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The Red Bulletin Mai 2011 - AT

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Filmfestival Cannes / Sigi Angerer / Alisa Buchinger / Gerard Butler / Max Nagl / Lisi Osl / Ivan Lendl

EUR 3,50

Mai 2011

Ein fast unabhängiges Monatsmagazin

Spiel-Berg

Motorsport und mehr

Alle Fakten, alle Infos: Europas spannendster Sportplatz

Nomen est Omen

Tanz: Footwork

Action: Zu Fuß

Medizin: Stamm-

Sport: Red Bulls

lässt Chicagos Jugend schwitzen

über die Dächer von London

zellentherapie als neue Hoffnung

Cliffdiver auf der Osterinsel


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Bullhorn

Willkommen! Enduro-Strecken und Trial Area, 4WD Test Track, ein Offroad Car Track, in der Mitte der Ring, all das ergänzt durch ein Angebot an unmotorisierten Freizeitbeschäftigungen von Golf und Mountainbiking bis zu feiner Hotel­ lerie und, wie könnte es in der Steiermark auch anders sein, avancierter Kulinarik: Spielberg ist bereit für den Start. Die Geschichte hinter dem in Europa beispiellosen Sport-, Erlebnis- und Freizeit-Dorado ist eine Geschichte über das Wiederaufleben einer (zu) lange vernachlässigten Region im Windschatten eines ehrgeizigen, mutigen, ­optimistischen Projekts, dessen Grundidee kaum besser zu formulieren wäre als in seinem Namen: Spielberg, nomen est omen. „Ladies and Gentlemen, start your engines!“, ab Seite 52. Im Jahr 1902 begründete ein Vulkanausbruch auf der Karibik-Insel ­Martinique jenen Sport, der gut ein Jahrhundert später auf YouTube mehr Klicks verursacht als jeder andere: Freerunning, die kunst­volle Art der Über­ windung aller Formen von Hindernissen, die einem das L ­ eben in den Weg stellt. Red Bull Art of Motion hieß der Londoner Event, in dessen R ­ ahmen die besten Freerunner der Welt ihren Allerbesten ermittelten, auch hier ist der Name Programm: „Querstadtein“, ab Seite 30.

Prominente Unterstützung erhielt Fotograf Kurt Keinrath bei der Produktion der Luftaufnahmen in Spielberg: Kein Geringerer als ­BASE‑Jump-Held Felix Baumgartner war so freundlich, den Helikopter durch den steirischen Luftraum zu pilotieren.

Cover-Illustration: robert rottensteiner. Bild: Kurt Keinrath

Der Oberkörper stoisch, die Beine kolibrihaft beschleunigt, die Ohren von 160 House-Beats pro Minute betrommelt: Die Vielzahl der Beschäftigungen unterschiedlicher Körperteile verdanken wir „Footwork“, jenem Tanzstil, der derzeit von den eher raueren Bezirken Chicagos aus die Welt erobert, Madonnas Konzertbühne eingeschlossen. Die Welt hinter Footwork beschreiben US-Autor Glenn Jeffers und Fotograf Jamie-James Medina: „Gut zu Fuß“, ab Seite 74. Sollte Ihnen der Name des Wimbledon-Siegers des Jahres 2016 dereinst ­gewissermaßen déjà-vu-artig irgendwie vertraut vorkommen, mag das am vorliegenden Magazin liegen: Es präsentiert Ihnen acht ausgewählte TennisTalente, ­denen eine ernsthafte Rolle bei der zukünftigen Vergabe der großen Titel zugedacht ist. Die Teenager trafen bei einem bemerkenswerten Turnier in Zürich auf acht Legenden des Sports, von Pete Sampras bis Ivan Lendl, von Thomas Muster bis Henri Leconte. Fotograf Gian Paul Lozza hat die einstigen und künftigen Tennis-Helden in hinreißender Weise porträtiert, der begleitende Text ­beschreibt eine Woche ohne Gegenwart. „Die Schultern der R ­ iesen“, ab Seite 42. Viel Spaß dabei! Die Redaktion

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i n h a lt

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Die Welt von Red Bull

52

Im Mai 24

74 66 42 26

Bilder: Getty Images, Helene Waldner, imago sportfotodienst (2), Jamie-James Medina/NB Pictures, red bull content pool (2)

30

Body+ Mind More

Bullevard

Action

16 Kurzmeldungen Mit James Browns verrücktem „Neffen“, Red Bull Crashed Ice-Sieger Arttu Pihlainen, 5 Motor-Legenden und Lionel Messi.

30 Querstadtein Die 25 weltbesten Freerunner auf einem Spielplatz namens London. Szene-Porträt einer berühmten, unbekannten Sportart.

18 Alisa Buchinger Handkante und Hirn: die Karate-JugendEuropameisterin im Blitz-Interview.

42 Die Schultern der Riesen Bei der ATP Champions Tour in Zürich treffen acht Tennis-Legenden auf acht der größten Tennis-Talente. Ein Besuch.

20 Im Kopf von Gerard Butler Trinker, Jurist, König der Spartaner: harte Fakten einer ziemlich verrückten Karriere. 24 Wiz Khalifa Wie ein junger US-Rapper mit einem Song über American Football die Charts stürmt. 26 Formelsammlung Eine steile Sache verständlich erklärt: ­warum bergauf Rad fahren so schwerfällt.

52 Mitspiel-Berg Alles über den Red Bull Ring in Spielberg. Plus: Helmut Markos erstes Mal. 60 Der Flug des Tangata Manu Die Red Bull Cliff Diving World Series zu Gast auf Rapa Nui – alias Osterinsel.

Standards

66 Stammzellenforschung Molekularbiologe Ludwig Aigner im ­Interview über Aspirin für Nervenkranke und leuchtende Labormäuse.

08 Kainraths Kalenderblatt 10 Fotos des Monats 98 Impressum

74 Gut zu Fuss Vom Hinterzimmer auf Madonnas Bühne: die Erfolgsstory der Footwork-Tänzer.

82 Auf und davon Abenteuer-Campen in Hicksville. 84 Get the Gear Red Bull X-Alps: die Ausrüstung. 85 Workout Fitnessprogramm und BikeAnatomie mit MX-Profi Max Nagl. 86 Die weltbesten Köche Anatoly Komm im Hangar-7. 87 Geschmack von Welt Fufu mit Nkatekwan aus Ghana. 88 The World’s Best Clubs Das „Reina“ in Istanbul. Wo 50 Cent und Calvin Klein gern feiern. 92 Top Events Was im Mai in der Welt los ist. 94 Save the Date Die wichtigsten Termine für Österreich. 96 Volles Programm Das Red Bull TV-Fenster bei ServusTV. 98 Kolumne Lebenshilfe mit Christian Ankowitsch. 7


K a i n r at h s K a l e n d e r b l at t

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Haugastøl , Norwegen

Wo Wikinger ­weinen Wenn von 200 gestarteten Nordmännern und -frauen gerade einmal vier das Ziel erreichen und einer der weltbesten Kiter, der Engländer Aaron Hadlow, danach zu Protokoll gibt, dass er sich dem Tode nahe fühlte, muss man sich schon fragen, was da los war beim Red Bull Ragnarok, was übersetzt ungefähr „Weltuntergang“ heißt. In der lauen Maienwärme kann man sich die Schmerzen bei diesem Snow-Kite-Enduro über drei Stunden kaum ausmalen. Grimmiger Wind, tückischer Schnee, brennende Oberarme und -schenkel, dazu ein Format, das die jeweils Letztplatzierten eliminiert und ihnen so das freiwillige Aufgeben erspart: Das alles kann man auf dem Bild nur erahnen. Das Video erzählt die ganze Geschichte: de.redbulletin.com/ragnarok


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Bild: Dan Vojtěch/Red Bull Content Pool


Alanganallur , indien

pink bull

Die Liebe zu farbenfroh Bovinem ist uns ja durchaus nicht fremd. So weit wie die Menschen im indischen Alanganallur würden sich aber wohl nur wenige rauslehnen: Beim traditionellen Jallikattu-Fest geht es darum, ein bunt eingefärbtes Rind zu entern und – ähnlich wie in anderen Kulturkreisen – zu reiten. Dort (wir sagen nur: Pamplona) wie da geht das nicht immer glimpflich aus, was dazu geführt hat, dass die indische Regierung d ­ iesen schönen, aber selten unblutigen Brauch im Jahr 2008 verbieten wollte. Dagegen hatten allerdings die Menschen etwas, und sie konterten mit zivilem Druck bis hin zum Hungerstreik. Der oberste Gerichtshof erkannte daraufhin: Rote Bullen braucht das Land, und seither laufen sie wieder – und das auch in Pink, Violett und Rosa. Beeindruckende Bilder aus Indien: www.palanimohan.com


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bild: Palani Mohan/Getty Images


bild: Luke Aikins/Red Bull Content Pool

Las vegas , USA

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Aus heiterem Himmel Ein Spezifikum von NASCAR-Rennen ist das üppige Rahmenprogramm, das von der live gesungenen Nationalhymne über Airshows bis zum Auftritt des Präsidenten reicht. Immer gern gesehen sind natürlich auch Skydiver: Ein Punkt am Himmel zieht eine Rauchspur hinter sich her, wird rasend größer und landet unter dem Toben mehrerer hunderttausend Fans auf den Grandstands sanft und punktgenau auf der Zielgeraden. Wie aber sieht die Gegenperspektive aus, jene aus Sicht des Punktes, der da vom Himmel fällt? Mike Swanson ist gesprungen, sein Kol­ lege von der Red Bull Air Force, Luke Aikins, hat fotografiert. Akrobatik im freien Fall: www.redbullairforce.com


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Bullevard Beflügelndes in kleinen Dosen

Echte Racer Apropos Kimis NASCAREinstieg: fünf Universal­ genies im Motorsport

Kimi Räikkönen Der F1-Champ (2007) fährt WRC und jetzt auch NASCAR.  F1

Rallye

NASCAR

John surtees F1-Weltmeister (1964), 7facher am Bike, spitze im Sportwagen.  Bike

F1

Sportwagen

Johnny Cecotto 350er-Champ (’75), F1-Starts, Spätform im Tourenwagen.  Bike

F1

Touring Car

Im Namen des Funk Bootsy Collins ist zurück. Mit bewährter Brillenphilosophie, neuem Album und Gaststars wie Snoop Dogg und Samuel L. Jackson. James Brown gilt als Vater des Funk, Bootsy Collins als sein durchgeknallter Neffe. Stets mit funkelnder Sonnenbrille und Outfits, die Lady Gaga wie ein graues Mäuschen aussehen lassen. Bootsy trat der Band des Funk-Meisters Ende der Sechziger bei, kurz bevor er seine außerirdische Combo gründete: Parliament-Funkadelic. Den Groove hat der heute 59-Jährige immer noch. Davon zeugt sein neues Album „Tha Funk Capitol of the World“. red bulletin: Auf deiner neuen Platte kommen Gäste wie Samuel L. Jackson oder Reverend Al Sharpton zu Wort … bootsy collins: Weil diese Leute etwas zu sagen haben. Die Menschen hören ihnen zu. Sie sind Poeten in einer Welt der kurzen Aufmerksamkeit. Wer würde dich in einem Film namens „Bootsy“ spielen? Snoop Dogg. Er müsste zwar ein bisschen Bass üben, aber in puncto Outfits steht er mir um nichts nach. Davon könnt ihr euch bald in unserem gemeinsamen Musik­ video überzeugen. www.bootsycollins.com

Juan Pablo Montoya IndyCar-Dominator, 7 F1-Siege, NASCAR-Publikumsliebling.  Indy

F1

NASCAR

Bilder des Monats

Moment  mal!

Szenen aus dem abenteuerlichen Alltag unserer Leser. Einfach hochladen auf: www.redbulletin.com Dieter Quester 50 Jahre schnell: MotorbootEM, F1, Sport-, Tourenwagen.  Boot

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F1

Tourenw.

Unter den Einsendern der veröffentlichten Fotos wird eine Trinkflasche des Schweizer Herstellers SIGG im speziellen Red Bulletin-Design verlost. Gewinner aus Heft 4/2011: Marcelo Maragni

Doha

Kein Sand im Getriebe der 60 Quads beim Red Bull Qaher El Tou3ouss in den Dünen Mesaieeds. Jonathan Le Marchand


b u l l e va r d

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Blitz-Interview

Arttu Pihlainen Red Bull Crashed Ice World Champion

Die witzigsten Flugobjekte aus 99 Red Bull Flugtagen. Und der Hunderter naht: am 22. Mai 2011, Dublin, Irland.

523 Athleten, vier Bewerbe, ein Weltmeister: Der finnische Turnlehrer Arttu Pihlainen, 29, ist der Champ.

Text: Steve Yates, Ulrich Corazza, Werner Jessner. Bilder: Action Images (2), Getty Images (3), Sutton Images (1), New York Red Bulls (1), Red Bull Content Pool (7), Daniel Kolodin/Red Bull Crashed Ice (2)

Wie trainiert es sich mit Lionel Messi? Als Sean Davis, Mittelfeldspieler der U18 der New York Red Bulls, im Fernsehen das Spiel FC Barcelona gegen Getafe sah, konnte er noch nicht ahnen, dass er vier Tage später mit Lionel Messi auf dem Platz stehen würde. Zur Vorbereitung auf das freundschaftliche Länderspiel gegen die USA schaute Argentiniens Nationalteam überraschend in East Rutherford zum gemeinsamen Training vorbei. Davis’ erster Eindruck: „Das sieht alles so einfach aus.“ Bryan Gallego, Kapitän der New Yorker, fielen bei Stürmerstar Lionel Messi besonders zwei Stärken auf: „Sein unglaubliches Tempo mit dem Ball und sein enormes Spielverständnis.“ Der Weltfußballer der Jahre 2009 und 2010 präsentierte sich ohne jegliche Starallüren. „Messi ist ein zurückhaltender, äußerst bescheidener und natürlicher Typ – auf und neben dem Rasen“, so Gallego, der ein ganz bestimmtes Tor Messis in Erinnerung hat. „2007, in der spanischen Copa del Rey gegen Getafe, setzte Messi zu einem 60-Meter-Solo an, tanzte im Stile von Maradonas WM-Tor des Jahrhunderts 1986 acht Gegenspieler aus und umspielte den Tormann – sensationell.“ www.redbulls.com

Havanna

Eine Schlagbewegung beim Street-Baseball, ganz wie aus dem Lehrbuch. Sergio Gonzalez Ferrer, Red Bull 4SKINA

Wie viele Autogramme? Musste aufhören zu zählen. Die Konkurrenz? Wird jedes Jahr stärker. Und ich werde älter – so viel wie heuer musste ich noch nie trainieren. Deine Lieblingsstrecke? Quebec: steiler, länger, verrückte Fans, die unseren Sport wirklich lieben. Hartes oder weiches Eis? Hart, sommers wie winters.

Deine Skates? Ich verwende Bandy-­ Blades. Die sind ein bisschen länger und flacher. Das gibt Stabilität und hilft bei den Sprüngen. Dein Traumfinale? Ein gemeinsames Rennen mit Eishockey-Legende Teemu Selänne, Skispringer Thomas Morgenstern und Sprinter Usain Bolt! Was braucht Red Bull Crashed Ice noch? Mehr Trainingsstrecken und eine noch längere Rennserie. Aber der Sport ist auf einem super Weg. www.redbullcrashedice.com

Arttu „R2D2“ Pihlainen: Weltmeister vor den kanadischen Brüdern Kyle und Scott Croxall.

London Produzent Mark Ronson (Mitte) stand bei der Red Bull Music Academy Info Session Rede und Antwort. Steve Stills

Pelion Das einzige Rennen auf zwei Rädern und vier Beinen. Die Esel reagierten störrischer als die MX-Bikes. Samo Vidic, Red Bull Donkey Cross 17


b u l l e va r d

20 Fragen an:

Alisa Buchinger

Die Karate-Junioren-Europameisterin klärt auf: über das Holzhacken mit der Hand, den Respekt auf der Matte und Chuck Norris’ härtesten Kick.

Geburtsdatum/-ort 26. Oktober 1992, Salzburg Sportart Karate (Verein: Union Shotokan Salzburg) Karriere Alisa Buchinger gilt als eines der größten Karate­ talente Europas. 2010 sicherte sich die damals 17-Jährige in Izmir den Europameistertitel im Kumite-Bewerb (also im Kampf Frau gegen Frau). Es folgten erste Siege in der allgemeinen Klasse bei den German und Austrian Open 2010.

Ausgefeilte Beintechnik als Trumpf: „Durch Kampfsport wird man selbstbewusster“, sagt Europameisterin Alisa Buchinger.

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1. Wie viele Bretter kannst du mit der Handkante durchschlagen? Bretter zu durchschlagen hat nichts mit Wettkampfkarate zu tun. Dieses Vorurteil kommt wahrscheinlich vom Fernsehen. 2. Gibt es überhaupt glaubwürdige Karatefilme? Am ehesten die von Bruce Lee oder Jackie Chan. Die zeigen ihre Techniken selbst. 3. Wie kann ich einen guten von einem schlechten Karatefilm unterscheiden? Wenn jemand einen Rückwärtssalto macht oder durch Glasfenster springt, ist es eher ein Film über Akrobaten. 4. „Karate Kid“ gefällt dir also nicht? Durch „Karate Kid“ bin ich auf den Sport aufmerksam geworden. Aber komischerweise geht’s darin mehr um Kung-Fu. 5. Wie entscheidest du einen Kampf? Durch Schnelligkeit und Taktik. 6. Wie sieht deine Siegestaktik aus? 15 Sekunden abwarten und antäuschen, nach 30 Sekunden auf Angriff umschalten – das überrascht die meisten. 7. Du wurdest für deine Beintechnik gelobt. Was ist so besonders daran? Beintechniken sind schwierig, bringen aber die meisten Punkte. Mit meinem hinteren Fuß komme ich ziemlich hoch rauf. 8. Beherrscht du den Roundhouse-Kick von Chuck Norris? Ich bin eher für den „Ushiro-geri“ bekannt – einen Rückwärtsfußtritt mit der Ferse in den Bauch des Gegners. 9. Klingt, als könntest du dich wehren. Durch Kampfsport wird man selbst­ bewusster. Aber bei uns gibt’s einen Eid:

„Die schlimmste Verletzung war eine gebrochene Nase im Training. Aber das war ein Versehen.“ Ein Karatesportler schlägt nie zuerst zu. 10. Ein blöder Spruch, den du oft hörst? „Warum tust du dir das Training an?“ 11. Deine Antwort darauf? Weil es mir Spaß macht! 12. Das größte Ziel deiner Karriere? Weltmeisterin in der allgemeinen Klasse. 13. Deine schwerste Verletzung? Eine gebrochene Nase, im Sommer 2010 im Training. Aber das war ein Versehen. 14. Warum verbeugt ihr euch, wenn ihr die Halle betretet? Der Trainingsraum – der Dōjō – ist die Abgrenzung zum Alltag. Die Verbeugung ist ein Ausdruck des Respekts. 15. Drei Eigenschaften, die du vom Karate ins tägliche Leben mitnimmst. Respekt, Disziplin, Durchhaltevermögen. 16. Ein Lied, das dir Kraft gibt. „It’s My Life“ von Bon Jovi. 17. Du arbeitest mit einer Mental­ trainerin. Was hat sie dir beigebracht? Wir üben, Schwächen auszublenden und uns auf die Stärken zu konzentrieren. Da gibt’s einen schönen Merkspruch … 18. Jetzt sind wir gespannt. „Ruhig, schnell und konzentriert / werden Gegner abserviert.“ 19. Dein größtes Ziel 2011? Die Junioren-WM in Malaysia im Oktober. Da möchte ich unter die besten drei. 20. Wie kann man mehr Menschen für Karate begeistern? Karatekämpfe sind spannend, man sollte sie öfter im Fernsehen übertragen. Hey, die zeigen ja auch Snooker oder Dart.

Ex-Karate-Weltmeister, Texas Ranger h.c., Kult­ figur im Web: 8900 Gründe für die Unbesiegbarkeit von Chuck Norris finden Sie auf: chucknorrisfacts.com

Blogs aus dem Leben einer Kämpferin: alisa-buchinger.at

Text: andreas rottenschlager; bilder: Getty Images (1), Marco Rossi (2)

Name Alisa Buchinger


Wieder Meister!

Der EC Red Bull Salzburg holte mit OffensivHockey im 7. Finalspiel den 3. Titel der Ära Pagé. Und das waren die Schlüsselspieler. DANNY BOIS Der Sheriff. Zeigte Präsenz und sorgte für Ordnung. Plus: wildester Playoff-Bart.

RYAN DUNCAN & MANUEL LATUSA Die zwei knipsten fast die Hälfte aller Playoff-Tore.

bilder: GEPA pictures (3)

PIERRE PAGÉ Ließ das auf­ regendste Hockey der EBEL spielen. Hatte mit seinen Äußerungen in der Sache meist recht, allen Missverständnissen zum Trotz.

THOMAS KOCH Der Kapitän war Salzburgs ­Topscorer im Grunddurchgang.

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b u l l e va r d

Meine Welt

Gerard Butler

Unbeugsamer Spartaner, charmanter Verführer, Opernsänger von internationalem Format. Wir präsentieren: die vielen Gesichter des Schauspielers Gerard Butler (der beinahe Anwalt geworden wäre und beide Bedeutungen des Wortes „Sixpack“ kennt). Der Tagträu mer

Der kleine Gerard war ein Junge mit blühender Phantasie, der Filme in seinen Gedanken nachspielte. Vielleicht auch deshalb, weil sein richtiges Leben zunächst eher einer Tragödie glich: 1969 in eine Glasgower Arbeiterfamilie geboren; Scheidung der Eltern zwei Jahre später; eine Jugend mit zwei Geschwistern und der allein­ erziehenden Mutter. Ob er damals schon an Hollywood gedacht hat? „Nein, ich war ein Kind von der ande­ ren Seite des Planeten.“

Der Fraue nmag net

Dem überzeugten Junggesellen wird eine beträchtliche Anziehungskraft auf die Damenwelt nachgesagt (dabei ist er bloß ein Akademiker im Körper eines Top-Athleten, der in Hollywood Millionen verdient, sowie gefragtes Tes­ timonial für einen internationalen Kosmetikkonzern). Ein Auszug aus Butlers Beuteliste, beruhend auf Angaben der Klatschpresse: Lindsay Lohan, Cameron Diaz, Jenni­ fer Aniston oder – ganz aktuell – Jessica Biel. Mit Letzt­ genannter dreht Butler gerade den Streifen „Playing the Field“. Butler selbst findet sämtliche Gerüchte übrigens „nervig“.

Der Knastbruder

Beinahe hätte Butler einen soliden Beruf ergriffen. Er war ein intelli­ genter junger Mann mit einem Jura-Diplom in der Tasche … als er damit begann, sich auf Trinkerei und Party-Exzesse zu spezialisie­ ren. Während eines USA-Aufent­ halts wurde der damals 22-Jährige sogar in Haft genommen – Butler war zu diesem Zeitpunkt Präsident der juristischen Studentenvereini­ gung der Universität Glasgow.

Der Fro ntmann

Bereits als Leadsänger der College-Rockband Speed zeigte Butler, welches Poten­ tial in seiner whiskygeölten Stimme steckt. Speed nah­ men immerhin drei Lieder auf und spielten am „Edinburgh Festival“. Sein Gesangstalent verhalf Butler später zur Hauptrolle in der Verfilmung des Musical-Klassikers „Das Phantom der Oper“ (2004). Sogar Andrew Lloyd Webber gratulierte und meinte, das sei die Stimme, von der er ­geträumt habe.

Der Büh nen -Jun kie

Ausgerechnet ein Heroin-Süchtiger sorgte für eine positive Wende im Leben des Trinkers. Butler beschloss, Schau­ spieler zu werden, nachdem er 1994 eine Theater-Fassung des Irvine-WelshRomans „Trainspotting“ gesehen hatte. Ironischerweise sollte er zwei Jahre spä­ ter selbst den Junkie Mark Renton auf der Bühne verkörpern. Der Produzent meinte nur: „Es war offensichtlich, dass Butler diesen Lebensstil kannte.“

Der Vorleser Seinen allerersten Job als Schauspieler ergat­ terte Butler, nachdem er in einem Londoner Café Regisseur Steven Berkoff getroffen hatte. Berkoff hörte Butler lesen und engagierte ihn für Shake­ speares „Coriolanus“. In diesem Fall hatte die Entscheidung nichts mit Drogen zu tun: „Er hatte diesen unglaublichen Enthusiasmus, der die ande­ ren Schauspieler geradezu lahm aussehen ließ“, so Berkoff. 2011 kommt eine Action-Adaption des Coriolanus-Stoffes in die Kinos – mit Butler als Tullus Aufidius (und Ralph Fiennes als Coriolan).

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Der Trainings-Weltmeister Vier Stunden Workout pro Tag, über einen Zeit­ raum von fünf Monaten – fertig ist der makellose Sixpack. Für seine Rolle des Spartanerkönigs ­Leonidas im Action-Gemetzel „300“ verwandelte Butler den Körper eines einstigen Trinkers in den Body einer Kampfmaschine. Seine Motivation: „Die Spartaner haben das ja auch so gemacht.“

Der Spendensammler: Infos zu Gerard Butlers Charity-Projekten: www.gerardbutler.net

Text: Ruth Morgan. Illustration: Lie-Ins and Tigers

Der sanftmütige Gerard Butler ist seit zwölf Jahren trocken, hat mit dem Rauchen aufgehört und fördert sein spirituelles Ich mit der Lektüre des Lebenshilfe-Bestsellers „The Secret“ – ei­ nes etwas umstrittenen Machwerks über Anziehungskräfte aus dem Universum. Der einzige Zwischenfall in jüngerer Zeit bezieht sich darauf, dass Butler in New York einen Windhund geschlagen haben soll. Der Beschuldigte verneint und sagt, der Hund habe seinen Mops Lolita angegriffen – man konnte sich außergerichtlich einigen.


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Einst und jetzt

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Stock Car Racing – also Rennen mit Autos, die an Serien­fahrzeuge angelehnt sind – ist eine uramerikanische Spielart des Motorsports. Die Autos sind ewig spekta­kulär und sauschnell – damals sogar noch mehr als heute.

1970

Der Vogel des Königs PLYMOUTH SUPERBIRD Richard Petty, genannt „The King“, gewann zwischen 1964 und 1979 nicht weniger als sieben NASCAR­Meisterschaften und 200 Rennen. Der Stern des Mannes aus Level Cross, North Carolina, strahlte so hell, dass Plymouth eigens den Superbird baute, um Petty von Ford zurückzuholen. Der Superbird ist die irre Variante des Roadrunner, b ­ enannt nach dem ComicViech. War das Einschüchterndste am Roadrunner die Hupe („Beep-Beep!“ wie im Zeichentrickfilm), fuhr der Superbird heftigere ­Geschütze auf: Die Nase wurde aerodynamisch nach vorn verlängert, hinten kam ein Riesenspoiler drauf. Der Hintergrund: Um als Serienfahrzeug („stock car“) durchzugehen, musste man den Kofferraumdeckel öffnen können. Wilde Optik, nichts dahinter? Von wegen: Die 700 PS starken V8 der Siebziger waren irre schnell: Die Durchschnitts­ geschwindigkeit bei der Pole-Position-Runde 1970 in Daytona betrug 194 mph, das sind 312 km/h. www.rpmuseum.com

text: werner jessner bilder: Thomas Hoeffgen

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2011

Der Bulle von Kasey TOYOTA CAMRY Die aktuelle Generation der NASCAR heißt „Car of Tomorrow“ und legt das Reglement sehr streng aus. Die Autos aller vier Hersteller (Dodge, Ford, Chevrolet, Toyota) dürfen dasselbe können, der technische Spielraum ist minimal – doch genau das ­garantiert spannende Rennen. V8-Motoren mit 5,7 Liter Hubraum entsprechen den Sieb­ zigern ­(Leistung: ca. 820 PS). Dass ein Rennauto Heckantrieb braucht, wird in Amerika keiner in Frage ­stellen. Unter der Silhouette, die an jene der Serienautos angelehnt ist, befindet sich ein Gitterrohrrahmen. Kreative Tüfteleien stecken in Übersetzung, Aero­dynamik und Fahrwerksgeometrie. Den Unter­schied macht der Fahrer (in diesem Fall: Kasey Kahne). Ach ja, falls Sie der Pole-Schnitt von Daytona 2011 interessiert: 186 mph, 299 km/h. www.kaseykahne.com


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Hero

Wiz Khalifa

Mit den Farben des heimatlichen Footballteams stürmte er die Charts. Jetzt strebt der charmant durchgeknallte Rapper die Weltherrschaft an.

Geboren 8. September 1987 in Pittsburgh, Pennsylvania Fanclub Taylor Gang, benannt nach seinem Lieblingsschuh, dem Chuck Taylor All Star. Publikumsliebling Die MTV-Seher wählten Khalifa 2010 zum „Hottest Breakthrough MC“des Jahres. Mit 70.000 Stimmen schlug er andere Finalisten wie Nicki Minaj oder J. Cole. Megahit „Black and Yellow“ schoss im Oktober 2010 von 0 auf Nummer 1 der US-Charts, fiel dann ab, kehrte aber im Februar 2011 wieder an die ­Spitze zurück.

Wiz Khalifa ist für ­seine energetischen Live-Shows bekannt: Jede Show seiner USTour im September 2010 war ausverkauft.

