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The Red Bulletin Februar 2013 - AT

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DAS MAGAZIN ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

Tab le a u sg

FEBRUAR 2013

t-

G RA a b e Dow TI S nlo

ad

Einfach verrückt

AUF EINEN SPRUNG IN DEN VULKAN Einfach genial

SO GEWINNT MAN DEN OSCAR

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Februar 2013

MARCEL HIRSCHER LÄSST DIE HOSEN RUNTER

Das Ski-Genie mit Bodenhaftung im Interview mit Marco Büchel


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DIE WELT VON RED BULL

Februar 18

DIE WELT VON JAMES FRANCO Die Karriere eines kalifornischen Grenzgängers zwischen Mainstream- und Indie-Kino.

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STAIRWAY TO HEAVEN Münchner Forscher entwickeln Modelle für einen Aufzug ins All.

68 TRIUMPH IN DER WÜSTE Africa Race: Race wie Tobias Moretti und Gregor Bloéb das Motorrad-Abenteuer des Jahres erlebten.

COVERBILD: PHILIPP FORSTNER. BILDER: HERBERT WEIDINGER, GETTY IMAGES, JÜRGEN SKARWAN, AMPAS

WILLKOMMEN!

Plaudern ein ehemaliger und ein aktueller Skirennläufer miteinander, gleitet das leicht zur „In der guten alten Zeit“-versus-„Ihr habt keine Ahnung, wie’s mittlerweile zugeht“-Diskussion ab. In unserem Fall nicht: Interviewer Marco Büchel,, vierfacher Weltcup-Rennsieger in Abfahrt und Super-G, hat den letzten Rennschwung erst im März 2010 hingelegt und begleitet den Skizirkus seither als FachkommenMarcel Hirscher & Marco Büchel tator. Und der Interviewte, der aktuelle Weltcup-Gesamtsieger Marcel Hirscher,, ist zu smart, als dass er sich irgendwelche Tipps von Marco entgehen ließe. Zudem sind Marco und Marcel gute Kumpels – aber trotzdem Manns genug, sich im Interview beherzt anzufassen. Begleiten Sie uns auf der Fahrt durch die roten und blauen Tore, ab Seite 42. Viel Vergnügen mit diesem Heft! Die Redaktion

50 DIE OSCARFORMEL So gewinnt man einen Academy Award: Award Wir entschlüsseln den Weg zum wichtigsten Filmpreis der Welt.


DIE WELT VON RED BULL

Februar 84

TRAINIEREN WIE DIE PROFIS Schwitzen mit Downhill-Weltcupsiegerin Rachel Atherton.

MUSIK IM BILD Toro Y Moi vermählt moderne Beats mit bildender Kunst.

64

42

INTERVIEW: MARCEL HIRSCHER Heiße Pisten, kalte Zehen: Österreichs Ski-Genie in einem Interview auf Augenhöhe.

Red Bulletin

Sally Fitzgibbons (Surf-Superstar), Marcel Hirscher (Ski-Nationalheld) und Rachel Atherton (Bike-Queen) im Action-Video. Gratis für Android & iPad

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UNIDOS DE PADRE MIGUEL Ein Uhr früh in der Vorstadt von Rio de Janeiro: wie Sambaschulen für den Karneval-Ernstfall proben.

08 Fotos des Monats 14 Kurz gemeldet: Faltkunst, Skisprung, Dave Grohl 20 Einst & jetzt: BiathlonGewehre 24 Physik: Seiltanz am Rad 28 Zahlen des Monats: Harley-Davidson wird 110

BILDER: IMAGO, RICK RODNEY, PHILIPP FORSTNER, JANE STOCKDALE

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DIE WELT VON RED BULL

Februar ist dein Körper im Ausnahmezustand. “

Sally Fitzgibbons

22

SALLYS KÖRPER Australiens Surf-Ass Sally Fitzgibbons erläutert ihre Überlebenstaktik am Ozean.

82 DIE AUSRÜSTUNG DER PROFIS

Wie man beim wohl härtesten Hundeschlittenrennen der Welt in Alaska heil ins Ziel kommt. Iditarod-Sieger Dallas Seavay geht mit uns durch seine Packliste.

86

NACHTSPORT: ICE CROSS DOWNHILL

Adrenalin auf Eis: Am 2. März macht die Red Bull Crashed Ice-Weltmeisterschaft in Lausanne Station. Wir verraten, wen die Cracks durch den Kanal jagen.

more

Body & Mind 80 TRAVEL

Tauchen zum Wrack der SS „Yongala“ in Ostaustralien

90 TOP-SPOTS

Die Top-Events im Februar weltweit

94 KAINRATH

Monats-Vorschau mit spitzer Feder

96 FERNSEHEN

Das Red Bull TVFenster bei ServusTV

98 KOLUMNE 92 SAVE THE DATE Lebenshilfe mit

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MISTER LAVA LOVER

Geoff Mackley ist ein Kameramann aus Neuseeland und verdient sein Geld mit Aufnahmen von Kriegen, Tsunamis und Tornados. Sein Herz hat er jedoch an einen Vulkan verloren.

Die wichtigsten Termine in Österreich

94 NIGHTLIFE

Christian Ankowitsch

98 IMPRESSUM

Out now: Jamie Lidell/Club: Green Valley in Brasilien/Cocktail: Umhlanga Sling/Take 3: Karl Bartos/Night Snack: Gatsby in Kapstadt

BILDER: KATIE KAARS, MICHAEL DeYOUNG, JOERG MITTER/RED BULL CONTENT POOL, BRADLEY AMBROSE

” In der Welle


Die Erste Bank Eishockey Liga in der LAOLA1 Hockey Night:

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SPIRI T OF SPORTS

* LAOLA1 Hockey Night LIVE - Freitags, 19.10 Uhr auf www.laola1.tv Servus Hockey Night LIVE - Sonntags, 17.25 Uhr bei ServusTV Servus Hockey Night KOMPAKT – Freitags, 23.15 bei ServusTV LAOLA1 VIDEOCENTER – Highlights aller Spiele auf www.laola1.tv


DES MONATS

Mau i , Hawai i , U SA

Flugstunde

Es ist der brutalste Surfspot der Welt, auf den sich nur die besten Athleten wagen: „Jaws“ an der Nordküste Mauis, Wellenhöhe: bis zu 70 Fuß (ca. 21 Meter), angeblich sogar bis 120 Fuß (rund 36½ Meter). Windsurf-Profi Jason Polakow (Bild): „Es fühlt sich an, als würdest du einen Berg aus Wasser abreiten. Dein Herz rast, und du weißt nie, wie dein Tag ausgeht – aber genau das macht Jaws so spannend.“ Polakows Surf-Videos: www.redbull.com Bild: Tracy Kraft Leboe/Red Bull Content Pool

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são Pau lo, B r a s i li e n

DES MONATS

Rettungsring

Sport statt Kriminalität – so lautet, in aller Kürze, die ­ ission des früheren Boxprofis Nelson Garrido in São M ­Paulos rauer Zona Leste. Seine Strategie: Wer im Ring steht, begeht keine Straftaten. Wer trainiert, verkauft ­keine Drogen. Jugendliche, die zu Garridos Sparrings ­erscheinen, erhalten ein warmes Essen und tanken außerdem Selbstvertrauen. Das Motto seiner Box-Akademie: „Komm als armer Kerl, geh als stolzer Mann!“ Die Foto-Story: www.gudzowaty.com Bild: Tomasz Gudzowaty

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DES MONATS

FRU ITA , UTAH , U SA

SPURENSUCHE „Buffalo Soldiers“ heißt das Reiseprojekt des Schweizer Downhill-Riders René Wildhaber – in Anlehnung an das aus afroamerikanischen Kavalleristen (Buffalo Soldiers genannt) gebildete legendäre 25th Infantry Bicycle Corps, das 1896 erstmals Räder für den ArmeeEinsatz testete. Wildhaber: „Ich wollte herausfinden, wo der Mountainbikesport seine Wurzeln hat. Die Buffalo Soldiers haben damals etwas völlig Neues ausprobiert, so wie es Extremsportler heute tun.“ Das Ergebnis seines zweiwöchigen US-Trips: ein Video-Blog zwischen Geschichte und Moderne des Pedalierens. Wildhabers Reisetagebuch: www.buffalo-soldiers.ch Bild: Christophe Margot

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SABRINA FILZMOSER JUDO

PIA MEUSBURGER SNOWBOARD

ANDREAS GABALIER VOLKS-ROCK‘N’ROLLER

Ob Snowboarden, Skifahren, Freestyle oder Freeride – die regelmäßige

Ausübung

von

Wintersport

stärkt

das

Immunsystem, senkt den Cholesterinspiegel und verringert Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen und Alzheimer. Wintersportler/Innen weisen einen gesünderen Lebensstil auf!

STEFANIE KÖHLE SKI ALPIN

VIKTORIA SCHWARZ KANURENNSPORT

Eine Initiative des Österreichischen Skiverbandes und des Bundesministeriums für Landesverteidigung und Sport


Bullevard Beflügelndes in kleinen Dosen

Hier geht’s rund Seit über 5000 Jahren (Mesopotamien, wo sonst?) wird Karneval gefeiert. Die entsprechenden Bräuche unterscheiden sich von Kultur zu Kultur … Hier die vier ausgelassensten Partys der Welt.

1. RIO DE JANEIRO 8. bis 13. 2.: Rio tanzt im Sambatakt. Drei Millionen Besucher jubeln den bunten Paradewagen zu.

GUT GEFALTET Die späte Zweitkarriere der Design-Legende Irving Harper. Irving Harper ist einer der wichtigsten IndustrialDesigner des 20. Jahrhunderts. Mit ikonenhaften Möbelstücken wie dem Marshmallow-Sofa, das er 1954 mit George Nelson entwarf, schrieb er Geschichte. Weniger bekannt ist: Auch die Nebenprodukte von Harpers langen Nächten am Zeichentisch können sich sehen lassen. Um sich in Pausen zu entspannen, um den Kopf freizubekommen, bastelte er Papierskulpturen, die in ihrem Detailreichtum und in ihrer Grazilität einzigartig sind. Tiere, abstrakte Gebilde, Statuen, an die 300 Werke, manche davon meterhoch. „Ich habe die Skulpturen nie entworfen“, sagt der heute 96-Jährige, „die entstanden aus dem Kopf heraus.“ Mittlerweile sind seine Papierfiguren in Kunstkreisen so gefragt, dass Harpers seit 1964 gepflegter Nebentätigkeit ein Buch gewidmet wird. „Works in Paper“ erscheint am 12. 2.; rizzoliusa.com

2. KÖLN 7. bis 13. 2.: „Kölle Alaaf!“ lautet der Schlachtruf am Rhein. Dazu gibt’s Bier und Marschmusik.

Irving Harper: „Works in Paper“ (Rizzoli Verlag) 3. VENEDIG 2. bis 12. 2.: Mit seinen BarockMasken ist Venedigs Karneval so stil- wie geheimnisvoll.

4. PORT OF SPAIN 11. und 12. 2.: Rum und karibische Rhythmen bringen Trinidad und Tobago in Feierlaune.

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BILDER DES MONATS

MOMENT MAL!

Szenen aus dem abenteuerlichen Alltag unserer Leser. Einfach per Mail an: phototicker@redbulletin.com Unter den Einsendern der veröffentlichten Fotos wird eine Trinkflasche des Schweizer Herstellers SIGG im speziellen Red Bulletin-Design verlost.

Santiago

Paragleiter Tom Weissenberger zieht seine Kreise über der chilenischen Hauptstadt. Juan Luis De Heeckeren


Am Start

Musikerinnen, die 2013 au orchen lassen.

Paul McCartney (re.) mit den verbliebenen NirvanaMitgliedern Krist Novoselic (li.) und Dave Grohl.

BILDER: IRIVING HARPER/RIZZOLI (3), LESLIE WILLIAMSON, EA GAMES, SQUARE ENIX, MAXIS/EA GAMES, CRYSTAL DYNAMICS/SQUARE ENIX, GETTY IMAGES (5), GEPA PICTURES, SOUND CITY

Aufnahme läu ! Als Nirvana-Schlagzeuger schrieb er Musikgeschichte, als Foo-Fighters-Frontmann füllt er Stadien: Dave Grohl ist einer der erfolgreichsten Rockmusiker der Gegenwart. Neuerdings versucht sich der 44-Jährige auch als Regisseur: „Sound City“ heißt der Dokumentarstreifen, den Grohl letztes Jahr gedreht hat. Ein Film über das legendäre Tonstudio gleichen Namens in Kalifornien, in dem von 1970 bis 2011 Musiker wie Trent Reznor (Nine Inch Nails), Tom Petty, Lars Ulrich (Metallica) und Stevie Nicks (Fleetwood Mac) ihre Scheiben produzierten. Sie alle kommen ebenso zu Wort wie der Regisseur selbst. Schließlich nahmen auch Nirvana ihr Meisterwerk „Nevermind“ im SoundCity-Studio auf. Mit dem Film-Soundtrack schreibt Grohl gleich noch einmal Musikgeschichte: Nach 20 Jahren brachte er seine frühere Band Nirvana wieder zusammen – mit illustrem neuem Frontmann: Paul McCartney. Den Film gibt’s ab 9. Februar auf www.soundcitymovie.com

ANGEL HAZE Kaum jemand im Hip-Hop erzählt Geschichten so gewitzt und wortgewaltig wie diese 21-jährige Rapperin aus Detroit.

SKY FERREIRA Musikerin, Model, Schauspielerin: Die 20-Jährige wird als neue Indie-PopPrinzessin gefeiert. Im Frühling erscheint ihr Album.

IM AUFWIND Sarah Hendrickson war gerade 17, als sie im Vorjahr die erste Weltcup-Skisprungsaison der Damen gewann. Nun fliegt sie auf Edelmetall. Skispringen ist in den USA nicht gerade eine Mainstream-Sportart. Wie kamst du auf die Idee, mit Skiern durch die Luft zu fliegen? Ich stamme aus Park City in Utah, wo auch die Schanzen der Olympischen Spiele von Salt Lake City stehen. Mein Bruder begann irgendwann mit dem Springen, und als ich sieben war, war ich es leid, ihm immer nur zuzu sehen. Schon nach den ersten Versuchen hatte mich das Sprungfieber erfasst. Was macht für dich den Reiz des Skispringens aus? Vor allem zwei Dinge: der Nervenkitzel der enormen Beschleunigung bei der Anfahrt und beim Flug den Luftpolster unter den Skiern zu

DEAP VALLY Mit ihren wilden Live-Shows und rauen Blues-RockHymnen haben sich die zwei Kalifornierinnen Fans wie Jack White erspielt.

spüren. Das ist mit nichts zu vergleichen. Kein mulmiges Gefühl? Ganz im Gegenteil! Ich hoffe, das alles in Zukunft auch einmal auf den ganz großen Flugschanzen erleben zu können. Mit der WM in Val di Fiemme 2013 (20. 2. – 3. 3.) und den Olympischen Spielen 2014 stehen zwei Höhepunkte bevor … Als Weltcup-Gesamtsiegerin stehe ich in Italien ein wenig unter Druck. Eine Medaille wäre großartig. Mein großer Traum bleibt aber die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Der Sieg bei der Vorpremiere in Sotschi vergangenen Dezember war aber zumindest schon ein gutes Omen! twitter.com/schendrickson

Sarah Hendrickson beim Flug aufs Podium

DAS GEWINNERBILD

Anza Ken Roczen (li.) und Marvin Musquin springen Hand in Hand in die neue AMA-Supercross-Saison. Simon Cudby

Belgrad

Das montenegrinische Rap-Duo Who See stieg beim Red Bull MC Battle im Dom Omladine in den Ring. Marko Djuric

Paia

Die Surfer stimmen sich bei der gemeinschaftlichen Eröffnungszeremonie des Red Bull Jaws in Hawaii auf den Bewerb ein. Robert Snow

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B U L L E VA R D

Neues Jahr, neue Musik Im Februar erwarten die Fans österreichischer Musik drei meisterliche Alben unterschiedlicher Couleur: von schwelgerischem Indie über coole Kopfnicker-Beats bis zu entfesseltem Noise-Rock.

Nychos, 30, bei seiner täglichen Arbeit

Naked Lunch, „All Is Fever“

Seit zwanzig Jahren sind Naked Lunch die heimischen Gralshüter melancholischer Gitarrenmusik – und beweisen erneut, dass nicht nur Arcade Fire große Gänsehaut-Hymnen schreiben können.

WEG VON DER STRASSE

Das US-amerikanische Fachmagazin „Complex“ listet ihn unter den spannendsten zwanzig Street Artists der Welt, berühmt wurde er mit seinen durchgeknallten Hasenbildern an Häuserfronten von London bis Detroit. Nun startet der dreißigjährige Nychos alias Nikolaus Schuller ein neues Projekt: Er eröffnet in seiner Heimatstadt Wien einen Art Space.  : Warum eröffnet ein Graffiti-Künstler eine Galerie? : Ich werde ständig ins Ausland zu Festivals und Ausstellungen eingeladen. Nach Frankreich, Amerika oder Italien. Irgendwann bekam ich ein schlechtes Gewissen, weil ich nie jemanden zurück einladen konnte. Weil’s in Wien bis jetzt keine derartige Plattform gab. Derzeit malst du anatomisch zerlegte Comic-Tiere. Wie kommt’s? Ich stamme aus einer steirischen Jäger-

Tosca, „Odeon“

Richard Dorfmeister vermag auch ohne Peter Kruder zu überzeugen: mit einem sphärisch dichten Werk zwischen entschlackten Beats, düsteren Depeche-Mode-Referenzen und Weltraumklängen.

Sex Jams, „Trouble, Honey“

Sängerin Katarina Trenk krächzt wie Courtney Love in ihren guten Tagen, die Gitarren heulen in bester Pavement-Manier. Sex Jams machen ihren Indie-Rock-Idolen der neunziger Jahre alle Ehre.

Bologna Aleksandr Grinchuk und Stuntbiker Chris Pfeiffer stehen sich beim Red Bull Speed Day gegenüber. Olaf Pignataro 16

Perth

110 Teilnehmer machten sich bei Australiens längstem Kitesurfrennen auf nach Rottnest Island, vor der Küste von Perth. Ian Tungsten

familie. So sah ich schon als Kind, wie Viechern der Bauch aufgeschnitten wurde und die Eingeweide rausplumpsten. Dieses Bild vergisst du nie wieder. Seit ein paar Jahren lese ich außerdem Anatomiebücher. Natürlich vereinfache ich bei meinen Bildern. Aber im Kern ist der Körperaufbau meiner Tierchen schon korrekt. Gehört die Kunst der Straße eigentlich in eine Galerie? Es gibt viele Graffiti-Künstler, die das prinzipiell ablehnen. Ich sehe das aber als Herausforderung: Bei Street Art ist es so, dass der Betrachter im Freien mit etwas konfrontiert wird, das ihn aus seinem Alltag fetzt. Wenn ich in einer Galerie ausstelle, muss ich anders denken: Wie wirkt das Bild in einem sterilen Raum? Wer ist mein Publikum? Das finde ich spannend. Rabbit Eye Movement Art Space, Gumpendorfer Straße 91, Wien; rabbiteyemovement.at

Tauplitz Freeskier Fabian Lentsch bahnt sich seinen Weg durch den tiefen Pulverschnee empor zur Tauplitzalm. Mirja Geh

BILDER: PERTRAMER.AT, MARKUS ROESSLE, NOISE APPEAL RECORDS, HANNES FRIESENEGGER

Österreichs bester Graffiti-Künstler eröffnet eine Galerie. Nychos über die neue Herausforderung und tote Tiere.


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B U L L E VA R D

MEINE WELT

JAMES FRANCO

Unfallopfer und Nacktmogul, Filmpoet und Modezar: die ungewöhnliche Karriere eines kalifornischen Grenzgängers zwischen Mainstream- und Independent-Kino.

am 19. April 1978 James Edward Franco wird oren. Seine Mutter geb , nien in Palo Alto, Kalifor , sein Vater Doug beBetsy Lou schreibt Bücher Schiffscontainern. von ort nsp aufsichtigt den Tra jahren und abgeNach durchzechten Jugend nimmt Franco um udi hst brochenem Englisc ver und – icht terr lun pie Schaus dient sein Geld bei McDonald’s.

RAUCH EN WIE JAMES DEAN

2001 ergattert Franco die Hauptrolle in einer JamesDean-Filmbiografie. Um dessen Charakter zu studieren, beginnt Franco zu rauchen, trifft zwei von Deans alten Freunden und verbringt viel Zeit allein, abgeschottet von seinem üblichen Umfeld. „Ich wollte fühlen, was er fühlte“, sagt Franco. Resultat: ein Golden Globe als bester Schauspieler und der Beginn einer Karriere.

VO N ÄR ZTEN UN D AFFE N

lt so Kein Hollywoodstar wechse reaminst Ma en sch zwi ßig leichtfü ptHau : nco Fra und Indie-Kino wie net der „Pla und an“ r-M ide „Sp in rollen r ode lk“ „Mi wie e Affen“ stehen Film . Im TV ber enü geg er“ Tow ken Bro „The endserie „Voll brilliert Franco in der Jug ie in der sow en“ Leb im voll n, danebe pital“. Hos al ner US-Seifenoper „Ge

HOME R IN HOLLY WOOD

Nach zehn Jahren Pause kehrt Franco 2006 an die Universität von Los Angeles zurück und macht 2008 seinen Abschluss in Englisch. Zwei Jahre später immatrikuliert er sich an gleich vier New Yorker Postgraduate-Schulen. Für seine Prüfungen lernt Franco am Film-Set. Judd Apatow, Regisseur des gemeinsamen Films „AnanasExpress“: „Er las die ‚Ilias‘ zwischen den Takes.“

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INTIME R SPASS

In einem TV-Sketch, der sich 2006 online verbreitet, singt Justin Timberlake über einen speziellen Körperteil, den er hübsch verpacken und seinen weiblichen Fans schenken möchte. In einem seiner Kurzfilme spielt Franco zwei Jahre später einen Mann, der ebenjenen Körperteil im Gesicht trägt. Der Titel des eher eigenwilligen Machwerks: „Dicknose in Paris“.

GEFANG EN IM CAN YON

In „127 Stunden“ spielt Franco den Berg steiger Aron Ralston. Der Amerikaner amputierte sich 2008 seinen linken Unterarm, den er sich nach einem Sturz zwischen einem Felsblock und der Canyonwand eingeklemmt hatte. Regisseur Danny Boyle nennt den Streifen einen „Actionfilm, dessen Hauptdarsteller sich nicht bewegt“. Franco wird 2011 für den Oscar nominiert.

TAU SEN D TALENTE

2010 veröffentlicht Franco die Kurzgeschichtensammlung „Palo Alto“. Er kuratiert eine Kunstausstellung in New York, moderiert die Oscar-Gala 2011 und investiert in eine Pariser Modenschau. Im kommenden Jahr soll „Directing Herbert White“ erscheinen – eine Gedichtsammlung über Filmgeschäft und Ruhm.

MAGIS CHE R PLAYBOY

James Franco wird sich 2013 treu bleiben. In der Komödie „This Is the End“ (Regie: Evan Goldberg & Seth Rogen) spielt er sich nämlich selbst. Weitere m Jahr: „Playboy“-Gründer Hugh diese in Rollen in & Jeffrey Hefner in „Lovelace“ (Regie: Rob Epste von Oz in er uber s/Za Digg r Osca und man) Fried Raimi). Sam ie: (Reg „Oz the Great and Powerful“ Franco als Zauberer: www.disney.go.com/thewizard

TEXT: PAUL WILSON. ILLUSTRATION: LIE-INS AND TIGERS

FA ST-FO OD FR AN CO


B U L L E VA R D

Down-Under-stes Gold

Österreich führt mit 258 Medaillen im ewigen WM-Medaillenspiegel vor der Schweiz (181). Australien liegt mit einmal Gold und einmal Bronze vor potentiell besseren Wintersportnationen wie Japan (je einmal Silber und Bronze) und Russland (zweimal Bronze).

Goldigste Christl

Mit sieben Goldmedaillen ist Toni Sailer der erfolgreichste männliche WM-Teilnehmer. Überflügelt wird er von einer Deutschen: Christl Cranz holte zwischen 1934 und 1939 zwölfmal Gold.

