MÄRZ 2013
DAS MAGAZIN ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN
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März 2013
VETTEL STARTKLAR FÜR TITEL NUMMER VIER
HERBERT NITSCH
ZURÜCK AUS DER TAUCH-HÖLLE
DAVID ALABA
DER MANN, DER BAYERN ANTREIBT
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Die Welt von ReD Bull
März 68
titelStorY: inFiniti red Bull raCing kommando „angriff“: wie das weltmeisterteam die titelverteidigung plant. der Inside-Report zum Start der Formel-1-Saison.
CoVerbild: red bull raCing, daVid Clerihew/red bull raCing, PiCturedesk.Com. bilder: red bull raCing, thomas butler (2)
WillKoMMen!
sätze, die einen wirklichen Zugang zum leben eines Menschen eröffnen, kommen gern eher beiläufig daher, ungefähr so wie dieser: „die schläge, die Fliehkräfte, das Balancieren am großen unfall, das unglamouröse bei der tatsächlichen arbeit im auto: vielleicht ist es gut, dass sich die Frage nicht stellt. vielleicht würde mein fahrgast Angst um mich kriegen.“ die hypothetische Frage lautete, wen er denn gern in seinem Wagen mitnehmen würde, und sie wurde im rahmen eines exklusiven Red Bulletin-interviews an Sebastian vettel gerichtet. der dreifache Formel-1-Weltmeister, gewohnt offen, ehrlich und schlagfertig, macht also ab Seite 68 lust auf die neue saison – und darauf, die daumen für titel nummer vier zu drücken. los geht’s am 17. März in Melbourne. Viel Vergnügen! Die Redaktion the red bulletin
76 ChaMPion Mit BiSS
weltmeister sebastian vettel im exklusiven red Bulletin-interview: über Bargeld in der hosentasche, Freundschaft im Fahrerlager und seinen Kick im cockpit.
74 SuPerhirn Mit Plan
von reifen-Geheimnissen und nasenliftings: infiniti red Bull racing-chefdesigner adrian newey erklärt die technik des neuen rB9-Boliden. 5
Die Welt von ReD Bull
März 56
hÖlle hautnah 14 Protagonisten, 8000 kilometer: das renn-tagebuch der Rallye Dakar 2013.
87 CluB deS MonatS
Red Bulletin
app
diesen monat: das actionvideo zur rallye dakar, der neue rB9-Bolide im check, das zweite leben des apnoetauchers herbert nitsch. Gratis für Android & iPad 6
bilder: PhiliPP horak, eleCtriC PiCkle miami, maria ZiegelbÖCk
tanz-tempel im „sonnenstaat“: in miamis „electric pickle“ spielen selbst star-dJs ohne Bezahlung.
44
„Mein zWeiteS leBen“ Extremtaucher Herbert Nitsch über den rekord, der ihn beinahe das leben kostete. the red bulletin
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Die Welt von Red Bull
32
März Auf einen Blick Bullevard
Sturz oder Sieg Kataloniens Castellers errichten Türme aus 300 Menschen – wir zeigen die besten Bilder.
16 20 22 24 26 28 30
news Das Wichtigste in Kurzform mein Körper Ivana Španovic´ Einst & Jetzt Skihelme Meine Welt Channing Tatum Formel Der perfekte Klettergriff hero Mark McMorris Superstar Glückszahlen Knast-Ausbrüche
Features 32 Baustein Mensch
Zu Gast bei Kataloniens Meistern im Menschenturmbau.
44 Herbert Nitsch
Der Wiener Extremtaucher über die Katastrophe von Santorin und seinen harten Weg zurück.
56 Das Tagebuch der Rallye Dakar
Schirmverkäufer, Pechvögel, Cham pions: 14 Schicksale vor der Kulisse der härtesten Rallye der Welt.
66 David Alaba
68 Inside-Report: Infiniti Red Bull Racing Was den RB9-Boliden auszeichnet und wie Sebastian Vettel sein Weltmeister-Frühstück zubereitet.
More Body & Mind
84 Workout à la Knight
Top-Form trotz „Chips-Diät“: wie sich Englands Enduro-Champ mit (oder trotz) eigenwilliger Ess-Taktik fit hält. 8
28 Hero: MarK mcmorris
Kanadas Slopestyle-Shootingstar über PlayStation-Tricks im Wettkampf und sein Duell mit Dominator Shaun White.
82 REisetipp Verrückte Sportplätze 84 training David Knights Workout 86 nightlife Die Macht der Nacht 90 top spots Globale Termine 92 save the date Nationale Events 94 Cartoon Kainraths spitze Feder 96 Fernsehen Red Bulls TV-Fenster 98 kolumne Ankowitschs Welt 98 impressum
the red bulletin
bilder: Philipp Horak, rutger pauw/Red Bull Content Pool, Getty images
Österreichs erfolgreicher Fußball export über Hip-Hop, Ruhm & Ribéry.
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Auch als Film:
C atamarc a , Arg e nti n i e n
Lava-Radler
Mutter Natur muss wohl einen Bike-Park im Sinn gehabt haben, als sie vor 500.000 Jahren den Campo de Piedra Pómez schuf. Diese Ebene auf 4000 Metern ist übersät mit tausenden Brocken erkalteter Lava, die sich wie Rampen befahren lassen und daher der ideale Schauplatz für Red Bull Ramparanoia sind, den mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit höchstgelegenen BMXContest der Welt. Im Bild: der Argentinier Martin Postigo im Duell mit der Gravitation. Mehr Fotos und Videos: www.redbull.com Bild: Luis Vidales/Red Bull Content Pool
10
des Monats
Yo s e m ite- Nati o nalpar k , K ali fo r n i e n , U SA
des Monats
Moonwalk
Hinter der Silhouette des Cathedral Peak im Yosemite- Nationalpark geht der Mond auf, als Dean Potter über sein Seil balanciert, das er zwischen zwei Felstürmen gespannt hat. Man beachte: Der US-Amerikaner ist ungesichert. „Was immer ich unternehme, ich tu es ohne Sicherung und im Alleingang“, sagt der Kletterer, BASE-Jumper, WingsuitPilot und Highliner. Es geht ihm um Selbstvertrauen: „Ich verlasse mich zu hundert Prozent auf meine Fähigkeit, mich wieder zu fangen, wenn ich merke, dass ich zu stürzen drohe. Dazu habe ich eine spezielle Bewegung entwickelt, die ich seit mittlerweile 19 Jahren trainiere.“ Das Video zum Moonwalk: vimeo.com/56298775 Bild: Mikey Schaefer
12
B oxh e ad P ot, E n g l an d
Licht ins dunkel „In Höhlen musst du dein Licht selbst erzeugen, wenn du Bilder schießen willst“, erklärt der britische Abenteuer- Fotograf Robbie Shone. Das klingt im ersten Hinsehen banal, kann sich aber zur echten Herausforderung auswachsen. Shone erinnert sich an ein Shooting im Höhlen- und Tunnelsystem des Boxhead Pot in Nordengland: „Ich hing mit meinem Kumpel Sam Allshorn am Seil. Wir drehten uns in einem fort. Eiskaltes Schmelzwasser rauschte auf uns hernieder. Der Lärm war ohrenbetäubend. In der Gischt begannen meine Blitzlichter zu flackern. Plötzlich fielen sie aus. Game over.“ Unmittelbar davor war Shone noch das Foto geglückt, das Sie auf dieser Seite sehen. Mehr Fotos aus der Unterwelt: www.shonephotography.com Bild: Robbie Shone
14
des Monats
BMW Motorrad
Ausblick
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OCULUS RIFT VR-HEADSET Die Revolution der Videospiel-Welt: Mit diesem Headset taucht der Benutzer via 110-Grad-Sichtfeld endgültig ab in die virtuelle Realität.
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Die neue Web-Doku-Serie der Red Bull Music Academy widmet sich der Internet-Musik-Kultur.
… und wie geht’s jetzt weiter? Musik ist nicht mehr, was sie einmal war, sie entsteht nicht mehr, wie sie entstand, sie wird nicht mehr so weitergegeben, wie sie weitergegeben wurde: Die Möglichkeiten des Internets haben alle gültigen Regeln außer Kraft gesetzt – und neue Regeln werden jeden Tag geschrieben. Diesen globalen Prozess dokumentieren, analysieren, diskutieren und kommentieren Künstler wie How To Dress Well, Flying Lotus, Mount Kimbie, TNGHT und Miguel in sechs Folgen der neuen Internet-Doku-Serie „H∆SHTAG$“, produziert von der Red Bull Music Academy.
PROJECT GLASS Nie mehr o≠line: Mit der ersten Augmented-RealityBrille, entwickelt von Google, surft man per Sprachsteuerung im Internet.
Alle Folgen von „HASHTAG$“, „H SHTAG$“, gibt’s auf: www.redbullmusicacademy.com
KRATZMEISTER
Saisonstart 2013
Freude am Fahren
Einsteigerplatten, Fingerübungen und Jimi Hendrix: Scratch-Champion DJ Qbert erklärt die Grundlagen seines Handwerks. DJ Qbert benutzt Plattenspieler als Instrumente. Statt einfach Vinyl abzuspielen, kreiert er beim Scratchen mit flinken Fingern neue Melodien und Klänge. Sein Handwerk heißt „Turntablism“. Bereits dreimal gewann er die DMC World Championship, die Weltmeisterschaft der Hip-Hop-DJs. Hier einige Scratch-Tipps des 43-jährigen Veteranen aus Kalifornien. : Welches klassische Instrument ist dem Plattenspieler am nächsten? : Das Piano. Eine Hand macht den Rhythmus, die andere spielt die Melodie. Welche Platte sollte man sich als Anfänger zulegen? Sehr viele DJs verwenden eine
Platte namens „Superseal“. Mit Beats und Sounds, die fürs Scratchen gemacht sind – zum Lernen perfekt. Ist das Scratchen für die Handgelenke belastend? Zum Teil. Deshalb sollte man immer wieder pausieren. Die Hände sanft massieren und ausschütteln. Es ist wie bei Läufern, wenn sie vor dem Rennen auf- und abhüpfen. Flotte Bewegungen sind gut. Was würdest du angehenden Hip-Hop-DJs raten? Als Teenager folgte ich einem Satz meines Helden Jimi Hendrix: „Geduld und viel Übung machen sich bezahlt.“ Das mag banal klingen, aber es stimmt, gerade für DJs. Infos zu DJ Qberts Scratch-Schule: www.qbertskratchuniversity.com
Der kalifornische DJ Qbert an seinem Arbeitsplatz
DER AUFRISS DES JAHRES: Hip-HopVisionär Flying Lotus über die Zukunft des Musikmachens
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DIE NEUE R 1200 GS. UND VIELES MEHR. ZUM SAISONSTART AM 9. MÄRZ 2013. BEIM BMW MOTORRAD PARTNER. Miramar Milton Martinez beweist in Argentinien, dass auch eine Melone zum Skaten geeignet sein kann. Gustavo Cherro THE RED BULLETIN
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Laibach
Punta Cana
17
Bullevard Beflügelndes in kleinen Dosen
Hokuspokus Demnächst verzaubert Komiker Steve Carell als „unglaublicher Burt Wonderstone“ das Kinopublikum. Aus diesem Anlass: die vier verzauberndsten magischen Meisterwerke der Filmgeschichte.
1. „PRESTIGE – DIE MEISTER DER MAGIE“ (2006) Hugh Jackman und Christian Bale als große Rivalen der Trickkiste.
2. „MAGIC – DIE PUPPE DES GRAUENS“ (1978) Anthony Hopkins wird von seiner eigenen Puppe terrorisiert.
SCHIEFE TÜRME Manhattans Skyline in kubanisch beschwingter Interpretation. Die Skulpturen des Kubaners Alexandre Arrechea, 42, wirken mitunter wie Bewohner einer surrealen Parallelwelt: Er lässt Bäumen Äste aus Basketballkörben wachsen, baut überdimensionale Espressomaschinen aus Ziegeln und gibt Schränken die Form von Handgranaten. In seinem aktuellen Projekt „No Limits“ hat sich Arrechea zehn herausragender New Yorker Gebäude angenommen. Wie Feuerwehrschläuche sehen die sechs Meter hohen Wolkenkratzer-Skulpturen aus, die sich in den Himmel schwingen und kurbeln. „Die Serie bietet eine neue Sichtweise auf das Verhältnis zwischen Kunst und Architektur“, sagt Arrechea. Zu sehen ist „No Limits“ bis 9. Juni standesgemäß entlang der Park Avenue in Manhattan, wo seine Interpretationen mit den Originalen in schwungvoller Konkurrenz stehen. www.alexandrearrechea.com
Alexandre Arrechea, 42, lebt und arbeitet in Madrid. 3. „HOUDINI, DER KÖNIG DES VARIETÉ“ (1953) Filmbiografie über den Entfesselungskünstler mit Tony Curtis.
4. „THE GRIM GAME“ (1919) Harry Houdini spielt einen vermeintlichen Gauner, der der Polizei auf magische Weise entwischt.
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BILDER DES MONATS
MOMENT MAL!
Szenen aus dem abenteuerlichen Alltag unserer Leser. Einfach per Mail an: phototicker@redbulletin.com Unter den Einsendern der veröffentlichten Fotos wird eine Trinkflasche des Schweizer Herstellers SIGG im speziellen Red Bulletin-Design verlost.
Otepää Wasser muss keineswegs flüssig sein, um ein Kajak auf Speed zu bringen, wie dieser estnische Event illustriert. Jaanus Ree, Red Bull Snow Kajak THE RED BULLETIN
Ausblick
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BILDER: REX FEATURES (2), THE KOBAL COLLECTION (2), RAFAEL GARCIA SANCHEZ/COURTESY OF ALEXANDRE ARRECHEA, ALEXANDRE ARRECHEA, RED BULL MUSIC ACADEMY, GETTY IMAGES, THUD RUMBLE LTD (2)
Die neue Web-Doku-Serie der Red Bull Music Academy widmet sich der Internet-Musikkultur.
… und wie geht’s jetzt weiter? Musik ist nicht mehr, was sie einmal war, sie entsteht nicht mehr, wie sie entstand, sie wird nicht mehr so weitergegeben, wie sie einst weitergegeben wurde: Die Möglichkeiten des Internets haben alle gültigen Regeln außer Kraft gesetzt – und neue Regeln werden jeden Tag geschrieben. Diesen globalen Prozess dokumentieren, analysieren, diskutieren und kommentieren Künstler wie How to Dress Well, Flying Lotus, Mount Kimbie, TNGHT und Miguel in sechs Folgen der neuen Internet-Doku-Serie „H∆SHTAG$“, produziert von der Red Bull Music Academy.
PROJECT GLASS Nie mehr o≠line: Mit der ersten Augmented-RealityBrille, entwickelt von Google, surft man per Sprachsteuerung im Internet.
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Hip-HopVisionär Flying Lotus über die Zukunft des Musikmachens
KRATZMEISTER Einsteigerplatten, Fingerübungen und Jimi Hendrix: Scratch-Champion DJ Qbert erklärt die Grundlagen seines Handwerks. DJ Qbert benutzt Plattenspieler als Instrumente. Statt einfach Vinyl abzuspielen, kreiert er beim Scratchen mit flinken Fingern neue Melodien und Klänge. Sein Handwerk heißt „Turntablism“. Bereits dreimal gewann er die DMC World Championship, die Weltmeisterschaft der Hip-Hop-DJs. Hier einige Scratch-Tipps des 43-jährigen Veteranen aus Kalifornien. : Welches klassische Instrument ist dem Plattenspieler am nächsten? : Das Piano. Eine Hand macht den Rhythmus, die andere spielt die Melodie. Welche Platte sollte man sich als Anfänger zulegen? Sehr viele DJs verwenden eine
Platte namens „Superseal“. Mit Beats und Sounds, die fürs Scratchen gemacht sind – zum Lernen perfekt. Ist das Scratchen für die Handgelenke belastend? Zum Teil. Deshalb sollte man immer wieder pausieren. Die Hände sanft massieren und ausschütteln. Es ist wie bei Läufern, wenn sie vor dem Rennen auf und ab hüpfen. Flotte Bewegungen sind gut. Was würdest du angehenden Hip-Hop-DJs raten? Als Teenager folgte ich einem Satz meines Helden Jimi Hendrix: „Geduld und viel Übung machen sich bezahlt.“ Das mag banal klingen, aber es stimmt, gerade für DJs. Infos zu DJ Qberts Scratch-Schule: www.qbertskratchuniversity.com
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DAS GEWINNERBILD
Miramar Milton Martinez beweist in Argentinien, dass auch eine Melone zum Skaten geeignet sein kann. Gustavo Cherro THE RED BULLETIN
Laibach Im Helm von Jungpapa Marko Grilc findet Snowboard-Zukunftshoffnung Maxx in Slowenien in den Schlaf. Domen Bizjak
Punta Cana
Einen Strand wie aus dem Bilderbuch genossen die Kitesurfer beim Red Bull Sun Slide in der Dominikanischen Republik. David Pou
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b u l l e va r d
Benjamin der Riesige
„Paradies: Hoffnung“ eröffnet die Diagonale.
2011 in La Molina (ESP) verteidigte Benjamin Karl sein 2009 geholtes WM-Gold im Parallel-Slalom. Nun verteidigte der Jungvater in Stoneham (CAN) als erster Snowboarder einen Titel im ParallelRiesenslalom. Der vierfache Weltmeister über die Unterschiede zwischen 2011 und 2013: Starker Verteidiger: Benjamin Karl
Filmhauptstadt Graz
25.000 Besucher, 130 Filme, ein Festival: Die Diagonale feiert den heimischen Film in all seinen Facetten.
2013
Erwartung Niemand hatte mich Ich gewann kurz vor auf der Rechnung … der WM den Heim mein letzter Sieg lag weltcup in Gastein ja ein Jahr zurück! Tief und reiste als Weltcup im Inneren glaubte ich führender nach Spanitrotzdem an mich – en. Es gab nur ein Ziel: aber eben nur dort. Doppelweltmeister! Vorbereitung In die WM 2011 ging Nach der Geburt meiich in einem Zustand ner Tochter wurde mir unbekümmerten, bewusst, dass ich eine jugendlichen LeichtFamilie zu ernähren habe. Erst mit viel sinns. Ich musste nur mentaler Arbeit kehrte trainieren – dann lief die Leichtigkeit zurück. alles wie von selbst. Bedeutung Alle hatten in La MoliVierfacher Weltmeisna zwei Goldene von ter … wow! Manche mir erwartet, am meisLeute haben mich mit ten wohl ich selbst. Toni Sailer verglichen. Diese Erwartungen zu Das ist natürlich zu erfüllen hat mich sehr viel der Ehre – klingt stolz gemacht. aber trotzdem gut! www.benjamin-karl.com
Höhnhart Knapp 100 Buben und Mädchen nahmen am ersten Stopp von Andi Goldbergers Talentsuche teil. Lucho Vidales 18
Ob bei den Festspielen in Filmfestival in Saarbrücken Cannes oder der Verleihung einen Hauptpreis. der Academy Awards: Hiesige Profitiert die Diagonale Regisseure wie Michael Ha vom internationalen Erfolg neke und Stefan Ruzowitzky des heimischen Films? werden international gefeiert. Die Besucherzahlen sind in Ihre Premiere haben die meis den letzten Jahren stark Barbara Pichler ten der heimischen Erfolgs gestiegen. Infolge des wah streifen übrigens auf der Diagonale in ren Preisregens für heimische Film Graz, beim großen Festival des öster schaffende ist ein breites Publikum reichischen Films. Festivalleiterin neugierig geworden. Im Ausland Barbara Pichler, 44, über das Kino wird Österreich für sein Autorenkino jahr, junge Talente und alte Meister. geschätzt, für Regisseure mit sehr red bulletin: Die Diagonale ist die individueller Haltung. Jahresschau des österreichischen Ulrich Seidl stellt mit „Paradies: Films. Was ist Ihr Resümee? Hoffnung“ den Eröffnungsfilm … barbara pichler: Im Bereich Spiel Nicht nur das. Wir zeigen die ganze film war’s ein außergewöhnliches Trilogie erstmals in einem Durchgang. Jahr, mit „Liebe“ von Michael Haneke Weil die Einzelfilme großartig sind, und der „Paradies“-Trilogie von Ulrich aber als Gesamtwerk ein noch viel Seidl. Mich freut auch der Erfolg der stärkeres Gefühl erzeugen. Jungen: Katharina Mückstein gewann Diagonale: 12.–17. März, verschiedene Kinos, Graz; das Programm auf www.diagonale.at mit ihrem Film „Talea“ beim Ophüls-
Valdaora di Sotto
Feuer, Eis und harte Bandagen gab es für die Freeskier beim Red Bull Kronplatz Cross in Italien. Federico Modica
Chiriquí Red Bull Air Race-Pilot Kirby Chambliss beweist beim Festival Aéreo 2013 in Panama seine aerobatischen Künste. Alfredo Bocanegra the red bulletin
Bilder: picturedesk.com (2), paradies hoffnung/diagonale, Ruth ehrmann
2011
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© 2013 adidas AG. adidas, the 3-Bars logo and the 3-Stripes mark are registered trademarks of the adidas Group.
B U L L E VA R D
MEIN KÖRPER UND ICH
IVANA ŠPANOVIĆ
Die 22-jährige serbische Weitspringerin ignoriert gebrochene Knochen und setzt auf Leistungssteigerung durch Fingernägel-Tuning.
IM FOKUS
1
Die mentale Vorbereitung auf einen Wettkampf ist oft wichtiger als die physische. Ich überlege ständig, wie ich besser werden kann. Befindet sich der Geist nicht zu hundert Prozent im Wettkampfmodus, funktioniert auch der Körper nicht.
www.facebook.com/IvanaSpanovic
2 NAGELPROBE
Ich liebe meine langen künstlichen Fingernägel. Ich habe das Gefühl, dass sie mich im Wettkampf stärker machen. Abgenommen habe ich sie erst einmal – dieses Jahr beim Trainingsauftakt in Südafrika. Dort standen einige Einheiten Kugelstoßen am Plan …
HARTER KNOCHEN
3
Kleine Wehwehchen wie etwa verstauchte Knöchel halten mich selten vom Training ab. In der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2012 brach ich mir zwei Handgelenksknochen … Tape drüber, und weiter ging’s.
4 MUSKULÖS
SCHWERBELASTUNG
5
Bei der Vorbereitung auf die WM in Daegu (Südkorea) 2011 brach mir links ein Mittelfußknochen. Zunächst merkte ich nichts, doch die Schmerzen wurden immer ärger – bis ich den Fuß nicht mehr belasten konnte. Die Folgen: vier Monate kein Sprungtraining.
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THE RED BULLETIN
TEXT: RUTH MORGAN. BILD: CHRIS SAUNDERS
Eigentlich sehe ich ja eher wie eine Sprinterin aus und nicht wie eine Weitspringerin. Ich trainiere fünf Stunden täglich, sechs Tage in der Woche – vor allem meine Oberschenkel, die für die Sprungkraft hauptverantwortlich sind.
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EINST UND JETZT
SKIHELME
Gut behütet in viereinhalb Jahrzehnten Skiweltcup: Was mit einer einfachen Epoxidschale begann, ist heute ein Lebensretter mit Formel1-Technologie.
WIDERSTANDSFÄHIG
Die Helmschale wurde in den 1960er Jahren aus Epoxidharz gegossen. Da die Kunstharz-Oberfläche nicht perfekt geglättet werden konnte, wurde der Helm – um einen geringeren Luftwiderstand zu bieten – mit Leinengewebe überzogen.
FLÄCHSERN
SPARTANISCH
Tragekomfort war ein Fremdwort: Gepolstert war der Helm nur mittels einer einfachen Schaumstoffschicht. Später wurde Futter aus thermoplastischem Kunststoff (etwa Polyethylen) verwendet.