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48-mal. So oft wiederholt Wiz Khalifa in seinem vierminütigen Hit „Black and Yellow“ den Songtitel. Klingt nervig, ist es aber nicht. Finden auch Kollegen wie Snoop Dogg oder Lil’ Wayne, die Khalifas Hommage an das Footballteam seiner Heimatstadt, die Pittsburgh Steelers (Vereinsfarben: Schwarz und Gelb), gecovert haben. Und natürlich die 2,34 Millionen Käufer der Single, mit der das Rap-Talent die vordersten Plätze der englischen und US-amerikanischen Charts aufmischen konnte. „Mein Erfolgsrezept ist sehr einfach. Die Leute wissen gar nicht, warum ihnen der Track gefällt. Ich dagegen schon: weil ich sie dazu programmiert habe, ihn zu mögen“, sagt Khalifa und grinst schelmisch. Was er damit meint, ist klar. „Blackandyellowblackandyellow­ blackandyellow“ – der gezielte Ohrwurm als Schlüssel zum Erfolg? In Khalifas Fall ist es mehr als das. Es ist der schalkhafte Humor seiner Raps, seine lockere Zunge – und seine Erfahrung im Hip-Hop-Geschäft. Aufgewachsen ist Khalifa als Sohn eines Armeeoffiziers in England, Japan und in den USA. Seinen ersten Rap schrieb er mit sechs, inspiriert von seinen Cousins, allesamt aufstrebenden Reimkünstlern. „Ich dachte einfach, es wäre cool, das auch zu machen. Mein erstes Album kam heraus, als ich vierzehn war.“ 2007 unterschrieb der Newcomer einen Platten­ vertrag mit Warner, der allerdings ein

Jahr später wieder aufgelöst wurde. Unbeirrt veröffentlichte er weiter Musik. Mit Erfolg: Sein letztjähriges Mixtape „Kush & Orange Juice“ wurde via Twitter zum Hit. Atlantic Records erkannte sein Potential und nahm ihn unter Vertrag. „Ich wurde selbständiger nach meiner Zeit bei Warner“, sagt er. „Es ist gut, über deine Misserfolge nachzudenken, dadurch werden dir deine Ziele bewusster. Erst der Rauswurf hat mich zu dem Geschäftsmann gemacht, der ich heute bin.“ Seinen Instinkten zu vertrauen, das hat dem 1,95-Meter-Mann schon viel Gutes beschert. „Auf der Bühne versuche ich, das Publikum zu überraschen“, sagt er, „verrückt über die Bühne zu hüpfen oder meine Haare zu färben – was ich auch tue, es muss sich echt anfühlen“, und deutet auf sein halbgebleichtes Haupt. „Oder mich an gewissen Stellen tätowieren zu lassen.“ Und sein vollverzierter Oberkörper macht einem bewusst, der Bursche meint es ernst. „Meine Eltern halten mich für durchgeknallt“, sagt er belustigt. Um kurz darauf klarzustellen: In seiner Musik geht’s nicht nur um Geld, Autos, Frauen und Grünzeug. „Spaß ist mir wichtig. Aber auf meinem neuen Album ‚Rolling Papers‘ gehe ich tiefer.“ Und wirklich, das neue Album scheint Phase eins von Khalifas Welteroberungsplänen darzustellen. „Ich möchte der größte Star überhaupt werden“, sagt er. „Eine Ikone. Und als Ikone darfst du keine Angst zeigen. Angst? Ich weiß nicht einmal, was das ist.“

„Es ist gut, über deine Misserfolge nachzudenken, dadurch ­werden dir deine Ziele bewusster.“

Wiz Khalifa: „Rolling Papers“ (Atlantic), erscheint am 6. Mai.

www.wizkhalifa.com

TEXT: hattie collins. BILDER: GetTy Images, Corbis

Name Cameron Thomaz


kunde


b u l l e va r d

Formelsammlung

Hang-Art

Radfahren in der Ebene ist ja keine Kunst. Bergauf hingegen ist es weniger vergnüglich. Schuld daran ist (auch) die Schwerkraft, weiß unser Physiker*. Ein Radfahrer muss drei Kräfte überwinden: den Rollwiderstand (FR), den Luftwiderstand (FL) und, wenn er bergauf fährt, auch die Hangabtriebskraft (FH). Beim Rollwiderstand spielt die Komponente der Gewichtskraft eine Rolle, die normal auf den Untergrund zeigt (Normalkraft FN), und bei der Hangabtriebskraft jene, die parallel zum Boden zeigt. Wenn man diese Kräfte im Detail anschreibt und addiert, sieht das so aus:

Nehmen wir konkrete Werte. Der Rollwiderstandskoeffizient cR hängt von Reifen und Untergrund ab und variiert stark. Er kann zwischen 0,004 (Asphalt) und 0,4 (lockerer Sand) liegen. Wir nehmen den Idealfall an. Die Masse m des Fahrers samt Bike nehmen wir mit 90 kg an, die Luftdichte mit 1,2 kg/m³. Ein ­realistischer cW -Wert bei bequemem Fahren ist 1, die Anström­ fläche beträgt etwa 0,4 m². Wenn der Fahrer in der Ebene fährt (  = 0), fällt der letzte Term weg – es wirken nur Roll- und Luftwiderstand. Leistung (P) ist Kraft (F) mal Geschwindigkeit (v). Wenn ich für die Fahrt in der Ebene 32 km/h (8,9 m/s) einsetze, komme ich auf eine Leistung von 200 Watt. Das ist nicht ganz ohne, wie Sie vielleicht vom Ergometer wissen, aber durchaus eine Zeitlang zu schaffen. Und nun schicken wir unseren Fahrer ins Steile. Im Alltag gibt man Steigungen in % an. 10 % bedeutet etwa, dass es bei 100 Metern horizontal zurückgelegter Strecke um 10 Meter hinauf geht. Das ist schon ziemlich zäh. Für unsere Berechnung benötigen wir ­jedoch Grad. Die Umrechnung lautet:  = arctan (x %/100). Ich habe eine grafische Lösung gewählt und dabei angenommen, dass unser Fahrer stur mit 200 Watt weiterradelt, egal wie steil es wird. Mit zunehmender Steigung erhöht sich aber auch die Hangabtriebskraft. Daher dient ein zunehmender Teil der Gesamtleistung zur Überwindung dieser Steigung, womit bei gleichbleibender Leistung das Tempo fürs Vorwärtskommen ­gedrosselt wird. Bereits bei einer Steigung von läppischen 4 % muss unser Velozipedist die Geschwindigkeit halbieren, will er weiterhin mit 200 Watt radeln (Abb. 1). Bei zugegebenermaßen sehr steilen 16 % könnte er gar nur noch mit 5 km/h fahren. Interessant ist auch der Anteil der verschiedenen Leistungen (Abb. 2). In der Ebene wird die Leistung vor allem benötigt, um den Luftwiderstand zu überwinden. Nur etwa 16 % muss für die Überwindung des Rollwiderstands aufgewendet werden, der Rest ist für den Luftwiderstand. Mit zunehmender Steigung wird die Hebearbeit immer dominierender. Bei einer durchaus realistischen Steigung von 10 % muss der Fahrer bereits etwa 95 % der Leistung für die Überwindung der Hangabtriebskraft aufbringen, die eine Folge der Schwerkraft ist. Bergauffahren wird also durch die Schwerkraft so schwierig. * Mag. DDr. Martin Apolin, 46, promovierter Physiker und Sportwissenschafter, ­arbeitet als AHS-Lehrer (Physik, Sportkunde) und Lektor an der Fakultät für   Physik in Wien und ist mehrfacher Buchautor. www.lisi-osl.com

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bild: Marius Maasewerd/Ego Promotion. Illustration: mandy fischer

Fges = FR + FL + FH = cR mgcos + 0,5 cW Av² + mgsin

Und was sagt Lisi Osl (AUT), ­Weltcup-Gesamtsiegerin im Cross Country 2009? „Keine Steigung kann so schlimm sein wie Gegenwind. Und die zweite gute Nachricht: Jeder Berg ist irgendwann zu Ende.“


.Alis nullan euisim dolor ilisi erci ex er sent lutat aliquat il ut ut utpat nonsequi tatet nullaore digniametum vent aciliquam nullanirit, se feugait, conum irit velismod ea co

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B u l l e va r d

Zahlen des Monats

64e Festival de Cannes Knapp zwei Wochen lang versammeln sich die Reichen, Schönen und Berühmten an der Côte d’Azur, um eines der letzten glamourösen Feste der Filmbranche zu feiern – zu Lande wie auch zu Wasser.

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Der wichtigste Preis der Internationalen Film­ festspiele von Cannes ist die Goldene Palme, ein 19-blättriger Palmwedel aus 24-karätigem Gold, verliehen von neun Filmschaffenden an den Regisseur bzw. die Regisseurin des besten Spielfilms. Die Mitglieder der Fachjury wechseln jedes Jahr. 2011 wird Robert De Niro die besondere Ehre zuteil, den Jury-Vorsitz zu übernehmen. De Niro hat im Jahr 2002 das Tribeca Film Festival in New York ins Leben gerufen und in den mit der Goldenen Palme prämierten Streifen „Taxi Driver“ (1976) und „The Mission“ (1986) die Hauptrolle gespielt.

Beim Ballett ist gern ein zurückhaltendes „Bravo!“ zu hören. Bei Rockfestivals nicht unüblich: Liebesbekundungen der Fans auf Plakaten. Das Publikum in Cannes gilt als das emotionalste in der Kino­ industrie. Ist ein Film schlecht, wird er gnadenlos ausgebuht, bei Wohlgefallen gibt es begeisterte Standing Ovations. 2004 erhob sich das Publikum nach der Vorführung von „Fahrenheit 9/11“ – dem Film, der Michael Moore die „Palme d’Or“ einbrachte – und spendete 20 Minuten währenden Applaus: den längsten der Festivalgeschichte.

876

2300

Das Festival von Cannes war von der französischen Regierung als Gegenentwurf zum faschistisch beeinflussten Filmfestival von Venedig (gegründet 1932) konzipiert worden. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 führte zu einer Verschiebung der Premiere bis 1946. Der diesjährige Eröffnungsfilm ist Woody Allens „Midnight in Paris“, der den 2300 Gästen im Grand Roberto Théâtre Lumière präsentiert wird.

Michael Moore

Cavalli

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Robert De Niro

Woody Allen

Soon-Yi Previn

In der Geschichte der Filmfestspiele von Cannes räumten amerikanische Filme bislang die meisten Preise ab. Unter den 17 US-Gewinnern finden sich unter anderem „Pulp Fiction“, „M*A*S*H“ oder die zwei ausgezeichneten Werke von Francis Ford Coppola: „Der Dialog“ und „Apocalypse Now“. Immerhin neunmal blieb das Gastgeberland erfolgreich. 1946 wurden noch elf Filme – darunter ein französischer und ein amerikanischer – mit dem Grand Prix du Festival (dem Vorläufer der Goldenen Palme) ausgezeichnet.

www.festival-cannes.com

Text: Paul Wilson; Bilder: Rex Features (5), Getty Images (1)

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Kein Filmfestival an der französischen Riviera ohne zweiwöchiges ausgelassenes Rahmenprogramm. Nachtclubs wie der „VIP Room“ oder „Le Bâoli“ veranstalten von der Filmbranche oder ­Luxusmarken gesponserte verschwenderische Partys. Privater geht es auf den Superjachten im Hafen zu, wo zum Beispiel Roberto Cavalli auf seinem farbenfrohen 41-Meter-Gefährt (Wert: 35 Mio. €) genügend Platz für seine Gäste findet.

Seit 1959 ist der Marché du Film in Cannes der weltgrößte kommerzielle Filmmarkt. Während George Clooney und Co über rote Teppiche flanieren, versuchen über 10.000 Teilnehmer ihre (LowBudget-)Produktionen, die man zum Teil nur um 3:30 Uhr im Nachtprogramm ausstrahlen würde, an den Mann zu bringen – ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Zum Vergleich: Im Bewerb um die Goldene Palme werden jährlich nur rund 20 Filme präsentiert, auf dem Markt 2010 wurden beacht­ liche 876 Filmneuheiten zum Vertrieb angeboten.


Bike-Action im SalzburgerLand gewinnen Out of Bounds heißt 10 Tage (10. 6. – 19. 6. 2011) Mountainbike-Action auf höchstem Niveau, umrahmt von einem ­vielschichtigen Aktivprogramm und Side-Events. Der UCI MTB World Cup mit den Disziplinen Fourcross und Downhill ist wieder zu Besuch im SalzburgerLand. Seien Sie mit dabei und gewinnen Sie ein Wochenende beim Out of Bounds-Festival in Saalfelden Leogang! Dazu darf auch der 26TRIX als einer der weltweit bedeutendsten Mountainbike-Dirt-Jump-Wettbewerbe natürlich nicht fehlen. Damit noch nicht genug: Der iXS Downhill Cup, der EFS Fourcross oder ein internationales CrossCountry-Rennen sind weitere Highlights beim Out of Bounds-Festival. Weitere Infos: www.outofbounds.at | bike.salzburgerland.com

SalzburgerLand Austria 2012

Das erwartet Sie: • 4 Übernachtungen inkl. Halbpension für 2 Personen im Hotel**** Riederalm in Leogang • Eintritt zu den Weltcup-Rennen und -Qualifikationen • Eintritt zu allen Side-Events • 1 geführte MTB-Tour oder MTB-Fahrtechnik-Training • Löwen Alpin Card (All-inclusive)

Und so funktioniert’s: Senden Sie eine Postkarte mit Ihrem Namen, Ihrer Anschrift und Ihrer E-Mail-Adresse an Red Bulletin GmbH, Kennwort: „Out of Bounds“, Heinrich-Collin-Straße 1, 1140 Wien oder schicken Sie uns ein Fax an 01/90 221-28 209 oder eine E-Mail mit dem Betreff „Out of Bounds“ an gewinnspiel@at.redbulletin.com Teilnahmebedingungen: Einsendeschluss ist der 29. Mai 2011. Ausgeschlossen sind Minderjährige unter 18 Jahren sowie Mitarbeiter der Red Bulletin GmbH und Mitarbeiter von SalzburgerLand und deren Angehörige. Der Gewinn wird unter allen rechtzeitig eingegangenen Teilnehmern unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgelost. Jeder Teilnehmer kann pro Gewinnspiel nur einmal gewinnen. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt. Der Gewinn verfällt, wenn dieser am Veranstaltungstag nicht in Anspruch genommen wird. Der Rechtsweg sowie Barauszahlung sind ausgeschlossen. Alle Teilnehmer erklären sich einverstanden, dass die im Rahmen der Teilnahme bekannt gegebenen Daten von der Red Bulletin GmbH zur Abwicklung des Gewinnspiels und zu Marketingzwecken (postalische, telefonische, elektronische Werbung) archiviert, verwendet und gegebenenfalls in den Medien mit Namen und Bild veröffentlicht werden. Die Zustimmung kann jederzeit schriftlich mit einer E-Mail an widerruf@redbulletin.at widerrufen werden. Die Verwendung von automatisierten Scripten und/oder Services ist nicht gestattet. Copyright: Red Bulletin GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Hotel & Restaurant

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Qu sta er dt e

Action

Fr ar eeru wi t de nni kĂź ckel r We ng i Sp nstl t, ze lt. M st d ie iel er ig Te pla be ten it w ber xt :R tz i Re 25 elc Ăźh ut h m na d hM me Bu der en R test or ga ns ll A we ies e u n Lo rt ltbe ens nb nd of st ch ek on Mo en rit an . tio For ten nte n a tb si Sp uf ewe e si ort ein gu ch em ng ent s- -

bild: Claudiu Voicu

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Tim Shieff

Alter: 23 Geboren: in den USA, aufgewachsen in Derby, Großbritannien Nickname: Livewire

Von Michael Jacksons nachgetanztem „Billie Jean“-Video führte Shieffs Weg als Teenager direkt in die BreakdanceSzene. Als er zufällig auf die ParkourDokus „Jump London“ und „Jump Britain“ stieß, hatte er seine wahre Bestimmung gefunden. Nach einem zweiten und einem dritten Platz in den vergangenen Jahren gewann er in seinem Heimatland Red Bull Art of Motion 2011 und ist nun quasi regierender Freerunning-Weltmeister.


B Action

Für Freerunner ist South Bank so etwas wie geheiligter Boden. Hier wurde 2003 „Jump London“ gedreht, eine Free­ running-Doku, die drei junge Franzosen

Tim Shieff

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bei ihrer Londoner Sightseeing-Tour der etwas anderen Art begleitet. Das Video verbreitete sich in Windeseile um die Welt – und inspirierte Freerunner von Moskau bis Tokio, von New York bis Managua. Es war der Durchbruch einer Sportart. Die Geburtsstunde des Freerunning hatte schon ein paar Jahre davor geschlagen. Anfang der 1990er erfand eine Gruppe junger Männer im Pariser Vorort Lisses „Parkour“. (Parcours heißt auf französisch Strecke.) Der „Yamakasi“ genannten Crew um die beiden Pioniere David Belle und Sébastien Foucan ging es darum, so rasch und effizient wie nur möglich von A nach B zu gelangen. Von im Weg stehenden Häusern oder Mauern oder von meterhohen Drops ließen sie sich dabei nicht beirren. Die Methode hatte sich Belle von der französischen Armee geliehen: Soldaten wie sein Vater hatten damit für den Einsatz in unwegsamem Gelände trainiert. Ein paar Jahre später, im September 2003, machte Foucan mit der TV-Dokumentation „Jump London“ (und im Frühjahr 2005 mit dem Sequel „Jump ­Britain“) Parkour schlagartig bekannt. Wer Parkour nicht durch diese beiden mittlerweile legendären Streifen kennenlernte, dem wurde es auf anderem Weg vorgestellt: im James Bond-Film „Casino Royale“ und Luc Bessons „District B13“, in Madonnas „Jump“-Video, ComputerGames wie „Assassin’s Creed“ und in unzähligen Werbeclips für Handys, Autos und dergleichen. Die gleichzeitig geschmeidige und spektakuläre Art der Fortbewegung stellt sich seit „Jump London“ meist mit ihrem internationalen Namen Freerunning vor. Das sorgt bis heute für ein wenig Verwirrung. „Heute assoziiert man mit Parkour die ursprüngliche Effizienz der Fortbewegung und mit Freerunning die Kreativität, die eingebauten Flips und Tricks“, sagt Dan Edwardes, Direktor von Parkour Generations und ParkourUK, dem weltweit ersten Parkour-Verband, „aber so groß sind die Unterschiede gar nicht. Wir sind alle Teil einer Familie.“ Innerhalb der

bilder: Rutger Pauw, Richie Hopson

efindet sich Tim „Livewire“ Shieff im Clark-Kent-Modus, ist er nur ein Gesicht in der Menge der Wochenendeinkäufer und Theatergeher in Londons Stadtteil South Bank, ein unauffälliger Passant in Trainingshosen und Turnschuhen. In ein paar Stunden wird er jedoch wieder in den Teilzeit-­Superheld-Modus schlüpfen, als Titel­verteidiger des ersten Red Bull Art of Motion-Contests in London. Shieff, ein muskulöser 80-Kilo-Brocken, ist Weltmeister im Freerunning. Nur mit Körperkraft und dem Schwung der Bewegung überwindet er vier Meter hohe Wände, springt über klaffende Häuserschluchten und macht an Dachkanten Handstände. Mit einer Hand, wohlgemerkt. Heute Abend wird er all das und noch mehr ­zeigen müssen. Denn: 24 der besten ­Freerunner dieses Planeten brennen ­darauf, ihm seinen Titel in einer künstlich erschaffenen Landschaft aus haushohen Würfeln, Metallkonstruktionen und Betonflächen abzujagen.

Für Free­ runner ist South Bank heiliger Boden.


action

Ryan Doyle

Familie ist Individualität aber durchaus erlaubt: Jeder „Traceur“ ­(Spurenleger) mixt sich den Sport nach ei­genen Vorlieben zurecht. Manche fügen Martial-ArtsFiguren hinzu, andere schalten Bewegungen aus Capoeira zwischen die Sprünge. „Als ehemaliger Breakdancer benutze ich Moves wie Windmills und Headspins, um meine Runs noch abwechslungsreicher zu ­machen“, sagt Shieff. Verbindung halten die Familienmitglieder hauptsächlich online: Laut Parkour Generations sind Freerunning und Parkour die gefragteste Sportart auf ­YouTube – mit mehr als 20 Millionen Hits Vorsprung vor dem ersten Verfolger Skateboarden. Seit Tim Shieff auch außerhalb der Community ein Star ist, hat sich sein Leben ganz schön verändert. Er ist auf der ganzen Welt für Film- und Werbeaufnahmen unterwegs, er dreht für MTV eine Freerunning-Serie in Los Angeles, er überreichte Samuel L. Jackson in Las ­Vegas einen Award. All das mache er, um freerunnen zu können – und nicht umgekehrt, sagt Tim. „Freerunning ist das Genialste, was man sich vorstellen kann“, erklärt er mit einer weichen Stimme, die nicht so recht zu seiner bulligen Erscheinung passen will. „Wenn ich in der Stadt unterwegs bin und mir meine eige-

Ryan Doyle

Alter: 26 Geboren in: Liverpool, England

bilder: Rutger Pauw (2)

Dass aus Ryan einmal ein Spitzensportler werden würde, hätte in der Schule niemand vermutet. Sein Bewegungstalent entdeckte er nicht am Spielplatz, sondern erst als jugendlicher MartialArts-Einsteiger. Heute ist er vierfacher britischer Meister im (Martial-Arts-)Tricking und baut gerne Martial-Arts-Moves in sein Freerunning-Programm ein. 2007 gewann Ryan in Wien den allerersten Red Bull Art of Motion-Contest. Heute betreibt er gemeinsam mit seinem Bruder in Liverpool eine Freerunning Academy für Kinder.

Freerunning ist die klare Nummer eins auf YouTube.

nen Wege suche, kann ich aus der starr geregelten Welt ausbrechen – wie ein Superheld im Comic. Dann sind Treppen nicht nur zum Gehen da, und aus flachen Hausdächern werden Landebahnen.“ Im National Theatre in London, dem Austragungsort von Red Bull Art of M ­ otion, trifft Shieff seine 24 Konkurrenten aus fünfzehn Ländern. Einer von ihnen ist Ryan Doyle. Der 26-jährige Liverpooler ist heute Abend der älteste Teilnehmer und neben Shieff einer der bekanntesten Freerunner der Szene. 2007 gewann er in Wien die erste Austragung von Red Bull Art of Motion, 2009 wurde er World Free­ run Champion. Der Mitbegründer des Contests sieht den Event als berufliche Weiterbildung: „Red Bull Art of Motion ist ein Schauplatz der verschiedensten Stile und kein Wettbewerb im herkömmlichen Sinn. Wir wollen einfach den ­stylischsten Weg durch die Stadt finden.“ Für Jermold „Spyder“ Compton, einen Grafikdesigner aus Trinidad und Tobago, wirkt das Ganze wie ein Déjà-vu: „Die meisten Traceure habe ich schon tausende Male auf YouTube gesehen. Jetzt lerne ich sie endlich persönlich kennen.“ Und Pamela Obiniana, eine zierliche ehemalige Turnerin aus ­Österreich, hat ihre ganz eigene Mission. „Mir geht’s nicht ums Gewinnen“, erklärt sie. „Ich will den Leuten zeigen, was Free­running ist und dass wir Frauen auch vorne mit dabei sind.“ Die letzten Sonnenstrahlen verlieren sich jetzt über der Themse, die Scheinwerfer gehen an. 7000 Fans warten auf dem Vorplatz des National Theatre gespannt auf die 25 Athleten. Jeder von ihnen wird in über zehn Meter Höhe 35


Action

Dann ist der erste Durchgang auch schon vorbei. Die Jury siebt großzügig aus, und am Ende stehen zwölf Finalisten fest, ­darunter auch Shieff und Doyle. Unter einem tiefschwarzen Londoner Himmel beginnt jetzt die heiße Phase des Bewerbs. Kollegen aus Russland, den USA und Schweden absolvieren ihre Runs, der rasende Dubstep scheint sie anzutreiben, von ­unten brüllt die Menge. Ryan Doyle ist an der Reihe und verliert keine Zeit mit Vorspiel. In jedem Move entdecken die Zuschauer Martial-Arts-Figuren, elegant überwindet er Gaps und stößt sich von Wänden ab, um gleich danach auf das nächste Plateau zu hechten. Und dann steht „Livewires“ Run an. Über die Boxen ertönt sein Name, und als er die Hände an die Balustrade legt, startet sein Song. Er geht in einen perfekten Handstand, dann greift er ins Leere, nach zwei Metern freien Falls Hals über Kopf rollt Shieff sich ab, springt hoch und feuert die Menge an. Seine BreakdanceMoves sind sofort Teil der Kür, er wirft sich durch die Luft, die Betonpfeiler sind Absprungrampen. An der Kante e­ ines Betonkubus geht er in Handstandposition – und biegt seine Beine langsam in Richtung Abgrund durch. Die Füße baumeln in sieben Meter Höhe. Und weit unter ­ihnen tobt die Menge. Doch Shieff gibt sich damit nicht zufrieden. Er beendet seinen Run mit einer Windmill und einer Parade an Flickflacks. Und kann dann nur noch warten und hoffen. 36

„Stark sein …“

Die bemerkenswerte Geschichte des Urvaters von Parkour. Der Marineoffizier Georges Hébert befand sich 1902 in Martinique, als ein Vulkan ausbrach. Nachdem er heldenhaft geholfen hatte, die Rettung hunderter Betroffener zu koordinieren, verließ er die Insel mit neuer Lebenseinstellung: Körperliche Leistungsfähigkeit sei für die Menschheit nützlich, wenn sie mit Mut und Altruismus verknüpft sei. „Etre fort pour etre utile“ (Stark sein, um nützlich zu sein): So lautete von da an sein Lebensmotto. Die Überzeugung verfestigte sich, als er bei seinen zahlreichen Reisen durch den afrikanischen Kontinent überall durchtrainierte Eingeborene beobachtete, die ihre Fitness keinem speziellen Training verdankten, sondern allein ihrem Alltag – eine Errungenschaft, die der industrialisierten westlichen Welt verlorengegangen war. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich entwickelte Hébert seine „Naturmethode“: eine Mischung aus Morallehre und einem Fitnesstraining, das aus Klettern, Schwimmen, Springen und Werfen bestand – also aus nichts als der reinen Bewegung in der Natur. Die französische Armee übernahm Héberts Programm, und David Belle, einer der Erfinder von Parkour, transformierte es zu einer neuen Trendsportart.

bilder: musée national de la Marine, Rutger Pauw

starten, beobachtet von einer vierköpfigen Jury. Ab jetzt zählen auf dem Weg nach unten Kreativität und Ausführung, Schwierigkeitsgrad und Flow. Gleich zu Beginn gelingt es zwei Athleten, den Zuschauern die Gefährlichkeit dieses Sports auf äußerst anschauliche Weise zu vermitteln. Dem Schweizer Christian Harmat fehlt der Schwung im letzten Vorwärtssalto – er prallt flach auf Gesicht und Bauch. Auf demselben Gerüst scheitert kurz darauf auch Yoann „Zephyr“ Leroux aus Frankreich: Aus zweieinhalb Meter Höhe stürzt er auf den Rücken. Sein „Double Gainer“, ein Backflip in ­einer Vorwärtsbewegung, bleibt unvollendet. Bis zum Ende der Nacht bleibt es allerdings bei diesen Schrecksekunden. Beim Run des Russen Erik Mukhamet­ shin brandet der Applaus besonders laut auf: Sein Stil ist von Backflips und Airspins geprägt, der doppelte Rückwärts­ salto im Cowboy-Tuck (breit gesprungener Salto) lässt das Publikum vor Freude kreischen. Auch in der Jury heben sich einige Augenbrauen.

… wirft sich durch die Luft, Betonpfeiler sind Absprung­ rampen …


Daniele Doria alias Dani Milano und ein italienischer Rßckwärtssalto.


Action

Jermold Compton

Compton ist Grafikdesigner und Wirtschaftsstudent, findet daneben aber genug Freizeit, um mit Freunden Freerunning zu trainieren. Könnte er vom Freerunnen leben, würde er zwar seine anderen Jobs, „ohne mit der Wimper zu zucken, aufgeben“. Sein Wirtschaftsstudium soll ihm jedoch helfen, seinen großen Traum zu verwirklichen: in Trinidad und Tobago eine Freerunning Academy zu eröffnen, die der kleinen lokalen Szene Auftrieb gibt.

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bild: Getty images

Alter: 25 Geboren in: Trinidad und Tobago Nickname: Spyder


Marcus Gustafsson

Alter: 22 Geboren in: Helsingborg, Schweden Nickname: Zyrken

bild: Scott Bass

Als Marcus Gustafsson vor fünf Jahren auf Internet-Videos Free­ running entdeckte, hatte er schon zehn Jahre als Bodenturner hinter sich. Und mehr als genug vom strikten Drill in der Turnhalle. Action und Freiheitsgefühl der neuen Sportart faszinierten ihn auf Anhieb, rasche Erfolge motivierten zusätzlich. 2009 wurde er Vierter bei der FreerunningWM sowie Dritter bei Red Bull Art of Motion in Boston, USA. Platz zwei bei Londons Red Bull Art of Motion 2011 ist sein bisher größter Erfolg.


Action

Luci Romberg Alter: 26 Geboren in: Colorado, USA Nickname: Steel

… die FüSSe ­baumeln in sieben Meter Höhe, weit unten tobt die menge. 40

Kurz darauf wird das Siegertreppchen auf die Bühne geschoben. Zuerst wird die US-Amerikanerin Luci „Steel“ Romberg für die „Best Female Performance“ ausgezeichnet. Erik Mukhametshin aus Russland gewinnt den Preis für den besten Trick des Abends. Tim Shieff steht mit anderen Athleten auf dem Balkon des National Theatre, und die Köpfe recken sich, als es um die Vergabe der ersten drei Plätze geht. Ryan Doyle heimst Bronze ein, der zweite Platz geht an den Schweden Marcus „Zyrken“ Gustafsson. Dann wird es ruhig in dieser Märznacht. Wer hat die Jury heute Abend besonders überzeugt? Die Stimme quäkt aus den Boxen und verliert sich über den Wellen der Themse: „Den ersten Platz belegt der Jun-

ge aus Derby: Tim! Livewire!! Shieff!!!“ Über Tims Gesicht spannt sich ein zufrie­ denes Grinsen. Am Weg zum Podium überspringt er gleich noch ein paar jener Hindernisse, die ihm heute Abend Glück gebracht haben. Nach der Feier verlässt er Red Bull Art of Motion auf demselben Weg, auf dem er gekommen ist. Er ist einer der wenigen Fußgänger, die zu der Zeit noch in South Bank unterwegs sind. Mit festem Schritt geht er auf eine Baustelle zu, auf die kleine Wellblechhütte, den meterhohen Stoß dicker Eisenrohre, die massiven Absperrungen. Dann macht er einen Bogen und folgt der Fußgängerumleitung. Zurück im Clark-Kent-Modus, zumindest für heute. www.redbullartofmotion.com

bild: LUKASZ BASZKO

Luci, eine Allround-Sportlerin und ehemalige Turnerin, ist eine der bekanntesten Freerunnerinnen der Welt. Ihr Geld verdient sie nicht nur bei Contests und Vorführungen rund um den Globus, sondern auch als Stuntwoman für TVund Filmprojekte in Hollywood. Topform und knallharter Ehrgeiz berfördern sie ­regelmäßig in die Top Ten der Männer. Bei Red Bull Art of Motion 2011 in London gewann sie völlig verdient den Preis für die „Best Female Performance“.


