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The Red Bulletin AT WFLWR Special

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ÖSTERREICH MAI 2020, € 3,50

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

STARTE, WO IMMER DU BIST Mit unserer App hast du es in der Hand

Im Dschungel von Bali: Running-Star CHRISTIAN SCHIESTER läuft für die, die nicht laufen können

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Design neu interpretiert. Der erste rein elektrische Sportback von Audi. Die athletische Silhouette und der sportliche Charakter des neuen rein elektrischen Audi e-tron Sportback sind geprägt von Faszination. Zudem sorgt das aerodynamisch optimierte Design für eine größere Reichweite. Technische Features wie die Digitalen Matrix LED-Scheinwerfer und die virtuellen Außenspiegel unterstreichen den Fortschritt mit Weitblick.

Elektrisch – jetzt noch aufregender.


Stromverbrauch kombiniert in kWh/100 km: 20,6 – 23,9 (WLTP); CO₂-Emissionen kombiniert in g/km: 0. Angaben zu Kraftstoffverbrauch und CO₂-Emissionen bei Spannbreiten in Abhängigkeit von der gewählten Ausstattung des Fahrzeugs.


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STRUCTURED PERFORMANCE SHOE WHEN YOU NEED A BIT MORE.


INHALT WILLKOMMEN

DER LAUF DES LEBENS Es liegt in unserer Natur als Menschen, zusammenzuhalten, unsere Talente und Fähigkeiten zu bündeln, unsere Zuneigung zu teilen und den Beweis zu erneuern, dass wir alles erreichen können, wenn wir als Gemeinschaft auftreten. Ganz genau in diesem Sinne spielt es keine Rolle, wie schnell oder wie weit du beim Wings for Life World Run läufst. Sobald du antrittst, hast du bereits gewonnen. Und mit unserer App hast du es buchstäblich in der Hand. Ob es dein Pfad im Wald hinter dem Haus ist, deine Lieblings­strecke im Park, in deiner Stadt oder ein Ort, den du neu für dich entdeckst: Mit unserer App hast du die Freiheit, beim Wings for Life World Run am 3. Mai zu starten, wo immer du bist – und dabei Gutes zu tun, für dich selbst und vor allem auch für all jene, die nicht laufen können.

APP-RUN

6 SELBSTLÄUFER

Christian Schiester segelt um die Welt. Sein Credo: Laufen kann man überall, selbst im tiefsten Urwald.

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WINGS FOR LIFE

10 KLEINE SCHRITTE, GROSSE HOFFNUNG

Drei persönliche Schick­ sale, dreimal neuer Mut: dank der Erkenntnisse der Rückenmarksforschung.

Viel Freude mit dieser Ausgabe von The Red Bulletin! Die Redaktion

20 ERNÄHRUNG

JÜRGEN SKARWAN (COVER), RICK GUEST, GETTY PREMIUM

20 CLEVERER ESSEN

So ernährst du dich vor, während und nach dem Lauf richtig. Plus: Guide zu Mikronährstoffen.

ERFOLGSREZEPT

22 GENUSSLÄUFERIN

Ausnahme-Triathletin ­Daniela Ryf zählt keine Kalorien, sondern Siege.

6 STARTE, WO IMMER DU BIST. Zum Beispiel auf den Salomonen­ im Südpazifik wie Lauflegende Christian Schiester. THE RED BULLETIN

WORLD RUN

24 FAMILIENTREFFEN

Wie Ex-Skispringer Lukas Müller und sein Bruder den Lauf in fernen Zeit­­ zonen gemeinsam erleben.  5


App-Run

„Mit der App startest du, wo immer du bist“ Ob tief im Urwald oder auf einsamen Inseln – Laufikone Christian Schiester, demnächst 53, läuft, wo sonst keiner hinkommt. Und ist dabei doch niemals allein. Ein Gespräch über eine spezielle App und spezielle Momente. Text CHRISTIAN EBERLE-ABASOLO  Fotos JÜRGEN SKARWAN

Christian Schiester ist ein Meister der Bewegung. Nicht nur, weil er ­einer der erfolgreichsten Ultrarunner Österreichs ist. Seit seiner Wandlung vom matten Postangestellten zum fitten Athleten in den 1990erJahren inspiriert er die Menschen, selbst laufen zu gehen. Das hat sich auch heute, wo er im Zuge seiner Abenteuerreise „Sail & Run“ um die Welt segelt, nicht geändert. Wings for Life World Run-Botschafter Christian zieht die Laufschuhe dort an, wo er an Land geht – und beweist damit, dass man wirklich überall laufen kann. Auch an Orten, von ­denen mit Ausnahme von GeografieProfessoren kaum jemand gehört hat.

the red bulletin: Wo wirst du am 3. Mai 2020 laufen? christian schiester: Auf der ­Salomonen-Insel Liapari. Dort ankert nämlich unser Schiff, an dem wir davor noch einiges zu arbeiten haben. Außerdem gibt es da eine ­super Laufstrecke. Eine Runde um die Insel herum hat genau fünf Kilometer, vorbei an Riesenkokospalmen, durch dichten Urwald und dann am Meer entlang. Eine der schönsten Strecken, die ich je gesehen habe. Wie weit willst du beim Wings for Life World Run diesmal kommen? Ich renne, was geht. Aber ob du jetzt einen Kilometer weiter kommst, ist nicht das Thema. Es geht darum, Teil einer großen Erzählung zu sein. Mein Sohn rennt in Österreich, meine Freunde in aller Welt, und alle laufen wir zur gleichen Zeit. Für mich bedeutet das heuer, dass ich um Mitternacht starte.