UM 1967 GANT-GAMET GENOSKI „Ob Helm oder nicht: Zu meiner aktiven Zeit im Skiweltcup lag die Entscheidung in der Eigenverantwortung der Athleten“, erinnert sich Österreichs Abfahrtsweltmeister von 1974, David Zwilling. „In meiner Jugend trug ich bei Rennen nur eine Ledermütze. Mit fünfzehn stieg ich auf einen Helm um – einfach, um ein sichereres Gefühl zu haben. Bei einigen schweren Stürzen im Laufe der Karriere hat er mich wohl vor schlimmeren Folgen bewahrt.“
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David Zwilling, 63, Unternehmer, wurde 1974 in St. Moritz Weltmeister in der Abfahrt. www.fis-ski.com
THE RED BULLETIN
BILDER: KURT KEINRATH, PICTUREDESK.COM (2)
Gemäß aktuellen FISRegeln dürfen im Weltcup nur Helme verwendet werden, die Kopf und Ohren gleich gut schützen. In der frühen Helm-Ära bestand der Ohrenschutz nur aus einer dünnen Leinenschicht. Der Helmriemen aus Leder und Leinen wurde mit einer Metallschnalle befestigt.
B U L L E VA R D
KOPFSACHE
Zwischen Außenschale und Kopf ist der nur 600 Gramm leichte Helm mit dem Multidirectional Impact Protection System ausgestattet. Die Niederfriktionsschicht absorbiert die Rotationskräfte bei seitlichem Aufprall und schützt vor Gehirnverletzungen.
HARTE SCHALE
WEICHER KERN
Der gepolsterte Innenhelm mit Coolmax-Fasern sorgt für bestes Mikroklima am Kopf und eine geringe Trocknungszeit. Zur individuellen Anpassung können im Helm zudem selbstklebende Pads angebracht werden.
Die Außenschale aus Carbon und thermoplastischen Materialien wird in speziellen Druckbehältern „gebacken“. Die Lüftungsöffnungen bei den Ohren bestehen aus ultraleichtem Titan.
2013 SWEET PROTECTION ROOSTER CORSA Drei Jahre währte die Entwicklung dieses Skihelms aus faserverstärktem Kunststoff und Carbon – Materialien, die auch die Formel 1 verwendet. Seine maximale Widerstandskraft erlangt Carbon durch den neunstündigen Herstellungsprozess unter hohem Druck. „Wichtig ist, dass der Helm keinen einzigen Schwachpunkt aufweist“, sagt Norwegens Olympiasieger und Weltmeister Aksel Lund Svindal: unverzichtbar bei Spitzentempi bis 150 km/h.
THE RED BULLETIN
Fährt auch den RTL stets mit Helm: Aksel L. Svindal. (In Abfahrt und Super-G besteht ohnehin Helmpflicht.) sweetprotection.com
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B U L L E VA R D
MEINE WELT
CHANNING TATUM
Bevor seine Hollywood-Karriere Fahrt aufnahm, verkaufte er Haustiere und tanzte in Go-go-Bars. Nun soll das einstige Fotomodell aus Alabama auch noch den Präsidenten retten. LÜG EN FÜR HUN DE
in CullChanning Tatum wird am 26. April 1980 her brilliert man, Alabama, geboren. Als Jugendlic -Fu. Ein die Sportskanone in Baseball und Kung Uni. Doch Football-Stipendium bringt ihn an die und bald schmeißt „Chan“ sein Studium hin hrt er jobbt in einer Tierhandlung. Dort bewa indem seine Lieblingshunde vor dem Verkauf, er die Tiere bei Kunden schlechtmacht.
NAC KTBAR KEE PER
Obskur auch Tatums weiterer beruflicher Weg: Er versprüht Aftershave im Kaufhaus und arbeitet als Go-go-Tänzer. Während dieser Zeit hört er den Satz, der sein Leben verändern wird: „Du könntest doch Model werden!“ Tatum findet eine Agentur, dreht erste Werbespots und ist eine Sekunde lang in Ricky Martins „She Bangs“-Musikvideo zu sehen: als halbnackter Barkeeper.
EIN MAGIS CHES JAHR
2012 entwickeln sich drei seiner Streifen mit „mittlerem Budget“ zu Kassenschlagern: „Für immer Liebe“, „21 Jump Street“ und der Stripper-Film „Magic Mike“ (darin kennt er sich aus) kosten 79 Millionen Dollar und spielen 565 Millionen ein. Aus dem Schönling, der 195 Kilo drücken kann, ist ein Schauspieler geworden, der einen ganzen Film trägt.
WH ISK EY FÜR ALLE
2012 eröffnet Tatum die Bar „Saints and Sinners“ in New Orleans’ berühmtem French Quarter – passenderweise in der Bourbon Street. „Nie würde ich anderswo eine Bar führen“, erklärt der Besitzer sein zweites Standbein. „Die Leute kommen mit wenig Geld. Sie wollen feiern und ausflippen – ich helfe ihnen dabei.“
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ss-Tradition In bewährter Showbusine Angeles, Los h nac um Tat delt übersie Im . den wer um Schauspieler zu en sein er legt 4 200 ber Septem am letzten Freunden ans Herz, sich Miami“ Montag des Monats „CSI: die eines anzusehen. Tatums Rolle: llkappe eba Bas mit pfs hko Schwac der ein namens Bob Davenport, aterial Speedboot voller Beweism he. klaut, inklusive einer Leic
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SCHAU SPIELE R-LIEB E
2006 beschert Tatum die Hauptrolle im Tanzfilm „Step Up“ einen Achtungserfolg und eine neue Partnerin: Co-Star Jenna Dewan (die beiden heiraten 2009). In den folgenden fünf Jahren dreht Tatum ein Dutzend Spielfilme: solide Streifen, Achtungserfolge an den Kinokassen und „Filme mit mittlerem Budget, die trotzdem irgendwie funktionieren“.
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riller 2013 spielt Channing Tatum im Psychoth (mit Steve „Side Effects“, im Drama „Foxcatcher“ “ den Carell) und muss in „White House Down ation für entführten Präsidenten retten. Die Motiv „Erfolgreiche dieses Arbeitspensum erläutert er so: solange du Schauspieler sagen, du musst drehen, ch rein!“ einfa Hau t. mms beko Geld Channing als Elite-Kämpfer: www.gijoemovie.com THE RED BULLETIN
TEXT: PAUL WILSON. ILLUSTRATION: LIE-INS AND TIGERS
„G. I. JOE“-G EHE IMN IS
Nach Tatums Karriereexplosion wird der Kinostart von „G. I. Joe – Die Abrechnung“ von Sommer 2012 auf März 2013 verschoben. Gerüchten zufolge, um zusätzliche Szenen mit dem neuen Superstar zu drehen oder bestehende Szenen aufzufetten – in der ursprünglichen Fassung war Tatums Figur gleich zu Beginn gestorben.
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DIE SIEGER DES MONATS
Gregor Schlierenzauer feierte beim Skifliegen in Harrachov (CZE) die Weltcupsiege 47 und 48 und ließ damit den Finnen Matti Nykänen in der ewigen Bestenliste endgültig hinter sich.
BILDER: PICTUREDESK.COM, JOERG MITTER/RED BULL CONTENT POOL, RED BULL CARIBBEAN, KTM IMAGES/RED BULL CONTENT POOL
Am Platz an der Sonne vereint: Überflieger, Dauerbrenner, Rückkehrer und Serientäter.
Nachdem eine Knieverletzung Aaron Hadlow zehn Monate außer Gefecht gesetzt hatte, kehrte der britische Kiteboarder beim Punta Cana Kite Fest (DOM) eindrucksvoll auf das oberste Treppchen zurück.
… und abermals heißt der Sieger Kyle Croxall. Der Kanadier trumpft nach Niagara Falls auch beim zweiten Stopp der Ice Cross Downhill World Championship in Saint Paul (USA) auf.
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Nach seinem Triumph in Oakland siegte Ken Roczen (GER) in der 250SX-Klasse der AMA Supercross auch in Anaheim und führt nun das Gesamtklassement an.
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FormelSammlung
Fest im Griff
Kilian Fischhuber packt kraftvoll zu: beim Klettern der „Southern Delight 8c+“-Route durch die Taipan Wall im Grampians-Nationalpark in Victoria, Australien
bild: reinhard fichtinger, Stefan Schlumpf/Red Bull Content Pool. illustration: manfy fischer
Wie viel Kraft steckt in den Fingern eines Kletterers? Unser Physiker* rechnet es vor. Formel Für Profis Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Grifftiefe und der maxi malen vertikalen Kraft, welche die Finger beim „Half Crimp“ (Abb. 1) gerade noch „tolerieren“ können? Um die Fingerkraft objektivierbar zu machen, testete 2012 eine Studie Kletterer, die mit einer Hand an einem waagrechten Vorsprung hingen. Die Teilnehmer waren Sportler, die den Schwierigkeitsgrad IX (von XII) auf der Skala der UIAA (Union Internationale des Associations d’Alpi nisme) klettern können. Abb. 2 zeigt den Zusammenhang zwischen Leis tentiefe und Fingerkraft: Die Kraft steigt mit der Grifftiefe an und erreicht einen Plateauwert, der bei etwa 520 Newton liegt. Zum Vergleich: Kilian Fischhuber, fünffacher Gesamtweltcupsieger im Bouldern, schafft bei diesem Test beeindruckende 800 N. Das Körpergewicht ergibt sich aus FG = m · g, wobei m die Masse des Kletterers ist und g die Erdbeschleunigung (rund 10 m/s²). Kilian hat mit 63 kg ein Körpergewicht von rund 630 N. Bei etwas größerer Grifftiefe kann er sich also locker mit einer Hand halten, was bei den untersuchten gleich schweren Kletterern nicht der Fall wäre. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Der Österreicher Fingerkraft und Muskelkraft in den Unterarmen? Die Finger sind aufgrund ihrer vielen Gelenke bio Kilian Fischhuber, 29, mechanisch schwer zu beschreiben. Wir fassen sie ist fünffacher Gesamtweltcupsieger in der daher zu einem einzigen zusammen. Generell gilt Kategorie Bouldern für einen Hebel im Gleichgewicht: Kraft mal Kraft und ein versierter arm ist Last mal Lastarm, also Fk · rk = FL · rL (Abb. 3). Felskletterer. Für die Beugung des mittleren Fingergliedes ist der Musculus flexor digitorum superficialis zuständig, dessen Kraft wir mit 650 N (FM) abschätzen. Weil seine Sehne schräg zieht, jedoch die vertikale Kraftkomponente FK entscheidend ist, müssen wir modifizieren: FK = FM · cosα und somit FL = FM · cosα · rk/rL . Der springende Punkt: Bei gleicher Muskelkraft ist die Fingerkraft indirekt proportional zum Lastarm rL (FL ~ 1/rL). Je nachdem, wo der Hauptauflagepunkt der Finger ist, wo also FL wirksam wird, verändert sich der Lastarm (rL ). Bei einem tiefen Griff kann dieser Punkt näher an den Drehpunkt heranrücken, rL ist kleiner (z. B. 2 cm) und FL somit größer (450 N). Wird der Griff schmäler, rückt dieser Punkt vom Dreh punkt weg, rL steigt (3 cm), und FL sinkt (300 N; Abb. 3). Natürlich gibt es noch andere Unterarmmuskeln, die die Fingerkraft erhöhen. Man kann mit diesem einfachen Modell aber nachvollziehen, warum die Finger kraft bei kleineren Griffen sinkt. Training für alle Wie stärkt man die Fingerkraft in der Praxis? „Mit Übungen am Campus board – das ist eine Holzplatte mit waagrecht eingeschraubten Leisten“, sagt Kilian Fischhuber. Wer’s noch einfacher mag oder derartige Aus gaben scheut: „Ein stabiler Türstock tut’s auch.“ www.kilian-fischhuber.at *Mag. DDr. Martin Apolin, 48, Physiker und Sportwissenschaftler, arbeitet als AHS-Lehrer und Lektor an der Fakultät für Physik in Wien und ist mehrfacher Buchautor.
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MARK McMORRIS
SHAUNS ALBTRAUM Bei den X Games diesen Jänner in Aspen deklassierte er nicht nur Shaun White. Im französischen Tignes jagt Snowboard-Jungstar Mark McMorris den goldenen Slopestyle-Hattrick.
„Shaun White dominert Slopestyle keineswegs“: Mit diesen Worten erlaubte sich Mark McMorris am Vorabend der X Games 2013 eine regelrechte Majestätsbeleidigung. Doch der 19-Jährige aus Regina, Saskatchewan, ist nicht irgendwer. Bei den X Games 2012 hatte „McLovin“ den Big-Air-Bewerb mit dem ersten Backside Triple Cork 1440 der X-Games-Geschichte gewonnen. Und einen Tag später auch im Slopestyle Gold abgeräumt. Jedenfalls ließ McMorris seinen Worten Taten folgen. Mit der Rekordpunktezahl von 98,00 in einem Run stellte er auch USSuperstar Shaun White (5-mal SlopestyleGold bei X Games) in den Schatten. Nun peilt der Jungstar das nächste Edelmetall an: bei den X Games in Tignes (20. bis 24. März) in den französischen Alpen. : Bei den X Games 2012 und 2013 hast du Slopestyle-Gold geholt, zuletzt mit 98 Punkten den besten Lauf der X-Games-Geschichte hingelegt. Wie geht’s dir, wenn in Tignes Wunderdinge von dir erwartet werden? 28
: Ich mag das. Je höher die Erwartungen sind, desto mehr hänge ich mich rein. Eure Tricks sind mittlerweile auf einem unglaublichen Level, der Zuseher fühlt sich wie in einem Videogame. Keine Angst vor Verletzungen? Doch, auf jeden Fall. Was wir machen, ist mittlerweile wirklich gefährlich. Aber wir entwickeln uns ja auch immer weiter, werden bessere Snowboarder, und bei großen Events wie den X Games sind die Kurse auch immer perfekt präpariert. Das gibt dir Sicherheit. Slopestyle ist dein Ding. Was liebst du daran am meisten? Jeder Kurs ist anders, jeder Lauf ist anders. Ein immer neuer Mix aus Tricks und Rails, viel Abwechslung, viel Kreativität, viel Spaß.
… und dann gibt es Events wie Red Bull Ultra Natural im freien Gelände. Für mich ist das wie Urlaub, mit meinen Kumpels in den Wäldern von British Columbia mitten im Nirgendwo im Pulverschnee shredden. Gibt es noch so etwas wie ein Traumziel für dich? Ich war noch nie in Chile. Nach allem, was ich gehört habe, muss ich dort unbedingt mal hin. Du verbringst ohnehin eine Menge Zeit im Flugzeug: 2013 hat man dich schon in Aspen gesehen, dann beim Air & Style in Innsbruck, dann bei den US Open in Vail, Ende März wieder Europa … … und nicht zu vergessen den TestEvent in Russland, dort möchte ich schließlich nächstes Jahr bei den Olympischen Spielen an den Start gehen. Steckst du diese Reisestrapazen leicht weg? Nicht immer. Aktuell macht mir eine Halsentzündung zu schaffen, echt lästig. Das Einzige, was ich tun kann, ist, so gesundheitsbewusst zu leben wie möglich, mich auszuruhen, wann immer es geht – und das Hotelzimmer nur zu verlassen, wenn es unbedingt nötig ist. www.markmcmorris.com THE RED BULLETIN
TEXT: ANN DONAHUE. BILDER: GETTY IMAGES, KAREEM BLACK/RED BULL CONTENT POOL
Mark McMorris, hier mit einem stylischen Japan Air, auf dem Weg zu seiner fünften X-Games-Medaille
Briefe an die Redaktion. Das Interview von Marco Büchel mit Marcel Hir scher war von der ersten bis zur letzten Zeile Lese genuss pur. Ein Interview der Extraklasse. Das Ein fühlungsvermögen des ehemaligen Spitzensport lers Büchel, gepaart mit höchster Fach- und Sach kenntnis, ist bewunderns wert. Und Hirscher? Er ist mir durch dieses Interview noch sympathischer ge worden – eigentlich kaum vorstellbar! Ein „am Bo den“ gebliebener Weltstar mit Haus-, aber vor allem auch Herzverstand. Dr. Werner G. Zenz, Salzburg
illustration: dietmar kainrath
Ich habe gerade Eure neue Ausgabe durchgeblättert und bin bei Sally Fitzgib bons („Mein Körper und ich“) hängen geblieben. Die Kette, die sie trägt, ist die im Handel erhältlich? Kathrin Maurer, per E-Mail Die Halskette mit den zwei silbernen Bullen ist Athletinnen vorbehalten. Ein Tipp der Redaktion: Vielleicht finden Sie unter www.redbullcollection. com etwas Schmückendes. Ich bin ein begeisterter Leser Eures Magazins. Ihr bringt immer wieder sehr interessante Berichte aus der Welt des (Extrem-) Sports und aus aller Her the red bulletin
ren Länder – da bekomme ich meist Lust, es den Protagonisten gleichzutun und zu reisen oder irgend was Verrücktes auszupro bieren. Eine Rubrik gefällt mir ganz besonders: die „Physikstunde“, wo Ihr angewandte Physik/Me chanik an realen Beispie len demonstriert. Ich bin Student an der TU Wien und bereite mich momen tan auf eine schwere Me chanik-Prüfung vor: Wäre es möglich, eine Samm lung dieser Artikel zu be kommen? Ich würde die Beispiele gerne zum Üben hernehmen, da sie viel praxisnaher sind als alles, was wir auf der Uni so vorgesetzt bekommen (traurig, aber wahr). Stefan Vonbun, per E-Mail Alle bereits erschienenen Formeln finden Sie zum Nachrechnen unter www. redbulletin.com in unserem Internet-Archiv. Die Red. Leserbriefe an The Red Bulletin richten Sie bitte per Fax an +43 (0)1 90221-28809, per E-Mail an leserbriefe@at. redbulletin.com oder per Post an Heinrich-Collin-Straße 1, 1140 Wien. Leserreaktionen werden nur veröffentlicht, wenn sie Name und Adresse bzw. E‑Mail-Adresse enthalten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor, wenn es Länge und Klarheit erfordern.
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ZAHLEN DES MONATS
GEFÄNGNIS-AUSBRÜCHE Vor exakt fünfzig Jahren, am 21. März 1963, wurde die Insel-Haftanstalt Alcatraz, genannt The Rock, stillgelegt. Aus diesem Anlass: die spektakulärsten Gefängnisausbrüche der letzten acht Dekaden in Zahlen.
9,75
40.000 Die Presse verlieh Alfred Hinds den Spitznamen „Houdini“. Denn in den 1950er Jahren gelangen dem Briten, der wegen Juwelenraubs einsaß, gleich drei Ausbrüche. Beim ersten Mal fräste er sich in der Gefängniswerkstatt eine Kopie seines Zellenschlüssels und entwischte über eine sechs Meter hohe Mauer. Ein Jahr später entkam er während des eigenen Gerichtsprozesses, als er die Wachen beim Toilettengang im Klo einsperrte. Nach dem dritten Ausbruch verkaufte er seine Lebensgeschichte an eine Zeitung – für kolportierte 40.000 Dollar.
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Pascal Payet
Pascal Payet (Überfall auf einen Geldtransporter) ist vielleicht kein kreativer, aber ein erfolgreicher Ausbrecher: 2001 entkam er mit einem von Komplizen gekaperten Hubschrauber aus dem Gefängnis von Luynes, Frankreich. Zwei Jahre später befreite er selbst drei Ex-Mithäftlinge – auf gleiche Weise aus derselben Haftanstalt. Wieder eingefangen, wurde er als Vorsichtsmaßnahme alle drei Monate verlegt. Ohne Erfolg: Im Juli 2007 landete, erraten!, ein Helikopter auf dem Dach von Lyons Haftanstalt – und flog Payet erneut in die Freiheit.
Schloss Colditz
Gesucht wird: John Dillinger
Frank Morris
1576
In seinen 29 Betriebsjahren galt das Gefängnis von Alcatraz in der Bucht von San Francisco als ausbruchssicher. 1576 Häftlinge, 14 Fluchtversuche – alle fehlgeschlagen, heißt es offiziell. Doch 1962 gruben sich Frank Morris und zwei Mitinsassen mit Löffeln einen Weg durch das Gemäuer eines Belüftungsschachts und flüchteten mit einem aus Gummiregenmänteln gebastelten Schlauchboot. Offiziell hieß es, das Trio sei ertrunken. Im Gegensatz zu anderen Ausbruchsfällen fand man die Leichen jedoch nie.
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Die kriminelle Karrierestatistik von John H. Dillinger, dem ersten Staatsfeind Nr. 1 der USA, ist beeindruckend: 24 Banküberfälle, zwei Gefängnisausbrüche. Der zweite gelang am 3. März 1934. Er bedrohte die Wachen mit einer (angeblich mit Schuhcreme eingeschwärzten Holz-)Pistole und sperrte alle 33 Gefängniswärter binnen 15 Minuten in die Zellen. Um sich dann unter spöttischem Gelächter just im Auto des Sheriffs davonzumachen.
Gefängnisinsel Alcatraz
Alfred Hinds
320
Im April 2011 kam es in einem afghanischen Gefängnis zum spektakulärsten Ausbruch der jüngeren Geschichte: 480 inhaftierte Taliban-Kämpfer türmten durch einen 320 Meter langen Tunnel, an dem sie fünf Monate lang gegraben hatten. Dass die Wachen von diesen Arbeiten nichts mitbekommen hatten, erschien unwahrscheinlich. So unwahrscheinlich, dass sich die als Kollaborateure Entlarvten nun die Gefängniszellen mit 70 wieder festgenommenen Ausbrechern teilen. Mehr über das legendärste Gefängnis der Welt auf: www.alcatrazhistory.com THE RED BULLETIN
TEXT: FLORIAN OBKIRCHER. BILDER: CORBIS, REX FEATURES (2), PICTUREDESK.COM (2), GETTY IMAGES (3)
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Schloss Colditz in Sachsen war während des Zweiten Weltkriegs ein Gefangenenlager für alliierte Offiziere. 1944 schmiedeten zwei dort inhaftierte britische Piloten einen kühnen Plan: Mit einem Segelflieger hofften sie vom Dach der Festung in die Freiheit zu entkommen. Zu diesem Behufe konstruierten sie aus Dielen, Regalbrettern und Bettbezügen ein Fluggerät mit 9,75 Meter Spannweite. Zum Einsatz kam der Flieger aber nicht – kurz vor der Fertigstellung wurde Colditz von US-amerikanischen Truppen befreit.
Zittern im Himmel Kataloniens Castellers errichten Türme aus Menschen. Bis zu 300 Männer, Frauen und Kinder formen diese fragilen Gebilde. Im Wettkampf geht es stets um die Ehre ihrer Stadt – und gegen die Angst vor dem Absturz.
Text: Andreas Rottenschlager, Bilder: Philipp Horak
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MenschenturmbauBewerb in der Kleinstadt Vilafranca del Penedès nahe Barcelona: Brauchtum trifft auf Nervenkitzel.
Heilige Hoch stapler Menschentürme gehören zur katala nischen Kultur wie Antoni Gaudís Bauwerke oder der FC Barcelona. Entstanden aus einfachen Hebe figuren, die während religiöser Prozessio nen gezeigt wurden, halten heute rund 7000 Castellers in 66 Vereinen den Brauch am Leben. Wettkämpfe finden von April bis November in der Umgebung Barcelonas statt. Wer die spektakulärsten Menschenpyramiden errichtet, gewinnt.
Die Hebefiguren des 19. Jahrhunderts wurden zu komplexer „Architektur“ weiterentwickelt: hier die Xicots de Vilafranca.