© Getty Images/Red Bull Content Pool

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Action

Acht Männer, die alles erreicht haben. Acht Buben, die alles vor sich haben. Eine Woche, die ohne Gegenwart auskommt. Text: Stefan Wagner, Bilder: Gian Paul Lozza

Die Schultern der Riesen Legenden (Pete Sampras, hinten rechts, und Henri Leconte, vorne rechts) treffen auf Talente (Oliver Golding, hinten links, und Jirˇí Veselý, vorne links): BNP Paribas Open, Zürich, der Generationenvertrag unter den Tennisturnieren.

Ein Geschenk. Der Oberschenkel von Pete Sampras, 39, schafft zwei Matches in zwei Tagen nicht mehr. Henri Leconte, 47, hat man nach einem Bandscheibenvorfall zwei Rückenwirbel zusammengeschraubt. Ivan Lendl, 51, trägt Lesebrille und möchte lieber im Stehen interviewt werden, weil der Rücken im Sitzen schmerzt. Tim Henman, 36, knetet zwischen den Ballwechseln die rechte Schulter. Das Knie von Thomas Muster, 43, sieht mit den Operationsnarben aus wie die Schnittanleitung aus einem Handarbeitsheft. Goran Ivanišević, 39, trägt eine dicke Bauchbinde, die den Rücken warm hält, und erzählt vom vielen Krafttraining, das nötig ist, um den kaputten Meniskus zu entlasten. Michael Stich, 42, trägt eine Kniebandage, Mark Philippoussis, 34, zwei. Und berichtet von einer außerordentlich gut verlaufenen Knieoperation, es war seine sechste. Anfang März treffen sich in Zürich 25 Grand-Slam-Titel des Welttennis, 132 Millionen US-Dollar Preisgeld, 562 Wochen an der Spitze der Herren-Weltrangliste. Die „ATP Champions Tour“ macht Station, ein trotz der nicht mehr völligen Unversehrtheit der Champions fröhlicher Wanderzirkus. Er bedient zuverlässig die nostalgischen Sehnsüchte von Tennisfans, und überall in der 42

Welt beginnt gestern die gute alte Zeit: Wenige Tage vor Zürich füllte ein Schaukampf von Pete Sampras und Andre Agassi den New Yorker Madison Square Garden mit 19.000 Leuten. Im Züricher Pressezentrum ermahnt ein Plakat die akkreditierten Journalisten zur Zügelung des persönlichen Enthusiasmus, „Absolutely no autograph requests in the media center“ steht da. Der sportliche Anspruch der Champions Tour ist, solange die Kurzweiligkeit des Gesamtwerks gewahrt bleibt, individuell gestaltbar: Philippoussis und Muster stemmen sich verbissen gegen den Strom der Zeit und wollen ihre Matches als Vorbereitung auf die echte ATP-Tour verstanden wissen (Muster ballt die Faust immer noch so entschlossen wie in den frühen 1990ern, Philippoussis schlägt immer noch schneller auf als Nadal, Federer oder

Vier der acht „Champions“ dieses ganz besonderen Turniers in Zürich: Die großen Jahre haben ihre Spuren hinterlassen, aber die Legenden spielen nach wie vor großes Tennis.


Michael Stich, 42

Thomas Muster, 43

Henri Leconte, 47

Pete Sampras, 39


Action

„Beim ersten Match waren mindestens 1000 Zuseher in der Halle. Normalerweise spielen wir nur vor Leuten, die entweder mit uns verwandt sind oder uns coachen.“ Djokovic). Der vom Publikum besonders geliebte Henri Leconte und der einen Hauch reserviertere Michael Stich sorgen dafür, dass die Sache insgesamt nicht zu sehr ins schnöde Punktezählen abdriftet. Die beiden, mittlerweile bar jeder Athletik, treten den Beweis an, dass auch eine spezielle Kombination aus Charme und Genialität reicht, um den beträchtlichen Eigenwillen eines Tennisballs zu beugen. Die Leute mögen diesen Mix, die Sponsoren mögen ihn – Hauptsponsor in Zürich ist der weltgrößte Tennis-Sponsor, BNP Paribas –, die Medien mögen ihn, der VIP-Bereich der Halle ist lange vor dem Event ausverkauft: Der schwierigste Teil, mit einem Turnier der Champions Geld zu verdienen, ist, eine der wenigen ATP-Lizenzen dafür zu kriegen. In Zürich hat man sich aber zu einer Fleißaufgabe entschlossen, die in der Welt des Sports ziemlich beispiellos ist: Man gibt der Woche das Motto „Where champions meet talents“ und webt ins Treiben der Legenden ein Einladungsturnier von acht Nachwuchsspielern ein. Es sind acht der besten der Welt, die nächste, übernächste Generation der Herausforderer von Nadal, Djokovic, del Potro, in einigen Jahren vielleicht ernsthafte Anwärter auf einen Grand-Slam-Titel. Noch sagen ihre Namen gerade einmal Insidern etwas. Turnierfavorit ist Jiří Veselý, Tscheche, 17, Nummer eins der Weltrangliste der bis Achtzehnjährigen. Veselý gewann zu Jahresbeginn den Juniorenbewerb der Australian Open in Melbourne sowohl im Einzel als auch im Doppel. Keinem der aktuellen Spitzenspieler gelang das in seiner Juniorenlaufbahn. „… sse cohrd …“ Die erste Begegnung von Champions und Talenten findet recht informell statt, am Tag vor Turnierbeginn, in der Halle hämmern und bohren die letzten Vorbereitungen. Auf der einen Seite des Trainingsplatzes Henri Leconte, ehemalige Nummer fünf der Welt, auf der anderen Oliver Golding und Mate Pavić, Engländer und Kroate, die Nummern vier und fünf der aktuellen Junioren-Weltrangliste. Die beiden wurden 1993 geboren, in Lecontes letztem Profi-Jahr, Tina Turner und Cher führten damals die UK-Albumcharts an. Golding und Pavić schieben den Ball lässig übers Netz, mag sein aus einem altersbedingt noch nicht ganz ausgereiften Verständnis von Coolness, mag sein aus ungeschickt überspieltem Respekt vor der Legende auf der anderen Seite des Netzes. Lecontes Miene verdüstert sich, er ruft den beiden etwas von „Training“ und „ordentlich“ zu und spielt den Ball härter an. „Hit the ball!“, ruft er, „hit it!“, immer wieder, bald überschlägt sich die Stimme des Mannes, der in Zürich als „Tennis-Clown“ 44

angekündigt ist: „Hit – the – ball!“ Die beiden Burschen schlagen dann tatsächlich härter, jedoch landet der Ball abwechselnd tief im Netz und weit im Aus. Jetzt brüllt Leconte beinahe, „… OVER the net, INTO the court!“, mit seiner hohen Stimme und dem französischen Akzent („… sse nött …“, „… sse cohrd …“) klingt es vielleicht nicht ganz so verbindlich wie beabsichtigt. Wenig später, um die Ernsthaftigkeit seines Anliegens zu ­unterstreichen, verzieht Leconte das Gesicht, verdreht die Augen und stapft rechtschaffen verärgert vom Platz. Wochen, die das Motto „Where champions meet talents“ gewählt haben, wünschen sich andere Montagnachmittage. Neue Welt. An den ersten beiden Tagen des Turniers wirken die Junioren im direkten Vergleich mit den Legenden fahrig und blass. Der Rahmen ist zu groß, zu viele Grand-Slam-Titel, zu viel Aufmerksamkeit, sogar eine halb gefüllte 3000-Leute-Halle enthält zu viel Publikum. „Ich habe nicht ans Spielen gedacht“, sagt Alexander Ritschard nach seinem ersten Match, ein 17-jähriger Schweizer, der die Hälfte des Jahres in den USA trainiert, „ich hatte einfach nur Angst, mich zu blamieren.“ Die Teenager kommen aus einer Welt ohne Autogrammjäger, ohne Journalisten, ohne Preisgelder, Linienrichter oder Ballkinder. Mit den 50.000 bis 100.000 Euro für Betreuung, Equipment und Reisen pro Saison erkauft man sich die Chance auf den Einstieg in eine internationale Karriere und die Garantie, nicht zu verweichlichen. Sogar während des Juniorenturniers von Wim­ bledon wohnt man in einer Jugendherberge, deren Ehrgeiz den Schutz vor Wind und Wetter kaum übersteigt. In Zürich erleben die Junioren zum ersten Mal, was passieren könnte, wenn sich ihr Traum von der großen Karriere erfüllt. Sie erfahren, dass für Pete Sampras die Anreise mit dem Privatjet aus den USA Grundvoraussetzung einer Teilnahme war. Sie werden eine Woche lang behandelt wie Superstars, übernachten im Dolder Grand, dem besten Haus der Stadt, fünf Sterne, kein Zimmer unter 500 Euro pro Nacht. Sie erleben einen Fahrdienst mit

Vier der acht ausgewählten „Talents“: Jirˇí Veselý gewann zu Jahres­ beginn bei den Australian Open im Juniorenbewerb sowohl Einzel als auch Doppel, was keinem der aktuellen Top-Stars gelang.


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Jirˇí Veselý, 17

Oliver Golding, 17

Dimitri Bretting, 18

Alexander Ritschard, 17


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Goran Ivaniševic´, 39

Mate Pavic´, 17

uniformierten Chauffeuren, eine Players’ Lounge mit gedämpftem Licht, Kellnerinnen, die wie Models aussehen und Menüs auf Sterne-Niveau servieren. „Wir haben sogar neue Bälle zum Training bekommen“, sagt Liam Broady, 17 Jahre alt, Linkshänder aus Manchester, Nummer 27 im Junioren-Ranking, „und bei meinem ersten Match waren mindestens tausend Zuseher in der Halle. Normalerweise spielen wir nur vor Leuten, die entweder mit uns verwandt sind oder uns coachen.“ Die Begegnung der Generationen wird in Zürich nicht als schöne Metapher verstanden, sondern handfest: Die Alten und die Jungen spielen ein Gemischtes-Doppel-Turnier, trainieren miteinander, treffen einander in der Players’ Lounge, im Frühstücksraum des Hotels, im Fond der Limousinen des Fahrdiensts. „Ich habe Tim Henman gefragt, ob er ein Mittel gegen Nervosität weiß“, erzählt Liam Broady. „Ich bin nämlich oft nervös. Er hat gesagt: Du musst immer an deine Taktik beim nächsten Punkt denken, so bleibt im Kopf kein Platz für Nervosität.“ Im nächsten Match führt Broady im zweiten Satz 5:0 gegen Veselý. Dann verlassen ihn Nerven und Aufschlag, er verliert Satz und Match. „Tims Tipp war gut“, sagt er nachher, „ich habe ihn nur nicht gut genug umgesetzt.“

Tim Henman, 36

46

Liam Broady, 17

Beide kommen aus Kroatien, sogar beide aus Split. Beide sind Linkshänder. Der eine ist das Idol des anderen – Mate Pavic´s bester Schlag ist der Aufschlag, „so wie bei Goran“, sagt der Siebzehn­ jährige. „Als Goran im Jahr 2001 in Wimbledon ­gewann, war ich beim großen Empfang für ihn in Split. Ich war damals erst acht Jahre alt. Aber in diesem Moment wusste ich: Da, wo Goran steht, da will ich auch einmal stehen.“

Switzerland’s next Federer. In Zürich trifft man auch den Mann mit dem konkurrenzlos aussichtslosesten Job der Welt: Er heißt Roland Burtscher, ist Österreicher, Herren-Cheftrainer des Schweizer Verbandes. Burtschers Job-Description lautet, ein wenig vereinfacht: den nächsten Roger Federer ausbilden. Zwei junge Schweizer stehen im Turnier, der schlaksige Alexander Ritschard und der quirlige Dimitri Bretting, der mit achtzehn schon weiß, wie sich ein Ermüdungsbruch in der Hüfte anfühlt, und der sagt: „Mit den Gelenken bin ich nicht der Stabilste.“ Vom Training mit Thomas Muster trägt Bretting einen lädierten Arm davon, erkämpft dann dennoch Platz drei im Turnier der Junioren und wird dafür mit der zweiten Pressekonferenz seines Lebens belohnt. Die erste hatte er ein Jahr davor am selben Ort gegeben. „Dieses Turnier ist für die Jungen so wichtig wie ein Grand Slam“, sagt Burtscher. „Es gibt keine bessere Gelegenheit, sich zu präsentieren.“ Burtscher sagt, dass die Junioren hier „um ihr Leben“ spielen. Er meint das fast wörtlich, geht es doch für die Familien mancher Spieler um die wirtschaftliche Existenz: Dass Goran Ivaniševićs Vater in den 1980ern das Haus der Familie ver­ kaufte, um die Tennis-Ausbildung des Sohns zu finanzieren, wäre heute kein bestaunter Einzelfall mehr. Die Ausbildung junger

Wenn man die Junioren fragt, wen sie selbst für das größte Talent in ihrer Runde halten, sagen sie: Liam Broady. Der Engländer hat manchmal mit den Nerven zu kämpfen, aber Vorbild Tim Henman weiß Rat: „Immer an deine Taktik beim nächsten Punkt denken, so bleibt im Kopf kein Platz für Nervosität.“ Der größte Test für die Nerven briti­ scher Tennisspieler ist Wimbledon. Der letzte Heimsieg stammt aus dem Jahr 1936, der Nach­ folger von Fred Perry wird ungeduldig erwartet.


„Du musst es mögen“ Generationen im Gespräch: Was Ivan Lendl, 51, dem Junior Filip Horanský, 17, mit auf den Weg gibt. Ivan Lendl war 1978 weltbester TennisJunior, erspielte als Profi von 1979 bis 1994 über 21 Millionen Dollar Preisgeld, gewann 94 Turniere, darunter acht Grand Slams, war 270 Wochen Nummer eins der Tennis-Welt. Nach dem Ende seiner Karriere spielte er wegen Rückenproblemen 14 Jahre lang nicht Tennis. Mittlerweile spielt er wieder viermal pro Woche eine Stunde, „schon so viel, dass es meinem Golf schadet“, sagt er. Lendl ist Vater von fünf Töchtern, drei von ihnen gelten als außergewöhnliche Golf-Talente, und eröffnet im Herbst eine Tennis-Academy. In Zürich ist er der älteste Teilnehmer, zu Wochenbeginn wurde er 51 Jahre alt, er ist das erklärte Idol des JuniorenTurniersiegers Filip Horanský. red bulletin: Mr. Lendl, der Bursche neben Ihnen, Filip Horanský, wurde im Januar Ihres vorletzten Profi-Jahres 1993 geboren. Fragt man ihn nach seinem Idol, sagt er: Ivan Lendl. ivan lendl: Der junge Mann muss an seinem Geschmack arbeiten. Es wären andere im Angebot, ein Federer, ein Nadal, ein Djokovic zum Beispiel. Horanský sagt, Sie verkörpern eine Ethik des Arbeitens wie kein anderer. Ist er altmodisch? Man kann seine und meine Zeit nicht vergleichen. Das Spiel hat sich

bin ich ein guter Beweis. Der Unterschied ist, dass es heute einfach viel mehr gute Spieler gibt. Früher hat ein Turnier für die Favoriten erst im Viertelfinale begonnen, alles davor war Aufwärmen. Heute kannst du jederzeit gegen jeden verlieren. Hat sich etwas an der Einstellung geändert, die ein Top-Athlet braucht? Nein. Du musst hart arbeiten, du musst es auch mögen, musst Spaß daran haben. Du musst alles in die Waagschale werfen, was du geben kannst. Und, nochmals, du musst es mögen.

Ivan Lendl, 51

weil du alle Unterstützung gekriegt hast. Das kommunistische System hatte aber einen anderen, noch viel größeren Vorteil: Es hat dich motiviert, so gut zu werden, dass du ausbrechen kannst. Drei Ihrer Töchter sind außergewöhn­ lich gute Golfspielerinnen. … sie sind Golfspielerinnen, sagen wir es so. Können Sie Ihren Töchtern etwas mit­ geben auf ihrem Weg? Sie sind meine Töchter, daher werden sie nicht auf mich hören. Die eigenen Töchter hören auf jeden anderen mehr als auf den eigenen Vater. Aber es ist wohl kein Zufall, dass Ihre Töchter erfolgreiche Sportlerinnen geworden sind. Ich habe Wert darauf gelegt, dass sie Sport betreiben, egal welchen. Sie

Filip Horanský, 18

„Sie sind meine Töchter, daher hören sie nicht auf mich. Töchter hören auf jeden anderen mehr als auf den eigenen Vater.“ sehr verändert. Es ist aggressiver geworden, die Spieler sind alle größer, athletischer, besser trainiert, und sie spielen einfach auch besser Tennis, als wir das je getan haben. Warum steht dann kein Teenager ­unter den Top 100 der Herren? Die Jungs, die ich hier sehe, sind nicht schlecht, aber die Dichte im Herrentennis ist enorm. Früher konntest du als guter Junior mit den Männern mithalten. Heute? Chancenlos. Vor 30 Jahren musste man vor allem gut Tennis spielen können. Heute muss man technisch, taktisch, mental und vor allem athletisch top sein, um eine Chance zu haben. Das musste man früher auch, dafür

Klingt, als sollte man sich gar nicht allzu sehr quälen müssen. Wenn du deine Arbeit widerwillig machst, dann such dir eine andere. Ivan Lendl, 35 Jahre später geboren, wäre jetzt so alt wie Filip Horanský … Filip ist 18, ich wäre 16. … hätte der junge Lendl nochmals eine Chance, sich durchzusetzen? Wenn ich noch mal jung wäre, würde ich Golf spielen. Dann brauchte ich nie zurückzutreten. Sie beide kommen aus demselben Eck der Welt, aber aus verschiedenen politischen und sozialen Systemen. Spielte oder spielt das eine Rolle? Das kommunistische System war für Athleten in vielerlei Hinsicht gut,

haben eben Golf gewählt. Ihr Leben wäre armselig gewesen, hätten sie gar keinen Sport ausgewählt. Wieso? Weil sie ohne hartes Training und konsequente Arbeit in ihrer Erziehung keine Privilegien genossen hätten. Wenn Sie einem jungen Athleten nur drei Dinge mit auf den Weg geben müssten, welche wären das? Du musst hart arbeiten. Und du musst es schaffen, Genuss aus harter Arbeit zu ziehen. Wer hart arbeitet, Talent hat und ein bisschen Glück, der kann etwas erreichen. Es gibt keinen anderen Weg. Je früher man das versteht, desto größer sind die Chancen, dass man etwas erreicht.


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Tennisspieler ist ein weltweites Wett­ springen. Das Spiel wurde durch diese Ein­ rüsten. Michael Stich blieb vor zwei griffe verlangsamt, damit für die Zuseher Jahrzehnten genug Zeit, um sich erst wieder attraktiver, nachvollziehbarer. nach dem Schulabschluss für den Beruf Aber zugleich athletisch so anspruchsvoll, des Tennis-Profis und gegen ein Studium dass ein Teenager körperlich keine Chance zu entscheiden, als Achtzehnjähriger. hat, sich durchzusetzen. Es ist kein Zufall, Wer heute die letzte Weggabelung verdass alle acht Junioren in Zürich die Rück­ passt, mit vierzehn, kann es sein lassen. hand beidhändig spielen, was erlaubt, Spüren die Burschen den Druck, den Ball kraftvoller zu schlagen. Sieben dass schon ihre bisherigen Karrieren der acht Champions spielen die Rückhand ein Einfamilienhaus und einen Neuklassisch einhändig. wagen gekostet haben? „Es ist wichtig, Der Kampf um die naturgemäß limitierdass sie ihn spüren. Weil es wichtig ist, ten Plätze in den Top 100 wird schon auf Mark Philippoussis, 34 dass sie lernen, ihm standzuhalten. immer niedrigerem Niveau immer härter: Denn die wirklich harten Jahre“, sagt Die Nummer 1000 der ATP-Weltrangliste Leconte und Stich trauen sich die Talente schon zu, Burtscher, der es 1994 bis auf ATPwar vor 20 Jahren ein besserer Hobby­ manche auch Lendl. Wenn man sie fragt, gegen wen Rang 315 schaffte, „die stehen ihnen spieler, heute ist er Profi. sie vor Zeugen noch nicht antreten wollen, nennen sie beim Einstieg in die Herren-Tour ohne- den 34-Jährigen, der immer noch schneller aufschlägt Dazu kommt: Tennis ist neben Fußball hin noch bevor. Nach dem Ende der Ju- als Federer, Nadal oder Djokovic. Mark Philippoussis jener Sport, der weltweit mit der profesniorenkarriere wird’s für die allermeis- fühlt sich auch wieder stark genug für die ATP-Tour. sionellsten Intensität betrieben wird. Im ten ein jahrelanger täglicher Kampf während des Züricher Turniers gültigen ums wirtschaftliche Überleben.“ ATP-Ranking stehen Spieler aus zwölf Tennis-Junior ist man bis zum Nationen unter den Top 20, unter den Top 31. Dezember des Jahres, in dem man 100 sind 37 Nationen vertreten, Taipeh seinen 18. Geburtstag feiert. Ab dem bis Uruguay, Kasachstan bis Kanada. 1. Januar des Folgejahres wartet die Tim Henman erzählt beiläufig, dass die ­unterste Stufe des Herren-Tennis, die chinesische Regierung erst kürzlich Tennis Future-Tour, das Sammelbecken zurück­ zum Schulsport erklärt hat. „Damit“, sagt gefallener Spitzenspieler, nach oben der Brite, 2002 Nummer vier der Welt, drängender Talente und unerfüllter „wurde von einem Tag auf den anderen Hoffnungen. „Gegen das Leben auf den die Zahl der weltweiten Tennisspieler verFutures ist die Junioren-Tour ein Streidoppelt.“ Derzeit steht kein Chinese unter chelzoo“, sagt Burtscher. „Ich hab zu den Top 300 der ATP-Weltrangliste. Man meinen Spielern gesagt: Hotels wie das darf mit einem generalstabsmäßig geplanhier in Zürich müsst ihr genießen, so ten Angriff rechnen. etwas kommt sehr lange nicht mehr.“ Die Durststrecke, die zu überwinden Der kleine Prinz. Der große Publikumsist, bis man als Tennis-Profi überleben liebling in Zürich ist Henri Leconte. Der kann – Faustregel: ab Rang 200 kann kleine Publikumsliebling ist der jüngste man seine Rechnungen bezahlen, ab der Junioren, er stammt aus Bedfordshire Rang 100 kann man sich etwas zur nördlich von London und heißt Josh Seite legen –, war nie länger als heute. Sapwell. Der gerade einmal 15 Jahre alte In den 1980ern und 1990ern war der Bursche ist sogar für einen Laien mit freiJosh Sapwell, 15 Schritt vom Junioren- zum Herren-Tenem Auge als Ausnahmetalent erkennbar. nis tatsächlich noch ein Schritt: Boris Er spielt mit eigenwilliger Technik, steckt Vater Mechaniker, Mutter Putzfrau, der Trainer ein Becker und Michael Chang gewannen voller kurioser Ideen und der mit Abstand schwerkranker Club-Tennislehrer, Betreuer zwei Jungmit siebzehn ihre ersten Grand-Slamgrößten Portion Frechheit aller JunioProfis in Verletzungspausen: An Josh Sapwell ist Turniere. Heute ist aus dem Schritt ein nichts gewöhnlich. Der weltbeste 15-jährige Tennis­ ren: Im Mixed-Doppel der Generationen spieler ärgert auch schon die weltbesten 17-Jährigen. Hindernislauf geworden. 2010 stand retourniert er vier Aufschläge von Mark erstmals kein Teenager unter den Top Philippoussis in Serie als direkte Gewinn100 der ATP-Weltrangliste. schläge, er legt sich mit dem SchiedsWarum das so ist, darin sind sich die Experten ziemlich einig: richter an, bringt Pavić in Schwierigkeiten und gewinnt beinahe Über Jahrzehnte wurde das Spieltempo immer höher, bessere gegen Golding. Rackets und Saiten und eine Generation von Aufschlägern wie Joshs Geschichte ist ebenso erstaunlich wie sein Talent: Der Goran Ivanišević oder Mark Philippoussis reduzierten das Spiel Vater ist Mechaniker, die Mutter Putzfrau, niemand in seiner irgendwann auf ein eindimensionales Wettschießen. Als Reaktion Familie spielt Tennis. Als er drei war, drosch er zum Zeitvertreib wurden die Bälle schrittweise schwerer gemacht, die Boden­ mit einem Racket auf einen alten Tennisball und wurde dabei beläge rauer. Sogar in Wimbledon wird heute eine andere Rasen­ zufällig von Neil Claxton beobachtet, einem Club-Tennislehrer. mischung verwendet als vor zehn Jahren, sie lässt den Ball höher Der war so beeindruckt, dass er den Eltern anbot, ihren Buben 48


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kostenlos zu trainieren. Claxton wurde zu weit mehr als zur wichtigsten sportlichen Bezugsperson des kleinen Josh und ist es nach wie vor, auch wenn er seinen Schützling nicht mehr selbst trainieren kann, seit er an einer rätselhaften Erschöpfungskrankheit leidet. Den Job der täglichen Arbeit auf dem Platz haben ein 23-Jähriger und ein 25-Jähriger übernommen, Marc Beckles und Dominic Ross-Hurst. Die beiden sind keine erfahrenen Trainer, sondern Spieler der Future-Tour, die wegen Verletzungen pausieren. Josh ist – trotz oder wegen seines wenig lehrbuchmäßigen Umfelds – der beste Fünfzehnjährige der Welt, unter Altersgenos­ sen findet er kaum noch ernsthafte Gegner, seit vergangenem Jahr ist er bei IMG unter Vertrag, jener Management-Agentur, die unter anderen auch Roger Federer vermarktet.

nicht gebraucht. Niemand hat für seinen Erfolg so hart gearbeitet wie er. Er hat gezeigt, was man mit Arbeit und Willen möglich machen kann. Das bewundere ich.“ Was Lendl zu ihm gesagt hat? „Dass ich hart arbeiten soll, jeden Tag, dass ich es nur dann schaffe, wenn ich nicht mit Freunden weggehe.“ Das, mit Verlaub, hat ihm aber wohl der eigene Trainer auch schon geraten? „Aber wenn Ivan Lendl das sagt“, sagt Filip Horanský, „ist das etwas ganz anderes.“ Horanský verlässt Zürich anders, als er nach Zürich gekommen ist, noch entschlossener als zuvor. „Ich werde alles versuchen, wirklich alles.“ Hit the ball. Der Final-Samstag in Zürich wird mit dem Endspiel des gemischten Doppels abgeschlossen: Goran Ivanišević und Mate Pavić gegen Henri Leconte und Jiří Veselý. Das Ergebnis

Joshs erstes Spiel vor einer TV-Kamera, das Live-Signal im Internet. „Er wusste, daheim sehen die Eltern und der Trainer zu. Er konnte vor Nervosität kaum stehen.“ Trainer Ross-Hurst ist froh, dass sein Schützling in Zürich alle drei Partien verlor: „Er hat hier Gelegenheit, zu lernen, wie man mit Niederlagen umgeht. Zu Beginn war er geschockt, wie gut die drei Jahre Älteren sind. Aber er hat sich so schnell an dieses neue Niveau gewöhnt, es war fast erschreckend.“ In Zürich spielt Josh Sapwell eine seiner drei Partien richtig schlecht, es ist jene gegen den Schweizer Bretting. Es war sein erstes Spiel vor einer TV-Kamera, das Live-Signal wurde ins Inter­ net übertragen, „er wusste, dass seine Eltern und der Trainer daheim zusehen“, sagt Ross-Hurst, „Josh konnte vor Nervosität kaum stehen“. Es klingt fast, als sei er erleichtert, dass sein kleiner Schützling auf einem Tennisplatz noch zu überfordern ist. Abseits des Platzes fällt das noch nicht so schwer: Josh mustert vor dem Beantworten einer Frage sämtliche Ecken des Raums, strickt mit den Fingern und lässt dann beiläufig einige Worte aus dem Mund kullern. Er sagt, dass er Ivan Lendl getroffen hat. „Habe gefragt, ob Tennis noch Spaß macht, wenn man alt ist.“ Und? „Hat ja gesagt.“ Gute Nachrichten, oder, Josh? „Ja“, hebt den Blick und grinst. „Ja!“ Filip Horanskýs große Stunde. Mark Philippoussis gewinnt das Endspiel der Champions gegen Tim Henman, Goran Ivanišević holt Platz drei gegen Ivan Lendl. Das Junioren-Endspiel gewinnt Filip Horanský gegen Oliver Golding, im Spiel um Platz drei setzt sich Dimitri Bretting gegen Jiří Veselý durch. Horanskýs größter Moment in Zürich ist aber nicht der Turniersieg, „es war nur mein bisher wichtigster sportlicher Erfolg“. Horanskýs größter Moment war die Begegnung mit Ivan Lendl. „Wir haben in der Players’ Lounge miteinander gesprochen. Er ist mein Idol.“ Der 17-jährige Slowake – er wurde ein Jahr vor Lendls Karriere-Ende geboren – hat Lendls Spiele auf YouTube gesehen, hat seinen Trainer nach Lendl ausgefragt. „Es ist faszinierend, was er geschafft hat. Heute hat jeder von uns einen Tennistrainer, einen Mentaltrainer, einen Konditionstrainer, es geht nicht mehr ohne. Ivan Lendl hatte das alles nicht. Er hat das 50

des Spiels ist Nebensache, es geht um einen gut gelaunten Ausklang der Woche, mit Scherzen und Tricks. Und dann schließt sich noch der Bogen der Woche. Henri Leconte am Netz, Mate Pavić, der junge Kroate, an der Grundlinie. Pavić schlägt hart, Leconte volliert mühelos, zwei-, dreimal, dann ruft der Franzose, mitten im Ballwechsel, laut: „Hit the ball!“ Lachen im Publikum. Pavić schlägt härter, Leconte volliert mühelos, noch einmal: „Hit the Ball! Hit it!“ Lachen. Dann holt Pavić weit aus, zieht seine Vorhand mit aller Kraft durch, trifft den Ball genau, ein Schuss, nur Zentimeter an ­Leconte vorbei ins Feld. Grölendes Lachen, tosender Applaus. Leconte dreht sich wortlos um, ein paar Schritte Richtung Grundlinie, dann hält er kurz inne, wirft einen Blick über die Schulter und zwinkert Pavić zu. 110. French Open: 17 Mai bis 5. Juni 2011, Roland-Garros, Paris, Frankreich www.rolandgarros.com

Shakehands: Thomas Muster und Josh Sapwell (hinten), Dimitri Bretting und Mark Philippoussis (vorne).


tA of g f e de tÜ ne R R n

Ring fRei! Am SonntAg, den 15. mAi 2011 geht deR neue Red Bull Ring An den StARt ... ... und mit ihm das Projekt Spielberg, das weitaus mehr bietet als nur Motorsport und Rennstrecke, denn es vereint die einzigartigen Vorzüge der Region zu einem einmaligen Freizeiterlebnis. Das muss gefeiert werden – und zwar mit einem Eventprogramm, das vom historischen Formel-1-Rennen über spektakuläre Kunstflugdarbietungen bis hin zum Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern aus dem Motorsport reicht. Selbstverständlich kommen dabei nicht nur Augen und Ohren auf ihre Kosten, sondern auch Ihr Gaumen. Wir freuen uns auf Sie und Ihre ganze Familie! Beginn 09:00 Uhr. Weitere Informationen bald unter: www.projekt-spielberg.at


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MitspielBerg Ladies and Gentlemen, start your engines!

