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PLUS ALEX HONNOLD SKUNK ANANSIE HANNAH ARENDT PAROV STELAR YELLO
PAT R I C K F I S C H E R
DER HOCKEYHÄUPTLING Was der Nationalcoach von Amerikas Ureinwohnern über Siege, Lebensglück und Teamwork lernte
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R E C O R D I N G O LYM P I C D R E A M S SINCE 1932 Zeit ist nur eine Seite der Medaille. Bei den Olympischen Winterspielen in Peking 2022 wird OMEGA jeden Bruchteil dessen messen, was echten Sportsgeist ausmacht. Als Offizieller Zeitnehmer haben wir 90 Jahre lang miterlebt, wie die entschlossensten Athletinnen und Athleten ihre Träume verwirklicht haben. Ihr Mut, ihre Klasse und Präzision bestehen fort, und wir sind mehr als bereit, noch viele weitere von ihnen aufzuzeichnen.
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PRECISION
E D I TO R I A L
WILLKOMMEN
HOCH HINAUS
SANDRO BAEBLER(COVER), EVERETT COLLECTION/PICTUREDESK.COM, COURTESY OF SKIN
ZU HAUSE IM REGENWALD
Sandro Baebler fotografierte Patrick Fischer für unsere Coverstory in dessen Haus. Fun Fact: Dieses beherbergt über 80 Pflanzen. Ab Seite 52.
Eishockey-Nationalcoach Patrick Fischer, 46, ist eher der entspannte Typ. Und davon überzeugt, sein Team ganz nach oben zu bringen. Eine Reise zu Perus Ur einwohnern veränderte 2009 nicht nur sein Leben, sondern hat bis heute Einfluss darauf, wie Fischer seine Spieler trainiert. Das Porträt des «Hockey-Häuptlings»: ab Seite 52. Ganz oben fühlt sich auch Free-SoloLegende Alex Honnold, 36, wohl – vorzugsweise ungesichert. Wie der Amerikaner gelernt hat, tausend Meter hohe Felswände hochzuklettern und warum ihn der Schweizer Alpinist Nicolas Hojac mit seinem Eispickel retten musste, erzählt Honnold ab Seite 42. Jérémie Heitz, 32, nimmt uns in seinem neuen Film mit auf die schönsten 6000er der Welt. Zu Fuss hoch, auf Skiern die fast senkrechten Hänge runter – das Interview dazu gibt’s auf Seite 36.
GESTATTEN, DONALD DUCK
Wer ihn kennt, kennt Entenhausen – aber kennen Sie auch die Frau, die es erfunden hat? Ab Seite 92.
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Hollywood-Helden waren vor Robert Pattinson Batman. Mehr flatterhafte Fakten auf Seite 12.
Gute Unterhaltung mit der neuen Ausgabe von The Red Bulletin! Die Redaktion
WHO’S THAT GIRL?
Jahre nach der Entstehung dieses Fotos in den späten 1980ern sang diese junge Dame 1997 den Welthit «Hedonism». Ihre Geschichte ab Seite 38.
THE RED BULLETIN
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I N H A LT The Red Bulletin im März / April 2022
COVERSTORY
52 DER HOCKEY-HÄUPTLING
Eishockey-Nationalcoach Patrick Fischer erzählt uns, wie die Ureinwohner Amerikas sein Leben veränderten.
LONGBOARD DANCE
60 DAS ROLL-MODEL
Die 23-jährige Marina Correia verwandelte sich von einer schüchternen Migrantin in ein Vorbild ihres Sports.
40 KEINE GNADE Maler Leon Löwentraut zerstört Bilder, die seinen Kreativ-Prozess aufhalten.
NIGHTLIFE
66 D IE MACHT DER NACHT 20 WELCOME ON BOARD
Carlos Blanchard, 38, ver wandelt das Lebensgefühl der Snowboarder in lässige Fotos.
FREESKIING
36 A LLES ODER NICHTS
Freerider Jérémie Heitz bezwingt im neuen Film «La Liste» die schönsten 6000er.
MUSIK
38 E WIGE REBELLIN
Skin, Sängerin der Kultband Skunk Anansie, kämpft seit Jahren für Minderheiten.
KUNST
40 DER MUTMALER
Wie der junge Künstler Leon Löwentraut mit Hartnäckig keit die Kunstwelt eroberte.
KLETTERN
42 IKONEN UNTER SICH
Besuch bei Alex Honnold, dem grössten Free-Solo-Kletterer der Welt. Und: wie ein Schwei zer ihm die Alpen zeigte.
6 GALLERY 12 ZAHLEN, BITTE! 14 FUNDSTÜCK
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Seit neun Jahren dokumen tiert Andrew Esiebo die Partyzone der nigerianischen Millionenmetropole Lagos.
GUIDE
Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen 79 REISEN. Heisse Tour zu den Vulkanen Ätna und Stromboli 84 F ITNESS. Triathlet Max Studer verrät sieben Tipps für Laufanfänger. 86 L ESESTOFF. Die Saga des Hexenmeisters Andrzej Sapkowski 88 T IPPS & TRENDS. Mit besten Empfehlungen der Redaktion
42 KEINE SICHERUNG Free-Solo-Kletterer Alex Honnold erzählt, wie er Angst wegtrainiert.
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90 P LAYLIST. Zum Vierziger: vier Favoriten der Schweizer Pop-Pioniere Yello 91 K ALENDER. Dokumentarfilme und Winterevents, die man auf keinen Fall verpassen sollte 92 B OULEVARD DER HELDEN. Die Frau, die Donald Duck zu literarischer Qualität verhalf
16 MEIN ERSTES MAL 18 DAS PHILOSOPHEN-INTERVIEW
96 IMPRESSUM 98 CARTOON
KEINE SPERRSTUNDE Ein Insider-Report aus der Welthauptstadt des Afrobeat: Lagos
THE RED BULLETIN
SEBASTIAN DRUEEN, JIMMY CHIN, ANDREW ESIEBO/PANOS PICTURES, LITTLE SHAO
PORTFOLIO
60 KEINE GRENZEN Longboard-Queen Marina Correia rollt Vorurteile nieder.
THE RED BULLETIN
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KAPSTADT, SÜDAFRIKA
Alles waagrecht? B-Boy Meaty, mit bürgerlichem Namen Dmitri Nell, zeigt beim Red Bull BC OneWorkshop, was Tänzer wie er alles draufhaben. Als zweimaliger Sieger des BC One-Events in Südafrika ist er eine Legende in der Szene seiner Heimat. Kein Wunder, dass die Moves bei Könnern wie ihm so aussehen, als wäre die Schwerkraft auf Urlaub. Aber das stimmt natürlich nicht. Das Geheimnis von B-Boy Meatys Leichtigkeit besteht in jahrelangem diszipliniertem Training. Instagram: @bboymeaty 6
WAYNE REICHE/RED BULL CONTENT POOL
PRAG, TSCHECHIEN
Brettspieler Keine Frage, die vielen Ein schränkungen der letzten Zeit nerven. Man kann aber auch das Beste draus machen: Der tschechische Fotograf Jan Burkert etwa nutzte die Zeit, um in seinem winzigen Studio mit seinem Kumpel Michal Suchopár und dessen Skateboard zu experimen tieren. Was dabei herauskam, sehen wir hier. Instagram: @burysss 8
DAHAB, ÄGYPTEN
Jetzt wird’s dunkel
JAN BURKERT/RED BULL ILLUME, ENRIC ADRIAN GENER/RED BULL ILLUME
DAVYDD CHONG
Im März 2020 war der Spanier nric Adrian Gener gerade am Golf E von Akaba am Roten Meer, um hier, an einem Epizentrum der FreediveSzene, Fotos zu machen. Dabei entstand eine der besten Bild sequenzen seines Lebens: zwei Fotos der Apnoe-Taucherin Nanna Kreutzmann beim Aufwärmen, hinab ins Dunkel der Tiefe. Beide Hintergründe wurden am Com puter bearbeitet und zusammengefügt. Fertig ist das Kunstwerk. Noch mehr Bilder: 27mm.net
SINGAPUR
In der Enge des asiatischen Stadtstaats Singapur muss man schon ein gutes Auge haben, um als Fotograf lohnende Motive zu finden. Ebrahim Adam hat hier in der Produktionsstätte für Fertig teil-Module eine interessante Location entdeckt. Fehlte nur noch eine Idee, die ein aussergewöhnliches Bild er geben würde. Die kam in Gestalt des BMX-Artisten Tay Seng Tee, der hier auf kleinstem Raum trickst. Instagram: @ebrahimadamphoto
EBRAHIM ADAM/RED BULL ILLUME
Schöner wohnen
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Z AHL EN, BI T T E!
BATMAN
Fledermaus Superstar Im März schlüpft Robert Pattinson in «The Batman» im Kino erstmals in die Rolle des Superhelden. Was der Kult-Flattermann verdient, wie schnell er fährt und wie oft sein Butler entführt wurde.
drehte Andy Warhol den Film «Batman Dracula» – ohne Erlaubnis von DC Comics. Der Film gilt als verschollen.
Folgen lang schlüpfte Adam West zwischen 1966 und 1968 in der TV-Serie «Batman» ins Fledermauskostüm.
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Oscar als bester Nebendarsteller gewann Heath Ledger 2009 posthum für seine Rolle als Joker in «The Dark Knight».
10.000.000
km/h schnell war das fiktive Batmobil, das Michael Keaton 1989 im Kino pilotierte.
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Einwohner hat Batmans fiktive Heimatstadt Gotham City.
9.200.000.000
Dollar besitzt Bruce Wayne laut Schätzung des US-Magazins «Forbes» – Rang 6 auf einer Liste fiktionaler Charaktere.
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Mitarbeiter eines kanadischen Energiekonzerns verkleideten sich 2014 für eine Benefiz aktion als Batman.
THE RED BULLETIN
HANNES KROPIK
Hollywoodstars waren vor Robert Pattinson als B atman zu sehen: Adam West, Michael Keaton, Val Kilmer, George Clooney, Christian Bale und Ben Affleck.
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Objekte umfasst die BatmanSammlung von US-Superfan Brad Ladner – das bescherte ihm einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.
Mal wurde Batmans Butler Alfred Pennyworth in den Comics entführt.
1964
120
8226
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CLAUDIA MEITERT
Filme («The Dark Knight», 2008 «The Dark Knight Rises», 2012, «Joker», 2019) spielten jeweils mehr als eine Milliarde Dollar ein.
Dollar bezahlte ein Sammler 2010 für eine Originalausgabe von «Detective Comics #27», in der Batman 1939 erstmals auftauchte.
GETTY IMAGES (4)
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1.075.000
F U ND ST Ü CK
Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer, 46, fand bei Indigenen den Mut, Coach zu werden. Seine Story gibt’s ab Seite 52.
PATRICK FISCHER
Mein Mut-Werkzeug Tomahawk aus dem Besitz von Patrick Fischer, Cheftrainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft.
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SANDRO BAEBLER
Bei den indigenen Stämmen in Amerika war der Tomahawk Waffe, Werkzeug und manchmal Tabakpfeife in einem. Patrick Fischer brachte diesen hier von einem Aufenthalt bei den Lakota im Mittleren Westen der USA mit. «Wir müssen uns immer wieder entscheiden, welchen Pfad wir im Leben nehmen», sagt er. «Manchmal musst du eben auch deinen Tomahawk ausgraben, um für deine Träume, Werte und Wünsche einzustehen.» Kultur und Wissen der Lakota wie auch des Shipibo-Stammes in Peru haben Fischer 2009 dazu inspiriert, seine aktive Eishockey-Karriere zu beenden – und sind ihm heute wichtige Wegweiser in der Trainerarbeit.
THE RED BULLETIN
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M EIN ERST ES M A L
PAROV STELAR
«Ich musste der Lokführer meines Lebens werden»
In seiner Heimat Österreich ist Marcus Füreder erfolg ‹Wo ist die Klinik? An der holländischen Grenze? Per reich. Sehr erfolgreich sogar. Als Parov Stelar hat er fekt, dann könnten wir dir nächste Woche in Holland zehn Amadeus Awards gewonnen und spielt in den ein paar Gigs aufstellen.› Das war ein Aha-Erlebnis. grössten Clubs des Landes. Noch erfolgreicher ist er Mir wurde bewusst, dass ich die Selbstbestimmung aber im Ausland: Der Erfinder des verloren hatte. Und ich wusste, Genres Electroswing spielt in ich muss wieder der Lokführer Frankreich Konzerte vor über sein. Nicht Passagier in der VIP100.000 Fans, in den ameri Klasse, der sagt: ‹Bitte noch ein kanischen iTunes-Charts waren Glas Champagner.› Ich dachte, seine Hits auf Nummer eins, ich hätte die Zügel in der Hand, seine Videos auf YouTube haben aber das war nicht so. Musik ma chen oder kreativ sein war zu der mehr als 500 Millionen Views. Zeit unmöglich. Da ging nur Ihm ist das aber nicht genug. Dienst nach Vorschrift. Das wäre Neben dem Musikmachen be treibt er eine Plattenfirma und aber ohnehin falsch gewesen. einen Verlag, er produziert an Denn wenn du einfach weiter machst, kann das böse enden. dere Künstler und entwirft seine Viele Leute, die ein schweres Albumcovers. Ende April er scheint sein neues Album Burn-out haben, kehren nicht «Moonlight Love Affair». Dieser mehr in ihren Beruf zurück. 0:00 –39:20 Tatendrang macht ihn zu einem Parov Stelar der vielschichtigsten Künstler Wie ich wieder zum Lokführer Mein erstes Mal – der Podcast des Landes. Um 2010 herum wurde? Ich war viel im Wald. Ich wäre ihm diese Eigenschaft al wuchs im Mühlviertel auf und lerdings beinahe zum Verhängnis hatte dadurch von Kindheit an geworden. Hier spricht der heute eine starke Naturverbundenheit, «Ich dachte, ich hätte 46-Jährige von seiner ersten die mir immer viel Trost gespen schweren Krise – und erklärt, die Zügel in der Hand. det hat. Und durch Sport! Weil Burn-out ja im Endeffekt wie er sie überwunden hat. Aber das war nicht so.» ein ein Gedankenkarussell ist. Du kommst nicht mehr heraus, du «Vor zehn, zwölf Jahren hat es Multitalent Parov Stelar über das Aha-Erlebnis in seinem Burn-out hast keinen Zugriff mehr auf mich richtig erwischt. Komplet tes Burn-out. Dabei lief es zu der andere Bereiche deines Lebens. Zeit richtig gut. Der Zug hatte Fahrt aufgenommen, Und Sport ist ein Ventil, mit dem du kurzfristig Parov Stelar war international gefragt. Das Problem abschalten kannst. Und genau darum geht es: den war, ich war totaler Autodidakt, ich hatte mich ins Pause-Knopf zu drücken. So lange, wie du es für Musikgeschäft geschmissen, ohne seine Mechanismen richtig hältst. Egal was die anderen sagen.» zu verstehen. Wie führt man ein Label? Wie führt man einen Musikverlag? Wie setzt man ein Live-Programm «MEIN ERSTES MAL» IST DIE RED BULLETIN-PODCAST-SERIE, auf? Ich machte das alles selbst. Und übersah dabei, in der Heldinnen und Helden über ihre Anfänge sprechen. Die Folge mit Parov Stelar, in der er dass es Zeiten geben muss, in denen du deine Batteri auch erzählt, wie er mit den Absagen en auflädst. Irgendwann stand ich auf und bemerkte, von Plattenfirmen sein Klo tapezierte, ich war emotional f arbenblind. Es gab keine Farben gibt’s im Podcast-Kanal mehr. Ein dunkler Schatten lag über mir, der sich ein von The Red Bulletin – fach nicht verziehen wollte. Eine Therapeutin schickte auf allen g ängigen Platt mich dann in eine Burn-out-Klinik in Osnabrück, um formen wie Spotify und auf redbulletin.com/podcast Ruhe zu finden. Dann rief meine Konzertagentur an:
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THE RED BULLETIN
MARCUS FÜREDER
Er ist der erfolgreichste Elektromusiker Österreichs. Vor zehn Jahren war er knapp davor, alles zu verlieren. Hier erzählt Parov Stelar, wie er seine erste grosse Krise überstand.
DAS F IK T IV E PHILO S O PHEN -IN T ERV IE W
HANNAH ARENDT SAGT:
«Spuck in die Hände und fang an zu lieben» Wir alle sollten mehr in die Liebe investieren: Liebe zum Leben, zu uns selbst … und auch zu unseren Partnern. Aber was bedeutet wahre Liebe konkret? Das klärt die deutsch-amerikanische Philosophin Hannah Arendt im fiktiven Interview mit dem Philosophen Christoph Quarch.
Frau Arendt, wären Sie so gut, diesen Begriff für unsere Leser zu erklären? Sehen Sie: Natalität heisst «Gebürtigkeit». Das ist et was, was uns Menschen allen gemein ist: Wir wurden von einer Mutter geboren. Das heisst: Wir alle sind irgendwann als Neulinge zur Welt gekommen – als neue Wesen, unberechenbar, voller Möglichkeiten und Potenziale. Das ist äusserst bedeutungsvoll. Denn es ist der Grund dafür, dass wir auch später immer wieder neu anfangen können. Zum Beispiel, wenn wir uns verlieben oder wenn «der Eros uns entflammt» –
Das klingt so, als sei die heute gängige Forderung, man müsse sich zunächst einmal selbst lieben, um dann auch andere lieben zu können, nicht nach Ihrem Geschmack? Mit meinem Geschmack hat das gar nichts zu tun. Ich halte das einfach nur für Unsinn. Liebe, die ihren Namen verdient, ist immer an andere adressiert: an meinen Partner, meine Freunde, vielleicht auch die Natur, ja vielleicht sogar das Leben. Und sie zeigt sich immer nur darin, dass ich etwas für diejenigen tue, denen meine Liebe gilt; darin, dass ich die Ärmel hochkremple, in die Hände spucke und etwas Neues wage. Menschen, die ich liebe, sind solche, mit denen ich etwas anfangen kann. Mutig und tätig anderen zu begegnen – das ist in meinen Augen der grösste Ausdruck meiner Liebe zum Leben. HANNAH ARENDT (1906 – 1975) gilt als eine der bedeutendsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Nach ihrer Emigration in die Vereinigten Staaten lehrte die frühere Studentin von Martin Heidegger an Hochschulen in New York und Chicago. Mit ihrem Buch «Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft» wurde sie in den USA zu einer gefeierten politischen Philosophin. CHRISTOPH QUARCH, 57, ist deutscher Philosoph, Gründer der Neuen Platonischen Akademie (akademie-3.org) und Autor zahlreicher philosophischer Bücher, zuletzt: «Kann ich? Darf ich? Soll ich? Philosophische Antworten auf alltägliche Fragen», legenda Q, 2021.
