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The Red Bulletin Februar 2012 - AT

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Alysia Montaño / Franky Zorn / Radka Máchová / Azealia Banks / Elina & Richard Ussher / Nicolas Cage

Das Magazin abseits des Alltäglichen

Februar 2012

Gerard Butler

Ein Schotte erobert Hollywood

Baja

CALIFORNIA Das brutalste Offroad-Rennen der Welt

Anja

huber

Kopfüber durch den Eiskanal

EUR 3,50

iPa jetz d-App dow t grat nloa is den ! Februar 2012

Jetzt geht’s los Red Bull Stratos Felix Baumgartner bricht auf in den Weltraum


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Bullhorn

willkommen! Selbst abseits des alltäglichen stößt man nur selten auf vorhaben, die es sich zur aufgabe gemacht haben, die grenzen des menschlichen Wissens zu verschieben. ein solches wird uns in den kommenden monaten begleiten: Red Bull Stratos, felix baumgartners mission in grenzbereiche physischer, psychischer, mehrdeutig atmosphärischer, auch organi­ satorischer und unterm Strich vor allem handfest wissen­ schaftlicher art. Wir widmen dem gigantischen projekt eine Serie, die wir in dieser ausgabe mit einer 10­Seiten­Strecke und zwei interviews in angemessener ausführlichkeit zünden: Felix Baumgartner öffnet Werner Jessner Nuur Daoud, 22, „Speed Sister“, Seele und Kämpferherz, der wunderbare Joe Kittinger ab Seite 54. (quasi baumgartners vorgän­ ger) berichtet Herbert völker aus einer zeit, in der man behördlicherseits Weltraummissionen mit der anerken­ nenden bemerkung „more guts than brains“ zu genehmigen pflegte. „lord, take care of me now“, ab Seite 10. grenzen zu überwinden ist auch in dimensionen möglich, die weniger mit der naSa zu tun haben: manchmal ge­ Frage von Red Bulletin-Redakteur Werner Jessner (links): „Was siehst du, wenn du an den Tag X nügen ein Helm, ein roter vW golf gti denkst?“ Stratos-Missionar Felix Baumgartners und das – je nach perspektive – richtige Antwort: „Extreme Disziplin und Perfektion.“ oder falsche geschlecht. die tolle geschichte über die palästinensischen Speed Sisters, mit dem Soundtrack der black eyed peas, ab Seite 54. eine prise unalltägliches in ihren alltag zu bringen geht nun etwas einfacher als bisher: auf Facebook finden Sie ab sofort die erste offizielle Red Bulletin-Fanpage www.facebook.com/ redbulletin. Werden Sie fan: das versorgt Sie künftig mit Hinter­ gründen zu den spektakulärsten red bulletin­Storys, verwan­ delt ihre pinnwand in einen zuverlässigen lifestyle­guide und raubt ihnen mit videos, bildern und interviews Red Bulletin-App zuverlässig den atem. jetzt downloaden!

coverbild: Sven Hoffmann/red bull StratoS. bild: gian paul lozza

„ Rennfahren oder Sex? Ich bevorzuge Rennfahren.“

gute unterhaltung mit dieser ausgabe! die redaktion

NEU, AUFREGEND, KOSTENLOS: Red Bull Stratos: Der überirdisch gute Trailer der Weltraummission Azealia Banks: Der kommende Rap-Superstar in Action Weltrekord: Der irre SnowmobilSprung von Levi LaVallee

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DIE WELT VON RED BULL

I N H A LT

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IM FEBRUAR

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BODY+ MIND

BILDER: TAZ DARLING, PHILIPP FORSTNER, GRAEME MURRAY, GIAN PAUL LOZZA, RUTGER PAUW/RED BULL CONTENT POOL, DUSTIN SNIPES/RED BULL CONTENT POOL, WIREIMAGE

MORE

EXTRA 10 RED BULL STRATOS Exklusiv: Felix Baumgartner über seinen Stratosphären-Sprung. Plus: Das Porträt des Weltraum-Pioniers Joe Kittinger.

Bullevard 24 KURZMELDUNGEN Filmstars mit Superkräften, Elektro-Pioniere im Kino, Vettels neue Titelmission. 27 ALYSA MONTAÑOS KÖRPER Die New Yorker 800-Meter-Rakete mit der Blume im Haar zeigt Muskeln. 28 HERO: AZEALIA BANKS Sie ist die Stimme des Jahres, sagt Sänger Kanye West. Hier lesen Sie, wieso. 32 IM KOPF VON NICOLAS CAGE Sein Arbeitseifer wird nur von seiner Verehrung für Elvis Presley übertroffen. 34 FORMEL: TIEFSCHNEEFAHREN Der Physiker erklärt die Powder-Formel.

Action 38 DIE SANDFRESSER Harte Jungs im Untergrund: unterwegs mit den Tunnelbauern von New York. 48 EIN MANN FÜR ALLE FÄLLE „Wir Schotten haben für Ego-Scheiß nichts übrig“, sagt Mime Gerard Butler. 54 SPEED SISTERS An der Rennstrecke mit Palästinas schnellsten Rennfahrer-Schwestern. 62 HART, ABER HERZLICH Besuch beim fittesten Ehepaar der Welt. 68 PORTRÄT: ANJA HUBER Die Skeleton-Königin aus dem Eiskanal. 72 DIE WÜSTE BEBT Baja 1000: mit Vollgas durch Mexiko. Standards 08 KAINRATHS KALENDERBLATT 20 FOTOS DES MONATS 98 IMPRESSUM

82 Auf und davon Ein Traum für Tiefschnee-Junkies: Heliskiing in Alaska. 84 Die weltbesten Köche Tim Raue aus Berlin im Hangar-7. 85 Geschmack von Welt Finnischer Krafteintopf. 86 Get the Gear In der Garage des EisspeedwayExtremisten Franky Zorn. 88 Workout So trainiert Kunstfliegerin Radka Máchová von den Flying Bulls. 90 The World’s Best Clubs Das Tamarai in Kairo. 92 Top Spots Wichtige Termine, weltweit. 94 Save the Date Top-Events in Österreich. 96 Volles Programm Das Red Bull TV-Fenster bei ServusTV. 98 Kolumne Lebenshilfe mit Christian Ankowitsch. 7


K a i n r at h s K a l e n d e r b l at t

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Im Jänner 2010 präsentierte BASE-Jumper Felix Baumgartner sein Projekt Red Bull Stratos. Eine Mission an den Rand des Weltraums, die Daten für künftige Raumfahrt-Projekte sammeln und zudem vier Weltrekorde brechen soll. Und eine Mission, deren Komplexität alle Dimensionen sprengt. Nach einer mehrmonatigen Pause hebt Red Bull Stratos jetzt endgültig ab.

BILD: SVEN HoFFMANN

ReD BUll STRAToS


Felix Baumgartner will sich von einem Ballon in bis dato unerreichte 36 Kilometer Höhe bringen lassen. Nie zuvor ist ein Mensch aus dieser Höhe abgesprungen. Nie dauerte ein Fallschirmsprung länger. Und noch nie hat ein Mensch im freien Fall Überschallgeschwindigkeit erreicht – auch das plant Baumgartner. Das wissenschaftliche Projekt Red Bull Stratos folgt den Spuren von „Project Excelsior“, bei dem Colonel Joe Kittinger am 16. August 1960 aus 31 Kilometer Höhe abgesprungen war – und knapp überlebt hatte. Nun ist Kittinger Baumgartners Mentor bei dessen Versuch, in eine lebensfeindliche Welt vorzudringen, in der jeder Fehler tödliche Konsequenzen für ihn haben kann. Red Bull Stratos führt jedoch alle daran Beteiligten an ihre Grenzen – und darüber hinaus. In den letzten beiden Jahren musste das Team mehr Herausforderungen bewältigen, als man gedacht hatte. Kurzzeitig stand das Projekt sogar vor dem völligen Aus. Jetzt hebt Red Bull Stratos tatsächlich ab. Das Red Bulletin wird Felix und sein Team ab sofort Monat für Monat begleiten, bis hin zum Rekordsprung. Folge 1 beginnt mit einem entwaffnend persönlichen Interview mit Felix und dem Porträt des Pioniers Joe Kittinger. 11


Felix Baumgartner Interview 2. JÄNNer 2012 SALZBUrG, ÖSTerreIcH

Felix Baumgartner ungeschminkt: Im Interview spricht er über die Hintergründe der Verzögerung von Red Bull Stratos, psychische Limits und warum er sich trotzdem nie vor dem Scheitern des Projekts gefürchtet hat. Text: Werner Jessner, Bild: Gian Paul Lozza

RED BULLETIN: In der Öffentlichkeit war es fast ein Dreivierteljahr lang still um red Bull Stratos. Was ist in dieser Zeit passiert? FELIX BAUMGARTNER: Lass uns in die Zeit vor dem Projektstopp wegen des Gerichtsverfahrens (im Urheberschaftsprozess einigte man sich schließlich außergerichtlich; Anm.) zurückgehen. Im Dezember 2010 hatten wir den letzten großen Test mit dem Raumanzug, und für mich war klar, dass ich ein Problem hatte, und zwar an einer Stelle, an der ich es nie vermutet hätte: mit meiner Psyche. Ich hatte ein Problem, den Raumanzug anzuziehen, und es wurde immer schlimmer. Ich habe es kaum noch ein paar Minuten darin ausgehalten. Kannst du die Symptome beschreiben? Es hieß immer, der Anzug sollte sein wie eine zweite Haut, aber das wird er nie sein. Du bist in den Bewegungen, in deiner Wahrnehmung eingeschränkt. Sobald das Visier geschlossen ist, herrscht beklemmende Stille und Einsamkeit. Der Anzug bedeutet Gefangenschaft. Wir waren nie auf die Idee gekommen, mich vorab einmal fünf Stunden lang – so lang dauert nämlich die ganze Mission – im Anzug einzusperren, bei geschlossenem Visier. Bei meinem Vorleben, bei all den extremen Dingen, die ich in meiner Karriere gemacht habe, wäre niemand auf die Idee gekommen, dass das bloße Tragen des Raumanzugs die Mission gefährden könnte – mich eingeschlossen. Zum Schluss hat sich das zu panikartigen Zuständen gesteigert. Du übertreibst … Im Gegenteil! Als es zum großen Druckkammertest bei minus 60 Grad und unter realen Bedingungen kommen sollte, wo Druck und Höhe simuliert werden, umringt von Kameras, Air-Force-Personal und Wissenschaftlern, da wusste ich: Ich schaffe das nicht. Ich sah keinen Ausweg mehr. Die vermeintlich großen Hürden wie den Freifall im Druckanzug hatte ich bravourös

BILDER: GIAN PAuL LoZZA, JoERG MITTER/RED BuLL coNTNET PooL, WoLFGANG LuIF, uLRIcH GRILL/RED BuLL coNTENT PooL, FLo HAGENA

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„ES WURDE IMMER SCHLIMMER“


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Einer breiten Öffentlichkeit wurde Felix Baumgartner bekannt, als er sich – als Geschäftsmann verkleidet – am 15. April 1999 in den 88. Stock der Petronas Towers in Kuala Lumpur, Malaysia, schmuggelte und aus 451 Metern absprang – Weltrekord.

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Gut ein halbes Jahr später, am 7. Dezember 1999, enterte er à la James Bond bei Nacht die 38 Meter hohe Jesusstatue von Rio und sprang von deren rechter Hand ab – mit 29 Metern Weltrekord für den niedrigsten BASE-Jump.

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Am 31. Juli 2003 flog Felix als erster Mensch der Welt im Freifall über den Ärmel­ kanal und benutzte dafür einen selbst konstruierten Carbonflügel. Manche dieser Erfahrungen fließen jetzt in Red Bull Stratos ein.

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Ein Ehrenplatz unter Felix’ Projekten gebührt dem 2004er-BASE-Jump in den stockfinsteren und engen „Flaschenhals“ der Mamethöhle in Kroatien: Dieser Sprung gilt bis heute als schwierigster BASE-Jump aller Zeiten.

gelöst, und jetzt scheiterte ich am eigenen Kopf! Statt in die Brooks Air Force Base (bei San Anto­ nio, Texas; Anm.) zum Test zu fahren, bin ich zum Flughafen und Hals über Kopf aus Amerika geflüchtet. Ich habe ins Telefon geweint, es war der schlimmste Moment in meinem Leben. Bisher hatte ich immer gewusst, wie ich mich selbst aus Problemen befreie. Diesmal hatte ich vor den Augen der Öffentlichkeit mein Limit gefunden. Das du offensichtlich nicht akzeptiert hast. Wir haben im Training einiges probiert, weil es den medizinischen Ansatz gab, dass eine höhere Grundkondition auch meine Stressresistenz verbessern würde. Aber bitte schön: Ich habe 20 Jahre lang die extremsten BASE-Jumps gemacht, bin über den ­Ärmelkanal geflogen. Meine Stressresistenz hatte ich auch ohne stundenlange Einheiten am Ergometer bewiesen. Das Problem musste anders geknackt werden. Nämlich? Mit Hilfe von Michael Gervais, einem amerikanischen Psychologen, der mich völlig gestrippt und mir eine Toolbox psychischer Werkzeuge mitgegeben hat, mit der ich die Situation zu bewältigen gelernt habe. Innerhalb von zwei Wochen hat

mich der Mann von 30 Minuten im Anzug bis hin zu „Mir egal, wie lang ich das Ding trage“ gebracht. Das war mein größter Sieg bisher: das Limit gefunden zu haben, das ich während meiner gesamten Karriere gesucht habe. Kein Ärmelkanal, keine Höhle, keine Jesusstatue hatte geschafft, was dieser Anzug hier am Boden geschafft hat. Gemeinsam mit Mike habe ich diese Hürde bewältigt und bin – so abgedroschen der Satz klingen mag – stärker denn je. Wie hat Michael Gervais das gemacht? Mit schwerem Geschütz. Ich musste meinem Sohn – den es nicht gibt – erklären, was Red Bull Stratos für mich bedeutet. Es war hart für mich, aber solange es meinem Ziel dient, mache ich alles. Jedes Mal, wenn ich den Helm getragen habe, musste ich meinen Seelenzustand alle drei Minuten auf einer Skala von 1 – ganz entspannt – bis 10 – Panik – beschreiben. Gleichzeitig habe ich einen Pulsmesser getragen. Das Interessante daran war, dass mein Pulsschlag zwischen den Phasen 3 und 8 völlig konstant geblieben ist. Das zu sehen war sehr wichtig. Als Nächstes haben wir meine Routinen analysiert: Bislang hatte ich schon am Tag, bevor ich in den ­Anzug sollte, keinen Appetit mehr, das hat sich am Weg raus zu unserem Mission Director Art Thompson bis zur handfesten Beklemmung gesteigert. Mike hatte zuvor mit einem Kampfsportler gearbeitet, der sich am Weg in die Arena ebenfalls regelmäßig in eine Abwärtsspirale gedacht hatte. Für ihn war der Kampf schon verloren, noch bevor er den ersten Schlag gesetzt hatte. Diese Mechanismen hat er mir aufgezeigt und mir Werkzeuge gegeben, mit deren Hilfe ich den negativen Zug rechtzeitig verlassen kann. Zum Beispiel? Der Mensch kann immer nur einen Gedanken auf einmal denken. Er kann zwar blitzschnell zwischen Gedanken hin und her springen, aber pro Moment wird immer nur ein einziger „bearbeitet“. Wenn ich also einen schlechten Gedanken habe, muss ich geistig aus meinem Helm raus, etwa, indem ich Wörter von hinten nach vorn buchstabiere. Keine mystischen Dinge, sondern einfach Werkzeug, das dir dein ganzes Leben lang dient. Mike hat mich gezwungen, Dinge zu Ende zu denken: Was passiert, wenn man mich in meinem ­Anzug fesselt und ich durchdrehe? Ich war der Meinung, ich würde um mich schlagen, Schreikrämpfe kriegen bis hin zum Herzinfarkt. Falsch: Wenn das Reservoir für Aufregung erschöpft

Kein Ärmelkanal,  keine Jesusstatue,  keine Höhle hatte geschafft, was der Anzug mit mir gemacht hat.  13


Die Mission Red Bull Stratos im Detail 36.576 m

–23 °C

Felix springt. Auf 120.000 Fuß ist es deutlich wärmer als während des Aufstiegs.

36.576 m

Felix öffnet die Tür seiner Kapsel und tritt ins Freie.

34.000 m

32.000 m

35 sec später Felix erreicht seine Höchstgeschwindigkeit.

30.000 m

bis zu –60 °C

Grimmige Kälte am Weg nach oben: Am kältesten ist es in der Troposphäre.

28.000 m

28.000 m 26.000 m

24.000 m

5 Stunden wird die gesamte Mission dauern.

22.000 m

25.929 m SR-71 „BLACKBIRD“

Jetzt wird die Luft dicker. das bremst Felix, macht ihn aber aerodynamisch sensibler. Gefahr von Flachtrudeln.

HIER IST DIE SCHÜTZENDE OZONSCHICHT AM MÄCHTIGSTEN

20.000 m

17.000 m

Stratosphäre

15.000 m

15.447 m PERLAN GLIDER

Tropopause 12.000 m

Troposphäre 10.000 m

05:00 Uhr

Red Bull Stratos hebt ab. Morgendliche Windstille ist für den Start des gigantischen Ballons unabdingbar.

8000 m

11.000 m MAXIMALHÖHE FÜR LINIENFLÜGE

SCHAUPLATZ: ROSWELL (NEW MEXICO)

8848 m GIPFEL DES MOUNT EVEREST

6000 m

4000 m

2000 m

Roswell

Felix betätigt seinen Fallschirm rund fünfeinhalb Minuten nach dem Absprung. die Landung erfolgt 15 Minuten später.

1500 m


illustration: albert exergian

ist, wird der Mensch ruhig und ist wieder zu logischen Gedanken fähig. Dieses Wissen, dass der Sturm vorbeizieht und es wieder besser wird, gibt Sicherheit und lässt mich ein Stückchen gelassener sein. Bist du auch demütiger geworden? (Zögert.) Eigentlich nicht. Vielleicht einsichtiger, was die Schwächen anderer betrifft. Ich hatte noch nie zuvor bei meinen Projekten fremde Hilfe gebraucht, und jetzt, mit meinen frisch gewonnenen Einsichten, kann ich es leichter ertragen, wenn auch andere Menschen nicht unsterblich und perfekt sind. Siehst du auch das Projekt in anderem Licht als zu Beginn? Mein Respekt ist gewachsen. Wir paar Privatiers, ein BASE-Jumper, ein Getränkekonzern und ein paar Wagemutige, haben uns ins Geschäft von Air Force und NASA eingemischt und geglaubt, in drei, maximal fünf Jahren das zu können, wofür die Jahrzehnte gebraucht haben. Wir waren blauäugig und haben geglaubt, wir kaufen eine Kapsel, drei Ballons, einen Anzug, ich werfe mich runter, und wir schreiben Geschichte. Irrtum: Das ist eine ganz große Nummer. Wir treten nicht gegen Ferrari und McLaren an, auch nicht gegen die NASA und die Air Force: Wir betreiben Wissenschaft. Wir sind Pioniere, wir betreten permanent Neuland. Unser Projekt ist so groß und passiert auf so vielen verschiedenen Ebenen, von denen jede sowohl in sich als auch mit den anderen Ebenen funktionieren muss. Wenn bei einer Uhr nur ein Zahnrad kaputt ist, steht das ganze Werk. Zum Beispiel, wenn Anwälte das Kommando übernehmen … Im Dezember 2010 hatte ich Majestätischer meine mentale Toolbox gefüllt, sämtliche Tests waren Riese: Ballon gut verlaufen, das Projekt Von der Zigarre zur hätte wieder Fahrt aufnehmen gigantischen Kugel. können, da kam die Sache mit Beim Launch ist der Bal­ dem „Legal Case“. Problem lon 168 m hoch und dünn. gelöst, aber Projekt gestoppt, Mit abnehmendem Außen­ mehr noch: Projekt beendet! luftdruck bläht er sich Nach diesem Telefonat bin ich zu einer Kugel mit rund vier Stunden lang planlos mit 122 m Durchmesser. dem Auto in der Gegend rum-

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Rekorde

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Geschwindigkeit im freien Fall

Erwarteter Speed: Mach 1, das entspricht rund 1100 km/h. Aktueller Rekord: Mach 0,9 (988 km/h) von Joe Kittinger.

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Höhe im freien Fall

Erwartete Fallhöhe: 35.000 Meter* Aktueller Rekord: 31.333 Meter von Joe Kittinger.

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Zeit im freien Fall

Erwartete Zeit: 5 Minuten und 35 Sekunden Aktueller Rekord: 4 Minuten und 36 Sekun­ den von Joe Kittinger.

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höchster bemannter Ballonflug

erwartete Höhe: 36.576 Meter Aktueller Rekord: 34.667 Meter von Victor Prather und Malcolm Ross am 4. Mai 1961. * Felix Baumgartner zieht die Reißleine in rund 1500 Metern über Grund.

gefahren, im Radio lief Bruce Springsteen. Ich war einen Monat im Bootcamp gewesen, und jetzt sollte sozusagen der Krieg vorbei sein, noch ehe ich einen einzigen Schuss abgegeben hatte? Das hat mir zum zweiten Mal binnen kürzester Zeit den Boden unter den Füßen weggezogen. Was hast du gemacht? Ich hätte im Selbstmitleid ertrinken können, stattdessen habe ich mich auf mein zweites Standbein, das Hubschrauberfliegen, gestützt. Während der letzten Monate war ich Berufspilot, habe sieben Hubschrauber-Ratings erworben, eine Gebirgsausbildung gemacht und Flugstunde um Flugstunde gesammelt. Aufgegeben habe ich das Stratos-Projekt in all der Zeit aber nie. Ich wusste: Irgendwann kommt der Tag, an dem ich den Piloten-Overall aus- und den Raumanzug wieder anziehe. Wie hat deine Umwelt auf den Stopp reagiert? Das Interessante war, dass viele Leute jetzt mit ihrer wahren Meinung rausgerückt sind, selbst meine ­eigene Mutter: „Eigentlich sind wir froh, dass du nicht springst.“ Und ich habe geantwortet, dass sie sich lieber nicht an den Gedanken gewöhnen sollten, dass Red Bull Stratos tot ist. Für mich war klar: Eines ­Tages schwebe ich da rauf, steige aus der Kapsel und fliege mit Überschall zurück zur Erde. Das Umschalten zwischen Berufspilot und ­Stratonaut: Wie schwer ist dir das gefallen? Das war leicht. Ich hatte den Raumanzug geistig in einen Kasten verräumt, jetzt habe ich ihn wieder ausgepackt. Hatte die Pause auch was Gutes? Definitiv. Wir konnten ein paar Prozesse neu strukturieren, jetzt herrscht ein anderer Geist. Wir erreichen inzwischen verlässlich unsere Zwischenziele, was ja am Anfang bei weitem nicht so war. Natürlich haben wir noch immer unsere Fuck-ups, aber wir lernen ­daraus und setzen das Gelernte um. Ein Beispiel: Für den ersten unbemannten Testflug war es wichtig, dass der Ballon spätestens um 7.30 Uhr in der Luft ist, weil danach Wind aufkommt. Beim ersten Mal hatte die Ballonfirma den Ballon verkehrt in die Kiste gepackt, das Umdrehen hat 25 Minuten gedauert, und als wir um 8 Uhr endlich airborne waren, hat der Wind den Ballon geholt. Der Riese, der sich für ein paar Momente erhoben hatte, starb vor unseren ­Augen. Es sind nicht die großen Dinge, die dir das ­Genick brechen, es sind die Kleinigkeiten, an die ­keiner denkt. Deswegen geht es um die Moral der Truppe … Korrekt. Ich will ein rotes Drehlicht in der Kommando­ zentrale, und sobald ich im Anzug stecke, leuchtet das Licht. Da gibt es kein Kaffeetrinken, kein Handy­ tippen mehr. Sicherheit entsteht aus Wiederholung. Jede Elite-Einheit drillt ihre Soldaten so lang, bis alle ihre Handgriffe blind beherrschen. Im Einsatz gibt es genügend Faktoren, die du nicht beeinflussen kannst. Dich selber kannst du aber sehr wohl beeinflussen. Wir stehen im Fokus, die Welt schaut auf uns. Wir können uns keinen Fehler leisten. Wenn du an den Tag X denkst: Was siehst du? Extreme Disziplin und Perfektion. Wenn du weißt, dass dir die Kamera zuschaut, putzt du dir sogar die Zähne anders. Der Druck wird gewaltig sein, und 15


wir alle müssen ihn nicht nur aushalten, wir müssen brillieren. Wir gehen zu einer Prüfung und sind blendend vorbereitet. Ein Fun-Tag wird das nie werden, immer­ hin riskiere ich mein Leben. Soweit es möglich ist, werde ich versuchen, die Unwiederbringlichkeit des Moments zu begreifen. Ich komme nie wieder hier rauf, werde nie wieder den Anzug tragen, nie wieder in der Kapsel sitzen, das Team wird nie wieder so zusammenarbeiten. Es gibt Beispiele von Olympiasiegern, die am Podest enttäuscht waren, weil sie sich diesen Moment, auf den sie so viele Jahre

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Joseph Kittinger Interview 13. Mai 2009 Albuquerque, New Mexico, USA

Ein Karriereende ohne diesen Sprung wäre wie ein Haus, bei dem die Haustüre nie eingebaut worden ist.

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Die Mode der frühen Sechziger: Colonel Joe Kittinger in seinem Raumanzug. Credit

hintrainiert hatten, noch schöner vorgestellt hatten. Das versuche ich zu vermeiden, indem ich den Weg genieße. Was machst du heute in einem Jahr? Entweder kann ich das Haus nicht mehr verlassen, weil ich alle enttäuscht habe, oder darum, weil draußen die Massen warten. Beides ist möglich. Weihnachten 2012 möchte ich mit meinem Team feiern: Joe Kittinger wird im Juli 84 Jahre alt, das Durchschnittsalter meines Teams liegt bei 70 Jahren. Das ist meine Familie, mit der ich die letzten fünf Jahre verbracht habe, und diese Familie wird es nicht mehr lang geben, dazu muss man kein Hellseher sein. Ich will ein Haus mieten, wir stellen einen Baum auf, Joes Frau kocht Turkey, wir reichen uns um den Tisch die Hände und danken Gott, dass unsere gemeinsame Mission gut ausgegangen ist und alle noch am Leben sind. Das hätte ich gern. Und wenn nicht? Dann hätte ich vermutlich ein Problem. Ein Karriereende ohne diesen Sprung wäre wie ein Haus, bei dem die Haustüre nie eingebaut worden ist. Ich habe seit 25 Jahren meine Ideen und Visionen umgesetzt und gehe davon aus, dass ich auch mein letztes großes sportliches Ziel ­erreichen werde.