Innerlich schon. Mir ist unterwegs durchaus bewusst, ein kleiner Teil eines Rennens zu sein, das an jedem Ort dieser Welt stattfinden kann. Wenn du live läufst und weißt, jetzt laufen die Leute auch in Österreich oder in Australien oder sonst wo, ist das schon eine fette Geschichte. Das gibt es sonst nirgendwo anders. Es wäre ein schwerer Fehler von mir, wenn ich mich geistig ausklinken würde – wie früher bei meinen ­Ultrarennen. Haben sich deine Lauftage während „Sail & Run“ grundsätzlich verringert? Ich laufe weniger, erlebe es dafür aber intensiver. Weißt du, was es heißt, ins Laufen zu kommen? Das ist ein Zustand, in dem alles egal ist. Du rennst, es tut nichts mehr weh, und du bist rundum zufrieden. Wenn dich da der Blitz treffen würde, wäre das egal. Wie erreichst du dieses Gefühl? Das Ins-Laufen-Kommen braucht eine gewisse Anstrengung, aber wenn du über einen gewissen Level drüberkommst, wird das Laufen richtig super. Früher habe ich jeman­ den gebraucht, der mich gejagt hat, um in diesen Zustand zu kommen. Heute passiert es einfach. Du meinst, du bist dann im Flow? Nein, ich würde es nicht Flow nennen. Flow-Erlebnisse kenne ich aus den Ultrarennen. Wenn sich der Körper zu wehren beginnt, wenn in

Bekommst du dann nachts, allein im Urwald, überhaupt mit, dass du Teil von etwas Größerem bist? 6

THE RED BULLETIN


„Gleichzeitig mit der ganzen Welt laufen. Sogar im Urwald.“ Christian Schiester über den Wings for Life World Run

THE RED BULLETIN

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App-Run SO GEHT’S

Appsolut easy Hol dir jetzt die Wings for Life World Run App und starte auch du, wo immer du bist.

App herunterladen Die Wings for Life World Run App ist im App Store und auf Google Play ­kostenfrei erhältlich. Nach dem Download kannst du dich entweder per Facebook-­ Profil oder E-Mail registrieren.

Mit Handy unterwegs

Christian Schiester über das Gefühl des „Ins-Laufen-Kommens“

der Wüste hunderte Leute um dich herumstehen, dich anfeuern, dann bist du im Flow. Ins Laufen zu kommen ist etwas anderes. Ich kann gar nicht genau erklären, wann oder wie es kommt. Aber ich habe dann so leichte Füße, wie ich sie so nicht haben dürfte. Das ist unbeschwertes Laufen, das ist absolute Freude. Bekommst du beim Segeln ein ähnliches Gefühl? Das ist nicht vergleichbar. Beim Segeln gibt es wunderschöne ­Momente: Nächte mit Vollmond auf ­paradiesischen Inseln, einen lässi­gen Wind, der dich antreibt und richtig weiterbringt. Aber dieses einzigartige Gefühl, das bekommst du nur beim Laufen. 8

2019 – Sorong, Indonesien „Die Kinder der Stadt sind aus ihren Häusern raus- und mit mir ein Stück mitgelaufen. Die waren begeistert, weil da einer mit dem Licht am Kopf rennt. Das war ihnen völlig neu.“ 2018 – Kokosinseln, Australien „Nach wochenlanger Überfahrt auf See dort zu laufen war erleichternd, wenn auch – aufgrund der Internet­ verbindung für die App – etwas mühsam. Aber gut, dort ist eigentlich auch militärisches Sperrgebiet.“

Laufen und helfen Über die App trainierst du mit dem virtuellen Catcher Car und/oder meldest dich für den Lauf am 3. Mai an (100 % des Startgeldes fließen in die Rückenmarks­ forschung) und/oder spendest direkt an Wings for Life.

2017 – Mahé, Seychellen „Der erste Wings for Life World Run während unserer Weltumsegelung, für mich das erste Mal per App. ­Laufen zwischen Urwald und Strand – herrlich!“ Verfolge Christians Abenteuer auf Red Bull TV: redbull.com/sailandrun

Teil von etwas Großem sein Am 3. Mai laufen tausende Menschen in aller Welt ­gemeinsam und erfahren ­via App, nach wie vielen Kilometern sie vom virtuellen Catcher Car eingeholt wurden. THE RED BULLETIN

RED BULL CONTENT POOL

„In diesem Zustand wird plötzlich alles so leicht.“

Christian blickt zurück auf seine bisherigen Teilnahmen am Wings for Life World Run mittels App.


© FOTO: GRANT GUNDERSON

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„Ich möchte die Leute überraschen, indem ich zeige, was mit einer positiven Einstellung alles möglich ist.“ Ben Tansley


KLEINE SCHRITTE, GROSSE HOFFNUNG Das menschliche Rückenmark, nur 13 Millimeter dick und rundum geschützt von der Wirbelsäule, enthält eine Milliarde Nervenzellen, die Signale vom Gehirn zum Körper übertragen. Wenn es beschädigt wird, sind die Folgen verheerend und weitgehend irreparabel – dachte man zumindest lange. Doch jetzt zeigt revolutionäre Forschung bei Patienten verblüffende Verbesserungen. Wir haben drei Menschen mit schweren Rücken­marks­ verletzungen gefragt, wie diese Erkenntnisse ihr Leben verändert haben. Sie nähren jedenfalls die Hoffnung, dass Querschnittslähmungen eines Tages heilbar sein werden. Text MARK BAILEY Fotos RICK GUEST

THE RED BULLETIN

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„Der Arzt sagte zu mir: ‚Sie ­haben sich den Wirbel nicht ­gebrochen – er ist explodiert.‘“ Ben Tansley


Wings for Life

„Leben ist stetige Anpassung. Du kannst auch mit Quer­schnitts­lähmung alles machen, nur halt anders.“ Ben Tansley