Eine Rennstrecke als Zentrum wiedergewonnenen Selbstwertgefühls für eine Region und unzählige Möglichkeiten gelungener Freizeitgestaltung.

L

angsam versinkt die Sonne hinter der Castrol-Kurve, oben, wo sich der neue Kart-Track befindet. Der obersteirische Himmel färbt sich dunkelrot, links von dir, da, wo einmal diese erdrückende Haupttribüne stand, dominiert jetzt ein Erdwall mit Sitzgelegenheiten und luftigen Picknickplätzen, schwarz und fett glänzt der frische Asphalt der Strecke. Dazu ein schlicht-modernes Boxengebäude, auf dessen Terrasse du grad stehst: eine Szene, so friedlich, schön und zukunftsträchtig, tausendmal ausgemalt, verworfen und erhofft, zum guten Ende doch Realität geworden. Was jetzt noch fehlt, ist der köstliche Klangteppich von Motorsport, die Kulisse einer beschleunigten Welt voller Präzision, Drehzahl und Herz. Spielberg, der Spiel-Berg, besser noch: der Mitspiel-Berg, lüftet seinen Vorhang. Was ihr wollt. Herzstück von Projekt Spielberg ist selbstverständlich der Red Bull Ring, im Layout identisch mit seinem letzten Vorgänger, auf dem 2003 der letzte Große Preis von Österreich stattgefunden hat, erweitert um ein paar schlaue Details, verschlankt und mit Infrastruktur am aktuellen Stand der Zeit versehen. Weil Sie grade fragen: Ja, der Red Bull 52

Ring hat eine Formel-1-Zulassung. Einfach deswegen, weil er die strengsten Auflagen im Business erfüllt. Der Traum vom Grand-Prix-Comeback gleicht trotzdem jenem von warmen Eislutschern: Wo die neuen F1-Kandidaten Öl im Vorgarten sprudeln haben, muss der Obersteirer noch sein Kernöl aus den südlichen Landesteilen importieren. Testfahrten? Sind während der Saison bekanntlich verboten. Und zwischen November und März ist das bevorzugte Verkehrsmittel im Aichfeld der Schneepflug. Die Eröffnung am 15. Mai wird also eine der raren Gelegenheiten sein, am neuen Red Bull Ring ein leibhaftiges F1-Auto mit einem genauso leibhaftigen Weltmeister am Steuer zu sehen und andere Köstlich­ keiten mehr, siehe Kasten nebenan. Für alle. Hätte man nur eine Rennstrecke in die Gegend gestellt, wäre das nahezu fahrlässig gewesen. Die

internationale Erfahrung lehrt, dass es mehr braucht, um Nachhaltigkeit zu generieren. Nachhaltigkeit ist mit Prestigeprojekten selten kompatibel. Nur die Einbettung in ein Gesamtkonzept ist sinnvoll, wenn sich eines zum anderen fügt, man voneinander profitiert und nach guter steirischer Sitte am Abend miteinander um den Tisch hockt und den Tag Revue passieren lässt. Das ist nämlich das Einzigartige an Spielberg: Hier trifft sich der Enduro-Fahrer, der dreckigen Grinsens aus dem Wald stiefelt, mit dem Rennfahrer, der am Set-up getüftelt hat. Der Kart-Champion steht am gleichen Siegespodest wie der DTMSieger. Das millimetergenaue Arbeiten mit dem Auto im extremen Gelände des 4WD Test Track hat genauso Qualität wie das Beherrschen schärfsten Renngeräts im Driving Center. Fürs Gemüt. Wer spielt, soll, ja muss auch essen. Spielen und Essen machen müde. Müde Menschen sollen schlafen. Rund um den Ring, in der gesamten Region, sind Futterkrippen und Ruheplätze für den Abenteuersuchenden entstanden,


Wie alles begann: Auffahrt zum Hella-S 1970.

EröffnungsWünsch-dir-was 15. Mai: Die Welt zu Gast in Spielberg

Lindsey Vonn

Sebastian Vettel

Karl Wendlinger Gerhard Berger

DANI PEDROSA

Christian Horner

bilder: franz hruby sen. (1), GEPA pictures (1), Getty Images (2), Getty Images/Red Bull content pool (1), Gold & Goose/Red Bull Content Pool (1), kurt keinrath (1), Marcos Ferro/Red Bull Content Pool (1), picturedesk (4), Tom Patton/Red Bull Content Pool (1)

MARK WEBBER

die Bandbreite reicht von der urigen St.Bernhardi-Hütte auf 1600 Meter Seehöhe im Gelände des Offroad Car Track in der Gaal bis zum luxuriösen Steirerschlössl mit seinen elf Suiten. Der Schönberghof mit pittoreskem Ausblick auf den Red Bull Ring ist nicht mehr wiederzuerkennen, detto der benachbarte Enzingerhof. Es gibt hier so viel zu entdecken, so viel auszuprobieren. Eine echte Aufbruchsstimmung hat das Aichfeld erfasst. Projekt Spielberg ist Projektionsfläche für vieles. Eine Region hat ihr natürliches Zentrum wieder, einen Angelpunkt für neue Jobs, für Freude, für Selbstbewusstsein. Noch kann keiner abschätzen, wohin uns das bringen mag. Das Spiel hat erst begonnen, wir müssen den Spielplatz erst ­erkunden. Am 15. Mai geht es los. www.projekt-spielberg.at

THOMAS MORGENSTERN

NIKI LAUDA

Das genaue Programm ist noch geheim, ein paar Amuse-Gueules dürfen wir an dieser Stelle allerdings servieren: Airshow, Verkostungen lokaler Spezialitäten, DemoFahrten, (Welt)stars. Wer immer Ihnen als Gast einfallen mag: Er/Sie wird da sein.


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Motorsport und mehr

Fakten & Infos

Was ist

1 / Red bull Ring Das Herzstück mit höchstem FIA-­ Sicherheitsprädikat. Layout wie der alte A1-Ring (4,3 km), Nord- und Südkurs können getrennt gefahren werden. Boxengebäude mit ö­ ffentlichem Restaurant („Bulls Lane“), 28 Boxen, Medical- und Media-Center, fünf Lounges mit Terrasse. 2 / Information Zentrale Anlaufstelle für alle Be­ sucher, Aktiven und Suchenden. 3 / Driving Center Abenteuerspielplatz für das Fahren am Limit unter kundiger Betreuung (Ex-Rennfahrer Bernhard Auinger). Die einzelnen Elemente können zu ­einem Rundkurs kombiniert werden.

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4 / Go Kart Track Gute Kinderstube und Spaß für die Großen. Viertakt-Leihkarts (270 ccm), Gewichtsunterschiede der Fahrer werden durch Ballast ausgeglichen.

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5 / offroad Bike Track Drei Enduro-Strecken in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. 6 / Trial Area Hindernis-Parcours für das spielerische Schulen des Gleichgewichtssinns. Leih-Bikes für Trial und Enduro (selbstverständlich kann man auch sein eigenes Motorrad mitbringen).

Nordkurs

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7 / 4wd Test Track Schwieriges Gelände: Von der ­Verschränkungspiste über die Stufenauffahrt bis zur Erklimmung mittels Seilwinde reicht das Repertoire. 8 / Landhotel schönberghof Vom alten Schönberghof blieben nur die Außenmauern: 17 Doppelzimmer mit spektakulärem Ringblick, Res­ taurant, Veranstaltungsstadl. 9 / Gästehaus enzingerhof Bed & Breakfast am Ring. 14 Doppelzimmer. 10 / offroad car Track 550 Hektar in der Gaal, abgezäunt und behördlich genehmigt, 8 km vom Ring entfernt. Verschiedene Schwierigkeitsgrade für Autos zwischen Dakar und Rallye. St.-Bernhardi-Hütte am Fuß der Zinken-Südrinne (1600 Meter Seehöhe) als Labestation.

5454

Südkurs

5

4 alte Strecke

zum Hotel Steirerschlössl zum Countryclub Murhof


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Der komplette Überblick Alle Attraktionen von Projekt Spielberg

wo?

10

zum Golfclub Murtal

Werkstätten & Garage

3

TV Compound

1 Boxen

Fahrerlager

2

Media Center

Tankstelle

Naturtribüne Besucherparkplatz

zur Autobahn

bild: kurt keinrath

Bulls Lane

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Kurze Reise durch

Zeit und Speed Helmut Marko erlebte das Besondere des steirischen Kraftfelds von Anfang an. Von Herbert Völker

ßenrennen mit entlehnten ­Automobilen, der Gleichklang mit Jochen Rindt, in der Straßenrennerei wie auch im s­ elben Gymnasium in Graz, waren aus dem Register gestrichen. Man hatte ja den beiden jungen Herren mitten im Schuljahr einen verlockenden Vorschlag ­gemacht. Man würde sie, allen schulischen Leistungen zum Hohn, mit einem positiven Abgangszeugnis ausstatten, wenn sie bloß blitzartig verschwinden und in einer anderen Schule andocken würden – an einem fremden Ort, möglichst weit weg. 160 Kilometer Entfernung bis zum „Internat der letzten Hoffnung“ in Bad Aussee sollten reichen. Wie auch immer: Die Jungen Steirischen Wilden hatten ihre Lehrjahre überstanden. Helmut Marko: „Heute kommen alle jungen Talente von den Kart­ bahnen. Wir hatten die winkeligen Landstraßen und die armen Autos aus Vaters Garage. Unsere Nahverkehrs-Competition ersetzte zwei Formel-3-Saisonen, heute wäre das ein Fall fürs Jugendgericht.“ 1969, im Eröffnungsjahr des Österreichrings, fuhr Jochen Rindt, damals 27, bereits für Lotus in der Formel-1-Weltspitze. Helmut Marko, ein Jahr jünger, ab nun „der Doktor“, hatte infolge ­seines Studiums ein Manko von ungefähr tausend Rennrunden und boxte sich noch durch die ­diversen mittleren Rennklassen. Ein hübscher Zufall, aus heutiger Sicht, wollte es, dass Marko die beiden allerersten Rahmenrennen des allerersten Renntags gewann. In der „Autorevue“ von 1969 ist festgehalten, dass Marko „mit einem Stoß von Homologierungs-

Camaro

Des Doktors erster Streich: Sommer ’69, Sieg im allerersten Rennen am Österreichring.

„Mit einem Mal hatten wir direkt vor der Haustür eine unglaublich aufregende Rennstrecke.“ 56

bilder: franz hruby sen. (1), McKlein (1)

Das feine Gefühl für Speed in einer speziellen Gegend des Landes kommt ja nicht aus dem Nichts, diesen schlanken Satz wollen wir gleich so stehen lassen. Urzeitlicher Auslöser der flinken Denkungsart war der Flugplatz von Zeltweg gewesen, mit Strohballen hinreichend eingesäumt für tadellose Rennen ab 1957, es gab ja noch keine „wirklichen“ Rennstrecken. Heroes, und damit sind gemeint: leibhaftige ­HEROES!, Stirling Moss, Graf von Trips, Jim Clark, Hans Herrmann, Innes Ireland, Jack Brabham, John Surtees, Mike Hailwood – sie hatten durch ihre Starts in der Steiermark ein Publikum an jugendlichen Fans geschaffen, die dann zum Beispiel hießen: Jochen Rindt, Helmut Marko, Gerold Pankl. Da konnte sich auch „tief in der Provinz“ einiges verdichten zu einem brisanten Gemenge der Sehnsüchte. Daraus entstand dieses ganz besondere Kraftfeld in der Steiermark zwischen Graz und Leoben, das dann auch entsprechend dekoriert wurde – mit dem ersten Formel-1-WM-Lauf in Österreich, 1964. Die schlechte Nachricht war, dass das halbe Starterfeld an den Beton­ fugen des Flugplatzes zerbröselte. Aus für Zeltweg und Formel 1. Aber deswegen löste sich das Kraftfeld keineswegs auf. Es blieb die Begeisterung, man wollte sich diese Region einfach nicht mehr ohne Rennsport vor­stellen. So kam es zum Bau des ­Österreichrings im passendsten G ­ elände unweit Zeltwegs, das war Spielberg im Aichfeld. Die Rennstrecke war 1969 fertig. Da war Helmut Marko 26 Jahre alt und seit zwei Jahren Doktor der Rechtswissenschaften, respekta­bles Mitglied der Bürgerschaft von Graz. Die alten G’schichten aus der Halbstarkenzeit, die nächtlichen Stra-


Dieses sonnige Kind: Helmut Marko, Doktor der Rechtswissenschaften und Merchant of Speed.


Action

blättern“ bei den technischen Kommissaren antanzte und ihnen nachwies, dass sein blauer Camaro ein lupenreiner Gruppe-2-Tourenwagen sei. So also erkennen wir Helmut Marko schon beim Eintritt in die Rennsportgeschichte als kundigen „Merchant of Speed“. Der Rest jenes Samstags war lässige Routine für den Camaro. Mehr Action gab’s im Formel-V-Rennen, Marko war nur um eine Nasenlänge vorn. Als Achten finden wir in diesem Ergebnis: N. Lauda. Helmut Marko: „Mit einem Mal hatten wir direkt vor der Haustür eine unglaublich aufregende Rennstrecke. Ja, aufregend ist das richtige Wort, spannender als alle anderen Strecken, die wir kannten: Diese Berg-und-Tal-Bahn mit ihrer Arena-Atmosphäre, der Rhythmuswechsel zwischen Vollgas-Überwindung und Slalom im Infield. Drum hatten wir gleich auch wieder die Größten und Besten zu Gast in der Steiermark, wie früher auf dem Flugplatz.“ Die Größten, das waren die Weißen Riesen, die ­sagenhaften Porsche 917, möglich geworden durch einen Kraftakt Ferdinand Piëchs, der heute noch sagt: „Der 917 war das ultimative Tier unter den Rennwagen.“ Piëch war selbst angereist, machte gute Figur in Leder-Knickerbockers mit smarten grünen Hosenträgern, dies war eindeutig die Zeit vor der feuerfesten Kleiderordnung an den Boxen. Tatsächlich kam es in der Steiermark 1969 zum weltweit ersten Sieg eines 917 … noch vor den Le-Mans­Heldentaten, bei denen natürlich Helmut Marko eine entscheidende Rolle spielte (Sieg 1971 mit Rekordwert, der bis 2010 hielt). Der 917, in all seinen Auswüchsen, ist auch ­Symbol für die Extreme des alten Österreichrings mit seinem Speed und seiner Gefährlichkeit. Nach einer langen Schrecksekunde knebelte die Sportbehörde das Reglement auf allgemeine Verträglichkeit, und so blieben die europäischen Heydays des 917 auf drei Jahre beschränkt. Irgendwie typisch: erster Sieg

Der Sieg vor vierzig Jahren in Le Mans auf Porsche 917. Marko wird das Jubiläum mit einem Weißen Riesen auf dem Red Bull Ring begehen.

Formel Vau

Des Doktors zweiter Streich am Eröffnungstag in der Steiermark: Sieg auf McNamara, hauchzart vor Fritz Böhler. Niki Lauda ist hier noch lang nicht in Sicht, war aber schon dabei: Platz 8.

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in der Steiermark, letzter Sieg in der Steiermark (1969/1971). Dass dann drüben in Amerika ein zweites Leben für den 917 begann, ist eine andere Geschichte, sie führt gleich weiter zur Hall of Fame der feinsten Automuseen der Welt. Ein würdiger ­Höhepunkt der Eröffnung des Red Bull Rings wird sich genau daraus ergeben: Das Porsche-Museum schickt einen waschechten 917er vorbei, und Helmut Marko, der ihn zum Rekordsieg in Le Mans führte, wird vierzig Jahre danach eine Zeitreise zelebrieren. Erste reflexmäßige Erinnerung an damals? Marko: „Da habe ich sofort wieder dieses kreischende Singen auf der langen Geraden im Ohr, ­Tinnitus-artig. Und dass ich total fertig war im Ziel: wie ich noch gezittert hab, als ich den Telefonhörer fürs erste Radio-Interview in der Hand hielt.“ Helmut Marko fuhr ab 1971 in der Formel 1 für das britische BRM-Team, bis zum Grand Prix von Frankreich 1972. Die Pisten waren nicht so glatt­ gefegt wie heute, die Visiere der Helme nicht schuss-

Bilder: McKlein (1), Privatarchiv Helmut Marko (1)

Porsche 917: erster Sieg in der Steiermark, letzter Sieg in der Steiermark.


JAKE

GYLLENHAAL fest. So konnte ein vom Vordermann bei Tempo 250 aufgewirbeltes Steinchen ein Unglück befeuern. Helmut Marko verlor sein linkes Auge und steckte sich ohne Lamento das Glasauge ins Gesicht, so ­formuliert er es selbst. Von da an sah er die Welt aus seiner ganz speziellen Sicht, die ihm allemal einen geschärften Blick erlauben würde auf die Dinge, die da liefen im Motorsport, aber auch in der Kunst, ­Architektur, im Geschäftsleben. Bloß die eigene Rennkarriere, die war vorbei. Marko unterhielt Rennteams in diversen Formeln, wurde ein überragender Talente-Scout, hatte langfristige Managementverträge (er nannte sie „Anlage in hochriskante Aktien“) mit Fahrern, an die er glaubte, Gerhard Berger und Karl Wendlinger sind die bekanntesten Namen. Als Red Bull vor gut zehn Jahren in den Motorsport ging, war Marko die logische Wunschperson als Berater, als Ideen-Entwickler, unbestechlicher Szene-Beobachter vorerst für das Junior Team. Der Formel-1-Einstieg führte in neue Dimensionen, die strategische Seite der Geschichte ist ja wohlbekannt. Mit der Eröffnung des Red Bull Rings an der alten Stätte in Spielberg klicken da für Marko mehr als vier Jahrzehnte ineinander. Man wird ihn deswegen zu keinen Sentimentalitäten hinreißen können (das wäre ihm zutiefst wesensfremd), aber für seine Verhältnisse ist da fast ein Überschwang herauszuhören, wenn er die Wirkung des alten Strecken-Layouts im neuen Gewand beschreibt: „Der neue Ring lebt in einer tollen Symbiose mit Architektur und Landschaft. Ich kenne weltweit keine andere Strecke, die so prächtig in eine attraktive Gegend eingebettet ist. Die neuen Kurse sind eher steril und fokussieren ihre Attraktivität auf Monumentalbauten, die nichts mit Racing selbst zu tun haben. Hier, dieses Auf und Ab in der Landschaft, das hat etwas charakteristisch Persönliches. Für mich ­bedeutet es eine Verbundenheit des ganzen Umlands mit der Strecke. Die Attraktivität der Anlage hat auch mit dem ­hügeligen Gelände zu tun, das eine natürliche Arena schafft. Naturtribünen sind hilfreich, um das Dilem­ ma zwischen Sicherheit und Publikumsnähe auf ideale Weise zu lösen. Im besten Fall sitzt du quasi über dem Rennauto und schaust dem Fahrer beim ­Anbremsen, Einlenken, Herausbeschleunigen ins Cockpit, das ergibt ein Gefühl von Eingebundenheit in die Action, während man an den meisten anderen Strecken so weit weg ist, dass die Leute zum Fernglas greifen.“ Welche Gefühlslage könnte er sich ausmalen, wenn er am Eröffnungstag seine Demo-Runde mit dem sagenhaften Porsche 917 fährt? „Demut“, sagt Helmut Marko, „jede Menge ­Demut. Es ist ja unglaublich, was für ein wildes Vieh dieses Auto damals war, so brutal im Schub, so heikel im Fahrverhalten, so filigran im Leichtbau-Irrwitz.“ Hatte man als Fahrer Angst, wenn man in einen 917 einstieg, vor vierzig Jahren? „Angst war nicht angebracht“, sagt Marko, „da hätte man’s bleibenlassen müssen. Rational war ­dieses Auto ja nicht in die Reihe zu kriegen.“

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Action

Der Flug des Tangata Manu Die dritte Saison der Red Bull Cliff Diving World Series begann auf der Osterinsel. Eine Annäherung an die elementarste Form des Wasserspringens in der Hei­ mat des Vogelmenschen. Text: Katrin Strobl

bilder: Alfredo Escobar/Red Bull Cliff Diving (1), Dean Treml/Red Bull Cliff Diving (1)

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lughafen Lima, Peru, an einem Tag im März, kurz vor Mitternacht. Die zwölf Namen auf dem Blatt Papier sind abge­ hakt, Erleichterung beim Reiseleiter. Das Team für den Flug LA 848 ist komplett: bei einem Dutzend Athleten, die aus allen Teilen der Welt zum ersten Event der diesjährigen Red Bull Cliff Diving World ­Series angereist sind, nicht selbst­ verständlich. Durch die Abflugshalle weht ein Hauch von aufgeregter Urlaubsstim­ mung, trotz später Stunde und kühlem Neonlicht. Sind die bunten Flipflops oder die Baggy Pants dafür verantwortlich? Oder die gebräunten Gesichter, die von Arbeit und Leben in praller Sonne erzäh­ len? Oder die ausgelassene Fröhlichkeit, die zwischen den Sportlern und ihren Begleitern herrscht, hier vor Gate 21 am ­Aeropuerto Internacional Jorge Chávez? Vielleicht ist es das erste Reiseziel der neuen Wettkampfsaison: Von Lima geht’s 4000 Kilometer westwärts, auf die Oster­ insel oder Rapa Nui, wie die Eingebore­ nen sagen. Fünf Stunden über den Pazi­ fik, begleitet von der Hoffnung, der Pilot möge das winzige Eiland zwischen Süd­ amerika und Tahiti finden. Wäre die Welt eine Scheibe: Von Rapa Nui aus könnte man wohl über ihren Rand blicken. Warum gerade die Osterinsel? Sicher, weil sie mit den weiteren Austragungs­

Die Moais sind die Wahrzeichen der Osterinsel: Kolosse aus Vulkangestein und beinahe so mus­ kulös wie die Riege der Red Bull Cliffdiver.

orten der Red Bull Cliff Diving World Tour 2011 – Yucatán (Mexiko), Athen, La Ro­ chelle (Frankreich), Malcesine (Italien), Boston, Jalta (Ukraine) – zu jener erstaun­ lichen Melange beiträgt, welche die Tour einzigartig macht. Tradition und Moderne, Exotik und Natur: perfekte Kulissen für atemberaubenden Sport. Das Dutzend der besten Wasserspringer matcht sich dabei um den Titel: Gesprungen wird aus einer Höhe von rund 27 Metern, eine fünfköp­ fige Jury bewertet die Leistung. Rapa Nui auch deshalb, weil es dort über Jahrhun­ derte einen hübschen Brauch gab: Wer im Frühling als Erster ein Seeschwalbenei von der vorgelagerten Insel Motu Nui zum Krater Rano Kao brachte, wurde den Rest des Jahres als Tangata Manu, als ­Vogelmann, wie ein König verehrt.


Eine verwegene Leistung: der Sprung in das Meer, das Schwimmen durch all die ­Strömungen und Wellen, die triumphale Rückkehr mit dem zerbrechlichen Gut, das passt gut zu den Klippenspringern.

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ie Cliffdiver sehen sich in Lima das erste Mal seit dem letztjährigen Finale in Hawaii, im Sep­ tember, als der Eng­ länder Gary Hunt die Gesamtwertung gewann. Trotzdem regiert die gute Laune, von der ersten Minute an: Eine Aufwärm­ phase brauchen Training und Wettkampf, nicht der Umgang miteinander. „Übers Jahr gesehen, verbringen wir mehr Zeit miteinander als mit unseren Familien“, sagt der Franzose Cyrille Oumedjkane, seit elf Jahren Teil der Springerszene. „Deswegen ist es jetzt so, wie wenn sich Schüler nach den Sommerferien treffen. Jeder erzählt, was er erlebt hat, und jeder will wissen, was der andere gemacht hat.“ Drei bekannte Namen finden sich nicht auf der Passagierliste für LA 848. Den Australier Steve Black, 2008 Weltmeister, setzt eine Unterschenkelverletzung noch Monate außer Gefecht. Der Ukrainer An­

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drey Ignatenko – mit 46 der bisher älteste Teilnehmer – erleidet zwei Tage vor Ab­ flug einen Riss der rechten Achillessehne. Und der Kolumbianer Eber Pava verpasste im Januar in Australien die Qualifikation um 0,15 Punkte, was vor allem dessen Landsmann, den neunfachen Weltmeister ­Orlando Duque, betrübt: „Wir kennen uns seit den ersten Konkurrenzen auf dem Einmeterbrett. Seit 23 Jahren passen wir aufeinander auf – das wird meine e­ rste Saison ohne ihn!“ Damit bekommen drei aufstrebende Talente eine Chance: Steven LoBue, 25 Jahre alt, quirlig, spitzbübisch, vielleicht einen Tick zu amerikanisch. Oleksandr Kutsenko, 28, aus der Ukraine, Sascha ge­ nannt und für seine gute Technik bewun­ dert. Und der Mexikaner Jorge Ferzuli, 30, Kennzeichen: breites Grinsen, für den das Schicksal Besonderes vorgesehen hat. Als das Flugzeug frühmorgens um 6.30 Uhr auf Rapa Nui landet, ist es noch dunkel und die Insel nur für einen kein Neuland: Der 36-jährige Orlando Duque, dank seiner Erfolge so etwas wie der Klas­ sensprecher der Gruppe, war schon im Vorjahr hier, zum Location Check. Duque hat seine Kameraden bereits auf die Insel vorbereitet, ihnen von ihrer urwüchsigen Wildheit erzählt, den freundlichen Men­

Die Moais sind aus Vulkanlava gemeißelte Schutz­ heilige der Osterinsel.

bilder: Dean Treml/Red Bull Cliff Diving (1), Romina Amato/Red Bull Cliff Diving (3)

Den beschaulichen Alltag auf der Osterinsel brachte die sportlich ausgelassene Truppe der Red Bull Cliffdiver ein wenig durch­ einander, keine Frage, aber das war nicht besonders schwierig.


bilder: Dean Treml/Red Bull Cliff Diving (3), Romina Amato/Red Bull Cliff Diving (2)

schen, deren einfachem Leben nach altem polynesischem Brauch. Die wenigen Stra­ ßen der Insel, die sich mit etwas Ehrgeiz an einem Tag zu Fuß umrunden ließe, ­teilen sich einige Pick-ups, etliche Motor­ räder und viele Pferde. Auf Rapa Nui gibt es keine Wälder und keine Supermärkte, dafür winzige Läden mit Gemüse und Obst direkt von den Feldern und kleine Restau­ rants mit fabelhaften Fischgerichten. Nur wenn ein Flieger aus der Hauptstadt Sant­ iago de Chile ankommt – Rapa Nui mit seinen 4000 Bewohnern ist chilenisch –, hängen wenig später „Heute frisches Fleisch“-Schilder in den Ladenfenstern. Und dann ist Rapa Nui die Heimat der Moais, jener berühmten, bis zu achtzig Tonnen schweren Skulpturen, gemeißelt aus dem vulkanischen Inselgestein. Zu einem Drittel bestehen die Kolosse aus Kopf – dieser blickt meist Richtung Meer –, und sie enden unmittelbar unter dem Bauchnabel. Die Moais waren Teil von ze­ remoniellen Anlagen und verkörpern ver­ storbene Häuptlinge. Sie sollen die Insel beschützen, als Mittler zwischen Diesseits und Jenseits. Und sie sind auch Stein ge­ wordene Motivation für die Klippensprin­ ger, die beim ersten Ausflug gleich die ­imposanteste Moais-Gruppe b ­ estaunen ­können, in Ahu Tongariki: 15 stehen dort in Reih und Glied, einer sogar mit Hut.

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ie erste Trainings­ einheit erfolgt in der Bucht von Mataveri Otay unweit der Hauptstadt Hanga Roa. Für viele Ath­ leten ist es nach Monaten die erste Gelegenheit, sich wieder an die Wettbe­ werbshöhe von 27 Metern heranzutasten. „Mein letzter Sprung aus dieser Höhe? Das war vor sieben Monaten beim Finale in Hawaii “, erzählt Hassan Mouti aus Straßburg, der zugibt, zu Saisonbeginn immer ein wenig Respekt zu haben. Immerhin hält die ­Insel einen Talisman bereit: Während des Trainings kreist ein Manutara, das heißt „Glücksvogel“ in der Sprache der Eingeborenen, über dem Sprungturm. Selten sieht man diese See­ schwalbe hier: Sie ­nistet auf der vorgela­ gerten Insel Motu Nui, wo man das Cliff­ diving ursprünglich abhalten wollte. „Als Brutstätte des Manutara steht die Insel jedoch unter Naturschutz“, so der Sport­ direktor der Red Bull Cliff Diving World Series, Niki Stajkovic. „Und weil wir nicht zu ihm kommen durften, kommt er jetzt offenbar zu uns.“ Trotz der schwierigen Trainingsmög­ lichkeiten zwischen den Saisonen kombi­

Trockentraining von Kent De Mond (USA) am Trampolin, beob­ achtet von ei­ nem Moai (o.). 27 ­Meter über dem Meeres­ spiegel: Wo ­Slava Polye­sh­ chuk (UKR) ist, ist in diesem Fall ganz oben.