Aufbautraining unter Druck: Der Biss in den eigenen Hemdkragen ersetzt den Zahnschutz aus Plastik.
Gegenseitige Hilfe vor dem Wettkampf: Die schwarzen Hüftbinden stabilisieren die Lendenmuskulatur.
Jeder Handgriff zählt Bis zu zehn Stockwerke hoch stapeln die besten Gruppen ihre Türme aus Menschen. Sobald das Kind an der Spitze seinen Arm in die Höhe streckt, gilt die Menschenpyramide als vollendet. Mitmachen darf jeder, der Leidenschaft und Einsatz mitbringt. Beruf, Alter oder Geschlecht spielen keine Rolle. Die Vereine, katalanisch „Colles“, verstehen sich als Integrationsplattformen: „Arbeitslose klettern auf Politiker“, sagt Josep Cabré, Präsident der Castellers de Vilafranca, „im Turm sind alle Menschen gleich.“
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ein leBen lang iM turM Körperbau und Talent bestimmen, welche Position ein Casteller im Menschenturm einnimmt. Manche klettern als Schulkinder an die Spitze der Menschenpyramide, formen als Jugendliche die mittleren Etagen und stützen als Rentner ihre Kollegen in der Pinya. Der Leitspruch der Castellers gilt für jedes Alter: „Força, equilibri, valor i seny“ – Kraft, Gleichgewicht, Mut und Vernunft. Ivan (6) mit geprelltem Fuß, die Folge eines Sturzes vom Castell. „Ich weiß jetzt, wie man fliegt“, sagt er stolz. Seit 2006 gilt für Kinder Helm- und Mundschutzpflicht.
Oben: Die CastellersGruppe aus Valls wenige Sekunden nach dem Einsturz ihres Turms. Unten: Warten auf den n채chsten Aufbauversuch.
aufstieg und aBsturz Die meisten Unf채lle passieren w채hrend der Abbauphase: Eine falsche Bewegung gen체gt, um ein Castell aus 300 Personen zu Fall zu bringen. Schwere Verletzungen bleiben dennoch die Ausnahme: Fallende Castellers landen auf ihren Kollegen.
the red bulletin
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Die Mitglieder der Castellers de Vila franca formen die Basis für ein neun stöckiges Castell. Für jede Turm-Variante existiert ein genau festgelegter Bauplan.
Präzision an der Basis Die kreisrunde Basis eines Menschenturms heißt „Pinya“. Sie wird rund um die vier Männer im Zentrum gebildet, auf deren Schultern weitere Castellers klettern, um die höheren Etagen zu formen. Ein Träger in der Pinya muss bis zu 350 Kilogramm auf seinen Schultern balancieren. Salvador Moreno macht den Job seit 23 Jahren. „Manchmal werde ich dabei ohnmächtig“, sagt er.
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Schlaue Statik: der neunstöckige Turm der Castellers de Vilafranca mit einer zusätzlichen Säule in der Mitte und einem Extra-Stützring um die zweite Etage.
Der Perfekte Moment Menschentürme bauen bedeutet: monatelange Vorbereitung auf jenen Augenblick, in dem 300 Personen eine perfekte Einheit bilden. Sobald das Castell steht, brechen die Zuseher in Jubel aus. Die Castellers selbst feiern erst nach erfolgreichem Abbau. Pere Almirall i Piqué, Trainer der Castellers de Vila franca: „Turmbauen wirkt wie eine Droge.“
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„Habt keine Angst“ Drei Turmbau-Champions aus Vilafranca über Absturz-Sorgen, Rückenschmerzen und die Psychologie der Menschenpyramide.
Pere,
der Architekt. Wer wissen will, wie man den perfekten Menschenturm plant, muss mit Pere Almirall i Piqué sprechen. Pere, 38, jugendliches Gesicht, ist Cap de Colla der Castellers de Vilafranca – der Trainer von Kataloniens erfolgreichster Turmbaugruppe. Acht nationale Meistertitel hat sein Team aus der 38.000-Einwohner-Stadt nahe Barcelona bisher gewonnen – mehr als jede andere Colla zuvor. Als eine von nur zwei Mannschaften weltweit errichtet die Gruppe Castells mit zehn Etagen. „Ich mag die Mischung aus Brauchtum und Nervenkitzel“, erklärt Pere in seinem Büro im Ortszentrum von Vilafranca, „Menschentürme bauen wirkt wie eine Droge – irgendwann wirst du süchtig danach.“ Als Cap de Colla bestimmt Pere, welche Person in welches Stockwerk klettert. Er legt die Taktik bei Wettkämpfen fest und gibt Anweisungen für den Aufstieg. „Du lernst, mit allen mög lichen Leuten auszukommen und ihre Talente richtig einzuschätzen. Du musst Bauarbeiter und Banker gleich gut motivieren können.“ Den Aufbau der Türme dirigiert Pere von außerhalb der Pinya, der kreisrunden Basis eines Castells: „Es ist ein nervenaufreibender Job – du bist verantwortlich für den Erfolg, kannst aber selbst nicht aktiv eingreifen.“ Pere sagt, dass nur jeder hundertste seiner Türme einstürzt. Meistens während der kritischen Phase kurz nach Beginn des „ Abbaus“, wenn die Leute in den untersten Stockwerken bereits erschöpft sind. 42
Zuletzt sackte eines seiner astells ausgerechnet am Tag vor C dem Wettkampf in Vilafranca zusammen – während des Trainings am Rathausplatz, vor 4000 einheimischen Zusehern. „Jemand im zweiten Stockwerk hatte das Gewicht auf den falschen Fuß verlagert und ist ab gerutscht. Eine solche Nachlässigkeit darfst du dir nicht leisten.“ Nach dem Sturz musste Pere, der im Zivilberuf Brandschutz türen verkauft, 300 Männer, Frauen und Kinder mental wieder aufpäppeln. „Ich habe versucht, mit jedem Einzelnen zu sprechen“, erzählt Pere, „als Cap de Colla bist du auch Psychologe.“ Was er seinen Leuten gesagt hat? „Ich habe ihnen gesagt: Habt keine Angst. Ihr seid gut.“
Salvador,
der Schwerarbeiter. Rundgang durch Cal Figarot, den Vereinssitz der Castellers de Vilafranca: Das zweistöckige Hauptgebäude beherbergt Konferenzräume und einen großzügigen Speisesaal. Durch den anliegenden Garten gelangt man zur Turnhalle, in der die Castellers ihre Turmvarianten proben. Vieles hier erinnert an eine Zirkusschule: Ein engmaschiges Auffangnetz schützt die Castellers beim Klettern. An der Pinnwand zeigen Bleistiftskizzen die Pläne zukünftiger Castells. Vor dem Eingang zur Halle streckt sich Salvador Moreno im Gras und lässt sich seinen breiten Rücken massieren. Salvador, 54, hat den Oberkörper eines Gewichthebers. Baixos heißt seine Position im Turm auf Katalanisch – „die Unteren“. Salvador bildet den Sockel der Menschensäule.
Castellers-Chef Pere muss notfalls 300 Menschen trösten. the red bulletin
Oben: Familie Sabaté glaubt an den pädagogischen Wert des Turmbauens. Unten: Castellers-Chef Pere Almirall i Piqué kons truiert Vilafrancas Menschenpyramiden.
Die TurmbauTitanen Mit einer Rekordanzahl von acht Titeln bei den katalanischen Meisterschaften in Tarragona gelten die Castellers de Vilafranca als eine der besten Turmbaugruppen der Welt. 500 Mitglieder zählt die Colla aus der 38.000-Einwohner-Stadt westlich von Barcelona – 300 davon bauen aktiv an den Menschentürmen mit. Präsident Josep Cabré: „Wir sehen uns nicht als Verein. Wir sind eine Familie.“
Baustein Mensch Vom Kraftprotz in der Pinya bis zum Schulkind an der Spitze: Kataloniens Castells werden zu einem lebenden Gesamtkunstwerk kombiniert. Die Stockwerke des Turms im Überblick: Pom de Dalt Enxaneta (der Reiter) Acotxador (der Zudecker) Dosos (die Zweier)
Tronc Quints (die Fünften)
Quarts (die Vierten)
illustration: Ruedi Schorno
Terços (die Dritten)
Gemeinsam mit seinen Kollegen balanciert er bis zu neun Stockwerke auf seinen Schultern. Je nach Verteilung des Gewichts drücken bis zu 350 Kilogramm auf seinen Körper. „Wie fühlt sich das an?“ „Das Atmen fällt dir schwer. Da, wo ich stehe, ist es stockdunkel. Ich kann die Leute neben mir nicht sehen. Aber wir versuchen uns gegenseitig anzufeuern.“ Klein und kräftig müssen die Baixos sein. Salvador misst 1,69 Meter und wiegt 96 Kilo. Die Castellers sagen: Dort, wo die Baixos stehen, schlägt das Herz des Turms. Salvador trainiert regelmäßig seine Rückenmuskulatur. Der schwarze Kummerbund, den sich die Castellers um die Hüfte wickeln, dient als zusätzlicher Stabilisator. „Rückenschmerzen habe ich trotzdem“, sagt er. Seit 23 Jahren baut Salvador an den Menschenpyramiden mit. Oft beginne man als kleines Kind an der the red bulletin
Segons (die Zweiten)
Pinya
Baixos (die Unteren) Die Basis – „Pinya“: stützt das unterste und zweitunterste Stockwerk und verhindert, dass sich der Stamm des Turms verformt. Stürzt ein Castell ein, dient die Pinya als Auffangmatratze. Der Stamm – „Tronc“: reicht vom untersten Stockwerk, das sich im Zentrum der Pinya befindet, bis zur Etage unter den Dosos. Die Stockwerke im Tronc werden immer aus der gleichen Anzahl von Menschen gebildet: Der Turm kann so klassifiziert werden. Die Grafik oben zeigt eine „3d8“-Formation – ein achtstöckiges Castell mit einem Stamm aus je drei Personen. Die Krone – „Pom de Dalt“: Aufgrund ihres geringen Gewichts formen Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren die drei höchsten Etagen im Castell. Sobald der Enxaneta an der Spitze seine Hand ausstreckt, gilt der Turm als fertig aufgebaut.
Spitze des Turms, erzählt er, und wandere mit den Jahren hinunter bis an dessen Basis. Salvador arbeitet als Verkäufer in einem Gärtnerei-Fachgeschäft. „Nur wenige Menschen können Baixos werden“, sagt er. „Wenn die Castellers von meinen Schultern steigen, werde ich manchmal ohnmächtig.“ „Warum tust du dir das an?“ „Menschentürme bauen macht mich glücklich.“
Silvia,
die Mutter im Turm. Abends in Cal Figarot, dem Vereinssitz. Der Lokalsender TV3 zeigt Zusammenfassungen der Turmbau-Wettkämpfe. Während die Erwachsenen bei einem Bier die Castells der Konkurrenz diskutieren, lärmt eine Horde Kinder durch die Kantine. Im Menschenturm treffen Generationen aufeinander: Das jüngste Mitglied der Castellers de Vilafranca ist sechs Jahre alt, das älteste dreiundsechzig. Silvia Sabaté, 44, baut seit ihrem 18. Lebensjahr an Castells mit. Sie unterstützt die Baixos an der Basis bei ihrer Knochenarbeit. Ihre Kinder Pere, 11, Foix, 10, und Aina, 8, klettern währenddessen bis in die achte Etage. „Was fühlt man da als Mutter?“ „Ich bin nervös. Jedes Mal, wenn sie dort oben sind.“ 2006 starb ein zwölfjähriges Mädchen in Mataró an den Folgen eines Sturzes. Für die Kleinsten gelten seither Helm- und Mundschutzpflicht. Vor jedem Wett bewerb wird gemeinsam auf gewärmt. Im Training übt man sicheres Fallen. Weshalb statistisch gesehen schwere Verletzungen die Ausnahme bleiben. Silvia arbeitet als Kinderärztin in einem Krankenhaus in Vila franca. „Wenn ich das Risiko für zu groß hielte, würde ich meine Kinder nicht da raufschicken“, sagt sie. „Außerdem glaube ich an den pädagogischen Wert des Turmbauens.“ „Was lernen deine Kinder im Castell?“ Silvia überlegt. „Dass alle Menschen gleich sind.“ Infos: www.castellersdevilafranca.cat Alle Turmbau-Termine: www.cccc.cat
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Zurück aus der
Tiefe Am 6. Juni 2012 wollte Herbert Nitsch seinen eigenen Weltrekord im Freitauchen auf 244 Meter verbessern. Dabei kam er beinahe ums Leben. Nun meldet sich der 42-jährige Wiener erstmals zu Wort. Interview: Ron Mueller und Arek Piątek
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Bild: phil simha
Santorin, 6. Juni 2012, 14.34 Uhr: Herbert Nitsch wird nach seinem abgebrochenen Rekordversuch von Hilfstauchern an die Wasser oberfläche eskortiert.
the red bulletin: Herbert Nitsch, seit dem Unfall ist über ein halbes Jahr vergangen. Wie geht es Ihnen? herbert nitsch: Es geht mir besser, sagen wir so, immer besser. Von gut sind wir noch weit entfernt. 46
„Es passiert mit dem Blut das, was mit Sekt passiert, wenn man eine Sektflasche öffnet.“ Wenn Sie so dasitzen, erkennt man keinerlei Anzeichen von Einschränkungen. Das Gehen wirkt noch ein wenig unrund … … „ein wenig“ ist sehr höflich formuliert, danke. Ich gehe wieder aus eigener Kraft, ohne Rollstuhl, ohne Stock, ohne Rollator, das ist schon ein großer Fortschritt, aber es sieht noch eckig aus, als wäre ich aus Holz. Und wenn ich mich nicht konzentriere, schlenkert das rechte Bein, als würde es an der Hüfte baumeln. Wenn ich zu laufen versuche, sieht das noch viel komischer aus, eine Mischung aus Stechschritt und Lambada, ungefähr. (Lacht.)
Bilder: phil simha, maria ziegelböck
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erbert Nitsch ist der beste Free diver aller Zeiten: 31 Rekorde in den unterschiedlichs ten Disziplinen, amtierender Rekordhalter in der anspruchsvollsten, gefährlichsten Disziplin „No Limits“, der Jagd nach der größten Tiefe. 2006 tauchte Nitsch als erster Mensch mit einem Atem zug auf 183 Meter ab, ein Jahr später ver besserte er den Rekord auf 214 Meter. Im Juni 2012 plante der frühere Berufspilot, vor der griechischen Insel Santorin seinen Rekord auf 244 Meter zu verbessern, 800 Fuß, eine Tiefe, die Mediziner für un machbar hielten. Der Versuch schlug fehl, Nitsch wurde bewusstlos aus dem Wasser geborgen. Seither gab es keine gesicherten Informationen über seinen Zustand.
Herbert Nitsch beim Sicherheitscheck mit dem Tauchschlitten vor dem Apnoe-Weltrekordversuch
Wien, 7. Jänner 2013: Sieben Monate nach seinem missglückten Rekordversuch spricht Herbert Nitsch erst mals über den Unfall.
Chronik einer Katastrophe 6. Juni 2012, Amoudi Beach, Santorin, Griechenland: die dramatischen Minuten eines Tauchgangs zwischen Triumph und Tragödie.
14:00 Uhr
14:30 Uhr
14:33 Uhr
14:34 Uhr
Letzte Vorbereitungen im Meer vor Santorin: In einem Tauchschlitten möchte Herbert Nitsch mit nur einem Atemzug eine Tiefe von 244 Metern erreichen und danach unversehrt an die Oberfläche zurückkehren. 4:30 Minuten soll der Weltrekordversuch dauern.
Es geht los. Nach 90 Sek. öffnet Nitsch in 249,5 m Tiefe die Pressluftflaschen am Schlitten, als Antrieb nach oben. In 80 m Tiefe hätte er sich vom Schlitten abschnallen, auftauchen und in 10 m Tiefe einen 1-minütigen, lebenswichtigen Dekompres sionsstopp einlegen sollen.
Der unbemannte Schlitten schießt aus dem Wasser. Zuvor musste der bewusstlose Herbert Nitsch von Hilfstauchern aus dem Schlitten, der in 10 m Tiefe automatisch angehalten hatte, befreit werden.
Als Nitsch wieder an der Oberfläche erscheint – 30 Sekunden früher als geplant –, blutet er aus der Nase, wirkt benommen und versucht, einem deswegen irritierten Hilfstaucher die Taucherbrille vom Kopf zu reißen.
14:35 Uhr Mit einer Sauersto≠flasche taucht Nitsch, begleitet von den Hilfs tauchern, wieder ab.
14:55 Uhr
14:56 Uhr
Nitsch taucht erneut auf. Mit schmerz verzerrtem Gesicht, benommen und nicht mehr ansprechbar.
Die Rettungskette tritt in Aktion: Herbert wird aufs Festland gebracht, danach ins Athener Militärspital. Dort wird die Dekompressionskammer auf den Wert des Tiefenmessers an Nitschs Handgelenk eingestellt. Auf dessen Display steht: 249,5.
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the red bulletin
Auftauchszenario Wie Ohnmacht unter Wasser zum Tauchunfall führte. Das war geplant 5
Hilfstaucher bringen Nitsch an die Wasseroberfläche.
Nitsch taucht auf, ist ansprechbar und gibt Okay-Zeichen.
10 m 3:00 min
4
Dekompres sionsstopp für ca. 1:00 min.
80 m 2:22 min Nitsch verlässt den Tauchschlitten und taucht allein Richtung Oberfläche.
0m 4:00 min
10 m 2:44 min Tauchschlitten stoppt auto matisch. Hilfstaucher bergen den bewusst losen Nitsch.
3
2
100 m 2:15 min Plötzliche Ohnmacht in etwa 100 Meter Tiefe.
1
249,5 m 1:25 min Nitsch erreicht Rekordtiefe.
bilder: phil simha (4), Peter de Hueber (2), zwefo
0m 4:30 min
Das ist passiert
Hört man genauer hin, ist da noch eine kleine Unsicherheit beim Sprechen … Auch „kleine“ ist sehr freundlich. Wenn ich versuche, schnell zu sprechen, oder wenn es kompliziertere Wörter sind, zum Beispiel „kompliziertere“, dann wird es meiner Zunge zu schnell, genauer gesagt der Nervenleitung zwischen Gehirn und Zunge. Es klingt dann wie Lallen, als wäre ich ein bisschen betrunken. Erstaunlicher weise geht Englisch viel besser als Deutsch, keine Ahnung, warum. Ja, und insgesamt ist meine rechte Körperseite schon noch sehr eingeschränkt. Sie sind Rechtshänder … Ja. Tee in eine Tasse einzuschenken, zum Beispiel, wäre mit der rechten Hand eine einzige Sauerei. Schreiben musste ich mit links lernen, allein schon, um wieder eine Unterschrift zu haben. Mit rechts sieht meine Schrift krakelig aus wie von einem Volksschüler, der versucht, wie ein Er wachsener zu schreiben, jeder Buchstabe anders. Um meine rechte Hand zu trai nieren, beginne ich beim Zähneputzen immer rechts. Erst wenn die Schulter zu müde wird, wechsle ich auf links. Es war, medizinisch gesehen, wohl ein Schlaganfall, den Sie beim Unfall im Juni erlitten haben? Multiple Schlaganfälle. Vereinfacht gesagt war es so: Die Luft besteht aus 20 Prozent Sauerstoff und 80 Prozent Stickstoff. Der Sauerstoff im Blut wird beim Tauchgang verbraucht, der Stickstoff komprimiert. Taucht man zu schnell auf, dehnt sich der Stickstoff fast explosionsartig wieder aus, und es passiert mit dem Blut das, was mit Sekt passiert, wenn man eine Sektflasche öffnet. Und das ist nicht gesund. Die Stickstoffbläschen, die beim Auftauchen entstanden sind, haben eine Reihe von Schlaganfällen verursacht. Was ist Ihre letzte Erinnerung vom 6. Juni 2012? Kann ich nicht sagen. Wir haben inzwi schen das Videomaterial von Santorin zigmal analysiert, und meine Erinnerung verschmilzt mit diesen Impressionen. Was aber zählt: Wir können mit ziemlicher Sicherheit sagen, wie sich der Unfall zu getragen hat. Und auch, dass es so einen Fall noch nie gegeben hat. Was ist in diesen vier Minuten genau passiert? Ich habe 244 Meter planmäßig erreicht. Beim Auftauchen bin ich in etwa 100 Meter Tiefe ohnmächtig geworden. Daher konnte ich nicht wie geplant von meinem Schlitten absteigen … … der Carbon-Apparatur, die einen Freitaucher in die Tiefe und wieder herauf zieht … … ja. Eigentlich hatte ich geplant, vom
Schlitten abzusteigen, selbständig auf zutauchen, langsam, und auf zehn Metern noch eine Minute zu warten. Dann wäre nichts passiert. Ich wurde aber ohn mächtig, durch den Tiefenrausch. Auch wenn die Ärzte meinen, dass die Taucher krankheit die Ohnmacht verursacht hat. Jedenfalls ist der Schlitten mit dem bewusstlosen Herbert Nitsch in einem durch heraufgefahren, ohne Stopp, zu schnell, bis auf zehn Meter. Dort blieb er automatisch stehen. Und weil ich ohn mächtig war, haben mich die Sicherungs taucher befreit, damit ich nicht ertrinke. Ich war ja am Schlitten angeschnallt. An der Wasseroberfläche kamen Sie, das hat man gesehen, wieder zu Bewusstsein. Und sind sofort wieder abgetaucht. Wieso das? Ich hab mir reinen Sauerstoff geschnappt und bin wieder runter auf zehn Meter, um der Taucherkrankheit entgegenzuwirken. Dass du, wenn irgendwas passiert, wieder runter musst, das ist so tief drinnen in dir als Taucher, das passiert aus dem Unter bewusstsein. Ich kann mich nicht an diese Minuten erinnern. Typisch für Schlaganfälle sind neurologische Störungen, Wortfindungs störungen, Gedächtnisausfälle. Sie wirken in unserem Gespräch sehr sattelfest. Täuscht das? Leider ja, diese Probleme kenn ich, und die hab ich. Aber wenn ich merke, dass mir eine Vokabel nicht einfällt, bin ich mittlerweile doch recht geschickt darin, mir eine andere Formulierung einfallen zu lassen. Wenn Sie mir eine zweigeteilte Frage stellen, werde ich wahrscheinlich den ersten Teil beantworten und den zweiten Teil vergessen. Das Passwort für meinen Computer ist mir erst vor kurzem durch Zufall wieder eingefallen. Oder Namen, die waren fast alle weg. Hätte ich in meinem Telefon nicht zu den Namen auch die entsprechenden Firmen gespei chert, wäre ich aufgeschmissen gewesen.