Emsigster Hamster

Funkelndste Inneneinrichtung

In Hansi Hinterseers Haus hängen mehr WM-Medaillen als goldene Schallplatten.

Schönste Eröffnung

Universellste Weltmeisterin

Slalom, Riesenslalom, Super-G, Abfahrt, Super-Kombi: Das Kunststück, in allen fünf Disziplinen (teilweise mehrfach) den Titel zu holen, gelang bislang nur der Schwedin Anja Pärson.

Abgeräumteste WM

Die erfolgreichste Ski-WM aus österreichischer Sicht gab es 1962: Karl Schranz, Marianne Jahn und Co räumten in Chamonix 15 der 24 Medaillen ab.

Knappste Entscheidung

Hans Knauß war der Pechvogel der Ski-WM in Vail 1999: Im Super-G fehlte dem Steirer eine Hundertstel auf die Sieger Hermann Maier und Lasse Kjus, in der Abfahrt zwei Hundertstel auf das Podest.

Sind Sie WM-tauglich?

Von 4. bis 17. Februar wird in Schladming geweltmeistert – zum neunten Mal in Österreich. Hier können Sie sich qualifi zieren: Einer dieser Superlative ist falsch. Finden Sie ihn? Falsch war: die Hansi-Hinterseer-Info. Der Wedelbarde holte 1974 Riesenslalom-Silber, in der zweiten Karriere hält er bei 30 Gold- bzw. Platinplatten.

BILDER: DDPIMAGES (2), PICTUREDESK.COM (3), GETTY IMAGES 82)

Fünfmal Gold, viermal Silber, dreimal Bronze: Kein (männlicher) Athlet hamsterte mehr WM-Medaillen als Kjetil André Aamodt (NOR).

Laut FIS-Präsident Gian-Franco Kasper gab es die beste Eröffnungsfeier 1991 in Saalbach/Hinterglemm. „Die wurde abgesagt – das war äußerst angenehm.“

Späteste Premiere

Beim Super-G in Val d’Isère 2009 machte sich der Schweizer Didier Cuche (damals 34 Jahre) zum ältesten Weltmeister – mit seinem einzigen WM-Titel.

Beste Selbstironie

Nach Österreichs RiesentorlaufDebakel in Åre 2007 (Hermann Maier wurde als Bester 21.) bat Franz Klammer Schwedens König Carl XVI. Gustaf, den Zielraum nicht abzubauen: „Lassen S’ ihn bis April stehen. Es könnte ja noch ein Österreicher kommen.“

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B U L L E VA R D

EINST UND JETZT

BiathlonGewehre Der Schritt von der modifizierten Jagdwaffe zum Hightech-Sportgerät brachte erstens mehr Publikum und zweitens atemberaubende Treffergeschwindigkeiten.

UMGEHÄNGT

Der Trageriemen des SSG 69 besteht aus Leder. Bei Regen saugt dieses sich mit Wasser voll und wird schwerer. Moderne Gewehre sind mit gepolsterten, leichteren und wasserabweisenden Schaumstoffriemen ausgestattet.

UNTER VERSCHLUSS

Das Abzugsgewicht, also jene Kraft, die der Schütze zum Abfeuern aufwenden muss, beträgt 1 bis 1,5 kg, die Mündungsgeschwindigkeit der 7,62-mmMunition 850 m/s.

STRAFSTOSS

Der Kolben des 4,7 kg schweren und 110 cm langen Gewehrs besteht aus Kunststoff. Durch den sehr starken Rückstoß des Großkalibers gab es früher regelmäßig blaue Flecken im Schulterbereich.

Erst 1954 wurde Biathlon vom IOC als eigenständige Sportart anerkannt. 1978 folgte der nächste Schritt: „Da wurde von Groß- auf Kleinkaliber umgestellt, um mehr Nationen den Zugang zum Weltcup zu erleichtern“, erzählt Biathlon-Pionier Alfred Eder (AUT). Bis dahin schossen die Athleten im Liegen auf 12,5 cm (Distanz: 150/200/250 m), im Stehen auf 25 cm große Scheiben (Distanz: 100 m). Für die fünf Schüsse brauchten sie eine Minute.

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Alfred Eder (Trainer und Vater von Simon; siehe re.) erlebte den Wechsel von Großauf Kleinkaliber. biathlonworld.com

BILDER: KURT KEINRATH

1976 STEYR MANNLICHER SSG 69


STECKPLATZ

Die Magazine fassen je 5 Patronen des Kalibers .22 LR (5,56 mm), die in den Schaft gesteckt werden können. Die Mündungsgeschwindigkeit der 2,6 g schweren Geschosse darf im Weltcup 380 m/s nicht überschreiten.

AM DRÜCKER

Der patentierte FortnerGeradezug-Repetierverschluss (Abzugsgewicht: mindestens 0,5 kg) erlaubt ein Repetieren ohne Ellbogenbewegung – was Zeit spart und das Zielen nach dem Nachladen erleichtert.

MASSGESCHNEIDERT

Der anatomisch angepasste Schaft besteht aus leichtem Balsaholz und einem Hartholzkern zur Befestigung des Laufs. Ein Carbonüberzug erhöht die Steifigkeit und schützt das Holz vor Wettereinflüssen sowie bei Stürzen.

2013 ANSCHÜTZ KK 1827 FORTNER Binnen 16,5 Sekunden traf Simon Eder fünfmal ins Ziel. Damit hält er den ino≠iziellen Rekord im Biathlonweltcup. Seit 1978 müssen die Athleten (liegend) 45 mm und (stehend) 115 mm kleine Scheiben aus 50 Meter Entfernung treffen. Die Gewehre wiegen nur noch 3,5 kg und sind maßgefertigt. „Der anatomisch angepasste Schaft schmiegt sich an und spart Zeit beim Schießen, die Null muss ich trotzdem selber schießen“, schmunzelt Eder.

Mit 16,5 Sekunden für fünf Treffer hält Simon Eder den ino≠iziellen Rekord im Biathlonweltcup. www.edersam.com

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B U L L E VA R D

1 ALARMBEREIT

In der Welle ist dein Körper im Ausnahmezustand, alle Sinne arbeiten auf Höchstleistung. Besonders wichtig: Du musst blitzschnell reagieren und dich in einem dreidimensionalen Raum perfekt zurechtfinden. Und: Du musst den Ozean so gut kennen wie deinen besten Freund.

MEIN KÖRPER UND ICH

SALLY FITZGIBBONS Die Australierin war siebzehn, als sie sich als jüngste Surferin für die ASP World Tour qualifizierte. In den letzten drei Saisonen wurde sie jeweils Vizeweltmeisterin. 2013 fühlt sich die mittlerweile 22-Jährige bereit für den ganz großen Coup.

2 TAUCHPHASE

Ende 2011 brach ich mir auf den Fidschi-Inseln das linke Handgelenk, als ich zu tief ins Wasser eintauchte und gegen ein Riff krachte. Sechs Wochen ohne Surfen – noch dazu im australischen Sommer –, das ist ziemlich uncool, ich wurde fast verrückt.

3 RÜCKGRAT

Im Jahr 2009, meinem ersten auf der ASP World Tour, verletzte ich mich gleich beim ersten Bewerb an der Gold Coast am Rücken. Erst nach fünf Monaten Reha war er wieder okay. Die Wettkämpfe bestritt ich mit Schmerzen – aber es gab keine Alternative: Ich musste dabei sein, um den WorldTour-Platz in der folgenden Saison nicht zu verlieren.

www.sallyfitzgibbons.com

Ich nehme regelmäßig an verschiedenen Trainingscamps von Red Bull teil … im Vorjahr unter anderem an einem Freitauchkurs. Dabei lernte ich den Atem vier Minuten lang anzuhalten und in gefährlichen Situationen im Wasser die Ruhe zu bewahren – das kann gerade für uns Surfer lebensrettend sein.

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Exklusive Videos von SurfBeauty Sally Fitzgibbons gibt es in der Red Bulletin Tablet-App.

TEXT: ULRICH CORAZZA. BILD: KATIE KAARS

5 ATEMLOS

4 (UN)BEUGSAM

Beim Surfen arbeiten Rumpf-, Rücken-, Bein- und Gesäßmuskulatur synchron. Daher setze ich auf ganzheitliches Körpertraining. Die stärksten Muskeln habe ich aber sicher in den Oberschenkeln. Die nötige Kraft für immer schwierigere Manöver baue ich vor allem bei unzähligen Kniebeugen aller Art auf.


Briefe an die Redaktion.

ILLUSTRATION: DIETMAR KAINRATH

Ich beziehe mich auf die Darstellung des chronologischen Ablaufs von Red Bull Stratos (Heft 11/2012) und erlaube mir, einen Punkt anzusprechen, welcher nach meiner Auffassung nicht korrekt bemerkt wurde. Es handelt sich um den Abschnitt, in dem sich Felix Baumgartner auf die spätere Erzählung der Rescue Crew betreffend die zwei Knalle und deren zeitliche Abfolge bezieht. Da Baumgartner nach dem Durchbrechen der Schallmauer und weiterem Beschleunigen dem Schall „davonfliegt“ bzw. „davonstürzt“, entsteht der zweite Knall beim Wiedereintritt in den Unterschallbereich vor dem Ankommen des ersten Knalls an derselben Stelle. Somit kommt meines Erachtens der zuerst entstandene Knall erst nach dem später entstandenen zweiten Knall am Boden an. Bernd Haiden, Lödersdorf Der kälteunempfindliche Wim Hof aus Ihrem Dezemberheft („Heizkörper Hirn“, Ausgabe 12/2012; Anm.) praktiziert eine alte tibetische Kunst, die sich Tummo nennt. Tibetische Mönche überwinden mit dieser Meditationstechnik Kälte: Zum Beispiel können sie sich im Winter mit

nassen Roben in den Schnee setzen und allein mit der Kraft der Gedanken die Körpertemperatur ansteigen lassen und die Kleidung somit trockendampfen. Schon die Entdeckerin Alexandra DavidNéel, die sich mit den Traditionen tibetischer Mönche beschäftigte und zu Fuß über hohe Bergpässe in die verbotene Stadt Lhasa wanderte, beherrschte diese Technik und bewahrte sich so vor dem Erfrierungstod. Renate Putzi, Wien Mir gefällt Ihr „Magazin abseits des Alltäglichen“, das ich mit den „Salzburger Nachrichten“ bekomme. Informativ, kurzweilig, viele sehr (!) schöne Bilder, oft fesselnd geschriebene Beiträge. Das Lesen dieser Geschichten macht mich gefühlte zehn Jahre jünger. Robert Haimerl, Elsbethen/Salzburg Leserbriefe an The Red Bulletin richten Sie bitte per Fax an +43 (0)1 90221-28809, per E-Mail an leserbriefe@at. redbulletin.com oder per Post an Heinrich-Collin-Straße 1, 1140 Wien. Leserreaktionen werden nur veröffentlicht, wenn sie Name und Adresse bzw. E-Mail-Adresse enthalten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor, wenn es Länge und Klarheit erfordern.


B U L L E VA R D

FORMELSAMMLUNG

FAHRLÄSSIG

ZAHLEN-AKROBATIK Ein Objekt ist im Gleichgewicht, wenn das Lot des Gesamtkörperschwerpunkts (KSP) durch die Standfläche zeigt. Diese erhält man, indem man eine imaginäre Gummischnur um alle Auflageflächen spannt. Bei unserem Hochseilartisten am Fahrrad ist die Standfläche also nur so schmal wie das Seil selbst. Die Schwierigkeit: Er muss so ausbalancieren, dass das Lot des KSP immer durch diese schmale Standfläche zeigt. Zeigt es außen vorbei, entsteht ein Drehmoment (M), das den Artisten zur Seite kippen lässt (Abb. A). Es gilt: M = F · r, wobei F die Gewichtskraft von Rad, Artist und Stange ist und r der Normalabstand der Kraft von der Drehachse, die in unserem Fall mit dem Seil identisch ist. Auch beim „normalen“ Radfahren ist die Standfläche klein, doch wer dabei kippt, fährt eine leichte Kurve, die das Rad wieder aufrichtet (was am Seil nicht geht). Analog zum zweiten newtonschen Axiom, Kraft ist Masse mal Beschleunigung (F = m · a), gilt für Drehungen: Drehmoment ist Trägheitsmoment mal Winkelbeschleunigung (M = I · α). Wenn man beide Gleichungen für M kombiniert, erhält man α = F · r/I. Bei gleichem Gewicht und gleicher Auslenkung (also gleichem r) ist daher die Winkelbeschleunigung indirekt proportional zum Trägheitsmoment: α ~ 1/I. Mit anderen Worten: Ist das Trägheitsmoment zum Beispiel doppelt so groß, sinkt die Winkelbeschleunigung auf die Hälfte ab. Das Trägheitsmoment gibt an, wie schwer es ist, einen Gegenstand in Rotation zu versetzen. Es wird mit I = ∑i mi · ri² berechnet, wobei mi die Masse der einzelnen Teilstücke ist, ri deren Abstand von der Drehachse. Hier kommen die Balancierstangen ins Spiel. Diese können bis zu 20 m lang und bis zu 30 kg schwer sein. Durch die große Masse und vor allem den großen Abstand der Enden von der Drehachse wird das Trägheitsmoment des Gesamtsystems stark erhöht, und nach α ~ 1/I kippt dadurch der Artist viel langsamer. Außerdem kann er durch Bewegung der Balancierstange das Schwanken kompensieren. Wenn der Akrobat zum Beispiel aus unserer Sicht nach rechts zu kippen droht, also im Uhrzeigersinn, dreht er die Stange ebenfalls in diese Richtung (Abb. B). Aufgrund der Drehimpulserhaltung bewegen sich dadurch Körper und Rad gegen den Uhrzeigersinn und richten ihn wieder auf. HOCHSEIL-ARTISTIK Knappe 72 Meter legte US-Akrobat Nik Wallenda 2008 bei seiner Rekord-Fahrradfahrt über ein Hochseil (in 41 Meter Höhe) zurück. „Ich komme aus einer Seiltänzerfamilie“, erklärt er, „für uns gilt zuallererst: The show must go on!“ www.nikwallenda.com *Mag. DDr. Martin Apolin, 47, Physiker und Sportwissenschaftler, arbeitet als AHS-Lehrer und Lektor an der Fakultät für Physik in Wien und ist mehrfacher Buchautor.

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ILLUSTRATION: MANDY FISCHER. BILD: BULLS PRESS

Seiltanzen: schwierig. Über ein Seil fahren: extrem schwierig. Unser Physiker* verrät, wie man trotzdem die Balance hält.

Zittern am Zweirad: BalanceKünstler Nik Wallenda bei seiner 72-Meter-Weltrekordfahrt in Newark, New Jersey, im Oktober 2008.


B U L L E VA R D

TOLLE TOLLE

WILLY MOON

Wie eine gemeinsame Platte von Buddy Holly und Kanye West klingen würde? Willy Moon zeigt es vor. Der Jungmusiker wirft die Zeitmaschine an und liefert den frischesten PopEntwurf des Jahres.

 : Wie bist du auf die Musik der fünfziger Jahre gestoßen? Durch deine Eltern?  : Nein, denn dann würde ich sie heute vermutlich gar nicht mögen (lacht). Mit neunzehn entdeckte ich in Berlin die Platten von Buddy Holly und Bo Diddley – und kippte total darauf rein. Diese Songs sind so einfach und unschuldig, du fängst automatisch an zu tanzen.

In guter Gesellschaft: Moons Begleitung sind zwei Damen.

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Name William Sinclair Geburtsdatum/-ort: 2. Juni 1989, Wellington, Neuseeland Anfänge Vor zwei Jahren lebte er in Berlin und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Aus Langeweile fing er an Lieder zu schreiben. Schon sein erster Song bescherte ihm einen Plattenvertrag. Mittlerweile lebt Moon in London. Film-Vorlieben Moons Lieblingsregisseur ist Quentin Tarantino: „Die Art, wie er bekannte Genres total auf den Kopf stellt, ist meinem eigenen musikalischen Ansatz sehr ähnlich.“ Mentor Moons aktuelle Single erschien auf Jack Whites Plattenlabel. Im November waren die beiden gemeinsam auf Tour durch England.

” Mein Tonstudio besteht aus einem Laptop und meiner Gitarre. Ich mag Flexibilität. “

Wie bist du auf die Idee gekommen, Rock ’n’ Roll mit Hip-Hop-Beats zu verschmelzen? Meine Herangehensweise ist sehr mathematisch. Bevor ich den ersten Ton aufnehme, ist der Song in meinem Kopf schon fertig. Ich hatte irgendwann die konkrete Idee, diese zwei Welten zu verbinden. Weil es etwas war, das noch niemand vorher probiert hatte. Deine Songs sind sehr spartanisch arrangiert. Warum? Mein Tonstudio besteht hauptsächlich aus einem Laptop und meiner Gitarre. Ich mag das Gefühl von Flexibilität. Ich möchte gar keine Musik machen, die mit Orchester besser klingen würde, ich würde mich abhängig fühlen. Außerdem: Sich selbst zu beschränken beflügelt die Kreativität. Schau dir Picassos Blaue Periode an.

Mit deinem Stil entziehst du dich jeder Kategorisierung. In welchem Eck würdest du dich wohlsten fühlen? Ich will in gar kein Eck passen, ich mache Willy-Moon-Musik. Früher gab’s im Pop zu einer Zeit meistens zwei bis drei dominierende Jugendkulturen. Entweder du warst Punk, oder du warst Hip-Hop. Mit dem Internet ist das heute anders: Die gesamte Popgeschichte ist per Mausklick abrufbar. Du kannst deinen Stil selbst kreieren, nach deinem eigenen Geschmack zusammenstellen. Das ist wunderbar. Was ist das Geheimnis deiner Tolle? Erst Wachs, dann mildes Gel. Und nach dem Kämmen kommt zum Fixieren noch Haarspray drauf. Aktuelle Single: „Railroad Track“, Moons Debütalbum erscheint im März. Hörproben auf: www.willymoon.com

TEXT: FLORIAN OBKIRCHER. BILDER: PRESS, REX FEATURES

Willy Moon ist ein stilbewusster junger Mann. Der Anzug sitzt perfekt, die Tolle ebenso. Er hat die Coolness eines James Dean und den verführerischen Blick von Marlon Brando. Die Modewelt liegt dem 23-jährigen Neuseeländer zu Füßen, den Respekt von Kollegen wie Jack White hat er aber mit seiner Musik gewonnen. Und die ist so genial wie einfach. Moon nimmt den Sound des klassischen Rock ’n’ Roll und paart ihn mit schnalzenden Hip-HopBeats. Auf der Bühne schwingt er die Hüften und gibt den schelmischen Crooner. Die E-Gitarre heult, der metallische Rhythmus poltert. Bereits seine zweite Single „Yeah Yeah“ wurde von Apple zur offiziellen iPhone-Hymne auserkoren. Gar nicht auszudenken, welches Erdbeben sein Debütalbum im März auslösen wird.


KURZ & DENNOCH EINZIGARTIG

Programmiert zu siegen: Diese vier hatten den Winter zum Jahreswechsel fest im Griff.

2013 steht unter einem guten Stern:

Mit seinem 45. Weltcupsieg sicherte sich Skisprung-Überflieger Gregor Schlierenzauer (AUT) in Bischofshofen den zweiten Gesamtsieg der Vierschanzentournee.

Mit einem Triple Cork 1440 siegte Mark McMorris (USA) beim Snowboard Big Air der Dew Tour in Breckenridge, Colorado. Auch im Slopestyle war der 19-Jährige unschlagbar.

A-Klasse gewinnen!

BILDER: GETTY IMAGES, ALLI SPORTS (2), PICTUREDESK.COM

„Ich habe die Erfahrung und blieb cool“, freute sich Kaya Turski (CAN), als sie sich beim Dew Tour Slopestyle-Bewerb gegen ihre junge Konkurrenz durchsetzte.

Der 27-jährige Langläufer Petter Northug (NOR) bewies beim 35-kmRennen im Südtiroler Toblach einmal mehr seine Stärke bei Rennen über Langdistanzen.

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ZAHLEN DES MONATS

HARLEY-DAVIDSON Die legendäre Motorradmarke ist 110 Jahre alt: von Speedrekorden, schweren Krisen, Rockerclubs und tätowierten Logos.

Cal Rayborns „Streamliner“

1981 stand der größte US-Motorradhersteller vor der Pleite. Firmengründer-Enkel Willie G. Davidson soll auf die Frage der Bank nach Sicherheiten für einen weiteren Kredit mit folgendem Satz geantwortet haben: „Unser Firmenlogo ist das einzige der Welt, das sich Menschen tätowieren lassen.“ Der 80-Millionen-Dollar-Kredit wurde gewährt, der Konzern gerettet.

Im Jahr 1900 beginnen zwei findige Jungkonstrukteure in einer Hinterhofgarage in Milwaukee an der Entwicklung einer zweirädrigen Motor-Fahrmaschine zu tüfteln: William S. Harley und Arthur Davidson. 1903 ist ihr Prototyp fertig, ein rahmenverstärktes Fahrrad mit 2-PS-Einzylindermotor und Riemenantrieb. Ein gewisser Mr. Miller aus Milwaukee ist der erste Kunde, bleibt aber nicht der einzige: 1907 produziert und verkauft die Harley-Davidson Motor Company Inc. bereits 150 Motorräder.

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Billy Idol

Jay Leno

Harley-Davidson machte auch Filmkarriere: Neben Peter Fonda, Dennis Hopper und „Terminator“ Schwarzenegger denke man an die gern unterschätzten Herren Rourke und Johnson („Harley-Davidson & The Marlboro Man“). Auch privat schmück(t)en sich Stars von Elvis Presley über Elizabeth Taylor bis Jay Leno mit ihren Bikes. Fatal endete 1990 eine Fahrt von Billy Idol. In L. A. wurde der Brite von einem Auto gerammt. Eine Notoperation rettete sein Leben, die halbjährige Reha bedeutete aber das (vorläufige) Ende seiner Musikkarriere.

4,6 Milliarden Dollar setzt Harley-Davidson heute mit dem Verkauf von Motorrädern um (das Unternehmen ist börsennotiert). Dazu kommen jährlich rund 250 Millionen aus dem Vertrieb von Kleidung mit dem Markenlogo, gar 750 Millionen durch Motorradzubehör: Der „Parts and Accesories“-Katalog 2013 enthält auf 833 Seiten rund 9000 Ersatzteile.

427,25

Harley-Davidson steht nicht zwingend für Speed, das war aber nicht immer so: 1970 versuchte man das Marken-Image gegenüber den beunruhigend konkurrenzfähigen Motorradherstellern aus Japan mit einem riskanten Weltrekordversuch aufzupolieren. Auf dem torpedoartigen „Streamliner“ sollte der prominente US-Rennfahrer Cal Rayborn in der Großen Salzwüste von Utah die YamahaWeltbestmarke von 405 km/h brechen. Beim ersten Versuch stürzte Rayborn schwer, blieb aber ausreichend unverletzt, um den Weltrekord wenige Tage später auf 427,25 km/h zu treiben.

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6

1953

FirmenlogoTattoo

Hells Angels

Kultfilm „Easy Rider“

Hells Angels ohne Harley-Davidson scheinen ebenso undenkbar wie HarleyDavidson ohne Hells Angels. Dabei war Mitgliedern zur Gründungszeit des berüchtigten Rockerclubs 1948 lediglich der „Besitz eines Motorrades“ vorgeschrieben. Zum Gang-Markenzeichen wurde die Harley 1953. Hells-Angels-Legende Ralph „Sonny“ Barger: „Wir wählten die Harley, weil US-Konkurrent Indian nicht mehr produzierte. Bis heute fahr ich eine, obwohl ich die Marke gar nicht mag. Mir persönlich wäre eine BMW oder Triumph lieber.“ www.harley-davidson.com

TEXT: ARKADIUSZ PIĄTEK. BILDER: HARLEY DAVIDSON, GETTY IMAGES (4), CORBIS

150

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¨ ¨ FLUGEL FUR JEDEN GESCHMACK.

CRANBERRY, HEIDELBEERE, LIMETTE. UND DIE WIRKUNG VON RED BULL.