Colonel Joe Bevor die Raketen kamen: Joseph Kittinger und das Glück vom Ausstieg auf höchstem Niveau. Fünfzig Jahre nach seinem Rekordsprung ist er eine Autorität in Felix Baumgartners Team.

bild: picturedesk.com

Text: Herbert Völker

Irgendwie bleibt ein amerikanischer Colonel immer ein Colonel, selbst jenseits der achtzig, auch wenn sich der drahtige Körper längst ins gemütliche Fach entspannt hat. Es ist dieser Mix von Selbstsicherheit und Lässigkeit, wie man sich den robusten Amerikaner in seiner Altersmilde vorstellt. Man darf auch bald Joe zu ihm sagen. Da passt es gut, aus den, wirklich, zehntausenden Archiveinträgen gleich das fürwitzigste Zitat herauszuholen – „more guts than brains“. Eine aktenkundige Beleidigung? Joe, wie gesagt, ist milde. Ja, man kann das ruhig fragen. Es sei bloß der Fetzen eines früheren Gesprächs, das erst hinterher ausgeschlachtet wurde, als Joseph Kittinger schon berühmt war, man wisse ja, wie die Medien funktionieren. Joe, der Offizier und Testpilot, hatte sich für ein Projekt beworben, und sein Boss sagte: Approved. More guts than brains. Das sagt nichts über Kittinger aus, eher über die Pioniertage der Raumfahrt, als man viel wagte und wenig wusste von dem, was sich oben abspielen würde. Joe Kittinger meint heute mit unaufgeregter Selbstverständlichkeit, er sei der erste Mensch im Weltraum gewesen, vor Juri Gagarin, vor Alan Shepard. Natürlich weiß er, dass die Diskussion offen ist, wo beginnt der Weltraum?, aber die Bedingungen in der Stratosphäre seien jedenfalls, was das Überleben von Menschen betrifft, „space equivalent“. Ab 19 Kilometer Höhe ist der Luftdruck so gering, dass ohne Druck­ anzug das Wasser im Blut des menschlichen Körpers zu kochen begänne. Joe ging viel höher, man mag ihn Prä-Astronaut nennen, ihm soll’s recht sein. Kalter Krieg USA vs UdSSR, Mitte der 1950er Jahre. Die amerikanischen Militärs taten Raumfahrt als Science Fiction ab. Es gab noch keine NASA, die Air Force experimentierte auf eigene Rechnung. Eine Gruppe von Spezialisten wollte einfach mal begreifen, wie hoch man kommt und ob es sich dort kurz über-

leben lässt. Es musste ein Ballon sein, kein Flugzeug würde dessen Höhe auch nur annähernd schaffen. Joseph Kittinger (damals Captain) stieg 1957 auf 30.000 Meter in die Stratosphäre und sank mit dem Ballon wieder herunter. Amerika bejubelte den „First Space Man“, aber eher als Held einer exotischen Expedition ohne Nährwert. Schon ein halbes Jahr später kippte das Bild. Die Russen schickten ihren unbemannten Satelliten „Sputnik“ auf Erdumlaufbahn, damit war das Thema „Bedrohung aus dem Weltall“ eröffnet, aus dem dann ein halbwegs friedlicher Wettlauf in den Raum wurde. Aber Wettlauf allemal. Die USA steckten Milliarden in die Raketenforschung, die NASA wurde gegründet. In den paar Jahren zwischen Sputnik-Schock und dem Mercury-Programm der NASA machte die Air Force weiter, um technische und medizinische Faktoren der Raumfahrt zu testen. Und auch darauf eine Antwort zu suchen: Wie bringt der Mensch die Bedrohungen aus dieser nie erlebten Welt in seinem Hirn unter und in seinem tapferen kleinen Herzen? Unter diesen Vorzeichen wurde Joe Kittingers Sprung vom 16. August 1960 zum wichtigsten Markstein in der Erforschung der Stratosphäre. Drei dabei aufgestellte Rekorde gelten heute noch, nach fünfzig Jahren: höchster Fallschirm-Absprung (31.332 Meter), schnellster Mensch im freien Fall (988 km/h), längster freier Fall (4:36 Minuten). Dies sind unverändert die Vorgaben für Felix Baumgartner. Höher, schneller, länger – und natürlich die Schall­geschwindigkeit, die Kittinger damals, wenn auch knapp, verpasst hat. Wie können solche Rekorde unglaubliche fünfzig Jahre lang halten? Die NASA und die Sowjetunion setzten mit Raketen das fort, was sie die Erforschung (oder Eroberung) des Alls nannten, erreichten Höhen, wie sie eben nur mit Raketen möglich sind.

Mitte der 1950er gab es keine NASA.  Die Air Force experimentierte auf eigene Rechnung.  17


Die Stratosphäre am Rand des Weltraums ist trotzdem immer ein Thema für Erdenbewohner geblieben. Der Gasballon ist unverändert die einzige Chance, dort ein Weilchen rumzuhängen, anders als mit Flugzeug oder Rakete. Zur Rekordjagd verführend, keine Frage, mit einem glamourösen sportlichen Touch, aber doch auch ein wissenschaftliches Thema. Und je mehr Projekte in den letzten Jahrzehnten gescheitert waren, umso felsenmäßiger ragte die Figur des Joseph Kittinger aus der Geschichte und den Geschichten.

Die unermessliche Einsamkeit in 31 Kilo­ meter Höhe. Die Bilder von Kittingers Absprung haben in einem halben Jahrhundert nichts von ihrer Eindrücklichkeit verloren.

Übrigens, Kittinger wird mit quasi deutschem g aus­ gesprochen, also nicht so wie der Weltpolitiker Kissinger [Kissindscher], der zwar viel näher am Deutschen dran war, trotzdem die englische Aussprache wählte. Kittingers Urururgroßvater war als 14-jähriger Bub mit seiner Familie nach Amerika eingewandert. Das war 1783, die Kittingers kamen aus der Gegend von Zürich, wo sie Erdäpfel anbauten. Sie gingen nach Pennsylvania und machten, was sie gelernt hatten. Sie wurden Erdäpfel-Farmer, waren fruchtbar und vermehrten sich, und heute gibt es eine ganze Menge Kittingers in den USA, aber nur einen Joe, der aus einer Gondel getreten war, um kurz darauf an der Schall­ geschwindigkeit zu kratzen. Es gibt eine Menge Parallelen zwischen dem, was Joe vor fünfzig Jahren erlebt hat und was jetzt auf Felix wartet. Mentales Coaching wäre ein schlechtes Beispiel, da haben sich inzwischen die Methoden verfeinert. Joe wurde zum Klaustrophobie-Test für 24 Stunden in eine 1×1×1-Meter-Kiste gesperrt. Joseph Kittinger: „Es ist wie in einem Sarg, beengt und stockfinster. Aber man kann Klaustrophobie mit Disziplin überwinden. Die Tatsache, dass ich ohne posi­ tiven Abschluss nicht mehr im Programm gewesen wäre, war mir Motivation genug.“ Felix Baumgartners erster Druckkammertest im Raumanzug war zwar technisch raffinierter, in der Belastung aber vergleichbar für einen, der es nicht gewohnt ist, Sauerstoff in sich hineingestopft zu bekommen bis zum Überlaufen. Kittinger und Baumgartner treffen aus verschiedenen Richtungen zusammen, nicht nur aus Vergangenheit und Zukunft. Joe war geeichter Ballonfahrer, trainierte Fallschirmsprünge aber nur für den Notfall im Flugzeug, ließ sich rausfallen wie ein Mehlsack, mit Survival Kit unterm Hintern. Bewegungskünstler Felix hat dreitausend Sprünge hinter sich, ist ein Luftakrobat, dafür musste er sich den Ballon neu erarbeiten. Und Joe Kittinger war als Kampfflieger oft genug in 15.000 Meter Höhe, da lief nichts ohne Druckanzug („pressure suit“), den er schließlich anzog wie unsereins die Jeans, na ja, vielleicht ein bissl sorgfältiger. Er war hunderte Male in der Druckkammer. Vor seinem großen Sprung hatte er schon acht Jahre mit der speziel­ len Garderobe hinter sich. Druckanzüge sind extrem steif, jede Bewegung von Armen oder Beinen ist ein Manöver für sich. Ein Extremsportler wie Felix ist solche Einschränkungen nicht gewöhnt, er musste Druckkammer und Raumanzug erst einmal psychisch packen, dann eine neue Art von Bewegung lernen. Joe: 18

Du kannst ein Vakuum zwar nicht fühlen,  aber es ist trotzdem da,  unheimlich, feindlich.


Vor dem Sprung sagte ich:  „Lord, take care of me now.“ Nach dem Sprung sagte ich höflich danke an dieselbe Adresse.

bilder: getty images (2), Christian Pondella/Red Bull Content Pool

„Wenn du mit dem Druckanzug nicht in jeder Situation klarkommst, bist du tot.“ Aufstieg im Ballon, grundsätzlich ähnlich für Joe und Felix, bloß dass der neue Ballon das fast zehnfache Volumen haben wird, so viel braucht es, um die zusätz­ lichen 5000 Meter an Höhe zu gewinnen. Es gibt auch gemeinsames Leid. Die Aero- und Astronautiker nennen es „flat spinning“, die Übersetzung „Flachtrudeln“ ist uns doch etwas zu förmlich, „Kreiseln“ muss reichen. Wahrscheinlich weiß kein Mensch auf der Welt mehr vom Kreiseln als Joe Kittinger. Er erlebte erste DummieAbwürfe mit 200 Rotationen pro Minute (140 werden für den Menschen als tödlich angenommen), erprobte alle Phasen frisch gewonnener Schlauheit, erlebte eine Panne und die totale Hilflosigkeit im Trudeln („propellermäßig herumgewirbelt“), verabschiedete sich vom Leben, wurde bewusstlos und kam 20 Kilometer tiefer am Haken eines Rettungsschirms zu sich. Über all die Jahrzehnte ist spinning die größte Gefahr für Springer aus der Stratosphäre. Abspringen in einem Vakuum bedeutet, dass der Körper keine Anströmung, keinen Luftwiderstand vorfindet. Die tausendfach geübten Bewegungen des durchtrainierten Athleten fallen hier, im Sinn des Wortes, ins Leere. Kittinger konnte nach den ersten zweitausend Metern seines Sprungs einen kleinen Stabilisierungsschirm auslösen, der ihn nicht bremste, aber vor spinning bewahrte. Der echte Fallschirm ging erst 25 Kilometer tiefer auf, in der nun schon dichteren Luft. Was kann uns Joe heute vom Rand des Weltalls erzählen? Zum Beispiel: Wie soll man sich die stratosphärische Stimmungslage des Erdenmenschen vorstellen? There is a contrast between beauty and peril, die Schere zwischen Verzückung und eisiger Gefahr bei 70 Grad minus. Du kannst ein Vakuum zwar nicht fühlen, aber es ist trotzdem da, unheimlich, feindlich. Dabei kannst du die Erde über eine Weite

von siebenhundert Kilometern sehen, siehst den Him­ mel über dir tiefschwarz, gegen den Horizont hin in allen möglichen Blautönen. Wie kann der Himmel bei Tageslicht schwarz sein? Das Licht da oben ist nicht gestreut (not diffused), für uns wird es erst durch die Reflexion blau. In einem Vakuum gibt es keine Reflexion von Licht ober dir. Du kannst auch nicht die Sterne sehen, deine Augen sind geblendet, daher werden die Pupillen ganz klein. Sie sind am höchsten Punkt immerhin neun Minuten am Ballon geblieben. Gibt es den Höhenrausch, besteht eine Gefahr der unkontrollierten Euphorie? Nein. Die Feindlichkeit der Umwelt ist jederzeit spür­ bar, und eine Überdosis Sauerstoff gibt dir auch keine Euphorie. Die schaurige Stille tut ein Übriges. Wie einsam mag man sich da oben fühlen? Ich war Testpilot, und ich war als solcher trainiert. Ich machte den Sprung tausend Mal in meiner Vorstel­ lung, und als es dann so weit war, I was ready for it. Und der Sprung selbst, die Geschwindigkeit im freien Fall? Wie nimmt man 1000 km/h wahr? Nicht spürbar, es gibt ja keinen Wind, der an dir zer­ ren würde. Zuerst ist nur das Glücksempfinden, nicht in die Rotation geraten zu sein, aber nach zwei Minuten rasen die Wolken auf dich zu und du musst dir zureden, dass es ja nur Dampf ist. Stichwort Famous First Words. Vor dem Sprung sagte ich: Lord, take care of me now. Und als mein Fallschirm öffnete, sagte ich sehr höflich danke, an dieselbe Adresse. Werden Sie wehmütig werden, wenn Sie erleben, wie Ihr eigener Rekord ausgelöscht wird? Nein. Damals ging es uns nicht um Rekorde. Wir stiegen hinauf, um Erkenntnisse zu bekommen über die Möglichkeiten eines Notausstiegs in dieser Höhe. Daher habe ich mich nie darum gekümmert, dass meine Daten von einer Sportbehörde oder von wem auch immer er­ fasst wurden. Hatten Sie danach nicht unbändige Lust, auf den Mond zu fliegen? Als das Mercury-Projekt anlief, hatte ich die Mög­ lichkeit, mich dafür zu melden, aber das habe ich nicht getan, und ich habe nie zurückgeblickt und gesagt, ich wäre gern ein Mercury-Astronaut geworden und wäre gern zum Mond geflogen, weil ich sehr glücklich war mit dem, was ich erreicht habe.

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Teil 2 Erscheint am 6. März.

Themen Mission Director Art Thompson und sein Team von Experten erklären die Technik hinter Red Bull Stratos: • Kapsel • Kommunikation • Überlebenssysteme

Man kann nicht sagen, dass Joe danach faul geworden wäre. Als Kommandant einer F-4-Staffel flog er in Vietnam, schoss eine MiG ab, wurde selber ab­ geschossen, war Kriegsgefangener im berüchtigten „Hanoi Hilton“ und kam nach einem Jahr frei. Er erzählt nicht viel darüber. 1978 schied er aus der Air Force aus, widmete sich dem Ballonfahren und stellte den Weltrekord für die längste und weiteste Solo-­ Ballonfahrt auf, als Erster allein über den Atlantik – „man will ja in der Pension nicht versauern“. Mit 83, fit und schlau und überbordend voll mit Wissen aus dicker und dünner Luft, wird Colonel Joe neben Ingenieuren und Ärzten im Kommandostand sitzen, wann immer Felix Baumgartner auf die Reise geht. www.redbullstratos.com

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D u r ban , S ü Dafr i k a

Fluchtweg

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Credits

Bild: tyrone Bradley/red Bull Content Pool

Eigentlich wurde das Moses-Mabhida-Stadion in Durban ja zum Kicken gebaut: 70.000 Zuseher passen in die Arena, der spätere Weltmeister Spanien verlor hier sein einziges Match während der WM 2010. Trialbiker Brian Capper interessierte das wenig: „Seitdem sie das Stadion fertiggestellt haben, wollte ich nur eins: drüberfahren!“ Capper meinte den 350 Meter langen Bogen, der sich über den Fußballtempel spannt, Maximalhöhe: 106 Meter. „Bergab qualmten die Bremsen“, sagte Capper nach überstandener Fahrt. „Aber den Nervenkitzel war’s wert.“ Mehr Tricks vom Trialbiker: www.briancapper.co.za


Credits


au C kL an D, n Eu S E E L an D

DecKSPÜluNg

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Credits

Bild: PHil Walter/Getty iMaGes

Was Sie hier sehen, ist kein heiterer Bootsausflug, sondern ernster Wettkampf. „Surf Lifesaving“ nennen die Neuseeländer die Kombination aus Rettungsschwimmerarbeit und sportlichem Kräftemessen. Neben Laufen, Schwimmen und Wellenreiten sorgen vor allem die SurfboatRegatten für Action. Hier im Bild erwischte es das fünfköpfige Piha-Frauenteam beim Wettrudern vor Aucklands Küste. Die gute Nachricht: Bei einem Strand voller Rettungsschwimmer ist das Risiko zu ertrinken eher gering. Alle Events: www.surflifesaving.org.nz


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Bullevard Beflügelndes in kleinen Dosen

Dreimal drei 24 Jahre und 98 Tage: Sebastian Vettel ist jüngster Doppelweltmeister der Formel-1-Geschichte. Hey, Seb: hier die drei – bisher – jüngsten Dreifach-Weltmeister, nur so zur Info …

AYRTON SENNA (31 JAHRE 213 TAGE) Der 1994 tödlich verunglückte Brasilianer fixierte 1991 beim GP von Suzuka seinen dritten und letzten WM-Titel auf McLaren.

MICHAEL SCHUMACHER (31 JAHRE, 279 TAGE) Der 7fache deutsche Rekordweltmeister holte seinen dritten Titel 2000 auf Ferrari – der erste WMTitel der Italiener nach 1979.

SUPER-STARK Schauspieler verwandeln sich 2012 bevorzugt in Superhelden. Geht es um Comic-Helden, erwacht selbst in einem gestandenen Mann wie Nicolas Cage das Kind. „Solange ich mich erinnern kann, haben mich Monster wie Hulk oder Ghost Rider angezogen. Ich konnte nicht verstehen, wie jemand, der so schlimm aussieht, doch ein Guter sein kann“, sagt der 48-jährige US-Schauspieler. Neben Cage, der in „Ghost Rider – Spirit of Vengeance“ (Kinostart: 23. Februar) erneut den Stuntfahrer Johnny Blaze mimt, gibt der Brite Andrew Garfield im Juli sein Spider-ManDebüt („The Amazing Spider-Man“). Christian Bale zieht sich zum dritten Mal die Batman-Maske über („The Dark Knight Rises“), und Robert Downey Jr. schlüpft im Mai abermals in Iron Mans Rüstung („The Avengers“).

Andrew Garfield (Spider-Man), Nicolas Cage (Ghost Rider), Robert Downey Jr. (Iron Man).

BILDER DES MONATS

JACKIE STEWART (34 JAHRE, 90 TAGE) „Sir John“ holte bei 99 FormelStarts 27 Siege, gewann 1973 auf Tyrell seinen dritten WM-Titel und beendete seine Karriere. www.sebastianvettel.de

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MOMENT MAL!

Szenen aus dem abenteuerlichen Alltag unserer Leser. Einfach hochladen auf: www.redbulletin.com Unter den Einsendern der veröffentlichten Fotos wird eine Trinkflasche des Schweizer Herstellers SIGG im speziellen Red BulletinDesign verlost.

Rottnest Island Die Kitesurfer bereiten sich an Australiens Westküste auf die 20 Kilometer lange Überfahrt nach Perth vor. Ian Regnard


Höchstbau

Drei Wolkenkratzer im BauEndspurt.

BILDER TANZEN Chemical Brothers, jetzt live auf der Kinoleinwand

Rainer Hertrich: 2993 Tage in einer (Ski-)Tour.

BILDER: GETTY IMAGES (2), IMAGO (5), MARVEL COMICS (4), MAURITIUS, WARNER BROS, MARC PISCOTTY, EMI (3)

Das Leben ist ein ständiges Auf und Ab Rainer Hertrich fuhr Ski. Tag für Tag. Im Winter ebenso wie im Sommer (da machte er Skigebiete in Chile und Argentinien unsicher). Über acht Jahre lang. Er nahm sich Urlaub dafür (der Mann ist Pistenraupenfahrer in US-Skigebieten) und investierte 10.000 Dollar pro Jahr. Wozu das alles? Um seine eigene Weltbestmarke im Guinness-Buch der Rekorde zu verbessern. Und das gelang ihm – tagtäglich, jahrelang. Rainer Hertrichs Mission endete am 10. Jänner nach 2993 aufeinanderfolgenden Tagen auf Schnee dennoch abrupt: Der Fünfzigjährige verbrachte wegen Herzrhythmusstörungen eine Nacht auf der Intensivstation, was ihn das Erreichen seines Traumziels von rund 30,5 Millionen Höhenmetern (100 Millionen Fuß) nur um wenige Wochen verpassen ließ. Trotzdem grüßt aus dem Krankenhaus ein glücklicher Mann: „Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe. Ich glaube nicht, dass irgendjemand meinen Rekord jemals wird brechen können.“ Das Videoporträt: www.youtube.com, Stichwort „Rainer Hertrich“

Pingan International Finance Centre Shenzen, China Höhe: 648 Meter. Ab 2015 das zweithöchste Gebäude der Welt nach dem Burj Khalifa, 828 Meter in Dubai.

Mercury City Tower Moskau, Russland Höhe: 327 Meter. Europas höchstes Gebäude wird dieses Jahr eröffnet.

The Shard London, England Höhe: 310 Meter. Ab Mai 2012 hat die EU ein neues höchstes Haus.

Ed Simons (li.) und Tom Rowlands (re.)

warst. Diesen Moment wollte ich einfangen. Und gerade auf der letzten Tour haben sie ihr ultimatives Party-Set gespielt – der Zeitpunkt war perfekt. Wie war es, sich selbst auf der Bühne zu sehen?   (Chemical Brothers): Ziemlich aufregend! Ich liebe die Momente, wenn die Kameras über die Köpfe ins Publikum schwenken. Habt ihr den Sound gesondert behandelt? : Nein. Wir haben kaum nachgebessert. Der Sound  : Warum gera- klingt ziemlich genau wie in de jetzt ein Live-Film? der Nacht der Aufnahme –  : Die Chemical sehr rau und echt. Aber ich Brothers auf der Bühne zu se- liebe das. Auf Hochglanz hen ist magisch. Eine spiritupolierte Musik gibt’s ohnehin elle Erfahrung, die du nur ver- schon zu viel. stehst, wenn du einmal dabei www.thechemicalbrothers.com Das britische Duo Chemical Brothers ist eines der erfolgreichsten Dance-Music-Projekte aller Zeiten. Mit Hits wie „Block Rockin’ Beats“ und fünf Nummer-1-Alben in den letzten 15 Jahren. Nun kommt ihr erster Konzertfilm (Regisseur: Adam Smith) in die Kinos. Aufgenommen mit jeweils 20 Kameras bei den zwei FestivalGigs in Glastonbury und beim Fuji Rock in Japan, ist „Don’t Think“ ein rasanter Bildersturm mit dicken Beats.

„Don’t Think“: der erste Konzertfilm mit Dolby-7.1-Surround-Sound.

DAS GEWINNERBILD

Lima Dieser Hobbypilot erlebte beim ersten Red Bull Flugtag in Peru vor 20.000 Zuschauern eine gut gelaunte Wasserlandung. Renzo Giraldo

Istanbul

Die kreativsten Kunstwerke aus blausilbernem Rohmaterial wurden im Dezember in der türkischen Metropole ausgestellt. Suat Erman

Ciudad de Guatemala Die Skater durften sich in fünf Trickbewerben wie Hippie-Jump oder Slalom messen. Juan José Marroquín 25


B U L L E VA R D

Gab’s Tipps von Mentor Goldi für Jung-Adler Daniel? „Oh ja! Er hat gesagt: Mach weiter so wie bisher!“

Neue Gesichter

An Javier Villegas biss sich die Konkurrenz die Zähne aus.

Bangalore Die Gewinner erwartet ein Besuch bei Red Bull Racing in Milton Keynes. Aditya Bedre, Red Bull Kart Fight 26

„SPRINGEN IST HOASS!“ Daniel Rieder wäre nie auf die Idee gekommen, Ski zu springen. Jetzt ist er vierzehn und gilt als vielversprechender Jung-Adler. „Ich war immer Alpinfahrer. Aber 2009 haben sich ein paar Freunde von mir zum Spaß für den Goldi-Cup angemeldet. Da bin ich halt mitgegangen, auch zum Spaß. Das hat mir dann getaugt.“ So einfach ist das. Drei Jahre danach ist Daniel Rieder, mittlerweile 14 Jahre alt, Österreichs bester nordischer Kombinierer seiner Altersklasse und gilt als Ausnahmetalent, vor allem im Springen. „Mir ist der g’schickte Bursch’ gleich aufgefallen“, erinnert sich Andi Goldberger. „Aber als ich gehört habe, er ist aus Filzmoos, habe ich gedacht: ‚Schade, die Filzmooser fahren alpin. Bei dem haben wir als Nordische keine Chance.‘“ Wieso es anders kam? „Weil Springen hoaß ist“, sagt Daniel. „Du fangst auf den kleinen Schanzen an, die Schanzen werden immer größer, und das Fliegen ist das Beste.“ Der bisher weiteste Sprung des Salzbur-

Angkor Wat Gute Frage (siehe Cover). Wird es in Kambodscha denn überhaupt jemals Winter? Stefan Oberleitner

gers? – „96 Meter in Villach auf der 90erSchanze!“ – Keine Angst gehabt dabei? – Naaa! – Idol? – „Der Thomas Morgenstern! Der ist immer gut aufgelegt.“ Eine Parallele, die auch Mentor Goldberger bemerkte: „Daniel ist ein aufgeweckter Bursch, locker, und er ist körperlich extrem gut bei’nander. Er hat die Chance, ein wirklich guter Springer zu werden – aber die wichtigsten Jahre sind die von 14 bis 17.“ Im Salzburger Skiverband dürfen sich Kids erst mit 14 Jahren im Springen spezialisieren. Davor muss zur körperlichen Ausbildung kombiniert werden. Daniels Entscheidung fällt im Sommer. Wird er Kombinierer oder Springer? „Zu 99,99 Prozent Springer“, sagt er. Gibt es dafür einen Grund? „Sicher.“ Welchen? „Selber ausprobieren! Weil Springen einfach hoaß ist!“ Mach’s wie Daniel: www.goldi-cup.at

Mexico City

Die jungen Ballartisten tricksten sich durch die mexikanische Hauptstadt. Marcos Ferro, Red Bull Tirazo

BILDER: GEPA PICTURES, OLIVER FRANKE, MIRJA GEH

In der Siegerliste der Night of the Jumps, der offiziellen MotocrossFreestyle-WM, finden sich Stars wie Mat Rebaud (SUI) oder Ailo Gaup (NOR). Die abgelaufene Saison war jedoch das Jahr der Newcomer. Der Chilene Javier Villegas triumphierte in der bis zuletzt spannenden Serie vor Titelverteidiger Remi Bizouard (FRA). Villegas’ Erfolgsrezept: seine Konstanz. Der 25-Jährige war in keinem der elf Weltcup-Bewerbe schlechter als Vierter. Mit dem knapp 26-jährigen Australier Josh Sheehan, der bei seiner Premiere in Basel den etablierten Bikern mit einem Lazy Boy Flip und 360-Kombinationen die Show stahl, ging ein weiterer Stern am FMX-Himmel auf. www.ifmxf.com


B U L L E VA R D

MEIN KÖRPER UND ICH

ALYSIA MONTAÑO

Die 25-jährige Mittelstreckenrakete aus New York ist heiß auf Olympia. Ihr Rezept für ihre Paradedisziplin, die 800 Meter: beinhartes Workout, blumiger Haarschmuck.

KAM PF UND KNO CHE N

Meine schwerste Verletzung passierte 2008: ein Ermüdungsbruch im rechten Fuß. Ich hatte die Verletzung nicht gleich bemerkt. Beim Training für Olympia wurden die Schmerzen dann unerträglich. Ich musste das restliche Jahr mit einem Knochenwachstumsstimulator behandelt werden. Aber ich habe mich zurückgekämpft: Mein Olympiatraum 2012 lebt.

HEILEN DE HÄNDE

Als Leichtathlet(in) musst du die Balance finden zwischen Motivation und Quälerei. Mein rechtes Bein ist kürzer als das linke, und der Knochen drückt in die Hüftpfanne. Ich muss jede Woche zum Physiotherapeuten, sonst kann sich das Gelenk entzünden und steif werden. Wenn ich nicht aufpasse, wirkt sich das auf Gesäß und Rücken aus – dann bin ich einen Monat außer Gefecht.

ME TE R MACH

EN Viele Leute vergessen, das s wir Vollzeitsportler sind: Ich mache drei Workouts pro Tag, viermal pro Woche . Jeweils zwei Laufeinheiten und einma l Gewichtstraining. Zu Beginn des Jah res absolviere ich so viele Meter wie mö glich. Danach werden Kräftigungsübung en und Sprints eingebaut. Das Ziel: zur Wettbewerbszeit in perfekter Form zu sein.

EIG ENE R HER D

Essen ist wie Autofahren: Tankst du den richtigen Sprit, läuft dein Motor gut. Ich liebe mediterrane Küche und koche ein passables Huhn mit Zitronenpesto und Knoblauch. Dazu gibt’s selbstgemachten Hummus, Pita-Chips und sautiertes Gemüse. Mein Geheimnis: Gerichte kochen, die . gesund sind, aber nicht so aussehen

BÖSE BLUME

TEXT: RUTH MORGAN. BILD: DUSTIN SNIPES/RED BULL CONTENT POOL

EISE RNE S EGO

Laufen ist Körper- und Kopfarbeit. Wenn du nicht jeden Tag motiviert bist, wirst du nichts gewinnen. Du brauchst also Engel, die deine inneren Teufel bändigen. Keiner mag eingebildete Menschen, aber du musst dein Ego pushen und dir eintrichtern: „Ich bin die Größte!“

Als kleines Mädchen habe ich mit Jungs American Football gespielt. Als einer anfing, blöde Sprüche zu klopfen, habe ich eine Blume gepflückt und sie mir ins Haar gesteckt – „ich bin ein Mädchen. Ich spiele Football. Komm damit klar.“ Dann habe ich ihn umgerannt. Seit diesem Tag trage ich eine Blume im Haar. Damit will ich zeigen, dass man feminin und zugleich stark sein kann.