„In guten Momenten hilft Humor, in schlechten ist es zum Verrücktwerden.“
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„Ich bin, auch wenn ich noch lange nicht wieder der Alte bin, immer noch der Alte, von meiner Persönlichkeit her.“ Wut nicht. Eher Angst. Und vor allem Ver zweiflung. So viel Verzweiflung, wie man nur haben kann. Ganz schlimm war es am Anfang, nach dem Aufenthalt in der Klinik in Athen, dann in der Reha in Murnau in Deutschland. Da sind Schläuche aus mei nem Körper rausgekommen, wo eigent lich keine Öffnungen sind. Du kriegst nur das Getuschel mit, hinter deinem Rücken, Ärzte, Schwestern. Du willst es eigentlich gar nicht hören, aber weghören kannst du ja auch nicht. Was du aufschnappst an Fetzen, das klingt so fürchterlich, dass du denkst: Das wird nix mehr. Ich hatte wahnsinnige Angst, ein Pflegefall zu bleiben. Ich dachte mir, wenn das so ist, dann die Sache besser gleich zu Ende bringen. Zu Ende bringen heißt tatsächlich …? … dass ich im Reha-Zentrum in meinem Rollstuhl auf dem Balkon gesessen bin, runtergeschaut und gedacht habe: Das sind zwei Stockwerke. Das könnte weh tun. Unten Erde, nicht Asphalt, das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass man das überlebt, ist ungünstig groß. Ich habe eine gute Freundin, Unfallchirurgin, die hat mir einmal erzählt von den Leuten, die es versucht haben, aber bei denen es nicht geklappt hat. Wie die dann ausge sehen haben. Also wollte ich auf Nummer sicher gehen und habe beschlossen, das aufzuschieben, bis ich wieder zurück bin in Wien. Ich wohne ja im 26. Stock. Wie kamen Sie von diesem Gedanken wieder ab? Weil vieles besser geworden ist. Und weil ich es meinem Vater versprochen habe. Lebensfreude war wohl auch eine Frage der Disziplin, wie sehr man Selbstmitleid zulässt? Ja. Der Alltag wird zum Trainingslager. Beim Telefonieren geht man auf und ab, um das Gehen zu trainieren. Man geht einkaufen, um sich der Öffentlichkeit zu stellen. Ich bin auch abends wieder aus gegangen. So wie das früher Vergnügen war, war es jetzt Teil meines Programms. Ich musste mich bewähren.
Bild: Maria ziegelböck
Wo haben die Stickstoffbläschen den größten Schaden angerichtet? Es waren verschiedene Bereiche meines Gehirns betroffen, zum Glück tendenziell im unteren, hinteren Teil des Kopfs, nicht hinter der Stirn, dort, wo die Persönlich keitsmerkmale sitzen. Ich bin also, auch wenn ich noch lang nicht wieder der Alte bin, immer noch der Alte, von meiner Per sönlichkeit, von meinem Charakter her. Ich wirke nur nach außen anders. Das heißt auch, Sie nehmen jede Ihrer Einschränkungen ungefiltert wahr: das eckige Gehen, das unsichere Sprechen, die ungeschickte rechte Hand … … alles, die Gedächtnisausfälle nicht zu vergessen. (Lacht.) Ich sehe, höre und empfinde das alles völlig klar. Ich beob achte mich dabei, wie mir ein Name nicht einfällt von jemandem, den ich eigentlich seit Jahren kenne. Es ist manchmal auch peinlich … ein Mädel, mit dem ich einmal was hatte, habe ich gefragt, ob wir uns kennen. In guten Momenten hilft Humor, Selbstironie, in schlechten ist es zum Verrücktwerden. Wie geht jemand, der in seinem ganzen Leben stets Erfolg hatte, der Berufspilot war, dann Profisportler, extrem fit, extrem erfolgreich, der Grenzen überwunden hat, die unüberwindbar schienen, mit solchen Einschränkungen um? Zum Teil ist es ein Leider, dass ich das alles so mitkriege, zum Teil ist es ein Gottsei-Dank. Leider, weil das manchmal wahnsinnig deprimierend ist, Gott sei Dank, weil man erst dadurch gezielt dar an arbeiten kann, es zu verbessern. Wie sieht Ihre Rehabilitation aus? Ich mache viel selbst, Balanceübungen, wie auf einem Bein stehen, oder ich lese mir zu Hause selber laut aus einem Buch vor, um meine Aussprache zu verbessern. Ich war eine Zeitlang im Unfallkranken haus Meidling in Wien auf Reha, aber die sind natürlich auf Fälle wie meinen nicht eingestellt, wie sollen sie auch. Die klinisch-ambulante Reha hat bei mir im Prinzip genauso ausgesehen wie bei einem 75-jährigen Schlaganfallpatienten mit 100 Kilo, der sein Leben lang keinen Sport gemacht hat. Du baust Türmchen aus Bauklötzen, zum Beispiel – oder du baust sie eben nicht, weil du zu unge schickt dazu bist und dir die bunten Holz würfel vom Tisch runterfallen. Dinge, die so einfach sind, dass es umso schlimmer ist, wenn du daran scheiterst. Demütigend. Manchmal denkst du: Die Patienten, bei denen das Gehirn auch betroffen ist, die sind besser dran. Die kriegen nicht mit, wie sie bei’nander sind. Wie viel Verzweiflung und Angst waren da, vielleicht sogar Wut?
Insgesamt 31 ApnoeBestmarken hat Her bert Nitsch in seiner Karriere aufgestellt. Derzeit hält er Rekorde in drei Disziplinen.
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Unten: meditative Atemübungen als Training. Zehn Minuten lang konnte Nitsch im Ruhezustand die Luft anhalten. Ganz unten: Bremsklappe am Tauchschlitten
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schwimmern bin ich trotzdem um die Ohren geschwommen. Sie waren ein sportliches und medizinisches Phänomen, haben das Frei tauchen in Dimensionen geführt, die als unmöglich gegolten haben. Sie haben Dinge erlebt, die nie ein Mensch vor Ihnen erlebt hat. War es das wert? Rechtfertigen die Höhen … … rechtfertigen sie die Tiefen, meinen Sie? (Lacht.) Meine Höhen waren ja Tiefen. Rechtfertigt Ihre Karriere, rechtfertigt der Erfolg die Folgen Ihres Unfalls?
„Hätte ich geahnt, dass es so ausgeht, hätte ich es nicht gemacht. Nie.“
Nein. Hätte ich geahnt, dass es so aus geht, hätte ich es nicht gemacht. Nie. Was ist falsch gelaufen? Haben Sie es überreizt? Haben Sie Grenzen überschritten, die der Mensch einfach nicht überschreiten darf? Ja und nein. Nein, weil ich immer viel vorsichtiger war, mir der Gefahren immer bewusster war als alle anderen. Ich war kein Abenteurer, ich war das Gegenteil von einem Hasardeur. Ich habe vor allem im Bereich Sicherheit viel Neues in den Sport gebracht. Nicht zuletzt das hat mich ja so gut gemacht. Im Freediving wirst du ja nicht besser, wenn du depperter wirst, sondern wenn du gescheiter wirst. Aber inwiefern haben Sie’s dann doch überreizt? Indem ich den Rekordversuch in Santorin durchgezogen habe, trotz schlechter Vor zeichen. Das hätte ich nicht machen sollen. Es war eine Verkettung von unglücklichen Umständen dort, Murphy’s Law in Rein kultur. Schlechtes Wetter, das Boot hat sich losgerissen, weil der Anker nicht gehalten hat, dann hat ein Fischkutter unseren Anker gefangen und unser Boot abgeschleppt, wir hatten keine Druck kammer vor Ort, aus finanziellen Grün den und weil Partner dann doch noch abgesprungen sind. Viele organisatorische Dinge im Vorfeld, unerwartete Troubles mit Behörden, Unstimmigkeiten mit Sponsoren, ich habe zum Beispiel in der Nacht vor dem … hm, Vorfall um zwei Uhr noch einen Vertrag unterschrieben. Ich glaube, ich kann sagen: Wenn nur einer dieser Umstände nicht eingetroffen wäre, hätte alles geklappt. Normales Pech wäre kein Problem gewesen. Sie haben sich persönlich um allen Papierkram gekümmert? Ja. Die Organisation in Santorin sollte durch den Hauptsponsor erfolgen, aber nach Vorverhandlungen scheiterte eine Vereinbarung, und auf einmal musste ich alles selbst machen. Einige Leute spran gen helfend ein. Mein Vater zum Beispiel organisierte die ganze Rettungskette. Ist das nicht, mit Verlaub, wahnsinnig unprofessionell? Sie wollen fast 250 Meter tief tauchen, mit einem Atemzug, und statt sich darauf vorzubereiten, organisieren Sie in den Wochen davor das ganze Drumherum, und in der Nacht vor dem Tauchgang handeln Sie noch Verträge aus? Ich habe in den Wochen davor kaum mehr als vier Stunden pro Nacht geschlafen, weil so viel zu organisieren war. Einer seits hatte ich für Santorin überhaupt ein anderes Set-up geplant, aber da hat mich ein Sponsor kurzfristig im Stich gelassen, die hatten plötzlich ganz andere Ideen als the red bulletin
bilder: phil simha (2)
Gibt es Limits? Werden Sie etwas nie wieder können? Was sagen die Ärzte? Die Ärzte, pah … nach den anfänglichen Prognosen ist ja mein jetziger Zustand schon ein Wunder. Ich habe mir vorläufig das Ziel gesetzt, dass jemand, der nichts von meinem Unfall weiß, keine Folgen erkennt. Werden Sie je wieder tauchen? Ich war schon tauchen. Ende September, an einem der letzten schönen Herbsttage, im Neufelder See in der Nähe von Wien. Nur drei Meter tief, es war trotzdem schön. Im Wasser kann einem nichts passieren, man kann nicht umfallen, man kann sich nicht weh tun. Wirklich genossen habe ich aber das Schwimmen. Es ist viel besser gegangen als gedacht, von der Technik her. Ich wusste ja nicht, ob ich nicht viel leicht nur herumplantsche wie ein Hund. Der rechte Arm und das rechte Bein waren zwar unkoordiniert, den Hobby
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„Ich habe 100.000 Euro von meinem Geld in den Event gesteckt. Da war schon Druck, medial und finanziell.“ Was haben Sie denn jetzt vor? Wovon wollen Sie leben und wofür? Zunächst muss ich weiter an mir arbeiten, körperlich, geistig. Aber was die meisten nicht wissen: Freitauchen, wettkampf mäßig, war ja schon vor Santorin viel leicht fünf Prozent von dem, was ich getan habe. Ich habe relativ viele Vorträge gehalten, mit den Erfahrungen als Berufs pilot und als Freediver hat man da ein ordentliches Spektrum: Organisations optimierung, Risiko- und Krisenmanage ment. Das soll ein Standbein bleiben. Und weil mich ein Schlittenbauer im Stich ließ, habe ich meinen Schlitten gemein sam mit einem Freund selbst gebaut. Wir haben Dinge gemacht, die als unmöglich galten, und dabei habe ich gelernt, wie man mit Carbon und Fiberglas arbeitet.
Dieses Know-how möchte ich nützen, möchte ein Boot bauen, auf dem ich leben kann, über Ozeane fahren, Vorträge hal ten. Ein 50-Fuß-Boot (ca. 15 Meter; Anm.), das Ökonomie, Sport und Ökologie ver bindet, das autonom ist, monatelang ohne externe Energiequelle auskommt, nur von Solarkollektoren betrieben. Und es gibt Pläne für ein neuartiges Untersee boot. Es waren schon zig Leute am Mond, aber nur drei am tiefsten Grund des Meeres. Das ist doch eine schöne Heraus forderung. Wie tief waren Sie eigentlich unten vor Santorin? Die Computer zeigen an, dass ich auf knapp 250 Meter unten war, die zuverläs sigsten Messungen ergeben 249,5 Meter. Aber damit möchte ich nicht angeben. Ich sehe es so, dass ich dort gescheitert bin. Was ist aus Ihrer Sicht der Rekord? 249,5 Meter oder 214? Gefühlsmäßig eher die 214. Aber ehrlich? Das ist mir mittlerweile egal. Herbert Nitsch zu Gast bei „Sport & Talk aus dem Hangar-7“: am 25. März um 21:15 Uhr bei Servus-TV; www.herbertnitsch.com the red bulletin
Bild: Maria ziegelböck
vereinbart. Andererseits hatte sich alles über die Jahre so entwickelt, dass ich mich selbst um meine Angelegenheiten kümmere. Mir ist es beim Tauchen nie ums Geld gegangen, es war immer mein Hobby. Der Papierkram ist nebenbei mit gelaufen, und er war auch nie allzu kom pliziert. Die Sponsoren sind ja auf mich zugekommen, nicht ich auf sie. Auf Santorin kam dann die Sache mit dem Welt-Tauchverband AIDA (Associa tion Internationale pour le Développe ment de l’Apnée; Anm.) dazu, dessen Vertreter vor dem Rekordversuch abreiste. Ach, das war egal. Soweit ich weiß, ist nicht einmal jemand angereist von denen. Es ging darum, dass die AIDA einen Kon kurrenten meiner Sponsoren zum Sponsor hat und meinen Rekord quasi als Leistung ihres Sponsors verkaufen wollte. Wir konnten uns zuerst doch einigen, dann haben sie aber kurzfristig einen Rück zieher gemacht. Nicht die AIDA hat ab gesagt, ich habe die AIDA ausgeladen. Weswegen Ihr Weltrekord keine offizielle Anerkennung erhalten hätte. Völlig egal. Erstens gibt es andere Orga nisationen, zweitens hatte ich fast ein Dutzend Messcomputer mit unten. Die Anerkennung von irgendeinem Verband macht keinen Unterschied. Tatsache ist: Sie hatten auf Santorin alles andere als eine gute Vorbereitung. Sie hätten doch einfach sagen können: Sorry, wir müssen ein paar Tage warten. Wieso haben Sie das nicht getan? Ein paar Dutzend Journalisten aus aller Welt waren vor Ort, Sponsoren, die natür lich auch wollten, dass wir noch vor dem Sommerloch in die Medien kommen. Da war schon Druck, auch finanziell, schließ lich hatte ich 100.000 Euro von meinem eigenen Geld in den Event gesteckt. Zu verschieben wäre ein großer finanzieller und medialer Verlust gewesen. Ich dachte oft drüber nach, die Sache zu verschieben. Was war letztlich ausschlaggebend, dass Sie sich fürs Durchziehen entschieden haben? Das eigentliche Ziel waren ja nicht die 800 Fuß von Santorin, sondern 1000 Fuß (knapp 305 Meter; Anm.), und ich wusste auch, dass die möglich sind. Die 800 Fuß waren nur ein Zwischenstopp, übertrieben gesagt eine Art besserer Fingerübung. Wir waren so weit vom Limit weg, als müsste Usain Bolt 100 Meter in zehn Sekunden laufen. Dafür braucht man keine perfekten Bedingungen. Ich dachte, mir platzen wahrscheinlich die Trommelfelle, das sind ein paar Wochen Schmerzen, Maximum. Ob ich ein paar Stunden Schlaf mehr habe oder weniger, schien mir unwichtig. Das war wohl mein Fehler.
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Tagebuch
DAKAR 14 14 e ta pp e n
P e rsp e kt i v e n
S c h i cks a l e
14 Protagonisten der Rallye Dakar über jeweils einen Tag auf den erbarmungslosen achteinhalbtausend K i l o m e t e r n z w i s c h e n L i m a u n d S a n t i a g o d e C h i l e . Text: Werner Jessner, Bilder: Philipp Horak
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Stag e
BRASILIEN
PERU LIMA PISCO NAZCA AREQUIPA
L a u r e n t L a z a rd ( U R U ) , M o t o rr a d „Ein rotes Kabel und ein schwarzes … nein. Nein. Das rote? Okay. Später.“ Ruhig bleiben jetzt. Bereits nach 3,9 Kilometern der ersten Sonderprüfung macht der Motor meiner Yamaha keinen Mucks mehr. Nach dem Telefonat mit dem Mechaniker im Biwak funktioniert immerhin die Hupe, was die Sache nur noch verwirrender macht. Ein gutes Dutzend heimischer Motorrad-Fachkräfte, getarnt als Fans, hat sich inzwischen auf mein Bike gestürzt und legt Hand an. Grundsätzlich sind Verbrennungsmotoren keine Raumschiffe: Benzin, Zündfunken, schon laufen sie. Leider funkt es weder, noch fließt Benzin. Dabei habe ich mir für meinen achten Dakar-Start solche Mühe gegeben: Habe mir Bauch und Schnurrbart wachsen und rosa Wäsche mit meinem Namen maß fertigen lassen. Statt zehn Minuten dauert mein Tag bereits sechs Stunden, ich bin Letzter, Allerletzter. Sogar die LKW sind alle längst vorbei. Wenn ich das Bike nicht flottbekomme, bin ich der Mann mit einer der kürzesten Dakars der Geschichte.“
Stag e
P i s c o > P i s c o Simion Velasque Cruz (Per), S c h i rm v e rl e i h e r „Dieses Jahr bin ich 52 Jahre alt geworden. Ich betreibe am Strand meiner Heimatgemeinde Paracas einen Schirm verleih. Mein Datsun-Pickup ist Baujahr 1974. 30 hölzerne Sonnenschirme habe ich in der Früh aufgeladen und bin damit die 17 Kilometer nach Pisco gefahren. Am heimischen Strand ist heute ohnehin wenig los: Die halbe Stadt ist hier, Dakar schauen. Angeblich waren seit gestern eine Million Peruaner auf der Straße, um die Autos, LKW und Motorräder zu sehen. Pro Tag verlange ich zehn Dollar Miete pro Schirm. Das Biwak macht zwei Tage Station in Pisco, ein gutes Geschäft für mich. Unten beim Eingang verkaufen ein paar Typen selbstbedruckte DakarT‑Shirts, aber das dürften die eigentlich nicht. Mit den Schirmen habe ich kein schlechtes Gewissen. Paracas ist viel schöner als Pisco. Die Dakar sollte unbedingt nach Paracas kommen.“ 58
BOLIVIEN
ARICA
PA ZIFIK
L i m a > P i s c o
CALAMA SALTA
Atacamawüste COPIAPÓ LA SERENA
FIAMBALÁ
SAN MIGUEL DE TUCUMÁN
LA RIOJA CÓRDOBA
SANTIAGO DE CHILE
ARGENTINIEN CHILE
Abend für Abend wandelt sich das Biwak in eine Werkstatt zum Schminken hoffnungsloser Gebrauchtwagen. Von der Romantik früher Tage ist wenig übrig: Es gibt fest zugewiesene Plätze und genau verteilte Aufgaben, ganz als handelte es sich um ein normales Rennen.
Stag e
Stag e
P i s c o > N a z c a
N a z c a > A r e q u i pa
A r e q u i pa > A r i c a
T i m o G o ttsc h a lk ( GE R ) , B e i f a h r e r „Vor zwei Jahren habe ich an der Seite von Nasser Al-Attiyah die Dakar gewonnen, heuer ist mein Job, Carlos Sainz im Buggy mit der Nummer 303 den korrekten Weg zu weisen. Man muss sich die Wertungsprüfungen ein wenig wie eine digitale Schnitzeljagd in Highspeed vorstellen: Ein GPS-Punkt nach dem anderen muss in der korrekten Reihenfolge angefahren werden. Pro Tag sind das 50, 60 GPS-Punkte, bei Etappenlängen von 200, manchmal auch 400 Kilometern. Gestern haben wir einen Checkpoint nicht gefunden, er war nicht am Display. Inzwischen kennen wir den Grund: Schuld war ein Kontaktfehler im GPS, das vom Veranstalter gestellt wird. Dennoch hat ein gegnerisches Team gegen uns Protest eingelegt. An der Spitze gibt es keine Sentimentalitäten.“
N a ss e r a l - Att i y a h ( Q a t ) , A u t o „Bislang läuft unser Buggy wirklich gut. Das ist wahnsinnig erfreulich für ein so junges Projekt, das bei weitem nicht so viele Testkilometer absolviert hat, wie wir das gerne gehabt hätten. Während das Schwesterauto von Carlos das Pech anzuziehen scheint, läuft bei uns alles rund. War ein schöner Sieg heute, der 16. Etappensieg in meiner Karriere. Jetzt haben wir nur noch knapp fünf Minuten Rückstand auf den Führenden Stéphane Peterhansel, und es kommen noch ein paar Etappen, die unserem Auto liegen sollten. Sieht aus, als ob es auf ein Duell unseres jungen Heckantrieb-Buggys mit amerikanischem V8-Motor gegen den ausgereiften Allrad-Mini mit Dieselaggregat rausläuft. Ich bin happy, so kann es weitergehen. Aber die Rallye dauert noch lang.“
A n dr e y K a r g i n o v ( R u s ) , T r u ck „Ziemlich normaler Tag. Früh überholten wir Vortagessieger Hans Stacey. Der hatte ein Problem, lag ja auch am Dach. Einmal blieben wir stecken, danach zogen wir unseren Teamkollegen Ayrat Mardeev aus dem Sand. Wir beendeten die Etappe auf Platz 2 und rückten gesamt auf Platz 5 vor. Die Gegner, die so stark gestartet sind, bekommen bereits Probleme. Der Holländer Stacey sagt, er ist nur deshalb so schnell durch die Berge gefahren, weil er sich vor ihnen fürchtet. Wir sind ein gutes Team. Nur der Mechaniker, der zum ersten Mal dabei ist, jammert, dass ihm das Rütteln im Führerhaus den Kopf abreißt. In die Kabine gekotzt hat er mir aber noch nie. Liegt wohl am getrockneten Fisch und am Bier, das wir uns am Ende der Etappe gönnen.“
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zusatzbild: Marcelo Maragni/Red Bull Content Pool
Stag e
der Argentinier weiß den zuschauer streng vom Rennfahrer zu trennen. Strenge diagnose im Medizinzelt. Grundregel: Wenn du schlafen kannst, schlafe. Positive überraschung: die Buggys von Al-Attiyah und Sainz (v. o. im uhrzeigersinn).
STag e
ARicA > cALAmA yo u R a M e aS SaT h i a n y ( f R a ) , a R z T „Ich bin 60 Jahre alt und seit acht Jahren Manager des Medical Team. Wir betreuen mit 58 Personen 200 Patienten pro Tag. Die Beschwerden sind mannigfaltig: Durchfall, Traumata, Sonnenbrand, Moskitos, Höhenkrankheit. Immerhin gehen wir auf fast 5000 Meter Höhe. Auch bei tödlichen Unfällen sind wir vor Ort. Im Biwak haben wir ein Röntgengerät und einen UltraschallEchographen, wir könnten sogar Operationen durchführen. Lieber erledigen wir das aber in den Krankenhäusern entlang der Strecke. Unsere Station ist 24 Stunden besetzt. Wir haben zwei Trailer, die in Schichten ab- und am nächsten Etappenziel wieder aufgebaut werden. Unsere Patienten sind extrem leidensfähig. Keiner gibt freiwillig auf. Es ist auch nicht unsere Aufgabe, sie zu stoppen. Wenn es irgend geht, befördern wir sie zurück ins Rennen.“ 61
zusatzbild: Marcelo Maragni/Red Bull Content Pool
Manchmal hältst du inne und fragst dich, was du hier eigentlich machst. Mit dem Seil in der Hand, dem Buggy im Loch, allein in der Pampa, der echten. Wie soll das weitergehen? Es geht immer irgendwie weiter. Fast immer. Auch für Pascal Thomasse und Pascal Larroque (FRA).
Stag e
Cala m a > Salta
T u c u m á n > C ó rd o b a
T h o m a s B o u r g i n ( F R A ) , M o t o rr a d Der 25-jährige Franzose stößt im Morgengrauen im ersten Teil der 584 Kilometer langen Verbindungsetappe mit einem Polizeiauto zusammen und stirbt am Straßenrand. Schon am vierten Tag war ein Begleitfahrzeug des britischen Teams Race2Recovery in der Nacht mit zwei peruanischen Taxis kollidiert. Zwei Einheimische kommen dabei ums Leben, sie bleiben genauso namenlos wie die sieben Verletzten. Viele Piloten, besonders Motorradfahrer, halten die elendslangen, einschläfernden – und sportlich irrelevanten – Liaisons zwischen den Etappenorten längst für gefährlicher als die Wertungsprüfungen selbst.