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UNIDOS DE PADRE MIGUEL 30


Ein Uhr früh in der ­Vorstadt von Rio de ­Janeiro. In den Straßen der Favela Vila Vintém brodelt die Masse der Einheimischen. Sie feiern die ­Generalprobe ihrer ­Sambaschule, der Unidos de Padre Miguel. Rios K ­ arneval steht vor der Tür ... Text: Damian Platt, Bilder: Jane Stockdale


ACTION

Die Unidos ist berüchtigt für ihr schnelles, kraftvolles Getrommel. Trommelwirbel gellen wie Querschläger durch die Gassen.

Tanz und Musik sind untrennbar. Ein Bass übertönt die Sambatrommeln und vibriert sich tief in die Knochen. Ein Stapel von Lautsprechern blockiert die Straße, baut eine Wand aus Sound auf. Jetzt ist Baile-Funk-Zeit.

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Nach jeder Probe wird gefeiert. Merke: In der Sambaschule ist Hingabe ­wich­tiger als Schlaf.


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B

rasilien steht still, während der Karneval tobt. Die Welt draußen sieht die glitzernde, kommerzielle Seite am TV-Bildschirm, eine pralle Überdosis von Federboas, Pailletten und verrückten Tänzen, genossen von Menschen, die, ohne groß zu überlegen, auch 2000 Real (ca. 750 Euro) für ein Ticket im berühmten Sambódromo bezahlen. Aber es gibt auch eine Welt abseits der großen, berühmten Sambaschulen. Etwa eine kleine escola de samba in der dritten Division, die davon träumt, in die zweite Division aufzusteigen. Anders als viele von Rios großen Sambaschulen ist diese Unidos de Padre Miguel, gegründet 1957, kein bisschen vornehm. Die Bewohner der Favela betreiben die Schule aus Liebe zur Samba, nicht des Geldes wegen. „Dank Unidos sehen Leute aus der Favela Menschen und Orte, die sie sonst niemals erleben könnten, denn das Sambódromo ist für uns zu teuer“, erzählt Pascoal. Er hat sein ganzes Leben in Vila Vintém verbracht. Mit einer Gruppe von Freunden engagiert er sich seit Kindertagen für Unidos de Padre Miguel. Das ganze Jahr steht für ihn im Zeichen seiner Sambaschule: „Für uns ist es der schönste Lohn, zu sehen, wie all der Schweiß und die Mühe sich bezahlt machen: Das ist unsere Chance, unseren Wert zu zeigen. Im Gegensatz zu anderen Schulen nehmen wir von Leuten für ihre Teilnahme oder für die Kostüme kein Geld. Alles, was sie tun müssen, ist, zu den Proben aufzutauchen und die Schule mit Stolz zu repräsentieren.“

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Unidos de Padre Miguel bleibt, anders als einige der berühmteren Sambaschulen von Rio, ihren Wurzeln treu. Tanzschritte und Bewegungen werden auf den Straßen der Favela eingeübt – und die ganze Gemeinde schaut zu.


Auf den StraĂ&#x;en der Favelas werden die Tanzfiguren geĂźbt. Bei jeder Gelegenheit.


ACTION

Throughout the year an ultra-motivated team of volunteers work to design and create the theme. From the floats to the costumes to the drums everything‘s built from scratch.

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CREDIT:

Das ganze Jahr über arbeitet ein Team von Freiwilligen daran, das Motto des Umzugs zu erfinden und die Designs zu entwerfen. Von den Festwagen über die Kostüme bis hin zu den Trommeln – alles entsteht aus dem Nichts.


Vor zwei Jahren wurde Unidos Zweite in ihrer Gruppe, ein phan­ tastischer Augen­ blick für Pascoal: „Zu wissen, dass wir das fast ohne Geld erreicht ­hatten, war sehr, sehr schön.“


ACTION

This is the moment everyones waited for. Unidos enter the Sambodrome.

CREDIT:

Schrecksekunde beim Einmarsch ins Sambรณdromo: Auf einem Wagen verklemmt sich eine Gitarre, wertvolle Zeit verrinnt.

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Weil eben nur eine Schule der dritten Division, tritt Unidos de Padre Miguel erst gegen Ende auf. Um fünf Uhr früh geht’s ins Sambó­ dromo, das die Einhei­mischen La Avenida nennen. Hier muss dann jede Bewegung sitzen.


Nach der Parade werden die Kos­ tüme vorsichtig ausgezogen und verstaut. Wer noch nicht zu ­erschöpft ist, kehrt nach Vila Vintém zurück – und feiert dort weiter.


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Die Parade ist vorbei, doch der Karneval geht weiter: Irgendwo wird in Rio sicher noch getanzt. 41


”

FÜR DEN SKIFAHRER GIBT’S NUR BLAU UND ROT. ALSO . KEINEN . GRUND . ABZUHEBEN. .T

“


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Wenn er einen Blödsinn macht, steht er dazu. Und wenn er gewinnt, wird es laut: Ski-Ass Marcel Hirscher, der Favorit für die Schladminger WM-Rennen im Riesentorlauf und Slalom, spricht mit Marco Büchel für das Red Bulletin über kalte Zehen, seine sensible Seite und warum er das Interview mit seinem Kumpel voll schräg findet. Interview: Marco Büchel Text: Doris Büchel Bilder: Philipp Forstner

T

  : Marcel, du warst mit knapp neunzehn gleichzeitig doppelter Junioren-Weltmeister, EuropacupGesamtsieger und in der ersten Startgruppe (Top 15) im Weltcup-Slalom …  : Stimmt. Ich glaube, das wurde bisher so noch nie irgendwo geschrieben. Du hast den Gesamtweltcup gewonnen, die kleine Kugel im Riesenslalom-Weltcup ebenso und hast hier in Madonna di Campiglio deinen 14. Weltcupsieg eingefahren. Du bist erst 23. Was macht dieser Erfolg mit dir? Viel. (Überlegt lange.) Es ist eine lehrreiche Zeit. Aber auch eine sehr taffe Zeit. Alles ist ziemlich grenzwertig. Schnell. Am Limit. In jeglicher Hinsicht. Du meinst den Rummel um deine Person? Das Rampenlicht? Genau. Für mich persönlich hat sich da schon vieles verändert. Wenn ich früher ausgefallen bin, dann musste ich das nur mit mir selber austragen. Wenn ich jetzt ausfalle, dann ist es gleich ein Weltuntergang – zumindest in Österreich. Ich ziehe echt den Hut vor meinen Kollegen, die schon lange im Rampenlicht stehen oder gestanden sind. Insbesondere vor einem Aksel [Lund Svindal] oder dem Benni [Raich] oder auch dem Hermann [Maier]. Hermann hat immer gesagt, was er gedacht hat, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, ob das den Menschen nun schmeckte oder nicht. Jetzt kann ich das beurteilen und weiß, wie krass das ist. Echt ein Hammer! Und doch: Ist dieser Erfolg das, was du immer wolltest? Es ist ein Erfolg, den ich mir niemals zu erträumen gewagt hätte. Aber es ist toll, wenn man für den bedingungslosen Einsatz belohnt wird. Wie ich immer gesagt habe: I wanna be a Rockstar … Du lachst … Ich wollte unbedingt Skifahrer werden, schon immer. Aber es war nie zwingend für mich, den Gesamtweltcup zu gewinnen. Ich bin so erzogen worden, dass das surreale Ziele sind, die man fast nicht erreichen kann. Wenn du im Salzburger Landesskiverband warst, dann war das eigentlich eh schon ein ganz guter Step. Aber zu glauben, dass man deswegen wer ist, das braucht man nicht. Auch nicht, wenn man’s in den Nachwuchskader, den Europacup oder den Weltcup geschafft 43


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hat. Ich glaube, diesen nüchternen Blick in Bezug auf Erfolg und Misserfolg, den hab ich mir recht gut beibehalten. Ich hab mit 23 gerade mal meinen ersten Europacupsieg eingefahren. Bei dir macht es, seit du 17 bist, klack, klack, klack! Geht dir alles so leicht von der Hand? Es war nicht leicht. Nie! Es brauchte viel, viel Willen. Der Skisport entwickelt sich, wird immer professioneller. Wenn du vorn mitfahren möchtest, musst du alles geben. Immer. Im Slalom kommen jetzt die Jungen daher, zum Beispiel die Norweger. Da kommt auf einmal wieder so ein Paket. Die brennen alle. Das sind echte young guns. Dein Vater begleitet dich von jeher im Skizirkus. Du setzt so auch ein Exempel. Die young guns denken sich, der Marcel hat den Dad dabei. Das muss gut sein. Ich weiß nicht, ob das für alle gut ist. Für mich ist es auf jeden Fall gut. Es gibt heute einfach Dinge, speziell in der Materialentwicklung, mit denen kann ich mich nicht beschäftigen. Genau da ist Dad die treibende Feder. Einfach weil er alles für mich erledigt. Wenn es Ski zum Einfahren gibt – so blöd das vielleicht klingt –, wählt er die aus. Er gibt seine Bewertung ab, auch wenn die schon präpariert sind. Wenn die Fakten passen, werden die Skier rausgeholt und probiert. Dad hat ja schon meine Kinderski für mich eingefahren, somit verstehen wir uns fast blind. Ist die Materialfrage tatsächlich so entscheidend? Das Wichtigste ist echt, dass das Set-up passt. Niemand kann sich vorstellen, welchen Einfluss das Material auf die Technik und den Skifahrer hat. Das kapieren die wenigsten. Was sich in den technischen Disziplinen abspielt – allein vom Kantentuning her –, da kriegst einen Vogel. Da gibt es mittlerweile Sachen, die hat es zu deiner Zeit nicht gegeben (lacht). Es geht echt um Zehntelmillimeter. Oder die Bindungsplatten: Jeder fährt eine andere, und jede hat ihre Vor- und Nachteile. Mein Vater hat keinerlei Affinität zum Skisport. In dieser Hinsicht hätte die Zusammenarbeit wohl nichts gebracht. Dann muss ich aber sagen, dass du mit deinen 23 Jahren schon schnell warst. Weil du alles selber erreichen musstest. Das war vielleicht ein Vorteil. Dadurch blieb ich dem Skiweltcup bis 38 treu … Das kann ich mir momentan nicht vorstellen. Das sag ich dir jetzt ganz ehrlich. Den Spaß am Sport bewahrst du dir aber schon, oder? 44

” AM MEISTEN . NERVÖS WAR ICH . EIGENTLICH . IMMER, WENN ICH CLUBMEISTERSCHAFT GEFAHREN BIN. “ MARCEL HIRSCHER

Das auf jeden Fall. Die eine Rennminute … das ist das Geilste! Und was ist mit den Minuten davor? Wenn du im Lift unterwegs bist zum Start? Im Starthaus? Und weißt, es geht um verdammt viel? Ja, es geht mittlerweile um verdammt viel. Aber in Wahrheit geht es immer um dasselbe: Skifahren. Ich persönlich war dann immer am Limit. Nein. Irgendwann kommt für mich der Punkt, wo ich mir sag: Scheiß drauf, nützt eh nix, und Vollgas. Das klingt extrem abgeklärt. Jetzt mal unter uns: Machst du Mentaltraining? Oder bist du so ein cooler Hund? Wenn du bei einem Schülerskirennen im Landescup fährst und du gewinnst neun von zehn Rennen und im nächsten Jahr gewinnst du zehn von zehn Rennen, dann ist der Druck auch nicht gerade gering. Nur auf einer anderen Ebene. Ich bin mit Druck groß geworden. Ich hab mir einfach immer gesagt: Alter, scheiß dir nix! Ich kann ja sowieso nur Gas geben. Am meisten nervös war ich eigentlich immer, wenn ich Clubmeisterschaft gefahren bin. Da kannten mich alle, und alle erwarteten, dass ich gewinne. Das holt mich jetzt im Weltcup wieder ein. Das ist nicht dein Ernst? Doch! Bei der Clubmeisterschaft kannten mich ja alle. Und dann sollst du als österreichischer Kinder- oder Schülermeister die dreißigjährigen Master’s Racer schlagen … Zurück zur Frage nach dem Mentaltraining: Ich hab gelesen, dein Hund Timon sei dein Mental-Guru? Timon war in der Slowakei in einem Hundetierheim und wäre dort getötet

worden. Die haben da ein Zeitfenster von drei Wochen. Wenn die Hunde dann niemand holt, werden sie umgebracht. Das merkst du an seinem ganzen Wesen. Ich hab vorher noch nie so ein dankbares Wesen wahrgenommen. Wenn ich am Anfang nur den Arm gehoben hab, dann hat er sich sofort versteckt, weil er Böses ahnte. Mittlerweile ist er so lieb und verschmust. Und dankbar. Das zeigt einfach, was wesentlich ist. Egal ob schnell oder langsam. Mein Hund zeigt mir immer die Realität. Worum es im Leben wirklich geht. Im Ernst: Das Wichtigste ist, dass es uns gutgeht. Dass wir Freunde haben und mit Freude an die Dinge herangehen, die anstehen. Im Umgang mit den Medien bist du Profi. Du bleibst immer ruhig, bist oft sehr diplomatisch. Schlüpfst du da in eine Rolle? Freut mich, dass du das so siehst. Ganz privat bin ich teilweise ein anderer, klar. Ich versuche die Dinge perfekt zu machen und erwarte das auch von meinem sportlichen Umfeld. Natürlich bin ich auch manchmal launisch. Doch gewisse Zickereien will ich nicht öffentlich austragen. Die trage ich mit meiner Freundin Laura aus – unfairerweise. Oder mit meinen Eltern oder Freunden. Aber grundsätzlich probiere ich immer, ich selbst zu sein. Solche Dinge wie „Bitte“, „Danke“ oder ein nettes „Hallo“: Entweder habe ich mir die von dir abgeschaut (lacht), oder meine Eltern haben einen guten Job gemacht. Danke. Das hat mit Charakter zu tun. In unserem Job hat man die Gelegenheit, viele erfolgreiche Menschen kennenzulernen. Die es wirklich geschafft haben, das sind oft diejenigen, die wirklich Größe haben. Die haben’s nicht nötig, mit Louis-


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Vuitton-Taschen durch die Gegend zu düsen und zu glauben, sie seien die Coolsten und was Besonderes. Da krieg ich teilweise die Krise. Ganz ehrlich: Als Skifahrer gibt’s blaue und rote Tore. Also keinen Grund abzuheben. Du schlägst aber schon manchmal nach einem Erfolg Purzelbäume oder lachst dich halb tot? Ich hab mich nach einem

Sieg immer in meinem Hotelzimmer eingeschlossen und mit der Startnummer auf dem Kopf einen Freudentanz hingelegt. Was machst du in deinen ganz privaten Glücksmomenten? Ich krieg dann eher einen Schreikrampf (lacht laut). Ja, genau, es endet meistens im Schreien. Dann gibt’s nur mich und einen sehr langen und sehr lauten Schrei.

Oft direkt nach dem Rennen oder im Auto beim Heimfahren. Da lasse ich dann die Energie frei laufen und schreie: Yeeeaaaahhhh! Erlebst du den Ruhm auch manchmal als Monster, das dich auffressen will? Nein, als Monster sicherlich nicht. Aber: Es gibt schon seltsame Dinge, die weniger schön sind. Erst kürzlich gab’s eine witzige Geschichte: Ich hatte eine Autogrammstunde in Salzburg. Es herrschte ein Schneechaos, ein echtes Sauwetter. Ich komm dahin, lass das Fenster runter, und der Chef sagt: „Stell dich da auf diesen Parkplatz.“ Ich parke, steig aus und seh: Das ist ein reservierter Behindertenparkplatz. Ich sag also zum Chef: „Sag mir, wo ich nachher hin soll, dann parke ich noch rasch das Auto um.“ Weil das gehört sich nicht! In dem Moment kommt ein Passant daher, macht ein Foto und sagt: „Bist ein schönes Arschloch, Hirscher. Das gibt eine tolle Schlagzeile.“ Da denk ich mir dann schon: Ein Mensch, der immer vom Schlechtesten im anderen ausgeht, kann selbst nicht glücklich sein. Da bin ich schon wieder dankbar. Ja, in erster Linie bin ich unglaublich dankbar. Bist du ein sensibler Mensch? Wenn vertraute Leute ein falsches Bild von mir haben, geht mir das sehr nahe. Es ist eine Frage der Beziehung zum jeweiligen Menschen. Wenn er mir etwas bedeutet, kann ich sehr sensibel sein. Du meinst Leute, deren Meinung dir wichtig ist? Ich möchte, dass die Leute mich so sehen, wie ich in Wahrheit bin. Wenn sie dann ein Problem mit mir haben, dann ist es halt so. Aber wenn die Leute aufgrund von Tatsachenverfälschungen ein schlechtes Bild von mir haben, regt mich das auf. Zum Beispiel? Wenn es in der Schlagzeile heißt: „Hirscher rast und haut das Auto den Graben runter“, dann ist das eine Verfälschung. Hätte es geheißen: „Hirscher weicht Frau aus und verhindert dadurch schweren Unfall“, dann hätte man damit vielleicht weniger Zeitungen verkauft, doch die Schlagzeile hätte der Wahrheit entsprochen. (Der Unfall passierte am 14. Mai 2012 und wurde in den Medien kontrovers beschrieben; Anm.) Aber dargestellt wird’s, als wäre ich ein Schwerverbrecher. Das ist nicht immer leicht. Wenn ich einen Blödsinn mache, dann – Hosen runter – steh ich dazu. Gehen wir ein bisschen in der Zeit zurück. Erinnerst du dich noch, wie du als kleiner Bub zum ersten Mal so richtig kalte Zehen hattest? 45


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MARCEL HIRSCHER Geburtsdatum/Geburtsort: 2. März 1989, Annaberg (Salzburg) Wohnt in: Annaberg im Lammertal Hat’s in den Genen: Mutter Sylvia und Vater Ferdinand – der ihn immer noch betreut – sind beide Skilehrer. Ausbildung: Skihotelfachschule Bad Hofgastein („Bester Absolvent der Tourismusschulen Salzburgs“) Beruf: Skiläufer (Disziplinen Slalom, RTL, Super-G) Fährt für: SK Annberg

Ich möchte da schon gerne meine Stärken forcieren und einmal richtig Gas geben. Ich kann nur momentan den Aufwand nicht betreiben, den es brauchen würde, um mich in den schnellen Disziplinen zu verbessern. Jetzt ist es so eine halbe Sache. Nehmen wir zum Beispiel den Super-G in Beaver Creek: Du stehst zum ersten Mal in deinem Leben da oben. Dann schaust runter und sagst dir: Okay, da bin ich jetzt. Dann schaust du dem Ersten zu – und wumm!, liegt der im Netz. Und der Nächste fliegt da raus. Und dann sollst du attackieren. Das ist zach. Für mich war das ein klassischer Weg, vom Riesenslalom zur Abfahrt. Auch als ich Abfahrer war, waren 65 oder 70 Prozent meines Trainings für den Riesenslalom. Das ist das Wichtigste. Die Abfahrten werden ja auch immer technischer … Den reinen Abfahrer gibt’s ja mittlerweile kaum mehr. Die meisten kommen aus den technischen Bereichen. Vielleicht sag ich auch eines Tages: Leute, es war eine geile Zeit im Technischen. Und jetzt fahr ich zum Abschluss Speed. Und bereite mich

Bekannt seit: 2004 – da gewann Hirscher drei österreichische Titel in der Schülerklasse II und den Whistler Cup in Kanada, eines der international renommiertesten Kinderrennen. So ging’s weiter: Sechs Medaillen bei Junioren-Weltmeisterschaften (davon 2007 Gold RTL, 2008 Gold Slalom & RTL), Sieger im Gesamt-Europacup 2007/2008, Sieger im Gesamt-Weltcup 2011/2012 und im Riesenslalom-Weltcup 2011/2012; Österreichs Sportler des Jahres 2012 Hobbys: Motocross, Kanufahren, Musik

auch dementsprechend vor. Dann fahr ich vielleicht nicht nur ein Jahr, sondern vielleicht fünf Jahre. Aber wenn, dann g’scheit. Ich merk schon: Mit dir ein Interview zu führen ist voll schräg. Ich bin viel zu offen … (lacht laut). Aber im Ernst: Manchmal denk ich mir, Skifahren ist echt eine extrem komplexe Angelegenheit. Ich glaube, keine andere Sportart kann so frustrierend sein wie das Skifahren. Ich weiß genau, was du meinst. Wenn ich richtig frustriert war, musste meine Frau mich immer mindestens eine Stunde allein lassen. Das ist bei mir das Gleiche. In solchen Momenten kann ich auch mit gut gemeinten Ratschlägen schwer umgehen. Das geht dann zu Lasten Lauras oder anderer Menschen, denen ich was bedeute. Wenn es schlecht gelaufen ist, brauche ich eine halbe Stunde oder Stunde Abstand und Zeit für mich, um neben allen scheinbar negativen auch die vielen positiven Aspekte wieder zu sehen. Ich habe gelernt, damit umzugehen. Und eines weiß ich

ZUSATZBILDER: GETTY IMAGES

Ich denk da an den Rettenbachgletscher, Sölden, WISBI-[„Wie schnell bin ich?“-] Rennen, da waren minus 20 Grad, glaub ich. Ich war da ungefähr acht oder neun Jahre alt. Das war brutal. Die Hölle. Da war ich den Tränen nahe. Das war nicht gut. Deine Eltern sind Skilehrer. Konntest du als Bub trotzdem eine unbeschwerte Zeit auf den Skiern genießen? So mit Hocke fahren, Schanzen springen, Blödsinn machen? Meine Kindheit – das war hauptsächlich mit Freunden über jede Kuppe springen. Gib ihm! So weit springen, wie es nur geht. Nach der Schule hieß es: Schultasche wegstellen, Ski fahren. Erst nach dem Skifahren gab’s Hausaufgaben. Es ging immer ums Skifahren. Das war eine echt coole Zeit. Dann hat’s natürlich auch Einheiten gegeben nur mit Dad, ohne die Jungs. Obwohl das damals für mich mühsam war. Du musst Pflugbögen fahren, und die Freunde sausen jauchzend an dir vorbei. Das ist manchmal schwer verständlich für einen jungen Buben. Im Nachhinein muss ich aber sagen, ich hab davon extrem profitiert. Damals war es allerdings eher wie Nachsitzen (lacht). Du warst halt immer schon ein richtiger Racer. Jetzt fühl ich mich komplett als Racer. Aber als junger Bub fühlte ich mich auch in der Freestyle-Szene zu Hause. Das Rennfahren, die engen Rennanzüge und generell dieses Verbissene – das fand ich teilweise uncool. Der Lifestyle der Freestyle-Szene hat mir einfach mehr getaugt. Mittlerweilen bin ich aber komplett der Racer. Es ist in Wahrheit viel geiler, als es manchmal nach außen den Anschein hat. Apropos Wahrnehmung nach außen. Du als Österreicher: Wann fährst du das erste Mal die Streif in Kitzbühel runter?