THE RED BULLETIN
BENE ROHLMANN
«Liebe ist Kraft des Handelns. Wer einen anderen Menschen liebt, wird kreativ.»
Wo liegt der Unterschied zwischen einer männ lichen und einer weiblichen Sicht auf die Liebe? In den Reden der Diotima geht es unter anderem um die Frage, was geschehen muss, damit die Liebe – beziehungsweise der Eros, wie die Griechen sie nann ten – entsteht; genauer: wie der Eros geboren wird. Das scheint mir ein ziemlich weiblicher Zugang zu sein, der darüber hinaus den Vorteil hat, etwas deut lich zu machen, was für unser menschliches Leben äusserst wichtig ist. Ich nenne es: die Natalität.
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Aber ist die Liebe nicht in erster Linie ein Gefühl? Ah, das ist es also, was Sie von einer Philosophin zu hören erwarten. Aber da muss ich Sie leider enttäuschen. Denn in meinem Denken ist die Liebe eine Kraft des Handelns. Wer einen anderen Menschen liebt, wird schöpferisch und kreativ. Wer das Leben liebt, der wird sich für das Leben engagieren. Untätig rumzu hängen und sich in seinen Gefühls wallungen zu aalen ist in meinen Augen kein Zeichen von Liebe, sondern eines von träger Selbstgefälligkeit. eine
DR. CHRISTOPH QUARCH
the red bulletin: Frau Arendt, die Liebe ist von den männlichen Philosophen etwas stiefmütterlich behandelt worden. Was sagt die Philosophin dazu? hannah arendt: Ach, wissen Sie, ich würde das nicht gendern. Es gibt durchaus bemerkenswerte Texte von männlichen Kollegen, die sich dem Thema Liebe widmen. Aber in einem Punkt liegen Sie schon richtig. Die Liebe ist tatsächlich ein Aspekt des Lebens, der sich aus männlicher und weib licher Perspektive jeweils etwas an ders darstellt. Es ist sicher auch kein Zufall, dass Platon in seinem «Sym posion», dem wohl bedeutendsten philosophischen Text zur Liebe, die wichtigsten Gedanken der Priesterin Diotima in den Mund gelegt hat.
um es noch einmal mit den Worten der griechischen Philosophie zu sagen. Liebe hat immer etwas mit Neuanfang und Neubeginn zu tun. Liebe bringt Ver änderung. Liebe ist Handeln.
FLÜÜÜGEL FÜR DEN WINTER.
MIT DEM GESCHMACK VON GRANATAPFEL.
NEU
BELEBT GEIST UND KÖRPER.
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TALKIN’ ’BOUT MY GENERATION Planung? Vergiss es! Drück drauf, wenn alles passt. Wie der Spanier CARLOS BLANCHARD, 38, das Lebensgefühl der Snowboarder in lässige Fotos verwandelt. Protokoll ANDREAS WOLLINGER
«Das ist eines meiner aktuellen Lieblingsbilder, weil es alles zeigt, was ich an unserem Sport so mag: Dynamik, Feeling und jede Menge Spass.» Airolo, Schweiz, 2018 Der deutsche Snowboarder Elias Elhardt fetzt über eine Schneekuppe. Das Foto entstand bei Dreharbeiten zu Elhardts erstem Filmprojekt «Contraddiction».
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«Wenn du mit Typen wie Elias Elhardt unterwegs bist, weisst du, dass es spontan und lustig wird. Alles andere ergibt sich von selbst. Planung ist ohnehin überbewertet.» Lofoten, Norwegen, 2018 Elias in der Luft bei einem Frontside 720, einer zweifachen Drehung um die Hochachse
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«In diesem abgelegenen Resort mussten wir zum Abendessen zu Fuss gehen. Alex Tank nahm sein Board, um schneller da zu sein – für mich zeigt das Bild die Ausgesetztheit des Menschen in der Natur.» Brezovica, Kosovo, 2019 Der deutsche Snowboarder Alex Tank stapft aus dem Hotel in den Schneesturm – Sekunden bevor er anschnallt.
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«Als ich dieses Bild aufnahm, hatte es minus 25 Grad. Ich hatte schon Angst um meine Kamera.» Pyhä, Finnland, 2021 Die Niederländerin Lisa Bunschoten bei einem Boardercross-Rennen. Das Bild stammt aus Carlos Blanchards Buch «Dreams» über para lympische Snowboarder.
«Eine Splitboard-Tour zu so einem Aussichtspunkt kann anstrengend sein. Aber die Aussicht war sie allemal wert.» Lofoten, Norwegen, 2018 Ein Bergrücken auf der Inselgruppe der Lofoten. An manchen Stellen ragen die steinernen Giganten bis zu 1200 Meter hoch aus dem Meer. Splitboards lassen sich für den Aufstieg auseinandernehmen, was Snowboardern Skitouren ermöglicht.
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«Das ist Knut Eliassen, das kreative Hirn des SnowboardTeams Nitro. An diesem Tag suchten wir bei Regen eine interessante Location. Knut ist so voller Energie, dass er selbst bei der Kälte kein T-Shirt braucht.» Lofoten, Norwegen, 2018 Snowboard-Marketing-Manager Knut Eliassen posiert für ein Porträt. Fotograf Blanchard sagt: «Seine Quirligkeit ist ansteckend.»
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«Spannender als die Gesichter der Teilnehmer fand ich hier die mit Tape an die Beine geklebten Startnummern.» Mount Baker, Washington (Staat), USA, 2019 Teilnehmer am Start des «Legendary Banked Slalom». Das Rennen wird seit 1985 durchgeführt und gilt als Mekka für Snowboarder.
Titel
Ort, Datum
„Faccullentio. Ita pro dolore doloraectur? Bearum et eatiusa antecea arum nullaccus, sus. Rum ducia venis magnihit utemFaccullentio. Ita pro dolore doloraectur? Bearum et eatiusa antecea arum nullaccus, sus. Rum ducia venis magnihit utem vitionsequi doluptas niandel et anda venihil latur, cum que nus vitionsequi doluptas niandel et anda venihil latur, cum que nus“
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«Mach es für die Show, heisst es. Wenn einer der weltbesten Snowboarder loslegt, steht er wie hier sofort im Mittelpunkt.» Brezovica, Kosovo, 2019 Elias Elhardt entzückt das Publikum mit einem Sprung vom Dach der Hütte (rechts im Bild).
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«Was man hier nicht sieht: Lisa Bunschoten trägt eine Prothese unterhalb des linken Knies. Das verändert ihre Bewegung, nicht aber das Tempo und den Hunger nach Erfolg.» Flachauwinkl, Österreich, 2020 Die paralympische Snowboarderin Lisa Bunschoten aus den Niederlanden bei einem Trainingslauf
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«Das habe ich nach einem langen Tag beim letzten Licht aufgenommen. Was kann man mehr verlangen als so einen Sonnenuntergang an einem derart fantastischen Ort?» Nationalpark Torres del Paine, Chile, 2017 Bergsilhouette mit Wolkenhintergrund. Blanchards Glück: Das Foto war das allerletzte einer Filmrolle.
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«Ich liebe es, Menschen in einem unvorbereiteten Moment zu erwischen. Man sieht dann mehr von ihrer Persönlichkeit.» Kitzsteinhorn, Österreich, 2018 US-Snowboarderin Hailey Langland kurz nach einem Shooting auf dem Parkplatz, noch ganz in Konzentration gefangen
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«Ein Bild, das meinen Zugang zu Fotografie erklärt. Klar ist die Gegend schön – aber alles, was am Ende zählt, ist die Action.» Lofoten, Norwegen, 2018 Elias Elhardt bei einem Sprung nah am Wasser vor der malerischen Kulisse der Kapelle von Sildpollnes
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DER FOTOGRAF
CARLOS BLANCHARD Das Talent zum Fotografieren liegt bei Carlos Blanchard in der Familie: Schon sein Grossvater und Vater waren passionierte Lichtbildner. Bereits als Jugendlicher begeisterte er sich dank der vom Grossvater überlassenen Nikon-Kamera
Snowboard-Fotokünstler Blanchard im Nationalpark Torres del Paine, Chile
für diese Ausdrucksform. Trotzdem fand Carlos, geboren im spanischen Saragossa, mit Anfang zwanzig erst relativ spät zu seiner Berufung. In der Folge erhielt er eine gediegene Ausbildung und etablierte sich als Snowboard-Fotograf. Als er vor zehn Jahren nach Innsbruck über siedelte, hob seine Karriere richtig ab. Der heute 38-Jährige ist immer bestrebt, seinen eigenen, unverwechselbaren Stil zu etablieren und ein gutes Auge für oft übersehene Details zu ent wickeln, die ein Foto erst jene Geschichten erzählen lassen, die uns inspirieren. «Ich glaube an die Kommunikation zwischen der Realität und der Vorstellungskraft», sagt Carlos. «Ich möchte den Betrachter weder verstören noch beeinflussen, ich will nur meine Freude an der Suche nach und dem Einfangen von speziellen Momenten teilen.» carlosblanchard.com
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Freeskiing
Jérémie Heitz hat sich den ultimativen Freeski-Traum erfüllt: die acht schönsten 6000er-Gipfel der Welt. Zuerst zu Fuss rauf, dann auf Ski runter. Jetzt können wir ihm dabei zusehen. Text NICLAS SEYDACK
Foto MATTIAS FREDRIKSSON
Seit Jérémie Heitz nicht mehr an professionellen Freeride-Wettbewerben teilnimmt, folgt er seinem eigenen Weg: dem von «La Liste», seiner persönlichen To-do-Liste. Mit seinem Freund Sam Anthamatten hatte er sich vorgenommen, mit Ski auf dem Rücken die schönsten 6000er der Welt zu bezwingen. Und dann über ihre fast senkrechten Hänge abzufahren. Vom Gipfel des Artesonraju in Peru (6025 m) zum Laila Peak in Pakistan (6096 m) – acht wurden es insgesamt. Jetzt feiert der gleichnamige Kinofilm Premiere: ein Dokument des Willens, des Könnens und der geglückten Teamarbeit. THE RED BULLETIN: Jérémie, war um hast du vor fünf Jahren die Welt der Freeride-Wettbewerbe verlassen, um fortan Filmprojekte zu verfolgen? Jérémie Heitz: Das war der Plan von Anfang an: Sobald ich mir einen Namen in der Szene gemacht habe, aufzuhören, um mit meinem Freund Sam Anthamatten und meinen Sponsoren eigene Projekte zu verwirklichen. Vor allem «La Liste» – es reizt mich mehr, mir selbst die schönsten, steilsten und schwierigsten Gipfel der Welt auszusuchen, dort hinzureisen und der Welt unseren Style von Freeskiing zu zeigen. Wie habt ihr die Berge auf eurer Liste ausgesucht?
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Es sind keine Geheimberge, die nur wir kennen. Wir haben einfach die schönsten Gipfel dieser Erde ge sammelt: über Google Earth, aus Büchern und Filmen. Wir haben diese Berge weder entdeckt, noch sind wir die Ersten, die sie gefahren sind. Wir sind aber die Ersten, die so eine Art Welttournee gemacht haben. Wie wichtig ist die Freundschaft mit Sam für dieses Projekt? Unsere Art von Freeskiing ist eine Teamleistung. Es geht darum, sich gemeinsam mit anderen am Berg weiterzuentwickeln. Sam ist dafür mein perfektes Match. Wir erleben extrem schwierige Challenges am Berg, die wir nur überstehen, wenn wir sie gemeinsam angehen. Dafür unternehmt ihr tagelange Expeditionen, erklimmt die Berge mit Eispickel und Steigeisen. Warum fliegt ihr nicht einfach mit einem Helikopter zum Gipfel? Für die extrem anspruchsvollen Berge, die wir auf «La Liste» gesammelt haben, müssen wir deren Gelände exakt kennen, bevor wir darin fahren können. Vielleicht sieht der Schnee von einem Helikopter aus gut aus, ist aber in Wirklichkeit nur wenige Zentimeter dick – und darunter verbergen sich Steine oder Eis. Deshalb klettern wir die Berge auf jener Route hinauf, auf der wir später abfahren wollen. Nur so, ganz dicht am Berg, erkennen wir kleinste Unebenheiten oder G efahrenquellen. Ein Fehler könnte im schlimmsten Fall, nun ja, dein letzter sein.
Du spielst auf einen Unfall während der «La Liste»-Tour in Peru an, auf dem Gipfel des Arte sonraju, bei dem ein Freund von dir stürzte und sich schwer ver letzte. Ihr habt die Expedition abgebrochen, um ihn noch recht zeitig ins Krankenhaus zu bringen. Das war ein Moment, in dem ich kurz davor war, das ganze Projekt abzubrechen. Ein paar Monate lang war ich sogar überzeugt, nie wieder Ski anschnallen zu wollen. Auch wenn ich liebe, was ich tue – kein Gipfel ist es wert, zu sterben. Wir haben viel mit unserem verletzten Freund gesprochen. Wir haben nur weitergemacht, weil er uns gesagt hat: Macht weiter! Sind Verletzungen der Preis, wenn man an seine Grenzen geht? Sam und mich treibt eine unbändige Neugier an, kombiniert mit jahrelanger Erfahrung und einem realistischen Blick fürs Risiko. Wenn wir Grenzen überschreiten, dann möglichst nicht unsere eigenen. Wir machen Dinge, von denen viele dachten, sie wären unmöglich. Wohin wird euch diese Neugier noch führen? Sind nach «La Liste» überhaupt noch Gipfel übrig? Mein ganzes restliches Leben würde nicht reichen, allein alle Berge in Pakistan zu fahren, die ich gern fahren würde. Es gibt dort so viele Gipfel, dass die meisten nicht einmal einen eigenen Namen haben. Und vom Himalaya-Gebirge, von den Achttausendern dieser Welt, reden wir ja noch gar nicht. Bisher zumindest. Nach dem Kinostart zu Beginn der Winter saison 2021/22 wird «La Liste – Everything or Nothing» ab Mitte Februar 2022 auf aus gewählten Plattformen weltweit zum Kauf oder Verleih verfügbar sein. Auf der Film-Website finden Sie den Trailer und weitere Infos. Oder Sie scannen diesen QR‑Code.
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«Wir machen Dinge, von denen viele dachten, sie wären unmöglich.» Freeskier Jérémie Heitz, 32, über die Abfahrten mit seinem Expeditionspartner Sam Anthamatten
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Musik
Deborah Dyer auch bekannt als Skin von Skunk Anansie, Albtraum der Chauvinisten, verraten von Johnny Rotten, geadelt von der Queen. 54 Jahre im Geist der Rebellion. Text WILL LAVIN
Foto TOM BARNES
Skin hat gute Laune. Das liegt daran, dass die 54-jährige Sängerin, mit bürgerlichem Namen Deborah Anne Dyer, nach 19 Monaten corona bedingter Trennung endlich wieder mit ihren Freunden von der Band Skunk Anansie vereint ist. Die vier Briten haben sich im Voltaire Road Recording Studio im Südwesten Londons eingefunden, um an neuen Songs zu arbeiten, die wohl in einem Album münden werden. Mehr als 25 Jahre ist es her, dass Skunk Anansie Mitte der Neunziger im Zeitalter des Britpop gemeinsam mit Bands wie Blur oder Oasis ins Scheinwerferlicht traten. Von Anfang an waren es die extravagante, furchtlos-selbstbewusste Erscheinung und die androgyn anmutende Falsettstimme von Skin, die das Quartett unverwechselbar machten.
Ein Buch als Mutmacher
Dazu kam, dass Skin prinzipiell keinem Ärger ausweicht, wenn es darum geht, sich für benachteiligte Minderheiten einzusetzen. «Ich als Gesicht einer Rockband – das hat eine Menge Leute unangenehm berührt», erinnert sie sich heute. Wobei «unangenehm berührt» eine höfliche Umschreibung ist für die Anfeindungen, denen Skin sich zuweilen ausgesetzt sah. Eine schwarze Frau, offen bisexuell, das war damals für manche Menschen eine unerträgliche Provokation. Doch davon liess sich Skin nie ein-
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schüchtern. Sie nahm den Kampf auf und ging immer dorthin, wo es besonders wehtat; prangerte Rassismus, Sexismus oder Missbrauch an, wo immer sie konnte – unter anderem in ihren Songs. Das rief zum Teil heftige Re aktionen hervor. In ihrer im Herbst des v origen Jahres erschienenen Autobiografie «It Takes Blood and Guts» («Es erfordert Blut und Mut») erinnert sich Skin mit Schrecken an eine Australien-Tour 1996 mit den Sex Pistols, bei der Neonazis im Publikum sie mit dem Hitlergruss empfingen und Sprechchöre an stimmten: «Runter von der Bühne, du schwarze Schlampe!»
Wie man zur Rebellin wird
Was sie damals aber fast noch mehr kränkte: dass Sex-Pistols-Frontmann Johnny Rotten zu alldem kein Wort verlor. «Ich glaube, dass auch das eine Art von stiller Gewalt sein kann», sagt Skin, und in diesem Augenblick leuchten ihre Augen auf wie Scheinwerfer. «Ohhh, das ist gut!», ruft sie, begeistert von der poetischen Eingebung. «Schreib das auf», sagt sie zu Schlagzeuger Mark Richardson, der schräg gegenüber am Mischpult sitzt. Einerseits haben ihre trotzige Art und der Geist der Rebellion Skin zu einer Ikone gemacht, andererseits muss so eine Attitüde auf die Dauer ziemlich anstrengend sein, oder? Nein, sagt Skin, im Grunde habe sie immer nur sich selbst treu bleiben wollen. «Ich habe nie wirklich das Opfer gespielt. Ich denke, es ist bes-
ser, die Dinge positiv zu sehen. All diese Widrigkeiten waren schliesslich mit ein Grund, warum die Band so erfolgreich sein konnte.»