E

s geschah an einem sonnigen Tag im Jahr 2017. Der eng­lische Rugby-Spieler Ed Jackson war bei Freunden seiner Familie zum Grillen eingeladen. ­Einem ­Impuls folgend, sprang er in den Pool. Erst als sein Schädel auf den Boden krachte, bemerkte er seinen fatalen Irrtum: Er hatte das seichte Ende des Schwimm­beckens erwischt. „Ich erinnere mich noch, dass ich versuchte, meinen Kopf nach Blutspuren zu untersuchen, konnte mich aber nicht bewegen. Da geriet ich in Panik.“ Jackson drohte zu ertrinken. Sein Vater zog Ed aus dem Wasser. Die Fahrt mit der Rettung ins Spital dauerte über zwei Stunden, zumal Jackson dreimal wiederbelebt werden musste. In einer Not-OP wurde die Wirbelsäule dann stabilisiert. Die Diagnose lautete: 6. und 7. Halswirbel verschoben, Rückenmark von Knochensplittern beschädigt, nur 4 von 13 Millimetern des Strangdurchmessers blieben intakt. Man sagte ihm, dass er nie wieder würde gehen können. „So etwas passiert natürlich immer nur anderen“, sagt Jackson, „niemals

THE RED BULLETIN

dir selbst.“ In der ersten Nacht stellte er sich vor, mit seinem großen Zeh zu wackeln. In der sechsten Nacht wackelte dieser tatsächlich. „Früher machte es mich glücklich, eine Meisterschaft gewonnen zu haben“, erzählt Jackson, „und plötzlich bedeutete mir ein wackelnder Zeh so viel mehr.“ Jackson, einst Profi bei den Newport Gwent Dragons aus Wales, unterzog sich einer Reha und kämpfte um jeden Millimeter neuer Bewegungsfreiheit. Nur ein Jahr später stand er nach einer achtstündigen Wanderung weinend auf dem Gipfel des Snowdon, dem höchsten Berg von Wales. „Wenn man bedenkt, wo ich war!“, flüstert er, „das war so ein ‚Zwickt mich‘Moment. Dieses Gefühl hat mich süchtig gemacht!“ Der 31-Jährige aus der Stadt Bath im Südwesten Englands hat seither den 6660 Meter hohen Meru im Himalaya bezwungen und mit anderen das Unternehmen M2M (Milli­ meters to Mountains) gegründet, das Wanderungen für Behinderte anbietet. Weil ihm noch immer viel Kraft auf der linken Seite fehlt, geht er mit einer Stütze und hinkt stark.   13


Wings for Life

„Wegen meines ineffizienten Bewegungsapparats muss ich rund 50 Prozent mehr Energie für jeden Schritt aufwenden. In Nepal habe ich 11.000 Kalorien pro Tag verbrannt.“ Dieses Jahr hat sich Jackson vorgenommen, den Mont Blanc (4810 m), den Gran Paradiso (4061 m) im italienischen Aostatal und den Himlung Himal (7126 m) in Nepal zu bezwingen. Außerdem hofft er, der erste Querschnittsgelähmte zu sein, der es auf den Gipfel des Mount Everest schafft. Jackson ist einer von mehr als 2,5 Millionen Menschen weltweit, die eine Rückenmarksverletzung erlitten haben – ein einzigartig komplexer Zustand, für den es bis jetzt keine Heilung gibt. In der Regel werden solche Verletzungen von Autounfällen (50 %), Stürzen (24 %), Gewalt (17 %) oder Sport (9 %) verursacht. Das höchste Risiko haben Männer in den Zwanzigern, Teenagerfrauen sowie ältere Leute. Ihre Aussichten sind düster: Im Schnitt leiden 53 Prozent an einer Lähmung von Beinen und Rumpf, 47 Prozent können keine ihrer Gliedmaßen mehr bewegen. Bei inkompletten

Querschnittslähmungen, bei denen noch Restfunktionen erhalten sind, sprechen Studien von einer Wahrscheinlichkeit zwischen 20 und 75 Prozent, dass die ­Betroffenen zumindest die grundlegende Fähigkeit zu gehen wiedererlangen. Mit ­einer völligen Durchtrennung des Rückenmarks hingegen ­stehen die Chancen nur bei 10 bis 20 Prozent, dass man irgendein Gefühl zurückbekommt; und die Wiederherstellung der Gehfähigkeit ist selten.

B

en Tansley, ein tätowierter Fitnessstudiobesitzer aus Norfolk, hat sich 2017 bei einem Motorradunfall den vierten Brustwirbel gebrochen und ist jetzt von der ­Hüfte abwärts gelähmt. „Der Arzt sagte zu mir: ‚Sie haben sich den Wirbel nicht gebrochen – er ist explodiert!‘ “, erinnert sich der heute 34-Jährige. Auf den Rollstuhl, in dem er seither sitzt, ist er wegen ­seiner schweren Behinderung angewiesen. Er hindert ihn aber keineswegs am Kajakfahren, am Gewichtheben oder

„Ich habe bemerkt, wie sich die Wahr­ nehmung der Leute verändert, wenn sie sehen, was ich alles erreicht habe.“ Nathalie McGloin 14

THE RED BULLETIN


„Es wäre naiv, zu glauben, dass jeder vollständig geheilt werden kann. Aber wenn wir unser Leben verbessern können, sind wir alle dafür.“ Nathalie McGloin


Wings for Life

„Anders als die meisten staatlichen Einrichtungen können wir höchst originelle Projekte finanzieren und es uns erlauben, unkonventionell zu denken.“ Dr. Verena May, Wings for Life