Blogs, Videos, News: www.alysiamontano.com

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b u l l e va r d

Zukunftsmusik

AzeAliA BAnks

Von Kanye West zur neuen Stimme des Jahres gekürt, von der Musikpresse bejubelt: Azealia Banks ist talentiert, selbstbewusst – und vor allem rotzfrech. Geburtsdatum/-ort 31. Mai 1991, Harlem, New York, USA Familie Banks wurde von ihrer Mutter aufgezogen, ihr Vater starb, als sie zwei Jahre alt war. Sie hat zwei ältere Schwestern. Gute Aussichten Banks landete kürzlich auf der „BBC Sound of 2012“-Shortlist (letztlich wurde sie Dritte). Prominente Vorgänger: James Blake, Jessie J und Lady Gaga – zu einem Zeitpunkt, als diese noch unbekannt waren. Aktuelle Hits „Liquorice“ und „Shady Love (ft. Scissor Sisters)“

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die Musikwelt ist sich einig – wichtige internet-blogs ebenso wie coole Magazine: 2012 wird azealia banks zum superstar. ausgelöst hat den hype lediglich ein song, den die zwanzigjährige Musikerin vor einigen Monaten auf Youtube geladen hat: „212“. ein aufgekratzter electro-house-track, über den sie räudige raps schleudert, gespickt mit Wörtern, die jeder Mutter die schamesröte ins Gesicht treiben. energetisch, selbstbewusst und ohne Maulkorb – ähnlich wie nicki Minaj, nur um längen cooler. „in dem song mache ich mich über leute lustig, die nach new York ziehen, um berühmt zu werden, aber keine ahnung von der stadt haben“, sagt banks, und ein bezauberndes lächeln lässt ihr Gesicht erstrahlen. „ich weiß, wovon ich spreche, schließlich bin ich dort geboren.“ azealia banks wuchs in harlem auf. ihre Mutter schickte sie auf die la-Guardia-kunstschule, die liza Minnelli oder al Pacino zu ihren absolventen zählt. „ich wollte immer auf die bühne“, sagt sie. „Wenn du ein Mann bist, dann hast du einen Penis. als künstlerin willst du ins rampenlicht. das ist eben so.“ Mit sechzehn entdeckte sie die liebe zum rap. inspiriert von Missy elliott, fing sie an texte zu schreiben, beschränkte sich aber nie auf die formalen Grenzen

von hip-hop. „ich war immer an frischer Musik interessiert, egal aus welchem Genre“, erzählt sie. banks ist ein Paradebeispiel für den Musikzugang ihrer Generation. Wo Punks früher bestrebt waren, sich von hip-hoppern abzugrenzen, haben kids der internet-Ära keine stilistischen scheuklappen mehr. so war es eine coverversion der Us-indie-rocker interpol, die der rapperin erste aufmerksamkeit brachte. eine rock-nummer, die banks in eine sinnlich-moderne r ’n’ b-ballade verwandelte. „interpol hatten denselben Manager wie ich. so habe ich deren sänger Paul banks kennengelernt – verdammt heißer typ. danach hatte ich seinen song ‚slow hands‘ tagelang im ohr – ich musste ihn einfach covern.“ obwohl banks kollegen wie kanye West oder Mumford & sons zu ihren fans zählt, schlug sie angebote von Plattenfirmen bislang aus. Ganz nach dem Motto: Wozu braucht man ein label, wenn man die songs einfach ins internet stellen kann? statt sich von superstars produzieren zu lassen, arbeitete sie lieber mit Underground-elektronikern wie dem kanadischen red bull Music academy-absolventen lunice zusammen. „ich spiele nach meinen regeln“, sagt banks. „Mir geht es darum, dass die leute meine Musik hören. Wenn ich am ende dabei auch Geld verdiene – umso besser!“ demnächst zieht sie nach london, um dort ihr debütalbum aufzunehmen – mit Paul epworth. der hat immerhin schon bloc Party und adele zum durchbruch verholfen. es besteht kein Zweifel: 2012 wird ihr Jahr. das Jahr der azealia banks. www.azealiabanksforever.com

text: florian obkircher. bild: Matt barnes

Highriser: Azealia Banks ist die coolste und talentierteste Rapperin der Stunde.


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B U L L E VA R D

EINST UND JETZT

MOTORSCHLITTEN

Vom Verkehrsmittel bis zum Freestyle-Gerät, vom Arbeitstier bis zur Rennmaschine: Das Rezept „Vorne Kufen, hinten Kette“ begleitet uns seit einem halben Jahrhundert durch den Winter. Geblieben ist nur der Name des Branchenprimus: Ski-Doo. (Und der ist falsch.)

Eigentlich hatte Joseph-Armand Bombardier seinen motorisierten Hundeschlitten-Ersatz „Ski-Dog“ nennen wollen, aber die typographische Fehlleistung des örtlichen Malers änderte alles: Er machte beim ersten Prototyp aus dem „g“ ein „o“, und dabei sollte es 30

fürderhin bleiben. Erste Versuche mit kettengetriebenen Schneefahrzeugen des Tüftlers aus Québec gingen bis in die 1920er Jahre zurück, ab 1959 wurden Ski-Doos regulär verkauft. Vorn lenken massive HolzSki, ein 7-PS-Viertaktmotörchen unter der

blechernen Schürze treibt die Kette an. Beschleunigt wird, wie heute noch, nicht mit einem Gasgriff, sondern einem Daumenhebel. K60 sind in freier Wildbahn ausgestorben und kommen nur noch im Museum vor. www.snowmobilehalloffame.com

TEXT: WERNER JESSNER

SKI-DOO K60 1960


B U L L E VA R D

BILDER: TODD MCLELLAN

SKI-DOO MX Z X-RS 800 2012 Schon der Name dieses sportlichen „TrailSled“ deutet an: So einfach ist das nicht mehr in der Motorschlitten-Welt. Es gibt für jeden Einsatzzweck den richtigen Ski-Doo. Wer also vorhat, zügig durch den Wald zu preschen und dabei die Adrenalinausschüttung

zu befeuern, ist mit dem MX Z X-RS 800 bestens bedient: 120 PS des (österreichischen) Rotax-800-ccm-Zweizylinders mit BenzinDirekteinspritzung sollten für 160 km/h reichen, die einstellbaren Federelemente des japanischen Edelherstellers KYB stets

für guten Kontakt zum Untergrund sorgen, das CroMoly-Chassis Stabilität bei geringem Gewicht garantieren. Zu schnell unterwegs? Keine Angst: Statt auf die Gesichtsbremse verlässt sich der MX-Z-X-RS-Pilot auf feine Rennbremsen von Brembo. www.ski-doo.com 31


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Meine Welt

Nicolas cage

Er heißt nicht wie sein berühmter Onkel, sondern wie ein Comic-Held. Er dreht mehr Filme als die meisten seiner Hollywood-Kollegen, liebt Elvis, den Luxus und fürchtet den Fiskus.

ro llEnta

us Ch „Als wir Nicolas Cage für ,The Rock‘ casteten“, sagte Produzent Jerry Bru ckheimer, „wirkte er kein bisschen wie ein Act ion-Star.“ Weit gefehlt. Cage hatte sich zwar mit schrulligen, humorvollen und ernsten Rollen als veritabler Schauspieler etabliert (samt Osc ar 1996), doch ab 1996 brachte er mit „The Rock“, „Con Air“ oder „Face/Off – im Körper des Feindes“ muskelbepackt die Kinokassen hef tig zum Klingeln.

Fam iliEn ban DE

Nicolas Kim Coppola feierte am 7. Jänner seinen 48. Geburtstag. Coppola? Ja, Nicolas ist der Neffe von „Der Pate“und „Apocalypse Now“-Regisseur Francis Ford und der Schauspielerin Talia Shire (bekannt als Adrian Balboa und Connie Corleone) sowie der Cousin von Filmemacherin Sofia Coppola und Schauspieler Jason Schwartzman. Nicolas’ Vater, ein Literaturprofessor, war Francis’ älterer Bruder.

Da nk E, li Eb Er

stE uEr -ma nn

Obwohl Cage einer der bestbezahlten Schauspieler ist, brachten ihn Forderungen der Steuereit. behörden immer wieder in Verlegenh Laut Angaben seines Ex-Managers besaß Cage einst 15 Immobilien, darunter je ein Schloss in England und Deutschland, eine Bahama-Insel sowie zahlreiche Luxusautos und Yachten. Um seine Steuerschulden zu tilgen, musste er sich von einigen Prestigeobjekten trennen.

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El Den Namen änderte der Kalifornier, um dem Verdacht de r Vetternwirtschaft vorzubeugen. Drei seiner ersten zehn Filme wurden von On kel Francis Ford Coppola produziert: „Die Outsider“, „Rumble Fish“ und die Komödie „Peggy Sue hat geheiratet “. 1987, mit 23 Jahren, wirkte er in de n zwei romantischen Filmen „Arizona Ju nior“ und „Mondsüchtig“ mit und sta rtete richtig durch.

vi El sP

is „Pa Pa“ E lv die Hauptrolle in David

ge 1990 spielte Ca er einen Heart“, in dem at ild „W hs Lync ley sang: es Pr vis en Idols El Hit seines groß itp Ze unkt er“. Zu diesem „Love Me Tend llac des di Ca n reits eine besaß Cage be n in Vegas“ lm „Honeymoo „King“. Der Fi -Doppelvis El n Zeichen vo steht ganz im tete Cage ira ongs. 2002 he gängern und -S er sich r de n vo , Lisa Marie en ließ. Elvis’ Tochter id he sc Tagen wieder nach nur 108

FEuErrEitE r

ComiC-Fan Cages Bühnenname geht auf Marvel-ComicsSuperheld Luke Cage zurück. Seinen Sohn nannte er Kal-El – Supermans kryptonischer Name. 2000 wurde Cage eine Erstausgabe des Superman-Comics gestohlen. Im April 2011 wurde sie in einem Lagerhaus wiedergefunden und zurückgegeben. Sieben Monate später erzielte das Heft bei einer Auktion 2,1 Millionen Dollar – 14-mal mehr, als Cage 1997 bezahlt hatte.

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ErFolgsDurstig Was Tom Cruise, Robert Redford, Johnny Depp oder Leonardo DiCaprio im Gegensatz zu Nicolas Cage in der Vitrine fehlt, ist ein Oscar für die beste Hauptrolle. Den erhielt Cage für seinen Part in „Leaving Las Vegas“, die einfühlsam gespielte Darstellung eines gescheiterten Drehbuchautors, der sich buchstäblich zu Tode trinkt.

Ende Februar kommt die Fortsetzung der Comic-Verfilmung „Ghost Rider“ in die (3-D-)Kinos. Zum zweiten Mal, nach 2007, schlüpft Cage darin in die düstere Rolle des Stuntriders Johnny Blaze. Der „entflammte“ Motorradfahrer mit den übernatürlichen Kräften bekommt es diesmal mit dem Leibhaftigen höchstselbst zu tun, dem er im ersten Teil seine Seele verkaufte. www.thespiritofvengeance.com

text: ruth morgan. illustration: lie-ins and tigers

iE lE r Nach Cages verme hrten Ausflügen ins Action-Genre meint e Kollege Sean Penn : „Cage ist kein Scha uspieler mehr, sondern ein Performer. “ Daraufhin kündigt e ihm dieser die Freun dschaft. Ging in de n letzten Jahren bei Cages Rollenwahl tatsächlich Quantitä t vor Qualität? Seit 2000 wirkte Cage in 25 Filmen mit (eine n Kurzauftritt inbegriff en) und lieh Animationsfiguren in vier weiteren seine Stimme: ein Topwert un ter Hollywoodstars.


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BILDER: THOMAS BACHUN/GEPA PICTURES, FRANCK FIFE/AFP/GETTY IMAGES, MARKUS OBERLAENDER/GEPA PICTURES. ILLLUSTRATION: DIETMAR KAINRATH

BIKEN À LA CART

ALLSPORT

Brasiliens Jungstar Neymar wurde mit dem FIFA Puskás Award für das schönste Tor des Jahres ausgezeichnet: zu bewundern auf YouTube, Stichwort: „Neymar Puskás Award“.

Der EC Red Bull Salzburg holte sich mit einem 3:2 über Jokerit Helsinki den Sieg beim Red Bulls Salute, dem Finalturnier der European Trophy.

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FORMELSAMMLUNG

LUFTGEPOLSTERT

SO SIEHT DIE THEORIE AUS … Snowboarden im Tiefschnee erweckt ein Gefühl von Schweben. In der Tat trägt die Luft zwischen den winzigen Schneekristallen wesentlich zum Auftrieb bei. Dazu muss der Snowboarder jedoch schnell genug unterwegs sein. Der Schlüssel – um auf einem Luftpolster zu gleiten – liegt in der kurzen Kontaktzeit zwischen dem Snowboard und dem Schnee. Bewegt sich der Snowboarder mit einer Geschwindigkeit v von 15 Metern pro Sekunde mit einem 1,5 Meter langen Board (L), so ergibt sich für die Kontaktzeit (t = L/v) eine Zehntelsekunde. Innerhalb dieser Zeitspanne wird der Schnee unter dem Board durch das Gewicht des Snowboarders komprimiert. Dadurch erhöht sich der Luftdruck unter dem Board, da die Luft durch die Poren des Schnees nur langsam entweichen kann. Der erhöhte Luftdruck führt zu einer aufwärtsgerichteten Kraft, die dem Board Auftrieb verleiht. Die Luft bleibt für kurze Zeit unter dem Board gefangen. Experimente zeigen, dass die Luft zirka 0,5 Sekunden benötigt, um durch den porösen Schnee zu entweichen. Ist die Kontaktzeit kürzer, bleibt der Überdruck aufrecht und trägt bis zu 50 Prozent zum gesamten Auftrieb bei. Drei Faktoren bestimmen die Stärke des Auftriebs: erstens die Konsistenz und Zusammensetzung des Schnees, zweitens das Verhältnis zwischen Breite und Länge des Boards und drittens das Kompressionsverhältnis. In der Formel geben a, b und c die Stärke des jeweiligen Effekts an. Luftdruck und Auftrieb steigen mit h²/K, wobei h die Dicke der Schneeschicht und K ein Maß für die Durchlässigkeit des Schnees ist, das von der Dichte des Schnees und dem Durchmesser der Schneekristalle D abhängt. Aus den Gleichungen ist ersichtlich, dass kleinere Schneekristalle zu höherem Auftrieb führen. Je breiter das Board, desto länger braucht die Luft, um zu entweichen. Daher nimmt die Auftriebskraft mit dem Quadrat des Verhältnisses W/L zu. Schlussendlich wächst die Auftriebskraft mit dem Kompressionsverhältnis h² /h¹ (h¹ bezeichnet die Dicke der Schneeschicht am hinteren, h² jene am vorderen Ende des Boards). … UND SO DIE PRAXIS „Durch den Tiefschnee zu gleiten ist wie Surfen“, sagt die Kanadierin Marie-France Roy, 27, Snowboard-Pro. „Du gleitest, du carvst. Je steiler das Gelände ist und je schneller du bist, desto leichter wird alles. Aber zu Beginn muss man erst das richtige Gefühl entwickeln. Leute, die das erste Mal im Powder fahren, verlagern ihr Körpergewicht nicht auf den hinteren Fuß. Und wenn du das Gewicht nicht konsequent nach hinten legst, gräbt sich die Spitze des Boards in den Schnee, und du bleibst stecken. Aber sobald du den Dreh raus hast und das Gewicht richtig verlagerst, hebt sich die Nase, du beginnst zu gleiten … und das ist eines der tollsten Elemente beim Snowboarden.“ Hier zwitschert die Schneekönigin: www.twitter.com/mariefranceroy * Prof. Thomas Schrefl unterrichtet und forscht an der Fachhochschule St. Pölten, Niederösterreich, und an der Universität Sheffield, Großbritannien.

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BILD: TONY HARRINGTON/RED BULL CONTENT POOL. ILLUSTRATION: MANDY FISCHER

Warum sich Tiefschneefahren mit dem Snowboard so gut anfühlt, erläutert unser Physiker*.


B U L L E VA R D

.Alis nullan euisim dolor ilisi erci ex er sent lutat aliquat il ut ut utpat nonsequi tatet nullaore digniametum vent aciliquam nullanirit, se feugait, conum irit velismod ea co

Physikalisch eher einschĂźchternd, in der Praxis luftig leicht: Snowboard-Pro Marie-France Roy (CAN) im Powder.

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B U L L E VA R D

ZAHLEN DES MONATS

GRAMMY AWARDS

Die Facts zum wichtigsten Preis der Musikindustrie: wer die Trophäen gießt, wer den schlimmsten Fauxpas beging, wer den Rekord hält und wer seinen Grammy wieder zurückgeben musste.

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26.000.000

31

Mit 31 Preisen führt Georg Solti († 1997) die Rekordliste an. Sein Debüt-Grammophon erhielt der ungarisch-britische Dirigent bei der ersten Grammy-Verleihung 1959, sein letztes – fürs Lebenswerk – 1996. Ihm auf den Fersen sind Stars wie Quincy Jones (27) und Stevie Wonder, mit 22 Auszeichnungen der erfolgreichste männliche Pop-Künstler. Apropos Wonder: 1977 wollte der blinde Sänger seinen Preis via Satellitenschaltung in Nigeria live entgegennehmen. Als die Leitung stand, fragte ihn Moderator Andy Williams: „Stevie, kannst du uns jetzt sehen?“ Es war Williams’ letzter Auftritt bei den Grammys.

Grammy Trophy

Thomas A. Edison

Stevie Wonder

Carlos Santana

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78

Bei der ersten Show 1959 wurden Musiker noch in überschaubaren 22 Kategorien ausgezeichnet. Letztes Jahr waren es 109 – vom besten Polka-Album bis zum Hörspiel des Jahres. Zu viele, befand die Recording Academy und kürzte die Liste für 2012 auf 78 Kategorien. Ein falscher Schritt, so der 10fache Grammy-Gewinner Carlos Santana: „Du kannst die Preise für Gospel, hawaiianische Musik oder Latin Jazz nicht einfach streichen. Weil genau solche Musikgenres veranschaulichen, was die USA sind: ein soziales Experiment.“ Milli Vanilli

1,92

In seinem Heimatort Ridgway in Colorado wird John Billings „The Grammy Man“ genannt. Seit über 30 Jahren fertigt er sämtliche Trophäen in seiner Werkstatt von Hand an. 15 Stunden arbeitet der heute 63-Jährige an einem Grammophon, vom Metallgießen bis zur Vergoldung und Gravierung. Von seinem Studio aus liefert er die 1,92 Kilo schweren Statuetten alljährlich über tausend Kilometer nach Los Angeles – allerdings erst nach der Verleihung, wenn die Sieger verkündet sind. Bei der Award-Show selbst werden nur Attrappen verwendet.

Diana Ross, Queen, Bob Marley oder The Kinks – eine Menge wichtiger Musiker hat nie einen Grammy erhalten. Aber nur eine Gruppe musste ihren wieder hergeben: Milli Vanilli. Bei der Show 1990 als „Best New Artist“ gefeiert, kam wenig später ans Tageslicht, dass das deutsche Duo gar nicht singen konnte und nur die Lippen zum Gesang anderer bewegte. Daraufhin wurde Milli Vanilli nicht nur der Preis aberkannt, ein US-Gericht sicherte jedem Käufer ihrer Alben sogar eine Entschädigung zu.

1989

Obwohl Heavy-Metal-Bands schon seit den späten Sechzigern Konzerthallen füllen, wurde die Kategorie „Best Hard Rock/Metal Performance“ erst 1989 eingeführt. Kurz nachdem Metallica ihr legendäres Album „… And Justice for All“ veröffentlichten. Der Sieg schien der Band gewiss, doch statt ihrer erhielten die alten Flöten-Rocker Jethro Tull den Preis, unter Buhrufen der HardRock-Fans. Metallicas Groll dürfte mittlerweile verflogen sein: Die US-Rocker haben inzwischen neun Grammys auf dem Kaminsims stehen.

Metallica

Die Grammys werden am 12. Februar im Staples Center in Los Angeles verliehen. Alle Infos und Nominierungen auf: www.grammy.com

TEXT: FLORIAN OBKIRCHER. BILDER: PICTUREDESK.COM, CORBIS (4), GETTY IMAGES

Wie die Filmindustrie wollte ab 1959 auch die USMusiker-Gilde (National Academy of Recording Arts & Sciences) ihre Mitglieder ehren. Über den Namen der Trophäe war man sich anfangs uneins. Eine Idee war „Eddie“, zu Ehren Thomas A. Edisons. Am Ende setzte sich ein anderer Name durch: Gramophone Award, heute kurz Grammy. Die erste Verleihung fand am 4. Mai 1959 im Beverly Hilton in L. A. statt. Seit 1971 überträgt das US-Fernsehen die wichtigste Musikpreisverleihung der Welt live, 2011 sahen 26,6 Millionen zu.


Action

die SandfreSSer Unter der Stadt graben sie jene Tunnel, die zur Versorgung New Yorks unerlässlich sind. Eine Frau verbrachte Jahre in der Tiefe, um diese gefährliche Arbeit zu dokumentieren. Text: Paul Wilson, Bilder: Gina LeVay 38


unter manHattan Juni 2008: Minenarbeiter Kenneth Schnell (links) an der Sohle eines Schachts, der hier in den künftigen New­York­ City­Wassertunnel Nummer 3 übergeht. Fotografin Gina LeVay: „Ich habe die sieben Jahre der gemeinsamen Arbeit mit diesen Männern genossen. Es war außergewöhnlich.“


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ie wollte Fotos der Sandhogs schießen: So nennt man jene Männer, die tief unter New York die Versorgungstunnel der Stadt graben. Zum ersten Treffen erschien Gina LeVay jedoch ohne Fotoapparat. „Ich wollte ihnen zunächst erklären, was ich vorhatte“, so LeVay. Vier Monate dauerte es, bis sie alle Genehmigungen beisammenhatte, um im Tunnel – genauer gesagt dem Abschnitt „Manhattan“ des New-York-City-Wassertunnels No. 3 – fotografieren zu dürfen. In dieser Zeit gewann sie den Respekt der Arbeiter auf der Baustelle über Tag, ehe es 2003 das erste Mal in die Tiefe ging. Alles, was LeVay (anfangs) wollte, war, ein Thema zu finden für ihr Master-Studium. Am Ende dauerte die Kooperation sieben Jahre: „Ich war jeden Monat einige Male dort unten, jeweils zwei bis vier Stunden lang.“ Den Abschluss bildete 2011 eine Foto- und VideoInstallation in der New Yorker Grand Central Station („Ich wollte die Menschen dazu bringen, innezuhalten und besser zu verstehen, wie Dinge zusammenhängen. Sie sollten auch erkennen, dass der ‚Körper Stadt‘ aus verschiedenen Schichten besteht“) und das Buch „Sandhogs“. Gina LeVay: „Die Männer haben meine Ideen und meine Arbeit respektiert. Sie haben auch geschätzt, dass ich so verbissen an der Sache dran war – genau wie sie selbst.“

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Drunter und drüber 2004 –2007: Jason McCormick und Eammon Greenan rücken dem gewachsenen Fels im Nordtunnel mit einem Bohrer zu Leibe. Linke Seite, oben: ­Sicherheitschef Pete Reynolds auf dem Weg zum Lasten­ aufzug. Links unten: John Wademan, Tunnelarbeiter in dritter Generation, vor einer Schalung für Beton.


der PreiS der müHe Dezember 2006: Andy Hickey und Jim und Eammon O’Donnell helfen, eine 20 Tonnen schwere Lokomotive nach oben zu hieven. Die Arbeit der Sandhogs ist hart und gefährlich: Seit Baubeginn 1970 bis zum heutigen Tag haben 23 Menschen im Zuge der Bau­ arbeiten am New Yorker Wasser­ tunnel No. 3 ihr Leben gelassen. Im Jahr 2020 soll das Projekt abgeschlossen sein.


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Vor ort und im Studio Im Uhrzeigersinn von links oben: Neil Hickey, Patrick Donovan, Mickey Jiminez und Joe Picozzi. „Meine Idee war, die Sandhogs direkt nach ihrer Schicht zu mir ins Studio zu holen, um jedes ‚schmutzige‘ Detail einfangen zu können“, erzählt Gina LeVay. „Ich dachte, dass sich vier, fünf melden, aber dann wollten dreißig fotografiert werden. So marschierte ich schließlich mit dreißig dreckigen, verschwitzten Sandhogs im Schlepptau durch Manhattan. Zuvor hatte ich meinen Assistenten im Studio angerufen und gesagt: ‚Hör zu, wir brauchen mehr Bier.‘“ 43


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gnadenLoSe tiefe Oktober 2008, Tunnel der Filter­ anlage unter dem Van Cortlandt Park, Bronx. „Es gibt auf Schritt und Tritt dutzende Möglichkeiten, bei der Arbeit getötet, zerquetscht oder zerrissen zu werden“, sagt Sandhog Kevin Tucker. „Es ist ge­ fährlich, und irgendwann verletzt sich ein jeder. Was man bräuchte, wären Augen am Hinterkopf.“ 45


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die HerauSforderung unter tage November 2006 (Bild oben): Der Blick nach oben aus 250 Meter Tiefe. 2005 bis 2009, vier Porträts (im Uhrzeigersinn, von links oben): Brian Thorne, Kerwin A. Antoine, John Hammer und Dennis O’Neill.

Sogar Moses hatte, als er das Rote Meer teilte, bereits Sandhogs dabei (so die Legende). Jene Mannschaft, die im Manhattan-Abschnitt des NYC-Wassertunnels Nummer 3 gearbeitet hat (dieses Baulos ist bis auf diverse Hilfsaggregate und Verkabelungen inzwischen fertig; das Gesamtprojekt soll 2020 in Betrieb gehen), realisiert nun ein Vorhaben der LongIsland-Eisenbahngesellschaft: Bis 2016 soll das Streckennetz durch einen weiteren Tunnel, den East Side Access, zur New Yorker Grand Central Station hin erweitert werden. Nach zweijähriger Pause ist auch Gina LeVay wieder als Fotografin dabei: „Dieser Job ist für die Arbeiter eine noch größere Herausforderung, weil sie bei ihren Bohrungen den Fundamenten der Wolkenkratzer näher sind.“ www.ginalevay.com

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Action

Ein Mann für alle Fälle Mit 27 am Tiefpunkt seines Lebens. 15 Jahre später der gefeierte Zehnkämpfer unter den Hollywood-Stars: Gerard Butler brilliert als Actionheld ebenso wie als romantischer Frauenliebling, er leiht Animationsfiguren seine Stimme, spielt Shakespeare – und inspiriert nebenbei Klatschjournalisten zu den abenteuerlichsten Gerüchten.

