Das Magazin abseits des Allt채glichen
SOMMER 2013
Die GROSSE
FESTIVAL Edition
Unser Sommer wird sehr laut Das volle Programm. Die besten Bands. Die coolsten Festivals.
Kennst du die? A$AP Rocky, Icona Pop, Sizarr & zehn weitere Stars von morgen nur keine Panik! Der FestivalSurvival-Guide Und f체r daheim Bier, Zelt und geile Bands auf dem Balkon
THERE’S A BETTER WAY TO GET BACKSTAGE. REDBULLWRISTBAND.COM
THE FESTIVAL WITHIN THE FESTIVAL
FESTIVAL für alle! Erst Fun …
coverbild: AFIB File/Francois Olivier; bilder: Louis Quail/Getty Images, Guillem Lopez/Demotix/corbis; Illustrationen: birgit lohmann
Der Fahrplan ins Vergnügen (ab Seite 84)
Hör zu & Tanze! Exzess, Chaos, Dreck, Besäufnis, Gemeinschaftsgefühl und geile Musik – mit einem Wort: Festival! Bevor Ende der Sechziger mit Monterey (1967) und Woodstock (1969; S. 16) der Wahnsinn losging, lockte bereits 1953 in Frankfurt am Main das erste deutsche Festival – noch Jazz, aber okay. Die DDR verteufelte es damals als „Rauschmusik“. Den Siegeszug dieser Musikevents (S. 80) konnten die Genossen nicht aufhalten. Heute gibt es allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz alljährlich über 100 Festivals, die feinsten haben wir säuberlich zusammengetragen (S. 84), viele davon werden einfach unvergesslich bleiben (S. 40). Einige sind längst ausverkauft. Egal, mach dir einfach dein eigenes (S. 92). Hab Spaß! Let there be rock! Die Redaktion the red bulletin
Mitarbeiter-Trio Unsere beste Band
Mandy Fischer Illustratorin / wien verwandelt komplexe Sachverhalte in k leine Kunstwerke. Sie macht das stets mit großer Liebe zum Detail. Und mit Witz. Seite 84 J. J. Sullivan autor / New York schreibt so gut, dass er einfach aufs Christenrock festival fahren musste. Auch wenn er dort gar nicht hingehört. Seite 50
James Mollison Fotograf / London macht Bilder, die alle irgendwie gleich aussehen. Es aber nicht sind. Ein Loblied auf die Vielfalt. Seite 6
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festival für alle! … dann Schlamm!
Survival-Tipps für Catcher und Zelter (ab Seite 30)
Inhalt Hier spielt die Musik Hörproben 12 Finde das Richtige Festival für dich 14 was Lieben Mieze Katz & Co? 15 Sportfreunde im Wordrap 16 Gentleman Die Gigs im Gedächtnis 18 Woodstock Oma erzählt 20 Das Werkzeug der Rockstars 22 Formel Die Physik der Musik 24 Pro Höre, staune, gute Laune! 25 Contra Musik ist Müll 30 Survival Guide Das Festival-Abc 84 Festival-Fahrplan Das Programm 98 13 Gründe, Festivals zu hassen
46 C ro: Mamas Mucke
Seine Stücke sind easy. Das Leben ist schön. Fast zu viel des Guten.
48 S tress: Lalala kann viel Mitsingen ist cool, doch viele Songs sind Quatsch, sagt Schweiz’ Rap-Star.
50 G ottes Rock-Musik
Bestsellerautor J. J. Sullivan besucht ein Christen-Festival. Heilige Scheiße!
66 Deichkinds Angst
Deutschlands wildeste Live-Band fragt sich: „Warum geht hier keiner ab?“
68 S ex Jams machen Lärm Diese süße Band muss erfolgreich sein. Auch im Krieg gegen sich selbst.
Headliner 6 Die Musik-Apostel
Bilderrätsel der Konzertbesucher.
26 Ke nnst du die!
A$AP Rocky, Icona Pop, Sizarr und zehn weitere Newcomer des Jahres.
40 Das Leben der Stars
Wie sie Brände mit Wodka löschen. Acht wahre Backstage-Geschichten.
70 Vom Keller zum Ruhm
Im Band-Bus mit Heaven’s Basement.
80 „ Die Musik ist nur Nebensache“
Zwei Festivalmacher verraten, worum es wirklich geht: „Selbstvernichtung“.
Herausgeber und Verleger Red Bull Media House GmbH General Manager Wolfgang Winter Chefredakteur Robert Sperl Creative Director Erik Turek FESTIVAL EDITION Chefredaktion Boro Petric Art Director Miles English Textchef Clemens Makanaky Fotochef Markus Kucˇera Redaktion Manuel Kurzmann, Florian Obkircher, Holger Potye, Catherine Shaw (Foto) und die Konsorten (Raffael Fritz, Marianne Minar, Martina Powell, Mara Simperler, Manon Steiner, Lukas Wagner) Illustration Mandy Fischer, Rose Stallard Lektorat Monika Hasleder, Thomas Lederer Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.); Claudia Heis, Nenad Isailovic, Josef Mühlbacher, Thomas Posvanc Produktion Wolfgang Stecher, Walter Sádaba Firmensitz Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Kontakt +43 1 90221-28800, redaktion@at.redbulletin.com Web www.redbulletin.com Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz Informationen zum Medieninhaber sind ständig und unmittelbar unter folgender Web-Adresse auffindbar: www.redbulletin.com/impressum
92 Festival daheim Dosenbier, Zelt und geile Bands –
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THE RED BULLETIN
auf dem Balkon.
the red bulletin
Mit Lattella zum Frequency Festival 2013! Bist du ein echter Lattella Rocker?
Lattella verlost beim „Pfeif dir was!“ Gewinnspiel neben dem Hauptpreis von 10 Scarabeo Rollern zusätzlich jede Woche 2 Festivalpässe für das Frequency in St. Pölten. Werde jetzt Lattella-Fan auf Facebook und erfahre, an welchem Tag die Tickets verlost werden. Die pfiffigste Einsendung an diesem Tag gewinnt die Tickets! Wer gewonnen hat, erfährst du jeweils am nächsten Tag. Teilnahmeschluss ist der 12.7.2013. Näheres zum Gewinnspiel siehst du am Sticker auf jeder Lattella Packung und auf www.lattella.at www.lattella.at
Live!
Die M u s i kDer britische KĂźnstler James Mollison fotografierte Fans vor diversen Konzerten. In seinen Bildern finden Wildfremde zusammen und sehen doch aus, als gehĂśrten sie ein und derselben Familie an. Rate, welcher!
Ap o s t e l THE CURE PALASHARP / MAILAND
ROD STEWART MEN ARENA / MANCHESTER
MADONNA THE FORUM / LOS ANGELES
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50 cent O2 arena / london
McFLY kings dock / liverpool
Credit:
iron maiden datch forum / MAILAND
dolly parton wembley arena / london
RADIOHEAD MEADOWBANK SPORTS CENTRE / EDINBURGH
MISSY ELLIOTT HAMMERSMITH APOLLO / LONDON
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Bullevard
Unsere Straßenmusiker: Gentleman / Sportfreunde Stiller / Mieze Katz / Amy Macdonald / Coco Sumner / Patrick Duffy (ja, der „Dallas“-Mann singt auch) / From Dawn to Fall und Sven Regener von Element of Crime
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Kölner Marktforscher haben 500 Festivalfans im Alter von 14 bis 34 Jahren gefragt, wie sie ihr Festival finden. Und wer ihre Lieblingsbands und Musikstars sind. Im Bild die Ergebnisse als Rasterfahndung zur Selbstfindung: Erlebst du gern ein Gefühl von Freiheit, Geselligkeit und Individualität, sind Hurricane, Rock im Park und Chiemsee Reggae gut für dich, ebenso wie die Electro-Hip-Hop-Formation Deichkind mit ihren schrillen und ausgefallenen Liveauftritten. Rap-Newcomer Cro wiederum wirkt durch „sein junges Auftreten auf das Publikum sehr dynamisch“, emotionalisiert die Fans aber nicht so sehr wie Die Ärzte. Suchst du Abenteuer, bist du bei Wacken genau richtig. Wenn du gern rebellierst, auch. Eine kleine Überraschung: Rock im Park wird trotz derselben Acts wie Rock am Ring etwas anders empfunden, nämlich als verbindlicher. Und Pop-Oma Madonna – seit 30 Jahren im Musikgeschäft mit aufwendigen und teuren Bühnenshows – bewerten die Musikinteressierten als „kommerziell“. Das gute alte Material Girl!
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So findest du das richtige für dich
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„Sauftouren? Nee. Da wirst du höchstens verrückt.“
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Die Lieder meines Lebens
Ein Song sagt mehr als tausend Worte, drei Lieblingslieder erzählen bereits ein ganzes Leben – fünf Stars im musikalischen Selbstporträt.
Die schottische Singer-Songwriterin. This is her life.
Mieze Katz
Die Sängerin von MIA. redet Tacheles.
Lykke Li / Travis / „Turn“ „I Follow Rivers“ Das erste Lied, das ich Der Song hat eine mir selbst auf der Gitotale Aufbruch tarre beigebracht habe. stimmung. Wenn ich ihn Ich habe Travis beim höre, will ich auf„T in the Park“-Festival springen, rausgehen gesehen und wollte daund etwas erleben. nach Musik machen.
Sven Regener
Coco Sumner
Patrick Duffy
Frontmann von Element of Crime und Buchautor („Herr Lehmann“).
Tochter von Sting und Sängerin von I Blame Coco.
Der Bobby Ewing aus „Dallas“, wahrlich unsterblich.
Velvet Underground / „Venus in Furs“
Fleetwood Mac / „Rhiannon“
Edith Piaf / „La Vie En Rose“
Dunkle, kalte Rockmusik, extrem faszinierend und sehr berührend. Hat etwas sehr Modernes, auch heute noch.
Fleetwood Mac haben dieses erstaunliche Gespür für Harmonien. „Rhiannon“ ist ein gutes Beispiel. Das Lied lebt, es atmet.
Mit diesem Lied hat mir meine Frau Frankreich vorgestellt. Sie tourte als Ballerina 20 Jahre durch Europa und liebt Edith Piaf.
Jimi Hendrix / „All Along The Watchtower“
Mireille Mathieu & Patrick Duffy / „Together We’re Strong“
The Beach Boys / „God Only Knows“
Muse / „Hysteria“
Eagles of Death Metal / „San Berdoo Sunburn“
Den Song hat mir meine Oma immer wieder auf dem Kassettenrekorder vorgespielt. Ich liebe ihn einfach. Er ist irgendwie perfekt.
Die Band begleitet mich schon lange, und „Hysteria“ hat einfach eine geile Bass-Line.
Ich mag die Haltung hinter diesem Song – eine Leichtigkeit, die sich nicht als solche definiert. Finde ich stark!
Der Song hat Eier! Er geht so richtig ab. Und Nach Dallas durfte ich mit Mireille dieses Jimis Gitarrenriff ist Meisterwerk aufneheines dieser Riffs, men. Sie ist übrigens das jeder Gitarrist klein. Echt klein! unbedingt lernen will.
John Lennon / „Imagine“
Laid Back / „Sunshine Reggae“
Garish / „Dann fass ich mir ein Herz“
Kenny Rogers / Ian Dury / „Reasons To Be Cheerful (Part 3)“ „Islands In The Stream“
Lennons Solosongs mag ich mehr als seine Beat les-Nummern. „Imagine“ ist eines dieser Lieder, von denen es nicht viele gibt. Es macht dich im Herzen reicher.
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Solche Sachen – das ist Es gibt ganz megaschon stark. Solche emotionale Musik. Songs kommen plötzlich Sachen, die dich imum die Ecke und mer runterziehen. Und man steht da mit dann solche Songs, die offenem Mund. dich immer upliften.
Mit diesem Lied steh ich am liebsten auf. Ich wache auf, leg es ein, steig unter die Dusche – und der Tag kann nur gut werden!
Diesen Song könnte ich mir immer und immer wieder anhören! Kenny Rogers ist ein echt guter Mann!
the red bulletin
bilder: picturedesk.com (5)
Amy Macdonald
BULLEVARD
Sportfreunde Stiller rappen
„schon super“ Florian „Flo“ Weber vom Rock-Trio Sportfreunde Stiller im Wordrap über Festivals und Schwiegermütter, bayerische Gemütlichkeit und die Wichtigkeit von Fernsehern im Hotelzimmer.
bild: Sabrina weniger
VIP-Zelt oder Biertisch? Biertisch. Manchmal ist ein gedie gener Rahmen ganz nett, aber wir Bayern sind nun mal erdige Typen. Es geht nix über eine Maß, schön kühl, im Idealfall eine bayerische Qualitätsmarke. Camping oder Hotel? Beides super. Nur nach Gigs, wenn du so richtig ausgelaugt bist, bist du froh, dich in ein schönes Hotel zimmerbett fallen lassen zu kön nen. Außerdem wichtig: ein Fern seher, falls gerade irgendwo ein wichtiges Fußballspiel läuft. Motörhead oder Coldplay? Boah, schwierig! Vielleicht 15 Mi nuten Coldplay, schön romantisch mit der Frau (Weber ist verheiratet the red bulletin
und hat zwei Kinder) – und dann den Rest des Abends bei Lemmy (Motörhead-Leadsänger und -Bassist) richtig die Sau rauslassen. Hotdog oder Kebab? Na, da nehm ich doch glatt das köstliche türkische Nationalgericht, bitte! Matsch-Schlacht im Regen oder 35 Grad im Schatten? Bisher wurden wir bei Festivals zum Glück noch nie mit Matsch be worfen. – Nein, ganz klar die Hitze, mit ein bisschen Sprühregen aus einem Gartenschlauch. So muss Sommer sein. Teenies oder Schwiegermuttis? Ist schon super, wenn die Kids vor
der Bühne richtig abgehen, mit Wall of Death und so. Aber wir sind ja auch nicht mehr 22, also gibt’s natürlich ein paar reifere Damen im Publikum – die stehen meistens aber ein Stück weiter hinten. Ich verstehe mich übrigens super mit meiner Schwiegermama. Dein schönstes Festival-Erlebnis: Rock am Ring 2006, eine Woche vor der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland. Wir spielten unseren Fußballsong „’54, ’74, ’90, 2006“, und die Leute flippten völlig aus. Da gab’s niemanden, der nicht mitgesungen hat. Irre! Der Sommer wird genial, weil … … wir endlich wieder das tun können, was uns am meisten Spaß macht: auf der Bühne stehen. Das fehlt mir schon sehr, weil wir in den letzten Monaten ziemlich viel mit dem neuen Album beschäftigt waren (das siebte Studio-Album trägt den Titel „New York, Rio, Rosenheim“, Erscheinungstermin: 24. Mai 2013). Freut euch auf jede Menge neues Programm!
SPORTFREUNDE stiller live: 8. 6.: Rock im Park, Nürnberg (D); 9. 6.: Rock am Ring, Nürburgring (D); 16. 6.: Nova Rock, Nickelsdorf (A); 19. 7.: Das Fest in Karlsruhe (D); 20. 7.: Deichbrand, Cuxhaven (D); 10. 8.: Open Flair, Eschwege (CH); 25. 8.: Musikfestwochen, Winterthur (CH); 7. 9.: die neuen Deutsch poeten, Berlin (D) Mehr: www. sportfreundestiller.de
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BULLEVARD
wenn nichts klappt, klappt irgendetwas ein bisschen – das ist die Schönheit der Unperfektion. Worüber machst du dir vor einer Show die meisten Gedanken? Über den Sound. Mit der Soundtechnik steht oder fällt ein Konzert. Man fragt sich halt: Hören mich die Fans? Hören sich die Leute in der Band gut? Solche Dinge werden von vielen FestivalPromotern extrem unterschätzt. Wenn der Sound passt, löst sich die Anspannung nach drei oder vier Songs. Viele Musiker erzählen, dass sie sich während des Auftritts bestimmte Bezugspunkte im Publikum suchen – zum Beispiel ein hübsches Mädel. Machst du das auch so? Jetzt nicht bewusst bestimmte Personen. Manchmal fällt mir auf, dass jemand gähnt, weil er vielleicht schon den ganzen Tag vor der Bühne steht. Da schaue ich schnell weg, weil Gähnen ja ansteckend ist.
„fürs wir“
Reggae-Star Gentleman über unvergessliche Festival-Gigs, weiche Knie vorm Auftritt und sein Geheimrezept für den perfekten Vibe. An welches Festival wirst du dich dein Leben lang erinnern? Boah, schwierig, da gibt’s viele. Zum Beispiel Rock am Ring und Rock im Park 2011: Vier Tage vorher rief mich Herr Lieberberg (deutscher Konzertveranstalter; Anm.) an und fragte, ob ich für Wolfmother einspringen kann – ihr Leadsänger war damals krank. Ich dachte nur: Wow, ob das wohl gut geht? Ich war nicht sicher, ob ich die ganzen Headbanger-Fans mit meiner Musik anspreche. Gab’s ein Happy End? Vor dem Auftritt haben mir noch die Knie geschlottert. Vor allem als der Ansager auf die Bühne ging und meinte: Wolfmother können nicht spielen, jetzt kommt Gentleman. Aber die Show ist in ein wahres Fest ausgeartet, die Leute haben sogar zu unserem Sound gepogt – ein unvergessliches Erlebnis. 16
Gab es auch Auftritte, bei denen nichts klappte? Das Summerjam 2010 in Köln. Wir drehten eine Live-DVD, ich war der Headliner – und plötzlich fiel das Mikro aus. Bei „Leave Us Alone“, einem meiner größten Songs, wo die Leute wirklich abgingen. Ich lief zum Soundmann, holte das Ersatzmikro, und das fiel auch aus. Na ja, dumm gelaufen. Sonst kommt’s immer wieder vor, dass ich mich auf die Fresse lege, weil die Bühne so rutschig ist. Das passiert meist bei diesen regenbedingten Festival-Matschschlachten. Hast du an solchen Tagen überhaupt Bock, auf die Bühne zu gehen? Klar, das sind die größten Aben teuer. In solchen Momenten ent stehen Geschichten, an die man sich sein Leben lang erinnert. Außerdem sehe ich es so: Selbst
Gentleman on the road: 15. 6.: Nova Rock, Nickelsdorf (A); 6. 7.: Summer jam, Köln (D); 13. 7.: Happiness Festival, Pforzheim (D); 14. 7.: Openair Frauenfeld, Frauenfeld (CH); 27. 7.: Greenville, Paaren (D); 8. 8.: Da Capo, Alzey (D); 10. 8.: Reggae Sundance, Eersel (NL) Mehr: www. gentlemanmusic.com
Müde Fans sind bei dir aber eher die Ausnahme, meistens sind die Leute am Ausrasten und Tanzen. Wie schaffst du das? Ich denke, es gelingt mir ganz gut, die Barriere zwischen Bühne und Fans zu lösen. Mir ist nichts wichtiger als dieses Wir-Gefühl, wenn aus einer Gruppe von Fremden eine Gemeinschaft entsteht, die deine Musik aufsaugt. Für diesen Vibe muss man versuchen, eine Beziehung zum Publikum aufzubauen, um sich als Teil der Menge zu fühlen. Du spielst diesen Sommer 13 Festivals in ganz Europa. Worauf dürfen sich die Fans besonders freuen? Auf viel Sonne und Vitamin D. Und auf Songs vom neuen Album „New Day Dawn“. Ich war in den letzten Monaten viel mit der Band im Proberaum, um die neuen Stücke einzustudieren. So viel ist uns schon jetzt klar: Die Songs lassen sich unglaublich toll für die Festivalbühnen umsetzen. Ich kann’s deshalb kaum erwarten, wieder on the road zu gehen. the red bulletin
Bild: bartekmuracki.com
Gentleman singt
COULD YOU BE THE LAST OF US?
THELASTOFUS.COM
14. JUNI 2013
Alterseinstufung und Packshotabbildung vorbehaltlich.
VON DEN MACHERN VON
“2”, “PlayStation”, “PS3” and “ ” are registered trademarks of Sony Computer Entertainment Inc. “SONY” is a registered trademark of Sony Corporation. “make.believe” is a trademark of the same company. The Last of Us™ ©2012 Sony Computer Entertainment America LLC. Published by Sony Computer Entertainment Europe. Created and developed by Naughty Dog, Inc. “The Last of Us” is a trademark of Sony Computer Entertainment America LLC. All rights reserved.
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Woodstock in Zahlen
Oma erzählt
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Staus, Wetterkapriolen, schwierige Stars und Versorgungschaos: 1969, beim legendärsten Musikfestival aller Zeiten, lief nichts wie geplant.
$ 1.300.000 VERLUST
24 Dollar (das wären heute 155) kostet e ein Woodstock-Dreitagesticket. Da die Kassenhäuser dem Besucher ansturm aber nicht standhielten und Absperrungen einfach niedergerissen wurden, mussten die Veranstalter noch vor Beginn des Festivals den Ticketverkauf einstellen. Die Konsequenz: ein Minus von mehr als 1,3 Millionen Dollar.
KM STAU
Woodstock gilt als eine der größten Fehlspekulationen der FestivalGeschichte. Die Veranstalter rechneten mit maximal 100.000 Besuchern, tatsächlich reisten über eine Millio n Menschen an. Rund die Hälfte davon schaffte es Mitte August 1969 bis zum Festival gelände. Die andere Hälfte stand in einem der schlimmsten Staus ever: die vollen 150 Kilometer bis an den New Yorker Stadtrand.
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BROTE
Weil die Essensversorgung am Gelände nicht funktionierte, schritt die ortsansässige jüdische Gemeinde zur Tat und bereitete aus 200 Laiben Brot tausende kostenlose Sandwiches zu. Die Betreiber der Essensstände aber erhöhten darauf ihre Preise. Worauf zwei der Stände abgefackelt wurden.
BANDS
100 Stunden Filmmaterial
Montagmorgen um 9 Uhr. Wegen eines Unwetters am Sonntagnachmittag hatte sich das Programm um Stunden verzögert. Höhepunkt von Hendrix’ Auftritt war die Interpretation der US-Hymne „The Star-Spangled Banner“. Live erlebten diesen Meilenstein der Musikgeschichte nur mehr 25.000 Menschen. Die meisten Besucher waren zu diesem Zeitpunkt längst auf dem Heimweg.
wurden von 20 Kamera leuten aufgenommen. Regisseur Michael Wadleigh machte daraus den 3-Stunden-Kultstreifen „Woodstock“, der auch den Oscar für die beste Doku erhielt. Am Schneidetisch damals: Martin Scorsese.
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UHR Gitarren-Legende Jimi Hendrix beendete das Woodstock-Wochenende am
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TOTE
Die drei Krankenstationen am Gelände behandelten über 5000 Verletzungen und Fälle von DrogenÜberdosen. Zwei Menschen überlebten ihren Heroin-Trip nicht. Ein weitere r Festivalbesucher wurde, auf dem Erdboden schlafend, von eine m Traktor überrollt. the red bulletin
Bild: Henry Diltz/corbis
Trotz Absagen der Beatles und der Rolling Stones gab es ein namhaftes Line-up: Jimi Hendrix, The Who, Janis Joplin, Joe Cocker und 28 weitere Acts spielten an den drei Tagen. Zwei Bands schafften es nicht bis zur Bühne: Iron Butterfly wurden nicht vom Flughafen abgeholt, und die Jeff Beck Group (mit Sänger Rod Stewart) löste sich am Vorabend ihres geplanten Auftritts auf.
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HMBC
DJANGO 3000 IRISHsteirisch
Federspiel • Herbert Pixner Projekt DJ Japun Beats • Da Blechhauf’n • Die Tanzgeiger Bernd Prettenthaler & Freunde • Heidi Pixner & Manuel Randi Sänger- & Musikantentreffen mit Wietinger Trio, Afritz Quintett u. v. m.
www.spielbergmusikfestival.at • www.facebook.com/SpielbergMusikfestival Tickets gibts bei oeticket und unter spielbergmusikfestival.at
Get The Gear Das Werkzeug der
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Bandkollegen besser und ist nicht so sehr vom Können des Tontechnikers abhängig. (4) Vinyl von The Beth Edges Eine der besten Livebands Österreichs, haben letztes Jahr mit „Blank Coins, Round Dice“ ein geniales Album veröffentlicht. Wir waren mit ihnen auf Tour und haben beim Abschlusskonzert eine Schallplatte abgestaubt. Einziges Problem: Wir haben keinen Plattenspieler. (5) Orange-AMP Steht stellvertretend für die Gitarren- und Bass-Amps, die wir verwenden.
(1) Telecaster-Nachbau Eine unbezahlbare Eigenkreation unseres Gitarristen Johannes Herbst. Der Korpus ist aus 250 Jahre alter Sumpfesche, als Tonabnehmer dienen Fender Texas Special Pickups, die tollen Vintage-Sound ermöglichen. (2) Mexikanischer Polster Hat der Drummer von MEST, einer US-Punkband, bei unserer gemeinsamen Europatour 2012 im Bus vergessen. Ein wunderbares Erinnerungsstück und ideal fürs schnelle Nickerchen auf der Autobahn – auch wenn er noch nie gewaschen wurde. (3) Live-Computer-Setup Wir spielen live mit speziell angefertigten In-Ear-Kopfhörern von Ultimate Ears und steuern alle Effekte per Computer. Man hört sich und die
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Wir lieben den 70er-Rock-’n’-Roll-Sound, den diese Verstärker erzeugen. (6) Front Ein Musikmagazin mit HalbnacktBildern hübscher Ladys, das nie im Bus fehlen darf. Unsere Proberaum-Kollegen von Show Your Teeth nehmen uns immer die aktuelle Ausgabe aus England mit. (7) Fender 1957 Precision Bass Dieser Bass ist eine Original-Nachfertigung des legendären 1957er-Modells. Wir lieben den warmen Sound, den dieses Kultinstrument hergibt. (8) Murat-Diril-
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Becken Unser Schlagzeuger Clemens schwört auf die Produkte dieser kleine Firma aus Samsun in der Türkei. Becken gehen leider regelmäßig zu Bruch, und für eine Neuanschaffung muss man je nach Art mindestens 200 Euro veranschlagen. (9) Line 6 PoD XT Multieffektpedal Mit diesem Pedal werden die Gitarreneffekte gesteuert. Wir verwenden es in Verbindung mit unserem Live-Computer-Setup. (10) Band-Poster Neben den Instrumenten packen wir für unsere Konzerte natürlich immer ein paar Merchandise-Artikel wie T-Shirts, CDs oder Poster in den Bus. Live! 14. 6.: Nova Rock, Red Bull Brandwagen Stage (A); 13. 7.: Moonrock, Weitersfelden (A). Mehr auf: www.fromdawntofall.com
Bild: laura karasinski
Rockstars From Dawn To Fall bewegen sich irgendwo zwischen Pop, Rock und Punk. Sehr eigen ist auch ihr Equipment. Was in ihren Tourbus muss, verraten sie hier.
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Die Physik der Musik Unnützes Wissen, das du zum Besten geben kannst, wenn mal auf der Bühne gerade nichts los ist. Deine Zuhörer werden beeindruckt sein.
1. Kann etwas so laut sein, dass ich es gar nicht höre?
2. Sind zwei Laut sprecher doppelt so laut wie einer? Wir nehmen subjektiv eine Verdopplung der Lautstärke wahr, wenn sich diese um 10 dB erhöht. Eine Erhöhung um 10 dB entspricht aber einer Verzehnfachung der Schallintensität in Watt pro Quadratmeter (siehe Abb. links). Deshalb sind erst zehn Lautsprecher doppelt so laut wie einer.
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SCHALLDRUCKPEGEL IN DEZIBEL (dB)
Die untere Hörschwelle ist von der Frequenz abhängig. Bei 1000 Hz ist ein Schalldruckpegel von 0 dB gerade noch hörbar. Von 110 dB bis 130 dB kann man Geräusche in den Ohren fühlen oder schmerzhaft spüren, und ab 170 dB kann man im schlimmsten Fall sogar ertauben.
3. Kann man ein Weinglas wirklich zersingen? Nein! Ein Sänger kann das nicht. Der schafft maximal 110 dB, und das ist 20 dB zu leise. Denn man braucht mindestens 130 dB, muss zudem die Resonanzfrequenz exakt treffen und den Klang lange genug halten. 20 dB mehr heißt aber hundertfache Schallintensität, also 100 Sänger.
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4. Warum erkenne ich auf meinem Anrufbeantworter meine eigene Stimme nicht — obwohl ich noch vollkommen nüchtern bin?
Die eigene Stimme wird auch durch den Schädelknochen vom Vokaltrakt zum Innenohr übertragen, vor allem tiefe Frequenzen bis etwa 300 Hz.
TIEFERE STIMME
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NORMALE STIMME Dieser zusätzliche, tieffrequente Schall verleiht der eigenen Stimme einen fülligen Klang.
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U E L L A FÜR
EN, F R U S IERT EFONIEREN T I M I L UN MS, TEL SMS/M
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MIT
1,5 GB
ERNET T N I D E E FULL SP
HTC
ONE MTV mobile next inkl. unlimitiert surfen in der Schweiz (während initialer Vertragslaufzeit wird die Geschwindigkeit nach 1,5 GB reduziert, danach nach 500 MB), unlimitiert SMS/MMS in alle Schweizer Netze und unlimitierte Anrufe zu Sunrise mobile.
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Höre, staune, gute Laune! Wir leben in einer Entertainment-Gesellschaft, in der nur Fun und Bedürfnisbefriedigung zählen. Jaja, wissen wir … Aber das ändert nichts daran: Festivals sind der Höhepunkt gelebter Popkultur. Let’s get stoned!
Es ist drei Uhr früh. Nach acht Stunden Konzert und ebenso vielen Bands betritt die vorletzte Gruppe die Bühne. Der Sän ger wirkt dank etlicher Wodkas im Back stageraum ziemlich angeschlagen, aber das stört keinen; schließlich sind alle im Publikum noch viel betrunkener als er, und manche schlafen in einer Ecke schon ihren Rausch aus. Die Veranstaltung ist zwar kein Open Air – aber wer unbedingt an die frische Luft will, kann ja vor das alte Theatergebäude gehen und bei minus 17 Grad eine Zigarette rauchen. Wir schreiben Dezember 2012. Das Festival heißt „Darkland Fire“ und findet im estnischen Rakvere statt. Am nächsten Tag, nach spätem Katerfrühstück und der Verabschiedung von neuen Freunden aus Finnland, Russland und Holland, ist noch eine Besichtigung der alten Deutsch ordensburg Wesenberg angesagt – und dann geht’s über die vorweihnachtliche Hauptstadt Tallinn heimwärts. Zugegeben, das ist Festivalismus für Fortgeschrittene – doch genau darauf läuft es bei jedem gelungenen FestivalErlebnis hinaus: Man sieht und hört Bands, auf die man sonst nie gekommen wäre; lernt interessante Leute und Orte kennen; erklimmt durch die Kombination aus Alkohol, Drogen, Hormonen und Musik ganz neue Bewusstseinsebenen. Und die paar Dinge, an die man sich spä ter erinnert, bleiben für den Rest des Lebens im Gedächtnis haften: „Weißt du noch, damals … als wir bei Motörhead waren? Und dann wegen Hörsturz im Spital?“ Mit den Rockfestivals der Sixties begann offiziell das, war wir heute Jugendkultur nennen. Es hatte zwar schon früher musikalische Großveranstal tungen gegeben, doch damals war das Publikum brav auf seinen Stühlen geses sen und hatte Jazzbands gelauscht. Bei den ersten Events der Flower-Power-Ära war das Publikum selbst der Star – genau so wie die langhaarigen Performer auf der Bühne. Die „drogengeschwängerten 24
Zusammenrottungen“, von denen die konservative Presse besorgt berichtete, waren identitätsstiftend – für gleich meh rere Generationen: Nachträglich wollte jeder bei Woodstock dabei gewesen sein – was schon wegen der historisch belegten Besucherzahlen nicht stimmen kann. Auch die Wissenschaft hat sich des Phänomens längst angenommen. Dr. John Drury, Sozialpsychologe an der britischen Universität Sussex, schreibt in einem Aufsatz über Festivals und Livekonzerte: „Warum gehen wir überhaupt auf Festi vals, wenn es doch viel bequemer wäre, daheim eine CD zu hören? Weil wir gemeinsam mit anderen etwas erleben und dasselbe fühlen wollen wie die Men schen um uns herum.“ Laut Drury sind es genau diese ver wandten Geister, die selbst ansonsten zurückhaltende Typen in ekstatisch brül
lende und armschwenkende tanzende Derwische verwandeln. „Teil der Masse zu sein befähigt uns dazu, unserer Auf regung und Begeisterung Ausdruck zu verleihen.“ Ebenso gut lassen sich Rock-/Pop-/ Metal-Festivals und die dort versammel ten Menschenmengen aber auch mit Pri matengruppen vergleichen. Dort dürfen sich die jungen Affen vor Erreichen der Pubertät austoben, spielen und „alles rauslassen“, kriegen aber zugleich via Gruppendynamik vermittelt, wie das mit dem Balzen und der Paarung, dem Kämp fen und der Nahrung geht. Festivals sind eindeutig auch für den Homo sapiens ein Initiationsritual. Wo sonst hätte man als Jugendlicher die Gelegenheit, fern vom elterlichen Haus halt auf einer biergetränkten Wiese her umzuhüpfen, interessante Pillen aus dem Ostblock auszuprobieren, hinter der Reihe mit den Mobilklos erste sexuelle Erfah rungen zu machen und irgendwann total stoned im Gatsch zu liegen – während in 600 Meter Entfernung eine Band spielt, die man selbst auf der Mega-Leinwand nur als Strichmaxln sehen (und schon gar nicht hören) kann? Wen stört es da, dass man eventuell eine Nierenbeckenentzün dung, Filzläuse oder einen Tripper mit nach Hause bringt? Wie der Engländer so schön sagt: „A good time was had by all.“ Nur darum geht’s. Das haben übrigens auch die Polit-Ver markter von heute längst begriffen: Seit einiger Zeit werden Demos organisiert wie Festivals – mit DJ-Trucks, kollektivem Johlen, Tanzerei und dem Schwenken „origineller“ Transparente, auf denen halt keine Bandnamen, sondern politische Slogans stehen. – Primat bleibt eben Pri mat. Und das ist doch prima. Peter Hiess ist Autor und Übersetzer,
Mitbegründer der Netzzeitschrift „Evolver“ (www.evolver.at) und neuerdings mit Evolver Books auch Buchverleger für gepflegten Pulp. the red bulletin
Illustrationen: bazuco/lumpenpack
Text: Peter Hiess
contra
Wenn Musik Müll ist, sind dann Musikfestivals Müllsäcke? Schon Woodstock war eine Mogelpackung, vollgestopft mit Matsch, Müll und Missmanagement. Um Musik ging und geht es auch nicht. Festivals sind bloß ein All-inclusiveUrlaub mit dem immer gleichen Soundtrack. Text: Didi Neidhart
Diese drei Tage im August 1969, die würden ohne die kommerzielle Aus wertung durch Film und Platte – also ohne Marketing – nie auch heute noch in den Köpfen der x-ten Generation von Nachgeborenen herumspuken. Denn Woodstock selbst war nichts als pures Chaos. Man stelle sich nur vor, ein HauptAct wie Jimi Hendrix würde heutzutage nicht am Schlussabend, sondern erst Stunden später – also am Morgen nach dem Festival – auftreten. Das Manage ment ist inzwischen besser geworden, Matsch und Müll sind jedoch geblieben. Gehören sogar, wie die von Woodstock übernommenen „No Rain“-Mantras, zur eigentlichen Festivalkultur. Nun gehören die großen Open-AirFestivals im Sommer aber auch zu dem, was von kleinen Club-Gigs am weitesten entfernt ist, und folgen daher auch einer ganz eigenen Logik. Die Musik fungiert hier zwar als Anreiz, stellt jedoch nicht die Hauptsache dar. Daher ist es im Grunde auch egal, wenn es viele nicht mal annähernd vom Zeltplatz auch nur irgendwie Richtung Bühne schaffen. Wieso denn auch? Irgendetwas dringt sowieso immer ans Ohr (am besten von mehreren Bühnen gleichzeitig), zudem fungieren Sommer-Open-Airs immer öfter als das, was früher mal unter Urlaub ver standen wurde, inklusive eines PauschalFestivaltourismus – die im Laufe des Som mers gesammelten Festivalarmbänder werden nach der Saison gleichsam als moderne Wandernadeln stolz hergezeigt. So gesehen sind Festivals nichts anderes als die zugkräftigsten Abonnement-Kon zerte des Pop-Zirkus. Sie sind Abenteuer urlaub (Regen, Vollrausch, Filmriss, DixiKlos) mit vorhersehbarem und gewünsch tem Soundtrack, während das Jahr über der Besuch von Konzerten nicht unbe dingt zur aktiven Freizeitgestaltung gehört. Worunter immer mehr Clubs leiden. Nicht nur weil das Geld knapp ist und lieber für die Sommer-Open-AirSause angespart wird, sondern auch the red bulletin
weil immer weniger das Risiko eingehen wollen, ein Ticket für einen noch eher unbekannten Act zu lösen, der ihnen dann vielleicht doch nicht ganz so gut gefällt. Dann lieber gleich auf Nummer sicher gehen! Und was ist sicherer als die sommer lichen Freiland-Herdenauftriebe der üblichen Verdächtigen, die bei passender Planung und vorhandenen finanziellen Ressourcen den ganzen Sommer über hin durch zigmal gesehen werden können? Klar, es gibt Newcomer, die vor einem mit dem Abbau bzw. der Auffrischung des Restalkohols vom Vortag noch beschäf tigten Publikum in der Mittagssonne schwitzen, aber grundsätzlich haben Experimente bei Open Airs keinen Platz. Das muss auch nicht sein (wir sind ja im Urlaub), dennoch lässt sich gerade hier Müllmusik von Müllsäcken nicht immer leicht trennen.