­ aran, geradezu epische Herausforderungen zu planen. d „Nachdem ich gelesen hatte, dass der Extremsportler Ross Edgley einen Triathlon mit einem 45-Kilo-Block bewältigt hat­ te, träumte ich davon, einen Rollstuhl-Marathon mit so etwas zu machen“, ­erzählt er lachend. „Ich bin sehr impulsiv – also hab ich um zwei Uhr früh angefangen, nach einem geeigneten Charity-Marathon zu googeln. Den Block hab ich schon.“ Tansley – seine Freunde nennen ihn Tano – hat bereits 2018 den Berliner Rollstuhl-Marathon absolviert. Anlässlich einer anderen Charity-Challenge plant er, die 2744 Stufen des Manitou Incline, einer stillgelegten Standseilbahn nahe Colo­ rado Springs in den amerikanischen Rocky Mountains, zu er­ klimmen – auf den Händen, im Schubkarren-Stil – mit einem Freund, der seine Beine hält. „Ich möchte die Leute über­ raschen“, sagt er, „indem ich zeige, was mit einer posi­tiven Einstellung alles möglich ist.“

N

athalie McGloin war erst 16, als sie sich als Mitfahrerin bei einem Autounfall den 6. und 7. Halswirbel brach, was eine Querschnittslähmung von der Brust abwärts zur Folge hatte. Sie ist jetzt die einzige querschnittsgelähmte Rennfahrerin der Welt. Sie fährt einen für ihre Bedürfnisse umgebauten, nur mit den Händen kontrollierbaren Cayman S in der Porsche Club Championship. „Das Adrenalin ist Teil des Reizes, aber ich möchte mich auch mit nicht behinderten Menschen messen“, sagt sie. „Ich hatte diese Gleichstellung nie seit meiner Verletzung. Alles, was an der Rennstrecke zählt, sind deine Fähigkeiten und dein Mut.“ Während ihrer traumatischen Zeit im Spital konzentrierte sich McGloin darauf, „jeden einzelnen Tag zu überleben“ und „ein Teenager zu sein, der mit seinem neuen, kaputten Körper fertig werden muss“. Und jetzt erzählt sie aufgeregt von ihrem ersten Sieg in Silverstone und vom Spaß, bei Regen Rennen zu fahren und dabei die perfekte Balance zwischen Tempo und Fahrzeugbeherrschung zu treffen. Als die drei bei unserem Fotoshooting auftauchen, zeigen sie eine natürliche athletische Ausstrahlung: Ed Jackson ist über zwei Meter groß und tritt fast militärisch auf; Ben Tansley hat einen sonnengebräunten, muskulösen Oberkörper; und Nathalie McGloin strahlt das Prickeln eines selbsternannten Adrenalinjunkies aus. Jackson berichtet von seinem jüngsten Projekt „Walk The Spine“ – zu Deutsch: Gehe die Wirbelsäule entlang –, einer 431 Kilometer langen Wanderung über den ­Pennine Way, das „Rückgrat“ Englands. Und Tansley, der eben erste vorsichtige Schritte auf Krücken macht, zeigt für den Fotografen Rollstuhl-Klimmzüge. Aber was, wenn eines Tages eine Heilmethode gefunden wird? Könnten positive Ausreißer wie Ed Jackson die neue Normalität werden? Noch vor 75 Jahren starben Menschen, die eine Rückenmarksverletzung glücklich überlebt hatten, an Infektionen und anderen Komplikationen. Denn obwohl 16

der medizinische Fortschritt die Lebenserwartung inzwischen deutlich erhöht hat, wurde lange eine Heilung für gänzlich unmöglich gehalten. Ein Grund für diesen Pessimismus war biologisch: Das ­Rückenmark enthält eine Milliarde Nervenzellen (Neuronen) – mit Axonen, die „sprechen“, und Dendriten, die „zuhören“ –, die ständig Befehle vom Gehirn in den Körper feuern. Sie kon­ trollieren den Bewegungsapparat, die Blase, den Darm, die Se­ xualfunktion, regulieren aber auch die Körpertemperatur und den Blutdruck. Während sich die meisten Zellen regenerieren können, funktioniert das bei den Neuronen im Rückenmark nicht – was den Schluss nahelegt, dass der großflächige Zell­ tod bei einer Rückenmarksverletzung irreparabel sein muss. Ein anderer Grund war ein finanzieller: Rückenmarks­ verletzungen stellen für Pharmaindustrie und Forschung ei­ nen vergleichsweise winzigen Markt dar – ganz im Gegensatz zu den Profiten, die etwa bei Krebsmedikamenten winken. Die Folge: Die Finanzierung war schwach, die Hoffnung auf Heilung noch schwächer. Bis heute wird die Forschung von Basisbewegungen an­ getrieben. Wings for Life ist eine Non-Profit-Stiftung, 2004 gegründet von Red Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz und seinem Freund, dem Ex-Motocross-Weltmeister Heinz Kini­ gadner, dessen Sohn Hannes seit einem Motocross-Unfall 2003 querschnittsgelähmt ist. Sie hat bis heute 211 Forschungs­ projekte in 19 Ländern finanziert. Events wie der weltweit ausgetragene Wings for Life World Run helfen, Geld dafür aufzutreiben. „Eine Heilung für Rückenmarksverletzungen zu finden ist eines der letzten großen Rätsel der medizinischen Forschung, aber inzwischen ist man sich sicher, dass dieses Ziel erreicht werden kann“, ist Wings for Life-Geschäfts­führe­ rin Anita Gerhardter überzeugt. „Die Frage ist nicht ob, son­ dern wann.“ Und Dr. Verena May, die wissenschaftliche Ko­ ordinatorin, ergänzt: „Die Forscher, die in diesem kom­plexen Bereich arbeiten, wissen, dass das nicht einfach wird, aber man kann jetzt ihre große Entschlossenheit spüren.“

A

ber was bedeutet „Heilung“ eigentlich? „In erster Linie suchen wir nach einer biologischen Heilung“, sagt Anita Gerhardter. „Da geht es um viel mehr als darum, wieder gehen zu können. Zum Beispiel um die Wiederherstellung der Blasenfunktion oder der Armbewegung.“ Einige Wings for LifeForscher arbeiten daran, den Bewegungsapparat wieder in Gang zu setzen. Professor Grégoire Courtine von der Schweizer Technischen Hochschule in Lausanne und Professorin Jocelyne Bloch von der Universitätsklinik Lausanne führen klinische Versuche durch, die zwei Therapien kombinieren: präzise ­epidurale elektrische Stimulation am Rückenmark und inten­ sives, robotergestütztes Bewegungstraining. Bei Ersterem wird eine Elektrode an die „Dura“, die äußerste Schutzschicht des Rückenmarks, gelegt, um die schlafenden Neuronen THE RED BULLETIN


Bei ED JACKSON verschoben sich die Wirbel C6–C7, ­Knochenteile verletzten das Rückenmark.