Zweiter zum Saisonauftakt: Artem Silchen­ ko (RUS, li.). Für Notfälle stehen Taucher bereit, die ­jederzeit ein­ greifen können – hier üben sie an Michal Na­ vratil (CZE, re.). Die nicht art­ gerechte Klei­ dung verrät: Steven ­LoBue (USA) testet noch (u.).

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nieren die Athleten ihre Schrauben und Salti zu immer kniffligeren Kombinatio­ nen. Auch immer mehr Fitness ist gefragt: Beim Sprung aus 27 Metern taucht der Springer mit etwa 85 km/h ins Wasser ein, das dann hart wird wie Stein. Selbst kleinste Fehler bestraft das Was­ ser: Das bekam Orlando Duque drei Wo­ chen vor dem Saisonstart zu spüren. In seiner kolumbianischen Heimatstadt Cali, wo er für Trainingszwecke einen 10-MeterTurm auf 27 Meter „gestreckt“ hatte, landete er bei einem Sprung hart auf der Wasseroberfläche. Er schaffte es kaum aus eigener Kraft an den Beckenrand, ein ­Untersuchungsmarathon im Krankenhaus blieb glücklicherweise ohne Befund. So nimmt Duque von seinem Missgeschick stechende Schmerzen mit nach Rapa Nui, doch über so etwas spricht keiner der Springer. Nur mit Tape garnierte Körper­ stellen – allen voran Füße, Knöchel, Fin­ ger und Handgelenke – und „Protektoren“ an Knien, Oberschenkeln oder Armen zeugen von den Blessuren, die Sprünge aus dem achten Stockwerk hinterlassen.

A

m geplanten zwei­ ten Trainingstag gibt Mutter Natur das Programm vor. Bereits in der Nacht prasselt der Regen stundenlang gegen die Fensterscheiben: Ungewöhnlich für einen Ort, an dem es im Jahresschnitt nur 111 Millimeter Nieder­ schlag hat. Am Morgen die Erklärung: Japan war in der Nacht von einem schwe­ ren Erdbeben betroffen, und im gesamten pazifischen Raum gilt eine Tsunami-War­ nung. Gegen 17.45 Uhr soll die Welle auch Rapa Nui erreichen. Kein Training also, sondern von offizieller Seite die Auf­ forderung, einen Rucksack mit dem Nö­ tigsten – Reisepass, Mobiltelefon, langer Hose und festem Schuhwerk – zu packen und dem Evakuierungsplan zu folgen. Das, wonach sich die Athleten häufig vergeblich sehnen – freier Zeit zum Aus­ ruhen und Abschalten –, macht plötzlich keinen Spaß. Niemand hat Angst, doch die Unruhe ist greifbar. Kommt die Wel­ le? Und wenn, mit welcher Wucht? Klar gibt es in diesem Moment wichtigere Dinge, dennoch denkt Steven LoBue an das Springen: „Hoffen wir, dass es nicht allzu schlimm wird und die Plattform den Tsunami übersteht.“ Später kommt von der Wetterwarte am Flughafen die Entwarnung: Der Tsunami hat die Insel verschont. Die erleichterten Athleten ver­ ziehen sich nach dem Abendessen rascher ins Bett als sonst.

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Von Priestern ser­ viert: Curanto, rituell gebratenes Huhn.

Nach dem Springen kriegt jeder ein Stück vom gebratenen Huhn. So will es der Brauch.

Zwischen den Sprungserien: Die ­Zuschauer diskutieren die Sprünge, Masseure bearbeiten die Springer.

bilder: Dean Treml/Red Bull Cliff Diving (3), Romina Amato/Red Bull Cliff Diving

Action


Gary Hunt (li.) hatte die Hand immerhin kurz an der Trophäe für den Sieger: Am Ende belegte der Engländer Platz drei.

bilder: Romina Amato/Red Bull Cliff Diving (2), Dean Treml/Red Bull Cliff Diving (2)

Startet mit einem Sieg in die S ­ aison: Orlando Duque (oben, COL), der neunfache Weltmeister.

Am Samstag steht das Leben auf der Insel zum zweiten Mal still, allerdings aus einem erfreulicheren Grund. Es scheint, als wären alle Bewohner in die Bucht Mata­ veri Otay gekommen. Die Felsen rund um den Sprungturm sind gut besetzt, doch der beste Ausblick bietet sich von den Booten am Wasser. Traditionelle Priester segnen die Springer, dazu wird in einem Erdloch über offenem Feuer ein Huhn ge­ braten. Nach der Siegerehrung wird jeder Athlet sein Stück „Curanto“ bekommen. Jorge Ferzuli, der Neuling, hat die Startnummer 1 gezogen und eröffnet die Saison. Mit offenen Armen fliegt er in die Tiefe. Kaum wieder aufgetaucht, wird er heftig von einem Publikum beklatscht, das ­fortan lauthals die Punktevergabe der Kampfrichter kommentiert. Das Format des Springens ist einfach: In den ersten beiden Runden hat jeder Cliffdiver einen Sprung des höchsten Schwierigkeitsgrades 3,6 zu absolvieren. In der dritten und vierten Runde entschei­ den die Springer über Schwierigkeits­ grad und Ausführung. Nach dem ersten Sprung liegt der Ukrainer Slava Polyesh­ chuk dank seiner sehr sauberen Technik voran, ­Titelverteidiger Gary Hunt ist nach einem Zittersprung Dritter, ­Orlando Duque nur Siebenter.

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n Runde zwei entwickelt sich das Klassement in die gewohnte Rich­ tung: Mit dem „Vorzeigesprung“ seines abwesenden Freundes Eber Pava übernimmt Duque die Spitze. „The Brilliant Brit“ Gary Hunt lässt vorläufig etwas von jener Entschlossenheit vermissen, die ihn letztes Jahr noch auszeichnete. Er hat sich in diesem Jahr stärker auf die mentale Vorbereitung konzentriert, doch fehlt ihm das Wassertraining. Sein Ass, der dreifache Salto mit vier Schrauben, sticht dieses Mal nicht. Selbstbewusst hingegen die Körper­ sprache von Duque, den Hunt 2010 schlagen konnte, bereits vor seinem Final­ sprung, einem doppelten Rückwärtssalto mit vier Schrauben. Einer der Kampfrich­ ter vergibt dafür die einzige Zehn des Ta­ ges, die höchste Note. Duque holt sich den Tagessieg und die Führung in der Gesamt­ wertung: „Ich bin aus dem Wasser gekom­ men, habe die Noten der Juroren gesehen und mir gedacht: Genauso hat es sich auch angefühlt!“ Und: „Ich will den Titel zurück, das ist mein klares Saisonziel.“ Als neuem Vogelmann von Rapa Nui sollte Orlando Duque das gelingen. Alle Tourstops und Infos zu den Athleten: www.redbullcliffdiving.com

Die erste Zehn der Saison: Der Sieger fühlte sie bereits beim Auftauchen. 65


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„ Einen so massiven Effekt habe ich seit 10 Jahren nicht gesehen“ Ludwig Aigner leitet das Institut für Molekulare Regenerative Medizin an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg. Sein Team von Gehirn-Stammzellen-Forschern steht vor einem ­massiven Durchbruch, der das Leben alter, dementer, aber auch querschnittsgelähmter Menschen dramatisch verbessern wird. Ein Gespräch in drei Hoffnung machenden Kapiteln. Text: Werner Jessner, Bilder: Helene Waldner, Illustration: Sascha Bierl

Ludwig Aigner ist ein ungefähr zwei Meter langer Bayer mit einem Dialekt wie der Kabarettist Georg Ringsgwandl. Bloß dass Ersterer im Hauptberuf nicht Chirurg ist, sondern Biologe mit Spezialgebiet Stammzellenforschung. An Aigners Institut an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg forschen aktuell zwölf Wissenschaftler – Diplomanden, Doktoranden und Post-Doktoranden – an Gehirn-Stammzellen. Was auf den ersten Moment eher trocken klingt, erweckt der begeisterte Rennrad- und Skifahrer Aigner im Gespräch mit leichter Hand zum Leben: Da schwirren Leuchtkäfer, da werden Stammzellen Drähte isoliert, da wird Lego gespielt – freilich Das Rohmaterial, aus auf Weltklasseniveau. Dieser Tage wurde ein dem der Körper seine Stoff patentiert, der das Zeug hat, das Leben diversen Spezialzellen Demenzkranker, aber auch das von Alzheimerbaut. In diesem Kontext Patienten oder Querschnittsgelähmten deutlich interessieren uns vor ­allem mesenchymale zu verbessern. Stammzellen (Vorläufer­ Grund genug, Aigner im O-Ton seinen Job zellen des Bindegewe­ ­erklären zu lassen. Und um ihn nicht unnötig bes) und neuronale von der Spur abzubringen, stellen wir ZwischenStammzellen, aus denen fragen nur, wenn nötig. Der Doc schlägt eine Gehirnzellen werden – Dreiteilung des Gesprächs vor, aufgeteilt auf die selbst noch beim er­ wachsenen Menschen. drei Forschungssäulen seines Instituts. 66

Ludwig Aigner, 47, hat in Regensburg und Basel studiert. Über Montréal und abermals Regensburg kam er an die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg.


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von diesen – um beim Elektriker-Bild zu bleiben – Metalldrähten bleiben intakt. Was jetzt aber zusätzlich passiert, ist, dass die Isolierschicht wegfällt. Und das führt dazu, dass diese vorhandenen und prinzipiell funktionsfähigen Nervenfasern nicht mehr das können, wozu sie eigentlich in der Lage sein sollten. Kann gezielte Rehabilitation den Abbau des Myelin verhindern? Das weiß keiner. Was man allerdings weiß: Wer es schafft, die nackten Nervenfasern wieder zu ummanteln, hat wieder ein Stück bewältigt. Das bringt uns zurück zu unserem Befund: ­Mesenchymale Stammzellen beeinflussen Gehirn-Stammzellen, so Können Knochenmarks-Bindegewebs-­ dass sie massiv Oligodendrozyten ausbilden, also Isoliermaterial produzieren. Im Moment verifizieren wir genau das mit unterStammzellen auch Nervenzellen bilden? schiedlichen Kooperationspartnern, darunter dem Querschnittludwig aigner: Vor fünf, sechs Jahren haben wir einen inter­ zentrum der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, im essanten Befund gemacht. Damals war es in der Wissenschaft klinischen Versuch. Erste Daten machen uns optimistisch. en vogue, aus Knochenmarks- oder blutbildenden Stammzellen Das komplette Nervensystem unterhalb der beschädigten Nervenzellen zu machen. Die initialen Befunde wurden allerStelle wird also neu isoliert? dings ein wenig fehlinterpretiert. So was kommt vor. Wir haben Das wäre der Idealfall. Einstweilen fangen wir klein an und uns am Rande ebenfalls damit beschäftigt und uns die Frage ­freuen uns über jedes Stück, das wir schaffen. gestellt, ob solche Knochenmarks-Bindegewebs-Stammzellen – Heißt das, dass bislang jeder Versuch, die kaputte Stelle zu mesenchymale Stammzellen – auch Nervenzellen bilden? Wir flicken, ohnehin zum Scheitern verurteilt gewesen wäre, haben also mesenchymale Stammzellen und Gehirn-Stamm­ weil außerdem der „Kabelbaum“ unterhalb defekt war? zellen zusammengebracht. Unser Ansatz Genauso ist es. Es gibt eine äußerst interessante Studie von Oligodendrozyten war, dass die mesenchymalen ­Armin Blesch (Neurowissenschaftler in Heidelberg, gehören zu den GliaStammzellen die neuronalen Anm.): Er hat es im Tiermodell geschafft, mittels Zellen, die die eigent­ Stammzellen beeinflussen einer zellulären Brücke die Nervenfasern wieder lichen Nervenzellen sollten und diese dann auswachsen zu lassen, und es zusätzlich gestützen und isolieren. hoffentlich Nerven­ schafft, diese regenerierenden Nervenfasern Oligodendrozyten kommen nur im Zen­ zellen ausbilden. bis in die Zielregion vordringen zu lassen, tralnervensystem vor. Stattdessen haben wo sie neue Verknüpfungen gebildet haben, wir das genaue sprich: Das Kabel ist wieder dort hingekomGegenteil beobachtet: Die Bindegewebsmen, wo es hingehört, und hat seine SteckStammzellen hatten massiven Einfluss auf dose gefunden. Im funktionellen Test hat sich die Gehirn-Stammzellen. allerdings gezeigt, dass das Werk trotzdem red bulletin: Sie sind quasi verblödet. nicht funktionierte, weil eben diese MyelinNein, diese mesenchymalen Stammzellen Schicht gefehlt hat. Diesen letzten Schritt wolgeben anscheinend irgendwelche Eiweißstoffe len wir möglich machen. ab, von denen wir noch nicht allzu viel wisDaneben interessieren uns aber auch ganz Die Zelltherapie sen. Dieses Irgendwas bringt jedenfalls die grundlegende Dinge: Welche Eiweißstoffe Bindegewebs-Stammzellen bringen Gehirn-Stammzellen dazu, ganz massiv zu sind genau dafür verantwortlich, dass sich Gehirn-Stammzellen dazu, sich massiv ­Oligodendrozyten auszureifen – einem der Oligodendrozyten ausbilden? Wie funktiozu Oligodendrozyten umzuwandeln. drei Haupt-Zelltypen in Gehirn und zentraniert das? Welche Signale braucht es? Unsere lem Nervensystem neben den Nerven- und Stützzellen. Diese Vorstellung ist es, eben das klinisch umzusetzen. Wir wollen das Oligodendrozyten lassen sich mit der Isolierschicht in einem verstehen. Kabel vergleichen. Ohne diese Schutzschicht gibt es einen KurzHaben auch die Spasmen querschnittsgelähmter Menschen schluss, oder irgendwas haut sonst nicht hin, man kann das etwas mit der fehlenden Myelin-Schicht zu tun? jederzeit im Keller ausprobieren. Genauso ist es auch im Gehirn. Spasmen kommen vom unkoordinierten Aussprossen von ­Nerven. Das ­Material für diese Schutzschicht nennt man Myelin, es wird Nach einer Läsion kommt es zu massivem Kurzstrecken-Wachsaus Oligodendrozyten gebildet, also aus Zellen, die ganz viele tum von Nervenfasern, die das System durcheinanderbringen, Ausläufer haben und so die Nervenfasern ummanteln. Chemisch fast vergleichbar mit Epilepsie. Wachstum ist schon gut und gesehen ist es eine Fettschicht. wichtig – aber genauso wichtig ist es, dass dieses Wachstum Bei mindestens zwei Krankheiten wissen wir, dass Oligo­ zielorientiert funktioniert. Wie auf der Straße: Nur wer das Ziel dendrozyten massiv beteiligt sind. Die eine ist Multiple Sklerose: kennt, kann es erreichen. Mit Geschwindigkeit allein ist noch eine Autoimmunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem nichts gewonnen. diese Schutzschicht attackiert und wegfrisst. Es kommt zu Wo kommt jetzt das berühmte No-Go ins Spiel, welches das ­Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod. Nummer zwei ist Wachstum von Nervenfasern verhindert? die Querschnittslähmung. Hier kommt es primär dazu, dass Unsere Schutzschicht hat etwas Positives, aber auch etwas Nega­ durch die Beschädigung des Rückentives. Trifft eine Nervenfaser, die wachsen Myelin No-Go marks die Nervenfasern durchtrennt soll, auf bestehendes Myelin, weicht sie Eine Biomembran, Ein Eiweiß, das im Zen­ werden. ­Allerdings wird in ganz vielen zurück: Der Draht fürchtet sich erst eindie die Nerven isoliert. tralnervensystem vor­ Fällen nicht das komplette Rückenmark mal vor seiner Isolierschicht. Ein Nerv will Wird im Zentralnerven­ kommt und dort die durchtrennt, sondern nur ein Teil der im ersten Schritt auswachsen und erst dasystem von Oligo­ Nerven-Regeneration dendrozyten gebildet. verhindert. Nervenbahnen beschädigt. Relativ viele nach isoliert werden. Aus diesem Wissen

Erste Säule Die Zelltherapie

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Ludwig Aigner und sein ­kleines Team engagierter ­Studenten an der PMU in ­Salzburg verfolgen drei ­Ansätze zur Erhöhung der ­Lebensqualität nerven­ geschädigter Menschen.

hat sich das ganze No-Go-Feld entwickelt. Inwieweit ein Wegnehmen von No-Go sich auf das Nervenwachstum auswirkt, wird gerade erforscht – zum Beispiel von Martin Schwab in Zürich. Es gibt Arbeiten aus den neunziger Jahren, die ganz eindrücklich gezeigt haben, dass ganz junge Nervenzellen aus fötalem oder embryonalem Gewebe, in ein erwachsenes Nervensystem implantiert, extrem lange Nervenfasern ausbilden können: Die pfeifen sich nix um Myelin, sondern wachsen zentimeterweise vor sich hin. Unkontrolliert? Das weiß man bis heute nicht. Nach den Neunzigern hat sich keiner mehr darum gekümmert, erst jetzt gräbt man diese alten Arbeiten wieder aus und kommt drauf, dass da mehr dahintersteckt, als man ursprünglich geglaubt hat. Natürlich will man nicht irgendwelche embryonalen Zellen frisch in der Gegend rum implantieren, schon aus ethischen Gründen. Was man sich aber vorstellen könnte – und ich gehe davon aus, dass das innerhalb der nächsten paar Jahre gemacht wird –: Wie kann man es schaffen, eine alte, ausgereifte Zelle zu re-programmieren, sie eine Zeitreise machen zu lassen, bis sie sich als junge, unreife Nervenzelle fühlt? Wie kann ich Nervenzellen rückprogrammieren? Pardon, aber spontan fällt uns in der Natur nichts ein, was jünger wird: Prozesse laufen doch eher in die Gegenrichtung. Vor ein paar Jahren gab es die ersten Befunde, die gezeigt haben, dass ich eine x-beliebige Zelle aus dem Körper, etwa aus einer Hautzelle, zur embryonalen Stammzelle machen kann, indem ich ein paar Gene reinprojiziere: Eine spezialisierte Zelle wird zur Zelle, die alles kann: ein Joker. Wir nennen diese Art von Zellen „induzierte pluripotente Stammzellen“. Pluripotent, weil sie alles können, induziert, weil man sie dazu angeleitet hat. Und jetzt die schlechte Nachricht: Pluripotenz bringt häufig Tumorbildung mit sich, darum ist man von einer klinischen Anwendung noch weit entfernt, so spannend das Feld auch ist. Pluripotente Stammzellen sind die unkontrollierten Halbstarken unter den Zellen. Würde man es aber schaffen, aus einer alten Nervenzelle keine unkontrollierte pluripotente Stammzelle zu machen, sondern sie nur zwei Drittel des Weges zurück­ zuschicken, wäre das ein echter Meilenstein. Klingt wie Schönheitschirurgie an der Zelle.

Genau, wie eine Verjüngungskur. Das ist eine absolut spannende Thematik, die in den nächsten Jahren kommen wird. Noch aber arbeitet man vor allem in den USA mit embryo­ nalen Stammzellen, die in die verletzte Stelle eingebracht werden. Internationale Medien haben das Thema jüngst massiv aufgegriffen. Was halten Sie davon? Ich halte das noch für relativ gefährlich. Hier transplantiert man Zellen, die den Draht isolieren, aus embryonalen Stammzellen. Wenn diese Studie Glück hat, entsteht kein Tumor daraus – aus oben beschriebenen Gründen. Wenn sich auch nur bei einem einzigen Patienten ein Tumor im Rückgrat bildet, ist das gesamte Feld der Stammzellenforschung verbrannt. Auf der anderen Seite muss man ganz klar den Wunsch des Patienten respektieren, der nach jedem Strohhalm greift und solche Risiken in Kauf nimmt. Auch wenn sich das wissenschaftliche Risiko eingrenzen lässt, bleibt die ethische Problematik. Sind Sie eigentlich gläubig? Aus der Kirche bin ich ausgetreten, gläubig wahrscheinlich schon noch. Ich glaube zumindest daran, dass ich mindestens zwei Schutzengel habe, sonst wären meine diversen Fahrradund Skiunfälle schlimmer ausgegangen. Ich hatte einen sehr guten Draht zu meiner Oma, die mich quasi großgezogen hat. Sie ist gestorben, als ich 25 Jahre alt war. In einer stillen Stunde denke ich ganz oft an meine Oma, wie sie irgendwo da oben rumschwirrt und ein Auge auf mich hat. Und aus der wissenschaftlichen Perspektive? Bin ich primär einmal neugierig. Ich will wissen, wie etwas funktioniert. Ich würde mir wünschen, das eine oder andere einmal am Patienten anwendbar machen zu können. Mir ist klar, dass ich nie alles werde erforschen und verstehen können. Darum habe ich auch keine Berührungsängste in Bereichen, die ich nicht erklären kann. Gerade bei Dingen, mit denen ich mich beruflich beschäftige – wie funktioniert ein Organismus, ein ­Organ, das Gehirn? –, halte ich mich sehr stark an Moleküle. Schaffen Sie es, Menschen die Angst vor allem, wo „Gen“ draufsteht, zu nehmen? Gen ist mancherorts ja fast schon ein Schimpfwort: Milch, auf der „gentechnikfrei“ draufsteht, ist per se die bessere Milch als eine ohne dieses Label. Hier sollte man schon wissen, worum es geht. Man muss ganz klar zwischen Gentechnik, Stammzellenforschung etc. unterscheiden. Und man kann nicht das eine oder das andere per se gut oder schlecht finden. Es gibt Grenzen: Was kann ich verantworten, was lasse ich lieber bleiben? Um bei der Gentechnik zu bleiben: Nahezu jeder Forscher im Labor benutzt Gentechnik. Gentechnik ist unser Standard-Werkzeugkasten. Um etwas zu erforschen, muss ich an Eiweißen rumbasteln können. Das ist der Forschungs­ aspekt. Wenn es darum geht, eine normale, unbehandelte Tomate zu kaufen, wie es sie früher überall gab, oder eine moderne, gentechnisch veränderte, die man drei Monate lang am Tisch liegen lassen kann, ohne dass sie faul wird, allerdings nach nichts schmeckt, dann ist mir die ursprüngliche doch deutlich lieber. Selbst wenn man der Tomate beibringt, gut zu schmecken? Das glaube ich einfach nicht. Ohne es genau beurteilen zu ­können: Hier endet mein Vertrauen in die Gentechnik.

” Es gibt Grenzen. Was kann ich verantworten, was lasse ich lieber bleiben? “ 69


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spritzen? Wir wissen es noch nicht. Wir müssen viele Hürden überwinden: Toxikologie, Pharmakologie, das sind noch etliche Jahre Arbeit. Aber Sie setzen Ihre Jetons auf diese Substanz. Einen so massiven Effekt habe ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen. Diese Substanz ist so wirkungsvoll, dass wir sie gleich an unsere Patentanwälte weitergegeben haben. Heureka! Ich predige meinen Leuten immer, einerseits selbstverständlich die eigenen Ziele und Hypothesen zu verfolgen und Ergebnisse zu prüfen. Andererseits muss man aber auf dem Weg dahin die Augen offen halten und schauen, was links und rechts passiert. Selektive Wahrnehmung kann tückisch PMU sein: Ich konzentriere mich auf jene fünf Paracelsus Medizini­ Prozent, von denen ich etwas Spannendes sche Privatuniversität, erwarte. Dabei passiert aber daneben benannt nach dem 1541 in Salzburg etwas viel Spannenderes. Erwartungen gestorbenen Philippus Wie kann ich Stammzellen oder junge, unreife zu befriedigen kann tückisch sein, weil Theophrastus Aureolus viel auf der Strecke bleibt. Andererseits Nervenzellen dazu bringen, auszureifen? Bombast von Hohen­ darf man sich auch nicht verzetteln. Man heim, genannt Para­ ludwig aigner: Hier beschäftigen wir uns seit mehreren Jahren braucht einen guten Riecher. In einem celsus. Studienbetrieb mit der Differenzierung, also der Ausreifung. Wir haben uns ein Labor wie dem unseren laufen stets mehseit 2003. paar Werkzeuge gebastelt, die es sonst in dieser Form noch nicht rere Projekte parallel, die aber natürlich gibt. Besonders interessieren uns jene Eiweißstoffe, welche die miteinander verwoben sind. Von jedem Projekt zweigen SeitenZellen im Gehirn beeinflussen und sie zum Ausreifen bringen. linien ab, die unter Umständen schneller ans Ziel führen als die Zum Zweiten interessieren uns niedermolekulare Strukturen, Hauptlinie. Man muss flexibel bleiben. kleine Bausteine. Wenn man daraus ein Instrument entwickeln Das funktioniert auf einer frischen Uni wie der PMU ver­ will, ein Medikament etwa, dann schafft es ein kleiner Baustein mutlich besser als auf einer etablierten Universität mit lang eher an die fragliche Stelle als ein großer Brummer. Die flutschen bestehenden Strukturen. einfach schneller ins Gehirn rein. Das kann man generell nicht so sagen. Wissenschaft hängt extrem Konkret arbeiten wir an Substanzen, vom Umfeld ab. Als Forscher ist man natürlich national und interÖstrogene die ursprünglich aus dem Hopfen komnational vernetzt, andererseits spielt die lokale Mikro-Umgebung Auch als Estrogene men: Man weiß, dass Hopfen viele bio­ eine massive Rolle. Wir haben in den letzten zwei Jahren Projekte bekannt, sind sie die aktive Substanzen enthält. Es gibt begonnen, von denen ich nie gedacht hätte, dass wir in wichtigsten weiblichen zum Beispiel Östrogene, die sie reintapsen würden. Dafür mache ich allerdings Sexualhormone und aus veränderten Moleküschon die frische Umgebung und die neuen Kongehören zu den Steroi­ den. In kleineren Men­ len aus diesem Bereich takte mit Wissenschaftlern verantwortlich. gen kommen sie auch kommen. So sind wir Im Idealfall brennt man also alle zehn Jahre beim Mann vor. ursprünglich auf diedie Universität nieder und baut sie irgendse Fährte gestoßen. wo anders neu auf. Dann sind wir eine Kooperation mit Chemi­ Man braucht schon auch langfristige Ziele. kern der TU München eingegangen und Und es ist auch legitim, dass Kollegen nur für haben erstmals relativ blind zu untersuchen sich bleiben wollen und allein vor sich hin begonnen, inwieweit leicht veränderte Subforschen. Aber das bin ich halt nicht. stanzen dieser Gruppe die Nervenproduktion Wo und wie wird man das Medikament zum ankurbeln. Wir haben eine Substanz gefunden, Nervenwachstum einsetzen können? die das tatsächlich massiv macht. Nun müssen wir Die Forschung am Querschnitt führt uns direkt am schauen, ob sich das im Tierexperiment beAltern vorbei: Hier wie da sterben Nerven­zellen Nervendünger wahrheitet. Wenn ja, dann könnten wir hier ab. Altern ist ein massives Thema. Schaffen wir Ein Medikament überwindet die eine niedermolekulare Substanz erhalten, die es also, die Stammzellen im alternden Gehirn Blut-Hirn-Schranke und hilft, Nerven­ tatsächlich Nerven zum Regenerieren bringt. so zu stimulieren, dass man Krankheiten wie zellen kontrolliert auswachsen zu lassen. red bulletin: Mit Biertrinken allein wird Demenz, Alzheimer etc. behandeln könnte? es dabei wohl nicht getan sein. Was natürlich vom kommerziellen Standpunkt viel inter­ Nein. Die Substanz, um die es konkret essanter ist als Querschnittslähmung. geht, ist im Hopfen nur in ganz kleinen Quantitativ sind chronisch neurodegenerative Krankheiten viel Blut-Hirn-Schranke Spuren vorhanden. Der Rohstoff lässt größere Märkte, klar. Aber: Vieles, was man am Querschnitt Physiologische sich aus der Pflanze extrahieren, in einem findet, kann man auch anderswo einsetzen: beim SchädelBarriere zwischen Blutkreislauf und nächsten Schritt wird er zur benötigten Hirn-Trauma, beim Schlaganfall. Wenn ich etwas lerne und das ­Zentralnervensystem. Substanz. Wie die Substanz beim Patianderwärtig verwendbar ist – umso besser. Das ist sogar eine Dient auch als Filter – enten an die betreffende Stelle kommt, Strategie, die oft verwendet wird: Gerade im Bereich seltener was unter Umständen ­wissen wir heute noch nicht. Schafft sie unheilbarer Krankheiten komme ich viel schneller durch die bei der medikamen­ es durch die Blut-Hirn-Schranke? Kann ­klinischen Tests als bei verbreiteten Krankheiten wie Alzheimer. tösen Behandlung man ein Medikament entwickeln, das Die Behörden lassen in den Nischen mehr zu, weil die Ärzte neurologischer Erkran­ kungen hinderlich ist. man als Tablette nimmt, muss man es dort weniger falsch machen können? Einer der ganz wenigen Fälle, wo Genetik eine Frage des Geschmacks ist und nicht der Ethik. Absolut. Wir haben damals in Würzburg sehr bewusst die Entscheidung getroffen, adulte, also erwachsene Stammzellen zu verfolgen statt embryonaler. Schon aus dem Grund, um uns der Ethik-Diskussion zu entziehen. Aus heutiger Sicht würde ich ­sagen, dass embryonale Stammzellen wichtig waren, weil man viel lernen konnte. Die Frage, ob man sie heute aus klinischer Sicht noch braucht, würde ich seit der Entwicklung induzierter pluripotenter Stammzellen verneinen.

Zweite Säule Nervendünger

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Pinky mit Brain: Wenn eine GehirnStammzelle dieser Ratte reif ist, kann eine CCD-Kamera das sehen.

ALS Kurz für Amyotrophe Lateralsklerose. Bei dieser Krankheit geht das motorische Nervensystem des Menschen Schritt für Schritt zugrunde. Auslöser? Unbekannt. Therapie: keine.

Genau. Ein Beispiel ist ALS. Unheilbar, der Patient stirbt früher oder später. Betroffen werden nur die Nerven, die für die Motorik zuständig sind. Der Patient ist klar im Kopf, bis irgendwann die Atmung nicht mehr funktioniert, weil sich der Brustkorb nicht mehr hebt. Es gibt keine Therapie. Hier habe ich die Chance, ein neues Medikament relativ schnell im klinischen Versuch zu erproben, weil ich weniger Patienten brauche. Das gibt auch kleinen oder mittelständischen Pharma-Unternehmen die Chance, ein Medikament zu entwickeln, das – wenn es bei ALS funktioniert – mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bei Demenz oder Parkinson funktionieren wird. So nimmt die Wissenschaft Abkürzungen über die seltenen Krankheiten.