Sich anbiedern bringt nichts
Überhaupt – Integrität und Authen tizität sieht Skin als die wichtigsten Zutaten ihrer Karriere: «Sich einem Publikum oder den Kritikern anzubiedern, um Erfolg zu haben, bringt nichts, wenn du dann jemand sein musst, der du nicht bist», meint sie. «Ganz ehrlich: Was ist Erfolg? Musik zu machen und sie zu veröffent lichen – das ist für mich Erfolg.» Sogar das britische Königshaus weiss Skins Verdienste mittlerweile zu würdigen – sie wurde im Juni vergangenen Jahres als Officer in den OBE aufgenommen, ein Ritterschlag der Queen. Sieht sie sich eigentlich selbst als Wegbereiterin für Diversität und Feminismus? «Rückblickend betrachtet sehen wir natürlich unseren Einfluss. Aber damals hatten wir keine Ahnung, da war es einfach nur verrückt, eine schwarze, lesbische Sängerin zu haben, die nicht sexy war und keine winzigen Outfits trug. Heute ist es cool, woke zu sein und sich für alles Schwarze, Schwule und Transsexuelle zu interessieren. Ich finde das verdammt grossartig. Also ja: Jetzt begreife ich, dass wir Wegbereiter waren.» Nun muss Skin aber wieder ins Studio, um mit den Aufnahmen weiterzumachen. Sie macht keinerlei Anstalten, es etwas langsamer angehen zu lassen. Hat sie je ans Aufhören gedacht? «Die Frage ist: Wann soll man auf hören? Und wie?», sagt Skin mit einem unglaublich gewinnenden Lächeln. «Und ausserdem: Warum sollte ich überhaupt aufhören?» Die Tour von Skunk Anansie startet Anfang März in Polen; alle Live-Termine unter: skunkanansie.com
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«Integrität – das ist der wichtigste Baustein einer Karriere.» Pop-Ikone Skin, 54, beweist das seit mehr als einem Vierteljahrhundert.
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Kunst
beschloss mit zwölf Jahren, Künstler zu werden. Heute hängen seine Bilder im Palazzo Medici in Florenz. Hier erzählt der Star-Maler, 24, wie man sein Talent entfaltet. Protokoll ANDREAS ROTTENSCHLAGER
Foto SEBASTIAN DRÜEN
London, St. Petersburg, Venedig: Wenn Leon Löwentraut seine Ausstellungen eröffnet, blitzen Kameras, zücken Kunstfans ihre Smartphones. Der 24-jährige Düsseldorfer ist Deutschlands Star maler der Instagram-Generation. Für die UNESCO schuf er 2018 einen siebzehnteiligen Gemäldezyklus. Im Palazzo Medici Riccardi in Florenz (erbaut 1444) stellte er 2019 als bisher jüngster Künstler aus. Löwentraut ist Autodidakt. Seine bunten Acrylbilder im Stil moderner Expressionisten sind bei Sammlern weltweit begehrt. Beim Festival für Talente «Organics Talentville» in Wien erzählte er, wie man das Beste aus seinem Talent herausholt. Hier ein Best-of:
1. Leidenschaft schlägt alles
«Ich habe mit sieben Jahren be gonnen zu malen. Mit zwölf Jahren wusste ich: Ich will Künstler werden. Mir hat schon damals gefallen, dass ich mich beim Malen nicht erklären musste. Denn mit dem Pinsel in der Hand war ich niemandem Rechen schaft schuldig. Mein grosses Problem zu Beginn: In meiner Familie hatte niemand Kontakte in die Kunstwelt. Also hab ich selber an die Türen der Galerien geklopft. Ich hab gesagt: ‹Hört mal zu: Mein Name ist Leon Löwentraut. Das sind meine Bilder.› Ich trug damals immer eine
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Mappe bei mir mit Kopien meiner Werke. Auf manchen Abzügen war die Farbe verblasst. Ich hatte nicht einmal Kohle für Druckerpatronen. Aber das war mir egal. Denn wenn ich zu hundert Prozent hinter dem stehe, was ich tue, kommt im Leben alles zurück.» «Ich bekam anfangs viele Ab sagen. Aber ich habe weitergemacht, mehr Bilder gemalt, weiter an Türen geklopft, bis eine Galerie schliesslich sagte: ‹Wir glauben, du hast Potenzial.› Meine erste Ausstellung fand 2013 in Aying nahe München statt – in einer Scheune. Für mich bedeutete das die Welt. Wenig später berichteten die ersten Zeitungen über mich. Dann das Fernsehen. Mit siebzehn hatte ich meine erste Solo-Show in Notting Hill, London. Später wurden meine Bilder im Puschkin-Museum in St. Petersburg gezeigt oder im Headquarter der UNESCO in Paris.»
2. Selbstlob ist voll okay
«Egal welches Talent du entwickeln willst: Fürchte dich nicht vor deinem Selbstvertrauen. Es gibt Leute, die sagen, Eigenlob stinkt. Aber das ist Schwachsinn! Du musst jeden Morgen aufstehen und sagen: ‹Das, was ich tue, ist gut!› Diese Botschaft ist mir sehr wichtig. Denn es gibt viele Leute da draussen, die verdammt viel Talent haben, aber niemals bekannt werden. Weil sie vielleicht nicht den Mut haben rauszugehen. Weil sie Angst haben, sich zu zeigen. Weil sie Angst haben vor Kritik.»
3. Lass nur das Beste raus
«Junge Talente hadern oft mit ihrem Perfektionismus. In meinem Fall: Wann ist ein Bild gut genug? Es gibt Bilder, die entwickeln sich schnell. Es gibt andere, die brauchen länger. Ich male meist mehrere gleichzeitig. Der Prozess zieht sich manchmal über Monate. Es gibt auch Bilder, die wollen nicht fertig werden, die halten mich von anderen Bildern ab. Diese Bilder stelle ich in die Ecke. Wenn sie mich weiter ärgern, drehe ich sie um. Lassen sie mich dann immer noch nicht in Frieden, trete ich rein. Richtig gehört: Ich zerstöre sie, weil sie für mich keine Daseinsberechtigung mehr haben. Das klingt extrem. Aber wer in meine Aus stellungen kommt, soll nur die besten Werke sehen. Ich zeige nur Bilder, hinter denen ich zu hundert Prozent stehe. Denn für mich braucht es drei Dinge, um ein Talent zu entfalten: Disziplin, Liebe und Authentizität.» Leons aktuelle Ausstellung: «Unstoppable» noch bis zum 28. Februar in der Gerhardt Braun Gallery in Palma de Mallorca. Alle Infos: leonloewentraut.de
Leon Löwentraut als Speaker am Festival für Talente ORGANICS TALENTVILLE in Wien. Die Talks aller Vortragenden als Video: organicsbyredbull.com/talentville
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MATTHIAS HESCHL/RED BULL
Leon Löwentraut
«Es wird immer Leute geben, die nicht gut finden, was du tust. Aber es wäre ja auch langweilig, wenn jedem deine Arbeit gefällt. Wenn ich kritisiert werde, merke ich oft, dass ich etwas richtig mache. Denn alles, was neu ist, wird diskutiert – weil die Menschen noch nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Solche Diskussionen auszulösen ist eine wichtige Funktion von Kunst.»
«Ich zerstöre Bilder, die mich an der Arbeit hindern.» Maler Leon Löwentraut, 24, hier bei einer Ausstellung auf Mallorca, über Qualitätskontrolle
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Klettern
ALLES IM GRIFF
Alex Honnold an einem Überhang im kalifornischen Yosemite Nationalpark: Selbst kleine Fehler sind in seiner Welt verboten.
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Jenseits der Angst Der Amerikaner ALEX HONNOLD, 36, klettert ohne jede Sicherung auf tausend Meter hohe Felsen. Wie macht er das? Und was denkt er sich dabei? Hausbesuch bei einem Ausserirdischen. Text HEATHER BALOGH-ROCHFORT
Fotos JIMMY CHIN
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Früh übt sich: Kletterstar Honnold 2003 im Alter von 17 Jahren mit seiner Cousine im Garten seines Onkels in Kalifornien
Leistungen im Klettern vollbringt, der grosse und kleine Felsen durchstieg, mit und ohne Seil. Der 2017 als erster Mensch die tausend Meter hohe, beinahe senkrechte Steilwand El Capitan im Yosemite-Nationalpark ohne Sicherung durchstieg. Der oscarprämierte Dokumentarfilm über dieses Husarenstück machte ihn zum globalen Kletterweltstar. Aber jetzt beginnt ein ganz neues Kapitel seines Lebens. Ehe. Kinder. Klettern. Free Solo. Wie geht sich das alles aus?
Familie
«Ich glaube, ich war auf jedes meiner Kletterabenteuer besser vorbereitet als auf mein Kind», sagt Honnold und lacht. «Vor einem Kletterprojekt lese ich tonnenweise Bücher, lerne, trainiere. Bücher über Kindererziehung habe ich noch kein einziges gelesen. Wir werden rausfinden, wie es geht, während wir es tun.» An ihrem ersten Hochzeitstag gaben Honnold und seine Frau Sanni McCand less-Honnold auf Instagram bekannt, dass sie im Februar 2022 eine Tochter erwarten. Kletterfans aus der ganzen Welt gratulierten den beiden unter
ihrem Posting, aber unter die Gratulationen mischten sich auch Zwischentöne. Fragen, Zweifel, was denn all das für den Kletterer Alex Honnold und seine einzigartige Karriere bedeuten würde. Honnold ist für viele der wichtigste Kletterer auf diesem Planeten, er ist das Gesicht eines Sports, der selbst in seinen entspanntesten Momenten kaum mehr als ein paar Millimeter Sicherheits abstand zum Tod gewinnt. Wie passt so ein Sport zur Rolle eines Familienvaters? Für einige seiner Fans gar nicht. Für Honnold selbst sehr wohl. Er hatte i mmer geplant, eine Familie zu gründen – un abhängig davon, was das für sein Klettern bedeuten würde.
«Ich war auf meine Kletter abenteuer besser vorbereitet als auf mein Kind.» THE RED BULLETIN
COURTESY OF ALEX HONNOLD
in ganz normales Wochenende im Hause Honnold. «Ist das dein Rucksack oder der von Jimmy?», fragt Alex Honnold im Vorbeihuschen. Ich bin mir kurz nicht sicher, wie ich darauf antworten soll. Jonathan Griffith, Honnolds Freund und Kameramann von Dokumentationen wie «Der Alpinist» und dem brandneuen «Alex Honnold: The Soloist VR», kommt mir zu Hilfe: «Jimmy Chin treibt sich irgendwo hier auf dem Grundstück her um.» (Chin ist Kletterer, Fotograf und Oscar-Gewinner; er war Regisseur des Honnold-Epos «Free Solo»; Anm.) Es ist ein milder Samstagvormittag im November, ich sitze gemütlich am Esstisch in Honnolds Haus in der Nähe von Las Vegas. Durch die Fensterfront bietet sich mir ein unglaublicher Ausblick auf leuchtendrote Sandsteinfelsen. Trotzdem interessiere ich mich mehr für das, was im Raum passiert. Es ist spannend, Honnold bei etwas so Banalem wie Aufräumen zu beobachten: Wenn er in seinem Wohnzimmer mit ein paar Handgriffen für Ordnung sorgt, macht er das mit der gleichen Präzision, mit der er auch tausend Meter hohe Felswände ohne Seilsicherung erklimmt. Hier sieht man, was Honnold ausmacht: Er ist keiner, der herumredet. Er macht die Dinge einfach. Honnold verräumt Chins Rucksack in der Küche, da stellt sich ihm das nächste Hindernis in den Weg: eine Babyspielmatte. Einen Augenblick hält er verdutzt inne, als würde er sich fragen, was erd farbene Babysachen in seinem Wohnzimmer zu suchen haben. Dann zuckt er mit den Schultern und verstaut das Ding im Schrank. Auf dem Weg zurück in die Küche hält er kurze inne, um einen ungefähr fünf Zentimeter dicken Stapel Fanpost durchzusehen. Die ganze Szenerie ist ein Muster beispiel für jene Effizienz, die Alex Honnold auszeichnet, jenen Mann, der seit 25 Jahren die unglaublichsten
ER HAT GUT LACHEN
Alex Honnold steht 2022 vor einem neuen Lebensabschnitt. Er wird erstmals Vater, und seine erste Virtual-RealityKletter-Doku erscheint.
ER WEISS, WAS ER TUT
Honnold im Juni 2017 bei seiner Free-SoloBesteigung von El Capitan im YosemiteNationalpark. Wenn er ohne Sicherung klettert, kann er jeden Griff auswendig.
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MEDICAL UNIVERSITY OF SOUTH CAROLINA
«Ich bin quasi auf alles vorbereitet», sagt er, nachdem er sich auf eines der zwei runden Sofas in seinem Wohn zimmer gesetzt hat. «Könnte sein, dass die Vaterschaft das Klettern für mich ver ändert. Könnte sein, dass sie es nicht tut. Ich gehe ja schon jetzt keine unnötigen Risiken ein.» Wie auf Stichwort unterbricht ein zaghaftes Klopfen die Unterhaltung. Honnold hebt seinen Blick zum Fenster hinter mir. Dort hält eine freundliche junge Frau ein glücklich brabbelndes Baby im Arm, das Spuckebläschen gluckst und mit den Beinchen strampelt. Als sie die Kameras im Raum sieht, duckt sich die Frau hinaus, Honnold entschul digt sich. «Tut mir leid, das ist meine Schwägerin. Sie wohnt mit ihrem drei Monate alten Baby im anderen Haus auf dem Grundstück», sagt er. «Das ist mein Übungsbaby.» Honnold fühlt sich mit dem Konzept von Familie und vor allem mit Kindern wohl. Was eigentlich keine Überraschung ist, wenn man seine eigene Kindheit bedenkt. Er wurde 1985 in Sacramento geboren, als jüngeres von zwei Kindern von Charles Honnold und Dierdre Wolow nick, typische Mittelschicht, beide Eltern waren Sprachlehrer an einer Volks hochschule in der Nähe; der Vater unter richtete Englisch als Zweitsprache, die Mutter Französisch. Die Familie war nicht perfekt, aber funktionierte. Seine
2016 scannte eine Forscherin Honnolds Gehirn. Ergebnis: Sein Angstzentrum blieb «cool». Eltern liessen sich scheiden, als Alex im ersten Studienjahr war. Wenig später starb der Vater an einem Herzinfarkt. Aber Honnold erinnert sich daran, wie stark er den familiären Halt als Kind spürte, und er wollte schon immer selbst eine Familie gründen. Alex zeigte schon früh, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Als kleiner Junge vertiefte er sich stundenlang in Problem lösungsspiele wie Lego; im Kindergarten alter begann er mit dem Klettern. Als Zehnjähriger hatte er sich voll und ganz dem Sport verschrieben, auch wenn er damals nicht der Beste darin war. «Ich habe es geliebt», erinnert er sich. «Ein fach draussen zu sein, das war immer schon ein wichtiger Teil meines Lebens.» Während er das sagt, deutet er aus dem Fenster auf die roten Felsen in der Ferne. «Bist du da schon einmal geklet tert?», fragt er und legt den Kopf schief. Ich gebe zu, dass mich Klettern nie wirk lich interessiert hat. «Da verpasst du wirklich was», sagt er mit einem breiten Grinsen. «Definitiv.»
So sieht Furchtlosigkeit aus: Die Hirn-Scans oben zeigen die Aktivitäten in der Amygdala, dem menschlichen Angstzentrum, beim Betrachten von furchterregenden Bildern. Während das Gehirn von Alex Honnold (li.) fast unbeeindruckt bleibt, brennt die Amygdala der Kontrollperson, ebenfalls ein Kletterer, bereits lichterloh. THE RED BULLETIN
Angst
Es kommt nicht oft vor, dass ein Zeitwort nach einer Person benannt wird, aber Honnold ist genau das passiert. 2008 kletterte er allein eine 22 Seillängen lange Route über die Nordwestwand des Half Dome im Yosemite-Nationalpark. Ein ikonisches Foto davon verbreitete sich im Internet: Honnold steht, roter Kapuzenpulli, schwarze Kletterhose, auf einem winzigen Felsvorsprung, Rücken und Fersen fest gegen die Wand gepresst; seine Zehen ragen fast über den Rand. Unter ihm klaffen 500 Meter Nichts. So entstand das Verb «honnolding», das so viel heisst wie mit dem Rücken zur Wand zu stehen, an einer unsicheren Stelle, und dem Abgrund und der Angst ins Gesicht zu schauen. Über die Jahre ist Honnolds Angst – oder viel mehr das offensichtliche Fehlen derselben – zu einem echten Thema ge worden. Die wenigsten von uns können sich vorstellen, Leistungen wie er zu vollbringen, ohne von lähmender Angst ergriffen zu werden. Als die Normal sterblichen, die wir sind, gibt es für uns also nur eine mögliche Erklärung: Honnold muss furchtlos sein, vielleicht genetisch bedingt? Vielleicht durch eine seltene Fehlbildung im Gehirn? Dieses Narrativ setzte sich so sehr durch, dass er sein Gehirn 2016 von der Neurowissen schaftlerin Jane Joseph untersuchen liess. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Amygdala, dem Angstzentrum im Ge hirn. Das Ergebnis war aufschlussreich, aber nicht überraschend: Es ist nahezu unmöglich, Honnolds Amygdala zu stimu lieren. Egal was Joseph ihm während der Untersuchung zeigte: Honnolds Angst zentrum blieb unbeeindruckt. So weit die wissenschaftlichen Daten. Alles andere ist reine Spekulation. Die Tatsache, dass es Alex Honnold F reude bereitet, senkrechte 1000-Meter-Anstiege im Alleingang und ungesichert zu klet tern, lässt darauf schliessen, dass seine Amygdala «cooler» sein könnte als die der meisten anderen. Fast die ganze Welt hat 2018 den Film «Free Solo» gesehen, in dem Honnold die Erstbegehung der Freerider-Route an El Capitan im Allein 47
Ausgerechnet in den Alpen geriet der Kletter-Titan an seine Grenzen. Angst spüren, Vater werden, Alpen bezwingen: Alex Honnold über seine bisher grössten Herausforderungen – einfach den QR-Code scannen.
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gang schaffte. Die meisten Leute würden so etwas nie in Betracht ziehen, selbst wenn sie über Honnolds Kletterfähig keiten verfügten. Honnold selbst streitet beharrlich ab, dass er furchtlos ist; er weiss, sagt er, sehr wohl, was es heisst, Angst zu haben. Er meint, dass er sich die Angst bis zu einem gewissen Grad abtrainiert hat. Be deutet das, dass er auch seine Amygdala trainiert hat? Schwer zu sagen – es gibt keine Vergleichsdaten aus der Zeit, bevor er mit dem Free Solo begonnen hat.