Halswirbelnerven C1–C8 kontrollieren Kopfund Halsstellung.

C3 C4 C5 C6 C7 T1 T2 T3 T4 T5

NATHALIE McGLOINs C6- und C7-Wirbel zerbrachen.

T6 T7 T8 T9 T10 T11 T12

BEN TANSLEYs T4-Wirbel explodierte, die Knochensplitter zerstörten sein Rückenmark.

L1

Brustwirbel­ nerven T1–T12 kontrollieren oberen Rücken, Brust und Bauch.

L2 L3

Über die Lenden­ wirbelnerven L1–L5 kommuni­ zieren Gehirn und Beine miteinander.

L4 L5

Sacrum

Sakralnerven haben viele Funk­ tionen im gesamten Becken und in den Beinen.

Coccyx

Karte der Wirbelsäule ­ ährend der Reha zu stimulieren, was es den Patienten erw möglicht, ihre Beine willentlich zu bewegen. Letzteres ist ein Robotersystem, das die Kraft bei der Bewegung verstärkt. ­Binnen einer Woche fingen die Teilnehmer an, im Raum herumzugehen, und schafften es schließlich, einen Kilometer auf einem Laufband zurückzulegen – und das, obwohl einige von ihnen zuvor keinerlei neurologische Fortschritte in über vier Jahren Reha gezeigt hatten. „Es ist ein großartiges Gefühl“, sagt David Mzee, einer der Patienten. 2010 teilte man ihm mit, er werde nie wieder gehen können. Letztes Jahr legte er 390 Meter beim Wings for Life World Run zurück. Andere Forscher beschäftigen sich damit, Axone wieder wachsen zu lassen. Professor Martin Schwab von der Universität Zürich entdeckte, dass dieses Wachstum von sogenannten „Nogo“THE RED BULLETIN

Proteinen blockiert wurde. Als es ihm gelang, diese mithilfe von Antikörpern zu deaktivieren – gewissermaßen die Ampeln von Rot auf Grün zu schalten –, begannen die Axone wieder auszuwachsen. Bis zu einer Anwendung beim Menschen dauert es freilich noch Jahre. Aber jedes Projekt be­ deutet Fortschritt. Professor Michael Sofroniew von der University of Cali­ fornia in L. A. hat den Ruf der Gliazellen wiederhergestellt, die über Jahrzehnte als problematisch galten. Obwohl sie nach einer Rückenmarksverletzung helfen, eine heilende ­Narbe zu bilden, galten sie als wachstumshemmend für neue Nervenzellen. Professor Sofroniew fand heraus, dass das ­Problem mit der Zugabe eines Gels gelöst werden kann. ­„Wissenschaftler“, erklärt er, „müssen wie Detektive nach   17


„Früher hat es mich glücklich gemacht, eine Meisterschaft zu gewinnen. Und plötzlich bedeutete mir ein wackelnder Zeh so viel mehr.“ Ed Jackson