C y r i l D e spr e s ( FrA ) , M o t o rr a d „Zwei Müsliriegel, zwei Mandelriegel, zwei Guaraná-Gels, fünf PowerBar-Gels, ein Bananenriegel, ein halber Liter ProteinMilchshake, 2½ Liter Hydro-Drink: Das hat heute leider nicht gereicht. Vor der Verbindungsetappe musste ich noch eine Tankstelle plündern und 1½ Liter Wasser, zwei Red Bull und Apfelkompott kaufen. In meinem Wohnwagen hat mein Betreuer zwei rohe Eidotter und eine Portion Astronautennahrung vorbereitet, danach folgt das Abendessen. Zugegeben: Die heutige Etappe war wirklich hart. Du musstest permanent in leichter Hockstellung fahren, mit dem Gesäß 20 Zentimeter über der Sitzbank. Nur das war schnell. Meine Bestzeit heute hatte außer mit Fitness auch mit der richtigen Reifenbehandlung zu tun: Die Michelin-Reifen wollen behutsam warmgefahren werden, nur dann funktioniert das Pannenschutz-Mousse in ihrem Inneren perfekt. Vor zwei Tagen musste ich den Motor tauschen – allein, weil auf der Marathonetappe keine Mechaniker erlaubt sind. Mit dem neuen gehe ich sehr behutsam um. Auf den schnellen Passagen habe ich mich auf maximal 140 km/h beschränkt, obwohl 160 km/h möglich gewesen wären. Trotzdem habe ich in der Gesamtwertung einen großen Sprung von Platz 6 auf 2 gemacht, nur fünf Minuten hinter meinem Teamkollegen und Wasserträger Ruben Faria. Heute war das, was meine Gegner D-Day nennen: Despres-Day.“
Stag e
Salta > San M i g u e l de Tucumán
Der Wunsch, das Unerträgliche durch Humor erträglich zu machen
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F e rd i n a n d K r e i dl ( AU T ) ü b e r I n g o Z a h n ( GE R ) , b e i d e M o t o rr a d „Früher hab ich Ingo scherzhaft einen Piefke genannt und er mich einen Burgenländer, obwohl ich aus dem Bezirk Melk in Niederösterreich komme und er aus Oberbayern. Das war ein Fahrerlagerschmäh zwischen uns beiden, geboren aus dem Wunsch, das Unerträgliche, die Qualen, den Schlafentzug und das Hin fallen durch gute Stimmung erträglich zu machen. Seit Ingo ein Problem mit dem Sprit hatte, ich aber nicht stehen geblieben bin, hängt der Zeltsegen schief. Mein Standpunkt: Ich hätte ihm sowieso nicht helfen können. Ingo sieht das anders. Die Dakar stiftet Freundschaften, aber sie beendet sie auch. Das erste sportliche Ziel, nämlich die Halbzeit zu erreichen, haben wir immerhin geschafft. Im Vorjahr ist mir 200 Kilometer vor dem Ruhetag der Motor verreckt, und Ingos Schlüsselbein hatte sich schon am zweiten Tag in kleine Teile zerlegt. Ohne Startnummer sind wir beide Unternehmer, und genauso kalkulieren wir das Risiko auch am Bike. Man nennt uns Fahrer auf den dreistelligen Plätzen in der Ergebnisliste oft DakarTouristen. Diese Art von ‚Urlaub‘ kostet 50.000 Euro pro Nase, Bike exklusive. Obwohl mich lokale Firmen unterstützen, bin ich selbst mein größter Sponsor.“
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C ó rd o b a > L a R i o j a G a r a y J u l i o C e s a r ( Ar g ) , P o l i z i st „Heute ist mein 36. Geburtstag. Gemeinsam mit elf Kollegen stehe ich an der Furt bei Kilometer 59,4 und sorge dafür, dass die Zuschauer der Strecke nicht zu nahe kommen. Hunderte Menschen liegen allein im Fluss, es hat ja auch beinahe 40 Grad Celsius. Unser Einsatz wird 24 Stunden dauern. Für uns Rolizisten bedeutet die Rallye Großeinsatz. Allein in der Provinz Córdoba versehen heute 3500 Kollegen Dienst, an der Strecke und zur Sicherung des Biwaks. Es ist dennoch ein schöner Geburtstag für mich.“ 63
STag e
LA RiojA > FiAmbALá R a fa e L o L M o S ( a R g ) , Ta n KST e L L e n B e S i Tz e R „Gemeinsam mit meinem Bruder José betreibe ich die Tankstelle in Fiambalá. Es ist die letzte diesseits der Grenze vor copiapó in chile. Zwischen hier und dort liegen die Anden. Jeder, der hier über die Grenze will, muss bei uns tanken. Während der Dakar verkaufen wir 100.000 Liter Sprit. Das ist so viel wie während des gesamten restlichen Jahres. Die Schlangen sind lang, manche Teilnehmer im Begleittross warten zwei, drei Stunden. Ich hoffe, dass die Dakar noch viele Jahre zu uns kommt.“
STag e
FiAmbALá > coPiAPó
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Momente der Einsamkeit inmitten von 4000 Menschen. der Mechaniker, der unter dem Auto einschläft. der Fahrer in dem Moment, da ihm klar wird, dass das Rennen für ihn vorbei ist. Ein alltägliches drama, genau um das eine zu viel.
cyril Despres’ sieg war vor allem eine taktische meisterleistung. cREDIT
g u S Tavo, v i n i C i u S , e R i C , J o S É ( i m B i l d ) (BRa & aRg), foTogRafen „Unser typischer Tag sieht so aus: Aufstehen um 3.30 Uhr, Frühstück, Lunchpaket einsammeln und los. Die besten Fotografenpunkte befinden sich meist ein paar Autostunden abseits befestigter Straßen, und um diese Zeit hilft dir keine Sau, falls du aus Schlamperei oder Übermüdung auf einer Düne stecken bleibst. Wenn die Sonne über der Wüste aufgeht und du am Kamm deiner Düne hockst und hier die ‚Morgenandacht‘ vollbringst statt in der chemischen Hölle der Mobiltoiletten, dann sind das die Momente, die bleiben. Mit dem ersten Motorrad kommt die Arbeit: fotografieren, im Auto die Bilder bearbeiten und über Satellitentelefon rausschicken. Oft dauert das bis in den späten Nachmittag. Dann haben wir noch 400, 500, manchmal 700 Landstraßenkilometer bis zum nächsten Etappenort vor uns. Wenn nichts schiefgeht, sind wir um 22 Uhr im Biwak. Es geht aber immer was schief. Bisher hat uns die Dakar eine Kamera, ein Laptop-Display, die Heckklappe unseres Mitsubishi Pajero, einen verbogenen Dachträger und ein kaputtes Radlager beschert. Seit wir in La Rioja mit einem links hinten brennenden Auto ins Biwak gekommen sind, haben wir uns getrennt: Zwei versuchen das Auto wieder flottzubekommen, zwei versuchen der Rallye per Autostopp zu folgen. Unsere Kunden wollen aktuelle Bilder. Keiner fragt nach dem Wie oder dem Warum. Aber die Stimmung in der Truppe ist gut.“
Stag e
C o p i ap ó > L a S e r e na G i n i e l d e V i ll i e rs ( R S A ) , A u t o „Die schnellsten Autos da draußen sind die guten Buggys. Wenn die keine Probleme haben, gewinnen sie die Rallye mit einer Stunde Vorsprung. Auch die Minis sind schneller als wir, sind ausgereift und haben ein weitaus größeres Budget. Wir machen mit unserem Pickup aus wenig sehr viel, müssen aber für 2014 noch mehr rausholen: Aus dem Motor, dem Fahrwerk, wir müssen die Bremsprobleme beseitigen. Ein Podestplatz morgen würde bedeuten, dass wir unsere Ziele übererfüllt haben. Genau das war auch unser Anspruch. Stéphane Peterhansel wird gewinnen, wir verteidigen Platz 2. Die Kunst ist, gerade so viel Tempo rauszunehmen, dass die Konzentration noch nicht leidet. Vor genau zehn Jahren ist mir zwei Kilometer vor dem Ziel der Motor hochgegangen, und wir hätten es beinahe nicht mehr über die Ziellinie geschafft. Daran denke ich. Das Rennen ist erst im Ziel zu Ende.“
Epilog Laurent Lazard wird sein Bike in Gang bekommen und die Dakar beenden – als Neunundneunzigster mit 19½ Stunden Rückstand. Simion Velasque Cruz verleiht seine Schirme wieder in Paracas. Carlos Sainz/Timo Gottschalk scheiden am sechsten Tag mit Motorproblemen aus. Die Wasserpumpe von Nasser al-Attiyahs Buggy verreckt auf der neunten Etappe, als der Katarer auf Platz 2 liegt. Andrey Karginov und seine Jungs im Kamaz mit der Nummer 510 beenden die Dakar auf Platz 2. Sie essen bis ins Ziel Fisch. Drei Viertel des gesamten DakarTrosses werden bis zum Ende der Rallye wenigstens einmal im Medizin-Zelt gewesen sein. Die chilenischen „autoridades“ kündigen an, Thomas Bourgins Tod „untersuchen“ zu wollen.
Stag e
Ferdinand Kreidl und Ingo Zahn beißen sich bis Santiago durch – als Einzelkämpfer. Ingo belegt Platz 85, Ferdinand ist drei Plätze hinter ihm.
L a S e r e na > Sant i a g o Die Fans Tausende Zuschauer an der Tankstelle um vier in der Früh, Menschenspaliere bei Ortsdurchfahrten, Fahnenmeere neben der Autobahn, Blitzlichtgewitter am Weg zum Biwak, kreischende Mädels, winkende Jungs, Kusshändchen verteilende Frauen, tanzende Männer: Bessere Fans als in Peru, Chile und Argentinien sind nicht denkbar. Gesänge, Autogramme, Um armungen, Fußballstadion-Atmosphäre über Kilometer hinweg, bloß viel lauter. Gut die Hälfte aller Zivil-PKW trägt DakarSticker. Friedliche Stimmung, die Menschen sind immer freundlich, geduldig, sympathisch. Ein Fest, das überall stattfindet, quer über einen ganzen Kontinent. Das gemeinsame Foto mit Cyril Despres, dem Sieger der Motorradkategorie, ist ebenso kostbar wie das mit einem Mechaniker. Unvergesslich. Die mitreißendsten Szenen aus den Wüstenetappen finden Sie in der g ratis Red Bulletin Tablet-App!
Am 1. Jänner hat Cyril Despres erfahren, dass er im Sommer wieder Vater wird (zum zweiten Mal). Sein fünfter Gesamtsieg bei der Rallye Dakar war vor allem eine taktische Meisterleistung. Wenn der Tross durch ist, konzentriert sich die Polizei wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben. Während der Dakar überwacht nämlich der Veranstalter Amaury Sport Organisation die Geschwindigkeit der Teilnehmer per GPS. Jedes km/h zu viel zieht drakonische Geldstrafen nach sich. Auf der Tankstelle der Olmos-Brüder kehrt wieder der geruhsame Alltag ein. Nur zwei der vier Fotografen erreichen Santiago. Der Chef überlegt für 2014 die Anschaffung eines vernünftigen Autos. Platz 2 für Giniel de Villiers, knapp 50 Minuten hinter Sieger Stéphane Peterhansel. Die Zuschauer hoffen, dass die Dakar 2014 wieder in ihre Nähe kommt. Eine Rückkehr nach Afrika kann ausgeschlossen werden.
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DAVID ALABA
Linkswalzer Mit Bayern München marschiert er unwiderstehlich Richtung Meisterschaft, und in der WM-Qualifikation mit Österreichs Nationalteam ist noch alles drin.
: Am 16. März trifft der FC Bayern in Leverkusen auf Bayer 04, am 22. März spielen Sie mit Österreich gegen die Faröer: Welcher Gegner ist der unangenehmere? : Leverkusen, das wird ein entscheidendes Spiel um die Meisterschaft. Leverkusen hat eine sehr gute Hinrunde gespielt und ist einer unserer schärfsten Verfolger. Ein Internet-Stoßseufzer über Sie lautet: „Erlöse uns von Nichtqualifikationen, denn dein ist die Technik, die Kraft und der Antritt, in Ewigkeit …“ Dribbeln Sie Österreich zur WM 2014 nach Brasilien? Das ist unser großer gemeinsamer Traum. Bis dahin haben wir aber noch sehr viele schwere Spiele. Aber wir werden versuchen, jedes einzelne Spiel zu gewinnen, um endlich wieder einmal bei einer Endrunde dabei zu sein. Stehen uns Deutschland und Schweden im Weg – oder wir uns selber? Deutschland und Schweden sind sicher über die anderen Gegner zu stellen. Doch darauf schauen wir nicht. Wir haben im letzten Jahr einen sehr guten Weg eingeschlagen, den wir 2013 fortsetzen wollen. Wir haben auch selbst sehr viel Qualität in unserem Kader: Ich glaube, dass wir alle Gegner unserer WM-Gruppe schlagen können. Bayern-Trainer Jupp Heynckes geht im Sommer in Pension, Ex-BarcelonaCoach Pep Guardiola ist sein Nachfolger: Wer spricht schon Spanisch? Javi Martínez natürlich sehr gut, Mario Gomez ein bisschen, ich leider gar nicht. Ihr erster Kommentar zu Guardiola? Ein Weltklassetrainer, der einen anderen Weltklassetrainer ersetzen wird. Wie in einer Schulklasse gibt’s sicher auch in einem Fußballteam Streber, die sich das Vertrauen des Neuen „offensiv“ erarbeiten. Wie legen Sie’s an? Wie in den letzten Jahren auch: Ich werde versuchen, mich täglich zu empfehlen. 66
Bei Bayern zählt nur die Leistung auf dem Platz. Guardiolas Maxime lautet: Minimiere die Reibungsverluste. Die Bayern spielen in der letzten Zeit aber ohnehin schon fast wie Barcelona: homogen, viel Spielwitz, blindes Verständnis untereinander. Was kommt da noch? Man hat in der letzten Saison gesehen, dass uns noch das letzte bisschen zum
„Wir haben sehr viel Qualität. Ich glaube, dass wir alle Gegner in unserer WM-Gruppe schlagen können.“ Erfolg gefehlt hat. Was es genau war? Vielleicht der absolute Wille, der letzte Einsatz oder einfach nur ein Quäntchen Glück. Heuer wird uns das nicht mehr passieren: Jeder einzelne Spieler hat seine Lehren aus diesen schmerzlichen Niederlagen gezogen. Auffällig ist Ihre „Zusammenarbeit“ auf der linken Seite mit Franck Ribéry. Welche Rolle spielt der Franzose in Ihrer Entwicklung?
Eine sehr große! Als ich an meinem ersten Tag in die Bayern-Kabine gekommen bin, hat er mir den Platz neben sich angeboten – und da sitze ich heute noch. Mit Ribéry verstehen Sie sich auch privat: Er nennt Sie seinen kleinen Bruder. Ist diese Emotion die Basis für perfektes Zusammenspiel im Stadion? Franck hilft mir in privaten Belangen, und er hilft mir auf dem Platz. Er ist wie ein Lehrmeister für mich, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Die Bundesliga führen die Bayern mit Respektabstand an. Kann man sich somit mehr auf die Champions League konzentrieren? Ganz im Gegenteil. Die Meisterschaft ist unser primäres Ziel, und daher gilt es auch, mit voller Konzentration in jedes Ligaspiel zu gehen. Die „Süddeutsche Zeitung“ wählte Sie 2012 zum „Münchner des Jahres“. Wie viel hat Ihr Leben noch mit dem eines normalen Zwanzigjährigen gemein? Ich stehe natürlich in der Öffentlichkeit, doch ich versuche, mich davon nicht verrückt machen zu lassen. Ich habe noch immer denselben Freundeskreis, den ich schon mit zehn hatte. Sie sind schon so bekannt, dass Sie kürzlich eine Bäckerei als Testimonial einkauft hat: Was ist das, wenn man sich das erste Mal auf einer Plakatwand begegnet? Irgendwie ungewöhnlich, aber auch lustig, und es hat mich stolz gemacht. Man sieht Sie oft mit dicken Kopfhörern auf den Ohren. Ihr Vater George war ein gefeierter Rapper und Popmusiker. Ihre Schwester Rose ist ebenfalls Popmusikerin. Liefern sie die Musik, die aus den Kopfhörern kommt? Ja klar, vor allem die Songs meiner Schwester finde ich sehr gut. Ich steh auf Hip-Hop und R & B, ohne Musik könnte ich gar nicht existieren. http://twitter.com/David_Alaba THE RED BULLETIN
ZUSATZBILD: GETTY IMAGES
Interview: Christoph Rietner, Bild: Lukas Gansterer
Name David Olatukunbo Alaba Geburtsdatum/-ort 24. Juni 1992 in Wien Beruf Fußballprofi Bisherige Vereine SV Aspern, Austria Wien, seit 2008 FC Bayern München (Frühjahr 2011: verliehen an die TSG Hoffenheim) Titel 2010 Deutscher Meister und DFB-Pokal-Sieger; 2010 und 2012 DFL-Supercup Auszeichnungen 2011/2012 Österreichs Fußballer des Jahres (APA); 2012 „kicker“-Wahl zum Newcomer des Jahres Und was bedeutet Olatukunbo? „Das Glück, das aus der Fremde heimkehrt“ (in der Sprache seines nigerianischen Vaters)
David Alaba: souverän im Mittelfeld und als linker Außenverteidiger. Und jederzeit gut für ein Tor
Angriff
ist die be ste Verteidigung
Seit drei Jahren ist die Kombination Infiniti Red Bull Racing und Sebastian Vettel in der Formel-1-Weltmeisterschaft ungeschlagen. Wie man die Jäger auf Abstand und die Spannung hoch hält: Auf den Spuren der Eliteeinheit von Milton Keynes. Text: Werner Jessner, Bilder: Thomas Butler
zusatzbild: Kolvenbach/picturedesk.com
2013
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2013
as ist schwieriger, als einen WM-Titel zu verteidigen? Christian Horner, Teamchef von Infiniti Red Bull Racing, kennt die Antwort: „Sechs Titel in drei Jahren zu holen und diese dann zu verteidigen.“ Die gesamte Formel 1 ist dem Team aus Milton Keynes auf den Fersen. „Als Weltmeister bist du die Benchmark. Jeder versucht, dich zu schlagen. Damit müssen wir leben, darauf sind wir aber auch stolz. Wir sind noch immer ein junges Team. Man darf nicht vergessen, dass wir dieses Jahr erst in unsere neunte Saison gehen.“ Es gibt eine Reihe arrivierter Teams, die 2013 die letzte Chance nutzen wollen, Red Bull Racing unter den aktuellen Bedingungen zu schlagen, bevor 2014 mit den 1,6-Liter-V6-Turbomotoren anstelle der aktuellen 2,4-Liter-V8-Saugmotoren ein komplett neues Reglement in Kraft tritt. Die Konkurrenz weiß: Adrian Newey ist immer dann am stärksten, wenn er mit einem weißen Blatt Papier starten kann. Allein deshalb wird 2013 unter Garantie eine spannende Saison: Alle bestehenden Konzepte sind sehr ausgereift und ausgereizt. Einen Saisonstart wie 2012, als es in den ersten sieben Rennen sieben unterschiedliche Sieger gab, erwartet Christian Horner dennoch nicht: „Ich rechne mit den üblichen Verdächtigen an der Spitze: Wir, Alonso im Ferrari, Jenson Button im McLaren. Lotus wird wieder ein starkes Auto haben, Mercedes hat sich mit Lewis Hamilton neu aufgestellt. Nico Rosberg sollte man auch auf der Rechnung haben.“ War der RB8, in dessen Weiterentwicklung so viel Energie geflossen war, zu Saisonende 2012 noch das schnellste Auto? Christian Horner relativiert: „Auf manchen Strecken ja, auf anderen hatte besonders McLaren stark aufgeholt. Unterm Strich hat es gereicht. Von unseren drei WM-Jahren war 2012 sicher das schwierigste.“ Der Unterschied? „2010 hatten wir das beste Auto im Feld, 2011 waren wir als Organisation stark. Als wir im letzten Jahr aufholen mussten, haben wir gezeigt, wozu wir als Team fähig sind. Wir sind von Jahr zu Jahr stärker geworden. Bereits Anfang Februar den RB9 fertig zu haben, nachdem wir den RB8 bis Ende November
weiterentwickelt hatten, war eine herkulische Leistung.“ Mit dem Pokal in der Hand vergisst man leicht, wie knapp die erfolgreiche Titelverteidigung ausgefallen ist: „Hätte Sebastian Jenson Button in Abu Dhabi nicht überholt, wären wir nicht Weltmeister geworden. Oder die Licht maschinendefekte: Einer mehr wäre einer zu viel gewesen.“ Wunder, ja auch nur große Schritte sind im hochkompe titiven Umfeld der Formel 1 unmöglich. Jede kleine Verbes serung zählt, egal wo, egal wie minimal. Eine Frage des Managementstils: „Adrian Newey und ich geben die Richtung vor – sehr präzise und mit hohen Erwartungen. Aber unsere Türen sind immer offen. Wir haben eine sehr flache Hier archie bei Red Bull Racing, jeder Verbesserungsvorschlag wird gehört. Im Paddock sind wir das Team mit der höchsten Jeans- und der geringsten Krawattendichte. Wir bekommen viele Jobanfragen von Mitgliedern anderer Teams. Das Red Bull Racing-Hemd übt eine große Faszination aus.“ Wenn Red Bull Racing ein Fußballteam wäre: welches? Nicht-Fußball-Fan Horner muss kurz nachdenken: „Vermutlich Manchester United, selbst wenn wir als Organisation viel jünger sind und Sir Alex Ferguson mein Vater sein könnte. Aber genau wie wir geben sie nie auf, stecken sich hohe Ziele und sind mit Platz zwei nicht zufrieden.“ Die bevorstehende Saison wird vermutlich die härteste
in der Karriere des lange Jahre jüngsten Teamchefs der Formel 1. Einerseits muss man (wieder einmal) zwei WM- Titel verteidigen, andererseits die Weichen für die Zukunft stellen. Wie viele Menschen arbeiten mehr als ein Jahr vor dessen Rennpremiere bereits am RB10? „Weniger als zehn.“ Das Verhältnis innerhalb der einzelnen Abteilungen wird sich freilich im Laufe der Saison immer mehr verschieben, abhängig vom aktuellen WMStand freilich. Wenn man den ersten Tests trauen darf, hat der RB9 das Zeug, wie seine Vorgänger ein gewichtiges Wort um die WMKrone mitzureden: Es sei einfacher, ein schnelles Auto standfest zu machen, als einer Ente elegantes Fliegen beizubringen, sagt Christian Horner,
Von unseren drei WMJahren war 2012 sicher
das schwierigste.
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the red bulletin
Hinter diesem Paravent in Jerez wird am RB9 gearbeitet. Teamchef Horner (u.) hat „ein gutes Gefühl für die Saison“.
Es ist einfacher, ein schnelles Auto standfest zu machen, als einer Ente
elegantes Fliegen beizubringen.