«Ich habe definitiv Angst wie andere auch. Und ich habe immer noch Angst vor dem Tod», sagt er. «Ich bin nur mit der Zeit unempfindlicher geworden und kann gut damit umgehen.» Unter «kann gut damit umgehen» versteht er wohl das, was er am besten kann: Ruhe bewahren, Selbstvertrauen ausstrahlen, Professionalität und vor allem Logik anwenden. Wir alle lesen von seinen waghalsigen Alleingängen, aber was wir nicht sehen, sind die Hunderte von Stunden, die er damit verbringt, THE RED BULLETIN
Klettern
Die neue Aufgabe: Kann man Familie und Free Solo kombinieren? gerüstet, was sowohl sein Equipment betraf wie auch sein Nervenkostüm. «Ich war echt nicht gut drauf», gesteht er. Der vorangehende Hojac musste umdrehen, um den Kletterweltstar zu retten. «Nico liess seinen Rucksack fallen und rannte den Kamm hinunter. Er gab mir seinen Pickel, stapfte dann gemütlich über die Platte zurück. Währenddessen klammerte ich mich mit jeder Hand an einem Pickel fest und kämpfte mich mühsam Meter um Meter vorwärts.»
Zukunft
GANZ OBEN
Alex Honnold 2017 am Ziel seiner Träume – am höchsten Punkt der legendären Felswand El Capitan
die Routen in der Vorbereitung mit Seil zu klettern, wieder und wieder. Wenn er sich dazu entschliesst, die Sicherung aufzugeben und ohne Seil zu klettern, hat Honnold bereits vollstes Vertrauen in seine Fähigkeit gefunden, die jeweilige Route zu klettern. Völlig ohne Zweifel. Bei den Dreharbeiten von «Alex Hon nold: The Soloist VR» im vergangenen Sommer lernte Honnold die andere Seite der Angstgrenze kennen, als er mit der Filmcrew und einer Gruppe anderer Klet terer in den französischen Alpen drehte. THE RED BULLETIN
Er ist Felskletterer, kein Bergsteiger. «Bergsteigen ist für mich Landschafts tourismus», sagt er. «Manche Leute machen Kreuzfahrten, um das Meer zu sehen. Ich ‹mache› hin und wieder Alpi nismus, um schöne Berge zu sehen.» Aber da stand Alex Honnold nun, mit Eispickel, Steigeisen und schweren Berg schuhen. Honnold bahnte sich seinen Weg über den Gebirgskamm und ver suchte, mit dem Schweizer Bergsteiger Nicolas Hojac mitzuhalten (siehe nächste Seite; Anm.). Er war nicht perfekt aus
Wenn es ein wiederkehrendes Thema in Alex Honnolds Leben gibt, dann ist es analytisches Denken. Das Entschlüsseln einer Lego-Konstruktion. Die Bewertung von Kletterrouten. Das Berechnen des Risikos einer Entscheidung. Wie analysiert er die Frage, welche Zukunft sich ergibt, wenn man seinen gefährlichen Beruf als weltbester FreeSolo-Kletterer mit der Liebe zu seiner Familie kombiniert? Nach stundenlangen Gesprächen ver stehe ich, dass selbst er nicht weiss, wo er in einem Jahr stehen wird. Aber er ist darauf vorbereitet, dass sich die Dinge ändern werden. «Ich muss nicht mehr ständig reisen und klettern. Ich habe viele Dinge, die ich tun wollte, schon getan», sagt er. «Jetzt habe ich eine Frau und bald auch ein Kind. Diese Dinge verdienen ein biss chen mehr Zeit.» Während ich meine Sachen wieder in meinen Rucksack packe, ruft Honnold Jon Griffith und mich zu sich ins Wohn zimmer, um ihm zu helfen. Wir haben im Laufe des Vormittags einige Möbel umgestellt. Er will sichergehen, dass sie zurück an ihren richtigen Platz kommen. «Kannst du mir helfen, die Couch zu bewegen?», fragt Honnold. «Es muss genau so aussehen wie heute Morgen, sonst bringt Sanni mich um.» Fast scheint ein wenig Angst in seiner Stimme mitzuschwingen, aber das bilde ich mir sicher nur ein. Instagram: @alexhonnold
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Klettern
Ikonen unter sich
Nicolas Hojac (links) und Alex Honnold pausieren an der Südseite der Kleinen Zinne in Italien.
Irgendwann kann er nicht mehr hin sehen. Nicolas Hojac sitzt auf einem Felsvorsprung der Kleinen Zinne in den Dolomiten in Italien und blickt auf die riesige Felswand, die neben ihm aufragt. Dort, etwa 200 Meter von Nicolas ent fernt, klettert Alex Honnold die «Gelbe Mauer» hinauf. Ohne Seil, ohne Siche rung, Free Solo. 290 Meter ist die Route lang. Und Nicolas wird die Anspannung beim Zusehen schliesslich zu viel. Er zückt sein Handy, scrollt durch News – Ablenkung. «Wenn man selbst kein Kletterer ist, ist es ziemlich beeindru ckend, was Alex macht», sagt Nicolas. «Doch wenn man genau weiss, was er da tut, ist es noch viel krasser.» 50
Einen Monat lang war Nicolas vorigen Sommer mit Alex Honnold in den Alpen unterwegs, um Filmaufnahmen zu machen, aus denen die Virtual-RealityDoku «The Soloist VR» entstand (siehe Kasten rechts). Dass er Alex dabei teil weise kaum zusehen konnte, erzählt viel über den unterschiedlichen Umgang mit dem Risiko, den die beiden pflegen. Dass er von Regisseur Jonathan Griffith als Alex’ Kletterpartner ausgewählt wurde, erzählt hingegen viel über den Status, den sich Nicolas erarbeitet hat. Der Schweizer, 29 Jahre alt, gilt als einer der besten Bergsteiger Europas und ist dabei, einer der ganz Grossen seines Sports zu werden. Mit 18 durchstieg er
die Eiger-Nordwand, mit 22 stellte er dort mit dem legendären Ueli Steck den Team-Speed-Rekord auf. Es folgten Ex peditionen nach China, Pakistan und Patagonien. 2017 bestieg er an einem Tag Jungfrau, Mönch und Eiger; 2020 er klomm er in 14 Stunden 18 Viertausender. Die Alpen kennt er in etwa so gut wie Alex Honnold seinen Campervan. Nicolas’ Job beim Dreh: «Ich sollte mit Alex die Routen vorklettern, die er später Free Solo absolvierte, und ihn im alpinen Gelände unterstützen.» Mit Steigeisen und Pickel ist Honnold nämlich selten unterwegs. Besonders zeigte sich das am schneebedeckten Kuffnergrat am Mont Maudit. «Alex meinte: ‹Das ist die schwierigste Alpinkletterei, die ich je gemacht habe.› Ich war überrascht: Für mich war es eine eher einfache Tour.» Wie war es, mit dem vielleicht welt besten Kletterer unterwegs zu sein? «Sehr spassig und vertrauensvoll. Wir haben schnell gut harmoniert.» Am im posantesten für Nicolas: Alex beim Free Solo. «Er ist so locker, aber konzentriert. Wenn du ihn beim Free Solo erlebst, ver stehst du besser, warum er sich das traut – trotzdem ist es beängstigend.» Für Nicolas ist so etwas keine Option. «Beim Speed-Bergsteigen bist du auch einmal ungesichert und darfst keinen fal schen Schritt machen. Aber das ist etwas anderes.» Nicht erst seit sein Freund und Mentor Ueli Steck 2017 am Nuptse im Himalaya, Nepal, tödlich verunglück te, hat Nicolas viel über Risiken nach gedacht. Seine Einstellung: Nur ein alter Alpinist ist auch ein guter Alpinist. Mehr als das Adrenalin reizt ihn am Klettern nämlich das Abenteuer: «Das ist es, was ich vor allem suche.» THE RED BULLETIN
NICOLAS HOJAC, RENAN OZTURK
Der Schweizer NICOLAS HOJAC, 29, kommt dem Olymp der Kletterer immer näher. Nun zeigte er Amerikas Free-Solo-Legende Alex Honnold eine neue Welt. Text ALEXANDER NEUMANN-DELBARRE
VR-Brille auf und klettern wie Honnold Der Film «The Soloist VR» zeigt Alex in der Wand dank Virtual Reality hautnah. Alex Honnold hat schon eine Menge Dokus übers Klettern gedreht, aber nun hat er das Thema aus einem ganz neuen Blickwinkel in Angriff genommen. Der neue Film «Alex Honnold: The Soloist VR» basiert auf einer Idee des Alpinfilmers Jonathan Griffith. Er taucht ein in Honnolds Welt des Freikletterns – spektakulär aufgenommen mit einer Virtual-Reality-Kamera. Ein Team von sechs Klet terern (darunter auch der Schweizer Red Bull-Athlet Nicolas Hojac) begleitete Alex Honnold auf Routen in Europa und den USA. Die Arbeit mit Virtual Reality war eine ganz neue Er fahrung für Honnold. «Ich hatte noch nie zuvor mit VR gedreht. Dieses Projekt war genau das Richtige für mich, denn es ist eine tolle Möglichkeit, Klettern auf eine völlig neue Art zu zeigen.»
Die Alpen kennt Hojac so gut wie Alex Honnold seinen Campervan. Kletterer Nicolas Hojac (vorn) an der Westwand der Aiguille du Midi in Chamonix, Frankreich
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Gedreht wurde in den ita lienischen Dolomiten, den französischen Alpen und in Kalifornien. Der Zuschauer kann sich entweder auf Honnold konzentrieren oder sich drehen, um etwa einen vorbeifliegenden Vogel zu beobachten oder die Felswand hinunterzuschauen, wo ein Kieselstein hunderte Meter fällt. «Alex Honnold: The Soloist VR» kann ab 3. März mit einem Oculus-Headset via Oculus VR Network erlebt werden. «Making The Soloist VR» zeigt das Abenteuer der Kletterer Nicolas Hojac und Alex Honnold: redbull.com
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Eishockey
DER HOCKEYHÄUPTLING Als NHL-Profi fand PATRICK FISCHER, 46, bei Amerikas Ureinwohnern aus einer tiefen Lebenskrise. Ihre Lehren über Glück und Teamwork nutzt er heute als Coach des Schweizer EishockeyNationalteams. Sein Ziel: endlich ein grosses Turnier gewinnen. Text MARIO FUCHS Fotos SANDRO BAEBLER
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THE RED BULLETIN
DEN TRAUM IM BLICK
Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer beim Fotoshooting für The Red Bulletin in seinem Haus in Sulz
Eishockey
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ine Böe fegt schwere Regentropfen vom Tal her an die Fensterscheiben. Die Bäume und das Tipi draussen im Garten wirken, als duckten sie sich aus Respekt vor dem Winter. Hier im luzernischen Sulz, einem 180-Einwohner-Dorf mitten in der Schweiz, wohnt der vielleicht wichtigste Mann im Schweizer Eishockey. Er sitzt in T‑Shirt, Blue Jeans und Sportsocken in einem beigen Stofffauteuil. Neben ihm steht ein Babyphone, Tochter Oceania schläft zwei Türen weiter. Der Mann schaut aus dem Fenster, hört dem Wetter zu und sagt: «Weisst du, was die Lakota sagen? Der Wind hat nicht das Ziel, dich umzubringen. Er will dich nur stärker machen.» Man ahnt: Fischer hat schon einige Stürme erlebt.
Der fatale Riss
10. Februar 2007, Bank Atlantic Center in Sunrise, Florida. In diesem Betonmonstrum zwischen Highway, Sumpf- und Industriegebiet, sitzen 15 300 Fans. Sie sind gekommen, um das Spiel der Florida Panthers gegen die Phoenix Coyotes zu erleben. Die USA sind, gemeinsam mit Kanada, das Land mit der besten Eishockeyliga der Welt. Und es ist der anerkannt beste Spieler, den es je gab, der Kanadier Wayne Gretzky, der Patrick Fischer bei den Olympischen Spielen in Turin 2006 entdeckt und zu den Coyotes holt. Ihn, den «Hertibueb» aus der Schweizer Kleinstadt Zug, aufgewachsen im Hertiquartier, einen Slapshot entfernt vom Hockeystadion des EV Zug. 54
Innere Leere
31 Jahre alt war er in jenem Februar 2007 im Hotel zimmer in Philadelphia. Und plötzlich habe er sich gefragt: «Was mache ich nun?» Und fügt hinzu: «Ich war einfach leer.» Doch für einen Rücktritt hätten ihm die Kraft und der Mut gefehlt. Er habe damals nichts gesehen, was an die Stelle des Hockeys hätte treten können. In monatelanger Therapiearbeit macht er sich in der Schweiz wieder fit und fliegt zurück nach Phoenix. Doch dort sagt man ihm, dass es in den guten Blöcken keinen Platz mehr für ihn gebe und er für die weniger guten zu gut sei. Er erhält ein 1-Million-Franken-An gebot aus Russland vom SKA Sankt Petersburg, nimmt es an, kommt kaum zu Einsätzen, löst den Vertrag nach zwei Monaten wieder auf. Er kehrt heim nach Zug, spielt mit dem EV Zug eine aufreibende Saison – und spürt noch deutlicher, «dass einfach etwas fehlte. Aber ich wusste nicht, was.» Bruder Marco schlägt im Frühling 2009 vor, mit ihm nach Peru zu reisen, um zwei Wochen unter den Indi genen des Shipibo-Stamms im Regenwald des Amazonas zu leben. In einem kleinen Holzboot erreicht die Gruppe das abgelegene Dorf. Einfache Holzhütten, einfache Schlafstätten, einfaches Leben. Doch die äussere Ruhe wiegt bald schwer: Sie verstärkt bloss Fischers innere Unruhe. Nach Jahren des Reisens, der Konzentration auf seine Form und das nächste Spiel, der Ablenkung THE RED BULLETIN
GETTY IMAGES
US-EXPORT
Profi Fischer 2006 im Dress der Phoenix Coyotes bei einem NHL-Spiel gegen die Anaheim Ducks
In der NHL ist das Feld kleiner als in Europa, das Spiel schneller. Fischer kommt gut mit, fünfmal wird seine Linie an diesem Abend eingewechselt. Dann passiert es: Fischer macht eine falsche Bewegung: Nach einer Grätsche fühlt sich sein Bein an, als sei es ihm abgeschnitten worden. Nur mit Hilfe der Teamärzte kann er aufstehen, gestützt von links und rechts, wird er vom Eis gebracht. Zweieinhalb Flugstunden später liegt er in Philadelphia in einer Klinik. Diagnose: Adduktorenmuskelabriss. Die Operation verläuft gut. Doch in Fischers Kopf dreht sich alles. Er weiss: Die Saison ist für ihn gelaufen. Ausgerechnet jetzt, hier, wo er seinen Traum erfüllen kann, für den er einen Sommer lang so hart trainiert hat wie noch nie, für den er sich gegen hunderte andere Spieler in der Vorbereitung durchgesetzt hat. Er unterschreibt ein Formular, mit dem er die Verantwortung für seine vorzeitige Entlassung aus dem Spital übernimmt. Checkt im erstbesten Hotel ein. Legt sich auf das Kingsize-Bett. Sein Blick ist leer von Erschöpfung, sein Körper erfüllt von Schmerzen. Die Einzigen, die ihm in diesem Moment beistehen, sind 17 Kissen und die Drinks aus der Minibar. Da denkt sich Fischer: «Ich habe all meine Ziele erreicht. Ich war in der NHL. Ab jetzt stresse ich nicht mehr.»
Eine einzige falsche Bewegung stellt Fischers Profi-Karriere in Frage. So beginnt seine spirituelle Reise. Patrick Fischer in seinem Wohnzimmer in Sulz. Hier schlägt er eine Trommel des Lakota-Stammes, dessen Mitglieder er immer wieder in den USA besucht.
Eishockey
WIE EIN ERFÜLLTES LEBEN GELINGT in Bars und Casinos ist es um ihn herum erstmals so still, dass er sich selbst ausgesetzt ist. Fischer überlegt, am nächsten Tag gleich wieder abzureisen. In seiner Verzweiflung vertraut er sich Horacio an, einem alten Shipibo. Der sagt lange nichts – und lacht dann herzlich. Es sind nicht Worte, die den Schweizer dazu bewegen, doch bei den Shipibo zu bleiben. Es ist ein Gefühl. «Horacio hat mir einfach Vertrauen geschenkt, durch seine Gelassenheit und Unbekümmertheit. Ich habe begriffen, dass ich keine Angst mehr haben muss.» Er lässt sich ein auf seine Unruhe. Hört in sich hinein und dem Urwald zu. In den Geräuschen, den Farben und den Tieren findet er eine neue Wahrheit: Seine Welt mag aus Eishockey bestehen – aber das ist nicht die ganze Welt. Zurück in Zug, sagt er dem Sportchef: «Ich gehe zu einer anderen Mannschaft. Ich gehe zu den Senioren.» An einem Samstag im September 2010 wird das Trikot mit der Rückennummer 21 unter die Stahlträger des Hallendachs gezogen. Kein Spieler des EVZ wird sie jemals wieder tragen dürfen.
Fischers Resonanz-Prinzip
Für Fischer war es ein Abgang zum perfekten Zeitpunkt, den so viele verpassen. Bloss: Ausser ihm hat das keiner verstanden. Sein Sportchef nicht, sein Coach nicht, die Medien schon gar nicht. Dass einer trotz anhaltender Topleistungen und eines Gehalts der Grössenordnung «sorgenlos» seinen Vertrag freiwillig vorzeitig auflöst, war für sie nicht nachzuvollziehen. Der hätte «sicher noch drei, vier weitere Jahre in der NLA spielen können», meinte ein Journalist in der grössten Schweizer Zeitung und rechnete Fischer bei der Gelegenheit vor, er habe damit gerade «einen siebenstelligen Betrag aus dem Fenster geschmissen». Fischer setzt sich ab ins Tessin, um bei seinem er wachsenen Sohn aus erster Ehe zu leben. Endlich hat er Zeit, über die er selbst bestimmen kann. Er liest viel, beginnt mit Yoga, befasst sich mit Spiritualität. Und spürt bald, dass er deswegen nicht alles, was mit dem Eishockey zu tun hat, wegwerfen muss. «Ich wusste, ich will mit Menschen zusammen sein, mit harmonischer Energie arbeiten.» Ein «Heranpirschen» sei es gewesen, ein Prozess, den er ohne die Reise nach Peru nicht hätte anstossen können. «Die Shipibo wissen etwas, was wir verloren haben: In unserer Tiefe stecken die Schlüssel.» Sie hätten ihm das Gefühl zurückgegeben, in sich ver trauen zu dürfen. «Es kommt gut, solange ich mit mei nem Herzen und der Natur im Einklang bin.» Dazu ge höre auch, Trauer und Enttäuschung zuzulassen. Und dann weiterzumachen. Fischer nennt es das «Resonanz prinzip»: «Wenn du nur jammerst, schaffst du eine Situa tion, in der du weiterjammerst.» 56
Fünf Leitsätze der Ureinwohner Amerikas und wie Patrick Fischer sie im Alltag anwendet. «BEHANDLE DIE ERDE UND ALLES, WAS AUF IHR LEBT, MIT RESPEKT.» Das umfasst Tiere, Menschen, aber auch die Natur, Bäume, Pflanzen – für mich ist da ein Geist dahinter, das sollten wir respektieren. Wenn man zum Beispiel in den Wald geht, sollte man ihn und die Bäume begrüssen. Das ist ihr Zuhause. Ich frage sie, ob ich hineinkommen darf. So baut man eine Verbindung und eine Beziehung auf.