Wings for Life

„Wir sagen allen immer wieder: Gebt ja nicht auf!“ Ed Jackson

Hinweisen suchen und den offensichtlichsten Antworten ge­ dass das Setzen neuer Ziele der Schlüssel ist, um aus dem genüber skeptisch sein.“ Wings for Life werde abweichendes ­seelischen Tief herauszufinden: „An der Uni mit RollstuhlDenken immer unterstützen, sagt Dr. May. „Anders als die Rugby anzufangen war für mich die Wende. Ich hörte auf, meisten staatlichen Einrichtungen können wir es uns er­ mich über meine Verletzung zu definieren, und fing statt­dessen lauben, unkonventionell zu denken.“ an, mich auf meine Stärken zu konzentrieren.“ Ed Jackson Mithilfe von Stiftungen wie Wings for Life gibt es jetzt ­zitiert Englands früheren Rugby-Spieler Matt Hampson, ­häufiger Fortschritte. Ein Projekt führte etwa vor, wie Nano­ der nach ­einem Unfall 2005 gelähmt blieb. „Er wurde nicht partikel, die Medikamente zu ganz bestimmten Zellen trans­ physisch gesund, sondern mental. Er sagte: ‚Erfolg besteht portieren, dazu verwendet werden können, nicht darin, wieder gehen zu können, um Entzündungen an der verletzten Stelle ­sondern glücklich zu sein.‘“ zu vermindern. Ein anderes zeigte, wie die oziale Vorurteile mögen inzwischen ­Injektion von 20 Millionen Stammzellen abgenommen haben, aber gewisse dabei helfen kann, beschädigte neuronale Peinlichkeiten bleiben. „Es ist immer Kreisläufe zu reparieren. Und eine Studie dieser Elefant im Raum“, sagt Ed Jackson. erforscht, wie Implantate die mesenzepha­ lische lokomotorische Region (MLR) im Deshalb genießt er die Neckereien so, die Gehirn, zuständig für die Steuerung des es immer gibt, wenn er mit seinen RugbyDrei vielversprechende, Bewegungsapparats, stimulieren könnten. Freunden zusammen ist. „Es ist super, wenn geförderte Projekte zur Heilung „Das ist großartig“, sagt Nathalie man ganz normal behandelt wird.“ von Rückenmarksverletzungen. McGloin. „Es wäre naiv, zu glauben, dass Jackson, McGloin und Tansley sind jeder vollständig geheilt werden kann. jetzt stolze Botschafter für Wings for Life, Neue Nervenverbindungen Aber wenn wir unser Leben verbessern und ihre Abenteuer, Gespräche, Blogs können, sind wir alle dafür.“ Und weiter: und ­Social-Media-Auftritte werden helfen, durch Strom University of Texas „Wenn ich die volle Handkontrolle zurück­ Spenden zu sammeln – und Hoffnung. haben könnte, wäre das für mich als Renn­ Ed Jackson ermutigt jeden, Körper und In Texas arbeiten Forscher gerade an einer Therapie, die schon bei Epilepsie-Patienten fahrerin fast besser, als wieder gehen zu Geist so viel wie nur irgendwie möglich zu Bemerkenswertes bewirkte. Mit elektrikönnen.“ Aber auch der Alltag mit der ­fordern, soweit es die Verletzung erlaubt. schen Impulsen stimulieren sie den Vagus­Behinderung koste so viel Kraft und Zeit, „Die Ärzte geben dir immer eine abgesi­ nerv, eine der Hauptverbindungen zwischen cherte Prognose, um Rechtsstreitigkeiten dass sich das die meisten Leute gar nicht unseren Organen und dem Gehirn. Erste zu vermeiden, und die Krankenkasse kann vorstellen könnten: „Das beginnt beim An­ Versuche zeigen: Durch die Stimulation ziehen und Schuhebinden in der Früh und deine Reha nicht ewig bezahlen. Also ­bilden sich neue Nervenverschaltungen, und die Patienten können ihre Arme endet damit, dass praktisch alle Produkte ­sagen sie immer, du wirst wahrscheinlich und Hände besser bewegen. für Menschen mit voll funktionstüchtigen nicht geheilt werden. Ich bin entschlossen, Händen und Füßen gemacht sind.“ das zu ändern, weil sich die Menschen da­ Spritze für Nervenwachstum durch hängen lassen. Also sagen wir den Ben Tansley sagt, dass jede Therapie, Yale University Leuten immer wieder: ‚Gebt ja nicht auf!‘“ die die Forschung liefern kann, eine Ver­ An der Yale University bekämpfen Forscher besserung der Lebensqualität bedeutet. „Wenn ich früher an etwas gescheitert bestimmte Proteine, die Nerven am Aus„Wenn ich früher Typen in Rollstühlen ge­ bin, hat mich das aufgefressen. Aber jetzt wachsen hindern. Sie geben Querschnitts­ sehen habe, dachte ich nie: ‚Wie gehen die komme ich größer und stärker zurück“, patienten spezielle Infusionen direkt ins Rückenmark. Das führt dazu, dass die hemaufs Klo? Was ist mit Sex?‘ Von der müh­ sagt Nathalie McGloin. Ed Jackson meint, menden Proteine ausgeschaltet werden samen Überwindung von Stufen in nicht dass sein Optimismus schon fast nervt: und die Nerven an der Verletzungsstelle barrierefreien Häusern bis zur Schlamm­ „Das Leben ist zu kurz, um zu Dingen Nein wieder auswachsen. Das soll m ­ otorische dusche, wenn er seinem Sohn beim Fuß­ zu sagen.“ Funktionen verbessern. ballspielen zuschauen will – Rollstuhlfah­ Mit seinen 37.000 Instagram-Followern Stimulation des Rückenmarks glaubt Ben Tansley jetzt an seine neue Be­ rer müssen mit allerhand Schwierigkeiten Technische Hochschule Lausanne stimmung: „Früher habe ich 300 Leute im rechnen. Aber Ben nimmt das gelassen: Gym beraten, und davon haben vielleicht Dieses Projekt hat weltweit Schlagzeilen „Leben ist stetige Anpassung. Du kannst gemacht. Drei Menschen mit chronischer zwei sich positiv verändert. Jetzt inspiriert auch mit Quer­schnitts­lähmung alles ma­ Querschnittslähmung konnten willentlich chen, was du willst, nur halt anders.“ mein Weg so viele Menschen. Als ich seiner­ wieder ihre Beine bewegen. Möglich machte zeit nach dem Unfall auf der Straße gelegen Wobei die mentale Herausforderung oft dies eine Kombinationstherapie aus bin, hab ich mir gedacht: Es wird auch sein die größte ist. Geschätzt 20 bis 30 Prozent Elektro­stimulation und Reha-Training. Das Gutes haben. Das hat sich bewahrheitet. aller Querschnittsgelähmten leiden unter Forscherteam aus Lausanne plant jetzt, die Therapie an weiteren Patienten zu testen. Und ich habe gerade erst angefangen.“ Depressionen. Nathalie McGloin glaubt,

STYLING: TONY COOK @ONE REPRESENTS; STYLING ASSISTANT: KAYLA GARNER-JONES; GROOMING: KATIE BEVERIDGE; PHOTO ASSISTANT: FRANKIE LODGE, NICK RICHARDS, MARK TOWNSEND

Forschung

THE RED BULLETIN

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Ernährung

MIKRO­ NÄHRSTOFFE

Für den Extra-Kick Tipps von Dr. Irmgard Pötschger, Apothekerin, Leitung im Bereich Wissenschaft und Produkt­ entwicklung bei PURE.

„Für Sportler ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung essen­ ziell. Zusätzlich gilt es, auf eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen zu achten.“

Wer clever isst ... … steigert seine Leistung. Hier ist ein ganz simpler Ernährungs-Guide, mit dessen Hilfe du deinen Körper richtig auf den Lauf einstellen kannst – und gleichzeitig Gesundheit und Regeneration förderst.