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” DER PERFEKTE . FREIE TAG? . FEIN AUSSCHLAFEN, . AUSGEDEHNT . FRÜHSTÜCKEN. DANN ZUM MOTOCROSSODER KAJAKFAHREN, IRGENDWO. “ längst: Am meisten lerne ich immer aus Niederlagen. Zurück zu den schönen Seiten des Lebens. Wie schaut ein perfekter freier Tag für Marcel Hirscher aus? Fein ausschlafen, das ist das Wichtigste. Dann ausgedehnt frühstücken. Der Bus mit dem Moped ist schon fixfertig beieinander. Dann geht’s zum Motocrossfahren. Und am Nachmittag mit einer guten Kiste an einen See fahren und den Tag fein ausklingen lassen. Oder Kajak fahren, irgendwo in Mitteleuropa. Geil. Im Sommer komm ich mal zu dir mit meiner Harley … dann drehen wir eine Runde. Ja sicher, sowieso. Aber diesmal musst du dein Wort auch halten! Wird’s gemütlich? Oder geben wir Gas? Sehr gemütlich. Ich hab eh Angst auf der Straße. Ich bin da übervorsichtig. Ist es dir überhaupt noch möglich, Freundschaften zu pflegen? Auf jeden Fall. Ich hab immer noch meine Freunde aus der Hauptschulzeit. Alles ehemalige Landeskader-Athleten aus anderen Sportarten wie Mountainbiken oder Langlauf. Das sind fast alle Studenten. Dadurch lebe auch ich in meiner Freizeit diesen Studenten-Lifestyle. Materielles hat da keine Bedeutung. Das taugt mir extrem! Du selbst bist Absolvent der Tourismusschule Salzburg. Wärst du, wenn du nicht Skifahrer geworden wärst, in der Tourismusbranche gelandet? Träumst du vielleicht von einem eigenen Hotel, irgendwann? Uuuaaahhh, nein, danke! Ich habe in 48

der Schule wie auch jetzt als Gast viele Erfahrungen gesammelt. Tourismus ist ein hartes Business. Ich ziehe meinen Hut vor allen Menschen, die in der Tourismusbranche arbeiten. Das erfordert sehr viel Aufopferung und Einsatz. In der Saison ist da nichts mit früh Feierabend. Und ob man gut gelaunt ist oder schlecht, interessiert den Gast auch nicht. Wie gesagt, mein höchster Respekt. Gut. Letzte Frage: Wie ehrlich warst du in diesem Gespräch? Sehr ehrlich. Obwohl (denkt lange nach) … einmal hab ich gelogen. Du hast mich

Apropos Motocross: Ratschläge bekommt Hirscher vom aktuellen MX3-Weltmeister Matthias Walkner, ebenfalls Salzburger, der im Training wiederum von Vater Hirschers Tipps profitiert.

gefragt, ob ich noch so richtig Spaß habe am Skifahren. Generell stimmt das. Doch jetzt, in diesem Moment, die ehrliche Antwort? Ich hab die Schnauze voll. Alles tut weh. Ich will nur noch heim.* www.marcelhirscher.at

* Das Interview wurde im Dezember in Madonna di Campiglio geführt, einen Tag nach Hirschers letztem Rennen vor der Weihnachtspause, einem Slalom. Hirscher hatte diesen Slalom gewonnen: Es war sein 14. Weltcupsieg, doch die ersten Strapazen der Saison machten sich bereits bemerkbar.


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DIE OSCARFORMEL Welcher Film ist der beste des Jahres 2012? Auch diesen Winter rätselt man weltweit, welche Produktion bei den Academy Awards triumphieren wird. Das Red Bulletin hat die Filmgeschichte analysiert und mit ehemaligen Gewinnern gesprochen: Das Resultat überrascht – und hil Ihnen, Ihre Oscar-Wetten zu gewinnen. Text: Rüdiger Sturm, Illustration: Infomen/Carlos Coelho

A Country for Old Men Wie man die Trophäe holt 50

Sprich die alten weißen Männer in der Jury an: Der Sieger-Film erzählt üblicherweise die Geschichte eines weißen Mannes. Die den Preis verleihende Academy hat nicht viel übrig für Brutalität – und Nacktszenen sind ein weiteres definitives „Besser-nicht“. Lesbische Psychothriller und schwule Cowboys sind – von Ausnahmen abgesehen – nicht gefragt. Es gilt die Regel: Ein seriöser Oscar-Kandidat muss ernsthaft rüberkommen, Komödien haben in den seltensten Fällen eine Chance.

DAS GRUNDTHEMA Die Geschichte eines Mannes, der eine klare Haltung einnimmt gegen Druck von außen, in diesem Kampf etwas über sich herausfindet und am Ende als – zumindest moralischer – Sieger überbleibt.


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n Bethlehem entscheidet sich das Schicksal Hollywoods. In Bethlehem, Connecticut. Dort wohnt und betet die 74-jährige Nonne Mutter Dolores. Die Benediktinerin gehört zu den Menschen, in deren Händen das Schicksal unzähliger Filmschaffender liegt. Denn sie ist eines der 5783 stimmberechtigten Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, kurz AMPAS. Und damit bestimmt sie über die Vergabe eines der meistgehypten Preise des Planeten – des Oscars. Theoretisch kann jeder Filmschaffende ihn gewinnen – sobald sein über 40 Minuten langes Werk sieben Tage ununterbrochen in mindestens einem kommerziellen Kino im Los Angeles County lief. Für die Oscars 2012 gingen immerhin 265 Produktionen ins Rennen. Welche davon den Jackpot als „Bester Film“ abräumt, entzieht sich jedoch auf ersten Blick jeder Logik. „Du magst die besten Absichten der Welt

haben, aber letztendlich hat keiner eine Ahnung, wer oder was gewinnt“, meint einer, der es eigentlich wissen müsste. Immerhin spielte Leonardo DiCaprio die Hauptrolle in zwei Siegerstreifen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten – „Titanic“ (1997) und „Departed“ (2006). In diesem Jahr werden zwar einige Filme als Favoriten gehandelt – von Kathryn Bigelows Bin-Laden-Hatz „Zero Dark Thirty“ über „Argo“, Ben Afflecks Thriller über die 1979er-Iran-Rettungsaktion, bis zu Steven Spielbergs „Lincoln“-Ode –, aber welcher davon eine Chance haben könnte, darüber scheiden sich die Geister. Wenn es eine Mission Impossible auf der Welt gibt, dann die: einen garantierten Oscar-Champion zu produzieren. Um noch einmal DiCaprio zu zitieren, der sich 2012 mit „J. Edgar“ auf den Parcours begab und keine einzige Nominierung holte: „Es ist alles ein großes Spiel.“ Eine Wahrnehmung, die er mit Jodie Foster teilt, die zuletzt mit „Das Schweigen der Lämmer“ abräumte (1992): „Du sitzt da wie bei

einer Tombola-Auslosung und denkst dir: Bitte, bitte, bitte zieh meinen Zettel.“ Das einzige Rezept hat Saul Zaentz zu bieten, mit drei Statuetten einer der erfolgreichsten Produzenten der AcademyAwards-Geschichte: „Du musst ein Glückspilz sein. Als wir mit ‚Einer flog über das Kuckucksnest‘ gewannen, galten wir als glückliche Arschlöcher, nach ‚Amadeus‘ waren wir sehr glückliche Arschlöcher, und mit ‚Der englische Patient‘ waren wir sehr, sehr glückliche Arschlöcher.“ Aber es liegt in der Natur von Gewinnern, den Sieg herunterzuspielen. Tatsächlich gibt es ein Rezept, die Chancen auf einen Oscar-Triumph enorm zu erhöhen. Genauer: einen Mehrstufenplan. Dabei kommt es auf Menschen wie Mutter Dolores an. Die Meinung der frommen Dame, die im früheren Leben als Schauspielerin Dolores Hart immerhin mit Elvis knutschen durfte (in „King Creole“ [1958]), verdient, ernst genommen zu werden. Ein AMPAS-Mitglied wird man übrigens auf drei Arten: durch eine Oscar-

Der Weg zum Oscar nimmt unvermeidlicherweise die „Ein Mann geht seinen Weg“-Richtung. Grandiose schauspielerische Leistungen fallen auf: Die Sieger in der Kategorie „Bester Film“ gewinnen üblicherweise zumindest einen Schauspieler-Oscar. Es braucht einen Haufen Geld – klug, aber offensiv investiert –, um den Sack zuzumachen. Und Filmmogul Harvey Weinstein gehört ins Team: Keiner inszeniert bessere Werbekampagnen für Oscar-Anwärter.

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Nominierung, einen Aufnahmeantrag (den zwei andere Mitglieder befürworten müssen) oder ehrenhalber. Es bedarf jahrelanger Arbeit – besser: jahrelangen Netzwerkens –, um diese Aufnahmebedingungen zu erfüllen. Die Hürde für junge, talentierte Filmemacher ist hoch, wie die demographischen Daten der Academy zeigen. Nach einem Bericht der „Los Angeles Times“, der das ach so liberale Hollywood vergrämt hat, liegt das Durchschnittsalter der Mitglieder bei 62 Jahren – in früheren Jahren war es noch höher. Lediglich 14 Prozent des HollywoodWahlvolks sind unter fünfzig. Was uns gleich zum ersten entscheidenden Faktor führt, um den Oscar zu gewinnen.

Faktor 1: Männer

Der Oscar liegt im Country for Old Men. Und die Betonung liegt auch auf Men, denn 77 Prozent der Stimmberechtigten sind Männer. Weiße Männer, um genau zu sein. Afroamerikaner machen eben mal zwei Prozent der Mitgliederschaft aus, Hispanics noch weniger. So verwundert nicht, wenn bei den Besten Filmen ein Grundthema ständig wiederkehrt: die Geschichte eines Mannes meist „kaukasischen“ Typs, in der Regel ein ausgeprägter Individualist, der sich gegen äußere Widerstände zu behaupten hat, sich selbst findet und zum Schluss Sieger bleibt – wenigstens auf moralischer Ebene. Beispiele? Bitte schön: „The Artist“, „The King’s Speech“, „The Hurt Locker“, „The Departed“, „Million Dollar Baby“, „A Beautiful Mind“, „Gladiator“, „American Beauty“, „Shakespeare in Love“, „Braveheart“, „For-

Bester Film: Favoriten für 2013

Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“ über die Jagd nach Osama bin Laden; Ben Afflecks Thriller „Argo“ über das iranische Geiseldrama 1979 und Steven Spielbergs „Lincoln“-Biografie.

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rest Gump“, „Schindlers Liste“, „Der mit dem Wolf tanzt“, „Platoon“, „Kramer gegen Kramer“, „Rocky“, „Einer flog über das Kuckucksnest“ und, und, und. Manchmal gibt es Variationen. Bei „Slumdog Millionär“ und „Gandhi“ stimmt die Hautfarbe nicht, bei „Das Schweigen der Lämmer“ und „Titanic“ das Geschlecht. Aber was wäre eine Clarice ohne ihren Hannibal, eine Rose ohne ihren Jack gewesen? In „Amadeus“ oder „Rain Man“ ist das Grundthema auf zwei Männer verteilt, in „L. A. Crash“ auf mehrere, in „Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ auf unzählige. In „No Country for Old Men“ endet die Testosteron-Odyssee im bitteren Desaster. Mit der „Ein Mann geht seinen Weg“Grundformel beginnt der Weg zum Oscar. Dieses Rezept lässt sich noch verfeinern. Brutalitäten sind bei den älteren Herrschaften ungern gesehen – solange sie nicht von einem höheren Zweck veredelt werden –, Nacktheiten schon gar nicht. In der Regel haben die Gewinnerfilme eine Jugendfreigabe (Ausnahme: „Asphalt Cowboy“, Bester Film 1970). Und ein Festival- und Kritikererfolg wie „Shame“ (mit Michael Fassbender) hätte sich nie Hoffnungen auf Nominierungen machen sollen. Doch bei aller Konservativität – reaktionär sollte es auch nicht werden. Denn Durchschnittsalter 62 bedeutet: Die Mitglieder wurden in der Flower-Power-Ära erwachsen und begannen ihre Karriere in den Siebzigern, als Hollywood die gewagtesten und progressivsten Filme seiner Geschichte produzierte. Aufgeklärt, liberal, sozial verantwortlich – diese Etiketten können sich die meisten der zuvor genannten Filme verpassen. Aber bitte nicht zu viel davon. Schwule Cowboys polarisieren, wie das höher gehandelte „Brokeback Mountain“ (immerhin: Oscar für Beste Regie) erleben durfte. Denn: Es gibt auch noch die „Steak-Esser“. So nennen Branchenkenner die Techniker und Handwerker mit ihrer Machokultur, die eine große Gruppe innerhalb der Mitgliederschaft bilden. Sobald dieses Erzählpaket steht, gilt: keine falsche Bescheidenheit. Ein OscarFilm sollte sich nach Möglichkeit wichtig nehmen – und das auch vermitteln. Deshalb haben Komödien kaum eine Chance. „Das muss schön dramatisch sein und Gewicht haben“, so Wolfgang Petersen, der dank „Das Boot“ als erster Deutscher seit Robert Siodmak 1947 für die Beste Regie nominiert war. Wobei Gewicht auch physisch zu verstehen ist. Epen von über zwei Stunden sind bei den Oscars gern gesehen, wenngleich kein Muss, wie das 100-Minuten-Leichtgewicht „The Artist“ beweist. Das allein reicht freilich noch nicht. Ein Blick in die Mitgliederstatistik zeigt:

21%

der Academy-Mitglieder sind Schauspieler, eine davon ist heute Nonne.

DIE WÄHLER 21 Prozent der Wählerschaft sind Schauspieler – oder, in nackten Zahlen: 1205. Und die gilt es mit Paraderollen zu bedienen. „Schauspielerische Leistungen berühren die Leute. Daher kannst du einen ganzen Film um sie herum bauen“, weiß Robin Swicord, Academy-Mitglied und 2009 als Autorin für das Buch zu „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ nominiert. Nicht zufällig holen sich die Besten Filme häufig mindestens einen DarstellerOscar. Für die Edelschlümpfe in „Avatar“ dagegen war jeder Kampf sinnlos. Zumal James Cameron bei einer Veranstaltung noch die Übermutter aller Schauspieler verunglimpft hatte – Meryl Streep.

Faktor 2: Zufall

Um es noch mal festzuhalten: Das wichtigste Element ist eine Männergeschichte mit seriösen Themen, die den Angehörigen der Power-Wählerschaft eine Plattform bietet und von allen Beteiligten Sitzfleisch verlangt. Ist das erst geschafft, wären tatsächlich ein paar Gebete Mutter Dolores’ hilfreich. Denn ohne eine gewisse Qualität geht es nicht. Und einen guten Film machen zu wollen gleicht dem Versuch, „einen Blitz in der Flasche zu fangen“, wie es der Oscar-prämierte Autor Akiva Goldsman („A Beautiful Mind“) ausdrückt. Oder um Keira Knightley zu zitieren, die sich dieses Jahr für „Anna Karenina“ Hoffnung auf ihre zweite Nominierung machen darf: „Ich habe es so oft erlebt:


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77%

der Mitglieder sind weiß und männlich, nur 2 % afroamerikanisch.

14%

der Academy-Mitglieder sind unter 50 Jahre alt, der Schnitt beträgt 62.

Wer gewinnt den Academy Award, sprich den Oscar, für den Besten Film? Die 5783 stimmberechtigten Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences haben darüber zu entscheiden.

Du hast das beste Drehbuch, den besten Regisseur, das Beste hiervon und davon, aber es fügt sich einfach nicht zusammen.“ Im Umkehrschluss bedeutet das: Alles ist Zufall. Oder eben Gott. Es gibt etliche Beispiele, wo sich hochkarätige Kreative zusammentaten und nur Katzengold produzierten, während immer wieder unerfahrene Regisseure die Statuette bekommen, so Regie-Debütant Kevin Costner und Mel Gibson für seinen zweiten RegieAnlauf; Sam Mendes hatte vor „American Beauty“ nur am Theater inszeniert, Tom Hooper vor „King’s Speech“ noch nie mit einem Kinofilm Glück gehabt. So sticht auch ein Michel Hazanavicius einen Alfred Hitchcock oder Stanley Kubrick aus. Der Franzose erhielt für „The Artist“ einen Oscar, die beiden Legenden gingen stets leer aus. Martin Scorsese war fünfmal nominiert; als er mit „The Departed“ erstmals siegte, nahm er es schon gar nicht mehr ernst: „Nach den Oscars rief mein Agent mich ständig an: ‚Weißt du, dass „Departed“ gewonnen hat?‘ Und wir haben uns eins abgelacht.“

Faktor 3: Weinstein

Doch auch Männer und Gott reichen noch nicht zum Gewinn. Der dritte Faktor heißt Harvey Weinstein. Selbst deklarierte Gegner müssen dem Filmmogul zugutehalten, dass keiner bessere Oscar-Werbekampagnen fährt. Die Filme seiner ehemaligen Firma Miramax häuften 249 Oscar-Nomi-

nierungen an, errangen 60 Trophäen – darunter drei für den Besten Film. In den letzten Jahren holte er mit „The King’s Speech“ und „The Artist“ die Meisterschaft. Das liegt daran, dass er einerseits den Riecher für die richtigen Filme hat, aber auch verbissen um jeden Juror kämpft. Er ruft die Academy-Mitglieder sogar daheim an, ob sie seine Filme auch gesehen hätten. Und er gibt dafür ordentlich Geld aus – für Mailings, Anzeigen, Vorführungen, Partys. 15 Millionen Dollar soll er investiert haben, um „Shakespeare in Love“ an Favoriten wie „Der Soldat James Ryan“ vorbei zu höchsten OscarEhren zu verhelfen. Wer seinem Film eine Nominierung verschaffen will, darf im Schnitt zwei Millionen Dollar aufbringen. Und wer keinen Harvey Weinstein zur Hand hat, kann von ihm lernen. Wie zum Beispiel die Produzenten des (relativ) kleinen „Hurt Locker“, die erfolgreich eine David-gegen-Goliath-Kampagne gegen den monströsen „Avatar“ führten.

„Ein Wahlkampf, in dem du Babys küssen darfst. Ich habe mich danach dreckig gefühlt.“ George Clooney

Natürlich gibt es Beteiligte, die darob die Nase rümpfen. „Die Oscars sind zum reinen Beliebtheitswettbewerb verkommen“, meint Veteran Mike Medavoy, der als Studiomanager Filme wie „Rocky“ oder „Das Schweigen der Lämmer“ verantwortete und als Produzent selbst drei Nominierungen für den Besten Film erhielt. „Das ist ein richtiger Wahlkampf, wo du Babys küssen darfst. Ich habe mich danach dreckig gefühlt“, unkt George Clooney. Aber für den Gewinner rechnet es sich. Eine Nominierung als Bester Film kickt das Einspielergebnis im Schnitt um 22,2 Prozent in die Höhe, nach einem Gewinn steigt es um durchschnittlich weitere 15,3 Prozent. Die Frage bleibt nur: Reicht das als Befriedigung? Eine ernüchternde Nachricht sei nicht verheimlicht: Der Glanz des Oscars bleibt nicht erhalten. „Bei mir stehen sie bloß rum und verstauben“, meint Meryl Streep über ihre drei Statuetten. „Ich musste meinen verpacken, damit er in der Meeresluft nicht korrodiert“, sagt Halle Berry. Der Einzige, der eine lustvolle Verwendung dafür gefunden hat, ist Dustin Hoffman: „Ich nehme meine zwei Oscars jede Nacht mit ins Bett. Da halte ich und küsse sie und mache mit ihnen Liebe. Das geht, denn sie haben ja keinen Penis. Und meine Frau hat nichts dagegen.“ Mutter Dolores indes wahrscheinlich schon. Aber die hat auch nie einen abbekommen. www.oscars.org

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Mister Lava Lover

Geoff Mackley ist ein Kameramann aus Neuseeland und verdient sein Geld mit Aufnahmen von Kriegen, Tsunamis und Tornados. Sein Herz hat er an einen Vulkan verloren. Text: Robert Tighe Bilder: Bradley Ambrose

HeiĂ&#x;e Arbeit: Geoff Mackleys Assistent Nathan Berg riskiert einen Blick in den Lava-See des Vulkans Marum auf der Insel Ambrym in Vanuatu.

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E s war eine doch eher spezielle Frage, die Geoff Mackley 15 Jahre unter den Nägeln brannte: Wie fühlt es sich an, am Rande des Lava-Sees im Mount Marum zu stehen, am Ufer eines Sees aus brodelnden Massen geschmolzenen Gesteins? Jetzt kennt er die Antwort. „So muss es auf der Oberfläche der Sonne sein“, funkt er an Bradley Ambrose, der hundert Meter über ihm auf einem Felsüberhang steht und den Moment auf Film bannt. „Es sieht aus wie in meinen wildesten Träumen.“ Ambrym ist die fünftgrößte Insel im Archipel der südpazifischen Republik Vanuatu. Auf ihr erhebt sich der Vulkan Marum. In ihm befindet sich einer der wenigen ständig aktiven Lava-Seen der Welt. Seit 1997 gab Mackley fast eine halbe Million Neuseeland-Dollar (ca. 320.000 Euro; Anm.) für seine Expeditionen nach Ambrym aus. Er wollte einen Weg finden, sich die 400 Meter vom Felsvorsprung am Gipfel des Kegels hinunter zum Lava-See abzuseilen. „Ich war jetzt schon 13 oder 14 Mal hier“, sagt er. „Bei den ersten Reisen haben wir unsere Geräte den Berg raufgeschleppt, sind wochenlang bei Dauerregen in unseren Zelten gesessen. Und sind schließlich wieder abgereist, ohne etwas gesehen zu haben. Zu Beginn waren die Zelte und das Equipment häufig nicht gut genug, seither verwenden wir kompromisslos nur das allerbeste Material. Aber dann entpuppten sich die Menschen als Schwachstelle: Viele drehen dort oben durch.“ Beim letzten, endlich erfolgreichen Versuch wurde Mackley von seinen neuseeländischen Landsleuten Bradley Ambrose und Nathan Berg sowie vom 56

„Hier seilt sich Nathan in Hitzeschutzanzug und Atemmaske ab“, erklärt Fotograf Bradley Ambrose. „Er hatte uns geholfen, das Equipment zu testen, also wusste er auch, was in einem Notfall zu tun ist.“

US-Filmemacher Rui Cavender begleitet. Ambrose, ein freiberuflicher Kameramann, war Mackley vor Jahren am Schauplatz eines tödlichen Autounfalls begegnet. Die beiden fanden einander sympathisch – und begannen zusammenzuarbeiten. Berg war Tellerwäscher in einem Café, als Ambrose ihn fragte, ob er Lust auf eine Reise zu einem Vulkan hätte. Der Achtzehnjährige, der bis dahin noch nie im Ausland gewesen war, sagte zu. „Ich war wohl einfach eine billige Arbeitskraft“, lacht Berg. „Außerdem bin ich gut in Form, kann hart arbeiten und erledige, was mir angeschafft wird.“

Ende Juni erreichten die drei Kiwis Vanuatus Hauptstadt Port Vila. Cavender kam eine Woche später dazu. Eine Kombination aus schlechtem Wetter und einem Fehler des Spediteurs, der Teile der Ausrüstung verloren hatte, führte zu einer Verspätung: Erst Mitte Juli konnten sie den Helikopter besteigen, der sie auf den Gipfel des Marum brachte. Mit an Bord waren über eineinhalb Tonnen Equipment – und jede Menge Druck, endlich das so lang ersehnte Motiv zu filmen. „Beim letzten Trip zwei Jahre zuvor hatten wir einige ziemlich gute Bilder geschossen“, erzählt Mackley. Damals setzte


RISIKOFAKTOR MENSCH: „VIELE DREHEN HIER OBEN DURCH.“

Abenteurer im Nebel: „Die Flaggen von Vanuatu und Neuseeland wehten über dem Zeltlager. Der Nebel im Hintergrund ist eine Wolke aus toxischen Gasen, die der Wind in Richtung unseres Camps weht“, erklärt Ambrose.

er Kletterer als Kameramänner ein. Die schafften es immerhin, sich dem Lava-See bis auf rund 50 Meter anzunähern. Doch Mackley wollte noch bessere Aufnahmen. „Und die gelingen uns nur, wenn wir noch näher rankommen.“ Genau dafür ist Mackley prädestiniert. Der TV-Kameramann arbeitet aus Prinzip hautnah am Geschehen: Sein Alltag bestand zwanzig Jahre lang aus Bränden und Autounfällen für News-Sendungen – bis 1995 der Mount Ruapehu ausbrach, ein Vulkan auf Neuseelands Nordinsel. Mackley stapfte fünf Stunden durch dichtes Schneetreiben den Berg hinauf und schoss Bilder, die um die Welt gehen sollten. Eine britische Produktionsfirma kaufte ihm 15 Minuten seines Ruapehu-Filmmaterials für 20 US-Dollar pro Sekunde ab, insgesamt 18.000 Dollar. Von da an sattelte Mackley beruflich um und filmte nur noch Extremereignisse an den gefährlichsten Orten der Welt. Der inzwischen 48-Jährige jagte Wirbelstürme quer durch die USA und filmte Tsunamis in Indonesien. Seine große Leidenschaft aber blieben: Vulkane. 1997 beauftragte ihn Discovery Channel mit der Produktion der TV-Serie „Volcano Detectives“. Während der Dreharbeiten besuchte Mackley einen der aktivsten Vulkane der Erde, den Mount Yasur auf der Insel Tanna in Vanuatu. Dort erzählten ihm die Einheimischen von einem riesigen Lava-See auf der nahen Insel Ambrym. „Die Kollegen, die mit mir dort waren, taten das als Schwachsinn ab“, erzählt Mackley. „Gäbe es dort wirklich einen Lava-See, würde doch jeder davon wissen und er wäre eine riesige Touristenattraktion. Aber mir ließ das keine Ruhe. Ich ging der Sache auf den Grund.“ Mackley konnte sich keinen Helikopterflug leisten, also bestieg er den 1334 Meter hohen Berg zu Fuß. Ein Erdbeben hatte den Lava-See jedoch unter Felsbrocken begraben. „Es pufften nur ein 57