Das liegt zum einen an der Unverein barkeit gewisser Genres mit dem grellen Tageslicht. Gerade all die Nachtschatten gewächse zwischen Pop und Metal leiden vor Sonnenuntergang gehörig an der sich bei Kaiserwetter halt doch nicht so leicht einstellen wollenden Düster-Stimmung und geben dabei nicht selten eine erbärm liche Parodie ihrer selbst ab. Wieso es viele dennoch tun (und dabei nicht gleich zu Staub zerfallen), wird ein ewiges Rätsel bleiben (Heavy-Metal-Kreuz fahrten ebenso). Zum anderen dürfen wir nicht verges sen, wie sehr der klassische Stadion-Rock die Musik an sich verändert hat. Queen dürften dabei die Ersten gewesen sein, die mit Nummern wie „We Will Rock You“ konkret auf die Beschaffenheit großer Open Airs und die damit einhergehenden Bedürfnisse der Besucher (Gemeinschafts gefühl, Mitsingen, Abrocken) reagiert haben. Nun gehört jedoch die klassische Stadion-Rock-Hymne zu jenem popkul turellen Sondermüll, dem nicht zuletzt auch Punk den Garaus machen wollte. Nur, das ist – wie wir wissen – deutlich schiefgegangen. Heutzutage bauen sich manche Bands ihr komplettes Programm aus solchen Hymnen zusammen und pas sen somit ideal in ein Setting, bei dem sich Pop als Jahrmarkt und auch Oktober fest (wo ab einer gewissen Promillegrenze jegliche Musik super ist) präsentiert. Das kann als ein Zurück zu den Ursprüngen gedeutet werden (wie das Kino entwickel te sich ja auch Pop aus diversen Jahr markts- und Varieté-Attraktionen), als Unterhaltung für die ganze Familie oder als etwas, das wie die Pest gemieden werden soll. Nur eines ist bei all dem immer klar: Nach dem Festival ist vor der Müll kolonne. Didi Neidhart ist Chefredakteur des Musikjournals „skug“, Musiker und DJ. Mit Hans Platzgumer schrieb er das Buch „Musik ist Müll“, Limbus Verlag, 2012.
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ke nnst du di e! Eine Festival-Faustregel lautet: Die besten Bands sind die, deretwegen du eigentlich gar nicht hinfährst. Denn die wirklich coolen Künstler entdeckst du abseits der großen Bühnen. Wie etwa diese 13 Talente des Festivalsommers. Tipps: Daniel Köhler
Palma Violets q „Wir produzieren Lärm aus Spaß in unserem Proberaum“, sagt Sänger Sam Fryers. Den Proberaum, eine baufällige Eisenbahnhalle in Südlondon, hat die seit den Libertines meistgehypte Rockband der Insel längst gegen internationale Bühnen getauscht. Nun schwitzt und schreit das Quartett seine rumpelnden Hommagen an Nachtbusse, ExFreundinnen und urbane Frustration jedem entgegen, der Joe Strummer nicht für einen talentierten Rechtsaußen bei ManU hält.
A$AP Rocky p Kaum 23 Jahre alt und schon Fackel träger der Harlemer Rapdynastie. Heißt: bunteste Klamotten, wirre Drogenmär chen auf tiefst rollenden Bässen, Geld wie Heu und ein Selbstbewusstsein höher als das Empire State Building. So weit, so Schublade. Aber: A$AP kämpft eben auch für die Gleichberechtigung Homosexueller, isst vegetarisch und hat sowohl die Telefonnummern von Skrillex als auch von Lana Del Rey im BlackBerry. Schublade, anyone? Free Mixtape: www.datpiff.com/ASAPRocky-LiveLoveAap-mixtape.278798. html Fireside Chat: www.rbmaradio. com/shows/asap-rocky-firesidechat--1799 Live: 8. 6.: Rock im Park (D); 9. 6.: Rock am Ring (D); 12. 7.: Frauenfeld (CH); 13. 7.: Splash! (D)
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Jake Bugg t Vor wenigen Monaten war Jake noch ein Junge mit einer Gitarre. Einer von so vielen Working-Class-Songwritern des Königreichs. Er klapperte die Pubs von Nottingham ab und wurde abgewiesen: „Du bist noch minderjährig, hau ab!“ Bugg liebäugelte daraufhin mit einer Karriere als Fußballer, als ein gewisser Noel Gallagher ihn kurzerhand für seine US-Tour als Support einlud. „Er ist authentisch“, so die schmallippige Begründung. Musik: soundcloud.com/jake-bugg & jakebugg.com/free-download Live: 7. 6.: Rock im Park (D); 8. 6.: Rock am Ring (D); 15. 8.: Frequency (A) the red bulletin
Bilder: picturedesk.com (3)
Live: 7. 6.: Rock im Park (D); 8. 6.: Rock am Ring (D); 23. 7.: Paléo (CH)
hör zu!
Muso t Wenn Cro der Posterboy der Generation H&M ist und mit Beuteln voller pastellfarbener, guter Laune um sich schmeißt, dann reißt Labelkollege Muso diese ganze Fröhlichkeit, diabolisch lächelnd, wieder ein. Lieber wortschwallt sich der Heidelberger Rapper durch den kompletten Katalog popkultureller Referenzen, die auch deiner Stehparty gut zu Gesicht stünden. Das gefällt nicht jedem, aber das ist auch gut so. „Wenn dich Heidelberger Hip-Hop-Heads auf Klotüren als ,Schwuchtel‘ dissen, weißt du, dass du auf dem richtigen Weg bist.“ Free EP Download: www. facebook.com/musobeach/ app_435679913188486 Updates: www.twitter.com/musobeach Live: 12.– 14. 7.: Splash! (D)
„Wir reiten zusammen in den Sonnenuntergang, uns immer tiefer in die Scheisse.“
Bilder: patrick herzog, picturedesk.com (2)
Leslie Clio t Deutscher Soulgesang auf einem Rockfestival? Eine Sängerin, die sich mit Tee und Summen vor den Auftritten beruhigt? Die Aretha Franklin und das „Dschungelbuch“ mehr oder minder aus wendig kann? Die sich während der Aufnahmesessions zum Album „Gladys“ vorgenommen hat, mehr barfuß zu laufen, weil der Violinist dabei so glücklich aussah? Die zur deutschen Adele hoch geschrieben wird? Und überhaupt: deutscher Soul? Alles oberflächlicher Unsinn. 2013, und mit dieser Stimme, geht das völlig klar. Player: leslieclio.com Live: 7. 6.: Rock im Park (D); 8. 6.: Rock/Ring (D); 17. 8.: MS Dockville (D) the red bulletin
Ok Kid q Machten früher, unter dem Namen Jona:s, kreuzbrave Proberaummusik mit Spuren von Rap. 2013 sind OK Kid die Wasted German Youth, wie sie im Buche steht: Zwischen German Angst und irgendwas geht immer. Radiohead stand mit den Albumtiteln „OK Computer“ und „Kid A“ Pate, konsequenterweise kultiviert das Trio die kunstvolle Depression an Moll und kontrolliertem Bombast. Wenn schon schlechte Laune, dann doch am besten gemeinsam. Live: 21. 6.:
Hurricane (D); 22.6.: Southside (D); 14. 7.: Frauenfeld (CH); 15.– 17. 8.: Frequency (A)
hör zu!
Gerard MC u Der 27-jährige Welser und Wahlwiener gilt als eines der nächsten große Dinge in Sachen Rap deutscher Zunge. Und weil Druck ja Diamanten entstehen lässt, kerkert sich Gerard über Wochen in eine Berghütte ein, schleppt Equipment über verschneite Bergpässe, um ungestört an seinem Sound – irgendwas zwischen The Streets und Hudson Mohawke – zu feilen. Zum Runterkommen wird dann gerne mal gemeinsam Holz gehackt. Rapper 2013 – man muss sie einfach mögen. Live: 12.– 14. 7.: Splash! (D); 15. 8.: Musikwochen Winterthur (CH)
Aluna George q Okay, Michael Jackson ist tot. Neben sei nen Hinterlassenschaften – Schulden, Rechtsstreite, Affen – hat uns der King of Pop aber auch Aluna George beschert. „Wegen ihm haben wir angefangen Musik zu machen.“ Ein MacBook, ein Schlafzimmerstudio und Soundcloud reichten dem britischen Duo, um die halbe Internetwelt nach ihrem Future-R&B-Sound verrückt zu machen. Nun wagt der feuchte Traum deiner Hipster-WG von gegenüber den Weg in die Offlinewelt. Wer hier kein Zucken in der Hüftgegend verspürt, ist vermutlich tot.
Icona Pop q Unlängst, in Schweden. Treffen sich zwei Frauen, eine davon mit Liebes kummer, auf einer Party und schreiben noch in derselben Nacht den Song „Sheriff came to town on a big black horse“. Icona Pop war geboren. Seitdem zer legen die beiden entweder als It-Girls DJs oder als hedonistische Elektropop wunderkinder die schönen Clubs dieser Welt. „Eigentlich wollten wir ja Rock stars und keine Popstars werden. Aber hin und wieder schmuggeln wir einen Flachmann in den Club. Das reicht dann meistens aus.“ Musik: www.soundcloud.com/iconapop Video (We Got The World): www.you tube.com/watch?v=vG649VIouI0 Live: 29. 6.: OpenAir St. Gallen (CH); 27. 7.: Greenville (D)
Musik: www.soundcloud.com/left-boy Free Downloads: www.leftboy.com Live: 21.– 23. 6.: Hurricane/Southside (D); 12. 7.: Frauenfeld (CH); 10. 8.: Heitere (CH); 15. 8.: Frequency (A); 16.– 18. 8.: Highfield (D); 6. 9.: Berlin Festival (D) the red bulletin
Credit:
Left boy u Wie der Sohn der österreichischen Kulturinstanz André Heller zum Hip-Hop kam? Durch Beatboxen. Doch weil BeatboxWeltmeisterschaften organisieren ihm nicht ausreichte, griff der in New York in einer Kommune lebende Left Boy selbst zum Mikrofon und gilt seit 2011 als spannendster Kulturexport Österreichs. Money Boy nicht eingerechnet. Angeblich hat sogar der Platinjunge Cro sich für seinen Hit „Du“ eine ordentliche Scheibe von Left Boys „Your Song“ abgeschnitten.
Bilder: Lukas gansterer, mahir siddgi, picturedesk.com (5)
Musik: soundcloud.com/AlunaGeorge Live: 17. 7.: Montreux (CH)
hör zu!
James Hersey q Ein Mann mit Gitarre, der auf Englisch schöne Lieder singt. Das ist Jack Johnson, nicht wahr? Diesen Vergleich hat der Wiener Songwriter vermutlich schon tausendmal gehört – und ignoriert. Er macht einfach weiter, gut gelaunte Musik, ohne Label, auf eigene Rechnung und mit reichlich Liebe der FM4-Hörerschar. Free Mixtape: jamesherseymusic.com Live: 22. 6.: Umsonst & DrauSSen (D); 30. 8.: Freakwave (A)
Sizarr p Landau, 44.000 Einwohner klein, in der deutschen Pfalz gelegen, ist die Geburtsstätte der vielleicht spannendsten Stimme Deutschlands. Deaf Sty, Frontmann von Sizarr, singt so, als hätte er den kompletten Weltschmerz, an Zigaretten und Whisky, in sich aufgesogen. Das nächste große Ding? Vielleicht. Die nächste große Stimme? Aber hallo! Mutti sammelt auf jeden Fall schon mal alle Zeitungsausschnitte. Das können noch einige werden.
Credit:
Musik: www.rbmaradio.com/shows/ sizarr-headphone-highlights--2 Video: www.redbull.de/cs/ Satellite/de_DE/Article/Das-neueVideo-von-Sizarr-021243333868658 Live: 16. 8.: Frequency (A); 18. 8.: MS Dockville (D)
Callejon p Humor und Heavy Metal vertragen sich nicht? Callejon, die Metalcoreabrissbirne aus Düsseldorf, sehen das anders. Wenn Heino ein komplettes Coveralbum aufnehmen kann, dann wollen Callejon da nicht nachstehen: Sidos „Mein Block“ oder „Alles nur geklaut“ von den Prinzen sind ihnen genauso wenig heilig wie der Mann mit der Haselnuss: Fürs Wacken Open Air haben sie Heino eingeladen, mit auf der Bühne zu stehen. Eine Antwort steht noch aus. Wie humorlos, eigentlich. Video (Schwule Mädchen): www.callejon.de Live: 21. 6.: Hurricane (D); 22. 6.: Summerblast (d); 23. 6.: Southside (d); 6. 7.: Vainstream (D); 1.– 3. 8.: Wacken (d); 17. 8.: Highfield (d)
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DER ULTIMATIVE FESTIVAL
TEXT: DIE KONSORTEN, ILLUSTRATIONEN: ROSE STALLARD
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Anreise Einpacken – losfahren – tanken – im Stau warten – Parkplatz suchen – auspacken. Die Anreise zu einem Festival kann ganz schön Nerven kosten. Wer sich das alles ersparen will, macht einfach den Weg zum Ziel. Das „70000 Tons of Metal“ ist das erste und bislang einzige Festival, das auf einem Kreuzfahrtschiff stattfindet. Anstatt zum Festival zu reisen, reist man hier mit dem Festival. Und zwar nicht durch die übelste Gegend: Fünf Tage schippert man dann mit rund 2000 ande ren Metal-Fans durch die Karibik. Aber Achtung: Wer nicht das Glück hat, im Heimathafen des Heavy-Metal-Kreuzers zu wohnen, wird dennoch eine Anreise vor sich haben. Und die kann ganz schön nerven! (LW)
Aufriss (in den Worten der Headliner) „Ich wollte dir nur mal eben sagen, dass du das Größte für mich bist!“ (Sportfreunde Stiller) „You know that I could use somebody, someone like you.“ (Kings of Leon) „Mit dir steht die Zeit still, du bist, was ich will.“ (Max Herre) 30
„You are the only exception.“ (Paramore) „I was made for loving you baby, you were made for loving me.“ (Kiss) „Ohne dich fühle ich mich so allein, allein, allein, allein, allein.“ (Cro) „Hab keine Angst, ich gebe auf dich Acht.“ (Die Toten Hosen) Akupressur Kannst du mir bitte mal den Huantiao drücken? Schmerztherapie und Anmache in einem Satz vereint. Der Akupressur punkt Huantiao liegt zwischen der Spitze des Trochanter major femoris und dem Hiatus sacralis (also: am Po, Mitte, unten), aber wer nimmt das bei einem Festival schon so genau? Wirkt gegen Rücken schmerzen und vielleicht sogar gegen eine Nacht alleine im Zelt. (MS)
b
Bier, kaltes Warmes Bier hilft wunderbar gegen Erkältungen und Husten. Zwischen hei ßem Zeltplatz und staubiger Bühne ist das jedoch nur ein schwacher Trost. Auf Festivals braucht man kaltes Bier. Das selbstkühlende Bierfass ist die wohl eleganteste Lösung, um an perfekt the red bulletin
Festivalguide
t emperiertes Bier zu kommen. Das Fass besteht aus drei ineinanderliegenden Kammern: In der innersten (A) befindet sich das Bier, in der zweiten (B) Was ser, in der äußersten (C) ein Material namens Zeolith. In C herrscht zudem Unterdruck. Öffnet man das Ventil zwi schen B und C, sinkt in Kammer B der Druck und das Wasser verdampft. Dabei entsteht Wärme und dank des Energie erhaltungssatzes auch kaltes Bier. Alles klar? Nein. Egal, Prost! (LW)
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Chaos Besucher von Metal-Festivals zeigen in Sachen Kontrollverlust die größte Disziplin: Auf Kommando der Bands bildet das Publikum vor der Bühne eine mehrere Meter breite Gasse. Bis auf ein paar Betrunkene, Unwissende oder Todesmutige ziehen sich alle schleunigst aus dem so entstandenen Rechteck zurück. Zwei Mauern gleich steht sich nun das geteilte
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Publikum gegenüber. Gibt die Band ein Zeichen, stürmen die Massen aufeinander zu und prallen in der Mitte zusammen. Wer die sogenannte Wall of Death überlebt hat, kann anschließend gemütlich weiter Pogo tanzen. (LW)
Keine Panik, viel Wasser trinken und die Finger von den Pillen lassen!
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Darwin award Du willst so richtig einen draufmachen? Gut. Du hast zu diesem Zweck ein paar ominöse Pillen gekauft und keine Ahnung, was drin ist? Schlecht. Du hast sie gleich eingeworfen, ohne sie bei einem der vielen Infostände checken zu lassen? Gratuliere, du bist Anwärter für den DarwinAward. Aber jetzt erst mal: keine P anik und viel Wasser trinken. (RF)
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Einen im Tee haben Gehört auf Festivals fast schon zum guten Ton. Wer’s mit Tee nicht so hat, dem stehen einige sprachliche Alternativen zur Verfügung: blau, dicht, voll, fett, stramm, prall, zu, knülle, paniert, storno, hacke, besoffen und, etwas lyrisch angehaucht, gerne auch alkschwanger. Längere und
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Festivalguide
kompliziertere Varianten wären: einen in der Krone haben, Schlagseite haben oder voll wie tausend Russen. All dem steht eigentlich nur ein Wort gegenüber: nüchtern. (LW) Einkaufswagen Woher kommen eigentlich auf Festivals immer all die Einkaufswägen her? Weit und breit ist doch kein Supermarkt. Eignen sich aber offenbar sehr gut zur Beförderung von Bierdosen, Zeltstangen und sperrigen Gegenständen. Zwischen An- und Abreise wird der Einkaufswagen meist zu einem multifunktionalen Gerät, mit dem man Alkoholleichen abtrans portieren, Rennen fahren, Crashkurse absolvieren und sich sogar einen Unter schlupf bauen kann. (MSt)
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Erinnerung Jeder, der schon auf einem Festival war, zählt sicher noch das eine oder andere von ihnen zu seinem Besitz: Armbänder, die man beim Eintritt im Tausch gegen sein Ticket erhält. Wohingegen einige durch Zurschaustellung ihrer vielen Festivalbesuche bald zur Gattung Wolf gang Petry avancieren, ist das Tragen der Armbänder letztendlich eine Frage der Hygiene. Trotz aller Reinlichkeit sammeln sich Keime in Gewebe und Metallverschluss, die Ausschläge ver ursachen können. Um dem vorzubeugen, hilft nur eins: Armband vorsichtig abschneiden und auf eine Erinnerungs tafel hängen oder mit einer Sicherheits nadel am Lieblings-Festivalkleidungsstück befestigen. (MM)
F
Folgt dem Schuh! Ein ethnologisches Phänomen, das vor allem auf größeren Festivals zu beobachten ist. Bei diesem Ritual beschließt eine meist kleine Gruppe von Individuen, einen beliebigen Schuh auf einen Stock zu binden und mit dieser Galionsfigur stundenlang durch das gesamte Festivalgelände zu laufen. (MSt)
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s icher aufbewahren will, der sollte es nahe am Körper tragen. Bauchtaschen sind unsexy? Ein paar Scheine sind im BH oder in der Pumpanölla auch gut aufgehoben. (MP)
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Haare Am besten vorher abschneiden. Im Ernst: Sich die Haare irgendwie zu „machen“, zu stylen oder sonst was, kannst du eigentlich gleich vergessen. Vielleicht rettet Wasser oder die Bürste noch vor den schlimmsten Haardesastern, aber auch das ist fragwürdig. Wer darauf besteht, mit langen Haaren auf ein Festi val zu fahren, darf sich zumindest freuen, mit Dreadlocks zurückzukommen. Ein zige Alternative: Badehaube aufsetzen und während des gesamten Festivals auflassen. (MSt)
Geld nicht in die Büchse! Die wird allzu gern als Aschenbecher oder Kloersatz missbraucht.
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Insektentod Groß angelegter Mückenmord ist eine Wissenschaft für sich. Je nach Schäd lichkeit und Gelsenart kommen Ausräu chern, hochgiftige Insektizide, künstliche Überflutung bzw. Trockenlegung (von Moorgebieten) in Frage. Weniger radikal, aber dafür leistbar sind Moskitonetze und Hautsprays. Allerdings: Stark rie chende Öle wirken nur bei feuchter Haut. Was gegen die Biester eigentlich am bes ten wirkt, ist auf Festivals schwierig: sich häufig waschen. (MP)
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Jäger und Sammler Ist der Proviantsack leer, gibt die Natur noch Essen her: Pilze, Beeren, diverse Gräser und sogar Würmer oder Heu schrecken sättigen nicht nur, sondern sind noch dazu billig und gesund. Aber wer will das essen? Auf ein paar harm lose Kräuter könnte sich der hungrige Festivalbesucher ja noch einlassen. Auch wenn sie keine Sattmacher sind. Deshalb: genug Müsliriegel einpacken. (MP)
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Geld verstecken Im Schlafsack? Im Rucksack zwischen den Socken? Don’t. Auch von kreativeren Lösungen wie einer leeren Bierdose ist abzuraten. Schließlich könnte die Blech büchse schnell auf dem Müll landen, als Aschenbecher oder gar als Nottoilette missbraucht werden. Wer sein Geld the red bulletin
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Kochen ohne Feuer Offenes Feuer ist auf einem Festival gelände im Normalfall streng verboten. Das schließt, zum Leidwesen vieler, auch den Betrieb von Gaskochern mit ein. Wer sich trotzdem nicht nur von Brot, Dauerwurst und Käse ernähren will und es sich nicht leisten kann, überteuerte Happen von Ständen zu kaufen, greift am besten zu Solarkochern. Von professionellen Geräten bis hin zu Bastelanleitungen findet sich im Internet alles. Das gebra tene Steak sollte man zwar lieber auf den nächsten Grillausflug verschieben, aber zumindest die Dosenravioli lassen sich so gut wärmen. (MM)
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Kater-Killer Dies ist der einfachste und wirkungsvollste Zaubertrank der Welt. Verraten von Martin Steinbacher von der MaydayBar im Salzburger Hangar-7: „Nach ein paar Drinks zu viel herrscht im Körper akuter Mineralmangel. Tomatensaft ist reich an Mineralien und enthält außerdem viele Vitamine und Nährstoffe. Der Apfelsaft ist die perfekte Waffe gegen Übelkeit.“ Außerdem zu empfehlen: ein deftiges Frühstück. Zutaten: 20 cl Tomatensaft, 8 cl Apfelsaft, Salz und Pfeffer. Verrühren, fertig! (red)
Festivalritual, das nicht erst mit Woodstock erfunden wurde. Es ist deshalb wichtig, diesen Brauch nicht zu vernachlässigen. Falls du kein Fan von Kräutertee bist, kannst du mittels anderer Lieblingsgetränke (Red Bull, Bier, kaltes Wasser) den Teetrinker auch faken. Doch wirst du dich dem wohlriechenden Dampf kaum ent ziehen können. (MSt)
So hart es klingt: Nicht versuchen, anderen zu helfen.
Kondome Gummis sind multifunktionale Objekte: Kondome eignen sich als Wasserbehälter oder Partyballons. Über Finger oder Füße gestülpt schützen sie vor Feuchtigkeit und Keimen. Zum Beispiel bei Verbren nungen: Wunde mit Wasser kühlen, Kleidung oder Schmuck entfernen und mit einem Kondom oder einer Frischhaltefolie vorsichtig abdecken. Das verhindert Infektionen. Und natürlich sind sie auch nützlich beim Sex im Zelt. Wer an einer Latexallergie leidet, sollte Kondome aus synthetischen Kunststoffen einpacken. (MP) Klopapier Wer ein paar Rollen dabeihat, macht sich garantiert beliebt. Nicht nur bei denen, die aufs Dixi-Klo müssen. Denn im unbenützten Zustand leistet Toilettenpapier auch als provisorischer Tee- oder Kaffeefilter gute Dienste. Und falls doch ein paar Rollen übrigbleiben sollten: Gesellschaftsspielchen wie Rollen-Weitwurf, Arsch papier-Staffellauf oder die Klopapiermumie vertreiben nicht nur beim Kindergeburtstag langweilige Momente. (MP)
Kräutertee Ein guter Kräutertee ist absolut unverzichtbar. Falls du keinen dabeihast, keine Sorge! Kräutertee wird auf Festivals gerne geteilt und kann bei einer Person deines Vertrauens sicherlich auch käuflich erworben werden. Das gemeinsame Kräuterteetrinken ist ein traditionelles 34
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l m Lichtzeichen Eigentlich funktioniert der Morsecode ja per Funk, aber Taschenlampen tun es am Festival auch. Ein Punkt steht für kurz, ein Strich für lang, und eine Pause ist eine Pause. Wer schon zu viel Kräutertee getrunken hat, kann ja mal analysieren, was die Scheinwerfer auf der Bühne so von sich geben. (MS) A
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Gummis sind gut als Wasserbehälter, Handschuhe, Socken und erste Hilfe. the red bulletin
Massenpanik Die Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg 2010 zeigt, wie schnell Men schenansammlungen außer Kontrolle geraten können. Experten raten bei einer Massenpanik: Cool bleiben, Engpässe meiden, in denen die Masse zusammen gedrückt wird, sich nicht bücken, immer auf den Beinen bleiben und nach Aus gängen oder Schildern Ausschau halten. Außerdem sollte man – so hart das klingt – nicht versuchen, anderen zu helfen. Man könnte dabei selbst umgestoßen werden. (MP) Müll Was etwa vom Frequency Festival 2012 übrigblieb, waren 160.000 individuelle Abenteuergeschichten und 250.000 Kilo Müll. Aus dem angrenzenden Fluss bar gen Putztrupps mehrere vollständige Zelte. Sogar eine Ölsperre musste ein gezogen werden, um die Verschmutzung abzusaugen. Aufräumarbeiten dauern im Schnitt fünfmal länger als das Festival selbst. Jedes Open Air ist ein mittleres ökologisches Desaster. Klar, du willst nicht für jedes Taschentuch einen Müll container suchen. Trotzdem: Müll im Plastiksack zwischenlagern und einmal am Tag zur Sammelstelle. Und Zelt wie der mit nach Hause nehmen. (red)
Mode Auf einem Festival will man sehen und gesehen werden. Bevor man aber mit einem weißen T-Shirt im Platzregen steht und unfreiwillig einen auf WetT‑Shirt-Contest macht, sollte man vor dem Packen den Wetterbericht zu Rate ziehen. Ganz egal, welche Vorhersage, auf ein Festival dürfen nur jene Lieb lingsstücke mit, die man nachher bedenkenlos in die Waschmaschine werfen kann. Sonst trübt der Schlamm nicht nur das Festival, sondern auch die Tage danach. Unverzichtbar ist eine kleine Umhängetasche, in der sich Wertsachen sicher unterbringen lassen. Ausgezogene Kleidungsstücke kann man am Henkel befestigen, so bleiben die Hände zum Klatschen frei. (MM)
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Notfallapotheke Ein Festivalbesucher ist kein mobiler Apotheker. Schmerz- und Desinfektions mittel gehören aber trotzdem in jeden Rucksack. In Stunden der Verzweiflung schaffen auch Antihistaminika (als Salbe oder Tablette gegen Hautausschläge und Insektenstiche) und Mittel gegen Durch fall Abhilfe. Wer noch Platz hat: Nützlich sind auch Wasserentkeimungsmittel. Die reinigen Wasser, ohne dass man es ab kochen muss. (MP) 35
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Naturkatastrophen Festivals und Naturkatastrophen stehen in einer mythischen Verbindung. Erst durch einen Orkan oder eine Überschwemmung wird aus einem launigen Campingwochenende ein darwinistisches Abenteuer. Wer das übersteht, darf die vor Stolz geschwellte Brust mit einem „I survived this festival“-T-Shirt bedecken. Das Wichtigste in Kürze: Gewitter – mit geschlossener Fußstellung am Boden kauern; Erdbeben – freie Stelle suchen und abwarten; Buschbrand – unter nasse Decke kriechen; Vulkanausbruch – Täler meiden und Lavaströme beobachten; Schneesturm – Iglu bauen und sich am Nachbarn wärmen. (LW)
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Ohrstöpsel Konzertgeher-Profis wissen, dass Ohrstöpsel bei Festivals unerlässlich sind. Es gibt mittlerweile sogar solche, die speziell fürs Laute-Musik-Hören gemacht sind. Wer die Dinger dann doch vergessen hat, hilft sich mit der zuverlässigen Taschentuch-plus-Speichel-Variante. (Steck die Kügelchen aber nicht zu tief ins Ohr, damit sich keine Papierfusseln in den Tiefen deines Schädels verlieren.) Und all jenen, die denken: „Ich brauch das nicht, ich geb mir die volle Dröhnung“, sei gesagt: Schlafen im Zelt kannst du ohne Ohrstöpsel vergessen. (red) Orientierung Erst einmal: Es gehört auf einem Festival dazu, seine Freunde ständig zu verlieren. Dann muss man eben neue finden. Was immer hilft: Treffpunkte ausmachen. Aber bitte nicht gleich vor der Hauptbühne. Und: Den Zeltplatz gleich am Anfang genau einprägen, am besten nach Art der Pfadfinder anhand von zwei markanten Punkten. Denn in der Nacht sind alle Zelte grau. (RF)
Schlafen im Zelt kannst du ohne Ohrstöpsel vergessen. 36
p q Pumpanölla Ja, die Unterhose muss täglich gewechselt werden. Man kann natürlich darauf vertrauen, dass das Gegenüber nach übermäßigem Alkoholgenuss nichts mehr riecht, aber wollt ihr wirklich, dass sich die letzten Tröpfchen eures gesamten Bierverbrauchs ausgerechnet an der Stelle sammeln, an der ihr …, na, ihr wisst schon. Dann ist es auch völlig egal, ob String, Panty, Boxer, Jockstrap oder eben die wollene Pumpanölla. Wegen der wurde noch nie jemand aus dem Zelt geschmissen. (MS)
QUASSELN Warst du schon mal drei Tage lang mit deinen fünf – bis dahin – besten Freunden 24 Stunden am Tag zusammen? Vielleicht ist es ja dein erstes (und dein letztes) Mal. Festivals sind Freundschaftstests. Schütze dich vor dem sozialen Overkill, denn niemand kann und niemand will jede Sekunde seiner Relax-Zeit mit Labern und Zuhören verbringen. Gib den Hyper aktiven in deiner Gruppe von Anfang an zu verstehen: Schweigen ist das neue Quasseln. (red) the red bulletin
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relevanz Ordne die Acts auf deiner Liste nach Relevanz. Wähl dir eine absolute Nummer 1 aus, die du auf alle Fälle perfekt genießen willst. Diesem einen Act ordnest du den ganzen Tages ablauf unter, gehst zwei Stunden vor her zur Bühne und suchst dir deinen Lieblingsplatz. Besser, du erlebst dieses eine Konzert so richtig als siebzehn so irgendwie. (red)
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Schuhe Wie bei der Mode gilt es, praktisch zu denken. Am besten bewährt haben sich Gummistiefel bei Regen und Stoffschuhe bei Sonnenschein. Schuhe mit Absätzen und Sandalen haben auf einem Festival nichts verloren, da man sich leicht ver letzen kann. Ein verstauchter Knöchel, weil man auf der Wiese umgeknickt ist, oder eine gebrochene Zehe ob der zelt befestigenden Heringe machen einfach keinen Spaß. (MSt)
Sicherheitsnadel Ihr Prinzip war schon in der Bronze zeit bekannt, und noch heute schwören Camper auf die Sicher heitsnadel. Sie ersetzt Reiß verschlüsse und Knöpfe, wird – magnetisch aufgeladen – zum Kompass, hilft beim Aufhängen von Stoffen, fixiert Notizen am Zelt, rettet sterbende Klei dungsstücke oder wird zum provisorischen Fischhaken. Dabei hielt der Erfinder der modernen Sicherheitsnadel, der Amerikaner Walter Hunt, nur wenig von ihr und ver kaufte 1849 sein Patent um 400 Dollar. (MP)
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Schlamm Schlamm ist ein bewährtes Heilmittel. Er hilft gegen Entzündungen, aktiviert den Blutkreislauf und verschönert Haut und Haar. Alles nützliche Eigen schaften auf einem Festival. Aber was am herrlich dreckigen Morast noch viel wichtiger ist: Man kann sich damit so richtig einsauen! Schlammcatchen, Schlammschlachten, Schlamm rutschen sind alles wunderbare Mög lichkeiten, sich den Tag zu versüßen. Und bildschön wird man dabei auch noch. (MSt) Schmuggeln Solange du dein Gesöff nicht in Glas flaschen übers Festivalgelände spazie ren tragen willst, stehen dir fast alle Türen und Einlasskontrollen offen. Besonders beliebt bei Veranstaltern und Sicherheitspersonal sind Tetrapaks, da man mit diesen Getränkekartons sich oder andere schwer verletzen kann. Solltest du dich dennoch auf eine Veranstaltung verirren, wo die Mitnahme von Getränken rigoros ver boten ist, helfen nur noch Schmuggel tricks. Besonders beliebt: mit Wodka abgefüllte Wassermelonen und an den Extremitäten festgeklebte Behälter bei entsprechend weiter Garderobe. (LW)
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Testlauf Lade deine Freunde zu einem FestivalTestlauf im Garten oder im Park ein. Gemeinsam das Zelt aufbauen, Cam pingzeug ausprobieren, eine kleine Mahlzeit einnehmen, sich ein paar Bierchen genehmigen, wegen einer Kleinigkeit streiten, keine Toilette fin den, zu laut Musik hören, Ärger mit der Security (oder den Nachbarn) bekommen, irgendwann einschlafen. Und am nächsten Morgen alles auf räumen. Auch gemeinsam. Kann dich vor (psychosozialen) Überraschungen bewahren. (red) Trocken bleiben 1. Zelt nie in einer Vertiefung auf bauen. 2. Zeltschnüre richtig spannen. Wenn die Außenhaut mit dem Innen zelt auf Tuchfühlung geht, geht’s auch nass durch. 3. Wertvolles kommt in einen Gefrier beutel mit Zipp. 4. Müllsäcke sind gute Regenmäntel. 5. Gummistiefel kannst du als Wasserbehälter nutzen, und sie ver schaffen Vorteile beim Schlamm rutschen. (MS)
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Unfälle Kein Spaß. Unfälle sind auf Festivals noch gefährlicher als sonst wo ( Massenpanik). Es gibt zwar auch mehr Sanitäter als in freier Wildbahn, aber im Notfall sollte man noch ein paar Erste-Hilfe-Kenntnisse parat haben. Besonders wichtig: die stabile Seitenlage. „Festivalkrankheiten“ wie zu viel Alkohol oder ein Sonnenstich können Erbrechen hervorrufen. Bei der stabilen Seitenlage wird der Bewusst lose so positioniert, dass Erbrochenes aus dem Mund auslaufen kann und er nicht daran erstickt. (MS) 37
Festivalguide
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XXX Schon in Woodstock soll es geheißen haben: What happens at the festival stays at the festival. In einer solchen Ausnahmesituation kann es schon mal zu körperlichen Annäherungen kommen, die man bei klarem Ver stand nicht wirklich so geplant hätte. Es sei vergessen und verziehen. Mach am Montag keine große Sache draus … (red)
Vorbereitung, Lektüren zur Rüdiger Nehberg: „Überleben ums Ver recken. Das Survival-Handbuch“; Rosie Garthwaite: „Handbuch für die gefähr lichsten Orte der Welt“; Mad Doc Matt: „Luftgitarre und Bier. Ein kleines ABC zum besseren Verständnis von HeavyMetal-Festivals und deren Besuchern“; Christine Neder: „40 Festivals in 40 Wochen. Von einer, die auszog, das Feiern zu lernen“; Oliver Uschmann: „Überleben auf Festivals. Expeditionen ins Rockreich“. (MS)
verlässlichkeit Du magst deine Freunde, weil sie deinen Musikgeschmack teilen und für jedes Abenteuer zu haben sind. Bei der Aus wahl deiner Festivalbegleitung solltest du aber vor allem nach einem Charakter zug fragen: Kann ich mich auf diesen Menschen verlassen? Vom Zeltaufbau bis zur Versorgung von Alkoholleichen: Abhauen geht gar nicht. (red) 38
Wasser Wasser gibt es auf jedem Festival gratis. Wer es aber mal nicht aus dem Zelt bis zum Wasserhahn schafft, kann selbst aus den eigenen Drecksklamotten Wasser gewinnen. Einfach über Nacht vors Zelt legen und am Morgen in einen durch sichtigen Plastiksack stecken. Zubinden, in die Sonne legen und zusehen, wie das Wasser an der Innenseite kondensiert und nach unten abläuft. Damit das so destillierte Wasser trinkbar wird, eine Prise Sand (oder Schlamm) reinwerfen und das Selbstgebraute genießen. (MS)
Mach keine grosse Sache daraus: Am Montag sei alles verziehen.
Yeah! Yeah! Ausrufe wie „Yeah“, „geil“, „wuuuu“, „Zu gabe“ oder in manchen Fällen „Wir woll’n die Ärzte sehn!“ gehören auf Festivals zum guten Ton. Wie bei einem Rudel Wölfe wird so Gemeinschaft und Stärke ausgedrückt. Auch kann man auf diese Weise am besten das Revier gegenüber Fremden oder Fans befeindeter Bands abgrenzen. Und wie überall gilt: Wer am lautesten schreit … na ja, schreit eben laut. Die Bands freut das sicher. (MSt)
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Zzz – Schlafen Festivals ohne Schlaf? Für Tony Wright wäre das kein Problem. Der Brite hält den Weltrekord im Schlafentzug: Er war 266 Stunden am Stück wach. Allerdings schreibt er diesen Rekord einer eisernen Diät zu: Er isst nur rohes Obst und Ge müse. Tabu: Alkohol und Rauchen. Also wohl eher keine Festivaldiät. Schlaf entzug wirkt nach gewisser Zeit zwar ähnlich berauschend wie Alkohol, ster ben kann man davon aber auch. (MS) the red bulletin
Text: Raffael Fritz, Marianne Minar, Martina Powell, Mara Simperler, Manon Steiner, Lukas Wagner
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Sizarr „2010 wurden wir für das Berlin Festival gebucht. Unter wegs wurde uns unser Slot allerdings abgesagt, weil die Veranstalter die Konzerte am Vorabend wegen unkontrol lierbaren Partylöwen früher beenden mussten. Somit wur den am nächsten Tag die nicht allzu wichtigen Acts – wie wir – gecancelt. Wir sind aber trotzdem hingefahren, weil Marc und unser damaliger Tontechniker noch auflegen sollten. Unser Tontechniker hat dann die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen und sich dermaßen einen angetrunken, dass er nicht mehr stehen konnte und irgendwann einge schlafen ist. Während er fried lich schlief, erfuhren wir, dass We Have Band abgesagt hatten und wir für die einspringen könnten – und zwar zur Prime time um 21 Uhr! In Panik ver suchten wir, unseren Tonmann zu wecken – aber der Gute schien verloren. Das nächste Problem: Genau während un seres Umbaus füllte sich die Halle, weil alle dachten, jetzt kommen We Have Band. Also hatten wir einen weggebeam ten Tontechniker und eine mit tausenden Menschen gefüllte Halle vor uns, die nicht mal wegen uns da waren. Doch ein Wunder geschah: Unser Ton mann erwachte, und wir ga ben die größte Show unserer Karriere. Ende geil, alles geil!“ Live: 21. 6.: Köln (D); 20. 7.: Melt! (D); 2. 8.: Mönchen gladbach (D); 3. 8.: Freising (D); 16. 8.: Frequency (A); 18. 8.: Dockville (D)
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in panik versuchten wir, unseren ton techniker zu wecken,aber der gute hatte sich weggebeamt the red bulletin
das le b e n der stars
hÖr z u !