” Wenn Sie mich bitten würden, Ihre Stammzellen-Aktivität nach­ zuweisen, müsste ich Ihr Hirn aufschneiden. “

Dritte Säule Die Leuchtmaus Wie kann ich die Aktivität von Gehirn-­ Stammzellen nachweisen? ludwig aigner: Unser großes Thema im Labor hier sind die Stammzellen im Gehirn. Wir wissen, dass es sie gibt, dass sie sich vermehren und dass sich ein Teil davon zu Nervenzellen entwickelt. Das kann ich auch ganz wunderbar messen, allerdings muss ich dazu das Gehirn aufschneiden. Wenn ich die Zellen vorher angefärbt habe, kann ich sie unterm Mikroskop zählen und vermessen, kein Problem. Wenn Sie mich aber bitten würden, die Aktivität Ihrer Gehirn-Stammzellen nachzuweisen, müsste ich passen: Es gibt keine Möglichkeit, kein Gerät, keine Methode, um die Gehirn-Stammzellen-Aktivität am lebenden Menschen zu messen. Ich kann das nur bei Tieren oder Verstorbenen zeigen. Das ist natürlich schlecht für den Forschungsbereich, weil ich zum Beispiel nicht nachweisen kann, dass Patient XY wegen Stress, Burnout etc. eine verminderte Aktivität der GehirnStammzellen hat. Das Problem wurde erkannt, es forschen relativ viele Wissenschaftler daran. Beim Menschen gibt es noch nichts. Wir haben parallel dazu eine Methode entwickelt, die es uns erlaubt, die Stammzellenbildung wenigstens beim Tier von außen sichtbar zu machen – als Erste weltweit. Uns ist nämlich aufgefallen, dass eine neue Nervenzelle bei ihrer Entstehung eine spezielle Kennzeichnung trägt. Es gibt einen Eiweißstoff, der in einer werdenden Nervenzelle während ein paar 71


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Wochen vorhanden ist – im Unterschied zu Stammzellen. Wenn die Nervenzelle fertig ist, schaltet sie das Ding wieder ab. Jeder Eiweißstoff ist genetisch codiert. Und für jedes Gen gibt es in der Regel davor einen Schalter, der über irgendwelche Signale ein- oder ausgeschaltet wird. Wir haben nichts anderes gemacht, als den jeweiligen Schalter zum Gen zu finden – das ist nicht einfach, aber wir kennen ein paar Tricks. Dann haben wir den Schalter genommen und dahinter ein Gen gebastelt, das die Zelle aufleuchten lässt, wenn man den Schalter betätigt. Dieses Leucht-Gen ist einem Glühwürmchen sehr ähnlich. Solche Gene zu basteln ist mittlerweile Handwerkszeug: Ich nehme mir eine Schraube von hier und eine Mutter von da und baue mir eine Zelle, die leuchten kann. Dieses Glühwürmchen-Gen mit Schalter haben wir in die ­Eizelle einer Maus eingebaut. Aus diesen Eizellen sind trans­ gene Mäuse entstanden, die in allen Körperzellen zusätzlich diesen Schalter mit dem Leucht-Gen haben. Wann immer jetzt eine Stammzelle Anstalten macht, eine Nervenzelle zu werden, leuchtet sie – für die paar Wochen, die es eben Ludwig Aigner: Das körpereigene braucht. Wenn die Nervenzelle fertig CCD-Kamera Ersatzteillager für entwickelt ist, verlöscht sie wieder. Charge-Coupledgeschädigte Nerven Ich kann also mit der Maus in eine Device-Sensoren sind nutzbar machen. Dunkelkammer gehen, wo eine lichtempfindlich und hochsensitive CCD-Kamera einzelne strahlen elektrische Signale poroportional dem anderen abzuhaken. Der positive Ansatz an Photonen aufnimmt. So kann ich sehen, zum empfangenen dieser Problematik ist, dass ich genau weiß, was ab dass aus diesem Mauskopf Leuchtsignale Licht ab. Diese Signale einer gewissen Läsionshöhe passiert. Ich weiß, ab welcher Verletkommen, und nachvollziehen, was gerade werden von der Kame­ zungshöhe mir welche Funktionen fehlen. Wenn ich Funktionspassiert. Wir haben somit ein Werkzeug, ra verarbeitet und verbesserungen von ein oder zwei Segmenten erreiche, verbeswelches uns erlaubt, die Zahl der Nerdigital gespeichert. sere ich die Lebensqualität des Betroffenen massiv. Eine venzellen zu messen, ohne das Schulter, eine Hand bewegen zu können ist für einen Maushirn aufschneiden zu müssen. Patienten mit hohem Querschnitt eine gewaltige red bulletin: Wofür ist das relevant? Verbesserung. Bei einem tiefen Querschnitt ist Große Pharmafirmen haben sich vor ein paar es essenziell, wieder ein normales Sexualleben Jahren nicht groß um die Gehirn-Stammzelhaben zu können. Ums Gehen geht es erst len-Forschung gekümmert – bis man erkannt zum Schluss. Und hier verlassen wir auch hat, dass gewisse Antidepressiva auf genau ein wenig mein Gebiet. Abgesehen davon diese Gehirn-Stammzellen wirken, sie stimudenke ich, dass auch in der Rehabilitation lieren und neue Nervenzellen entstehen lasnoch viele Verbesserungen nötig sind. Selbst sen. Blockiert man die Stammzellen, haben wenn ich es schaffe, eine Nervenzelle zum Antidepressiva keine Wirkung mehr. Das war Wachstum anzuregen, wird die das nur tun, ein Initialzünder. Antidepressiva sind ein giganwenn sie von außen stimuliert wird. Gerade den tischer Markt, vor allem in den USA. Plötzlich Querschnittspatienten muss man von vielen Seiten sind auch die großen Firmen wieder auf den betrachten, idealerweise in einem Zentrum, Gehirn-Stammzellen-Zug aufgesprungen, um die leuchtmaus wo viele Expertisen zusammenfließen und die die Neubildung von Nervenzellen anzuregen Während der Umwandlung einer einzelnen Teile miteinander kommunizieren. und abgestorbene Nervenzellen vielleicht Stammzelle in eine Nervenzelle leuchtet Ist es selektive Wahrnehmung, dass sich gedamit zu ersetzen. Wir haben heute eine gute ein programmiertes Eiweiß auf. rade in diesem Bereich der Medizin in den Kooperation mit einer großen Pharmafirma, letzten Jahren extrem viel getan hat? um, ausgehend von unserer Maus, Medikamente zu entwickeln, Es tut sich tatsächlich viel. Man hat realisiert, dass kleine Schritte die das Potential haben, überall dort eingesetzt zu werden, wo für den Patienten viel bringen und es sich lohnt, hier ganz massiv wir es mit absterbenden Nervenzellen zu tun haben: Angefangen anzusetzen. Gleichzeitig haben sich maschinenunterstützte Funkvon den depressiven Erkrankungen bis hin zu Querschnitts­ tionen stark verbessert. Ein Ansatz aus den Neunzigern wird die lähmung und den vorwiegend altersbedingten Krankheiten wie Forschung in den nächsten Jahren prägen: Schaffen wir es, alte Demenz, Parkinson oder Alzheimer. Nervenzellen einer Verjüngung zu unterziehen? Gefühlsmäßig Die große Vision: ein Aspirin gegen Nervenkrankheiten … schätze ich, dass hier verdammt viel Potential verborgen ist und Im Prinzip schon. Unser Ansatz ist, das Ersatzteillager, das ich wir erst am Anfang stehen. ohnehin im Gehirn mitführe, so zu benutzen, dass etwas dabei Und wir verabschieden uns endgültig vom alten Bild des rauskommt. Es gibt aber auch eine ganze Reihe anderer Ansätze Elektrikers, der bloß eine Lusterklemme an zwei Drahtenden auf diesem Gebiet, die mindestens genauso spannend sind. anbringen muss, und schon ist die Leitung nach unten wieWerden wir es noch erleben, dass Querschnittslähmungen der intakt? heilbar sind? So einfach ist es tatsächlich nicht. Eine Querschnittslähmung ist kein kleiner Elektrikdefekt, das Paracelsus Medizinische Privatuniversität: pmu.ac.at ist ein kapitaler Motorschaden. Ich habe eine Summe von Pro­ Querschnittslähmung heilbar machen: www.wingsforlife.com blematiken. Insofern glaube ich, dass es klüger ist, ein Ziel nach 72


Teilnahme in jedem CINEPLEXXKINO

Mitmachen und abheben! Kommen Sie ins Kino, holen Sie sich Ihre Racing Box inkl. The Red Bulletin und nutzen Sie so die Möglichkeit auf einen Gewinn der Superlative: Denn mit dem Kauf einer Racing Box haben Sie gleichzeitig auch die Chance auf einen Flug mit dem AirRace-Piloten Hannes Arch.

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Wenn Jamal Olivier (li.) lostanzt, sieht das aus, als würde Strom durch seine Glieder fließen. Die schweißtreibenden Partys der Chicagoer Footwork-Community finden in unglamourösen ­Hinterzimmern statt und dauern meist die ganze Nacht.

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u z t Gu f uss es hicago haben C s u a r e z n ä -T na Die Footwork en von Madon n h ü b rt e z n o Tanz bis auf die K rung hat der p rs U n e in e S e der geschafft. uen South Sid ra r e d in s g ircle“ allerdin den „Battle C in r ie h r e W Stadt. m Respekt. a steigt, tanzt u ames Medin Text: Glenn

Jeffers, Bilde

r: Jamie-J


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ie Musik hämmert hier so laut aus den Boxen, dass die Wände wackeln. Nicht im übertragenen Sinn, sondern wirklich. Du kriegst Kopfschmerzen von den Beats, deine Zähne klappern, und dein Skelett vibriert im Takt. Für Menschen wie Jamal Olivier wirkt dieser akustische Großangriff wie ein Energieschub. Jamal ist zwanzig, kommt aus Chicago und hört passenderweise auf den Spitznamen „Light Bulb“ – Glühbirne. Die Musik hier drinnen hat ihn wahrlich elektrisiert. Man kann dabei zusehen, wie die House-Beats in seinen Körper schießen – rein in die Ohren, durch die Arme, hinunter in die Beine. Dann beginnen sich Jamals Füße zu bewegen, als hätte jemand den Fast-Forward-Knopf gedrückt. Jamal saust über den Battle Circle – die von den Zusehern begrenzte Tanzfläche –, und seine Füße schlagen immer schneller aus: hinauf, hinunter, wie bei Sammy Davis juniors alten Las-Vegas-Showauftritten. Dazu streckt er die Zunge raus. Über sein Gesicht rinnt Schweiß. Am Ende der Tanzeinlage stoppt Jamal vor einem Mann, der, ganz in Schwarz gekleidet, auf der anderen Seite des Battle Circle steht. Jamal sieht ihm in die Augen und tanzt für einige Sekunden direkt vor seiner Nase weiter – rasende Füße, stoischer Oberkörper. Was die Zuseher in tosendes Geschrei ausbrechen lässt. Hier wurde gerade eine Herausforderung ausgesprochen. Nun ist Brandon Love an der Reihe, der Mann in Schwarz, den sie hier „Basik“ nennen. Mit dem Eifer eines Tasmanischen Teufels springt er in den Menschenkreis. Basik scheint die Herausforderung ernst zu nehmen: Er lässt seine Füße so schnell über das Parkett tippeln, dass er nur mehr auf den Zehenspitzen zu laufen scheint. Er springt, kreuzt die Beine in der Luft, landet und berührt den Boden abwechselnd mit seinen Knien, bevor er – wie an einer Feder gezogen – wieder aufsteht. Das alles passiert in einer einzigen, flüssigen Bewegung. Basiks Choreografien haben eigene Namen. Was er gerade gezeigt hat, heißt „The Cat Daddy“. Die Zuseher zücken ihre Handys und Digitalkameras. Die Kurzfilme der Tanzeinlagen werden ins Internet auf die Videoplattform YouTube hochgeladen. „Das hat Spaß gemacht“, sagt Basik. „Aber es war

erst der Anfang. Die Glühbirne da drüben hält sich noch zurück, das weiß ich genau.“ Basik hat recht. Die Nacht ist noch nicht zu Ende. Es ist erst 23 Uhr. Die Zwei-gegen-zwei-Battles haben noch nicht angefangen, ganz zu schweigen von den sogenannten „Mystery Battles“. Was wir gesehen haben, ist erst der Beginn einer Footwork-Party in einem ausgesprochen unglamourösen Hinter­zimmer irgendwo im Chicagoer Stadtteil South Side. Es ist einer jener Orte, von denen aus der Footwork-Tanzstil seinen Siegeszug auf die großen Showbühnen der Welt angetreten hat. Hier haben ­Jugendliche ihre Füße fliegen lassen, bevor die großen Produktionsstudios auf Footworking aufmerksam wurden. Das Vorstadt-Phänomen hat sich mittlerweile einen Platz im weitläufigen Feld der Populärkultur gesichert. 2008 wurden die Chicagoer Tänzer King Charles und Jron für Madonnas „Sticky & Sweet“-Welttournee engagiert. Und in London veröffentlichte das DanceLabel Planet Mu die erste Compilation mit Musik aus der Szene: „Bangs & Works Vol. 1: A Chicago Footwork Compilation“.

t „ Foot work is hier Teil der tur. n Chicago selbst bleibt Footl u k n work unterdessen, was es e SS a St r immer gewesen ist: ein Teil Die jungen Männer der Straßenkultur, zelebriert in leeren Skateparks und Frauen tanzen, Freizeitanlagen, und auf Hauspartys. Ein Amalals stünden sie in gam aus Sound und Samples, das abgespielt wird, während junge Flammen.“ Männer und Frauen tanzen, als

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Jaron Boyd alias „Jron“ (u.) wurde in der Cafeteria seiner High School mit dem Footwork-Virus infiziert. 2008 ging er als Backgroundtänzer von Madonna auf Welttournee.

stünden sie in Flammen. Footwork ist ein Tanzstil, der aggressiv daherkommt und Geschwindigkeit mit Wettkampf und Stolz verbindet. In seiner ursprünglichen Form geht es beim Footworking nicht um den Showeffekt. Es geht um Respekt. Die Protagonisten der Szene stammen großteils aus den schwarzen Wohngegenden an der South und West Side. Aus Siedlungen mit leerstehenden Gebäuden und Überwachungskameras, die von Strommasten


hängen. Es sind Gegenden mit niedrigen Einkommen und hoher Kriminalitätsrate. Mit dem Footwork-Tanzvirus infizieren sich die meisten Jugendlichen bereits auf der Highschool. Denn dort wird von der Aula bis in die Cafeteria getanzt. Auch die Karriere von Jaron Boyd begann mit einem Footwork-Battle, den er zufällig während der Mittagspause mit ansah. Jron, wie er von seinen Freunden genannt wird, war sofort begeistert von dieser Art des Tanzens – noch nie hatte er Leute gesehen, die sich so schnell bewegen. Als das Spektakel zu Ende war, bat er seine Mitschüler, ihm die Bewegungen beizubringen. Nach dem Unterricht wurden die ersten Schritte einstudiert. Zunächst langsam, dann schneller, dann in Footworking-Geschwindigkeit. Einige Wochen später stand Jron selbst im Battle Circle. Und bald war er derjenige, den die anderen forderten.

Jron ist ein biegsamer junger Mann, dessen ­ epflegtes Aussehen und sanfte Stimme über seine g Aggressivität auf der Tanzfläche hinwegtäuschen. „Als ich sah, dass die Leute anfingen, meine Bewegungen zu kopieren, wusste ich, dass ich etwas richtig mache“, sagt er. Drei Jahre nach seinem ersten Highschool-Battle traf Jron jenen Gegner, der sein Leben veränderte. Der „King of the Circle“-Contest, in Markham im Süden Chicagos, gilt als wichtigster Wettkampf für Jugendliche, die sich mit Footworking Ansehen verschaffen wollen. Für die Kids aus den rauen Stadtteilen, die um Anerkennung kämpfen, indem sie sich schneller und kreativer als ihre Konkurrenten bewegen. Wer in Markham gewinnt, bekommt den Szene-Titel „King“ verliehen, der Zweitplatzierte wird immerhin ein „Prince“. Für Jron war der Bewerb King of the Circle Nieder-

Footworking ist ein spontaner FreestyleTanz, der meist in einen Battle zwei gegen zwei mündet: Wer seine Füße schneller und spektakulärer fliegen lässt als der Gegner, hat gewonnen. Tanz­ flächen finden sich in Chicago überall. Zur Not tut’s auch eine U‑Bahn-Station.

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Clowning

Herkunftsort: Los Angeles Kennzeichen: HochgeschwindigkeitsTanzstil, bei dem die Tänzer Hüften, Arme und Kopf wie unter Fieberanfällen schütteln … und dabei Make-up tragen. Eine aggressivere Sub-Form des Clowning, das „Krumping“, wurde 2005 in der Film-Doku „Rize“ verewigt. Entstehung: Eine unglaubliche Karriere kam in Gang, als der Ex-Drogendealer Thomas Johnson nach seiner Haftentlassung 1992 beschloss, als „Tommy the Clown“ aufzutreten. Als geschminkter Entertainer mit Perücke begeisterte er Jugendliche für HipHop-Dancing und machte „Clowning“ als Ausdrucksform berühmt. youtube.com: „tommy the clown“

Memphis Jookin’

Wer den Freestyle-Tänzern aus dem Untergrund daheim im Wohnzimmer beim Hüftenwackeln zusehen will, braucht einen Internetzugang und YouTube. Hier ist ein kleiner Wegweiser durch die Welt von Turfing, Clowning und Co.

Bouncing

Turfing

Herkunftsort: New Orleans Kennzeichen: Regel Nummer eins: Dein Hinterteil steht im Vordergrund. Regel Nummer zwei: Lass es ordentlich wackeln. Ein guter Einstiegstipp ist das Musikvideo eines gewissen Juvenile (das ist ein Rapper) mit dem bezeichnenden Titel „Back That Azz Up“. Entstehung: Als perfekter BounceSound dient der „Triggerman Beat“, also durch den Synthesizer gedrehte Sechzehntelnoten. Schon vor zwan­ zig Jahren wurde dazu mit dem Hintern gewackelt. youtube.com: „bounce dance“

Herkunftsort: Oakland, Kalifornien Kennzeichen: Gleiten, Dehnen, Rutschen – versierte Turf-Tänzer können eine Würgeschlage neidisch machen. Den Videos sollte man eigentlich eine Warnung des Chiropraktikers voranstellen. Entstehung: Ursprünglich bekannt unter dem Namen „T.U.R.F.“ („Taking Up Room on the Floor“), entwickelte sich der Stil in den 1990er Jahren zu Oaklands basslastiger Elektromusik und bediente sich ungeniert bei Break- und Hip-Hop-Dancing. youtube.com: „turf feinz“ Vier Möglichkeiten, sich die Gliedmaßen zu verbiegen (im Uhrzeigersinn von links oben): Bouncing, Jookin’, Clowning und Turfing.

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bilder: ERIC K ARNOLD, Brady Fontenot, Ted Soqui, Jookin/The Urban Ballet

Dirty Dancing

Herkunftsort: Memphis, Tennessee Kennzeichen: Jookin’, oder „Gangsta Walking“, ist ein flüssiger Bewegungsstil, der Tanzelemente wie das Einrasten der Arme oder das Balancieren auf Zehenspitzen beinhaltet. Entstehung: Ende der 1980er Jahre entwickelte sich Jookin’ im Windschatten der sogenannten „Buck Music“. Der Stil erlangte Popularität, als die Tänzer begannen Bewegungen anderer Stilrichtungen wie Breakdance zu integrieren (wer jetzt Lust hat, kann schon mal den „Robot Walk“ üben). youtube.com: „evac jookin“


Weltraum

Z

urück im Hinterzimmer in der South Side, wo die Bässe noch immer viel zu laut aus den Boxen hämmern: Im Battle Circle legen sich Jamal „Light Bulb“ Olivier und Basik, der Mann in Schwarz, noch einmal richtig ins Zeug. Und auch hier, an der Basis, machen sich die Leute Gedanken, wie es mit der Footworking-Szene in Chicago – und auf der ganzen Welt – weiter­ gehen soll. Gerade wird an Volume zwei der „Bangs & Works“-Compilation gearbeitet. Und einige DJs von der South Side legen nun regelmäßig in London, Amsterdam oder Berlin auf. Rashad Harden ist einer dieser Kulturbotschafter, der Footworker nun auch in Europa mit schneller House-Musik auf Touren bringt. Rashad stand auch schon hinter den Decks, als hier in der South Side die ersten Jugendlichen auf den Hinterzimmer-Tanzflächen „footworkten“. Was mit dem Tanz aus Chicago passiert ist, verblüfft ihn immer noch: „Ich habe gedacht, dass ich für den Rest meines ­Lebens Partys wie diese hier bespielen werde“, sagt er. Dann schaut er abermals Richtung Battle Circle, wo ­Jamal und Basik noch immer ihre Füße fliegen lassen: „Aber manche von uns haben jetzt sogar die Chance, etwas Großes aus sich zu machen.“ Die Könige des „Battle Circle“: www.footworkingz.com

01|04|11 – 15|08|11 Paweł Althamer, Eric Andersen, Julieta Aranda, Artsat, Angela Bulloch, Björn Dahlem, Vladimir Dubossarsky & Alexander Vinogradov, Charles and Ray Eames, Sylvie Fleury, Agnes Fuchs, Daniel & Geo Fuchs, Loris Gréaud, Judith Hopf, Dona Jalufka, Toril Johannessen, William Kentridge, Lena Lapschina, Simone Leigh, Jen Liu, Basim Magdy, Mahony, Aleksandra Mir, Jyoti Mistry, monochrom, Mariko Mori, Gianni Motti, Deimantas Narkevicˇius, Katie Paterson, Simon Patterson, Amalia Pica, Christian Pußwald, Robert Rauschenberg, Pipilotti Rist, Thomas Ruff, Tom Sachs, Wilhelm Sasnal, Charles Schmidt, Michael Snow, Andrei Sokolov, Hildegard Spielhofer, Eve Sussman & Rufus Corporation, Rirkrit Tiravanija, Keith Tyson, Christian Waldvogel, Andy Warhol, Orson Welles, Nives Widauer, Jane & Louise Wilson, Virginie Yassef, Carey Young Informationen zum umfangreichen Begleitprogramm unter: www.kunsthallewien.at Eine Ausstellung der Kunsthalle Wien und des Naturhistorischen Museums Wien

Museumsplatz 1, A-1070 Wien Infoline +43-1-521 89-33 | www.kunsthallewien.at Tägl 10 – 19 Uhr, Do 10 – 21 Uhr

Privatsammlung, Moskau, Courtesy die Künstler © Vladimir Dubossarsky & Alexander Vinogradov

Die Kunst unD ein traum

Vladimir Dubossarsky & Alexander Vinogradov, Cosmonaut No.1, 2006

lage und Sieg zugleich. Er schaffte es nicht auf den Thron, traf aber zum ersten Mal auf Charles Parks, mit dem er später um die Welt ziehen sollte. Es war eine frühe Sternstunde der Footworking-Bewegung, die zu diesem Zeitpunkt von niemandem als solche erkannt wurde. Charles Parks, den man an diesem Abend zum „King“ kürte, hatte Footworking ebenfalls an der Highschool entdeckt und später die Creation Crew gegründet, eine Gruppe von Tänzern, die bereits Auftritte bei MTV und Black Entertainment Tele­vision (BET) vorweisen konnten. Parks hatte die Lunte gelegt. Für den finalen Boost, der den Tanzstil der South Side auf die Bühnen der Popstars beförderte, sorgte aber eine Frau. Als die Choreografin Leida Villegas das Management der Creation Crew übernahm, erkannte sie sofort das beträchtliche ungenutzte Potential dieser abgeschotteten Szene. Footworking war singulär, so typisch für Chicago wie Turf Dancing für Oakland, Jooking für Memphis und Krumping für Los Angeles (siehe Kasten links). Villegas brachte die besten Crews der Stadt an einen Tisch und gründete die FootworKINGz – eine Art Footwork-All-Star-Truppe. Unter Villegas’ Management und Parks’ künstlerischer Leitung machten die Tänzer aus den wilden Battle-Bewegungen flüssige Tanz­ elemente. Bald folgten die ersten Fernsehauftritte. Der Musiksender VH1 buchte die Crew für eine Award-Show, das Telekomunternehmen Verizon für eine Werbung. Und dann kam Madonna. Für die Bühnenshow ihrer „Sticky & Sweet“-Tournee suchte die Queen of Pop Verstärkung aus der FreedanceSzene. „King“ Charles Parks war Fixstarter, der zweite freie Platz ging an … Jron. Die beiden Tänzer, die sich als Gegner beim King-of-theCircle-Contest kennengelernt hatten, reisten nach Los Angeles zum Vortanzen, nach New York zum Proben und dann gemeinsam mit Madonna um die Welt. Es wurde eine der kommerziell erfolgreichsten Pop-Tourneen der Geschichte, mit zwei Footworkern von der South Side mit auf der Bühne. „Ich glaube, es war vorherbestimmt, dass Jron mein Partner wird“, sagt King Charles heute, „mittlerweile ist er auch mein bester Freund.“


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abseits des alltäglichen. the red bulletin.


Inhalt 82 REISE-TIPP Camping für Fortgeschrittene 84 Get THE GEAR Red Bull X-Alps 85 TRAINING Max Nagl 86/87 KULINARIK Anatoly Komm, „Fufu mit Nkatekwan“ 88 CLUB & BUCH 89 WILD BEASTS 90 TAKE 5 Everything Everything

Body+ Mind bild: Olivier Laugero/Red Bull content pool

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Über alle Berge: Red Bull X-Alps startet am 17. Juli in Salzburg. Paragleiter und Laufschuhe sind die einzigen erlaubten Fortbewegungsmittel, Monte Carlo ist das Ziel. Was 2009er-Sieger Chrigel Maurer sonst noch dabei hat: Seite 84.

92 TOP-SPOTS 94 SAVE THE DATE 96 RED BULL TV-FENSTER bei ServusTV 98 KOLUMNE mit Christian Ankowitsch


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Camping für Fortgeschrittene

Auf und davon Der Reise-Tipp des Monats

I

nmitten der Mojave-Wüste steht etwas, das aussieht wie ein Filmset von John Waters, wie ein Denkmal der 1950er Jahre, wie ein Monument für Punk Rock und wie eine Hommage ans Trash-Kino – und zwar all das zur gleichen Zeit. Es ist der Hicksville Trailer Palace. Als Motel und Tonstudio liegt er nicht gerade verkehrsgünstig: Morgan Higby Night, ein Autor, DJ und Regisseur von Musikvideos, hat den Trailer Park rund zwei Stunden östlich von Los Angeles errichtet, ein paar Meilen vom Joshua-TreeNationalpark entfernt, am Ende einer unbefestigten Straße durch die knochentrockene, hitzeflimmernde Landschaft. Wer eine Reservierung hat, erhält von Morgan einen detaillierten Anfahrtsplan. Und wer sich dennoch verirrt, ruft an. „Folgt dem Mond und haltet euch an der Telefonzelle links“, sagt Morgan dann.

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Zu unserem Glück ergattern wir den pe von Gästen um ein Lagerfeuer hocken. größten Wohnwagen: The New World. Die Flammen erleuchten einen mit Kunst­ Gute 30 Meter vom Rest des Lagers entrasen ausgelegten Garten, in seiner fernt aufgestellt, besticht der Old­ Mitte blubbert ein solargeheizter timer durch Intimsphäre ebenso Salzwasserswimmingpool mit wie durch Komfort. In seinem Unterwasser-Lautsprechern. Inneren finden sich nicht nur Dahinter liegt ein Schießeine Fünfziger-Jahre-Küche platz für Bogenschützen und mit SMEG-Kühlschrank und Luftgewehr-Enthusiasten – Dixie-Herd. Es gibt auch ein immerhin befinden wir uns Schlafabteil mit riesigem hier im Wilden Westen. Doppelbett und FlatscreenRund um den Pool die MiniFernseher sowie ein mikro­ Wohnwagen, die Hicksville skopisch kleines Badezimmer. Wir sind im Wilden Westen, berühmt gemacht haben: Der wo einfache, klare Regeln Lux wurde beispielsweise nach Zwei zusätzliche Stockbetten befolgt werden sind im Wohnbereich unterLux Interior von der Punkwollen. gebracht. Klappt man sie in band The Cramps benannt. die Höhe, verwandelt sich der Teil des Ihn schmücken Erinnerungsstücke aus Wagens in einen komplett ausgestatteten Fünfziger-Jahre-Horrorfilmen, Psycho­ Schneideraum. billy- und Halloween-Deko. Deutlich Aus dem Fenster sehen wir eine Grupzarter tritt der Fifi auf. Malvenfarbenes

text: caroline ryder

Hicksville Trailer Palace. Der luxuriöseste Trailerpark der Welt ist sorgsam in Kaliforniens Mojave-Wüste versteckt. Im Nächtigungspreis inbegriffen: der Duft der Freiheit, ein Schießplatz und ein hypermodernes Tonstudio.


San Francisco

Las Vegas

Los Angeles 200 km

Hicksville

100 miles

Wo & Wie viel?

Neun ebenso aufwendig wie ohne jede Scheu vor Kitsch ausgestattete Wohnwagen sorgen zuverlässig für gute Laune.

Hicksville liegt knapp zehn Kilometer nördlich des Joshua-Tree-Nationalparks, östlich der I-10 von Los Angeles. Ist man in der Nähe, entnimmt man weitere Infos am besten einem Telefongespräch mit den Betreibern. Die Preise reichen von 75 Dollar (The Pony) bis zu 200 Dollar pro Nacht (The New World). Sieben Nächte buchen heißt fünf Nächte zahlen.