„Geoff (links; Anm.) und ich bereiten uns auf den Abstieg in den Krater vor“, erzählt Ambrose. „Wir müssen Gasmasken mit hitzefestem ­Visier tragen. Sonst hätte uns der saure Regen die Augen verätzt.“


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paar Qualmwolken hervor“, sagt er. Pech. Einige Monate später erfuhr er, dass die Lava wieder hervorgetreten war. Mackley brach zu einem zweiten Besuch auf. Und tatsächlich: Da war er. „Ein See aus Lava in einem gewaltigen Krater“, erzählt Mackley. „Das Wetter war schrecklich, man konnte den See bei dem dichten Regen nur für Sekunden ausmachen. Doch das reichte. Ich musste da unbedingt hinunter. Mir war klar, wie schwierig der Abstieg wäre, vor allem im Hinblick darauf, was mich da unten erwarten würde. Ich brachte Leute nach Ambrym, die den Mount Everest bestiegen hatten. Sie blickten über die Kante in die Tiefe, tippten sich an die Stirn und meinten: ,Da runter geh ich sicher nicht!‘“ Für Mackley aber gab es kein Zurück. Es gibt auf der Welt noch andere LavaSeen, laut Mackley verändern diese aber ständig ihr Verhalten – was sie gefährlich macht. Nur das pulsierende, bis zu 1250 Grad heiß kochende Gestein am Marum verhält sich einigermaßen berechenbar. „Sein Lava-See eruptiert nicht“, erklärt Mackley. „Der Druck entweicht gleichmäßig. Bei den meisten anderen Vulkanen weiß man nie, was als Nächstes geschieht.“

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ber woher weiß Mackley, was der Marum als Nächstes tut? Dass er nicht schneller Lava speit, als sich ein Besucher in Sicherheit bringen kann? „Genau weiß ich es nicht“, gibt er zu. „Aber man sieht, wo zuletzt Lava war. Das ist die Grenze. Wer näher rangeht, ist schlicht dumm.“ Mackley hat sein Camp am Gipfel des Vulkankegels eingerichtet, inmitten einer tischplattenflachen, zwölf Kilometer großen und komplett vegetationslosen Ascheebene. Nur einen Katzensprung vom Zeltplatz entfernt befindet sich der Abbruch, von dem aus man 400 Meter tief hinunter zum Lava-See sieht. Sogar aus dieser Entfernung bietet der LavaKessel auf einer Fläche von mehreren Fußballfeldern einen unglaublichen Anblick. „Wie ein Lebewesen mit gewaltigen Kräften“, sagt Ambrose. Mackley und sein Team bewohnen sieben Zelte: jeweils eines pro Crewmitglied als Wohnzelt, eines als Speiseraum, eines für den Guide und den Stromgenerator und eines als Küche. Wieder und wieder wirbelte das Wetter alle Pläne durcheinander. Das Team muss Zeit totschlagen. 59


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Die Kombination aus Höhe, Hitze und Vulkangasen erzeugt ein ganz eigenes Klima auf dem Ambrym. „Als würde man in einer Wolke leben“, erzählt Ambrose. Mackley drückt es drastischer aus: „Selbst wenn es draußen am Pazifik sonnig ist, pisst es hier am Gipfel.“ Die wetterbedingten Verzögerungen machten aus einer kostspieligen Angelegenheit eine wirklich teure: 80.000 Neuseeland-Dollar (ca. 51.500 Euro; Anm.), sagt Mackley, dürften es letztlich sein. Der Plan hatte maximal 20 Tage auf dem Berg vorgesehen, am Ende wurden es 38. Das bedeutete zusätzliche Kosten für Proviant, der per Helikopter ins Camp geflogen werden musste – und zusätzliche Einnahmen für das Dorf Ranvetlam. „Wir hätten uns um die Einheimischen nicht scheren müssen. Aber das wäre erstens nicht ganz fair und zweitens ziemlich dumm gewesen – wenn man bedenkt, dass man auf einer abgeschiedenen Insel operiert, und man weiß, dass die Leute mit Gewehren und Buschmessern bewaffnet sind“, sagt Mackley. „Du musst ein paar Einheimische als Guides anheuern. In Wahrheit sind das keine Führer. Du bezahlst sie, damit du deinen Frieden hast.“ Mackley schöpft aus Erfahrungen früherer Expeditionen nach Lalinda, dem Ort auf der gegenüberliegenden Seite des Vulkans: Dorfbewohner stahlen den Großteil der Geräte und verlangten eine irrwitzige Summe Lösegeld. Außerdem rief ein Einheimischer Mackleys Pilot an und drohte, den Helikopter abzuschießen, sobald dieser in Lalindas Luftraum eindringt.

Ringen um Luft (oberes Bild). „Meistens wurden die Gase vom Zeltlager weggeweht“, erzählt Ambrose. „Aber diesmal erwischten sie Nathan draußen ohne Gasmaske.“ Der lange Weg nach unten (unteres Bild): „Der Blick auf den Lava-See vom Gipfel des Marum-Kraters in einer der wenigen klaren Nächte.“

„ALLES DORT OBEN VERFOLGT NUR EIN ZIEL: DICH LANGSAM, ABER SICHER UMZUBRINGEN.“ 60

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ie wahre Bedrohung auf Ambrym geht jedoch nicht von den Einheimischen aus, sondern vom Vulkan. „Alles dort oben scheint nur ein Ziel zu verfolgen: dich langsam, aber sicher umzubringen“, sagt Mackley. In manchen Nächten musste die Crew beim Schlafen sogar Atemmasken tragen, weil der Wind einen giftigen GasCocktail aus dem Vulkan ins Lager wehte. An einigen Tagen vermischten sich Schwefelwasserstoff und Schwefeldioxid aus dem Krater mit Regenwasser zu saurem Regen, der so aggressiv war, dass er die Haut verätzte. Die Einheimischen nennen den Berg „Tor zur Hölle“. Das extreme Wetter und die schlechte Sicht machten Filmen und Klettern die meiste Zeit unmöglich. Als es endlich auf-


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Linkes Bild: „Nathan ist hier nur fünf Meter vom Gipfel entfernt“, erzählt Ambrose. „Das orange Leuchten kommt vom Lava-See 400 Meter weiter unten.“ Rechts: „Geoff, Rui und Nathan sichern die Seile am Kratergipfel an einem Sandsack. Die Ascheebene war so karg, dass es nichts anderes zum Befestigen gab.“

klarte, bereitete die Crew die Seile und Felsanker vor und legte die 400 Meter tiefe Abstiegsroute für Mackley und Ambrose fest. Als Erster seilte sich Mackley an einem 200 Meter langen Seil ab, die Hälfte der Distanz zum See, bis zu einem zehn Meter breiten Felsvorsprung, um den zweiten Teil des Abstiegs zu begutachten. Inzwischen seilte Ambrose sich selbst und Teile des Kamera-Equipments an einem weiteren 200-Meter-Seil zu Mackley ab. Doch da war Endstation: Das Wetter kippte, es begann zu regnen – und hörte fast zwei Wochen lang nicht auf. Die Crew musste zurück ins Camp.

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rst am 10. August, dem 45. Tag der Expedition, bekam Mackley wieder eine Gelegenheit, den unteren Abschnitt der Klippe zu erkunden. Nach einem zweistündigen Abstieg schaffte er es tatsächlich an den Fuß des Kraters und lief 50 Meter vom Sockel der Klippe zu einem Vorsprung, der sich nur 30 Meter über dem brodelnden LavaSee befand. Das Problem: Er war mit nichts als T-Shirt und Cargohose bekleidet. Die enorme Hitze zwang ihn nach wenigen Sekunden zum Rückzug. „Ich hatte nicht damit gerechnet, an diesem Tag bereits im ersten Anlauf ganz nach unten zu gelangen“, erzählt er. „Als ich da war, konnte ich nicht anders, als bis an die Kante zu laufen. 15 Jahre hatte ich davon geträumt. 15 Jahre war ich gescheitert. Ich musste da um jeden Preis hin!“ 62

Am nächsten Tag zeigten sich die Wettergötter von ihrer gnädigsten Seite. Mit Hitzeschutzanzug und Atemgerät stand Mackley eine geschlagene Dreiviertelstunde an der Kante und betrachtete das gewaltige Schauspiel der blendend hellen, orangefarbenen und roten geschmolzenen Gesteinsmassen. Wie spektakulär diese Bilder waren, beweisen die Filmaufnahmen, die Mackleys Team bei dieser Gelegenheit machte. Binnen weniger Tage nach dem Upload ins Internet waren sie bereits mehr als zwei Millionen Mal abgerufen. Die BBC sowie TV-Stationen aus Südkorea und Japan kontaktierten Mackley, um mit ihm nach Ambrym zurückzukehren und alles noch einmal zu drehen. „Es war wie ein Rausch“, sagt Mackley über die 45 Minuten, die am Ende eines 15 Jahre währenden Traums standen. „Als ich unten ankam, war ich so erschöpft, überhitzt und dehydriert, dass ich kaum noch klar denken konnte. Und dieser Lärm! Wie das Wüten eines Ozeans, nur zehnmal so laut. Ich blieb dort, bis mir die Luft ausging. Und selbst dann wollte ich nicht gehen. Es war so spektakulär. Die größte Show auf Erden.“ www.geoffmackley.com

AMBRYM

Vanuatu-Inseln

Ambrym ist eine vulkanische Insel im Archipel Vanuatu, früher als Neue Hebriden bekannt.

Vulkan Marum AscheEbene 10 km 10 Meilen

„ES WAR WIE EIN RAUSCH – SO SPEKTAKULÄR. UND LAUT WIE ZEHN OZEANE.“


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MUSIK

im Bild

Er sieht nicht aus wie ein Künstler und schon gar nicht wie ein Popstar. Dabei ist er beides, und noch mehr: Toro Y Moi ist ein Popstar der Popstars, ein Trendsetter der Trendsetter. Text: Caroline Ryder, Bilder: Rick Rodney

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ine Galerie in San Francisco. An den weißen Wänden hängen 13 Bilder. Ein freundlicher Wolf mit Besteck, eine schwarze Birne in blutähnlicher Flüssigkeit, eine Hand mit abgeschnittenem Zeigefinger. Comicartig, schlicht, alles in Schwarz-Rot. Unter jedem Gemälde baumeln zwei Kopfhörerpaare. Ein junger Mann huscht von einem Werk zum nächsten, rückt hastig Bilder gerade und entwirrt Kabelknoten – es sind noch zwei Stunden bis zur Ausstellungseröffnung. Der junge Mann heißt Chazwick Bundick. Mit seinem lockig zerzausten Haar, der Lehrerbrille und seinem schüchternen Lächeln wirkt er nicht wie der klassische Künstlertyp. Noch viel weniger wie ein Popstar. Doch der Sechsundzwanzigjährige ist beides. Und sogar mehr: ein Popstar der Popstars, ein Trendsetter der Trendsetter. Auf seinem im Jänner 2010 erschienenen Album „Causers of This“, das für eine Welle der Euphorie in US-amerikanischen Insider-Musikmagazinen sorgte, klatschte Bundick, der sich als Musiker Toro Y Moi nennt, entschlackte Hip-HopBeats auf vergilbte Klangtapeten, vermählte verspielte Synthesizer-Sounds mit kindlichen Melodien. Kurz: Er kreierte eine bislang ungehörte Klangwelt, ein verspieltes Meisterwerk, für das die Kritiker ein neues Genre ausriefen – und ihn gleich zu dessen König kürten: Chillwave. Es war der Trend des Jahres und fand schnell Nachahmer in der Pop-Oberliga, von den Kings of Leon bis zu The Vaccines.

Der Song zum Bild bzw. das Bild zum Song: Unter jedem Gemälde in Toro Y Mois multimedialer Ausstellung baumeln zwei Kopfhörerpaare. So präsentiert Chazwick Bundick sein neues Album „Anything in Return“.

Für die Präsentation seines demnächst erscheinenden Albums „Anything in Return“ ließ er sich etwas Besonderes einfallen: In einer Zeit, in der Musik vorwiegend digital am Computer konsumiert wird, hält er dagegen, verleiht er seinen Songs eine zusätzliche Ebene – und erweckt dabei eine alte Leidenschaft wieder zum Leben. Denn obwohl Bundick als Toro Y Moi musikalische Erfolge feiert, war die bildende Kunst seine erste Liebe. Bereits als seine Helden Michael Jackson und die Teenage Mutant Hero Turtles hießen, kritzelte er ständig Zeichnungen in sein Skizzenbuch. „Meine Michael-Jackson-Figuren hatten große, runde Koboldgesichter“, sagt er. „Meine Zeichnungen damals waren sehr verspielt, aber cool.“ Obwohl Bundick mittlerweile einen UniAbschluss in Grafik-Design hat, blieb er seinem frühen Stil treu. Seine Bilder sind noch immer verspielt – und immer noch ziemlich cool. Zum Konzept der Werkschau – der ersten in seiner Heimatstadt San Francisco – erklärt er: „Das hier ist mehr als eine Ausstellung, es ist eine multimediale Listening-Party. Auf jedem der Kopfhörer gibt’s einen Track der neuen Platte zum Vorhören.“ Bundick will einen privaten Moment im sozialen Ausstellungsraum erzeugen. Irgendwo zwischen dem Gedränge einer Vernissage und dem zurückgezogenen Musikgenuss im Schlafzimmer. „Durch das Internet haben wir verlernt, richtig Musik zu hören – alles ist so furchtbar kurzlebig“, sagt Bundick. „Deshalb 65


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will ich dem Musikhören eine physische Dimension zurückgeben, die sich von dem virtuellen Konsum abhebt.“ Eine direkte Verbindung zwischen den Songs und den Bildern gebe es nicht, sagt Bundick. Die Kunstwerke entstanden erst nach der Musik. Auch beim Musizieren hatte er noch kein klares Bild im Kopf. Aber darum geht es auch nicht. Wichtiger war es ihm, eine passende Umgebung für seine Musik zu schaffen. „Die Leute können hier in den nächsten Wochen in Ruhe und ohne Ablenkung mein Album anhören“, sagt er. „Sie können nicht vorspulen oder zum nächsten Track springen. Sie sollen sich voll auf die Musik einlassen.“ Jeden Tag tauchen tausende neuer Songs im Internet auf. Auf Seiten wie SoundCloud, Bandcamp, Vimeo oder ähnlichen Blogs. Kein Wunder also, dass Musiker ihren Songs mithilfe der Kunst den Rücken stärken. Und nach neuen Möglichkeiten suchen, um ihrer Musik eine längere Haltbarkeit zu verleihen. Die Sängerin Hannah Hooper malt während Konzerten auf der Bühne, DJs wie Richie Hawtin verstärken das Sinneserlebnis mit überdimensionalen LED-Wänden, Besucher von Nine-Inch-Nails-Konzerten können mit ihren Smartphones sogar in die Visual-Show eingreifen. Ist dieser Ansatz für Bundick ein kleines Spaßprojekt, oder hat er wirklich vor, sich als bildender Künstler ein zweites Standbein zuzulegen? Er lächelt und zuckt mit den Schultern. Nach seinem Universitätsabschluss verschickte er etliche Bewerbungen an Grafik-Design-Firmen, 66

„OB DU’S GLAUBST ODER NICHT, ICH FINDE

Brüste klasse.“

doch die musikalische Erfolg kam diesem Karrierezweig zuvor. „Ich wollte Grafiker werden. Das schien mir realistischer als eine Musikkarriere“, sagt Bundick. „Trotzdem ist die Kunst eine große Leidenschaft geblieben.“ Ganz nebenbei erwähnt er, dass er das mit der Musik ohnehin nicht ganz ernst nehme. „Die Leute sagen, ich sei ein tiefgründiger und nachdenklicher Songschreiber“, sagt er. „Aber ich bin das gar nicht. In den Bildern kommt meine Persönlichkeit stärker durch.“ Beim Selbstversuch wird schnell klar, was er damit meint: Während durch die Kopfhörer feingliedrige Songs ans Ohr dringen, blickt das Auge auf ein kindliches Comic-Sujet. Auf der akustischen Ebene trifft man den kopflastigen Bundick, auf der visuellen den kleinen kichernden Jungen. Auf einem Bild sieht man eine blutende Birne. „Was das bedeuten soll? Keine Ahnung“, sagt er. „Du erkennst darin eine blutende Birne? Das ist doch toll.“ Offenbar ist die Kunst für ihn eine Möglichkeit, Dampf abzulassen, abzuschalten, zu vergessen, dass er der Kapitän der „Chillwave“-Bewegung ist. Oder gar der nächste Prince, wie manche Magazine ihn nennen. „Ich finde es toll, dass manche Menschen meine Musik so ernst nehmen, weil mir die Anerkennung als Musiker wichtig ist“, sagt Bundick. „Aber manche nehmen das Leben einfach zu ernst. Viele sind ganz schön verwirrt, wenn sie sehen, dass ich Birnen und Pfeifen male. Oder Brüste. Denn ob du’s glaubst oder nicht, ich finde Brüste klasse.“ toroymoi.blogspot.com


h c i l i e W es wil l!

MEHR STARS. MEHR STYLE. MEHR SEITENBLICKE.AT


DIE MAURETAN Man darf ruhig eine Heldensaga erzählen, mit ein wenig Spielraum für darstellerische Kunst.

Text: Herbert Völker, Bilder: Jürgen Skarwan

TAG 1 Titel des Stücks: Africa Race (Nachfolge-Empfindung der klassischen Paris – Dakar) für Motorräder, Autos und Competition-Lkws. Orte der Handlung: Marokko, Westsahara, Mauretanien, Senegal, vor allem Dakar. Solisten: Gregor Bloéb, Tobias Moretti, beide auf KTM 450 Rally. Weitere Hauptrollen: Motocross- und KTMLegende Heinz Kinigadner, Sohn Hannes, Tochter Isabell, Bruder Klaus und Ex-Enduro-Champ Jochi Sauer auf KTM 450 Rally. Erlesene KTMFacharbeiter. Gregor und Tobias sind Brüder, der eine hat den Familiennamen auf korrekte Aussprache verdeutlicht (ein é für Bloeb), Tobias übernahm den Namen der Mutter zum künstlerischen Gebrauch. Tobias wird immer der große Bruder bleiben, mit acht Jahren Vorsprung an allem, was Künstler so sammeln. Die Liebe ist rein. Beim Training gab es Erste-HilfeÜbungen. Gregor lag auf der Matte, Tobias sollte anfassen: „Na, des geht net. Nehmts wen anderen. I kann den Bruder net so daliegen sehn.“ Man kann ein paar Dinge abhaken: Nein, kein Duell zwischen Brüdern, und nein, niemand wollte irgendwem was beweisen, und noch mal nein, es war kein Lebenstraum, einmal nach Dakar zu reiten und sich das Goldene Vlies zu holen, oder den Wolf, je nachdem. 68

Tobias und Gregor am Ursprung der Legende: Paris


ISCHEN LÖWEN

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Worum ging es dann? Aus der Bike-Leidenschaft der Brüder (mit beträchtlicher Finesse in Motocross und Enduro) hatte sich über die Jahre die Hetz des Wüstenfahrens ergeben, dann kam eins zum anderen, die Klarheit eines Ziels, das sportliche Können, die Prominenz der Schauspieler, die Aussicht auf sagenhafte Bilder fürs Fernsehen, wenn es von A bis Z dabei ist, ohne an die Hektik der Aktualität gebunden zu sein. Das könnte ein paar smarte Folgen ergeben, kaum je gesehen in dieser Intensität. Der Name Dakar, als Symbol für Paris–Dakar, musste ja mittlerweile aus politischen Gründen nach Südamerika auswandern. Als reales Ziel wurde Dakar von unverbesserlichen Afrika-Liebenden wiederbelebt, vielleicht hätte sich diese Art von Liebe auch einen besseren Namen als Africa Race verdient. Keine der Etappen auf Südkurs von Marokko bis Senegal lässt sich eins zu eins vergleichen, von der Felsenpiste bis zur geschmackvollen Faltung der Dünen. Im Schnitt sind es Tagesritte über 600 Kilometer, mehr als die Hälfte als Sonderprüfung, volle Power im wilden Terrain, der Rest ist Verbindungsetappe zum Nachtlager, das Biwak heißt, um keine romantischen Vorstellungen aufkommen zu lassen. Wir haben ja alle unseren Bertolucci gesehen, „Himmel über der Wüste“. HAARMODE. Tobias taucht mit gelbem Schopf auf, ohne besonderen Grund, so halt. Er redet von Tarnkappe in Bananengelb, aber eigentlich ist es Dattelgelb. Irgendwann

kriecht der Staub sogar ins Innere des Sturzhelms, das gibt dann einen karottigen Farbstich. Nur die wenigsten werden den Nerv haben, sich zu rasieren, die Bärte werden dann rötlich, bis der Sand wieder draußen ist. Dem Gregor steht der Bart besonders gut, dazu bleckt er die kräftigen Zähne. DER ABEND. KTM markiert jeden Abend im Biwakgelände ein kleines Geviert, mit Ehrenplätzen für die vier Bikes und zwei Werkzeugtischen aus dem Bauch des Lkws. Der ankommende Fahrer, meist in der Dämmerung, bewegt sich langsam, stakst in den Stiefeln herum, leichte Vorlage, Knieschutz schlackert wie in alten Ritterrüstungen. Nackenschutz, Brustpanzer, Rückenpanzer fallen in Zeitlupe ab, dazwischen wirft einer schon mal das Zelt

auf, flupp, fünf Sekunden. Nur Tobias hat ein größeres Zelt, mit Gestänge zum Schisteln, er will es natürlich selbst aufbauen, aber meist kommt zufällig einer vorbei, der eh nix zu tun hat. Man tapst hundert Meter zu einem Holzverschlag mit Duschen, so gut man sich das halt in der Wüste vorstellen kann. Die Klos sind ärger, wenn auch gut gemeint. Jetzt erstmals weiche Kleidung, bis Westsahara ist es aber immer kalt am Abend. Im großen Zelt wird vernünftiges Essen ausgeteilt, alles aus Frankreich mitgekarrt. Korrekturen zum Roadbook kommen durch, die Fahrer markieren ihre vier Meter lange Rolle mit Farbstiften und fädeln sie dann vorsichtig ins Armaturenfenster ein, morgen werden sie den Schrieb per Fingerdruck abspielen können. Es bleibt auch Zeit zum Schmähführen, das schon, so hundsmüde kann gar keiner sein. Man ist eingebettet in den Kokon der Gruppe, es ist die friedlichste Zeit des Tages. Gegen elf schaut jeder, dass er im Zelt verschwindet, rundherum laufen noch Generatoren, das stört keinen. Nur die erste Nacht in Marokko war eine Katastrophe, bei minus zwei Grad bibberten die Leute im Schlafsack. Gregor sagt, er habe nicht eine Minute geschlafen. DER MORGEN. Der Stress in der Früh ist öd, sagt nicht nur Tobias, der aber besonders traumverloren in die Kälte kriecht, meist noch im Finstern. Jochi Sauer ist blendend aufgelegt und singt unveränderlich „Yesterday“. Die Wüste ahnt, der muss eine große Liebe verloren haben. Tobias wird öfter was suchen, sehr langsam schauen und die Welt nicht ganz mögen. Er sei eben nicht so zielorientiert in der Früh wie manche andere, lauter Streber. Morgenhygiene inkludiert die SchranzHocke mit der Hoffnung, in einem beängstigend schmalen Zeitfenster erfolgreich zu sein. Tobias, immer geschmackvoll, nennt das „die ungeübten Schicksalsirritationen“. GREGORS WUT. Salz der Rallye sind die Sonderprüfungen, meist um die 400 Kilometer lang. Einzelstart, klar. Im besten Fall Sandpisten, sonst Geröllpfade, freies Gelände, Sanddünen. Das Roadbook hält erkennbare Pisten fest, Abzweigungen, oft nur Kompassangaben als Generalrichtung, über dutzende Kilometer ein vages Hoffen auf den nächsten erkennbaren Punkt. Man kann dieses Gefühl für die afrikanische Topografie durch Training verfeinern, klar, aber der Ernstfall schaut immer anders aus. Wie oft man sich verfährt, ist nicht die Frage, eher: wie schwer, wie tief, wie verwirrend, wie aussichtslos. Gregor hat den Schock gleich zu Beginn, „die Navi macht mi narrisch,

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TAG 6 Im wilden Süden Marokkos

Reichlich Sand gesammelt im Stiefel (linkes Foto) – Moretti mit Tarnkappen-Frisur, auch hier im großen Bild mit sichtbar ermattetem Bruder auf dem Boden. Bild links unten: Allein im CamelBak am Rücken der Montur muss jeder Bike-Fahrer dreieinhalb Liter Wasser mitführen, an den Checkpoints gibt’s extra. Abendliche Pflichtübung (Foto unten): das Aktualisieren des Roadbooks nach dem jüngsten Report des Veranstalters, Markieren der gefährlichsten Stellen.

i woaß net, wo oben und unten ist“. Skurrile Gedanken steigen auf: Er würde sich demnächst verlassen hinter einer Düne finden, „und dort werd i verhaftet“. Er hat dann sehr wohl die Richtung gefunden, wurde immer besser, sicherer, blieb immer klar in den Top Ten, fühlte sich souverän. Dann der letzte Tag, Gregor wird grundlos nervös, fährt mit mittlerer Kraft, und das kannst du im Sand so gar nicht brauchen. Innerhalb von ein paar Minuten gräbt er sich dreimal ein, kriegt den Bock kaum in die Höh, „es ist aus, vorbei, am letzten Tag verscheiß ich das“, kriegt einen fürchterlichen Hass auf sich und alles, stürzt kopfüber, kriegt eine auf die Rippen, schreit in den Sturzhelm hinein: „Kein Schmerz, kein Schmerz, mich kriegen s’ net.“ Später wird er sich fragen, wen er da so grundsätzlich gemeint hatte.