Goldenes Klo, Fünf-Sterne-Buffet, Massage im BackstageBereich. So muss sie wohl aussehen, die Festivalwelt unserer Musikidole. Oder doch nicht? Baggerwachen, Duelle mit echten Knarren und Konzerte in langen Unterhosen: Zehn Künstler verraten uns ihre schrägsten Festival-Anekdoten.
Bilder: Lukas Gansterer, HERBERT P. OCZERET/APA/picturedesk.com
Beatsteaks
the red bulletin
„Unser ganz besonderer Festival moment war wohl letztes Jahr auf dem Air & Style in Innsbruck. Nachts waren es minus 20 Grad, und uns war klar, dass der Auf tritt eine kalte Angelegenheit wird. Also sind wir los und haben uns alle lange Unterhosen, Woll socken und so kleine Taschen wärmer zum Knicken gekauft. Am schlimmsten war dann der Soundcheck. Nach drei Songs ging gar nichts mehr. Die Gitar ren waren sofort verstimmt, die Felle auf dem Schlagzeug verzo gen sich. Uns sind die Finger ein gefroren. Beim Auftritt war die Bühne dann glücklicherweise mit Heizstrahlern bestückt, die das Publikum nicht sehen konn te. Wenigstens war das Bier im mer kalt. So kalt, dass es nach dem dritten Lied einfror und aus gewechselt werden musste.“ Hör zu! Muffensausen auf: www.beatsteaks.com
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hÖr z u !
H-Blockx „Unser unvergesslichstes Festival erlebnis hatten wir 1999 während der Vans Warped Tour, auf der wir mit Eminem, den Black Eyed Peas, Ice-T, Suicidal Tendencies und Blink 182 zwei Monate in den USA und Kanada unterwegs waren. Neben der Tatsache, dass wir fast täglich mit Eminem, den damals in Deutschland noch nie mand gekannt hat, Basketball spielten, ist uns noch eine Ge schichte in Erinnerung geblie ben. Wir hatten in den 35 Tagen genau zwei Off-Days. Und als wir in Washington State pausierten, nutzten wir den freien Tag zum Wildwasser-Rafting. In gut 20 Booten fuhren wir den Fluss hin unter und lieferten uns natürlich ein kleines Wettrennen. Um die anderen Teams zu irritieren, hat ten wir große Wasserspritzpisto len dabei. Irgendwann hatten wir alle Boote hinter uns gelas sen, nur noch das von Ice-T und seinen Leuten war vor uns. Wir kamen ihm immer näher und riefen in bester Ruderermanier ,Uuuund eins! Uuuund eins!‘, um schneller voranzukommen. Ice-T erzählte mir hinterher, er habe ,And Ice!‘ verstanden, was für große Lacher sorgte. Wir mach ten uns jedenfalls bereit, das Boot von Ice-T zu entern. Unser damaliger Sänger Dave steckte seine Wasserspritzpistole in den Fluss, lud sie bis zum Anschlag auf und nahm I ce-T ins Visier. Mit versteinerter Miene zog die ser plötzlich aus seinem Hosen bund eine echte Knarre und sag te: ,Wenn ihr auf mich schießt, seid ihr tot.‘ Später lachten wir uns natürlich alle gemeinsam kaputt darüber, aber in diesem Moment war uns nicht ganz wohl. Mit seinem nackten Ober körper, mit seinem Hut, mit der goldenen Handgranate, die an einer Kette um seinen Hals bau melte, sah Ice-T wirklich furcht einflößend aus.“ Live: 18.–21. 7.: Deichbrand (D)
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hÖr z u !
Ich knallte direkt gegen die Tür der Polizei Alt-J „Festivals sind für Musiker echt harte Arbeit. Du hast es nicht ausschließlich mit deinen Fans zu tun, sondern siehst dich plötzlich einer Feiermeute gegenüber, die gezähmt werden will – oder eben nicht. Unser Auftritt beim diesjährigen Coachella war wirklich unglaublich. Bei unserem Gig erlebten wir eine ziemlich abgedrehte Geschichte. Plötzlich kamen fünf Künstler von anderen Bands, deren Namen ich hier nicht nennen will, auf die Bühne. Wir spielten weiter unbeirrt unsere Songs, als die Leute zu breakdancen begannen. Bald wurde unser Keyboarder Gus in eine kleine Rangelei mit den Spontantänzern verwickelt. Er weigerte sich daraufhin, den Rest des Auftrittes mit uns zu spielen. Das war aber kein Problem – die anderen Künstler übernahmen seine Parts, während Gus sich zurücklehnte und die Show genoss.“
Bilder: Getty Images (1), picturedesk.com (2)
Live: 21.–23. 6.: Hurricane / Southside (D); 19. 7.: Melt! (D); 22. 7.: Blue Balls (CH); 23. 7.: Paléo (CH)
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Strizi Streuner von Frittenbude „Man denkt ja immer, dass in den Backstage-Bereichen der Festivals die verrücktesten Dinge passieren. Ich habe mir das früher alles auch etwas anders vorgestellt. Die Wahrheit ist: Man trifft ununterbrochen irrsinnig viele Leute. Und meistens kommt man mit denjenigen, deren Musik man entweder nicht mag oder gar nicht kennt, am besten klar. Und Leute, deren Musik man mag, kann man danach nicht mehr leiden. Auf dem Hurricane Festival kam ich am Sonntagmorgen von einer Sauftour mit meinen Freunden vom Zeltplatz zurück. Dabei stolperte ich über ein im Backstage-Bereich gespanntes Seil und knallte direkt gegen die Tür der Polizeistation, die sich in einem kleinen Wohnwagen befand. Sofort kamen ein paar Polizisten in Zivil heraus, um nachzusehen, was da los war. Ich erklärte ihnen daraufhin, dass sie sich besser
tarnen müssten. So wie sie jetzt aussahen, würde sie jeder eindeutig als verkleidete Hüter des Gesetzes erkennen, und sie liefen dadurch Gefahr, höchstens ein bis zwei Joints auf dem Festivalgelände beschlagnahmen zu können. Ich glaube mich zu erinnern, dass ich ihnen auch den Tipp gab, ihre Hosen einfach in die Socken zu stecken, da niemand so etwas von einem Polizisten erwarten würde. Ob sie auf meinen – durchaus gut gemeinten – Rat gehört haben, weiß ich nicht mehr, denn an diesem Punkt setzt leider meine Erinnerung aus.“ Live: 22. 6.: Hurricane (D) 23. 6.: Southside (D) 13. 7.: Happiness (D) 20. 7.: Deichbrand (D) 26. 7.: Greenville (D 10. 8.: Taubertal (D) 11. 8.: Open Flair (D)
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hor zu!
Fritz Kalkbrenner
„Nach dem Spack!-Festival waren wir beide noch etwas länger unterwegs und kamen erst am frühen Morgen zum Hotel. Der Rest unserer Leute schlief natürlich schon vorbildlich. Mit besoffenem Kopf diskutierten wir beide dann lang und breit die alte Frage aller Hotelbesucher dieser Welt, ob denn der Rauch melder im Zimmer den Qualm einer Zigarette vom Rauch eines Feuers unterscheiden kann. Also stellten wir uns direkt unter den Rauchmelder und pusteten eine Schwade Zigarettenqualm in Richtung Sensor. Und, o Wunder, er macht natürlich keinen Unterschied: Qualm bedeutet Feuer bedeutet Alarm. Das merkten wir recht schnell – und alle Gäste auf unserem Hotelflur ebenfalls. Unsere Leute stürmten total verpennt und verkatert aus ihren Zimmern. Und vor dem Hotel gab’s bald einen Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei.“ Live: 13. 7.: Rügen (D), 9. 8.: Berlin (D), 10. 8.: Münster (D), 11. 8.: Köln (D), 19. 8.: Bochum (D), 24. 8.: Hamburg (D), 31. 8.: Donauinsel (A)
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Ich durfte mich die festival nacht als bagger wächter verdingen
Live: 5. 7.: Urban Art Forms (A), 6. 7.: Touch the Lake (CH), 27. 7.: Juicy Beats (D), 10. 8.: Sonne Mond Sterne (D), 17. 8.: Echelon (D), 7. 9.: Berlin (D)
Moonbootica „Grundsätzlich kann man schon sagen, dass wir auf Festivals gern eskalieren. Die SetTimes sind ja deutlich kürzer als im Club, was heißt, dass in deutlich kürzerer Zeit deutlich mehr Alkohol getrunken wird. Und wenn’s dann einschlägt, ist die ganze Chose schon gelaufen, und du stehst total hacke in der Ecke. Die Interviews, die in diesen Situa tionen gemacht werden, sind übrigens eindeutig die besten. Und die Erlebnisse hinter der Bühne sowieso. Wir haben vor ein paar Jahren auf dem Urban Art Forms Festival mal fast die Umkleide von Deichkind abgefackelt. Aus irgendeinem Grund waren wir im selben Raum wie die Jungs untergebracht und sind nach unserem Set in einer desolaten Stimmung dort reingeknallt. Wir wissen nicht mehr genau, wie und warum, aber irgendwann brannten die an der Wand hängenden Poster von Deichkind. Nun, so einen Brand mit Wodka löschen zu wollen ist nur eine semigute Idee – aber es war ein herrliches Bild. Am Ende ist zum Glück nichts Schlimmes passiert: Deichkind hatten noch genug neue Poster dabei – und wir haben auch noch irgendwo eine neue Flasche Wodka aufgetrieben.“ Live: 7. 6.: Rock am Ring (D) 9. 6.: Rock im Park (D) 14. 6.: Watergate (D) 15. 6.: Loonyland (D) 6. 7.: Urban Art Forms (A) 13. 7.: Electric Love (A) 10. 8.: Hamburg (D) 17. 8.: Echelon (D) the red bulletin
Bilder: Norman konrad, picturedesk.com (2)
Cro & Psaiko.Dino
„Meine, na ja, tollste Geschichte habe ich auf dem Melt!-Festival erlebt. Der Name kommt, was viele nicht wissen, von einem Platten laden in Berlin, dem Melting Point. Nach zwei Jahren haben die Veranstalter entschieden, das Festival auf das Ferropolis-Gelände bei Gräfenheinichen zu verlegen. Das war 1999. Damals waren die ganzen großen Bagger aber noch nicht abgesperrt. Und alles, was man heute als Betonfläche kennt, war damals Sand. Ich bin mit 15 Freunden aus der MeltingPoint-Riege in freudiger Erwartung zum Festival gefahren und dann vom damaligen Chef mit dem Auftrag überrascht worden, dass ich mich die Nacht als Baggerwächter zu verdingen hatte. Baggerwache hieß konkret: Die ganze Festivalnacht über mussten Leute mit Taschenlampe um die Bagger herumpatrouillieren und den Besoffenen verbieten, auf die Geräte zu klettern. Anstatt mir die ganzen schönen Künstler reinzuziehen, bin ich dann halt gelangweilt und traurig um einen Bagger herumgetigert.“
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(1) CRO
„ M e i n e M uc k e kan n st du Mama z e ige n “ Seine Stücke sind super gelaunt und easy. Das Leben ist schön. Fast zu viel des Guten. Dieser Panda kann kein Mensch sein – Cro, eine aussterbende Art. Interview: Manuel Kurzmann
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mer: Mach einfach dein Ding, Junge. Ich denke, sie sehen das alles ganz entspannt, weil ich eine abgeschlossene Ausbildung als Mediendesigner habe und auch ohne Musik ganz gut über die Runden kommen würde. Du zeichnest ja auch Cartoons und hast ein eigenes Modelabel. Bleibt dafür noch Zeit? Jetzt gerade ist es schwierig, ich kritzle nur hin und wieder was im Bus oder in Hotels. Oder bastle, wie jetzt gerade. Ich meine: Ich reise herum, mache Musik, chille dazwischen ein bisschen und nenne es Arbeit. Besser geht’s nicht. Was machst du, wenn du nicht gerade ein Rockstarleben führst? Aufstehen um neun, weil die Sonne mich küsst, draußen sind 30 Grad. Ich schnapp alle Kumpels, und wir fahren an den See. Abends geht’s auf ’ne Homeparty – dann fall ich ins Bett und weiß: Der morgige Tag wird genauso genial. Wirkt das umgedrehte Kreuz auf deiner Pandamaske in diesem SonnenscheinBild nicht störend? Wieso, sieht doch cool aus. Also kein Hinweis auf deine religiösen Ansichten? Ich bin weder gläubig noch der Antichrist. Irgendeine höhere Macht wird es schon geben, aber ich nenne sie nicht Gott oder Allah. Ich glaube an … (überlegt) Pandabären. Das sind lockere Tiere, die immer gut drauf sind. Und vom Aussterben bedroht. Das ist schade. Vielleicht versteigere ich meine erste Pandamaske und spende das Geld dem WWF. Oder ich übernehme eine Patenschaft in irgendeinem Zoo, wer weiß. www.cromusik.info
Bär los! Cro ist hier: 7. 6.: Rock im Park, Nürn berg (D); 8. 6.: Rock am Ring, Nürburg (D); 5. 7.: Touch the Lake, Zürich (CH); 13. 7.: Rügen (D); 10. 8.: Münster (D); 11. 8.: Köln (D); 16. 8.: Highfield, Großpösna (D); 23. 8.: Chiemsee Reggae, Über see (D); 24. 8.: Kultursommer, Hamburg (D); 31. 8.: Donau insel, Wien (A)
the red bulletin
Bild: Norman Konrad - www.normankonrad.de
Der Mann, der Stuttgart zurück auf die Rap-Landkarte brachte, rollt per Skateboard zum Interviewtermin heran. cro: Hallo, ich bin Carlo … Cros bürgerlicher Name ist Carlo Waibel. cro: … sorry für die Verspätung! Dann pflanzt er sich auf die Couch. So sieht er also aus, der zwanzig jährige Über-Nacht-Superstar: dunkelbraune Augen, Kurzhaarschnitt, Dauerlächeln, ein paar Bartstoppeln, Shorts, Sneakers und ein graues T-Shirt. Fotografieren dürfen wir ihn so aber nicht, macht sein Manager klar, vor der Linse gibt’s Cro nur mit Pandamaske. So kennen ihn die Fans, und bei diesem Versteckspiel soll es auch bleiben. Ein Typ Marke knuddelsüßer Bär rappt über sonnige Tage im Park als Gegengift zu Möchtegern-Gangstarappern, die Kids von einem Ghettoleben vorlabern, das sie nicht führen. Cros Debütsingle „Easy“ hat mittlerweile Platin-Status, sein im letzten Jahr erschienenes Album „Raop“ belegte in den deutschen und österreichischen Charts auf Anhieb Platz eins und hält derzeit bei Doppel-Platin. red bulletin: Nervt es dich, dass dieser Panda-Typ die ganze Bewunderung einheimst und keiner dein Gesicht kennt? cro: Mein Privatleben ist mir zu wichtig, um es aufzugeben – ohne diese Dosis Normalität könnte ich nicht überleben. Mir klatscht der Erfolg im Moment voll in die Fresse. Das kam alles völlig überraschend, vor allem für mich. Sobald die Maske weg ist, bin ich ja immer noch derselbe: der Carlo aus Stuttgart, der gerne mit seinen Leuten abhängt. Dein Rap-Kollege Sido wurde lange vor dir auch dank seiner Totenkopfmaske berühmt. Die meisten Leute sehen mich als eigenständigen Künstler und nicht als einen Typen, der versucht, Sido nachzumachen. Aber vielleicht kann er mir irgendwann mal ein paar Tipps geben. Gewisse Hardliner meinen ja, deine Musik hätte nichts mit Hip-Hop zu tun. Ich sage ja auch, dass meine Musik kein Hip-Hop ist. Ich mische Rap und Pop, mache also „Raop“. Warum soll ich außerdem über Dinge wie Drogen texten, wenn ich im wirklichen Leben keine nehme? Meine Mucke kannst du Mama zeigen, und sie wird auch mitswingen. Was sagen deine Eltern zu deiner Berufswahl? Bei Papa hat es eine Weile gedauert, bis er mit der Sache warm war, aber jetzt findet er es auch cool. Meine Mutter meinte im-
hör zu!
„Mir klatscht der Erfolg im Moment voll in die Fresse.“
„ lalala . Das kann vi e l“ Mitsingen ist cool, doch viele Songs sind Quatsch, sagt Rapper Stress. Seine nicht. Interview: Adrian Schräder
Ein Bär steht vor dem Fotografen. Der Kopf rund und riesig, der Blick freundlich. Der Bär versucht sich in Posen, verschränkt die Pranken, hüpft herum. Nach einigen Minuten verliert er den Kopf. Darunter kommt der schwitzende Andres Andrekson zum Vorschein, besser bekannt als Schweizer Rapper Stress, der für sein Album „Noël’s Room“ – gemeinsam mit Noah Veraguth und Bastian Baker – den Swiss Music Award 2013 gewonnen hat. Nun tappst er im flauschigen Kostüm durch ein Zürcher Fotostudio. red bulletin: Wer ist der Mensch hinter dem Bären? andres andrekson: Ich bin ein Schweizer Musiker. Ich glaube auch, ich bin ein ganz guter Performer. Auf der Bühne gebe ich immer hundert Prozent. Egal wo, egal wann. Wo liegen Ihre musikalischen Wurzeln? Im Hip-Hop. Hip-Hop hat mir gezeigt: Es ist möglich, Musik zu machen, ohne eine Ausbildung zu haben. Ich habe Musik schon immer sehr geliebt. Aber ich hatte keinen Zugang dazu. Ich kann nicht Noten lesen, spiele kein Instrument. In der Hip-Hop-Kultur war das völlig in Ordnung. Von der Liebe zur Musik also direkt zum Hip-Hop … Nein, ich hab alles ausprobiert. Erst war ich Tänzer, dann hab ich Graffiti gemacht. Dabei bin ich dann geschnappt worden, musste eine hohe Buße zahlen. Meinen achtzehnten Geburtstag verbrachte ich damit, ein ganzes Gebäude neu zu streichen. Aber irgendwie war das okay. Ich hab meine Lektion gelernt. Ihre erste Platte haben Sie mit siebzehn veröffentlicht, mit der Band Double Pact. Ein solides Werk. Ich selbst hab mir die Scheibe nie mehr angehört. Das ist so lange her. Ich glaube, wir sind das von Anfang an sehr frei angegangen. Wir waren auf einem Indie-Label, waren niemandem verpflichtet. Die Qualitätskontrolle lag allein bei uns. Außerdem hatten wir mit Yvan Jacquemet von Anfang an einen Produzenten, der musikalisch äußerst versiert war. Er hat darauf geachtet, dass alles zusammenpasste. Trotzdem war Platz für musikalische Experimente: Ich erinnere mich an eine Art Hip-Hop-Tango … Ja, das war ein prägendes Stück. Wir haben irgendwann begriffen, dass man eigentlich über alles rappen kann, auch über einen Dreivierteltakt oder einen Tango-Rhythmus. Heute ist das Format der Musik sehr unflexibel geworden. Ich finde, man muss sich als Musiker immer wieder fragen: Wieso mache ich Musik? Und, wieso machen Sie Musik? Ich will ganz klar, dass die Leute meine Musik genießen. 48
Notiere! Mehr stress gibt es beim Summer Sound Festival in Sursee (nahe Luzern, CH) am 3. 8. , wo auch Gotthard und Bligg den Sommer rocken respektive rappen werden. Am 4. 8. lacht Sursee mit: Kaya Yanar, Marco Rima und Müslüm & Band. Tickets ab 95 CHF, Infos unter: summersound.ch
Es geht mehr um die Vermittlung von Emotion als um irgendeine technische Performance. Emotionen sind ganz klar wichtiger als die Form. Deshalb hört man auf Ihrem Album „Renaissance II“ neben Rap, AchtzigerJahre-Funk, Poprock und R & B auch brasilianische Musik? Das Experimentieren liegt mir. Aber ich will nicht Leute mit einem Konzept beeindrucken. Ich folge einfach einem Gefühl. Prince singt im Hintergrund. Ein Stück vom Album „Purple Rain“. Andrekson erzählt, wie sehr ihn Prince bei einem Auftritt in Zürich beeindruckt habe, wie schnell Prince – kaum hatte er die Bühne betreten – eine Brücke zum Publikum schlagen konnte. Auch Stress besitzt diese Gabe. Seine Konzerte sind ein Kollektiv erlebnis: Unterstützt von einer Liveband, die seine Stücke Richtung Rock rückt, kotzt sich Stress am Bühnenrand regelrecht aus. Sie mögen Pop, scheuen sich nicht vor eingängigen Refrains. Wann schalten Sie das Radio aus? Im Moment gibt es viele Songs, die keinen Zweck haben. Sie sind irgendeinem anderen Stück nachempfunden, transportieren null Emotionen. Das ist Quatsch. Ein guter Popsong muss etwas Kantiges, Irritierendes haben. Sobald Songs austauschbar werden, bin ich nicht mehr dabei. Einige Ihrer Stücke haben einen Mitsing-Teil. Hatten Sie da beim Komponieren das Publikum vor Augen? Unbewusst schon. Man muss sich nicht schämen vor solchen Passagen. Die Leute singen gerne. Ich hatte da lange einen Komplex. Ich dachte: Das ist so banal, so naiv. Aber wenn du auf der Bühne stehst, dann merkst du, wie schön und wichtig solche Passagen sind. „Lalala“ kann so viel aussagen, so viel bewirken. Das Konzert wird zu etwas Gemeinschaftlichem. Der musikalische Sprung ins Ausland war immer wieder ein Thema. Was bräuchte es denn dafür? Wenn ich das wüsste! Das passiert irgendwann einfach, mit ganz viel Glück. Doch auf Französisch wäre es nicht möglich. Sogar in der vielsprachigen Schweiz lernen die Kids zuerst Englisch. Warum rappen Sie dann nicht in einer anderen Sprache? Rap funktioniert nur in der Sprache, die du jeden Tag sprichst. Ich mag Sprachen generell. In Estland, wo ich geboren bin, haben wir Russisch und Englisch gelernt. Fremde Sprachen bedeuteten immer Freiheit für uns, Hoffnung. Ich mag es, in verschiedenen Sprachen zu sprechen, aber um zu rappen, muss eine wirkliche emotionale Bindung da sein. www.stressmusic.com the red bulletin
Bilder: Gian Paul Lozza
(2) STRESS
hör zu!
„Ich dachte: Mitsing-passagen, Das ist so banal, so naiv.“
au f diesen roc k will ich meine k i rc h e b au e n
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Credit:
Man soll ja nicht prahlen, aber mein ursprünglicher Plan war perfekt. Ich hatte den Auftrag erhalten, über das CrossOver Festival am Lake of the Ozarks, Missouri, zu schreiben. Drei Tage auf einem abgeschiedenen Gelände im Mittleren Westen, zusammen mit dem Nonplusultra christlicher Bands und ihren Fans. Ich stellte mir vor, wie ich am Rand der Menge stehen und mir Notizen machen, gelegentlich jemanden aus dem Publikum anquatschen („Was ist schwerer, Homeschooling oder normale Schule?“) und dann meine Akkreditierung zücken würde, um backstage noch mit den Musikern zu plaudern. Der eine oder andere Sänger würde mir erklären, dass jede Musik, wenn sie mit entsprechender Hingabe gespielt wird, allein Seinem Lobpreis diene, und ich würde jedes zehnte Wort mitschreiben und inwendig grinsen. Später am Abend würde ich in meinem Mietwagen ein bisschen Alk einschmuggeln und mich ungefragt zu einer Gebetsrunde am Lagerfeuer einladen, schon der Geselligkeit wegen. Heimflug, ein bisschen Statistik reinrühren, Rechnung stellen.
Bild: Jean-Marc Giboux/Getty Images
Von John Jeremiah Sullivan
Credit:
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Aber wie lautet mein Frühstücksmantra? Ich bin ein Profi. Und nur fürs Mitwippen kriegt man keine Preise. Ich wollte wissen, was das für Menschen sind, die von sich behaupten, diese Musik zu lieben, und die Hunderte von Meilen fahren und dabei ganze Bundesstaaten durchqueren, um sie live zu hören. Und da war sie, meine Offenbarung: Ich würde mit ihnen fahren. Beziehungsweise: sie mit mir. Ich würde einen Kleinbus mieten, und zwar einen ultra schicken, und wir würden gemeinsam losfahren, ich und drei oder vier HardcoreFans, den ganzen Weg von der Ostküste zu diesem See mit dem unglaubwürdigen Namen, diesem Lake of the Ozarks. Wir würden uns die ganze Nacht unterhalten, sie würden versuchen, mich zu bekehren, und ich würde die ganze Zeit mein kleines Aufnahmegerät laufen lassen. Irgendwann, das wusste ich, würden wir uns mögen und gegenseitig bemitleiden. Was für eine Geschichte – Stoff für kommende Generationen! Die einzige Frage war: Wo sollte ich Willige finden? Aber eine wirkliche Frage war auch das nicht, denn jedes Kind weiß, dass sich Leute mit einem Hau und Spezialinteressen allnächtlich in Chatrooms versammeln. Und unter JesusJüngern herrscht kein Mangel an jenen, bei denen mehr als nur ein Schräubchen locker ist. Offenbar wollte Er es so. Ich veröffentlichte also meine Einladung anonym auf www.youthontherock.com und in zwei Internet-Fanforen der christlichen Pop-PunkBand Relient K, die beim Cross-Over Festival bereits gebucht war. Ich stellte mir Jungs und Mädchen vor, die in ihrem Dachzimmer davon träumen, die Männer von Relient K mit eigenen Augen den Song „Gibberish“ vom Album „Two Lefts Don’t Make a Right…But Three Do“ live spielen zu sehen. Aber wie sollte ich dort hinkommen? Die Benzinpreise würden nicht sinken, und in Florida treten Relient K nie auf. Bitte, Gott, mach, dass es geschieht. Und plötzlich erscheint mein Forumseintrag, wie ein helles Licht. Wir konnten uns gegenseitig eine Hilfe sein. „Ich suche echte Fans von christlicher Rockmusik, die mit mir zum Festival fahren“, schrieb ich. „Ob Frau oder Mann, ist mir egal, aber du solltest nicht älter als, sagen wir mal, acht
undzwanzig sein, denn ich beschäftige mich mit dem Thema vor allem als Jugendphänomen.“ Klingt erst mal harmlos. Wie sich allerdings herausstellte, hatte ich keine Vorstellung davon, wie jugendlich das Phänomen tatsächlich ist. Die meisten in diesen Chatrooms sind Teenager, und zwar keine neunzehnjährigen, sondern vierzehnjährige. Da war ich also einfach mal ins World Wide Web gezottelt und hatte eine Horde zwölfjähriger Christinnen und Christen gefragt, ob sie eine Ausfahrt in meinem Van machen wollten. Es dauerte nicht lang, bis die Kinder zurückschlugen. „Super gemacht, deine Mailadresse zu unterdrücken“, schrieb „Mathgeek29“ in einem Ton, der mir so gar nicht christenmäßig vorkam. „Ich bezweifle, dass irgendjemand seine kompletten Kontaktdaten einem total Fremden im Internet gibt … Habt ihr denn in Manhattan keine christlichen Jugendlichen, die da mitmachen wollen?“ Einige wenige Jugendliche schenkten mir aber tatsächlich auch Glauben. „Riathamus“ schrieb: „ich bin 14 und wohne in indiana, außerdem würden meine eltern mich wahrscheinlich nicht lassen, so mit einem fremden aus dem internet, aber super wärs.“ Ein Mädchen mit dem Nutzernamen „LilLoser“ versuchte sogar, nett zu sein: „Ich glaub nicht, dass meine Eltern ihre kleine Tochter mit einem Typen fahren lassen würden, den sie nicht kennen und ich auch nur über E-Mail, vor allem nicht für die ganze Zeit, wie Sie wollen, und überallhin und so … Ich sag ja gar nicht, dass Sie pädophil sind, lol, aber ich glaub nicht, dass Sie viele Leute finden, die mitmachen … weil wie gesagt, irgendwie klingts creepy … aber hey – viel Glück bei Ihrer Mission da. lol.“ Das Glück, das sie mir wünschte, war mir nicht hold. Die Christen hörten auf, mit mir zu chatten, und chatteten nur noch untereinander, wobei sie sich gegenseitig vor mir warnten. Schließlich zischelte ein Teilnehmer auf der offiziellen Relient-K-Website den anderen zu, sich vor meinen Machenschaften in Acht zu nehmen, denn aller Wahrscheinlichkeit nach sei ich „ein 40-jähriger Kidnapper“. Als ich mich bald darauf erneut einloggte, hatten die Moderatoren meinen Beitrag mitsamt dem immer länger werdenden Anklage-Thread kommentarlos entfernt. Zweifelsohne waren sie bereits dabei, Alarmrufe an ein Mütternetzwerk zu faxen. Vor Schreck zog ich mich zurück und rief meinen Anwalt in Boston an, der mir sagte, ich solle „aufhören, Computer zu benutzen“ (der Plural ist von ihm). Alles in allem löste diese Erfahrung in mir Widerwillen gegen das gesamte Festival-Thema aus, und ich beschloss, den Auftrag abzulehnen. Ich gab auf.
Ich suche echte Fa ns von chr istlicher Rockm usik. Ob Fr au oder M a nn, ist ega l, a ber du solltest nicht ä lter a ls 28 sein.
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as Problem mit einem Hochglanzmagazin wie „Gentle men’s Quarterly“ ist, dass es dort immer irgendeinen übereifrigen Jungredakteur gibt, der manchmal Greg heißt, der in seinem Leben noch keine schmerzlichen Nieder lagen einstecken musste und der sich, wenn man ihn der Höflichkeit halber anruft, um ihn wissen zu lassen, dass „die Cross-Over-Sache ins Wasser gefallen ist“ und man sich wieder melden würde, sobald man eine neue Idee habe, sofort diesem rätselhaften Segen namens Internet zuwendet und herausfindet, dass das Festival, zu dem man hatte fahren wollen, sowieso nicht „das landesweit größte“ ist, wie man angenommen hatte. Das wirklich größte im Lande – und in der gesamten Christenheit – ist das im Jahr 1979 gegründete Creation Festival, ein wahrhaftes Godstock. Und es findet auch nicht im ländlichen Mis the red bulletin
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souri statt, sondern im noch viel ländlicheren Pennsylvania, in einem grünen Tal, auf einer Farm namens Agape. Und es ist auch nicht schon seit einem Monat vorbei, sondern geht übermorgen los. Sie strömen schon zusam men, die Zehntausenden. „Viel Glück bei Ihrer Mission da.“ Ich stellte eine Forderung: nur, wenn ich nicht zelten müsste. Ich würde irgendein Fahrzeug mit einer Matratze drin bekommen, eventuell ei ner zum Aufblasen. „In Ord nung“, sagte Greg. „Ich habe rumtelefoniert. Die Sache ist, im Umkreis von hundert Mei len um Philadelphia sind alle Kleinbusse vermietet. Aber wir haben Ihnen ein Wohn mobil organisiert. Neun Me ter lang.“ Wir waren uns bei de sicher (zumindest machte er den Anschein, dass auch er sich da sicher war), dass ich, sobald ich beim Vermieter wäre, auf eine etwas leichter zu handhabende Größe umbuchen könnte. Der Grund, warum neun Meter eine so gän gige Länge für Wohnmobile sind, ist schät zungsweise darin zu suchen, dass man für noch längere Fahrzeuge einen Spezialführerschein braucht. Und das würde bedeuten: Formulare, Kosten, wahrscheinlich sogar Hintergrund überprüfung. Aber Sie können bei egal wel chem Wohnmobilvermieter mit auf ein Skate board geschnallten Oberschenkelstümpfen aufkreuzen, wild mit Ihren Handhaken wedeln und brüllen, dass Sie dieses Neun-Meter-Ding da hinten für Ihren Trip nach Sag-ich-nichtwohin brauchen, und das Einzige, was man von Ihnen wissen will, ist: bar oder Kreditkarte, der kleine Herr? Zwei Tage später stand ich mit einem Koffer zu meinen Füßen auf einem Parkplatz. Debbie kam auf mich zu. Das Gesicht unter ihrem haar spraygehärteten Pony war so süß wie ein Ge burtstagskuchen. Bevor einer von uns etwas gesagt hatte, hob sie entschlossen den Arm und deutete auf etwas. Auf ein Gefährt, das aussah, als hätten die alten Ägypter es in der Wüste vergessen. „Ähm, hallo“, sagte ich. „Wissen Sie, ich brauche eigentlich nur einen kleinen Camping bus. Ich bin allein und hab fünfhundert Meilen vor mir.“ Sie betrachtete mich nachdenklich. „Wohin soll’s denn gehen?“ „Creation. So ein Christenrockfestival.“ „Wie alle!“, sagte sie. „Die Leute, die unsere
Busse gemietet haben, wollen da auch hin. Von Ihrer Sorte gibt’s ’ne ganze Menge.“ Ihr Ehemann und Mitarbeiter Jack tauchte auf – tätowiert, untersetzt, grauer Vokuhila – und ließ seiner Abscheu vor MapQuest freien Lauf. Von ihm würde ich die wahre Wegbeschreibung bekommen. „Aber erst mal eine Probefahrt.“ Wir besichtigten die äußeren Gefilde meines Mausoleums in spe. Es dauerte. Ir gendwie war alles, was Jack sagte, das Einzige, was ich mir merken sollte. Weißes Wasser, graues Wasser, schwarzes Wasser (zum Trinken, zum Duschen, für die Not durft). Hier dies, und auf keinen Fall das. Meckern über die „Wochenendparty fraktion“. Ich konnte ihm nicht zuhören, denn zuzuhören hätte bedeutet, das Ganze als Wirklichkeit zu akzeptieren. Allerdings drangen seine beiläufige Erwähnung des breiten blinden Flecks im Beifahrerspiegel und die Beschreibung der „zusätzlichen sech zig Zentimeter an jeder Seite“ – die Auswölbung meiner Gemä cher, die ich nicht sehen konnte, die ich aber „auf dem Schirm“ haben sollte – zu mir durch. Debbie folgte uns mit einer Videoka mera, aus versicherungstechnischen Gründen. Ich sah meine An gehörigen schon in einem Raum mit Mahagoni-Paneelen versam melt, wo sie sich anhören müssen, wie ich sage: „Und wenn ich die Toilette nicht benutze – muss ich das Wasser dann trotzdem einschalten?“ Jack klappte den Tritt runter und kletterte an Bord. Es ge schah wirklich. Der Innenraum roch nach verdorbenen Ferien und Amateurpornodrehs, eingewickelt in Motelduschvorhänge und in die Sonne gelegt. Einen Augenblick lang stand ich wie er starrt auf der Schwelle. In diesem Wohnmobil war Jesus nie gewesen. Was soll ich Ihnen erzählen über meine Reise zum Creation? Wollen Sie wissen, wie es ist, völlig auf sich allein gestellt mit einer Windmühle auf Rädern während der Rushhour die Highways von Pennsylvania entlangzufah ren, mit stierem Blick und zitternden Händen? Wie es ist, einen kichernden Greg am Telefon zu haben, der wissen will, „wie’s so läuft“? Sich selbst bei jedem Einfä delversuch mit beschämend hoher Stimme „nein nein nein NEIN!“ sagen zu hö ren? Oder irgendwann zu glauben, unter dem erstaunlich beruhigenden Plärren des Radios schwache Hupgeräusche zu hören, in den Beifahrerspiegel zu gucken und festzustellen, dass man auf zwei Spuren fährt (diese sechzig Zentimeter ext ra!), und zwar schon wer-weiß-wie-lange, wobei man eine Autoschlange aufge staut hat, die sich weiter erstreckt, als der Blick reicht? Oder wie es ist, an einem Supermarkt zu halten, um Laken, Kissen und Erdnussbutter zu kaufen, dann aber im Gang mit den Sportartikeln geschlagene fünfundzwanzig Minuten seinen Golfschwung zu üben, unfähig, damit aufzuhören, denn man weiß, draußen steht das Neun-Meter-Monstrum immer noch da, wo man es abgestellt hat, und wartet darauf, dass man mit ihm den Rest des schicksalhaften gemeinsamen Weges antritt. Und gemeinsam schafften wir es, so wie es Debbie und Jack, die vermutlich selbst nicht daran glaubten, versprochen hatten. Sieben Meilen vor Mount Union stand auf einem Schild: „CREATION GERADEAUS“. Die Sonne ging gerade unter; wie ein feuriger Goldballon schwebte sie über dem Tal. Ich reihte mich ein in eine lange Schlange von Autos, Lastern, Bussen – und einigen wenigen Wohnmobilen. Da waren sie also, die wiedergeborenen Christen, die Evangelikalen, die Jesus-Freaks, überall um mich herum. Zu meiner Rechten ein Pick-up, auf dessen Ladefläche sich Teenagermädchen drängten, die alle die gleichen taubenblauen T-Shirts trugen und einen am Straßenrand laufenden Jun gen mit Iro ankreischten. Ich achtete darauf, ihnen nicht in die Augen zu sehen – wer weiß, vielleicht waren das dieselben Töchterlein, die ich vor wenigen Tagen belästigt hatte. Die Schlange der Fahrzeuge schob sich voran, und zu mir schloss ein alter, orangefarbener Datsun auf. Die Fahrerin kurbelte das Fenster herunter,
Der Inn en raum roch nach v er dor benen Fer ien und A mateurPor no dr ehs.