2013 aber wie es aussieht, bringt der RB9 beide Tugenden von Anfang an mit: Speed und Verlässlichkeit. Es wird wieder eine lange Saison werden, und man wird die Erfahrungen mit der zweigleisigen Entwicklung, die man in den letzten Saisonen gewonnen hat, dringend brauchen. Allerdings ist auch das Selbstvertrauen im Team gestiegen: So erfolgreich wie RBR war noch kein junges Team. Doch der Hunger auf Siege ist in den erfolgreichen Jahren nicht kleiner geworden. Wenn Adrian Newey in die Zukunft blickt, was sieht er? „Der größte Unterschied zwischen den Autos 2013 und 2014 werden die Motoren sein.“ Das hat Auswirkungen auf das gesamte Design: „Turbomotoren brauchen mehr Kühlung als die V8-Saugmotoren, die wir im Moment verwenden. Man wird e inen Inter cooler und viel größere Kühleröffnungen brauchen“, skizziert Newey die Marschrichtung. Seit einem Jahr arbeitet man gemeinsam mit Renault an der neuen Triebwerksgeneration, besonderes Augenmerk legt man einerseits auf Leistung und Leistungsentwicklung (was bei Turbomotoren deutlich kritischer ist als bei Saugmotoren), andererseits auf den Spritverbrauch. Im Bestreben, die Formel 1 umweltfreundlicher zu machen, dürfen ab nächstem Jahr nur noch 100 Kilo Benzin (etwa 140 Liter) pro Rennen verbrannt werden, dafür darf mehr alternative Energie (ERS statt KERS) generiert werden. Im englischen Milton Keynes rauchen deswegen bereits die Köpfe. Würde man aber statt Sebastian Vettel und Mark Webber Christian Horner und Adrian Newey ins Auto setzen: Wer würde gewinnen? „Adrian ist komplett verrückt und völlig furchtlos“, lacht Horner. „Er wäre garantiert schneller als ich. Aber ob er ins Ziel käme? Ich bin froh, dass er nicht im Auto sitzt.“
„ Adrian Newey ist komplett verrückt und
Adrian Newey an der Boxenmauer
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zusatzbild: Vladimir Rys
absolut furchtlos.“
Sebastian Vettel am Arbeitsplatz: Das Auto ist „von Anfang an standfest und schnell“.
DI E MASCHINE
PACKAGING
„Der RB9 ist das letzte Auto, bei dem wir die KERS-Akkus in der Kupplungsglocke unterbringen dürfen. Ab 2014 müssen sie unter den Benzintank – angeblich aus Sicherheitsgründen. Was daran sicherer sein soll, muss mir erst mal wer erklären.“
TECHNIK-GENIE ADRIAN NEWEY ÜBER DEN RB9 UND DIE UNTERSCHIEDE ZU DEN SIEGREICHEN AUTOS DER LETZTEN JAHRE. SEITENKÄSTEN
NASE
REIFEN
„Pirelli hat für die neue Saison die Reifenkonstruktion geändert. Wir durften im Vorfeld einen einzigen Satz testen – leider bei hohen Streckentemperaturen und auf einer ,grünen‘ Strecke ohne Reifenabrieb. Im Umgang mit den Reifen liegt der Schlüssel zur Rundenzeit.“
„Die Stufe in der Nase wird vom Reglement diktiert. 2013 darf man sie erstmals verkleiden. Den Schlitz in der Front gibt es 2013 nicht mehr. Wir verwenden ein relativ kurzes Vanity Panel, um Gewicht zu sparen. Es hat keine Funktion, sondern dient rein ästhetischen Gesichtspunkten.“
„Optisch der größte Unterschied sind die aus aerodynamischen Gründen schmaleren Seitenkästen für die Kühler. Probleme mit der Motorkühlung sind dennoch nicht zu erwarten.“
FRONTFLÜGEL
„Hier hat sich das Reglement deutlich geändert. Der Frontflügel darf sich nicht mehr so stark verbiegen wie bisher. Bislang haben das fast alle Teams ausgenützt, so auch wir. 2013 geht das nicht mehr. Durch die Änderung mussten wir strukturelle Probleme lösen.“
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THE RED BULLETIN
2013 AUSPUFF
„Im Moment ähnelt er dem, mit dem wir die Saison 2012 beendet haben. Generell hat sich die Bedeutung der Auspuffgase für den Abtrieb in den letzten beiden Jahren deutlich reduziert – vor allem auch infolge reglementbedingter Änderungen im Motor-Mapping. Im Kurveneingang sind die Autos daher deutlich langsamer geworden.“
DIFFUSOR
„Das Auto wird permanent weiterentwickelt. Ein großer Teil der Ressourcen geht dabei in die klassischen Bereiche Frontflügel, Diffusor und – in einem kleineren Ausmaß – Abgasführung.“
ADRIAN NEWEY: NOCH DREI FRAGEN, BITTE …
etwas unattraktiver als der RB8. Aber schon seit 1998, als man die schmäleren Autos eingeführt hat, wurden die Proportionen kontinuierlich weniger stimmig. Unser Job ist, die Autos innerhalb des Reglements schnell zu machen. Idealerweise entsteht dabei auch Ästhetik.
WIE NEU IST DER RB9 WIRKLICH?
THE RED BULLETIN
ZUSATZBILD: RED BULL RACING
FAHRWERK
„Obwohl es neue Reifen gibt, werden wir die Fahrwerksgeometrie im Wesentlichen beibehalten. Bei den ersten Saisontests haben wir noch die Front des RB8 verwendet, die neue setzen wir erst in Melbourne ein. Der Radstand ist nahezu unverändert.“
Seit 2009 gab es vom Reglement her ständig neue Restriktionen. Unser Spielraum wurde kleiner und kleiner. Außerdem mussten wir das Vorjahresauto bis Saisonende weiterentwickeln, um im Titelkampf zu bestehen. Das ging auf Kosten der Vorausentwicklung für den RB9: Er folgt zwangsläufig der Philosophie seines Vorgängers. Anstelle neuer Konzepte gibt es heute kontinuierliche Entwicklung.
VBREMSEN
„Wie schwierig es ist, die Reifen im optimalen Arbeitsfenster zu halten, demonstriert der Umgang mit der Bremsabwärme. Einige Grad auf oder ab sind je nach Strecke entscheidend. Manche Teams hatten damit im Vorjahr echte Probleme.“
KANN EIN NEUE S AUTO SIE ÜBERHAUPT NOCH ÜBERRASCHEN?
WAR DER RB8 EIGENTLICH DAS HÄSSLICHSTE Unsere Simulationen sind AUTO, DAS SIE JEMALS DE SIGNT sehr gut. Dennoch sind gerade die ersten Tage auf HABEN?
Schönheit liegt, so heißt es, im Auge des Betrachters. Natürlich, die Stufe in der Nase ist gewöhnungsbedürftig. Insofern ist der diesjährige RB9
der Strecke immens spannend. Manche Dinge, etwa das Verhalten der Reifen, kannst du einfach nicht simulieren.
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2013
Der dreifache Formel-1-Champion Sebastian Vettel im Interview: Wen er sieht, wenn er morgens in den Spiegel schaut, über das Leben aus der Cockpit-Perspektive und die schönste Sache der Welt.
the red bulletin: Wie fühlt sich der RB9 im Vergleich zum Vorgänger an? sebastian vettel: Schon nach den ersten paar Runden beim Test in Jerez hatte ich mich an das neue Auto gewöhnt. Das Reglement hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht allzu sehr verändert, insofern war die Umstellung nicht so groß. Wichtig ist, dass das Auto zuverlässig ist und funktioniert, auch Speed scheint da zu sein. In schnellen Kurven haben wir ein bisschen mehr Grip, das war von Anfang an auffällig. Ich glaube, dass es im Vergleich zum RB8 ein Schritt nach vorn ist. Was gibt es zu den neuen Reifen zu sagen? Wir hatten gewisse Erwartungen, auch aufgrund der Daten, die wir vorab von Pirelli erhalten haben. Diese Erwartungen scheinen sich zu bestätigen, aber Gewissheit haben wir erst in Melbourne. Ich denke, dass die schnelleren Rundenzeiten bei den Tests nicht nur auf das Konto der Autos, sondern auch auf das der neuen Reifen gehen. Werden 2013 bestehende Rundenrekorde pulverisiert? Zumindest im Qualifying werden wir uns schwertun: Wir dürfen, anders als 2012, nicht mehr unbegrenzt DRS (Drag Reduction System; Anm.) verwenden, sondern nur noch in definierten Zonen. Was hast du in der F1-losen Zeit am meisten vermisst? Ganz klar das Fahren. Nach ein 76
paar Runden beim ersten Test war der Rost runtergefahren, und ich habe das getan, was ich am liebsten mache. Die F1 bewegt sich zwischen Frühling und Sommer. Wie viel kriegt ein Weltmeister eigentlich noch von den Jahreszeiten mit? Vermutlich mehr als einer, der immer zu Hause ist, weil die Natur von einem Besuch daheim zum nächsten einen großen Sprung gemacht hat. Du joggst eben noch durch Schneematsch, und – ruckzuck – beim nächsten Mal blüht schon alles um dich rum … Winter … … hab ich unheimlich gern. Kälte, Schnee, ist doch schön. Wer schaufelt zu Hause den Schnee weg? Da kann man schon mal selbst Hand anlegen. Ich hab zwar Hilfe, aber wenn es sein muss, greif ich durchaus selbst zur Schaufel. Mein Haus in der Schweiz liegt auf bloß 500 Meter Seehöhe. Machst du dein Frühstück zu Hause selbst? Wenn ich Zeit habe, sehr gern. Ich liebe ein großes und langes Frühstück mit Müsli und frischem Obst als festem Bestandteil. Die zwei Trainingseinheiten müssen sich aber trotzdem ausgehen, und sooo früh aufstehen mag ich auch nicht unbedingt. Kaufst du selbst ein? Nicht immer, aber manchmal. Um ehrlich zu sein: Meine Freundin kauft öfter ein als ich. Wie viel Bargeld hast du so eingesteckt? Irgendwas zwischen null und 400 Euro, je nachdem, wie lang mein letzter Besuch beim Geldautomaten her ist. Ich hab gern ein wenig Bares in der Tasche, trotz Kreditkarte. Am Getränkeautomaten in Japan oder am Parkautomaten hilft dir die unter Umständen nämlich wenig. Dass ich mit zehn Euro in der Tasche nach Australien fliege, ist eher die Ausnahme, aber schon vorgekommen. Allerdings kam ich mit diesen zehn Euro damals auch wieder nach Hause. Deine letzte Investition über 100 Euro … … war ein Nass-/Trockensauger für den Garten. Du bist mit Fans unglaublich geduldig. Bloß gute Erziehung oder emotionaler Mehrwert?
es ist schön, fans zu h aben. manche trifft man
immer wieder.
the red bulletin
zusatzBild: Vladimir Rys
Fa k tor mensch
Es ist schön, Fans zu haben. Manche stehen sich stundenlang die Beine in den Bauch, bei jedem Wetter. Allen kann ich es leider nicht recht machen, aber ich bemühe mich, so gut es geht. Manche Fans trifft man immer wieder, über Jahre hinweg, da baut sich dann schon eine gewisse Vertrautheit auf. Es kann auch schnell einmal zu viel werden. Wie funktionieren kleine Fluchten in der Schweiz? Also, flüchten tu ich nie. Es ist eher so, dass man immer gerne wieder nach Hause zurückkommt. Was die Schweizer betrifft: Sie sind grundsätzlich sehr zurückhaltend. Man merkt, dass man erkannt wird, aber man wird selten direkt angesprochen. Wenn ich allein sein will, kann ich etwa spazieren gehen, kein Problem. Ohne F1 hättest du nach dem Abi wahrscheinlich ein Studium begonnen. Wo wärst du heute? Ein Teil meines Freundeskreises befindet sich gerade genau an dieser Schnittstelle zwischen Ausbildung und Beruf: Der eine hat gerade seinen ersten festen Job begonnen, der Nächste macht seinen Doktor, der andere steckt noch im Studium. Ob ich schon wüsste, was ich bis zu meinem Lebensende machen würde? Eher nicht. Je nachdem, wie sehr man sich bemüht und wie mobil man ist, stehen einem heute viel mehr Möglichkeiten offen, als ich es in meiner Schulzeit ahnen konnte. Deine Ausbildung hast du mit drei WM-Titeln ja denkbar gründlich erledigt. Es heißt zudem, in der F1 würde man besonders schnell altern. Wie alt fühlst du dich? Man reift im Motorsport definitiv schneller als in einem „normalen“ Leben. Man wird mit Entscheidungen und ihren Auswirkungen schneller und radikaler konfrontiert. Man reist und kommt rum, man erweitert zwangsläufig den Horizont. Außerdem hat man tendenziell mit älteren Menschen zu tun, während man als Student
Sebastian Vettel im Interview gewitter nach den ersten Test runden in Jerez
the red bulletin
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2013 Ein Mann und sein Auto: Sebastian Vettel im RB9
jetzt langsamer werden, was ich aber nicht will. Daher muss ich die Situation mit jenen Parametern, die ich aktiv beeinflussen kann – Gas, Lenkung, Bremse, den technischen Verstellmöglichkeiten am Auto –, lösen. Das ist das Spiel, das wir spielen, Runde für Runde, Kurve für Kurve. Ein konkretes Beispiel bitte. Lassen die Vorderräder nach, kann ich nicht so viel Tempo in die Kurve mitnehmen. Ich muss also versuchen, spitzer in die Ecke zu fahren, stärker zu bremsen, stärker einzulenken und früher wieder aufs Gas zu gehen, um die tatsächliche Kurvenphase, in der ich Grip an der Vorderachse brauche, möglichst kurz zu halten. Ich tausche also den Gewinn in der Kurvenmitte gegen einen kleinen Gewinn zu Beginn und am Ende der Kurve. Das alles sind winzige Nuancen. Spürst du, ob du eine oder zwei Zehntelsekunden pro Runde schneller bist? Abgesehen davon, dass wir das am Display im Auto ohnehin sehen: Ja. Eine Zehntelsekunde ist viel Zeit. Spürst du unterschiedliche Geschwindigkeiten? Eigentlich kaum. Der Wind ist leiser, als man denkt. Hören tut man eher die Motordrehzahl, die den Unterschied macht, aber der Motor klingt eben in jedem Gang gleich. Gern gebrauchter Terminus in diversen TV-Übertragungen: „zusammenbrechende Aerodynamik“, zum Beispiel beim knappen Hinterherfahren. Was können wir Laien uns darunter vorstellen? Dass das Auto nicht mehr das macht, was ich von ihm erwarte. Man sieht diese „dirty air“ nicht. Ist ja nicht so, dass sich die Luft hinter dem Vordermann grün färben würde. Du musst das zu einem gewissen Grad erahnen. Welche Rolle spielt dieses Erahnen in der Arbeit mit den Ingenieuren? Es gibt den Punkt, wo sie dem Fahrer vertrauen müssen, selbst wenn die Daten vielleicht etwas anderes sagen. Es gibt diesen Wohlfühlfaktor, ohne den man als Fahrer nicht sein Optimum leisten kann. Hilft bei dieser Kommunikation im Team die Autorität dreier WM-Titel? Ich glaube schon. Aber vor allem die Zeit, die man bereits gemeinsam verbracht hat. Wen würdest du – wenn es denn ginge –
man reift im motorsport schneller als in einem
„normalen“ leben. 78
im Formel-1-Auto mitnehmen? Klar fallen einem da auf Anhieb viele Menschen ein, denen man seine Arbeit zeigen möchte, vor allem Menschen, die einem nahestehen. Aber möchte ich ihnen das echt zumuten? Die Schläge, die Fliehkräfte, das Balancieren am großen Unfall, das Unglamouröse bei der tatsächlichen Arbeit im Auto: Vielleicht ist es gut, dass sich diese Frage nicht stellt. Vielleicht bekämen sie Angst um mich. 101 nahezu unfallfreie Grands Prix: Momente, in denen du zurückgesteckt hast? Man muss immer Respekt haben. Das hat sich nie geändert. Wie kalkulierst du Risiko im Alltag? Je nachdem, was man macht, steigt das Risiko. Angst ist gut, aber zu viel Angst haben bringt auch nichts. Als ich z. B. einmal aus dem Flugzeug sprang, hatte ich bis zum Absprung keine Angst. Die Angst kam erst im freien Fall: Auf den ersten Metern hatte ich vergessen, dass jemand an mir dran hängt, ich einen Fallschirm trage und alles gut ist. Wo ist deine Angstschwelle? Das weiß man erst, wenn man in der Situation ist. Im Auto wägt man das Risiko auf Basis seiner Erfahrungen ab. Wenn man sich entschließt, ein Risiko zu nehmen, besteht eher die Angst, dass das Manöver in die Hose geht, dass man „versagt“. Diese Angst ist aber gut, sie macht dich wachsamer. the red bulletin
zusatzBild: Red Bull Photofiles
seine Erfahrungen eher unter Gleichaltrigen macht. Man ist dar in geübt, Entscheidungen zu treffen. Wenn man so will, fängt das Erwachsenenleben als Rennfahrer früher an: Mit fünfzehn, sechzehn stellst du Weichen, die andere erst zehn Jahre später stellen müssen. War, im Nachhinein, der erste WM-Titel der schwierigste? (Lange Pause.) Der erste Titel sticht insofern heraus, als man sich bewiesen hat, dass der Glaube an einen selbst berechtigt war. Das ist es, was einem keiner mehr nehmen kann. Das heißt aber nicht, dass das Leben nach dem ersten Titel vorbei ist, im Gegenteil. Man erweitert ganz auto matisch seine Erwartungen und Ziele, geht auf eine nächste Stufe. Wenn du die großen Momente deiner Karriere Revue passieren lässt: Was siehst du? Die stärkste Erinnerung ist die, auf dem Podest zu stehen und die bekannten Bilder aus dem eigenen Blickwinkel zu erleben: der erste Sieg in Monza, die Menschen massen unten aus Sicht des Podiums; das, was man jahrelang im Fernsehen gesehen hat, selbst zu erleben, das Vertraute tatsächlich zu erleben. Fotografen würden sagen: Schuss – Gegenschuss. Ändert sich dieses Erlebnis mit der Frequenz der Siege? Nein, denn mein Sieg mit dem Toro Rosso in Monza wird mir immer unvergesslich bleiben. Das war wirklich speziell. Nimm uns ein wenig im Rennauto mit: Was bedeutet es, wenn du im Interview nach dem Rennen sagst, dass du unterwegs deinen Fahrstil umstellen musstest? Würde man all die Änderungen, die man während eines Rennens vornimmt, protokollieren, ergäbe das mehrere Seiten. Das muss man stark vereinfachen. Merke ich zum Beispiel, dass von einer Runde auf die nächste die Reifen nachlassen, heißt das, dass ich nicht mehr am gleichen Punkt bremsen kann, weil ich sonst rausfliege. Ich könnte
Wo suchst du deine Herausforderungen? Rennfahren gibt mir im Moment mehr Zufriedenheit als alles andere im Leben. Ich habe das Glück, mein Ding gefunden zu haben. Mir vorzustellen, dass dieser Kick eines Tages nicht mehr da sein wird, das ist unheimlich schwer. In deiner Kart-Zeit hattest du das Senna-S am Helm … Als Kind war ich Senna-Fan. Als ich dann das Red Bull-Logo tragen durfte, hat mich das stolz gemacht, und es hat das Senna-S am Hinterkopf abgelöst. Das war insofern leicht, als ich vor dem Blau-Silber nie ein eigenes Design hatte. Heute hast du so viele WM-Titel wie der Brasilianer … Darüber darfst du gar nicht nachdenken. Wenn du in den Spiegel schaust, siehst du ohnehin dich selbst und nicht den Rennfahrer. In Nachhinein: Hast du Rennfahrer als Kind verklärt? Man kriegt natürlich eine Insider-Perspektive, die aber das Ansehen des jeweiligen Rennfahrers für mich nicht ändert. Jeder hatte auch mal ein schlechtes Rennen, das ist normal. Hat sich dein Bild von Michael Schumacher gewandelt, seit ihr gegeneinander gefahren seid? Neben Senna war natürlich auch Michael mein Held. Jetzt sehe ich eher den Menschen Michael im Vordergrund, nicht den Rennfahrer. Auf einer sportlichen Ebene war es natürlich wahnsinnig toll, gegen ihn zu fahren. Gibt es emotionale Nähe in der F1? Man verbringt als Team am Wochenende viel Zeit zusammen, da muss die Chemie schon stimmen. Das heißt nicht, dass ich beispielsweise mit meinem Ingenieur jeden Sonntag ein Bier trinken muss, aber ich muss ihm neben der technischen auch auf einer menschlichen Ebene vertrauen können. Das gilt für alle im Team. Wenn ich zum Boxenstopp komme, will ich wissen, dass jeder einzelne für seinen Job lebt. Natürlich geht es während der Saison nicht nur rosig zu, aber ich bin da einer, der Probleme, sobald sie auftauchen, direkt anspricht, weil ich der Überzeugung bin, dass nur das uns weiterbringt. Schlechte Stimmung färbt früher oder später auf die Leistung ab. Welche Grenzen ziehst du gegenüber jenen Menschen, mit denen du zusammenlebst, im Sinne von „Ich will nicht, dass du das in meiner Gegenwart machst“? Wenn ich nicht will, dass in meiner Gegenwart geraucht wird, gehe ich dort nicht hin. Wenn ich nicht will, dass die Menschen, mit denen ich rumlaufe, die leere Dose auf die Straße werfen, laufe ich nicht mit ihnen rum. Regeln kann ich nur für mich selbst aufstellen. Ich will niemanden ändern. Welche Headline würdest du gern über dich lesen? Ich lese generell nicht so viel und habe, was das angeht, auch keine wirkliche Erwartung. Für das, was geschrieben oder gesagt wird, hat bisher immer der Leitsatz gegolten: Man ist nie so gut, wie gesagt oder geschrieben wird, und nie so schlecht, wie gesagt oder geschrieben wird.
Im Spiegel, da siehst du dich selbst, nicht den
Rennfahrer.
www.infiniti-redbullracing.com
Die Präsentation des neuen RB9 und exklusive Bilder aus Milton Keynes sehen Sie in der gratis Red Bulletin Tablet-App! the red bulletin
Inhalt 82 REISE-TIPP Sport einmal ganz woanders 84 TRAINING David Knight 86 NIGHTLIFE Out Now: Haim/ Biken in L. A./Club: Electric Pickle/ Cocktail: Salzburg Forever/Take 3: Kendrick Lamar/ Nightsnack: Banana Cue 90 TOP-SPOTS 92 SAVE THE DATE
bild: palani mohan
94 KAINRATH
Ende März feiert Indien sein farbenprächtiges Frühlingsfest „Holi“. Alle Top-Termine des Monats finden Sie ab Seite 90.
96 RED BULL TV-FENSTER bei ServusTV 98 KOLUMNE von Christian Ankowitsch
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Kicken im Urwald, Surfen in den Bergen, BASE-Jumping in Höhlen: die sechs ungewöhnlichsten Sportplätze der Welt.