Und dann lief es wieder, Gregor Bloéb schmierte sauber durchs Geläuf, berauscht, „sooo guat“. Diese unglaubliche Nähe von Abgrund und Euphorie zieht sich durch die ganzen sechstausend Kilometer. ZAHNBÜRSCHTL-SYNDROM. Ab dem zweiten Tag war der linke Unterarm (Kupplung) eingekrampft. Dann die rechte Hand. Was zum Gasgeben noch taugt, versagt im Gebrauch vor dem Zelt, im Finstern in der Früh. Tobias: „I hab die Finger nimmer zsammgebracht. Das Zahnbürschtl fallt dir aus der Hand. Man muss drüber nachdenken, wie Daumen und Zeigefinger zusammenkommen sollen.“ Ab dem vierten Tag hat sich dann alles halbwegs eingespielt, Tobias weiß auch, warum: „Der Mensch ist ja ein Über71


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lebenswunder, wenn die Strapazen unvorstellbar sind. Man denkt, es wird immer schlimmer, aber es wird immer besser.“ Wochen vorher ist durch seine Phantasie gegeistert, dass da irgendwo in Marokko eine Flussdurchfahrt wäre, ein reißender Fluss, einen Meter tief, Tobias käme durch, ist aber waschelnass, es sind noch 200 Kilometer Etappe mit gefrorenen Kleidern, dann ist man krank, das war’s dann mit Dakar. Die Wahrheit ist gnädiger. TREFFPUNKT WÜSTE. Der Teamplan sah vor, die Brüder zwar in der Etappe bestens mit Service zu betreuen und mit TV-Kameras zu beobachten, sie aber tagsüber ihrem Schicksal zu überlassen. Zwei Routiniers würden dann hoffentlich auftauchen und mit ihren Helmkameras zur atmosphärischen

Rechtes Bild: Gegen Ende der Rallye finden sich die Einzelkämpfer immer öfter zum Paarlauf in der Weite des Landes. Pisten, die das Nebeneinander erlauben, sind allerdings ein rarer Glücksfall. Unten: Ganz schön ordentlich: KTM-Revier im Nachtlager. Ankunft bei Tageslicht ist eher selten. Ganz unten: Erster Chat im Biwak noch in den Klamotten: Klaus Kinigadner, Gregor Bloéb, Tobias Moretti. Rechts unten: happy in Dakar – Gregor, Ehefrau Nina Proll

TAG 11 Unverändert Kurs Süden in Mauretanien

Verdichtung des Films beitragen. Dazu gewann man zwei prachtvolle Haudegen, die allein schon einen Film wert wären. Klaus Kinigadner, kleiner Bruder des großen Kini, und Enduro-Ex-Champ Jochi Sauer übernahmen den Job, mit all ihrer Erfahrung. Sauer war Moretti zugeteilt, Klaus Kinigadner würde Gregor Bloéb folgen, oder suchen. Es ergab sich das eine oder andere Missverständnis, als man einander tatsächlich traf und vor allem Jochi emsig filmte, ohne Tobias sofort am Schatz seiner Erkenntnisse (links? rechts?) teilhaben zu lassen. Zielführende Äußerungen Herrn Morettis im Biwak führten zu einer leichten Abänderung der Strategie, die Schatten rückten mehr in den Vordergrund, es entstanden zwei Zweierseilschaften, letztlich ein kleines Rudel mit wechselnden Gastfahrern, je zielstrebiger es Richtung Dakar ging. Keine Rede mehr von Schattenfahrern und wer da in der 72

Sonne ritt, und überhaupt: so viel Eintracht unter notorischen Einzelkämpfern. JOHANN SEBASTIAN BACH. Manchmal wird die schiere Länge der Etappe zur Qual, nach der Competition noch drei oder vier Stunden Heimfahrt zum Biwak, im Finstern, auf ausgefransten Teerstraßen, immerhin in Sichtweite zu den Scheinwerfern der Kumpels. Sobald die Sonne weg ist, hat’s zwanzig Grad weniger. Artgerechte Haltung ist nicht mehr gefragt, da hängen sie schräg am Sattel, Damensitz, oder mit dem Knie auf der Sitzbank, und die linke Hand kriegt Pause. Moretti stopft sich Bachs „Weihnachtsoratorium“ in den Gehörgang des Sturzhelms, singt im Lager dem Freund noch ein paar Takte zum Nachschwingen: Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben, nicht zufällig in der höheren Stimmlage, seine Julia ist Oboistin. Die Szene ist nur schön, und unverdächtig: keine Kamera in der Nähe.


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Auch die Freude an den Lieblingsgestirnen Orion und Plejaden ist ungeteilt.

TAG 14 Dakar und der Mythos aller Wüstenrallyes

SPIRIT OF KINI. Heinz Kinigadner, in der Pracht seiner tirolerischen Kernigkeit im beliebten Hochformat, hat aus seinen druckfesten Motocross-Pratzen ein Händchen fürs Feine entwickelt, das gilt nicht nur für seine Familie und die Betreuung des querschnittgelähmten Sohnes, der in glasklarer Selbstverständlichkeit von Paris bis Dakar dabei war. Das war auch auf den Service-Routen alles andere als einfach, aber dafür hat eben der Kini seine Mordstrummlackelstärke in jeder Hinsicht. Bei unveränderlicher Robustheit profitieren nun auch sportliche Schützlinge von der Reife des Kini, 53, der die überragende Figur der großen Paris–Dakar-Szene in den neunziger Jahren war – und wesentlicher Richtunggeber für das sportliche Wesen der ganzen Firma KTM. Wie Kini schon in den Monaten der Vorbereitung die Egos der Künstler in den Hard Facts des Leistungssports unterbrachte, wie listig er auch im Rennen den Ton für seine Jungs fand, dafür musste man ihn einfach lieben. Das strahlt natürlich aufs ganze Team aus, so dass das Kini-Camp in jedem Biwak zur geschützten Werkstatt nicht nur für die Hardware der KTM wurde. Man hörte mitunter auch Tiroler Lieder. Die Maschinen sind ja sowieso feinste Ware. 450 Kubik, 60 PS, 145 Kilogramm schwer, plus 37 Liter im Tank. In ihrer Afrika-Auslegung eine schwere, wüde Maschin’, ein ernsthaftes No-bullshitGerät. DAKAR. Am Anfang hatte es geheißen: Durchkommen ist alles, Dakar-Erreichen das einzige Ziel für Psyche, Sport und Story. Als Gregors prachtvolle Form immer konstanter wurde, als Tobias den Anschluss fand und sie oft Champ-mäßig durch die Dünen surften, bekam auch noch das Ergebnis eine gewisse Wertigkeit: Gregor Bloéb Siebenter, Tobias Moretti Zehnter, fürs Poesiealbum heißt das: Zwei berühmte Schauspieler unter den Top Ten in Dakar. Dann kamen die schönen Ehefrauen Julia, Nina, Waltraud, aber hallo, es gibt auch ein Leben nach Dakar. Moretti steht schon wieder vor der Kamera, als Bösewicht in einem AlpenWestern, in einem finsteren Tal. So weit ist das Land unserer Künstler. Exklusiv auf ServusTV: „Africa Race – Zwei Brüder zwischen Paris und Dakar“. Teil 1: 25. Februar 2013, 20.15 Uhr. Die weiteren Teile: 4./11./18./25. März, jeweils 20.15 Uhr

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Stairway to

HE AVEN Ein Fahrstuhl ins All. An einem bis zu 91.000 Kilometer langen Seil. 200 km/h schnell. Science-Fiction? Nein. Science, nicht Fiction. Sagt Herbert Weidinger. Er leitet an der TU München eine Projektgruppe, die schon mal Modelle entwickelt. Text: Manuel Kurzmann, Bilder: Jörg Koopmann

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  : Nun mal ehrlich: Was dachtest du, als du zum ersten Mal davon gehört hast, dass Wissenschaftler an einem Fahrstuhl ins All arbeiten?  : Ich dachte: Schwachsinn! Wie soll das funktionieren? Aber irgendwie verfolgte er mich, der Fahrstuhl. Und wurde immer konkreter. Zuerst las ich den Roman „Limit“ von Frank Schätzing, in dem es um das Thema geht. Dann sah ich eine Doku auf ProSieben. Und dort wurde das SpaceElevator-Projekt der Technischen Universität München vorgestellt. Das war mein Aha-Moment, zumal ich damals gerade mit dem Maschinenbau-Studium begonnen hatte. Mittlerweile arbeitest du als Leiter des Münchner Teams von 15 MaschinenbauStudenten daran, dass aus der Idee eines Tages Realität wird. Und ihr nehmt an der European Space Elevator Challenge teil, einem Wettbewerb, bei 74


Epic Fail.

Von wegen Maschinenbauer verstehen keinen Spaß: Mit diesem Schild kommentieren Herbert Weidinger und sein Team misslungene Bauteile.

dem Unis aus ganz Europa, nach japanischem Vorbild, ihre neuesten Entwicklungen zum Thema Weltraumlift präsentieren – ihr seid also nicht allein mit eurem Thema. Aber einige Fragen stellen sich dem Laien schon … Zunächst: Woran soll denn das Aufzugsseil befestigt sein? Zum Beispiel an einer Raumstation.

Ist ein bis zu 91.000 Kilometer langes Seil nicht so schwer, dass es allein aufgrund des Eigengewichts reißt? Beim welthöchsten Gebäude, dem Burj Khalifa in Dubai, waren schon 830 Meter Höhe zu viel für einen durchgehenden Aufzug, weil kein herkömmliches Aufzugsseil der Belastung standhält. Da hast du gleich eines der größten Probleme angesprochen. Du darfst dir das Seil nicht vorstellen wie bei einer normalen Bergbahn: So ein Seil wird schon bei fünf Kilometern Länge vom Eigengewicht zerrissen. Es gibt aber spannende Fortschritte in der Materialforschung, zum Beispiel Carbon Nanotubes. Das sind … … vereinfacht gesagt winzige Röhrchen aus Kohlenstoff, 10.000-mal dünner als ein Haar. Daraus wurde zwar schon ein Seil geknüpft, das ist aber nur zirka fünf Meter lang, eben weil die Nanotubes aufgrund ihrer Winzigkeit schwer zu verarbeiten sind. Guter Ansatz also, aber es liegt noch ein weiter Weg vor uns …

… grob geschätzt 90.999,995 Kilometer, wenn ich mir das erlauben darf. Die Kollegen von der Universität Cambridge wollen in naher Zukunft 30 Meter schaffen, es geht also voran. Habt ihr diesen Weg geschafft, wartet schon das nächste Problem: Diese Wunderschnur wäre sehr exponiert. Ich rede jetzt gar nicht von den Flugzeugen, die da oben rumfliegen, aber von den Temperaturunterschieden der verschiedenen Höhen, von Tornados und Wirbelstürmen. Würde das Seil den Extrembelastungen von Wind und Wetter zuverlässig standhalten? Keine Sorge, das Seil ist gut genug vorgespannt, um nicht wie eine Liane durch den Himmel zu schwingen. Das Wetter ist also kein Thema. Ein größeres Problem ist Weltraummüll – ausgediente Satelliten, Teile von Raketenwracks, solche Sachen. Den größeren Stücken kann man ausweichen: Die Raumstation kann das Seil im Bedarfsfall ja etwas verschieben. Wirklich gefährlich wären Mikro-Meteoriten: 75


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Kostenfaktor.

Herbert präsentiert einige Climber aus den letzten Jahren. Pro Modell muss sein Team mit 8000 Euro Budget auskommen, Fehler in der Konstruktion sind somit tabu.

So ein Ding erreicht 15.000 km/h und hat eine Wirkung wie eine Handgranate – und das bei einem Durchmesser von einem Millimeter! Was tut man gegen diese Geschosse? Baut man einen Aufzugsschacht ums Seil herum? Hahaha, einen 91.000 Kilometer langen Schacht kann ich mir eher nicht vorstellen! Ich denke an eine Art kugelsicherer Weste, Kevlar-Schutzschichten, wie sie bei Raumstationen verwendet werden. Das ist aber nicht sehr wahrscheinlich, wegen des zusätzlichen Gewichts. Selbst wenn ihr alle technischen Probleme in den Griff bekommt, wie wird es denn den Leuten an Bord gehen? Die Reisegeschwindigkeit soll 200 km/h betragen, das ist mehr als dreimal so schnell wie im derzeit schnellsten Aufzug der Welt im Taipei-101-Wolkenkratzer in Taipeh … Hält man das überhaupt aus, rein körperlich? Das Problem ist nur die Beschleunigung, nicht die Geschwindigkeit. 200 km/h sind im Vergleich zu einer Shuttle-Rakete nur Schneckentempo. Mit dem Weltraumlift kann auch deine Oma fahren, wenn wir sachte genug loslegen. Apropos loslegen: Wann sollen die ersten Passagiere in den Weltraum fahren? Detaillierte NASA-Studien meinen, in fünfzig Jahren könnte es so weit sein. 76

„ I M W ELT R AU M - LI F T K A N N AU CH D EI N E O M A FA H REN , wenn wir sachte genug loslegen.“ Und was meinst du? Man hat zwar vor zehn Jahren auch schon von fünfzig Jahren gesprochen, aber ich halte die Größenordnung von 2060 für nicht unrealistisch. Wer hätte vor hundert Jahren gedacht, dass der Mensch zum Mond fliegen wird? Am wichtigsten ist der politische Wille, so einen Aufzug auch wirklich zu bauen. Die Politiker müssen verstehen, welches enorme Einsparungspotential so ein Projekt hat … ein Raketenstart kostet 500 Millionen Euro. Außerdem wäre ein Space Elevator ein Technologieträger, dessen Technologie andere Technologien anstoßen und ermöglichen würde. Und nicht zu vergessen: Das Problem der

Entsorgung von Nuklear-Schutt wäre gelöst. Atommüll ins Weltall zu jagen ist jetzt ja unmöglich, weil ganz abgesehen von den Kosten keiner dieses Risiko eingeht – stell dir vor, es passiert was und die Strahlung verteilt sich fein säuberlich in der Atmosphäre. Mit dem Aufzug könnte man den Müll sicher raufbringen, in der Weltraumstation in eine Rakete packen und Richtung Sonne schicken. In München habt ihr euch auf die Entwicklung der Climber spezialisiert, also des Lift-Fahrzeugs. Wie weit seid ihr? Wir fahren am Seil, haben professionell beschichtete Räder. Wir könnten mittlerweile theoretisch sogar einen Menschen


„WI R S E T ZEN LI EB ER AU F M ECH A N I S CH E T EI LE , weil sie der Elektronik, was die Zuverlässigkeit betri , bei weitem überlegen sind.“ Prototyp.

Das aktuelle Climber-Modell (li.) hat es in sich: Ein 10 PS starker Elektromotor macht Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h möglich, die Montagezeit am Testseil beträgt 20 Sekunden.

Zukun smusik.

Das „Space Elevator“-Team arbeitet bereits an Plänen für einen noch leistungsstärkeren Climber. Dafür sollen unter anderem Kart-Reifen mit extrem gutem Grip sorgen.

transportieren, weil wir einen ziemlich starken Elektromotor aus dem Modellbaubereich verwenden. Der leistet 10 PS und macht bis zu 70 km/h. Sind das Kartreifen bei eurem Modell? Mit denen experimentieren wir zur Zeit, die haben auch bei hoher Temperatur sehr gute Reibung. Das ist die wichtigste Eigenschaft, denn die Räder sind die am stärksten beanspruchten Teile. Sie werden nur durch Reibung am Seil gehalten – stell dir vor, du nimmst ein Seil zwischen die Hände, presst sie zusammen und ans Seilende wird ein schweres Gewicht gehängt –: das ist der Druck, unter dem du die Last rauftransportieren musst.

Zwischen den beteiligten Universitäten gibt es auch Wettkämpfe in den einzelnen Entwicklungsbereichen … Wie groß ist die Konkurrenz? Da werden natürlich nicht alle Einzelheiten ausgetauscht, es will ja jeder gewinnen. Und wie liegen die Deutschen gegenüber den, zum Beispiel, Japanern? Den Japanern geht es sehr um Elektronik und solchen Schnickschnack. Wir setzen lieber auf mechanische Teile, weil sie der Elektronik, was die Zuverlässigkeit betrifft, bei weitem überlegen sind. Wir brauchen zwanzig Sekunden, um den Climber am Seil zu montieren, die Japaner fünf Minuten.

Gibt es da so was wie Werksspionage? Klar, die Japaner laufen immer mit ihren Spiegelreflexkameras herum und knipsen jedes Detail. (Lacht.) Die besten Ergebnisse könnte man, im Dienste der Wissenschaft, wahrscheinlich durch Zusammenarbeit erzielen: deutsche Zuverlässigkeit und japanische Verspieltheit, das wäre eine tolle Kombination, oder? Ja, das ist auch unser Ziel. Aber interkontinentale Kooperationen setzen sehr viel Zeit und sehr viel Geld voraus. Beides steht uns nur begrenzt zur Verfügung. Wie viel Geld hattet ihr für den aktuellen Climber zur Verfügung? 8000 Euro. Klingt ziemlich wenig. Ich bin zufrieden. Es reicht für die Materialien, die wir brauchen. Wir bauen natürlich vieles selbst. Bitte schließ kurz die Augen und stell dir vor, wie du in fünfzig Jahren an der Jungfernfahrt des Weltraumaufzugs teilnimmst. Was siehst du? Es wird sich ein wenig anfühlen wie in einem Flugzeug, einem größeren Reisebus, und du bist halt nicht wie in einem Space Shuttle die ganze Zeit angeschnallt. Bei 200 km/h Geschwindigkeit wäre man, überschlagsmäßig gerechnet, länger als eine Woche unterwegs … … natürlich müsste es Schlafunterkünfte geben, Toiletten, ein Bordrestaurant. Aber so ein Aufzug wird ja ohnehin kein Massenverkehrsmittel sein. Vielleicht wollen sich ein paar Multimillionäre den Spaß leisten. Zumindest punkto Fahrstuhlmusik sollte es keine Diskussionen geben … Ach ja? Led Zeppelin, „Stairway to Heaven“, ist doch klar. www.euspec.warr.de

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Inhalt 80 REISE-TIPP Tauchen in Australien 82 Get THE GEAR Ausrüstung fürs Hundeschlittenrennen Iditarod 84 TRAINING Rachel Atherton 86 NIGHTLIFE Out Now: Jamie Lidell/ Red Bull Crashed Ice/Club: Green Valley/Cocktail: Umhlanga Sling/ Take 3: Karl Bartos/Nightsnack: Gatsby 90 TOP-SPOTS 92 SAVE THE DATE 94 KAINRATH 96 RED BULL TV-FENSTER bei ServusTV

bild: imago

98 KOLUMNE von Christian Ankowitsch

Wie man sich für ein über 1850 Kilo­meter führendes Hunde­ schlittenrennen rüstet, lesen Sie auf Seite 82.


MORE BODY & MIND

Klar Schiff

AUF UND DAVON DER REISE-TIPP DES MONATS

TOWNSVILLE, AUSTRALIEN. Vor exakt 102 Jahren sank die SS „Yongala“ vor der Küste von Queensland. Heute ist das Wrack ein einzigartiger Tummelplatz für Taucher. Nicht von dieser Welt.

„Hätte ich nur noch einen einzigen Tauchgang in meinem Leben … es müsste die ‚Yongala‘ sein“, bekannte die australische Unterwasser-Filmproduzentin Valerie Taylor im Interview mit dem „Sydney Morning Herald“. Das Wrack der 1911 gesunkenen SS „Yongala“ ist in Taucherkreisen ein Star – und das aus gutem Grund. Die bis heute unversehrte Hülle des knapp 107 Meter langen Dampfschiffs ließ eine einzigartige Unterwasserwelt entstehen. „Die Natur nahm sich dieses von Menschen geschaffene Objekt und verwandelte es in ein lebendiges Riff – eine Freude für alle menschlichen Sinne. Es ist das großartigste Unterwasser-Areal, das ich je gesehen habe“, sagte Taylor.

In rund 30 Meter Tiefe offenbart die 1911 gesunkene SS „Yongala“ ein Taucherparadies.

Letzte Reise.

Benannt wurde das Dampfschiff „Yongala“ (bedeutet „weites Wasser“) nach einer kleinen Stadt in Südaustralien. Bis zum 23. März 1911 transportierte es Passagiere und Güter zwischen den Goldfeldern Westaustraliens und den östlichen Häfen von Sydney, Melbourne und Cairns. Ausgerechnet auf ihrer 99. Fahrt – von Bris-

bane nach Townsville – geriet die „Yongala“ in Seenot und riss alle 122 Personen an Bord in den Tod. Seither liegt der Metallkoloss auf einer Sandbank im Great Barrier Reef Marine Park, rund 80 Kilometer südöstlich von Townsville und 20 Seemeilen (37 Kilometer) vom nächstgelegenen Korallenriff entfernt. Das lang verschollene Wrack wurde erst 1947 von einem Schiff der australischen Marine bei der Suche nach Wasserminen entdeckt. Identifiziert wurde es gar erst 1958, als zwei einheimische Taucher einen Tresor aus dem Schiff bargen. Große Fische.

Die SS „Yongala“ wurde erst 47 Jahre nach ihrem Untergang von zwei australischen Tauchern identifiziert.

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Seit den 1980er Jahren organisieren Tauchunternehmen regelmäßige Touren zu dem in 30 Meter Tiefe liegenden Wrack. Pro Jahr kommen rund 6000 Taucher – aber keine Sorge, überlaufen ist das Naturerlebnis noch nicht. „Die ‚Yongala‘ muss radioaktives Material geladen haben, da das Meeresleben auf dem Baby wie mutiert wirkt“, postete ein beeindruckter Taucher auf der Website scubadiving.com. Tatsächlich einzigartig ist die schier endlose Vielfalt der Meereslebewesen: Riesenzackenbarsche, Meeresschild-

TEXT: ROBERT TIGHE. BILDER: GETTY IMAGES (3), DDPIMAGES, QUEENSLAND MUSEUM

Aufgetaucht.