«SEI EHRLICH UND WAHRHEITSLIEBEND ZU JEDER ZEIT.» Manchmal ist Ehrlichkeit unangenehm. Aber ich wünsche mir, dass, wenn ich einmal nicht mehr bin, die Menschen sagen: «Ich habe Patrick etwas gefragt, und es ist eine ehrliche Antwort gekommen.» Der Mensch wächst, wenn er ehrlich ist. Natürlich macht auch der Ton die Musik. Aber wenn ich gefragt werde, wie etwas war, und ich sage, dass alles gut war, und dabei nicht ehrlich bin, habe ich ein schlechtes Gefühl, weil ich nicht ehrlich war. Und der andere kommt auch nicht weiter. Deshalb: Haben wir den Mut, ehrlich zu sein.
Patrick Fischer als Reiter in den Black Hills, South Dakota, 2018
THE RED BULLETIN
Mit der Natur im Einklang: Immer wieder kehrt Patrick Fischer an seine Kraftorte zurück – hier im Urubamba-Tal, dem Heiligen Tal der Inkas, Peru, 2017.
«ARBEITE GEMEINSAM ZUM WOHLE DER GESAMTEN MENSCHHEIT.» Wir haben nur den einen Planeten, wir sind hier zusammen im selben Boot und sollten vom egoistischen Ich-Denken wegkommen. Das Ziel muss sein, dass es uns allen und auch der nächsten Generation gut geht – damit diejenigen, die nach uns kommen, einen gesunden Planeten vorfinden. Also versuche ich, die Leute darauf aufmerksam zu machen, was es heisst, im Einklang mit sich selbst, mit der Natur und dem Planeten zu sein. Ein Ziel für die Zukunft könnte sein, eine «Biokratie» zu bilden – eine hypothetische Regierungsform, in der alles Leben mit bestimmen kann. Die Natur ist das höchste Gesetz und nicht wir Menschen. Das versuche ich in meinem Umfeld zu verbreiten, damit sich jeder noch bewusster durch unsere Welt bewegt.
PATRICK FISCHER
«HILF UND SEI GÜTIG, WO IMMER DIES GEBRAUCHT WIRD.» Ich probiere, immer mehr zu verinnerlichen, mehr und mehr zu geben und zu helfen, wo dies möglich ist. Egal wo, sei es auf der Strasse, wo jemand ein Problem hat, oder an der Kasse im Supermarkt. Wenn man merkt, dass jemand Unterstützung braucht, sollte man bereit sein, einzugreifen. Das Schöne ist: Irgendwann einmal kommt das zurück. Daher ist es für beide Seiten gut: wenn man helfen kann – und auch wenn man selbst einmal Hilfe braucht.
THE RED BULLETIN
Mit Partnerin Mädy auf dem Amazonas nahe Pucallpa in Peru
«VERWENDE EINEN TEIL DEINER ANSTRENGUNG FÜR DAS HÖHERE GUTE.» Alles, was man erreicht hat, sollte man auch für höhere Ziele investieren. Wir betreiben diverse Projekte im Hintergrund, deren Einnahmen zum Teil einer Stiftung zugutekommen, die sich unter a nderem mit der Zukunft von Kindern und den folgenden Generationen beschäftigt. Das ist mir wichtig – man sollte jedenfalls über den Tellerrand hinausdenken.
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«Ich spüre, dass ich planetarisch noch mehr mithelfen will.» Neben seiner Sportkarriere widmet sich Fischer Umweltprojekten in Peru und Costa Rica.
Eishockey
Es war diese Einstellung, die die Verantwortlichen der Swiss Ice Hockey Federation 2015 davon überzeugte, den Hertibueb trotz grosser Kritik zum Cheftrainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft zu machen. Im Dschungel des Amazonas hatte Fischer erkannt, wie sehr die westliche Leistungsgesellschaft mit negativem Druck arbeitet. Deshalb bringt er seinen Spielern als Erstes bei, dass es das Vertrauen in und der Glaube an sich selbst sind, mit denen man wirklich wächst. Für jeden Einzelnen im Team lässt er ein Persönlichkeits profil erstellen. Was können sie gut? Was motiviert sie? Was macht sie schwach? «Information is power», sagt Fischer. Nach einem Sieg analysiert er das Spiel länger als nach einer Niederlage. «Wenn du weisst, worin du richtig gut bist, bringt dir das mehr, als wenn du dich tagelang mit dem aufhältst, was nicht funktioniert hat.» Wenn ein Nationalcoach in der Schweiz so etwas sagt, ist ihm bewusst, dass das auch als arrogant aufgefasst werden kann. Der Patrick Fischer von früher hätte sich davon verunsichern lassen. Der von heute nimmt es zur Kenntnis – und lässt sich nicht davon ablenken. Er liest wenig Zeitung, den Fernseher schaltet er eigentlich nur für Hockeyspiele ein, Bücher kauft er nur, wenn sie ihm von engen Vertrauten empfohlen werden. «Der heutige Infoüberfluss bringt Unruhe in mein System. Das brauche ich nicht.» Die Verbindung zur Natur findet er während des täglichen Spaziergangs in den Wald, der unmittelbar hinter seinem Haus beginnt.
Kampf für den Planeten
Die Natur ist seine «Kirche» geworden, wie er selbst sagt – und gleichzeitig seine grösste Sorge. «Wir drängen den Planeten echt an seine Grenzen. Mit abgeholzten Regenwäldern und leergefischten Meeren können wir nicht leben. Wir müssen eine Vollbremsung hinlegen!» Das beginnt für ihn mit dem Elektroauto, das vor dem Haus steht, geht weiter mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach und hört bei der nachhaltigen Heizung im Keller noch lange nicht auf. Er wolle auch in seinem Umfeld mehr Bewusstsein schaffen dafür, dass man ganzheitlich denken müsse. «Wenn Menschen etwas erreichen wollen, achten sie immer darauf, eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten zu erreichen. Richtig wäre, wenn dabei auch die Natur gewinnen würde.» Damit hadere er zurzeit sehr. «Auch die Indigenen werden in die Ecke getrieben. Dabei haben sie uns so viel zu erzählen.» Wann immer es ihm möglich ist, reist Patrick Fischer nach Süd- und Nordamerika. Unter den Lakota in South Dakota hat er Freunde gefunden. In Peru und Costa Rica hat er mit seinem Bruder Marco Land gekauft und Zen tren gegründet, um die Natur und die Bevölkerung, die THE RED BULLETIN
UMWELTFREUNDLICH-SPORTLICH UNTERWEGS
Patrick Fischer schliesst in der Garage seinen vollelektrischen Ford Mustang an das Ladekabel an.
sich für sie einsetzt, zu schützen. In Costa Rica hat er gemeinsam mit seinem Bruder und Freunden die Saladero Eco Lodge gekauft – einen Rückzugsort, an dem nachhaltiger Tourismus gepflegt wird: Der Strom stammt aus Solarenergie, Früchte und Gemüse werden vor Ort angepflanzt, und die Einheimischen, die dort arbeiten, bekommen Kokosnüsse, die auf dem Anwesen wachsen, geschenkt, um daraus Kokosnussöl zu machen. Den Gästen bietet die Eco Lodge ein Natur- und Dschungel erlebnis mit gutem Gewissen. Es ist sein nächstes Heranpirschen: «Ich spüre, dass ich planetarisch noch viel mehr mithelfen will.»
Bereit für die Mission Gold
Aber vorerst hat Patrick Fischer noch eine andere Mis sion zu erfüllen: die Mission Gold. Bis jetzt gibt es kein Schweizer Nationalteam, das bei den Erwachsenen ein grosses Turnier gewinnen konnte. Fischer ist überzeugt, dass die Schweiz das Potenzial hat, um irgendwann Gold zu holen. «Ich habe den besten Staff, den ich mir vorstellen kann. Ich habe sensationelle Spieler, und wir haben Fans, die mit einer unglaublichen Kraft hinter uns stehen.» Dann knirscht es aus dem Babyphone. Tochter Oceania ist aufgewacht. Der Papa steht auf, geht ins Nebenzimmer, kommt mit einem verschlafenen Gesicht in einem Lammfell auf dem Arm zurück. Er blickt aus dem Fenster, der Regen prasselt noch immer an die Scheiben. Und dann sagt er, als Spieler habe er sich all seine Träume erfüllt. Deshalb habe er auch das Vertrauen, dass er sich und der Schweiz diesen Traum erfüllen könne. «Wir arbeiten hart dafür und haben die Überzeugung, dieses Ziel eines Tages zu erreichen.»
«Game Time – Zwei Welten. Ein Weg.» Unter diesem Titel erzählt Patrick Fischer seine Lebensgeschichte. Aufgezeichnet von Doris Büchel, erschienen im Wörterseh Verlag. Bestellungen: woerterseh.ch
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Longboard Dance
DAS ROLLMODEL
Vor neun Jahren war MARINA CORREIA, 23, eine schüchterne Migrantin in Nizza: mit dunkler Hautfarbe und brüchigem Französisch. Dann entdeckte sie das Longboard. Heute ist sie Weltmeisterin im Longboard Dance. Und rollt über Vorurteile einfach drüber. Text MARIE-MAXIME DRICOT
Fotos LITTLE SHAO
ROLLBAHN NIZZA
Marina auf ihrem liebsten Spielplatz an den Stränden von Nizza – hier zwischen Promenade des Anglais und Hafen, am sogenannten Hashtag-Platz.
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Longboard Dance
M
arina Correia war siebzehn, als sie zum ersten Mal in ihrem Leben ein Longboard sah. Sie weiss noch genau, was sie dachte: «Das ist ja superlang, viel länger als ein Skateboard. Wofür ist das denn gut?» Die Länge diene einfach dem schnelleren und stabileren Fahren, sagte man ihr. Sie erinnert sich auch noch, dass sie dachte, das ist ja nicht normal, dass man mit so einem Ding einfach nur herumfährt. Seither hat sie die Faszination für das Sportgerät nicht mehr verlassen. In ihrer südfranzösischen Heimatstadt Nizza be gann sie zu üben, an der berühmten Pro menade des Anglais, entlang der Opéra Plage, des ältesten Strands der Stadt. Jeden Tag, das ganze Jahr über seit 2015, stundenlang, und die Polizisten waren so freundlich, ein Auge zuzudrücken. Heute, sechs Jahre später, ist Marina Weltmeisterin. Sie hat den Titel 2020 in der Disziplin «Freestyle Longboard Dancing» gewonnen, als erste schwarze Frau überhaupt. Der Wettbewerb wurde in diesem Jahr online abgehalten, gegen tausende Konkurrentinnen, die sich zu nächst via Instagram bewarben. Die von einer Jury ausgewählten Finalteilneh merinnen mussten dann noch ein Video nachliefern: mit einer «Line», einer Kür ihrer Kunst mit einer Abfolge von Figuren, Tanzschritten und Tricks über eine Mi nute. Dreimal fragte die Jury bei Correia nach: ob sie nicht vielleicht die Video geschwindigkeit verändert habe? «Ich musste ihnen erklären, dass ich einfach nur sehr schnell gefahren bin», erzählt die Weltmeisterin heute lachend. 62
THE RED BULLETIN
«Ich habe mein Board immer als ein menschliches Wesen gesehen.» Weltmeisterin Marina Correia über das Naheverhältnis zu ihrem Sportgerät
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Achtung, Suchtgefahr!
Beim Freestyle Longboard Dancing geht es um spielerische Tanzschritte auf dem Board, möglichst elegante und flüssige Fortbewegung; mit ein paar Tricks – Wheelies, Big Spins, Hippie Jumps etc. – zwischendurch, aber nicht zu vielen. Longboard Dancing entwickelte sich ur sprünglich aus dem Surfsport und hat durchaus das Zeug dazu, Menschen, die darauf reinkippen, süchtig zu machen. Für Marina Correia war es das perfekte Werkzeug, um sich daran aufzurichten. Mit vierzehn war sie mit Mutter und Schwester von den Kapverdischen Inseln gekommen. Die liegen im Atlantischen 64
Ozean, 570 Kilometer vor Westafrika. Damals hatte sie nicht unbedingt er mutigende Voraussetzungen: «Ich war aufgrund der kulturellen Unterschiede und der Sprache ein bisschen verloren», sagt sie heute. Eine sehr höfliche Um schreibung für die wahren Verhältnisse. Denn das Mädchen mit brasilianischen
«Ich hatte null Selbstvertrauen. Dann rollte ich los.»
und kapverdischen Wurzeln hatte eine andere Hautfarbe als die Mehrheit, sie trug einen Afro und sprach nur wenig Französisch mit einem schrecklichen Akzent. Darüber hinaus machte ihr, der Inselbewohnerin, der Trubel des Stadt lebens von Nizza zu schaffen. «Als ich hier ankam», erzählt sie, «hatte ich null Selbstbewusstsein. Ich konnte spüren, wie man mich ansah, wegen meiner Hautfarbe und meiner Haare.» Anfangs verhielt sie sich in der Schule sehr schweigsam, aus Angst, ausgelacht zu werden – eine Erfahrung, die sie im Grunde bis heute prägt. Kontakt zu ande ren suchte sie im Sport. Zuerst mit Fuss THE RED BULLETIN
Longboard Dance
ball (wo man sie wegen ihrer dürftigen Französischkenntnisse ablehnte), in der Folge beim Taekwondo. Dann erst kam das Brett, das ihr nun die Welt bedeutet. «Es war», erinnert sie sich, «das erste Ding, das mich zum Lächeln brachte, das mir Freude schenkte. Damit fühle ich mich frei.» Und sie fügt hinzu: «Alles, was ich will, ist, weiter zu lernen und noch besser zu werden.» Und offensichtlich kam zu diesem Wil len auch noch Talent, denn nur ein Jahr nachdem Marina zum ersten Mal auf einem Longboard gestanden war, bekam sie bereits einen Sponsorvertrag von der kalifornischen Marke Sector 9, einem der bekanntesten Hersteller der Szene. Sie hatte es geschafft, einen ganz eigenen Fahrstil zu entwickeln. Sie selbst be zeichnet ihn mit einer Mischung aus ge sundem Selbstbewusstsein und Stolz als «einzigartig»: unisex, wild, schnell und elegant. «Ich brauche von niemandem Bestätigung und versuche auch nicht, irgendjemanden zu beeindrucken», be schreibt sie ihren persönlichen Zugang zum Sport. «Ich skate für mich selbst. Mein Stil ist wild, ich mag das Risiko. Es ist mir egal, ob ich mir blaue Flecken oder einen gebrochenen Finger hole, so lange ich Spass habe. Für mich liegt die Freude in der Herausforderung.»
Geteiltes Glück verdoppelt sich
HOCH HINAUS
Marina Correia zeigt uns einen Hippie Jump. «Es ist mir egal, ob ich mir blaue Flecken hole, solange ich Spass habe», sagt sie.
THE RED BULLETIN
Mit dem schüchternen Mädchen, das sie vor neun Jahren war, hat die humorvolle und selbstbewusste junge Frau von heute so gut wie nichts gemeinsam. Jetzt will sie das Glück, das ihr zuteilwurde, an andere weitergeben. Seit einiger Zeit gibt die Sprachstudentin (Englisch, Portu giesisch, Spanisch) an der Promenade des Anglais Unterricht im Longboard Dancing, ihre Schüler sind zwischen ganz jung und spät berufen. Eines eint alle, sagt Marina Correia: «Sobald sie ein wenig Vertrauen in das Board und ihre Fähigkeiten haben, läuft alles wie ge schmiert, das ist faszinierend.» Extra erwähnt sie Louise, eine Achtjährige voller Tatendrang. «Wenn die so weiter macht», sagt die Weltmeisterin, «ist sie in ein paar Jahren besser als ich.» Demnächst will sie einmal auf die Kapverdischen Inseln fahren, ihre ehe malige Heimat, und den Menschen dort
«Ich skate für mich selbst. Mein Stil ist wild, ich mag das Risiko» ihren Lieblingssport näherbringen. Sie möchte ein Vorbild für junge Menschen sein, ein Role-, pardon, Roll-Model für junge, vielleicht farbige Menschen, die erst nach dem richtigen Weg im Leben suchen. Ein Vorbild, das sie selbst nie mals hatte. Aus diesem Grund hat sie 2017 auch eine Art «girls skate out»-Initiative ins Leben gerufen, weil sie der Ansicht ist, dass Frauen in der Szene noch immer unterrepräsentiert sind. Und auch des halb, weil ihr das bisher vorherrschende Frauenbild in der Skaterszene gegen den Strich geht. «Viel zu lang war es von sexualisierten weissen Schönheiten ge prägt», sagt sie. «Das will ich ändern.» Marina Correia hat gelernt, zu sich zu stehen – egal was andere denken. Das ist, was sie betrifft, bestimmt keine leichte Übung. Sie ist, wie sie selbst sagt: schwarz, lesbisch, stark und verletzlich zugleich. Und sie gehört zu den besten Longboard Dancer der Welt. Nach dem WM-Titel 2020 wurde sie 2021 VizeWeltmeisterin, hinter Landsfrau Antonine Champetier. Zu ihrem Longboard hat sie inzwi schen eine ganz eigene Beziehung: «Ich habe mein Board immer als ein mensch liches Wesen gesehen», erklärt sie. «Das klingt vielleicht verrückt, aber ich hänge eben sehr daran.» Und so kriegt Probleme, wer immer sich ihm unangemessen nähert. «Das ist nicht einfach nur ein Gegenstand, es ist ein Teil von mir. Wenn du das unerlaubt angreifst, ist es, als würdest du meine Intimzone verletzen. Wenn du mein Board berührst, bist du tot!» Und irgendwie klingt das nicht nach einer leeren Drohung. QR-Code scannen und Weltmeisterin Marina Correia in unserem exklusiven Video beim LongboardDancing zuschauen.