1 Abfahrt Afrika: Die Skipiste von Lesotho
Wer das Königreich Lesotho auf der Landkarte sucht, muss genau hinsehen: Der Kleinstaat befindet sich mitten in Südafrikas Staatsgebiet. Fläche: etwa so groß wie Brandenburg, Einwohnerzahl: zwei Millionen, Spitzname: „Königreich im Himmel“. Seit 2002 beherbergt Lesotho Afrikas führendes Skigebiet. Das Afri-Ski-Resort im Tal des Malibamatso-Flusses liegt auf 3000 Meter Höhe und bietet Betten für 252 Gäste. In der Wintersaison von Juni bis September fallen die Temperaturen unter minus zehn Grad. Vor allem Anfänger nutzen die leicht befahrbaren Pisten. Ihre Belohnung: eine phantastische Aussicht auf die südafrikanische „Prärie“. www.afriski.net
2 Grüner Kick: Das Stadion im Amazonas
Solarenergie als Flutlicht-Quelle, Regenwasser für den Rasen: Das Arena-Amazônia-Stadion im brasilianischen Manaus ist das ungewöhnlichste Bauprojekt der Fußball-WM 2014. Die 2,2-Millionen-Stadt liegt am Rio Negro im Bundesstaat Amazonas: eine Insel der Zivilisation inmitten des Dschungels. Die Temperatur beträgt meist mehr als 40 Grad Celsius. Baumate82
Auf und davon Der Reise-Tipp des Monats
rialien werden ausschließlich per Boot geliefert. Sollte das 200-Millionen-EuroProjekt deutscher Architekten rechtzeitig fertig werden (die Arbeiten hinken derzeit dem Terminplan deutlich hinterher), wird die 44.000 Sitze fassende Arena 2014 durch Nachhaltigkeit punkten. Der Plan: Abgesehen von Solarenergie und Regenwassernutzung sollen Pflanzen im Stadion für saubere Luft sorgen. www.fifa.com/worldcup 3 Absprung: Felix Baumgartners Höhlen-Mission
3 Freier Fall: BASE-Jumping ins Erdloch
Das Akronym BASE steht für Fallschirmsprünge von Gebäuden (Buildings), Antennen (Antennas), Brücken (Spans) und Klippen (Earth) – ein C für Caves (Höhlen) fehlt jedoch. Felix Baumgartner hielt das freilich nicht davon ab, 2004 in Kroatien in die 190 Meter tiefe Marmethöhle zu springen. Es sei seine bis dato härteste Prüfung gewesen, meinte Österreichs Extremsport-Held – vor seiner Mission Red Bull Stratos. Drei Jahre später stürzte sich 3 Baumgartner im Oman in die 120 Meter tiefe Madschlis-al-Dschinn-Höhle. Er beschreibt die Umgebung als „niedrig, dunkel und eng. Man konnte die Landezone kaum sehen, Referenzpunkte nicht ausmachen. Der Sprung war definitiv schwierig.“ Einem Mann, der schließlich vom Rand des Universums springen würde, glauben wir dieses Urteil gern. www.youtube.com/redbull
4 Den Ball flach halten: Der schwimmende Bolzplatz
Wer einen Sportplatz anlegt, braucht ein Stück Land. Für die Bewohner von Koh Panyee stellte diese Grundvoraussetzung allerdings das Hauptproblem dar: Ihr Fischerdorf steht auf Holzpfählen vor der
the red bulletin
text: ruth morgan. bilder: big & Glessner, bernhard spöttel/red bull content pool, global photo/fotogloria, ddpimages, wavegarden, carters news agency
Urlaub auf der Schneefabrik
5 Geplantes Ski-Resort in Kopenhagen: Unter der Piste arbeitet die Müllverbrennung.
auf dem Wasser schwimmt. Die Investition machte sich bezahlt: Der FC Koh Panyee ist heute siebenfacher Ligameister. www.vimeo.com/41544315
5 Piste mit Aussicht: Die Abfahrt vom Fabriksdach
Skifahren auf einer Müllverbrennungs anlage? Geht es nach Bjarke Ingels, soll dieses Projekt 2016 Wirklichkeit werden. Der dänische Architekt plant ein umweltfreundliches Verbrennungskraftwerk im Zentrum Kopenhagens – mit Zusatz nutzen: Auf dem Dach der Anlage soll ein 31.000-Quadratmeter-Skiareal entstehen – inklusive Fun Park und Pisten in drei Schwierigkeitsgraden. Wird Ingels’ Plan realisiert, könnte es das Amager-Ressource center-Kraftwerk als zweite Müllverbrennungsanlage, nach Wiens Hundertwasser-
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Küste Thailands in der Andamanensee. Nur während der Ebbe gibt das Wasser dort für wenige Stunden ein matschiges Stück Land frei. Die Dorfbewohner zimmerten sich deshalb aus Plastikkisten und Treibholz ein schwimmendes Fußballfeld. Das Resultat: ein Trainingsplatz, der ungenaues Zuspiel oder Fehlschüsse mit einem Rettungseinsatz im Meer bestraft. Weil der Dorfklub in der Folge bei den Southern Thailand Youth Championships hervorragend abschnitt, wurde Geld in ein größeres Feld investiert, das ebenfalls
6 Ganz oben: Ski-Resort im Königreich Lesotho Oben: Surfen im baskischen Hügelland
2 Umweltfreundlich: Arena Amazônia in Manaus
Anlage, in die Reiseführer schaffen. Der eigentliche Daseinszweck fügt sich dabei elegant ins Besucherkonzept: Während die Wintersportler im Lift am Fabriksschlot hochfahren, können sie den Arbeitern im Inneren der Halle zusehen. www.big.dk
6 Perfekte Welle: Surfen auf Knopfdruck
Ausgerechnet ein künstlich angelegter Betonteich soll 2013 als Surf-Paradies für Furore sorgen. Der Wavegarden, nahe der 22.000-Einwohner-Stadt Zarautz, befindet sich in den Hügeln des Baskenlandes. Linke wie rechte Breaks lassen sich künstlich erzeugen – naturgetreu, aber präzise gesteuert. Die Wellenhöhe reicht von anfängerfreundlicher Dünung bis zu eineinhalb Meter hohen Brechern für Profis. Hinter dem Projekt stecken surfverrückte spanische Architekten. Ihre Ansage: Das Wavegarden-System sei effektiver, umweltfreundlicher und billiger als bisherige Wellenparks. Bevor Hobbysportler noch in diesem Jahr die ersten künstlichen Wellen reiten, durften Surfprofis den Park bereits testen. Das Ergebnis: Mick Fanning (Australien), Jordy Smith (Südafrika) und Kolohe Andino (USA) zeigten sich allesamt begeistert.
www.wavegarden.com
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Sportplatz Spezial Vom Treibholz-Trainingsplatz im Meer bis zum Mega-Bauprojekt im Dschungel: wo Sie die sechs ungewöhnlichsten Sportstätten finden.
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Schwimmender Fußballplatz: Man hält den Ball besser im Spiel.
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David Knight startet bestens vorbereitet in die am 16. März in Chile beginnende FIM Enduro-Weltmeisterschaft.
DAVID KNIGHTS TRAININGSWOCHE Während der Wettkampfsaison verbringt David Knight wöchentlich rund 20 Stunden auf zwei Rädern … am liebsten am Strand oder im Wald. Oder er macht einen Spaziergang mit seinen Hunden.
Knight, Rider
TRAINIEREN WIE DIE PROFIS
DAVID KNIGHT. Der 34-jährige britische Enduro-Biker macht Dinge auf seine Art … Dass sich das bezahlt macht, beweisen zehn nationale und drei WM-Titel.
In der Kraftkammer ist David Knight selten anzutreffen. „Ich verabscheue sie“, gesteht der 34-jährige Enduro-Biker. „Nur wenn ich verletzt bin und nicht fahren kann, bin ich dort. Doch bereits nach fünf Minuten bin ich gelangweilt und sehne mich nach den Hügeln und Stränden der Isle of Man. Enduro Racing ist ein sehr physischer Sport. Daher muss ich jeden Tag etwas für meinen Körper tun. Es gibt keinen Ersatz für das Training auf dem Bike – egal ob im Wald oder in den Sanddünen. Im Anschluss gibt es einen Berglauf oder einen ausgedehnten Spaziergang mit meinen Hunden. Das Um und Auf des Trainings? Es darf niemals zur Routine werden. Vor kurzem machte ich mich mit einer Axt in den Wald auf, um einige Bäume für neue Trailwege zu fällen … ein großartiges Workout für den Körper.“
DER PERSÖNLICHE TIPP VON DAVID KNIGHT
Essen? Nach Instinkt, nicht nach Plan „Mein Ernährungsplan ist unkonventionell und sollte keinesfalls als Vorlage dienen. Ich lebe von Steaks, Chips und Schokolade. Ich bin jedoch der Meinung, dass es kein Richtig oder Falsch gibt, und kann jedem nur raten, seinem Instinkt zu folgen. Wenn es mir guttut, vor dem Rennen ein Speckbrot zu verputzen, ist das für mich der richtige Weg. Zweifelsohne sind Ernährungspläne für viele Menschen extrem hilfreich. Ein Jahr versuchte ich selbst, gesund zu essen … ich fühlte mich erbärmlich. Seither esse ich nur noch das, was zu den besten Ergebnissen führt.“
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MONTAG Freier Tag/Reisetag nach dem Rennwochenende 7:30 Uhr: Frühstück: täglich vier Vollkornweizenkekse und zwei Scheiben Vollkorntoast 14–16 Uhr: langer Spaziergang (rund 15 km) mit meinen Hunden DIENSTAG 10–14:30 Uhr: Bike-Einheit auf einem Sanddünenkurs 16 Uhr: Physiotherapie inklusive Massage
Nachmittag: Anreise zum Rennwochenende Abend: Teilnahme am Zeitfahren der „Super Special Stage“ SAMSTAG 9–16 Uhr: Renntag: alle 1–2 Stunden fünf Minuten Pause. Da esse ich, was ich kriegen kann: Obst, Müsliriegel und Schokolade SONNTAG 9–16 Uhr: Rennen
MITTWOCH 10–12 Uhr: Endurocross-Session auf der Dünenstrecke … das perfekte Training für Indoor-Racing 13–15 Uhr: Motorradeinheit im Wald DONNERSTAG 9–11:30 Uhr: Berglauf (16 km) 13–15 Uhr: Bike-Einheit auf dem Sanddünenkurs 16 Uhr: Termin beim Chiropraktiker: Meine Rückenmuskulatur bildet infolge der hohen Belastung auf dem Motorrad kleine Knoten. FREITAG 8–10 Uhr: Mountainbike-CrossEinheit auf Wanderwegen
www.knighter.net
Erleben Sie David Knight in Enduro-Action auf der gratis Red Bulletin Tablet-App!
THE RED BULLETIN
TEXT: RUTH MORGAN. BILDER: JONTY EDMUNDS/RED BULL CONTENT POOL
WORK OUT
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Nightlife Die Macht der Nacht
Laut BBC die größte Nachwuchshoffnung des Jahres 2013: das Trio Haim
ACTION
Lichtspiele AUFTAKT: Am 7. April starten die Motorradweltmeister Jorge Lorenzo (MotoGP), Marc Márquez (Moto2/startet 2013 in der MotoGP) und Sandro Cortese (Moto3/2013: Moto2) in Doha, Katars Hauptstadt, mit dem einzigen Nachtrennen der Saison in die neue WM. GROSSBAUSTELLE: 58 Millionen US-Dollar kostete die Errichtung des 5380 Meter langen Losail International Circuit, der von tausenden Arbeitern binnen eines Jahres aus dem Wüstenboden gestampft und 2004 eröffnet wurde. STÖRFAKTOR: In der Vergangenheit führte die späte Austragung zu Problemen, da Lichtreflexionen auf nasser Piste die Fahrer irritieren.
OUT NOW
Sister Act Haim sind ein SchwesternTrio aus Kalifornien, das 2013 den Pop-Olymp erklimmen will – vom Wohnzimmer der Eltern aus. Im Juli 2012 veröffentlichten drei Schwestern aus Kalifornien ihre erste Single, „Forever“: ein sonniges Stück Folk-Pop mit Ohrwurm-Garantie, ein Song in bester Bangles-Tradition, der das Leben des Trios Haim mit einem Schlag umkrempelte. Fortan spielten sie mit Stars wie Mumford & Sons und Florence and the Machine in Riesenhallen, der Sender BBC wählte die Gruppe zur größten Nachwuchshoffnung 2013. Kein schlechter Karrierestart, bedenkt man, dass Alana (21), Danielle (23) und Este (25) vor zwei Jahren noch mit ihren Eltern als Familienband Rockinhaim auf kleinen Folk-Festivals auftraten.
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Red Bulletin: War es seltsam, mit euren Eltern auf der Bühne zu stehen? Este: Gar nicht. Wir spielten Coverversionen von Klassikern: Santana, Tina Turner, Billy Joel. Es war eine gute Schule, weil wir uns die Songs selber beibrachten und dadurch die Instrumente lernten. Wer schreibt bei euch die Songs? Este: Unterschiedlich. Eine kommt mit der Melodie an, zu dritt basteln wir aus der Idee dann einen Song. Meistens im Wohnzimmer unserer Eltern, wo wir unseren Proberaum haben. Genießt ihr es, im Studio zu arbeiten? Danielle: Die größte Herausforderung ist es, einen Song, so wie du ihn im Kopf hast, aufs Band zu kriegen. Das ist nicht immer einfach, weil wir Perfektionistinnen sind. Doch der aktuelle Erfolg beflügelt unsere Kreativität.
Die neue Single „Falling“ ist gerade erschienen, das Debütalbum folgt im Mai. Tourdaten gibt’s auf haimtheband.com
NIGHT QUOTE
” Plane für morgen, lebe den Tag und feiere die Nacht. “ Drake, US-Rapper und Songwriter
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COCKTAIL
Salzburg Forever
CLUB DES MONATS
Ein exotischer Longdrink, in zweierlei Hinsicht: Erstens sind Cocktails mit Scotch wegen dessen intensiven Eigengeschmacks dünn gesät. Und zweitens stillen die mit der – in diesem Fall – leichten Scotch- und Brandy-Note bestens harmonierenden exotischen Fruchtsäfte nicht nur den Durst, sondern lindern auch das Fernweh. Woher der leicht cremige, mittlerweile zum Klassiker der Mayday Bar im Hangar-7 aufgestiegene „Salzburg Forever“ seinen Namen hat? Von einem Gast. „Unvergesslich“, befand der nämlich nach dem ersten Schluck verzückt, „wie die Stadt Salzburg.“ ZUTATEN 4 cl Scotch 6 cl Ananassaft 6 cl Maracujasaft 2 cl Apricot Brandy 1,5 cl Bananensirup 1 cl Zitronensaft Eiswürfel
ZUBEREITUNG Zutaten mit Eiswürfeln in einen Shaker geben und schütteln, bis der Cocktail schaumig ist. In ein Longdrinkglas füllen, mit Fruchtspieß garnieren. Fertig!
BILDER: POLYDOR, PICTUREDESK.COM, ELECTRIC PICKLE (4), FOTOSTUDIO EISENHUT & MAYER
THE ELECTRIC PICKLE 2826 North Miami Avenue Miami, FL 33127, USA www.electricpicklemiami.com
CLUB
„Star-DJs auf Spontanbesuch“ Electric Pickle ist das ClubJuwel von Miami abseits der Schickimicki-Tempel. Ein intimer Ort, an dem selbst die besten DJs der Welt in ihrer Freizeit auflegen wollen. Miami ist die beste Party-Stadt, weil … … es im Vergleich zu Berlin oder Las Vegas nicht darum geht, 24 Stunden durchzufeiern, sondern darum, das Beste aus der Nacht zu machen. Und natürlich wegen der subtropischen Temperaturen. Die Leute sind hier einfach lockerer drauf.
THE RED BULLETIN
Ins Electric Pickle passen … … nur 300 Leute. Im Gegensatz zu den Mega-Clubs am Strand geht’s uns um Qualität, nicht um Quantität. Was den Club von anderen abhebt … … ist die Leidenschaft seiner Betreiber. Jedes Jahr kommen Typen nach Miami, um neue Party-Tempel zu eröffnen. Ihre Motive: reich und populär werden. Wir dagegen sind seit 20 Jahren im Nachtleben aktiv und kennen die besten DJs der Welt persönlich. Leute wie Seth Troxler kommen nach ihren Gigs in den Schickimicki-Clubs bei uns vorbei, um spontan aufzulegen. Weil sie uns vertrauen. Das Interieur ist … … selbst entworfen. Aus alten LasVegas-Reklametafeln, Holzpaletten vom Hafen und Möbeln aus dem Antiquariat. Bei uns ist nichts Hightech und auf Hochglanz poliert. Bis auf die Soundanlage. Die gibt richtig Stoff! Im Interview: Tomas Cedia, Betreiber WINTER MUSIC CONFERENCE 15.–24. 3., Miami, das Programm zum heißesten Dance-Music-Festival wintermusicconference.com
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Nightlife
Tupac Shakur Er inspirierte mich dazu, in meinen Texten Dinge anzusprechen, über die sich viele Kollegen im Hip-Hop nicht drübertrauen: Verwundbarkeit und Schwäche. Tupac ebnete dieses Feld jungen Künstlern wie mir. Als Kind war ich beim Videodreh seines Songs „California Love“ dabei. Tupac und Dr. Dre in dieser „Mad Max“-artigen Wüstenkulisse in Action – das war für mich als Siebenjährigen der helle Wahnsinn.
25 und schon „Hip‑Hop-Messias“: Kendrick Lamar auf der Bühne
Take 3
„Dr. Dre ist mein Mentor“ Kendrick Lamar wird als neuer Hip-Hop-Messias gefeiert. Der 25-Jährige erzählt uns, wer ihn an die Spitze gebracht hat, wer ihn inspiriert und fördert. An Kendrick Lamar gab’s 2012 kein Vorbeikommen: Zu viel Talent, Witz und Wortgeschick steckten in seinem zweiten Album „Good Kid, M.A.A.D City“. Innerhalb von nur zwei Wochen verkaufte sich die Platte allein in den USA eine Viertelmillion Mal und schoss auf Platz 2 der Charts. Mächtige Musikmagazine wie „Pitchfork“ und Rap-Kollegen wie Nas wählten das Werk zum Album des Jahres, feierten Lamar als neuen Hip-Hop-Messias. Kein schlechter Einstand für einen 25-jährigen Rapper aus Compton, einem armen, von Bandenkriegen gebeutelten Stadtteil von Los Angeles. Auf „Good Kid, M.A.A.D City“ berichtet Lamar von seinem Leben in diesem Viertel. Es geht um Kindheitserinnerungen an der Ghetto-Front, um traumatische Familienerlebnisse. Das Besondere? Lamar schafft es, diese tragischen Momente mit spielerischer, wortgewaltiger Leichtigkeit darzustellen. Mit unterschiedlichen Stimmlagen und Geschwindigkeiten erzählt er seine G eschichten in verschiedenen Rollen, ganz dem Untertitel der Platte entsprechend: „A Short Film by Kendrick Lamar“. Außerdem erweist er auf seinem Album den Rap-Urvätern der Westküste seine Reverenz. Lamar über seine drei Vorbilder, die ihn zu seinem Meisterwerk animierten.
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Snoop Dogg Als ich ein Kind war, lief seine Musik ständig bei uns im Wohnzimmer. Vor allem seine frühen Platten hatten großen Einfluss auf meinen Stil. Weil ihm egal war, ob seine Sachen im Radio laufen. Er zog sein Ding durch. Genau wie ich: Mir ist es egal, was die Industrie von mir verlangt. Ich mache Musik, mit der sich die Menschen identifizieren können. Außerdem ist Snoop der coolste Typ der Welt.
Dr. Dre Als ich 2010 mit Tek9 auf Tour war, kam plötzlich ein Anruf von Dr. Dre. Er lud mich zu sich ins Studio ein. Die Chemie stimmte sofort, schließlich stammt auch er aus Compton. Dr. Dre ist mein Mentor. Er sagte letztens: „Sei zielstrebig! Du bist noch lange nicht am Höhepunkt deiner Karriere angekommen.“ Er sieht in mir ähn liches Potential wie in Eminem. Dr. Dre inspiriert mich, noch härter zu arbeiten.
Nightsnack
Manila: Banana Cue
Von frühmorgens bis spätnachts brutzeln in Manilas Snackbuden kleine, kompakte Kochbananen der Sorte Saba: Eine Banane, ein Bambusspieß, Zucker, Öl und Feuer – fertig ist der beliebteste Snack der Philippinen.
Was ist Banana Cue? Zunächst einmal: Wer wenig Zeit hat, schreibt einfach Banana Q, das versteht in Manila auch jede(r). Der Ausdruck ist eine Kombination aus Banana und Barbecue (auf den Philippinen wird alles, was auf einem Spieß steckt, Barbecue genannt). Die Bananen sollten nur halbreif sein, damit sie in der Hitze nicht so leicht zerfallen. Sie werden in einer Mischung aus Öl und karamellisiertem braunem Zucker gewälzt, mit Zucker bestreut und anschließend noch einmal durch die heiße Karamellmasse gezogen.
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text: klaus kamolz. Bilder: ddpi, getty images (3), Fotostudio Eisenhut & Mayer, corbis
Banana Cue & more Der Spieß ist in Manila zwar der beliebteste, aber längst nicht der einzige Snack aus Saba-Bananen. Turon heißt die Frühlingsrollen variante, bei der die Banane längs halbiert, in Frühlingsrollenteig eingeschlagen, frittiert und in Zucker gewälzt wird. Maruyas sind in einem Teig aus Mehl, Milch und Backpulver gebackene Bananen; und ja, natürlich werden auch sie vor dem Genuss noch in Zucker gewälzt. Ginanggang schließlich, Banana Cue am ähnlichsten, sind Saba-Spieße, in Margarine gewälzt und über Holzkohle (vorzugsweise Kokosholz) gegrillt. Und dann gibt es noch Tostones: Scheiben, doppelt frittiert. Wenn die Saba errötet … So selbstverständlich wie in anderen Kulturkreisen Tomaten ketchup auf den Tisch gestellt wird, serviert man auf den Philip-
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pinen Bananen-Ketchup, „puso ng saba“ genannt oder, nach einer der Haupterzeugerfirmen, „jufran“. Dafür werden die Bananen zerquetscht, die Masse mit Zucker, Essig und Gewürzen verrührt. Erfunden hat’s eine einheimische Lebensmitteltechnologin, als im Zweiten Weltkrieg die Tomaten knapp waren. Rot ist dieses Ketchup von Natur aus freilich nicht; es wird mit Lebensmittelfarbe gefärbt. „Madame Saba“ auf dem Campus Einer der populärsten BananaCue-Stände befindet sich nicht in Manila, sondern in Cebu City. Manang Lisa ist eine lebende Legende auf dem Campus der dortigen Universität. Täglich öffnet sie unter dem doppelten Sonnenschutz eines mächtigen Baumes und eines Schirmes ihren Stand, vor dem Menschenschlangen
ereits auf die ersten fertigen b Spieße warten, von denen ein Stück umgerechnet etwa 20 Cent kostet. Die größte Ehre, die ihr dafür zuteil werden kann, wird ihr von den Campus-Bewohnern erwiesen: Die tragen T-Shirts mit Manang Lisas Porträt oder einem Foto ihrer Banana Cues. Das Königreich der Saba Die bestgeeigneten Sorten sind übrigens Saba oder Cardaba und
stammen von den Philippinen. Die Bananen sind relativ klein (nur etwa 14 cm lang) und eignen sich hervorragend zum Kochen. Verkauft werden meist ganze Fruchtstände mit bis zu 150 Bananen. Und v erwertet wird gleich die ganze Staude: Die Blätter sind gutes Verpackungsmaterial für Gerichte der südostasiatischen Küche; aus den Fasern der Blätter fertigt man Seile oder auch Matten.
Ein Angebot wie im Paradies: die asiatische Version eines Snack-Stands
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Top Events
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März 2013
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Sport 11. 3., RIO DE JANEIRO, BRASILIEN
And the winner is … Laureus World Sports Awards Wer waren die Weltsportler des Jahres 2012? In sieben Kategorien (Sportler, Sportlerin, Action, Durchbruch, Comeback, Behindertensport und Team) werden bei einer funkelnden Gala die Allerbesten ausgezeichnet. Favorit in der Kategorie Action: Stratosphären-Springer Felix Baumgartner. Mit Sebastian Vettel (Sportler), dem Red Bull Racing Team, Lindsey Vonn (Sportlerin) und Windsurf-Weltmeister Philip Köster (Action) gibt es vier weitere Anwärter aus der Red Bull-Family auf die 30 Zentimeter hohe, 2,5 Kilo schwere Statuette von Cartier.
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20. – 22. 3., TIGNES, FRANKREICH
Gold-Export Winter X Games Tignes Seit 2010 finden X Games auch außerhalb der USA statt. Den Heimvorteil in den französischen Alpen konnten Europas Athletinnen und Athleten jedoch trotz 100.000 begeisterter Zuschauer kaum nützen: 2012 gingen alle sechs Goldmedaillen in den Superpipe- und Slopestyle-Bewerben an die Stars aus Kanada und den USA. So triumphierte zum Beispiel Kaya Turski (CAN) im Ski-Slopestyle, der damals erst 16-jährige FreestyleSkier Torin Yater-Wallace in der Superpipe. Im Snowboard Slopestyle und in der Superpipe war Shaun White (USA) einmal mehr eine Klasse für sich.