„das Coolste, Aufregendste, Großartigste, was ich je gemacht habe, war, dieses Charity-Match zu spielen. im Celtic-Park-Stadion, vor den Celtic-Fans, in diesem grün-weiß gestreiften dress gegen Manchester United, neben Henrik Larsson (dem früheren CelticStar, Anm.) und Neil Lennon (dem aktuellen CelticTrainer, Anm.) gegen Leute wie roy Keane, teddy Sheringham oder dwight yorke.“ Gerard Butlers Augen glänzen. „dieses Match im Sommer war der Höhepunkt meiner bisherigen Karriere.“ Gerard Butler ist 42, Schotte, seit seiner Kindheit glühender Celtic-Glasgow-Fan, Hollywoods derzeit bestbezahlter britischer Schauspieler und in jeder Hinsicht blendend im Geschäft. Bei dem mit Stars gespickten Abschiedsspiel für Celtic-Verteidiger John Kennedy im August 2011 in Glasgow sorgte Butler als Fußballer 60 Minuten lang für Standing Ovations der Fans. Und bei den soeben zu ende gegangenen dreharbeiten für „Playing the Field“ durfte er unter anderen Catherine Zeta-Jones, Jessica Biel und Uma thurman nahekommen. tatsächlich besteht ein Zusammenhang zwischen seiner letzten rolle und seinem großen Auftritt: „in ‚Playing the Field‘ spiele ich einen Fußballprofi, der trainer einer Schulmannschaft wird und sich mit einigen der Spielermütter einlässt“, sagt Butler, „also musste ich vor drehbeginn wohl oder übel in Form kommen. ich habe viel Fußball gespielt, bin gesurft, gewandert, gelaufen und rad gefahren. Nebeneffekt: ich war punktgenau fit für das Spiel.“ An seiner Fitness hat sich bis zu unserem Gespräch im Londoner Soho Hotel offensichtlich nichts geändert: im schwarzen Poloshirt, den Combat48

Hosen und den schweren Militärstiefeln, mit dem zerzaust lockigen Haar und dem gewollt unordentlichen Bart sieht er großartig aus. der Gesprächspartner Gerard Butler ist erfrischend offen, angenehm zurückhaltend und vor allem sehr, sehr witzig. Weit und breit keine Spuren von Allüren. Nichts deutet darauf hin, dass man es mit jemandem zu tun hat, der Gerüchten zufolge mittlerweile achtstellige Schecks für seine rollen kassiert und der an mehr Kassenschlagern mitgewirkt hat als etwa OscarGewinner Colin Firth oder daniel Craig (Letzterer bilanzierte, abgesehen von den Aufträgen im dienste ihrer Majestät, ohnehin eher durchwachsen). Butler nimmt’s mit einem Lächeln: „Nun ja, wir Schotten sind vernünftige Leute. Wir haben gute Manieren. Und selbst wenn ich einmal Gefahr laufen sollte abzuheben: da gibt’s daheim genug Freunde und die Familie, die dafür sorgen, dass da nichts passiert.“ Und weiter: „im Großen und Ganzen bin ich wohl ein ziemlich typischer Schotte. Wir Schotten haben kein talent für diesen ganzen ego-Scheiß.“ er nimmt einen Schluck Wasser, kichert, dass seine Schultern auf und ab hüpfen. „Lass mich ein Beispiel erzählen. Neulich traf ich einen alten Kumpel in Glasgow. er war ziemlich betrunken, also hat er mich gleich umarmt und losgelegt: ‚Weißt du, Gerry‘, hat er gelallt, ‚bei all dem erfolg und dem ruhm bist du doch derselbe geblieben, der du immer warst.‘ ich war ein bisschen verlegen und wollte mich bedanken. Aber noch bevor ich etwas sagen konnte, fuhr er fort: ‚du bist immer noch dasselbe Arschloch!‘ Und brüllte vor Lachen. Großartig, oder? das ist der Unterschied zwischen Los Angeles und Glasgow.“

BiLd: JeFF VeSPA/CONtOUr By Getty iMAGeS

Text: Chris Sullivan


„Ich bin ein ziemlich typischer Schotte. Und Schotten haben kein Talent für Ego-Scheiß.“ 49


Action

„Ich wusste, dass es aufreibend werden würde, vor allem mental, wirkliche Knochenarbeit.“

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so unglaublichen Geschichte, dass ich beim ersten Lesen des drehbuchs dachte: ‚das ist unmöglich, das kann alles nicht stimmen.‘ Aber es ist doch die Wahrheit – und dazu die vielschichtige Persönlichkeit von Sam. ich wusste nicht, ob ich das alles schaffe. ich wusste nur, dass es aufreibend werden würde, vor allem mental, wirkliche Knochenarbeit.“ Gerard Butler wurde am 13. November 1969 in Paisley, 15 Kilometer westlich von Glasgow, geboren. Vater edward war Buchmacher und ein kleiner Gauner, Mutter Margaret Hausfrau. der kleine Gerard war sechs Monate alt, als die Familie – samt dem älteren Bruder Brian und der älteren Schwester Lynn – nach Montreal auswanderte. doch aus dem erhofften neuen, glücklichen Leben wurde nichts. die ehe der eltern zerbrach, Margaret kehrte mit den Kindern nach Schottland zurück. „Meine Mum war alles für mich“, sagt Butler, „weil sie zugleich Mutter und Vater war. Sie hat alles für uns gegeben.“ Butler war ein aufgeweckter Junge, ausgezeichneter Schüler, Schulsprecher an der Highschool in Paisley. 1985, nach 14 Jahren ohne Kontakt mit der Familie, kehrte der Vater zurück – und Gerard und er holten die verlorene gemeinsame Zeit nach. Sechs Jahre später, Butler hatte soeben an der Universität von Glasgow sein Jus-Studium abgeschlossen, starb sein Vater. Krebs. ein tiefschlag für den jungen Mann. Butler setzte sich in die USA ab und verbrachte dort ein zügelloses Jahr. „Aus einem unbeschwerten Sechzehnjährigen war ein Zweiundzwanzigjähriger geworden, dem es egal war, ob er am nächsten Morgen noch aufwachte.“ Nach Schottland zurückgekehrt, fand er einen Job als Anwaltsaspirant in einer edinburgher Kanzlei. dort sorgte er aber weniger mit juristischer Fachkenntnis für Aufsehen als mit seinen Fähigkeiten als Partytiger. Sieben tage vor seiner ernennung zum Anwalt wurde er gefeuert. „ich habe gesoffen, bis ich mich an nichts mehr erinnern konnte“, erzählt er. „ich war auf einer Art Selbstzerstörungstrip. dann noch die Sache mit dem Job … ich war Mitte zwanzig und unten. Ganz unten.“ Butler ging nach London. Und hatte Glück. traf eine alte Freundin, die in der Zwischenzeit Besetzungschefin eines theaters geworden war. Und sie verschaffte dem verkrachten Anwalt die Chance, vor regisseur Steven Berkoff für dessen Produktion von Shakespeares „Coriolanus“ vorzusprechen. Butler war damals 27 und hatte weder eine Ausbildung noch nennenswerte erfahrung als Schauspieler. „Aber ich hatte ja doch schon einiges erlebt“, sagt er. „Und das ist oft genauso viel wert.“ Bald machte Butler erste Schritte vom theater zu kleineren Film- und Fernsehrollen. Und leckte Blut: 2001, nach fünf Jahren Schauspielerei, wechselte er nach Los Angeles.

Die Highlander Fünf Schotten, die wie Gerard Butler in Hollywood Karriere machten.

EWAN McGREGOR

Nur 16½ Monate jünger als Butler, aber ein Jahrzehnt länger im Business: McGregors Karriere begann 1996 spektakulär mit „Trainspotting“. 2012 ist er in vier neuen Filmen zu sehen, darunter „Haywire“ und „The Impossible“.

KEVIN MACDONALD

Regisseur von „Der letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht“, „Der Adler der neunten Legion“ und „Touching the Void“. Gewann 1999 den Oscar für seinen Dokumentarfilm „Ein Tag im September“ über die Anschläge bei den Olympischen Spielen von München. Enkel der britischen Filmlegende Emeric Pressburger.

BiLder: Getty iMAGeS

es ist nicht lange her, da brauchte Butler für ein Projekt seine gesamte schottische Belastbarkeit. Unter der regie von Marc Forster (der etwa für „ein Quantum trost“ verantwortlich zeichnet oder den kommenden Zombie-Action-Hit „World War Z“ mit Brad Pitt) drehte er „Machine Gun Preacher“, einen Action-Streifen, der den authentischen Lebensweg von Sam Childers erzählt: die Geschichte eines Junkies und Mitglieds einer gefährlichen MotorradGang, der sich zum Missionar wandelt – zu einem ganz und gar außergewöhnlichen Missionar. Childers setzt sich für die ärmsten Opfer des grauenhaften sudanesischen Bürgerkriegs ein: er baut ein Waisenhaus für jene Kinder, deren eltern umgebracht wurden und die nun als Kindersoldaten oder Sexsklaven verschleppt werden sollen. Und er schreckt nicht davor zurück, Gewalt mit Gewalt zu begegnen, bewaffnet sich und bekämpft die grausame Lord’s resistance Army (LrA). die rolle des Sam Childers ist wohl sein bisheriges Meisterstück, ein Meilenstein für Gerard Butler – sowohl des Schauspielers als auch des Menschen. „in der Vorbereitung musste ich mir furchtbare Videos ansehen, zum Beispiel das über ein sechs Monate altes Babys, das zu tode gehackt wurde, während seine Mutter es am rücken trug“, sagt er und hüstelt verlegen. tränen schießen ihm in die Augen. er ist zornig. „es geht diesen Bastarden nicht um Politik. es geht ihnen ums töten. darum, wehrlose Menschen mit Macheten zu zerstückeln. Grauenhaft. Am Anfang möchtest du nichts anderes, als jeden einzelnen dieser Mörder mit bloßen Händen umzubringen. Aber mit der Zeit verstehst du, dass die Sache nicht nur grausamer ist als alles, was du dir vorstellen kannst, sondern auch komplizierter. denn gerade jene, die die schrecklichsten Verbrechen begehen, wurden als Kinder selbst gekidnappt, von der LrA umerzogen und zu Monstern gedrillt. einige von ihnen sind gerade einmal neun Jahre alt. es sind Kinder … es zerreißt dir das Herz.“ „Machine Gun Preacher“ beginnt mit einer Szene, in der ein kleiner Junge dazu gezwungen wird, seine Mutter zu töten. Klingt ebenso widerlich wie unglaublich, ist aber ein übliches ritual der LrA, um den Willen von Kindern zu brechen. „Ausgerechnet die Scheißkerle, die ihn zu dieser tat gezwungen haben, werden dann zur Familie des Jungen, seinen einzigen Bezugspersonen“, sagt Butler. „es hat gedauert, bis ich verstanden habe, dass etwas so Unmenschliches teil der realität unserer Welt ist.“ Butler lernte in der Vorbereitung auf seine rolle auch den Mann kennen, den er darstellen sollte: „ich habe einen Monat mit Sam Childers verbracht. Und ich habe in dieser Zeit einen knallharten typen kennengelernt“, sagt Butler, „einen typen mit einer


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Action

„Man muss alles probieren, und manchmal

KELLY MacDONALD

Auch sie tauchte 1996 in „Trainspotting“ auf. 2007 konnte sie in „No Country for Old Men“ wieder zeigen, was sie draufhat. Im Juni kommt der PixarFilm „Brave“, in dem Kelly der Hauptfigur ihre Stimme leiht.

CRAIG FERGUSON

Der ehemalige Schauspieler und Komiker brilliert seit sieben Jahren im direkten Anschluss an David Lettermans „Late Show“ mit seiner „Late Late Show“.

IAIN NEIL

Iain … wer? Elf Oscars für Film- und Videokameralinsen: Keine lebende Person besitzt mehr Academy Awards als Hollywoods heimlicher Superstar.

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dort setzte der Hollywood-rookie jenem Leben ein ende, das er bis dahin geführt hatte. „ein oder zwei drinks waren nie genug für mich. ich habe bis zum Anschlag getrunken, immer. Aber seit ich aufgehört habe, vermisse ich es überhaupt nicht. es ist so, als hätte ich im Leben keinen einzigen drink gehabt.“ Mit der trinkerei aufzuhören erwies sich als Karriere-Stimulans. einer rolle als Hunnenkönig Attila in einem tV-Mehrteiler folgte 2003 ein romantischer Auftritt an der Seite Angelina Jolies in „Lara Croft: tomb raider – die Wiege des Lebens“. im Jahr darauf spielte er mit emily Mortimer im britischen Film „Lieber Frankie“ und in Joel Schumachers Version von „das Phantom der Oper“, wobei er im ringen um die titelrolle immerhin Nicolas Cage und John travolta ausstach. dennoch wurde er erst 2007 zu einem der top-Stars in Hollywood, als er als König Leonidas von Sparta in „300“ auf dem Filmplakat eindrucksvolle Bauchmuskeln zeigte. „ein ganz gutes Sinnbild für meine Karriere ist ein Zug, der sich einen Berg hinaufmüht“, beschreibt Butler. „Hat er den Gipfel erreicht, geht alles plötzlich ganz einfach. Mein Gipfel war ‚300‘.“ Für „rock N rolla“ (2008) besetzte regisseur Guy ritchie die Hauptrolle mit Butler – als charismatischen Gauner One two, der unbedingt Geschäftsmann werden will. „ich wusste, dass ich diese rolle spielen kann“, sagt Butler, was wohl als Hinweis auf die Karriere seines Vaters verstanden werden darf. „ich kannte diesen Charakter in- und auswendig.“ insgesamt besetzt Butler eines der ältesten rollenfächer in Hollywood, das des harten Kerls mit dem weichen Kern; aber bei ihm wirkt es nie so, als spielte er diese rollen – er ist sie. Gerard Butler ist zum einen ein erdiger, bodenständiger typ, der sich nichts gefallen lässt, zum anderen nachdenklicher Seelenforscher, immer auf der Suche nach dem Guten. Als Schauspieler beeindruckt er zudem durch Vielseitigkeit. So machte er in romantischen Komödien gute Figur, etwa in „P.S. ich liebe dich“ mit der zweifachen Oscar-Gewinnerin Hilary Swank, in „die nackte Wahrheit“ mit Katherine Heigl und „der Kautions-Cop“ mit Jennifer Aniston. „Man muss alles probieren“, sagt Butler, „und manchmal auch etwas riskieren. ich hätte ewig der Action-Kerl bleiben können – aber dann habe ich einen Kinderfilm gemacht, ‚die insel der Abenteuer‘, dann einen Haufen romantischer Komödien und dann wieder ‚Gesetz der rache‘, einen thriller über einen Serienmörder mit Jamie Foxx.“ Auf der Besetzungs-Wunschliste von Filmproduzenten hat Gerard Butler mittlerweile ebenso seinen Fixplatz wie auf tratsch-Websites, wo sich allerlei Gerüchte über angebliche Liebeleien mit Jennifer Aniston, Cameron diaz, Naomi Campbell oder dem Model Sarah Carroll finden.

„ich bin ein alleinstehender, erfolgreicher schottischer Schauspieler in einer Stadt voller wunderschöner Frauen“, sagt Butler dazu mit einem Grinsen. „ich gebe gerne zu, ich habe wohl die beste Zeit meines Lebens, aber ich kann mit ruhigem Gewissen sagen: Kein einziges der Gerüchte in den letzen drei Jahren hat gestimmt. ich weiß mich mittlerweile ja auch zu benehmen – was, zugegeben, nicht immer so war, wenn ich an frühere Zeiten zurückdenke.“ egal ob sein ruf als Frauenheld berechtigt ist oder nicht: Bei Frauen gut anzukommen kann bei einem Schauspieler nicht schaden. Also, geradeheraus gefragt, Gerard Butler: Wie fühlt man sich so als Hollywoods heißester britischer Schauspieler? „Ach“, antwortet er nach einem Lacher, „sagen wir so: ich bin nicht sicher, ob ich das wirklich bin. Aber lassen wir den Anwalt in mir sprechen: Gehen wir einmal hypothetisch davon aus, dass das doch der Fall wäre … nun ja, dann fühlt sich das natürlich großartig an. Aber ich brauche gar keine titel oder anderen Anerkennungen. die Arbeit, die ich zur Zeit machen darf, ist für mich Belohnung genug.“ Mit jener rolle, die ihn derzeit ins Kino bringt, schließt sich in Butlers Karriere ein Kreis: da spielt er neben ralph Fiennes in dessen regie-debüt „Coriolanus“, einer Modernisierung jenes Stücks, in dem Butler seinerzeit in London sein glückliches debüt auf der Bühne feiern durfte. „‚Coriolanus‘ war mein erster professioneller Auftritt, auch wenn ich nur sechs oder sieben Zeilen text hatte. ein paar Jahre später liegt nun dieses drehbuch auf meinem Schreibtisch, und mein Agent sagt, ralph habe schon ein paarmal angerufen, weil er mich wirklich für diese rolle will. ich dachte nur: ‚Oh mein Gott!‘ in diesem Film tullus Aufidius spielen zu dürfen, den erzfeind von Coriolanus und Anführer der rebellen, war gigantisch für mich. Bevor wir mit den dreharbeiten begannen, habe ich im 3-d-Animationsfilm ‚drachenzähmen leicht gemacht‘ die Figur des Haudrauf gesprochen – der Unterschied könnte kaum größer sein“, sagt er und grinst. „Vielleicht ist es gerade diese Vielseitigkeit, die mich frisch hält. ich gehe in jeden Film neu hinein, jedesmal bin ich unsicher, ob ich dieser Aufgabe gewachsen bin … aber wage mich dann trotzdem heran, weil ich jemand bin, der Herausforderungen einfach braucht.“ „ich habe viel erlebt, bevor ich Schauspieler wurde – und ich habe viel erlebt, seit ich Schauspieler bin“, sagt Gerard Butler. „es ist einfach ein Job, und wie jeder andere in jedem anderen Job muss ich mich selbst herausfordern und pushen und Neues ausprobieren, damit alles interessant bleibt.“ „Coriolanus“ kommt im Frühjahr ins Kino, „Playing the Field“ hat am 9. März Premiere, „Machine Gun Preacher“ erscheint im März auf DVD; www.machinegunpreacher.org

BiLder: Getty iMAGeS

muss man auch etwas riskieren.“


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Speed Sisters Sie haben ein Problem mit Mädchen, die in Palästina Autorennen fahren? Sorry, aber die schnellen Schwestern pfeifen auf Konventionen. Sie kümmern sich nur um sich selbst. Text: Ruth Morgan, Bilder: Taz Darling


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ie Stille einer Samstagnacht in Bethlehem wird kurz vor Mitternacht durch Reifenquietschen zerrissen. Ein roter VW Golf GTI rast an der Geburtskirche vorbei. Hinterm Lenkrad: Betty Saadeh. Die Hände mit den perfekt manikürten Fingernägeln geben die Richtung vor, 15-ZentimeterHighheels treten die Pedale. Betty trägt ein eng anliegendes schwarzes Kleid, und den Nachmittag hat sie beim Friseur verbracht, um sich Extensions an ihr dunkelblondes Haar machen zu lassen. Denn: Heute Nacht gibt’s etwas zu feiern. Die 32-jährige Mutter zweier Kinder war am Vortag zur schnellsten Frau des Westjordanlandes gekürt worden, als sie die Frauenmeisterschaft in Palästinas SpeedTest-Serie gewann – mit beinahe demselben Golf, den sie jetzt im Stadtzentrum parkt. Auch ihr Auto hat eine Verwandlung hinter sich: Am Morgen war es noch eine leere Hülle gewesen, mit sichtbar metallenem Innenleben, da alles bis auf ihren Racing-Schalensitz herausgenommen worden war. Aber Maher, Bettys Mechaniker, hat den Wagen nach dem Rennen wieder straßentauglich gemacht – und nun sind die einzigen Zeichen der gestrigen Action die Überreste der Racing-Sticker an der Karosserie. Auf der Beifahrertür prangt noch immer in großen roten Buchstaben der Name von Palästinas einzigem Frauen-Motorsportteam: The Speed Sisters. Betty Saadeh ist mit ihrer hübschen Teamkollegin, der sportbesessenen Nuur Daoud, 22 – stolze Besitzerin eines pechschwarzen BMW –, in die Stadt gekommen. Als die zwei den Nachtclub im Keller des Jacir-Palace-Hotels betreten, drehen sich viele Köpfe nach ihnen um. „Hast du heute den Artikel in der Zeitung gelesen?“, ruft Betty ihrer Begleiterin Nuur über die Schulter zu. Beinahe werden die Worte von den dröhnenden Beats von Dr. Dre und Rihanna verschluckt. „Da war zu lesen: 56

‚Betty: Die Königin der Autos‘. Mein Mechaniker hat mir gesagt, dass die Jungs meine Rundenzeiten genau beobachtet haben. Die wollten wissen, ob ich sie geschlagen habe.“ – „Du hast so viele von ihnen geschlagen“, ruft Nuur grinsend zurück, während sie den Barkeeper herbeiwinkt. Die Speed Sisters, ein Team von sechs Frauen, verändert das Gesicht des Motorsports im traditionell-konservativen Palästina. Zu den Rennen im Westjordanland treten sie auf gleichem Niveau gegen die Männer an, vor tausenden Fans, und mit jeder Reifenspur muss ein Vorurteil daran glauben. Das Team setzt sich aus christlichen und muslimischen Fahrerinnen im Alter von 20 bis 35 Jahren zusammen, geeint vom Hunger nach Autorennen. In den abgeschlossenen Palästinenser-Gebieten, wo Raum kostbar ist, gibt es kaum Straßen ohne Checkpoints. Rennfahrer müssen daher geeignete Orte finden, um ihre Hindernisparcours für Rennen aufbauen zu können: etwa einen stillgelegten Hubschrauberlandeplatz in Bethlehem oder einen ehemaligen Marktplatz in Dschenin. Als Betty und Nuur mit einem Drink in der Hand gen Dancefloor schreiten, erinnert nichts an ihnen an die Welt aus Öl, Schweiß und Lärm, in der sie an den letzten zwei Tagen noch unterwegs waren. Ein Parkplatz auf einem Hügel in Jericho war da die temporäre Heimat für Palästinas Race Community.

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m Abend vor dem letzten Rennen der Saison werden die 55 Autos, die daran teilnehmen, gecheckt und registriert. Die Männer stehen in Gruppen herum, plaudern, rauchen und äußern sich anerkennend über die unterschiedlichsten Autos. Sie genießen die Gelegenheit, Geschichten auszutauschen und die Konkurrenz abzuchecken. Betty Saadeh mischt sich mit Nuur Daoud unter die Rennfahrer. Beide tragen Jeans und flache Schuhe, haben die Haare zurückgebunden und begrüßen einige ihrer männlichen Kollegen mit Küsschen auf die Wange, während sie sich in Begleitung von Saadehs Verwandtschaft zum Registrierungsbüro vorarbeiten. Saadeh

kommt aus einer Rennfahrerfamilie: Ihr Bruder George, der SpeedTest-Champion von 2009, wird am nächsten Tag ebenfalls starten. Vater Dschalil ist ein ehemaliger Rallye-Meister. Was Saadeh in die eher ungewöhnliche Lage brachte, dass es der ausdrückliche Wunsch ihrer Eltern war, dass auch sie Rennen fährt. „Ich habe immer gesagt: ‚Mama, da fahren doch nur Jungs!‘“, sagt sie und lacht. „Aber als ich es ausprobierte, habe ich das Adrenalin in mir entdeckt – genau wie mein Vater und mein Bruder. Damals sind nur drei Mädchen Rennen gefahren. Am Anfang haben mich einige der Jungs, die mich jetzt akzeptieren, ausgelacht. Als wir Mädchen dann schneller waren als sie, sind sie böse geworden. Inzwischen ist es besser, weil sie sich an uns gewöhnt haben. Die meisten Jungs gratulieren mir.“ Nicht alle Speed Sisters hatten es so leicht: Marah Zahalka, 20, eine Wirtschaftsstudentin aus der konservativen Stadt Dschenin, ist eines der jüngsten Teammitglieder und amtierende Frauenmeisterin. Schon mit zehn Jahren legte sie sich Polster auf den Fahrersitz des Golfs ihrer Mutter und düste damit durch die Nachbarschaft. Heute fährt sie immer noch mit Mamas Auto, nun aber mit ihrer Erlaubnis. Zahalkas Familie – die Mutter Fahrlehrerin, der Vater Zahntechniker – hat ihre Tochter während ihrer Racing-Karriere immer unterstützt, vor allem finanziell. Die konservativen Verwandten waren weniger einfach zu überzeugen. „Als meine Tanten und Onkel herausgefunden haben, dass ich Rennen fahre, haben sie gedacht, dass ich nur vor den Jungs angeben will“, sagt Zahalka, während sie sich an die Mauer des Parkplatzes lehnt. „Sie waren so entsetzt, dass sie aufgehört haben, mit mir und meiner Familie zu sprechen.“ Zahalka fuhr trotzdem weiter und bewies, dass sie zu den besten Fahrerinnen des Landes gehört. Sie schlägt nicht nur andere Frauen, sondern fährt regelmäßig in die Top Ten des Gesamtklassements. Mittlerweile denkt auch die Verwandtschaft anders über ihre Leidenschaft. „Jetzt, wo sie es als Sport sehen, hat sich ihre Meinung geändert“, sagt sie. „Aber es ist immer noch schwierig.“

Zweites Leben Die Woche über arbeitet Betty Saadeh (oben) als Assistentin an der mexikanischen Botschaft in Ramallah. Ihre Wochenenden gehören dem Motorsport, ebenso wie die ihrer Freundin Nuur Daoud. Beide sind Mitglieder des Teams der Speed Sisters, die bereits eine eigene Fangemeinde haben. Betty: „Wir kriegen mehr Applaus als die Männer.“


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Sture Einstellungen zu ändern war einer der Gründe, warum das Speed-Sisters-Team 2010 ins Leben gerufen wurde. Ein Angestellter des britischen Generalkonsulats in Jerusalem hatte erfahren, dass es nur wenige weibliche Rennfahrer gibt, und beschloss zu helfen. Das Konsulat ließ britische Rennsporttrainer einfliegen, spendete Helme, Overalls und einen alten BMW zum Üben. Man ließ sich auch den Namen des Teams einfallen, um den Frauen eine starke Identität zu geben und Sponsoren anzulocken. Motorsport ist teuer, Palästina bildet da keine Ausnahme. Ein einziger Satz Reifen kostet mehr als 1000 Dollar – und Partner zu finden, ist schwierig. Alle Speed Sisters sind auf die Hilfe ihrer 57


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Auf die PLätZe, fertig … Abschlussrennen der palästinensischen Motorsportserie 2011 in Jericho: Betty Saadeh in ihrem roten VW GTI zeichnet zum Aufwärmen ein Doughnut auf den Beton (ganz rechts). Hadeel Jaradat (darunter) ist mitverantwortlich für die technische Abnahme. Unten Mitte: Betty Saadeh (links) und Nuur Daoud machen sich mit dem Kurs vertraut.

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Familien angewiesen, zusätzlich zu jedem Schekel, den sie sich vom Gehalt abzweigen können. Für Zahalka und ihre Speed Sister Mona Ennab, 25, einen Wildfang in einem viel zu großen Overall, waren die Reparaturkosten für ihre beschädigten Autos zu hoch, um am morgigen Rennen teilnehmen zu können. Dennoch sind sie von ihren Heimatorten im Westjordanland nach Jericho gereist, um das Team anzufeuern und das Ende der Saison zu feiern.

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uf der anderen Seite des Parkplatzes drückt ein hübsches Mädchen ein Clipboard an seine Brust und trottet neben dem Team von Offiziellen her, die sich in ihren schmutzigen Overalls auf die Inspektionsrunde begeben. Hadeel Jaradat ist das jüngste Mitglied der Speed Sisters, obwohl die 20-jährige Studentin noch nicht fahren kann. Ihr Vater, ein Schachexperte, hat sich immerhin endlich dazu überreden lassen, ihr Fahrstunden zu geben. „Mein Vater sagt, man muss sich beim Schach vorstellen, dass dein Gegner der schlauste Mensch auf der Welt ist. Auf der Straße soll man hingegen immer davon ausgehen, dass die anderen Fahrer die dümmsten Personen sind.“ Derzeit hilft Jaradat den Mechanikern des Motorsportverbandes bei der technischen Abnahme der Rennwagen. Ein gutes Training, denn sie ist eines von nur drei Mädchen in einer Klasse mit dreihundert Maschinenbau-Studenten an der Universität von Ramallah – obwohl ihre Eltern sie gebeten hatten, eine für eine Frau „passendere“ Karriere einzuschlagen. Ihre Mutter monierte, dass unter einem Auto nicht der richtige Platz für eine Lady sei, aber Jaradat blieb beharrlich – und konnte ihr Glück kaum fassen, als sie die Speed Sisters entdeckte. „Das hat meinen Eltern geholfen, zu sehen, dass Technik eine Zukunft für eine Frau in Palästina sein kann. Diese Frauen Rennen fahren zu sehen hat mein Selbstbewusstsein gestärkt. Ich möchte ab nächstem März mit ihnen fahren.“ Als Jaradat fertig ist mit der Registrierung der Autos, ist es bereits Nacht. In einer Kolonne machen sich die Fahrer in ihren getunten

Rennwagen auf den Weg zurück in die Stadt, weithin hörbar und mit dem Kopf bereits beim morgigen Rennen.