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lehnte sich halb heraus und blies auf einem Widderhorn einen langen, sauberen Ton. Glau ben Sie mir, ich weiß, warum Sie an dieser Stelle am Wahrheitsgehalt meiner Schilderung zweifeln. Aber trotzdem: So war es, ich habe es aufgenommen. Sie blies in ein Widderhorn, ziemlich gekonnt sogar, zweimal. Vielleicht ihr alljährlicher Ritus, um ihre Ankunft beim Fes tival kundzutun. Ich erreichte den Einlass. Eine Frau sah mich an, sah auf den leeren Beifahrersitz, dann wan derte ihr Blick an den neun Meter Wohnmobil entlang. „Wie viele seid ihr?“, fragte sie.
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oller Ehrfurcht fuhr ich weiter. Ich er laubte dem Mobil zu gleiten. Aufgeregte Christen, die meisten jünger als achtzehn, säumten meinen Weg. Die Erwachsenen sahen aus wie Eltern oder Pfar rer, also Begleiter. Schnell breitete sich die Dämmerung aus, und die unbewegte Luft im Tal war erfüllt vom beißenden Rauch der La gerfeuer. Zu meiner Linken ertönte lautes Brül len – irgendetwas war auf der Bühne passiert. Das Geräusch kündete von einer riesenhaf ten Menschenmenge. Es erfüllte das Tal und hallte nach. Ich hatte gehofft, dass ich unbemerkt Ein zug halten könnte, dass mir das Wohnmobil vielleicht sogar eine Art Deckung gewähren würde, aber schon jetzt zog ich alle Blicke auf mich. Im Vorbeifahren hörte ich zwei Jugend liche unabhängig voneinander sagen: „Der tut mir leid.“ Ein Dritter sprang auf den Beifahrer tritt, rief „Himmelherrgott, Mann“, ließ sich wieder nach hinten kippen und rannte weg. Ich bremste unausgesetzt – sogar im Leerlauf war ich zu schnell. Welches Spektakel auch immer das laute Tosen vor der Bühne hervor gerufen hatte, es war offenbar vorbei: Die Wege waren verstopft, und die jungen Leute strömten rechts und links an mir vorbei, hin zu ihren Zelten, wie eine Ameisenstraße, die sich gabelt, um ein unwesentliches Hindernis zu umgehen. Sie hatten eine befremdliche Art, dem Wohnmobil immer erst dann Platz zu ma chen, wenn sich der vordere Kotflügel bereits an ihnen rieb. Von meinem erhöhten Aus sichtspunkt aus hatte es den Anschein, als müsste ich sie mit sanfter Gewalt in Zeitlupe voneinander trennen, wobei sie immer eine Zehntelsekunde zu lang warteten, bevor sie auseinandergingen. 54
Was die feinen Unterschiede zwischen den verschiedenen evangelikalen Grup pierungen anging, so hatte sich seit meiner Highschool-Zeit offenbar nicht so viel getan, obwohl mir auffiel, dass mittlerweile alle etwas besser aussahen. Viele wa ren wie Skatepunks gekleidet oder im East-Village-Style der vorigen Saison (nicht konfessionsgebundene Freikirchler), andere sahen eher nach Trailerpark (ProvinzBaptisten, Church of God) oder wie Preppies aus (Young Life, Fellowship of Chris tian Athletes – bei denen könnte man vielleicht Gras schnorren). Die strengeren Sektierer waren sofort an ihrer unverändert antimodischen Kleidung und ihren blassen, traurigen Gesichtern zu erkennen. Als ich später eine Frau fragte, wie viele der Festivalbesucher ihrer Schätzung nach Weiße seien, antwortete sie: „Un gefähr einhundert Prozent.“ Ich sah aber auch ein paar Asiaten und drei oder vier Schwarze. Sie wirkten auf mich wie Adoptivkinder. Ich fuhr und fuhr. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet, dass dieses Festival so groß sein könnte. Mit jeder Straßenkehre öffneten sich weitere Talnischen vol ler Zelte und Autos; die Lagerstadt hatte sich bis an den Fuß des Bergrückens aus gedehnt und hier ihre physiografische Grenze erreicht. Es fällt mir schwer, den sinnlichen Eindruck so vieler Menschen zu vermitteln, die unter freiem Himmel leben und sich bewegen: eine Mischung aus Familienzusammenführung und Flüchtlingscamp, mit einem Schuss Militär, aber fröhlich. Die Wege wurden schlammiger und nicht unbedingt breiter: der Hallelujah Highway, die Straße der Rechtschaffenheit. Man hatte mir gesagt, ich solle bis „H“ fahren, aber als ich „H“ erreichte, traten zwei Jugendliche mit orangefarbenen Westen auf mich zu und sagten, hier seien alle Plätze reserviert. „Könnt ihr mir nicht irgendwie weiterhelfen, Jungs?“, fragte ich und wies mit leidheischend mit dem Finger auf mein Wohnmobil. Sie zogen Walkie-Talkies her vor. Zeit verstrich. Es wurde dunkler. Dann kam ein noch Jüngerer auf einem Fahrrad angefahren, ließ eine Taschenlampe aufleuchten und bedeutete mir, ihm zu folgen. Es war eine solche Erleichterung, mich ganz dem Willen dieses Jungen zu über lassen. Das Einzige, was ich noch zu tun hatte, war, ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Im Scheinwerferlicht strahlte seine Weste eine warme, beruhigende Be amtenhaftigkeit aus. Weswegen ich wahrscheinlich nicht rechtzeitig merkte, dass er mich eine fast senkrechte Steigung hinaufführte – den „Hügel oberhalb von D“. Rückblickend weiß ich nicht mehr, was zuerst bei mir ankam: das alarmieren de Kribbeln im Rückgrat, das einsetzte, weil das Wohnmobil einen Neigungsgrad erreicht hatte, für dessen Bewältigung es nicht gemacht war, oder die Übelkeit erregende Sicherheit, dass wir angefangen hatten, rückwärts zu rutschen. Ich richtete mich im Sitz auf und trat mit meinem ganzen Gewicht aufs Gas. Ich hörte Schreie. Ich stieg auf die Bremse. Mit der linken Hand und dem linken Fuß suchte ich wie ein Ertrinkender nach der Notbremse. (Hatte nicht Jack bei seiner Ein weisung erwähnt, wo sie zu finden sei?) Wir verloren Halt; mein Gefährt begann zu zittern. In den Au gen meines kleinen Führers stand die Angst geschrieben. Natürlich hatte ich gewusst, dass dieser Moment kommen, dass sich das Neun-MeterMobil gegen mich wen den würde. Das war uns beiden von Anfang an klar gewesen. Aber ich muss gestehen, ich hat te seinen Blutdurst ex trem unterschätzt. Hin ter und unter mir lag im
Sie h atten eine befr emdliche A rt, dem Wohnmobil immer er st da nn Platz zu machen, wenn sich der vor der e Kotf lügel ber eits a n ihnen r ieb.
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Wortsinne ein Feld voller Christen: Christen, die Brötchen grillten, Gitarre spielten und kameradschaftlich beisammensaßen. Das Luftbild in den Zeitungen würde eine lange Narbe zeigen, eine Schneise mitten durch ihr friedliches Zeltdorf. Dieser Psychopathen-Gigant, der es tatsächlich fertiggebracht hatte, ein zwar unsäglich verwirrtes, aber doch unschuldiges Kind dafür zu benutzen, seine niederträchtigen Pläne in die Tat umzusetzen! Meine Erinnerung an die nächsten fünf Sekunden ist undeutlich, aber ich weiß noch, dass ein großer, vollkommen quadratischer Männerschädel vor der Windschutzscheibe auftauchte. Er hatte blonde Haare und eine Brille auf der Nase, weit offene Augen und einen mittelalterlich anmutenden West-Virginia-Akzent, in dem er mir sagte, ich solle beim Bremsen „in den Anker gehen“. Irgendein Bereich meiner motorischen Hirnrinde gehorchte. Der Wagen brach kurz zur Seite aus und stand still. Dann hörte ich dieselbe Stimme: „Und jetzt bei drei aufs Gas: eins, zwei …“ Wir fuhren an – ganz langsam, wie von einer Seilwinde gezogen. Irgendwelche wahnwitzig starken Wesen schoben von hinten. Kurz darauf hatten wir die Kuppe des Hügels erreicht. Sie waren zu fünft. Alle Anfang zwanzig. Ich blieb in meinem Wohnmobil sitzen, während sie sich unter mir versammelten. „Danke“, sagte ich. „Ach was“, kam es prompt von Darius, demjenigen, der die Befehle gegeben hatte. Er sprach sehr schnell. „Wir haben den ganzen Tag nichts anderes gemacht, keine Ahnung, warum der Junge ständig Leute hier hochbringt, wir kommen aus West Virginia, der hat sie nicht mehr alle, da drüben ist alles frei.“ Ich sah zurück und nach unten: Da, wo er hinzeigte, war eine leere Weide. Jake trat vor. Auch er war blond, aber schlanker. Auf eine verwilderte Art gut aussehend. Helle Bartstoppeln bedeckten sein Gesicht. Er sagte, er sei aus West Virginia, und wollte wissen, wo ich herkam. „Ich bin in Louisville geboren“, sagte ich. „Echt?“, fragte Jake. „Liegt das nicht am Ohio River?“ Wie Darius reagierte und redete auch er sehr schnell. Ich bejahte. „Ich hab mal einen Typen gekannt, der kam aus Ohio. Der ist gestorben. Die Sache ist, ich bin bei der Freiwilligen Feuerwehr, und er hat sich mit seinem Chevy Blazer neunmal überschlagen. Den hat’s derart zerlegt, die Überreste waren von hier bis da vorne zum Abhang verteilt. Der war so tot wie Kolumbus.“ „Wer seid ihr denn?“, fragte ich. Ritter antwortete. Er war massig, einer dieser fetten Männer, die eigentlich gar kein Fett am Leib haben, Gefängniswärter, wie ich bald erfahren sollte, und ehemaliger Schwergewichtsringer. Er konnte eine Ananas in seiner Armbeuge zerquetschen und sich darüber totlachen (zumindest stelle ich mir das so vor). Frisur: militärisch. Schnauzbart: angedeutet. „Nur ein paar Jungs aus West Virginia, die für Christus brennen“, sagte er. „Ich bin Ritter, das hier sind Darius, Jake, Bub und Jakes Bruder Josh. Pee Wee springt hier auch irgendwo rum.“ „Hinter irgendeinem Rock her“, sagte Darius abfällig. „Ihr hängt hier also ein bisschen rum und rettet nebenher Leben?“ „Wir kommen aus West Virginia“, sagte Darius ein zweites Mal, als hielte er mich vielleicht für schwer von Begriff. Er war es, der am häufigsten für die Gruppe sprach. Sein Kinn sprang vor, was ihn aggressiv wirken ließ, aber es lag nur an dem Batzen Kautabak, den er in der Backe trug; bestimmt war er bloß etwas nervös. „Also, unser Zeltplatz ist direkt da drüben“, sagte Jake. Mit dem Kopf deutete er zu einem Auto, einem Laster, einem Zelt, einem Feuer und einem großen, aus Holzscheiten zusammengezimmerten Kreuz. Und da war noch was … ein Verstärker? „Die Stelle hatten wir letztes Jahr auch“, erzählte Darius. „Ich habe dafür gebetet. Ich habe gesagt: Herrgott, ich hätte diesen Platz wirk-
lich gerne wieder, sofern es Dein Wille ist.“ Ich war davon ausgegangen, dass meine Festivaltage einigermaßen einsam ausfallen und in einem Ritualmord an mir gipfeln würden. Aber diese Jungs aus West Virginia hatten so viel Wärme. Sie strömte geradezu aus ihnen heraus. Sie fragten mich, was ich so trieb, ob ich Sassafras-Tee mochte und wie viele Leute ich in meinem Wohnmobil mitgebracht hatte. Außerdem kannten sie einen Typen, der auf grauenvolle Weise ums Leben gekommen war und aus einem Bundesstaat kam, der denselben Namen trägt wie der Fluss, an dessen Ufern ich aufgewachsen bin. Und ich bin niemand, der solche Zufälle in Zweifel zieht. „Was macht ihr denn später so?“, fragte ich. Bub war klein und gedrungen; seine Hände sahen aus, als könnte er sie als Müllpresse verwenden. Seine Hautfarbe war dunkler als die der anderen, sie ging in Richtung Oliv, die Haare u nter seiner Camouflage-Kappe waren braun, seine Augen und sein ausgewachsener Schnäuzer ebenfalls. Später verriet er mir, dass Freunde ihn oft für „halb N-Wort“ hielten. So drückte er sich aus. Er war schüchtern und sah immer aus, als würde er gerade intensiv über etwas nachdenken. „Ritter und ich wollen ein bisschen Musik hören gehen“, sagte er. „Welche Band?“ Ritter sagte: „Jars of Clay.“ Von denen hatte ich schon gehört; sie waren populär. „Kommt mich doch, wenn ihr losgeht, an meinem Wohnmobil abholen“, sagte ich. „Ich parke auf dem total leeren Feld da drüben.“ Ritter meinte: „Können wir machen.“ Dann stellten sie sich an, um mir nacheinander die Hand zu schütteln.
Das Luftbild in den Zeitungen w ür de eine la nge Na r be zeigen, eine Schneise mitten durch ihr fr iedliches Zeltdor f.
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ährend ich auf Ritter und Bub wartete, lag ich im Bett und las im Licht der Laterne „The Silenced Times“, ein dünnes Infoheftchen, das in meinem Festival-Paket gewesen war. Eigentlich war es auch kein Infoheftchen, sondern eine Werbebroschüre für „Silenced“, den neuen Roman von Jerry Jenkins, einem der Köpfe hinter 55
der Hundert-Millionen-Dollar-Romanreihe „Left Behind“, in der bislang ein gutes Dutzend Bücher erschienen ist, die allesamt von dem handeln, was Leuten wie mir nach der endzeitlichen Entrückung zustoßen wird. Jenkins’ neues Buch hatte ein futuristisches Setting, es spielte im Jahr 2045. Die Broschüre war auf den 2. März 38 datiert, was heißen sollte, dass siebenunddreißig Jahre vergangen sind, seit man Jesus aus den Geschichtsbüchern radiert hat und die Zeitrechnung neu gestartet wurde. Wahrscheinlich sollte „The Silenced Times“ aussehen wie eine Zeitung aus diesem kommenden Zeitalter. Es handelte sich um ganz schön düsteres Zeug. Wie ein Virus hat sich im Jahr 38 ein uralter Totenkult ausgebreitet und die „Vereinigten Sieben Staaten von Amerika“ unterjocht. Anhänger dieses Kultes sind in „Zellen“ organisiert (sehr hübsch, diese Prise alten Kommunisten-Jargons); sie rekrutieren die Jugend, streben nach globaler Hegemonie und haben es darauf abgesehen, den Weltuntergang herbeizuführen. Im Jahr 34 – als die letzte Volkszählung stattfand – haben sich 44 Prozent der Bevölkerung zur Mitgliedschaft in dieser Gruppierung bekannt, jetzt aber ist es schon fast die Hälfte. Damit wird jede andere noch existierende religiöse Bewegung im Land in den Schatten gestellt. Sogar der Präsident (dessen Wahl die Kultanhänger vorangetrieben haben) ist mittlerweile übergetreten. Der beliebteste Nachrichtensender unterstützt ihn und seine Politik offen, der am heißesten diskutierte Film des Jahres ist ungeschminkte Kult-Propaganda, wenn auch mit einem dunklen, brillanten Dreh, und der Großteil der Bevölkerung ist davon überzeugt, dass die Medien kontrolliert werden von – Moment!, dachte ich. Das alles passiert doch wirklich. Genau so funktioniert die evangelikale Bewegung. Nur dass in „The Silenced Times“ beschrieben wird, wie man Christen ins Gefängnis wirft und in den Untergrund treibt. Wie ihre Pamphlete konfisziert werden. Ein Mann bekommt eine Auszeichnung, weil er seine Schwester verpfeift, die an der Uni einen Bibelkreis veranstaltet. Besonders gut gefiel mir die Stelle, in der die antireligiösen Kräfte Jenkins selbst aufstöbern – in einer Höhle. Er ist mittlerweile neunundsiebzig Jahre alt und hat immer weitergeschrieben, und als sie ihn fortschleifen, brüllt er Bibelverse. Ritter klopfte an die Tür. Er und Bub seien jetzt so weit, sie wollten sich Jars of Clay anhören. Mittlerweile war es finster, und noch mehr Feuer brannten; das gesamte Tal war von ihrem Geruch erfüllt. Der Himmel mit seinen Tausenden von Sternen sah aus wie eine gestanzte Blechlaterne. So viele Menschenseelen waren unterwegs zur Bühne, dass man kaum vorankam, wobei mir auffiel, dass die Menge dazu tendierte, Ritter Platz zu machen. Er lief leicht zurückgelehnt und sah über die Köpfe der Leute hinweg, als rechne er damit, einen Freund zu entdecken. Ich fragte ihn nach seiner Gemeinde in West Virginia. Er sagte, er und die anderen seien Pfingstkirchler, Zungenrede und so weiter, nur Jake sei Baptist. Sie gingen aber alle zum selben „Singen“ – einem wöchentlichen Bibelkreis, der immer bei einem von ihnen zu Hause stattfand, mit Essen und Gitarren. Ob Ritter glaubte, dass jeder hier Christ sei? „Nein, es gibt sicher welche, die noch nicht errettet sind. Geht nicht anders, bei so vielen Leuten.“ Was er davon halte? „Umso mehr kann evangelisiert werden“, sagte er. Bub blieb abrupt stehen – ein Zeichen, dass auch er etwas sagen wollte. Während er seine Worte wählte, strömte die Menge weiter an uns vorbei. „Es sind auch jüdische Menschen da“, sagte er dann. „Echt?“, sagte ich. „Du meinst, richtige Juden?“ „Ja“, sagte Bub. „Diese Mädchen, die Pee Wee angeschleppt hat. Die sind jüdisch. Ich finde das toll.“ Er lachte, ohne dass sein Gesicht sich bewegte; Bubs Lachen war ein rein stimmliches Phänomen. Waren seine Augen feucht? Wir liefen weiter. Ich vermute, auf eine gewisse Weise – nennen wir’s mal: bewusst – wollte ich nicht wahrhaben, was ich nicht umhinkam wahrzunehmen. Aber ich bin im Laufe der letzten Jahre auf so vielen großen öffentlichen Veranstaltungen gewesen, um über Sportereignisse oder sonst was zu berichten, und überall fiel diese merk würdige implizite Feindseligkeit auf, die vor allem männliche Amerikaner wie eine zweite Haut mit sich herumtragen. Halten Sie es meinetwegen für eine absur-
de Verallgemeinerung, aber wenn Sie ausreichend viele Spätnachmittage im Gedränge von Stadien verbringen, dann spüren Sie es. Es ist kein Machismo, sondern etwas Dunkleres, etwas leicht Reizbares, leicht Hämisches, eine ständige Bereitschaft, Böses geschehen zu lassen. Hier gab es das nicht. Es war schlichtweg nicht da. Ich suchte und konnte es nirgendwo finden. Während der drei Tage, die ich auf dem Creation Festival verbrachte, habe ich nicht eine Schlägerei erlebt, kein einziges im Zorn gesprochenes Wort gehört, mich nicht ein einziges Mal provoziert gefühlt, noch nicht einmal leicht, und ich habe jede Menge an Menschen kennen gelernt, die außergewöhnlich freundlich waren. Ja, sie hatten alle dieselbe Hautfarbe, glaubten alle an dasselbe und tranken keinen Alkohol, aber es waren immerhin hunderttausend. Wir kamen an einer Reihe Plastik-Klos und den Essensständen vorbei. Als wir um die Ecke bogen, sah ich die Bühne von der Seite. Und die Menschenmenge auf dem der Bühne gegenüberliegenden Hügel. Die Masse der Körper zog sich den Hügel hinauf, bis sie irgendwo mit der Dunkelheit verschmolz. „Heilige Scheiße“, entfuhr es mir. Einem Impresario gleich schwenkte Ritter den Arm. „Das, mein Freund“, sagte er, „ist Creation.“
Ja, sie h atten a lle dieselbe H autfa r be, glaubten a lle a n dasselbe und tr a nken keinen Alkohol.
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ls Zugabe spielten Jars of Clay eine Version von U2s „All I Want Is You“. Sie war blueslastig. Mehr werde ich zu den Bands nicht sagen. Oder nein, Moment, das noch: Die Tatsache, dass ich von den ungefähr vierzig Bands, die ich beim Creation Festival mit ganzem oder halbem Ohr mitbekommen habe, nicht einen einzigen Takt interessante Musik gehört habe, sollte nicht als Hieb gegen die Bands gelesen werden – und noch viel weniger als grundsätzliche Verachtung von Christen, die Rockmusik machen. Die Bands hier waren aber keine christlichen Bands, sondern Christenrockthe red bulletin
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bands. Der Schlüssel zum Verständnis der gesamten Szene liegt in diesem feinen Unterschied. Christenrock als ein Genre ist dazu da, evangelikale Christen moralisch zu erbauen und damit Geld zu verdienen. Christenrock ist Message-Musik für Hörer, die die Message im Schlaf beherrschen, und stellt sich darüber hin aus der gefühlten – und von den Künstlern sehr ernst genommenen – Verantwortung, „Menschen zu erreichen“. Aus diesem Grund bedient diese Musik die Kategorien „Eindeutigkeit“ und „maximale Eingängigkeit“ (die Künstler selbst würden von „Klarheit“ sprechen), was wiederum bedeutet: Schmarotzertum. Erinnern Sie sich an diese Parfümzerstäuber, die es früher in Drogerien gab? Wenn sie Drakkar Noir mögen, wird Ihnen auch Sexy Musk gefallen? Genauso funktioniert Christenrock. Jede erfolgreiche säkulare Schrottband hat ihren christlichen Ableger, was nur folgerichtig ist, denn kulturkritisch gesprochen fungiert eine Christenrockband nicht als Alternative zur säkularen Band oder als eine Verbesserung derselben, sondern als ihr christliches Double. Und darin ist das Genre wunderbar erfolgreich. Wenn Sie diese Musik für ultimativ grottenschlecht halten, dann sind Ihre Prioritäten eben nicht die Prioritäten dieser Musik. Mög licherweise wollen Sie etwas cooles Neues hören. Diese Musik aber braucht etwas, von dem bereits erwiesen ist, dass es gut ankommt, und das wird dann in den Dienst der Lobpreisung des Herrn Jesus Christus gestellt. Das ist Christenrock. Eine christliche Band dagegen ist einfach nur eine Band, die aus mehr als einem Christen besteht. U2, gleichermaßen von Gläubigen und Ungläubigen verehrt, sind das Musterbeispiel, aber es gab über die Jahre auch andere Bands, von denen die Leute sagten: „Weißt du eigentlich, dass die Christen sind? Klingt schräg, ich weiß. Trotzdem, sie sind scheißgut.“ The Call zum Beispiel oder Lone Justice. Zurzeit hört man dasselbe immer mal wieder über Indie-Acts wie Pedro the Lion und Damien Jurado (und andere, die ich nicht kenne). In den allermeisten Fällen geben sich solche Bands sehr, sehr viel Mühe, nicht zur Sparte „Christenrock“ gezählt zu werden. Was vor allem davon abhängt, wie man sich verkauft: Man erzähle im Interview nicht, man sei „wiedergeboren“, sondern lediglich, der Glaube sei ein wichtiger Bestandteil des eigenen Lebens. Und an dieser Stelle – ich werde nicht länger so tun, als sei ich nicht vorurteilsbehaftet – kommt das schwerwiegende Problem der tatsächlichen
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Begabung ins Spiel. Denn die Frage, wieso ein neunzehnjähriger Hardcore-Christ, der feststellt, dass er oder sie erstklassige Songs schreiben kann (jemand wie Damien Jurado), auch nicht im Ansatz etwas mit Christenrock zu schaffen haben will, muss man stellen. Talent tendiert dazu, mit einem gewissen Mindestniveau an Raffinesse einherzugehen. Und ob man es glaubt oder nicht: Das Establishment des Christenrock äußert hin und wieder so etwas wie resignierte Zustimmung, dass sich Bands wie U2 oder Switchfoot (die beim Creation Festival spielten, als ich da war, und gerade mit „Meant to Live“ einen Riesenhit im säkularen Radio hatten, deren Management es aber untersagte, dass Fotos von ihrem Auftritt gemacht wurden) diskret darum bemühen, klar auf Abstand zu jedem unambitionierten JesusFantum zu gehen, denn nur so können sie in Verbindung zur Welt treten. (Sie wissen, dass damit wir, die Säkularen, gemeint sind, oder? Wir gehören in ihren Augen „zur Welt“.) Es ist also möglich und sogar wahrscheinlich, dass Christenrock als musikalisches Genre immun ist gegen Qualität. Womit es das einzige derartige Genre wäre, das mir einfällt.
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s war spät, und die Juden hatten Zwietracht gesät. Was Bub erzählt hatte, stimmte: Es gab Juden beim Creation Festival. Wie sich herausstellte, waren es „Juden für Jesus“, genauer gesagt, zwei aufsehenerregend hübsche Highschool-Mädchen aus Richmond. Als Bub, Ritter und ich vom Jars-of-Clay-Auftritt zurückkamen, saßen sie mit am Lagerfeuer – eine der beiden hielt Händchen mit Pee Wee. Pee Wee war jünger als die anderen, schlank und hübsch, und er sah die Mädchen bewundernd an, sobald sie den Mund aufmachten. Irgendwann sagten sie zu Ritter, dass er wegen seiner Tattoos (er hatte zwei) in die Hölle käme; daran glaubten die Leute in ihrer Organisation. Allzu gut nahm Ritter diese Nachricht nicht auf. Er war sich seines Platzes im Kreise der Erwählten relativ sicher. Es gab eine Auseinandersetzung; Pee Wee wurde genötigt, die Mädchen zurück zu ihren Zelten zu geleiten, während Darius versuchte, Ritter zu beruhigen. „Sie haben komische Ansichten“, sagte er, „aber wir beten zum selben Gott.“ Das Feuer war auf glühende Kohlen heruntergebrannt. Wir Männer waren jetzt unter uns, saßen auf Kühlboxen und betrieben spätnächtlich-schwermütige Hermeneutik. Bub begriff Gottes Sinneswandel nicht. Wie konnte Er im Alten Testament diesen ganzen Irrsinn vom Stapel lassen, dass man keine Tattoos haben oder seinen Onkel nicht nackt sehen durfte, nur um dann im Neuen Testament alles wieder zurückzunehmen? „Vielleicht solltest du es so betrachten“, meinte ich. „Wenn Darius wegen irgendwas stocksauer auf dich ist, einen richtigen Hals hat, du dann aber irgendwas tust, um es wiedergutzumachen, und er dir vergibt: Dann hat er ja nicht seine Meinung geändert, sondern die Situation hat sich verändert. Genauso ist es mit dem Alten und dem Neuen Bund – nur dass Jesus für die Wiedergutmachung gesorgt hat.“ Bub schien zufrieden mit dieser Erklärung. „So hat das noch keiner gesagt“, meinte er. Nur Darius starrte mich über das Feuer hinweg mit stechendem Blick an. Er wusste, dass meine Bemerkung theologisch sauber war, und fragte sich, woher ich sie hatte. Die Jungs hatten die Frage, woran ich denn eigentlich glaubte – sie hätten vermutlich gesagt: „wohin mein Weg mich führte“ –, den ganzen Abend lang höflich umschifft. Wir hatten uns mittlerweile recht gut kennengelernt. Nachdem Pee Wee wieder aufgetaucht war, waren sie ganz begierig darauf gewesen, mir ihr Lager zu zeigen. Sie hatten ihre Zelte im Wald aufgebaut, wo sie eigentlich nicht stehen durften; aber die Luft dort war kühler. In ungefähr dreißig Metern Entfernung hatte Darius einen kleinen Bachlauf entdeckt und mit den Händen ein kleines Becken gebuddelt, aus dem sie ihren Trinkwasserbedarf deckten. Ich erfuhr, dass die Jungs einen großen, wenn nicht den größten Teil des Jahres im Wald verbrachten. Sie ernährten sich von Wild – sie sagten, so würden es in ihrer Ecke von Braxton County alle machen. Sie wussten, was im Wald wuchs, was essbar war, was wogegen half. Darius zog eine große, zur Hälfte gefaltete Pappe hervor, die er direkt vor meinem Gesicht auseinanderklappte: darauf ein Haufen Sassafras-Wurzeln. Er wedelte mir ihren Lakritz-Geruch ins Gesicht und brachte mich dazu, eine zu essen. 57
Dann meinte er, er würde wetten, dass ich gern kiffte. Ich räumte ein, dass ich eventuell nicht vollkommen abgeneigt sei. „Wie ich das Zeug geliebt habe“, sagte er zu mir. Als er meine Überraschung sah, fügte er hinzu: „Um ehrlich zu sein, Mann, hatte ich noch nicht mal ein schlechtes Gewissen des wegen. Aber Kiffen ist gesellschaftlich inakzep tabel, und an diesem Punkt kam es meinem christlichen Wachstum in die Quere.“ Mittlerweile hatten sich die Jungs zusam mengereimt, womit ich mein Geld verdiente – man muss ihnen hoch anrechnen, dass sie dar in nicht die einzige logische Erklärung für meine Anwesenheit sahen –, und langsam merkten sie auch, dass ich sie exotisch fand (obwohl es mehr war als nur das). Nach und nach steigerten sie sich in einen Rausch der Selbstbeschreibung hinein. Leidenschaftlich versuchten sie, mir klarzumachen, wie sie tick ten. Was schnell ermüdend hätte werden kön nen, wenn sie einfach nur stinknormale Typen gewesen wären. Und nicht Typen, die glaub ten, Gott persönlich habe seine Hand dabei im Spiel gehabt, dass sie zu viert in Ritters silber nen Chevrolet Cavalier passten und damit zum Festival fahren konnten. „Wie du siehst“, sagte Bub, „bin ich ein ziem lich großer Kerl, ja? Ich bin echt stämmig. Und Darius ist auch ein gro ßer Kerl“ – hier unter brach Darius ihn und zeigte mir seine Waden, die so muskulös waren, dass es schon an Defor mierung grenzte. „Ich bin ein Freak“, sagte er. Bub seufzte und redete weiter, ohne den Blick kontakt zu mir abgebro chen zu haben: „Und Ritter auch. Dazu hatten wir noch zwei Kühlboxen, die Gi tarren, ein E-Piano, unse re Zelte und den ganzen Rest, und alles passte“ – er drehte sich um, zeigte auf das Auto, drehte sich zurück, legte eine Pause ein – „in diesen Chevy.“ In seinen Augen lag derselbe Ausdruck wie vorhin, als er mir erzählt hatte, dass hier auch Juden seien. „Ich glaube, das könnte ein Wunder sein“, sagte er. Sie waren mit Gewalt vertraut, fürchterli cher Gewalt. Tatsächlich hatten Ritter und Da rius sich kennengelernt, als sie einander im
Mathe-Unterricht der Mittelstufe nach Strich und Faden verprügelten. Wer ge wonnen hatte? Ritter sah Darius an, als wollte er seine Antwort erst mit ihm ab klären, und sagte dann: „Niemand.“ Jake hatte Darius mal mit einer Angelrute, auf die Darius versehentlich getreten war, zu Boden geschlagen. „Und ich hab noch zu ihm gesagt: ‚Pass auf, wo du hintrittst‘ “, sagte Jake. (Die Erinnerung brachte Darius so heftig zum Lachen, dass er die Brille abnahm.) Die Hälfte ihrer Jugendfreunde war ermordet worden, erschossen oder erstochen, wegen Drogen oder wegen gar nichts. Andere hatten sich umgebracht. Darius’ Großvater, Groß onkel und sein früherer bester Freund hatten alle Selbstmord begangen. In Dari us’ Kindheit war sein Vater mit schöner Regelmäßigkeit im Gefängnis gewesen; mindestens einmal saß er richtig lange, nachdem er in Ohio einem Mann ein Mes ser in die Brust gerammt hatte. (Der Mann wollte nicht aufhören, auf Darius’ Großvater „draufzuhauen“.) Darius hatte zu der Zeit eine Menge einstecken müs sen („Dein Vater ist ein Knasti!“). Deshalb sei er heute auch so reizbar. „Heftige Kindheit“, meinte ich. „Nicht wirklich“, entgegnete Darius. „Andere Leute haben weder Hände noch Füße.“ Er sprach davon, wie sehr er seinen Vater liebte. „Von ganzem Herzen – er ist der Beste. Er hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Und überhaupt“, fügte er hinzu, „habe ich die ganze Wut und so an Gott weitergegeben. Er hat sie mir abgenommen.“ Gott in Seiner Weisheit hatte ihm ein Auskommen verschafft. In den früheren Abendstunden hatten die Jungs Pee Wee ein bisschen aufgemischt und ihn mit Zurrgurten an einen Baum gefesselt. Andere Christen müssen dem Sicherheits personal von seinen Schreien berichtet haben, denn ein Typ in einer orangefarbenen Weste war den Hügel hinauf gestürmt gekommen. Pee Wee war nicht allzu viel passiert, aber zum Spaß brach er in Tränen aus. „Ständig machen sie mich so fertig“, heulte er. „Retten Sie mich, Mister!“ Das fand der Typ nicht so lustig. „Wegen denen solltest du dir keine Sorgen machen“, sagte er. „Sondern wegen mir.“ Was für ein dummer Spruch! Darius schoss vor wie eine schrecklich flinke Eidechse in einer Tiersendung im Fern sehen. „Passen Sie auf, Mann“, sagte er. „Sie wissen ja nicht, wen Sie vor sich haben. Einen Typen, der schießt, bevor er Ihnen die Hand schüttelt.“ Der Mann schien zurückzuweichen, ohne sich zu be wegen. „Sie dürfen keine Waffen tragen“, sagte er. „Ach ja?“, kam es von Darius. „Dort drüben im Hand schuhfach liegt eine Erlaubnis, versteckt Waffen zu tra gen. Ich komme aus West Virginia, Mister, ich kenne das Gesetz.“ „Ich glaube, Sie lügen“, sagte der Typ. Seine Stimme klang mittlerweile etwas zittrig. Darius beugte sich vor, als habe er nicht ganz verstanden. Seine Augen traten aus den Höhlen. „Und woher wollen Sie das wissen?“, fragte er. „Sind Sie ein Prophet?“ „Ich arbeite für das Festival!“, sagte der Typ. Jake stand auf – bislang hatte er sich das Ganze von seinem Sitzplatz am Feuer aus angesehen. Das höfliche Lächeln, das er sich ins Gesicht gemeißelt hatte, war von einem heimtückischen Grinsen nicht zu unterscheiden. „So“, sagte er. „Und warum arbeiten Sie dann nicht? Ich bin mir sicher, wo anders gibt es jede Menge zu tun.“ Zugegeben, die gelegentliche Aufsässigkeit der Jungs aus West Virginia scheint im Widerspruch zu dem zu stehen, was ich vorher behauptet habe, von wegen „kein einziges im Zorn gesprochenes Wort“ und so weiter. Aber es war spielerisch. Zu mindest Darius zog für mich ein bisschen eine Show ab. Und wenn man bedenkt, wovor die Jungs zu Hause die ganze Zeit über auf der Hut sein mussten, dann ist es doch bemerkenswert, wie erfolgreich sie beim Festival ihre Instinkte unter Kontrolle hatten.
Die H ä lfte ihrer Jugend fr eunde wa r er mor det wor den, er schossen oder er sto chen, wegen Drogen oder wegen ga r nichts.