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Nightlife
Die Macht der Nacht Street-Partys, Champagner-Duschen, 15 Millionen Menschen: Der nigerianische Fotograf ANDREW ESIEBO dokumentiert seit neun Jahren das vibrierende Nachtleben seiner Heimat Lagos. Ein Insider-Report aus der Welthauptstadt des Afrobeat. Text und Fotos ANDREW ESIEBO
SEHEN UND GESEHEN WERDEN
«Diese Frau ist mir auf einer Party im Lagos-IslandViertel aufgefallen. Gegen Ende jedes Jahres ver anstalten die Einwohner dort Block-Partys, auf denen ziemlich laut Rockmusik gespielt wird. Die Stimmung ist immer energiegeladen, weil sich jeder seinen Platz in der Masse erkämpfen will. Normalerweise versuche ich, für meine Fotomotive unsichtbar zu sein, aber diese Frau wollte gesehen werden, auch wenn sie Augenkontakt vermied.»
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Nightlife
«Ich will von Nigerias lebendiger Kultur erzählen»
Andrew Esiebo, 43, heute ein international angesehener Fotograf, stammt aus Lagos und lernte sein Handwerk, als er vor mehr als zwanzig Jahren damit anfing, Menschen in seinem Wohnviertel auf Film festzuhalten. «Lagos ist berüch tigt für Kriminalität», sagt Esiebo. «Geschichten über Lagos behandeln immer dieses Thema. Selten erzählen internatio nale Medien über die lebendige Kultur und das Nachtleben.» Esiebo begann die Partyszene 2013 zu dokumentieren. «Ich wurde auf die Kraft von DJs und Afrobeat aufmerksam», sagt er. «Mit dem Wechsel zur Demokratie (1999, nach Jahrzehnten einer Militärdiktatur; Anm.) boomte die Wirtschaft, und die Leute hatten mehr Geld. Ein Weg, den neuen Wohlstand auszudrücken, waren Partys.» Esiebos Fotos zeigen auch die rasante Entwicklung der nigerianischen Gesellschaft. «Es gibt eine wachsende Mittelklasse, wenngleich das Streben nach mehr Lebensqualität zu grosser Ungleichheit geführt hat. Aber alle wollen das Gleiche. Sogar Typen ohne Geld wollen Champagner trinken.» Die Coronapandemie hat die Party szene in Lagos viel weniger getroffen, als man annehmen möchte. «Klar, so lebendig ist das Nachtleben nicht mehr wie vor 2020. Aber zum Erliegen gekommen ist es keineswegs.»
SCHAMPUS FÜR ALLE!
«Wir trinken ziemlich viel Cham pagner hier in Nigeria. 2016 war Lagos nach Paris die Stadt mit dem zweithöchsten Konsum weltweit. Bei Partys gibt es Menschen, die sich bis zum Schluss an einer Schampusflasche festhalten, auch wenn sie längst leer ist. Den Typ auf dem Foto rechts habe ich in Ikeja fotografiert – das ist nicht wirklich ein armes Viertel, es zählt aber auch nicht zu den reichsten Gegenden. Je teurer der Schampus ist, den du kaufst, desto besser ist der Platz, den du im VIP-Bereich bekommst. Ich habe heraus gefunden, dass die Leute eher bei Arbeiter- und Mittelklasse-Festen zu so einem Verhalten neigen, weil sie sich auf diese Art aufwerten. Sie wollen wie die grossen Jungs sein. Bei den Reichen hingegen wird bei weitem nicht so viel getrunken.»
Mehr Reportagen aus Afrika: andrewesiebo.com
DRAUSSEN VOR DER TÜR
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BAPTISTE DE VILLE D’AVRAY
«Das ist der Eingang zum Club und Restaurant Spice Route in der wohlhabenden Gegend von Victoria Island. Ich habe dieses Foto gemacht, weil ich die Tür mochte – ihr Ethno-Design zeigt die in Lagos gängige Ästhetik. Ausserdem wollte ich die Tür steher im Bild festhalten. Früher gab es sie nur in gehobenen Clubs, aber jetzt sind Türkontrollen fast überall zu finden. Sie sind typisch für die Partys der Stadt.» THE RED BULLETIN
FRAUEN EROBERN EINE MACHO-ZONE
«Einmal im Jahr findet Jimmy’s Jump Off statt – ein Fest, das die nigerianische Hip-Hop-Szene feiert. Bevor das Genre Afrobeat explodierte, waren Reggae und Hip-Hop die beliebtesten Musikstile hier, und zu dieser Zeit hat sich DJ Jimmy Jatt einen Namen gemacht. Jetzt führt er den Spirit mit dieser Party fort. Dieses Foto zeigt DJ Nana. Das ist mir wichtig, weil die DJ-Szene in Nigeria ein ziemliches Macho-Ding ist; da gibt es kaum Frauen – von den Top-DJs sind nicht mehr als vier oder fünf weiblich. Ich wollte zeigen, dass Frauen jetzt diese Domäne erobern.»
Nightlife
DIE WÜRZE DES LEBENS
«Diese Buddha-Statue steht im Mittelpunkt des Spice Route Asian Restaurant and Bar auf Victoria Island, einem wohlhabenden Viertel von Lagos. Die Attraktion dieses Abends war allerdings nicht asiatische Kontemplation, sondern DJ Obi, einer der berühmteren seiner Profession in Nigeria, links oben im Bild. Obinna Levi Ajuonuma, wie der heute 36-Jährige mit bürgerlichem Namen heisst, hat in den USA studiert und wurde bei den Nigeria Entertainment Awards 2011 zum besten DJ der Welt gekürt.»
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EIN FAST ECHTES VERSACE-OUTFIT
«Dieses Foto illustriert den Traum vom sozialen Aufstieg. Das T-Shirt des Mannes schaut irgendwie nach Versace aus, aber man kann es auf den ersten Blick als Fake erkennen. Obwohl: Er trägt es mit Selbstbewusstsein. Einerseits lieben die Leute Versace, aber es ist zu teuer. Also bleibt ihnen nichts anderes übrig, als zu Kopien zu greifen. Andererseits verkünden Blick und Körpersprache, dass er das T-Shirt mit einem Stolz trägt, als wäre es echt.»
RAUCHZEICHEN AUS AMERIKA
«Zigarren sind auf den Strassen von Lagos nicht wirklich verbreitet, aber die Leute rauchen sie, weil sie nach dem streben, was sie im Fernsehen und bei Hip-Hop-Idolen sehen. Wenn Stars wie Jay-Z und andere Zigarren paffen, dann wollen es ihnen in Lagos alle nachmachen. Für mich erzählt dieses Bild deshalb nicht nur vom Konsum auf Partys, s ondern auch davon, wie sich die Leute sozial neu erfinden.»
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PARTY-FIEBER AUF DER INSEL
«Dieses Foto entstand auf Ilashe Island – einer Gegend, die berühmt ist für ihre Strandhäuser. Luxusmarken sponsern hier High-End-Partys, in diesem Fall ein Cognac-Fabrikant. Das Event hiess ‹All White Privilege Party›. Der Dresscode lautete: ganz in Weiss. Es war mit Sicherheit keine Veranstaltung für arme Leute. Ich wollte die Tanzenden porträtieren und die Spannungen zwischen ihnen zeigen.» 74
Nightlife
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Nightlife
PARTYSANEN
«Diese beiden Frauen auf der ‹Jimmy’s Jump Off›-Party waren Zwil linge, und es sah aus, als trügen sie eine Party-Uniform. Das gleiche Outfit, die High Heels – ihr Stil war einzigartig. Die Leute in Lagos lieben es, sich so zu kleiden, mit kräf tigen Farben und auf fälligen Accessoires, aber ich habe noch nie zwei von der völlig gleichen Sorte neben einander gesehen.»
HOCHZEITEN IM GELDREGEN
«Ich mache normalerweise keine Hochzeitsfotos, aber ich wollte diesen Bereich für mein Projekt erforschen. Nigerianische Hochzeiten sind riesig und super überdrüber, und was wir auf dem Bild oben sehen, ist ein gutes Beispiel dafür. Es zeigt, wie die Gäste mit Musik und Tanz in Ekstase geraten. Sie tragen traditionelle nigerianische Kleidung, wie es bei Hochzeiten und in der Kirche üblich ist. Einige Unternehmen lassen so was an Freitagen auch im Büro zu. Freitag ist der Tag, um kulturelle Identitäten zu zeigen.» «Bei Hochzeitsfesten in Nigeria ist es Brauch, grosse Mengen Papiergeld über die gesamte Tanzfläche zu verstreuen (Foto unten). Damit wollen die Menschen ihren Reichtum ausdrücken. Jeder, der zu einer Hoch zeit eingeladen ist, kann das tun. Ärgerlicherweise versucht die Regierung gerade, das gesetzlich zu ver bieten – sie behauptet, das würde die Währung entwerten. Dieses Foto zeigt einen kleinen Ausschnitt des sen, was auf Hochzeiten im ganzen Land geschieht. Manchmal ist die ganze Tanzfläche mit Geld bedeckt.» THE RED BULLETIN
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GUIDE Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen
ADOBE STOCK
ACHTUNG, HEISS!
Die deutsche Globe trotterin Ulla Lohmann bittet zur Fotosafari auf die Vulkane Ätna und Stromboli. 79
GUIDE Reisen
«Im Bauch von Mutter Erde fühlst du dich winzig klein. Du weisst: Du bist am Ursprung von allem.» Ulla Lohmann, Reise-Guide und Fotografin, erzählt hier über die Magie von Vulkanen.
V
ulkane haben mich schon immer fasziniert. Mit 18 Jahren habe ich in Deutschland beim Wettbewerb «Jugend forscht» gewonnen. Das Preisgeld habe ich in eine Weltreise investiert. So stand ich eines Tages mit meinem Rucksack auf Vanuatu im Südpazifik und habe in einen Krater reingeguckt. Der Lavasee des Vulkans war zwar beeindruckend, aber ziemlich klein. Dennoch war ich gefesselt. Die Leidenschaft für Vulkane hatte mich gepackt und hat mich seither nicht wieder losgelassen. Jeder Vulkan hat seinen eigenen Cha rakter, finde ich. Nehmen wir den Ätna. Er erinnert mich an eine nervöse Frau – immer knapp am Ausbruch: Sie geht kurz in die Luft, und dann ist wieder alles okay, bis sie das nächste Mal überkocht. Gleich nebenan findet sich das exakte G egenteil: Der Stromboli ist für mich wie ein älterer Herr, der verlässlich sein Ding macht und gemütlich vor sich hin spuckt. Dass sich diese beiden so unterschiedlichen Vulkane in unmittelbarer Nähe voneinander be finden, macht eine Fotosafari nach Sizilien und zum Stromboli so interessant.
Lavastrom am Stromboli: Das flüssige Gestein fliesst über die Sciara del Fuoco («Feuerrutsche») ins Meer.
Wo die Lava brodelt Ich fotografiere nun schon seit über zwei Jahrzehnten. Ich habe zwar Geografie studiert, meine Leidenschaft war aber stets die Fotografie, das Abenteuerleben. Ich sehe mich als Geschichtenerzählerin, und eines meiner Werkzeuge dafür ist die 80
Das Schiff verbindet die Inseln auf dieser Reise: Sizilien, Stromboli und Vulcano (im Bild) THE RED BULLETIN
Gran Cratere auf Vulcano (li.): Sizilien und die Liparischen Inseln sind von Vulkanen geprägt.
Anreise Mit Flugzeug, Zug oder Auto; vor Ort ist man auf Fähren und Schiffe angewiesen. Sowohl Ätna als auch Stromboli liegen im Süden Italiens. Stromboli ist eine kleine Insel, die Sizilien vor gelagert ist. Über Catania und den Hafen von Milaz zo erreicht man sie per Fähre. Auf den Gipfel des Vulkans führen mehrere Wege. Ulla Lohmann empfiehlt die malerische Ginostra-Route.
ULLA LOHMANN (2), ADOBE STOCK (2) WERNER JESSNER
Der Ätna ist vergleichsweise einfach zu be steigen, ist der untere Teil doch per Seilbahn erschlossen: Die Funivia
Kamera. Ich bin immer unterwegs. Um mir meine Reisen finanzieren zu können, habe ich einst auf einem Schiff als Köchin angeheuert. Auf diese Art habe ich die Welt bereist, und das mache ich bis heute. Gemeinsam mit meinem Mann halte ich übrigens auch den Weltrekord für das tiefste Abseilen in einen aktiven Vulkan: 600 Meter! Das war ein sehr intensiver Moment in meinem Leben. Man fühlt sich tatsächlich wie im Inneren der Erde. Das ist im ersten Moment gar nicht so schön, aber irrsinnig intensiv. Es gibt so viele Sinneseindrücke: Die Erde bebt; die Gase stechen in der Nase; der Lavasee brodelt und ist wahnsinnig laut. Ganz oben siehst du ein winziges Loch – das ist der blaue Himmel, und er ist so weit weg. Hier u nten, im Bauch von Mutter Erde, fühlst du dich THE RED BULLETIN
Italien
Rom
dell’Etna bringt Passa giere bis auf 2504 Meter Höhe. Der Gipfel selbst liegt auf 3357 Metern. Ganz Bequeme lassen sich mit Allradbussen bis auf rund 3000 Meter chauffieren. Mit Ulla Lohmann auf Ätna und Stromboli: destination.redbull.com
Stromboli Vulcano Ätna SIZILIEN
Catania
Gut zu wissen
Ausbruch am Ätna: Der Vulkan hat die Seele einer nervösen Frau, sagt Ulla Lohmann.
Der Ätna ist mit 3357 Metern der höchste aktive Vulkan Europas, er hat vier Gipfel- und rund vier hundert Nebenkrater. Seit Jahr tausenden aktiv, hat er etwa die an seinem Fuss gelegene Stadt Catania im Lauf der Geschichte mehrfach zerstört. Sein Ausbruch im Jahr 44 v. Chr. soll so gewaltig gewesen sein, dass die Aschewolke den Himmel über Rom verdunkelt hat und Missernten bis Ägypten und China darauf zurückgeführt werden. Der bislang letzte Ausbruch er eignete sich im Oktober 2021, wobei Aschewolken bis auf 9000 Meter emporgeschleudert wurden.
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GUIDE Reisen
Die Vulkan-Packliste Wer sich bei meiner Destination Red BullReise mit mir zu Ätna und Stromboli auf macht, sollte ein paar Dinge beherzigen. Vulkane sind Berge, die sich ihr eigenes Klima schaffen. Ihre aufsteigenden Gase begünstigen Wolkenbildung, daher ist es rund um den Gipfel gern nass. Ein guter Regenschutz sowie ein wetterfester Rucksack für Kamera und Objektive sind also zu empfehlen! Apropos: Für VulkanFotografie sind Zoom-Linsen Pflicht, denn
«Je mehr man über einen Vulkan weiss, desto besser kann man seine Seele abbilden.»
man kommt sehr oft nicht so nahe heran, wie man gern möchte. Ich verwende ein Standard-Zoom mit 24 bis 105 Millimeter Brennweite. Zusätzlich habe ich noch ein 100–500-Millimeter-Teleobjektiv dabei, das allerdings verdammt schwer ist. Am Berg ist Gewicht immer ein Thema. Daher finde ich auch, dass kein besonders tolles Stativ nötig ist – aber ein Stativ braucht man; damit entstehen ganz andere Auf nahmen als aus der freien Hand. Bilder sollen neugierig machen, mehr zu erfahren. Dazu muss der Fotograf wis sen, was er fotografiert. Daher erkläre ich meinen Gästen, was ich für wichtig halte: Was ist der Unterschied zwischen Magma und Lava? Wann sind die Lavaströme ent standen? Welche Gase sind in welchem Vulkan? Je mehr man weiss, desto besser kann man die Seele des Vulkans abbilden.
AUSGABE 4 SAISON 2022/23
Fotografin Ulla Lohmann, 44, gibt ihr Wissen gern an ihre Reisegäste weiter.
DANIEL BÆKKEGÅRD Mit Dänemarks Ironman ins Gute-LauneTriathlon-Camp auf Fuerteventura
KOMM, FAHR MIT!
JETZT BUCHEN: Unvergessliche Abenteuer-Reisen
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TRAILRUNNING | SURFEN | MOUNTAINBIKEN | SEGELN FREERIDE SKIING | KAJAK | FOTOGRAFIE | FORMEL 1 | FOILING
Noch mehr Reisen abseits des Alltäglichen mit Red Bull-Athleten als Begleitern gibt’s im neuen Destination Red Bull-Magazin. Alle Infos zum Programm: destination.redbull.com
18.10.2021 15:31:35
THE RED BULLETIN
ADOBE STOCK, SEBASTIAN KAYSER
winzig klein. Du weisst, du bist am Ur sprung von allem. Alles Leben auf un serem Planeten ist durch die Vulkane entstanden. In diesem Moment da unten habe ich Dankbarkeit empfunden. Man muss einem Vulkan aber gar nicht so nahe kommen, um seine Magie zu spüren. Dieser Schwefelduft in der Nase, diese explosionsartige Energie! Dabei bin ich kein Adrenalinjunkie, im Gegenteil. Meine Expeditionen sind sorg fältig geplant. Sie sind kalkuliertes Risiko. Vulkane besteige ich nur, wenn es sicher ist. Daher arbeite ich in der Vorbereitung viel mit Wissenschaftlern und Observa torien zusammen. Ich habe auch noch Umweltmanagement studiert, mein Mann ist Geologe. Wir wissen, was wir tun.
WERNER JESSNER
In Catania, der Stadt am Fusse des Ätna (im Hintergrund), nimmt die spannende Reise zu den Vulkanen Süditaliens ihren Anfang.
PRESENTED BY
SWITZERLAND
Z I E W H C S , G U Z 2 2 0 2 I A M . 8 T KÖNNEN
CH I N S E E I D , E L L A WIR LAUFEN FÜR D MITLAUFEN UN JETZT ANMELDEN
SEI DABEI
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TRAINING
Wie läuft’s? Sieben Tipps für Laufanfänger: Triathlet Max Studer verrät, wie du im Nu die Performance und den Spass am Training steigern kannst.
