entsprechenden Eintrag bei Österreich Country Project Management Meike Koch Media Sales & Brand Partnerships Stefan Brütsch (Team Lead), stefan.bruetsch@redbull.com Marcel Bannwart, marcel.bannwart@redbull.com Christian Bürgi, christian.buergi@redbull.com Jessica Pünchera, jessica.puenchera@redbull.com Goldbach Publishing Marco Nicoli, marco.nicoli@goldbach.com

THE RED BULLETIN USA ISSN 2308-586X Länderredaktion Peter Flax (Ltg.), Nora O’Donnell Lektorat David Caplan Publishing Management Branden Peters Media Network Communications & Marketing Manager Brandon Peters Media Sales Todd Peters, todd.peters@redbull.com Dave Szych, dave.szych@redbull.com Tanya Foster, tanya.foster@redbull.com

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Für alle, die rund um die Uhr für uns da sind. Bei denen wir immer finden, was wir brauchen.

Lena, Tankstellen-Mitarbeiterin


NICOLAS MAHLER

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Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 8. Juni 2021.

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