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in Renntag in Palästina beginnt zeitig. Die Sonne hat es kaum über die entfernten jordanischen Berge geschafft, da drehen die ersten Rennfahrer bereits Doughnuts, 360-Grad-Drifts, neben dem Betonareal, auf dem der Wettkampf stattfinden wird. Dieses befindet sich an der östlichen Grenze der Palästinenser-Gebiete, unterhalb eines befestigten israelischen Checkpoints. Eine einzelne Wache beobachtet die Vorbereitungen vom Turm aus. Der Speed-Test macht die Palästinenser stolz, weil die Israelis nichts Vergleichbares haben. „Sie würden wahnsinnig gerne hier fahren“, sagt ein Offizieller namens Monti mit einem Blick zur weiß-blauen Flagge, die man über den Bäumen sehen kann. „Aber so wie die Dinge liegen, ist das einfach nicht möglich.“ Die ersten Zuschauer sind bereits eingetroffen und frühstücken gegrillten Mais, der in kleinen Läden verkauft wird. Manche Fans klettern auf die Dächer der Hütten, die das Gelände umgeben, um sich die beste Aussicht zu sichern. Auf der Zuschauerseite des Start-ZielBogens, der mit palästinensischen Flaggen geschmückt ist, befindet sich das improvisierte VIP-Areal, wo Bilder von Jassir Arafat und Premierminister Mahmud Abbas hinter Reihen von weißen Plastikstühlen hängen. Palästinensische Sicherheitspolizisten in Tarnuniformen warten wie alle anderen auf den Beginn der Action. Saadeh in ihrem roten Overall marschiert mit ihrem Bruder George die Strecke ab, um sich mit der Route um die Verkehrshütchen und durch die Reifenkorridore vertraut zu machen. Daoud hockt derweil im Fahrerlager neben ihrem BMW, den schwarz-gelben Rennanzug hat sie bis zur Hüfte hinuntergekrempelt. Vorsichtig klebt sie die Nummer 53 auf das Auto, umringt von faszinierten Kindern. Das Innere des Autos ist gespenstisch kahl, alles Überflüssige wurde entfernt, um Gewicht zu sparen. Daouds Mutter, die in Ramallah eine Designerboutique betreibt, in 59


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MotorsPort für ALLe

der auch Daoud arbeitet, hat ihrer Tochter den BMW geschenkt. Es ist dasselbe Auto, in das Daoud schon als achtjähriges Mädchen von ihrer Mutter hineingeschnallt wurde. Daoud war schon immer sportlich. Sie hatte professionell geboxt und Tennis und Fußball gespielt, ehe sie 2008 begann, auf den Straßen Ramallahs Drift-Rennen zu fahren. Wegen des US-Passes, den sie dank ihrem Vater besitzt, wurde sie kürzlich dazu ausgewählt, in der neuen Formel-2-Serie in Israel zu fahren. Immerhin 7000 Fahrer hatten sich um zehn verfügbare Plätze beworben. „Ich liebe Autos schon seit meiner Kindheit“, sagt Daoud und blinzelt mit ihren braunen Augen in die Sonne. „Jemand hat mich einmal gefragt, was mir lieber ist: Rennfahren oder Sex. Ich habe, ohne zu zögern, ‚Rennfahren‘ gesagt. Es ist ein wundervolles Gefühl, wenn mir das Auto Kraft gibt. Ich kontrolliere es. Ich bin sein Meister. Es gibt keinen anderen vergleichbaren Adrenalinschub. Wenn ich nach Israel gehe, wird es eine völlig andere Rennserie sein, aber ich werde auch dort gut sein. Ich werde der Welt zeigen, wozu Palästinenser fähig sind.“

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m neun Uhr beginnt schließlich das Rennen. Die Speed Sisters schauen konzentriert zu, mit ihrer 34-jährigen Teammanagerin, dem sechsten Mitglied des Teams: Maysoon Jayyusi ist gerade aus ihrer Boutique in Ramallah gekommen, von wo sie gelbe Speed-Sisters-T60

Shirts, dazugehörige Kappen und ein Banner mit dem Team-Logo mitgebracht hat. Die Zuseher sind fast ausschließlich Männer. In drei Reihen stehen sie rund um den Kurs. Kinder balancieren auf umgedrehten Kübeln, um etwas sehen zu können. Die Erwachsenen halten ihre Handys hoch, um die Action zu filmen. Arabische Popmusik dröhnt aus Lautsprechern, während ein Sprecher die Fahrer vorstellt. Dann schleudern die Wagen um die Hindernisse und hüllen die dankbare Zuschauerschaft mit quietschenden Reifen in dicken Rauch. Gefahren wird in fünf Klassen. Jeder Fahrer bestreitet zwei Durchgänge, die zehn schnellsten ermitteln dann im dritten Run den Gewinner. Betty erzielt in ihrem Golf GTI im ersten Run saubere 1:59 Minuten. Daoud hat nicht so viel Glück: Kurz vor dem Ziel biegt sie falsch ab. Außerdem überhitzt der Motor ihres Wagens. „Im nächsten Durchgang werde ich alles geben“, sagt sie, neben ihrem dampfenden Auto stehend. „Und wenn es brennt, dann soll es brennen.“ Die Speed Sisters haben auch Sahar Jawabrah zum Start inspiriert, eine 44-jährige Lehrerin: Sie hatte die Rennen im Fernsehen gesehen und wollte es daraufhin selbst versuchen. Nun ist Sahar ab und zu bei Tests dabei, als einzige Frau, die jemals mit einem Kopftuch gefahren ist. Heute bestreitet sie ihr viertes Rennen: Sie fährt eine langsame, aber beachtliche Runde und rollt danach lächelnd von der Strecke, während sie ver-

Fünf Rennen, die man mit Autoslaloms vergleichen kann, bilden die SpeedSerie, die im palästinensischen Westjordanland ausgetragen wird. Verantwortlich ist die Palästinensische MotorsportFöderation (PMSMF). Gegründet 2005, wird sie seit 2010 vom internationalen Dachverband FIA anerkannt. Der PMSMF-Vorsitzende Khaled Qadura ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass auch Frauen bei Rennen starten. „Ich habe immer Ausschau gehalten nach weiblichen Talenten“, sagt Qadura, denn: „Palästinensische Frauen sind überall in Spitzenpositionen tätig, ob in Politik oder Wirtschaft. Warum also nicht auch im Motorsport?“

schämt ihr Gesicht versteckt, weil die Menge ihr durch die Scheiben zujubelt: „Meine Familie mag das nicht, aber ich liebe es! Für mich ist es eine Art von Freiheit.“ Daoud beginnt ihren zweiten Run mit einem Doughnut. Die Menge jubelt. Man sieht Daoud durch den Rauch grinsen, aber sie muss ihren überhitzten Wagen regelrecht um den Kurs zwingen: keine Chance auf die Top Ten. Diese Ehre gebührt Saadeh. In der Pause vor der letzten Runde posiert sie mit männlichen Fans für Fotos, während der Platzsprecher die amtierende Meisterin Zahalka interviewt, um sie zu fragen, warum sie nicht am Rennen teilnimmt. Zahalka sitzt auf dem Boden vor dem Sicherheitszaun, das Mikrofon verlegen in der Hand haltend, und erklärt, was das Problem mit ihrem Auto war. Die rund 1500 Zuschauer spenden einen Trostapplaus.

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as Finale startet abends gegen sechs. Das Publikum wird richtig laut, als Betty zu „Boom, Boom“ von den Black Eyed Peas anrollt und noch schnell ein Doughnut auf den Beton malt. Am Ende zeigt die Uhr 1:54,57 Minuten – persönliche Tagesbestzeit. Damit schafft Betty es zwar nicht aufs Podium der Gesamtwertung, aber sie gewinnt die Meisterschaft der Frauen – und die GTI-Klasse, in der außer ihr nur Männer fahren. Als die Menge auf den Kurs strömt, um die Sieger zu feiern, steht Betty Saadeh unter dem Zielbogen auf ihrem Auto, blickt in ein Meer hochgehaltener Handys, posiert für die Kameras. Die Speed Sisters haben mit einem weiteren erfolgreichen Jahr dazu beigetragen, die Popularität des palästinensischen Motorsports zu steigern. „Dass palästinensische Frauen Rennen fahren, ist für mich so wichtig“, sagt Zahalka, während sie neben der Strecke steht. „Es zeigt echte Freiheit. Überall glauben die Menschen, dass wir Frauen unterdrückt werden, aber wir betreiben hier einen Sport, der als Männerdomäne gilt. Das zeigt nachdrücklich, dass die Palästinenserinnen sich nicht einsperren lassen. Wir kommen heraus und fahren Rennen, so wie überall auf der Welt.“ www.speedsisters.tv


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Elina und Richard Ussher sind das vermutlich ďŹ tteste Ehepaar dieses Planeten. Sie radeln, laufen, klettern und paddeln an der Weltspitze der Mehrfach-Sportart Adventure Racing und nennen ihre beiden Erfolgsgeheimnisse beim Namen: sisu und mana. Text: Robert Tighe, Bilder: Graeme Murray


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Zwei Jahre nach ihrem ersten Treffen wurde geheiratet. Jetzt leben Elina und Richard Ussher in Nelson. Auch viele ihrer Nachbarn sind Multisport-Athleten, angelockt vom Klima, den Hügeln und Parks der Stadt auf Neuseelands Südinsel.

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n der rückwand von richard und elina usshers Garage hängt ein weißes renntrikot. richard trug es, als er das zweite coast to coast gewann, die inoffizielle Multisport-Weltmeisterschaft. Jemand hat mit Marker etwas draufgekritzelt. darunter steht: „sisu-kissa“. elina erklärt: „das Gekritzel heißt ‚Gut gemacht, ich liebe dich‘ auf Finnisch.“ und sisu-kissa? „das ist elinas spitzname“, sagt richard. kissa ist das finnische Wort für katze. Wörtlich übersetzt bedeutet sisu „Mut haben“, tatsächlich aber viel mehr. Sisu half Finnland, der invasion der russen zu widerstehen. das „time“Magazin definierte in den berichten über den Winterkrieg 1940 sisu als „die Fähigkeit, weiter zu widerstehen, wenn die meisten schon aufgegeben hätten, und mit siegeswillen zu kämpfen“. richard ussher stammt aus neuseeland, wo die Maori etwas Ähnliches kennen: mana, „der stoff, aus dem Magie gemacht ist“. die usshers haben mana und sisu und gehören deshalb zu den erfolgreichsten athleten im Multisport, auch bekannt als adventure racing. adventure racing ist ein ausdauersport, der mehrere disziplinen und rennformate kombiniert. es reicht vom eintagessprint bis zur zehn tage dauernden expedition: trailrunning, Mountainbiking, kajaken, navigation, seilklettern. dabei ist die Fähigkeit, Probleme zu überwinden, wichtiger als jede andere. zum beispiel beim red bull Wulong Mountain Quest in china letztes Jahr. ein Viertagerennen über 230 kilometer. als Prolog ein Massensprint. elina stürzte, und die anderen rannten über sie hinweg. am ende des zweiten tages kotzte richard bei der Preisverleihung hinter das Podium. elina konnte wegen einer infektion 24 stunden keine nahrung im Magen behalten. das team ussher gewann das rennen trotzdem. „es war toll, wie elina das durchstand“, sagt richard. „sie hasst es, zu verlieren.“ und richard? „er hat jede Menge sisu“, sagt elina. nelson, im norden der südinsel gelegen, ist neuseelands sonnigste stadt und das zuhause vieler top-Multisportler des landes. sie kommen wegen des klimas und der exzellenten trainingsmöglichkeiten in den nahen Hügeln und nationalparks. die usshers wohnen in einem bungalow auf einem steilen Hügel mit weitem blick runter auf die tasman bay. Von außen deutet nichts darauf hin, dass hier eines der fittesten ehepaare der Welt lebt. die indizien lagern in der Garage: Fahrräder, kajaks, Paddel und anderes sportgerät. etwas abseits steht in einem kämmerchen ein Holzregal, das von trophäen überquillt.

zusatzbilder: Mark tantruM/PHOtOsPOrt, renee Mckay/PHOtOsPOrt

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Elina Ussher unterwegs beim Coast to Coast 2011 in Neuseeland. Rechts: Richard Ussher, beim Coast to Coast 2007.

ie beiden kauften das Haus ende 2005. nur ein paar Monate nachdem sie sich bei einem adventure race in südafrika kennengelernt hatten. „richard sah richtig toll aus. ich merkte, dass er sich für mich interessierte, denn er lächelte mich wirklich nett an“, erklärt elina. „als ich in den sport kam, war elina eines der top-Mädels“, sagt richard. „Viele von den Mädchen sehen wie Männer aus. da bildete elina eine ausnahme. alle Jungs wussten, wer sie war.“ elina Mäki-rautila war in ihrer finnischen Heimat eine vielversprechende skilangläuferin, bevor sie 2000 bei ihrem ersten adventure race startete. es wurde vom team nokia organisiert, das zu jener zeit eines der besten der Welt war. das team suchte eine Frau und bot elina einen freien trip nach Mexiko an. Womit ihre langlaufkarriere beendet war. richard ussher galt an der Highschool in Wellington als sehr guter Mittelstreckenläufer. dann sah er im tV die Olympischen Winterspiele 1994 in lillehammer (norwegen) und tauschte die laufschuhe gegen ski. bei den Winterspielen im japanischen nagano belegte er Platz 25 im

Freestyle skiing. nicht schlecht für einen Jungen aus neuseeland. aber nicht gut genug für ein Wettkampftier wie ussher. richard sah einen tV-bericht vom coast to coast und war augenblicklich fasziniert. 2001 startete er zu seinem ersten Multisport-rennen. im selben Jahr gewann elina die adventure-racing-WM. richard holte 2005 und 2006 zwei WMtitel in Folge – und verabschiedete sich aus einem nike-Vertrag, um mit elina sein eigenes team zu gründen. die beiden heirateten im März 2007 und gingen ein paar Monate später in schottland erstmals zusammen an den start. im professionellen adventure racing besteht ein team gewöhnlich aus drei Männern und einer Frau. Für schottland verpflichteten die usshers zwei der besten adventure-racer der Welt: nathan Fa’avae und aaron Prince. auf dem Papier ein dreamteam. in der realität ein albtraum. „elina und ich hatten nie darüber gesprochen, wie wir als teil eines größeren teams zusammenarbeiten würden“, erzählt richard. „er behandelte mich unterirdisch“, sagt elina. „Mein eigener Mann kommandierte mich herum: ‚Mach schnell, heul nicht, so weh tut’s nicht.‘“

„du kannst dich nicht besonders intensiv um ein bestimmtes teammitglied kümmern“, antwortet richard. „beim adventure racing fällst du eben oft vom Fahrrad und verletzt dich. es gibt keine zeit, um anzuhalten und zu fragen: ‚bist du okay, Honey?‘ Wir sind Profis. also steigen wir auf und machen weiter. es brauchte zeit, mehrere anläufe und niederlagen, bis wir eine balance gefunden hatten, uns als Mann und Frau zu respektieren und als teammitglieder zu pushen.“ „ich komme damit jetzt besser klar“, sagt elina. „ich weine nicht jedesmal, wenn was schiefgeht, und ich rege mich nicht auf, wenn richard mich anknurrt.“ in schottland quälten sich die usshers auf Platz sechs. beim nächsten rennen waren sie zweite, und bei ihrem dritten start schlugen sie (diesmal mit aaron Prince und Gordon Walker) das team nike. nur fünfzehn bis zwanzig professionelle adventure-racer reisen sozusagen als Miet-stars um die Welt. die usshers sind schon seit 2007 im selben team unterwegs, was seine Vorteile hat: „Wir müssen uns nicht mehr darüber unterhalten, was der andere braucht oder fühlt“, sagt richard. aber es gibt auch schwierigkeiten: „die 65


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(K)ein klassisches Paar: die Usshers bei der – natürlich geteilten – Hausarbeit.

leute sagen zu mir: ‚ich halte ja kaum ein Wochenende mit meiner Frau aus, ganz zu schweigen von einem Viertagerennen.‘ Wir kriegen auch mal den lagerkoller. Wenn wir vor einem rennen hart trainieren, kann es bisweilen ruppig zugehen.“ zwei alphatiere zusammengespannt: also kein flauschiges zusammensitzen mit einem scrabble-spiel? „Wir spielen keine brettspiele“, lacht richard. „aber wenn wir laufen oder uns aufs rad setzen, überrumpelt mich elina am schluss aus dem Windschatten, um damit daheim anzugeben. Wenn ich wirklich volles rohr gebe, schlage ich sie immer. dann ist sie nicht happy. aber wenn ich nicht alles gebe, ist sie auch nicht zufrieden. irgendwie kann ich’s ihr nicht recht machen.“ „richard ussher verliert selten“, sagt robin Judkins, der das coast to coast erfand: 243 kilometer laufen-radfahrenkajaken. Von der Westküste der neuseeländischen südinsel zur östlichen. „ich habe ihn schon locker über die ziellinie traben gesehen. er hat die Fähigkeit, sich bis an das limit zu pushen, sich aber nicht bis zum alleräußersten zu verausgaben. richard ist ein superber allround-athlet; einer der besten, die ich je erlebt habe.“ im Februar werden die usshers versuchen, als erstes ehepaar das coast to coast für Männer und für Frauen im selben Jahr zu gewinnen. elina gewann 2010 ein wegen schlechten Wetters ver66

kürztes rennen. richard siegte bereits viermal. er kam 2010 nach drei Jahren im triathlon zurück, wo er aus Frust über die mangelnde Popularität des adventure racing angetreten war. „um das adventure racing voranzubringen, müsste es in den Medien als sport und nicht als Freakshow erscheinen“, sagt er. „es ist wie: ‚Guckt euch die idioten an. laufen da rum und schlafen

WElT IN BEWEgUNg

Die härtesten Adventure Races 2012. PATAgoNIAN ExPEdITIoN RACE Chile, 14.– 22. Februar Kayaken, Trekking, Mountainbiken, Seilklettern, Navigation. Die Route ist bis zur Nacht vor dem Rennen geheim. www.patagonianexpeditionrace.com SIBERIAN BlACK ICE RACE 15. März – 10. April Kiteskiing, Mountainbiken, Skilang­ laufen, Laufen, Skaten. 610 Kilometer über einen gefrorenen See. www.extremeworldraces.com RAId IN FRANCE 15.– 22. September Mountainbiken, Trekking, Kanu, Klettern und „kulturelle Aktivitäten“. Die 65 Top­Teams des Adventure Racing treten an. www.raidinfrance.com

vier, fünf tage lang nicht.‘ ich habe triathlon gemacht, um zu zeigen, dass wir ernstzunehmende sportler sind.“ ussher überzeugte viele zweifler, als er 2009 schnellster neuseeländer bei einem ironman-bewerb war. Mit seiner top-ten-Platzierung bei den XterraOffroad-triathlon-Weltmeisterschaften setzte er noch eins drauf. aber racing auf diesem niveau fordert seinen tribut, was die zahl der starts limitiert, womit das einkommen schrumpft. „um als Profis existieren zu können, müssen wir unsere rennkalender prallvoll schreiben. diese irre zahl von starts ist die größte belastung.“ richard nahm dieses Jahr an zwanzig rennen teil – adventure races, Multisport und triathlon –, von denen er vierzehn gewann. elina nahm zehn siege aus vierzehn rennen mit nach Hause. auf dem Podium und im Preisgeldbereich zu landen ist die einzige Möglichkeit, genug zum leben zu verdienen. aber üppig ist das nicht. ende 2007 belasteten sie ihre kreditkarten bis zum limit, um in abu dhabi zu starten. Hätten sie da nicht die top drei erreicht, wäre ihr Haus zum Verkauf gestanden. sie siegten. aber die 40.000 dollar Preisgeld (mussten durch vier geteilt werden) reichten gerade aus, um die schulden zu bezahlen. Jetzt planen sie ihre starts nach der Preisgeldhöhe. beide werden dieses Jahr 36. da drängt sich die Frage auf: Was kommt als nächstes? elina hofft sportswear zu designen, während richard im kajak-business ist. es wird nicht leicht werden, sich mit einem geregelten Montag-bis-Freitag-leben anzufreunden. „als ich nach neuseeland kam, sagte ich zu richard: ‚ich möchte noch bei einem rennen starten.‘ das ist sechs Jahre her. ich glaube, jetzt hat er angst, dass ich gar nicht mehr aufhöre“, sagt elina. „Manchmal finde ich adventure racing verrückt. aber ich hänge dran. ich liebe die Herausforderung.“ „es gibt tage, da fühle ich mich wie auf einem laufband, von dem ich nicht runterkomme. aber ich liebe den sport und den Wettkampf. ich werde wohl nie aufhören“, sagt richard. „Manche rennen sind eine echte Quälerei. Wenn du es dann aber ins ziel geschafft hast und nachdenkst, was du überwunden hast, um dahin zu kommen, dann fühlst du diese tiefe befriedigung. es gibt die Momente, mitten im rennen: da ist dir kalt, du bist hungrig, fühlst dich elend, und du willst überall sein, nur nicht in diesem rennen. aber du machst weiter und schaffst es. und das ist gewaltig.“ Wenn das kein sisu ist … www.adventuresportnz.com


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„ Ich hätte Ballett-tänzerIn werden sollen“ … sagt Deutschlands Skeleton-Königin im Gespräch mit dem Red Bulletin. Stattdessen jagt Anja Huber mit bis zu 145 kmh/h durch Eistunnel und sammelt Goldmedaillen. Text: Manuel Kurzmann, Bilder: Rutger Pauw

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unsteisbahn Königs­ see, Berchtesgaden. Eisiger Dunst liegt über dem Startplatz. Rodler, Bob­ und Skeleton­ fahrer wärmen sich auf, justieren ihre Renn­ geräte, plaudern. Heute ist Trainingstag. Die Weltelite ist da, Teams aus Deutschland, Ita­ lien, Kanada, den USA, der Schweiz. Allesamt Vorzeige­Athleten. Mit Oberschenkeln, die aussehen, als würden sie die hauchdünnen Anzüge bei der nächsten Kniebeuge sprengen. Anja Huber starrt geradeaus. Sie presst den Rennhelm an ihre Lippen, hält kurz inne. Dann stülpt sie sich den Helm über den Kopf. Die Ampel springt auf Grün. Die 28­jährige Skeleton­Doppelweltmeisterin spurtet los, die Hände am Schlitten, dann hechtet sie in Bauchlage, Kopf voran, in den Kanal – 1270 Meter Eis, zwölf Kurven, 9,2 Prozent Gefälle, stark eingeschränkte Sicht wegen der Kopf­ position, das Kinn streift fast auf dem Eis. Gelenkt wird mittels „Kontrabewegung“: Mit linker Schulter und linkem Knie ausgeüb­ ter Druck dirigiert den Schlitten nach rechts; Fußeinsatz ist heftigeren Lenkmanövern vor­ behalten. Aber das bremst und wird tunlichst vermieden: Je nach Bahn jagen die Athleten mit bis zu 145 km/h durch den Eisschlauch. „Ich liebe Geschwindigkeit!“, strahlt Anja hinterher im Ziel, „egal ob auf dem Motorrad, in der Achterbahn oder im Eiskanal. Nur im Flieger von Hannes Arch (Anm.: Rennpilot, Red Bull Air Race-Champion) hätt ich wahr­ scheinlich ein mulmiges Gefühl.“ Für sie war das eben „nur einer von mehr als 200 Trainingsläufen in diesem Jahr“. Rou­ tine. Mit einem fix gesetzten Ritual vor dem Start („Ich küsse meinen Helm“) und einer denkbar simplen Strategie im Kanal: „Tunnel­ blick, und ich will so schnell wie möglich von oben nach unten.“ Die meisten Trainingsläufe würde sich Anja jedoch am liebsten sparen und gleich Wettkämpfe fahren. Weshalb? „Weil du im Bahntraining an kleinsten Details arbeitest und dabei oft nur an Lockerheit verlierst.“ Anja ist also locker, die Zuschauer eher 69


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weniger. „Meine Mutter hat mir noch nie bei einem Rennen zugesehen“, sagt die Diplom­Betriebswirtin. Anja war gerade mal sechs, als sie zum ersten Mal in die Eisbahn stieg. „Meine Eltern mussten den Schlitten für mich tragen, weil er mir zu schwer war“, erinnert sie sich. „Später hatten sie Angst um mich. Meiner Mutter wäre es lieber gewesen, wenn ich mit Ballett angefangen hätte.“ Doch Berchtesgaden steht nicht für Ballett. Der Markt im Südosten Bayerns, genauer: die Gemeinde Schönau, hat seit 1967 eine Kunsteisbahn am Königssee und ist Heimat von Rodel­Legenden wie dem dreifachen Olympiasieger und zehnfachen Weltmeister Georg Hackl. Berchtesgaden ist ein Mekka des Rodelsports.

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uch Anja begann als Rodlerin. 2003 entdeckte der damalige deutsche Nationaltrainer Raimund Bethge ihr enormes Potential für Skeleton. Seit 2010 ist er Hubers Individual­Coach: „Anja sagte damals zu uns, dass sie wechseln will. Wir führten also Tests durch. Sehr schnell war klar: Sie verfügt über eine Athletik, mit der sie im Skeleton eine sehr gute Fahrerin werden kann.“ Gesagt – getan. Kopfüber raste Anja Huber seither an die 70

„Mal ehrlIch: Man hat nIe genug MedaIllen IM schranK.“ Weltspitze: mehrfach EM­ und WM­Gold, Gesamtweltcupsieg und Olympia­Bronze im kanadischen Vancouver. „Auf den Videos von Vancouver sieht man mich im Ziel herumspringen wie einen Flummi. So gefreut hab ich mich“, erzählt sie. Dabei wäre der große Traum um ein Haar geplatzt. Nur drei Monate vor den Olympischen Spielen war Anja bei einer Bahnbegehung in Lake Placid im US­Bun­ desstaat New York ausgerutscht und hatte sich im linken Sprunggelenk zwei Außen­ bänder und ein Innenband gerissen. „Drei Tage blies ich Trübsal“, erzählt sie. „Dann sagte ich mir: Du kannst jetzt den Kopf in den Sand stecken, oder du ziehst dein Ding durch. Und wenn ich mir etwas vor­ nehme, gibt es keinen Weg zurück. So bin ich eben.“ Anja absolvierte also das Rehatraining im Eiltempo und verpasste nur zwei Welt­ cuprennen. Beim Comeback schmerzte

noch jeder Schritt, die Startsprints waren eine Qual. Wegen der Zwangspause fehlten Anja außerdem wichtige Punkte für die Mission Olympia. Während ihre Teamkolleginnen Kerstin Szymkowiak und Marion Thees (vormals Trott) das Limit bereits erbracht hatten, mussten für einen dritten Startplatz des deutschen Skeletonteams Erfolge her. Anja Huber trat also beim Interkonti­ nental­Cup an, der nach dem Weltcup wichtigsten internationalen Skeleton­ Rennserie, im kanadischen Calgary. Sie kam mit zwei Siegen zurück und löste damit in allerletzter Sekunde das Ticket nach Vancouver. „Es gab damals Leute, die nicht mehr an mich geglaubt haben“, sagt sie. „Denen habe ich es gezeigt.“ „Anja steckt in alles, was sie tut, vollen Einsatz, sei es Training oder Wettkampf“, verrät Coach Bethge und ergänzt: „Da­ durch bleiben ihre Leistungen stabil. Hin und wieder muss ich sie bremsen, muss sie während des Aufbautrainings bitten, ein paar Gewichte wegzulassen.“ Genauso heiß wird im Skeleton die Materialschlacht gefochten. Zwar gibt es Schlitten quasi von der Stange schon ab 2500 US­Dollar, über Sieg und Niederlage entscheiden jedoch die unzähligen Modi­ fikationen, die die Rennläufer an ihren


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Name Anja Huber Geboren 20. Mai 1983 in Berchtesgaden Wohnt in Schönau am Königssee Beruf Dipl.-Betriebswirtin/ Sportmanagement; arbeitet beim deutschen Bob- und Schlittenverband Verein: RC Berchtesgaden

Erfolge Olympia-Bronze 2010 in Vancouver/CAN (Einzel) 2-mal WM-Gold 2008 in Altenberg/GER (Einzel und Team) 2-mal WM-Silber 2011 in Königssee (Einzel und Team) 4-mal EM-Gold: 2007 Königssee, 2008 Cesena/ITA, 2010 in Igls/AUT, 2012 Altenberg (jeweils Einzel) Gesamtweltcupsieg 2010/2011

Nervenstärke: Drei Monate vor Vancouver verletzte sich Anja – sie gab nicht auf und holte Bronze.

Sportgeräten vornehmen. „In unserer Dis­ ziplin verbringst du viele Abende in der Werkstatt“, sagt Anja. „Wir hören nie auf, am Schlitten zu basteln. Meiner befindet sich mittlerweile in der vierten oder fünf­ ten Ausbaustufe.“

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Killerinstinkt: Für Anja Huber ist dabei sein nicht alles. Bei ihr geht es immer um den Sieg.

Willenskraft: Hin und wieder muss Coach Raimund Bethge Anja beim Training bremsen.

as von der FIBT (International Bobsleigh and Skeleton Fede­ ration) vorgegebene Regle­ ment für die Entwicklung der Schlitten wird bis in den letzten Winkel ausgereizt. Vor den Olympischen Spielen 2010 behaupteten Konkurrenten gar, das deutsche Team verwende Magnetfelder als Stoßdämpfer. Es gab jedoch nie eine Beanstandung bei den Kontrollen. Ist Team­Spionage ein Thema? „Hin­ schauen ist ja nicht verboten“, meint Anja. „Wenn jemand schneller ist, macht man sich schon seine Gedanken. Wir brechen aber nicht bei anderen Nationen ein und stehlen ihnen technische Teile.“ Noch denkt Anja Huber nicht daran, ihren Schlitten endgültig in den Keller zu stellen. Im Gegenteil, ihr Motto lautet: „Ich bin nicht dabei, damit der Bus voll wird“, und sie sagt: „Seien wir doch mal ehrlich. Als Sportler kann man nicht ge­ nug Medaillen im Schrank haben.“ Was definitiv noch fehlt in Anjas

Trophäensammlung, ist Olympia­Gold. Ein Triumph bei den Spielen im russi­ schen Sotschi 2014 ist das große Ziel, aber kein Muss: „Ich habe aufgehört, Din­ ge zu planen. Meistens kommt es ohnehin anders, als man denkt.“ Eines jedoch ist gewiss: Anja Huber wird der Skeleton­Welt auch nach ihrem Karriereende erhalten bleiben. Seit 2008 ist sie diplomierte Sportmanagerin und arbeitet außerdem halbtags beim deut­ schen Bob­ und Schlittenverband. Für die jungen Wilden im Sport ist sie Ansprech­ partnerin – und in einigen Fällen sogar Ausstatter: „Bevor meine alte Ausrüstung irgendwo vergammelt, gebe ich sie lieber den Nachwuchsfahrern. Aber nur, wenn sie die nötige Leistung und genügend Engagement zeigen.“ Und: „Sobald die Ära Huber vorbei ist, braucht es junge Talente, die meinen Platz einnehmen.“ Neben sportlichen Triumphen hat Anja Huber noch zwei ganz und gar boden­ ständige Wünsche für ihre Zukunft: „Ich will mir auf jeden Fall einen Hund zu­ legen – und irgendwann mit der Familien­ planung beginnen.“ Wer Anja kennt, ahnt: Sie wird auch bei der Erfüllung dieser Wünsche keine Zeit verschwenden. anjahuber.blogspot.com

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SchlammhÜlle: Die Baja 1000 bringt selbst die Härtesten an ihre Grenzen.