Für Sonnenanbeter bieten die menschenleeren Strände perfekte Erholungsmöglichkeiten.

kröten, Seeschlangen, Tigerhaie, Adlerrochen, Barrakudas oder Kupferschnapper kann man rund um das gesunkene Schiff beobachten, manchmal auch Walhaie, Bullenhaie und Gitarrenfische. Angriffslustig.

Die meisten Meeresbewohner sind harmlos. Ein schwedischer Tauchschüler legte sich im Jänner 2002 allerdings mit dem falschen Fisch an – einem 1,40 Meter langen Sägebarsch, der mehrmals nach dem skandinavischen Eindringling schnappte und Bissspuren am rechten Ohr sowie Kratzer im Gesicht des Besuchers hinterließ. „Der Barsch wollte nur seinen Platz in der Hackordnung behaupten“, erzählt Paul Crocombe von Adrenaline Dive mit typisch trockenem australischem Humor. „Das ist ihm wohl gelungen.“ Mordalarm.

Ausgangspunkt der Tauchgänge: Townsville

2003 sorgte die „Yongala“ für weltweite Schlagzeilen. Die US-Amerikanerin Tina Watson starb auf ihrer Hochzeitsreise bei einem gemeinsamen Tauchgang mit ihrem Mann Gabe, einem erfahrenen Rettungstaucher, zum Wrack. Nach umfangreichen Untersuchungen wurde Gabe sechs Jahre später wegen Totschlags zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilt.

REISEINFORMATIONEN Anreise Adrenaline Dive in Townsville sowie Yongala Dive in Ayr organisieren Tauchgänge zur „Yongala“. Von Ayr benötigt man rund eine halbe Stunde zum Wrack, von Townsville rund drei Stunden. Achtung: Bei starkem Seegang und Wind können Tauchgänge abgesagt werden. Beste Reisezeit Wenig Wind, warmes Wasser und gute Unterwassersicht (10 bis 15 Meter) herrschen von September bis Jänner. Von Juni bis September ist das Wetter wechselhafter, dafür die Sichtweite im Schnitt um zehn Meter besser – außerdem besteht die Chance, Buckelwalschulen zu Gesicht zu bekommen. Alternativprogramm Auch wer unter Seekrankheit oder Aquaphobie leidet, kann die Naturwunder des Great Barrier Reef erleben. In Townsville befindet sich das Reef HQ – das größte Korallenriff-Aquarium der Welt. Informationen und Buchung: www.yongaladive.com.au www.adrenalindive.com.au

Orkanartig.

Faszinierende Artenvielfalt am Great Barrier Reef

Es war ein Zyklon, der die „Yongala“ 1911 versenkte. Auch heute noch wird das Wrack in der Orkansaison immer wieder von Wirbelstürmen getroffen. 2011 riss „Yasi“ die meisten Korallen von der Oberfläche des gesunkenen Schiffs. Glücklicherweise vertrieb der Sturm aber nicht die Meeresbewohner. Während die Korallen nun nachwachsen, gewährt die „Yongala“ einen umso beeindruckenderen Einblick in die Tierwelt des Pazifiks.

„Yongala“ Townsville

AUSTRALIEN Brisbane

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GET THE GEAR

Kalte Schnauze

DIE AUSRÜSTUNG DER PROFIS

Mit 25 Jahren war Dallas Seavey im Vorjahr jüngster Iditarod-Sieger. Was begleitet ihn beim härtesten Schlittenhunderennen der Welt, das seit 1973 in heutiger Form stattfindet, durch Alaskas Schneestürme? 1. Schlittenhunde An den Start gehe ich mit 16 Alaskan Huskys. Wird einer der Hunde müde, kann man ihn bei einem der 20 Kontrollpunkte zurücklassen und das Rennen eben mit einem Hund weniger fortsetzen. Die Tiere werden bei den Checkpoints regelmäßig von Tierärzten untersucht. 2. Hundeschlitten Ich baue meine Schlitten selbst – damit sie so leicht und robust wie möglich werden, verwende ich Kohlefaser-Eishockeyschläger, hochfestes Aluminium und ultrahochmolekularen Kunststoff. Die Schlitten, von denen man bis zu drei im Rennen verwenden darf, wiegen rund 20 Kilogramm. 3. Critterwoods-Bremshaken Gestoppt wird das Gespann mit der Fußbremse, danach wird dieser Haken aus rostfreiem Stahl zur Fixierung im Schnee oder Eis verankert. 4. Hundefutter-Kocher Dieser Kochapparat ist eine Eigenkreation. Mit einem auf Alkohol basierenden Brennstoff schmelze ich damit Schnee, um für mich Trinkwasser und für meine Hunde eine dickflüssige Fleischsuppe aufzukochen. 5. Aluminium-Schöpfkelle Bei Temperaturen um die minus 40 Grad Celsius verbrennt jeder Hund zwischen 8000 und 12.000 Kalorien pro Tag. Mit dieser Schöpfkelle wird das Hundefutter portioniert. 6. Integral-Designs-Schlafsack Pro Tag raste ich nur 30 bis 40 Minuten. Für einen „Power-Nap“ schlüpfe ich mit kompletter Ausrüstung unter den bis –15 °C klassifizierten Schlafsack.

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7. Hunde-Anhängung Die blau-schwarzen Leinen sind eine Sonderanfertigung. Bei abrupten Bremsmanövern wirken sie wie ein Stoßdämpfer zwischen Hunden und Schlitten. 8. Taiga-Hundegeschirr Das Brustgeschirr aus wasserdichtem Leichtgewebe weist nur wenige Druckpunkte auf, wird speziell an jeden Hund angepasst und ist auf Langstreckenrennen ausgelegt.

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9. „Runner Plastic“ von Prairie Bilt Sleds Anstatt die Kufen zu wachsen, werden Plastikschienen an ihnen montiert – je nach Schneebeschaffenheit gibt es verschiedene Plastikmischungen. Die Schienen werden alle 80 bis 120 Kilometer gewechselt.

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10. Black-Diamond-Lampe Beim Iditarod sind wir viele Stunden bei Dunkelheit unterwegs. Das Licht dieser Stirnlampe ist 100 Lumen stark. 11. Wiggy’s-Fäustlinge Bei extremer Kälte kann ich diese riesigen Fäustlinge über meine dünneren, funktionelleren Handschuhe anziehen. Im Schlafsack dienen sie hin und wieder auch als Kopfpolster. 12. „Joe Reddington“Mukluks von Wiggy’s Die meiste Zeit laufe ich neben dem Schlitten oder schiebe ihn mit einem Fuß und einem Skistock an. Diese auf bis minus 45 Grad ausgelegten Stiefel aus dichtzelligem Schaumstoff mit dicker Gummisohle kann ich selbst während der Fahrt über meine leichten, isolierenden Laufschuhe ziehen. www.iditarod.com www.aksleddogtours.com

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9 Temperaturen bis minus 50 Grad, Windspitzen bis 145 km/h: Dallas Seaveys Hunde benötigen während der gut 1850 Kilometer des IditarodRennens 900 Kilogramm Futter.


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TEXT: ULRICH CORAZZA. BILD: MICHAEL DeYOUNG

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MountainbikeDownhill: Die rund vier Minuten dauernden Runs beanspruchen die gesamte Muskulatur und fordern unbedingte Konzentration.

TRAINIEREN WIE DIE PROFIS

Grenzbereich

RACHEL ATHERTON. Die 25-jährige amtierende Gesamtsiegerin im UCI-Mountainbike-Downhill-Weltcup steht auf hartes Training, harte Muskeln und volle Teller.

Ohne straffe Trainingsroutine könnte sich Rachel Atherton nicht an der MTB-Weltspitze halten. „Downhill ist ein kurzer, intensiver Sport“, sagt sie. „Nach 30 Sekunden kommt es unweigerlich, das Brennen in den Muskeln. Durch Training wird der Laktat-Grenzbereich nach oben geschraubt, der Körper kann mehr Milchsäure verarbeiRachel ten. Die schweren Erschütterungen bei den Sprüngen Atherton belasten vor allem Oberkörper, Beine und Rumpf.“ Bei Stürzen mit hohem Tempo bietet eine starke Muskulatur dem Körper mehr Schutz. Daher verbringt Rachel unzählige Stunden in der Kraftkammer … mit einem positiven Nebeneffekt: „Ich darf essen, worauf ich Lust habe“, sagt die Engländerin. „Im Radsport gilt es üblicherweise, leicht zu sein – nicht so beim Downhill. Müsste ich strikt auf mein Gewicht achten, würde ich sofort die Sportart wechseln.“

RACHELS TIPP

Geduld ist eine Tugend

„Nach Verletzungen willst du schnellstmöglich zurück aufs Bike – oft zu schnell. Aber es ist sehr wichtig, dem Körper die Chance auf vollständige Regeneration zu geben. Wie wichtig, das musste ich auf die harte Tour lernen: Eine nicht verheilte erste Schulterverletzung führte zur zweiten – die kostete mich fast die komplette Saison 2011. 2012 habe ich auf den Saisonstart in Südafrika verzichtet, um einen weiteren Monat zur Genesung zu gewinnen. Den Gesamtweltcup habe ich trotzdem gewonnen – mit einem Rennen weniger, aber intakter Schulter.“

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WORKOUT Das Training in der wettkampffreien Saison absolviert Rachel mit ihren Brüdern Gee und Dan in Wales’ ländlichem Norden und der Kraftkammer. So sieht eine Woche zwischen Jänner und März aus. MONTAG UND DONNERSTAG 9 Uhr: Fitnesseinheit, Aufwärmen mit einer Schaumstoffrolle 10 Uhr: Zirkeltraining mit 4 Übungen (je eine Minute) und 5 Whg.: • Ausfallschritte mit Medizinball über dem Kopf • Liegestütze auf dem Bosu-Ball • Liegestütze • Klimmzüge 11–14 Uhr: Pause 14–17 Uhr: Gelände-Radeinheit DIENSTAG UND FREITAG Gewichttraining (Kraftkammer) 9 Uhr: Oberkörper (15 Whg. pro Übung): • Schulterdrücken • Flachbankdrücken • Langhantelrudern 10:30 Uhr: Rumpftraining: je eine Minute Front Planks, Side Planks, Russian Twists mit Medizinball 11:30–14 Uhr: Pause 14 Uhr: Fokus Beinmuskulatur: 15 Minuten Aufwärmen, danach 15 Minuten leichtes Training auf der Rudermaschine Einstündiges Workout mit Langhantel oder Squat-Bar-Hantelstange (50–60 kg)

Je 3 Sätze à 15 Whg. Kniebeugen, Ausfallschritte und Kreuzheben 15:30–18 Uhr: Pause Am Abend: Yoga (1–2 Stunden) MITTWOCH UND SAMSTAG 9 Uhr bis früher Abend Downhilltraining oder Mountainbike-Cross-Country-, Dirt-Jumpsowie Motocrosseinheiten SONNTAG Am Vormittag: 1–2 Stunden Yoga

Rumpfstabilisierungs-Übung, gemeinsam mit Bruder Gee

Ein Video von Downhill-Queen Rachel Atherton gibt es auf der gratis Red Bulletin Tablet-App! www.athertonracing.co.uk

TEXT: RUTH MORGAN. BILDER: SVEN MARTIN, YORICK CARROUX/RED BULL CONTENT POOL

WORK OUT


DIEBULLETIN RED ! E G A P FAN

SE I N? H C I L N H Ö W SSERGE LETIN U L A U H B C D U E A R / T S M OOK.CO DU W I L L B E C A .F W W FW EINFACH AU N WERDEN! FA GE H E N U N D


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Nightlife Die Macht der Nacht

ACTION

Adrenalin on Ice NEUAUFLAGE: Am 2. März macht die Red Bull Crashed Ice World Championship zum zweiten Mal (nach 2009) Station im Schweizer Lausanne. STARTSCHUSS: Ab 19 Uhr stürzen sich die IceCross-Downhill-Cracks die 440 Meter lange, mit Kickern, Float Jumps und Step-ups gespickte, durch tausend 500-Watt-Spots hell erleuchtete Rennstrecke hinunter. Der Eintritt ist frei. FAVORITEN: Weltmeister Kyle Croxall (CAN) gewann den Saisonauftakt bei den Niagarafällen. Das Schweizer Publikum sollte besonders auf Kilian Braun (Dritter beim ersten Bewerb) achten.

OUT NOW

Der „Atomic Underdog“ Jamie Lidell macht Funk fürs 21. Jahrhundert. Der Musiker spricht über Nashville und Amy Winehouse. Mit dem Meisterwerk „Multiply“ (2005) brachte er Soul-Musik zurück in ein breiteres Pop-Bewusstsein – und ebnete den Weg für Amy Winehouse und Co. Doch als das Soul-Revival einsetzte, war Jamie Lidell längst weitergezogen. Auf der Welle mitreiten? Dafür ist der 39-jährige Brite zu sehr Querdenker. Auf seinem neuen Album erforscht er elektronische Klangwelten und entwirft Funk fürs 21. Jahrhundert. Würde Prince auch heute noch geniale Platten produzieren, sie klängen vermutlich so wie Jamie Lidells neue. Red Bulletin: Du hast das Album in der Country-Welthauptstadt Nashville aufgenommen. Wieso ist es dennoch so elektronisch ausgefallen?

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Jamie Lidell: Meine Wohnung davor in New York war zu klein. In Nashville hab ich ein großes Studio, endlich konnte ich alle meine Synthesizer einsetzen. Wie siehst du das große Soul-Revival im Rückblick? Als ich meinem Label das Album „Multiply“ vorspielte, schüttelte man dort zunächst den Kopf: eine Soul-Platte? Das war damals nicht angesagt. Allerdings waren da auch elektronischere Stücke drauf. Amy Winehouse zog dieses Motown-Ding dann voll durch. Ich wollte eher der abstrakte Soul-Typ sein. Welche Musik inspiriert dich? In Nashville verbringt man viel Zeit im Auto und hört Radio. Es gibt dort einen großartigen Funk-Sender. Dessen Hymne ist „Atomic Dog“ von George Clinton. Der Song läuft einmal am Tag, ich liebe ihn und nenne mich seitdem selbst spaßeshalber „Atomic Underdog“.

„Jamie Lidell“ (Warp) erscheint am 18. Februar; Hörproben und Tourdaten auf: www.jamielidell.com

NIGHT QUOTE

”… ist die Nacht das halbe Leben, Und die schönste Hälfte zwar. “ Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)


COCKTAIL

Umhlanga Sling Kelly John Bauwer ist der Star hinter der Bar des luxuriösen Oyster Box Hotels in Südafrikas Küstenstadt Umhlanga (sprich: „Umschlanga“), von ihm stammt der Umhlanga Sling, ein frisch-fruchtiger Mix aus Zuckerrohrschnaps, Mango- und Ananassaft und einem Hauch Minze. Der Name des Cocktails ist ein Gruß an die 9000 Kilometer entfernte – im Design der Oyster Box allerdings deutlich nähere – Bar des Raffles Hotels in Singapur, dessen Singapore Sling Weltruhm erlangt hat.

CLUB DES MONATS

ZUTATEN 1 Teil Cachaça (bras. Zuckerrohrschnaps) 1 Teil Mangosaft 1 Teil Ananassaft Minzblätter Eis

ZUBEREITUNG Sämtliche Zutaten im Shaker gut schütteln und ins Cocktailglas gießen. Glas mit Ananasscheibe garnieren.

BILDER: PICTUREDESK.COM, JOERG MITTER/RED BULL CONTENT POOL, GREEN VALLEY (4), FOTOSTUDIO EISENHUT & MAYER

GREEN VALLEY Rua Mamoré 1083, Rio Pequeno Camboriú, São Paulo, Brasilien www.greenvalley.art.br

CLUB

„DJs schießen mit Nebelkanonen“ Green Valley. Superstar-DJs wie Erick Morillo und Steve Angello sind sich einig: Der beste Club der Welt befindet sich im brasilianischen Regenwald. Der Name bezieht sich auf … … unseren Standort. Der Club befindet sich in einem kleinen Tal, umgeben von Seen, mitten im Regenwald. Obendrein gibt’s kaum Mauern – die Partys finden im Freien statt. Im Green Valley feiern wir die Harmonie von Technik und Natur.

Rein passen … … bis zu 10.000 Leute. Diesen Rekordansturm erlebten wir bei David Guettas Show. Die besten Partys gibt’s … … im Februar während des Karnevals. Da wird fünf Tage lang durchgefeiert. Sonst geht’s von 23 bis 7 Uhr früh. Richtig ab geht es, wenn … … die vier Feuermaschinen auf Kommando des DJs riesige Flammen in die Luft jagen. Außerdem kriegt der DJ selbst eine Nebelkanone, mit der er das Publikum aufheizen kann. Das schönste Kompliment … … erhalten wir regelmäßig von DJs wie Erick Morillo und Steve Angello. Die befinden einhellig: „Das Green Valley ist der beste Club der Welt.“ Ausruhen kann man sich … … in unserer hauseigenen Pizzeria. Dort gibt’s eine Lounge mit Sofas und Blick auf unseren See. Ein Taxi ins Stadtzentrum kostet … … zirka 30 brasilianische Real (etwa 11 Euro). Die meisten Gäste kommen aber mit dem Auto. Interview: Eduardo Philipps, Besitzer

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YELLOW SUBMARINE (1966) Oberflächlich betrachtet wirkt der Song sehr simpel, wie ein Kinderlied, mit seiner eingängigen Melodie und dem Text über einen Seefahrer. Hört man aber genauer hin, tut sich im Hintergrund eine zweite Erzählebene auf: Wir hören Wellen aufschlagen, U-Boot-Klänge und eine Blaskapelle. Für mich ist der Song ein akustisches Gegenstück zu den Barock-Bildern eines Jan Vermeer: Es gibt ein Kunstwerk im Kunstwerk.

TAKE 3

„Ohne Beatles keine Kra werk“ Karl Bartos programmierte 15 Jahre lang die Beats für Kra werk und schrieb damit Musikgeschichte. Tatsächlich verdankt der Elektronik-Veteran viele seiner Ideen Beatles-Songs, wie er uns verrät. 15 Jahre lang war er Mitglied der wichtigsten Elektronik-Band der Musikgeschichte. Als Kraftwerk Ende der 1970er Jahre die Popwelt mit ihren futuristischen Songs umkrempelten, als vier Düsseldorfer sich in MenschMaschinen verwandelten, war Karl Bartos der Mann, der die Rhythmen für Hits wie „Das Model“ oder „Computerliebe“ programmierte. 1990 stieg er allerdings aus – weil ihm die Arbeit mit den Kraftwerk-Köpfen Florian Schneider und Ralf Hütter zu langsam voranging. Seitdem ist der klassisch ausgebildete Percussionist als Solokünstler zugange und unterrichtet als Professor für Auditive Mediengestaltung an der Berliner Universität der Künste. Auf seinem neuen Album „Off the Record“ wirft der Sechzigjährige erneut seine Drum-Computer und Synthesizer an und kreiert ein phänomenales Stück elektronischer Popmusik. Inspiration schöpft er seit seiner Kindheit bei den Königen der Popmusik: den Beatles. Er war zwölf Jahre alt, als er „A Hard Day’s Night“ zum ersten Mal hörte (1964) – und er war hin und weg. „Ohne diese Jungs aus Liverpool, ohne ihre Visionen und Melodien hätte es Kraftwerks ‚Electro Sound‘ vermutlich nie gegeben.“

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TOMORROW NEVER KNOWS (1966) Mit seinem Tempo von 128 Beats pro Minute nimmt der Song elektronische Tanzmusik quasi vorweg. Ringo Starr spielt einen maschinenartigen Beat, John Lennon singt mit eigenartigem Stimmeffekt gegen eine verwaschene Klangwolke an und zitiert aus Timothy Learys Drogen-Bibel „The Psychedelic Experience“. Der Song wirkte damals so außerirdisch wie eine UFO-Landung.

BEING FOR THE BENEFIT OF MR. KITE! (1967) Der Song versetzt dich in eine Zirkusmanege. Die Beatles verwenden Musikskalen und Versmaße aus der viktorianischen Ära. Außerdem schufen sie ein Prozedere, dessen wir uns später auch mit Kraftwerk bedienten: Sie nahmen etliche alte Dampforgeln auf, zerschnitten die Bänder und klebten sie anders zusammen. Dadurch entstehen ganz neue Klänge und Tonfolgen.

NIGHTSNACK

Kapstadt: Gatsby Wer ist eigentlich schuld an Südafrikas gigantischem StreetFood-Sandwich? Robert Redfords Mütze? Oder der gesunde Appetit der Einwohner von Kapstadt? WAS MUSS EIN GATSBY KÖNNEN? Nun ja, erst einmal satt machen. Mit dieser Anforderung hat so ein Gatsby auch überhaupt keine Probleme. Es handelt sich um ein riesiges Sandwich, das mit vielerlei gefüllt werden kann. Der Laib wird aufgeschnitten und mit Salatblättern ausgelegt. Dann kommen verschiedene Füllungen hinein: MasalaSteak, Huhn, polnische Wurst, Frankfurter, Fisch oder auch Kalamari. Aber damit das alles auch Gatsby genannt werden darf, müssen auch jede Menge „French Fries“ dazu – und Saucen wie Thousand-Island-Dressing oder Atchar, eine aus Indien stammende chutneyähnliche Sauce mit sauer eingelegten Früchten wie Mangos.


BILDER: KATJA RUGE, PRESS (3), FOTOSTUDIO EISENHUT & MAYER

DIE VERMUTLICH WAHRE GESCHICHTE DES GATSBY … Über die Erfindung des Gatsby kursieren mehrere Versionen. Die unspektakuläre lautet: Man nahm einfach, was im Kühlschrank noch zu finden war, und stopfte es zwischen zwei Brothälften.

… UND DIE MÖGLICHERWEISE NUR GUT ERFUNDENEN: DIE MIT DEM MAORI-HÄUPTLING … Die aberwitzige nennt einen MaoriStammeshäuptling als Urheber. Der soll in Neuseeland einem Franzosen einfach sein Baguette abgenommen und halbiert haben. Dann steckte er eine polnische Wurst hinein, klappte das Brot zu und biss hinein. Jahre später soll besagter Häuptling die Methode bei einem Rugby-Auswärtsspiel in Südafrika demonstriert haben. Und den Bewohnern von Kapstadt gefiel’s offenbar.

… UND DANN NOCH DIE MIT ROBERT REDFORD Die dritte Entstehungslegende liest sich so: Rashaad Pandy, dem Betreiber eines Fish-’n’-ChipsLadens, soll eines Tages im Jahr 1976 der Fisch ausgegangen sein, worauf er den hungrigen Arbeitern in seinem Shop ein Sandwich hinstellte mit allem, was Pandy noch gefunden hatte. Der erste Gatsby war im Übrigen ein runder Laib – so rund wie die berühmte Schiebermütze von Robert Redford, dessen Film „Der große Gatsby“ gerade in einem benachbarten Kino lief.

WO GIBT ES DIE BESTEN GATSBYS? Darüber lässt sich in Kapstadt vortre≠lich streiten. In den meisten Rankings liegt Ottery Farmstall vorne, ein Laden im Südosten der Stadt. Manche sehen Golden Dish in Front, andere wieder bevorzugen Athlone Fisheries. Der Shop des angeblichen Erfinders Rashaad Pandy schafft es in den Ranglisten bestenfalls auf den dritten Platz. FULL SIZE, FULL PRICE Ein Gatsby kann eine ganze Familie ernähren, in Zeiten bewussterer Ernährung werden deshalb auch die Versionen Half Gatsby oder Quarter Gatsby zunehmend populär. Manche Imbissbuden bitten auch Minis an. Generell kann man bei Gatsbys von einer Preisspanne zwischen 3,50 Euro für einen Mini und 8,50 Euro für eine volle Ladung ausgehen.