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Wie auch immer: Von nun an hatten wir mehr oder weniger Carte blanche. Was sehr laute Live-Musik zwischen zwei und drei Uhr morgens mit einschloss. Die Jungs ließen ihre fette Anlage über die Batterie von Jakes Truck laufen. Ritter und Darius spielten zu Hause selbst in einer Band, First Verse. Sie waren verantwortlich für die Musik in ihrer Kirche. Ritter hatte eine engelsgleiche Tenorstimme, die aus einem anderen Körper als dem seinen zu kommen schien. Und Josh war ein guter Gitarrenspieler; er hatte eine Les Paul und ein Effektboard dabei. Die akustische Gitarre ging reihum. Ich musste tief in meinem Fundus kramen, bis mir ein paar christliche Stücke einfielen. Ich spielte „Jesus“ von Lou Reed, was sie so weit okay fanden. Richtig gut gefiel ihnen Bob Marleys „Redemption Song“. Als ich fertig war, sagte Bub: „Mann, das ist wirklich christlich. Wirklich wahr.“ Darius wollte, dass ich ihm das Stück beibrachte; er sagte, er würde es mit nach Hause nehmen und im Gottesdienst spielen. Dann sprang er auf und lief zu seinem E-Piano, das drei Meter weiter auf einem Ständer stand. Mit geschlossenen Augen begann er zu spielen. Ich spiele gut genug Klavier, um zu wissen, wie es sich anhört, wenn jemand die Technik beherrscht. Und Darius spielte sehr, sehr gut. Er improvisierte eine Stunde lang. Irgendwann stand Bub auf und stellte sich neben ihn, Gesicht zu uns, die Hände in den Taschen, so, als beschütze er seinen Freund, während der sich in einem verwund baren Trance-Zustand befand. Ritter flüsterte mir zu, dass man Darius ein Musikstipendium an einem College in West Virginia angeboten habe; ein Professor hörte ihn auf dem Campus auf einem Klavier herumklimpern, als er dort einen Freund besuchte, und bot ihm auf der Stelle ein Vollstipendium an. Ritter konnte nicht wirklich erklären, warum Darius abgelehnt hatte. „Er ist so was wie unser Rain Man“, sagte er. Irgendwann muss ich meine Laterne genommen und den Abhang hinunter gekrochen sein, denn am nächsten Morgen fand ich mich aufrecht sitzend und vollständig angezogen in meinem Wohnmobil wieder. Aufgeweckt hatte mich ein barbarisches Raunen, das an ein Heer kurz vor dem Sturmangriff erinnerte. Der frühe Morgen stand im Zeichen von Praise and Worship, einer neuen Ausprägung von Christenrock, bei der Band und Publikum gemeinsam, so laut es geht, direkt zu Gott singen. Ziemlich intensive Angelegenheit.
befand, konnte ich ganz gut sehen. Irgendetwas begann mit mir zu geschehen. Die Band war mittleren Alters. Ihre Mitglieder trugen blusenartige Hemden und halbherzige Mittachtzigerjahre-Stadionrock-Moves zur Schau. Was war das für ein … Gefühl? Zwischen jeder Zeile grinste der Sänger, als ob er, wenn er damit aufhören würde, sofort zusammenbräche. Viel verstehen konnte ich nicht: „There’s a higher place to go (beyond belief, beyond belief), Where we reach the next plateau (beyond belief, beyond belief).“ Der Strohhalm rutschte mir aus dem Mund. „Ach du Scheiße, das sind ja Petra.“
„Heilige Scheisse“, entfuhr es mir. „Das, mein Fr eund“, sagte er, „ist Creation.“
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ie Jungs hatten mir gesagt, dass sie den Großteil des Tages vor der Hauptbühne verbringen und sich Bands anhören wollten. Ich dagegen hatte mir ja schon eine Band angehört. Meine Pflicht bestand darin, in meinem Mobil zu bleiben und Eindrücke aufzuschreiben. Allerdings war es ganz schön heiß. Und je heißer es wurde, desto mehr Plastikdämpfe entstiegen der hellbraunen Auslegeware. Leicht benebelt stolperte ich aus der seitlichen Luke und machte mich auf, um Darius, Ritter und Bub zu suchen. Im Licht des Tages wurde offenbar, dass hier ziemlich avancierte Freaks am Start waren: ein Typ mit Rock und Spitzenärmeln; ein komisches, kleines, androgynes Wesen, das in einer Papprüstung steckte und ein Schwert mit sich herumschleppte. Sie wussten wahrscheinlich, dass sie an einem sicheren Ort waren. Vor einem Getränkestand ließen die Jungs mich in der Schlange stehen; sie wollten Skillet nicht verpassen, eine von Ritters Lieblingsbands. Ich bekam mein Getränk und ließ mich langsam dorthin treiben, wo sie vermutlich standen. Mangelhafte Ernährung, Ungewaschenheit und ein drohender Sonnenstich verschworen sich gegen mich. Außerdem roch es leicht nach Scheiße. Überall waren glühend heiße Klokabinen, die mit jeder Öffnung der Türen ihren Pesthauch verströmten. Ich stand auf einem Fleckchen Kies zwischen den Fressbuden und der Zuschauer menge, kaute an meinem Strohhalm und stocherte tetraplegisch nach widerspenstigen Schmelzwassereinschlüssen. Obwohl ich mich weit weg von der Bühne the red bulletin
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s war 1988. Der Typ, der mich mitgebracht hatte, nannte sich Verm. (Ich habe die Namen geändert; diese Menschen haben es nicht verdient, zwangsweise mit mir auf Erinnerungsreise zu gehen.) Er war ein kleiner, gut aussehender Typ mit schwarzem Pferdeschwanz und teuflischem Lachen, ein Skater und Ex-Kiffer, der deswegen, ein Jahr oder so bevor wir uns kennenlernten, zu Hause rausgeflogen war. Seine Eltern gehörten einer nicht konfessionsgebundenen Religionsgemeinschaft in Ohio an, wo ich zur Highschool ging. Es war eher eine Bewegung als eine Kirche, mit damals schon Tausenden von Mitgliedern. Meines Wissens ist sie seitdem noch größer geworden. Die „Zentralversammlung“ fand aus Platzgründen immer in einer leerstehenden Lagerhalle statt, aber passiert ist es bei den kleineren Treffen: bei der „Heimatgemeinde“ (ungefähr fünfzig Leute) und im „Hauskreis“ (vielleicht ein Dutzend). Verms Dad hatte zu ihm gesagt: Wenn du einmal die Woche mitkommst, kannst du wieder einziehen. Verm wurde erlöst. Und da er ein schlaues Köpfchen war und der unvoreingenommenste, jovialste Typ, der mir je untergekommen ist (er war legendär dafür, dass er sich immer, wenn eine neue ausländische Schülerin auf unsere Schule kam, in den Mittagspausen von ihr Sprachstunden erteilen ließ, bis er ihre Sprache beherrschte), und da er außerdem aus seinen Drogen-Zeiten massenhaft verlorene Seelen kannte, wurde er gleich selbst zum Champion im Missionieren, zum Wunderkind. Ich war neu und hegte einen unerschöpf lichen Hass gegen Ohio. Verm bekam mit, dass ich Smiths-Fan war, und wir fingen an, Kassetten zu tauschen. Binnen kurzem trafen wir uns 59
auch nach der Schule. Dann kam der Moment, der immer kommt, wenn man sich mit einem wiedergeborenen Christen anfreundet: „Hör mal, mittwochabends gehe ich jede Woche zu diesem Treffen. So was wie ein Bibelkreis – nein, im Ernst, das ist cool. Die Leute sind echt richtig cool.“ Und das waren sie. In einer Viertelstunde wurden alle meine Vorstellungen von Christen über den Haufen geworfen. Sie waren intelli genter als alle Leute, mit denen ich sonst bis lang zu tun gehabt hatte (ich bin zwar nicht in Cambridge aufgewachsen oder so, aber trotz dem), sie ließen jede Absonderlichkeit durch gehen, und sie hatten dieses Licht, das alle Menschen ausstrahlen, die nach Höherem stre ben. Was, gelinde gesagt, attraktiv ist. Ich fing an, Fragen zu stellen. Viele Fragen. Was ihnen sehr gefiel, denn sie hatten Antworten. So funktioniert die ganze evangelikale Bewegung. Der durchschnittliche Agnostiker rennt ja nicht durchs Leben und ist in der Lage, dir eine klare, durchdachte Begründung für die intratextuelle Inkonsistenz der Bibel zu liefern. Wiedergebo rene Christen dagegen werden für Zufallsbe kanntschaften mit wissbegieri gen Neulingen geradezu aus gebildet. Und als Vierzehnjäh riger mit unter ernährten intellektuellen Ambitionen bist du eben schwer beeindruckt, wenn sich ein charismatischer Erwachsener mit dir hinsetzt und dir erklärt, dass die Geburt Christi, wenn man diese und jene Zeitspanne auf den hebräischen Kalender überträgt, mal sieben nimmt und ein Datum aus der Regentschaft von König Dingsbums einsetzt, klar und deutlich fast auf die Stunde genau in dieser oder jener Bibelpassage vor ausgesagt wird, und das, obwohl die vier Evan gelisten keinen Zugang zu derlei Informa tionen hatten! Ich zumindest war schwer beeindruckt. Aber auch enorm inspiriert und angeregt, und zwar auf einer Ebene, die nicht meiner Naivität zuzuschreiben war. Allein das leiden schaftliche Engagement dieser Leute nahm mich gefangen: Niemand hatte mich darauf vorbereitet, dass es solche Christen gab. Woche für Woche beschäftigten sie sich mit der Inten sität von Hauptseminaristen mit der Bibel. Ihr Anführer war Mole (die Kurzform für Moloch;
er hatte die Gemeinde in den Siebzigern gegründet). Mole hatte einen drahtigen, schwarzen Bart und stechend blaue Augen. Meine von russischen Romanen inspi rierten Fantasien über subversive, von kollektiver Inbrunst getragene Versamm lungen im Untergrund fühlten sich geschmeichelt und erhielten, wie es aussah, sogar eine konkrete Form. Das hier war echte Gegenkultur, und zwar ohne den ganzen traurigen Hippie-Quatsch. Als ich nach einem der Treffen zu Verm sagte: „Vielleicht finde ich zum Glau ben“, umarmte er mich. Und als für mich der Zeitpunkt kam, den Weg konsequent weiterzugehen – „Jesus in mein Herz zu lassen“, so die altehrwürdige Formulie rung –, beteten wir gemeinsam. Drei Jahre vergingen. Mein Glaube wuchs und wurde gefestigt. Verm und ich waren jetzt so was wie die Highschool-Abgesandten der Operation. Mole hatte (so wie ich selbst) herausgefunden, dass ich gut mit Worten umgehen und vor Leuten sprechen konnte; Verm und ich leiteten jetzt einmal im Monat den Bibelkreis. Wir retteten Seelen, als gäbe es kein Morgen, und sparten ein Belohnungsvermögen im Himmel an. Ich wurde nie so gut im Rekrutieren wie er, meine Stärke lag im Subtilen; Verm brachte sie dazu, dass sie uns zuhörten, und dann bearbeiteten wir gemeinsam ihre Köpfe. Witnessing nannten wir das. In der Schule war ich beliebter als früher, die Türen zu denen, die den Ton angaben, öffneten sich. Auf diesem Weg fanden viele zum Herrn. Verm und ich fuhren auf Konferenzen und zu „Exerzitien“; wir belegten kostenfreie Theologiekurse, die die Gruppe für vielversprechende junge Füh rungspersönlichkeiten anbot. Und die ganze Zeit fanden unsere wöchentlichen Hauskreise statt, die Basis für alles andere, immer am Frei tag- und am Samstagabend, was bedeutete, dass ich bis spät nachts weg sein durfte. (Meine episkopalischen Eltern kränkte die ganze Ange legenheit zutiefst, aber es ist nicht so einfach, seinem Kind zu verbieten, so viel Zeit in der Kir chengemeinde zu verbringen.) Meistens fand der Hauskreis im Wohnzimmer von jemandem statt, der in der Gruppe ziemlich hochrangig war. Sie müssen sich vor Augen halten, was für eine Ehre es war, zu Moles Kreis zu gehören. Bei den Zentralversammlungen kamen Leute auf mich zu und fragten: „Wie ist es so, jede Woche mit ihm zu reden?“ Es war toll. Mole hatte einen echten Draht zum Wort Gottes. (Und eine wunderbar alt-hippieeske Art zu reden; alles war bei ihm eine Aktion: Zeit für Gemeinschafts aktion. Lasst uns Fritten-und-Salsa-Aktion machen.) Immer hatte er seine schwere „Studienbibel“ dabei; die King-James-Bibel kam für nicht konfessionsgebundene Christen nicht in Frage – zu viele Ungenauigkeiten. Wenn er den handverzierten Ledereinband aufschlug, wusste man, es ging los. Und im Ernst: Der Mann war begnadet. Trotz des etwas umständlichen Stils der New-American-Standard-Bibel konnte er eine Bibelstelle wie eine Knochenschraube in dein Bewusstsein senken und dich glauben machen, dass Christus zustimmend nickend danebenstand. Al lein der Gebetsteil dauerte immer eine Stunde. Danach wurde im Garten Feuer gemacht. Mole saß dann da und rammte ein Buschmesser in den Hackblock. Er rauchte billige Zigarren und ließ uns Zigaretten rauchen. Die Gitarre machte die Runde. Wir besprachen, welcher unserer Brüder von der Sünde angefochten wur de, wer Rat brauchte. Und wir sprachen über das Ende der Welt: Es stand kurz bevor. Wir mussten so viele retten, wie wir konnten. Ich erspare Ihnen die Aufzählung aller Gründe, warum ich mich aus dem Schoß der Gemeinde zurückzog. Sie waren nicht frei von Klischees und keineswegs nur rechtschaffen und unschuldig. Vielleicht reicht es, wenn ich sage, dass ich anfing, Bücher zu lesen, die Mole nicht empfohlen hatte. Manche davon kamen mir ziem lich klug vor – waren aber mit der Bibel nicht in Einklang zu bringen. Die defensive Theodizee, die mir Mole in vielen Nächten berauschender Bibelexegese eingetrich tert hatte, bekam Risse. Zum Beispiel die Sache mit der Hölle: Damit konnte ich mich nie abfinden. Menschen waren in der Lage, denjenigen zu vergeben, die ih nen schreckliches Leid angetan hatten, und wir alle wussten, dass wir im Vergleich
Ich fing a n, Fr agen zu stellen. Viele Fr agen. Was ihnen sehr gefiel, denn sie h atten A nt worten.
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zu Gott ohnehin nur Gewürm waren. Was also war genau Sein Problem? Rings um mich sah ich Menschen, die viel zu versehrt waren, um je die Chance zu haben, zu Jesus zu finden. Hatten sie es nicht verdient – mehr als wir alle sogar –, nach die sem Leben Seinen Beistand zu bekommen? Alles am Christentum lässt sich im Rahmen des christlichen Glaubens begründen und rechtfertigen. Man muss nur dessen Prämissen bejahen. Sobald man das tut, modifiziert der Glaube die Fakten, und zwar immer auf eine nachvollziehbare Wei se, bis die Fakten irgendwann ihrerseits den Glauben stärken. Der Moment, in dem es unlogisch wird, ist schwer zu bestimmen. Vielleicht gibt es ihn gar nicht. Es ist, als hielte man ein Vergrößerungsglas erst auf Armlänge von sich weg und führte es dann langsam zum Auge: Alles steht auf dem Kopf, alles steht auf dem Kopf, alles ist richtig rum. Was lag dazwischen? Falls da überhaupt etwas ist, dann ist es so flüchtig, dass man es nicht zu fassen bekommt. Deswegen kann man wahren Chris ten auch nicht mit Argumenten gegen ihren Glauben kommen. Was nicht daran liegt, dass sie nicht mit gründlicher Überlegung zum Glauben gefunden hätten, ganz im Gegenteil, aber der Glaube ist eine Tür, die sich hinter der Logik schließt. Was aussieht wie ein gerader Gedankengang, biegt sich zu einem Ring, der einen in seinem Inneren einschließt. Wenn das bedeutet, dass jeder vom Glauben Abge fallene nie ein wahrer Christ und folglich auch ich nie einer war, dann muss ich, denke ich, damit leben. Legt nicht die Tatsache, dass ich über meine alten Freunde nur mit apologetischem Unterton schreiben kann, nahe, dass ich nie wirklich einer von ihnen war? Der Bruch kam im Winter meines ersten Studienjahres. Eines späten Nachmit tags rief Verm mich an. Er hatte Mole versprochen, etwas für ihn zu tun, aber jetzt ging es ihm nicht gut. Nebenhöhlenentzündung. (Er hatte ständig eine Neben höhlenentzündung.) Ob ich schon mal von Petra gehört hätte? Eine Christenrock band, sie spielten heute in Downtown. Nach Konzerten lud ihr Sänger immer alle, die mehr über Jesus wissen wollten, hinter die Bühne ein, wo dann Leute warte ten, um mit ihnen zu reden. Der Konzertveranstalter hatte Mole angerufen, Mole hatte Verm als Freiwilli gen gewonnen, und jetzt wollte Verm wissen, ob ich ihm aus der Patsche helfen würde. Ich konnte nicht nein sagen. Das Konzert nervte mich von Anfang an; ich war vorher kaum in Berührung gekommen mit diesen anderen Evangelikalen, die mit den Armen wedeln und im merfort weinen und so (in unserer Gruppe hielten wir es gern „nüchtern“). Hier war ich von ihnen umgeben. Das Mädchen vor mir übersetzte die Worte jedes Lieds in Gebärdensprache, war aber gar nicht taub. Es war entsetzlich. Verm hatte mir am Telefon den Infozettel vorgelesen, den er bekommen hatte. Nach der ersten Zugabe sollten wir uns in die „Evangelisationszone“ begeben und dort warten. Also ging ich und setzte mich auf den Boden. Kurz darauf kamen sie auch schon herein, die Suchenden. Ich habe keine Ah nung, was mit denen los war, die ich abbekam. Vielleicht wollten sie nur aufs Klo und waren dann von dem Auflauf mitgerissen worden. Sie waren ungefähr so alt wie ich und trugen braune Kapuzenpullis; ihre Münder standen weit offen, ihre Augen waren leer. Ich fragte sie, was zu fragen war: Was sie von dem Gehörten hielten. Ob sie auf irgendwas von dem, worüber Petra gesprochen hatten, neu gierig geworden waren. (Zwischen den Liedern hatte es jede Menge Ansprachen gegeben.) Ich schaffte es nicht, sie zum Reden zu bringen. Sie starrten mich an, als war teten sie darauf, dass ich sie ohrfeigte. Mein Einfallstor. Entweder waren sie vollkommen über wältigt oder hatten irgendeinen geistigen Schaden. So oder so: Christus forderte jetzt von mir, Zeugnis abzulegen. Die Sätze wollten nicht kom men. Ich ging in Gedanken die Dogmen durch, auf der Suche nach einem, das ich nicht ei gentlich für Schwachsinn hielt, stieß aber auf keines. Die logische Folge wäre läh
Was aussieht wie ein ger a der Geda nkenga ng, biegt sich zu einem R ing, der einen in seinem Inner en einschliesst.
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mendes Schweigen gewesen, aber mit einer merkwürdigen Entschlossenheit trieb ich das Ganze dem Ende entgegen. Ich fragte sie, ob sie lieber gehen wollten – eine rein rhetorische Frage –, und erklärte, mir sei ebenfalls danach. Wir gingen gemeinsam. Einige Abende darauf nahm ich Mole und Verm zur Seite und sagte ihnen, dass meine Zweifel mich überwältigt hätten. Dass ich, wenn ich weiter zu den Treffen käme, nur so tun würde, als ob. Was sie genauso beleidigen wür de wie Gott und die ganze Gruppe. Verm um armte mich schweigend. Mole sagte, er respek tiere meine Gründe, und dass ich meine Zweifel erforschen müsse, bevor ich wieder festen Schritts voranschreiten könne. Er sagte, er wür de für mich beten. Sollte er keine radikale Per sönlichkeitsveränderung durchgemacht haben, betet er noch heute.
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tatistisch gesehen war mein kleiner Anfall von Evangelikalismus wahr scheinlich nicht weiter be merkenswert. Weiße Ame rikaner meiner sozioökonomischen Herkunft (mittlere bis obere Mittelschicht) erleben sol che Phasen als Teenager recht häufig, und be vor sie zwanzig sind, ist es bei den meisten wieder vorbei. Viele der Jugendlichen beim Creation Festival fielen in diese Kategorie. Ob sie wohl Darwin kannten? Sie würden von ihm erfahren. Seit ich mit der Uni fertig bin, lerne ich mindestens einmal pro Jahr jemanden ken nen, der an der Highschool auch eine „JesusPhase“ hatte. Was immer einen wunderbaren Lacher wert ist. Allerdings sollte jede Phase irgendwann vorbei sein oder zumindest in eine andere Phase übergehen – und sich nicht ein fach nur in eine fortgesetzte Beschäftigung verlängern. Gesegnet sind die, die von Sekten einer Ge hirnwäsche unterzogen und hinterher zum Ent programmieren geschickt werden. Das macht es einfacher: Man lässt einfach alles hinter sich. Meine Gruppe war aber keine Sekte. Es gab keinen Druck, keine Strafen, nur Überzeu gungsarbeit. Einer von denen, die ich zur Grup pe holte – wir nannten ihn Goog –, ist immer noch ein enger Freund von mir. Er leitet heute Bibelkreise und Versammlungen und verbringt einen Teil des Jahres damit, in Kambodscha unentgeltlich Zahnbehandlungen durchzufüh ren. Nie hat er mich gefragt, wann ich zurück kommen würde. 61
Mein Problem ist nicht, dass ich davon träume, in der Hölle zu landen oder dass Mole mir am Fenster erscheint. Ich fühle mich auch nicht seelisch verletzt. Ich fühle mich noch nicht mal wie ein Depp, weil ich mal daran geglaubt habe. Nein, mein Problem ist, dass ich Jesus Christus liebe. Dessen Schuhe ich nicht wert bin aufzuschnüren. Er war ein absolut großartiger Typ. Vergessen Sie die Paulusbriefe und die ganze Schikane, die später kam. Sehen Sie sich nur an, was Er gesagt hat. Lesen Sie die Jefferson-Bibel. Oder noch besser: Lesen Sie „The Logia of Yeshua“ von Guy Davenport und Ben jamin Urrutia, eine schnörkellose englische Über setzung aller Jesus zugeschriebenen Äußerungen, die heutige Experten für authentisch halten. Da kriegen Sie den ganzen Mann. Sein Durchbruch war die Ästhetisierung der Schwäche. Nicht das Sieg- und Ruhmreiche ist vernünftig, sondern das Zerbrech liche, Leidende. Hierin liegt Rettung. „Lass alle, die Macht haben, diese Macht aufgeben“, sagte er. „Euer Vater ist barmherzig zu allen, so sollt auch ihr sein.“ So hat Er gesprochen denen gegenüber, die Ihn kannten. Warum sollte Er einen Menschen quälen? Warum ist Sein Geist nicht wohlwollender? Warum kann ich nicht einfach ein braves Kind der Aufklärung sein und in Seinem Leben ein ermutigendes Beispiel sehen für das Potential unserer Gattung? Sobald man Ihn als Gott akzeptiert, verliert man den Trost, der in Seinem Menschsein liegt. Die schiere Faszination des Lebens aber, die in einer totalen, alles durchdringenden Idee des Seins wurzelt, der unwiderstehliche Herzschlag der Folgerichtigkeit, der selbst die kleinsten Dinge durchpulst – diese Faszination reißt nicht ab. Und dann zweifelt man an seinen Zweifeln.
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ast du letzte Nacht den Puma gehört?“ Es war dunkel, und Jake, ganz in Camou flage, stand über mir. Ich hatte stundenlang vornübergebeugt auf einer Kühlbox neben dem Aschehaufen gehockt, gelesen und darauf gewartet, dass die Jungs von dort, wo sie hingegangen waren, wieder zurückkamen. Ich sagte, ich hätte gar nichts gehört. Bub, ebenfalls in Tarnfarben, näherte sich von hinten. „Mitten in der Nacht“, meinte er. „Ich bin davon wach geworden.“ Und Jake: „Hörte sich an wie ein weinendes Baby.“ Bub: „Wie ein kleines Baby.“
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Unten zu meinen Füßen, wo es sehr dunkel war, fummelte Jake an irgendetwas herum, das lebendig wirkte. Bub warf ein paar Scheite aufs Feuer und ging zum Auto, um Streichhölzer zu holen. Ich saß da und versuchte zu erkennen, was Jake tat. „Hast du noch deine Laterne?“, fragte er. Sie stand neben mir am Boden, und ich machte sie an. Er zog Frösche aus einem Sack. Einen nach dem anderen. Sie wanden sich unter seinem Griff und schlugen in die Luft. „Wo hast du die denn her?“, fragte ich. „Ungefähr eine halbe Meile in die Richtung da“, sagte er. „Wer mitten im Fluss steht, steht nicht mehr auf privatem Grund.“ Bub lachte sein hohes, ausdrucksloses Lachen. „Besonders groß sind sie nicht“, sagte Jake. „In West Virginia haben wir welche, die sind so groß wie Hühner.“ Jake fing an, die Frösche durchzuschneiden. Um einen glatten Schnitt zu bekommen, lehnte er sich mit seinem ganzen Gewicht nach vorn, auf die Hand, die das Messer hielt. Die Froschbeine warf er in eine Bratpfanne. Dann stach er jedem Frosch ins Gehirn und warf die oberen Hälften auf einen Extrahaufen. Sie zuckten natürlich noch – die Nerven. Und einige waren noch weniger tot. Einer starrte nach Luft schnappend zu mir hoch, während seine Lungen neben ihm im Gras lagen. „Könntest du dem vielleicht noch mal ins Gehirn?“, fragte ich, und Jake spießte ihn fachkundig auf, bevor er sich den nächsten Frosch schnappte. „Warum stichst du ihnen nicht in den Kopf, bevor du ihnen die Beine abschneidest?“, fragte ich. Er lächelte. Und meinte, er könne sich schlapp lachen über mich. Als Darius zurück war, machte er mir eine Tasse heißen Sassafras-Tee. „Trink das, dann geht’s dir besser“, meinte er, dabei hatte ich gar nicht gesagt, dass es mir schlecht ging. Die Beine dünstete Jake kurz in Butter an und servierte sie warm. „Probier sie“, sagte er. Das Fleisch war so zart, es fehlte nicht viel, und es wäre auf der Zunge zerschmolzen. Pee Wee kam mit den Jüdinnen zurück, die sich gezwungen sahen, uns ein zweites Mal zu sagen, dass wir verdammt seien. (Levitikus 11, 12: „Alles, was ohne Flossen oder Schuppen im Wasser lebt, haltet für ab scheulich!“) Als Jake das hörte, zog er eine Show ab, ließ die halben Frösche wie Handpuppen auftreten und kaute, damit alle das Fleisch darin sehen konnten, mit weit offenem Mund. Die Mädchen rannten zum wiederholten Male davon. Pee Wee lief ihnen nach und schrie: „Kommt schon, die machen doch nur Spaß!“ Darius starrte Jake an, nicht wütend, eher traurig. Jake sagte: „Also, wenn er die Mädels hier anschleppt, dann sollen die uns nicht erzählen, was wir zu essen haben.“ „Wenn eine Speise meinem Bruder zum Anstoß wird“, sagte Darius, „will ich überhaupt kein Fleisch mehr essen, um meinem Bruder keinen Anstoß zu geben.“ „Erster Korintherbrief“, sagte ich. „Acht dreizehn“, sagte Darius.
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ch erwachte, ohne geschlafen zu haben, ein widerliches Gefühl, und jetzt lag ich da und wappnete mich innerlich für die Herausforderungen von Praise and Worship. Als mir das Warten zu lang wurde, kochte ich Wasser und machte Instant kaffee, den ich brühend heiß aus dem Deckel des Erdnuss butterglases trank. Mein Körper roch wie ein erkaltetes Lagerfeuer. In meinen Haaren waren Blätter, Asche und anderes Zeug. Ich dachte kurz daran, unter die Dusche zu gehen, aber ich hatte es schon zwei Tage geschafft, nichts von der Bordausrüstung meines Wohnmobils in Anspruch zu nehmen, und es wäre dumm gewesen, jetzt klein beizugeben. Ich setzte mich auf den Fahrersitz und beobachtete durch das getönte Glas, wie kleine Christengrüppchen vorbeizogen. Sie sahen aus, wie Leute the red bulletin
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überall aussehen, nur heiterer und eigenständiger. Vielleicht sahen sie aber auch nur aus, wie die Leute überall aussehen. Was weiß ich. Meine Pseudo-Anthropologen-Energie war aufgebraucht. Ich stieg aus und wanderte herum. Setzte mich zu den Menschen vor die Bühne, auf der ein rothaariger christlicher Redner vor und zurück rannte. Wie aus dem Nichts kreischte er plötzlich: „Ihr möget bedeckt sein von der Asche unseres Rabbi Jesus!“ Würde ich versuchen, Ihnen an dieser Stelle die Lautstärke seines Kreischens angemessen zu vermitteln, würden Sie mich für einen Schwätzer halten. Ich taumelte durch die Reihen der Fressbuden, als vor meinen Füßen ein Mann starb. Er stand am Fenster des Spritzkuchenstands. Er war dick, Anfang sechzig, trug kurze Hosen und ein kurzärmeliges Button-down-Hemd. Und er … starb einfach. Ein Herz infarkt. Ich stand da, und er fiel. Keine Ahnung, ob es im Gehirn eine primitive Region gibt, die auf die Wahrnehmung solcher Dinge geeicht ist, aber ich wusste in der Sekunde, in der er aufschlug, dass er tot war. Die Sanitäter stürzten sich so schnell auf ihn, dass es merkwürdigerweise wirkte, als hätten sie nur darauf gewartet. Immer und immer wieder bearbeiteten sie seinen Brustkorb, bliesen in seinen Mund, legten Infusionen. Der Krankenwagen traf ein und mit ihm noch mehr Gerät. Auf dem breiten Gesicht des Mannes lag dieser leicht missmutige Ausdruck, wie man ihn oft bei gerade Verstorbenen sieht. Menschen hatten sich um uns versammelt; manche dachten, alles sei nur Show. Eine Frau neben mir sagte bitterlich: „Das ist keine Show. Ein Mann ist gestorben.“ Sie fing an zu weinen und nahm meine Hand. Sie war klein, hatte Silberhaar und schwarze Augenbrauen. „Es geht ihm gut, es geht ihm gut“, sagte sie. Ich sah ihr von der Seite ins Gesicht. „Beten Sie für seine Familie“, sagte sie. „Ihm geht es gut.“
„Das ist k eine Show. Ein M a nn ist gestor ben.“ Sie fing a n zu weinen und na hm meine H a nd. „Es geht ihm gut“, sagte sie.
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ch ging zum Wohnmobil zurück und hatte einen gigantischen Kollaps. Ich brach hemmungslos in Tränen aus, hörte dann aber aus irgendeinem Grund abrupt wieder auf. Ich fühlte mich auf unsinnige Weise nackt und allein. Was für ein Idiot ich gewesen war – zu denken, diese Reise würde ein Späßchen werden. Hier waren viel zu viele Geister. Alle kamen mir so fremd und so vertraut vor. Außerdem war ich vermutlich ausgehungert. Das Froschfleisch war zwar vorzüglich gewesen, aber mager – das hatte sogar Jake zugegeben. Inmitten von all dem, gedämpft durch die Außenhülle des Neun-MeterMobils, hörte ich plötzlich Stephen Baldwin auf der kleineren Seitenbühne, wo die etwas „ausgefalleneren“ Acts auftreten, einen Vortrag halten. Wer bei den Baldwin-Brüdern immer durcheinanderkommt: Stephen ist der entfernt Höhlenmenschartige, der seinen Pony früher immer glatt nach vorne gekämmt hat und Staubmäntel trägt. Ich hatte ihn wenige Monate zuvor bei einer religiösen Talkshow im Fernsehen gesehen. Ihn und Gary Busey, einen anderen Schauspieler. Was Baldwin sagte, weiß ich nicht mehr, aber Busey
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redete derart wirres Zeug, dass selbst der Moderator nervös wurde. Er hat es mit dem „Fluch der Generatio nen“. Wenn Sie sich fragen, was das sein soll – da kann ich Ihnen nicht helfen, tut mir leid. Ich war zwar mal wiedergeboren, aber auf LSD bin ich nicht großgezogen worden. Baldwin sagte eine ganze Menge da auf der Bühne, und was er sagte, wurde schräger und schräger: Sein brasilianisches Kindermädchen Augusta habe ihn und seine Frau in Tucson bekehrt, womit sich eine Prophezeiung erfüllt habe, die das Kindermädchen einst von ihrem Prediger in der Heimat bekommen habe. Gott habe „9/11 geschehen lassen“, es sei seine „Rache“ gewesen, und Jesus habe ihm, Baldwin, aufgetragen, das an uns weiterzugeben. Er sagte weiter, dass 9/11 auf das Konto des Teufels gehe. Er sagte, Gott erwarte von ihm, dass er „ultracoole christliche Filme“ mache. Er sagte, im November sollten wir den Kandidaten mit dem stärksten Glauben wählen. Die Menge rastete aus; das Wohnmobil wackelte nahezu. Als Jake und Bub an die Tür klopften, hatte ich es seit Stunden nicht verlassen, war immer schwächer geworden und hatte mehrfach „The Silenced Times“ und das Festivalprogramm durchgelesen. Im Programm stand, dass am Abend die Kerzenzeremonie stattfinden sollte, mit das Coolste am Creation Festival, wie mir die Jungs schon erzählt hatten. Man kam vor der Bühne zusammen, und die Mitarbeiter verteilten an jeden eine Kerze. Die Pressebetreuer hatten von einem Aussichtspunkt auf einem Berg über der Bühne gesprochen, zu dem man hochwandern könne. Man müsse sich das Ganze von dort oben ansehen, hatten sie gesagt. Als ich die Tür öffnete, wedelte Jake mit einer Zeitung. Bub stand hinter ihm und grinste breit. „Schau mal“, sagte Jake. Es war die Mittwochsausgabe des „Valley Log“, der Zeitung für das Southern Huntingdon County. „Solange es nicht im ‚Valley Log‘ stand, ist es nichts als ein Gerücht.“ Die Schlagzeile lautete: „Puma anscheinend keine Gefahr für Festivalcamper“. „Und, was haben wir gesagt?“, fragte Bub. „Immerhin ist er nicht gefährlich“, sagte ich. „Zumindest nicht für uns“, sagte Jake. Schweigend erklomm ich mit ihnen den Anstieg zu ihrem Zeltplatz. Darius saß auf einer Kühlbox, hatte das Kinn in die Hände gelegt und suchte den Horizont ab. Er wirkte nachdenklich. Josh und Ritter sangen Lieder. Pee Wee hörte zu, nur für sich; mit den jüdischen Mädchen hatte er es vermasselt. „Hey Darius“, sagte ich. Er stand auf. „In ungefähr zehn Minuten wird’s hier regnen“, sagte er. Ich trat zu ihm und versuchte zu sehen, was er sah. „Willst du wissen, woher ich das weiß?“, fragte er. Er erklärte es mir. Der Wind, die Anmutung des Himmels, die Blätter, die sich in der Krone der Ahornbäume zusammenrollen und weiß werden, wenn sie Regen kommen spüren, diese „tote“ Farbe, die das Licht annimmt. Er las mir die Landschaft vor wie ein Kinderbuch. „Schau mal, das Tal da drüben“, sagte er, „das ist ganz neblig, da hat es noch nicht gegossen. Und das dahinter, da ist es schon wieder klar – das heißt, der Regen kommt in unsere Richtung.“ 63
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Minuten später fing es an zu regnen, in großen, lles durchnässenden, trommelnden Tropfen. Die a Jungs rafften ihre Sachen zusammen. Ich schlug vor, dass wir uns ins Wohnmobil setzen könnten. Sie sahen sich an, als sei diese Idee eventuell irgendwie bedenk lich. Dann aber schrie Ritter: „Auf sie mit Gebrüll!“ Mit den Gitarren und – in Joshs Fall – einer Bratpfan ne in der Hand, in der das Fleisch eines mir noch un bekannten Waldwesens brutzelte, rannten wir den Abhang hinunter. Der Platz reichte für alle. Ich stellte meine Laterne auf den Esstisch und schob die Fensterscheiben auf, um Luft hereinzulassen. Darius machte Kartentricks. Wir tranken Quellwasser. Jemand furzte; die Aus einandersetzung darüber, wer es gewesen war (Pee Wee), dauerte gut zwanzig Minuten. Der Regen trom melte unablässig aufs Dach. Die Jungs waren beeindruckt von meiner Unterkunft. Sie meinten, ich solle sie verticken. Mit dem Geld könnte ich mir in Braxton County ein hüb sches Häuschen kaufen. Wir spielten Gitarre. Das Wohnmobil schaukelte vor und zurück. Jake hatte es nicht so mit Christen rock, stand als guter Bap tist aber auf alte Gospel songs und forderte, Gott segne ihn, immer mal wie der einen ein. Der, den Rit ter sang, machte mich völlig fertig. Keine Ahnung, was anders war, aber plötzlich konnte man die Jungs auch für säkulare Sachen begeistern. Pee Wee stellte sich als großer Neil-Young-Fan heraus; er hatte zwar noch nie etwas von Neil Young gehört, aber als ich „Powderfinger“ für ihn spielte, rollte er sich zusam men wie ein kleines Kind und wünschte sich nach dem ersten Durchlauf noch einen zweiten. Er sagte, ich hätte eine schöne Stimme. Jeder sagte jedem, wie gut er sei und dass er wirk lich über eine Musikerkarriere nachdenken solle. Josh spielte „Stairway to Heaven“, und wir sangen richtig laut mit. Darius sagte: „Macht mal halblang! Es muss ja nicht jeder gleich denken, dass wir hier ein Sündenpfuhl sind.“
Der Regen hörte auf. Zeit zum Aufbrechen. Zwei der Jungs wollten früh am nächsten Morgen abfahren, und ich musste mich auf den Weg machen, wollte ich pünktlich zum Kerzen-Anzünden am Aussichtspunkt sein. Sie begleiteten mich bis zu der Stelle, wo der Weg zur Bühne abzweigte. Alle umarmten mich. Jake sagte, ich solle anrufen, sollte ich je „in eine Situa tion geraten, die bereinigt werden muss“. Darius sagte mit vielsagendem Blick: „Gott segne dich.“ Dann sagte er noch: „Hey Mann, falls du über uns schreibst, kannst du mir einen Gefallen tun?“ „Klar“, sagte ich. „Schreib, dass wir Gott lieben“, sagte er. „Schreib meinetwegen, dass wir einen Knall haben, aber schreib auch, dass wir Gott lieben.“ Der Anstieg war lang und steil. Oben war so ein Ding, das aussah wie eine Gartenterrasse, weit übers Tal ragte und einen unverstellten Blick bot. Jugendliche hingen darauf wie Lemuren oder so. Entschuldigungen murmelnd bahnte ich mir den Weg bis vor zum Rand, wo die Felsen steil unter mir abfielen. Es war dunkel und dann plötzlich noch dunkler – stockfinster. Sie hatten die Beleuchtung seit lich der Bühne ausgemacht. Kleine, stecknadelkopf große Lichtpünktchen erschienen und bewegten sich durch die Gänge. Ich kannte das aus meiner Kindheit, vom Heiligabend in der Kirche. Man zündet die Ker zen entlang des Mittelgangs an, und von dort wandert das Licht dann durch die Reihen. Die Ausbreitung be schleunigt exponentiell, und die Wirkung ist so uner wartet, dass man am Ende, wenn die eine Hälfte der Gemeinde die Kerzen der anderen Hälfte anzündet, immer den Eindruck hat, als ob jemand den Licht schalter umgelegt hat. So war es auch jetzt. Die Wolken hatten sich verzogen, und der Himmel war wieder voller Sterne. Überall in den Bäumen ringsumher saßen Glühwürmchen, und tief unter mir breitete sich ein Teppich brennender Kerzen aus, klei ne Flämmchen, vielzehntausendfach. Ich war gefangen in einem schwar zen Raum voll flackernden Lichts. Natürlich dachte ich an Nürnberg. Aber am meisten dachte ich an Da rius, Jake, Josh, Bub, Ritter und Pee Wee, die ich wahrscheinlich nie wie der sehen würde, die ich aber ins Herz geschlossen hatte und die Gott liebten – das hätte ich auch geschrieben, wenn Darius mich nicht darum gebeten hätte, es ist vielleicht das Wahrste an diesem Text: Sie haben einen Knall, und sie lieben Gott. Ich dachte über die unantastbare Erhabenheit dieser Liebe nach, zu der ich nie in der Lage war. Zu wissen, dass etwas nicht wahr ist, heißt nicht, dass man die Stärke hätte, daran zu glauben, wenn es doch wahr wäre. Sechs der glühenden Pünktchen unten im Tal waren von ihnen. Für einen Augenblick sah ich vor mir den Kreis ihrer Gesichter rund ums Feuer, jedes Gesicht für sich, jedes leuchtend in der „Gewissheit der Hoffnung“, wie es bei Paulus merkwürdigerweise heißt. Es schien mir nicht richtig, dass die Wirklichkeit solche Seelen nicht belohnte.