1 Lass dir Zeit Tempo oder lange Strecken sollten am Anfang noch nicht die Hauptrolle spielen. Zunächst ist es besonders wichtig, mit langsamem Joggen zu beginnen, um auf Touren zu kommen. So beugt man Verletzungen vor und bereitet den Körper optimal auf die neue Belastung vor.
Max Studer beim Training auf dem Flüelapass, GR
3 Nicht zu früh auspowern
4 Behalte das Ziel immer im Kopf
6 Achte auf deine Umwelt
Viele machen den Fehler, gerade am Anfang zu sehr an die körperlichen und mentalen Grenzen zu gehen. Am effek tivsten ist es, den Lauf zu beenden, wenn man noch ein paar Kraftreserven hat – denn dann ist auch noch etwas Energie für den nächs ten Run vorhanden, und die Hürde ist kleiner.
Sich für ein paar Augenblicke Zeit zu nehmen und sich dar auf zu besinnen, warum man die Laufschuhe heute anzieht, gibt Kraft für die kommenden Kilometer. Ich habe den Lauf sport im Sportverein von klein auf kennen- und lieben gelernt. Der beste Rat, den ich je be kommen habe, war: «Geh raus und hab Spass!» Daran halte ich mich seither, und es moti viert mich jeden Tag.
Musik kann ein guter Antrieb sein, aber ohne ist es auf der Strasse sicherer. Stattdessen kann man auf die eigene Atmung oder den Puls hören.
2 Finde die passende Ausrüstung Das richtige Equipment ist essenziell für den Spass beim Laufen. Zu kleine Schuhe oder Kleidung, die nicht richtig sitzt, killen die Motivation – je wohler man sich fühlt, desto mehr Freude hat man mit jedem Kilometer. Es lohnt sich also, genügend Zeit und auch Budget dafür aufzuwenden. Ich persönlich setze auf die Modelle «Cloudflow» und «Cloudboom Echo» von On. 84
5 Arbeite früh an deinem Laufstil
«Effektiv bist du, wenn nach dem Lauf noch Kraft reserven übrig sind.» Max Studer, Triathlet
Laufen ist einfach – klar! Doch es ist vorteilhaft, den eigenen Laufstil schon früh zu analy sieren – etwa bei Laufsport spezialisten wie Intersport oder in sportwissenschaft lichen Instituten. Nur so kann man gleich zu Beginn an der eigenen Technik arbeiten und beim Laufen das volle Poten zial ausschöpfen.
7 Die Abwechslung macht’s aus Wenn man an verschiedenen Orten und auf unterschiedli chen Untergründen trainiert, läuft man der Langeweile davon. Gerade am Anfang ist dies wichtig, um die Freude zu erhalten. Aber: Auf der immer gleichen Strecke lässt sich der eigene Fortschritt messen. Beim Wings for Life World Run laufen tausende Menschen in aller Welt gleich zeitig für den guten Zweck: Mit den Einnahmen werden Forschungsprojekte zur Heilung von Rückenmarksverletzungen unterstützt. Melde dich an auf: wingsforlifeworldrun.com THE RED BULLETIN
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Am 8. Mai findet der Wings for Life World Run statt. Drei Monate haben Laufneulinge also noch Zeit, um sich auf das Rennen vorzubereiten. Max Studer, 25, amtierender Europameister auf der Tri athlon-Sprintdistanz, gibt Laufanfängern und solchen, die es noch werden wollen, sieben Profi-Ratschläge für das Training.
FANTASY-BOOM
Der Hexenmeister Mit der mehrfach ausgezeichneten Geralt-Saga hat der polnische Autor Andrzej Sapkowski eine der faszinierendsten Figuren der Fantasy-Literatur erschaffen. Text JAKOB HÜBNER
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in verblüffend weit ver breitetes Vorurteil be sagt, Fantasy sei infan tiler Humbug und habe nichts mit Literatur zu tun. Das ist insofern recht drollig, als dieses Genre tief in den ältesten Literatur-Spielarten verwurzelt ist, die wir Men schen hervorgebracht haben: den Sagen, Märchen, Legen den und Heldenepen. Dass sich die archaischen Erzählstrukturen in den letz ten paar Jahrtausenden ein wenig verändert haben, liegt
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in der Natur der Sache, den grössten Entwicklungssprung machte Fantasy allerdings in den letzten zwanzig Jahren. Dafür sind vor allem drei Menschen verantwortlich: die Britin Joanne K. Rowling, deren Zauberlehrling Harry Potter rund um die Jahrtausend wende den sekundären An alphabetismus spürbar senkte; der Neuseeländer Peter Jack son, dessen bombastische «Herr der Ringe»-Verfilmung ein Tolkien-Revival lostrat; und natürlich US-Autor
George R. R. Martin, der mit seinem Kult-Zyklus «Das Lied von Eis und Feuer» («Game of Thrones») eindrucksvoll bewies, welch erzählerische Wucht in dem Genre steckt. Plötzlich bot Fantasy auch finanziell fantastische Mög lichkeiten. Es war also nicht zuletzt ein ökonomischer Grund, der eine völlig neue Ge neration von hochtalentierten Autoren anlockte und der Fan tasy-Literatur eine ungeahnte Breite und stilistische Tiefe bescherte. Zu den Wegbereitern die ser «neuen» Fantasy zählt auch der polnische Schrift steller Andrzej Sapkowski, der seine Klingen bereits in den 1990er-Jahren wetzte. Sein Held, der Hexer Geralt von Riva, zählt zwar dank einer THE RED BULLETIN
VINZ SCHWARZBAUER
GUIDE Lesestoff
Erster Absatz aus «Der letzte Wunsch»
LESETIPPS
Es ging auf den Morgen zu, als sie zu ihm kam. Sie trat sehr vorsichtig ins Zimmer, leise, mit lautlosen Schritten, schwebte durchs Zimmer wie ein Gespenst, wie eine Erscheinung. Und den einzigen Laut, der ihre Bewegung begleitete, erzeugte der Umhang, der sich an der nackten Haut rieb. Doch gerade dieses winzige, kaum hörbare Rascheln war es, das den Hexer weckte oder vielleicht auch nur aus dem Halbschlaf riss, in dem er sich monoton wiegte wie in einer bodenlosen Tiefe, in der Schwebe zwischen dem Grunde und der Oberfläche einer ruhigen See, inmitten sacht wogender Stränge von Tang.
enorm erfolgreichen Com putergame-Adaption sowie der gleichnamigen Netflix-Serie («The Witcher») zu den be kanntesten Charakteren im Fantasy-Universum; weniger bekannt hingegen ist, dass hinter dieser Figur eine gross artige Buchserie steht. In ins gesamt acht Bänden, die bei dtv kürzlich in einer neuen Fan-Edition aufgelegt wurden, vereint der 1948 in Łódź ge borene Sapkowski alle Zutaten, die den besonderen Reiz dieses Genres ausmachen. In einem perfekten Mix aus Spannung, Romantik, Mythen, Magie, Erotik und Action bündelt der Autor die unter schiedlichsten Stilmittel zu einem einzigen Zweck: der unbändigen Lust am Erzählen. Wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass Sapkowski auch über einen ausgesprochen hinterlistigen Humor verfügt, den er vorzugsweise dann einsetzt, wenn man es am wenigsten erwartet. Im Grunde genommen ist Geralt eine Art Kammerjäger. Allerdings kümmert er sich nicht um lästige Kakerlaken und Bettwanzen, sondern um allerlei monströse Kreaturen mit einem Mordsappetit auf Menschenfleisch. Und so zieht der Weisse Wolf (Geralt ist magisch auffrisiert, was man nicht nur an seinen über menschlich schnellen Reflexen, sondern auch an seinen schlohweissen Haaren erken nen kann) auf der Suche nach lukrativen Aufträgen durch die THE RED BULLETIN
von kriegerischen Auseinan dersetzungen gebeutelten Lande. Bis ihm das Schicksal in Gestalt einer kleinen, reni tenten Prinzessin über den Weg läuft, die der Hexer fort an vor dunklen Mächten be schützen muss … Bevor man sich in dieses fantastische, mehrfach preis gekrönte Abenteuer (u. a. wurde Sapkowski 2016 mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet) stürzt, gilt es jedoch, eine kleine intel lektuelle Herausforderung zu meistern. Denn die richtige Reihenfolge der Geralt-Saga hat es in sich: So ist Teil 1 «Das Erbe der Elfen» eigentlich der dritte Teil, weil es davor noch zwei «Vorgeschichten» («Der letzte Wunsch», «Das Schwert der Vorsehung») gibt, zwi schen denen chronologisch wiederum «Zeit des Sturms» angesiedelt ist, das in Wahr heit aber eher eine Art Epilog zur ganzen Serie ist. Aber dann kann’s losgehen …
ANDRZEJ SAPKOWSKI «DIE HEXER-SAGA» Deutsch von Erik Simon – 8 Bände dtv (gebundene Ausgabe und Taschenbuch)
Fantastische vier Noch zählen sie zu Geheimtipps der Fantasy – aber das dürfte sich schon bald ändern.
PETER McLEAN Ein knallhartes Gangster drama in magischem Gewand: Auch wenn das Setting ver dächtig an die grossartige TV-Serie «Peaky Blinders» erinnert, sorgt der Brite Peter McLean mit «Priest of Bones» für ein herrlich räudiges Genre-Crossover, in dem ein Kriegsheimkehrer sein einsti ges kriminelles Reich zurück erobern will und dabei nicht gerade zimperlich zu Werke geht. Im März 2021 geht «Der Kampf um den Rosenthron» mit «Priest of Lies» in die zweite Runde. «Priest of Bones» (Klett-Cotta)
NICHOLAS EAMES Mit «Könige der Finsternis», in dem es eine nicht mehr ganz taufrische Söldner truppe noch einmal so richtig krachen lässt, hat der kana dische Autor ein grandioses Debüt abgeliefert, mit «Die schwarze Schar» hat er ein drucksvoll bewiesen, dass dies kein Zufallstreffer war. Eames schafft es meisterhaft, seinen wunderbar schrägen Charakteren einen so feinen Schliff zu verpassen, dass inmitten des herzhaften Gemetzels auch der Humor nie an Schärfe verliert. «Könige der Finsternis» (Heyne)
ED McDONALD Verfolgung, Folter, Mord: Als Hauptmann der Schwarz schwingen ist Ryhalt Galhar row im Reich Dortmark für die Drecksarbeit zuständig. Doch trotz der allgegenwärtigen Brutalität und literweise Branntwein glimmt in seinem Herzen noch ein Funke Menschlichkeit – der jedoch jederzeit einen Flächenbrand in Dortmark auslösen könnte. Sehr böse und sehr, sehr gut. Bisher erschienen: «Im Zei chen des Raben» und «Der Schrei des Raben». Band 3 ist für April 2021 angekündigt. «Im Zeichen des Raben» (Blanvalet)
LEO CAREW Was darf man erwarten, wenn ein junger Anthropologe mit einem Faible für die Arktis seine Liebe zur historischen Fantasy entdeckt? Nun, im Fall von Leo Carew ein archai sches Königreich im eisigen Norden, das von einer impe rialen Macht aus dem Süden bedroht wird. Und ein üppig garniertes Schlachtenepos, in dem zwei diametral unter schiedliche Gesellschafts formen mit voller Wucht aufeinanderprallen. Bisher erschienen: «Wolfsthron» und «Der dunkle König». «Wolfsthron» (Goldmann)
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SCHUHE AUFBLASEN A.BOVE VON ABS Hin und wieder wünschen wir uns, bestimmte Sätze hinschrei ben zu dürfen. Zum Beispiel: «Du kannst mir einen Schuh auf blasen!» Nun ist es endlich so weit. Und es ist auch noch wahr! Von ABS gibt es jetzt Schneeschuhe, die per Minipumpe zu einem Schlauchboot für die Füsse werden. abs-airbag.com
YEAH, YEAH, YOKO! YOKO ONOS PERFORMANCES Ihre Aktionen der 60er- und 70er-Jahre haben Kultstatus – nun werden im Kunsthaus Zürich einige davon reinsze niert. Yoko Ono, Witwe von Ex-Beatle John Lennon, ist an der Konzeption der Ausstellung persönlich beteiligt – zu sehen ab 4. März 2022. kunsthaus.ch
«W AIT A MINUTE, THIS LOVE STARTED OUT SO TENDER, SO SWEET, BUT NOW SHE GOT ME SMOKIN’ OUT THE WINDOW.» Bruno Mars und Anderson .Paak alias Silk Sonic trauern in ihrem neuen Song ihrer Liebe nach, weshalb sie jetzt beim Fenster hinaus rauchen müssen. Q R-Code zum Video scannen: Wie die beiden ihre Z igaretten halten, entlarvt sie als Nichtraucher.
Richtig gutes Zeug Ein Lob der Zeitlosigkeit: Wir preisen Avril Lavigne, eine Matrix-Uhr und Schuhe, die wie Miniboote aussehen.
AB IN DIE MATRIX! HAMILTON PSR MTX Nach Jahrzehnten des Wartens dürfen wir uns dieser Tage an Teil 4 der «Matrix»-Saga erfreuen. Dem ewigen Rätsel um Wirklichkeit oder Illusion verdanken wir eine Uhr, die «Matrix»-Motive aufnimmt: das leuchtende Grün der Digital anzeige etwa. Oder das Regen muster aus dem Film – auf dem Gehäuseboden. hamiltonwatch.com
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GUIDE Tipps & Trends BLAULICHT-ALARM! RED BULL SPECT ELF RX Wer ein echter Gamer ist, widmet sich seinen Lieblingsspielen mit der gebotenen Hingabe. Was aber, wenn der Durchblick schwindet, weil der hohe Blaulichtanteil der Schirme ermüdet? Aufhören? Nein, Brille mit Blaulichtfilter aufsetzen – nicht umsonst tragen die gelben Gläser die Bezeichnung «Warrior». Bei United Optics. specteyewear.com
ZEITREISE IN DER KÜCHE Mit dieser Uhr macht Kochen gleich mehr Spass.
BISSFEST
KATE GARNER ©YOKO ONO, FLO GASSNER/ABS
«BITE ME» VON AVRIL LAVIGNE Dass die kanadische Sängerin Avril Lavigne knapp 20 Jahre nach ihrem Welthit «Sk8er Boi» auf ihrem neuen Album «Bite Me» so klingt wie 2002, über rascht uns nicht wirklich (aber es gefällt uns!). Was aber ab solut erstaunlich ist: Sie sieht praktisch genauso aus wie damals. Wer’s überprüfen will: Am 7. März tritt sie im Zürcher Konzertlokal «The Hall» auf. avrillavigne.com
LASST BLUMEN SPRECHEN KLEID VON ETRO Wenn das Blumenkind zur Dame gereift ist, schlüpft es in ein Kleid wie dieses. Es stammt aus der Sommerkollektion von Etro und kündet von «Freiheit, Achtsamkeit und kleinen Fluchten». Creative Director Veronica Etro empfiehlt den Trägerinnen: «Let the sunshine in!» Und wir kugeln inzwischen friedlich über bunte Wiesen. etro.com
THE RED BULLETIN
PUNKTGENAU MAX BILL KÜCHENUHR Der grosse Schweizer Architekt, Künstler, Hochschullehrer und Politiker Max Bill (1908–1994) hat uns viele wunderschöne Dinge hinterlassen, die von zeitloser Eleganz sind – wie diese Küchenuhr, die Bill 1956 vorstellte und mit der man heute wieder mit Geschmack und auf den Punkt kochen kann. junghans.de
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GUIDE Playlist YELLO
«Da musst du einfach chillen» Zum 40. Jubiläum des Schweizer Elektropop-Duos präsentiert Gründer Boris Blank vier Songs, ohne die er nicht kann. Boris Blank ist der Typ im Hintergrund – der seinem Partner, dem wortgewandten Dieter Meier, gern das mediale Rampenlicht überlässt, dessen Kreativität aber essenziell für Yello ist. Der heute 70-jährige Zürcher lieferte für Meiers tiefen Bariton das musikalische Fundament – das abenteuerliche Puzzle aus wilden Samples, Loops und allerhand elektronischen Spielereien, das inzwischen 14 Alben gefüllt und Yello zum erfolgreichsten Schweizer Musikexport gemacht hat. Gerade feierte das Duo sein 40. Jubiläum mit dem Bildband «Oh Yeah – Yello 40», der rare Fotos, Posters und Souvenirs der Bandgeschichte versammelt. Für The Red Bulletin wählt Blank vier Songs aus, die ihn von damals bis heute geprägt und inspiriert haben.
HERBIE HANCOCK
THE NORMAL
BIGA*RANX & LIL SLOW
DOWN ON THE STREET (1970)
RAIN DANCE (1973)
WARM LEATHERETTE (1978)
OVA (2020)
«Als ich in den Siebzigern in die Musik eingetaucht bin, standen für mich Cream, Frank Zappa und vor allem The Stooges im Vordergrund. Das Stück ‹Down On The Street› von Letzteren war Aufbruchsstimmung, Anarchie – und der Grund, warum ich in den Achtzigern nicht total auf Punk abgefahren bin. Denn ihr Punk war schon da, bevor Punk da war – es war quasi Proto-Punk.»
«Auf dem Album ‹Sextant› von Herbie Hancock findet sich das Stück ‹Rain Dance›, das meine Ohren für elektronische Musik geöffnet hat. Da spielen sich Szenen ab wie von einem anderen Planeten: Die Mischung aus Jazz und synthetischen Klängen ist so perfekt inszeniert, dass sie bis heute zeitlos ist. Deshalb habe ich mir einen ARPOdyssey-Synthesizer gekauft. Seitdem mache ich Musik.»
«Ein weiteres Stück, das mich absolut fasziniert hat und einer der Auslöser dafür war, selbst Musik zu machen: Daniel M iller, Mastermind von The Normal, war der elektronischen Musik – für mein Empfinden – seinerzeit ungefähr 30 Jahre voraus. Wenn ich die Nummer heute höre, erinnert mich das total an die Zeit Ende der Siebzigerjahre. Gleichzeitig ist es aber immer noch sehr modern.»
«Es gibt auch heute noch Musik, die mich inspiriert, so wie dieser Song. Ein Stück, das mir unter die Haut geht. Eine moderne Interpretation von Reggae, von Soul, von Stimme, von Euphorie, von Melancholie, Energie und Lebendigkeit. Und es hat etwas Echtes, was heute schon eine Seltenheit ist. Ich würde sagen: Da musst du einfach chillen, ein Hinhörer erster Klasse.»