… und wo man sonst ungewöhnlich wohnt

Bilder: Åbigail Yan (4), Jason Carlin (2)

Sieben Zimmer umfasst das Treehotel in Schweden, das seine Gäste nur unwesentlich südlich des Polarkreises in Baumwipfeln übernachten lässt. Die Baumhäuser haben freilich mit den Abenteuerspielplätzen früher Jugendtage wenig gemein: Sie wurden durchweg von skandinavischen Architekten und Designern gestaltet. www.treehotel.se

und indigoblaues Fleur-de-Lys-Muster lädt hier Gäste beiderlei Geschlechts zur Aussöhnung mit ihrer femininen Seite ein. Falls Lederstrumpf zu Besuch kommt, steht der Pioneer bereit: ein Wohnwagen im Blockhausstil. Neben dem Airstream-Trailer Pony ist auch The Integratrailor erwähnenswert: beispielhafte Raumschiffbeleuchtung und eine Kommunikationskonsole für den Kontakt mit Außerirdischen sind nicht einmal im Fünf-Sterne-Bereich Standard. Eine ähnlich extraterrestrische Erfahrung verspricht ein Ausflug in den nicht allzu fernen Purifoy’s Art Complex. Dabei handelt es sich um eine über mehrere Quadratkilometer verteilte Ansammlung bizarrer Installationen auf Basis defekter Toiletten, einäugiger Puppen und recycelter Bowlingkugeln. Nicht weniger spektakulär ist Pioneertown, das 1946

als Wildwest-Filmset errichtet wurde. Das Motel, in dem damals die Schauspieler untergebracht waren, ist noch immer in Betrieb, und im benachbarten „Pappy & Harriet’s“ kann man gut essen und gute Musik hören – hier traten auch schon Sean Lennon und Robert Plant auf. Natürlich muss man auch dem einzigartigen Joshua-Tree-Nationalpark einen Besuch abstatten. Unbedingt sollte man dort aber den Sonnenuntergang abwarten, vor dem die Silhouetten der kakteenähn­ lichen Josua-Bäume schwarz in den rosa und orange eruptierenden Himmel wachsen. Ihren Namen verdanken die Bäume den Mormonen des 19. Jahrhunderts. Diese waren der Meinung, dass die zugleich zarten und knorrigen Gewächse aussähen wie Josua, Nachfolger des Moses, der die Hände im Gebet zu Gott emporreckt.

Living Architecture bietet in ganz Großbritannien von ausgewählten ­Architekten entworfene Ferienhäuser zur Vermietung an. Und zwar konsequent modern entworfene. Drei davon in Suffolk und Kent sind bereits jetzt buchbar, weitere folgen in den kommenden Monaten. www.living-architecture.co.uk

www.hicksville.com

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9 15

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8 13 1

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11 10 4

6

Die Flugbegleiter Chrigel Maurer. 17

Get the Gear

Kilo hat der Red Bull X-AlpsChamp zu schleppen. Ab 17. Juli verteidigt er seinen Titel: Es gilt, zu Fuß und per Gleitschirm auf schnellstem Weg von Salzburg nach ­Monaco zu kommen.

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Die Ausrüstung der Profis

1 X-Bionic-Laufshirt Intelligentes Material kühlt meine Brust beim Laufen, damit mir nicht zu heiß ist und nicht zu kalt.

immer die Sonne. Die Hose ist optimal bei Schlechtwetter. 4 Verpflegung Wirklich nur das Allerwichtigste: Red Bull Energy Shots, Wasser und Kohlehydrate.

2 Haglöfs-Jacke Softshell, ideal beim Fliegen. Leicht und windabweisend.

5 Technik Damit ich mich auf dem Weg nach Mona­ co nicht verlaufe, sind GPS, Handy und Karten immer dabei.

3 Haglöfs-Hose Beim Red Bull XAlps scheint nicht

6 Lowa-Schuhe Egal auf welchem Untergrund, die Schuhe

sind immer perfekt. Bei Eis in den Bergen schnalle ich dann meine Steigeisen an. 7 Leki-Wanderstöcke Leicht und stabil – ideal für den Bewerb. 8 Haglöfs-Regen­ jacke Gegen die sind auch sintflutartige Regenschauer chancenlos. 9 Sonnenbrille Gloryfy G3 Die Brille ist insgesamt unzerbrechlich, was sie auch sein

muss: Es kann schon vorkommen, dass man mit dem Gleitschirm einmal härter landet als geplant. 10 Rucksack Gewichts- und funk­ tionsangepasster Gleitschirmrucksack von Advance. 11 Eispickel von Black Diamond Falls es ein bisschen rutschiger wird. 12 Helm von Camp Der Helm ist besonders leicht, schützt

aber dennoch rundum perfekt. 13 Advance-Gurte Sind bequem – und das müssen sie sein, wenn ich viele Stunden am Stück fliege. 14 Handschuhe Denn Schwielen müssen nicht sein. 15 Gleitschirm Advance hat ihn eigens für mich angefertigt. Der Schirm ist sehr leicht und dennoch robust. redbullxalps.com

Text: lisa blazek. Bild: Gian Paul Lozza

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Vollgas schon in der Früh The early bird catches the worm: Max Nagl hat uns seinen Trainingsplan geschickt.

Erfolgsrezept

Hier kommt der Titel!

Trainieren wie die Profis

Der Vizeweltmeister 2009 in der Motocross­ önigsklasse MX1 hat in diesem Jahr nur ein Ziel: K Startnummer 2 schnellstmöglich gegen die 1 tauschen.

Text: Werner jessner. Bilder: KTM Images/Red Bull Content Pool, Redeye Media Ltd UK

Max nagl.

Wer heuer MX1-Weltmeister werim Vorjahr wäre der Oberden will, fährt tunlichst bei Red bayer der diesjährigen NumBull Teka KTM Factory Racing. mer 1 bereits deutlich näher Weltmeister Tony Cairoli (ITA) gekommen. Gilt Cairoli als und Vorjahresvierter Max Nagl fahrerisches Genie, ist Max (GER) haben sich unter „jener Fahrer, der am ihrem Teamchef Stefan konsequentesten arEverts (selbst zehn­ beitet und sein ganzes facher MX-Weltmeister) Leben dem Erfolg unzwischen ihren drei terordnet“, so KTMStützpunkten in Rom, Motorsportmanager Mattighofen und Belgien Pit Beirer. Selbst­ Max Nagl, 23: ein Kraftfeld aufgebaut, verständlich hat Max mit Vollgas Richdas die Standards in der den Winter massiv tung WM-Titel. Szene setzt. Permanentes für körperliches Trai­Pushen, Akribie im Detail, ning genutzt, seinen Spezialisten in allen Bereichen, Trainingsplan seht ihr rechts dazu außergewöhnliche technioben. Max Nagls Trumpf ist sche Zugänge wie der freiwillige seine unbedingte ProfessionaHubraum-Verzicht von KTM (sielität, sein rücksichtsloser Verhe rechts): das sind gelebte Prozicht auf Ausreden: Wenn das fessionalität und bedingungsloser Wetter im Winter Training am Siegeswille. Teamkollege Cairoli Bike unmöglich machte, setzte ist der Mann, den es zu schlagen er sich ins Auto und fuhr so gilt, und genau das hat Nagl vor: lang nach Süden, bis die BeOhne seinen Schlüsselbeinbruch dingungen okay waren.

Weniger ist das neue Mehr Tausche Hubraum und Motorleistung gegen Fahrbarkeit: das Geheimnis hinter der „kleinen“ KTM. Die KTM 350 SX-F hat die Motocross-Welt im Vorjahr vor den Kopf gestoßen: Erstmals stellte sich ein Hersteller mit deutlich weniger Hubraum (und folglich Leistung) an den Start, als er es eigentlich dürfte: 450 gegen 350 Kubik, 58 gegen 64 PS. Anfangs waren die Fahrer skeptisch: Noch 2010 hatte sich Max Nagl „das stärkste ­Motorrad, das ich kriegen kann“, gewünscht. Inzwischen verzichtet er gern: „Der kleine Motor ist vor allem unter schwierigen Bedingungen ein Vorteil: im Schlamm oder auf Sand. Das Handling ist besser, man wird weniger müde, durch das breitere Drehzahlband muss man weniger oft schalten.“ Mit 101,5 Kilo muss KTM reglementbedingt ein halbes Kilo Ballast mitnehmen. Noch entscheidender jedoch sind die geringeren oszillierenden Massen im Vergleich zur 450er: Drei Kilo Ersparnis machen sich in überragender Handlichkeit bemerkbar.

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Die besten Köche der Welt Zu Gast im Hangar-7

Kosmonaut der Küche

hat Physik studiert und Mode entworfen. Am Herd fusionieren diese Talente zum High-Tech-Menü.

Anatoly Komm

Die Küche der Barbaren (russ.: „Varvary“) gleicht einem Labor. Spritzen liegen neben Messern, Trockeneis neben Pfannen, Dessertteller neben Speisezentrifugen. Hier ist die Molekularküche zu Hause, eine Küche wie von einem anderen Stern. Koch-Kosmonaut Anatoly Komm hat sie auf die Erde gebracht. Der Moskauer studierte Physik, hat nach dem Fall des Eisernen Vorhangs Modeboutiquen von Versace eröffnet und erst dann das Kochen zu seinem Beruf gemacht. Mittlerweile gehören ihm mehrere Restaurants in Moskau. Sein Hauptaugenmerk gilt aber dem „Varvary“ – dem ersten Haute-CuisineRestaurant Russlands. Hier verschmelzen all seine Leidenschaften – die Physik, die Mode und das Kochen – zu einem Ganzen. „Ich will beweisen, dass Russland Europa kulinarisch in nichts nachsteht“, sagt Komm. Für seine Neuauflagen russischer Klassiker verwendet er ausschließlich lokale Zutaten. „Als russischer Koch muss man mit russischen Produkten arbeiten. Alles andere geht nicht.“ Genauso wichtig wie die heimischen Zutaten sind ihm aber auch die heimischen Gäste. „Ich hoffe, dass bald noch mehr Russen ins ‚Varvary‘ kommen. Dann weiß ich, dass ich wirklich Erfolg habe.“ Borschtsch mit Blauschimmelkäse und Knoblaucheis

Mein Restaurant Varvary 8A, Strastnoi-Boulevard Moskau, Russland www.anatolykomm.com Das Restaurant mag übersetzt „Barbaren“ heißen, doch die Vorhänge aus weißen Blumen und die Kristallkerzenständer verleihen dem Platz ein luxuriöses Flair, das an die Zeiten der Zaren gemahnt. Highlight des Gastraums sind aber die hohen Fenster, die den Gästen einen unvergleich­ lichen Blick auf Moskaus Innenstadt gewähren.

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Rollentausch. Brot ist immer fest und Öl stets flüssig? Nicht bei Anatoly Komm. Mittels spezieller Verfahren verwandelt Komm das berühmte russische Borodinskij-Schwarzbrot in eine kaviar­ähnliche Substanz, und traditionellem Sonnenblumenöl verleiht er eine knusprige Konsistenz. Menüwahl. Die molekularen Speisen des Kochdesigners sehen nicht nur aus wie Kunstwerke, sie heißen auch so. Der Gast hat die Wahl zwischen klingenden Menüs wie „Seele Russlands“, „Unbekannter Ferner Osten“, „Der schweigende Don“ oder „Moskau im Sommer“. Vielfalt. Ein Abend bei Anatoly Komm ist vor allem ein kulinarisches Erlebnis. Serviert werden unter anderem Borschtsch mit Knoblaucheis, mit Krabben gefüllte Teigtaschen und Langostinos im Korallenriff.

Die Gastköche im Hangar-7 Monat für Monat gastiert ein anderer Spitzenkoch im „Restaurant Ikarus“ des Salzburger Hangar-7 und kreiert dort gemeinsam mit dem Küchenteam zwei Menüs. Gastkoch im Mai 2011 ist der 44-jährige Russe Anatoly Komm, Küchenchef des Restaurants „Varvary“ im Herzen Moskaus. I­ nformationen zu Komms Menüs im „Ikarus“ finden Sie unter www.hangar-7.com, Reservierungen sind ­sowohl telefonisch (unter +43 662 2197-77) als auch via E‑Mail möglich: ikarus@hangar-7.com

Text: Lisa blazek. Bilder: Denis Klero/Red Bull Hangar-7

Meine Philosophie


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Geschmack von Welt Nationalgerichte zum Nachkochen

Das Rezept Zutaten für 4 Personen:

Wurzeln & Nüsse Ghanas Nationalgericht gibt es traditionell zubereitet oder aus der Packung. Gegessen wird es mit der Hand.

Text: Klaus Kamolz. Bild: Eisenhut & Mayer

Fufu mit Nkatekwan.

Fufu ist ein Grundnahrungsmittel und ein wesentliches Stück westafrikanischer Lebenskultur. Besonders in Ghana. Welche Bedeutung die Paste aus Yamswurzeln und Kochbananen für die Ghanaer hat, lässt sich schon daran ermessen, dass die Nationalspeise zum Exportschlager der Lebensmittelindustrie Ghanas geworden ist: als flockiges Pulver, das nur noch mit Wasser verrührt und erwärmt werden muss. Auch Ghanaer im Ausland wollen eben Fufu. Und sie wollen es gleich – ohne die traditionelle Stampfprozedur. In einem Radiospot für InstantFufu läuft ein kleiner Junge seiner Mutter davon, weil er nicht Fufu stampfen will. Die Botschaft: Mutter möge doch Pulver nehmen. Korrekt wird Fufu mit einer Hand aus einer Schüssel gegessen. Man nimmt ein Stück des zähen Breis, formt eine Kugel daraus, drückt mit dem Daumen ein Loch hinein und taucht das Stück in eine Erdnusssauce. Dann schluckt man Fufu, ohne zu kauen, hinunter.

FUFU 700 Gramm Yams 300 Gramm Kochbananen Salz 1 EL Butter evtl. etwas Kartoffelstärke NKATEKWAN 1 Liter Gemüsesuppe 1 große Zwiebel, fein gehackt 3 Knoblauchzehen 200 Gramm Erdnussbutter 6 bis 8 Okraschoten

1 mittlere gekochte und gepresste Süßkartoffel 4 Scheiben Aubergine (à 1 Zentimeter) 3 Tomaten, geschält, entkernt und gewürfelt 1 EL Tomatenmark 1 Lorbeerblatt 1 EL geriebener Ingwer 1 bis 2 grüne Chilischoten, in dünne Ringe geschnitten 1⁄2 TL Cayennepfeffer Salz Erdnussöl 1 Schuss Reisessig

Yams und Kochbananen schälen und in größere Stücke schneiden. Etwa 20 Minuten in Salzwasser weich kochen und kurz ausdampfen lassen. Anschließend mit der Butter zu einem festen Brei stampfen und dabei, falls nötig, die Konsistenz mit etwas Stärke stützen. (Fufu soll später ja mit der Hand gegessen werden können.) Für die Nkatekwan Gemüsesuppe aufkochen und die Erdnussbutter unter Zugabe von heißem Wasser zu einem dicken Brei rühren. Anschließend in die Suppe geben. Aubergine in kleine Würfel, Okra in dünne Scheiben schneiden. Tomaten, Zwiebel, Ingwer, Knoblauch, Aubergine und Okra in einer großen Sauteuse mit etwas Erdnussöl anschwitzen und mit Chili, Cayenne und Salz würzen. Tomatenmark einrühren, kurz weiterrösten, mit der Erdnusssuppe aufgießen und die gepresste Süßkartoffel unterrühren. Lorbeerblatt dazugeben und 30 bis 40 Minuten köcheln lassen. Zum Schluss einen kleinen Spritzer Reisessig einrühren.

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Per Wassertaxi in die Nacht Reina, Istanbul. Wo sich 50 Cent, Calvin Klein und Paris Hilton Nächte um die Ohren schlagen. Q & A mit Ali Unal, Business-Manager.

Der Name Reina bedeutet … … Königin auf Spanisch. Weil unser Club die nächtliche ­Königin am Bosporus ist. Als ihr den Club 2002 er­ öffnet habt, wolltet ihr … … einen Ort schaffen, an dem internationale Celebrities ihre Nächte verbringen, Spaß haben und sich frei bewegen können. Und das ist wirklich eingetreten. Kaum ein Star, der bei einem Türkei-Besuch nicht bei uns reinschaute. Von außen betrachtet sieht das Reina … … recht klein aus. Erst wenn du reinkommst, wird dir die Größe bewusst. Der Club zieht sich bis zum Bosporus-Ufer, was den Vorteil hat, dass du auch per Wassertaxi direkt zum Eingang des Clubs gelangst. Um am Türsteher vorbei­ zukommen, solltest du … … stilvoll angezogen und in

Best Clubs Im Herzen der Discokugel

hübscher Begleitung sein. Los geht’s um … … 23 Uhr. Voll ist der Laden, wenn … … sich 5000 Besucher auf der Tanzfläche drängeln. Der perfekte Drink, um die Nacht zu starten, ist … … der Reina Strawberry Cocktail, ein Mix-Drink mit Wodka. Danach: Red Bull Whisky. Man sollte eure Toiletten ­erwähnen, weil … … schöne alte Filmposter die schwarzen Marmorwände ­zieren. Am Herren-WC hängt ein „Scarface“-Plakat. Den besten Nachtsnack ums Eck kriegt man … … im Tripe Restaurant. Wir empfehlen die Tripe-Suppe, eine legendäre, nächtliche Spezialität in Istanbul! Ein Taxi zurück ins Stadt­ zentrum kostet … … zehn türkische Lira, also knapp fünf Euro. Reina Restaurant Club Muallim Naci Caddesi 44, Ortaköy/Istanbul, Türkei Tel.: +90 212 259 5919 www.reina.com.tr

P-38 „Lightning“: „die Legende“.

Piper PA-18: „… und sonst nix“.

Aviator, das Buch Biografie. Das große Buch vom Fliegen anhand des Lebenswerks von Pilotenlegende Sigi Angerer.

Wenn er ganz schnell seine Top drei unter den Flugzeugen nennen soll? Dem Sigi Angerer glaubt man ja seine Friedensliebe, aber da nennt er gleich einmal zwei Jagdbomber aus den 1940er Jahren. Das Kriegerische ist eine Geschichte, die ihn nicht interessiert, es geht nur um die Kraft und die Technik dahinter und das Mirakel der Zeitverschiebung. „Also, die F4U-4 ‚Corsair‘ ist die blaue Mauritius, Sternmotor mit 46 Liter Hubraum, über 2000 PS, enorm aufwendig, der Motor allein besteht aus sechzehntausend (!) Teilen.“ „Dann die P-38 ‚Lightning‘, unglaubliches Design, phantastische Legende rundherum.“ Und dann, sagt Sigi Angerer, „soll mir ja niemand meine kleine Piper PA-18 geringschätzen, als Quintessenz der Fliegerei: Eine Piper braucht man, sonst nix.“

Im Reina feiern Stars mit Blick auf den „Galata Kulesi“, den Galataturm, eines der Wahrzeichen Istanbuls.

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F4U-4 „Corsair“: „die blaue Mauritius“.

Sigi Angerer, Herbert Völker: „Aviatior“ Leinen gebunden, 24 × 24 cm, 150 Seiten mit 160 (teils sensationellen) Fotos Red Bulletin Verlag, € 29,90 Auslieferung Mohr-Morawa ISBN 978-3-200-02089-4

Text: Florian Obkircher. Bilder: Cornelius Braun/Red Bull Content Pool (2), Jay Miller/Red Bull Content Pool (1), Valerie Rosenburg (5)

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Drei Alben als Weg zu „Smother“

Out now

Hayden Thorpe, Ben Little, Tom Fleming, Chris Talbot (v. li.)

Musik wie Rotwein und Zartbitter-Schokolade

Frischware am Plattenteller

Klaus Nomi „Klaus Nomi“ Der Pionier des PopCountertenor, eine Kunstfigur, die Oper und New Wave verknüpfte und Musiker wie David Bowie oder Peter Gabriel zu seinen Fans zählte.

Briten bauen eine Brücke zwischen Barock und Pop. Mit Falsetto-Gesang, großem Pathos und lyrischer Fleischeslust.

Text: Florian Obkircher. Bild: Paul Phung

Wild Beasts. Vier

Auf den ersten Blick ist Wild Beasts eine dieser neuen britischen Indie-Bands. Doch was das Quartett von ihren Röhrenjeans-Kollegen abhebt, ist ihr Flirt mit dem Barock. Frontmann Hayden weist sich selbst nicht als Sänger aus, sondern Wild Beasts als Gitarrist und „Falsetto“ der „Smother“ (Domino) Band. So klingen die Wild Beasts zum Teil, als hätte Klaus Nomi die Art-Rocker von Prefab Sprout als Band engagiert. Ein Stil, den die Band auf ihrem dritten Album „Smother“ noch verfeinert. red bulletin: Euer letztes Album habt ihr selbst als „Erotic Downbeat-Music“ bezeichnet, wie verhält es sich mit eurem neuen? tom: Ich muss gestehen, unsere neue Platte ist noch verhaltener, noch erotischer. Wir wollten ein intimes Album aufnehmen. Zehn Songs über die Liebe mit ihren großartigen wie niederschmetternden Seiten. Thematisch hat euch Mary Shelleys „Frankenstein“ inspiriert. Eine Identifikationsfigur? hayden: Definitiv. Im Prinzip ist „Frankenstein“ eine Geschichte der Ablehnung. Und die Metapher passt gut zur Band. Lange Zeit sind wir herumgestreift, auf

der Suche nach Liebe. Mit unserem speziellen Sound hatten wir’s am Anfang nicht leicht. Ist das inzwischen anders? Immerhin war euer zweites Album für den Mercury Prize nominiert. tom: Nicht wirklich. In London sind wir die Landeier. Daheim in Kendal, Nordengland, werden wir schief angesehen, weil wir in die Großstadt gezogen sind. „You’re my plaything, yet I’m wondering … how cruel I’ve been“: eine Textzeile aus eurem neuen Song „Plaything“. Die männliche Psyche ist euer liebstes Forschungsfeld, oder? hayden (lacht): Textlich sind wir Grenzgänger, wie unsere Idole Leonard Cohen oder Scott Walker. Was geht grad noch, womit komm ich noch davon? Und genau das macht Spaß. Popmusik ist eine Spielwiese, die es erlaubt, Tabus zu thematisieren. Dinge, die du beim Abendessen vermutlich nicht ansprechen solltest. Und wo sollte man denn diese sexuellen Songs der Wild Beasts am besten auf sich wirken lassen? hayden: Bei unserer letzten Platte haben wir gesagt, man sollte sich das Album bei einer Flasche Wein und Schokolade anhören. Diesmal würde ich das konkretisieren: Es sollte gehaltvoller Rotwein sein. Und dunkle Schokolade mit 85 Prozent Kakaoanteil. www.wild-beasts.co.uk

Prefab Sprout „Steve McQueen“ Üppige Arrangements, gefinkelte Melodien, große Emotionen: Prefab Sprout waren 1985 die erste Band, die Perfektionisten-Pop cool gemacht hat.

Antony and the Johnsons „I Am a Bird Now“ Das erste Mal Antony hören ist wie der erste Kuss. Atemberaubend, betörend. Wenn Antony sein Falsetto erhebt, über melancholische Piano-Melodien gleiten lässt, hat das etwas von moderner Oper.

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Take Five Welche Musik Musiker hören

„ Radiohead haben mich fertiggemacht“

The Prodigy: „The Fat of the Land“

Rätselhaft, introvertiert, wunderschön: So beschreibt die britische Zeitung „The Sunday Times“ das Debüt­ album „Man Alive“ der ArtRocker aus Manchester. Das „Q-Magazin“ zählt das Quar­ tett gar zu den größten Ta­ lenten der Gegenwart. Bevor der Tourbus Fahrt aufnimmt, spricht Sänger Jonathan Higgs über fünf Alben, die ihn beeinflusst haben.

Craig David: „Slicker Than Your Average“ Am Anfang hat mich Craig David amüsiert. Erst nach einer Weile hab ich die Größe seiner Musik erkannt – und seinen Gesang unbewusst nachgeahmt. Das hier ist kein Klassiker, aber für mich erschien das Album genau zu dem Zeitpunkt, als ich vom Teenage-Rock gelangweilt und heiß auf neue Klangwelten war. Und diese bestimmen auch heute noch das Sound-Interieur unserer Band. Diese Platte ist ein großer Schritt für mich. Sie amüsiert mich zwar noch immer ein wenig, aber ich liebe sie. Radiohead: „OK Computer“

Nirvana: „Nevermind“ Zum ersten Mal habe ich die Platte bei einem Freund gehört, als ich zwölf war. Zu sagen, dass sie mich vom ersten Moment an gefesselt hat, wäre eine massive Untertreibung. Über die letzten Jahre hab ich ­„Nevermind“ extrem oft gehört. Die Direktheit dieser großen Melodien, Cobains kratzige Stimme, dazu diese gigantischwuchtigen Rock-Drums machen das Album zu einem Klassiker. Zu einem Klassiker, der das Songwriting sehr vieler Every­thingEverything-Stücke geprägt hat.

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Ich war dreizehn und im Halbschlaf, Radiohead lief auf Repeat-Modus im CD-Player. Eine Offenbarung. Seltsame Träume, geprägt und unterlegt von diesen überirdischen Sounds. Das Songwriting, die Texte, die ganze Atmosphäre dieses Albums waren damals jenseits all dessen, was ich bis dato gehört hatte. Der Einfluss von Radiohead auf Everything Everything ist sehr groß, offensichtlich. Als Teenager gab’s nur sehr wenige Bands, auf die ich eifersüchtig war, weil sie so gut waren. Und Radiohead haben mich fertiggemacht – im besten Sinn.

Die Platte ist eine Explosion. Eine Explosion als perfekte Ouvertüre einer wilden Partynacht. Ich fand’s toll, dass The Prodigy damals den Gesang mehr in den Vordergrund gestellt haben. Die Produktion ist perfekt. Mein Bruder hat einmal „Climbatize“ aufgelegt, als er bekifft war. Als der wuchtige Bass reinkam, ist er vor Schock erstarrt. Herrlich, seine Grimasse! Wenn ich neue Demos mache, sind da noch immer von The Prodigy beeinflusste Break-Beats drauf. Warum sie nicht auf unseren Alben landen? Liegt an meinen Bandkollegen. Bonzo Dog Band: „The Doughnut in Granny’s Greenhouse“ Diese Scheibe hab ich meinen Eltern zu verdanken – dafür ist sie aber ganz schön düster und unbehaglich. Es gibt viele chaotische, collagenartige Sound-Atmosphären, die du nicht ver­ orten kannst – ähnlich wie in „Revolution 9“ von den Beatles. Und der Umstand, dass du diesen verzerrten Klangflächen kein Instrument zuweisen kannst, macht das Album noch bedrohlicher. Ich denke, Bonzos kranker Humor hat über mein Unterbewusstsein seinen Weg in unsere Musik gefunden. Zumindest ein klein wenig. Hörproben und Konzerttermine auf: www.everything-everything.co.uk

Text: nick amies. Bild: Petrus Olsson

Everything Everything.


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Must-haves! 2

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1 Bunt wie der Frühling Wegen des bewährten Zwiebelprinzips, auf dem die gesamte Apparel-Technologie von ASICS beruht, wird AYAMi bevorzugt beim Laufen verwendet. Aber auch beim Fitnessund Aerobictraining bringen Frauen mit AYAMi mehr Farbe in den Sport. Mit seiner bunten Farbmischung passt AYAMi perfekt in den Frühling und zum Sommer. Gerade das Design ist ein Kunstwerk und beinhaltet neben japanischen Frühlingsblumen auch Motive, die von den Tiger-Stripes inspiriert sind, oder ein Noosa-Tri-Element. Sie ergänzen sich und können somit immer neu kombiniert werden. Denn ASICS will mit AYAMi die Frauen inspirieren, sich selbst neu zu erfinden. So werden Frühling und Sommer zu einem ganz besonderen Erlebnis.

www.asics.at 2 THE ONLY BRAND THAT MATTERS HOVEN, die Kultmarke aus Kalifornien, verbreitet sich auch in Europa unaufhaltsam. HOVEN-Gründer Craig Lark war bereits bei Oakley als einer der Weichensteller für den Aufbau des Premium-Sonnenbrillen-Markts mitverantwortlich. Mit HOVEN hat er nun alle wichtigen Zutaten wie etwa herausragendes Design, hervorragende Qualität und puren Lifestyle in einem Topf vereint, um die ultimative Marke zu schaffen. Nachdem er für drei Topmarken gearbeitet hatte, meinte er zu seiner Frau: „It’s time to do it right!“

www.wintex.at

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3 Auf Wolke 0676 Seit März 2011 stellt T-Mobile als erster Mobilfunkanbieter in Österreich einen vollständigen Online-Speicher für seine Kunden zur Verfügung. Das Mediencenter ermöglicht das Speichern, Nutzen und Teilen von Fotos, Musik, Videos und anderen Dateien über PC, Handy, Netbook und Tablets in der Wolke. Das Mediencenter ist TÜV-zertifiziert, verschlüsselt und passwortgeschützt. Der besondere Hit: 1 GB Speicherplatz im Mediencenter sowie Streamen und Download von Musik, Foto, Video sind gratis.

www.t-mobile.at/mediencenter

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4 Polar erobert den Triathlon Polar hat das ideale Produkt für Ausdauersportler entwickelt, mit neuen Funktionen, die es erlauben, das Training noch exakter zu planen und zu analysieren. Der Zone Optimizer adaptiert für jedes Training die Herzfrequenz-Zonen und macht jede Einheit noch effektiver. Neu ist auch der WearLink®+ Hybrid-Sender, der die Herzfrequenz störungsfrei misst – auch im Wasser. Das Produktpaket RCX5 RUN inklusive s3+ Laufsensor ist ab Mai 2011 im Handel erhältlich.

www.polar-austria.at.

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5 Erfrischend beerig Der neue Johannisbeer-Radler ist eine erfrischende Mischung aus dem original Ottakringer Hellen und feiner JohannisbeerLimonade mit einem Fruchtsaftanteil von 10 %. Der angenehm fruchtige und spritzigleichte Geschmack im Abgang sowie der niedrige Alkoholgehalt machen den neuen Ottakringer Radler zu einem idealen Getränk für den Sommer.

www.ottakringer.at


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Kopfüber: die Red Bull X-Fighters in Brasília.

Motorsport FIM Superbike World Championship Italien (1) Autodromo Nazionale Monza, 8. 5. 2011 Der Nordire Jonathan Rea hat mit der 5973 Meter langen Strecke in der Lombardei noch eine Rechnung zu begleichen. Im Vorjahr sah er nach zwei schweren Crashs in beiden Läufen das Ziel nicht. MotoGP von Frankreich (2) Le Mans, 15. 5. 2011 Im Vorjahr prägten Spanier die Siegerbilder. Jorge Lorenzo gewann in der MotoGP-, Toni Elias vor Julián Simón in der Moto2- sowie Pol Espargaró vor Nicolás Terol in der 125-ccmKlasse. NASCAR Sprint cup All Star Race USA (3) Charlotte Motor Speedway, 21. 5. 2011 Für dieses Rennen sind die Laufsieger der letzten und der aktuellen Saison sowie die letzten zehn Veranstaltungssieger qualifiziert. Punkte gibt es keine, allerdings einen prallen Siegerscheck über rund eine Million US-Dollar.