Sie h a ben einen K na ll, und sie lieben Gott. Ich dachte über diese erhabe ne Liebe nach, zu der ich nie in der L age war.
Diese Zeilen sind aus einem Gedicht von Czesław Miłosz: „Wenn sie aber alle, die mit gefalteten Händen Knienden, Millionen, Milliarden davon, dort endeten, wo ihre Täuschung war? Ich finde mich niemals ab. Ich will sie krönen. Des Menschen Verstand ist herrlich, das Mundwerk mächtig Und die Berufung so groß, dass das Paradies sich öffnen muss.“ Wenn man das nur so sagen und auch so meinen könnte. Alle bliesen im selben Moment ihre Kerzen aus, und das Tal – die kon krete geografische Gegebenheit – füllte sich mit Rauch, so viele waren es. Bei Anbruch des Tages, als die Schöpfung noch schlief, fuhr ich ab. Aus: John Jeremiah Sullivan: „Pulphead. Vom Ende Amerikas“. Aus dem Amerikanischen von Thomas Pletzinger und Kirsten Riesselmann. Erschienen 2012 in der edition suhrkamp
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K R Ö J B × R U BL S Y MIA. × O R B E N P N E O R B H K S L A PETLOODY VALENTINE × FRITZ KEFT BOY × KLAXONS × BASTILLE MY B ING × L D L U O LON G IL D IE L × L T E A × A S T S IE L O E B R IT WH WK ×HTNU× DIE ORSONS × VILLAGERS A H A M O T × S D N THE SOLLUSOON × CAPITAL CITIES × S SOINFONIE DER GROSSSTADT GET WE R: BERLIN – DLIE× PARQUET COURTS E M H T O B N O V F E ICA GRA ES × IS TROUPEN G AND MANY MOR A S V A ER S TH × O R IC B H P L E R D IAN RAINBOWS ×
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„ Wir hatten die Schnauze voll von den alten Klischees.“
Credit:
Hör z u!
(3) DEICHKIND
„Warum ge ht h i e r k e i ne r ab “ Die Hip-Hop-Formation Deichkind ist Deutschlands wildeste Live-Band. Mal packt sie Todesangst auf der Bühne, mal wundert sie sich über ihre Fans.
Bild: Nikolaus Brade
Interview: Manuel Kurzmann
Ferris sitzt in einem Klappstuhl und hustet. Sein Gesicht ist blass, philipp: Sport machen hilft auch. im Mundwinkel glimmt eine Zigarette. Seit 22 Tagen ist Deichkind Kein Tour-Wahnsinn mehr mit Alkohol, Drogen und so … auf Tour zwischen Rostock und Linz. Der fiebrige Ferris alias philipp: Wenn man nach einem Gig aufgedreht ist, schlittert man Sascha Reimann sollte längst Bühne gegen Bett tauschen. Etwas manchmal ein bisschen rein. Aber Sauftouren? Nee. Da wirst du später erscheint Philipp Grütering aka Kryptic Joe. In seinem Polohöchstens verrückt. Pullover würde er ebenso gut als Versicherungsvertreter durch ferris: Das hältst du ja nicht einen Monat lang durch – kann mir gehen. Die anderen Deichkinder haben sich in den Backstageraum keiner erzählen! Außer Lemmy von Motörhead. Aber wer weiß, verzogen. Porky (Sebastian Dürre) lungert auf der Couch herum, was bei ihm innerlich abgeht. DJ Phono (Henning Besser) fachsimpelt mit unserem Fotografen. Habt ihr auf Festivals Zeit, mit anderen Bands abzuhängen? red bulletin: Quatschen wir über euer Tour-Leben und eure philipp: Beim Frauenfeld-Festival in der Schweiz waren zum Beikrassesten Auftritte … spiel der Wu-Tang Clan, The Roots und Cypress Hill – mit deren ferris: Da wäre das Rocco del Schlacko 2008. Die Leute stanMusik sind Ferris und ich quasi groß geworden. den bis zu den Knien im Schlamm. Sie wollten springen und ferris: So geil, wir saßen da und haben abgefeiert. tanzen, steckten aber fest. Ziemlich lustig. philipp: Und plötzlich taucht Method Man neben dir auf und philipp: Wir dachten zuerst: Alter, warum geht hier keiner ab? fragt: „Ey, was geht ab?“ ferris: Eine schöne Suhlerei im Matsch. ferris: Porky hat noch ein Foto mit Slash gemacht. philipp: Beim Melt!-Festival 2006: Da ist der Stage-Manager mit Wird euch der ganze Trubel manchmal zu viel? einem grünen Gesicht auf mich zugekommen und meinte: philipp: Live schon. In manchen Hallen ist die Luft echt mies. Al„Wenn du jetzt nicht sofort eine Ansage machst, gibt’s Tote.“ les ist vollgepackt mit Leuten, selbst Feuerzeuge gehen wegen Kein Wunder, wenn man Fans erlaubt, die Bühne zu stürmen. Sauerstoffmangels nicht mehr an. philipp: Die Gefahr war uns in diesem Moment gar nicht beferris: Die letzten zwei Lieder sind wir kurz vor der Ohnmacht. wusst. Am Ende waren da 500 Leute. Alles schwankte. Kein Wunder, bei eurem Bühnenoutfit … Wer hatte eigentlich Euer Live-Höhepunkt, gerade weil’s gefährlich war? die Idee, live Müllsäcke anzuziehen? philipp: Die Sache hallt schon noch nach. ferris: Wir hatten die Schnauze voll von den alten KliGeil hier! ferris: Wir erarbeiten uns unsere Highlights selbst. schees. Am Anfang waren wir ja eine waschechte HamDeichkind Wenn 70.000 Leute bei „Remmidemmi“ durchdrehen – burger Hip-Hop-Formation und haben gemerkt, diese spielt: 15. 6.: das ist für uns immer wieder ein Klick-Erlebnis. Art von Musik war einfach durch. Wir wollten neue HoriNova Rock (A); Wie pusht ihr euch, bevor ihr auf die Bühne geht? zonte anstreben. 4. 7.: Urban art philipp: Wir schauen fern. Meistens läuft im Backstagephilipp: Damals spielten wir in kleinen, dreckigen forms, Graz (A); raum TV-Richterin Barbara Salesch. (Lacht.) Klubs, vor hundert Leuten. Müll gab’s genug, und Gaffer 6. 7.: Touch the ferris: Dann schreien wir uns gegenseitig „F… dich Tape kriegst du überall. Lake, Zürich hoch, gib Schnaps, Alter!“ ins Ohr. Manchmal ist es nicht (CH); 3.8.: Big Ihr habt mal behauptet, Deichkind gäbe es noch Day out, An mehr als ein „Hey, alles klar?“ und ein Handschlag. hundert Jahre … röchte (D); 7. 8.: Schiebt ihr vor Auftritten Panik? ferris: Porky hat in einem Interview gemeint, DeichSziget, Buda philipp: Auf Tour ist es eine bleierne Aufgeregtheit. Zu kind sei ein eigener Organismus. Wie auch immer der pest (H); 9. 8.: Festivals reist du meistens von zu Hause an, ohne Konaussieht – vielleicht hat er drei Arme und sechs Augen. Rocco del zert am Vorabend. Da ist die Anspannung größer. Keine Gedanken über die Zukunft der Band? Schlacko, ferris: Oft sind bei Festivals so viele Leute auf engstem Püttlingen (D); ferris: Vielleicht gibt es uns noch fünf, vielleicht noch Raum, dass man wegen Netzüberladung nicht mehr mit 10. 8.: Tauber fünfzehn Jahre. Aber wir werden uns weiterentwickeln. dem Handy telefonieren kann. Diese Energie ist auch philipp: Eines Tages übernimmt sowieso Ferris die Band. tal, Rothen burg (D); 11. 8.: für uns spürbar, macht uns aber eher stärker. ferris: Mit Krückstock. Open Flair, Nervt es, punktgenau funktionieren zu müssen? Und eure Kinder stehen dann in der ersten Reihe. Eschwege (CH); ferris: Das kommt vor. Vor allem, wenn du auf Tour ferris: Wenn schon, dann nicht mitten im Mob. Aber es 31. 8.: Kultur krank wirst – wie ich gerade. Aber man kämpft sich sind ja die Mütter dabei, die passen auf. Rasen, Bonn (D) www.deichkind.de durch. Außerdem ist viel Adrenalin im Spiel. the red bulletin
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„ K r i eg gege n s ic h s e lb st “ Eine Band, die im Namen Sex und Marmelade vereint, muss Erfolg haben, auch wenn sie „Noise Rock“ spielt. Interview: Mara Simperler & Manon Steiner
Katie hat sich schon ein Bier bestellt. Flo, Wolfgang und Rudi wollen auch eins. Nur Lukas, der Fünfte im Bunde, fehlt beim Interview, das wir am Wiener Yppenplatz mit der Noise-Rock-Band Sex Jams führen. „Sexmarmelade“, was für ein Name. Und was ist eigentlich „Noise Rock“? Zum Glück hat Katie das schon oft erklärt. „Pass auf“, beginnt sie. katie: Laute und verstörte Gitarren, und ich darf mich darüber austoben. Das ist für mich Sex Jams. red bulletin: Warum der Name? Weil „sex sells“? katie: Der Name soll ruhig ein bisschen provozieren. flo: Man kann sich nicht gleich eine Musikrichtung vorstellen, fragt sich: Wer gibt sich diesen Namen? Er ist ja auch ein bisschen bescheuert, ein bisschen Augenzwinkern steckt dahinter. Sex Jams ist eine junge Band, die alles mitbringt, was es zum Erfolg braucht. Sie klingen mindestens so gut wie Sonic Youth, sie könnten mindestens so groß werden wie Sonic Youth. Ein Vergleich, der die Band nur nervt. Wir ersparen ihn der Band, wollen lieber über Marktmechanismen in der Musik reden, über das Sich-verkaufen-Müssen und das Sich-selbst-treu-bleiben-Wollen. Was unterscheidet Underground von Mainstream? rudi: Der große Unterschied ist, dass bei uns – negativ formuliert – mehr Selbstausbeutung und – positiv formuliert – mehr Herzblut drinstecken. wolfgang: Es gibt ja auch noch etwas anderes als nur Underground und Mainstream. Wir sind da irgendwo dazwischen. Ihr arbeitet alle nebenbei. Ist es zu riskant, alles in die Musik zu stecken? Oder diktiert der Pragmatismus unserer Generation, das Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen? katie: Wenn man den Drang hat, ständig produktiv oder kreativ zu sein, hält einen der Geld-Gedanke nicht davon ab, das zu tun. Wenn man davon leben kann, ist das perfekt. Aber ich glaube, es ist eine schlechte Herangehensweise, zu sagen, ich muss einen Hit schreiben, um davon zwei Jahre überleben zu können. wolfgang: Man kann nicht von jedem verlangen, dass er alles stehen und liegen lässt und alles auf eine Karte setzt. rudi: Es geht auch nicht darum, sein Leben mit Musik zu finanzieren. Das Wichtigste ist, sich Zeit für die Musik zu nehmen. Klar müssen wir schauen, dass wir Kohle herbekommen. Das steht teilweise im Weg, um Energie in die Bands zu stecken. Ab wann läuft man Gefahr, kommerzialisiert zu werden? katie: Ab dem Zeitpunkt, wo man sagt, man will jetzt kommerziellen Erfolg haben. flo: Es ist extrem enttäuschend, zu scheitern, wenn man mit 68
Sexspiele Sex Jams live: 4.6.: Bla, Bonn (D); 5. 6.: Elfer, Frankfurt/M. (D); 6. 6.: Druckluft, Oberhausen (D); 7. 6.: K4 zentralcafé, Nürnberg (D); 8. 6.: Oetin ger Villa, Darmstadt (D); 9. 6.: Café Wagner, Jena (D); 10. 6.: Weekender, Innsbruck (A); 11.6.: Schlacht haus, Dorn birn (A); 12.6.: Sub, Graz (A); 13. 6.: gromka, Laibach (SLO); 14.6.: Marat, München (D); 15. 6.: Kultur hofkeller, Villach (A); 17. 9.: AK44, Gießen (D). Sex Jams auf Vinyl: www. noiseappeal. com; auf CD: www.siluh.com
dem Gedanken reingeht, Erfolg haben zu müssen. Das verdirbt dir nur den Spaß. Eure Texte erinnern sehr an die NoFuture-Punk-Szene. Seht ihr die Welt wirklich so düster? katie: Ich schreibe ja die Texte. Was mich beim Album „Trouble Honey“ am meisten interessiert hat: Gut und Böse, Lügen und Lieben. Diese Gegensätze, die sich alle in einem Menschen vereinbaren lassen. Und ich bin eine große Verehrerin von Zerstörung. Man muss immer was zerstören, damit was Neues rauskommt. Gegen wen kämpft ihr als Musiker? katie: Meist gegen uns selbst. Das ist der innere Krieg. Eurer erstes Album „Post Teenage Shine“ ist härter. „Trouble Honey“ ist poppiger. Warum diese Veränderung? katie: Beim ersten Album hat das Härtere, Brachiale mehr eine Rolle gespielt. Den Zorn rauszuschreiben war mir ganz wichtig, und nie perfekt zu klingen. Natürlich haben wir uns weiterentwickelt. flo: Es war schon eine bewusste Entscheidung. Wir wollen ja nicht auf jedem Album gleich klingen. Soll Noise Rock populärer werden, oder hättet ihr Angst davor? flo: Keine Angst. Wenn Teenager wieder diese Musik hören, wären wir begeistert. Kein Problem damit, Mainstream zu werden? flo: Wir hätten eigentlich überhaupt kein Problem damit, auf einem Riesen-Festival der fetteste Headliner zu sein, danach alle T-Shirts und Platten zu verkaufen, jedem eine Unterschrift zu geben, und jeder kriegt drei Männer oder drei Frauen ab. rudi: Wir machen Musik, die Zwölf jährige dazu auffordert, selbst eine Gitarre oder Sticks in die Hand zu nehmen und eine Band zu gründen. Deshalb würde es mich freuen, wenn die punkigen NoiseRock-Bands fett werden, die diese Energie und den Spirit rüberbringen. Also: Live fast, die young? rudi: Ich glaub, dass es die Leute, die den Rock ’n’ Roll-Lifestyle eh schon leben, in die Musik zieht. Ich würde nicht sagen, dass wir erst durch die Band begonnen haben, exzessiv zu leben. Die Band ist eine gute Ausrede, diesen Lebensstil konsequent weiterzuführen, auch wenn man älter wird. Letzte Frage: Festival oder Einzel konzert? katie: Beides super. Aber bei Festivals erreicht man auch Menschen, die vielleicht nicht auf ein Konzert kommen würden. Das ist ein großes Plus. wolfgang: Von mir aus könnten wir nur auf Festivals spielen. www.sexjams.net the red bulletin
Bild: Johannes Staudenbauer
(4) SEX JAMS
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„ Mich interessiert: gut und böse, lügen und lieben.“
Toulouse, Madrid, Barcelona. Drei Konzerte in drei Tagen. Für Heaven’s Basement ist das Alltag. Im April war die britische Band zusammen mit Black Veil Brides auf Europatour – und wir waren mit im Bus. Ein Reise tagebuch im Zeichen des Rock ’n’ Roll. Text: Florian Obkircher bilder: Jane Stockdale
Vo m K e l l e r
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On Tour
z u m Ru h m
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Heaven’s Basement sind vier Typen mit einem Traum: den Hardrock-Olymp zu erobern. Und Sid Glover (Gitarre), Chris Rivers (Schlagzeug), Rob Ellershaw (Bass) und Aaron Buchanan (Gesang) sind auf dem besten Weg dorthin: Mit dem Debütalbum „Filthy Empire“ kletterte das Quartett im Februar in die Top 10 der BBC-Rock-Charts und erntete Lorbeeren von Magazinen wie „Kerrang!“. Mit Helden wie Bon Jovi, Deftones und Papa Roach teilte sich die junge Band Bühnen und Schweißtücher. Liveshows sind für Heaven’s Basement die Essenz des Rock ’n’ Roll, der Grund, jeden Morgen aufzustehen. Chris meint: „Wir spielen jeden Gig, als wäre es unser erster. Voller Leidenschaft und Hingabe. Wenn du deine Gitarre zertrümmerst, dann zerdrisch sie ordentlich. Wenn du ins Publikum springst, dann schmeiß dich voll rein. Halbherzigkeit auf der Bühne geht gar nicht.“
Tag Eins (Toulouse) Die enge Straße vor dem Club La Dynamo ist blockiert. Autofahrer hupen und winken die Scharen von uniform schwarz gekleideten Teenagern aus dem Weg. Doch denen ist das herzlich egal. Gegenseitig ziehen sie sich das im starken Regen verronnene Make-up nach und bemalen überdimensionale Kartonschilder mit riesigen Herzen. Im Chor über tönen sie die Songs, die aus ihren Mobiltelefonen dröhnen. Premiere des neuen „Twilight“-Films? Nein. Es sind die Songs von Black Veil Brides, die die Teenager singen. Wo auch immer die amerikanische EmoBand dieser Tage auftaucht, verursacht sie – und im Speziellen ihr 22-jähriger Sänger Andy Biersack, der aussieht wie der junge Marilyn Manson – eine kleine Beatlemania. Kein leichtes Spiel für Heaven’s Basement. Seit gestern ist die junge britische Rockband mit Black Veil Brides auf Europatour. Und schon beim ersten Gig in Paris wird klar: Die Hallen sind ausverkauft – allerdings nicht ihretwegen. Die Vorband muss sich Respekt und Anerkennung in jeder Stadt aufs Neue erspielen. Sänger Aaron und seine Jungs aber lieben 72
diese Herausforderung. „Wir machen Black Veil Brides sicher nicht den braven Aufwärmer, wir wollen die Jungs fordern – und bei unseren Konzerten alles geben“, sagt er kurz vor dem Gig im Backstageraum. Im Hintergrund machen seine Bandkollegen gerade Aufwärmtraining. „Eins, zwei, drei, vier! Das geht noch besser!“, feuert Bassist Rob seinen Kollegen Chris an, den schlaksigen Schlagzeuger der Band. Wie ein wilder Stier drischt er in die Boxpratzen seines Gegenübers. „Auf Tour sitzt du dauernd im Bus und hast selten Zeit und Platz für Workout“, sagt Chris verschwitzt. Wer Heaven’s Basement wenig später auf der Bühne sieht, fragt sich allerdings, ob die Band diese Aufwärmrunde überhaupt nötig hat.
Meist übersehene Seiten des Tourlebens: warten, so wie Rob neben dem Tourbus (oben). Equipment zum Club schleppen in Madrid (rechts). Doch kein Problem für die Band, solange es auf der Bühne richtig zur Sache geht (rechts oben). the red bulletin
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„ich könnte es mir nicht verzeihen, nicht alles zu geben.“
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Credit:
Nach dem Gig ist vor dem Gig. Deshalb ist es wichtig, sich fit zu halten. Zum Beispiel mit Boxtraining im Backstageraum. Oder mit Boxenschleppen. Dafür darf man sich, wie Sid, dann auch ein Bier nach der Show gönnen. Oder auch zwei. Der grinsende Hühnerflügel mit Cowboyhut (oben links) ziert übrigens den Unterarm des Band-Roadies.
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„ eislutscher. für den kater gibt’s nichts besseres. Grazie.“ „How the fuck are you doing, Toulouse?“, begrüßt Aaron die jubelnde Menge. Die Hi-Hat zählt ein. Boom! Wie ein Ferrari startet das Quartett seine Show – von null auf hundert in fünf Sekunden. Gitarrist Sid kniet wie sein Idol Slash auf der Bühne – die langen Haare vorm Gesicht – und würgt sein Spielgerät. Chris schlägt in die Becken. Beim letzten Song köpfelt Sänger Aaron gar von der Bühne ins Publikum und gleitet auf den Händen der Fans durch den Raum. Sid balanciert die Gitarre auf einer Hand, Chris pfeffert die Sticks in die Menge. Verbeugung. Jubel. Abgang. Der Gig hat eingeschlagen. Das zeigt sich nach dem Konzert, als sich die Jungs den Besuchern stellen. Der Merchandise-Stand ist umzingelt. Im Sekundentakt posiert die Band für Fotos. CDs und Plakate werden unterschrieben, bis jeder neu gewonnene Fan sein Autogramm bekommen hat. Im Backstageraum werden sie von den Kollegen von Black Veil Brides mit einer Flasche Whiskey erwartet. Deren Plan: ein Besuch im nahen Strip-Club. Heaven’s Basement blicken hoffnungsvoll Richtung Manager. Der schüttelt entschieden den Kopf: „Jungs, der Tourbus fährt um Punkt 23 Uhr ab. Keine Aus reden!“ Die Band spurt – und gibt sich auf der Nachtfahrt nach Madrid mit „FIFA 13“ auf der PlayStation und einigen Betthupferl-Bieren zufrieden.
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Tag Zwei (Madrid) Der Bus von Heaven’s Basement ist dreigeteilt. Vorne ist die Party-Zone, wo der Alkohol und die Computerspiele lagern, hinten gibt’s die Film-Lounge mit großem Fernseher. Dazwischen liegen die Schlafkojen. Enge Stockbetten, die einen Ausblick darauf geben, wie sich die ewige Ruhe im Sarg anfühlt. Und Erinnerungen an die Schullandwoche wecken. Will heißen: Die Alkoholausdünstungen am Morgen sind abenteuer lich. Übertüncht wird der Geruch nur kurz, wenn der Kojennachbar aus dem Schlafsack kriecht und sich mit Deodorant auffrischt. Gegen elf Uhr ist die ganze Band schließlich startklar. Der Bus parkt in einer trostlosen Tiefgarage. Die Überraschung ist groß, als die Jungs durch den Ausgang gehen – und sich auf einem weißen Marmorplatz vor dem Königlichen Palast wiederfinden. Die spanische Sonne blendet. Erste Hilfsmaßnahme: Sonnenbrillen auf, Kopfwehtabletten runterschlucken. Hinter dem Straßenmusiker, der auf seiner Trompete Céline Dions „My Heart Will Go On“ schmachtet, finden sie ein Café. Sids Wahl: Eislutscher. „Es ist sauheiß, meine Kehle ist trocken und für den Kater gibt’s nichts besseres“, erklärt der Gitarrist. „Grazie“, sagt er höflich zur Kellnerin – und erntet Gelächter bei seinen Bandkollegen. „Nach Monaten auf Tour kann’s dir schon mal passieren, dass du die Sprachen durcheinanderbringst.“ Sänger Aaron genehmigt sich Tee. Zum Wohl seiner Stimme. Die will nämlich schon seit letzter Woche nicht so richtig. Auch eine Folge des langen – und nicht immer gesunden – Tourlebens, sagt er. In Toronto vor zwei Wochen war es ganz schlimm. Da the red bulletin
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Auf der Bühne machen Heaven’s Basement keine Gefangenen. Die Briten spielen an die 300 Konzerte pro Jahr. „Die Band ist mein Leben“, sagt Sänger Aaron. „Das Lob des Publikums ist die Belohnung.“
musste er sogar zum Arzt. Der meinte, er solle den Gig am Abend sausen lassen. Aaron spielte ihn trotz dem – halb krank. Ein Opfer für seine Bandkollegen. Rock ’n’ Roll ist eben Teamsport. Die unerfreuliche Nachricht trifft die Band gleich nach dem Frühstück: Das Equipment muss zur 15 Geh minuten entfernten Konzerthalle geschleppt werden. Weil’s neben der Konzerthalle nicht genug Platz für den riesigen Bandbus gibt. Schlagzeugtrommeln werden auf die Schultern geschnallt, mannsgroße Verstärkerboxen auf Trolleys verladen. Die Touristen in der Madrider Innenstadt staunen nicht schlecht, als vier Typen in Lederjacken und zerrissenen Jeans an ihnen vorbeikeuchen. „Toll, in einer Band zu sein, oder?“, fragt Rob grinsend und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Bei der Konzerthalle ein ähn liches Bild wie tags zuvor: schwarz gekleidete Teen ager in Scharen, ausgerüstet mit Plakaten, CDs und Stiften. Als sie Heaven’s Basement erspähen, stürzen sie sich mit ihren Handys auf sie. Hallo, Arm um die Schulter, Lächeln, knips, der Nächste. Pro Band mitglied gefühlte fünfzig Mal in Folge. Aaron ist über rascht: „Viele von denen kennen uns von unserem letzten Madrid-Konzert im Herbst.“ Fühlt sich das denn schon ein wenig wie Startum an? „Würde ich so nicht sagen“, meint er mit etwas Pathos in der Stimme. „Diese ganzen Castingshows haben das Wort Startum kaputt gemacht. Schneller Ruhm bringt nichts. Die Band ist mein Leben. Ich könnte es mir nicht ver zeihen, auf der Bühne nicht alles zu geben. Das Lob des Publikums ist die Belohnung.“ Beim Soundcheck erfährt die Band, dass der nächtliche Abstecher von Black Veil Brides nicht ganz so ruhmreich war: Statt zum Strip-Club chauffierte der Taxifahrer die Band zum örtlichen Bordell. Nach dem der Irrtum aufflog – die Damen wollten schon beim Eintritt 2000 Euro –, fuhren sie enttäuscht zu rück ins Hotel. Gelächter bei Heaven’s Basement. In der Backstage-Dusche hat Aaron eine Wasser kanone gefunden – und mit der eröffnet er den Gig. Wasserfontänen schießt er ins Publikum. Eine Show einlage, mit der er das Publikum sofort gewinnt. Beim Song „I Am Electric“ rastet das Publikum voll ends aus, bei „Fire, Fire“ singt der ganze Saal mit. Wenn sich Aaron dem Bühnenrand nähert, kreischen die Mädchen und strecken ihm die Arme entgegen. Kollektives Headbanging bis in die fünfte Reihe. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Gitarrist Sid nach der Show benommen im Backstageraum. „Das war vielleicht unser bester Gig überhaupt.“ Chris checkt derweil schon die Facebook-Seite, die ersten Kommentare zum Konzert sind schon online, Antworten sind gefragt. Kürzlich postete die Band: „Wenn dieser Eintrag 2000 Likes bekommt, lässt sich unser Roadie einen grinsenden Hühnerflügel mit Cowboyhut tätowieren.“ Der Beweis für die Popularität der Band ziert heute seinen Arm, den der
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„Mein eigenes Bett vermisse ich nicht. Zu Hause vermisse ich es, in einem spanischen CafĂŠ zu sitzen.“
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Auf Tour gewöhnt man sich an vieles: an die wartenden Fans am Hinterausgang, mit denen Chris geduldig Fotos schießt, genauso wie an enge Stockbetten im Tourbus, gegen die Jugendherbergen sich wie Luxus ausnehmen.
Roadie stolz grinsend präsentiert. Als die Band das Equipment zum Bus schleppt, wird sie am Hinter eingang mit tosendem Applaus begrüßt. Von den Black-Veil-Brides-Fans.