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BENJAMIN STAFFE
THE STOOGES
MARCEL ANDERS
«Oh Yeah»: Boris Blank (re.) und Yello-Partner Dieter Meier. yello.com
GUIDE Kalender Skicrosser auf dem Kurs in Andermatt: Hier geht’s Ende März wieder rund.
Konzert-Doku RAP MEETS CLASSIC
RED BULL CONTENT POOL(2), GAUDENZ DANUSER/RED BULL CONTENT POOL, GETTY IMAGES/RED BULL RACING
Im Rahmen des Red Bull Symphonic performte Rapperin Loredana mit einem Symphonie orchester auf der Bühne des Kultur- und Kongress zentrums KKL ihrer Hei matstadt Luzern. Intime Einblicke hinter die Ku lissen gibt’s in der Doku auf redbull.com
26 März KRACHER ZUM SAISONENDE Ende März ist es wieder so weit: Auf dem Gemsstock in Andermatt treffen sich die besten Skicrossfahrer und Skicrossfahrerinnen der Welt zum Showdown. Wie schon 2021 treffen sechzehn Männer und acht Frauen auf dem Kurs mit spektakulären Obstacles aufeinander. Das Kopf-an-Kopf-Rennen führt über eine rund 1000 Meter lange Strecke. Die Action kann man live vor Ort oder auf Red Bull TV mitverfolgen. Livestream: redbull.tv
Air Time: Jan Scherrer in der Halfpipe in Laax
bis 27. März MAXIMUM VERSTAPPEN 2015, mit 17, wird Max Verstappen zum jüngs ten Formel-1-Fahrer der Geschichte. 2021 folgt der Höhepunkt seiner Karriere: Er wird nach einem Herzschlagfinale erstmals Formel-1-Welt meister. Die Doku über den Hochbegabten läuft auf redbull.com THE RED BULLETIN
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März bis 10. April SPEKTAKULÄRE HÖHENFLÜGE Freeskier und Snowboarder zei gen sich bei den Swiss Freestyle Champs von ihrer besten Seite und kämpfen um den Titel des Schweizer Meisters und der Schweizer Meisterin. Sei es in der Halfpipe in Laax, wo die Snowboarder ab dem 14. März und die Freeskier ab dem 17. März starten – oder auf dem Big Air und im Slopestyle auf dem Cor vatsch, wo sich die Talente ab dem 5. April messen – spekta kuläre Höhenflüge garantiert! 91
B O U L E VARD DER HEL DEN
ERIKA FUCHS
«DEM INGENIÖR IST NICHTS ZU SCHWÖR»
Serie: MICHAEL KÖHLMEIER erzählt die aussergewöhnlichen Geschichten inspirierender Figuren – faktentreu, aber mit literarischer Freiheit. Folge 8: Die Frau, die Donald Duck zu literarischer Qualität verhalf.
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BENE ROHLMANN, CLAUDIA MEITERT MICHAEL KÖHLMEIER
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IMAGO, GETTY IMAGES, PICTUREDESK.COM
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er Panzerknacker 176-7/6 emeiner Erzählung von Charles Dickens pört sich, weil niemand da ist, nachgestalteten Figur Scrooge McDuck der zur Verteidigung seines Begibt sie in der Übersetzung den Namen rufsstandes die Stimme erhebt: Dagobert Duck; Gyro Gearloose, den «Wozu sind wir Mitglieder genialen Erfinder – den Ingeniör, dem im Interessenverband der Ein- und Aus nichts zu schwör ist –, tauft sie um in brecher?» Sein Kollege 176-6/7 ant Daniel Düsentrieb, eine der genialsten wortet, ebenfalls empört: «Ja, und dem Wortschöpfungen aus ihrer Werkstatt. MICHAEL KÖHLMEIER Der Vorarlberger Ringverein der Fälscher, Forstfrevler und Und aus dem vom Zeichner Carl Barks Bestsellerautor gilt Fassadenkletterer gehören wir auch an.» Duckburg genannten Städtchen wird als bester Erzähler Im englischen Original heissen die das weit über unsere Sprache hinaus bedeutscher Zunge. rühmte Entenhausen. Die umliegenden Burschen mit den ewigen schwarzen Zuletzt erschienen: Ortschaften übrigens haben so wunderTarnbrillen «Beagle Boys». Beagle ist der der Roman «Matou», bar sprechende Namen wie Kummersdorf Name einer Hunderasse, Jagdhunde. 960 Seiten, Hanser Verlag. oder Quakenbrück an der Schnatter. Frau Dr. Erika Fuchs, die Übersetzerin der Donald-Duck-Geschichten, hat die ber nicht nur mit den Namen verfuhr Frau Namen der Einwohner einer von bunten Tieren Fuchs frei und nach ihrem Geschmack, auch bevölkerten Stadt ins Deutsche übertragen, und dies die Dialoge der Sprechblasen gestaltete sie um mit sehr freier Hand. Dass Walt Disney dazu die oder erfand sie frischweg neu. In einem Interview, Erlaubnis gab, ist erstaunlich, wo er doch sonst in da war sie schon weit über achtzig, konfrontierte sie Urheberrechtssachen unerbittlich streng sein konnte. der Journalist mit seinem – und nicht nur seinem – Der Grossmeister der amerikanischen Comics und Urteil, sie habe aus den relativ schwachen T exten des Zeichentrickfilme hat wohl sehr bald begriffen, dass amerikanischen Originals in ihren Übersetzungen er mit der Literaturwissenschaftlerin, Kunsthistorikerin und Archäologin ein ausserordentliches Talent grosse moderne Literatur gemacht. T atsächlich blitzt gewonnen hatte, das man nützen, aber nicht ein der Witz, den wir als so typisch für diese Geschichten engen konnte. Sie durfte in ihren Übersetzungen der bezeichnen, nur in den deutschen Ausgaben auf. Bildergeschichten, die zum grössten Teil von dem Frau Fuchs wehrte sich charmant gegen diese Einschätzung – auch um ihren Freund Carl Barks in anderen ausserordentlichen Talent, dem Zeichner Schutz zu nehmen. Witz sei nicht übersetzbar, sagte Carl Barks, stammten, schalten und walten, wie es sie. «Die Amerikaner lachen über andere Dinge ihr beliebte. Aus Donalds Neffen Huey, Dewey und als wir.» Ausserdem fänden sich Anspielungen auf Louie machte sie Tick, Trick und Track; der geizigen,
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B OU L EVAR D DE R HE L D E N
literarische und andere Traditionen in der ameri kanischen Kultur viel seltener als bei uns. Also sei ihr nichts anderes übrig geblieben, als zu den vor gegebenen Geschichten und Figuren neue Dialoge zu schreiben. Und neue Worte zu erfinden, müsste man hinzu fügen. Sie erfand Wörter, die Geräusche sprachlich wiedergeben sollten – zum Beispiel sehen wir, wenn Donald in die Steckdose greift, quer über das Bild ein grafisch schmerzhaft gezacktes Spratzel-Spratzel! Darüber hinaus gilt Erika Fuchs als Begründerin einer in der deutschen Sprache neuen Verbform: des nach ihr benannten «Erikativs». Diese sprach liche Form ist inzwischen längst in den allgemeinen Sprachschatz übergegangen – ächz, grübel, würg, schluck, knirsch …
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propos Anspielungen: Ich weiss nicht, wie viele Dissertationen und wissenschaftliche A rbeiten geschrieben wurden, in denen den u nzähligen historischen und literarischen Anspielungen in den Übersetzungen von Erika Fuchs nachgeforscht wird. Der Ingeniör-Spruch zum Beispiel ist eine s atirische Nadel auf das seinerzeit berühmte«Ingenieurlied» von Heinrich Seidel: «Dem Ingenieur ist nichts zu schwere – / Er lacht und spricht: / ‹Wenn dieses nicht, so geht doch das!› / Er überbrückt die Flüs se und die Meere, / Die Berge unverfroren zu durch bohren ist ihm Spass …» Oder wenn Tick, Trick und Track, die drolligen und besserwisserischen Drillin ge, schwören, dass sie sich bei aller Unbill beistehen wollen, dann lesen wir: «Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr.» Das ist dem grimmigen Rütlischwur aus Friedrich Schillers «Wilhelm Tell» nachgeredet; statt «trennen», wie es bei Schiller heisst, sagen sie «waschen» – da sieht der humorfreie Schiller ziem lich baff aus. Oder wenn Daniel Düsentrieb, dem wieder einmal eine seiner Erfindungen nicht ge horcht, resigniert feststellt, er wolle stets das Gute, schaffe aber meistens nur Böses, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als an Mephisto in Goethes «Faust» zu denken, dem es genau umgekehrt geht; aber auch an Albert Einstein denken wir, der mitten im Krieg den damaligen amerikanischen Präsidenten Roosevelt bat, so schnell wie möglich die Atom bombe zu bauen, um Hitler zuvorzukommen, und der nach dem Krieg zu einem vehementen Warner vor der atomaren Aufrüstung wurde.
Erika Fuchs hat der deutschen Sprache den Erikativ geschenkt: ächz, grübel, würg, schluck! 94
Der Literaturkritiker Denis Scheck schreibt: «Die Comic-Texte der Erika Fuchs haben die deutsche Sprache bereichert wie keine zweite literarische Übersetzung seit dem Zweiten Weltkrieg.» Sie selbst gibt sich bescheiden: «Ach, ich habe nur versucht, die Personen sprachlich zu unterscheiden als Ver treter von einer bestimmten Klasse und Generation. Und so redet eben Onkel Dagobert sehr korrekt, mit Konjunktiv und mit dem echten Genitiv, mit sehr vielen Sprichwörtern, sehr autoritär auch. Donald, der ja keinen Erfolg im Leben hat, der wetzt das aus, indem er oft blumig spricht und manchmal fast poetisch wird. Das habe ich mir so allmählich aus gedacht, dass man dadurch die Sache bereichern könnte. Das ist ja im Amerikanischen eigentlich nicht so möglich, weil da jeder im selben Stil spricht, die Unterschiede sind nicht so gross wie bei uns.» Erika Fuchs, die Spracherneuerin – damit reiht sie sich ein neben die grossen Übersetzer, die den Horizont der deutschen Sprache manchmal weiter spannten als ihre originären Dichterkollegen: Luther mit seiner Bibelübersetzung, Heinrich Voss mit dem Homer und Schlegel/Tieck mit Shakespeare.
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n den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts wurden Comics in Deutschland noch als Schund bezeichnet, und die meisten Hefte, die im Umlauf waren, wurden diesem Urteil durchaus gerecht. Die ersten Übersetzungen von Hergés genialen Bild romanen «Les aventures de Tintin» kamen etwa zur gleichen Zeit heraus – als «Tim und Struppi». Sie stiessen ebenso auf Unverständnis wie die DonaldGeschichten. Man warf alles, was bunt g ezeichnet und mit Sprechblasen versehen war, in einen Topf. An manchen Schulen sollen Lehrer sogar Heft verbrennungen im Schulhof organisiert haben. Die Kinder, so hiess es in mitunter hysterischen Aufrufen, würden durch die Lektüre verdorben, ihre Seele lebenslang geschädigt. Um das Image der bunten Hefte aufzupolieren, suchte der Disney-Konzern nach einem angesehenen Übersetzer, promoviert sollte er sein, am besten ein Professor. Die männlichen Hono ratioren winkten allerdings alle ab. Da trat man eben an Frau Dr. Fuchs heran, und sie war bereit, sich der damals wenig geachteten Aufgabe anzunehmen. Zu den Nasenrümpfern soll sie gesagt haben, sie zahle für jeden falschen Konjunktiv, der ihr in ihren Über setzungen nachgewiesen werde. Sie musste nicht zahlen. Im Jahr 2001 erhielt sie den Sonderpreis zum Heimito-von-Doderer-Literaturpreis. Dass Comics endlich auch in Deutschland als die «9. Kunst» anerkannt wurden, ist nicht nur, aber vor allem das Verdienst von Erika Fuchs. Donald Duck, der kleine Erpel im Matrosenanzug, der nur ein Thema in seinem Leben kennt, nämlich das Geld, respektive den Mangel desselben, wurde im deutsch sprachigen Raum zu einem der grossen, unvergleich lichen literarischen Charaktere des 20. Jahrhunderts. Diesen jähzornigen, aber auch überschwänglich
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Donald Duck wurde zu einem der grossen literarischen Charaktere des 20. Jahrhunderts. ptimistischen, dann wieder tieftraurig räsonierenden o Charakter – «ich bin ein Niemand, der allernichtigste Niemand in ganz Entenhausen» –, der uns in Tier gestalt Menschliches, Allzumenschliches vorführt, wir verdanken ihn dieser Frau.
Szene, in der Ing. Düsentrieb Butter macht, indem er, das Butterfass mit der Milch am Rücken, auf Sprungstelzen durch Entenhausen hüpft. Erika Fuchs war ein bescheidener Mensch, eine Frau mit einem abgrundtiefen Witz, wie er in der deutschen Literatur gerade noch bei Georg Christoph Lichtenberg zu finden ist. Ihr letzter Wunsch war, neben ihrem Mann, den sie um einundzwanzig Jahre überlebt hatte, beigesetzt zu werden. In einen einfachen Stein sind ihre beiden Namen gemeisselt, nur ihre Namen. Die Kommentare geben wir ab. Wer diese Erika Fuchs war und was sie geleistet hat, das weiss jeder.
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rika Fuchs wurde neunundneunzig Jahre alt, am 22. April 2005 ist sie in München gestorben. Verheiratet war sie mit einem Techniker und Erfinder – gefinkelte «Donaldisten» glauben heraus gefunden zu haben, dass Frau Fuchs in ihren Briefen und Telefonaten dem Zeichner Carl Barks allerlei Ezzes zu der Figur des Daniel Düsentrieb gegeben hat, die sie wiederum von ihrem Mann Günter Fuchs zugesteckt bekam – zum Beispiel die köstliche
Michael Köhlmeiers Geschichten gibt es auch zum Anhören im Podcast-Kanal von The Red Bulletin. Zu finden auf allen gängigen Plattformen wie Spotify, auf redbulletin.com/podcast oder einfach den QR-Code scannen.
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IMPRESSUM
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Aktuell erscheint The Red Bulletin in sechs Ländern. Das Cover unserer deutschen Ausgabe zeigt Alex Honnold, Weltstar der Free-Solo-Kletterer, aus der Vogelperspektive, bei einem seiner Aufstiege. Seine Geschichte bei uns auf Seite 42. Mehr Geschichten abseits des Alltäglichen findest du auf: redbulletin.com
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Gesamtleitung Alexander Müller-Macheck, Sara Car-Varming (Stv.) Chefredaktion Andreas Rottenschlager, Andreas Wollinger (Stv.) Creative Direction Erik Turek, Kasimir Reimann (Stv.) Art Direction Marion Bernert-Thomann, Miles English, Tara Thompson Grafik Martina de Carvalho-Hutter, Kevin Faustmann-Goll, Cornelia Gleichweit Fotoredaktion Eva Kerschbaum (Ltg.), Marion Batty (Stv.), Susie Forman, Tahira Mirza, Rudi Übelhör Digitalredaktion Christian Eberle-Abasolo (Ltg.), Marie-Maxime Dricot, Melissa Gordon, Lisa Hechenberger, Elena Rodríguez Angelina Head of Audio Florian Obkircher Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann Managing Editor Ulrich Corazza Publishing Management Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Melissa Stutz, Anna Wilczek Managing Director Stefan Ebner Head of Media Sales & Partnerships Lukas Scharmbacher Head of Co-Publishing Susanne Degn-Pfleger Projektmanagement Co-Publishing, B2B-Marketing & Communication Katrin Sigl (Ltg.), Katrin Dollenz, Thomas Hammerschmied, Sophia Wahl, Teresa Kronreif (B2B), Eva Pech, Valentina Pierer, Stefan Portenkirchner (Communication), Jennifer Silberschneider Creative Services Verena Schörkhuber-Zöhrer (Ltg.), Sara Wonka, Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart, Tanja Zimmermann Commercial Management Co-Publishing Alexandra Ita Editorial Co-Publishing Raffael Fritz (Ltg.), Gundi Bittermann, Mariella Reithoffer, Wolfgang Wieser Executive Creative Director Markus Kietreiber Senior Manager Creative Elisabeth Kopanz Art Direction Commercial & Co-Publishing Peter Knehtl (Ltg.), Luana Baumann-Fonseca, Erwin Edtmayer, Simone Fischer, Andreea Gschwandtner, Lisa Jeschko, Araksya Manukjan, Carina Schaittenberger, Julia Schinzel, Florian Solly, Dominik Uhl, Sophie Weidinger, Stephan Zenz Abo & Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Marija Althajm, Nicole Glaser, Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar Anzeigenservice Manuela Brandstätter, Monika Spitaler Herstellung & Produktion Veronika Felder (Ltg.), Friedrich Indich, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailović, Sandra Maiko Krutz, Josef Mühlbacher Finanzen Mariia Gerutska (Ltg.), Simone Kratochwill, Klaus Pleninger MIT Christoph Kocsisek, Michael Thaler IT Service Desk Maximilian Auerbach Operations Alice Gafitanu, Melanie Grasserbauer, Alexander Peham, Thomas Platzer Projekt Management Dominik Debriacher, Gabriela-Teresa Humer Assistant to General Management Sandra Artacker Herausgeber & Geschäftsführer Andreas Kornhofer Verlagsanschrift Am Grünen Prater 3, A-1020 Wien Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809 Web redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-LepperdingerStrasse 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz, Dietmar Otti, Christopher Reindl, Marcus Weber
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THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838 Länderredaktion Wolfgang Wieser Lektorat siehe entsprechenden Eintrag bei der Schweiz Publishing Management Bernhard Schmied Media Sales & Partnerships Thomas Hutterer (Markenlead), Michael Baidinger, Franz Fellner, Ines Gruber, Wolfgang Kröll, Gabriele Matijevic-Beisteiner, Alfred Vrej Minassian, Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher, Jennifer Sabejew, Johannes Wahrmann-Schär, Ellen Wittmann-Sochor, Ute Wolker, Christian Wörndle, Sabine Zölss Sales Operations & Development Anna Schönauer (Ltg.), David Mühlbacher
THE RED BULLETIN USA, ISSN 2308-586X Länderredaktion Peter Flax (Ltg.), Nora O’Donnell Lektorat Catherine Auer, David Caplan Publishing Management Branden Peters Media Sales Todd Peters, todd.peters@redbull.com Dave Szych, dave.szych@redbull.com Tanya Foster, tanya.foster@redbull.com
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Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 10. April 2022.
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