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22. – 24. 3., PLANICA, SLOWENIEN
Immer weiter
Lindsey Vonn mit ihrer Laureus-Trophäe 2011
FIS Skisprung Weltcup Der Duft von C´evapcˇic´i und Sliwowitz erfüllt die Luft, die Soundkulisse stammt aus Ziehharmonikas: Über 100.000 Zuschauer sorgen jedes Jahr für slowenische Volksfeststimmung beim Weltcupfinale der Skispringer in Planica … einem Ort mit sporthistorischer Bedeutung: Am 15. März 1936 durchbrach Josef „Bubi“ Bradl (AUT) hier die 100-Meter-, am 17. März 1994 Toni Nieminen (FIN) die 200-Meter-Marke. Für Gregor Schlierenzauer und Lokalmatador Robert Kranjec geht es Ende März neben dem Teamspringen vor allem in zwei Einzelkonkurrenzen um den Skiflug-Weltcuptitel.
31. 3., LONDON, GROSSBRITANNIEN
5. – 15. 4., MAROKKO
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In den Riemen
Kalt, warm
Boat Race Seit 1829 tragen die Universitä2 The ten von Cambridge und Oxford auf der Themse die wohl bekannteste Ruderregatta der Welt aus, Zwischenstand: 81:76 Siege für Cambridge. Im Vorjahr erlebten die Zuschauer an der 4,2 Meilen (6,8 km) langen Strecke – sie führt flussaufwärts von Putney nach Mortlake – ein turbulentes Rennen: Zunächst musste das Duell bei Streckenhälfte wegen eines Protestschwimmers gestoppt werden. Kurz nach dem Neustart brach bei einem Oxford-Ruderer der Riemen, im Ziel kollabierte ein Mitglied des Oxford-Achters. (Übrigens: Cambridge siegte mit 4½ Längen Vorsprung.)
Marathon des Sables 230 Kilometer durch die marokkanische Wüste … laufen! Sand, so weit das Auge reicht. Zur Ausrüstung jedes der maximal 800 Starter des Ultramarathons gehört laut Reglement ein Survival-Kit (Schlafsack, Schlangenbiss-Set, 2000 Kalorien Verpflegung pro Tag), das stets mitgeführt werden muss. Die schnellsten Teilnehmer benötigen für die sechs Etappen des seit 1986 ausgetragenen Klassikers eine Netto-Laufzeit von rund 17 Stunden. Zu schaffen machen den Athleten auch die Temperaturschwankungen: Während es tagsüber 40 Grad (und mehr) haben kann, kühlt es nachts auf fünf Grad ab.
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Die Freestyle-Elite über Tignes
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Kultur Manga-Fans schlüpfen in die Rollen ihrer Helden. 8. – 17. 3., AUSTIN (TEXAS), USA
23./24. 3., TOKIO, JAPAN
Eine Stadt voller Musik Manga-Mania SXSW Konzerte in Hinterhöfen, Kellern und auf
14. 3. – 1. 4., LONDON, GROSSBRITANNIEN
Hirnschmalz-Thriller
7 Dachterrassen, die Straßen voller Musikfans, Bands schleppen Gitarrenverstärker von einem Club zum nächsten: So geht es zu bei der weltgrößten Musikmesse samt Festival, dem South By Southwest (SXSW) im texanischen Austin. Hundert Live-Venues stehen für 2000 junge Bands aus aller Welt bereit. Nirgendwo ist ihre Chance größer, von Labelmanagern und Journalisten entdeckt zu werden. 8
International Anime Fair Tier-Ballons mit Riesenaugen und Stupsnasen schweben über den Köpfen der Messebesucher, Manga-Prinzessinnen und -Krieger ziehen durch die Gänge, in denen die neuesten Spielzeugfiguren, Filme und Comics vorgestellt werden. Verlage, Zeichner und über 100.000 Fans reisen jedes Jahr nach Tokio zur größten Messe für japanische Animationskunst. Die ist dort ein wichtiger Wirtschaftszweig: Die Unterhaltungsindustrie in Japan setzt mit Animes pro Jahr umgerechnet 80 Milliarden Euro um.
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27./28. 3., NORDINDIEN
Chess Candidates Tournament Das 6 World Schach-Weltfinale findet erst im November statt. Doch wer den (seit 2007) amtierenden Champion Viswanathan Anand aus Indien zum Duell herausfordern wird, entscheidet sich schon im März, wenn sich die besten acht Schachspieler der Welt zur Vorausscheidung in London treffen. Darunter Boris Gelfand aus Israel, den Anand letztes Jahr im Finale besiegte, sowie der große Wladimir Kramnik, Kasparow-Bezwinger und ehemaliger Weltmeister.
Fest der 1000 Farben Holi Farbwolken und knallbunte Fontänen füllen die Straßen, die Menschen bewerfen einander mit Pigmentpulver: Am Ende des Winters feiert man in Nordindien den Sieg des Guten über das Böse. Ursprünglich eine Form des Erntedankfests, dient das Holi heute dazu, gesellschaftliche Gräben zu überwinden und in großer Gemeinschaft zu feiern.
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BILDER: GETTY IMAGES (3), PICTUREDESK.COM (3)
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Las Fallas: Valencias feuriges Frühlingsfest 15. – 19. 3., VALENCIA, SPANIEN
Pyromanen-Himmel Las Fallas Kurz vor Mitternacht gehen in den Straßen von Valencia die Lichter aus. Stille, totale Dunkelheit. Dann: Tusch! Feuerwerke schießen gen Himmel, meterhohe Pappmaché-Figuren gehen in Flammen auf, alles brennt. Das Las-Fallas-Fest ist ein Paradies für Pyromanen. Monatelang basteln Valencias Bürger an riesigen Puppen, den „Ninots“, die in den Straßen errichtet und in der letzten Nacht des alljährlichen Stadtfests feierlich abgefackelt werden.
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230 eher ungemütliche Kilometer durch Marokko
THE RED BULLETIN
10 Im Rausch der Farben: das Holi-Fest in Indien
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Save the Date März 2013 15. MÄRZ, INNSBRUCK
Red Bull Can Bob Race An die Wäscheleinen … los! Zwei Stunden haben die Teams Zeit, um aus einem handelsüblichen Wäschekorb, Red Bull-Dosen, reichlich Karton und Klebeband einen stylischen Rennschlitten zu konstruieren. Mit diesem gilt es, möglichst schnell die Seegruben-Halfpipe abwärts zu rasen.
Reinhard Rietsch und Markus Wagner sind Camo & Krooked. 29. MÄRZ BIS 6. APRIL, VERSCHIEDENE LOCATIONS
Montafon Freeride Festival
Die besten Amateure bekommen die Chance, sich beim „Hochjoch Face“ mit herausragenden europäischen Snowboard- und Ski-Freeridern zu messen. Neben sportlicher Action auch auf dem Programm: eine Movie Night, eine EXPO sowie ein Line-up namhafter DJs mit „City Beats“. 21. – 24. MÄRZ, KUNSTHALLE WIEN KARLSPLATZ, WIEN
Red Bull Curates
Junge und renommierte heimische Künstler verpassen zehn Red Bull Canvas-Kühlschränken einen neuen Look. Bevor die Kunstwerke in ihr natürliches Habitat wandern – an die Bars von Wiener Szene-Clubs wie der Pratersauna –, sind sie nach der Vernissage am 21. März noch für drei Tage in der Kunsthalle zu sehen.
22./23. MÄRZ, OBERTILLIACH
ÖM Biathlon
Die heimische BiathlonElite trifft sich in Obertilliach zu einem letzten Saisonhöhepunkt: Dominik Landertinger, Simon Eder, Christoph Sumann und Co kämpfen in Osttirol um die österreichischen Staatsmeistertitel in Sprint und Verfolgung.
Laufstark: Dominik Landertinger
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Durch die Nacht In Zusamenarbeit mit dem Radiosender FM4 geht die Red Bull Music Academy auf Club-Tour durch Österreich. An den Plattenspielern stehen dabei einige der erfolgreichsten Absolventen und Vortragenden des reisenden Musik-Camps: Der Portugiese Branko von Buraka Som Sistema mixt Ghetto-House mit Hip-Hop (29. 3., Altes Hallenbad, Feldkirch), die Wiener Camo & Krooked machen ihrem Ruf als populärstes Drum ’n’ Bass-Duo der Welt alle Ehre (30. 3., Stereo Club, Klagenfurt), Nina Kraviz ist Russlands Deep-House-Zarin (5. 4., Cloud9, Innsbruck), Morgan Geist zaubert Disco-Perlen aus der Plattentasche (5. 4., Graz), James Holden vermählt Techno-Beats mit verträumten Sounds (6. 4., Sakog, Trimmelkam/Innviertel), und der Londoner Sound-Magier Floating Points führt vor, wie die Tanzmusik der Zukunft klingt (6. 4., Stadtwerkstatt, Linz). www.redbullmusicacademy.com
22./23. MÄRZ, LEUTSCHACH
Rebenland Rallye Bei der Rallye-Premiere in der Südsteiermark im Vorjahr erlebten die 15.000 Zuschauer das wohl spannendste und sicherlich turbulenteste Rennen der Staatsmeisterschaft: Eine Vielzahl heimischer Spitzenfahrer hatte mit Defekten und Unfällen zu kämpfen, Michael Böhm sorgte mit einem Fünffach-Überschlag für den Abflug des Jahres. Beppo Harrach sah lange Zeit wie der sichere Sieger aus, ehe ihn ein Ausritt samt Hinterradbruch zurückwarf. Von Harrachs Missgeschick profitierte Rallye-Urgestein Raimund Baumschlager. „Fahrer
Premieren-Sieger: Raimund Baumschlager
und Auto waren absolut am Limit. Es lohnt sich aber immer, Druck auf den Vordermann auszuüben“, freute sich der zehnfache Staatsmeister damals über den „geerbten“ Sieg. www.rallye-oem.at
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BILDER: PICTUREDESK.COM, HOSPITALRECORDS.COM, GEPA PICTURES
15. – 17. MÄRZ, HOCHJOCH, SCHRUNS
Die Playoffs in der Erste Bank Eishockey Liga:
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illustration: dietmar kainrath
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1 PS-VERDÄCHTIGE EDIFICE UHR Bei der EDIFICE ERA-200DB-1AVER trifft sportlicher Look auf Funktionalität, gepaart mit hochwertigen Materialien. Technische Raffinessen wie der integrierte Digitalkompass, das Thermometer oder die 1/100-Sekunden-Stoppuhr machen die Uhr zum praktischen Wegbegleiter. Weitere EDIFICE Highlights wie die EQW-A1110DB mit innovativer Smart Access Technology finden Sie auf:
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ADIDAS BOOST™ – THE RUNNING REVOLUTION adidas präsentiert ein innovatives Dämpfungssystem für Running-Schuhe, das für ein völlig neues Laufgefühl sorgt. Die Dämpfungseinheit ist das wichtigste Element in einem Laufschuh. In Kooperation mit BASF entwickelte adidas einen neuen Fertigungsprozess. Festes TPU-Granulat (Thermoplastisches Polyurethan) wird zunächst „gesprengt“ und in Kapseln zerlegt. 2500 dieser Energiekapseln werden dann zu einer Zwischensohle verdichtet. So entsteht ein neues Dämpfungselement mit eigener Zellstruktur, das Energie bei jedem Schritt effizienter speichert und mehr davon wieder zurückgibt als jedes andere schaumbasierte Dämpfungsmaterial. BOOST™ kombiniert hohen Komfort mit dynamischer Energie – für das ultimative Running-Erlebnis. 3
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„MOUNT ST. ELIAS“ – DER ABENDFÜLLENDE DOKUMENTARFILM Jetzt international erhältlich: der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm des visionären Regisseurs Gerald Salmina. Diese zutiefst beeindruckende Dokumentation begleitet drei der weltbesten HochgebirgsSkiläufer – angeführt von Axel Naglich – auf ihrem Abenteuer zum Mount St. Elias, dem „Menschenfresser“, wo sie beim Rekordversuch für die längste Skiabfahrt aller Zeiten ihr Leben aufs Spiel setzen. Jetzt erhältlich in der Collectors Edition auf DVD/Blu-ray und auf iTunes. 4
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www.mountstelias.com 5 SCHMUCK MIT GESCHICHTE Robust & ritterlich ist das Gliederarmband HISTORY von POLICE. Die Edelstahlelemente sind fest ineinander verhakt und bekommen dadurch diesen PanzerkettenLook. Der Fokus liegt aber auf dem Verschluss. Auf dem schwarzen Untergrund sitzt ein Edelstahlkreuz, welches dem gotischen Stil nachempfunden ist. Umrahmt ist es von vier kleinen Edelstahlpfeilen, welche den antiken Stil gekonnt abrunden.
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m o r e b o dy & m i n d
Volles Programm Das Red Bull TV-Fenster bei ServusTV: Jede Menge Action auf Ihrem Bildschirm. www.servustv.com
Montag, 4. März, 20.15 Uhr
Red Bull Crashed Ice Live Nach drei Jahren Pause machen unsere Helden endlich wieder Station in der Schweiz. Kann Champ Kyle Croxall in Lausanne seine Führung ausbauen?
Africa Race – Teil 2 Als ihre Fähre in Marokko anlegt, beginnt für Tobias Moretti und Gregor Bloéb der wahre Ernst des Africa Race. Während sie zum Start ihrer ersten Sonderprüfung aufbrechen, ziehen sie nochmals Bilanz über die Vorbereitungszeit auf Ibiza und müssen erkennen, dass zwischen Training und dem eigentlichen Rennen Welten liegen. Denn hier, in der Wüste, wird jeder noch so kleine Fehler gnadenlos bestraft.
Sonntag, 17. März, 23.05 Uhr
Wie wir leben Eine Dokumentation über ein eher ungewöhnliches Familienleben in Neuseeland: den Alltag einer Maori-Familie mit sechs Kindern und 50 Pferden.
Samstag, 30. März, 20.15 Uhr
Mount St. Elias Samstag, 23. März, 10.10 Uhr
Biggest Peak Project 200 Jahre nach der Jungfrau-Erstbesteigung trifft sich die Alpinisten-Weltelite am Schweizer Jung fraujoch, um dieses Jubiläum gebührend zu feiern.
So sind Sie im Bild 96
35 Kilometer liegen zwischen dem Gipfel des Mount St. Elias und der Icy Bay am Golf von Alaska – eine Abfahrt, welche die Alpinisten Axel Naglich, Jon Johnston und Peter Ressmann an ihre physischen und psychischen Grenzen bringt. Die preisgekrönte Dokumentation zeigt atemberaubende Bilder steiler Abfahrten und riskanter Sprünge in Alaskas gefährlicher Schönheit und lässt Sie dieses Abenteuer hautnah miterleben. Sie finden ServusTV mit dem Red Bull TV-Fenster nicht auf Ihrem Fernsehgerät? Rat und Hilfe zum Nulltarif unter
0800 100 30 70 the red bulletin
Bilder: Jürgen Skarwan, Beat Kammerlander/red bull content pool, joerg mitter/red bull content pool, thomas burstyn/Cloud south films, visualimpact.ch/Rob Frost
Samstag, 2. März, 18.35 Uhr
DIE WELT VON RED BULL Das ganze Jahr in Ihren Händen
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ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN THE RED BULLETIN
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ch bin wirklich der Letzte, der gerne schlecht über Schulen spricht. Ich stamme aus einer Pädagogenfamilie und höre förmlich die Bemerkungen aufmerksamer Leser, das hätten sie sich bei meinem ständigen Bescheidwissen schon gedacht, „da müssen Sie vorbelastet sein“. Bin ich. Da das geklärt ist, stelle ich unsere Beziehung auf eine neue Basis. Und gebe jetzt sofort zu: Manchmal wird in den Klassenzimmern auch lebensfremdes Zeug gelehrt, sei es an den Volksoder Journalistenschulen. So erinnere ich mich noch bestens an die Stunden, in denen man uns – BEDROHT MIT DEM HAMMER DER VERWÜNSCHUNGEN – beigebracht hat, dass wir, wenn wir schon eine so absurde Metapher wie „bedroht mit dem Hammer der Verwünschungen“ benutzen, dies KEINESFALLS in Großbuchstaben hinschreiben dürften. Sondern vielmehr schön „gemischt“, wie das heißt; also vorne, wo nötig, groß und dann schön klein weiter. Der Grund: Wir sollten die Wucht eines Gedankens sprachlich entfalten und nicht durch typografisches Herumgebrülle. Nun zeigt aber eine wissenschaftliche Untersuchung, dass die Größe doch entscheidet! Nein, das ist nicht anzüglich gemeint, wenn mir jetzt aus unerfindlichen Gründen auch eine Weltkarte aus dem Internet einfällt, die „The Penis Size Worldwide“ heißt und der zu entnehmen ist, dass die Burschen in Kongo und in Ecuador vorne mit dabei sind, während die in Nord- und Südkorea wenigstens eine Sache gemeinsam haben. Eine gemeinsame Studie der Berliner Humboldt-Universität und jener von Göttingen hat ergeben, dass die Wirkung emotionaler Wörter durch die Verwendung sogenannter Versalien und eine wuchtige Schriftgröße verstärkt wird: je größer und plakativer, umso emotionaler.
Ankowitschs Kolumne belebt Körper und Geist
Größe zählt! Wer anderen seine Gefühle verdeutlichen will, kommt nicht drum herum, gelegentlich laut zu werden.
Ein Blick in die Hirntätigkeit der Versuchsteilnehmer habe ergeben: Als man ihnen den neutralen Begriff „Löffel“ präsentierte, spielte sich in deren Kopf nichts ab, auch dann nicht, als man den Löffel ganz groß herausbrachte. Völlig andere Ergebnisse erzielte man, lasen die Menschen Begriffe wie „Mutter“ oder „Mörder“; je größer das Wort, umso größer die Gefühle. Weil diese Kolumne sich nicht nur den Ruf erworben hat, mit Lehrern unter einer Decke zu stecken, sondern auch
den, immer einen Rest Hilfreiches zu enthalten, hier die Hinweise, was diese akademische Studie uns bringt. Zum einen: Ab sofort wissen Sie, warum Ihnen Boulevardzeitungen immer mit kurzen, gebrüllten, großen Titelzeilen kommen: Man will Sie emotionalisieren und zum Mitkämpfer machen, wofür auch immer. VORSICHT – MANIPULATION! Zweitens: Wollen Sie das Herz eines anderen erreichen, simsen Sie Ihr „ick liebe dir“ nicht kleinbuchstabig durchs Weltgeschehen, sondern plakatieren Sie die Info „ICKE OOCH!“ am besten auf eine Plakatwand, die dem begehrten Menschen einsehbar ist. Und drittens: Die Regel „Auf die Größe kommt es an“ gilt auch in Sachen Körpersprache. Begegnen Sie also einem Konkurrenten oder Bären, buchstabieren Sie Ihre Macht in den größtmöglichen Buchstaben Ihres Körperalphabets, indem Sie die Arme ausbreiten und ein breites Kreuz machen. Eine kleine Empfehlung zum Schluss: Der wilde Bär könnte sich durch Ihr körpersprachliches Brüllen doch nicht einschüchtern lassen. Dann hilft, geübten Bären-Beeindruckern zufolge, leider nur eins: sich selbst so klein und unansehnlich wie möglich zu machen, indem Sie (sorry, das muss jetzt sein!) in die Hose machen. Bären hassen diesen Geruch und lassen Sie, ungenießbar wie Sie sind, einfach stehen. Ungustiös, ich weiß. Aber so ist das Leben, ein Rezept allein hilft selten. Womit sich die Lehrmeinung, wir sollten schön „gemischt“ schreiben, letztlich doch als richtig herausstellt und ich die Kritik an den Lehrern zurücknehme. Und zwar mit BEDAUERN. Christian Ankowitsch, 53, ist ein österreichischer Journalist, Schriftsteller und Lebenshelfer. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.
THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838: Herausgeber und Verleger Red Bull Media House GmbH General Manager Wolfgang Winter Verlagsleitung Franz Renkin Chefredakteur Robert Sperl Creative Director Erik Turek Art Director Kasimir Reimann Fotodirektion Fritz Schuster Chefin vom Dienst Marion Wildmann Redaktion Alexander Macheck (Stv. Chefredakteur), Werner Jessner (Leitender Redakteur), Ulrich Corazza, Florian Obkircher, Arkadiusz Pia˛tek, Andreas Rottenschlager Mitarbeiter Stefan Wagner Grafik Martina de Carvalho-Hutter, Silvia Druml, Kevin Goll, Carita Najewitz, Esther Straganz Fotoredaktion Ellen Haas, Catherine Shaw, Rudi Übelhör Senior Illustrator Dietmar Kainrath Autor Christian Ankowitsch Illustratoren Albert Exergian, Mandy Fischer Corporate Publishing Boro Petric (Ltg.); Christoph Rietner (CR); Dominik Uhl (AD); Markus Kucˇera (FD); Lisa Blazek (Red.); Christian Graf-Simpson, Daniel Kudernatsch (App) Lektorat Hans Fleißner Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Karsten Lehmann, Josef Mühlbacher Herstellung Michael Bergmeister Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter Sádaba Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg Finanzen Siegmar Hofstetter, Simone Mihalits Marketing & Country Management Barbara Kaiser (Ltg.), Stefan Ebner, Nicole Glaser, Johanna Jenewein, Klaus Pleninger, Elisabeth Salcher, Lukas Scharmbacher, Peter Schiffer, Julia Schweikhardt, Sara Varming Anzeigenverkauf Alfred Vrej Minassian (Ltg.), Thomas Hutterer, Romana Müller, Martin Olesch; anzeigen@at.redbulletin.com Anzeigendisposition Sabrina Schneider O∞ce Management Manuela Geßlbauer, Anna Jankovic IT Michael Thaler Firmensitz Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com Web www.redbulletin.com Erscheinungsweise Das Red Bulletin erscheint monatlich als Eigenbeilage von und in Kooperation mit folgenden Partnerzeitungen – in Österreich: Kleine Zeitung, Kurier, Die Presse, Salzburger Nachrichten, Der Standard, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten. Deutschland: Leipziger Volkszeitung und Vertrieb an Hochschulen (CAMPUSdirekt Deutschland GmbH). Irland: The Irish Times. Frankreich: L’Équipe. Großbritannien, Neuseeland, Nordirland, Schweiz und Südafrika: alternativer Vertrieb. Kuwait: Kuwait Times. Mexiko: Milenio Diario. In den USA: New York Daily News, Chicago Tribune, LA Times, Houston Chronicle. Leserbriefe bitte an leserbriefe@at.redbulletin.com Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz Informationen zum Medieninhaber sind ständig und unmittelbar unter folgender Web-Adresse auffindbar: www.redbulletin.at/impressum
DIE NÄCHSTE AUSGABE DES RED BULLETIN ERSCHEINT AM 2. APRIL 2013. 98
THE RED BULLETIN
ILLUSTRATION: ALBERT EXERGIAN
M O R E B O DY & M I N D
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CRANBERRY, HEIDELBEERE, LIMETTE. UND DIE WIRKUNG VON RED BULL.
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Gesamtverbrauch 8,3 l/100 km, CO2-Emissionen 218 g/km. Symbolfoto. *2 Jahre Herstellergarantie + 2 Jahre ProtectionPlus gemäß näheren Bedingungen der CG Car-Garantie Vers.-AG. Satz- und Druckfehler sowie Änderungen vorbehalten. Stand 01/2013. Jeep® is a registered trademark of Chrysler Group LLC.