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Tag Drei (Barcelona) Es ist neun Uhr morgens. Während alle anderen noch pennen, sitzt Aaron im eleganten Morgenmantel am Tisch und spielt Schach auf seinem iPad. Im Gegen satz zu seinen Bandkollegen trinkt er nicht – und legt sich nach den Gigs meist sofort schlafen. Um seine Stimme zu schonen. Zum Teil fühle es sich an, als würde er im Tourbus ein Parallelleben führen. Die Realität holt ihn nur dann ein, wenn seine Bandkolle gen um vier Uhr früh auf der Akustikgitarre lautstark Oasis-Coverversionen anstimmen. Trotzdem ist der Gegensatz zwischen seiner Abstinenz und den Chef rockereinlagen von Sid für die Bandchemie wichtig. „Auf der Bühne entlädt sich diese Reibung in pure Energie“, sagt Aaron. Manager Alex ist über den gesunden Lebenswandel des Sängers jedenfalls glück lich. Vor ein paar Jahren war er mit der britischen Band Primal Scream auf Tour: „Deren Sänger muss ten wir jeden Abend auf die Bühne tragen, da ist das Arbeiten mit Aaron schon angenehmer.“ Eine Stunde später blickt Chris verschlafen aus seiner Koje und erkundigt sich nach der Duschsitua tion. Der Bus parkt auf einem trostlosen Parkplatz im Industrieviertel von Barcelona: Trucks, verlassene the red bulletin
Wohnwägen, anonyme Plattenbauten. Fünf Minuten entfernt soll’s eine Duschkabine geben, sagt der Bus fahrer. Während Chris in seiner Sporttasche nach einer letzten sauberen Unterhose kramt, machen sich die Bandkollegen auf zum Frühstück. In einer TapasBar bestellt Sid eine Tortilla und genießt den Sonnen schein sichtlich. „Und genau deshalb liebe ich das Tourleben so“, sagt er. „Ich vermisse mein eigenes Bett nicht. Es ist genau umgekehrt. Wenn ich zu Hause in England bin, vermisse ich es, in einem spanischen Café zu sitzen und Omelette zu frühstücken.“ Auf dem Weg zum Konzert in der Sala City Hall in der Innenstadt hört Sid Musik. AC/DC auf voller Lautstärke in den Kopfhörern. „AC/DC bringen mich in Konzertstimmung. Nach einigen Songs bist du elektrisiert. Yeah, let’s do it!“ Rob blättert derweil in einem spanischen Musikmagazin namens „Rock Zone“. Nicht dass er ein Wort verstünde, aber dem aktuellen Album von Heaven’s Basement wurde dar in eine Seite gewidmet. „73 Punkte von hundert“, sagt er. „Nicht schlecht, oder?“ Kurz vor dem Konzert steht noch ein Fotoshoot an. Dreckiges Grinsen, Rock-Gesten – die Jungs posieren wie Profis in der kleinen Gartenlaube des Clubs. Als Chris ein Teufelshorn gen Himmel streckt, lugen seine Union-Jack-Boxershorts über den Gürtel seiner Jeans. „Trägst du die heute bei der Show?“ fragt Sid. „Ich trage live nie Unterhosen“, sagt Chris grinsend. „Bringt nichts, die sind sofort verschwitzt. Außerdem mag ich’s gern, wenn’s frei hängt.“ Von dieser Anek dote erheitert, erzählt Sid auf dem Weg zur Bühne von Gladiatoren im alten Rom, die ihren Schweiß vor ihrem Tod angeblich in Tücher wischten und betag ten Damen als Aphrodisiakum gaben. Wenn die Geschichte stimmt, wäre das wohl ein lohnendes Geschäft für die Band. Schon nach dem dritten Song haben sich Sid und Chris ihrer T-Shirts entledigt. Es ist heiß. Unglaublich heiß. Doch Heaven’s Basement lassen sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Die brennende Luft scheint die Band noch mehr anzuspornen. Chris drischt so hart in die Drums, dass bei einem Song der Hebel an der SnareDrum bricht. Zum Glück genau vor dem ruhigen Teil eines Songs. Der Moment erinnert an einen Reifen wechsel in der Formel 1. Gefühlte zwanzig Sekunden bis zum Refrain: Der Roadie rennt mit der neuen Trommel zum Schlagzeug, fiebrig wird die Schraube gelöst und die Snare fixiert. Der Refrain kommt näher, die Gitarren werden lauter. Eins, zwei, drei … Snare sitzt! Wusch! Gig gerettet. Nach dem Konzert lachen die Jungs über den Vorfall. Chris meint: „Das war echt knapp! Hätten wir drei Sekunden länger gebraucht, ich hätte den Einstieg verpasst.“ Dann winkt Manager Alex schon von der Seite. Heute geht’s besonders früh weiter, morgen muss der Tourbus in Zürich sein. Das heißt: 800 Kilometer über Nacht. Dort hat die Band dann den ersten – und einzigen – freien Tag auf dieser Tour. Was haben die Jungs vor? Etwas chillen am Zürcher See? „Eher nicht, vielleicht ergibt sich ja noch spontan ein Zusatz-Gig“, sagt Sid und steigt in den Tourbus. Nächster Halt: 14. 6., Nova Rock (A); 14. 7., Bochum Total (D); 26. 7., Eier mit Speck (Viersen, D); 2. 8., Wacken (D)
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„ die Musik ist nur neben sache“ Zwei Festivalmacher im Gespräch: wie sie die Stars von morgen erkennen, wie hoch das Geschäftsrisiko ist und warum Dampf wichtiger ist als Koks. Interview: Boro petric und Holger Potye
Es muss natürlich die Bar im Dachgeschoß sein. Blick über Wiens Innenstadt. Perfekte Mischung aus jugendlich und schick. Und länger als rund um die Uhr geöffnet. 25 Hours Hotel, wir bitten zwei der umtriebigsten Festivalmanager Österreichs zum Gespräch. Thomas Heher, selbst Ex-Musiker, veranstaltet seit zwei Jahren das Waves, ein feines Clubfestival auf kleinen Wiener Stages mit Konferenz-Schiene. Thomas Zsifkovits, erfolgreicher Wirtschafts studium-Abbrecher, macht es ein paar Nummern größer. Mit seinen fünf Partnern bei Skalar Entertainment stellt er alljährlich die größten Festivals Österreichs auf einsame Wiesen: Nova Rock, Frequency, Two Days A Week heißen nur drei davon. red bulletin: Was ist das Wichtigste in eurem Job? thomas heher: Risikobereitschaft – und enormes Interesse an Musik. (Heher war 2012 mehr als 84 Tage auf Festivals auf der ganzen Welt unterwegs – von Texas bis Tel Aviv.) Du musst dich rund um die Uhr mit Musik auseinandersetzen, sonst bekommst du nie das Gespür, was funktionieren könnte und was nicht. Ich war selbst Musi ker – wobei manche das Gegenteil behaup ten. Man braucht natürlich auch unter nehmerisches Verständnis, denn letzten Endes ist es ein Business wie jedes andere. 80
thomas zsifkovits: Auf jeden Fall ist es wichtig, nicht zu koksen – das hält den Verstand klar. Dann kann man rationale Entscheidungen treffen, die einfach wich tig sind. Ich habe schon Leute erlebt, die mit uns zusammengearbeitet haben, die nicht klar waren. Nicht gut. Bei uns ist es angenehm, dass alle klar sind – und auch schon ein bisschen älter. Ja, die Location ist echt gut gewählt. Und tontechnisch ein Desaster. Klar, hier gibt es einen DJ, der unser Treffen an der Bar mit dröhnendem Soundtrack unterlegt. Thomas und Thomas erhöhen die Laut stärke ihrer Antworten. Sie können das. Die Suche nach der perfekten Location für die perfekten Gäste – nach dieser Aufgabenstellung sind bei Festivalmanagern Gehirnregionen benannt. Entscheidet das Feeling oder kühle Kalkulation? Thomas Zsifkovits etwa übersiedelte vor vier Jahren mit dem
„ Wir müssen uns bei der GröSSen ordnung der Acts intelligent zurückhalten.“ (Heher)
Frequency von Salzburg nach St. Pölten. Und er machte das Grenznest Nickelsdorf zur Heimat des Nova Rock. zsifkovits: Nickelsdorf kannte man vor dem Fall des Eisernen Vorhangs nur aus dem Verkehrsfunk. Das Dorf an der unga rischen Grenze, wo es immer beinharte Kontrollen und kilometerlange Staus gab. Eigentlich eine traurige Geschichte. Heute ist es eine der Rockhauptstädte Europas. Wir mussten die Leute dort auch nicht lange überzeugen, dass das Festival ein großer Gewinn für sie ist, ein finanzi eller durch Steuereinnahmen, aber natür lich auch ein Imagegewinn. heher: Bei uns geht es ja nicht nur dar um, die richtige Location zu finden, son dern auch den passenden Act und damit schließlich auch das richtige Publikum. Beim Waves haben wir aufgrund der Grö ße der Club-Bühnen gar nicht die Mög lichkeit, große Acts, die die Wiener Stadt halle ausverkaufen würden, zu buchen. Wenn höchstens 800 bis 1000 Leute in eine Venue hineinpassen, wären ja alle, die nicht reinkommen, ziemlich angepisst auf uns. Es wäre sinnlos, Acts wie PJ Har vey ins Flex zu stellen. Alle Leute würden sich wegen PJ Harvey ein Ticket kaufen. Doch wir haben ja einen Festivalpass, mit dem man in alle Locations hineinkommt. Dann würden sich also 5000 Leute Tickets kaufen, alle gehen dann gleichzeitig zu PJ Harvey, und 4200 stehen vor der Tür und wollen ihr Geld zurück. Deshalb müssen wir uns bei der Größenordnung der Acts intelligent zurückhalten. Ist das nicht die große Kunst eines Festivalmanagers, nicht nur die großen Stars zu bekommen, sondern auch die kommenden Stars? heher: Ja, deshalb arbeiten wir auch mit der Subline „Das Entdeckerfestival“. Wir machen ja viele Reisen zu anderen Show case-Festivals – wenn wir dort kleine Geschichten sehen, die wir interessant finden, und uns vorstellen können, dass die in Zukunft ein größeres Publikum an ziehen, buchen wir die. Die Leute sehen diese Bands bei uns noch im kleinen Rah men, zwei Jahre später touren die aber durch die großen Hallen Europas. Festivals sind dann auch so etwas wie Verkaufsshows für Bands? heher: Ja, so blöd es auch klingt. Aber sie sind in Wahrheit ein Marktplatz. Und Waves ist eigentlich genau so etwas. Acts, die am aufsteigenden Ast sind, präsentie ren sich einem Fachpublikum – das sind Booker von anderen Festivals, Leute von Labels, die Besucher der Waves-Konferenz – und natürlich dem normalen Publikum, das bei uns aber auch ein sehr ausgepräg tes Musikverständnis hat. the red bulletin
Bild: Hans Hochstöger
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„Am ersten Tag vernichtest du dich. Das scheint sehr wichtig für junge Leute.“ (Zsifkovits)
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„man weiSS, wenn der oder die das gut findet, dann ist das interessant.“ (Heher)
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Bilder: Hans Hochstöger
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Bei dir geht es aber eher um die Jagd nach den Superstars? zsifkovits: Nicht ausschließlich! Ein Festival besteht nicht nur aus dem Hauptact. Das geht ja zumeist schon zu Mittag los – mit drei Bühnen manchmal. Und da spielen auch Acts, die erst im Kommen sind. Mumford & Sons etwa haben vor vier Jahren beim Frequency um 15 Uhr gespielt. Meine Kollegen und ich sind also auch bei den kleinen Festivals, wir schauen uns natürlich die Newcomer an. Früher war es leichter, da gab es die Plattenfirma als klassischen Gatekeeper. Durch den Plattenverkauf wusste man gleich, welche der neuen Talente Publikum anzogen. Heute kaufen die Leute keine Musik mehr, weil online offenbar alles gratis ist und die Leute die Werke zwar super finden, sich toll darüber unterhalten können und sich selbst feiern, welche tolle IndieBand sie da nicht mit ein paar Euro unterstützen. Im Gegensatz dazu finden sie nichts dabei, wenn sie die Musik anderer einfach klauen. Die denken dann, sie sponsern die Musikszene doch eh mit zehn Euro über Spotify. Jetzt gibt es mehrere Gatekeeper, die man als Festivalveranstalter im Blick haben muss. Etwa die kleinen Festivals wie das von Thomas, aber auch die vielen interessanten Musikblogs. heher: Manchmal ist es aber auch ganz einfach so: Man bekommt von bestimmten Leuten eine Empfehlung, und man weiß, wenn der oder die das gut findet, dann ist das interessant. Früher wurden Platten gekauft, heute geben die Konsumenten ihr Geld für Konzertkarten aus. Seit einigen Jahren schon wird auf Musikveranstaltungen in Europa mehr Geld umgesetzt als im Tonträgervertrieb. Der Dämpfer, den die Finanzkrise nach 2008 der gesamten Branche verpasst hat, ist mehr als überwunden: Im Jahr 2011 machten die deutschen Musikveranstalter 3,9 Milliarden Euro Umsatz – ein Rekordwert. 33 Millionen Besucher zählten Konzerte aller Art in diesem Jahr in Deutschland. Welche Musikrichtungen in den letzten Jahren am meisten bei Ticketverkäufen zugelegt haben? Klassik und Metal. Blicken wir auf diese Zahlen, könnte man meinen, ihr badet im Geld. zsifkovits: Nur weil ich ein Festival mache, heißt das nicht, dass ich automatisch große Einnahmen habe. Man darf die enormen Kosten nicht vergessen. Wir bauen ja dort quasi eine Kleinstadt auf für ein Wochenende. Man kann mit einem Festival auch sehr viel Geld verlieren. Das Wetter wird immer unvorhersehbarer, man trägt massive Risiken. the red bulletin
heher: Bereits beim Booking gibt es Risiken. Man bucht die Acts bis zu einem Jahr vor dem Festival – das Interesse des Publikums und der Medien verändert sich vielleicht in der Zwischenzeit. Ausladen aber kann man niemanden mehr, wenn der Vertrag schon unterschrieben ist. Wenn das Programm steht, dann steht es. Man muss also sehr lange im Voraus antizipieren, wen die Leute sehen wollen. zsifkovits: Ein Festival muss aber auch nicht völlig ausverkauft sein. Wir planen ja nicht so, dass unbedingt alle Tickets wegmüssen. Das Frequency 2012 war nicht ganz ausverkauft, und es war trotzdem ein großer Erfolg. Selbst wenn nicht jedes einzelne Festival restlos ausverkauft ist, der Boom der letzten fünfzehn Jahre ist unübersehbar. Woher kommt dieser Trend? heher: Durch die fehlenden CD-Verkäufe – dadurch haben die Bands den Bedarf, viel mehr live zu spielen. Es ist ja nicht so, dass die Leute weniger Geld für Musik ausgeben. Im Gegenteil, die Leute geben sogar mehr aus – aber nicht für CDs, sondern für Konzerte und Clubshows. Dadurch ist der ganze Markt gewachsen. zsifkovits: Es geht um diesen Jahr-
„ Am dritten Tag sehen alle aus, als wären sie durch die Wüste geritten. Aber man hat was erlebt.“ (Zsifkovits)
markt-Effekt. Wir leben in einer knüppelharten Zeit, in der die Jugendlichen zwar alle Freiheiten haben: Sex mit zwölf, Koks mit sechzehn, alles wird freizügiger. Aber auf der anderen Seite stehen sie unter einem enormen Druck durch die Gesellschaft: Du sollst eine gescheite Ausbildung machen, du brauchst einen ordentlichen Job, einen Partner, der nach was ausschaut, eine schöne Wohnung. Und im Sommer lässt man halt an einem Wochenende Dampf ab: Am ersten Tag vernichtest du dich, liegst in deinem Zelt im Koma. Am zweiten Tag siehst du kaum durch deine eigenen Augen und gehst vielleicht am Abend irgendwann einmal vor eine Bühne. Am dritten Tag sehen alle aus, als wären sie durch die Wüste geritten. Man ist erschöpft, hat aber etwas erlebt, was nicht tägliche Routine ist. Ich glaube, dass das sehr, sehr wichtig für die jungen Leute ist. Auf die Musik kommt es nur peripher an. Was war euer persönlicher Festival- Moment der letzten Jahre? zsifkovits: Vor zwei Jahren: Korn. Ein Jahrzehnt hatte ich mir die nicht mehr angehört, weil mir völlig unbedeutend vorkam, was die mittlerweile machten. Und plötzlich explodiert diese Band auf der Bühne, und zwischen allen bricht eine solche Spielfreude aus, dass man sich denkt: „Wahnsinn, unglaublich!“ Das sind wunderschöne Momente, die auch das Publikum mitkriegt und feiert. heher: Waves 2012: Kavinsky, der durch den „Drive“-Soundtrack zu ziemlicher Bekanntheit gelangt ist, war picky in allem Möglichen – wie’s für französische Acts übrigens nicht unüblich ist. Er hat sein Hotelzimmer nicht bezogen, weil es ihm nicht gefallen hat, und ist einfach in ein Fünf-Sterne-Hotel übersiedelt. Dann wollte er nur die Hälfte der vereinbarten Zeit auftreten. Als er dann im Club war, hat es ihm so getaugt, dass er die doppelte Zeit auf der Bühne verbracht, sein teures Hotel zur Gänze selbst bezahlt und auf dem Weg zum Flughafen eine SMS geschickt hat, wie total geil er alles fand. Ein kleiner Zukunftstraum? zsifkovits: Früher war es so, dass ich alles selbst gemacht habe: plakatieren, Band buchen, Ton-, Lichtanlage, Security. Ich war Auf- und Abbauhelfer und nach dem Konzert so fertig, dass ich zwei Wochen brauchte, um mich wieder zu erholen. Das vermisse ich ab und zu. Und hier die Hauptsache: 14.– 16. 6.: Nova Rock, novarock.at; 15.– 17. 8.: Frequency, frequency.at; 30.– 31. 8: two days a Week, wiesenfestivals.at/two_days_a_week; 3.– 6. 10.: Waves, wavesvienna.at
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Programm
Da musst du sein. Und du bist sicher nicht allein. illus: mandy Fischer
DEUTSCHLAND 7.–9. Juni Rock am Ring Nürburgring (RP)
Rock im Park
Nürnberg (BY) € 169,50 (inkl. Campen) www.rock-am-ring.com www.rock-im-park.com — Thirty Seconds to Mars, Volbeat, The Killers, The Prodigy, Green Day, Seeed, Fettes Brot, Sportfreunde Stiller, Casper, Tocotronic, Kraftklub, The Bosshoss, A$AP Rocky, Airbourne, All Time Low, Amon Amarth, Asking Alexandria, A Day To Remember, Bad Religion, Biffy Clyro, Blumentopf, Bosse, Boys Noize, Bring Me The Horizon, Broilers, Bullet, Bullet For My Valentine, Bush, Clutch, Coal Chamber, Cro, Die Orsons, Dizzee Rascal, Ellie Goulding, Escape The Fate, Five Finger Death Punch, Fritz Kalk-brenner, fun., Graveyard, Hacktivist, Hawk Eyes, Hurts, Imagine Dragons, In This Moment, Jake Bugg, Kate Nash, Korn, Leslie Clio, Limp Bizkit, Modestep, Moonbootica, Nekro-goblikon, Palma Violets, Papa Roach, Paramore, Phoenix, Selig, Simple Plan, Stone Sour, The Bloody Beetroots, The Bots, The Ghost Inside, The Wombats
21.–23. Juni Hurricane
Eichenring (NI) Sold out! www.hurricane.de
Red Bull Wristband Red Bull Nachtschicht
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southside
Neuhausen ob Eck (BW) € 155 www.southside.de Red Bull Nachtschicht
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Rammstein, Queens Of The Stone Age, Arctic Monkeys, Deichkind, Portishead, The Smashing Pumpkins, The Hives, Belle & Sebastian, Alt-J, Archive, Arkells, Ben Howard, Billy Talent, Bloc Party, Boysetsfire, Breakbot, British Sea Power, C2C, Callejon, Chase & Status, City And Colour, Converge, Danko Jones, Darwin Deez, The Devil Wears Prada, Editors, Every Time I Die, Fidlar, FM Belfast, Frank Turner & The Sleeping Souls, Frightened Rabbit, Friska Viljor, Frittenbude, Gesaffelstein, Get Well Soon, Gogol Bordello, Graffiti6, Grouplove, Haezer, Hudson Taylor, Irie Révoltés, I Am Kloot, Jimmy Eat World, Johnossi, Karnivool, Kashmir, Kodaline, Kvelertak, Left Boy, Macklemore & Ryan Lewis, Marteria, Masters Of Reality, Max Herre, ME, Mikhael Paskalev, Miles Kane, Modeselektor, Modest Mouse, Netsky, NOFX, Of Monsters And Men, OK Kid, Parkway Drive, Parov Stelar Band, Passenger, Paul Kalkbrenner, Peace, Prinz Pi, Ron Pope, SDP, Shout Out Louds, Sigur Rós, Ska-P, Skaters, Steven Wilson, Swim Deep, Tame Impala, Tegan And Sara, The Bouncing Souls, The Family Rain, The Gaslight Anthem, The Kyteman Orchestra, The Maccabees, The National, The Stanfields, The Vaccines, Triggerfinger, Turbostaat, Two Door Cinema Club, Tyler, The Creator, Who Killed Frank?
27.–30. Juni Fusion festival
Flugplatz Rechlin-Lärz (MV) Sold out! www.fusion-festival.de — Babylon Circus, Firewater, Otto von Schirach, Pupkulies & Rebecca, Rampue, Robert Babicz, Slime, Ticon,
Andhim, Baby Dee, Clara Moto, Dead Western, Denis Jones, Dense & Pika, Die Art, Dödelhaie, Frankie Cosmos, Früchte des Zorns, Glimpse, Ikonika, Joney, Laughing Buddha, Marcel Freigeist, Monkey Maffia, Monkey Safari, Nico Stojan, Orange, Petula, Rainer von Vielen, Rone, Ruby My Dear, Scarecrow, Silicone Soul, Skinnerbox, Spitzer, Taragana Pyjarama, Thugfucker, Yes Sir Boss
5.–7. Juli Reload Festival
Sulingen (NI) € 82,50 www.reload-festival.de — Motörhead, Hatebreed, Papa Roach, At The Gates, Donots, Sick Of It All, Caliban, Skindred, Terror, Betontod, Between The Buried And Me, Crushing Caspar, Dampfmaschine, Dimple Minds, Emil Bulls, Eskimo Callboy, Gasmac Gilmore, Hacktivist, Iwrestledabearonce, Marathonmann, Massendefekt, Pascow, Red Fang, Spitfire, Vanna3
12.–14. Juli Splash!
Ferropolis (ST) € 108,90 (plus 10 € fürs Splash!Spezial am 11. Juli) www.splash-festival.de — KRS One, A$AP Rocky, Kendrick Lamar, Angel Haze, A Tribe Called Quest, Casper, Dendemann, Die Orsons, John Legend, Marteria, Thunderbird Gerard, 257ers, Action Bronson, Bass ’Em (DJ Special K & DJ Shusta), Betty Ford Boys, Blumentopf, Chakuza, Chefket, Damion Davis, DCVDNS, Die Sichtexoten, DJ MAD, DJ Stickle & Steddy, Dope
18.–21. Juli Deichbrand
Cuxhaven (NI) € 99 www.deichbrand.de — Die Toten Hosen, In Flames, Sportfreunde Stiller, Bush, Kraftklub, Casper, Broilers, Madsen, Tocotronic, Royal Republic, Anti-Flag, Jennifer Rostock, Adept, Ahzumjot, Anchors & Hearts, Anna F., Atari Teenage Riot, Benzin, Blumentopf, Bosse, Captain Capa, Comeback Kid, D-A-D, Das Pack, Die Orsons, Disco Ensemble, Dope D.O.D., Drunken Masters, Dumme Jungs, Eljot Quent, Emil Bulls, Foreign Beggars, Fra Diavolo aka. Totze & Teute, Frida Gold, Frittenbude, Funeral For A Friend, Großstadtgeflüster, H-Blockx, Illbilly Hightec, Itchy Poopzkid, Johannes Örding, Kellerkommando, Kill Paris, Letzte Instanz, Lexy & K-Paul, Le Fly, List, Luis und Laserpower, Man The Machetes, Mega! Mega!, Mrs. Greenbird, Peer Kusiv, Rabaukendisko, Rau, Slime, T.F.H.O., The Sorrow, The T.C.H.I.K., Tonbandgerät, Trümmer, Westbam, We Are The Ocean, When Sky Falls Down, Wohnraumhelden, Young Rival, Your Demise
19.–21. Juli Melt!
Ferropolis (ST) € 119 www.meltfestival.de — Atoms for Peace, Alt-J, Kettcar, The Knife, James Blake, Daughter, Digitalism, Disclosure, DJ Koze, Modeselektor & Apparat, Owen Pallett, Amon Tobin, Andhim, Archive, Art Department, Austra, Azealia Banks, Bambounou, Barnt, Ben Klock, Catz ’N Dogz, Chopstick & Johnjon, Christian Löffler, Chvrches, Crystal Fighters, Damian Lazarus, Daniel Bortz, Dan Deacon, Diamond Version, Django Django, Eats Everything, Ellen Allien, Everything Everything, Fantastic Mr. Fox, Flying Lotus, Friends, James Holden, Jamie Jones, Jets, Joy Orbison, Julio Bashmore, Karenn, Kid Simius, King Krule, M.A.N.D.Y., Marcel Dettmann, Metro Area, Miss Kittin, Mount the red bulletin
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der festival Fahrplan
D.O.D., Edgar Wasser, Eskei83, Evian Christ, Ferris MC feat. DJ Stylewarz, Flume, Genetikk, Gerard, Herr Sorge, Hiob feat. Morlockk Dilemma, Iggy Azalea, Kellerkommando, Lance Butters, MachOne, Macklemore & Ryan Lewis, Marteria, Megaloh, Montez & Kaynbock, Muso, Nate57 & Telly Tellz, OK Kid, Phlatline & Friends, Retrogott & Hulk Hodn, Rockstah, Roger Rekless’ Freestyle Experience, Ronny Trettmann, SAM, Sepalot, Sorgenkinder Soundsystem, The Gaslamp Killer, Underachievers
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the red bulletin
Die Musik schienen
Credit:
hör zu!
Programm
Vom Nürburgring bis an die Reeperbahn: So verkabelst du Deutschland.
WACKEN CUXHAVEN
BIER HAMBURG LÄRZ EICHENRING
YEAH!
SULINGEN BERLIN KREISCH!
GROSSPÖSNA
GEIL
SAALBURGEBERSDORF
NÜRBURG
ROTHENNÜRNBERG BURG OB DER TAUBER DINKELSBÜHL
PÜTT- VÖLKLINGEN LINGEN
STUTTGART
NEUHAUSEN OB ECK
Kimbie, MS MR, Mykki Blanco, Oliver Koletzki, Otto von Schirach, Pool, PTTRNS, Purity Ring, Rhye, Roosevelt, Schwarzmann, Scuba, Shields, Sinkane, Smash TV, Solomun, Soulwax, Swim Deep, The 1975, Till von Sein, Todd Terje & Lindstrøm, Trentemøller, Trickski, Trümmer, Wankelmut, Woodkid, Zebra Katz
Stuttgart (BW) € 129 www.hiphopopen.de — Wu Tang Clan, Beginner, Marteria, Left Boy, Blumentopf, Action Bronson
86
Hamburg € 14 www.spektrum.ms — Mount Kimbie, Retrogott & Hulk Hodn, 257ers, Megaloh, Edgar Wasser, Pearson Sound, Koreless, Evian Christ, Krampfhaft, Suff Daddy, DJ Adlib
9.–10. August Rocco del Schlacko
HASSELBACH
20. Juli HipHop Open
Kastellaun (RP) € 73,70 www.nature-one.de — Adam Beyer, ATB, Chris Liebing, Len Faki, Markus Schulz, Paul van Dyk, Sander van Doorn, Sven Väth, Umek, Vitalic, Aka Aka feat. Thalstroem, Babor, BMG aka Brachiale Musikgestalter, Brian Sanhaji, Bunte Bummler, Claudia Gawlas, Dandi & Ugo, Danny Avila, DBN, Deniz Koyu, DJ Dag, Dominik Eulberg, Eric Sneo, Felix da Housecat, Felix Kröcher, Kai Tracid, Kerstin Eden, Kraemer & Niereich, Laserkraft 3D, Moguai, Nature One Inc., Oliver Schories, The Advent, Tom Novy, Torsten Kanzler, Tube & Berger, W&W
3. August Spektrum
GRÄFENHAINICHEN
DÜSSELDORF
2.–4. August Nature One
CAUTION
1.–3. August Wacken
BAD ÜBERAIBLING SEE
Wacken (SH) Sold out! www.wacken.com — Alice Cooper, Anthrax, Arch Enemy, Deep Purple, Doro, Motörhead, Nightwish, Rammstein, Sabaton, 9mmARR, Agnostic Front, Alestorm, Alpha Tiger, Amorphis, ASP, As I Lay Dying, Benighted, Black Messiah, Bob Wayne And The Outlaw Carnies, Bullet, Callejon, Candlemass, Chrome Molly, Coppelius, Corvus Corax, Crematory, DevilDriver, Dew-Scented, Dezperadoz, Die Apokalyptischen Reiter,
Die Kassierer, Dunderbeist, Eisbrecher, Eskimo Callboy, Faun, Fear Factory, Fejd, Feuerschwanz, Finsterforst, Grave Digger, Haggard, Hardcore Superstar, Harpyie, Hate, Hellride, Henry Rollins, Ihsahn, Kärbholz, Kryptos, Lamb Of God, Legion Of The Damned, Leprous, Lingua Mortis feat. Rage, Mandowar, Mustach, Nachtblut, Naglfar, Neaera, Null DB, Pampatut, Powerwolf, Pretty Maids, Rabenschrey, Ragnarök, Rebattered, Scott Ian, Soilwork, Sonata Arctica, Stahlmann, Subway To Sally, Thunder, Tristania, Trivium, Ugly Kid Joe, Versengold, Whitechapel
Püttlingen (SL) € 69 (plus € 12 für Camping) www.rocco-del-schlacko.de — Chase & Status, Deichkind, In Flames, Maxïmo Park, Agnostic Front, Alkaline Trio, Blumentopf, Broilers, Caliban, Chuck Ragan, Dendemann, Eskimo Callboy, Flogging Molly, IllBilly HiTec, Labrassbanda, Laing, Madsen, Monsters Of Liedermaching, Pennywise, Prinz Pi, Saalschutz, Triggerfinger, Vista Chino und mehr
9.–11. August Taubertal Festival Rothenburg ob der Tauber (BY) € 99,80 taubertal-festival.de Red Bull Nachtschicht
— Die Ärzte, Deichkind, Biffy Clyro, Skunk Anansie, Editors, Bad Religion, Flogging Molly, Pennywise, Fritten-bude, Alkaline Trio, And You Will Know Us By The Trail Of Dead, Awolnation, Bembers And The Masserfaggers, Bratze, Chase & Status, Chuck Ragan, Clockwork Radio, Dendemann, Django 3000, Großstadtgeflüster, Hoffmaestro, IllBilly HiTec feat. Longfingah, Irie Révoltés, Itchy Poopzkid, Jennifer Rostock, Subway To Sally, Triggerfinger, Turbostaat the red bulletin
Programm
9.–11. August Sonne Mond Sterne
Saalburg (TH) € 108 (inkl. Campen) www.sonnemondsterne.de Red Bull Nachtschicht
— Seeed, Chase & Status, Nero, Knife Party, The Bloody Beetroots, Boys Noize, Mia., Fritz Kalkbrenner, Lexy & K-Paul, Oliver Koletzki, Netsky, Sven Väth, Aelement, Aka Aka feat. Thalstroem, Bart Skils, Bassface Sascha feat. MC Stunnah, Bassraketen, Berk Offset & Metaboman & Large M, Bootleg, Breakfastklub, Britta Arnold, C-Ro, Canson, Captain Capa, Carina Posse, Caroline Perscee & Jay Kee vs. Dominic Pforte, Cativo, Christian Burkhardt, Colt feat. Hendoo, Compact Grey, Dana Ruh, Daniel Dreier, Daniel Stefanik, Dan Caster, Dapayk, David Dorad, DeeAss, Deetron, d.Hoerste, Dirty Doering, Disco Boys, DJ Rush, Dominik Eulberg, Dorian Paic, Douglas Greed, Dressman, Drumsound & Bassline Smith feat. MC Youngman, Edu Imbernon, Electric Sun, Falko Niestoli & Tom Franke, Felix Kröcher, Flug8, Format:B, Fornix, Franz!, Freunde Der Familie, Gestört aber Geil, Golden
Toys, Green aka Agent A, Gregor Tresher, Gunjah, Hometrainer, HouseKaspeR, HVOB, Ilario Allicante, Ipunk, Juli Holz, Karocel, Karotte, Katcha feat. Katrin, Kellerkind, Ken Tamburri et Kay, Kombinat 100, Kratzer, Krause Duo, Küche 80, Lexer & TomB., Luna City Express, Ly Da Buddah, Martinez, Martin Anacker, Mashu, Mathias Kaden, Mathilde Hutfeld, Matt John, Metrik feat. Rascal MC, Mira & Christopher Schwarzwalder, Miss Kittin, Miss Unique vs. Airdice, Moderat, Modeselektor, Modestep, Monkey Maffia, Moonbootica, Murano meets Tola vs. Sean Finn, Nico Schwindt, Nico Stojan, NME Click, Norman Webber, Nu, Oakwoods, Oldscoolrockerz OSR, Oliver Huntemann, Optical, Ostblockschlampen, Ozma, Pan-Pot, Peter Schumann, Pilocka Krach, Pingpong, Proxy, Rampue, Reche & Recall, Sascha Cawa, Schluck den Druck, Sierra, Stereofunk, Sub Zero feat. Felon, Sun @ Night feat. Dressman, Sven Dohse, Sven Tasnadi, Symbiz feat. MC Zih, Tantrum Desire, Taron Trekka, Thomas Stieler, Tim Vita & Oliver Gehrmann, Upset, Wankelmut, W!ld
15.–17. August Summer Breeze
Dinkelsbühl (BY) € 92 www.summer-breeze.de — Agnostic Front, Amorphis, Anthrax, Ensiferum, Hatebreed, In Flames, Knorkator, Lamb Of God, Neaera, Powerwolf, Sabaton, Alestorm, Architects, Arkona, Benediction, Carach Angren, Cultus Ferox, Cult Of Luna, Dark Funeral, Der Weg einer Freiheit, Deserted Fear, DevilDriver, Dr. Living Dead, Dying Fetus, Eisbrecher, Emmure, End Of Green, Enslaved, Evergreen Terrace, Evocation, Fear Factory, Feuerschwanz, Fiddler’s Green, Finntroll, Firewind, Grave, Haggard, Hammercult, Hate, Illdisposed, Leaves’ Eyes, Letzte Instanz, Long Distance Calling, Marduk, Misanthrope, Moonspell, Mustach, Nachtmystium, Nasty, Primordial, Pro-Pain, Revel In Flesh, Rotten Sound, Saltatio Mortis, Sister Sin, Soilwork, Sólstafir, The Bones, The Vision Bleak, Tiamat, Tristania, Van Canto, Walls Of Jericho, We Came As Romans, Whitechapel, Wild Zombie Blast Guide, Year Of The Goat
16.–18. August Highfield festival Störmthaler See (SN) € 89 www.highfield.de Red Bull Wristband
— Die Ärzte, Billy Talent, Deichkind, Cro, Bad Religion, Flogging Molly, Left Boy, NOFX, Silbermond, The Gaslight Anthem, Alkaline Trio, Bat For Lashes, Callejon, Disco Ensemble, Frank Turner & The Sleeping Souls, Hoffmaestro, Irie Révoltés, Jennifer Rostock, Madsen, Maxïmo Park, Parov Stelar Band, Pennywise, Prinz Pi, Royal Republic, SDP, Skindred, The Bronx, The Lumineers, Tocotronic, Triggerfinger, We Came As Romans
16.–18. August MS Dockville
Hamburg € 79 (plus € 10 für Camping) msdockville.de — Foals, Kakkmaddafakka, Kitty, Daisy & Lewis, Mac Miller, The Lumineers, Totally Enormous Extinct Dinosaurs, Woodkid; A-Trak, Agnes Obel, Alle Farben, Arthur Beatrice, Booty Carrell, Bratze, Christian Löffler,
Festivals 2013 – sparen und abfahren. Tickets und RailAway-Kombis gibts am SBB Bahnhof. sbb.ch/festivals Festivalpässe zu gewinnen auf facebook.com/sbbrailaway.
FESTIVALKOMBIS
BIS ZU
20%* RABATT
* z. B., Openair Frauenfeld, 12. bis 14. Juli 2013, 20% Ermässigung auf die Hin- und Rückfahrt nach Frauenfeld, gratis Transfer, 5% Ermässigung auf den Festivalpass. sbb.ch/festivals
Programm
Chvrches, Crystal Fighters, David Hasert, Die Orsons, Dope D.O.D., Doug Shipton, Egokind, El Perro del Mar, Erdbeerschnitzel, Fenster, Flight Facilities, Fredrik, Jenne Grabowski, John Talabot, Joney, King Krule, Klangkünstler, Kyla La Grange, Lemâitre, Leslie Clio, Lone Wolf, Mc Fitti, Milky Chance, Mis-Shapes, Miss Li, Mmoths, Mø, Mohna, Parasite Single, Reptile Youth, Roosevelt, RSS Disco, Skip & Die, Spanks, Star Slinger, Stealing Sheep, This Void, Toy, Trümmer, Vimes, Wankelmut
17. August Echelon
Bad Aibling (BY) € 69,90 www.echelon-openair.de — Fritz Kalkbrenner, Umek, Lexy & K-Paul, Monika Kruse, Moonbootica, Extrawelt, Oliver Koletzki, Aka Aka feat. Thalstroem, Format:B, Monkey Safari, Sascha Braemer, Nico Stojan, Townston & Delgado, Steve Looney, Tube & Berger, Pele, Dirty Doering
21. August Chiemsee Rocks
Übersee (BY) € 39 € 135 (inkl. Chiemsee Reggae) www.chiemsee-rocks.de — Die Ärzte, Deftones, NOFX, Sick Of It All, Callejon, We Came As Romans, Mad Caddies, Vait, Zebrahead
23.–25. August Chiemsee Reggae Summer
Übersee (BY) € 99 € 135 (inkl. Chiemsee Rocks) www.chiemsee-reggae.de Red Bull Wristband
—
Ska-P, Cro, Elephant Man, Patrice, Alborosie, Brigadier Jerry & Jah Sun, Buddz & New Kingston, Django 3000, El Mago Masin & Wildcamping, Eskalation, Ganjaman & Band, Groundation, Kellerkommando, Max Herre, Ohrbooten, SDP, Stranger Cole, Turbulence, Uwe Banton, Warrior King, Wayne Wonder & House Of Riddim
6.–7. September Berlin Festival
Berlin € 81,40 www.berlinfestival.de — Björk, Blur, My Bloody Valentine, Pet Shop Boys, Mia., Tomahawk, Dillon, Fritz Kalkbrenner, Klaxons, Turbostaat, Villagers, Audionite, Ben Pearce, Booka Shade, Bosnian Rainbows, Breakbot, Busy P, Capital Cities, Claptone, Cocolores, Delphic, Die Orsons, Djedjotronic, DJ Shadow, Ellen Allien, Ellie Goulding, Get Well Soon, Justice, Left Boy, Maxim, Pantha du Prince, Miss Kittin, Parquet Courts, Pool, Röyksopp, Round Table Knights, Ruen Brothers, Savages, Shir Khan, Strip Steve, S O H N, Tale Of Us, The Sounds
25.–28. September Reeperbahn festival
Hamburg € 70 www.reeperbahnfestival.com — Abby, Alin Coen Band, Allie, Anika, Benjamin, Broken Twin, Built To Spill, Chakuza, Dagobert, Eliza And The Bear, Elliphant, Girls In Hawaii, Jeans Team, Johnny Flynn, Juveniles, Laing, Lescop, Marla Blumenblatt, Messer, Me And My Drummer, Múm, OK Kid, Oy, Sea + Air, Shout Out Louds, Tubbe, Tunng, Woog Riots
Lad dir dein Armband runter Red Bull Wristband revolutioniert deinen Festivalsommer. Mit der Mobile-App gehst du auf interaktive Schatzjagd durchs Festivalgelände. Das Red Bull Wristband verleiht deinem Festival- Erlebnis Flügel. Denn die Energie, mit der du Party machst, wird in einzigartige Preise umgewandelt. Es ist ganz einfach: Melde dich bei Künstlern und Bühnen an, um Herausforderungen abzuschließen. Mit jeder erfolgreich absolvierten Challenge erhältst du eine immer höhere Zugangsstufe auf dem Festivalgelände. Das reicht vom Einlass in unsere eigene VIP-Area über deinen persönlichen Festival-Butler bis zu Treffen mit den angesagtesten Bands. Die Red Bull Wristband App wird diesen Sommer bei drei ausgewählten Festivals freigeschaltet: Hurricane, Chiemsee Reggae Summer und Highfield. Sie ist kostenlos zum Download im iTunes-Store verfügbar. Mehr Infos auf: www.redbullwristband.com
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ÖSTERREICH 14.–16. Juni Nova Rock
Nickelsdorf (B) € 139,90 www.novarock.at — Rammstein, Kiss, Kings of Leon, HIM, Deichkind, Sportfreunde Stiller, Korn, Paramore, 30 Seconds To Mars, Volbeat, Airbourne, Amaranthe, Amon Amarth, Anti-Flag, Asking Alexandria, A Day To Remember, Bauchklang, Biffy Clyro, Bosse, Bring Me The Horizon, Bullet For My Valentine, Caliban, Coal Chamber, Coheed And Cambria, Cradle Of Filth, Dir En Grey, DragonForce, Fidlar, Five Finger Death Punch, From Dawn To Fall, Gallows, Gentleman, Heaven’s Basement, Hellyeah, IAMX, Kreator, Papa Roach, Parkway Drive, Passenger, P.O.D., Sabaton, Stereo phonics, Steven Wilson, Testament, The 69 Eyes, The Bots, The Ghost Inside, The Sword, Within Temptation
17. Juni – 10. Juli Jazz Fest Wien
Wien pro Konzert von € 19,80 bis € 122 www.viennajazz.org — Bobby McFerrin, Paolo Conte, Helge Schneider, Bryan Ferry, George Benson, Bonnie Raitt, Charles Bradley, Bobby Womack, Rebekka Bakken, Natalie Cole, Gregory Porter, Randy Crawford & Joe Sample, China Moses & Raphael Lemonnier Quartet, Marlon Roudette, Martha High & The Speedometer, Meena Cryle & The Chris Fillmore Band, Célia Mara, Tania Saedi, Dengue! Dengue! Dengue!, Bassekou Kouyate & Ngoni ba, Kobalo feat. Louis Sanou, Patrizia Ferrara, Agnès Milewski, Susana Sawoff, Playbackdolls, S.O.D.A., Chris Dave & The Drumhedz, Harri Stojka Express
21.–22. Juni See Rock
Schwarzlsee (ST) € 99,90 (plus € 16 für Camping) www.see-rock.at — Iron Maiden, Limp Bizkit, Motörhead, Slayer, Behemoth, Eisbrecher, Ghost, Marrok, Mnemic, Newsted, Niie, Oomph!, Parazite X, Rohstoff, Stone Sour, Dillinger Escape Plan, Voodoo Six
3. Juli – 15. August Poolbar
Feldkirch (V) € 199 (Saisonkarte) oder pro Konzert www.poolbar.at —
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Bad Religion, Patrick Wolf, Casper, Tocotronic, Monster Magnet, Scott Matthew, Shout Out Louds, Tocotronic, xxyyxx, Calyx & Teebee, Chad Valley, DJ Vadim, Frank Turner & The Sleeping Souls, Friskja Viljor, Funeral For A Friend, Goldie, Japandroids, Kumbia Queers, LE1F, Mount Kimbie, Ranglekods
4.–6. Juli Urban Art Forms
Schwarzlsee (ST) € 99 (inkl. Camping) www.urbanartforms.com — The Prodigy, Seeed, Deichkind, Camo & Krooked, Dada Life, Modestep, Moguai, Moonbootica, Parov Stelar Band, Paul Kalkbrenner, 17th Boulevard, Apua & Kwak, Baauer, BC-System, Beltek, Ben-E, Ben Drill, Beware & Functionist, Bitz, Body & Soul, Borgore, Chris Liebing, Chris Stohl, Cid Rim, Congorock, Cyberpunkers, Daniel Morgenstern, Danny Avila, Danny Byrd, Danny La Vega b2b Paco Di Bango, David Mogyoro, Defilla, Delta Heavy, Der Wanderer, Dirtyphonics, Disaszt, Djane Eos, DJ Snare, Dubesque, Dub FX, Dumme Jungs, Etepetete, Fedde Le Grand, Feed Me, Feloneezy, FM Belfast, Foreign Beggars, Format:B, Fourward, Fred V & Grafix, Fritz Kalkbrenner, Gudrun Von Laxenburg, GusGus, Hallerson, Hattori & Bass.Ikk, High Contrast, HVOB, Janda, Jenny Delano, Jens Timber, Jonas Mantey, Joyce Muniz, Knife Party, Len Faki, Martin Freudentanz, Massoud, Mat & Concept, Max Hizzle, MC Daxta, MC Mantmast, MC Youthstar, Metrik, Mike Skinner, Mischkonsum & Dino De Mees, Monsta, Mosbee, Motsa, Naked Fish, Netsky, Nick Hook, Nicone & Sascha Braemer, Niko Schwind, Noisia, Oliver Koletzki, On D’Rugs, Padre El Ferenco, Pandora & Coda, Parachute Youth, Puschmann, Rampue, Rebecca & Fiona, Reptile Youth, Rockwell, Sigma, Sinjin Hawke, the red bulletin
Programm
Der rote Faden
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1.–3. August Rise & Shine
Falkenstein (NÖ) € 36 www.riseandshine.at — Channel One, Dandelion Soundsystem, Dirty Dozen, Bro Dan, Coal Man, Dubbing Sun, Dubster, Diaz Stereofreezed, Easy B, Flo I, Fruitical Vibdes, Jah Free ls. Sista Simah, Jah Roots HiFi, Julian Kokoras, MC Kinetical, Klub Sir3ne, MC Champian, Nattyloop HiFi, Shalamanda HiFi, Sista Sherin, Slimmah Sound, Versatile Sound
9.–10. August Picture On Bildein (B)
the red bulletin
St. Pölten (NÖ) € 139,90 (inkl. Camping) www.frequency.at Red Bull Brandwagen
— System of a Down, Die Toten Hosen, Tenacious D, Nick Cave & The Bad Seeds, Franz Ferdinand, Billy Talent, Flogging Molly, 3 Feet Smaller, A.G. Trio, Alex Metric, Aphrodite, Archive, Atomique, Awolnation, Bad Religion, Body & Soul, Brendan Benson, Casper, Chad Valley, Chase & Status, Crystal Castles, Delta Heavy, Dillon Francis, Empire Of The Sun, Fall Out Boy, Flosstradamus, Fourward, Friska Viljor, Ghost Capsules, Hurts, Illskillz, Imagine Dragons, Jake Bugg, James Blake, John B, Jonathan Jeremiah, Josh Kumbra, Killsonik, Kodaline, Kraftklub, Laura Mvula, Left Boy, Lexy & K-Paul, Little Boots, Loadstar, Madsen, Major Lazer, Max Herre, MC Daxta, Naked Fish, Nero, Nils Hoffmann, Of Monsters And Men, OK Kid, Pennywise, Porter Robinson, Regina Spektor, Shout Out Louds, Sizarr, SkisM, Skunk Anansie, Stephan Bodzin, Steve Hope, Sub
Schwarzlsee (ST) € 49 (plus € 15 für Camping) www.lakefestival-graz.at — Avicii, Sebastian Ingrosso, Alesso, Redfoo of LMFAO, Nicky Romero, Joaquinphunk, Sander van Doorn, Otto Knows, Swanky Tunes, Global Deejays, Barnes & Heatcliff, Rene Rodrigezz, Dirty Impact, Joaquin Phunk, David Kay, M-Craft, Selecta
30.–31. August Two Days A Week
Wiesen (B) € 84,90 www.wiesen-festivals.at/ two_days_a_week — Ska-P, Deftones, Triggerfinger, The Darkness, Heaven Shall Burn, Jaya The Cat, Irie Révoltés, Marky Ramone, New Found Glory, Palm Reader, The Living End, Die Rakede, We Are The Ocean
3.–6. Oktober Waves Vienna
Wien € 56 www.wavesvienna.com — Line-up to be announced.