Red Bull X-Fighters brasilien (5) Esplanada dos Ministérios, Brasília, 28. 5. 2011 2008 flogen die Freestyle-Motocrosser über Rio de Janeiro, nun erobern sie den Nachthimmel von Brasiliens Hauptstadt.

WRC Argentinien (4) Villa Carlos Paz, 27. – 29. 5. 2011 Seit fünf Rallys ist Sébastien Loeb auf den weichen, sandigen Pisten der Provinz Cór­ doba ungeschlagen. Bei Regen verwandeln sich diese in grandiose Schlammbäder.

Formel-1-GP von Monaco (6) Monte Carlo, 29. 5. 2011 Ein Sieg im Kurvengeschlängel des Fürstentums ist die Krönung für jeden Formel-1-Piloten. 2010 holten Mark Webber und Sebastian Vettel einen Doppelsieg für Red Bull Racing.

Top Events Mai 2011

Unsere Empfehlung: ein Around-the-World-Ticket zu den spektakulärsten und angesagtesten Sportund Kulturspots dieses Monats. 92

Teamsport IIHF Eishockey-WM Slowakei (7) Bratislava, KoŠice, 29. 4. – 15. 5. 2011 Der Mai beendet die Eishockey-Saison mit Highlights: Die Playoffs in der NHL sind im Gange, und im Land des Weltmeisters 2002 kämpfen die besten 16 Nationen um den Titel. FIVB Beachvolleyball World Tour tschechien (8) Prag, 17. – 22. 5. 2011 Der erste Bewerb auf europäischem Sand. Im Vorjahr siegten die Amerikaner Dalhausser/ Rogers, das deutsche Weltklasse-Duo Brink/ Reckermann belegte Platz drei. UEFA-Champions-League-Finale GroSSbritannien (9) Wembley-Stadion, London, 28. 5. 2011 2007 wurde das neue Wembley-Stadion eröffnet. Nun erlebt die moderne, 90.000 Zuschauer fassende Arena ihr erstes großes UEFA-Fußballendspiel. Red Bull 4SKINA Kuba (10) Villa Clara, 28. 5. 2011 Bei dieser einzigartigen Baseball-Street-GameSerie auf Kuba wird der Ball statt mit einem Schläger mit der Hand geschlagen. Für einen Homerun müssen dennoch, wie gewohnt, alle vier Bases umlaufen werden.


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Movement USA (17) Hart Plaza, Detroit, 28. – 30. 5. 2011 Seit elf Jahren pilgern Elektronik-Aficionados im Mai nach Detroit. In ihr Mekka, wo alles begann, Techno aus der Taufe gehoben wurde, Maschinenmusik mit Seele ihren Ursprung hat. Natürlich dürfen da die großen Helden der Stadt wie Carl Craig oder DJ 3000 nicht fehlen, dazwischen strahlen aber vor allem junge Gesichter wie Scuba und Ramadanman.

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Summersoon Russland (19) StrandBühne, Kaliningrad, 27. – 30. 5. 2011 Schwelgerischer Dance-Pop von Blue Foundation, zackiger Indie-Pop der britischen NME-Lieblinge The Twag, testosteronlastiger Retro-Rock von Bromheads Jacket: Das erste große, international besetzte Rock-Festival in Kaliningrad lockt heiße Newcomer zum Frühlingsanpfiff an die kühle Ostseeküste.

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Kultur

Animal Collective laden ins Familiencamp.

bilder: AFP/Getty Images (1), picturedesk (1), Sipa Press/Rex Features (1), Tom Watkins/Rex Features (1)

Rumble Festival frankreich (11) Le Transbordeur, Villeurbanne, 5. – 7. 5. 2011 Wenn das Soundsystem stimmt, drückt er auf die Eingeweide und lässt die Ohren schlackern: der gute alte Bass. Ihm huldigen in der Nähe von Lyon Meister der tiefen Frequenzen. Acts wie Buraka Som Sistema aus Portugal, Dubstep-Grummelmonster Mala, UK-Rapper Toddla T oder Drum ’n’ Bass-Altmeister DJ Hype fragen: „Ready to rumble?“ Red Bull BC One Cypher Peru (12) Trujillo, Arequipa und Lima, 4. – 8. 5. 2011 Polen Park Sowińskiego, warschau, 7./8. 5. 2011 Kolumbien Bogotá/Medellín, 14. – 21. 5. 2011 Jeder B-Boy kriegt in diesem Jahr seine Chance auf ein Ticket fürs Red Bull BC One, den wichtigsten Breakdance-Contest der Welt. In nationalen Qualifikationsrunden können junge Tänzer ihr Können unter Beweis stellen und sich mit Headspins und Windmills zum Finale nach St. Petersburg (RUS) wirbeln.

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Volles Haus im Wembley-Stadion.

Summer Camp USA (18) Three Sisters Park, Chillicothe (IL), 27. – 29. 5. 2011 65 Bands, fünf Bühnen, drei Tage Live-Musik: ein Sommercamp, wie wir’s uns als Teenager gewünscht hätten. Statt schlechter Evergreens vom Dorfdisco-DJ gibt’s bei diesem Festival in Illinois Hip-Hop von Wiz Khalifa und Girl Talk, beschwipste Elektronik von Daedalus und Gypsy-Punk von Dirtfoot.

ATP Festival Animal Collective GroSSbritannien (13) Butlins Holiday Centre, Minehead, 13. – 15. 5. 2011 Eine Familienurlaubsanlage im Südwesten Englands mit Wasserrutsche, Spielhalle und Minigolfanlage. Coole Kids verirren sich nur selten hierher. Eigentlich nur dann, wenn die Konzertveranstalter ATP das Camp besetzen und Bands – diesmal Animal Collective – ein Festival kuratieren lassen. Die US-Indie-Weirdos haben Acts wie Big Boi (Outkast), Beach House, Omar-S oder Terry Riley eingeladen. SKIF-15 Russland (14) St. Petersburg, 13. – 15. 5. 2011 1996 starb der Komponist Sergei Kurjochin: Er war eine Schlüsselfigur der russischen Rock- und Experimentalmusik – quasi der ­Brian Eno des Ostens. Zu seinem Gedenken werden alljährlich Legenden und Jungspunde der Elektronik nach St. Petersburg geladen. Dieses Jahr kommen Mujuice, Gonjasufi, Swans und Zombie Zombie.

Villette Sonique frankreich (20) Parc et Grande Halle de la Villette, Paris, 27. 5. – 1. 6. 2011 Der Parc de la Villette im 19. Arrondissement ist die drittgrößte Grünfläche von Paris, ein moderner Ort, geprägt von der dekonstruktivistischen Architektur von Bernard Tschumi. Da passt’s hervorragend, dass sich dort einmal im Jahr die Avantgarde aktueller Popmusik – von Animal Collective über Discodeine bis Emeralds – zum Picknick trifft. Red Bull EMSEE Qualifier USA (21) Canterbury Downs, Minneapolis (Mn), 29. 5. 2011 Freestyle-Rap, das setzt Sprachgewandtheit, Spontaneität und Taktgefühl voraus. Beim Red Bull EmSee müssen die Wort-Jongleure auf Stichworte und Bilder reagieren und diese in ihre Reime einbinden. Letztes Jahr hat Star-Juror Eminem den jungen MC Fowl aus Detroit zum Red Bull EmSee 2010 gekrönt, dieses Jahr kriegen neue Rapper ihre Chance auf einnen Einstieg ins große Game.

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Red Bull Remake Bosnien-herzegoWina (15) Pozoriste, Sarajevo, 20. 5. 2011 „Red Bull verleiht Flügel“ ist ein Slogan, der schon viele gewitzte Werbespots hervor­ gebracht hat. Nun sind die jungen Kreativen dran, den Satz neu zu interpretieren. Beim Red Bull Remake werden geflügelte Vidoes gezeigt und prämiert. Primavera Sound spanien (16) Parc Del Fòrum, Barcelona, 25. – 29. 5. 2011 Im wunderschönen Barcelona gelegen, bietet das Outdoor-Spektakel alles, was das Herz begehrt. Neben Sonne, Meer und Cerveza nämlich das ziemlich beste Line-up des Sommers. Neben alten Helden wie John Cale oder Belle & Sebastian zieht es die Crème de la Crème an Indie-Newcomern in die katalanische Strand­ arena: Ducktails, Holy Ghost! und Yuck.

Carl Craig am Movement Festival in Detroit.

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Save the Date Mai 2011

Unbedingt ansehen: Ganz in Ihrer Nähe wird gebouldert, gerappt, gejagt und Gas gegeben.

21. Mai, Rathaus, Wien

Life Ball

Die 19. Auflage der größten Aids-Charity-Veranstaltung Europas steht heuer ganz im Zeichen des Elements Luft. Als Stargast konnte Organisator Gery Keszler die US-Sängerin Janet Jackson gewinnen, die sich für die Forschungsstiftung „American Foundation for Aids Research“ engagiert. 24. Mai, 21:05 Uhr, Servus-TV

Hubertusjagd

Medien-Multitalent Hubertus von Hohenlohe begibt sich zum Auftakt des 12-teiligen TV-Formats als Gastgeber und Präsentator nach New York. Ziel seiner „Jagd“ sind namhafte Leute aus Sport (etwa Thierry Henry), Kultur, Musik und Gastro­ nomie, die mit ihrem Tun den Big Apple prägen.

13./14. Mai, Kletterhalle Wien

Boulder Weltcup Bereits zum dritten Mal trifft sich die inter­nationale Boulder-Elite an der Kletter­ halle Wien (Erzherzog-Karl-Straße 108, 1220 Wien). In den vergangenen Jahren strömten mehrere tausend Zuschauer zum Outdoorgelände, um den 150 besten Athleten aus 25 Nationen ganz genau auf die Füße und Hände zu schauen. Zu den großen Favoriten aus österreichischer Sicht zählen Vorjahressieger Kilian Fischhuber (Bild) und die Europameisterin Anna Stöhr. Neben dem Weltcup­ bewerb gibt es wieder zahlreiche spektakuläre Side-Events mit Livemusik, einen Slackline-Workshop sowie eine Show der Profis. Nach dem Finale geht der Tag mit der rauschenden After-Contest-Party zu Ende. www.boulder-worldcup.com

3. Juni, Salon in der Pratergalerie, wien

Ein Track, ein Thema, eine Stunde Produktionszeit: Beim Red Bull Beats & Rhymes müssen Hip-HopCrews ihre Spontaneität unter Beweis stellen. Samples und Rap-Thema werden beim Event bekannt gegeben, die Teilnehmer müssen quasi live ein Stück Musik basteln, texten und aufführen. 5. Juni, Red BUll Ring, Spielberg

DTM

Die DTM (Deutsche Tourenwagen Masters) kehrt erstmals seit 2003 auf die umgebaute, 4,3 Kilometer lange Strecke in der Steiermark zurück. Gute Erinnerungen an Spielberg hat der Schwede Mattias ­Ekström, der dort 2002 den Sieg holte.

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1.–5. Juni, Graz

Spring 11 Festival Stadtpark, Murinsel, Kunsthaus: Als ob’s nicht schon genug gäbe, um das man die Grazer beneiden könnte, veranstalten sie jeden Frühling ein ­Musikfestival, das selbst geübten Party-Hoppern Stress bereitet. Den besten Stress der Welt wohlgemerkt. Denn mit einem Festival-Pass können die Besucher vier Nächte lang durch die besten Clubs der Stadt tanzen – und zwischen den spannendsten Elektronik-Musikern und DJs der Gegenwart wählen. Die New Yorker Disco-Erneuerer Hercules & Love Affair (Foto) werden beim Spring 11 konzertieren, ebenso wie die TechnoKasperln von Nôze, die PsychedelicPopper Caribou, der britische Wunderknabe Patrick Wolf, die Old-

School-Rapper Jungle Brothers, die deutschen Konfetti-Elektroniker Frittenbude, Apparat, DJ Koze oder die Red Bull Music Academy-Absolventen Jackmaster und Dorian Concept. Empfehlung: vorschlafen. Oder viel Red Bull trinken. Sonst ist dieser Ausdauertest zwischen Beats, Bass und Katerfrühstück nicht zu meistern. www.springfestival.at

bilder: GEPA pictures/Red Bull content pool (1), prees handout (1), Simon Fröhlich (1)

Red Bull Beats & Rhymes


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Volles Programm

Das Red Bull TV-Fenster bei ServusTV: Jede Menge Action auf Ihrem Bildschirm.

Samstag 30. April

Mountainbike CHRONICLES

22.30 Bullet Points

Sonntag, 7. Mai um 23.00 Uhr Start der neuen Mountainbike-Serie. Die Freeride Mountainbike World-Tour geht 2011 in ihr zweites Jahr. Gleich zu Beginn treffen wir den Champion Cameron Zink und reden mit ihm über sein Leben als Profi-Mountainbiker und seine Erfolge bei den wichtigsten Wettkämpfen des letzten Jahres. In der ersten Episode zeigen wir außerdem die besten Szenen vom legen­ dären „Vienna Air King 2011“, der auch dieses Jahr wieder auf dem Wiener Rat­ hausplatz stattfand. Die zweite Folge läuft am 21. Mai um 23.00 Uhr. Noch mehr Bike-Action von Freeride Entertainment, der Mountainbike-Filmschmiede, gibt es in der dreiteiligen Adventure CircusReihe „New World Disorder“.

23.15 Highlights Beats of Hope

So sind Sie im Bild

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23.00 Surf ­Chronicles Serienstart. Quiksilver Pro Gold Coast Australia

23.30 Highlights Twin Atlantic: the way to be free – ein Jahr haben die Schotten an ihrem neuen Album gewerkt. Das Resultat kann sich hören lassen.

Sonntag 1. Mai 22.10 The Film Festival in Your Living Room God Went Surfing with the Devil Die Dokumentation zeigt die Schwierigkeiten und Gefahren, denen sich Surfer auf den verschiedenen Seiten des israelisch-­ palästinensischen Konflikts aussetzen müssen. Getrieben von der Mystik und der Legende des Surfens – in einem unvollkommenen Land.

Un Sogno Serio Sonntag, 8. Mai, 22.00 Uhr In der Saison 2007/08 schafft es ein un­ bekanntes Team beinahe in Italiens Serie A. Die Geschichte des U.C. AlbinoLeffe. Samstag 7. Mai 22.30 Bullet Points 23.00 Mountainbike Chronicles Serienstart, FMB Vienna Air King 23.15 Highlights Nine Queens 23.45 Highlights Innerpartysystem 00.00 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show 00.30 4 Surfing Surfsport‑Serie, 6/8 01.00 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele

00.00 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show 00.30 Highlights Red Bull Nordix 01.00 Play! 01.15 Adventure Circus Kranked 7 02.10 Nightflight White Angel, Budapest (WH) 05.20 Cliptomaniacs

23.50 The Film Festival in Your Living Room Blur – No Distance Left to Run Musikdokumentation über die britische Rockband Blur, USA/UK, 2009 01.40 The Showroom 01.45 Bullet Points (WH)

22.00 The Film Festival in Your Living Room Un Sogno Serio Fußballdokumentation, Italien, 2008 23.35 The Film Festival in Your Living Room Smash His Camera Ron Galella ist der Urvater der Paparazzi und mittlerweile ebenso berühmt wie seine „Motive“. Seine Foto­ grafien sind Klassiker, genau wie die Geschichten um ihn. Ron Galella ist Freak und Professionalist zugleich, dessen Faszination man sich nur schwer entziehen kann.

01.15 Adventure Circus New World Disorder – Smack Down (1/3) 02.10 Nightflight Winter Music Conference Miami 2011 05.20 Cliptomaniacs (WH) 05.45 Adventure Circus New World Disorder – Smack Down (1/3) (WH) 06.40 Mountainbike Chronicles Serienstart, FMB Vienna Air King (WH)

Sie finden ServusTV mit dem Red Bull TV-Fenster nicht auf Ihrem Fernsehgerät? Rat und Hilfe zum Nulltarif unter:

05.45 Adventure Circus 06.40 Highlights (WH)

06.55 Highlights Innerpartysystem (WH)

0800 100 30 70

07.20 4Surfing Surfsport‑Serie, 5/8 (WH)

07.10 Highlights Nine Knights

07.30 Bullet Points (WH)

Sonntag 8. Mai

01.10 The Showroom 01.15 Mountainbike Chronicles Serienstart, FMB Vienna Air King (WH) 01.30 Bullet Points (WH)

Bilder: John Gibson/Red Bull Content Pool, Alexander Klein, lire3film, Magnolia Pictures, Pulse Films, Twin Atlantic

Blur – No Distance Left To Run Sonntag, 1. Mai, 23.50 Uhr Ihre Anfänge am Goldsmiths College, die Trennung und das legendäre Wieder­ vereinigungskonzert: Blur hautnah.


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Hit Me with music

Bilder: Andrew Buckley/Red Bull Content Pool, Getty Images, Getty Images/Red Bull Content Pool, Darren Jacklin/Red Bull Content Pool, Claire MacLeod, Mountain Line Foundation, Scott Needham/Red Bull Content Pool, Peter Pakvis/Redferns/Getty Images, Solar Impulse/AFP/Pool/Fabrice Coffrini

Sonntag, 15. Mai, 23.15 Uhr Dreißig Jahre nach dem Tod von Musik-Legende Bob Marley ist Reggae ­gegenwärtiger denn je. Aus den Wurzeln der jamaikanischen Musik ent­ stand nach und nach ein neues, explosives Genre – der Dancehall. Anfangs noch von der Gesellschaft ausgegrenzt, entwickelte sich der Albino „Yellow­ man“ langsam, aber stetig zu einem Meister dieses Fachs und wurde schluss­ endlich zur Dancehall-Magnitude. Er zeigt uns seine Welt, die von Gewalt und Armut geprägt ist, vor allem aber von Musik.

Surf Chronicles: Rip curl PRO Samstag, 14. Mai, 23.00 Uhr Von der Gold Coast geht es weiter zum legendären Bells Beach. Wird sich Kelly Slater auch hier durchsetzen können? Samstag 14. Mai 22.30 Bullet Points 23.00 Surf Chronicles Rip Curl Pro Bells Beach 23.15 Highlights Red Bull Soap Box Race South Africa 23.45 Highlights Lleva Lleva 00.00 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show

Sonntag 15. Mai 22.15 The Film Festival in Your Living Room The Wings of the Sun Zehn Jahre lang forschte eine Gruppe von Wissenschaftlern an der Idee, Flugzeuge allein durch ­Solarenergie fliegen zu lassen. 2010 ging ihr Konzept auf. Dadurch legten sie ­einen Meilenstein für die Zukunft.

00.30 4 Surfing Surfsport‑Serie, 7/8 01.00 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele 01.15 Adventure Circus Mengejar Ombak 02.10 Nightflight Queen, Paris (WH)

Scratch Sonntag, 22. Mai, 23.00 Uhr Einblicke in die Welt der Hip-Hop-DJs. Zu sehen: die weltbesten Scratcher, Digger, Party-Rocker und Produzenten. Samstag 21. Mai 22.30 Bullet Points 23.00 Mountainbike Chronicles UCI Pietermaritzburg 23.15 Road to racing Grand Prix von Spanien Mit David Coulthard

00.00 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show 00.30 4 Surfing Surfsport‑Serie, 8/8 (WH)

00.50 Bullet Points (WH)

01.00 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele

05.50 Adventure Circus Mengejar Ombak (WH)

01.20 Surf Chronicles Rip Curl Pro Bells Beach (WH)

01.15 Adventure Circus New World Disorder – Never Enough

06.50 Highlights Red Bull Soap Box Race South Africa (WH)

01.35 4 Surfing Surfsport‑Serie, 7/8 (WH)

02.30 Nightflight Bolgia, Mailand

05.25 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show

07.20 4 Surfing Surfsport‑Serie, 7/8 (WH) 07.50 Bullet Points (WH)

00.45 The Showroom

22.05 The Film Festival in Your Living Room Echo Wall Die Nordwand des legendären Ben Nevis in Schottland zählt zu den schwersten Free-Solo-Routen der Welt. Local-Hero-Kletterer Dave MacLeod will nur ­eines: sie bezwingen.

Samstag 28. Mai 22.30 Bullet Points 23.00 Surf Chronicles Australia Backstage Special 23.15 Road to racing Grand Prix von Monaco Mit: David Coulthard

Sonntag 29. Mai 22.05 The Film Festival in Your Living Room Broad Peak Sechs wagemutige Alpinsportler erfüllen sich ihren Traum: einen BASE-Jump vom 1800 Meter hohen Broad Peak in arktischem Eis.

23.30 Red Bull X-Fighters Live vom 2. Tourstop aus Brasilien 01.00 Momentum – What drives you Mark Webber

23.30 Highlights Northern Tides 23.15 The Film Festival in Your Living Room Hit Me with Music Musik­ dokumentation, 2011

Sonntag 22. Mai

Momentum: Mark Webber Samstag, 28. Mai, 17.35 Uhr Nach der erfolgreichsten Saison seiner Karriere ruht sich Mark Webber alles andere als aus. 2011 will er noch mehr.

23.00 The Film Festival in Your Living Room Scratch Musikdoku, USA, 2001 00.30 The Showroom 00.35 Bullet Points 01.05 Highlights Northern Tides Die weltbesten Wakeboarder beweisen ihr Können: Sie stellen sich den berüchtigten „horizontalen Wasserfällen“ in Westaus­ traliens Kimberley-Region.

05.40 Cliptomaniacs

02.00 Highlights Red Bull Psicobloc Brazil 2011 02.25 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele

00.50 The Showroom

02.40 Adventure Circus Who is J.O.B.? (WH)

01.25 Momentum – What drives you Mark Webber (WH)

03.45 Nightflight Masquerade Motel, Miami 06.55 Surf Chronicles

06.10 Adventure Circus New World Disorder (WH)

00.55 Bullet Points (WH)

01.50 Road to racing Grand Prix von Monaco

07.10 Momentum – What drives you Mark Webber

07.20 Mountainbike Chronicles (WH) 07.35 Bullet Points (WH)

01.30 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show

23.05 The Film Festival in Your Living Room Glastonbury – The Mud, the Music, the Madness Hippies, Rocker, Freaks und der ganz normale Wahnsinn. Julien Temple zeigt das Beste der letzten 35 Jahre und bringt den ewigen Festival-Mythos ins Wohnzimmer.

01.35 4 Surfing Surfsport‑Serie, 8/8

07.35 Bullet Points (WH)

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A

ls ich das letzte Mal nach einer längeren Sitzung mit Büro­ kollegen nach Hause kam, hatte ich nicht nur viele Tabel­ len, Abstracts und Thesenpapiere bei mir, sondern auch einen echten „Ankowitsch“. Das mit Kugelschreiber auf Papier an­ gefertigte Werk ist der abstrakten Kunst zuzuordnen; es enthält viele Kringel, Punkte, schraffierte Flächen und den Grundriss eines Hauses, das hoffentlich in dieser Form nie gebaut wird, so ver­ schachtelt ist es ausgefallen. Mit einem Wort: Ich habe während der stunden­ langen Sitzung vor mich hingekritzelt. Gedankenlos, wie ich glaubte. Bevor Sie nun fragen, warum ich Ihnen von solch privaten Angelegenheiten erzähle, holen Sie bitte ein weißes Blatt Papier, ein Schreibgerät Ihrer Wahl und beginnen Sie – während Sie hier weiter­ lesen – ein wenig vor sich hin zu malen, egal was. Nein, das soll hier kein Kreativ­ seminar nach dem Muster „Töpfern für den Frieden“ werden, sondern ich will Sie auf zwei menschliche Gewohnheiten hin­ weisen, die wir (noch) nicht angemessen würdigen. Die erste dieser Gewohnheiten ist das Bekritzeln von Notizblöcken. Meist tun wir das, während wir lange Telefonate führen oder umständlichen Vorträgen von Arbeitskollegen zuhören. Sie sollten sich Ihr verstohlenes Kritzeln keinesfalls abgewöhnen, sondern weiterhin pflegen. Denn die britische Psychologin Jackie Andrade von der Universität Plymouth hat im Jahr 2009 herausgefunden, dass „doodling“, so der englische Begriff, ­unser Erinnerungsvermögen stärkt. Wer also malt, während er zuhört, weiß hinter­ her eher Bescheid. Ein weiterer Effekt des Kritzelns: Es hilft uns dabei, während langweiliger Monologe nicht in Tagträume abzutauchen, sondern bei der Sache zu bleiben. Einigermaßen zumindest. Legen

Ankowitschs Kolumne belebt Körper und Geist

Kritzeln bildet! Während fader Besprechungen nebenher Zettel zu bekritzeln ist keineswegs eine Unart, sondern vielmehr ein Zeichen, dass Sie bei der Sache sind.

Sie sich also einen Kritzelblock zu und missionieren Sie Ihre Kollegen. Eine andere (angeblich schlechte) Gewohnheit, die es zu retten gilt, ist das Kaugummikauen. Es steht im Ruf, stilund zwecklos zu sein. Vor allem Eltern werfen oft ihres gesamtes pädagogisches Gewicht in die Schlacht, um es den Klei­ nen abzugewöhnen. Auch falsch! Bleiben­ lassen! Dass das intensive Bearbeiten eines kleinen Kautschukknödels mit Hilfe der Zähne positive Effekte hat, weiß man

bereits seit knapp zehn Jahren. Wieder waren es britische Wissenschaftler, denen wir diese Erkenntnis verdanken, aber auch deutsche haben dabei mitgemischt. Sie fanden heraus, dass sich mit der rhythmischen Kaubewegung zweierlei markant verbessern lässt: unsere Kon­ zentrationsfähigkeit und unser Erinne­ rungsvermögen. Der Grund: Das Kauen erhöht die Blutzufuhr zum Gehirn im Allgemeinen und zum Stirnlappen, der fürs Lernen und Klugsein zuständig ist, im Besonderen. Deutlich jüngeren Datums ist die noch viel weiter reichende Erkenntnis texanischer Forscher, derzu­ folge Kaugummikauen die schulischen Leistungen von Adoleszenten beeinflusse. Und zwar positiv. Sie hätten nicht nur bessere Noten in Mathematik bekommen, sondern auch länger stillsitzen können und seien grundsätzlich aufmerksamer gewesen als die Nicht-Kauer. Womit wir beim praktischen Teil die­ ser Kolumne gelandet wären. Packen Sie Ihrem Kind von nun eine Jumbopackung Kaugummi in die Schultasche und gleich ein ärztliches Attest dazu, um die intelli­ genzfördernde Wirkung Ihrer Intervention zu belegen. Kinderlose Leser können das­ selbe mit ihren fahrigen Lebensgefährten respektive mit sich selber machen. Sollten Sie Schwierigkeit haben, ein ärztliches Attest zu beschaffen, reicht es zur Not, diese Seite aus dem Red Bulletin zu reißen und die entsprechende Passage rot ein­ zukringeln. Das müssten Sie ja mittler­ weile blind beherrschen, nachdem Sie es während der gesamten Lektüre dieses Textes so schön geübt haben. Was, bereits geschehen? Sehen Sie, wirkt schon. Christian Ankowitsch, 51, ist ein öster­ reichischer Journalist, Schriftsteller und Lebenshelfer. Seit März 2011 moderiert er die Literatursendung „les.art“ im ORF. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838: Herausgeber und Verleger Red Bulletin GmbH Chefredaktion Robert Sperl, Stefan Wagner (Stv.) Geschäftsführung Mag. Alexander Koppel, Rudolf Theierl Creative Director Erik Turek Art Director Markus Kietreiber Fotodirektion Susie Forman, Fritz Schuster (Stv.) Chefin vom Dienst Marion Wildmann Leitender Redakteur Werner Jessner Redaktion Ulrich Corazza, Florian Obkircher, Arkadiusz Piatek, Andreas Rottenschlager Grafik Miles English, Judit Fortelný, Esther Straganz Fotoredaktion Valerie Rosenburg, Catherine Shaw Senior Illustrator Dietmar Kainrath Autor Christian Ankowitsch Illustratoren Albert Exergian, Mandy Fischer, Lie-Ins and Tigers Multimedia Martin Herz Lektorat Hans Fleißner Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Christian Graf-Simpson, Claudia Heis, Nenad Isailovic, Karsten Lehmann, Josef Mühlbacher, Thomas Posvanc, Thomas Safranek Herstellung Michael Bergmeister Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter Omar Sádaba Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg Corporate Publishing Boro Petric (Ltg.); Christoph Rietner, Nadja Žele (CR); Dominik Uhl (AD); Markus Kucˇera (FD); Lisa Blazek (Red.) Finanzen Mag. Siegmar Hofstetter Marketing Mag. Barbara Kaiser (Ltg.), Mag. Stefan Ebner, Christian Gruber, Regina Köstler, Mag. Klaus Pleninger, Daniela Schwarz, Helga Strnad Anzeigenverkauf Frauke Landi (Ltg.), Thomas Hutterer, Marcus Zinn; anzeigen@at.redbulletin.com Anzeigendisposition Susanne Thurner Office Management Martina Bozecsky, Sabrina Pichl IT Michael Thaler Firmensitz Red Bulletin GmbH, Am Brunnen 1, A-5330 Fuschl am See, FN 287869 m, ATU 63087028 Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com Web www.redbulletin.com Erscheinungsweise Das Red Bulletin erscheint monatlich als Ein Produkt des Eigenbeilage von und in Kooperation mit folgenden Partnerzeitungen – in Österreich: Kleine Zeitung, Kurier, Die Presse, Salzburger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten; Burgenländische Volkszeitung, Niederösterreichische Nachrichten. In Deutschland liegt das Red Bulletin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bei. In Großbritannien: The Sunday Telegraph. In Nordirland: Belfast Telegraph. In Irland: The Irish Times. In Polen: Gazeta Wyborcza. In Südafrika: Cape Argus, Cape Times, Daily News, Pretoria News, The Star. In Neuseeland: The New Zealand Herald. In Kuwait: Kuwait Times Gesamtauflage 3 Millionen Leserbriefe bitte an leserbriefe@at.redbulletin.com Als Beilage in:

Die nächste Ausgabe des Red Bulletin erscheint am 7. Juni 2011.

illustration: albert exergian

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