1. Vor dem Lauf

Während der Trainingsphase sind Kohlenhydrate in Kombi­ nation mit Eiweiß und Vitami­ nen sehr wichtig. Beispiel: Frühstück: Haferflocken mit Hüttenkäse und Beeren. Mittag- und Abendessen: Gemüsereis mit Fleisch, Fisch oder Tofu.

• Energy-Gels (ca. 50 % Koh­ lenhydrate) bei besonders langen Läufen. Tipp: Beim Lauf solltest du alle 10 bis 20 Minuten etwas

3. Nach dem Lauf

2. Während des Laufs

Bei längerer körperlicher Be­ lastung sind Kohlenhydrate in flüssiger Form ideal, weil sie leichter verdaulich sind als fes­ te (etwa Bananen). Beispiele: • Sportdrinks (ca. 8 % Kohlenhydrate) • Energydrinks (ca. 12 % Kohlenhydrate) 20

trinken. Darüber hinaus wich­ tig: die Versorgung mit Elek­ tro­lyten, die beim Schwitzen ­vermehrt verlorengehen. Das ­garantieren Getränke, die reich an Natrium, Kalzium und Magnesium sind. Energy­ drinks liefern Kohlenhydrate, Koffein und andere Inhalts­ stoffe für den ultimativen Leistungsschub.

Zum ultimativen Leistungsschub beim Lauf verhelfen Energydrinks.

Regeneration ist für deine Leistung ebenso wichtig wie das Training selbst. Die rich­ tige Regenerationsmahlzeit sollte kohlenhydratreich sein, um deine Energiespeicher wieder aufzufüllen, und viel hoch­wertiges Eiweiß enthal­ ten, um geschädigtes Muskel­ gewebe zu reparieren. ­Beispiele: • Fisch und grünes Gemüse • Huhn, Kartoffeln und Gemüse

B-Vitamine Sie sind an der Energie­ gewinnung beteiligt und unterstützen Psyche sowie Nerven. Pantothensäure (Vitamin B5) spielt für die mentale Leistung eine wichtige Rolle – in Wettkampfsituationen von Vorteil.

Magnesium und Kalium Gleichen den Elektrolytverlust aus, der mit dem Schwitzen beim Sport einhergeht.

Vitamin C und Zink Sie schützen die Zellen vor freien Radikalen. Vitamin C ­unterstützt das Immunsystem außerdem bei intensiven Belastungen. Täglich sollten mindestens 200 mg Vitamin C aufgenommen werden, damit die Abwehrkräfte im Sport funk­ tionieren. Ein hochwertiges Multivitamin wie das von Pure Encapsulations® sichert eine optimale Basisversorgung für sportlich Aktive. Weitere Infos: purecaps.net THE RED BULLETIN

HENNER THIES

GUTEN APPETIT!

GETTY PREMIUM, MIRJA GEH/RED BULL CONTENT POOL, PROMEDICO

Wichtig für die Regeneration: kohlenhydrat- und eiweißreiche Gerichte


Mach dich zu deinem Vorbild.

Sport Basisversorgung Ein perfekter Laufpartner – Sport Basisversorgung von Pure Encapsulations®️ liefert wichtige Vitamine, Spurenelemente, Magnesium und Co. für die gezielte Versorgung im Training.

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Nichts schmeckt süßer als ein Sieg Daniela Ryf ist die erfolgreichste Triathletin der Gegenwart. Ihre Dominanz in der Ironman-Welt verdankt die 32-jährige S ­ chweizerin und langjährige Wings for Life World Run-Botschafterin auch der Erkenntnis, dass sie bei ­allen Strapazen nicht auf den Genuss vergessen darf. Text HANNES KROPIK

Eine Tasse schwarzer Kaffee genügt. Daniela Ryf startet die erste ihrer drei täglichen Trainingseinheiten bewusst auf nüchternen Magen. Und dabei ist es egal, ob ein zweistündiger Morgenlauf, intensives Schwimmtraining oder eine harte Krafteinheit auf dem Plan steht. „Es ist gut, den Körper ab und zu in ein Defizit zu bringen“, erklärt die vierfache Siegerin der Ironman World Championship auf Hawaii. Dieser Verzicht auf Nahrung ist selbst schon Teil des Trainingsprogramms; der Körper soll lernen, selbst ohne Zufuhr von Kohlen­ hydraten – also von Energie – effi­ zient zu arbeiten: „Du kommst bei jedem Rennen unweigerlich in die Situation, dem Körper nicht mehr genügend Kalorien zuführen zu können. Deshalb trainiere ich auf diese Weise meinen Zellstoffwechsel – und natürlich auch, weil es einen emotionalen Nutzen bringt: Wenn du wirklich leer bist, schmeckt das Frühstück viel besser.“

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Und doch geht die Schweizerin, die Ende Mai ihren 33. Geburtstag feiert, das persönliche und sensible Thema Ernährung mittlerweile eine Spur entspannter an als noch zu ­Beginn ihrer Karriere. Bereits mit 14 bestritt Daniela ­ihren ersten Triathlon. „Etwa zu der Zeit habe ich – wie viele Frauen im Teenageralter – dann begonnen zu über­legen, was ich warum esse. Man merkt in diesem Alter, dass auch aufgrund der Ernährung etwas in deinem Körper passiert.“ Ihr damaliger Coach schnürte sie zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2008 in ein enges Ernährungskorsett: „Das war eine­ Extrem­erfahrung. Wir haben uns massiv aufs ­Gewicht fokussiert; und deshalb durfte ich zum Beispiel acht ­Monate lang kein einziges Stück Schokolade essen. Aber ich habe ­erkannt, dass dieser Weg ungesund für mich war – vor allem für meinen Kopf.“ Denn natürlich ist jeder Körper anders, und nicht bei jedem­ Menschen funktioniert das gleiche Erfolgsrezept. „Ich habe heraus­ gefunden, dass ich eine gewisse ­Balance brauche. Und ich habe auch