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15.–17. August Frequency
24. August Lake Festival
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Sittersdorf (K) € 49 www.acousticlakeside.com — Bush, Crystal Fighters, Dry The River, Fanfarlo, SoKo, We Were Promised Jetpacks, Alin Coen Band, Catastrophe & Cure, Enno Bunger, Oliver Welter & Freunde, Ra Ra Riot, Salomon’s Wrong Choice, Steaming Satellites, Dirk Stermann, The Boys You Know, The Beth Edge
Focus, Thees Uhlmann, The Fratellis, The Gaslight Anthem, Tiga, Tonbandgerät, West MB, Zeds Dead
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26.–27. Juli Acoustic Lakeside
€ 59 (inkl. Camping) www.pictureon.at — Mother’s Finest, The Baseballs, Donots, Jennifer Rostock, Fear Factory, 5/8erl in Ehr’n, Donots, Firkin, Gin Ga, Kontrust, Kvelertak, Mambo Kurt, Royal Republic, Salomon’s Wrong Choice
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Spaceant, S.P.Y, Steve Looney, Stork Crew, Sutter Cane, TAI, TC, The Zombie Kids, Tube & Berger, UZ, Vuk & Didier, Wankelmut, Wolfram, Zedd, Zinc, Zomboy
Die Donau stromgitarre: heißer Draht von Nickelsdorf bis Wien
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Programm
SCHWEIZ Interlaken (BE) CHF 198 www.greenfieldfestival.ch sbb.ch/greenfield
— Rammstein, Queens Of The Stone Age, The Prodigy, Nightwish, Slayer, Ska-P, Within Temptation, NOFX, Airbourne, Bad Religion, Adept, Alex Hepburn, Anti-Flag, A Day To Remember, Bagheera, Betraying The Martyrs, Bleed From Within, Boysets fire, Bullet For My Valentine, Bury Tomorrow, Caliban, Coheed And Cambria, Comeback Kid, Converge, Danko Jones, Deaf Havana, Deez Nuts, The Devil Wears Prada, Emil Bulls, Eskimo Callboy, Every Time I Die, Gallows, Graveyard, Itchy Poopzkid, Karnivool, Mono Inc, Palm Reader, Parkway Drive, Reding Street, Red Fang, Saltatio Mortis, Silent Circus, Slag In Cullet, Stone Sour, The Bots, The Bouncing Souls, The Ghost Inside, The Strapones, The Thiams, Tim Vantol, Turbonegro
27.–30. Juni Openair St. Gallen St. Gallen (SG) Sold out! www.openairsg.ch sbb.ch/openairsg
— Die Ärzte, Kings Of Leon, Sigur Rós, Biffy Clyro, Archive, Band Of Horses, Of Monsters And Men, The Bloody Beetroots, The Lumineers, Jake Bugg, Macklemore & Ryan Lewis, Sophie Hunger, Haim, Die Antwoord, Bonaparte, Dada Life, Friska Viljor, Haim, Icona Pop, Klangkarussell, Kyla La Grange, Modest Mouse, Patent Ochsner, Philipp Poisel, Royal Republic, Steff La Cheffe
4.–14. Juli Moon & Stars
Locarno (TI) Ab CHF 95 (pro Konzert) www.moonandstars.ch — ZZ Top, Amy Macdonald, Die Toten Hosen, Santana, Green Day, Depeche Mode, Zucchero, Mark Knopfler, Bryan Adams, Neil Young & Crazy Horse, Krokus, Glen Hansard
4.–20. Juli Montreux Jazz Festival
Montreux (VD) CHF 2000 (oder pro Konzert) www.montreuxjazzfestival.com sbb.ch/montreuxjazz
— Kraftwerk, Leonard Cohen, Prince,
90
Sting, Green Day, Soulwax, Two Door Cinema Club, IAM, Agnes Obel, Alborosie, AlunaGeorge, Angel Haze, Avishai Cohen Quartet, Ben Harper, Ben Howard, Black Rebel Motorcycle Club, Bobby Womack, Cat Power, Charles Bradley, Charlie Musselwhite, Daughter, Deep Purple, Devendra Banhart, Diana Krall, Flying Lotus, George Benson, Girls in Hawaii, Jake Bugg, James Blake, Joe Cocker, Jonathan Batiste, Joris Delacroix, Juveniles, Kendrick Lamar, Lianne La Havas, Marcus Miller, Mark Lanegan Band, Melody’s Echo Chamber, Of Monsters And Men, OM Unit, Oneman b2b Jackmaster, Patrick Watson, Paul Kalkbrenner, Richie Hawtin, Rodriguez, Rone, Round Table Knights, Seth Troxler, Solomun, The Gaslamp Killer, The Hives, The Lumineers, Valerie June, Woodkid, Wyclef Jean & Refugee Camp, Youn Sun Nah Duo, ZZ Top
5.–7. Juli Touch the Lake
Zürich (ZH) CHF 139 www.touchthelake.ch — Xavas, Deichkind, Cro, Joey Bada$$, IAM, Max Herre, Ken Kenay, Kendrick La Coka Nostra, Lamar, M.A.M, Marteria, ONYX, RAF 3.0, The Roots, SAM, Steffe la Cheffe, Snowgoons Trailerpark, Thunderbird Gerard, Digitalism DJ Set, Fritz Kalkbrenner, Blond:ish, DJ Antoine, Daddys Groove, Finnebassen, Format B, Niconé & Sascha Braemer, Cyberpunkers, Haezer, Kellerkind, Oliver Koletzki & Fran, Gudrun von Laxenburg, Lector, Tom Novy, Andrea Oliva, Ostblockschlampen, Alex Price, Sirena, We Love Machines
12.–14. Juli Openair Frauenfeld
Frauenfeld (TG) CHF 199 www.openair-frauenfeld.ch sbb.ch/openair-frauenfeld Red Bull Tourbus
— Wu-Tang Clan, Run DMC, Snoop Lion, Seeed, 2 Chainz, A$AP Rocky, Action Bronson, Azealia Banks, A Tribe Called Quest, Blumentopf, B.o.B, Brooke Candy, C2C, Chakuza, Dende mann, Dezmond Dez, Dizzee Rascal, DMC, Ferris MC feat. DJ Stylewarz, Gentleman & The Evolution, Herr Sorge, Jurassic 5, Kollegah & Farid Bang, Left Boy, Manillio, MoTrip, OK Kid, Psy4 De La Rime, Ryan Leslie, The Swiss Avengers, Trey Songz, Tyler, The Creator, Die Orsons
18.–21. Juli Gurtenfestival Bern (BE) CHF 210 www.gurtenfestival.ch sbb.ch/gurten
— Die Toten Hosen, Die Fantastischen Vier, The Smashing Pumpkins, Emeli Sandé, Volbeat, Hurts, ZAZ, Sophie Hunger, 77 Bombay Street, Chase & Status, The Darkness, Eluveitie, Goose, Knife Party, Seven, Alex Hepburn, Alvin Zealot, Broilers, Cachét, Carrousel, Damian Lynn, Dezmond Dez & Band, Dirty Sound Magnet, Friska Viljor, Hadouken, Hoffmaestro, Imagine Dragons, Kosheen, Kyasma, Luca Little, Luk von Bergen, Lunik, Manillio & Band, Müslüm, Netsky, Reptile Youth, Slag In Cullet, Steff La Cheffe, The Animen, The Drops, The Qemists, Triggerfinger, Turbostaat, We Invented Paris, Zeno
Kein Käse: die besten Saiten der Schweiz von Interlaken bis Lausanne
NYON
23.–28. Juli Paléo Nyon (VD) CHF 350 www.paleo.ch sbb.ch/paleo
— Neil Young & Crazy Horse, Nick Cave & The Bad Seeds, Phoenix, Arctic Monkeys, The Smashing Pumpkins, Santana, Nick Cave & The Bad Seeds, Blur, Sigur Rós, Tryo, Raphael, Patrick Bruel, Sophie Hunger, -M-, Alt-J, Alvin Zealot, Anthony Joseph & The Spasm Band, Asaf Avidan, Barcella, Bastian Baker, BB Brunes, Beach House, Benjamin Biolay, Beware Of Darkness, Bit-Tuner, Bombers, Boulevard Des Airs, Bo Houss, Brandt Brauer Frick, Breakbot, BRNS, Buraka Som Sistema, Chief feat. Deheb, Christine Salem, Crystal
Fighters, Danko Jones, Deba, Dirtymadsound feat. Oxsa, Dizzee Rascal, Dubioza Kolektiv, Dub Inc., Etienne De Crecy, Fai Baba, Gaël Faye, Gesaffelstein, Hathors, Heymoonshaker, Jagwa Music, Jonathan Wilson, Just A Band, Juveniles, Kadebostany, Keny Arkana, La Femme, Lescop, Les Tambours Du Burundi, Licia Chery, Lindigo, Loccomotion feat. MC Stone, Lou Doillon, Mai Lan, Mama Rosin, Marc Aymon, Mass Hysteria, Menwar, Mermonte, Merz, Michael Gregorio, Mokoomba, Mounawar, Mulatu Astatke, Nathalie Natiembé, Navel, Nick Porsche, Oxmo Puccino, Palma Violets, Paul Meyer & Le Concert
Das billige Billett Von Montreux bis St. Gallen beginnen Festivals schon im Zug. Keine leichte Entscheidung: Auto oder Bahn? Was bedeutet weniger Stress? Was ist günstiger? Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) versuchen die Entscheidung pro Bahn ein wenig leichter zu machen. So bekommt jeder Bahnreisende während der Dauer des Montreux Jazz Festivals 10 % Rabatt auf die Fahrt nach Montreux. (Und auf die Rückfahrt natürlich auch.) Man muss nicht mal ein Konzertticket besitzen. Wer einen Festivalpass für das OpenAir St. Gallen, das Openair Frauenfeld, das Gurtenfestival, das Zürich Openair, das Paléo Festival Nyon, das Open Air Gampel, das Motion oder das Greenfield in der Tasche hat, kriegt auf die Hin- und Rückfahrt mit der SBB sogar 20 % Ermäßigung. Und – wo notwendig – einen gratis Transfer zum Festivalgelände. Dinge im Voraus zu planen ist zwar langweilig, hilft aber sparen. Denn wer sich Festivalticket und Bahnbillet in der Kombi anschafft, bekommt nicht nur die Bahnfahrt günstiger, sondern auch das Ticket um 5 % günstiger. Mehr Infos: www.sbb.ch/festivals
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Illustration: Mandy Fischer
13.–15. Juni Greenfield
Programm
SCHAFFHAUSEN
FRAUENFELD WINTERTHUR ST. GALLEN
— Billy Talent, Xavas, Tenacious D, Max Herre, 77 Bombay Street, Alkaline Trio, Archive, Awolnation, Biffy Clyro, Broilers, Chuck Ragan, Editors, Eluveitie, Filter, Flogging Molly, Frank Turner & The Sleeping Souls, Frightened Rabbit, Funeral For A Friend, Greis, Heidi Happy, Kodaline, Kraftklub, Manillio & Band, Parov Stelar Band, Thees Uhlmann, The Bronx, The Gaslight Anthem, The Wombats, Zibbz
ZÜRICH OLTEN
ZOFINGEN
BIEL
BERN AVENCHES DEGEN INTERLAKEN
16.–17. August Royal Arena
LAUSANNE
Biel (BE) CHF 109 www.royalarena.ch — Wu-Tang Clan, Mac Miller, Mobb Deep, Kery James, Danny Brown, Apolloo Brown & Guilty Simpson, Lance Butters, Caramelbrown, Manillio & Band
MONTREUX GAMPEL
LOCARNO
29. Aug. – 1. Sept. Zürich Openair
Européen, Pony Del Sol, Protoje & The Indiggnation, Régis Gizavo, Reptile Youth, Retro Stefson, Rokia Traoré, Saez, School Is Cool, Shangaan Electro, Shantel & Bucovina Club Orkestar, Skip&Die, Stupeflip, Théodore, Paul & Gabriel, The Animen, The Bloody Beetroots, The Labrats Bugband, The Lonesome Southern Comfort Company, The Skints, Two Gallants, Virus Syndicate, Youssoupha, Zoufris Maracas
25.–27. Juli Motion
Olten (SO) CHF 169 www.motion-openair.ch sbb.ch/motion
— Monika Kruse, Steve Aoki, Tiësto, Aka Aka feat. Thaelstroem, Alle Farben, Arty, Benny Benassi, Extrawelt, Kollektiv Turmstrasse, Laidback Luke, Len Faki, Lexy & K-Paul, Loco Dice, Mike Candys, Mr. Da-Nos, Oliver Koletzki, Otto Knows, Pleasurekraft, R3hab, Remady feat. Manu-L, Thomas Gold, Tommy Trash, Wankelmut
26.–27. JuLi Open air Lumnezia
Degen (GR) CHF 124 www.openair-lumnezia.ch — The Hives, Public Enemy, Kraftklub, The BossHoss, Triggerfinger, Yokko the red bulletin
7.–10. August Stars In Town
Schaffhausen (SH) CHF 259 www.starsintown.ch sbb.ch/starsintown
— Jamie Cullum, Katie Melua, Silbermond, Mike & The Mechanics, Aloe Blacc, Lissie, 77 Bombay Street, Patent Ochsner, 2Cellos, Luxuslärm, Seven, The Straits
9.–11. August Heitere
Zofingen (AG) CHF 159 www.heitere.ch — Unheilig, Pitbull, 77 Bombay Street, Casper, Example, Alice Francis, Bastian Baker, Empire Of The Sun, Herr Bitter, Jessie J, Jim Jones Revue, Kraftklub, Left Boy, Lo & Leduc, Mama Rosin, Marc Sway, Monotales, Noah & the Whale, Noisettes, Prinz Pi, Rita Ora, Ska-P, Soulwax, Starch, Trauffer, When They Wake
14.–17. August Rock oz’ Arènes
Avenches (VD) CHF 250 2013.rockozarenes.com — Michel Sardou, David Guetta, Amy Macdonald, Cali, Carrousel, Tafta, My Name Is George, Sébasien Peiry, Daddy’s Groove, Quentin
Mosimann, Fred Lilla, Lady Noon, Skip The Use, Bonaparte, My Heart Belongs To Cecilia Winter, Hard Rock Sofa, Alejandro Reyes, Junior Tsaka, Tweek, Amadou Diolo & The Diololou, Mike Candys, Igor Blaska, Vkee, David Jimenez, Jerry Joxx, Djerem, The Phat Crew, Band Of Horses, Caravan Palace, KT Tunstall, Mika, Sexion D’Assaut
14.–25. August Winterthurer Musikfestwochen
Winterthur (ZH) CHF 59 bis 64 je nach Tag, Konzerte von 14. bis 22. 8. sind gratis. www.musikfestwochen.ch — Dubioza Kolektiv, Efterklang, Knackeboul, Pokey LaFarge, Travis, Glen Hansard, Sportfreunde Stiller, Casper, Royal Republic, Alice Russell, Daniel Norgren, Domi Chansorn, Dota, Fiva & Das Phantom Orchester, Francoiz Breut, Garish, Gerard, Hecht, In The Dead Car, Jim Lockey & The Solemn Sun, King Pepe & Le Rex, Luca Little, Moop Mama, Portico Quartet, Rangleklods, Schtärneföifi, Tall Ships, Turbostaat, Velvet Two Stripes, Wilber Calver
15.–18. August Open Air Gampel Gampel (VS) CHF 216,05 www.openairgampel.ch sbb.ch/gampel
Zürich (ZH) CHF 210 www.zurichopenair.ch sbb.ch/zurichopenair
— Nine Inch Nails, Paul Kalkbrenner, The xx, James Blake, The Knife, Fettes Brot, Justice, Eels, Two Door Cinema Club, Belle & Sebastian, Deftones, Trentemøller, Poliça, Boys Noize, Modestep, Pendulum, Verse, Erol Akan, Jackson and His Computer Band, Riton Pablopolar, Evelinn Trouble
im September Electrosanne
Lausanne (VD) www.electrosanne.ch — Details to be announced. Und damit das Warten mehr Freude macht, empfehlen wir das OnlineRadio der Red Bull Music Academy, das mit Fug und Recht von sich behaupten kann: „The best music selection on the web.“ Partnerstationen sind übrigens feine Radiosender wie: Flux FM, FM4, Play FM, QUU FM, Radio 3fach, Radio Radius, Rundfunk FM, Superfly FM. Tune in! www.rbmaradio.com
Alle Preise sind Richtpreise für einen Festivalpass (Angaben ohne Gewähr). Line-ups ohne Anspruch auf Voll ständigkeit, Stand: Ende Mai 2013.
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Festival daheim Das Problem: Du bist ein Loser. Keiner will dich beim Festival dabeihaben, du hast keine Tickets mehr bekommen, deine Eltern lassen dich nicht gehen, und du könntest es dir sowieso nicht leisten. Die Lösung: Dosenbier, Zelt und geile Bands – auf dem Balkon. Text und BIlder: Lukas Wagner
„Take me down to the paradise city, where the grass is green and the girls are pretty.“ Ich liege auf einem grünen Stück Kunstrasen – 80 Zentimeter breit, sechs Meter lang – und höre Axel Rose. Er singt davon, dass er heimkehren will ins Paradies. „Oh, won’t you please take me home.“ Nach Hause. Eine gute Idee. Und gar nicht so schwer umzusetzen: Einfach durch die offene Balkontür stolpern. Daheim. Nur runter von der grünen Insel, die sich in 15 Meter Höhe an die graue Hauswand krallt. Ich starre noch fünf Minuten in den hellblauen Frühlingshimmel, bevor ich aufspringe, zwei leere Bierdosen zur Seite stoße und das Festival verlasse – endgültig. „Ein Festival daheim?“ – Die entscheidende Frage stellt sich mir zum ersten Mal, wenige Tage bevor ich müde auf meinem Balkon im 20. Bezirk liege. „Du the red bulletin
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machst alles so wie auf einem Festival – nur bleibst du eben daheim.“ Ich verstehe: saufen, grillen, gam meln, glotzen und noch Musik. Nicht mit tausenden anderen auf einer riesigen Wiese, einem stillgelegten Flugplatz oder einer Rennstrecke, sondern allein, zu Hause, mitten in der Stadt. Ich denke unweigerlich an Hunter S. Thompson, seine Angst und Schrecken in Las Vegas: „Tu’s sofort: reiner Gonzo-Journalismus.“ Null Objektivität, totale Subjektivität. Vielleicht genau die richtige Methode, um über ein Festival zu schreiben. Eine Sozialstudie als Experiment. Denn wer will schon eine objektive Festivalgeschichte? Wen interessieren im Nachhinein schon die Besucher zahlen, wann welche Band gespielt hat, wie viele in Ohnmacht gefallen sind? Niemanden. Schlimmer noch: Es verwirrt und verstört. Festivals leben von Subjektivität. Jeder stolpert durch seine eigene Welt. Ich habe Glück, fürs Wochenende ist gutes Wetter angesagt – zum ersten Mal in diesem Jahr. Noch reg net es. Der Kunstrasen ist vollgesaugt mit Regenwas ser – wird schon noch rechtzeitig trocknen. Was mir jedoch Sorgen bereitet, ist der knapp bemessene Platz. Selbst für mein kleines Einmannzelt scheinen die 80 Zentimeter Balkonbreite etwas wenig. Ein Fes tival ohne Zelt wäre hart – nicht nur weil es kalt und nass werden könnte. Instinktiv betrachten wir das Zelt als unsere Schutzhöhle, als das sichere Zentrum unseres vorübergehenden Nomadendaseins. Der erste Schritt, mit dem wir uns aus dem Alltag verabschieden und die wilde neue Welt betreten, ge schieht oft schon Tage vor Festivalbeginn. Am frühen Donnerstagabend schiebe ich einen Einkaufswagen
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Ich verstehe: saufen, grillen, gammeln, glotzen. Tu’s Sofort! durch die Supermarktgänge. Bis auf eine Fünfer packung Semmeln ist der Wagen noch leer. Ich ver suche, nicht groß darüber nachzudenken, was ich brauche. Während ich langsam durch den Markt schlendere, greife ich spontan nach allem, was mir vernünftig und unverzichtbar erscheint: Schoko-Coo kies, sechs große Wasserflaschen, ein Glas Nutella, zwei Sechserpackungen Bratwürste, ein mariniertes Nackensteak (Zigeunerwürze!), vier Putenschnitzel, dreieckige Salami-Sandwiches, eine Salatmischung (gesund!), eine Flasche Gin, ein Netz Zitronen (Vita min C!), zwei Flaschen Weißwein und eine Palette Dosenbier (24 mal 0,5 l = 12 Liter!). Außerdem noch anderen Kram, bei dem eigentlich jetzt schon klar ist, dass ich ihn originalverpackt wieder mit nach Hause schleppen werde (Batterien, Putzschwämme, Zahn seide, Teelichter). Egal – in diesem Augenblick er scheint mir alles in meinem Einkaufswagen unerläss lich für ein reibungsloses Festival-Wochenende. Auf dem Heimweg mache ich mir ein wenig Sor gen, dass ich zu wenig Alkohol eingekauft haben könnte. Nicht dass ich an einem gewöhnlichen Wochenende auch nur annähernd so viel trinken würde – aber, na ja, es geht auf ein Festival. Sekt könnte noch fehlen oder ein Karton voll bunter klei ner Schnapsfläschchen. Als ich meine Einkäufe zu dem Haufen anderer unerlässlicher Gegenstände (Zelt, Isomatte, Schlafsack, Klappstuhl, Taschen lampe, Klopapier, Zahnbürste, Klamotten, Einweg grill usw.) stelle, entscheide ich, dass es genug ist. Jesus! So viel für zwei Tage. Es gelingt mir, alles in meinem Wanderrucksack zu verstauen. Den Campingstuhl kann ich über die Schulter hängen, die Palette Dosenbier klemme ich unter den rechten Arm, mit dem linken ziehe ich die Haustür hinter mir zu. Los geht’s! Rein in den Lift, raus auf die Straße, weiter mit der Straßenbahn. 20 Minuten bin ich schon unterwegs, der Rucksack auf dem Sitz neben mir, die Palette Bier auf dem Schoß. Ich bin glücklicherweise in der Großstadt unterwegs, in Wien. Die Palette Dosenbier geht schon klar, wird kaum beachtet. Problematisch ist der Rucksack. Feierabendverkehr. Die Straßenbahn ist voll. Überall Gebrechliche, Schwangere, Alte. Ich gebe auf. An der nächsten Haltestelle steige ich aus, überquere die Straße und nehme die nächste Bahn zurück. Das passt schon, ich war lang genug unterwegs. Als ich im Aufzug wieder nach oben fahre, schwitze ich. Der Rucksack drückt auf meine Schultern, meine Arme sind schwer. „Gut“, denke ich. „Das muss so sein, ich mach das ja nicht zum Spaß.“ Oder doch? Bisher habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Wie sehr soll man sich denn auf ein Cam pingwochenende, größtenteils allein und betrunken, freuen? Immerhin ist es das erste richtige Frühlings wochenende. Eigentlich geht man da mit der Freun the red bulletin
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pah, Tages k arten besitzer! drücken sich durch die Masse stinkender Camper und sind nur wegen der Musik da. din ins Café, spielt Federball im Park oder trifft sich mit Freunden im Biergarten. Egal, es ist zu spät. Ich steh vor der Haustür – dieselbe, die ich vor einer Stunde verlassen habe. Ich bin angekommen. Die Wahl ist schnell getroffen, es gibt keine Alternativen. Das Zelt kommt links in die Ecke, direkt neben die Balkontüre und in günstiger Entfernung zum einzigen Dixi-Klo. Von meinem Zeltplatz aus kann ich das blaue Häuschen gerade noch sehen. Es steht am Eingang eines Kinderspielplatzes in einem kleinen Park unten an der Straße. Rindenmulch am Boden, links daneben ein betonierter Bolzplatz, rechts daneben eine kleine Hundewiese. Fünf Minuten entfernt. the red bulletin
Das erste Bier. Es ist kalt, schmeckt gut. Gleich noch eins. Es war ein langer, anstrengender Tag. Das Packen, die Anreise, der Zeltaufbau. Ich sitze in meinem blauen Campingstuhl, eine halbvolle Dose im Getränkehalter, und fühl mich ganz ordentlich. Die Sonne geht unter, Zeit für die erste Band. „Wie lange sollen wir noch warten, bis wieder bessere Zeiten starten …“ Ein wenig wehmütig, die Sportfreunde. Mehr Zuversicht würde ihnen auch nicht schaden. Ich dagegen bin immer besserer Laune. S. hat angerufen, will mich besuchen kommen. Er ist wie einer dieser Tageskartenbesitzer, denke ich mir. Einer von denen, die ohne Gepäck, frisch geduscht und ausgeschlafen aufs Festival kommen und in der Nacht wieder heimfahren. Eigentlich verdächtige Leute – drücken sich durch die Masse stinkender, ungepflegter und betrunkener Camper und sind nur wegen der Musik da! Wie auch immer. Ich freue mich trotzdem auf seinen Besuch. Besser, als allein zu sein. Wir trinken Gin Tonic und warten auf die Würstchen. Der Einweggrill steht zwischen uns und qualmt vor sich hin. Verdächtig wenig Rauch! Wir drücken zusammengerollte Zeitungswürstchen und Holzzahnstocher durch die Löcher des Gitterrosts, um das Feuer zu beschleunigen. Es qualmt immer mehr, abwechselnd in meine und in S.’ Augen. Kaum auszuhalten! Wir stellen den Grill auf das Balkongeländer, damit der Rauch uns nicht so sehr erwischt. Panik überkommt mich. Was, wenn ich mich ungeschickt anstelle, den Grill versehentlich mit dem Knie vom Balkon stoße? Die ganze Glut direkt in den Nacken einer vorbeigehenden Oma. Schlimmste Vorstellung! 95
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Die Würste werden gut. Besteck habe ich vergessen, wir müssen mit den Fin gern essen, Senf direkt auf die Semmel. Noch eine Runde Gin. Ich bin betrunken, spitze Stimmung. Jetzt kommen Green Day: „Oh love, oh love, won’t you rain on me tonight.“ Regnen wird es heute Nacht nicht, sternenklarer Himmel. S. faselt irgend etwas über die ISS. Er hat gelesen, dass man die Raumstation in dieser Nacht be sonders gut sehen könne. Wir beugen uns übers Geländer, können aber nichts finden. Weit und breit keine kleine leuchtende Kugel, die mit 28.000 Sachen über den Himmel rast. „Oh, love.“ In der Wohnung tut sich mittlerweile auch was. Meine Freundin ist nach Hause gekommen. Sie hat ihre Freundin M. mit gebracht. Gemeinsam sitzen sie im Wohn zimmer und schauen zu uns raus. Was nun? Ignorieren? Freundlich winken? Streng betrachtet bin ich ja ganz woan ders, weit weg auf einem Festival. S. löst das Problem, öffnet die Balkontür, geht in die Wohnung, ich wanke hinterher. Sie wollen noch auf eine Party. An deres Ende der Stadt. Auch S. will mit. „Geht nur, ich bleib hier“, lalle ich. „Es ist mein Festival, mit meinem Bier und meiner Musik.“ Ich muss eine schlechte Figur machen, jetzt schon, kurz vor Mitter nacht. M. schaut mich an und meint, dass wir ja auch alle hierbleiben könnten. Sie hat Mitleid mit mir. „Du brauchst kein Mitleid mit ihm haben“, entgegnet ihr meine Freundin – recht spöttisch, wie ich finde. Ich bin sauer, mache eine Szene, ahne, dass ich etwas überreagiere. Alle sind weg, ich sitze wieder allein auf meinem Festival, esse die Cookies und schaue in die Glut. Unten auf der Straße ist einiges los: Ein Auto mit plattem Rei fen fährt um die Ecke – das kann ich selbst von hier oben und in meinem Zu stand eindeutig hören. Eine Gruppe jun ger Männer – sie sprechen türkisch oder serbisch (das wiederum kann ich nicht eindeutig hören) – kommt hinzu. Der Plattfuß interessiert sie nicht, den Fahrer auch nicht: Er parkt das Auto, steigt aus und geht, ohne sich den Schaden anzuse hen. Vielleicht sollte ich noch in die Eck kneipe, überlege ich. Der Wirt war ganz nett zu mir – und das, obwohl er ein ech ter Wiener ist und ich Deutscher bin. Aber das Beisel ist längst dicht. Der Wirt ist mit seinem Lokal gealtert und schließt selbst am Wochenende spätestens um elf Uhr abends. Zu spät. Ich bleib also oben. Der Gin ist leer. Noch eine letzte Runde Mu sik. Metallica spielen „Nothing else mat ters“, für mich hört es sich an wie „alles scheißegal“. Nihilistische Träume. 96
Ich bin umgeben von billigem Müll und brauche bes chäft igung. Mein winziges Einmannzelt war irrsin nig teuer – 400 Euro! Dafür wiegt es nicht mal ein Kilo und ist wunderbar orange. Die perfekte Farbe. Egal wie das Wetter draußen ist, im Zelt ist immer ein gemüt liches Licht – wie jetzt. Leider ist es auch furchtbar heiß und stickig … Fünf vor neun. Ich muss raus, ich schwitze und hab einen unerträglich tro ckenen Mund. Vor dem Zelt finde ich eine Plastikflasche mit Mineralwasser – zu viel Kohlensäure! Noch beim ersten großen Schluck schießt mir das Wasser aus der Nase, meine Augen brennen. Ich blicke runter zum Dixi-Klo und bin entsetzt: Wieso ist der Spielplatz um diese Uhrzeit schon voll mit Kindern? Müssen die nicht erst noch frühstücken oder in die Kirche oder in die Moschee? Ausgeschlossen, dass ich mich da unten wasche, an der Wasserpumpe neben dem Klo. Lieber rei be ich mich hier auf dem Balkon mit dem prickelnden Mineralwasser ein, Zähne putzen geht damit auch ganz wunderbar. Nur das Klo lässt sich nicht ersetzen. Es bleibt mir nichts anderes übrig: Ich zieh eine Hose an, suche im ganzen Durchein ander die Klopapierrolle und versuche, möglichst gefasst dreinzuschauen. Gutes Frühstück auf Festivals ist so eine Sache: Entweder man hat genügend Geld und kauft sich an den Essensständen etwas Frisches (bevorzugt Kaffee und Croissants), oder man hat im Vorfeld clever eingekauft. Was ich offensichtlich nicht getan habe: Von den Semmeln ist nur noch eine halbe übrig, die Nutella hat
sich verflüssigt, Kaffee habe ich komplett vergessen. Für das ganze Fleisch müsste ich den Grill anwerfen. Dazu habe ich ers tens keine Lust und zweitens fehlt mir ein Grill. Der von gestern war ein Einweggrill – einen zweiten habe ich nicht. Dreieckige Salami-Sandwiches und Apfelsaft müssen ausreichen. Ich vermisse den guten alten Gruppen zwang: Seit zwei Minuten starre ich auf die offene Dose in meiner Hand. Es ist zehn Uhr morgens und definitiv Zeit für das erste Bier am Tag. Nicht dass ich Lust darauf hätte, aber sonst wird das nichts mit dem zweiten Festivaltag. Musik an, Deichkind: „24/7, acht bis acht, was geht ab – machst du schlapp, what the fuck?“ Klar, das motiviert. Es ist warm, die Sonne scheint. Ich sitze schon seit gut einer Stunde auf mei nem Campingstuhl, lese einen halb zer rissenen Artikel über die In-Farbe des Frühlings (Smaragdgrün) und bohre mit meinem großen Zeh in den Ascheresten. Durch das halb offene Fenster kann ich mithören, wie sich meine Freundin zum Boule-Spielen im Park verabredet – mit meinen Boule-Kugeln, die ich von meinen Eltern zum Studienabschluss bekommen habe. Wahnsinnig teuer, 50 Euro das Stück. Ich bin umgeben von billigem Müll: Zeitungsfetzen, Bierdosen, Asche, eine leere Tube Senf, Pappschachteln und ein paar Zahnstocher. Ich brauch Beschäftigung. Was macht man den ganzen Tag auf einem Festival? Gegessen hab ich bereits, trinken tue ich schon die ganze Zeit, aufräumen will ich nicht. Nasenbohrer, aufgepasst! Ich be ginne damit, Bier umzufüllen: von der Dose in einen leeren Tetrapak. Aus Klebe band bastle ich eine geschickte Tragevor richtung, damit ich mir den Pack um den Hals hängen kann. Fertig. Ich finde einen Filzstift in meinem Rucksack. Bierleichen, denen man lustige Hitlerbärtchen auf die Oberlippe malen könnte, gibt es keine in meiner Umgebung – mir selbst einen hin zumalen scheint doch etwas übertrieben. Am Ende wird es eine nackte Schönheit, die sich von meinem Oberarm über meine Achsel räkelt. Schick! Fein, es ist bereits 15 Uhr. Ich lieg wieder im Zelt. Rage Against the Machine spielen „Killing in the Name of“. Ich bin auch dabei etwas totzuschlagen – die Zeit. Beim Gedanken daran, noch bis morgen auf dem Balkon auszuharren, wird mir ganz schlecht. Aber ich halte durch! Ganz sicher … Zehn Minuten später: Mittlerweile lie ge ich auf dem grünen Stück Kunstrasen, starre in den hellblauen Himmel, warte auf die nächste Nummer: „Paradise City“. the red bulletin
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Das letzte
13 dInge,die
wir an
festivals hassen Text: Martina Powell und Manon Steiner
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Der generelle Mangel an Leitungs wasser und dass es Barkeepern verboten ist, Wasser in größeren als 0,3 -Liter-Behäl tern zu verkaufen. Zudem die Tatsache, dass Trinkwasser nicht überall gratis ist.
10
Fragwürdige Line-ups, wo etwa Nine Inch Nails zwischen zwei deutschen Bands, den Ärzten und den Beatsteaks, spielen müssen und folglich komplett untergehen.
1
Das komplett überfüllte Camping gelände, wo du unweigerlich alle zwei Schritte über etwas oder jemanden stolperst. Nein, daran ist nicht nur unser Bierkonsum schuld.
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3
Das Wetter. Dass in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht gerade mediterranes Klima herrscht, ist uns klar. Aber muss es ausgerechnet immer dann regnen, wenn wir auf dem Festival sind? Offensichtlich heißt die Antwort ja, und schon versinken wir in einem Meer aus Gatsch, Müll und Bier.
4
Das Zelt. Es ist zu klein, die gesamte Kleidung ist völlig durchnässt und ver dreckt, drinnen hat schon wieder irgend wer Alkohol verschüttet, seit zwei Tagen hat sich niemand mehr geduscht, es gibt nur Dosenfutter und dementsprechend riecht es auch.
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Leute, zu denen wir garantiert nicht gehören. Die nicht wegen der Musik da sind, sich den ganzen Tag nur besaufen, rumgrölen, Schlägereien anfangen und anderen aufs und ins Zelt pinkeln.
6
Warmes Bier, feuchtes, schimmliges Toastbrot, Bohnen aus der Dose und Fertignudeln vom Chinesen. Müssen wir noch mehr sagen?
7
Nervige, stark alkoholisierte Teenies und die immer wiederkehrende Einsicht, dass wir eigentlich schon zu alt sind für den ganzen Scheiß.
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Die Biermafia, die es anscheinend auf jedem Festival gibt. Einmal nicht hin gesehen, und schon fehlen uns ein paar Dosen. Und die haben wir garantiert nicht ausgetrunken – daran könnten wir uns nämlich erinnern.
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Hin- und Rückfahrt. Wir freuen uns jedes Mal aufs Verkehrschaos, den Stress und den unfreiwilligen Körper kontakt mit verschwitzten Menschen im Shuttlebus. Das Auto lassen wir lieber daheim, das wird sowieso nur kaputt.
Die Müllberge. Verwandeln das Festival bereits nach einem Tag in einen einzigen Dreckhaufen, an dem Jahr für Jahr auch eine gut organisierte Müll abfuhr scheitert. the red bulletin
Illustration: Philipp Comarella/Salon Alpin
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Die sanitären Anlagen, die scheinbar von der ersten Minute an völlig verdreckt sind und aus denen du grindiger raus kommst, als du reingegangen bist. Wer weiß, vielleicht werden sie ja so geliefert, um das Festivalfeeling zu verstärken?
Vier Stunden im Wavebreaker auf eine Band zu warten, nur um zehn Minuten nach dem eigentlichen Beginn des Gigs darüber informiert zu werden, dass die Band wegen „unvorhersehbarer Zwischenfälle“ leider nicht mehr kommen kann. Auf Deutsch: Sie liegen sicher irgendwo besoffen in der Ecke und haben keinen Bock, auf einem Festival zu spie len, wo sie nicht die Headliner sind.
/redbulletin
ADRENALIN
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