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Die WüSte BeBt WüSten, ScHlamm, Geröll, enDorpHin: Die mexikaniScHe HalBinSel Baja california iSt arena DeS HärteSten offroaD-rennenS Der Welt. text: alfredo martínez fernández, Bilder: jürgen Skarwan

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Volksheld Gustavo „tavo“ Vildósola am Start der 2011er-Baja.

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ür alle, denen es so vorkommt, als wäre dem Motorsport in den letzten Jahren ein wenig die Luft ausgegangen im immer engmaschigeren bürokratischen Geflecht der Regulative, für die haben wir was: Baja 1000. Die Baja ist konsequent oldschool. Sehr einfach. Und aus Überzeugung brutal. Die Baja ist, wenn man es etwas differenzierter sagen möchte, das anspruchsvollste Offroad-Rennen der Welt. Die Dakar ist natürlich bekannter, die Dakar ist größer, aber: Die Dakar wird in Etappen gefahren. Baja 1000 hingegen heißt: Hier Start. Dort Ziel. Und los geht’s. Baja California ist eine 1200 Kilometer lang gezogene, maximal 220 Kilometer breite Halbinsel, die im Westen Mexikos wie ein Messer in den Pazifik sticht. Sie wird von staubigen Wüstenstraßen durchzogen, die seit den 1960er Jahren, dem Beginn des Rennens, dem sie ihren Namen gibt, einen unwiderstehlichen Reiz auf Mensch und Maschine ausüben. Der Test dauert einen Tag, eine Nacht und einen Teil des nächsten Tages und hat im Wesentlichen die Eigenschaften seines Austragungsorts angenommen: Er ist leidenschaftlich, eigenwillig und verwegen. Im November 2011 feierte das einzigartige Rennen seine 44. Auflage mit 275 Teilnehmern aus Mexiko, den USA und 16 weiteren Ländern. Dieser wilde Haufen von Autos, Trucks, Bikes und drei- und vierrädrigen geländegängigen Vehikeln folgte einer Route von etwas mehr als 1115 Kilometern auf felsigem, glühend heißem Terrain. Start und Ziel war auf dem Boulevard Costero vor der Riviera del Pacifico in der Hafenstadt Ensenada, die „Perle des Pazifiks“ genannt wird oder „Aschenputtel“, je nach ihrer Laune.

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GiGanten Der WüStenStraSSe

Ensenada an der Pazifikküste, 18. November. Der Start. Letzte Vorbereitungen, die Fahrzeuge werden registriert und technisch inspiziert, die Fans strömen herbei und drängen sich um ihre Idole, bitten um Autogramme und Erinnerungsfotos. Im Lauf des Tages spürt man, wie sich die Stimmung von fröhlicher Vorfreude immer mehr anspannt, der Lärm der Motoren nimmt stetig zu, im Hintergrund gibt das Pochen mexikanischer Musik dem Tag seinen Rhythmus.

„icH War 17, co-pilotin meineS VaterS, unD GleicH in Der erSten runDe Baute er einen üBerScHlaG.“ Das größte Gedränge herrscht um die ungekrönten Könige des Rennens, die Trophy-Trucks, Rohrrahmen-Chassis-Pickups, die ohne PS-Beschränkung ins Rennen gehen. Diese Riesentrucks wurden über die Jahre extrem hochgezüchtet, erreichen Spitzen von über 200 km/h und plätten alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Die zwei Trophy-Trucks von Red Bull Racing rollen langsam den Boulevard hinunter, wie zwei motorisierte Moses teilen sie die Massen. Die Sehnsucht der Fans, den Trucks buchstäblich auf Griffweite nahe zu kommen, überwindet jeden natürlichen Angstreflex … und die geltenden Sicherheitsbestimmungen, die ohnehin sehr, hm, mexikanisch gestaltet sind. Die Begeisterung der Fans gilt freilich nicht nur den Trucks, sondern auch deren Fahrern. Kerle wie Bryce Menzies und

„Tavo“ Vildósola sind Helden, die unter den Fans für Tumulte sorgen. Die Baja 1000 ist aber nicht nur ein Event, der Stars macht – es ist auch eine Bühne für Celebrities anderer Bereiche: In der Vergangenheit waren etwa Steve McQueen und Paul Newman dabei, neben vielen anderen. Es gibt eine Handvoll Teams, auf die man bei der Austragung 2011 besonders gespannt sein muss: Kory Scheeler, Nick Vanderwey und Rob MacCachren; die Brüder Tim, Troy und Ed Herbst; Scott McMillin, dessen Sohn Andy und Tochter Jessica; und das Red Bull Motorbike Team mit Kendall Norman und Quinn Cody. Besondere Aufmerksamkeit genießen auch Bryce Menzies und das mexikanische Team mit Gustavo Vildósola senior und Gustavo „Tavo“ Vildósola junior, die hier sind, um ihren Triumph von 2010 zu wiederholen, als sie sowohl den Trophy-Truckals auch den Gesamttitel gewannen. Vater und Sohn Vildósola sind die Lokalmatadore. 2007 erreichten die beiden in ihrem Trophy-Truck Platz zwei, das bis dahin beste Resultat mexikanischer Teilnehmer. 2010 folgte ihr Meisterstück: Sieg mit Geschwindigkeitsrekorden und Bestzeiten. Sogar die naturgemäß weitaus wendigeren Motorräder, die üblicherweise schneller sind als ihre größeren Gegner, ließen sie hinter sich. Wie viele der Teilnehmer stammt der 29-jährige Tavo Vildósola von der Halbinsel. „Wer auf der Baja California aufwächst, hat das Off-Road-Racing in den Adern“, erklärt Viry Félix, die erste Mexikanerin, die an der Baja 1000 teilnimmt. Sie stammt aus einer Rennsportfamilie, ihr Vater Rafael und ihr Bruder Tavo fahren Rennen, und jetzt stellt sie sich selbst in ihrem pinkfarbenen Buggy der Herausforderung der Wüste. „Ich war siebzehn, als ich das erste Mal in einem Rennwagen saß“, sagt sie. „Ich war Co-Pilotin meines Vaters bei einem Rennen in San Vicente (einem Ort nahe Guadalajara an der mexikanischen Pazifikküste, Anm.). Ich erinnere mich, dass wir in einer Kurve am Ende der ersten Runde einen Überschlag gebaut haben; ich hing im Gurt, bis man mich aus dem Wrack befreite.“

Die kleinen unD Die GroSSen

Die Geschichte von Viry Félix ist beispielhaft für viele mexikanische und amerikanische Rennsportler, die sich ihre Teilnahme selbst finanzieren müssen – im Gegensatz zu den großen Teams mit gut dotierten Sponsorverträgen. „Mein erstes Rennen als Fahrerin war 1994. Eine Gruppe männlicher Freunde organisierte einen Wettkampf, in dem ihre Ehefrauen ihre Autos fuhren“, erzählt sie. „Meine Mutter


fremdes terrain: auf herkĂśmmlichen StraĂ&#x;en wirken die Baja-ungeheuer ein wenig, hm, fremdartig. Vor dem Start werden die teilnehmenden fahrzeuge von Dekorationen aller art befreit.

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ACTION

„jeDer Der einzelkämpfer erzäHlt eine anDere GeScHicHte, Wie er Den lanGen WeG BiS zur Startlinie GeScHafft Hat.“ wollte nicht mittun, also fuhr ich an ihrer Stelle – und ab diesem Moment wusste ich, dass Off-Road-Racing mein Ding ist.“ Dass sich Félix die Teilnahme an der Baja leisten konnte, ist einem Glücksfall zu verdanken. Ihr Team Chicas Off Road fand auf unerwartete Art einen Sponsor: Als er an der mexikanisch-amerikanischen Grenze als Fahrer am Set des Films „Little Boy“ arbeitete, lernte Virys Bruder Tavo den japanischen Schauspieler Cary-Hiroyuki Tagawa kennen und erzählte ihm von seiner rennfahrenden Schwester. Tagawa war von der Geschichte so angetan, dass er sich zu einem Sponsorship entschloss. Finanziell und indem er ihr bei der Vorbe-

ein probates mittel gegen schlechte Straßenverhältnisse: ausreichend Bodenfreiheit.

reitung auf die Baja 1000 half – mit Techniken der Kampfkunst Chun-Shin. Jeder Einzelkämpfer, der es wie Viry Félix mit den großen Teams aufnimmt, erzählt eine andere Geschichte, wie er den langen Weg bis zur Startlinie geschafft hat. Aber in jeder Geschichte

Handwerkliches Geschick ist als Beifahrer unerlässlich.

steckt derselbe Spirit, stecken dieselben Emotionen, die von der Faszination der Baja 1000 befeuert werden. Sie wurde das erste Mal 1962 gefahren. Zwei Abenteurer, Dave Ekins und Bill Robertson jun., rasten auf ihren 250er-Hondas von Tijuana im Norden der Halbinsel nach La Paz in den Süden – vor allem um herauszufinden, wie lang man denn für die Strecke benötigen würde und ob man sie überhaupt rennmäßig zurücklegen könnte. Ekins gewann in 39 Stunden und 54 Minuten, Zeit und Strecke wurden durch das Abstempeln an Telegrafenämtern am Weg festgehalten. In den folgenden fünf Jahren wurden ähnliche Rennen gefahren. Ralph Poole und Spencer Murray waren wichtige Pioniere der Automobil-Kategorie und schraubten in einem Rambler American 1967 den Rekord auf exakt 31 Stunden. Einen Hauch Professionalität brachte Ed Pearlman in das bis dahin eher naturbelassen durchgeführte Rennen. Pearlman war Blumenhändler aus dem San Fernando Valley; er leitete die „Mexican 1000“ am 31. Oktober 1967, 68 Teilnehmer wurden registriert. Organisatorisches


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zur Strecke YUMA

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Die Baja 1000 ist kein HighTech-Spektakel, sondern ein Wettrennen im ursprünglichsten Sinn; und die Baja California ihr einzig denkbarer Austragungsort. DaS rennen ist 1000 Kilometer lang. Theoretisch. In der Praxis variiert die Länge, 2011 wurden etwa 1115 Kilometer zurückgelegt. Wer unterwegs stehen bleibt, hat einen triftigen Grund dafür. Der SpeeD ist angesichts der Bedingungen enorm. Die fast zwei Tonnen schweren Trophy-Trucks donnern mit 200 km/h Spitze über Geröllfelder. Die faHrzeuGe haben zwei, drei oder vier Räder und sind darüber hinaus einem erfrischend rudimentären Reglement unterworfen. Grob gesagt: Komm mit deinem fahrbaren Untersatz an den Start, wir finden eine Klasse dafür.

auf der Halbinsel herrscht kein mangel an menschenleeren Straßen.

Rückgrat des Rennens waren nicht mehr die Stempel der Telegrafenämter, sondern eine von Pearlman geleitete Organisation namens National Off-Road Racing Association (NORRA). Die NORRA konnte das Tempo des von ihr administrierten Rennens allerdings nur einige Jahre lang halten, so ging 1974 die Verantwortung für alles Organisatorische rund um das mittlerweile „Baja 1000“ genannte Abenteuer an SCORE International, jene Organisation, die den Job auch heute noch macht.

runninG of tHe BullS

Als Erste werden die Motorradfahrer in der Morgendämmerung auf die Strecke geschickt. Großer Favorit ist Kendall Norman aus Santa Barbara, Kalifornien, er geht auf seiner Honda CRF450X als Zweiter ins Rennen. 2009 gewann er die Baja 1000, sein kleiner Bruder deren kleinere Schwester „Baja 500“. Als Letzter eröffnet Joe Rice, 53, sein Rennen auf einem Can-Am-Outlander800-Quad. Rice fährt die Baja seit 1982. „Letztes Jahr brauchte ich 32 Stunden bis La Paz“, sagt er. „Was ich am meisten mag? Dieses Gefühl der Zufriedenheit, das 77


Die Sicherheitsvorkehrungen sind von ausgeprägt mexikanischem charakter.

Ziel erreicht zu haben. Dann ein paar Tacos zu essen und ein paar Bier zu trinken.“ Dieses Ziel zu erreichen wird jedoch von Jahr zu Jahr schwieriger, obwohl die Fahrzeuge immer robuster werden. Denn die Organisatoren, ist Rice überzeugt, suchen die schwerste Route auf den schlechtesten Straßen aus. „Ich erinnere mich, als ich Perry McNeil unterwegs traf, er ist jetzt 62, fährt noch immer, eine wahre Legende. Er steckte in Ciudad Constitución fest – weil er solche Krämpfe hatte. Wir mussten ihn mit Bananen wieder aufpäppeln.“ Ab elf Uhr werden 32 Trophy-Trucks donnernd auf die Strecke entlassen, als Erster TV-Star Jesse James, genau um 11:14 Uhr, gefolgt von Tavo Vildósola. Der erste Abschnitt des Kurses folgt einem schmalen Bach. Der vor kurzem gefallene Regen hat ihn in einen Sumpf verwandelt; nicht angenehm für die Fahrer, aber ein Traum für die Fans: Sie drängen sich auf den Brücken und stehen so nah an den Bachufern, dass sie über und über mit Schlamm bespritzt werden. Die Fahrzeuge rasen so knapp an ihnen vorbei, dass ein ausgestreckter Arm genügt, sie zu berühren. Die Szenerie erinnert an 78

das Bullenrennen in Pamplona, wo Stiere durch die Straßen getrieben werden – nur in einer motorisierten Version.

DaS Drama eineS cHampionS

56 Kilometer östlich des Starts, bei Ojos Negros, schließt Tavo Vildósola zu Jesse James auf und überholt ihn. Eigentlich hatte er einen Tankstopp geplant, aber mit der Führung in der Hand ändert er seine Strategie und entscheidet sich für einen späteren Stopp, um den Abstand zu James zu vergrößern. An sich eine clevere Entscheidung: Er verschwindet vor dem TVStar im Straßenstaub, den er aufwirbelt. Ein paar Kilometer weiter dreht der Kurs Richtung Süden nach El Álamo, dann östlich über Felsen und Schutt in eine

„er Steckte feSt, Weil er SolcHe krämpfe Hatte. Wir muSSten iHn mit Bananen WieDer aufpäppeln.“

Passage, die treffenderweise „The Summit“ genannt wird, der Gipfel. Von hier geht es südlich nach Cohabuzo über den berüchtigten Laguna Salada, einen ausgetrockneten See. Dieser Streckenabschnitt ist besonders gefürchtet, was Vildósola auf schmerzliche Weise bestätigt findet: Auf der Höhe von The Summit streikt der Kolben seiner hydraulischen Zahnstange. Sein Team ist schnell zur Stelle, aber dennoch verliert er zwei Stunden. Knapp 30 Kilometer später gibt eine der beiden Lichtmaschinen ihren Geist auf – weitere 30 Kilometer später bricht die zweite unter der Überlastung zusammen. Vildósola gibt trotzdem weiter Gas – er will sich die Niederlage nicht eingestehen. Aber das Spiel ist endgültig aus, als er den Cerro Borrego erreicht, bei Kilometer 315 muss der regierende Champion aufgeben. Vorne an der Spitze tobt mittlerweile ein brutaler Fight um die Führung zwischen Bryce Menzies, Andy McMillin und Nick Vanderwey. Sie sind bei der SanFelipe-Schleife, die beim Fluss El Borrego beginnt und die Fahrer wieder zurück zur Küste des Mar de Cortés führt, des Golfs von Kalifornien zwischen der Halbinsel und dem mexikanischen Festland. Sie


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lassen den ausgetrockneten Flusslauf des Matomi und die Laguna Diablo hinter sich. Den sich ihnen bietenden atemberaubenden Blick auf den höchsten Punkt der Halbinsel Baja California, den Picacho del Diablo, ignorieren sie. Die Fahrer lassen San Felipe hinter sich, es erwarten sie noch mehr Berge im Landesinneren, eine Abfahrt nach San Vicente und Eréndira an der Pazifikküste. Die Fahrer rasen an der Siedlung Santo Tomás vorbei und verlassen die Küste anschließend wieder Richtung Wüste, Richtung Ojos Negros und Ensenada. Die Motorradfahrer beenden die Baja 1000 vor den anderen. Der Gewinner des 44. Rennens ist Red Bull-Rider Kendall Norman auf Honda, gefolgt von Shane Esposito auf Kawasaki und Colton Udall, einem weiteren Honda-Piloten.

enGSteS finiSH Der Baja-1000-ära 19. November, morgens. Die drei führenden Trophy-Trucks nähern sich dem Ziel, im Kampf um den Sieg sind sie nur Minuten voneinander entfernt. Bald hört man in Ensenada das Dröhnen des ersten Motors: des Ford F-150 von Andy und Scott McMillin (Siegerzeit: 14:51:36); drei Minuten dahinter der Chevrolet Silverado von Nick Vanderwey und Curt LeDuc; weitere zwei

„DaS intenSiVSte rennen meineS leBenS: ein ScHrecklicHeS erleBniS … unD ein rieSenSpaSS zuGleicH.“ Minuten später folgt das Red Bull-Duo Bryce Menzies und Rick Johnson in einem Ford F-150. Die drei sorgen für das engste Finish in der Geschichte der Baja 1000. Andy McMillin rettete seinen winzigen Vorsprung ins Ziel und kann kaum glauben, gewonnen zu haben. „Das intensivste Rennen meines Lebens“, sprudelt es aus ihm heraus. „An der Küste waren wir nur 30 Sekunden vor Menzies … ein schreckliches Erlebnis … und ein Riesenspaß zugleich.“ McMillins Vater Scott strahlt vor Freude. „Die Baja 1000 ist eine wichtige Tradition in unserer Familie. Wir haben schon zum 35. Mal teilgenommen.“ Nach dem Rennen will Bryce Menzies einige Dinge erklären. „Als wir in Borrego an die Box kamen, lagen wir sechs Sekunden vor Andy. Aber als wir zum Nachtanken und Reifenwechseln hielten, brach

Sal fish schupft das Ding seit 1974.

der hydraulische Wagenheber … danach hatten wir keine Chance mehr.“ Und was wurde aus Viry Félix? Sie gewann die Sportsbuggy-Kategorie, als erste Frau der Geschichte, in 25 Stunden, 42 Minuten und 41 Sekunden. Ohne Beifahrer. Sieht aus, als wäre ein neuer Star geboren. www.score-baja-1000.com

Bryce menzies, Dritter bei der knappsten entscheidung der Baja-1000-Geschichte.

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Die welt von reD bull Jentniezrten

Foto: © Martin Kreil

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abseits des alltäglichen. the red bulletin.


Radka Máchová ist zweifache Mutter und Chefin der Flying BullsKunstflugstaffel. Wie sie sich auf Manöver wie dieses vorbereitet, lesen Sie auf Seite 88.

Inhalt 82 REISE-TIPP Heliskiing in Alaska 84/85 KULINARIK Tim Raue, „Karjalanpaisti“

BODY+ MIND

BILD: NIKOS MITSOURAS/REPORTER IMAGES

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86 GET THE GEAR Franky Zorn 88 TRAINING Radka Máchová 90 CLUB & CD 91 TAKE 5 Air 92 TOP-SPOTS 94 SAVE THE DATE 96 RED BULL TV-FENSTER bei ServusTV 98 KOLUMNE mit Christian Ankowitsch


more body & mind

Auf und dAvon

33 Meilen ins Paradies Heliskiing in Haines, alaska.

Trockener Pulverschnee, steile, endlose Abfahrten und die Möglichkeit, per Helikopter auf jeden befahrbaren Berg zu fliegen: ein Besuch im Paradies für Powder­Junkies. Wer von Haines Richtung Norden fährt, passiert nach 33 Meilen ein Burger­ restaurant, ein paar kleine Holzhäuser, eine improvisierte Tankstelle und einen Hubschrauberlandeplatz. Das verschlafe­ ne Örtchen im Nirgendwo ist das Zuhause von Sean Dogs „Alaska Heliskiing“­Unter­ nehmen. Sean Dog empfängt jeden seiner Kun­ den mit festem Händedruck und sieht aus wie ein Holzfäller: Gummistiefel, Flanell­

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hemd, speckige Arbeitsjacke. Man muss schon wissen, dass Sean ein phantastischer Skifahrer ist und genau deshalb die Wün­ sche seiner Kunden so gut kennt. Bis zu 53 Grad steil sind die Abfahrten, die man von hier aus mit dem Heli anflie­ gen kann. Doch es kommen nicht nur die extrem­Skifahrer und ­Snowboarder: in Alaska findet jeder sein Powder­Paradies. Die Stimmung in der Helibase gibt sich so wechselhaft wie das Wetter in Alaska: Von himmelhoch jauchzend (bei Sonnen­ schein und frischem Schnee) bis zu Tode betrübt (Wind, dichter Schneefall oder gar kein Schnee) reicht die Palette. Downdays nennt man hier jene Tage, an denen der Heli nicht fliegen kann oder die Schneebedingungen nicht passen. Und an Downdays herrscht kein Mangel, sie sind eine große Übung in Gelassenheit. Denn Haines bietet an trüben Tagen ein eher schmales Unterhaltungsprogramm: es führen nur drei Straßen raus aus dem Ort, zwei enden nach rund 30 Minuten Fahrzeit in Naturreservaten, die dritte führt Richtung kanadischer Grenze, zum „33 Mile House“ und Sean Dogs Helibase.

ein Besuch bei Steve Kroschel, um in seinem Tierpark dem Vielfraß, dem „gefährlichsten Tier der Welt“, ins Auge zu blicken, eine Bootstour inklusive See­ löwen­ und Wal­Watching – das hat man alles recht schnell durch, und als Outdoor­ Aktivitäten machen sie bei Schlechtwetter auch nur eingeschränkt Spaß. Bleibt als Zufluchtsort die Kneipe Nummer eins, die Pioneer Bar. Oft trifft sich hier halb Haines auf ein Getränk. An Downdays laufen einem schon mal Freeski­ und Snowboard­ Pros wie Tanner Hall, Travis Rice, Tom Burt oder Jeremy Jones über den Weg. Wenn die Bedingungen aber passen, verwandelt sich die bei schlechtem Wetter von sympathischer lethargie befallene Helibase in einen betriebsamen Abflug­ hafen für Tiefschneetouristen. Und plötz­ lich sitzt man selbst im Heli: samt Pilot, Guide und vier weiteren Powder­Junkies. Der Flug in die atemberaubende Berg­ welt gestaltet sich ausgesprochen kurz­ weilig. Tief unten, egal wohin man blickt: endlose Gletscher, bizarre Schnee­ und eisformationen, gewaltige Schneeverwe­ hungen. Der Helikopter setzt auf, man

TexT UND BilDeR: DANiel KUDeRNATScH

Der reise-Tipp Des MonaTs


Fischerboote im Hafen von Haines. Im Hintergrund die Berge der Coast Range.

seelöwen im Fjord von Taiva nahe Haines.

Ein Gruppenfoto nach 1200 Höhenmetern und unzähligen Adrenalinschüben.

die legendäre Pioneer Bar in Haines ist Treffpunkt aller Freerider und locals.

drängt sich geduckt hinaus, fasst Boards, Ski und Rucksäcke. Al, den Heli­Piloten mit Vietnam­erfahrung, sieht man samt seinem Fluggerät erst nach der Abfahrt wieder. Man bleibt zurück, mitten auf einem Berg, irgendwo in Alaska. Die Abfahrten? Häufig Adrenalin pur. „Rollover“ nennen die Guides jene Runs, die man erst dann einsehen kann, wenn man losgefahren ist und den obersten Scheitelpunkt hinter sich gebracht hat. Gefährliche, steile Berge und wie man sie zu fahren hat, beschreibt der Guide akribisch: „Bleib immer auf dem Grat (‚Spine‘). Wird der nachrutschende Schnee zu kleinen lawinen (‚Sluffs‘), weiche so schnell wie möglich über eine Rinne nach rechts oder links auf die nächste Spine aus. Nicht stehen bleiben, den Run flüssig und schnell durchziehen. Und am ende des Runs ja nicht zu weit nach rechts fahren, weil es dort einen rund 120 Meter hohen Felsen gibt – aber den haben wir ja alle ohnehin vom Hub­ schrauber aus gesehen! Alles klar? Dann kann’s ja losgehen!“

Reise-infos Anreise Mit Alaska Airlines von Seattle nach Juneau. Von dort per Mietauto und Fähre oder per Kleinflugzeug nach Haines.

Alaska Heliskiing (vicki@alaskaheliskiing.com) genügt, um sich für Heliskiing in Haines anzumelden. Danach muss man eine Anzahlung leisten.

Wohnen Motelzimmer, private Apartments oder Häuser können je nach Ausstattung zwischen 140 und 1200 Dollar pro Person und Woche gemietet werden.

Wann? Anfang März bis Mitte April gilt als die beste Zeit. Wer garantiert eine volle Woche am Berg sein will, sollte sich dafür einen ganzen Monat Zeit nehmen.

Essen Mosey’s Cantina: Mexikaner mit großen Portionen und fairen Preisen. Bamboo Room: die besten Fish ’n’ Chips. Deli im Mountain Market: serviert den besten Kaffee.

Wie viel? Ein Tag mit sechs bis zehn Helikopterflügen kostet 750 bis 1250 US-Dollar.

Heliskiing Eine E-Mail drei Monate vor der Anreise mit den Eckdaten (Anzahl der Personen, Reisezeit) an

Was hat man mit? Lawinenpieps, Schaufel und Sonde muss man dabeihaben. Skifahrer sollten zu Powderskiern greifen, Snowboarder etwas längere Bretter wählen. Ein Lawinenairbag ist zu empfehlen.

Mit wem? Es gibt keinen Gradmesser, wie gut man Ski bzw. Snowboard fahren können sollte, wenn man nach Alaska kommt. Da eine Gruppe immer den gleichen Berg anfliegt, sollte sie aus Fahrern bestehen, die sich auf demselben Level befinden.

KAnAdA Haines AlAsKA

www.alaskaheliskiing.com, www.haines.ak.us

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Ameisen auf dem Gaumen

DIE BESTEN KÖCHE DER WELT ZU GAST IM HANGAR-7

TIM RAUE. Wie wird man Berlins bester Koch? Indem man virtuos mit Aromen jongliert – und zwar mit asiatischen.

Man darf die Geschichte des 1974 in Berlin geborenen Tim Raue wohl als bekannt voraussetzen: teils beim prügelnden Vater in Stuttgart aufgewachsen, teils bei der Mutter im ruppigen Berliner Wrangelkiez, teils bei den Großeltern. Mitglied einer Gang, die Argumente mit Baseballschlägern formulierte. Kochlehre, weil das Geld für den Schulbesuch fehlte. 1998 entdeckte ihn der „Feinschmecker“, 2005 wurde der einstige Schläger zum Star: Gault Millau wählte Tim Raue zum „Aufsteiger des Jahres“. Es folgten der erste Michelin-Stern, prestigeträchtige Jobs, ein Kochbuch („Aromen[r]evolution“), erstklassig dotierte Auftritte im deutschen Privatfernsehen, das erste eigene Restaurant („Tim Raue“ eröffnete im September des Vorjahres) und eine aufsehenerregende Autobiografie („Ich weiß, was Hunger ist“). Seit kurzem trägt Raue quasi offiziell den Titel des besten Kochs der deutschen Hauptstadt: 19 Gault-Millau-Punkte, Berlins Nummer eins. Und wie kocht der Ur-Berliner? Asiatisch. Mit einer für ihn typischen japanisch-thailändisch-chinesischen Verbindung. Die wie schmeckt? „Wie Ameisen, die auf dem Gaumen tanzen“, sagte er einmal augenzwinkernd. Wasabi-Eis, Kaviar, Thai-Erbsen

MEINE PHILOSOPHIE

Restaurant Tim Raue Rudi-Dutschke-Straße 26 10969 Berlin, Deutschland Tel.: +49 30 25937930 www.tim-raue.com Architektur, die Geschichten erzählt: ein Boden aus gegossenem Asphalt als Verweis auf Tim Raues Kreuzberger Herkunft, Beleuchtung und Interieur als Tribut an die Vergangenheit des Raums als Galerie, hochwertige Designermöbel als modernzeitgeistiges Statement.