angefangen, auf Dinge zu verzichten,­ wenn sie zwar angeblich gesund sind, mir aber nicht guttun.“ Deshalb stehen etwa Avocados, die als hervorragende Quelle für ungesättigte Fettsäuren und verschiedene Vitamine gelten, nicht mehr auf Danielas Speiseplan. „Ich bin nicht allergisch, aber ich spüre, dass mein Magen sie nicht gut verträgt.“ Andere Lebensmittel, die man nicht unbedingt im Dunstkreis einer Weltklasse­ athletin vermuten würde, gönnt sie sich hingegen: „Ja, ich esse hin und wieder Chips oder Pommes. Natürlich kommt es dabei aufs richtige Maß an. Und wenn die Zeit und die Begleitung passen, dann trinke ich gerne ein Glas Wein zum Essen.“ Daniela schenkt sich das Kalorienzählen – was man auch als figur­ bewusster Mensch leicht machen kann, wenn man 30 Wochenstunden in Training investiert und bei einem Triathlon rund 10.000 Kalorien verbraucht. Lieber isst sie mit Genuss und kocht, wenn es die Zeit zulässt, selbst – wobei sie hier auf möglichst große Abwechslung achtet. Dabei unterscheidet Daniela sehr genau zwischen Trainings- und Wettkampfmodus. In der Vorbereitung gibt es neben Pastagerichten sehr viel Gemüse, Salate, Vollkornprodukte und Obst. Zwei Tage vor dem Rennen geht es nur noch darum, den Kohlenhydratspeicher aufzufüllen. In dieser Phase sind ballaststoff­reiches Obst und Gemüse tabu. Im Rennen selbst vertraut sie auf kohlenhydrathaltige Flüssigkeiten und bei Bedarf auch auf Gels: „Früher habe ich versucht, Energie über Cracker oder Riegel aufzunehmen. Aber ganz ehrlich: Es ist zu auf­ wendig, während eines Rennens auch noch zu beißen.“

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IGNAZ KOENIG/RED BULL CONTENT POOL

Erfolgsrezept


„Ich durfte monatelang keine Schokolade essen.“ Daniela Ryf erkannte, dass dieser Verzicht für sie ungesund war.

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World Run

... während es für seinen Bruder Bernhard, 39, zugleich in Australien losgeht – eine Stunde vor Mitternacht.

Global verbunden Zwei Brüder, zwei Orte, ein Lauf. Wie Lukas und Bernhard Müller den Wings for Life World Run gleichzeitig in Salzburg und Melbourne erleben. Text LEA WIESER

Der österreichische Ex-Skispringer und Wings for Life World Run-Bot­ schafter Lukas Müller und sein Bruder Bernhard starten in diesem Jahr wieder beim Wings for Life World Run. Gemeinsam, zur gleichen Zeit – und jeweils am anderen Ende der Erde. Lukas macht in Österreich mit, Bernhard in Australien. Möglich macht das der App-Run. Und das gemeinsame Ziel, Spenden für die Rückenmarksforschung zu sammeln, um Querschnittslähmung eines Tages heilbar zu machen. the red bulletin: Lukas, für dich fällt der Startschuss um 13 Uhr – für dich, Bernhard, um 23 Uhr. Wie fühlt sich das an? lukas müller: Ich vergleiche es gern mit dem Gefühl beim Ski­ springen: Du kannst das nicht beschreiben, das musst du selbst erleben. Was beim Wings for Life 24

World Run um einiges leichter ist als beim Skispringen. Da musst du es nur an den Start schaffen! (Lacht.) Aber im Ernst, jedes Jahr – etwa eine Viertelstunde bevor es losgeht – wird mir immer so richtig bewusst, was da gerade abgeht. Dass du einer von Zigtausenden bist, die überall, verstreut über die ganze Welt, gleichzeitig loslegen. Das ist schon irre.

„Du kannst das nicht beschreiben, das musst du erleben.“ Lukas Müller, Ex-Skispringer und Wings for Life World Run-Botschafter

bernhard müller: Hier in Melbourne ist es beim Startschuss ­stockdunkel. Du brauchst eine Stirnlampe, um etwas zu sehen. Das Gute ist: In der Nacht gibt es weniger Verkehr, es ist ruhiger. Was beim Laufen hilfreich ist, um sich auf sich selbst und seine Schritte konzen­ trieren zu können. Tauscht ihr euch während des Laufs aus? bernhard: Während des Laufs ist das schwierig, ich laufe ja. Luki, vielleicht wirst du ja geschoben und hast Zeit, ein paar Messages hin- und herzuschicken? (Lacht.) lukas: Na geh, hör auf! Dann heißt es wieder: „Der lässt sich schieben und tut selber nichts dazu!“ Die blöde Nachrede brauche ich nicht. (Lacht.) bernhard: Aber nach dem Lauf tauscht man sich schon aus – auf jeden Fall! lukas: Auf jeden Fall. Bei uns läuft ja die halbe Familie mit, da werden schon oft vor dem Lauf Bilder geteilt. Da kommt ein Bild aus Australien und das nächste aus England – es ist echt sehr cool, wenn die Familie ­international derart verteilt ist. Speziell am Tag des Wings for Life World Run macht sich das dann auch so richtig bemerkbar. THE RED BULLETIN

PHILIPP GREINDL/WINGS FOR LIFE WORLD RUN

Es ist kurz nach Mittag, wenn Lukas Müller, 28, seinen Wings for Life World Run in Österreich startet …


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