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Top Events

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Februar 2013

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Sport 20. 2. – 3. 3., VAL DI FIEMME, ITALIEN

Nordische SkiWeltmeisterschaft Das italienische Fleimstal empfängt Skispringer, Langläufer und Nordische Kombinierer zur 49. Nordischen Ski-WM. Vergeben werden 21 EdelmetallSets, bei der WM 2011 in Oslo geschah das in Länderschwerpunkten: Norwegen beherrschte den Langlauf – Petter Northug holte dreimal Gold und zweimal Silber, Marit Björgen gar vier Goldmedaillen und eine silberne. Im Skisprung blieb Gold Österreich vorbehalten: Gregor Schlierenzauer (Großschanze), Thomas Morgenstern (Normalschanze) sowie die beiden HerrenTeams siegten ebenso wie Daniela Iraschko (Damen).

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2. – 13. 3., GOLD COAST, AUSTRALIEN

ASP World Tour

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Die neue Saison der Profi-Surfer startet vor der australischen Gold Coast (Bundesstaat Queensland) – einem der meistfrequentierten Surfspots der Welt. Durch Sandablagerungen entstand bei Snapper Rocks eine „Superbank“, die den Profis bei perfekten äußeren Verhältnissen schwierige Bedingungen sowie extrem lange Wellen bieten kann. Die Begeisterung in „Down Under“ wird grenzenlos sein, wenn sich die Lokalmatadore Stephanie Gilmore (konnte an der Gold Coast bereits viermal gewinnen) und Joel Parkinson als amtierende Weltmeister beim Roxy Pro bzw. Quiksilver Pro in die Wellen werfen.

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2 Petter Northug lief 2011 allen davon.

Stephanie Gilmore und die Wellen der Gold Coast

2. – 19. 3., FUKUOKA & TOKYO (JAP), SAN JUAN (PUR), PHOENIX, MIAMI & SAN FRANCISCO (USA), TAICHUNG (TWN)

3. – 10. 3., CHILE

Atacama Crossing

Das zum dritten Mal ausgetragene World Baseball Classic ist das erste Turnier, das im Gegensatz zur Baseball-WM auch Profis der Major League Baseball zulässt. Erst treten die besten 16 Teams in vier Gruppen im „Round Robin“-(„Jeder gegen jeden“-)System gegeneinander an. Nach Turnierrunde zwei geht es für die vier qualifizierten Topteams um ein Ticket fürs Finale am 19. März in San Franciscos AT&T Park. Die USA möchten endlich – erstmals! – das Endspiel erreichen und den zweifachen Champion Japan stürzen.

Der 250 Kilometer lange Wüstenlauf ist Teil der berühmt-berüchtigten Ultramarathon-Rennserie „4 Deserts“. Rund 200 Teilnehmer werden sich durch die trockenste Wüste der Welt quälen. So fallen in der Atacama im Schnitt 0,5 Millimeter Regen … im Jahr. Das ist ein Fünfzigstel der Regenmenge des Death Valley in Kalifornien. Die gewaltigen Temperaturunterschiede zwischen Tag (40 °C) und Nacht (5 °C) sowie die Höhenlage (bis zu 3000 Meter) kommen erschwerend hinzu. Im Vorjahr stellte der Spanier Vicente García Beneito mit 23 Stunden, 46 Minuten für die sechs Etappen einen neuen Streckenrekord auf.

World Baseball Classic

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Gewinnt Japan auch das 3. World Baseball Classic?


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16. 2 ., OKAYAMA, JAPAN

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Hadaka Matsuri

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9000 halbnackte Männer laufen bei Minusgraden durch die Straßen der Stadt Okayama auf Japans Hauptinsel Honshu. Was für Kenner auf den ersten Blick wie ein Projekt des Fotokünstlers Spencer Tunick anmuten mag, ist in Wahrheit ein japanisches Ritual, das seit gut 1200 Jahren zelebriert und mittlerweile von zehntausenden Menschen aus aller Welt besucht wird. Der Hintergrund: Der Shin-Otoko, das spirituelle Oberhaupt des Fests, spricht die nackten Männer bei der Zeremonie von schlechten Taten frei.

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12. 2., NEW ORLEANS, USA

Mardi Gras

Seit 1857 feiert man in New Orleans den „Fetten Dienstag“, das bunteste und lauteste Faschingsfest der Vereinigten Staaten. Eine Million Menschen tummeln sich alljährlich in den Tagen vor dem Aschermittwoch im French Quarter, Blaskapellen und bunt geschmückte Wagen ziehen durch die Straßen, Grillgeruch liegt in der Luft. Eine lustige Eigenart in New Orleans: Bei der Parade werden zur Freude der Schaulustigen tausende Glasperlenketten von den paradierenden Wagen geworfen.

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5. – 10. 3., VOSS, NORWEGEN

FIS Freestyle-SkiingWeltmeisterschaft

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100 Kilometer östlich von Bergen finden die ersten Freestyle-Weltmeisterschaften auf (und über) norwegischem Boden statt. Sechs Disziplinen stehen bei der 15. Auflage auf dem Programm: Aerials, Moguls und Dual Moguls (Buckelpiste), Skicross, Halfpipe sowie Slopestyle. 2011 sorgten Jennifer Heil, Alexandre Bilodeau und Co in Deer Valley, US-Staat Utah, für kanadische Festspiele: Die „Ahornblätter“ gewannen nicht weniger als acht von zwölf Goldmedaillen und holten 44 Prozent der möglichen Podestplätze.

BILDER: GETTY IMAGES (3), TODD GLASER, PICTUREDESK.COM, ICE ALASKA KAREN H. CLAUTICE

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Berlinale

Die Berlinale ist das größte Publikums-Filmfestival der Welt: 430.000 Besucher fluten während der elf Tage die Kinosäle, an die 400 Streifen werden gezeigt. Bei der 63. Ausgabe übernimmt der (Hongkong-)chinesische Regisseur Wong Kar-Wai („In the Mood for Love“) das Amt des Jury-Präsidenten. Er ist derjenige, der am Ende auch den Gewinner des Goldenen Bären verkündet. Den Preis fürs Lebenswerk erhält in diesem Jahr der französische Regisseur Claude Lanzmann, dessen wichtigstes Werk die neuneinhalbstündige Holocaust-Dokumentation „Shoah“ ist.

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26. 2 . – 31. 3., FAIRBANKS, ALASKA, USA

World Ice Art Championships Die Kettensäge als künstlerisches Werkzeug: Das weltgrößte Eiskunst-Festival versammelt alljährlich die besten Eis-Skulpteure aus 30 Ländern, um Eis in Kunstwerke zu verwandeln. Beim „Single Block Classic“-Wettbewerb erhalten die Teams je einen 40-Tonnen-Eisblock, aus dem sie binnen zwei Tagen gigantische Plastiken herausschneiden. Verschnörkelte Fabelwesen, feingliedrige Eispaläste und imposante Statuen locken 50.000 gegen die Kälte dick eingemummte Besucher ins temporäre Freiluftmuseum.

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Kultur 7. – 17. 2., BERLIN, DEUTSCHLAND

Fast nackt in Okayama

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Jury-Präsident der 63. Berlinale: Wong Kar-Wai 15./16. 2 ., REYKJAVÍK, ISLAND

Sónar Reykjavík Keine Stadt hat mehr Theater pro Einwohner, keine Stadt vergleichbarer Größe hat mehr erfolgreiche Musiker hervorgebracht – von Björk bis Sigur Rós. Reykjavík ist gewissermaßen Europas geheime Kreativ-Metropole. Höchste Zeit also, dass das Team vom katalanischen Elektronik-Festival Sónar ein Auswärtsspiel im hohen Norden organisiert. Dabei treten internationale Größen wie James Blake, Squarepusher und Modeselektor neben isländischen Künstlern wie GusGus, Ólafur Arnalds und Retro Stefson auf.

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Kunstwerke, mit Kettensägen aus Eis geschnitten

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Save the Date Februar 2013 7. – 13. FEBRUAR, HOCHFÜGEN

Big Mountain

Die besten vier Freerider des für Hobbyathleten offenen Big Mountain Open qualifizieren sich für den Big Mountain Hochfügen, Österreichs einzigen 4-Stern-Freeride-World-Qualifier-Contest. Es geht um Weltcuppunkte und World-Tour-Startplätze.

Bene Mayr fliegt förmlich über die Dächer von Bad Gastein.

9. FEBRUAR, WÖRGL

Goldi-Talente-Cup Findet Andi Goldberger einen legitimen Nachfolger von Gregor Schlierenzauer? Nach landesweit fünf Tourstopps dürfen die talentiertesten Kinder zwischen sechs und zehn Jahren nun ihr Können beim Finale in Wörgl unter Beweis stellen. 13. – 15. FEBRUAR, SAALBACH/HINTERGLEMM

Ästhetiker Winter Mäsh

Der Mäsh vereint bei seiner Premiere drei Tage Snowboard-Action, Musik und Kunst von Street Art bis Graffiti. The Ruff Pack feat. Holunder werden den Red Bull Brandwagen rocken, Rob Birch, Kopf der weltbekannten Stereo MCs, verspricht „eine ultimative Show. Tanzschuhe sind unerlässlich!“

23. FEBRUAR, BAD GASTEIN

Red Bull Playstreets Nach einem Jahr Pause kehrt das Freeski-Spektakel zurück und verwandelt das beschauliche Bad Gastein in den urbansten (Winter-)Spielplatz des Landes. „Ich finde es imposant, dass ein Ort so hinter einer Sache steht und uns dies ermöglicht“, freut sich der amtierende Champion Elias Ambühl auf eine mögliche Titelverteidigung beim einzigartigen Event, in dem es der 20-jährige Schweizer mit einem erlesenen Teilnehmerfeld zu tun bekommt. 2009-Sieger Russ Henshaw (AUS), Paddy Graham (GBR), Nick Goepper (USA), Bene Mayr (GER) und Lokalmatador Tobias Tritscher haben ihr Antreten angekündigt und werden sich bei der fünften Auflage hautnah am Publikum durch enge, verschneite Straßen und über Hausdächer, Slides und imposante Kicker tricksen. Dem Sieger winkt neben einer neuen Suzuki-Motocrossmaschine ein Stern auf dem Walk of Fame mitten in Bad Gastein. Live auf: www.redbullplaystreets.com & ServusTV, 23. Februar, 22:30 Uhr

27. FEBRUAR – 3. MÄRZ, ZELL AM SEE

2014 wird der Slopestyle-Bewerb erstmals Teil des Olympiaprogramms sein. Die o≠izielle österreichische Meisterschaft am Kitzsteinhorn ist daher für die heimischen Hoffnungen die beste Gelegenheit, um sich auf den Salzburger Obstacles und Rails für Sotschi zu empfehlen.

6. FEBRUAR, BURGTHEATER, WIEN

Tocotronic

7. 2., PALAIS AUERSPERG, WIEN

Rosenball

Mit dem Opernball, der am selben Abend stattfindet, hat der Rosenball nicht viel gemein. Höchstens die Eröffnungspolonaise. Denn im Palais Auersperg tanzt das schrille, schräge Wien zu HouseBeats von DJ Karotte – und zur Freude von Ballmutter Miss Candy.

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Miss Candy

Vor zwanzig Jahren brachen drei junge Hamburger auf, um deutschsprachige Rockmusik vom Mief vergangener Tage zu befreien. Um zu zeigen: Deutsche Texte müssen nicht peinlich sein. Und das ist der Band um Sänger Dirk von Lowtzow gelungen: Tocotronic gelten heute als eine der wichtigsten Bands der Bundesrepublik. Mit lärmigen Indie-Rock-Hymnen und cleveren Texten mit Slogan-Potential à la „Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“ oder „Pure Vernunft darf niemals siegen“. Das neue, mittlerweile

Tocotronic präsentieren ihr zehntes Album.

zehnte Album der Band, „Wie wir leben wollen“, wird vom Feuilleton als bestes Tocotronic-Album gefeiert – und in wahrhaft würdigem Rahmen präsentiert: dem Wiener Burgtheater. www.tocotronic.de

BILDER: FLO HAGENA/RED BULL CONTENT POOL, GETTY IMAGES, PICTUREDESK.COM

Austrian Freeski Open


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Red Bull Crashed Ice live Die Helden auf Kufen machen Halt im niederländischen Landgraaf. Besonderheit: Erstmals wird der Bewerb indoor – in einer Skihalle – ausgetragen.

Das Geheimnis unseres Waldes Unser Wald ist seit Urzeiten ein Ort der Mythen und Geheimnisse. Er bietet Schutz und Erholung und ist Heimat unzähliger Tierarten. Einst durch Raubbau ernsthaft gefährdet, bedeckt er heute wieder mehr als ein Drittel Österreichs, der Schweiz und Deutschlands. Die Dokumentation nimmt Sie mit auf einen Streifzug durch diesen so wichtigen Lebensraum von Mensch und Tier. Teil 2: Mittwoch, 27. Februar, 21.15 Uhr.

SAMSTAG, 16. FEBRUAR, 10.30 UHR

Red Bull Circle of Balance Das Epizentrum der internationalen FlatlandBMX-Szene liegt dieses Mal im japanischen Kyoto, wo die weltbesten Rider ihren Champ krönen.

SAMSTAG, 23. FEBRUAR, 10.30 UHR

City State Breakers SAMSTAG, 16. FEBRUAR, 11.00 UHR

Freeride World Tour 2013 Das ist Freestyle vom Allerfeinsten: Die besten Skiund Snowboard-Freerider kämpfen bei der größten Tour ihrer Sportart um den Saison-Gesamtsieg.

So sind Sie im Bild 96

Die einstige britische Kronkolonie (bis 1963) Singapur ist ein beliebtes Reiseziel und zugleich eine der aufstrebendsten Wirtschaftsmächte Asiens. Felix Huang gilt hier als Pionier der Breakdance-Szene und genießt weltweit hohes Ansehen. Im eigenen Land hat er aber immer noch gegen Vorurteile und gesellschaftliche Widerstände zu kämpfen. Wir begleiten ihn auf seinem Weg als Botschafter des B-Boying. Sie finden ServusTV mit dem Red Bull TV-Fenster nicht auf Ihrem Fernsehgerät? Rat und Hilfe zum Nulltarif unter

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BILDER: RALPH BAETSCHMANN, MARK TEO/RED BULL CONTENT POOL, SCOTT SERFAS/RED BULL CONTENT POOL, RUTGER PAUW/RED BULL CONTENT POOL, CHRISTIAN PONDELLA/RED BULL CONTENT POOL

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MUST-HAVES! SPACE DIVE – THE RED BULL STRATOS STORY Sonntag, 14. 10. 2012 – Felix Baumgartner fliegt mit seinem Stratosphärenballon auf 39.045 Meter Höhe, dann springt er. Er beweist, dass es möglich ist, ohne technische Hilfsmittel im freien Fall Schallgeschwindigkeit zu erreichen und dies zu überleben. Er erreicht 1342 km/h und bricht Rekorde, die mehr als 50 Jahre lang unantastbar waren. Die Welt ist live dabei – das ist die Geschichte hinter Red Bull Stratos. Die DVD zur Mission Red Bull Stratos ist ab sofort erhältlich. 1

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I

ch habe keine Ahnung. So weiß ich zum Beispiel nicht, wie ich diese Kolumne beginnen soll, so dass Sie atemlos weiterlesen. Ich habe daher zwei Einstiege entworfen, die Sie an mein Thema heranführen sollen. Es geht um das Phänomen, dass wir von vielen Dingen keine Ahnung haben – und was wir dagegen tun können. Anfang 1: Ich habe keine Ahnung. Anfang 2: Vor einiger Zeit habe ich mit einem Männerarzt gesprochen. Er erzählte, zu ihm kämen ausschließlich gesunde und kraftstrotzende Männer. Wenn er sie fragt, was sie denn von ihm wollten, dann wüssten sie es nicht. Aber weil sie schon mal da seien, sagen sie dann, könne er ja die kleine Erkältung behandeln, die sie sich beim Heli-Skiing geholt hätten. Wenn alles vorbei sei, die Jungs also auf dem Weg zur Sprechstundenhilfe, um sich ihr Pflaster zu holen – dann drehten sie sich noch einmal um und nuschelten gegen die Wand, sie bekämen keinen mehr hoch. Riesenproblem! Keine Ahnung, warum die Jungs so seltsam sind, sagte der Doc abschließend. Und ging seiner Wege. Womit wir beim Thema wären. Griechenland und die gigantische Wolke der Ahnungslosigkeit, die unsere immer komplexer werdende Welt umwabert. Wer jetzt sagt, die Zeitungen und das Internet seien voller Erklärungen, ich müsse nur nachschauen, der hat leider überhaupt keine Ahnung. Denn ebendiese ungeheuren Informationsmengen sind ja das Problem. Früher unterschied man nämlich zwei Arten von Weltwissen: vernünftiges und wirres. Auf ersteres bezogen sich alle, die Bescheid wissen und ein wenig debattieren wollten, auf zweiteres diejenigen, die behaupteten, sie seien von Aliens entführt und mit der Mission zurückgeschickt worden, einen Impotenz-Kult zu gründen.

Ankowitschs Kolumne belebt Körper und Geist

Geld stinkt doch! Wie freigebig wir sind, hängt von unserem großen Herzen ebenso ab wie vom Zustand unserer Banknoten. Heute ist das anders. Heute gibt es für jede noch so absurde These einen Fachmann, der sie bestätigt. Sie müssen nur ein paar Begriffe in Google hineinassoziieren, und schon wird eine Untersuchung ausgespuckt, die alles lückenlos beweist: dass die Griechen an ihrem Desaster selber schuld sind (zu faul, zu viel Ouzo, Trojanischer Krieg); dass es nur an der EU liegt (total verfehlte Subventionspolitik); dass wir die viele Finanzhilfe genauso gut in eine Felsspalte in den Hohen Tauern

kippen könnten; dass die vielen Kredite unsere einzige Chance sind, weil sonst Silvio Berlusconi auch noch Papst wird, der erste mit einem Haartransplantat, aber das nur nebenbei. Hier nun die Rettung. Gegen Ahnungslosigkeit hilft nur, an die Wurzeln der Probleme zu gehen. Von vorne anzufangen. Uns also anzusehen, welche Beziehung wir Menschen zum Geld haben. Und siehe, da ist sie schon, die alles erhellende Studie: Fabrizio Di Muro und Theodore J. Noseworthy, zwei kanadische Professoren, haben herausgefunden, dass es am Zustand der Geldscheine liegt, ob wir sie leichtfertig ausgeben oder nicht. So würden wir stark gebrauchte, schmutzige Scheine möglichst schnell loszuwerden versuchen, weil uns vor ihnen ekelt; neue Scheine hingegen rückten wir nur zögerlich heraus. Wenn wir uns beobachtet wissen, sei das genau umgekehrt: Dann würden wir uns im Glanz frisch gedruckter Scheine sonnen und sie gerne unter die Menschen bringen. Womit wir der Lösung der Euro-Krise einen Schritt näher gekommen wären: Sollen die Griechen Geld ausgeben (zur Konjunkturbelebung), dann dürfen die Banken nur noch funkelnagelneue Euroscheine aushändigen; gleichzeitig müssen alle verfügbaren TV-Teams nach Südosteuropa beordert werden, damit sie die Griechen beim Geldausgeben filmen. Soll der Grieche sparen, einfach TV-Teams abziehen. Geschafft! Sollten sich auf dem Weg zur Sanierung weitere Fragen ergeben: Wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an den nächstbesten Experten. Er wird Ihnen bestätigen, was Sie auch nicht wissen. Christian Ankowitsch, 53, ist ein österreichischer Journalist, Schriftsteller und Lebenshelfer. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838: Herausgeber und Verleger Red Bull Media House GmbH Chefredaktion Robert Sperl General Manager Wolfgang Winter Verlagsleitung Franz Renkin Creative Director Erik Turek Art Director Kasimir Reimann Fotodirektion Fritz Schuster Chefin vom Dienst Marion Wildmann Redaktion Alexander Macheck (Stv. Chefredakteur), Werner Jessner (Leitender Redakteur), Ulrich Corazza, Florian Obkircher, Arkadiusz Pia˛tek, Andreas Rottenschlager Mitarbeiter Stefan Wagner Grafik Martina de Carvalho-Hutter, Silvia Druml, Miles English, Kevin Goll, Carita Najewitz, Esther Straganz Fotoredaktion Ellen Haas, Catherine Shaw, Rudi Übelhör Senior Illustrator Dietmar Kainrath Autor Christian Ankowitsch Illustratoren Albert Exergian, Mandy Fischer Corporate Publishing Boro Petric (Ltg.); Christoph Rietner (CR); Dominik Uhl (AD); Markus Kucˇera (FD); Lisa Blazek (Red.); Christian Graf-Simpson, Daniel Kudernatsch (App) Lektorat Hans Fleißner Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Karsten Lehmann, Josef Mühlbacher Herstellung Michael Bergmeister Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter Sádaba Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg Finanzen Siegmar Hofstetter, Simone Mihalits Marketing & Country Management Barbara Kaiser (Ltg.), Stefan Ebner, Nicole Glaser, Johanna Jenewein, Klaus Pleninger, Elisabeth Salcher, Lukas Scharmbacher, Peter Schiffer, Julia Schweikhardt, Sara Varming Anzeigenverkauf Alfred Vrej Minassian (Ltg.), Thomas Hutterer, Romana Müller, Martin Olesch; anzeigen@ at.redbulletin.com Anzeigendisposition Sabrina Schneider O∞ce Management Manuela Geßlbauer, Anna Jankovic IT Michael Thaler Firmensitz Red Bull Media House GmbH, Oberst-LepperdingerStraße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 9022128809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com Web www.redbulletin.com Erscheinungsweise Das Red Bulletin erscheint monatlich als Eigenbeilage von und in Kooperation mit folgenden Partnerzeitungen – in Österreich: Kleine Zeitung, Kurier, Die Presse, Salzburger Nachrichten, Der Standard, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten. Deutschland: Leipziger Volkszeitung und Vertrieb an Hochschulen (CAMPUSdirekt Deutschland GmbH). Irland: The Irish Times. Frankreich: L’Équipe. Großbritannien, Neuseeland, Nordirland, Schweiz und Südafrika: alternativer Vertrieb. Kuwait: Kuwait Times. Mexiko: Milenio Diario. In den USA: New York Daily News, Chicago Tribune, LA Times, Houston Chronicle. Leserbriefe bitte an leserbriefe@at.redbulletin.com Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz Informationen zum Medieninhaber sind ständig und unmittelbar unter folgender WebAdresse auffindbar: www.redbulletin.at/impressum

DIE NÄCHSTE AUSGABE DES RED BULLETIN ERSCHEINT AM 5. MÄRZ 2013. 98

ILLUSTRATION: ALBERT EXERGIAN

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Cold Smoke Awards: Best Overall Film & Best Cinematography

Filmfestival Thunersee: Best Documentary

Byron Bay International Film Festival: Best Documentary Award

Internationales Bergund Abenteuerfilmfestival Graz: Kamera Alpin in Gold Award

Anchorage International Film Festival: Special Performance

Newport Beach Film Festival: Audience Award Winner Action Sports Feature

Whistler Film Festival: Best Mountain Culture Film

IF ALL GOES WELL YOU ARE A HERO. IF IT GOES WRONG YOU ARE DEAD.

AVAILABLE NOW COLLECTORS EDITION

includes DVD, Blu Ray, and Digital Download

and on iTUNES

PLANETWATCH GMBH & CO KEG PRESENTS “MOUNT ST. ELIAS” CO-STARRING PAUL CLAUS STEVEN SIIG RUEDI HOMBERGER DIRECTOR OF PHOTOGRAPHY GUENTHER GOEBERL CAMERAS GUENTHER GOEBERL PETER THOMPSON MICHAEL KELEM CHRISTOF OEFELEIN JIM SURETTE ROBERT FROST FRANZ RECKENWALD MIKE SINGLE MUSIC ANDREAS FREI LUDWIG HEILE MATT REARDON DOLBY MIX TREMENS FILM-TONSTUDIO ANMATION BERND WARMUTH KARIM SHAFIK MICHAEL SUMPER LOCAL LINE PRODUCER JOHN MARKEL ANDY SALEK BEZI FREINADEMETZ EXECUTIVE STORY COMMISSIONER PHILIPP MANDERLA EXECUTIVE PRODUCER GERALD SALMINA WRITTEN, DIRECTED AND PRODUCED BY GERALD SALMINA

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Whistler Film Festival: Best Mountain Culture Film


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