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Die Gastköche im Hangar-7 Monat für Monat gastiert ein anderer internationaler Spitzenkoch im „Restaurant Ikarus“ des Salzburger Hangar-7 und kreiert dort gemeinsam mit dem Küchenteam ein einzigartiges Menü. Gastkoch im Februar 2012 ist Tim Raue, Chef des „Restaurants Tim Raue“ in Berlin. Informationen zu „Ikarus“ finden Sie unter www.hangar-7.com sowie auf www.facebook.com/hangar7, Reservierungen sind telefonisch (unter +43 662 2197-77) und via E-Mail möglich: ikarus@hangar-7.com

BILDER: DIRK MATHESIUS/RED BULL HANGAR-7 (3)

MEIN RESTAURANT

Der Geist des Kolibri Den Kolibri haben wir als Logo für unser Restaurant gewählt, weil er Kreativität, Einzigartigkeit und Freiheit verkörpert – Begriffe, die uns inspirieren. Küche der Aromen Wir servieren ausschließlich Gerichte, die Energie und Lebensfreude spenden und den Körper nicht unnötig belasten. Wir verzichten demzufolge auf Beilagen wie Brot, Nudeln und Reis, ebenso wie auf weißen Zucker, Milchprodukte und Gluten. Eigenwillig Everybody’s Darling zu sein interessiert mich nicht. In meiner Autobiografie habe ich den Satz geschrieben: „Meine Aromatik wird nie als harmloser kleiner Gaumenschmeichler daherkommen, sondern immer Vollgas in die Fresse treten.“


MORE BODY & MIND

GESCHMACK VON WELT NATIONALGERICHTE ZUM NACHKOCHEN

Heißer Topf

TEXT: KLAUS KAMOLZ. BILD: FOTOSTUDIO EISENHUT & MAYER

KARJALANPAISTI. Im finnischen Teil Kareliens wärmt ein deftiger Eintopf in langen dunklen Winternächten.

Wenn in Finnland die Nächte beeindruckend lang und kalt werden, ist die Zeit für diesen karelischen Eintopf gekommen. Man sagt, er wärmt Körper und Seele. Und man sagt auch, dass Karjalanpaisti, der heiße karelische Topf, ein trefflicher Vorwand ist, einen Schnaps (oder zwei oder drei) hintennach zu kippen. Der Eintopf, der mit überraschend wenig Gewürzen eine herzhafte Deftigkeit entfaltet, was an der Schmordauer liegt, ist eines der beliebtesten Gerichte in der Region Karelien – ein Landstrich hoch im Norden, den sich Finnland und Russland teilen. Vor wenigen Jahren kürte die Leserschaft einer finnischen Tageszeitung die Speise sogar zum offiziellen Nationalgericht Finnlands. In der traditionellen Zubereitung wird Karjalanpaisti in einem bestimmten Topf, dem uuniruukku oder potti, gegart; früher geschah das nur an Festtagen, weil Fleisch knapp war. Heute isst man den Eintopf auch an ganz normalen Tagen gerne.

DAS REZEPT Zutaten für 4 Personen: 500 Gramm Rindfleisch 250 Gramm Lammfleisch 250 Gramm Schweinefleisch 1 Kalbsniere 2 EL Butter 3 gewürfelte Karotten 2 gewürfelte weiße Rüben

2 gehackte Zwiebeln 125 Milliliter Bier 10 Pimentkörner 2 Lorbeerblätter Salz

Das Fleisch in mundgerechte Stücke schneiden (Nierenfett grob entfernen) und mit den Gewürzen und den Zwiebeln in einem Bräter mit der Butter langsam anbraten. Karotten und Rüben dazugeben, salzen, kurz weiterbraten, mit Bier ablöschen und mit Wasser knapp bedecken. Bei 240 Grad im Ofen ohne Deckel bräunen, zudecken und ca. 3 Stunden bei 170 Grad fertig schmoren. Mit Kartoffelpüree servieren.

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GET THE GEAR DIE AUSRÜSTUNG DER PROFIS

Garage des Zorns FRANKY ZORN. Rennfahrer, Mechaniker, Konstrukteur, Manager: Der EisspeedwayPro aus Saalfelden ist eine One-Man-Band. Hier ein Blick in die Kommandozentrale.

1 Acerbis-Handschutz Schützt vor Eissplittern. Normale Handschuhe allein wären in unserem Sport viel zu wenig. 2 Stiefel Alpinestars SVX Die bequemsten, die ich kenne. Für den linken, kurveninneren (wir fahren gegen den Uhrzeigersinn) haben mir die Spezialisten von Carbo Tech einen leichten, steifen Protektor gebaut. 3 Generator Honda EU 20i Für Heizung und Licht im Zelt. Im Gegensatz zu den meisten Generatoren ist der Honda flüsterleise. Eine Wohltat. 4 Eigenbau-Motorrad Meine Maschinen baue ich selbst, sie heißen schlicht F1 und F2 (F wie Franky). Den Stahlrahmen schweiße ich ebenso selbst, wie ich die Gabel umbaue (die aktuelle stammt von einem KTM-RC8-Straßenbike) und das Puzzle zusammensetze. Nur beim Motor hilft mir ein Tuner, der seine Finger auch bei Sebastian Vettels F1-Motor im Spiel hat. Der Einzylinder auf Jawa-Basis leistet rund 60 PS am Hinterrad. Der rennfertige Motorrad wiegt 116 kg. Kostenpunkt: rund 20.000 Euro.

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Es gibt nicht viel, worum man den nimmermüden Franky Zorn beneiden kann. Seine perfekte Garage wäre so ein Punkt.

TEXT: WERNER JESSNER. BILD: PHILIPP FORSTNER

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5 Langlaufski Fischer CRS Skating Vasa Man kann nicht immer nur ins Fitnessstudio gehen. Die Langlaufloipe führt praktischerweise fast an meinem Haus vorbei. Im Sommer quäle ich mich beim Berglaufen. 6 Anzug WACO Nylon Nicht aus Leder, wie man vielleicht annehmen könnte, sondern aus leichtem, schnell trocknendem Nylon. Der Bereich von Schultern, Oberarmen und linkem Oberschenkel ist durch Aluplatten verstärkt. Das sind die Bereiche, die für SpikeKontakt prädestiniert sind. 7 Helm Shoei VFX Ich bin vom Straßen- auf den offenen Enduro-Helm umgestiegen und bereue es nicht, im Gegenteil. Gegen Eissplitter und Kälte im Nasenbereich habe ich mir einen Einsatz gebastelt.

8 Brille Gloryfy GP2 Beschlägt wegen der Doppelscheibe nicht und ist unzerstörbar. Tear-off-Visiere sorgen im Rennen für ein sauberes Gesichtsfeld. 9 Acerbis-Protektorenjacke Wird unter dem Anzug getragen, schützt den Oberkörper im Allgemeinen und die Wirbelsäule im Besonderen. 10 Knie- & Schienbeinschutz Habe ich mir selbst gebastelt. Braucht man nur auf der linken, kurveninneren Seite, da wir ja, wie auch beim „normalen“ Speedway, ausschließlich gegen den Uhrzeigersinn fahren. 11 Schweißgerät Migatronic Pilot 1500 HP Elektroschweißen ist out, ich arbeite mit einem Argon-Stickstoff-Gemisch. Meine Motorräder, aber auch den Großteil der Werkstatteinrichtung habe ich mit diesem Schweißgerät gebrutzelt. Woher ich das kann? Ich bin Autodidakt, habe mir aber schon in meiner Zeit als Kranführer Tipps von der dazugehörenden Schlosserei geholt. 12 Sowjetische Bärenmütze Die hier habe ich in Saransk gekauft, der Hauptstadt von Mordwinien (rund 520 km ostsüdöstlich von Moskau). Wer im Winter je in Russland war, weiß, warum die Russen das tragen. 13 Spikereifen Nefo ISW-F Es dauert drei Tage, bis ich die 120 (vorne) bzw. 170 Spikes (hinten) in den Gummi gebohrt und verschraubt habe. Ein fertiger Reifen wiegt 4,6 Kilo. Nach einem Rennwochenende ist der Gummi ausgeleiert, und die Spikes müssen auf den nächsten Reifen umgeschraubt werden. Ideal sind Eisspeedwayreifen, die zwei Jahre dunkel und trocken in meiner Garage gelagert worden sind. 14 Methanol-Kanister Wir fahren mit Methanol, das ist reiner Alkohol. In den Tank passen 1,5 Liter. www.frankyzorn.at

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Im Anflug auf den Sonntag Wie Radka Máchová die Tage zwischen zwei Flugshow-Wochenenden verbringt.

Dienstag Aufstehen um 8.30 Uhr. Nach ausgiebigem Frühstück steht eine 20-minütige Fahrradergometer-Einheit auf dem Plan. Danach allerlei organisatorische Arbeiten, zum Beispiel für Ordnung im E-Mail-Postfach sorgen. Am Nachmittag fahre ich 50 bis 80 Kilometer mit dem Straßenrad oder den Inlineskates (zirka 2 Stunden).

Trotz enormer körperlicher und geistiger Belastung alles im Blick.

Oberfliegerin

WORKOUT TRAINIEREN WIE DIE PROFIS

RADKA MÁCHOVÁ. Die tschechische Kunstflugpilotin wirbelt seit 2002 als Flying Bulls-Staffelführerin durch die Luft.

„In meinem Sport geht es nicht um physische Kraft“, sagt Radka Máchová, „sondern um Erfahrung, Präzision, schnelle und richtige Entscheidungen.“ Vier Jahrzehnte Erfahrung – ihren Privatpilotenschein machte die Tschechin 1971 während ihres Studiums an der slowakischen Universität Žilina – qualifizieren die mittlerweile 63-jährige Mutter zweier Söhne zur Staffelführerin der Flying Bulls. In ihrer einmotorigen Zlín 50LX ist Máchová aber auch außerordentlichen körperlichen Belastungen ausgesetzt: Es wirken g-Kräfte von +5/–5g, vor allem die Negativ-g-Manöver mit dem Kopf nach unten belasten speziell die Halswirbelsäule enorm. „Ein guter Ausgleich ist Schwimm- und Tauchtraining. Beim Tauchen ohne Geräte wird zusätzlich die Orientierung im offenen Raum geschult“, so Máchová. Im Winter hält sich die Pragerin mit Skifahren und Langlaufen fit.

Mittwoch Aufstehen um 8.30 Uhr. 15–20 Minuten Ergometer-Training. Danach 1 Stunde Fitnesstraining (Schwerpunkt: Rücken und Arme). Arbeit am Computer zur Planung der nächsten Show: Studium der Wetterberichte und Flugrouten, Kontrolle der Flugdokumente, Treibstoffbeschaffung, Überprüfung der Luftfahrtvorschriften des Landes. Am Nachmittag folgt eine einbis zweistündige Bikeeinheit in Prag oder eine Stunde Schwimmtraining am Abend. Donnerstag Aufstehen um 8.30 Uhr. Nach einer kurzen Ergometereinheit weitere Computerarbeit: optimale Flugroute, Flugbestätigungen, Bestimmung eines Ausweichflugplatzes und möglicher Ersatzflugrouten, Besorgen der Flugkarten. Danach Packen meines persönlichen Gepäcks inklusive Flugdokumente, Fotoapparat und Laptop. Nachmittag: Abfahrt zum Jaromeˇˇr Airport, unserer Basis

Präzisionsarbeit Radka Máchová vertraut ihrer Erfahrung, den Kollegen und der beflügelnden Wirkung eines nicht ganz unbekannten Getränks. „Nur konsequente, harte Arbeit sorgt dafür, dass die Show am Himmel spielerisch einfach aussieht“, sagt die Hobbyfotografin. Im Formationskunstflug ist neben großer Erfahrung auch absolutes Vertrauen in die Partner Grundvoraussetzung: Denn bei der engen Anordnung der Flugzeuge hätte der kleinste Fehler fatale Folgen. Stressiger als die meisten Kunstflüge sind für Radka jedoch die Transferflüge bei schlechtem Wetter. Ein persönlicher Tipp der Expertin für alle, denen in Flugzeugen übel wird? „Rund zwei Stunden vor dem Flug nur noch Kleinigkeiten wie Käse, Joghurt oder Tomatensaft zu sich nehmen! Und vor allem auf Langstreckenflügen viel trinken. Mein Geheimrezept: Wasser und Red Bull im Verhältnis drei zu eins.“

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AcilDie ulluptation Mitgliederhenim estder modigna lam num Flying et Bulls.

im Norden Tschechiens. Gegen Abend steht eine Trainingseinheit mit der gesamten Formation (samt Ersatzpiloten) auf dem Programm – darin werden auch neue Showelemente erlernt. Das Training wird aufgezeichnet und analysiert. Nach der Reinigung der Flugzeuge erfolgt ein Wartungscheck. Freitag Aufstehen um 7 Uhr. Je nach Länge des Transferfluges zum Airshow-Zielflughafen gibt es ein weiteres Formationstraining. Im Anschluss werden die Flugzeuge für den Abflug gecheckt und betankt, benötigte Ersatzteile werden verstaut. Am Zielflughafen werden die Flugzeuge gewartet und im Hangar abgestellt. Samstag Aufstehen um 7 Uhr. Transfer vom Hotel zum Flugplatz. Kontrolle der Benzin- und Ölmenge für das Rauchsystem. Danach Meeting mit dem Organisator. Dort erhalten wir Informationen über das Flugareal, die minimale Flughöhe, Kommunikationsabläufe, aktuelle Wetterdaten und die genauen Zeitfenster für den Auftritt am Samstag. Sonntag Der Ablauf des zweiten AirshowTages ähnelt dem des Vortages. Nach Veranstaltungsende treffen wir die nötigen Vorbereitungen für den Transferflug nach Hause. Nach der Ladung am Jaromeˇˇr Airport werden die Flugzeuge gereinigt und in den Hangar gebracht, es folgt ein Abschlussbriefing und die erste Vorbesprechung für die nächste Show.

www.flyingbulls.com

TEXT: ULRICH CORAZZA. BILDER: CORNELIUS BRAUN/RED BULL CONTENT POOL, BERNHARD SPÖTTEL/RED BULL CONTENT POOL

Montag Montag ist Ruhetag. Ausschlafen bis 10 Uhr, danach Erholung: essen, schlafen – und meine Fliegerdress für die nächste Airshow in Form bringen.


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„Vielen Dank, Danny!“

ON TOUR

DIE BESTEN BANDS UNTERWEGS

LOCH LOMOND. Mit Hilfe eines Trial-Bikers etabliert sich eine US-Folk-Band in der Pop-Welt.

Lotus aus Ägypten

BEST CLUBS IM HERZEN DER DISCOKUGEL

TAMARAI, KAIRO. Feiern über den Dächern der MegaMetropole, Tanzen mit Blick auf den Nil: Ägyptens exklusivster Club vereint orientalischen Charme mit House-Musik und elegantem Design.

Der Clubname bedeutet … … Lotusblume in der südindischen Tamil-Sprache. Als ihr den Laden 2009 eröffnet habt, wolltet ihr … … den ersten Club mit internationalem Flair im Herzen von Kairo eröffnen. Mit innovativem Design und exzellenter Küche – aber alles im Stil der ägyptischen Kultur. Von außen sieht das Tamarai aus … … wie eine Dachterrasse – auf einem der prominentesten Türme der Stadt, mit Blick aufs hell erleuchtete Zentrum und den Nil. Das Interieur der Lounge ist geprägt von Papyruspflanzen und Olivenbäumen. Eure Stammgäste sind … … die wichtigsten Akteure und Trendsetter der Stadt.

Filmisch gesprochen erinnert euer Club an … … Fergies Tanzszene in dem Streifen „Nine“. Richtig los geht’s um … … Mitternacht. Der beste Drink, um die Nacht zu starten … … heißt „All Nighter“: ein Mix aus Cointreau, Galliano, Red Bull und Erdbeerlikör. Voll ist’s, wenn … … an die 1000 Gäste tanzen. Der Track, bei dem’s derzeit voll abgeht, ist … … die House-Hymne „Sexy and I Know It“ von LMFAO. Den besten spätnächtlichen Snack gibt’s … … bei der Pizzeria Maison Thomas im Zamalek-Viertel. Ein Taxi ins Stadtzentrum kostet … … quasi nichts: 20 ägyptische Pfund (ca. 2,50 Euro). Interview mit Radwa Awad, Marketing Manager Tamarai Restaurant & Bar Nile City Towers, Corniche el-Nil, Ramlet Beaulac, Kairo, Ägypten Tel.: +20 122 4566666 www.tamarai-egypt.com

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Ritchie Young (1. v. li.) im großen Kreis seiner Bandmitglieder.

TEXT: ANDREAS TZORTZIS, FLORIAN OBKIRCHER. BILD: LEME LEME (1)

Orientalische Tanznächte zwischen Olivenbäumen.

Die neue Sensation  : am Indie-Rock-HimVorher kannte man mel heißt Loch Louns in Portland, aber mond. Eine Folkband das war’s. Und mit aus Portland, Oregon, einem Schlag verder ein schottischer kauften wir 150.000 „Wax and Wire“: Singles von dem Trial-Biker zum der Song zum Durchbruch verhalf. Song. Etwas Besseres MacAskill-Video Vor anderthalb hätte unserer Band Jahren fragte Danny nicht passieren könMacAskill persönlich bei nen. Vielen Dank, Danny! Ritchie Young an, ob er Ihr seid mit acht Mitglieden Song „Wax and Wire“ dern eine große Band, für sein Video „Way Back aber das Personal wechHome“ verwenden könne. selt auch öfter … Der Frontmann willigte Meistens gehen Bands ein – und staunte nicht zugrunde, weil ein Mitglied schlecht, als seine Band mit der Freundin eines plötzlich Fans in Israel und Bandkollegen schläft. Das Ägypten hatte und in Eurokann bei uns kaum passiepa Konzerthallen ausverren. Wir sind ein Kollektiv kaufte. Der Grund: Macaus Freunden mit 34 wechAskills Video hält derzeit selnden Mitgliedern. bei 16 Millionen Klicks auf der Website YouTube. Aktuelles Album: „Little Me Will  : Wie wichStart a Storm“. Im Februar sind tig war Danny MacAskills Loch Lomond auf Euroapatour: www.lochlomondmusic.com Video für euren Erfolg?


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Johnny Guitar (1954) Ich war etwa fünf, als ich diesen Western zum ersten Mal sah. Beeindruckt hat mich vor allem die Titelmelodie. Ich bat meinen Vater, sie mir auf der Gitarre beizubringen. Ein Moment, den ich heute als meine früheste musikalische Erinnerung bezeichnen würde. Davor hatte ich zwar ein Baby-Schlagzeug, aber das zählt nicht. Ich habe nur wild darauf eingeschlagen, sagten meine Eltern, mein Bruder hätte mich am liebsten umgebracht.

TAKE FIVE STARS ZEIGEN UNS, WAS SIE HÖREN

„Besser als bei John Carpenter haben die Achtziger nie geklungen“

TEXT: FLORIAN OBKIRCHER. BILD: WENDY BEVAN

AIR. Die zwei französischen Musiker verpassen einem Stummfilm von 1902 einen akustischen Maßanzug. Und teilen uns mit, welche Soundtracks sie selbst vom Kinosessel reißen.

Der Charme alter Science-Fiction-Filme, die Eleganz von skandinavischem Design, die Melancholie eines regnerischen Sonntagnachmittags. All das findet sich in der Musik von Air. Mit seinem Debütalbum „Moon Safari“ (1998) schuf das französische Duo einen Klangkosmos, der wie der Soundtrack eines SixtiesStreifens klingt. Nicolas Godin und Jean-Benoît Dunckel verbindet eine Affinität zu Filmmusik. Für Sofia Coppolas Filme „The Virgin Suicides“ (2000) und „Lost in Translation“ (2003) komponierten sie Softpop-Stücke zwischen WeichzeichnerÄsthetik und psychedelischen Synthesizer-Experimenten. Den Auftrag zu seinem neuen Album erhielt das Duo von der Cinémathèque française: Air sollten Georges Méliès’ Stummfilm-Klassiker „Le voyage dans la lune“ (Die Reise zum Mond) aus dem Jahr 1902 vertonen. „Der Film hat etwas Magisches“, sagt Godin, „die Musik schrieb sich fast von selbst. Psychedelisch, im Stil der Beatles oder ‚Their Satanic Majesties Request‘ von den Rolling Stones. Und das passte gut, weil im Paris des Fin de Siècle eine ähnliche Aufbruchstimmung geherrscht haben muss wie im London der Sechziger.“ Welche Soundtracks es waren, die den Cineasten Godin zum Filmmusikkomponisten machten, verrät er hier.

Bullitt (1968) Ich liebe die Auto-Verfolgungsjagd in diesem Film, vor allem den Klang der quietschenden Reifen. In „Cosmic Trip“ für unsere Vertonung von „Le voyage dans la lune“ habe ich versucht, diesen Sound nachzuahmen. Abgesehen davon groovt Lalo Shifrins jazzige Filmmusik wie Sau. Das Thema baut sich langsam auf, bis zur Explosion am Höhepunkt. Wie ein gewaltiger Orgasmus.

Planet of the Apes (1968) Als ich den Film als Kind erstmals sah, war ich geschockt und fasziniert. Das lag auch am Soundtrack, für den Jerry Goldsmith ein Instrument namens „Waterphone“ verwendete: eine Metallscheibe mit Resonanzrohr in der Mitte und dünnen Stäbchen an den Rändern. Die Geräusche, die das Ding von sich gibt, klingen großartig gespenstisch.

Escape from New York (’81) Als der Film rauskam, war ich noch zu jung, um ihn mir im Kino ansehen zu dürfen. Ich musste also an der Kasse lügen – aber das war’s wert. Der „Escape from New York“-Soundtrack von Regisseur John Carpenter weckte meine Liebe zu alten Synthesizern – und ist dafür verantwortlich, dass sich in meinem Tonstudio heute Korgs, Moogs und andere analoge Keyboards stapeln. Gerade für unsere Filmmusik zu „The Virgin Suicides“ schauten wir uns viel bei Carpenter ab. Besser als in diesem Film haben die achtziger Jahre nie geklungen.

Safe (1995) Ein Film aus den Neunzigern, den ich sehr liebe. Es geht um eine Frau, gespielt von Julianne Moore, die eine Bakterien-Phobie entwickelt und sich dadurch immer mehr isoliert – und sich am Schluss in die Wüste zurückzieht. Der Soundtrack ist sehr bedrohlich und atmosphärisch – mit breiten, abstrakten SynthesizerWänden. Ähnlich der Musik, die Regisseur Michael Mann in seinen Filmen einsetzt. Und ähnlich den Soundflächen, die wir selbst gern in unseren Stücken verwenden.

Air: „Le voyage dans la lune“ (EMI); fr.aircheology.com

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Top Events

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Februar 2012

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SPORT, MUSIK & ACTION IM ÜBERBLICK: DIESE EVENTS RECHTFERTIGEN JEDE WELTREISE.

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Musik

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8. – 11. 2., BARCELONA, SPANIEN

MUTEK

Barcelona ist Europas Festivalhauptstadt. Dafür sorgen im Sommer Partys wie Sónar oder Primavera, die Musikfans aus aller Welt anziehen. Und im Winter gibt es MUTEK, eine Art transatlantischen Betriebsausflug von Kanadas wichtigstem ElektronikFestival. Mit im Reisegepäck: geniale Musiker wie das deutsche Orchestermusik-trifft-Techno-Projekt Brandt Brauer Frick oder der britische Dubstep-Priester Shackleton. Die Red Bull Music Academy ist mit Workshops und eigener Bühne vertreten.

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Sport 24. – 26. 2., VIKERSUND, NORWEGEN

FIS SkiflugWeltmeisterschaft Der Vikersundbakken, zum vierten Mal Austragungsort einer Weltmeisterschaft, ist seit seinem Umbau im Vorjahr die größte Skiflugschanze der Welt. 25.000 Zuschauer werden für eine einzigartige Atmosphäre sorgen. Zu den großen Favoriten zählt neben Titelverteidiger Simon Ammann (SUI) wieder Gregor Schlierenzauer (Weltmeister 2008). Ebenfalls ein heißer Tipp auf den Sieg sind die starken norwegischen Flieger – allen voran Johan Remen Evensen, der auf diesem Bakken im Februar 2011 den Weltrekord von unglaublichen 246,5 Metern aufstellte.

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Brandt Brauer Frick: handgespielter Techno.

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12. 2., FORT CANNING PARK, SINGAPUR

St. Jerome’s Laneway Festival

2004 als kleines Indie-Rock-Festival in Melbourne gegründet, gilt St. Jerome’s Laneway heute als wichtigster australischer Open-Air-Event für Musik abseits des Mainstreams. Und die Party ist zur Festival-Tour angewachsen. Mit sieben Stopps in Australien, Neuseeland und seit letztem Jahr auch Singapur. Feist, Austra, M83, The Drums, The Horrors und andere Indie-Helden reisen in diesem Jahr mit, kurz: einige der spannendsten Bands der Gegenwart.

25. 2. – 7. 3., GOLD COAST, QUEENSLAND, AUSTRALIEN

ASP (Women’s) World Tour Die kurze Winterpause der Profisurfer geht zu Ende. Mit dem Quiksilver Pro der Männer und dem Roxy Pro der Damen startet die neue Saison an der australischen Ostküste. Im Vorjahr legte USSuperstar Kelly Slater an den Snapper Rocks den Grundstein für seinen elften WM-Titel. Besonders wohl fühlt sich an den traumhaften Stränden Coolangattas aber auch Lokalmatador Taj Burrow (Sieger 2010). Bei den Damen schuf sich die Hawaiianerin Carissa Moore mit ihrem Sieg 2011 eine solide Basis für ihren ersten Titel auf der ASP Women’s World Tour.

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26. 2., PHILLIP ISLAND, AUSTRALIEN

FIM Superbike World Championship

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Die Motorsport-Saison gibt wieder Gas, traditionell startet die Superbike-WM aus der PolePosition – in diesem Jahr die bereits 25. der Geschichte. Die Jagd auf Titelverteidiger Carlos Checa, den ersten spanischen Superbike-Weltmeister, beginnt auf dem 4445 Meter langen Kurs auf Phillip Island, rund 120 Kilometer südöstlich von Melbourne (Victoria).

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Gregor Schlierenzauer peilt den zweiten Titel an.


MORE BODY & MIND

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28. 2.– 2. 3., MASKAT, OMAN

Extreme Sailing Series Acht Regatten stehen dieses Jahr mit den 12 Meter langen, 19 Meter hohen und bis zu 75 km/h schnellen Extreme-40-Katamaranen auf dem Rennkalender. Den Anfang macht wie im Vorjahr das landschaftlich reizvolle Sultanat Oman. Am Ende der letzten Saison rückte das Red Bull Extreme SailingTeam rund um Skipper Roman Hagara der Spitze immer näher. In diesem Jahr sollte es für den Doppelolympiasieger im Tornado-Segeln auch mit dem ersten Sieg in der Extreme Sailing-Serie klappen.

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BILDER: HARRY WEBER, GETTY IMAGES (3), ANDREAS SCHAAD/RED BULL CRASHED ICE, RUTGER PAUW/RED BULL CONTENT POOL

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… Samba die ganze Nacht: beim Karneval in Rio.

18. 2., INAZAWA, JAPAN

Hadaka Matsuri Hadaka Matsuri ist japanisch und bedeutet: Festival der nackten Männer. Jeden Februar treffen sich rund 9000 Japaner in dem kleinen Städtchen Inazawa und laufen ohne Kleider durch den Schnee. Die Shinto-Tradition wird seit 767 v. Chr. alljährlich zelebriert. Den Nackten geht es darum, das spirituelle Oberhaupt des Fests zu berühren: den Shinotoko. Durch den Hautkontakt absorbiert dieser alle Unreinheit, schlechte Taten und sämtliches Unglück – womit den Männern ein Jahr voll Glück bevorsteht.

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18. 2., ÅRE, SCHWEDEN

26. 2., KODAK THEATRE, HOLLYWOOD, KALIFORNIEN, USA

Red Bull Crashed Ice World Championship

84th Academy Awards

Red Bull Crashed Ice kehrt beim dritten Stopp der aktuellen Weltmeisterschaft an seine „Geburtsstätte“ zurück – nach Schweden. Dieses Mal findet der Ice-Cross-Downhillbewerb im Gegensatz zu 2001 jedoch nicht in Stockholm, sondern im bekannten Skiresort Åre statt. Pickelharte Duelle auf dem mit Steilkurven und Hindernissen gespickten Kurs sind garantiert – ganz zur Freude der tausenden Fans am Streckenrand.

Die wichtigste Nacht des Filmjahres. Die Nacht, in der sich Schauspielerinnen in ihre schicksten Designerkleider werfen und Männer in ihre elegantesten Anzüge. Alles zu Ehren jener begehrten Statuette, der Academy-Bibliothekarin Margaret Herrick in den 1930ern mit den Worten „Sieht aus wie mein Onkel Oscar“ den Namen gegeben hat. 34,2 Zentimeter hoch, knapp vier Kilo schwer: Ihr Materialwert beträgt 300 Dollar – der ideelle Wert aber ist unermesslich.

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Im Oman: Red Bull Extreme Sailing-Team.

Kultur

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18. 2. – 21. 2., SAMBÓDROMO, RIO DE JANEIRO, BRASILIEN

Carnaval do Rio Samba, leichte Kostüme, Batuques: Im Februar fluten wieder Millionen Karnevalisten die Straßen von Rio. Dieses Jahr zeigen die 13 besten Sambaschulen mit jeweils bis zu 5000 Teilnehmern und etlichen Festwagen bei der größten Party der Welt ihr Können. In je einer Stunde müssen sie Publikum und Preisrichter in der Sambódromo-Arena beeindrucken. Es zählen: Thema (Enredo), Kostüme (Fantasias), Zusammenspiel der Gruppe (Conjunto) und sieben weitere Kategorien. Feuerwerk und Freudenfest der siegreichen „escola de samba“ markieren das Karnevalsende.

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Heiße Duelle auf schwedischem Eis.

Billy Crystal: zum neunten Mal Oscar-Moderator.

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MORE BODY & MIND Die Freeski-Elite versammelt sich zum dritten Mal im Zillertal.

Save the Date Februar 2012

RAUF AUF DEN BERG UND DIE PISTEN. DANACH AB ZU DEN HEISSESTEN ELEKTRONISCHEN BEATS.

10. FEBRUAR, REITERALM, PICHL-PREUNEGG

Snow Speed Hill Reiteralm

Auf einer Skipiste muss man nicht zwangsläufig bergab fahren. Es geht auch in die Gegenrichtung rasant – das beweisen Motocross- und Ski-DooPiloten unter Flutlicht am Steilhang der Reiteralm.

Red Bull Shr3d 3 Teams mit 3 Fahrern aus 3 Nationen. Die Snowboardprofis Marc Swoboda (AUT, Bild re.), Marco Smolla (GER) sowie ein Schweizer Toprider haben – unterstützt von jeweils einem Profi und einem Amateur – 3 Tage Zeit, um einen spektakulären 3-Minuten-Clip zu produzieren. 18. FEBRUAR – 27. APRIL, SALZBURG

Dietmar Kainrath

Tuschfedern, ein dünner Pinsel, sparsam Wasserfarbe und eine ordentliche Portion hintergründiger Witz: Dietmar Kainrath, Innsbrucker und Red Bulletin-Hauskarikaturist, zeigt wieder Teile seines Œuvres im Hangar-7. Das Generalthema der anstehenden Ausstellung: Zitate bekannter Persönlichkeiten in Verbindung mit blau-silbernen Dosen. 2. – 4. MÄRZ, DAMÜLS, VORARLBERG

Austrian Rookie Challenge

Unter dem Motto „Riding to the Next Level“ stellt der europäische Snowboard-Freestyle-Nachwuchs in dem Vorarlberger Bergdorf sein Können in Jam-, Night- und Backcountry-Session unter Beweis.

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8. – 11. FEBRUAR, VANS PENKEN PARK, MAYRHOFEN

Mayrhofen Freeski Open 2012 Zur dritten Auflage des Freeski-Spektakels versammelt sich die europäische Freeski-Elite im Zillertal. Training ist am Mittwoch und Donnerstag, am Freitag geht’s in den Contest: Zehn geladenen Top-Rider, vierzig qualifizierte Rider in der Open Class sowie dreißig Rookies und zehn Ladys fighten um die Titel. Wir sind gespannt, was sich die Shape Crew für die Endsection des Premium-Set-ups hat einfallen lassen. Dabei gilt es ein Topergebnis aus dem Jahr 2010 zu schlagen: 2010 war der Vans Penken Park „Europas Snowpark des Jahres“. Im Superfinale der besten acht Rider wird bei der Jamsession mit drei Runs pro Fahrer der Nachfolger des italienischen Titelverteidigers Markus Eder ermittelt. www.mayrhofen-freeski-open.com

14. FEBRUAR, ARENA WIEN

Awolnation In den USA wurde ihr im März 2011 veröffentlichtes Debütalbum „Megalithic Symphony“ inzwischen mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Jetzt nehmen sie mit ihrer Hit-Single „Sail“ Kurs auf Europa: . Seit zwei Jahren arbeiten der kalifornische Musiker Aaron Bruno und seine Band unter diesem Namen an einer Verschmelzung von rauen Rock-Salven und elektronischer Eleganz. Die

kraftvollen Songs klingen, als hätten The Strokes im Tonstudio Besuch von Daft Punk bekommen. Viel Spaß beim Pogo-Tanzen unter der Discokugel! www.awolnationmusic.com

BILDER: HANS HERBIG/RED BULL CONTENT POOL, CHRISTOPH SCHÖCH, GETTY IMAGES

8. – 11. FEBRUAR, KAPRUN


PROMOTION

MUST-HAVES! HD-ACTION IN JEDER LEBENSLAGE Die brandneue GoPro HD HERO2 stellt alle bisherigen Actionkameras in den Schatten. Ob beim Snowboarden, Surfen, Biken oder Fallschirmspringen – das wasserdichte Gehäuse, über zwei Stunden Akkulaufzeit und unzählige Halterungen machen sie zur vielseitigsten Sportvideokamera der Welt. Full-HD-Videos, faszinierende Zeitlupen und Fotos mit bis zu 11 Megapixel bringen die Action direkt ins Wohnzimmer. 1

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www.grofa.com 2 KÄSTLE: TOURENSKI-PROFI Die österreichische Skimarke KÄSTLE beweist bei Tourenski Kompetenz. Inspiriert vom legendären Tour Randonnée aus dem Jahr 1979, dem damals leichtesten Tourenski der Welt, hat KÄSTLE dem Ski ein Comeback beschert. Der TX77 Tour Randonnée führt eine Tourenski-Linie an, welche mittlerweile um den mehrmaligen Testsieger TX87 Tour Haute Route erweitert wurde und in der Saison 2012/13 um die Touren-Freerider TX97 Tour Montagne und TX107 Tour Poudreuse mit Early Rise Rocker-Profil wachsen wird. Eines haben die vier Bergspezialisten gemeinsam: Sie gelten nicht nur als wahre Aufstiegsprofis mit geringem Gewicht, sie glänzen zugleich mit exzellenter Fahr-Performance. Kein Wunder, wurden sie doch in Zusammenarbeit mit Freeski-Legende Chris Davenport und Spitzenalpinist Steve House entwickelt.

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www.kaestle-ski.com

FREERIDE-PARTNER: ABS POWDER 15 Wenn es ums Überleben geht, gibt es keine halben Sachen. Deshalb setzt ABS auf zwei Airbags statt einen. Die beiden seitlich am Körper angebrachten ABS®-TwinBags verbessern das Verhältnis von Volumen und Auftriebsfläche in der Lawine deutlich. Zwei getrennte Luftkammern sorgen für zusätzliche Sicherheit und bieten volle Bewegungsfreiheit auch bei ausgelösten Airbags. 97 % Überlebensrate sprechen für sich und das Prinzip Selbstrettung durch Nichtverschüttung. 3

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www.abs-airbag.com

ACCESS ALL AREAS TYROLIA ADRENALIN TYROLIA betritt 2012 neues Terrain und erobert den ganzen Berg, mit der Kraft von Adrenalin – der neuen Freeride-Bindung mit Gehfunktion! Die jahrzehntelange Expertise und Erfahrung als Marktführer im Sektor alpine Skibindung bringt TYROLIA nun auch in das Backcountry- und Freeride-Segment ein. Damit ist TYROLIA der perfekte Partner, um mit der brandneuen, einfach zu benutzenden und präzise funktionierenden AdrenalinBindung den ganzen Berg zu erkunden und zu erleben. Unberührte Hänge, Spuren im Schnee, den Gipfel erklimmen – Access All Areas. Mehr Informationen auf: 4

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www.aaa-series.com und www.tyrolia.com


MORE BODY & MIND

VOLLES PROGRAMM Das Red Bull TV-Fenster bei ServusTV: Jede Menge Action auf Ihrem Bildschirm!

SONNTAG, 5. FEBRUAR, 16.00 UHR

DIENSTAG, 7. FEBRUAR, 22.25 UHR

Red Bull Crashed Ice

How Bruce Lee Changed the World

Nach dem ersten Stopp der Red Bull Crashed Ice-Serie 2012 in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota rücken unsere Athleten nun aus, um Europa auf Kufen zu erobern. Am 5. Februar geht es ins niederländische Valkenburg und am 19. Februar ins schwedische Åre. Im Red Bull TV-Fenster bei ServusTV sehen Sie die Highlights jedes Rennens, moderiert von Christian Brugger und kommentiert von den Experten Sebastian Schwele und Marc Brabant.

Mit stählernem Körper, Anmut und tiefer Leidenschaft etablierte Bruce Lee die chinesische Kampfkunst in der westlichen Welt. Doch der Mann mit den fliegenden Händen und Füßen ist weit mehr als nur ein Karatemeister. Bruce Lees Tochter Shannon begibt sich in dieser Dokumentation auf die Suche nach den Wurzeln und Wegen eines Mannes, der die Populärkultur wie kaum ein anderer prägte und bis heute unvergesslich geblieben ist.

MONTAG, 27. FEBRUAR, 22.45 UHR

MITTWOCH, 8. FEBRUAR, 21.15 UHR

FREITAG, 24. FEBRUAR, 23.30 UHR

NASCAR – Daytona

The City Dark

Slideways

Es ist wieder so weit: Am Daytona International Speedway in Florida wird zum Saisonauftakt der NASCAR Sprint Cup Series wieder richtig Gas gegeben. Bei uns sind Sie immer montags mit dabei.

Mit dem Umzug nach New York verlor Filmemacher Ian Cheney den Sternenhimmel. Denn in der Stadt, die niemals schläft, wird es auch nicht dunkel. Er begibt sich auf die Suche nach der Dunkelheit.

Wie viel Leidenschaft steckt noch im SnowboardSport? „Wolle“ Nyvelt, Snowboarder des Jahres 2008, geht auf eine Reise, um die Seele eines Sports zu erkunden, der mittlerweile Kult ist.

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BILDER: DDP IMAGES, SEBASTIAN MARKO/RED BULL CRASHED ICE, JARNO SCHURGERS/RED BULL CONTENT POOL, SCOTT SULLIVAN, WICKED DELICATE FILMS

DIE HI G H LI G HTS D E S M O NATS


MORE BODY & MIND

Februar Samstag, 4. Februar 09.20 First Ascent Point of No Return 09.50 Tracking Eero Canada Continued…Terje and Jake show up, 5/6 10.15 Focused Quest for Deep Powder Teil 2 10.40 HIGHLIGHTS World Champions in Lofoten

Donnerstag, 9. Februar 23.55 FILMFESTIVAL IN YOUR LIVING ROOM How Bruce Lee Changed the World Dokumentation, USA 2009

16.00 Snowboard Chronicles Air & Style Beijing 16.15 HIGHLIGHTS Red Bull Battle of Trafalgar 16.30 HIGHLIGHTS Red Bull Car Park Drift Lebanon

16.00 Cliptomaniacs

BILDER: MATTIAS FREDRIKSSON/RED BULL CONTENT POOL, TONY HARRINGTON/RED BULL CONTENT POOL, DON HOLTZ, ALEXANDER KLEIN, SCOTT SULLIVAN, MARCEL LÄMMERHIRT/RED BULL CONTENT POOL, LUX DIGITAL PICTURES, ANDREW MEARES, JOSE SOLORZANO/RED BULL CONTENT POOL, WICKED DELICATE FILMS

16.30 Red Bull Tops Most Unbelievable Freefalls 17.00 Cyril Despres Portrait 00.40 Snowboard Chronicles Air & Style Beijing 00.55 Talking Music Lecture Arabian Prince Sonntag, 5. Februar 16.00 Red Bull Crashed Ice 2012 2. Stopp: Valkenburg, NED 22.10 FILMFESTIVAL IN YOUR LIVING ROOM God Went Surfing with the Devil Dokumentation über das Leben in Israel und dem Gazastreifen, ISR 2010

16.30 Red Bull Tops Orlando Duque’s Greatest Dives 16.45 Red Bull Tops Best of Brazil

00.50 Talking Music Lecture Arthur Verocai

22.45 ULTIMATE RUSH Haines, Alaska

Sonntag, 12. Februar 16.00 The City Dark Dokumentation, 2011

23.15 Red Bull Crashed Ice 2012 2. Stopp: Valkenburg, NED

Mittwoch, 8. Februar 21.15 The City Dark Dokumentation, 2011

Dienstag, 14. Februar

21.15 Solo – Vermisst auf hoher See

00.45 Talking Music Lecture Joel Martin Sonntag, 19. Februar 16.00 Red Bull Crashed Ice 2012 3. Stopp: Åre, SWE 22.00 FILMFESTIVAL IN YOUR LIVING ROOM Learning from Light: The Vision of I. M. Pei Dokumentation über Ieoh Ming Pei und Fertigstellung des Museums islamischer Kunst in Qatars Hauptstadt Doha, USA 2009

10.15 Focused Rolling Dirty in Morocco 10.40 HIGHLIGHTS Ryan Doyle Timerun Türkei

23.55 FILMFESTIVAL IN YOUR LIVING ROOM Separado! Dokumentation, GBR 2011 Freitag, 17. Februar 16.00 Snowboard Chronicles Freeride World Tour, 1. Stopp: Chamonix

Dienstag, 21. Februar 22.30 FILMFESTIVAL IN YOUR LIVING ROOM American Grindhouse Dokumentation über den amerikanischen Filmmarkt und dessen Schattenseiten, USA 2010

16.15 HIGHLIGHTS Baja 1000 16.30 HIGHLIGHTS Red Bull Cubed Pipe 23.15 Snowboard Chronicles Air & Style Innsbruck 23.30 Red Bull Crashed Ice 2012 2. Stopp: Valkenburg, NED

09.45 Ultimate Rush Kayak the World 10.15 Focused New School, Old World 10.40 HIGHLIGHTS Red Bull Cubed Pipe

Mittwoch, 22. Februar 21.15 Rocket Compulsion Dokumentation, AUS 2011 Donnerstag, 23. Februar 23.55 FILMFESTIVAL IN YOUR LIVING ROOM American Grindhouse Dokumentation, USA 2010

23.45 ADVENTURE CIRCUS Nowhere Dienstag, 28. Februar 22.30 FILMFESTIVAL IN YOUR LIVING ROOM Foo Fighters – Back and Forth Diese Musikdokumentation rollt die 16-jährige Geschichte der legendären Rockband von Ex-Nirvana-Drummer Dave Grohl auf und zeigt die Gruppe ganz persönlich, USA 2011

16.00 Cliptomaniacs 16.30 Red Bull Tops Die erfolgreichsten jungen Talente 17.00 HIGHLIGHTS Red Bull Hüttenrallye 2012

Donnerstag, 1. März MÄRZ 23.55 FILMFESTIVAL IN YOUR LIVING ROOM Foo Fighters – Back and Forth Musikdoku, USA 2011

23.15 Ultimate Rush MTB in the Middle East Donnerstag, 16. Februar

Montag, 27. Februar 22.45 NASCAR Sprint Cup Series 2012 Saisonauftakt in Daytona, USA

11.05 Ultimate Rush Mountainbike Stunts

22.45 Ultimate Rush Mountainbike Stunts

09.20 Hard Enduro 2012: Tough One

22.10 FILMFESTIVAL IN YOUR LIVING ROOM Game Over Dokumentation über das Duell zwischen dem Schachweltmeister Kasparow und dem IBM-Großrechner Deep Blue, CAN 2003

09.50 Ultimate Rush MTB in the Middle East

Montag, 20. Februar

Samstag, 18. Februar

Dienstag, 7. Februar 22.25 FILMFESTIVAL IN YOUR LIVING ROOM How Bruce Lee Changed the World Dokumentation, USA 2009

23.10 Ultimate Rush Kayak the World

10.15 Focused Hold On Loosely

17.00 HIGHLIGHTS Red Bull Battle of Trafalgar

Montag, 6. Februar

22.45 Ultimate Rush History of Ski Base

09.50 Tracking Eero So Much History! A Roadtrip around Europe, 6/6

16.00 Cliptomaniacs

00.00 Hard Enduro 2012: Hell’s Gate

09.20 Hard Enduro 2012: Le Touquet

Montag, 13. Februar

Mittwoch, 15. Februar

11.05 Ultimate Rush Haines, Alaska

23.30 Slideways The Evolution of Snowboarding (1/4)

Samstag, 25. Februar

Samstag, 11. Februar

10.40 HIGHLIGHTS Red Bull Car Park Drift Lebanon

16.00 Cliptomaniacs

23.55 ADVENTURE CIRCUS Nowhere

00.00 Hard Enduro 2012 Le Touquet

09.20 First Ascent Fly or Die

23.15 Snowboard Chronicles Super Natural

17.00 HIGHLIGHTS Baja 1000

22.30 FILMFESTIVAL IN YOUR LIVING ROOM Separado! Dokumentation über Gruff Rhys’ Suche nach seinem Onkel, dem Musiker René Griffiths, GBR 2010

23.30 Hard Enduro 2012 Tough One

11.05 Ultimate Rush History of Ski Base

16.30 Red Bull Tops Born to Board

Freitag, 10. Februar

23.15 Snowboard Chronicles Freeride World Tour, 1. Stopp: Chamonix 11.05 Ultimate Rush The Red Line

23.40 Snowboard Chronicles Freeride World Tour, 1. Stopp: Chamonix

00.35 Snowboard Chronicles Super Natural 00.50 Talking Music Lecture Subpop Sonntag, 26. Februar

Freitag, 2. März 16.00 Snowboard Chronicles Natural Selection 16.15 HIGHLIGHTS Jhal Magsi Desert Challenge

16.00 Rocket Compulsion Dokumentation, AUS 2011

16.30 HIGHLIGHTS Red Bull Airborne – Life of Chuck Berry

22.10 FILMFESTIVAL IN YOUR LIVING ROOM Soundtracker Filmemacher Nicholas Sherman begleitete den mit einem Emmy ausgezeichneten Tontechniker Gordon Hempton auf der Suche nach dem perfekten Sound, GBR 2011

23.15 Snowboard Chronicles Freeride World Tour, 2. Stopp: Roldal

23.40 Snowboard Chronicles Super Natural 23.55 ADVENTURE CIRCUS Attack of la Niña

23.30 Slideways Surfing the Snow (2/4)

00.00 Burton Canadian Open Highlights

Freitag, 24. Februar 16.00 Snowboard Chronicles Air & Style Innsbruck 16.15 HIGHLIGHTS Red Bull Hüttenrallye 2012 16.30 HIGHLIGHTS Ryan Doyle Timerun Türkei

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nter Autoren, Magazin-Verlegern und anderen Papier mit einigermaßen klugen Sätzen füllenden Menschen ist eine heftige Debatte entbrannt, die sich um diese Fragen dreht: Wie wirkt sich das Internet aufs Gedruckte aus? Werden wir bald kein Papier mehr in Händen halten? Sondern nur noch Phones & Pads & Tablets & Kindles? Sterben die gedruckten Zeitungen aus? Die Bücher? Und mit ihnen auch die Printhäuser und die Buchverlage? Weil dann nämlich alle alles auf Bildschirmen lesen werden und übers Internet direkt kaufen? Für die Anhänger des digitalen Journalismus und des eBooks sind diese Fragen längst entschieden: Wer heute noch glaube, seinen „content“ auf einem altertümlichen Medium wie Papier vertreiben zu müssen, sei Teil jener „TotholzIndustrie“, die ebenso aussterben werde wie Telegramm und Telex, die ja auch vom Internet ersetzt worden seien. Ich weiß, Sie erwarten jetzt, dass ich diese Frage abschließend kläre, aber da muss ich Sie leider enttäuschen. Ich kann nicht in die Zukunft schauen. Es kann also sein, dass Sie diese Zeilen bald nur noch auf einem wohlig schimmernden Bildschirm lesen oder sie Ihnen direkt auf die Netzhaut projiziert werden und wir alle das auch noch gut finden. Wer weiß? Über etwas anderes kann ich fundierter Auskunft geben: dass es einen gravierenden Unterschied macht, ob wir etwas auf einem Blatt Papier lesen oder auf einem Bildschirm. Weil es meiner eigenen Erfahrung entspricht. Weil es viele Menschen gibt, die sich Texte ausdrucken, die sie genauso gut am Bildschirm lesen könnten. Und weil Doktoranden der Fachrichtung „Journalismus und Kommunikation“ an der US-Universität Oregon

Ankowitschs Kolumne belebt Körper und Geist

Es lebe das Gedruckte! Etwa deswegen: Papier ist glaubwürdiger als jeder Bildschirm. im August 2011 eine entsprechende Untersuchung vorgestellt haben. In deren Rahmen baten sie 45 Journalismus-Studenten, 20 Minuten lang die „New York Times“ zu lesen. 25 bekamen die gedruckte Ausgabe vorgesetzt, der Rest die Online-Version. Abschließend testeten die Wissenschaftler, welche Gruppe wie viel behalten hatte. Das eindeutige Ergebnis: Die Studenten, die das raschelnde Ungetüm gelesen hatten, konnten sich an doppelt so viele Dinge erinnern wie jene, die sich durch die Online-Ausgabe geklickt hatten. Die Erklärung des Versuchsleiters: Die virtuellen

Informationen würden flüchtig erscheinen, da sie gleichsam von selbst auftauchten und wieder verschwänden. Dieser Eindruck signalisiere dem Unbewussten des Lesers: Alles nicht so wichtig hier, musst du dir nicht einprägen. Diese weitreichende Erkenntnis wird von einer noch laufenden Untersuchung an der ColumbiaUniversität in New York unterstützt. Vorläufige Ergebnisse deuten an, dass sich das Lesen von Texten im Internet negativ auf unsere Merkfähigkeit auswirke. Das bedeutet nicht, dass die digitale Revolution ausfallen wird. Wann hätten warnende Hinweise auf negative Nebenwirkungen schon einmal dazu geführt, dass technische Neuerungen unterblieben wären? Eben! Diese Erkenntnisse spielen vielmehr einer Reihe von Leuten wunderbare Argumente in die Hände. Lateinschüler werden sich darauf rausreden können, das elektronische Wörterbuch habe ihnen den letzten Rest an Vokabelkenntnissen aus dem Hirn gesogen. Zu spät bei Verabredungen Erscheinende werden sagen können, man solle froh sein, dass sie überhaupt noch auftauchen, angesichts der nachgewiesen verblödenden Nebenwirkungen virtueller Notizen. Und Ihr Kolumnist wird in nicht allzu ferner Zukunft zum Schluss seines Textes immer wieder denselben Witz erzählen können, weil er sich – kaum gelesen – schon wieder in Nichts auflöst. Zum Beispiel den: Treffen einander zwei Bananen. Sagt die eine: „Hallo, du!“ Darauf die andere: „Hilfe, eine sprechende Banane!“ Christian Ankowitsch, 52, ist ein österreichischer Journalist, Schriftsteller und Lebenshelfer. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838: Herausgeber und Verleger Red Bulletin GmbH Chefredaktion Robert Sperl, Alexander Macheck (Stv.) Geschäftsführung Mag. Alexander Koppel, Rudolf Theierl Creative Director Erik Turek Art Director Kasimir Reimann Fotodirektion Fritz Schuster Creative Photo Director Susie Forman Chefin vom Dienst Marion Wildmann Leitender Redakteur Werner Jessner Redaktion Ulrich Corazza, Florian Obkircher, Arkadiusz Pia˛tek, Andreas Rottenschlager Mitarbeiter Stefan Wagner Grafik Patrick Anthofer, Martina de Carvalho-Hutter, Miles English, Ken Ulrich Paasche, Esther Straganz Fotoredaktion Valerie Rosenburg, Catherine Shaw, Rudolf Übelhör Senior Illustrator Dietmar Kainrath Autor Christian Ankowitsch Illustratoren Albert Exergian, Mandy Fischer Corporate Publishing Boro Petric (Ltg.); Christoph Rietner, Nadja Žele (CR); Dominik Uhl (AD); Markus Kucˇera (FD); Lisa Blazek (Red.); Christian Graf-Simpson (iPad) Lektorat Hans Fleißner Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad Isailovic, Karsten Lehmann, Josef Mühlbacher, Thomas Posvanc Herstellung Michael Bergmeister Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter Omar Sádaba Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg Finanzen Mag. Siegmar Hofstetter, Simone Mihalits Marketing & Country Management Barbara Kaiser (Ltg.), Stefan Ebner, Lukas Scharmbacher, Johanna Troger; Matthias Preindl, Martina Ripper (Design); Klaus Pleninger (Vertrieb); Peter Schiffer (Abo); Nicole Glaser (Abo- und Vertriebsmarketing) Anzeigenverkauf Frauke Landi (Ltg.), Thomas Hutterer, Marcus Zinn; anzeigen@at.redbulletin.com Anzeigendisposition Susanne Thurner O∞ce Management Anna Jankovic (Ltg.), Manuela Geßlbauer IT Michael Thaler Firmensitz Red Bulletin GmbH, Am Brunnen 1, A-5330 Fuschl am See, FN 287869m, ATU 63087028 Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com Web www.redbulletin.com Erscheinungsweise Das Red Bulletin erscheint monatlich als Eigenbeilage von und in Kooperation mit folgenden Partnerzeitungen – in Österreich: Kleine Zeitung, Kurier, Die Presse, Salzburger Nachrichten, Der Standard, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten. In Deutschland liegt das Red Bulletin der Frankfurter Allgemeine Zeitung bei. In Nordirland: Belfast Telegraph. In Irland: The Irish Times. In Frankreich: L’Équipe. In Südafrika: Independent on Saturday, Saturday Star, Weekend Argus. In Neuseeland: The New Zealand Herald. In Kuwait: Kuwait Times. In Mexiko: Milenio Diario. In der Schweiz und Großbritannien: alternativer Vertrieb. Gesamtauflage 3,6 Millionen Leserbriefe bitte an leserbriefe@at.redbulletin.com Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: Medieninhaber: Red Bulletin GmbH mit Sitz in Fuschl am See; Unternehmensgegenstand: Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Zeitschriften, Magazinen, Büchern und anderen Periodika, insbesondere unter der Bezeichnung „Red Bulletin“; Geschäftsführer: Alexander Koppel, Rudolf Theierl. Die Red Bulletin GmbH steht im Alleineigentum der Red Bull Media House GmbH mit Sitz in Wals-Siezenheim. Unternehmensgegenstand der Red Bull Media House GmbH: Medienwesen, Beteiligungen; Geschäftsführer: Dietrich Mateschitz, Andreas Gall, Christopher Reindl. Die Red Bull Media House GmbH steht im Alleineigentum der Red Bull GmbH mit Sitz in Fuschl am See. Unternehmensgegenstand der Red Bull GmbH: Verwertung der Marke „Red Bull“; Geschäftsführer: Dietrich Mateschitz. An der Red Bull GmbH sind TC Agrotrading Co. Ltd., Hongkong, und die Distribution & Marketing GmbH, Thalgau, mit jeweils 49 % beteiligt. Die Red Bull Media House GmbH ist an folgenden anderen Medienunternehmen beteiligt: Red Bull TV GmbH mit Sitz in Wals-Siezenheim; Betriebsgegenstand: Medienwesen; Servus TV Ein Produkt des Fernsehgesellschaft m.b.H. mit Sitz in Wals-Siezenheim. Betriebsgegenstand: Betrieb des Senders Servus TV; Red Bulletin Schweiz AG mit Sitz in Uster, Schweiz; Betriebsgegenstand: Produktion und Vertrieb von Zeitschriften; Terra Mater Factual Studios GmbH mit Sitz in Wien, Betriebsgegenstand: Produktion und Verwertung von audiovisuellen Inhalten, insbesondere Dokumentarfilmen und Dokumentationen; Red Bull Media House North America, Inc., mit Sitz in Santa Monica, USA, Betriebsgegenstand: Medienwesen. Grundlegende Richtung (Blattlinie): Berichterstattung über Aktivitäten und Lifestyle von Red Bull.

DIE NÄCHSTE AUSGABE DES RED BULLETIN ERSCHEINT AM 6. MÄRZ 2012.

ILLUSTRATION: ALBERT EXERGIAN

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